„Im April gewinnt man keine World Series…

…aber man kann sie durchaus im April verlieren.“ Diese alte Baseball-Weisheit hört und liest man zurzeit wieder sehr oft. Sie ist das Mantra aller Panikmacher und Überreagierer, denen der Angstschweiß auf der Stirn steht, wenn ihr Team eine oder zwei Wochen nach Saisonstart eine negative Bilanz aufweist. Ich habe mich gefragt, was an dem Sprichwort dran ist.

Gewinnen kann man die World Series nur, indem man in die Playoffs kommt und sich dort in jeder Runde gegen den jeweiligen Gegner durchsetzt. Die früheste Möglichkeit, die World Series zu „verlieren“, besteht darin, sich nicht für die Playoffs zu qualifizieren. Die Behauptung, man könne eine World Series im April verlieren, unterstellt letzten Endes, dass eine schlechte Bilanz im April eine Playoff-Qualifikation unmöglich macht. Auf Basis dieser Überlegung habe ich mir mal für die Jahre 2012 bis 2016 angeschaut, ob und wie oft Teams mit einer schlechten April-Bilanz in die Playoffs gekommen sind – und anders herum, wie die Playoff-Teilnehmer im April abgeschnitten hatten. Das Startjahr 2012 habe ich deswegen gewählt, weil seitdem die bis heute gültige Regel mit zwei Wild Cards je Liga in Kraft ist.

In den fünf Jahren 2012 bis 2016 haben 29 Teams den April mit weniger als 40% Siegen abgeschlossen. Nur zwei von ihnen erreichten am Ende der regulären Saison die Playoffs. Das waren zum einen die Pittsburgh Pirates im Jahr 2014 nach 10 Siegen und 16 Niederlagen (38,5% Winning-Percentage) und zum anderen die Texas Rangers 2015, die nach einem echten Fehlstart mit 7 Siegen und 14 Niederlagen (33,3%) sogar noch ihre Division gewannen. Es gibt solche Fälle also, aber sie sind eindeutig die Ausnahme. Zehn Teams brachten es in den fünf Jahren übrigens zu einer Winning-Percentage von unter 30%. Keines von ihnen schaffte es in die Playoffs.

Um es auch von der anderen Seite her zu betrachten: Den Regeln entsprechend erreichten in jedem der Jahre 2012 bis 2016 zehn Teams die Playoffs. Von diesen 50 Teams wiesen zehn eine negative Aprilbilanz auf (darunter die zwei oben genannten mit weniger als 40% Siegen). Die kombinierte Bilanz der Playoff-Teams 2012 bis 2016 im jeweiligen April beträgt 686-518 (57,0%). Die fünf World-Series-Gewinner der betrachteten Jahre hatten übrigens im Durchschnitt eine April-Bilanz von 65,8%, schwächster World-Series-Sieger im April waren die San Francisco Giants des Jahres 2012 mit 54,6%.

Wenig überraschend zeigt die Betrachtung, dass die meisten Playoff-Teams schon im April des jeweiligen Jahres gut waren und dass die meisten im April schwachen Teams es am Ende nicht in die Playoffs schafften. Dass das Abschneiden im April – wie in jedem anderen Monat der Saison – einen Einfluss auf die Gesamtbilanz der Saison hat, ist logisch. Dennoch bin ich überrascht, wie deutlich das Bild ist: Nimmt man die fünf betrachteten Jahre, eine zugegebenermaßen kleine Stichprobe, zum Maßstab, so kann man sagen, dass an dem eingangs zitierten Sprichwort eine Menge dran ist. Nach einem schlechten April (unter 40% Winning-Percentage) hat man nur noch eine sehr geringe Chance auf den Einzug in die Playoffs und nach einem sehr schlechten April (unter 30%) praktisch gar keine. Man kann davon ausgehen, dass diese Regelmäßigkeiten früher noch eindeutiger galten als heute, da deutlich weniger Teams in die Playoffs kamen – je Liga bis 1969 nur eines, ab 1969 zwei und vier ab 1994. Unvergessen bleiben aber die Oakland Athletics von 2001: Sie beendeten die Saison nach einem 8-17-April noch mit einer Bilanz von sage und schreibe 102-60. Im Baseball ist eben alles möglich, auch wenn manches davon nur äußerst selten passiert.

April 11th, 2017 by