Das Schöne an der Bundesliga

Das Schöne an der Baseball-Bundesliga in diesem Jahr ist, dass jeder jeden schlagen kann. Zugegeben, das klingt nach einem Allgemeinplatz, für den man in gewissen Fußballsendungen eine Zahlung ins Phrasenschwein leisten muss. Aber es ist wahr und es ist wirklich eine Neuigkeit. Denn leider war es in der Vergangenheit allzu oft so, dass in jeder der beiden Liga-Staffeln eine Zwei- bis Drei-Klassen-Gesellschaft herrschte, in der Spiele meistens nur dann spannend waren, wenn Spitzenteams auf Spitzenteams und Kellerteams auf Kellerteams trafen.

Dieses Jahr ist es anders: Im Norden gibt es zwei Mannschaften, die bislang zwar nur je einen Sieg geholt haben, doch diesen einen Sieg haben die Hamburg Stealers (1-5) gegen die Solingen Alligators (6-2) eingefahren und die Bremen Dockers (1-7) gegen die Paderborn Untouchables (3-3), also gegen Teams, die eigentlich immer oben mitspielen. Ähnlich sieht es im Süden aus, wo am Wochenende die Stuttgart Reds (2-6) den Mainz Athletics (5-3) ein Spiel abgenommen haben und Aufsteiger Ulm Falcons (2-6) den Regensburg Legionären (5-3). Die Saarlouis Hornets (2-6) waren ganz nah dran am Überraschungssieg gegen den Deutschen Meister Heidenheim Heideköpfe (7-0), als sie am Samstag nach fünf Innings 12:9 führten, am Ende aber doch mit 12:16 den Kürzeren zogen.

Vom Record her unantastbar erscheinen bislang nur die beiden Vorjahresfinalisten Heidenheim und Bonn Capitals (8-0). Doch auch diese beiden sind schlagbar und zwar nicht nur durch Solingen oder Regensburg – für Heidenheim hat dies das schon erwähnte Spiel gegen Saarlouis gezeigt, für Bonn vor allem eine Partie letzte Woche, in der sie erst im elften Inning einen 2:1-Walkoff nach 0:1-Rückstand gegen Hamburg erreichten.

Auch wenn bei den immer noch reinen Westen der beiden Spitzenklubs also etwas Glück dabei war, sind diese beiden auf jeden Fall klare Favoriten auf den erneuten Playoff-Einzug. Hinter Bonn und Heidenheim wird es dann schon eng, denn bekanntlich schaffen es dieses Jahr nur zwei Teams je Staffel in die Postseason, welche nach regulärer Saison und Zwischenrunde nur noch aus Halbfinale und Finale besteht. Im Norden hat sich Solingen im Rennen um den zweiten Playoff-Platz schon etwas abgesetzt, im Süden sind Regensburg, Mainz sowie die Haar Disciples (4-3) und die Mannheim Tornados (4-4) noch sehr eng beisammen.

Das kommende Wochenende bringt wieder ein paar hochinteressante Begegnungen mit sich. Besonders gespannt bin ich, wie sich im Norden der gut gestartete Aufsteiger Berlin Flamingos (4-4) beim Doubleheader in Bonn schlägt und ob sich im Süden die Meister von 2016 und 2017, Mainz und Heidenheim, wieder so legendäre Schlachten liefern wie so oft in den letzten Jahren.

Wer keine Gelegenheit hat, einen der Ballparks zu besuchen, der kann viele der Spiele per Videostream verfolgen (in der Regel die aus Bonn, Solingen, Regensburg, Haar und Berlin) und ein paar weitere (z. B. aus Mainz) per Audiostream. Einen Liveticker für alle Spiele der Baseball-Bundesliga gibt es auf GameChanger. Dafür reicht es, einen kostenlosen Account anzulegen, weitergehende Features wie z. B. Saisonstatistiken sind hingegen nur im kostenpflichtigen Abo enthalten. Das ist schade, vor allem weil die offizielle Statistikseite der Bundesliga leider selten aktuell ist und man somit kaum Möglichkeiten hat, die Stärken und Schwächen der Teams anhand von Zahlen tiefer zu analysieren.

April 23rd, 2018 by