Sicherheit und Geschwindigkeit – was sich dieses Jahr ändern soll

Die neue MLB-Saison steht vor der Tür, in weniger als drei Wochen beginnen die Spring-Training-Spiele. Bis dahin möchten nicht nur über 120 Free Agents gern ihre unmittelbare Zukunft geklärt haben, sondern es stehen auch noch Entscheidungen über mögliche Regeländerungen an. Im Mittelpunkt steht dabei nach wie vor das Bestreben, das Spiel schneller zu machen. Hier ein kurzer Überblick, was sich schon dieses Jahr ändern könnte.

Erweiterte Netze in allen Ballparks
Eine Änderung zur neuen Saison steht fest: In allen 30 Ballparks der MLB werden zusätzliche oder größere Sicherheitsnetze installiert, um Zuschauer in Spielfeldnähe vor verirrten Bällen zu schützen. Es gibt dazu keine neue Regel, nur eine zwei Jahre alte Empfehlung der MLB. Diese wurde in den vergangenen beiden Jahren von den meisten Klubs geflissentlich ignoriert und leider war es wie so oft im Leben: Bevor Sicherheitsbedenken auf Gehör stoßen, muss es erst einen aufsehenerregenden Fall mit Toten oder schweren Verletzungen geben. Am 20. September wurde ein kleines Mädchen im Yankee Stadium von einem Line Drive getroffen. Es erlitt mehrere Schädelfrakturen und eine Gehirnblutung. Und plötzlich sahen alle 30 Vereine ein, dass erweiterte Sicherheitsnetze doch eine gute Idee sein könnten, die nun umgesetzt wird.

Pitch-Clock oder letztes Ultimatum
Über die Einführung einer Pitch-Clock wurde in dieser Offseason viel spekuliert. Fakt ist, dass die Begrenzung der Zeit zwischen zwei Pitches auf 20 Sekunden in den Minor Leagues seit 2015 Realität ist und dass die Leitung der MLB bereits vor einem Jahr vorgeschlagen hat, dies auf die Major League zu übertragen. Eine kurzfristige Einführung wäre damals nur mit Zustimmung der Spielergewerkschaft MLBPA möglich gewesen, die nicht erteilt wurde. Mit der seitdem vergangen Wartezeit hat die Liga nun das Recht, die Regeländerung einseitig festzulegen.

Commissioner Rob Manfred hat die Beschleunigung des Spiels zu einem Hauptanliegen seiner Amtszeit gemacht und die Pitch-Clock hat in den Minors tatsächlich dazu geführt, dass die Spiele sich im Schnitt um zwölf Minuten verkürzt haben. Dennoch scheint Manfred davor zurück zu schrecken, die Neuerung im Alleingang einzuführen. Das ist verständlich, denn die Maßnahme gilt als unpopulär – sowohl unter den Spielern als auch unter vielen der Fans. Baseball ist traditionell der Mannschaftssport ohne Uhr und der Nervenkrieg im Duell zwischen Pitcher und Batter macht einen guten Teil des Reizes dieses Sports aus. Das sehe auch ich so und deshalb bin ich froh, dass Manfred wohl bereit ist, ein letztes Ultimatum zu gewähren. Das Angebot lautet, dass auf die Pitch-Clock verzichtet wird, sofern die Spieler eigenverantwortlich dafür Sorge tragen, dass die durchschnittliche Dauer eines 9-Inning-Spiels von zuletzt 3:05 Stunden auf unter 2:55 Stunden sinkt. Wird dieses Ziel verfehlt, kommt die Pitch-Clock unweigerlich 2019; Überschreitungen des 20-Sekunden-Limits werden dann je nach Verursacher mit Balls oder Strikes bestraft.

Begrenzung der Mound-Visits
Als ein Beitrag zur Erreichung des Zeitziels wird wohl schon dieses Jahr eine strengere Begrenzung der Besuche auf dem Mound eingeführt werden. Bislang war ein Besuch pro Inning durch einen Coach oder Manager erlaubt, beim zweiten musste der Pitcher gewechselt werden. Die Anzahl der Besuche durch Mitspieler war nicht begrenzt. Im Gespräch ist nun eine Höchstzahl von sechs Besuchen je Spiel, egal ob durch einen Coach oder durch einen Mitspieler. Auch diese Maßnahme stößt nicht unbedingt auf Gegenliebe unter den Spielern, dürfte für sie aber im Vergleich mit der Installation einer Pitch-Clock deutlich akzeptabler sein.

Comeback der Bullpen-Carts?
Als weiteres Mittel, um die Spieldauer zu reduzieren, kam diese Woche die Idee ins Spiel, die alte Tradition der Bullpen-Carts wieder aufleben zu lassen. Ob es wirklich viel Zeitersparnis bringt,  die Relieve Pitcher mit so einem Wägelchen zum Mound zu kutschieren, wage ich zu bezweifeln – ein normaler Weg vom Bullpen zum Mound dauert zu Fuß rund 50 Sekunden, mit dem Cart vielleicht 30. Aber was soll’s, die Dinger sehen so schön retro aus, also her damit, auch wenn sie wohl kaum viel mehr als eine Minute Spieldauer sparen.

Zurzeit nur ein Ausstellungsstück: Ein Bullpen-Cart der Red Sox1

Baserunnner zu Beginn von Extra-Innings
Um noch mal auf einen ernstafteren Eingriff ins Spiel zu sprechen zu kommen: Wenn Spring-Training-Spiele in die Verlängerung gehen, wird dieses Jahr ab dem zehnten jedes Inning mit einem Baserunnner auf der zweiten Base begonnen. Im All-Star-Game am 17. Juli wird die gleiche Regelung ab dem elften Inning gelten. Das ist im Endeffekt die Einführung eines verkappten Elfmeterschießens und meiner Ansicht nach so ziemlich das Letzte, was der Baseball braucht. Aber man muss hier differenzieren: Bisher geht es in dieser Angelegenheit um Trainings- und Showspiele. Solche Spiele muss man nicht unnötig in die Länge ziehen. Es ist völlig legitim, wenn man Maßnahmen unternimmt, damit sich niemand in diesen Spielen verausgabt und sein Verletzungsrisiko erhöht. Es gibt bislang keine offiziellen Pläne, automatische Baserunnner in regulären MLB-Spielen einzuführen, und ich hoffe, das bleibt so.

1Quelle: Eigene Aufnahme

Februar 4th, 2018 by