Category: Baseball in Deutschland

September 18th, 2016 by Dominik

Herzliche Glückwünsche an die Niederlande zum verdienten Gewinn der Europameisterschaft im Baseball. Im heutigen Finale wurde Spanien in zehn Innings mit 3:2 besiegt und damit ein dominantes Turnier der Gastgeber gekrönt, die jedes einzelne ihrer Spiele gewonnen haben. Hier findet sich die komplette Abschlusstabelle der EM.

Für Deutschland hat es zwar erwartungsgemäß nicht zum ganz großen Wurf gereicht, aber das Turnier als Vierter abzuschließen, ist auf jeden Fall ein Erfolg. Man kann sagen, Deutschland ist Erster in Leistungsgruppe 2 geworden, denn Italien, Spanien und die Niederlande sind derzeit in Europa offensichtlich eine Klasse für sich, an der es kein Vorbeikommen gibt. Entsprechend eindeutig fielen die deutschen Ergebnisse gegen diese Teams aus: Gegen die Niederlande unterlag man schon in der Vorrunde 2:10, in der Hauptrunde setzte es gegen Italien ein 0:12 und gegen Spanien ein 0:3. Letzteres war eine extrem interessante und vor allem in Sachen Pitching hochklassige Partie. Bis kurz vor Ende des sechsten Innings hatte ein beidseitiger No-Hitter Bestand, bevor Engel Beltre den Bann brach und den ersten von letztlich vier spanischen Hits in diesem Spiel erzielte. Ein 3-Run-Homerun von Jesus Martinez im achten Inning brachte schließlich die Entscheidung, während Deutschland über die vollen neun Innings ohne Hit blieb. Ist ja auch irgendwie unfair, wenn der Gegner Jesus und einen Engel auf seiner Seite hat… 😉

Alle anderen Spiele gewannen die Deutschen, darunter den im letzten Artikel geschilderten 3:1-Nailbiter gegen Tschechien und einen überraschend deutlichen 14:2-Blowout in sechseinhalb Innings gegen Belgien. Um mal ein paar Namen fallen zu lassen: Der überragende Akteur der deutschen Nationalmannschaft war Pitcher Enorbel Marquez, der in 16 Innings nur vier Hits und einen Run zugelassen hat. Angesichts dieser Leistung ist es kaum zu glauben, dass der ehemalige Solinger dieses Jahr für die Berlin Flamingos nur in der zweiten deutschen Liga gespielt hat. In der Offense überzeugten vor allem der Heidenheimer Catcher Simon Gühring mit einer Slashline von .407/.484/.481 sowie der Bonner Outfielder Eric Brenk mit .370/.400/.681, dessen 8 RBI gleichauf mit dem Mainzer 1B/DH Max Boldt (.276/.294/.345) das Team anführen. 

Für Boldt und seine Mainzer Teamkameraden gilt es nun ebenso wie für die Regensburger Nationalspieler, bis zum nächsten Wochenende die mentale und körperliche Frische wiederherzustellen, die für die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft nötig ist. Am Samstag um 14 Uhr geht es los, eine ausführliche Vorschau von mir wird es im Laufe der Woche geben.

Für zwei Teams endete die Europameisterschaft sehr bitter, denn Platz elf und zwölf für Russland und Griechenland bedeutet, dass die beiden in den B-Pool absteigen und sich in dem entsprechenden Turnier nächstes Jahr um eine Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 bemühen müssen, während der Rest des Feldes automatisch wieder dabei sein wird.

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September 13th, 2016 by Dominik

Das ist mal wieder typisch: Genau während ich meinen gestrigen Artikel veröffentlicht und mich darin über zu wenig Spannung und Überrschungen beklagt habe, fanden die drei spannendsten und/oder überraschendsten Spiele des bisherigen EM-Turniers statt. Der Reihe nach: Zunächst tat sich Schweden unerwartet schwer gegen Großbritannien. Aus einer 5:0-Führung für die Skandinavier wurde ein 5:5 und das Spiel ging in die Extra-Innings, bevor die Schweden es schließlich mit 9:6 gewannen. Es war das erste Spiel des Turniers, bei dem eine Verlängerung nötig war und bei dem deshalb die Regel griff, dass ab dem zehnten Inning jedes Team mit Runnern auf der ersten und zweiten Base startet.

Eine halbe Stunde später begann das Parallelspiel von Mitfavorit Italien gegen Spanien, bei dem es die erste faustdicke Überraschung setzte: Spanien zeigte sich unerwarteterweise acht Innings lang als ebenbürtiger Gegner und explodierte dann förmlich im neunten Inning mit fünf Runs, um Italien 8:3 zu schlagen. Oscar Angulo gelang dabei ein sehenswerter Drei-Run-Homer, den er mit einem ebenso sehenswerten Batflip feierte. Schaut ihn euch hier an.

Ebenfalls parallel zu den beiden vorgenannten Spielen trafen Belgien und Frankreich aufeinander und dieses Spiel war nie spannend, aber dafür sehr überraschend, denn den klaren 14:3-Sieg von Belgien hatte wohl niemand erwartet.

Am heutigen letzten Vorrundenspieltag waren nur noch zwei Entscheidungen zu treffen: zum einen die über den dritten Teilnehmer an der Hauptrunde aus Gruppe B, wobei Belgien durch Frankreichs erwartbare 0:6-Niederlage gegen Spanien bereits durch war, bevor das eigene Spiel gegen Griechenland (18:1) überhaupt angefangen hatte. Zum anderen spielten Deutschland und Tschechien Platz zwei in Gruppe A unter sich aus. Beide waren zwar bereits für die Hauptrunde qualifiziert, aber das Spiel war trotzdem sehr wichtig, da die Hauptrundenreilnehmer die gegeneinander erzielten Punkte aus der Vorrunde mitnehmen.

Die Partie zwischen Deutschland und Tschechien war von großartigem Pitching und ebenso starker Defense geprägt. Die Starter Enorbel Marquez (Deutschland) und Radim Chroust (Tschechien) trugen einen beidseitigen Shutout mit jeweils nur drei erlaubten Hits bis ins achte Inning hinein. Der erste Knackpunkt kam in der unteren Hälfte des achten Innings: Marquez erlaubte dem Leadoff-Hitter Petr Zyma einen Double und wurde nach nur 73 Pitches gegen Tim Stahlmann ausgewechselt. Leider fand Stahlmann nicht ins Spiel und musste seinerseits nach nur drei At-Bats – einem Walk, einem Sac-Fly und einem intentional Walk – bei geladenen Bases Platz für Max Schmitz machen. Dem erging es zunächst nicht besser, er erlaubte einen weiteren Walk und damit das 1:0 für Tschechien, bevor er das Inning mit zwei Strikeouts beenden konnte.

Das neunte Inning begann mit einem Strikeout gegen Marcel Jimenez und Deutschland war nur noch zwei Outs von der Niederlage entfernt. Doch unter großem Druck platzte endlich der Knoten in der deutschen Offense und durch Basehits von Simon Gühring, Max Boldt, Christopher Howard, Eric Brenk und Jendrik Speer sowie einen Walk von Ludwig Glaser kamen drei Runs über die Platte zum 3:1-Endstand, den Schmitz durch ein perfekt gepitchtes Schlussinning für sein Team festhielt.

Morgen findet in Hoofddorp nur ein einziges Spiel statt. Frankreich und Schweden wetteifern ab 14:30 Uhr um Platz sieben und damit ist für sie das Turnier beendet. Von Donnerstag bis Samstag finden dann die Spiele der Meisterschafts- und der Abstiegsrunde statt, bevor am Sonntag das Finale zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunde ansteht. Das nächste Spiel der Deutschen steigt am Donnerstag um 15 Uhr gegen Italien. Wie alle Deutschland-Spiele kann man sich die Partie live auf meinsportradio.de anhören.

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September 12th, 2016 by Dominik

Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten (dazu später mehr) verfolge ich aufmerksam die Baseball-EM im niederländischen Hoofddorp. Nach den ersten zweieinhalb Spieltagen war ich relativ enttäuscht, weil sämtliche Spielverläufe und –resultate sehr vorhersehbar ausfielen: In jeder der beiden Gruppen gibt es mit den Niederlanden respektive Italien ein quasi unschlagbares Team, dahinter je zwei Teams, die mit diesen beiden nicht mithalten können, allen anderen jedoch ebenfalls klar überlegen sind. Das führte dazu, dass die Spiele von Freitag bis Sonntagmittag mehr oder weniger komplett frei von jeder Spannung waren und allesamt den ohne hellseherische Fähigkeiten erwartbaren Ausgang nahmen – Deutschlands Sieg gegen Schweden und die Niederlage gegen die Niederlande eingeschlossen.

Seit gestern Nachmittag hat sich das zum Glück etwas geändert: Sowohl das Spiel von Deutschland gegen Großbritannien (3:2) als auch das der Niederlande gegen Russland (3:1) endeten zwar letztlich mit Favoritensiegen, doch diese fielen deutlich knapper aus als erwartet und man hatte erstmals das Gefühl, dass in diesem Turnier auch mal eine Überraschung möglich ist. Hinzu kommt, dass die Ersteller des Spielplans es offenbar gezielt darauf abgesehen haben, die Spannung im Laufe der Vorrunde zu steigern: Heute treffen bei den Partien Italien – Spanien und Niederlande – Tschechien die beiden Favoriten auf ihre mutmaßlich ernsthaftesten Verfolger, morgen folgen mit Spanien – Frankreich und Deutschland – Tschechien vermutlich direkte Endspiele um Platz zwei in jeder Gruppe. So nimmt das Turnier langsam Fahrt auf und spätestens wenn nach dem morgigen Ende der Vorrunde das Teilnehmerfeld in eine Meisterschafts- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt wird, dürfte es mit der Langeweile der ersten Tage vorbei sein.

Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Einzug in die Meisterschaftsrunde übrigens seit heute sicher, von Platz drei in Gruppe A dürfte sie auch bei ungünstigstem Verlauf der restlichen Vorrunde nicht mehr zu verdrängen sein.

Zwei Dinge möchte ich noch ansprechen: zum einen dass der Mainzer 1B/DH Max Boldt ein überragendes Turnier spielt. Von neun Runs, die die Deutschen in den ersten drei Spielen erzielten, gingen fünf auf das RBI-Konto von Boldt, einen weiteren brachte er selbst zur Platte. Damit war er der Motor, der die Offensive seines Teams am Laufen hielt, bevor sich heute gegen Russland die gesamte Mannschaft in Schlaglaune zeigte und mit 16 Runs in sechs Innings so explodierte, dass das Spiel per Mercy Rule beim Stand von 16:4 beendet wurde – dabei gingen drei weitere RBI und ein Run von Max Boldt aus.

Zum anderen möchte ich noch mal erwähnen, auf welchen Wegen man die Spiele der EM verfolgen kann: Einen Videostream gibt es nicht, lediglich die Spiele der Gastgeber und das Finale werden von einem niederländischen Bezahlsender gezeigt. Es gibt aber einen hervorragenden englischsprachigen Radiostream auf meinsportradio.de und zwar für alle Spiele von Deutschland und täglich ein weiteres Spiel. Von diesen Spielen werden im Nachhinein auch Highlightvideos auf eurobaseballtv.com bereit gestellt. Alle Spiele kann man im Liveticker auf der Turnier-Homepage verfolgen. Und dann gibt es noch täglich am späten Abend einen ca. halbstündigen deutschsprachigen Podcast von justbaseball.de mit vielen Informationen und Interviews, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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September 6th, 2016 by Dominik

Am Freitag geht es los mit der Baseball-Europameisterschaft im niederländischen Hoofddorp. In einem zehntägigen Turnier spielen dann zwölf Nationalmannschaften den Titel unter sich aus. Auch die deutsche Mannschaft ist dabei und hofft, eine ordentliche Rolle spielen zu können. Die Favoriten sind aber andere: Das Turnier wurde bislang 33-mal ausgetragen und mit Spanien 1955 und Belgien 1967 gab es nur zweimal einen Titelträger, der nicht Italien oder Niederlande hieß. Die restlichen Titel teilten die beiden Großen des europäischen Baseballs unter sich auf, 21 gingen an die Niederlande und 10 an Italien. Auch dieses Mal wäre es schon eine massive Überraschung, wenn jemand anderes ins Finale vorstößt als diese beiden.

Der Turniermodus funktioniert etwas anders als man ihn beispielsweise von der Fußball-EM oder aus den Playoffs der MLB oder der Baseball-Bundesliga kennt: Zwar gibt es auch bei der Baseball-EM zunächst eine Vorrunde, die in zwei Gruppen á sechs Mannschaften abläuft und in der je Gruppe jeder einmal gegen jeden spielt. Danach gibt es aber keine K.O.-Runde sondern eine neue Gruppenaufteilung in eine Meisterschaftsgruppe, bestehend aus den ersten drei Teams jeder Vorrundengruppe, sowie in eine Abstiegsrunde, in der die Fünft- und Sechstplatzierten antreten. Innerhalb dieser neuen Gruppen spielen nur die Teams gegeneinander, die nicht schon in der Vorrunde aufeinander getroffen sind. Nur für die Viertplatzierten der beiden Vorrundengruppen endet das Turnier frühzeitig: Sie spielen nach der Vorrunde noch Platz sieben gegeneinander aus und müssen dann nach Hause fahren. Ganz am Schluss, am 9. September, gibt es ein echtes Endspiel, in dem der Erste gegen den Zweiten der Meisterschaftsgruppe antritt. Auf der Wikipedia-Seite des Turniers kann man sich das alles übersichtlich anschauen.

Das deutsche Team hat die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten: Am Freitag um 11 Uhr vormittags beginnt die EM mit der Partie Deutschland gegen Schweden. Das Minimalziel für die deutsche Mannschaft dürfte darin bestehen, es auf Platz drei ihrer Gruppe und damit in die Meisterschaftsrunde zu schaffen. Das ist ein realistisches Ziel: In Gruppe A gibt es mit Rekordmeister und Gastgeber Niederlande einen großen Favoriten, dahinter kann man wohl Tschechien und Deutschland als ungefähr gleich stark einstufen, während Großbritannien, Russland und Schweden die Gegner sind, gegen die Gewinnen quasi Pflicht ist. In Gruppe B ist natürlich Italien favorisiert, dahinter könnte es zwischen Spanien, Belgien und Frankreich spannend werden, während Griechenland und Kroatien wohl eher in Richtung Abstiegsrunde blicken müssen.

Zur Vorbereitung auf das Turnier gab es in den letzten Tagen schon einige Freundschaftsspiele und Vorturniere. Deutschland spielte bei der Yoshida Challenge mit und zeigte sich bereits in guter Form mit zwei Siegen gegen Frankreich, einem Sieg gegen ein internationales Auswahlteam sowie einer deutlichen und einer nur knappen Niederlage gegen die Niederlande. Die Vorbereitungsspiele sollte man aber nicht zu sehr als Gradmesser für die EM ansehen, denn die Roster der Mannschaften waren noch nicht komplett; unter anderem fehlten noch fast alle in Amerika aktiven Spieler.

Neben dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bin ich gespannt, welche anderen Stars der Baseball-Bundesliga dem Turnier ihren Stempel aufdrücken können; infrage kommen dafür beispielsweise die beiden Mainzer Offensivwaffen Thomas de Wolf (Belgien) und Peter Johanessen (Schweden) oder die Regensburger Pitcher Jan Tomek (Tschechien) und Mike Bolsenbroek (Niederlande), um nur ein paar zu nennen.

Zum anderen ziehen natürlich immer vor allem die Akteure erhöhte Aufmerksamkeit auf sich, die schon mal MLB-Erfahrung gesammelt haben oder aber auf dem Sprung dorthin stehen. Aktuelle Major Leaguer wie Didi Gregorius, Jonathan Schoop, Xander Bogaerts (alle Niederlande) oder Max Kepler (Deutschland) wird man natürlich vergeblich suchen, schließlich läuft die MLB-Saison auf Hochtouren und geht in jedem Fall vor. Dabei sein werden aber einige Minor Leaguer, darunter voraussichtlich die Catcher Chris Berset (Großbritannien, AAA-Reds) und Andy Paz (Frankreich, AA-Athletics). Ob auch die deutschen MiLB-Hoffnungen Donald Lutz, Nadir Ljatifi und Sven Schüller anreisen werden, konnte ich bisher leider nicht herausfinden, der DBV hat das endgültige Roster noch nicht bekannt gegeben.* Den Träger des größten Namens wird man abseits des Spielfeldes antreffen: Trot Nixon, der zehn Jahre lang in der MLB spielte und entscheidenden Anteil am Gewinn der World Series 2004 durch die Red Sox hatte, fungiert als Bench Coach der tschechischen Mannschaft.

Bewegte Livebilder wird es von der EM meines Wissens leider nicht geben, aber immerhin wird meinsportradio.de zwei Spiele täglich (darunter alle Spiele der Deutschen) zum Hören anbieten mit englischsprachigem Kommentar von Tim Collins und Ty Eriksen. Außerdem sind Axel und Andreas von meinem Lieblingspodcast Just Baseball vor Ort und planen, täglich eine Sendung aufzunehmen. Ich freue mich darauf.

 

*Update: Der Kader der deutschen Nationalmannschaft wurde nun bekanntgegeben. Ljatifi und Schüller sind dabei, Lutz verletzungsbedingt nicht, Markus Solbach kommt vielleicht während des Turniers noch dazu.

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August 29th, 2016 by Dominik

Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem man Baseballfan werden müsste, wenn man es nicht schon längst wäre. Es war der letzte Halbfinalspieltag um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Heidenheim Heideköpfen und den Mainz Athletics. Ich muss zugeben, nach der 0:8-Niederlage vom Samstagabend und der Aussicht, am gleichen Wochenende beim gleichen Gegner noch zweimal gewinnen zu müssen, hatte ich zwar nicht die Hoffnung aber doch den Glauben an den Finaleinzug meiner Mainzer ein Stückweit verloren. Doch dann drehten die Athletics am Sonntag in einer siebeneinhalbstündigen Hitzeschlacht gegen die Heidenheim Heideköpfe alles herum, was man herum drehen kann: Sie drehten einen 4:5-Rückstand im ersten Spiel durch unglaubliche elf Runs im achten Inning zu einem 15:6-Sieg, sie drehten einen 0:3-Rückstand im zweiten Spiel zu einem 13:6-Sieg und vor allem drehten sie die Serie von 1:2 auf 3:2 und stehen damit im Endspiel. Noch einen Tag später bin ich ganz überwältigt von diesen Ereignissen. Dabei war ich nicht mal vor Ort, aber dank der Radio- und Videoübertragungen von Tim Collins auf eurobaseballtv.com (dort gibt es übrigens auch Highlight-Videos der Spiele) durfte ich mich hautnah dabei fühlen und gemeinsam mit den A’s tausend Tode sterben und tausend Mal wieder auferstehen. Bitte entschuldigt, dass ich heute so ungewohnt emotional und parteiisch… ach was, ich entschuldige mich für gar nichts. Go A’s!

Den Zuschauern – auch wenn die Mehrzahl davon für Heidenheim und am Ende entsprechend enttäuscht gewesen sein dürfte – wurde neben der unglaublichen Spannung in den beiden Spielen auch eine Menge fürs Auge geboten: zum Beispiel insgesamt sechs Homeruns sowie als extreme Rarität ein Triple Play der Mainzer Defense. Letzteres gelang im neunten Inning des ersten Spiels bei geladenen Bases und der leichten Furcht, die Heidenheimer könnten trotz des hohen Rückstands noch mal zurück ins Spiel finden. Diese Furcht war schnell überstanden, als 3B Lennard Stöcklin einen Groundball von Stefan Karpf aufnahm, ihn Catcher Max Boldt zum Force Out an der Homeplate zuwarf, dieser weiter gab zu 1B Martin Kipphan zum Out an der ersten Base und schließlich auch 2B Nici Weichert noch genug Zeit hatte, seinen Runner auszuschalten. Die Fachsprache nennt das ein 5-2-3-4-Triple-Play und ich glaube nicht, dass es diese Form des Triple Plays in der Baseballgeschichte schon oft gegeben hat. Wer eines kennt, möge es mir bitte mitteilen.*

Die überragenden Akteure des Halbfinales, bezogen auf alle fünf Spiele, waren auf Seiten der Heidenheimer Pitcher Johannes Krumm, der mit zwei Glanzleistungen Spiel 1 und 3 für die Heideköpfe gewann und insgesamt nur einen earned Run zuließ, sowie auf Seiten der Mainzer das Duo Infernale Max Boldt und Thomas de Wolf. Boldt brachte es auf 10 RBI in 18 At-Bats mit 5 Hits, darunter 3 Homeruns, sowie 6 Walks. De Wolf gelangen ebenfalls 10 RBI mit 9 Hits in 19 At-Bats, davon 2 Homeruns, und 4 Walks. Obendrein durfte de Wolf auch noch in zwei Spielen als Relief-Pitcher ran. In 3 2/3 Innings ließ er keinen Run zu und besorgte 6 Strikeouts.

Genug des Jubels über meine Lieblinge, der andere Teil des Halbfinales soll nicht unerwähnt bleiben: Zwischen den Regensburg Legionären und den Bonn Capitals war es leider und überraschenderweise nie wirklich spannend. In drei Spielen kassierten die Bonner ebenso viele Niederlagen wie zuvor in der gesamten 24 Spiele langen und als souveräner Nordmeister abgeschlossenen regulären Saison. Im Prinzip war die Serie schon nach dem ersten Wochenende so gut wie entschieden, als die Legionäre die Capitals in deren eigenem Ballpark mit 14:4 und 14:2 sweepten. In dem Auswärtsspiel in Regensburg bäumten sich die Bonner zwar mit einer kurzzeitigen Führung im ersten sowie mit zwei Runs im neunten Inning noch zweimal auf, unterlagen aber letztlich erneut mit 4:7. Regensburg hat damit zum neunten Mal in elf Jahren die Meisterschaftsserie erreicht und es kommt zur Neuauflage des Finales von 2007. Damals gewannen die Mainzer nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 zum ersten und bislang einzigen Mal den Titel.

Für eine Vorschau auf die Finalserie ist es mir noch zu früh, denn diese beginnt erst in vier Wochen. Grund für die lange Pause ist die Europameisterschaft in den Niederlanden vom 9. bis zum 18. September, in der eine ganze Reihe von Akteuren sowohl aus Regensburg als auch aus Mainz sich zunächst im Zusammenspiel in der Nationalmannschaft üben dürfen, bevor sie anschließend wieder als Gegner auf dem Platz stehen werden. Am 24. und 25. September ist aufgrund der besseren Platzierung in der regulären Saison zunächst Mainz Gastgeber, am 1. und ggf. 2. Oktober wird die Serie in Regensburg fortgesetzt, bevor man sich falls nötig am 8. Oktober noch einmal in Mainz zum Entscheidungsspiel trifft. Rechtzeitig vor dem ersten Spiel werde ich mich mit einer ausführlichen Gegenüberstellung der beiden Teams melden und mich dabei redlich um Sachlichkeit und Unparteilichkeit bemühen. Und falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Go A’s!

 

*In der MLB hat es jedenfalls laut der Triple Play Database noch nie eines gegeben. Danke an meinen Leser Matthias für den Hinweis!

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August 20th, 2016 by Dominik

Um gleich mal mit der Tür ins Haus zu fallen: Mich hat es ernsthaft überrascht, wie klein der Heimvorteil im Baseball im Vergleich mit den meisten anderen Sportarten ist. Ich habe zu dem Thema einen kleinen Vergleich durchgeführt und stelle die Frage nach möglichen Gründen.

Meine naive Erwartung war eigentlich, dass der Heimvorteil im Baseball größer sein müsste als in anderen Sportarten. Dafür spricht mindestens zweierlei: erstens dass bei den Ballparks weder die Ausmaße noch die Form des Feldes (genauer gesagt des Outfields) exakt festgelegt sind. Nicht umsonst spricht man bei der Beschäftigung mit Baseball-Statistiken von Ballpark-Effekten, also der Eigenschaft eines Stadions, bestimmte Spielertypen – z. B. Hitter oder Pitcher, Linkshänder oder Rechtshänder – zu bevorteilen. Man sollte meinen, dass das zu einem deutlichen Heimvorteil führt, weil die Vereine ihre Teams natürlich so zusammenstellen, dass deren Stärken möglichst perfekt auf den Ballpark abgestimmt sind, in dem sie die Hälfte ihrer Spiele absolvieren, und weil die Spieler die eigene Spielweise an dem Park ausrichten, in dem ihnen jede Ecke und jede Kurve in Fleisch und Blut übergegangen ist. Zweitens spricht für den Heimvorteil, dass sogar die Regeln des Spiels ausdrücklich die Heimmannschaft bevorzugen. Diese darf immer als zweites schlagen und hat somit als einzige die Chance auf einen Walk-Off-Sieg; sie muss sich nie darum sorgen, eine im neunten oder späteren Inning erzielte Führung noch zu verspielen, während sie ihrerseits bei jedem späten Rückstand noch die Chance erhält, zurückzuschlagen. Bei Interleague-Spielen kommt noch hinzu, dass diese nach den Regeln (mit oder ohne Designated Hitter) der Liga des Heimteams ausgetragen werden.

So schön kann man erklären, warum der Heimvorteil im Baseball besonders groß ist. Das einzige Problem dabei ist, dass das nicht der Realität entspricht. Ich habe mir mal die Mühe gemacht, den Anteil von Heimsiegen in mehreren Sportarten und Ligen auszuwerten. Um auch in Sportarten mit wenigen Spielen auf brauchbare Fallzahlen zu kommen, beziehen sich alle Daten auf einen Fünf-Jahres-Zeitraum (2011-2015 bzw. 2011/12-2015/16), Unentschieden wurden aus der Betrachtung ausgeschlossen.

Liga Heimsiege
Major League Baseball 53,32%
National Hockey League 54,49%
Nippon Professional League 54,52%
Baseball-Bundesliga 55,06%
National Football League 56,93%
National Basketball Association 58,84%
Fußball-Bundesliga 60,03%
Major League Soccer 67,54%

Ich war wie gesagt überrascht, als ich diese Ergebnisse gesehen habe. Die betrachteten Baseball-Ligen belegen drei der vordersten vier Plätze, während beim Football, Basketball und ganz besonders beim Fußball der Heimvorteil eine größere Rolle spielt. Wie kommt das? Ein möglicher Faktor könnte die von den Fans übertragene Stimmung sein. Es ist kein Geheimnis, dass beim Fußball im Allgemeinen mehr und lauter angefeuert wird als beim Baseball; auch beim Basketball ist davon auszugehen, dass sich aufgrund des kleineren Feldes und der geschlossenen Hallen die Atmosphäre leichter auf die Spieler überträgt als in den weitläufigen Baseballparks. Vielleicht spielen auch die Reisestrapazen eine Rolle. Beim Fußball trifft man sich zu einzelnen Spielen, auf welche sich die Heimmannschaft eine Woche lang zu Hause vorbereitet, während das Auswärtsteam am Spieltag oder einen Tag davor anreist. Beim Baseball hingegen spielt man mehrtägige Serien und oft kommt die Heimmannschaft selbst erst einen Tag vorher zurück in die Stadt. Die Unterschiede könnten ein Stückweit auch am Wetter liegen, denn während Baseball weitgehend in der Jahreszeit stattfindet, in der es überall warm ist, gibt es beim Football und beim Fußball (vor allem in Amerika) Mannschaften, die zu Hause häufiger mit frostigen Temperaturen zu tun haben und das im Gegensatz zu manchen ihrer Gegner gewohnt sind.

Was ich aufgezählt habe, sind nichts als ungeprüfte Ideen, aber ich habe natürlich auch nach wissenschaftlichen/statistischen Untersuchungen zu dem Thema gesucht. Gefunden habe ich nicht allzu viel, aber immerhin das sehr interessante Buch „Scorecasting – The Hidden Influences Behind How Sports Are Played and Games Are Won“ (hier eine Leseprobe). Die Autoren Tobias J. Moskowitz und L. John Wertheim gehen darin unter anderem der Frage nach, wie der in allen Sportarten zu beobachtende Heimvorteil zustande kommt. Ihre mit reichlich Zahlen und Erklärungen untermauerte Antwort ist eine Aussage, der kaum ein Sportfan widersprechen wird: Die Schiedsrichter sind schuld!

Tatsächlich zeigen mehrere in dem Buch zitierte Untersuchungen, dass die Offiziellen dazu neigen, die Heimmannschaften zu bevorzugen: Strafen werden häufiger zum Vorteil des Heimteams ausgesprochen, Nachspielzeiten im Fußball sind deutlicher länger bei knappem Rückstand des Heimteams als bei knapper Führung, im Baseball wird deutlich seltener auf called Strike und entsprechend häufiger auf Ball für die heimischen Batter entschieden. Zu allem Überfluss treten diese Eigenheiten umso stärker zu Tage, je knapper und somit wichtiger die konkreten Spielsituationen sind. Moskowitz und Wertheim betonten, dass nicht von bewussten Ungleichbehandlungen durch die Schiedsrichter auszugehen ist, sondern eher von unbewussten gedanklichen Mechanismen, die Emotion des Heimpublikums aufzunehmen, den Stress unliebsamer Entscheidungen zu vermeiden und somit im Zweifelsfall für die Heimmannschaft zu urteilen.

Im Zusammenhang damit, dass das Publikum beim Fußball in der Regel lauter und emotionaler ist als beim Baseball und dass der Einfluss von Schiedsrichterentscheidungen auf den Spielausgang im Fußball möglicherweise ebenfalls größer ist, scheinen mir die Erkenntnisse von Moskowitz und Wertheim einen brauchbaren Erklärungsansatz für die beobachteten Unterschiede beim Heimvorteil zu liefern. Als abgeschlossen würde ich den Fall deswegen aber nicht betrachten, dazu sind für mich noch zu viele Fragen offen. Beispielsweise fügt sich der ermittelte Wert für Eishockey meiner Ansicht nach nicht so richtig in das Bild ein, denn diesen Sport hätte ich in Sachen Emotionen und Schiedsrichtereinfluss eher in der Nähe von Basketball oder Fußball gesehen als in der von Baseball. Warum der Heimvorteil in der MLS noch deutlich größer ist als in der Fußball-Bundesliga, scheint mir ebenfalls klärungsbedürftig. Ich schließe daher mit dem klassischen Satz: Further research is needed.

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August 14th, 2016 by Dominik

Nun sind es nur noch vier Teams, die sich Hoffnung auf die Deutsche Meisterschaft 2016 machen dürfen. In allen Viertelfinalpaarungen haben sich die von mir vor zwei Wochen zum Favoriten erklärten Mannschaften durchgesetzt, aber durchweg souverän traten dabei nur die Bonn Capitals auf.

Nach dem Artikel über das Viertelfinale wurde ich gefragt, warum ich nichts über die Abstiegs-Playoffs geschrieben habe. Offen gestanden finde ich diese Runden ziemlich reizlos, solange nicht davon auszugehen ist, dass am Ende tatsächlich jemand absteigen wird. In aller Regel passiert das nicht, weil die Teams aus der zweiten Liga gar nicht aufsteigen wollen. Warum das so ist, kann ich als Außenstehender nur mutmaßen – muss man hohe Auflagen erfüllen, will man finanzielle Risiken meiden oder ist der Niveausprung so groß, dass man fürchtet, sich zum Prügelknaben zu machen und den Spaß am Spiel zu verlieren? Wie dem auch sei, es führt jedenfalls dazu, dass die Playdowns für mich so interessant sind wie das Hornberger Schießen. Dass im Süden die Bad Homburg Hornets die Mannheim Tornados durch je einen Heim- und einen Auswärtssplit ins nächste Woche stattfindende fünfte Spiel gezwungen haben, ist aber schon eine kleine Sensation, die ich nicht unerwähnt lassen möchte.

Jetzt aber zurück zur Meisterschaftsrunde, hier meine kurze Einschätzung zu den Halbfinals:

Bonn – Regensburg
Bonn hat als einziges Team sein Viertelfinale zu keinem Zeitpunkt spannend gemacht und mit drei klaren Siegen gegen die Stuttgart Reds seine Favoritenrolle untermauert. Der Weg ins Finale wird aber sicher kein Selbstläufer, denn mit den Regensburg Legionären wartet als nächste Aufgabe das in den vergangenen Jahren dominierende Team des deutschen Baseballs auf die Capitals. Die Legionäre gaben letzte Woche überraschend ein Heimspiel gegen die Hamburg Stealers ab, sorgten nun aber mit zwei Shutoutsiegen in Hamburg für die erwarteten klaren Verhältnisse. Bonn muss nächstes Wochenende gut vorlegen, sonst könnte es schwer werden, weil dieses Jahr der Modus drei Heimspiele für das schlechter platzierte Team (in dem Fall Regensburg) vorsieht, falls die Serie über fünf Spiele geht.
Mein Tipp: knapper Erfolg für Bonn. 

Mainz – Heidenheim 
Südmeister Mainz ging es ähnlich wie den Regensburgern: Auch die Athletics gaben unerwarteterweise ein Heimspiel ab, auch sie gaben sich dann aber keine weitere Blöße und gewannen die Serie letztlich klar mit 3:1. 3:1 lautet übrigens auch die Bilanz der Mainzer gegen die Heidenheim Heideköpfe aus der regulären Saison und beim 11:1/4:1-Doppelsieg am letzten Spieltag schien die Mainzer Überlegenheit in Offensive wie Defensive sehr deutlich. Wenn die Heideköpfe das Halbfinale überstehen wollen, müssen sie sich schon massiv steigern – sowohl gegenüber jenem letzten Auftritt in Mainz als auch gegenüber dem Viertelfinale, das sie nur knapp gegen Solingen gewannen, nachdem sie mit 0:1 und 1:2 Spielen zweimal in Rückstand gelegen hatten.
Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz. 

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Juli 30th, 2016 by Dominik

Die Bundesliga hatte heute ihren letzten Spieltag – einen Nachholspieltag, um genau zu sein, aber wegen des vielen Regens in den letzten Monaten waren so viele Spiele nachzuholen, dass mehr als die Hälfte der Teams noch mal ran müsste. Die letzte playoff-relevante Entscheidung fiel erst im vierzehnten Inning des letzten Spiels, das die Haar Disciples letztlich 6:7 gegen Mainz verloren und dadurch die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde verpassten. Nun stehen alle Paarungen das Viertelfinale der Playoffs fest und es geht gleich am nächsten Wochenende los, damit man rechtzeitig vor der Europameisterschaft im September den neuen Deutschen Meister küren kann. Als Favoriten gehen eindeutig Nordmeister Bonn und Südmeister Mainz ins Rennen, die beide ihre jeweilige Liga deutlich dominierten und sich vorzeitig Platz eins sicherten. Aber auch Heidenheim, Regensburg und Solingen sollte man nicht unterschätzen, immerhin haben diese drei alle Deutschen Meisterschaften der letzten acht Jahre unter sich aufgeteilt.

Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht, aber gespielt wird trotzdem auf dem Platz des anderen Teams. Klingt komisch, ist aber so.

Mainz Athletics – Untouchables Paderborn
Die Mainzer waren in der regulären Saison nicht zu stoppen – nicht vom amtierenden Meister Heidenheim, nicht von den immer ambitionierten Regensburgern oder sonst jemandem – sie haben jede Saisonserie 3:1 oder 4:0 gewonnen. Verletzte Leistungsträger wie Pitcher Jan-Niclas Stöcklin, Catcher Jonathan Wagner und Shortstop Trey Stover wurden mühelos durch vorhandenes Personal ersetzt und während der Saison kam mit dem belgischen Outfielder Thomas de Wolf noch eine massive Verstärkung hinzu. Obwohl de Wolf nur die zweite Saisonhälfte spielte, führt er mit zehn Homeruns die gesamte Liga an. Der Erfolg der Athletics wird gleichermaßen von der explosiven Offense wie von der dominanten Pitcherriege um Eric Massingham und Tim Stahlmann getragen.

Die Untouchables haben eine durchwachsene Saison hinter sich, in der sie gegen jeden außer Bonn gewonnen, aber auch gegen jeden außer Dortmund verloren haben. Es handelt sich um ein recht ausgeglichenes Team, das in der Nordstaffel die zweitmeisten Runs erzielt und die drittwenigsten Runs zugelassen hat und seinen herausragenden Akteur in Pitcher Matt Kemp hat.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz.

Bonn Capitals – Stuttgart Reds
Genauso dominant wie die Mainzer in der Südliga waren die Bonner im Norden. Auch sie gewannen sämtliche Serien, einzelne Ausrutscher erlaubten sie sich gegen Solingen sowie überraschenderweise gegen Köln und Hannover. Bonn hat die meisten Runs erzielt und die wenigsten kassiert, dank einer ganzen Reihe starker Batter, allen voran Daniel Lamb-Hunt und Wilson Norman Lee, und ebenso starkem Pitching, vor allem von dem nahezu unschlagbar erscheinenden Sascha Koch.

Stuttgart hatte einen guten Start in die Saison mit Splits gegen Regensburg und Mainz sowie einem Doppelsieg gegen Haar, den direkten Konkurrenten um Platz vier. Einem Durchhänger in der Saisonmitte, während dem es sogar eine sensationelle Heimniederlage gegen Tübingen setzte, folgte ein solider Endspurt, der letztlich hauchdünn vor Haar die Playoffteilnahme sicherte. Die Teamleistungen waren sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive sehr wechselhaft, dauerhaft Verlass war nur auf den amerikanischen Outfielder Gary Michael Owens.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Bonn.

Regensburg Legionäre – Hamburg Stealers
Für Regensburg ist eine Saison, die man nicht auf Platz eins abschließt, schon ein kleiner Misserfolg, aber Mainz war dieses Jahr einfach in allen Belangen besser, was sich auch in der direkten Saisonserie zeigte, in der man Mainz dreimal deutlich unterlag und nur einmal knapp gewann. Interne Querelen, die in der Entlassung von Headcoach Ivan Rodriguez gipfelten, taten ein Übriges, dass die Saison nicht so verlief wie erhofft. Aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt und wenn es ein Team gibt, das man in Bezug auf die Deutsche Meisterschaft nie abschreiben darf, dann sind es die Legionäre.

Für Hamburg muss es wie ein böser Traum wirken: Die letzten sechs Playoff-Teilnahmen der Stealers endeten allesamt in der ersten Runde und fünf davon gegen die Legionäre. Das waren immer Duelle Vierter gegen Erster, aber kaum dass Hamburg nun mal auf Platz drei gelandet ist, warten schon wieder die Regensburger auf sie. Die Stealers haben ihre Stärken und vor allem in Louis Cohen einen sehr guten Pitcher, aber auch dieses Mal gehen sie als Außenseiter ins Viertelfinalduell.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Regensburg.

Solingen Alligators – Heidenheim Heideköpfe
Auf dem Papier ist das die interessanteste Paarung der ersten Playoffrunde, immerhin treffen die Deutschen Meister der beiden vergangenen Jahre aufeinander und nach meiner Einschätzung dürfte dieses Duell auch das spannendste werden. Anders als in den vergangenen Jahren lieferte sich Solingen dieses Mal kein enges Rennen mit den Capitals um Platz eins der Nordliga sondern schien relativ früh in der Saison auf den zweiten Platz geeicht und selbst der geriet gegen Ende der Saison leicht ins Wackeln. Dennoch sind die Alligators ein solides Team, das mit gutem Pitching und den Offensivwaffen Daniel Sánchez Reyes und Dominik Wulf jeden schlagen kann.

Den Heideköpfen geht es ähnlich wie den Alligators: Auch sie spielten in den letzten Jahren immer bis zum Schluss um die Meisterschaft in ihrer Liga, waren dieses Mal aber den bärenstarken Mainzern einfach nicht gewachsen und landeten hinter Regensburg auf Rang drei, was auch ihrem Abschneiden in den meisten Offensiv- und Defensivstatistiken entspricht. Mit Wes Roemer haben auch die Heideköpfe einen starken amerikanischen Pitcher, ansonsten liegen ihre Stärken in der Offensive: In der gesamten Südliga gibt es neun Batter mit einer OPS über 1.000, mit Terrell Charles Joyce, James McOwen, Shawn Larry und Simon Gühring kommen vier davon aus Heidenheim.

Mein Tipp: knapper Erfolg für Heidenheim.

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Juli 8th, 2016 by Dominik

Nein, die Überschrift ist kein Druckfehler. Ich muss vielmehr gestehen: Dass ich diesen Beitrag schreibe, liegt auch ein bisschen daran, dass ich heute große Lust auf genau diese Schlagzeile hatte.

Die Rede ist nicht von der Fußballnationalmannschaft, die gestern im Halbfinale der Europameisterschaft dem Gastgeber Frankreich unterlag. Auf Baseblog.de geht es natürlich immer um Baseball und in diesem Fall um den hoffnungsvollen Nachwuchs, genauer gesagt die U12-Nationalmannschaft. Die Jungs spielen gerade bei der EM im tschechischen Trebic ihr erstes großes Turnier und das tun sie mit derart durchschlagendem Erfolg, dass sie es verdient haben, hier mal erwähnt zu werden.

In der Gruppenphase, an die das Finale und weitere Platzierungsspiele direkt anschließen, wurden alle Spiele gewonnen und keines davon war knapp: 11:1 gegen Russland, 18:3 gegen Frankreich, 29:0 gegen Litauen, 26:0 gegen die Ukraine und 35:2 gegen Rumänien lauten die Ergebnisse; aufgrund der Abbruchregeln erreichte kein Spiel die vorgesehenen sieben Innings. Stärkster Batter auf Seiten der Deutschen ist Kalle Michel mit einer außerirdischen Slashline von .929/.944/1.357 (14 At-Bats, 13 Hits, 1 HR, 4 Walks). Der bisher erfolgreichste Pitcher ist Luca Horger, der es auf 3.0 hit- und scorelose Innings mit 7 Strikeouts brachte.

Im Finale wartet nun am morgigen Samstag Gastgeber Tschechien als ebenfalls ungeschlagener Sieger der anderen Gruppe. Das Spiel findet um 16 Uhr statt. Ich werde zu der Zeit zwar damit beschäftigt sein, die Mainz Athletics gegen Regensburg anzufeuern, aber ich drücke den Jungs die Daumen und schaue ab und zu in den Liveticker auf der Seite des Turniers, auf der man auch sämtliche Boxscores und Statistiken abrufen kann.

Übrigens stehen in nächster Zeit noch ein paar weitere Baseball-Europameisterschaften an: Die U18-EM findet nächste Woche (11. bis 17. Juli) im spanischen Gijon statt; es folgt die U15-EM in Frankreich (Chartres und Rouen) vom 19. bis 23. Juli und vom 9. bis zum 18. September sind dann die Erwachsenen im niederländischen Hoofddorp/Haarlemmermeer dran.

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Juli 2nd, 2016 by Dominik

Nun ist Baseblog.de schon gut drei Wochen alt und ich habe noch kein Wort über die Baseball-Bundesliga geschrieben – eigentlich ein Skandal, vor allem weil ich regelmäßig in Mainz auf der Tribüne sitze und genieße, wie die A’s dieses Jahr die Liga rocken. Da sollte doch wenigstens ein kleiner Überblick über den Stand der Dinge in den beiden Ligateilen mal drin sein, oder? Also los:

Bundesliga Süd

Im Süden hat man sich in den letzten Jahren an eine Dreiteilung der Liga gewöhnt: Die Regensburg Legionäre und die Heidenheim Heideköpfe machen üblicherweise die ersten beiden Plätze unter sich aus, die Tübingen Hawks und die Bad Homburg Hornets die letzten beiden und der interessanteste Teil ist das Mittelfeld aus vier Teams, die oft bis zum letzten Spieltag darum kämpfen, wer in die Playoffs darf und wer in die Playdowns muss. Dieses Jahr ist es weitgehend genauso mit der einen Ausnahme, dass die Mainz Athletics (16-4) ganz oben mitspielen und aus dem Zweikampf um die Spitze einen Dreikampf machen, in dem sie zurzeit sogar knapp die Nase vorn haben.

Um die Playoff-Teilnahme müssen sich die Mainzer jedenfalls keine Sorgen machen, nicht nur wegen des Vorsprungs von sechs Siegen auf Platz fünf, sondern auch weil sie gegen die Stuttgart Reds (11-9), die Mannheim Tornados (9-9) und die Haar Disciples (10-11) jeweils schon den direkten Vergleich in der Tasche haben. Für den Rest der Saison können die A’s sich nun ganz auf das höhere Ziel, die Süd-Meisterschaft, konzentrieren. Sowohl Regensburg (16-5) als auch Heidenheim (15-7) haben in den Heimspielen gegen die Athletics einen Split abgegeben und müssen in den nächsten Wochen noch nach Mainz.

Die Athletics führen die Statistiken sowohl in der Offensive (7,8 Runs pro Spiel) als auch in der Defensive (2,4 zugelassene Runs pro Spiel) deutlich an, wobei solche Vergleiche in der Bundesliga immer etwas verzerrt sind durch das große Leistungsgefälle und die häufige Anwendung der Mercy-Rules (u. a. Spielende bei 10-Run-Führung nach sieben Innings). Im Pitching sind die Mainzer jedenfalls mit einem Team-ERA von 1.73 und einem zugelassenen Average von .204 unzweifelhaft eine Klasse für sich. Zum Vergleich: Zweiter sind jeweils die Legionäre mit 2.80 ERA und .229 OAVG.

Hinter dem Spitzentrio balgen sich Stuttgart, Mannheim und Haar um nur noch einen verbleibenden Playoffplatz. Die drei treffen in den restlichen Wochen noch in jeder Kombination aufeinander und haben es somit selbst in der Hand, sich von den Konkurrenten abzusetzen. Vom Record her hat Stuttgart die beste Ausgangsposition, die Reds müssen aber noch zu zwei Spielen nach Regensburg, während für Haar nur noch einmal gegen eines der drei Topteams antreten muss (im Nachholspiel gegen Mainz).

Im Tabellenkeller bleibt es wohl ebenfalls spannend bis zum Schluss, denn Tübingen (2-17) und Bad Homburg (1-18) treffen erst am letzten regulären Spieltag aufeinander und sehen sich in aller Regel dann später noch einmal zum Abschluss der Playdowns. In den Statistiken sehen derzeit in allen Bereichen die Hornets besser aus – nur nicht beim Record, nachdem den Tübingen Hawks am Donnerstag eine faustdicke Überraschung gelungen ist, indem sie das Nachholspiel in Stuttgart 6:5 gewannen.

Bundesliga Nord

In der Nordstaffel ist die Spannung nach drei Vierteln der regulären Saison nicht mehr ganz so groß. Theoretisch ist zwar noch fast alles möglich, aber angesichts der klaren Führung der Bonn Capitals (16-2) sind die Meisterschaftschancen der Verfolger Solingen Alligators (11-7), Hamburg Stealers (12-8) und Paderborn Untouchables (10-8) nur noch theoretischer Natur.

Gleichzeitig stehen mit den vier genannten Teams auch die Playoffteilnehmer so gut wie fest, denn zwischen dem Viertplatzierten Paderborn und den Cologne Cardinals (6-12) auf Rang fünf klafft sechs Spiele vor Schluss bereits ein Abstand von vier Siegen. Dahinter stehen noch die Hannover Regents (5-13) und die Dortmund Wanderers (2-12).

Die Capitals dominieren die Nordliga auch statistisch deutlich, in der Südliga wären sie mit 6,9 Runs pro Spiel und einem Team-ERA von 2.33 allerdings nicht ganz vorne. Dieser Vergleich hinkt natürlich gewaltig, solange wir nicht gesehen haben, wie die Topteams der beiden Ligen gegeneinander abschneiden und das wird leider erst in den Playoffs geschehen.

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