Buchtipp: 111 Gründe, Baseball zu lieben

Es gibt mal wieder neuen Lesestoff für deutschsprachige Baseballfans: In der Reihe „111 Gründe…“ des Verlags Schwarzkopf & Schwarzkopf, in der bereits zahlreiche Sportarten, Vereine, Länder und vieles mehr mit Liebeserklärungen bedacht wurden, gibt es nun auch ein Buch über Baseball. Geschrieben hat es Sascha Staat, der vielen wegen seines (leider zurzeit inaktiven) Podcasts „Bases Loaded“ ein Begriff sein dürfte.

Das Grundprinzip des Buches – und der ganzen Reihe – besteht in einer Sammlung von interessanten, nützlichen und/oder amüsanten Fakten und Anekdoten. Die Gliederung in 111 Gründe ist natürlich nur der formale Aufhänger, von daher drückt man gern mal ein Auge zu, wenn manche der Gründe ein bisschen zu bemüht klingen (z. B. „…weil man als Dieb ein positives Image hat“ als Anlass, um über Basestealing zu sprechen).

Mein persönlicher Eindruck von „111 Gründe, Baseball zu lieben“ ist offen gestanden etwas zwiespältig. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich über ein weiteres deutschsprachiges Baseballbuch, denn davon gibt es immer noch viel zu wenige. Zudem hat Staat einen durchaus angenehmen Schreibstil und auch wenn man als Intensiv-Fan vieles von dem, worüber er schreibt, schon kennt, gibt es durchaus einiges Neues zu lernen. Auf der anderen Seite weist das Buch in meinen Augen aber auch einige Defizite auf, die ich nicht verschweigen möchte.

Ein Defizit ist, dass der Text nicht sonderlich sorgfältig lektoriert wurde. Es sind für meinen Geschmack deutlich zu viele Fehler im Satzbau und in der Zeichensetzung übersehen worden. Das mag spitzfindig klingen, aber ab einer gewissen Häufung hemmt es den Lesefluss. Auch wurde offenbar an irgendeiner Stelle des Entstehungsprozesses die Reihenfolge der 111 Gründe geändert, ohne dass die im Text verwendeten Verweise angepasst wurden. Es steht dann zum Beispiel in Grund 64 „siehe Grund 24“, obwohl sich in Grund 24 gar nichts zu dem betreffenden Thema findet.

Das zweite, für mich schwerwiegendere Defizit sind sachliche Fehler. Beispielsweise wird als ein Grund, Baseball zu lieben, angeführt, dass der Heimvorteil größer sei als in anderen Sportarten. Das ist genauso falsch wie die Behauptung, die Ticketpreise seien beim Baseball günstiger als in der Fußball-Bundesliga. Ebenso wird die Statistik „Wins Above Replacement“ (WAR) falsch dargestellt und und Jackie Robinson als erster Afro-Amerikaner in der MLB bezeichnet.

Wir sind alle Menschen und Menschen machen Fehler, aber hier sind es für meinen Geschmack zu viele – die obige Aufzählung ist nur eine Auswahl -, die es unentdeckt und unkorrigiert ins gedruckte Buch geschafft haben. Schade, denn mit ein bisschen mehr Sorgfalt – ein, zwei Tage hätten gereicht, um das fertige Werk noch mal durchzusehen und ein paar Fakten zu überprüfen -, wäre das ein richtig schönes Baseballbuch geworden. So kann ich es allem guten Willen zum Trotz leider nur eingeschränkt empfehlen und feststellen, dass im deutschsprachigen Raum an den Büchern von Göran Fiedler für den Einstieg und Claus Melchior zur Vertiefung nach wie vor kein Weg vorbei führt.

„111 Gründe, Baseball zu lieben. Eine Liebeserklärung an die großartigste Sportart der Welt“ ist vor wenigen Tagen als 330 Seiten starkes Paperback im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und für 9,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

April 9th, 2018 by