Category: Baseball in Deutschland

Juli 4th, 2017 by Dominik

Die erste Runde des All-Star-Votings der MLB ist abgeschlossen und ein Großteil der Roster steht fest.Jetzt wird es aber erst richtig spannend, denn nach dem zweimonatigen Wahlmarathon stehen nun nur noch wenige Tage zur Verfügung, um den letzten Teilnehmer in jeder der beiden Ligen zu wählen. Bis Donnerstag, 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit, kann man noch seinen Final Vote abgeben und unter je fünf Spielern pro Liga entscheiden, welcher von ihnen in letzter Sekunde zu All-Star-Ehren kommt. Mir fehlt zwar gerade die Zeit zu großen Ausführungen und Analysen, aber meine Wahlempfehlungen möchte ich doch gerne loswerden:

In der American League geht meine Stimme an 1B Logan Morrison. Ähnlich wie sein Team, die Tampa Bay Rays, fliegt Morrison ein bisschen unter dem Radar und spielt dennoch eine ganz hervorragende Saison. Sein Batting Average von .256 lässt ihn auf den ersten Blick gegenüber der Konkurrenz etwas abfallen, doch man übersieht dabei leicht, dass er mit 14,5% eine hervorragende Walk-Rate hat und dadurch bei einer beachtlichen On-Base-Percentage von .366 landet – gleichauf mit Xander Bogaerts, der mit .314 den höchsten Average der fünf AL-Finalisten aufweist. Morrisons Fähigkeit, auf Base zu kommen, kombiniert mit seinen 24 Homeruns, beschert ihm einen OPS von .945, den fünfthöchsten der gesamten AL – alle vier Spieler, die vor ihm stehen, sind Starter im All-Star-Game.

Für die National League führt in meinen Augen kein Weg vorbei an 3B Justin Turner von den Los Angeles Dodgers. Dass man mit einer Slashline von .382/.472/.557 und einem fWAR von 3.7 (Zweiter in der NL) nicht schon in der ersten Wahlrunde mit Pauken und Trompeten in das All-Star-Roster eingezogen ist, kann nur ein Versehen sein – vielleicht nicht von den Fans, die Colorados Nolan Arenado zum Starter auf der Position gewählt haben, aber zumindest von den Spielern, bei denen Jake Lamb von den Diamondbacks die meisten Stimmen bekam. Bei allem Respekt für die gute Saison, die Lamb spielt: Turner ist besser und zwar deutlich. Die direkte Wahl gekostet hat ihn vermutlich, dass er mitten in der heißen Phase des Votings drei Wochen verletzt ausfiel und dadurch noch zu wenige Plate Appearances hat, um in den Statistiken als „qualified“ aufzutauchen. Die oben genannten Werte nach 251 PAs sprechen aber meines Erachtens eine klare Sprache, dass Justin Turner ins All-Star-Roster der NL gehört.

Auch in der deutschen Baseball-Bundesliga werden derzeit die All-Stars gewählt. Noch bis zum 10. Juli um 22 Uhr kann man einmal täglich für bis zu drei Spieler abstimmen. Da bei dem Event am 23. Juli in München-Haar nicht etwa der Norden gegen den Süden spielt, sondern die Bundesliga-All-Stars gemeinsam gegen die Deutsche Nationalmannschaft antreten, ist die Auswahl relativ stark eingeschränkt: Aktuelle Nationalspieler stehen logischerweise nicht zur Wahl. Dadurch dürften überwiegend die ausländischen Spieler der Bundesligisten als Favoriten in das Voting gehen.

Auch zur Bundesliga gebe ich eine Wahlempfehlung ab, allerdings ist diese relativ eindeutig gefärbt: In der Nordgruppe habe ich bislang kein einziges Spiel gesehen und im Süden in erster Linie „meine“ Mainzer – und ich wähle grundsätzlich keine Spieler nur aufgrund ihrer Zahlen, ohne mir selbst ein Bild von ihnen gemacht zu haben. Da einige Leistungsträger der Athletics wie Max Boldt und Tim Stahlmann durch die Zugehörigkeit zur Nationalmannschaft nicht im Pool sind, fällt mir die Wahl von Pitcher Riley Barr und Outfielder Peter Johanessen sehr leicht. Als Dritten im Bunde könnte ich mir zwar gut eine der Mainzer Mehrzweckwaffen Jeff Hunt, Zach Johnson oder Lennard Stöcklin vorstellen, aber irgendwo muss ich den Fanboy dann doch mal außen vor lassen und klar feststellen: Am Münchner Starter Ryan Bollinger führt in diesem Jahr kein Weg vorbei. Daher gehen meine Stimmen an Barr, Johanessen und Bollinger – einmal täglich, eine Woche lang.

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Juni 19th, 2017 by Dominik

Ich muss zugeben, meine Baseballgedanken drehen sich momentan gar nicht so sehr um die MLB, denn zwei Eindrücke vom vergangenen Wochenende sind bei mir massiv haften geblieben: Der eine war ein fantastisches Bundesliga-Ballgame zwischen den Mainz Athletics und den Haar Disciples mit zwölf scorelosen Innings, darunter acht bzw. neun von Riley Barr und Ryan Bollinger, den wohl besten Pitchern, die es in Deutschland zurzeit zu sehen gibt. Im dreizehnten Inning gab es dann leider ein sehr umstrittenes und letztlich spielentscheidendes Urteil der Umpires, die einen Ball als 2-Run-Homerun für die Disciples werteten, der für die meisten Beobachter – mich eingeschlossen – stark nach einem Foulball rechts vom Pfosten aussah. Die Versuchung war groß, mir direkt nach dem Spiel den Frust über die mögliche Fehlentscheidung von der Seele zu schreiben, aber dann dachte ich mir: Schiedsrichter sind auch nur Menschen und sie machen Woche für Woche auf sämtlichen Baseballplätzen der Republik einen meistens großartigen Job. Lassen wir es damit bewenden.

Das andere Wochenend-Ereignis war das erste T-Ball-Turnier meiner beiden Söhne, die ganz frisch bei den Main Taunus Redwings eingestiegen sind. Es war ein großartiger Tag bei perfektem Wetter und wir alle hatten Riesenspaß. Gewinnen stand nicht im Mittelpunkt, sie haben es aber trotzdem in allen vier Spielen getan und weil mein Kleiner der Jüngste im Team war, durfte er den Pokal entgegen nehmen. Ich könnte platzen vor lauter Vaterstolz. Aber auch darüber werde ich keinen Blogartikel schreiben, denn irgendwie fehlt ja zugegebenermaßen doch die überregionale Relevanz…

Stattdessen mache ich mich heute an die Aktualisierung des Baseblog-Powerrankings. Hier ist meine völlig subjektive Einschätzung der Kräfteverhältnisse in der MLB:

1. Houston Astros (46-24) ⇒
Die Astros schwächeln in den letzten Tagen, nicht zuletzt wegen der DL-Aufenthalte ihrer Top-Starter Dallas Keuchel, Lance McCullers und Charlie Morton. Dass sie trotzdem noch mit Abstand den besten Record der Liga haben, spricht Bände darüber, wie stark und gefestigt dieses Team ist.

2. Los Angeles Dodgers (44-26) ⇒
Von drei Teams der NL West, die es in die Top-5 des Rankings geschafft haben, halte ich die Dodgers nach wie vor für das mit den besten Erfolgsaussichten, nicht zuletzt wegen der Erfahrung regelmäßiger Playoffteilnahmen.

3. Colorado Rockies (46-26) ⇒
Noch feiern sie den Walk-Off-Cycle von Nolan Arenado, aber nun bricht die Woche der Wahrheit an für die Rockies: erst drei Spiele gegen die Diamondbacks, dann drei bei den Dodgers.

4. New York Yankees (38-29) ⇒
Mit sechs Niederlagen in Folge, darunter einem Sweep durch die Athletics, befinden sich die Yankees in ihrem ersten echten Slump dieser Saison. Mal sehen, wie schnell sie da raus kommen.

5. Arizona Diamondbacks (44-26) ⇒
Die Diamondbacks sind mein erster Kandidat, das hohe Tempo in der NL West irgendwann nicht mehr mithalten zu können, aber mit sieben Siegen hintereinander und dem viertbesten Run Differential der MLB scheinen sie mir nicht zustimmen zu wollen.

6. Boston Red Sox (39-30) ⇒
Die Red Sox haben sich an die Yankees herangearbeitet und werden langsam, aber sicher ihrer Rolle als Contender gerecht. Was noch aussteht, ist die Leistungsexplosion der Slugger – wenn man sich das Lineup der Red Sox anschaut, möchte man nicht glauben, dass sie die drittwenigsten Homeruns der Liga erzielt haben.

7. Washington Nationals (42-27) ⇓
Ihre Division dominieren die Nationals mangels Konkurrenz nach Belieben, aber wenn ihr Bullpen nicht die Kurve kriegt und/oder durch Neuzugänge verstärkt wird, werden sie an den Playoffs keine Freude haben.

8. Cleveland Indians (36-31) ⇒
Vor ein paar Tagen waren sie noch im Mittelmaß versunken, doch nach einem Vier-Spiele-Sweep über die Twins sieht die Welt der Indians schon ganz anders aus, zumal sie nun viermal gegen die im freien Fall befindlichen Orioles spielen dürfen.

9. Milwaukee Brewers (38-33) ⇑
Alles wartet auf den Absturz des Überraschungsteams, aber mit anstehenden Serien gegen die Pirates, Braves, Reds, Marlins und Orioles könnte dieser noch eine Weile auf sich warten lassen.

10. Tampa Bay Rays (37-35) ⇑
Die Rays haben das Pech starker Divisionskonkurrenz, sind aber immerhin voll im Wild-Card-Rennen.

11. Chicago Cubs (34-34) ⇓
Der Champion versinkt derzeit im Mittelmaß und hat Glück, in einer relativ schwachen Division zu spielen. Kein Grund für Alarmglocken, aus dieser Position heraus ist noch alles möglich.

12. Texas Rangers (34-34) ⇑
Die Rangers hatten einen furchtbaren Start und es fehlt ihnen nach wie vor an Konstanz, aber sie sind wieder dabei – wenn auch nur im Kampf um einen Wild-Card-Platz.

13. Baltimore Orioles (34-34) ⇓
Noch stehen sie bei .500, aber die Orioles haben ein schweres Programm (Indians, Rays, Blue Jays, Rays, Brewers) vor sich und könnten noch weiter durchgereicht werden.

14. Minnesota Twins (34-33) ⇒
Wäre der Sweep zwischen den Indians und den Twins anders herum verlaufen, würden die beiden auch in diesem Ranking ungefähr die Plätze tauschen. So aber sieht es ganz danach aus, als wäre der Höhenflug des Kepler-Teams vorerst beendet.

15. Los Angeles Angels of Anaheim (36-37) ⇑
Mike Trout steht seit drei Wochen auf der DL und die Angels liegen nur einen Sieg unter .500 – Respekt, das hätte ich ihnen ohne ihre One-Man-Show nicht zugetraut.

16. Detroit Tigers (32-36) ⇒
Text kopiert vom letzten Mal: Graues Mittelmaß – dort habe ich die Tigers erwartet und dort stehen sie.

17. New York Mets (31-37) ⇒
Mit der Rückkehr von Cespedes, Matz und Lugo und einer kleinen Siegessierie keimte kurz die Hoffnung, doch neue bzw. verlängerte Verletzungspausen von Syndergaard, Harvey, Cabrera, Lagares und Walker sowie eine verlorene Serie gegen die Nationals lassen davon nicht viel übrig.

18. Seattle Mariners (34-37) ⇓
Die Mariners bekommen einfach keine Konstanz rein dieses Jahr. In den anstehenden vier Spielen gegen die Tigers könnte was gehen, dann allerdings warten schon wieder die Astros.

19. Toronto Blue Jays (33-35) ⇒
Die Blue Jays sind nur zwei Spiele vom Wild-Card-Platz entfernt, aber es fühlt sich an wie sieben. Ich lasse mich gerne überzeugen, dass ich falsch liege.

20. St. Louis Cardinals (31-37) ⇓
Traditionell kann man kaum einen größeren Fehler machen, als die Cardinals zu früh abzuschreiben. Zur Zeit sieht’s aber nicht gut für sie aus.

21. Chicago White Sox (31-37) ⇒
Ein Run Differential von +4 ist in meinen Augen eine echte Überraschung. Vielleicht sehe ich die White Sox doch zu kritisch.

22. Oakland Athletics (31-38) ⇑
Miese Bilanz, mieses Run Differential, schlechte Zukunftsaussichten – aber sie haben gerade die Yankees gesweept, also kann ich die A’s nicht allzu weit hinten einsortieren.

23. Kansas City Royals (33-35)⇑
Die Royals erleben gerade ein Zwischenhoch, das ich für gefährlich halte – es könnte ihnen nämlich den Blick auf den Zustand ihres Rosters vernebeln und sie daran hindern, als Seller zur Trade Deadline die nötigen Weichen für die Zukunft zu stellen.

24. Pittsburgh Pirates (31-38) ⇒
Bei ihnen selbst ist kein wirklicher Aufwärtstrend erkennbar, aber der Absturz der Reds lässt die schwache Saison der Pirates in etwas sanfterem Licht scheinen.

25. Cincinnati Reds (29-39) ⇓
Neun Niederlagen in Folge und jetzt nach Tampa und Washington. Willkommen in der Wirklichkeit.

26. Miami Marlins (30-37) ⇒
In der wohl schwächsten Division der Liga spielen die Marlins ernsthaft um Platz zwei mit, aber das sollte nicht darüber hinweg täuschen, dass die Saison für sie (wie für alle Teams der NL East, die nicht Nationals heißen) längst gelaufen ist.

27. Atlanta Braves (31-37) ⇒
Die Braves tun eigentlich nichts anderes als ihre nicht vorhandenen Erwartungen an diese Übergangssaison zu erfüllen und stehen trotzdem auf dem zweiten Platz der NL East. Komisch.

28. San Francisco Giants (26-45) ⇒
Die Giants bleiben die größte Negativüberraschung der Saison. Mal sehen, ob ich mich nächstes mal traue, sie hinter den Padres einzusortieren – in der Tabelle haben sie das bereits selbst geschafft.

29. San Diego Padres (28-42) ⇒
Schaut man auf das Run Differential (-113) sind die Padres das schlechteste Team der Liga. Aber man muss ihnen zugute halten, dass sie in ihrer Division regelmäßig gegen drei der besten spielen.

30. Philadelphia Phillies (22-46) ⇒
Nur 22 Siege aus 68 Spielen und das in der schwächsten Division. Ja, das ist wirklich schlecht.

⇑= 5 oder mehr Plätze höher als im Mai-Ranking
⇓= 5 oder mehr Plätze niedriger als im Mai-Ranking
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zum Mai-Ranking

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Juni 11th, 2017 by Dominik

Die gute Nachricht zuerst: Die Mainz Athletics haben beim European Champions Cup den späteren Turniersieger Curaçao Neptunus aus Rotterdam mit 7:6 besiegt und damit einen schönen Achtungserfolg errungen. Die schlechte Nachricht: Alle anderen Spiele sowohl der A’s als auch der Regensburg Legionäre gegen die europäische Elite-Konkurrenz gingen – teilweise sehr deutlich – verloren. So mussten die beiden deutschen Vertreter heute Mittag das Finale um den Abstieg gegeneinander bestreiten. Die Athletics behielten in diesem Spiel dank Homeruns von Kevin Kotowski und Max Boldt mit 4:3 die Oberhand. Das freut mich als A’s-Getreuer natürlich, ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass die Bundesliga einen ihrer beiden Startplätze in der europäischen Meisterklasse verloren hat.

Der größte Knackpunkt für die deutschen Teams war das Pitching: Vor allem die Mainzer mussten diverse Positionsspieler auf den Mound schicken, um die fünf Spiele in fünf Tagen irgendwie abzudecken. Für einen solchen Rhythmus ist das Roster eines Bundesligisten schlichtweg nicht gebaut und wenn der Wettbewerb über das Jahr verteilt stattgefunden hätte, hätten die deutschen Klubs vielleicht eher eine Chance gehabt.

Aber Hand aufs Herz: Der Turnierausgang ist letzten Endes verdient und muss niemandem peinlich sein, denn mit den Profimannschaften aus Europas Baseball-Hochburgen Niederlande und Italien können und müssen die deutschen Amateurteams nicht auf Augenhöhe agieren. Wenn sie das so wie die Mainzer im Spiel gegen Neptunus doch mal tun, dann ist das bereits eine kleine Sensation – und für den Gegner ein Weckruf, ohne den er vielleicht nicht bis zum Titel marschiert wäre.

Für die Athletics und die Legionäre hoffe ich, dass der fünftägige Kraftakt nicht zu sehr an die Substanz gegangen ist und dass der Lerneffekt durch die internationale Turniererfahrung überwiegt.

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Juni 5th, 2017 by Dominik

Die Fußball-Champions-League ging an diesem Wochenende zu Ende und nun wissen wir, dass Real Madrid aktuell das beste Team im europäischen Fußball ist. Aber wer ist das beste Team im europäischen Baseball? Auch dafür gibt es einen Wettbewerb, natürlich ein paar Nummern kleiner als die Champions League, aber immerhin mit zwei Teilnehmern aus Deutschland und das Ganze zu Hause, genauer gesagt in Regensburg: den European Champions Cup.

Das Turnier findet statt von Mittwoch bis Sonntag dieser Woche (7. bis 11. Juni). Qualifiziert sind acht Mannschaften, darunter Gastgeber Regensburg Legionäre und der Deutsche Meister Mainz Athletics. Die beiden deutschen Vertreter gehen allerdings – ebenso wie der französische Meister Rouen Huskies – als klare Außenseiter ins Rennen gegen die Profiteams Amsterdam Pirates, Curaçao Neptunus, ASD Rimini, Unipolsai Bologna und T&A San Marino. Den Wettbewerb gibt es – mit wechselnden Namen und Formaten – seit 1963 und seit 1969 kam der Sieger immer aus den Niederlanden oder Italien (oder aus San Marino, das in der italienischen Liga spielt).

Der Spielplan des Turniers ist anspruchsvoll: Gespielt wird zunächst in zwei Vierergruppen mit anschließendem Halbfinale und Finale. Da wegen einer Abstiegsregel auch die unteren Platzierungen zumindest teilweise ausgespielt werden, hat jedes Team mindestens vier Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren. Das ist vor allem in Bezug auf das Starting Pitching eine enorme Herausforderung, wenn man sonst nur zwei Spiele pro Woche abdecken muss. Die Legionäre haben deswegen mit Pitcher Kevin Vance kurzfristig Verstärkung an Land gezogen, die Mainzer werden neben den etablierten Startern wohl ein paar Positions- und Nachwuchsspielern Einsatzzeit auf dem Mound geben.

Erfreulicherweise werden alle Spiele des European Champions Cups live auf Legionäre-TV übertragen. Am meisten freue ich mich auf das Spiel von Mainz gegen Rouen am Mittwoch um 16:30 Uhr, einfach weil es vom gemeinsamen Niveau her die spannendste Begegnung mit deutscher Beteiligung zu werden verspricht. In alle anderen Partien gehen die Athletics und die Legionäre als Underdogs, aber vielleicht ist ja die eine oder andere Überraschung drin. Ich drücke beiden Teams fest die Daumen.

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Mai 29th, 2017 by Dominik

Eine Gnadenregel (englisch: „mercy rule“) sorgt dafür, dass ein Spiel vorzeitig endet, sobald ein Team nach einer bestimmten Anzahl von Innings einen bestimmten Vorsprung herausgespielt hat, der als uneinholbar angesehen wird. Gnadenregeln sind immer dann sinnvoll, wenn das Leistungsgefälle innerhalb eines Wettbewerbs groß ist und es regelmäßig zu sehr einseitigen Spielen kommt. Bekanntlich ist die reguläre Dauer eines Baseballspiels über die Anzahl von Innings definiert und die Dauer eines Innings über das Zustandekommen von drei Outs je Mannschaft. Bei sehr ungleichen Stärkeverhältnissen kann es dür das schwächere Team sehr lange dauern, die nötigen Outs zu erzielen und der Spielausgang kann schon nach wenigen Innings faktisch entschieden sein. In dem Fall sorgt die Gnadenregel für ein vorzeitiges Ende des Spiels im Interesse aller Beteiligten: Die Regel schützt nicht nur die Zuschauer vor Langeweile, sondern vor allem auch die Aktiven beider Mannschaften davor, in endlosen, längst entschiedenen Partien verheizt zu werden.

In der MLB gibt es keine Gnadenregel. Sofern es die äußerlichen (Wetter-)Bedingungen nicht unmöglich machen, läuft jedes Spiel über volle neun oder – falls das Spiel bereits zu Gunsten des Heimteams entschieden ist – achteinhalb Innings. Das finde ich gut so, denn in der MLB ist das Leistungsgefällle in der Regel nicht so groß, dass es einer Gnadenregel bedürfte. Natürlich gibt es auch hier immer mal wieder Spiele wie das 23:5 der Nationals gegen die Mets, die lange vor dem neunten Inning gelaufen sind. Aber solche Spiele sind Einzelfälle und von den hochbezahlten Profis kann man erwarten, dass sie auch so ein Spiel anständig über die Bühne bringen, selbst wenn irgendwann Positionsspieler auf dem Mound stehen, um die Pitcher zu schonen. Auch in den Minor Leagues und der japanischen Profiliga gibt es keine Gnadenregeln.

In anderen Ligen sind solche Regeln aber sehr verbreitet: zum Beispiel in den Profiligen von Kuba und Korea und vor allem im Jugend- und Amateurbereich, einschließlich des gesamten deutschen Baseball-Spielbetriebs bis hin zur Bundesliga. Hier trifft das Argument mit dem Leistungsgefälle eindeutig zu: In der Bundesliga Süd beispielsweise besteht eine deutliche Kluft zwischen den Bad Homburg Hornets, den Saarlouis Hornets und dem Rest der Liga. Entsprechend enden die Spiele dieser beiden Teams gegen eines der anderen Teams sehr häufig durch eine Gnadenregel – in der bisherigen Saison 2017 in 20 von 28 Fällen. Die Bundesspielordnung des DBV sieht in Artikel 11.3.04 für alle Ligen drei Gnadenregeln vor:

  1. Die 20-Run-Regel (Führung mit 20 oder mehr Runs nach 3 Innings).
  2. Die 15-Run-Regel (Führung mit 15 oder mehr Runs nach 5 Innings).
  3. Die 10-Run-Regel (Führung mit 10 oder mehr Runs ein oder zwei Innings vor dem angesetzten Ende).

Mit Abstand am häufigsten kommt die 10-Run-Regel zum Einsatz. Diese ist auch am sinnvollsten formuliert: Sie tritt nach sieben (bzw. sechseinhalb) Innings in Kraft, aber wenn zu dem Zeitpunkt noch keine Führung von 10 Runs besteht, greift die Regel auch nach acht Innings, wenn dann die Kriterien erfüllt sind. Das ist logisch, denn wenn man einem unterlegenen Team nicht zutraut, den Spielstand innerhalb von zwei Innings umdrehen zu können, warum sollte man ihm dann zutrauen, dies innerhalb nur eines Innings zu bewerkstelligen?

Dieser Gedanke führt mich zu der Anregung, die ich den für die Regeln zuständigen Gremien des DBV gern mit auf den Weg geben möchte: Die gleiche Logik sollte auch für die 20-Run-Regel und die 15-Run-Regel gelten! Die Spielordnung sieht für diese beiden Regeln momentan nicht vor, dass die Kriterien auch zu einem späteren Zeitpunkt greifen. Wenn ein Team also nach vier Innings mit 20 Runs Vorsprung führt, dann endet das Spiel nicht; es muss stattdessen noch das fünfte Inning gespielt werden. Und wenn zwar nicht nach fünf, aber nach sechs Innings ein 15-Run-Vorsprung besteht, dann geht das Spiel ins siebte Inning, bevor es (wahrscheinlich) durch die 10-Run-Regel endet. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Man sollte die Regeln ändern, indem man an den betreffenden Stellen die Worte „oder mehr“ einfügt, also zum Beispiel für die 20-Run-Regel, „dass das Spiel beendet ist, wenn eine Mannschaft nach drei (3) oder mehr Innings mit 20 oder mehr Runs führt“.

Was meint ihr dazu?

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Mai 23rd, 2017 by Dominik

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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April 9th, 2017 by Dominik

Seit gut einer Woche fliegt nicht nur in der MLB, sondern auch in der Baseball-Bundesliga wieder der Ball und obwohl erst wenige Spiele absolviert sind, gab es schon ein paar regelrecht historische Highlights zu bestaunen.

Die Saarlouis Hornets starteten letzte Woche in ihre erste Bundesligasaison nach dem Aufstieg nicht nur mit einem 10:3-Erfolg in Bad Homburg. Sie ließen auch ein schier unglaubliches erstes Inning im zweiten Spiel des Doubleheaders folgen, in dem sie mit 12:0 in Führung gingen. Das allein wäre schon eine Meldung wert – aus der Bundesliga habe ich zwar keine historischen Zahlen parat, doch als am Samstag in der MLB den Phillies ebenfalls zwölf Runs im ersten Inning gelangen, war es das erste Mal in deren 134-jähriger Teamgeschichte und ligaweit das erste Mal seit sechs Jahren, dass das einem Team gelang. Noch viel verblüffender war an dem Spiel in Bad Homburg aber der weitere Verlauf, denn die Gastgeber gaben sich keineswegs auf, scorten immer wieder Runs und drehten bei zwei Outs im neunten Inning die Partie mit einem 2-Run-Walkoff-Single zum 17:16. Wahnsinn.

Nur eine knappe Woche später, am vergangenen Freitag, wurde ich Zeuge eines weiteren unglaublichen Comebacks. Der amtierende Meister Mainz Athletics war bei den Mannheim Tornados zu Gast und dominierte das Spiel mit dem glänzenden Starter Tim Stahlmann und einer schlagfreudigen Offense achteinhalb Innings lang quasi nach Belieben. Als im neunten Inning Marcel Schulz einen Grand Slam zum 10:0 für die A’s schlug, machten sich viele Mannheimer Zuschauer schon auf den Heimweg. Zu früh, wie sich herausstellte: Stahlmann bekam im unteren neunten Inning erstmals Probleme und musste nach 110 Pitches mit geladenen Bases die Segel streichen. Der 18-jährige Reliever Yannick Wildenhain ließ mit seinem ersten Wurf per Wild Pitch den ersten Run der Tornados zu, die sich ab diesem Moment in einen regelrechten Rausch spielten und Wildenhain sowie dessen Nachfolger auf dem Mound, Ben Briggs, eine Horrorshow bereiteten, nach der es plötzlich 10:10 stand. Briggs und die restlichen A’s überstanden dann zwar das Inning und noch ein weiteres, waren aber stehend K. O. und als Mannheim im elften Durchgang der Walkoff gelang, waren wohl alle Beteiligten froh, dass es endlich vorbei war.

Als Fan der Athletics muss ich sagen, dass es das frustrierendste Baseballspiel war, das ich je gesehen habe. Aber auf der anderen Seite sind solche Spiele ein Markenzeichen und auch eine Webung für diesen Sport, bei dem es eben keine 85. Minute gibt, in der klar ist, dass fünf Tore zeitlich gar nicht mehr machbar sind, sondern bei dem bis zum letzten Out im letzten Inning immer alles möglich ist. Hier gibt es übrigens einen kurzen Videobericht des SWR über das Spiel.

Apropos alles möglich: Neben den beiden erwähnten Partien ist in der Bundesliga Süd vor allem der schwache Start der Regensburg Legionäre erwähnenswert. Die ersten drei Spiele wurden gegen Mannheim (5:15, 1:11) und gegen Heidenheim (3:18) allesamt vorzeitig per Gnadenregel verloren, das vierte ebenfalls deutlich mit 0:6 gegen Heidenheim. Solche Ergebnisse ist man nicht gewohnt von den Legionären, die auf Grundlage ihrer starken Infrastruktur eigentlich immer vorne mitspielen. Dieses Jahr haben sie ein recht junges Team am Start, das vielleicht noch etwas reifen muss, zudem warten die Legionäre noch auf zwei amerikanische Verstärkungen, die verspätet zum Team stoßen werden. Nicht übersehen sollte man, dass die bisherigen Niederlagen allesamt gegen Teams kassiert wurden, die zum Favoritenkreis der Liga zählen. Ernsthafte Sorgen müsste man sich wohl machen, wenn Regensburg auch nach den anstehenden Spielen in Bad Homburg noch Letzter sein sollte.

In der Nordstaffel der Bundesliga wurden bislang noch nicht so viele Spiele absolviert wie im Süden und es gab auch keine ganz so spektakulären Ergebnisse. Erwähnenswert ist der starke Start des Aufsteigers Dohren Wild Farmes mit 3-1 Siegen, darunter einer bei den Solingen Alligators. Noch kein Spiel hatten bisher die Paderborn Untouchables. Sie sorgten dafür mit einem Trainerwechsel in letzter Minute für Aufsehen: Stefan Fechtig wurde am Donnerstag mit sofortiger Wirkung gegen Jendrick Speer ersetzt. Man wolle neue Strukturen aufbauen und Impulse setzen. Das klingt einerseits nachvollziehbar, andererseits aber doch etwas seltsam angesichts des Zeitpunkts.

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März 30th, 2017 by Dominik

Am Sonntag geht es endlich los mit der MLB-Saison 2017. Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees machen (warum auch immer) den Anfang um 19:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, anschließend spielen die Arizona Diamondbacks gegen die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals gegen Titelverteidiger Chicago Cubs. Alle anderen Teams haben ihr Eröffnungsspiel am Montag.

Was ich von der neuen Saison erwarte, habe ich in meinen Previews nach und nach verraten – O. K., der letzte Teil kommt erst morgen früh, aber der aufmerksame Leser hat sich bereits an dreißig Fingern abgezählt, welches Team ich dieses Jahr als World-Series-Sieger tippe.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch die Baseball-Bundesliga am Wochenende die Saison eröffnet. Los geht es schon am Freitagabend mit dem Spiel Heidenheim Heideköpfe gegen Haar Disciples. Auch auf die Bundesliga bin ich heiß wie Frittenfett, aber wegen der vielen wechselnden Importspieler und weil ich auch nur die Mainz Athletics wirklich intensiv verfolge, traue ich mir hier keine Prognose zu.

Jetzt aber erstmal das Wichtigste aus den vergangenen sieben Tagen – zum vorerst letzten Mal im Offseason-Format, ab nächster Woche gibt es dann wieder den bewährten Aufbau nach Divisionen mit Spielzug und Statistik der Woche etc.

Will Smith braucht Tommy-John-Surgery
Die San Francisco Giants müssen kurz vor Saisonstart eine Hiobsbotschaft verdauen: Mit RP Will Smith fällt ein wichtiger Teil des Bullpens für dieses Jahr aus, nachdem er sich der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen muss.

Zwei Neue für die Rays  
Die Tampa Bay Rays haben sich Im Frühlingsschlussverkauf noch zwei neue Spieler geleistet: Peter Bourjos kommt von den Chicago White Sox für Geld oder einen später zu benennenden Spieler und soll die Tiefe im Outfield ergänzen, hauptsächlich als Ersatzmann für Kevin Kiermaier. Catcher Derek Norris, von den Washington Nationals nach der Wieters-Verpflichtung entlassen, wird bei den Rays direkt in die Stammformation einsteigen, jedenfalls bis Wilson Ramos wieder fit ist. Ramos kam im Winter ebenfalls aus Washington, jedoch mit einer bekannten Verletzung, die ihn noch mindestens für die erste Saisonhälfte zum Aussetzen zwingt.

Vertragsverlängerungen für Rougned Odor und Jose Ramirez
Zwei junge Spieler und deren Teams haben sich durch frühzeitige Vertragsabschlüsse Planungs- und Kostensicherheit gesichert: Die Texas Rangers bezahlen dem 23-jährigen 2B Rougned Odor 49,5 Millionen Dollar und zwei Pferde (!) für sechs Jahre und haben die Option auf ein siebtes Jahr. Der 24-jährige Infield-Allrounder Jose Ramirez erhält von den Cleveland Indians 26 Millionen für die nächsten fünf Jahre und auch dieser Vertrag kann über Teamoptionen bis auf sieben Jahre ausgedehnt werden.

Jeurys Familia 15 Spiele gesperrt
Dass Jeurys Familia nach einem Vorfall häuslicher Gewalt eine Sperre erwartet, galt schon seit seiner vorübergehenden Festnahme am 31. Oktober als relativ sicher. Unklar war nur, wie lange genau die New York Mets auf ihren Closer verzichten müssen. Die MLB hat nun bekannt gegeben, dass es 15 Tage sind. Das ist die Hälfte dessen, was Aroldis Chapman letztes Jahr absitzen musste, offenbar weil Familias Fall als weniger schlimm eingestuft wurde und weil er bei der Aufklärung umfassend kooperierte. Nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten hat Familia seine Frau weder geschlagen noch mit Gewalt bedroht, sich aber während eines Streits unangemessen verhalten (angeblich geht es um eine zerstörte Tür).

Zweiter No-Hitter im Spring Training
Letzte Woche war es noch etwas Besonderes, als die New York Yankees den ersten Spring-Training-No-Hitter seit zwei Jahren schafften. Bis zum nächsten dauerte es aber nun gerade mal sieben Tage: Sage und schreibe acht Pitcher der Los Angeles Angels of Anaheim vereinten ihre Künste, um beim 4:0-Sieg ihres Teams die Seattle Mariners ohne Basehit abzufertigen. Das ist eine reife Leistung, auch wenn es nur im Spring Training war und obendrein gegen einen Split Squad der Mariners, in dem Seattle nur zwei Stammspieler einsetzte.

MLB im deutschen Fernsehen
Bisher war mlb.tv konkurrenzlos, wenn man die MLB aus Deutschland in bewegten Livebildern verfolgen wollte. Für den Die-Hard-Fan, der den Zugriff auf alle Spiele braucht, bleibt das auch so, aber wer sich auch mit einer kleineren Auswahl von Spielen zufrieden gibt, hat nun gleich zwei Alternativen: Der Streaminganbieter DAZN hat bekannt gegeben, dass er ab dieser Saison mehr als 600 MLB-Spiele übertragen wird. Und auf Sport1-US werden mindestens 75 Spiele gezeigt, die meisten davon mit Originalkommentar im Pay-TV, ein paar aber sogar im Free-TV mit eigenem deutschem Kommentar. Los geht es am Sonntag ab 23:15 Uhr mit Giants@Diamondbacks. Ich werde am Wochenende noch mal in einem ausführlicheren Artikel auf die verfügbaren Quellen mit ihren Vor- und Nachteilen und den anfallenden Kosten eingehen.

Kein First Pitch von Donald Trump
Ein neu gewählter US-Präsident eröffnet üblicherweise die MLB-Saison mit einem zeremoniellen ersten Pitch. Von Donald Trump bleibt uns das vorerst erspart. Er sagte die entsprechende Anfrage der Washington Nationals unter Verweis auf einen Terminkonflikt ab.

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Oktober 3rd, 2016 by Dominik

Am 4. Mai 2014 besuchte ich das erste Baseballspiel meines Lebens. Ich hatte mich zu der Zeit schon eine Weile für diesen schönen Sport interessiert und mir auch bereits die New York Mets als Lieblingsteam in der MLB ausgesucht, aber zum Liveerlebnis in einem Ballpark hatte es mich noch nicht verschlagen – bis zu jenem schicksalhaften Nachmittag vor zweieinhalb Jahren. Die Mainz Athletics gewannen damals 5:4 gegen Heidenheim und mindestens einen neuen Fan. Ich war von Vielem begeistert: von dem überraschend ansehnlichen Spielniveau der Bundesliga, von dem schönen Stadion, von der entspannten Atmosphäre und von dem sympathischen Team. Leider waren die A’s in dem Jahr nur schwaches Mittelmaß und mussten am Ende sogar in die Playdowns statt in die Playoffs.

Warum erzähle ich so alte Geschichten? Damit man versteht, warum ich so begeistert darüber bin, dass die Mainzer dieses Jahr so eine fantastische Saison gespielt und sie heute mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft abgeschlossen haben. Ich bin nicht lange genug dabei, um behaupten zu können, ich hätte die A’s durch alle Höhen und Tiefen begleitet – aber immerhin lange genug, um ihren Weg von relativ weit unten nach ganz oben hautnah verfolgt zu haben. Besonders gut gefällt mir, dass der Erfolg auf der konsequenten Entwicklung von Eigengewächsen beruht – zwei Drittel der Stammspieler sind heute noch dieselben wie bei meinem ersten Spiel. Der Rest sind Verstärkungen aus dem Ausland, bei denen man ein wahnsinnnig gutes Händchen bewiesen hat: Peter Johannessen, Trey Stover und vor allem die beiden Asse Eric Massingham und Thomas de Wolf.

Übrigens habe ich am Samstag wieder eine Premiere gefeiert: Ich habe die Athletics zum ersten Mal zu einem weit (also weiter als Bad Homburg) entfernten Auswärtsspiel begleitet und auch das war wieder ein schönes Erlebnis. Der Ballpark und die umgebenden Anlagen in Regensburg sind beeindruckend, alles macht einen sehr gepflegten und professionellen Eindruck. Ein bisschen too much fand ich allerdings die Dauerbeschallung während des Spiels durch Musik, Stadionsprecher und Soundeffekte. Nehmt’s mir bitte nicht krumm, liebe Legionäre, aber etwas weniger ist manchmal doch mehr.

Natürlich habe ich mir mal wieder das falsche Spiel ausgesucht und zwar ein hochklassiges Pitching-Duell zwischen Mike Bolsenbroek und Jan-Niclas Stöcklin bei perfektem Baseballwetter gesehen, das aber leider in einer 0:1-Niederlage der Mainzer endete. Zum Glück folgte am Sonntag dann das 5:2-Meisterstück und angesichts des miesen Wetters, das einezeineinhalbstündige Regenpause im fünften Inning bedingte, war ich gar nicht so böse, dass ich dieses Spiel „nur“ zu Hause am Bildschirm verfolgen konnte (das „nur“ steht in Anführungszeichen, weil die Übertragung durch legionaere.tv sehr sehr gut war).

Viel mehr bleibt mir nicht zu sagen. Die Spielverläufe der Finalpartien brauche ich hier nicht herunterzubeten, die kann man nachlesen auf der Seite der Bundesliga und auf der der Mainz Athletics. Ich bin jedenfalls stolz auf „meine“ Athletics und der heutige Titelgewinn gehört neben der letztjährigen NL-Championship der Mets zu den absoluten Highlights meines Daseins als Baseballfan. Ich kann schon jetzt kaum den Beginn der neuen Saison erwarten. Ein paar Umbrüche wird es dann geben, denn Mike Larson, Manuel Möller und Eric Massingham werden wohl die Handschuhe an den Nagel hängen. Aber mein Eindruck ist, dass aus dem Mainzer Nachwuchs beständig Talente nachkommen, die – wahrscheinlich in Verbindung mit einem neuen amerikanischen Starter – die Lücken schließen können. Und dafür, dass es auf längere Sicht so bleiben wird, spricht dass gestern auch das Jugendteam der Athletics Deutscher Meister geworden ist – übrigens ebenfalls nach einem Finale gegen Regensburg.

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September 26th, 2016 by Dominik

Eigentlich wollte ich heute über die ersten beiden Spiele der Finalserie zwischen den Mainz Athletics und den Regensburg Legionären schreiben. Es waren zwei gute, wenn auch überraschend einseitige Partien, nach denen für die A’s die Tür zur Meisterschaft weit offen steht. Aber aller Freude darüber zum Trotz liegt für mich über dem vergangenen Baseballwochenende ein Schatten. Denn während ich das Spiel im Ballpark am Mainzer Hartmühlenweg verfolgte, erreichte mich völlig unvermittelt auf dem Handy die Kurzmitteilung von cbs: „Marlins pitcher José Fernández killed in Miami boating accident“.

Die Meldung hat mich sprachlos und traurig gemacht und ich kann gar nicht richtig sagen warum. Schließlich sterben auf dieser Welt jeden Tag ungefähr 150.000 Menschen, ein paar Tausend davon durch Verkehrsunfälle, und fast alle davon haben mit José Fernández gemeinsam, dass ich sie nicht gekannt habe. Trotzdem macht mich Fernández‘ Tod betroffen. Wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass er mir mal wieder vor Augen führt, wie dünn die Fassade zwischen Baseball und sonstiger Unterhaltung und dem richtigen Leben ist – dem richtigen Leben, in dem man einfach so als 24-Jähriger wegen einer Unachtsamkeit oder einer falschen Bewegung oder auch ganz ohne nachvollziehbaren Grund sein Leben verlieren kann.

Dadurch, dass Fernández für einen Divisionsgegner meiner Mets spielte, habe ich relativ viele Spiele von ihm gesehen und ich hatte dazu immer ein gespaltenes Verhältnis, weil er für mich zu der Sorte Spieler gehörte, die man lieber im eigenen Team sieht als in einem anderen: jung, äußerst talentiert und unheimlich sympathisch. Vorgestern erst hatte ich gelesen, dass die Marlins einen Tausch in der Rotation vorgenommen hatten, sodass Fernández heute gegen die Mets antreten würde. Ein bisschen habe ich mich darüber geärgert, weil ich wusste, dass das Spiel dadurch schwieriger wird. Ein bisschen habe ich mich aber auch gefreut, weil ich nicht nur Metsfan bin, sondern vor allem Baseballfan und weil man als Baseballfan einem José Fernández gern bei der Arbeit zusieht.

Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen. Ein schwieriges Spiel wird es trotzdem – so schwierig wie man es sich nur vorstellen kann, weil es zum einen ganz unter dem Zeichen der großen Trauer um José Fernández in Miami und in der ganzen MLB stehen wird, weil sich aber andererseits die Mets derzeit eigentlich keine Sentimentalitäten erlauben können, da im Wild-Card-Rennen jedes Spiel zählt.

Die Welt hört wegen dieses Unglücks nicht auf sich zu drehen und die MLB wird nicht mehr Spiele absagen als das eine gestern Abend. Das ist ein bisschen bedauerlich, aber im Endeffekt wohl die einzig richtige Entscheidung. Nicht nur aus geschäftlichen Gründen, sondern auch weil der Sport die Zerstreuung bietet, die man braucht, um angesichts der Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht zu verzweifeln. In diesem Sinne: Play ball. And rest in peace, JoFer.

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