Buchtipp: Chad Harbach, Die Kunst des Feldspiels

Die Offseason ist noch lang und wer mit dem letzten Buchtipp schon durch ist oder noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, dem lege ich „Die Kunst des Feldspiels“ (Original: „The Art of Fielding“) ans Herz.

Es geht in Chad Harbachs Debütroman um Baseball, das legen schon der Name sowie die Behandlung in diesem Blog nahe, aber es geht noch um so viel mehr. Es geht um das Erwachsenwerden, um Freundschaft und Liebe, um Sehnsüchte, Leidenschaften, Verluste und neue Ziele, kurz gesagt: um das Leben an sich, für das der Sport als Metapher herhält.

Die Hauptperson des Romans ist Henry Skrimshander, ein eher schmächtiger Teenager vom Lande, in dem ein riesiges Talent schlummert – eben die Kunst des Feldspiels. Als Shortstop der fiktiven Westish College Harpooners schickt er sich an, in die Fußstapfen seines großen Vorbilds, des ebenfalls fiktiven MLB-Stars und Buchautors Aparicio Rodriguez, zu treten. Gemeinsam mit seinem Freund und Mentor Mike Schwartz arbeitet Henry hart an sich, um neben seinem in die Wiege gelegten Ausnahmetalent für das Defensivspiel auch die körperlichen Voraussetzungen und Instinkte zu entwickeln, um als Batter zu überzeugen. Dank Henry sind die Harpooners so erfolgreich wie nie zuvor und er selbst gerät schnell ins Blickfeld der MLB-Scouts. Henry gewinnt die Anerkennung des Collegedirektors Guert Affenlight und findet in seinem schwulen Mitbewohner Owen Dunne einen Freund fürs Leben.

Natürlich kann die Geschichte nicht so idyllisch weitergehen, ein Bruch muss kommen. Er kommt in Form von Henrys tragischem erstem Fehlwurf direkt ins Gesicht seines Freundes Owen. Henry verliert durch dieses Erlebnis das Vertrauen in seinen bis dato unfehlbaren Wurfarm, die Scouts wenden sich von ihm ab und die von der Situation ohnehin belastete Freundschaft zu seinem Mentor Mike wird zusätzlich erschüttert, als eine Frau zwischen die beiden tritt. Bei Letzterer handelt es sich ausgerechnet um die Tochter von Direktor Affenlight, der seinerseits in völlig unerwarteter Art und Weise seine große Liebe findet.

Harbach erzählt seine Geschichte in einem gleichermaßen mitreißenden wie feinsinnigen, sowohl gefühl- als auch humorvollen Stil, gespickt von Anspielungen auf literarische Vorbilder wie Hermann Melville. Selten hat ein 600 Seiten langes Buch in mir so sehr den Wunsch geweckt, es möge immer weiter und weiter gehen und nicht aufhören. Ich bin mir keinerlei Übertreibung bewusst, wenn ich diesen Roman als Geniestreich bezeichne. Jeder, der sich für Baseball und gute Literatur interessiert, sollte ihn gelesen haben. Jeder andere auch.

„Die Kunst des Feldspiels“ ist 2012 als sehr ordentliche Übersetzung von Stephan Kleiner und Johann Christoph Maas im Verlag Dumont erschienen, als gebundene Ausgabe für 22,99 Euro und als Taschenbuch für 9,99 Euro.

Der Transparenz halber: Ich habe das hier vorgestellte Buch selbst gekauft und für die Rezension keinerlei Vergütung oder Vergünstigung erhalten.

Dezember 18th, 2016 by