Category: Baseball in Deutschland

Mai 23rd, 2017 by Dominik

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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April 9th, 2017 by Dominik

Seit gut einer Woche fliegt nicht nur in der MLB, sondern auch in der Baseball-Bundesliga wieder der Ball und obwohl erst wenige Spiele absolviert sind, gab es schon ein paar regelrecht historische Highlights zu bestaunen.

Die Saarlouis Hornets starteten letzte Woche in ihre erste Bundesligasaison nach dem Aufstieg nicht nur mit einem 10:3-Erfolg in Bad Homburg. Sie ließen auch ein schier unglaubliches erstes Inning im zweiten Spiel des Doubleheaders folgen, in dem sie mit 12:0 in Führung gingen. Das allein wäre schon eine Meldung wert – aus der Bundesliga habe ich zwar keine historischen Zahlen parat, doch als am Samstag in der MLB den Phillies ebenfalls zwölf Runs im ersten Inning gelangen, war es das erste Mal in deren 134-jähriger Teamgeschichte und ligaweit das erste Mal seit sechs Jahren, dass das einem Team gelang. Noch viel verblüffender war an dem Spiel in Bad Homburg aber der weitere Verlauf, denn die Gastgeber gaben sich keineswegs auf, scorten immer wieder Runs und drehten bei zwei Outs im neunten Inning die Partie mit einem 2-Run-Walkoff-Single zum 17:16. Wahnsinn.

Nur eine knappe Woche später, am vergangenen Freitag, wurde ich Zeuge eines weiteren unglaublichen Comebacks. Der amtierende Meister Mainz Athletics war bei den Mannheim Tornados zu Gast und dominierte das Spiel mit dem glänzenden Starter Tim Stahlmann und einer schlagfreudigen Offense achteinhalb Innings lang quasi nach Belieben. Als im neunten Inning Marcel Schulz einen Grand Slam zum 10:0 für die A’s schlug, machten sich viele Mannheimer Zuschauer schon auf den Heimweg. Zu früh, wie sich herausstellte: Stahlmann bekam im unteren neunten Inning erstmals Probleme und musste nach 110 Pitches mit geladenen Bases die Segel streichen. Der 18-jährige Reliever Yannick Wildenhain ließ mit seinem ersten Wurf per Wild Pitch den ersten Run der Tornados zu, die sich ab diesem Moment in einen regelrechten Rausch spielten und Wildenhain sowie dessen Nachfolger auf dem Mound, Ben Briggs, eine Horrorshow bereiteten, nach der es plötzlich 10:10 stand. Briggs und die restlichen A’s überstanden dann zwar das Inning und noch ein weiteres, waren aber stehend K. O. und als Mannheim im elften Durchgang der Walkoff gelang, waren wohl alle Beteiligten froh, dass es endlich vorbei war.

Als Fan der Athletics muss ich sagen, dass es das frustrierendste Baseballspiel war, das ich je gesehen habe. Aber auf der anderen Seite sind solche Spiele ein Markenzeichen und auch eine Webung für diesen Sport, bei dem es eben keine 85. Minute gibt, in der klar ist, dass fünf Tore zeitlich gar nicht mehr machbar sind, sondern bei dem bis zum letzten Out im letzten Inning immer alles möglich ist. Hier gibt es übrigens einen kurzen Videobericht des SWR über das Spiel.

Apropos alles möglich: Neben den beiden erwähnten Partien ist in der Bundesliga Süd vor allem der schwache Start der Regensburg Legionäre erwähnenswert. Die ersten drei Spiele wurden gegen Mannheim (5:15, 1:11) und gegen Heidenheim (3:18) allesamt vorzeitig per Gnadenregel verloren, das vierte ebenfalls deutlich mit 0:6 gegen Heidenheim. Solche Ergebnisse ist man nicht gewohnt von den Legionären, die auf Grundlage ihrer starken Infrastruktur eigentlich immer vorne mitspielen. Dieses Jahr haben sie ein recht junges Team am Start, das vielleicht noch etwas reifen muss, zudem warten die Legionäre noch auf zwei amerikanische Verstärkungen, die verspätet zum Team stoßen werden. Nicht übersehen sollte man, dass die bisherigen Niederlagen allesamt gegen Teams kassiert wurden, die zum Favoritenkreis der Liga zählen. Ernsthafte Sorgen müsste man sich wohl machen, wenn Regensburg auch nach den anstehenden Spielen in Bad Homburg noch Letzter sein sollte.

In der Nordstaffel der Bundesliga wurden bislang noch nicht so viele Spiele absolviert wie im Süden und es gab auch keine ganz so spektakulären Ergebnisse. Erwähnenswert ist der starke Start des Aufsteigers Dohren Wild Farmes mit 3-1 Siegen, darunter einer bei den Solingen Alligators. Noch kein Spiel hatten bisher die Paderborn Untouchables. Sie sorgten dafür mit einem Trainerwechsel in letzter Minute für Aufsehen: Stefan Fechtig wurde am Donnerstag mit sofortiger Wirkung gegen Jendrick Speer ersetzt. Man wolle neue Strukturen aufbauen und Impulse setzen. Das klingt einerseits nachvollziehbar, andererseits aber doch etwas seltsam angesichts des Zeitpunkts.

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März 30th, 2017 by Dominik

Am Sonntag geht es endlich los mit der MLB-Saison 2017. Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees machen (warum auch immer) den Anfang um 19:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, anschließend spielen die Arizona Diamondbacks gegen die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals gegen Titelverteidiger Chicago Cubs. Alle anderen Teams haben ihr Eröffnungsspiel am Montag.

Was ich von der neuen Saison erwarte, habe ich in meinen Previews nach und nach verraten – O. K., der letzte Teil kommt erst morgen früh, aber der aufmerksame Leser hat sich bereits an dreißig Fingern abgezählt, welches Team ich dieses Jahr als World-Series-Sieger tippe.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch die Baseball-Bundesliga am Wochenende die Saison eröffnet. Los geht es schon am Freitagabend mit dem Spiel Heidenheim Heideköpfe gegen Haar Disciples. Auch auf die Bundesliga bin ich heiß wie Frittenfett, aber wegen der vielen wechselnden Importspieler und weil ich auch nur die Mainz Athletics wirklich intensiv verfolge, traue ich mir hier keine Prognose zu.

Jetzt aber erstmal das Wichtigste aus den vergangenen sieben Tagen – zum vorerst letzten Mal im Offseason-Format, ab nächster Woche gibt es dann wieder den bewährten Aufbau nach Divisionen mit Spielzug und Statistik der Woche etc.

Will Smith braucht Tommy-John-Surgery
Die San Francisco Giants müssen kurz vor Saisonstart eine Hiobsbotschaft verdauen: Mit RP Will Smith fällt ein wichtiger Teil des Bullpens für dieses Jahr aus, nachdem er sich der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen muss.

Zwei Neue für die Rays  
Die Tampa Bay Rays haben sich Im Frühlingsschlussverkauf noch zwei neue Spieler geleistet: Peter Bourjos kommt von den Chicago White Sox für Geld oder einen später zu benennenden Spieler und soll die Tiefe im Outfield ergänzen, hauptsächlich als Ersatzmann für Kevin Kiermaier. Catcher Derek Norris, von den Washington Nationals nach der Wieters-Verpflichtung entlassen, wird bei den Rays direkt in die Stammformation einsteigen, jedenfalls bis Wilson Ramos wieder fit ist. Ramos kam im Winter ebenfalls aus Washington, jedoch mit einer bekannten Verletzung, die ihn noch mindestens für die erste Saisonhälfte zum Aussetzen zwingt.

Vertragsverlängerungen für Rougned Odor und Jose Ramirez
Zwei junge Spieler und deren Teams haben sich durch frühzeitige Vertragsabschlüsse Planungs- und Kostensicherheit gesichert: Die Texas Rangers bezahlen dem 23-jährigen 2B Rougned Odor 49,5 Millionen Dollar und zwei Pferde (!) für sechs Jahre und haben die Option auf ein siebtes Jahr. Der 24-jährige Infield-Allrounder Jose Ramirez erhält von den Cleveland Indians 26 Millionen für die nächsten fünf Jahre und auch dieser Vertrag kann über Teamoptionen bis auf sieben Jahre ausgedehnt werden.

Jeurys Familia 15 Spiele gesperrt
Dass Jeurys Familia nach einem Vorfall häuslicher Gewalt eine Sperre erwartet, galt schon seit seiner vorübergehenden Festnahme am 31. Oktober als relativ sicher. Unklar war nur, wie lange genau die New York Mets auf ihren Closer verzichten müssen. Die MLB hat nun bekannt gegeben, dass es 15 Tage sind. Das ist die Hälfte dessen, was Aroldis Chapman letztes Jahr absitzen musste, offenbar weil Familias Fall als weniger schlimm eingestuft wurde und weil er bei der Aufklärung umfassend kooperierte. Nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten hat Familia seine Frau weder geschlagen noch mit Gewalt bedroht, sich aber während eines Streits unangemessen verhalten (angeblich geht es um eine zerstörte Tür).

Zweiter No-Hitter im Spring Training
Letzte Woche war es noch etwas Besonderes, als die New York Yankees den ersten Spring-Training-No-Hitter seit zwei Jahren schafften. Bis zum nächsten dauerte es aber nun gerade mal sieben Tage: Sage und schreibe acht Pitcher der Los Angeles Angels of Anaheim vereinten ihre Künste, um beim 4:0-Sieg ihres Teams die Seattle Mariners ohne Basehit abzufertigen. Das ist eine reife Leistung, auch wenn es nur im Spring Training war und obendrein gegen einen Split Squad der Mariners, in dem Seattle nur zwei Stammspieler einsetzte.

MLB im deutschen Fernsehen
Bisher war mlb.tv konkurrenzlos, wenn man die MLB aus Deutschland in bewegten Livebildern verfolgen wollte. Für den Die-Hard-Fan, der den Zugriff auf alle Spiele braucht, bleibt das auch so, aber wer sich auch mit einer kleineren Auswahl von Spielen zufrieden gibt, hat nun gleich zwei Alternativen: Der Streaminganbieter DAZN hat bekannt gegeben, dass er ab dieser Saison mehr als 600 MLB-Spiele übertragen wird. Und auf Sport1-US werden mindestens 75 Spiele gezeigt, die meisten davon mit Originalkommentar im Pay-TV, ein paar aber sogar im Free-TV mit eigenem deutschem Kommentar. Los geht es am Sonntag ab 23:15 Uhr mit Giants@Diamondbacks. Ich werde am Wochenende noch mal in einem ausführlicheren Artikel auf die verfügbaren Quellen mit ihren Vor- und Nachteilen und den anfallenden Kosten eingehen.

Kein First Pitch von Donald Trump
Ein neu gewählter US-Präsident eröffnet üblicherweise die MLB-Saison mit einem zeremoniellen ersten Pitch. Von Donald Trump bleibt uns das vorerst erspart. Er sagte die entsprechende Anfrage der Washington Nationals unter Verweis auf einen Terminkonflikt ab.

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Oktober 3rd, 2016 by Dominik

Am 4. Mai 2014 besuchte ich das erste Baseballspiel meines Lebens. Ich hatte mich zu der Zeit schon eine Weile für diesen schönen Sport interessiert und mir auch bereits die New York Mets als Lieblingsteam in der MLB ausgesucht, aber zum Liveerlebnis in einem Ballpark hatte es mich noch nicht verschlagen – bis zu jenem schicksalhaften Nachmittag vor zweieinhalb Jahren. Die Mainz Athletics gewannen damals 5:4 gegen Heidenheim und mindestens einen neuen Fan. Ich war von Vielem begeistert: von dem überraschend ansehnlichen Spielniveau der Bundesliga, von dem schönen Stadion, von der entspannten Atmosphäre und von dem sympathischen Team. Leider waren die A’s in dem Jahr nur schwaches Mittelmaß und mussten am Ende sogar in die Playdowns statt in die Playoffs.

Warum erzähle ich so alte Geschichten? Damit man versteht, warum ich so begeistert darüber bin, dass die Mainzer dieses Jahr so eine fantastische Saison gespielt und sie heute mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft abgeschlossen haben. Ich bin nicht lange genug dabei, um behaupten zu können, ich hätte die A’s durch alle Höhen und Tiefen begleitet – aber immerhin lange genug, um ihren Weg von relativ weit unten nach ganz oben hautnah verfolgt zu haben. Besonders gut gefällt mir, dass der Erfolg auf der konsequenten Entwicklung von Eigengewächsen beruht – zwei Drittel der Stammspieler sind heute noch dieselben wie bei meinem ersten Spiel. Der Rest sind Verstärkungen aus dem Ausland, bei denen man ein wahnsinnnig gutes Händchen bewiesen hat: Peter Johannessen, Trey Stover und vor allem die beiden Asse Eric Massingham und Thomas de Wolf.

Übrigens habe ich am Samstag wieder eine Premiere gefeiert: Ich habe die Athletics zum ersten Mal zu einem weit (also weiter als Bad Homburg) entfernten Auswärtsspiel begleitet und auch das war wieder ein schönes Erlebnis. Der Ballpark und die umgebenden Anlagen in Regensburg sind beeindruckend, alles macht einen sehr gepflegten und professionellen Eindruck. Ein bisschen too much fand ich allerdings die Dauerbeschallung während des Spiels durch Musik, Stadionsprecher und Soundeffekte. Nehmt’s mir bitte nicht krumm, liebe Legionäre, aber etwas weniger ist manchmal doch mehr.

Natürlich habe ich mir mal wieder das falsche Spiel ausgesucht und zwar ein hochklassiges Pitching-Duell zwischen Mike Bolsenbroek und Jan-Niclas Stöcklin bei perfektem Baseballwetter gesehen, das aber leider in einer 0:1-Niederlage der Mainzer endete. Zum Glück folgte am Sonntag dann das 5:2-Meisterstück und angesichts des miesen Wetters, das einezeineinhalbstündige Regenpause im fünften Inning bedingte, war ich gar nicht so böse, dass ich dieses Spiel „nur“ zu Hause am Bildschirm verfolgen konnte (das „nur“ steht in Anführungszeichen, weil die Übertragung durch legionaere.tv sehr sehr gut war).

Viel mehr bleibt mir nicht zu sagen. Die Spielverläufe der Finalpartien brauche ich hier nicht herunterzubeten, die kann man nachlesen auf der Seite der Bundesliga und auf der der Mainz Athletics. Ich bin jedenfalls stolz auf „meine“ Athletics und der heutige Titelgewinn gehört neben der letztjährigen NL-Championship der Mets zu den absoluten Highlights meines Daseins als Baseballfan. Ich kann schon jetzt kaum den Beginn der neuen Saison erwarten. Ein paar Umbrüche wird es dann geben, denn Mike Larson, Manuel Möller und Eric Massingham werden wohl die Handschuhe an den Nagel hängen. Aber mein Eindruck ist, dass aus dem Mainzer Nachwuchs beständig Talente nachkommen, die – wahrscheinlich in Verbindung mit einem neuen amerikanischen Starter – die Lücken schließen können. Und dafür, dass es auf längere Sicht so bleiben wird, spricht dass gestern auch das Jugendteam der Athletics Deutscher Meister geworden ist – übrigens ebenfalls nach einem Finale gegen Regensburg.

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September 26th, 2016 by Dominik

Eigentlich wollte ich heute über die ersten beiden Spiele der Finalserie zwischen den Mainz Athletics und den Regensburg Legionären schreiben. Es waren zwei gute, wenn auch überraschend einseitige Partien, nach denen für die A’s die Tür zur Meisterschaft weit offen steht. Aber aller Freude darüber zum Trotz liegt für mich über dem vergangenen Baseballwochenende ein Schatten. Denn während ich das Spiel im Ballpark am Mainzer Hartmühlenweg verfolgte, erreichte mich völlig unvermittelt auf dem Handy die Kurzmitteilung von cbs: „Marlins pitcher José Fernández killed in Miami boating accident“.

Die Meldung hat mich sprachlos und traurig gemacht und ich kann gar nicht richtig sagen warum. Schließlich sterben auf dieser Welt jeden Tag ungefähr 150.000 Menschen, ein paar Tausend davon durch Verkehrsunfälle, und fast alle davon haben mit José Fernández gemeinsam, dass ich sie nicht gekannt habe. Trotzdem macht mich Fernández‘ Tod betroffen. Wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass er mir mal wieder vor Augen führt, wie dünn die Fassade zwischen Baseball und sonstiger Unterhaltung und dem richtigen Leben ist – dem richtigen Leben, in dem man einfach so als 24-Jähriger wegen einer Unachtsamkeit oder einer falschen Bewegung oder auch ganz ohne nachvollziehbaren Grund sein Leben verlieren kann.

Dadurch, dass Fernández für einen Divisionsgegner meiner Mets spielte, habe ich relativ viele Spiele von ihm gesehen und ich hatte dazu immer ein gespaltenes Verhältnis, weil er für mich zu der Sorte Spieler gehörte, die man lieber im eigenen Team sieht als in einem anderen: jung, äußerst talentiert und unheimlich sympathisch. Vorgestern erst hatte ich gelesen, dass die Marlins einen Tausch in der Rotation vorgenommen hatten, sodass Fernández heute gegen die Mets antreten würde. Ein bisschen habe ich mich darüber geärgert, weil ich wusste, dass das Spiel dadurch schwieriger wird. Ein bisschen habe ich mich aber auch gefreut, weil ich nicht nur Metsfan bin, sondern vor allem Baseballfan und weil man als Baseballfan einem José Fernández gern bei der Arbeit zusieht.

Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen. Ein schwieriges Spiel wird es trotzdem – so schwierig wie man es sich nur vorstellen kann, weil es zum einen ganz unter dem Zeichen der großen Trauer um José Fernández in Miami und in der ganzen MLB stehen wird, weil sich aber andererseits die Mets derzeit eigentlich keine Sentimentalitäten erlauben können, da im Wild-Card-Rennen jedes Spiel zählt.

Die Welt hört wegen dieses Unglücks nicht auf sich zu drehen und die MLB wird nicht mehr Spiele absagen als das eine gestern Abend. Das ist ein bisschen bedauerlich, aber im Endeffekt wohl die einzig richtige Entscheidung. Nicht nur aus geschäftlichen Gründen, sondern auch weil der Sport die Zerstreuung bietet, die man braucht, um angesichts der Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht zu verzweifeln. In diesem Sinne: Play ball. And rest in peace, JoFer.

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September 20th, 2016 by Dominik

Nach vier Wochen Wartezeit wegen der Europameisterschaft geht es am Wochenende endlich los mit den Endspielen um die Deutsche Baseball-Meisterschaft. Jeweils um 14 Uhr fliegen am Samstag und am Sonntag in Mainz die ersten Pitches der Spiele eins und zwei der Finalserie, die eine Woche später in Regensburg fortgesetzt wird. Als kleine Einstimmung auf das Finale habe ich mich an einer Gegenüberstellung der beiden Teams versucht. Dass mein Herz für die Athletics schlägt, kann und will ich nicht verbergen, aber ich hoffe trotzdem, dass der Vergleich so sachlich und neutral ankommt wie er von mir angestrebt ist.

Falls ihr das hier lest und eine Meinung dazu habt: Ich freue mich riesig über jeden Kommentar!

Starting Pitcher
In puncto Regular-Season-Wins sind die beiden Mainzer Starter Tim Stahlmann (12-1) und Eric Massingham (10-2) einsame Bundesligaspitze – aber ihr wisst ja, wie ich zu dieser nichtssagenden Statistik stehe. Wenn wir nach ERA gehen, sieht es schon etwas enger aus: Hier hat Massingham in der regulären Saison mit 1.44 den mit Abstand besten Wert der Südliga, in den Playoffs steht er jedoch bisher mit 2.03 etwas hinter dem Regensburger Mike Bolsenbroek (1.29; reguläre Saison 1.72) zurück. Übrigens hat Bolsenbroek auch eine fantastische Europmeisterschaft gespielt: In seinen fünf Innings für das niederländische Nationalteam hat er nicht einen Hit oder Walk zugelassen. Insgesamt dürfen wir uns auf absolut hochkarätiges Pitching in den Finalspielen einstellen, denn sowohl in der regulären Saison als auch in den Playoffs belegen die Mainzer und Regensburger Starter zusammen vier der Top-5-Plätze nach ERA. Neben dem amerikanischen Starter Massingham hat der Mainzer Manager Ulli Wermuth die Qual der Wahl zwischen den Nationalspielern Jan-Niclas Stöcklin und Tim Stahlmann. Für Regensburg dürfte Clay Voechting als zweiter Starter gesetzt sein, aber mit Jan Tomek haben auch die Legionäre eine hochkarätige Alternative in der Hinterhand. Auf dem Papier sehe ich ein Unentschieden auf höchstem Niveau, aber in den vier direkten Aufeinandertreffen sahen die Mainzer Pitcher gegen Regensburg besser aus als umgekehrt und deshalb:
Vorteil Mainz

Bullpen
In beiden Teams herrscht keine Knappheit an Pitchern, die Bullpens sind tief besetzt mit einer breiten Auswahl von hungrigen Talenten und erfahrenen Veteranen. Um es nicht ausufern zu lassen, erwähne ich hier nur die beiden wichtigsten Reliever jedes Teams. In Mainz steht mit – je nachdem, wer von den beiden startet – entweder Jan-Niclas Stöcklin oder Tim Stahlmann ein Ass für jede beliebige Rolle von Long Reliever bis Closer zur Verfügung. Hinzu kommt Routinier Manuel Möller, der ebenfalls eine hervorragende Saison hinter sich hat mit 27 Innings in 16 Einsätzen und einem ERA von 1.67. In den Playoffs sah Möller bisher allerdings nicht gut aus, in drei Spielen (5 Innings) kassierte er 7 earned Runs und damit zwei mehr als in der gesamten regulären Saison. Regensburg kann als Reliever Jonathan Eisenhuth und den Tschechen Jan Tomek aufbieten. Eisenhuth hatte eine durchwachsene Saison (ERA 5.34), Tomek eine ziemlich gute (ERA 2.22). Falls Möller während der EM-Pause seine Normalform wiedergefunden hat, sehe ich Mainz im Vorteil; solange das nicht sicher ist, lautet meine Einschätzung:
Unentschieden

Catcher
Auch auf der Catcher-Position sind beide Teams hochkarätig besetzt. Der Mainzer Max Boldt und der Regensburger Christopher Howard standen bei der EM in allen Spielen gemeinsam in der Startformation der deutschen Nationalmannschaft, wobei Boldt als First Baseman oder DH auflief. Auf ihrer Position hinter der Platte fungieren beide zuverlässig als Gehirn und Rückhhalt ihres Teams. Offensiv ist Boldt mit einer Regular-Season-Slashline von .372/.444/.566 und mit acht Homeruns in den letzten 16 Spielen einer der stärksten Slugger der Republik. In meinen Augen ist er damit auf jeden Fall ein Stück höher zu bewerten als Howard (.254/.349/.394).
Vorteil Mainz

First Base
Nachdem Jonathan Wagner früh in der Saison verletzungsbedingt als Catcher ausfiel und Max Boldt ihn ersetzte, war auf 1B in Mainz ein Platz frei. Dieser wurde solide besetzt mit Martin Kipphan, einem erfahrenen Spieler mit durchschnittlicher Offense (.240/.321/.406) und zuverlässiger Defense. Die Legionäre hatten während der Saison wenig Stabilität an der ersten Base, es kamen sechs verschiedene Spieler zum Einsatz. Die meisten Spiele absolvierte dabei Christoph Zirzlmeier (.295/.323/.426), in den letzten acht Partien stand jedoch immer Ludwig Glaser (.319/.457/.473) auf 1B, was den Statistiken nach sowohl offensiv als auch im Fielding noch mal ein Upgrade darstellte.
Vorteil Regensburg

Second Base
Kaum zu glauben, dass Nicolas Weichert mit einer Slashline von .356/.455/.406 in der Regel erst am Ende des Batting Lineups zum Einsatz kommt, aber daran sieht man, wie stark diese Mainzer Offense ist. Seine Defense ist solide, der eine oder andere Error kommt aber vor. Das gleiche gilt für sein Gegenüber Lukas Jahn, der an der Platte mit .294/.445/.459 für etwas weniger Average, dafür aber mit mehr Power schlägt als Weichert.
Unentschieden

Shortstop
Die Mainzer sind froh, dass ihr amerikanischer Import Trey Stover nach langer Verletztungspause zurückgekehrt ist, um den Playoff-Run zu unterstützen. Am Schlag fällt Stover mit .239/.280/.283 gegenüber dem Rest des Lineups etwas ab, dafür wird er für seine Defense allseits sehr gelobt. Das ist genug, um seinen Platz im Team zu rechtfertigen, aber nicht genug, um den direkten Vergleich mit Nino Sacasa (.362/.388/.394) zu gewinnen. Das 20-jährige Talent spielt die schwierige Position wie ein alter Hase und führt gleichzeitg mit 34 Saison-Hits sein Team an.
Vorteil Regensburg

Third Base
Lennard Stöcklin (.295/.358/.324) ist ein guter Hitter, Matt Vance (.299/.413/.478) ein noch etwas besserer – das sagen jedenfalls die Zahlen aus der regulären Saison. In den Playoffs sah es bisher anders aus: Da hat Stöcklin (.378/.400/.459) eine Schippe draufgelegt, während Matt Vance in einen .138/.194/.138-Slump geraten ist. Ohne die EM-Pause hätte ich dieses Duell zu Gunsten von Stöcklin gewertet, aber nach vier Wochen Unterbrechung wäre es albern, auf Hot- oder Cold-Streaks herumzureiten. Über das komplette Jahr betrachtet steht hier in meinen Augen ein:
Unentschieden

Outfield
Regensburg hat ein wirklich gutes Outfield. Maik Ehmcke (.320/.407/.515) und Marcel Jimenez (.398/.474/.494) sind Hitter, die jeder Bundesligist gern im Team hätte und mit Janis Muschik (.250/.371/.327) oder Bong Kyu Kang (.239/.317/.338) ist auch der dritte Outfieldposten solide besetzt. Aber, sorry liebe Legionäre, angesichts der hier vertretenen Schwergewichte der A’s ist dies der Mannschaftsteil, in dem ihr dem Vergleich nicht standhaltet. Allein Right Fielder Thomas de Wolf ist bundesligaweit eine Klasse für sich mit einer geradezu außerirdischen Slashline von .444/.640/.1.156. Das ist eine OPS von 1.796 und obwohl de Wolf erst mitten in der Saison nach Mainz kam und daher nur 15 von 28 Spielen absolvierte, führt er die Liga mit 10 Homeruns an und ist Zweiter in Walks (24) und Runs (33). Die zweiten Plätze bei den Walks und Runs teilt er sich übrigens beide mit seinem Outfield-Kollegen Kevin Kotowski (.378/.514/.439), dem Leadoff-Hitter der Athletics. Und auch die meisten Runs (34) der Bundesligasaison gehen auf das Konto eines Mainzer Outfielders, nämlich auf das von Left Fielder Peter Johanessen (.402/.492/.561).
Vorteil Mainz

Designated Hitter
Über viele Jahre hatte der Kanadier Mike Larson in Mainz die Rolle inne, die nun Thomas de Wolf übernommen hat – sowohl als gefährlichster Hitter wie auch im Right Field. In diesem Jahr hat er von den Zahlen her (.270/.383/.390) für seine Verhältnisse etwas nachgelassen und wartet seit dem 30. April vergeblich auf seinen 50. Bundesliga-Homerun. Mit seiner Erfahrung ist Larson, der schon bei der letzten Meisterschaft der Mainzer 2007 dabei war, dennoch enorm wertvoll und die Athletics können sich glücklich schätzen, dass sie ihn wiederhaben, nachdem er einen Großteil der bisherigen Playoffs zu Gunsten seiner Hochzeitsreise ausfallen lassen musste. Auf Regensburger Seite wird wohl Robert Coyle als DH ins Rennen gehen. Der Amerikaner wurde erst Ende Juni verpflichtet und hat sich als die Verstärkung erwiesen, die man sich von ihm erhofft hatte (.387/.424/.645 in den Playoffs).
Vorteil Regensburg

Fazit
Zählt man alle Bewertungen zusammen, kommt man auf dreimal Mainz, dreimal Regensburg und dreimal Unentschieden, also ein sehr ausgeglichenes Bild. Allerdings wird das ein bisschen verzerrt dadurch, dass ich das Outfield zu einer einzigen Bewertung zusammengefasst habe und der Vergleich in diesem Mannschaftsteil in meinen Augen 3:0 für Mainz ausgeht. Also wenn ihr mich fragt, wird es eine spannende Finalserie, in der die Mainzer am Ende knapp die Oberhand behalten.

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September 18th, 2016 by Dominik

Herzliche Glückwünsche an die Niederlande zum verdienten Gewinn der Europameisterschaft im Baseball. Im heutigen Finale wurde Spanien in zehn Innings mit 3:2 besiegt und damit ein dominantes Turnier der Gastgeber gekrönt, die jedes einzelne ihrer Spiele gewonnen haben. Hier findet sich die komplette Abschlusstabelle der EM.

Für Deutschland hat es zwar erwartungsgemäß nicht zum ganz großen Wurf gereicht, aber das Turnier als Vierter abzuschließen, ist auf jeden Fall ein Erfolg. Man kann sagen, Deutschland ist Erster in Leistungsgruppe 2 geworden, denn Italien, Spanien und die Niederlande sind derzeit in Europa offensichtlich eine Klasse für sich, an der es kein Vorbeikommen gibt. Entsprechend eindeutig fielen die deutschen Ergebnisse gegen diese Teams aus: Gegen die Niederlande unterlag man schon in der Vorrunde 2:10, in der Hauptrunde setzte es gegen Italien ein 0:12 und gegen Spanien ein 0:3. Letzteres war eine extrem interessante und vor allem in Sachen Pitching hochklassige Partie. Bis kurz vor Ende des sechsten Innings hatte ein beidseitiger No-Hitter Bestand, bevor Engel Beltre den Bann brach und den ersten von letztlich vier spanischen Hits in diesem Spiel erzielte. Ein 3-Run-Homerun von Jesus Martinez im achten Inning brachte schließlich die Entscheidung, während Deutschland über die vollen neun Innings ohne Hit blieb. Ist ja auch irgendwie unfair, wenn der Gegner Jesus und einen Engel auf seiner Seite hat… 😉

Alle anderen Spiele gewannen die Deutschen, darunter den im letzten Artikel geschilderten 3:1-Nailbiter gegen Tschechien und einen überraschend deutlichen 14:2-Blowout in sechseinhalb Innings gegen Belgien. Um mal ein paar Namen fallen zu lassen: Der überragende Akteur der deutschen Nationalmannschaft war Pitcher Enorbel Marquez, der in 16 Innings nur vier Hits und einen Run zugelassen hat. Angesichts dieser Leistung ist es kaum zu glauben, dass der ehemalige Solinger dieses Jahr für die Berlin Flamingos nur in der zweiten deutschen Liga gespielt hat. In der Offense überzeugten vor allem der Heidenheimer Catcher Simon Gühring mit einer Slashline von .407/.484/.481 sowie der Bonner Outfielder Eric Brenk mit .370/.400/.681, dessen 8 RBI gleichauf mit dem Mainzer 1B/DH Max Boldt (.276/.294/.345) das Team anführen. 

Für Boldt und seine Mainzer Teamkameraden gilt es nun ebenso wie für die Regensburger Nationalspieler, bis zum nächsten Wochenende die mentale und körperliche Frische wiederherzustellen, die für die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft nötig ist. Am Samstag um 14 Uhr geht es los, eine ausführliche Vorschau von mir wird es im Laufe der Woche geben.

Für zwei Teams endete die Europameisterschaft sehr bitter, denn Platz elf und zwölf für Russland und Griechenland bedeutet, dass die beiden in den B-Pool absteigen und sich in dem entsprechenden Turnier nächstes Jahr um eine Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 bemühen müssen, während der Rest des Feldes automatisch wieder dabei sein wird.

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September 13th, 2016 by Dominik

Das ist mal wieder typisch: Genau während ich meinen gestrigen Artikel veröffentlicht und mich darin über zu wenig Spannung und Überrschungen beklagt habe, fanden die drei spannendsten und/oder überraschendsten Spiele des bisherigen EM-Turniers statt. Der Reihe nach: Zunächst tat sich Schweden unerwartet schwer gegen Großbritannien. Aus einer 5:0-Führung für die Skandinavier wurde ein 5:5 und das Spiel ging in die Extra-Innings, bevor die Schweden es schließlich mit 9:6 gewannen. Es war das erste Spiel des Turniers, bei dem eine Verlängerung nötig war und bei dem deshalb die Regel griff, dass ab dem zehnten Inning jedes Team mit Runnern auf der ersten und zweiten Base startet.

Eine halbe Stunde später begann das Parallelspiel von Mitfavorit Italien gegen Spanien, bei dem es die erste faustdicke Überraschung setzte: Spanien zeigte sich unerwarteterweise acht Innings lang als ebenbürtiger Gegner und explodierte dann förmlich im neunten Inning mit fünf Runs, um Italien 8:3 zu schlagen. Oscar Angulo gelang dabei ein sehenswerter Drei-Run-Homer, den er mit einem ebenso sehenswerten Batflip feierte. Schaut ihn euch hier an.

Ebenfalls parallel zu den beiden vorgenannten Spielen trafen Belgien und Frankreich aufeinander und dieses Spiel war nie spannend, aber dafür sehr überraschend, denn den klaren 14:3-Sieg von Belgien hatte wohl niemand erwartet.

Am heutigen letzten Vorrundenspieltag waren nur noch zwei Entscheidungen zu treffen: zum einen die über den dritten Teilnehmer an der Hauptrunde aus Gruppe B, wobei Belgien durch Frankreichs erwartbare 0:6-Niederlage gegen Spanien bereits durch war, bevor das eigene Spiel gegen Griechenland (18:1) überhaupt angefangen hatte. Zum anderen spielten Deutschland und Tschechien Platz zwei in Gruppe A unter sich aus. Beide waren zwar bereits für die Hauptrunde qualifiziert, aber das Spiel war trotzdem sehr wichtig, da die Hauptrundenreilnehmer die gegeneinander erzielten Punkte aus der Vorrunde mitnehmen.

Die Partie zwischen Deutschland und Tschechien war von großartigem Pitching und ebenso starker Defense geprägt. Die Starter Enorbel Marquez (Deutschland) und Radim Chroust (Tschechien) trugen einen beidseitigen Shutout mit jeweils nur drei erlaubten Hits bis ins achte Inning hinein. Der erste Knackpunkt kam in der unteren Hälfte des achten Innings: Marquez erlaubte dem Leadoff-Hitter Petr Zyma einen Double und wurde nach nur 73 Pitches gegen Tim Stahlmann ausgewechselt. Leider fand Stahlmann nicht ins Spiel und musste seinerseits nach nur drei At-Bats – einem Walk, einem Sac-Fly und einem intentional Walk – bei geladenen Bases Platz für Max Schmitz machen. Dem erging es zunächst nicht besser, er erlaubte einen weiteren Walk und damit das 1:0 für Tschechien, bevor er das Inning mit zwei Strikeouts beenden konnte.

Das neunte Inning begann mit einem Strikeout gegen Marcel Jimenez und Deutschland war nur noch zwei Outs von der Niederlage entfernt. Doch unter großem Druck platzte endlich der Knoten in der deutschen Offense und durch Basehits von Simon Gühring, Max Boldt, Christopher Howard, Eric Brenk und Jendrik Speer sowie einen Walk von Ludwig Glaser kamen drei Runs über die Platte zum 3:1-Endstand, den Schmitz durch ein perfekt gepitchtes Schlussinning für sein Team festhielt.

Morgen findet in Hoofddorp nur ein einziges Spiel statt. Frankreich und Schweden wetteifern ab 14:30 Uhr um Platz sieben und damit ist für sie das Turnier beendet. Von Donnerstag bis Samstag finden dann die Spiele der Meisterschafts- und der Abstiegsrunde statt, bevor am Sonntag das Finale zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunde ansteht. Das nächste Spiel der Deutschen steigt am Donnerstag um 15 Uhr gegen Italien. Wie alle Deutschland-Spiele kann man sich die Partie live auf meinsportradio.de anhören.

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September 12th, 2016 by Dominik

Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten (dazu später mehr) verfolge ich aufmerksam die Baseball-EM im niederländischen Hoofddorp. Nach den ersten zweieinhalb Spieltagen war ich relativ enttäuscht, weil sämtliche Spielverläufe und –resultate sehr vorhersehbar ausfielen: In jeder der beiden Gruppen gibt es mit den Niederlanden respektive Italien ein quasi unschlagbares Team, dahinter je zwei Teams, die mit diesen beiden nicht mithalten können, allen anderen jedoch ebenfalls klar überlegen sind. Das führte dazu, dass die Spiele von Freitag bis Sonntagmittag mehr oder weniger komplett frei von jeder Spannung waren und allesamt den ohne hellseherische Fähigkeiten erwartbaren Ausgang nahmen – Deutschlands Sieg gegen Schweden und die Niederlage gegen die Niederlande eingeschlossen.

Seit gestern Nachmittag hat sich das zum Glück etwas geändert: Sowohl das Spiel von Deutschland gegen Großbritannien (3:2) als auch das der Niederlande gegen Russland (3:1) endeten zwar letztlich mit Favoritensiegen, doch diese fielen deutlich knapper aus als erwartet und man hatte erstmals das Gefühl, dass in diesem Turnier auch mal eine Überraschung möglich ist. Hinzu kommt, dass die Ersteller des Spielplans es offenbar gezielt darauf abgesehen haben, die Spannung im Laufe der Vorrunde zu steigern: Heute treffen bei den Partien Italien – Spanien und Niederlande – Tschechien die beiden Favoriten auf ihre mutmaßlich ernsthaftesten Verfolger, morgen folgen mit Spanien – Frankreich und Deutschland – Tschechien vermutlich direkte Endspiele um Platz zwei in jeder Gruppe. So nimmt das Turnier langsam Fahrt auf und spätestens wenn nach dem morgigen Ende der Vorrunde das Teilnehmerfeld in eine Meisterschafts- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt wird, dürfte es mit der Langeweile der ersten Tage vorbei sein.

Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Einzug in die Meisterschaftsrunde übrigens seit heute sicher, von Platz drei in Gruppe A dürfte sie auch bei ungünstigstem Verlauf der restlichen Vorrunde nicht mehr zu verdrängen sein.

Zwei Dinge möchte ich noch ansprechen: zum einen dass der Mainzer 1B/DH Max Boldt ein überragendes Turnier spielt. Von neun Runs, die die Deutschen in den ersten drei Spielen erzielten, gingen fünf auf das RBI-Konto von Boldt, einen weiteren brachte er selbst zur Platte. Damit war er der Motor, der die Offensive seines Teams am Laufen hielt, bevor sich heute gegen Russland die gesamte Mannschaft in Schlaglaune zeigte und mit 16 Runs in sechs Innings so explodierte, dass das Spiel per Mercy Rule beim Stand von 16:4 beendet wurde – dabei gingen drei weitere RBI und ein Run von Max Boldt aus.

Zum anderen möchte ich noch mal erwähnen, auf welchen Wegen man die Spiele der EM verfolgen kann: Einen Videostream gibt es nicht, lediglich die Spiele der Gastgeber und das Finale werden von einem niederländischen Bezahlsender gezeigt. Es gibt aber einen hervorragenden englischsprachigen Radiostream auf meinsportradio.de und zwar für alle Spiele von Deutschland und täglich ein weiteres Spiel. Von diesen Spielen werden im Nachhinein auch Highlightvideos auf eurobaseballtv.com bereit gestellt. Alle Spiele kann man im Liveticker auf der Turnier-Homepage verfolgen. Und dann gibt es noch täglich am späten Abend einen ca. halbstündigen deutschsprachigen Podcast von justbaseball.de mit vielen Informationen und Interviews, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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September 6th, 2016 by Dominik

Am Freitag geht es los mit der Baseball-Europameisterschaft im niederländischen Hoofddorp. In einem zehntägigen Turnier spielen dann zwölf Nationalmannschaften den Titel unter sich aus. Auch die deutsche Mannschaft ist dabei und hofft, eine ordentliche Rolle spielen zu können. Die Favoriten sind aber andere: Das Turnier wurde bislang 33-mal ausgetragen und mit Spanien 1955 und Belgien 1967 gab es nur zweimal einen Titelträger, der nicht Italien oder Niederlande hieß. Die restlichen Titel teilten die beiden Großen des europäischen Baseballs unter sich auf, 21 gingen an die Niederlande und 10 an Italien. Auch dieses Mal wäre es schon eine massive Überraschung, wenn jemand anderes ins Finale vorstößt als diese beiden.

Der Turniermodus funktioniert etwas anders als man ihn beispielsweise von der Fußball-EM oder aus den Playoffs der MLB oder der Baseball-Bundesliga kennt: Zwar gibt es auch bei der Baseball-EM zunächst eine Vorrunde, die in zwei Gruppen á sechs Mannschaften abläuft und in der je Gruppe jeder einmal gegen jeden spielt. Danach gibt es aber keine K.O.-Runde sondern eine neue Gruppenaufteilung in eine Meisterschaftsgruppe, bestehend aus den ersten drei Teams jeder Vorrundengruppe, sowie in eine Abstiegsrunde, in der die Fünft- und Sechstplatzierten antreten. Innerhalb dieser neuen Gruppen spielen nur die Teams gegeneinander, die nicht schon in der Vorrunde aufeinander getroffen sind. Nur für die Viertplatzierten der beiden Vorrundengruppen endet das Turnier frühzeitig: Sie spielen nach der Vorrunde noch Platz sieben gegeneinander aus und müssen dann nach Hause fahren. Ganz am Schluss, am 9. September, gibt es ein echtes Endspiel, in dem der Erste gegen den Zweiten der Meisterschaftsgruppe antritt. Auf der Wikipedia-Seite des Turniers kann man sich das alles übersichtlich anschauen.

Das deutsche Team hat die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten: Am Freitag um 11 Uhr vormittags beginnt die EM mit der Partie Deutschland gegen Schweden. Das Minimalziel für die deutsche Mannschaft dürfte darin bestehen, es auf Platz drei ihrer Gruppe und damit in die Meisterschaftsrunde zu schaffen. Das ist ein realistisches Ziel: In Gruppe A gibt es mit Rekordmeister und Gastgeber Niederlande einen großen Favoriten, dahinter kann man wohl Tschechien und Deutschland als ungefähr gleich stark einstufen, während Großbritannien, Russland und Schweden die Gegner sind, gegen die Gewinnen quasi Pflicht ist. In Gruppe B ist natürlich Italien favorisiert, dahinter könnte es zwischen Spanien, Belgien und Frankreich spannend werden, während Griechenland und Kroatien wohl eher in Richtung Abstiegsrunde blicken müssen.

Zur Vorbereitung auf das Turnier gab es in den letzten Tagen schon einige Freundschaftsspiele und Vorturniere. Deutschland spielte bei der Yoshida Challenge mit und zeigte sich bereits in guter Form mit zwei Siegen gegen Frankreich, einem Sieg gegen ein internationales Auswahlteam sowie einer deutlichen und einer nur knappen Niederlage gegen die Niederlande. Die Vorbereitungsspiele sollte man aber nicht zu sehr als Gradmesser für die EM ansehen, denn die Roster der Mannschaften waren noch nicht komplett; unter anderem fehlten noch fast alle in Amerika aktiven Spieler.

Neben dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bin ich gespannt, welche anderen Stars der Baseball-Bundesliga dem Turnier ihren Stempel aufdrücken können; infrage kommen dafür beispielsweise die beiden Mainzer Offensivwaffen Thomas de Wolf (Belgien) und Peter Johanessen (Schweden) oder die Regensburger Pitcher Jan Tomek (Tschechien) und Mike Bolsenbroek (Niederlande), um nur ein paar zu nennen.

Zum anderen ziehen natürlich immer vor allem die Akteure erhöhte Aufmerksamkeit auf sich, die schon mal MLB-Erfahrung gesammelt haben oder aber auf dem Sprung dorthin stehen. Aktuelle Major Leaguer wie Didi Gregorius, Jonathan Schoop, Xander Bogaerts (alle Niederlande) oder Max Kepler (Deutschland) wird man natürlich vergeblich suchen, schließlich läuft die MLB-Saison auf Hochtouren und geht in jedem Fall vor. Dabei sein werden aber einige Minor Leaguer, darunter voraussichtlich die Catcher Chris Berset (Großbritannien, AAA-Reds) und Andy Paz (Frankreich, AA-Athletics). Ob auch die deutschen MiLB-Hoffnungen Donald Lutz, Nadir Ljatifi und Sven Schüller anreisen werden, konnte ich bisher leider nicht herausfinden, der DBV hat das endgültige Roster noch nicht bekannt gegeben.* Den Träger des größten Namens wird man abseits des Spielfeldes antreffen: Trot Nixon, der zehn Jahre lang in der MLB spielte und entscheidenden Anteil am Gewinn der World Series 2004 durch die Red Sox hatte, fungiert als Bench Coach der tschechischen Mannschaft.

Bewegte Livebilder wird es von der EM meines Wissens leider nicht geben, aber immerhin wird meinsportradio.de zwei Spiele täglich (darunter alle Spiele der Deutschen) zum Hören anbieten mit englischsprachigem Kommentar von Tim Collins und Ty Eriksen. Außerdem sind Axel und Andreas von meinem Lieblingspodcast Just Baseball vor Ort und planen, täglich eine Sendung aufzunehmen. Ich freue mich darauf.

 

*Update: Der Kader der deutschen Nationalmannschaft wurde nun bekanntgegeben. Ljatifi und Schüller sind dabei, Lutz verletzungsbedingt nicht, Markus Solbach kommt vielleicht während des Turniers noch dazu.

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