Category: Baseball international

Mai 9th, 2018 by Dominik

Bekannt ist es zwar bereits seit sechs Wochen und wurde auch hier im Blog schon berichtet, aber seit gestern ist es offiziell: Die MLB kommt nach London! Am 29. und 30. Juni 2019 sind die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt – und auch die beiden zurzeit erfolgreichsten – zu Gast in der britischen Hauptstadt, um die ersten Major-League-Spiele auf europäischem Boden auszutragen. Die beiden Partien gegen die Yankees werden formal Heimspiele der Red Sox sein und im 55.000 Zuschauer fassenden Olympiastadion stattfinden.

Der Termin verlockt dazu, mit der ganzen Familie anzureisen, jedenfalls haben an dem Wochenende schon in der Hälfte der deutschen Bundesländer die Ferien angefangen. Zeitgleich mit der gestrigen Bekanntgabe der Spiele durch Commissioner Rob Manfred wurde eine Website freigeschaltet, auf der man sich bereits für einen Newsletter und für den Ticketvorverkauf registrieren kann.

Ein Baseballspiel in Europa, das ist vor allem von der Austragungsstätte her eine Herausforderung, denn ein Fußball- oder Rugbyfeld ist für Baseball zu klein. Das Olympiastadion weist durch die breite Laufbahn einen ausreichend großen Innenraum auf, um gerade so ein Baseballfeld unterzubringen. Dieses wird allerdings trotzdem relativ kurz sein mit einer Entfernung von nur 385 Fuß (117m) von der Homeplate bis zum 12 bis 14 Fuß (3,66m bis 4,27m) hohen Zaun des Centerfields. Zum Vergleich: Das kürzeste Centerfield der MLB ist das in Boston mit 390 Fuß (119m) und einer 17 Fuß (5,18m) hohen Mauer. Aaron Judge und Mookie Betts werden sich schon jetzt die Hände reiben…

Übrigens darf man sich bereits auf weitere MLB-Spiele in London freuen: Die Liga hat einen Zweijahresvertrag mit der Stadt und dem Stadion geschlossen, das heißt es wird auch 2020 Gastspiele geben. Die Teams, die dazu antreten, werden voraussichtlich erst nächstes Jahr bekannt gegeben.

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April 28th, 2018 by Dominik

Die internationale Signing-Periode der MLB beginnt erst in gut zwei Monaten, genauer gesagt am 2. Juli. Sie wirft aber längst ihre Schatten voraus, spätestens seit zu Saisonbeginn die internationalen Bonuspools bekannt gegeben wurden. Das ist das Geld, dass die einzelnen Klubs für internationale Talente verwenden dürfen, und längst stehen die Vereine in Verhandlungen um die begehrtesten Kandidaten, denen sie es gerne geben möchten.

Aber der Reihe nach: Als internationale Talente können sich bei der MLB alle Spieler von außerhalb USA, Kanada und Puerto Rico anmelden, sofern sie mindestens 16 Jahre alt sind oder es bis 1. September werden. Im Gegensatz zur Auswahl der amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Das sind die sogenannten internationalen Bonuspools. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,98 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern.

Für die anstehende Signing-Periode 2018 haben die Marlins, Twins, Brewers und Rays die höchsten Bonuspools von je 6,03 Millionen Dollar zugesprochen bekommen. Die geringsten Pools haben die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres, Reds und White Sox. Sie dürfen dieses Jahr nicht mehr als 300.000 Dollar für internationale Prospects ausgeben, weil sie in früheren Jahren ihren Bonuspool überzogen hatten.

Den Bonuspool nutzen die Teams, indem sie internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

Mit den Bonuspools kann zwischen den Teams auch Handel getrieben werden. So gab es zum Beispiel letzte Woche einen Trade, bei dem die Mariners Minor-League-Pitcher Edwin Quezada von den Diamondbacks erhielten und dafür einen Teil ihres Bonuspools der noch laufenden Signing-Periode 2017 an Arizona abgaben. Die Mariners hatten Ende letzten Jahres in diversen Trades ihren Bonuspool in die Höhe getrieben beim Versuch, Shohei Ohtani zu verpflichten. Nachdem das nicht funktionierte, blieben sie auf einer Menge ungenutzten finanziellen Spielraums sitzen und sind jetzt froh, dafür noch etwas zu bekommen, bevor der ungenutzte Teil des Budgets am 15. Juni verfällt.

Zwei Ausnahmen sind noch zu erwähnen: Verpflichtungen für einen Bonus von höchstens 10.000 Dollar fallen nicht unter die Regel des Bonuspools. Und Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von dem ganzen System ausgenommen; ihnen kann man als Klub einen frei ausgehandelten MLB-Vertrag anbieten.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Das tun immer mehr Spieler und es werden auch immer mehr internationale Prospects verpflichtet. In der aktuellen Periode, die vom 2. Juli 2017 bis 15. Juli 2018 läuft, sind es bereits mehr als 950 – die meisten davon wird man, genau wie die meisten Draftpicks, nie in der MLB sehen, viele weitere erst in ein paar Jahren und nur ganz wenige spielen schon jetzt in der höchsten Liga mit. Der prominenteste von ihnen ist Shohei Ohtani, das Pitcher- und Batter-Phänomen der Los Angeles Angels.

Ein weiterer Ohtani ist für die kommende Signing-Periode bislang nicht in Sicht, aber natürlich gibt es auch dieses Jahr einige Talente, für die Teams bereit sein werden, sich mit viel Geld gegenseitig zu überbieten. MLB Pipeline hat ganz frisch eine Liste der Top-30-Talente des internationalen Marktes veröffentlicht. Die regionalen Schwerpunkte der Liste sind unübersehbar: Sie enthält 16 Spieler aus der Dominikanischen Republik, 10 aus Venezuela, 3 Kubaner und einen Kolumbianer. Spieler aus Europa fallen zwar auch unter die Regeln für internationale Talentverpflichtungen, werden aber wegen des niedrigeren Wettbewerbsniveaus in aller Regel nicht so hoch gestuft wie die lateinamerikanische Konkurrenz.

Die Nummer eins der Prospects-Liste ist der venezolanische Catcher Diego Cartaya. Er wird derzeit vor allem mit den Los Angeles Dodgers in Verbindung gebracht. Für die Verpflichtung des Outfielders Marco Luciano aus der Dominikanischen Republik gelten die San Francisco Giants als Favoriten und Outfielder Misael Urbina aus Venezuela steht wohl in Verbindung mit den Minnesota Twins. Unterschrieben wird vor dem 2. Juli natürlich noch nichts, doch es gilt als offenes Geheimnis in der MLB, dass die Klubs sich oft Monate, mitunter sogar Jahre vor dem offiziellen Termin mit den Talenten auf Verträge einigen.

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Januar 2nd, 2018 by Dominik

Zum Abschluss der Serie über Baseball auf der ganzen Welt werfe ich einen Blick auf Wettbewerbe der Nationalmannschaften. Traditionell haben im Baseball – genau wie in den anderen US-Sportarten – Nationalteams bei weitem nicht die Bedeutung wie zum Beispiel im Fußball. Doch es gibt die internationalen Turniere seit Jahrzehnten und gerade für Spieler aus „kleinen“ Baseballnationen ist die Gelegenheit, sich auf höherem Niveau zu messen, etwas ganz Besonderes.

Organisiert wird Baseball auf internationaler Ebene von der World Baseball Softball Confederation (WBSC), die 2013 aus der Fusion der seit 1938 bestehenden International Baseball Federation (IBAF) und der International Softball Federation (ISF) entstand. Die WBSC führt eine Weltrangliste. An deren Spitze steht zurzeit Japan, dicht gefolgt vom aktuellen Weltmeister USA. Bei der Ermittlung der Punktwerte fließen Ergebnisse der letzten vier Jahre ein – übrigens nicht nur die der Senioren-Nationalmannschaften, sondern auch die der Jugendmannschaften ab U12. In der Liste geführt werden momentan 122 Baseball-Nationalteams – von Afghanistan bis Zypern.

Weltmeisterschaften: Vom World Cup zum World Baseball Classic
Die erste Baseball-Weltmeisterschaft und gleichzeitig das erste offizielle Baseball-Länderspiel fand 1938 statt. Das „Turnier“ umfasste lediglich zwei Teilnehmer, die USA und Großbritannien. Großbritannien wurde erster Baseball-Weltmeister durch 4:1 Siege in einer Best-of-7-Serie. Kurioserweise schaffte es Großbritannien nach diesem Erfolg über 70 Jahre lang nicht mehr, sich überhaupt für eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft zu qualifizieren.

Der Baseball World Cup (BWC), zunächst bekannt als Amateur World Series, fand ab 1938 bis 1953 mit wenigen Ausnahmen jährlich statt, dann bis Ende der 1960er Jahre nur noch unregelmäßig. Der Teilnehmerkreis rekrutierte sich in diesem Zeitraum meistens nahezu ausschließlich aus Süd- und Mittelamerika. Das änderte sich, als ab 1969 die USA nach 27 Jahren Pause wieder mitmachten und in den Jahren darauf asiatische (Japan, Südkorea) und europäische (Niederlande, Italien) Vertreter dazustießen. Ab 1974 bis 1990 wurde das Turnier alle zwei Jahre ausgespielt, dann im vierjährlichen und ab 2001 wieder im zweijährlichen Rhythmus. 2011 fand der letzte BWC statt – ausgerechnet in diesem letzten Turnier siegte erstmals seit 1938 wieder eine europäische Mannschaft, nämlich die Niederlande.

Zu diesem Zeitpunkt hatte allerdings bereits ein anderes internationales Turnier dem BWC den Rang abgelaufen. Die Regeln des BWC hatten bis 1998 vorgesehen,  dass nur Amateurspieler teilnehmen durften. Ab 1998 waren Minor-League-Profis erlaubt, jedoch keine Major-League-Spieler. Dies war der entscheidende Unterschied zum 2006 in Kooperation mit der MLB aus der Taufe gehobenen World Baseball Classic (WBC). Bei diesem Turnier durften erstmals Profis aus den Major Leagues eingesetzt werden, sodass man eigentlich nur den WBC als echte Weltmeisterschaft bezeichnen kann. Dem Interesse sowohl der Zuschauer als auch der teilnehmenden Verbände folgend, konzentrierte man sich nach zwei erfolgreichen Durchführungen auf den WBC und stellte den BWC ein.

Für die ersten WBCs 2006 und 2009 wurde durch den Verband ein in beiden Turnieren identisches Teilnehmerfeld aus 16 Mannschaften festgelegt. Japan gewann beide Male, 2006 im Finale gegen Kuba und 2009 gegen Südkorea. Im Vorfeld des WBC 2013 fand erstmals ein Qualifikationswettbewerb statt, an dem die vier schwächsten Teams der letzten Runde sowie zwölf Teams, die beim letzten Mal nicht dabei gewesen waren, teilnahmen. So schafften es Brasilien und Spanien, die Plätze von Südafrika und Panama zu erobern. Den Titel holte die Dominikanische Republik im Finale gegen Puerto Rico.

World Baseball Classic 2017 im Dodger Stadium1

Der Qualifikationsmodus blieb für den WBC 2017 unverändert. Dieses Mal kamen Kolumbien und Israel erstmals ins Turnier. Insbesondere Israel sorgte auch in der Hauptrunde für einen Achtungserfolg, indem es in einer Gruppe mit Südkorea, Taiwan und den Niederlanden ungeschlagen die zweite Runde erreichte – das Team bestand allerdings fast ausschließlich aus jüdisch-amerikanischen Major- oder Minor-League-Profis. Erstmals seit Beginn der WBC-Turniere überzeugten auch die bislang stets enttäuschenden USA und holten sich am Ende den Titel im Endspiel gegen Puerto Rico. Im Gegensatz zu früheren Turnieren war die öffentliche Aufmerksamkeit für den WBC in Amerika dieses Mal größer und es fanden sich deutlich mehr namhafte Spieler als früher bereit, für ihr Nationalteam anzutreten. Bis dahin war man gewohnt, dass für die anderen Nationen fast alle MLB-Stars aus dem jeweiligen Land in der Nationalmannschaft spielten, während die meisten US-Profis das Interesse daran vermissen ließen. Dieses Mal waren für die USA zum Beispiel Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Eric Hosmer, Daniel Murphy, Paul Goldschmidt und Giancarlo Stanton im Einsatz und prompt reichte es zur ersten Meisterschaft.

Das deutsche Team war von 1972 bis 2011 fünfmal beim BCW dabei und landete immer auf einem der hinteren Plätze. An den Qualifikationsrunden zu den WBCs 2013 und 2017 nahm Deutschland teil, scheiterte aber jeweils.

Baseball bei Olympia
Das Bestreben, Baseball zu einer olympischen Sportart zu machen, ist fast so alt wie die Olympischen Spiele der Neuzeit selbst: Schon 1904 fand während der Spiele in St. Louis ein inoffizielles Baseballturnier statt. 1912 in Stockholm war Baseball erstmals als offizielle Demonstrationssportart vertreten, was sich 1936, 1956, 1964, 1984 und 1988 wiederholte. Von 1992 bis 2008 war Baseball dann fünfmal vollwertige Medaillensportart. Dabei durften zunächst nur Amateuerspieler antreten, ab 2000 dann auch Profis. Dennoch musste sich das Turnier mit Spielern aus der dritten Reihe oder bestenfalls Prospects zufrieden geben, denn die Olympischen Sommerspiele fielen zeitlich immer mitten in die MLB-Saison und die Prioritäten der Teams und der Liga waren eindeutig: Spieler aus den aktuellen 25-Mann-Kadern wurden nicht freigestellt. Schaut man auf die Kader des bislang letzten olympische Baseballturniers im Jahr 2008 zurück, so stößt man dennoch auf einige aus heutiger Sicht illustre Namen: Zum Beispiel traten Jake Arrieta, Stephen Strasburg und Dexter Fowler für die USA an, Masahiro Tanaka und Yu Darvish für Japan, Hyun-Jin Ryu und Dae-Ho Leee für Südkorea und Yuliesky Gurriel für Kuba.

Olympia 2008 in Beijing: Die Teams China und USA mit US-Präsident George W. Bush2

Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Baseball ab 2012 wieder aus dem Programm zu nehmen, hing mit Sicherheit stark damit zusammen, dass es die Verantwortlichen der MLB nicht überzeugen konnte, die besten Spieler zu Olympia zu schicken – anders als beispielsweise die NBA seit 1992 und die NHL seit 1998. Seither gab es drei Abstimmungen über eine Wiederaufnahme, von denen die ersten beiden verloren gingen:  2016 wurden Golf und Rugby neu aufgenommen und für 2020 das ursprünglich schon als Streichkandidat festgelegte Ringen doch als olympische Sportart erhalten. In der dritten Abstimmung wurde auf Vorschlag des japanischen Organisationskomitees beschlossen, Baseball (männliche Athleten) und Softball (weibliche Athleten) für Tokio 2020 zumindest einmalig aufzunehmen. Die Entscheidung dürfte insofern leicht gefallen sein, als diese Sportarten in Japan sehr populär und zahlreiche geeignete Wettkampfstätten vorhanden sind. Für Paris 2024 wird neu entschieden und ich fürchte, die Aussichten für den Baseball sind dann nicht mehr so gut.

Die Bereitschaft der MLB, die Top-Spieler für Olympia freizustellen, wäre sicher ein gutes Argument, Baseball wieder dauerhaft bei den Spielen zu etablieren. Allerdings wäre das ein gravierender Eingriff in den Spielplan, dessen einzige längere Unterbrechung bislang der All-Star-Break von vier bis fünf Tagen darstellt. Eine Olympia-Pause würde rund 14 Tage Ende Juli / Anfang August in Anspruch nehmen und müsste von den Teambesitzern sowie von der Spielergewerkschaft abgesegnet werden.

Bei den fünf bisherigen olympischen Baseball-Turnieren war Kuba mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen die dominierende Mannschaft. Die nicht von Kuba gewonnenen Turniere gingen im Jahr 2000 an die USA und 2008 an Südkorea. Deutschland qualifizierte sich bislang nie für die Olympia-Teilnahme.

Europa- und sonstige Kontinentalmeisterschaften
Der internationale Verband WBSC gliedert sich in vier Kontinentalverbände. Einer davon ist die Confederation of European Baseball (CEB), die seit 1954 die Baseball-Europameisterschaft ausrichtet.

Die Europameisterschaft fand zunächst jährlich statt, seit 1959 hat sie einen zweijährlichen Rhythmus. In Ausnahmefällen wurde der Abstand zwischen zwei Turnieren auf drei Jahre ausgedehnt, um das Ergebnis für die Qualifikation einer Weltmeisterschaft oder eines olympischen Turniers mitzunutzen. Spanien 1955 und Belgien 1967 sind die einzigen beiden Länder, die die Dominanz der Niederlande (22 EM-Titel) und Italiens (10) kurz unterbrechen konnten. Deutschland ist regelmäßiger Teilnehmer der Turniere, erreichte aber nur 1957 einmal das Finale, das man gegen die Niederlande verlor. Bei der letzten EM 2016 wurde Deutschland Vierter hinter den Niederlanden, Spanien und Italien. Die nächste Europameisterschaft findet 2019 in Bonn und Solingen statt.

Die Baseball Federation of Asia führt seit 1954 die Asia Baseball Championship durch, seit 1983 findet sie regelmäßig alle zwei Jahre statt. Mit 18 Titeln aus 27 Turnieren ist Japan Rekordmeister, regelmäßig auf dem Treppchen stehen zudem Südkorea und Taiwan. Diese drei Teams haben 2017 ein neues, zusätzliches Turnier ins Leben gerufen: die Asia Professional Baseball Championship. Es richtet sich hauptsächlich an Spieler unter 24 oder mit weniger als drei Profijahren; jedes Team darf aber drei Spieler einsetzen, die diesen Kriterien nicht entsprechen. Das erste Turnier fand im November statt und wurde von Japan durch drei Siege in drei Spielen gewonnen.

Japan und Südkorea vor dem allerersten Spiel der Asia Professional Baseball Championship3

Die African Baseball and Softball Association scheint derzeit keine regelmäßige Kontinentalmeisterschaft zu veranstalten. In den 1990er und den frühen 2000er Jahren gab es ein paarmal die Africa Cup Baseball Championship und zweimal (1999 und 2003) war Baseball eine Disziplin bei den Africa Games. Beide Wettbewerbe wurden offenbar nicht fortgesetzt, jedenfalls habe ich nichts darüber gefunden. Was man sicher sagen kann ist, dass im afrikanischen Baseball eine große Kluft zwischen dem übermächtigen Südafrika und den restlichen Nationalmannschaften des Kontinents besteht.

Auch im Gebiet der Baseball Confederation of Oceania finden mangels Konkurrenz derzeit keine Meisterschaften statt. Die beiden bislang letzten Anläufe wurden 2004 und 2007 unternommen, als der jeweils einzige gemeldete Gegner für Australien – 2004 Guam und 2007 Neuseeland – seine Teilnahme zurückzog, sodass Australien kampflos zum Sieger erklärt wurde.

Die Pan American Baseball Confederation umfasst die Länder der kompletten amerikanischen Kontinente. Eine eigenständige panamerikanische Meisterschaft existiert nicht, aber Baseball ist eine Disziplin der Pan American Games seit deren Einführung 1951. Die Spiele finden alle vier Jahre statt. Prinzipiell sind auch Profispieler erlaubt, es haben aber bislang noch nie MLB-Spieler an dem Turnier teilgenommen. Kuba hat die bisher 18 Turniere mit 12 Goldmedaillen deutlich dominiert. Zuletzt hat allerdings 2011 und 2015 zweimal hintereinander Kanada gewonnen und Kuba auf Platz drei hinter den USA verwiesen.

Südamerika hat zudem noch eine eigene Meisterschaft, die South American Baseball Championship. Es gibt die Veranstaltung seit 1957, allerdings mit Unterbrechungen zwischen 1973 und 2004 sowie zwischen 2005 und 2011. Das Turnier fand bisher meistens alle zwei Jahre statt, manchmal aber auch jährlich und 2016 sogar zweimal in einem Jahr. Häufigster Titelträger und auch amtierender Champion ist Brasilien.

Wer darf in welcher Mannschaft spielen? 
Die Antwort auf diese Frage scheint eigentlich auf der Hand zu liegen, aber die Spielberechtigung für Baseball-Nationalmannschaften orientiert sich nicht am Staatsbürgerschaftsrecht und ist für Außenstehende mitunter schwer durchschaubar. Generell scheint die Auslegung des WBSC recht großzügig zu sein. So können zum Beispiel die Niederlande regelmäßig auf Spieler aus ihren ehemaligen Überseegebieten zurückgreifen (mehr dazu im Artikel über die Niederlande) und oft treten astreine US-Amerikaner für ein Land an, in dem ihre Vorfahren gewohnt haben oder zu dem sich irgendein anderer Bezug herstellen lässt. So sind beispielsweise die beiden Mets-Outfielder Brandon Nimmo aus Wyoming und Michael Conforto aus Seattle für Italien spielberechtigt, das fast komplett amerikanische Team Israel habe ich oben schon erwähnt und auch Deutschland hatte schon „Gastspieler“ wie Bruce Maxwell oder Will Ohman.

Wie kann man die internationalen Turniere verfolgen? 
Um das weltweite Interesse an internationalem Baseball zu befördern, sollte es im digitalen Zeitalter eigentlich selbstverständlich sein, dass man die Spiele zumindest im Internet live verfolgen kann. Tatsächlich ist die Lage in dieser Hinsicht leider sehr uneinheitlich und instabil. Bei jedem Turnier ist es wieder eine spannende und oft erst kurzfristig zu klärende Frage, ob und wie man an aktuelle Informationen oder gar bewegte Bilder kommt. Beim WBC 2017 zum Beispiel gab es zwar einen Videostream von mlb.tv, den man aber trotz Abo außerhalb der USA nicht empfangen konnte. Auch von der Europameisterschaft 2016 gab es leider keine Livebilder, aber immerhin konnte man dank des Engagements von meinsportradio.de zumindest die Spiele mit deutscher Beteiligung als Audioübertragung verfolgen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: redlegsfan21 (CC BY 2.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Eric Draper (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: civitatis94/Garam (CC BY 2.0 KR)

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Dezember 26th, 2017 by Dominik

Die Serie über Baseball in aller Welt neigt sich ihrem Ende entgegen. Heute geht es um Italien, die zweite Baseball-„Großmacht“ in Europa. Nächste Woche gibt es noch ein kleines Special zum Abschluss der Reihe.

Ach, bevor ich es vergesse: Fröhliche Weihnachten allerseits!

Durchbruch erst nach dem Krieg 
Vom Niveau her ist der Baseball dem in den Niederlanden sehr ähnlich, die historische Entwicklung verlief jedoch sehr unterschiedlich: Während die Baseball-Geschichte in den  Niederlande bis 1911 zurückreicht, etablierte sich der Sport in Italien erst deutlich später. Zwar gab es auch hier einen Pionier in Person des (als Massimo Ottino) in Turin geborenen und in New Jersey aufgewachsenen Max Ott, der ab 1919 Teams und Wettbewerbe organisierte. Doch Ott ging nach einigen Jahren zurück in die USA und ohne sein Engagement verlief der italienische Baseball bald im Sande, während der Herrschaft des Faschismus war der Sport sogar verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Baseball als Import durch amerikanische Soldaten der Durchbruch in Italien.

Von einem Durchbruch zu sprechen, ist in Bezug auf Baseball in Europa natürlich eine höchst relative Angelegenheit. Ähnlich wie in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern herrscht auch in Italien eine sportliche Fußball-Monokultur. Weit hinter dem Fußball ziehen auch Motorsport, Basketball und diverse andere Sportarten deutlich mehr Zuschauer- und Medieninteresse auf sich als Baseball. Aber immerhin gibt es ziemlich flächendeckend Baseballvereine, einige hübsche Ballparks und die wohl professionellste Liga Europas.

Die Italian Baseball League 
Die Italian Baseball League (IBL) besteht seit 1948, hat seitdem aber diverse tiefgreifende Wandlungen erfahren. Die Zahl der Saisonspiele variierte im Laufe der Zeit zwischen 10 und 66, die der Teams zwischen 8 und 34 in einer oder mehreren über- und nebeneinander angeordneten Divisionen, zeitweise wurde mit oder ohne Auf- und Abstieg und mit oder ohne Playoffs gespielt.

Der heutige Stand ist auf höchster Ebene eine Liga mit acht Teams, die je 42 Saisonspiele absolvieren – Drei-Spiele-Serien gegen jedes andere Team auswärts und zu Hause. Die besten vier Mannschaften der regulären Saison spielen anschließend in zwei Playoff-Runden aus, wer den Meisterschaftsaufnäher „Scudetto“ tragen darf. Die aktuelle Struktur der IBL entspricht somit weitgehend der der niederländischen Honkbal Hoofdklasse.

Wie die Hoofdklasse sieht die IBL sich als Profi-Liga. Tatsächlich kann man in Italien wohl vom Baseballspielen leben: Laut Gmelch und Nathan („Baseball Beyond Our Borders: An International Pastime“, 2017) sind Gehälter von monatlich 2000 bis 4000 Euro zuzüglich Annehmlichkeiten wie eine Wohnung und ein Auto an der Tagesordnung und Topspieler wie zum Beispiel ehemalige Major Leaguer können noch deutlich mehr verdienen. Man wird in der IBL also zwar nicht reich, hat aber doch ganz andere Möglichkeiten als in fast allen anderen europäischen Baseball-Ligen. Das ist durchaus verwunderlich, denn auch in Italien besuchen meistens nur wenige hundert Zuschauer die Ballparks und Fernsehübertragungen gibt es in der Regel nur von der Finalserie. Laut Gmelch und Nathan spielen neben Sponsorengeldern vor allem Zuwendungen aus staatlichen Lotterien die entscheidende Rolle bei der Finanzierung der IBL-Teams.

Neben sieben italienischen Teams spielt auch eine Mannschaft aus dem Zwergstaat San Marino in der IBL mit und das durchaus erfolgreich: 2011 bis 2013 gewann T&A San Marino dreimal hintereinander den Scudetto. Die aktuell erfolgreichste Mannschaft ist ASD Rimini: In den letzten sieben Jahren war Rimini siebenmal im Finale, 2015 und 2017 holte man den Titel. Rekordmeister ist Nettuno, das 2001 die letzte seiner bislang 17 Meisterschaften errang.

Rimini feiert die IBL-Meisterschaft 20171

Italien in internationalen Wettbewerben
Die europäischen Klubwettbewerbe dominieren die Italiener seit Jahrzehnten gemeinsam mit den Niederländern: Der European Champions Cup wurde (unter wechselnden Namen) bislang 54-mal vergeben und ging 32-mal nach Italien sowie drei weitere Male nach San Marino.

Bei den Nationalmannschaften kann Italien nicht ganz mit den Erfolgen der Niederlande mithalten. Das liegt in erster Linie daran, dass den Italienern keine vergleichbaren Verstärkungen zur Verfügung stehen wie den Niederländern mit ihren ehemaligen Überseegebieten. In der Weltrangliste der WBSC belegt Italien Platz zwölf – vier Ränge hinter den Niederlanden, aber vor allen anderen Nationalmannschaften Europas. Italien war zehnmal Baseball-Europameister, zuletzt 2012. Die Niederlande gewannen die EM 22-mal, ansonsten konnten nur Spanien und Belgien je einen Titel holen. Bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic war Italien für alle bisherigen vier Turniere qualifiziert, erzielte aber keine nennenswerten Erfolge.

Europameister 19772

Berühmte Spieler aus Italien
Aus US-amerikanischen Spielern italienischer Abstammung könnte man problemlos ein All-Star-Team bilden: Von Joe diMaggio über Yogi Berra und Jason Giambi bis hin zu Mike Piazza ließe sich jede Position mit absoluten Top-Baseballern füllen. Aber natürlich hat solch eine Aufzählung sehr wenig mit Baseball in Italien zu tun.

In dem Zusammenhang interessanter ist die Frage, welche in Italien geborenen und aufgewachsenen Spieler es in die MLB geschafft haben. Nach meinen Recherchen trifft das bislang nur auf einen einzigen Spieler zu: auf Alex Liddi. First und Third Baseman Liddi wurde 2005 als 17-Jähriger von den Seattle Mariners unter Vertrag genommen und kam 2011 bis 2013 zu 61 MLB-Einsätzen für die Mariners. Mit Schlagleistungen von .208/.266/.370 konnte Liddi sich nicht dauerhaft in der MLB etablieren. Er hatte später noch Minor-League-Engagements bei den Orioles, den White Sox, den Dodgers und den Royals, schaffte es aber nicht mehr in die Majors. Inzwischen spielt Liddi in Mexiko.

Alex Liddi 2007 im Trikot der Wisconsin Timber Rattlers3

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Biello di Biella (CC BY-SA 4.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Hans Peters (CC BY-SA 3.0 NL)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Halvorsen brian (CC BY 2.0)

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Dezember 19th, 2017 by Dominik

Nach einer kleinen Reise um die Welt sind wir zurück in Europa. Hier gibt es genau zwei Länder, die in Sachen Baseball eine klare Vorreiterrolle übernehmen und Ligen mit professionellem Anspruch betreiben. Eines davon sind die Niederlande, die ich mir heute genauer anschaue.

Honkbal-Pionier Grasé
Unser Nachbarland hat eine vergleichsweise lange Baseball-Historie aufzuweisen, deren Beginn sich auf eine konkrete Person zurückführen lässt: Der Amsterdamer Englischlehrer J.C.G Grasé lernte den Sport auf einer USA-Reise kennen und war davon so begeistert, dass er 1911 die Regeln ins Niederländische übersetzte und erste „Honkbal“-Spiele organisierte. Grasé gründete 1912 einen Baseballverband, den Koninklijke Nederlandsche Honkbalbond, und 1913 den ersten Baseballverein Europas: Quick Amsterdam. Quick sowie drei weitere Mannschaften aus Amsterdam – Ajax, Blue White und Hercules – bildeten 1922 die erste niederländische Baseball-Liga. Bis in die 1960er Jahre hinein war Baseball in den Niederlanden ein regional eng begrenztes Phänomen und wurde klar von Teams aus Amsterdam und der Nachbarstadt Haarlem beherrscht. Der Aufstieg von Sparta Rotterdam, das von 1963 bis 1974 neunmal Meister wurde, beendete diese regionale Dominanz.

1969 war Baseball in den Niederlanden noch so populär, dass Prinz Claus das Nationalteam per Handschlag begrüßte.1

Im europäischen Vergleich waren die Niederlande schon immer und sind bis heute das führende Baseball-Land. Im Vergleich mit Fußball, Feldhockey, Radsport, Tennis und einigen anderen ist der Baseball dennoch eine klare Randsportart und seine Popularität ist im Laufe der letzten Jahrzehnte eher gesunken. 2015 umfasste der Koninklijke Nederlands Baseball en Softball Bond (KNBSB) 167 Vereine mit 21.257 Spielerinnen und Spielern – Tendenz leider leicht abnehmend.

Die Hoofdklasse
Die heutige Honkbal Hoofdklasse besteht seit 1958 und in direkter Nachfolge der 1922 gegründeten Liga. Sie umfasst inzwischen regulär acht Teams (wobei 2017 nur sieben antraten, weil das Team Kinheim zurückgezogen wurde). Es gibt ein Auf- und Abstiegssystem mit der zweiten Liga, der Honkbal Overgangsklasse.

Die Hoofdklasse wird gemeinhin als professionelle Liga bezeichnet. Semi-professionell trifft es wahrscheinlich besser, denn tatsächlich erhält nur ein Teil der Spieler ein Gehalt, von dem man zumindest während der Saison leben kann. Üblich sind wohl für die besseren Spieler ein paar hundert bis wenige tausend Euro pro Monat zuzüglich Flüge und Unterbringung für die ausländischen Importspieler.

Gespielt wird im üblichen Zeitraum von April bis September, die reguläre Saison umfasst – bei vollzähliger Liga mit acht Teams – 42 Spiele pro Mannschaft. Jeder spielt gegen jeden je eine Dreierserie zu Hause und auswärts. Die Spiele finden in der Regel am Wochenende statt. Nach der regulären Saison wird in zwei Playoff-Runden, jeweils im Modus Best-of-Five, unter den besten vier Teams der Meister ausgespielt. Die letzten fünf Meisterschaften gingen allesamt an Neptunus Rotterdam, den Rekordmeister mit insgesamt 18 Titeln.

Das Stadion von Rekordmeister Neptunus Rotterdam2

Die Zuschauerzahlen der Hoofdklasse-Spiele sind leider recht ernüchternd: 2011 besuchten im Schnitt nur 178 Leute die Spiele. Neuere Zahlen habe ich nicht gefunden, aber nichts was ich gelesen habe deutet darauf hin, dass die Zahlen seitdem spürbar gestiegen wären. Auch in den niederländischen Medien erhält Baseball wenig Aufmerksamkeit, was angesichts der Besucherzahlen durchaus verständlich ist. Hinsichtlich selbst organisierter Radio- oder Videostreams ist die Lage ähnlich uneinheitlich wie in Deutschland: Zum einen müssen sich dazu engagierte Leute finden, die es machen wollen und können, zum anderen scheiden sich die Geister darüber, ob man mit Liveübertragungen eher mehr oder eher weniger Zuschauer ins Stadion lockt als ohne.

Die Niederlande in internationalen Wettbewerben
In der Weltrangliste der WBSC sind die Niederlande mit Platz acht die am höchsten eingestufte Nationalmannschaft Europas. Diese Einstufung haben sie sich auch redlich verdient, indem sie zum Beispiel in den beiden letzten Weltmeisterschaften, dem World Baseball Classic 2013 und 2017 jeweils Vierter geworden sind und einige Favoriten, unter anderem mehrfach Südkorea und Kuba, besiegt haben. Dazu muss man sagen, dass das niederländische Team von der Kolonialgeschichte des Landes profitiert, denn für die Nationalmannschaft sind auch Spieler aus den früheren niederländischen Überseegebieten wie Aruba und Curaçao spielberechtigt. Auf diese Weise hatte man beim WBC 2017 ein Überangebot an Weltklasse-Shortstops mit Xander Bogaerts (Red Sox), Didi Gregorius (Yankees) und Andrelton Simmons (Angels), zudem Top-Closer Kenley Jansen (Dodgers) und einige weitere MLB-Spieler an Bord.

Auf europäischer Ebene sind die Niederlande eine Klasse für sich: Bei 31 Teilnahmen an der Baseball-Europameisterschaft holten sie 22-mal den Titel, darunter die beiden letzten Meisterschaften: 2014 in Tschechien und Deutschland sowie 2016 zu Hause in Hoofddorp.

Ähnlich dominant sind die niederländischen Teams in den europäischen Klubwettbewerben. Der European Champions Cup geht Jahr für Jahr mit ganz wenigen Ausnahmen entweder nach Italien oder in die Niederlande. Die drei jüngsten Wettbewerbe gewannen 2015 Neptunus Rotterdam, 2016 die Amsterdam Pirates und 2017 erneut Neptunus Rotterdam.

Berühmte Spieler aus den Niederlanden
Die erfolgreichsten „niederländischen“ Baseballer sind sicher die oben genannten Stars aus Aruba und Curaçao, aber auch einige auf dem niederländischen Festland Geborene haben es bereits zu MLB-Karrieren gebracht. Der erste in der modernen Ära des Baseballs war Pitcher Bert Blyleven, der 1970 für die Minnesota Twins debütierte, in seiner 21 Jahre währenden Karriere für vier weitere Teams antrat und 2011 in die Hall of Fame gewählt wurde. Blyleven war ab dem Alter von zwei Jahren in Kalifornien aufgewachsen, erlebte seine sportliche Sozialisation also im Mutterland des Baseballs. Der erste in den Niederlanden geborene und aufgewachsene Major Leaguer war Wim Remmerswaal, der 1979 und 1980 als Reliever für die Red Sox im Einsatz war.

Der meines Wissens einzige zurzeit aktive MLB-Spieler vom niederländischen Festland ist der schon erwähnte Yankees-Shortstop Didi Gregorius. Gregorius wurde 1990 in Amsterdam geboren und sammelte dort seine ersten T-Ball-Erfahrungen, bevor er im Alter von fünf Jahren in die Heimat seiner Familie nach Curaçao zog. Von dort schaffte er 2007 den Sprung zu den Cincinnati Reds, für die er 2012 sein erstes MLB-Spiel absolvierte.

Didi Gregorius3

Ein interessanter Fakt am Rande: Die niederländische Fußball-Legende Johan Cruyff war ursprünglich Baseballer. Mit zehn Jahren begann er in der Baseball-Abteilung von Ajax Amsterdam und erwies sich als talentierter Catcher und Pitcher. Erst mit 15 wurde sein Fußballtalent entdeckt und gefördert, was gleichzeitig das Ende seiner Baseballkarriere bedeutete.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Bert Verhoeff (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Quelle: Magalhães (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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Dezember 12th, 2017 by Dominik

Die Baseball-Weltreise geht weiter: Nach Australien, wo Baseball eher ein randständiges Dasein führt, kommen wir heute in eine Region, in der die Sportart einen ähnlich hohen Stellenwert genießt wie in den USA, Japan und Südkorea. Man könnte problemlos über jedes heute thematisierte Land einen eigenen Artikel zur Baseball-Kultur schreiben, aber das würde leider den zeitlichen Rahmen sprengen, den ich für diese Serie aufbringen kann. Daher konzentriere ich mich heute auf das Wesentliche aus den fünf wichtigsten Baseball-Ländern im karibischen Raum.

Lange Baseball-Tradition
Die Popularität des Baseballs ist ein deutliches Zeugnis für den US-amerikanischen kulturellen Einfluss auf die Region rund um das karibische Meer. Das gilt nicht nur für das US-Außengebiet Puerto Rico und die eng mit den USA befreundete Dominikanische Republik, sondern auch für Staaten wie Kuba und Venezuela, die den USA seit einigen Jahrzehnten politisch reserviert bis feindselig gegenüber stehen. In allen genannten Staaten wurde Baseball schon um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert herum eingeführt und ist heute die Sportart Nummer eins. Auch in Mexiko ist Baseball sehr beliebt, wenngleich dort der Fußball noch erfolgreicher ist.

Finale des WBC 2013 zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico1

In der Weltrangliste der WBSC werden die Nationalmannschaften der erwähnten Länder zwischen Platz fünf (Kuba) und sechzehn (Dominikanische Republik) geführt. Dass die Dominikanische Republik so weit unten steht, wundert mich etwas, denn die Mannschaft hat 2013 die Weltmeisterschaft World Baseball Classic gewonnen und kam auch 2017 in die Runde der besten acht. Die großen Erfolge von Kuba liegen schon etwas länger zurück, unter anderem gewann man dreimal die Olympischen Spiele (zuletzt 2004) und 25-mal den heute nicht mehr existierenden Baseball World Cup (zuletzt 2005). In den beiden jüngsten WBC-Turnieren enttäuschte Kuba, verlor jeweils gegen die Niederlande und 2017 auch gegen Israel. Puerto Rico – in der Weltrangliste auf Platz acht – wurde sowohl 2013 als auch 2017 Vizeweltmeister.

Baseball in Mexiko
In Mexiko gibt es schon seit 1925 Profi-Ligen und heute existieren sogar zwei ungefähr gleich bedeutende Ligen nebeneinander. Das warme Klima macht es möglich, dass Baseball in Mexiko quasi ganzjährig gespielt wird. Der Sommer gehört der Liga Mexicana de Béisbol (LMB) mit aktuell 16 Teams, die sich in eine Nord- und eine Süddivison aufteilen. Die LMB ist von der MLB offiziell als Minor-League auf AAA-Niveau anerkannt, die Teams sind aber im Gegensatz zu den anderen AAA-Ligen unabhängig von MLB-Franchises. Die reguläre Saison von Ende März bis August umfasst üblicherweise 111 Spiele je Team. Anschließend wird in drei Playoffrunden von Mitte August bis Mitte September, jeweils im Modus Best of Seven, die Meisterschaft ausgespielt. Rekordmeister der LMB sind die Diablos Rojos del México aus Mexiko-Stadt, aktueller Meister sind zum ersten Mal die Toros de Tijuana.

In den Wintermonaten von Oktober bis Januar verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Liga Mexicana del Pacífico (LMP oder MexPac), in der acht Teams – fast alle aus Städten der mexikanischen Westküste – um die Meisterschaft wetteifern.  Die reguläre Saison der LMP umfasst 68 Spiele je Team, bevor sich auch hier drei Best-of-Seven-Playoff-Runden anschließen. Die Naranjeros de Hermosillo sind 13-maliger Titelträger, 2017 holten sich die Águilas de Mexicali ihre vierte Meisterschaft. Der Champion der LMP vertritt Mexiko in der Serie del Caribe (siehe unten).

Baseball in Venzuela
Bis 2015 gab es auch in Venezuela eine Sommer- und eine Winterliga, doch dann stellte die Venezuelan Summer League (VSL) den Spielbetrieb ein – vor allem, weil die MLB ihr wegen der politischen und wirtschaftlichen Instabilität im Land die Unterstützung entzogen hatte. Somit beschränkt sich das Angebot an professionellem Baseball nurmehr auf die Liga Venezolana de Béisbol Profesional (LVBP), welche in diesem Jahr ebenfalls auf der Kippe stand und nur durch eine staatliche Finanzspritze am Leben erhalten werden konnte. Acht Teams spielen von Oktober bis Dezember in je 63 Spielen die sechs Teilnehmer und die Setzliste für die Playoffs aus. Die Postseason besteht aus drei Runden, die jeweils als Best of Seven ausgetragen werden. Der Champion nimmt an der Serie del Caribe teil. Das historisch dominierende Team sind die Leones del Caracas mit 20 nationalen Titeln, deren bislang letzter von 2010 datiert. Die Meisterschaft 2017 holten die Águilas del Zulia aus Maracaibo.

Baseball in der Dominikanischen Republik
Die Profiliga der Dominikanischen Republik, die Liga de Béisbol Profesional de la República Dominicana (LIDOM), ist ebenfalls eine Winterliga. Sechs Teams spielen von Mitte Oktober bis Ende Dezember die reguläre Saison mit 50 Spielen, anschließend findet unter den besten vier Teams eine weitere Gruppenrunde mit jeweils 18 Spielen statt. Die beiden besten Mannschaften spielen dann schließlich eine Finalserie im Modus Best of Nine aus. Die drei großen Teams, die fast alle Titel unter sich aufteilen, sind der amtierende und Rekordmeister Tigres del Licey (22 Meisterschaften) aus Santo Domingo, die Águilas Cibaeñas (20) aus Santiago sowie die Leones del Escogido (16), ebenfalls aus Santo Domingo.

Baseball in Puerto Rico
Auch in Puerto Rico ist die wichtigste Spielklasse eine professionelle Winterliga, die nach dem puerto-ricanischen Hall of Famer benannte Liga de Béisbol Profesional Roberto Clemente (LBPRC). Den Namen trägt die Liga erst seit 2012, sie besteht aber schon seit 1938. Aktuell umfasst die LBPRC fünf Teams, die normalerweise je 40 Spiele in der regulären Saison und anschließend zwei Playoffrunden absolvieren – eine Halbfinalrunde mit Best-of-Seven-Serien und ein Finale nach dem Modus Best of Nine. Ich schreibe „normalerweise“, denn normal ist in Puerto Rico dieses Jahr nach dem verheerenden Werk des Hurrikans Maria im September leider gar nichts. Es stand im Raum, die Baseballsaison für dieses Jahr ganz abzusagen, doch schließlich entschied man sich für eine verkürzte Saison im Januar 2018. Der Sieger wird wie üblich an der Serie del Caribe teilnehmen und dort versuchen, den Titel zu verteidigen, den Anfang 2017 die Criollos de Caguas nach Puerto Rico geholt hatten.

Baseball in Kuba
Im sozialistischen Kuba gibt es seit 1962 grundsätzlich keinen Profisport. So ist jedenfalls die offizielle Sprachregelung, wobei die Spitzensportler als sogenannte Staatsamateure durchaus gewisse Privilegien genießen und keiner zusätzlichen geregelten Beschäftigung nachgehen müssen. Das Einkommensgefälle zwischen Top-Spielern in Kuba und solchen im Ausland ist dennoch enorm und daher ist es seit Langem an der Tagesordnung, dass viele Sportler ihr Glück außer Landes suchen – selten mit, meistens ohne Zustimmung ihrer Heimatstaates.

Von den USA hielten sie nicht viel, aber Baseball liebten auch die kubanischen Revolutionäre Camilo Cienfuegos und Fidel Castro2

Kuba unterhält ein recht umfangreiches Ligasystem, an dessen Spitze die Serie Nacional de Béisbol (SNB) steht. In der SNB sind 16 Teams aktiv, eines aus jeder Provinz Kubas. Die Spieler treten üblicherweise für das Team der Provinz an, in der sie geboren wurden bzw. in der sie wohnen; es gibt keine ausländischen Spieler und kein Transfersystem, wie wir es aus den Ligen anderer Länder kennen. Gespielt wird von November bis März oder April eine 90 Spiele umfassende reguläre Saison, an die sich drei Playoff-Runden anschließen.

In den Monaten Mai bis Juli findet in Kuba die Súper Liga statt, eine Art All-Star-Turnier, in dem die besten Spieler der 16 SNB-Teams in fünf Regionalteams zusammengefasst werden uvd eine Runde von je 28 Spielen je Team absolvieren. Die beiden besten Mannschaften spielen am Ende ein Best-of-Three-Finale. Die Súper Liga dient gleichzeitig der Bewerbung für das Nationalteam, in das nur Spieler gewählt werden, die an der Liga teilgenommen haben.

Die Serie del Caribe
In den fünf Ländern, die ich heute vorgestellt habe, wird Baseball auf ungefähr gleich hohem Niveau gespielt. Entsprechend spannend ist die jährlich im Februar stattfindende Veranstaltung, bei der die fünf Landesmeister ihre Kräfte messen: die Serie del Caribe oder auf englisch die Caribbean Series. Das Turnier gibt es – mit Unterbrechungen und wechselndem Teilnehmerkreis – seit 1949. In der Regel wird es in jährlichem Wechsel in den teilnehmenden Staaten ausgetragen, wobei Kuba seit seiner Wiederaufnahme ins Turnier 2014 bislang als Gastgeber außen vor bleibt und wegen der schwierigen Lage in Venezuela 2018 stattdessen die Serie zum zweiten Mal hintereinander in Mexiko gastieren wird. Bei der Serie del Caribe spielt zunächst jeder gegen jeden, anschließend finden in jeweils einzelnen Spielen die Halbfinals und das Finale statt. Die Teams aus der Dominikanischen Republik haben, obwohl sie erst seit 1970 bei der Serie del Caribe dabei sind, mit 19 Titeln bislang am häufigsten gewonnen. In den letzten sieben Turnieren war viermal das Team aus Mexiko siegreich.

Berühmte Spieler aus der Karibik
Für die bisher in dieser Serie vorgestellten Länder ist die Lage recht überschaubar: Es gab jeweils nur ein paar Spieler, die es zu Erfolgen in der MLB gebracht haben. Für die fünf Staaten, um die es heute geht, sieht es komplett anders aus: Jedes von ihnen hat bereits eine deutlich dreistellige Zahl von MLB-Spielern hervor gebracht, darunter eine Menge absoluter Top-Stars. Durch die geographische Nähe und die enge Kooperation zwischen der MLB und den nationalen Baseballorganisationen ist der Weg aus den karibischen Ligen in die US-Majors – entsprechendes Talent vorausgesetzt – weit offen. Roberto Clemente, Carlos Beltrán und Iván Rodríguez aus Puerto Rico, Luis Aparicio, Miguel Cabrera und José Altuve aus Venezuela, Fernando Valenzuela, Bobby Avila und Vinny Castilla aus Mexiko, Vladimir Guerrero, Pedro Martinez und David Ortíz aus der Dominikanischen Republik, Tony Perez, Aroldis Chapman und Yoenis Céspedes aus Kuba – das sind nur drei große Namen aus jedem der Länder und es fällt mir nicht einfach, es dabei zu belassen.

Teamkameraden beim World-Series-Champion Houston Astros: José Altuve (Venezuela) und Yulieski Gurriel (Kuba)3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: LiAnna Davis (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Unbekannt (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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Dezember 5th, 2017 by Dominik

Nach drei Folgen aus Asien führt uns die Baseball-Weltreise diese Woche noch ein Stück weiter weg, nämlich nach Australien. Dort beginnt gerade der Sommer und die Baseball-Saison ist in vollem Gange.

Keine Chance gegen Cricket
Wie in den meisten Staaten des britischen Commonwealth hat es Baseball in Australien schon allein deshalb schwer, weil mit Cricket eine eng verwandte Sportart sich großer Popularität erfreut. Auch Fußball, Rugby, Australian Football und Feldhockey sind sehr beliebt, sodass für Baseball nur eine recht schmale Nische im Herzen der sportbegeisterten Australier bleibt.

Dabei blickt der Baseball „down under“ durchaus schon auf eine lange Geschichte zurück: Bereits in den 1850er Jahren wurde in Victoria – vor allem von im Goldrausch zugewanderten Amerikanern – organisiert Baseball gespielt und 1897 war erstmals ein australisches Team auf einer Spieltour quer durch die USA unterwegs. Seit 1934 – mit ein paar Unterbrechungen und unter wechselnden Namen – gibt es landesweite Baseball-Ligen in Australien. Traditionell wurde Baseball in Australien als Wintersport angesehen, geschuldet dem Umstand, dass in dieser Jahreszeit die Cricket-Felder frei waren und viele Cricket-Spieler Baseball nutzten, um sich während der Spielpause ihrer Stammsportart fit zu halten. Inzwischen hat Baseball sich soweit vom Cricket emanzipiert, dass man in eigenen Ballparks spielt und zwar hauptsächlich im (australischen) Sommer.

Das Baseball-Team aus Fitzroy im Jahr 18891

Das australische Nationalteam steht in der Weltrangliste der WBSC auf Platz sieben. Nachdem es bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic 2013 noch den letzten Platz unter 16 Teilnehmern setzte, schieden die Australier 2017 zwar ebenfalls in der ersten Runde aus, schlugen sich aber erstaunlich gut in einer schweren Gruppe: Gegen China gab es einen 11:0-Sieg, gegen Kuba (3:4) und Japan (1:4) unterlag man überraschend knapp. Erfolgreicher als die Männer ist das Frauen-Nationalteam, das in der Weltrangliste auf Platz vier steht und seine größten Erfolge mit Rang zwei bzw. drei bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 feierte.

Die Australian Baseball League
Die Australian Baseball League (ABL) besteht in ihrer heutigen Form seit 2010 und umfasst die sechs auf der unten stehenden Karte zu sehenden Teams. Es handelt sich um eine Profiliga, wobei niemand von dem Geld, das er in der ABL verdient, reich wird. Die Liga wurde unter massivem Engagement der MLB aufgebaut, die bis 2016 75% der Anteile an der Organisation hielt. Inzwischen ist die Liga zu 100% in der Hand von Baseball Australia, doch die Kooperation mit der MLB ist nach wie vor sehr eng. Für sie ist der Standort Australien nicht nur wegen der potenziellen Fanbasis attraktiv sondern vor allem wegen des Wetters: Fast die Hälfte der Spieler, die in der von November bis Februar dauernden Saison aktiv sind, sind amerikanische Minor Leaguer, die auf diese Art Spielpraxis sammeln sollen, während der Baseball in der Heimat sich im Winterschlaf befindet. Auch deutsche Spieler zieht es aus diesem Grund – und wegen der Anwesenheit von MLB-Scouts – immer wieder nach down under. Derzeit ist zum Beispiel Clayton Freimuth, der vor kurzem noch im Finale um die Deutsche Meisterschaft für die Heidenheim Heideköpfe brillierte, für die Sydney Blue Sox aktiv.

Standorte der ABL2

Während der regulären Saison werden meistens Vier-Spiele-Serien von Donnerstag bis Sonnntag gespielt, je eine auswärts und eine zu Hause gegen jede andere Mannschaft. Das macht insgesamt 40 Spiele je Team. Anschließend finden die Playoffs in zwei Runden statt: Im Halbfinale treffen das beste Team auf das viertbeste und zweitbeste auf das drittbeste, jeweils in einer Best-of-3-Serie, in der das besserplatzierte Team durchgängig Heimrecht hat. Im Finale wird ebenfalls Best-of-3 gespielt, wobei das besserplatzierte Team wählen darf, ob es entweder Spiel 1 oder die Spiele 2 und 3 zu Hause spielt. Rekordmeister ist Perth Heat, das vier der bislang sieben Meisterschaften gewonnen hat. Zuletzt waren zweimal hintereinander die Brisbane Bandits erfolgreich. Beide Teams sind auch dieses Jahr gut dabei, gemeinsam mit den Melbourne Aces.

Die Spiele der ABL zogen in der vergangenen Saison durchschnittlich 818 Zuschauer ins Stadion – das ist nicht viel, aber doch ganz beachtlich angesichts dessen, dass wegen der langen Reisewege selten in nennenswerter Zahl Auswärtsfans mit von der Partie sind. Nicht zuletzt deshalb werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Diese Übertragungen sind der ultimative Tipp für alle, die in der (bei uns) kalten Jahreszeit ihr Herz mit Live-Baseball aus sonnendurchfluteten Ballparks erwärmen möchten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

Baseball an australischen Universitäten
Die australischen Universitäten messen sich jedes Jahr Ende September eine Woche lang in den Australian Unversity Games in diversen Sportarten. Seit 2004 gehört auch Baseball regelmäßig dazu. 2017 waren neun Universitäten an dem Turnier beteiligt, das Finale gewann die Griffith University mit 9:7 gegen die Queensland University of Technology.

Berühmte Spieler aus Australien
Es gibt bisher noch keinen ganz großen Starspieler aus Australien, aber immerhin haben schon zahlreiche Aussies es zu einer MLB-Karriere gebracht. Der erste war Second Baseman Joe Quinn, der von 1884 bis 1901 für diverse MLB-Teams spielte. Erst 85 Jahre später schaffte wieder ein Australier den Sprung in die Major League, als Third Baseman Craig Shipley 1986 sein Debüt für die Los Angeles Dodgers gab. Inzwischen haben 33 Australier MLB-Erfahrungen gesammelt. Aktuell in der MLB aktiv sind die Pitcher Liam Hendriks (Oakland Athletics) und Warwick Saupold (Detroit Tigers).

Warwick Saupold auf dem Mound3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: Fitzroy Library Archives (Public Domain)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Dan027 (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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November 28th, 2017 by Dominik

In der Serie über Baseball in Ländern rund um den Globus bleiben wir zwar auch diese Woche in Asien, doch nach den Baseball-Nationen Japan und Korea ist heute mit China eher ein Baseball-Entwicklungsland an der Reihe. Ein ganzes Stück weiter als der große Nachbar ist Taiwan, dessen Status als unabhängiger Staat völkerrechtlich umstritten, aber im Prinzip Fakt ist. Das zeigt sich auch im Sport: Taiwan hat eine eigene Baseball-Liga und eine Nationalmannschaft. Im Gegensatz zu Festland-China hat die Insel auch schon MLB-Player hervorgebracht.

Einst verboten, jetzt zunehmend populär
Generell kann man sagen, dass China keine ausgeprägte Sportkultur hat, jedenfalls nicht im Hinblick auf das Ausüben von Mannschaftssportarten und auf Stadionbesuche – besondere Großereignisse wie die Olympischen Spiele mal ausgenommen. Die populärste Zuschauersportart ist Fußball, gefolgt von Basketball. Basketball ist übrigens ein interessantes Beispiel, wie schnell sich das Interesse an einem Sport entwickeln kann: Mit der Karriere von Yao Ming bei den Houston Rockets explodierte die Popularität von Basketball in China, Spielfelder und Teams schossen wie Pilze aus dem Boden und NBA-Übertragungen erzielten traumhafte Einschaltquoten. Man darf gespannt sein, ob der erste erfolgreiche chinesische MLB-Spieler einen ähnlichen Hype auslösen wird.

Das Wukesong Baseball Field während eines Spiels der MLB China Series 2008 zwischen den Padres und den Dodgers1

Aktuell gibt es in dem 1,4 Milliarden Einwohner starken Land jedenfalls nur rund 3.000 Baseball-Spieler, 50 Ballparks und ungefähr 500 Schulen mit Baseball-Mannschaften. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Baseball in China eine Zeitlang verboten war. Zwar wurde schon – angestoßen von amerikanischen Missionaren – im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Baseball in China gespielt, doch im Rahmen der kommunistischen Kulturrevolution verbot die Staatsführung unter Mao Zedong Anfang der 1960er Jahren die Sportart als Ausdruck westlicher Dekadenz. Ab 1975 war es wieder erlaubt, Baseball zu spielen, doch die Basis war erstmal weg. Gut 40 Jahre später scheint Baseball in China auf dem aufsteigenden Ast: Seit 2016 gibt es TV-Verträge über MLB-Übertragungen und es haben in den letzten Jahren einige Spieler den Sprung in die Minor Leagues geschafft.

Ungleich etablierter ist Baseball auf der Insel Taiwan. Ähnlich wie in Korea wurde die Sportart unter der einstigen japanischen Kolonialherrschaft populär und hat heute den Rang eines Nationalsports. Taiwan – oft unter dem Namenskompromiss „Chinese Taipei“ geführt – ist nach Japan und Korea die drittwichtigste Basis für Baseball außerhalb Amerikas.

Auch die taiwanesische Nationalmannschaft ist sehr erfolgreich: In der Weltrangliste der WBSC steht sie auf Platz vier, größte Erfolge waren Silber bei den Olympischen Spielen 1992 und Bronze 1984. Das chinesische Nationalteam steht in der Weltrangliste auf Platz 22. Ihr größter Erfolg war, dass sie beim World Baseball Classic 2009 in der ersten Runde 4:1 gegen Taiwan gewonnen haben.

Die China Baseball League
Chinas höchste Liga ist die China Baseball League, kurz: CBL. Dem eigenen Anspruch nach handelt es sich um eine Profiliga – ob und inwiefern die Spieler tatsächlich vom Baseball leben, konnte ich leider nicht sicher herausfinden. Die Struktur des Spielplans deutet jedenfalls eher auf einen Amateur- oder allenfalls Halbprofibetrieb hin, denn gespielt wird ausschließlich an den Wochenenden. Bislang fanden die Spiele von Ende Mai bis Anfang September statt, dieses Jahr wurde die Saison auf Juli bis Dezember verlegt.

Die Liga wurde 2002 gegründet, stellte 2012 aufgrund finanzieller Probleme den Spielbetrieb ein, nahm ihn aber 2014 wieder auf. Heut umfasst die CBL zehn Teams, davon sechs in Division 1 und vier in Division 2. Die Divisionen sind hierarchisch organisiert mit Auf- und Abstiegsregelung. Rekordmeister der CBL sind die Tianjin Lions mit bislang sechs Titeln. Gerne hätte ich hier eine englischsprachige Seite mit Resultaten und Nachrichten zur CBL verlinkt, doch leider bin ich nicht fündig geworden – aber vielleicht kann ja jemand von meinen Lesern chinesisch?

Chinese Professional Baseball League (Taiwan)
Der Name der Chinese Professional Baseball League (CPBL) birgt Verwechslungsgefahr – es handelt sich um die Liga Taiwans, das sich formal „Republik China“ nennt. Vor immerhin rund 5.500 Zuschauern im Schnitt wird hier seit 1989 professionell Baseball gespielt. Was professionell im dem Fall bedeutet, konnte ich zumindest in Bezug auf die in der CPBL beschäftigten ausländischen Spieler herausfinden: 5.000 bis 12.000 Euro im Monat beträgt das übliche Einkommen der meist aus den japanischen und amerikanischen Minor Leagues stammenden Gastspieler, von denen jedes Team bis zu vier im Kader haben darf.

Die CPBL umfasst derzeit nur vier Klubs, die aber ein recht umfangreiches Programm absolvieren: Die Saison dauert von März bis Oktober und endet in zweiründigen Playoffs. Durch die geringe Größe der Liga qualifizieren sich drei der vier Teams für die Playoffs, was die 120 Spiele je Team umfassende reguläre Saison leider ein bisschen abwertet. Die meisten Meisterschaften haben bislang die Uni-President 7-Eleven Lions mit neun Titeln ergattert, aktueller Champion sind die Lamigo Monkeys – an den Namen sieht man schon, dass ähnlich wie in Korea die Teams in der Regel in Firmenhand sind und dann auch so heißen.

Standorte der CPBL2

Leider wurde der taiwanesische Baseball in den 2000er Jahren mehrfach von Skandalen bezüglich abgesprochener Spielergebnisse erschüttert. Die Folgen davon waren die Schließung von zwei Teams, diverse Gefängsnisstrafen für Spieler und Funktionäre und schwindendes Zuschauerinteresse an der Liga.

Ergänzend zur „normalen“ CPBL-Saison gibt es in Taiwan im November und Dezember noch eine Winterliga mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung.

Berühmte Spieler aus China und Taiwan
Die Geschichte chinesischer MLB-Spieler ist schnell erzählt: Bisher gab es keine. Zwar wurden Harry Kingman (1914 für New York Yankees aktiv) und Austin Brice (Miami Marlins 2016, jetzt Cincinnati Reds) in China geboren, doch beide waren bzw. sind Kinder amerikanischer Eltern und zogen auch schon als Kind in die USA um. Es gibt jedoch inzwischen einige Chinesen in Minor-League-Teams und zumindest einer davon könnte bald den Sprung in die MLB schaffen: Xu Guiyuan, ein 21-jähriger First Baseman und Outfielder in der Organisation der Baltimore Orioles, wurde über eines der drei MLB Development Centers in China entdeckt und als erster Spieler über diesen Weg für die MLB verpflichtet. Das war, als Xu 13 Jahre alt war – nachdem er erst mit elf Jahren zum ersten Mal einen Baseball in der Hand hatte.

Wei-Yin Chen mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-Wen und Marlins-Trikot3

Taiwan hat auch in dieser Hinsicht die Nase vorn: Schon 2002 gab mit Chen Chin-Feng der erste Spieler aus dem Land sein MLB-Debüt. Der Outfielder war dreieinhalb Jahre lang bei den Los Angeles Dodgers aktiv, konnte sich allerdings nie etablieren (Batting Average von .091). Er kehrte schließlich zurück in die Heimat, wo er eine erfolgreiche CPBL-Karriere absolvierte. Inzwischen sind 14 Spieler aus Taiwan in der MLB zum Einsatz gekommen, fünf davon sind aktuell aktiv. Der erfolgreichste und bekannteste von ihnen ist Pitcher Wei-Yin Chen. Chen schaffte zunächst mit 19 Jahren den Sprung in die japanische NPB zu den Chunichi Dragons und wurde 2012 von den Baltimore Orioles verpflichtet. In Baltimore wurde er umgehend zum MLB-Starter und als nach der Saison 2015 sein Vertrag auslief, unterzeichnete er bei den Miami Marlins einen neuen über 80 Millionen Dollar und fünf Jahre. Den größten Teil der Saison 2017 verpasste Chen wegen einer Verletzung, ansonsten hatte er bisher aber eine erfolgreiche MLB-Karriere mit 144 Starts und einem ERA von 3.90.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Micah Sittig (CC BY-SA 2.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: 總統府 (CC BY-SA 2.0)

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November 21st, 2017 by Dominik

Nach dem Serienauftakt mit Japan bleibe ich bei meiner virtuellen Weltreise in der unmittelbaren Nachbarschaft und beschäftige mich mit der Rolle von Baseball in Korea. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Südkorea, wo eine professionelle Liga existiert, die vom Niveau her nicht weit von der japanischen NPB entfernt ist.

Sportart Nummer 1
Baseball ist in Südkorea die beliebteste Sportart, jedenfalls wenn man nach den Zuschauerzahlen geht: Mit 8,4 Millionen Besuchen insgesamt und einem Zuschauerschnitt von 11.667 pro Spiel stellt die KBO-League die höchste Fußball-Liga K-League Classic mit 1,8 Millionen und einem Schnitt von 7.873 klar in den Schatten.

Es waren wahrscheinlich amerikanische Missionare, die ab 1905 nicht nur das Christentum sondern auch den Baseball in Korea verbreiteten. Durch die ab 1910 bestehende Kolonialherrschaft Japans wurde die Popularität des Sports noch gesteigert und als 1927 das jährliche japanische „Intercity Baseball Tournament“ startete, waren von Anfang an bis 1942 regelmäßig auch koreanische Städte dabei. 1940 und 1942 gewann Seoul sogar das Turnier. Professionelle Strukturen entstanden im südkoreanischen Baseball erst deutlich später als im japanischen oder amerikansichen: 1982 wurde die „Korea Baseball Championship“ gegründet, die erste und unter neuem Namen bis heute bestehende Profi-Liga des Landes.

Das südkoreanische Nationalteam ist eine etablierte Größe im internationalen Baseball. In der Weltrangliste der WBSC hält sich Südkorea sehr stabil auf dem dritten Platz hinter Japan und USA. Bei der Baseball-Weltmeisterschaft World Baseball Classic brachte das Team es 2006 auf den dritten und 2009 auf den zweiten Platz. Der größte Erfolg für den südkoreanischen Baseball war die Goldmedaille beim bislang letzten olympischen Baseball-Turnier 2008 in Peking.

Die KBO-League
Die Liga der Korean Baseball Organization – kurz: KBO-League – nahm 1982 mit sechs Teams den Spielbetrieb auf, nach mehreren Erweiterungen umfasst sie heute zehn Mannschaften. Die Namen der Klubs sind (außer für euch, liebe Fans der Buchbinder Legionäre) etwas gewöhnungsbedürftig, denn aus keinem davon geht hervor, in welcher Stadt das jeweilige Team beheimatet ist. Stattdessen benennen sich die Mannschaften nach den Konzernen, denen sie gehören oder denen sie die Namensrechte verkauft haben. Aktueller Champion sowie Rekordmeister mit bislang 11 Titeln sind die Kia Tigers aus Gwangju, jüngstes Team die 2015 eingestiegenen KT Wiz aus Suwon.

Standorte der KBO-League1

Angesichts der Größe der Liga kann die Struktur recht einfach gehalten werden: Es gibt keine Teilligen oder Divisionen, jede Mannschaft spielt 16 Spiele gegen jedes andere Team. So ergeben sich 144 Spiele pro Klub innerhalb der regulären Saison, welche genau wie in Japan und den USA von Ende März oder Anfang April bis Anfang Oktober dauert. Im Anschluss daran werden die Playoffs in einer Art Leitersystem ausgetragen: In der ersten Runde tritt der Tabellenfünfte gegen den Tabellenvierten an (Best of 3 mit einem Spiel Vorsprung für den Vierten); der Sieger trifft in der zweiten Runde auf den Tabellendritten (Best of 5); der Sieger dieser Serie spielt gegen den Tabellenzweiten (Best of 5); und schließlich spielt der Sieger dieser Runde im Modus Best of 7 die Korea Series gegen den Erstplatzierten der regulären Saison. Ich finde das System ganz interessant, nur dass der Tabellenerste drei Wochen lang spielfrei auf den Finalgegner warten muss, gefällt mir nicht.

Die Regeln der KBO-League entsprechen weitgehend denen der japanischen NPB. Der Hauptunterschied zur MLB besteht darin, dass in Südkorea wie in Japan ein Spiel unentschieden endet, wenn nach dem zwölften Inning (reguläre Saison) oder nach dem fünfzehnten Inning (Playoffs) kein Sieger ermittelt ist. Unentschiedene Playoffspiele werden wiederholt. Alle Spiele der KBO-League werden mit Designated Hitter durchgeführt. Die Teamroster bestehen aus 26 Spielern, darunter höchstens drei Ausländer, von denen wiederum nur zwei Pitcher sein dürfen. Kein Regelunterschied, aber ein fundamentaler Kulturunterschied zeigt sich bei der Art, wie ein Baseballspiel in Südkorea von den Zuschauern begleitet wird. Während wir aus USA und Deutschland eine eher entspannte Atmosphäre gewohnt sind, ist die Stimmung unter den koreanischen Baseballfans geprägt von durch Cheerleader angeleiteten Gesängen und Choreografien – und leider manchmal auch durch gewalttätige Auseinandersetzungen.

Baseball in Südkorea ist ein Zuschauer- und Stimmungsmagnet (hier: Stadion der Lotte Giants in Busan)2

Auffällig beim Blick auf die Statistiken ist, dass der südkoreanische Baseball etwas hitter-freundlicher zu sein scheint als der amerikanische. So lag zum Beispiel der durchschnittliche Batting Average der Liga 2017 bei .286, während er in der MLB nur .255 betrug. Auf der anderen Seite wiesen die Pitcher in der KBO-League einen durchschnittlichen ERA von 4.98 auf, die der MLB hingegen einen von 4.36.

Das Farmsystem der KBO-League besteht aus einer einzelnen Minor League, der KBO Futures League mit zwölf Teams.

Baseball außerhalb der Profiliga
Baseball ist auch in den Colleges und High Schools in Südkorea sehr populär. Die High Schools spielen diverse Turniere mit teilweise großem Zuschauerzuspruch aus. Das wichtigste dieser Turniere ist das Cheongryonggi, bei dem jährlich im Frühsommer in der Hauptstadt Seoul 27 Vertreter aus allen Regionen des Landes einen Champion ausspielen. Im Collegebereich zieht neben den regulären Meisterschaften vor allem die Rivalität der beiden Universitäten Yonsei und Korea hohe Aufmerksamkeit auf sich. Im sogenannten Ko-Yon-Turnier messen sich die beiden Hochschulen seit 1965 jährlich in fünf Disziplinen: Fußball, Eishockey, Basketball, Rugby und Baseball. Der enorm prestigeträchtige Sieg in dem Duell geht an die Universität, die die Mehrzahl der Wettkämpfe für sich entscheidet.

Berühmte Spieler aus Südkorea
Der erste Spieler, der 1994 den Sprung aus Korea in die MLB schaffte, ist bis heute der bekannteste: Der Pitcher Chan Ho Park überzeugte die Scouts der Los Angeles Dodgers so sehr, dass sie ihn im Alter von 20 Jahren direkt aus dem College in Seoul verpflichteten. Park hatte eine 17 Jahre dauernde, überwiegend erfolgreiche MLB-Karriere, deren sportliches Highlight eine Berufung ins All-Star-Team des Jahres 2001 war. Ihr finanzielles Highlight war ein für damalige Verhältnisse äußerst lukrativer Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar, den Park 2002 bei den Rangers unterschrieb – und den er mit seinen Leistungen in Texas leider nie rechtfertigen konnte.

Insgesamt haben es inzwischen 21 Südkoreaner in die MLB geschafft, sieben davon sind noch aktiv. Am längsten dabei ist Outfielder Shin-Soo Choo, der 2005 sein Debüt für die Mariners gab. Nach einem langen Aufenthalt in Cleveland und einem kurzen in Cincinnati spielt Choo seit 2014 bei den Texas Rangers. Für sie schlug er als erster Asiate überhaupt am 21. Juli 2015 gegen die Rockies einen Cycle. Choo hat mit Park gemeinsam, dass auch er den Vertragsabschluss seines Lebens – 130 Millionen Dollar für 7 Jahre – bei den Rangers erzielte.

Rob Refsnyder wurde bei den 21 südkoreanischen MLB-Spielern nicht mitgerechnet – ob er als Koreaner zu zählen ist, muss jeder für sich selbst definieren: Er wurde als Kind koreanischer Eltern in Seoul geboren, aber im Alter von fünf Jahren von einem Paar aus Kalifornien adoptiert. Refsnyder wuchs im amerikanischen Schul- und Collegesystem auf und wurde 2012 in der fünften Runde von den Yankees gedraftet. Der Second Baseman hatte sein MLB-Debüt 2015, wartet aber – zwischenzeitlich bei den Blue Jays und seit Neuestem bei den Indians – noch auf seinen Durchbruch.

Rob Refsnyder in Yankees-Uniform3

Definitiv kein Koreaner ist Eric Thames, den ich hier dennoch erwähnen möchte, weil es sich bei ihm um den wohl bekanntesten Re-Import aus Korea handelt. Der First Baseman konnte beim ersten Anlauf mit den Blue Jays und den Mariners 2011/2012 nicht in der MLB Fuß fassen und suchte schließlich 2014 sein Glück im fernen Osten. In Korea wurde er zum Starspieler, schlug in den drei Jahren dort 124 Homeruns sowie einen Average von .349 und erhielt 2015 sowohl den MVP-Award der KBO-League als auch einen Gold Glove. Zur Saison 2017 holten ihn die Milwaukee Brewers zurück in die MLB, wo er ein starkes Jahr (.247/.359/.518) als unumstrittener Starter auf 1B hatte und mit elf Homeruns im April gleich einen Teamrekord aufstellte.

Baseball in Nordkorea
Der Vollständigkeit halber möchte ich auch einen kurzen Blick in das „andere“ Korea werfen. Das kommunistische Nordkorea schottet sich auch in Sachen Sport recht konsequent von weiten Teilen der restlichen Welt ab und so ist über die Relevanz und die Organisation des Baseballs in diesem Land nicht viel herauszufinden. Sicher ist zumindest, dass Baseball in Nordkorea gespielt wird: Sporadisch hat schon mal ein nordkoreanisches Nationalteam an asiatischen Meisterschaften teilgenommen und Peter C. Bjarkman listet in seinem Buch „Diamonds Around the Globe“ von 2005 die nordkoreanischen Baseball-Meister der Jahre 1985 bis 2001 auf – es war übrigens in jedem dieser Jahre der Kigwancha Sports Club. Als Basketballstar Dennis Rodman 2013 zu Besuch bei Kim Jong Un war, haben sie gemeinsam ein Baseball-Spiel gesehen. Generell spielt Baseball aber wohl eine untergeordnete Rolle in dem Land. Das größte Stadion in Pyöngyang, das Kim-Il-Sung-Stadion, wurde einst als Baseballstadion angelegt. Das war aber 1926 unter japanischer Herrschaft und inzwischen wird das Bauwerk vor allem für Fußball und für den Einlauf des Pyöngyang-Marathons benutzt.

1Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)

2Quelle: Wikimedia, Urheber: 히히히 (CC BY-SA 3.0)

3Quelle: Wikimedia, Urheber: Editosaurus (Public Domain)

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November 14th, 2017 by Dominik

Dieser Blog beschäftigt sich in erster Linie mit der MLB und der Baseball-Bundesliga und das wird auch so bleiben. Aber auch woanders in der Welt wird Baseball gespielt und es kann nicht schaden, mal einen interessierten Blick über den Tellerrand zu werfen. Genau das möchte ich in Form einer kleinen Serie tun – ab sofort für ungefähr den Rest des Jahres immer dienstags. Die Idee hatte ich schon länger und durch den von Kante geäußerten Wunsch fühle ich mich darin bestärkt, dieses Thema mal anzugehen. Den Anfang machen heute und nächste Woche die Ligen in Japan und Korea, da hierzu konkret Informationen gewünscht wurden. Aber auch die Karibik, Australien und ein, zwei europäische Länder werde ich mir anschauen und zum Abschluss der Serie gehe ich – um auch Jochens Wunsch zu erfüllen – auf internationale Turniere wie den WBC, die EM oder Olympia ein.

Nationalsport Baseball
Bei Sport in Japan denken viele in erster Linie an Kampfsportarten wie Sumoringen oder Judo. Tatsächlich ist Japan aber das Land mit der wohl am längsten und tiefsten verwurzelten Baseballtradition außerhalb Amerikas. Um es mit den Worten der japanischen Tourismusbehörde zu sagen:

Baseball is so popular in Japan that many fans are surprised to hear that Americans also consider it their „national sport.“

Die große Beliebtheit des Baseballsports zeigt sich auch an den Zuschauerzahlen der japanischen Profiliga NPB (Nippon Professional League): Die NPB ist weltweit direkt hinter der MLB die Liga mit den zweitmeisten jährlichen Stadionbesuchen – bezogen nicht nur auf Baseball sondern auf alle Sportarten. Natürlich liegt das nicht zuletzt daran, dass es im Baseball so viele Spiele gibt, aber auch vom Zuschauerdurchschnitt her ist die NPB mit rund 30.000 Besuchern je Spiel die beliebteste Sportliga Asiens und immerhin die siebtbeliebteste weltweit.

Eingeführt wurde Baseball in Japan im Jahr 1872 durch den amerikanischen Englisch-Professor Horace Wilson. Wilson setzte Baseball zuerst als ein Mittel zur körperlichen Ertüchtigung seiner Studenten ein, doch die Begeisterung für den Sport zog schnell weitere Kreise. Es entstanden zahlreiche Mannschaften sowohl für Erwachsene als auch an Schulen und Universitäten. Ab 1920 gab es die ersten Versuche, Profi-Teams zu etablieren, zunächst mit geringem Erfolg. Den Durchbruch schaffte der Greater Japan Tokyo Baseball Club, ein 1934 als All-Star-Team gegründeter Verein, aus dem später der bis heute erfolgreichste japanische Klub Yomiuri Giants wurde. Mit sechs anderen Teams gründeten die Giants 1936 die erste Profi-Liga, die Japanese Baseball League (JBL). Ihr folgte 1950 die NPB, indem die alte JBL in zwei Ligen geteilt und um sieben neue Teams ergänzt wurde.

Der japanische Baseball ist auch auf internationaler Ebene sehr etabliert: Japans Nationalmannschaft hat als bislang einzige schon zweimal (2006 und 2009) die Baseball-Weltmeisterschaft World Baseball Classic gewonnen und steht in der Baseball-Weltrangliste der WBSC sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf Platz eins. Bei den bislang fünf olympischen Baseballturnieren holte Japan einmal Silber und zweimal Bronze. Der großen Rolle, die Baseball in Japan spielt, ist die Wiederaufnahme der Sportart zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu verdanken.

Die Nippon Professional League
Vieles an der NPB erinnert an eine MLB im Kleinformat: Genau wie jene teilt sich die NPB in zwei Teilligen auf, die sich beide über das gesamte Land erstrecken und die – von ein paar Interleague-Spielen abgesehen – jeweils für sich einen Meister ermitteln. Dieser tritt dann in der großen Finalserie gegen den Meister der anderen Teilliga an. Lustigerweise geht das Nacheifern der MLB sogar soweit, dass auch in Japan eine der Ligen – die Pacific League – mit DH-Regel spielt und die andere – die Central League – nicht.

Standorte der NPB1

Jede der beiden Ligen besteht aus sechs Teams, welche in der regulären Saison jeweils 146 Spiele absolvieren, darunter 24 Interleague-Spiele. Die Saison läuft zeitlich quasi identisch mit der MLB: Gestartet wird Anfang April, an die reguläre Saison bis Anfang Oktober schließen sich die Playoffs an, der Meister steht Ende Oktober oder Anfang November fest. Ermittelt wird er in drei Playoffrunden: In der ersten Climax Series jeder Liga treffen der Zweit- und Drittplatzierte in einer Best-of-Three-Serie aufeinander. Der Sieger dieser Serie trifft dann auf den Erstplatzierten. In diesem zweiten Teil der Climax Series kommt das Team weiter, das zuerst vier Spiele gewinnt; allerdings erhält der Erstplatzierte der regulären Saison ein Spiel Vorsprung und obendrein Heimrecht in allen Spielen. Die Sieger der Climax Series beider Ligen erreichen die Nippon Series und spielen im Best-of-Seven-Modus die Meisterschaft aus. Ähnlich wie in der World Series hat ein Team Heimrecht im ersten, zweiten, sechsten und siebten Spiel, das andere im dritten bis fünften. Wer welches Heimrecht hat, wechselt nach einem festen Rhythmus zwischen den beiden Ligen – in geraden Jahren ist das Team der Central League zuerst dran, in ungeraden das der Pacific League.

Obwohl die Regeln der NPB weitgehend identisch sind mit jenen der MLB, gibt es neben der anderen Playoffstruktur noch ein paar weitere Unterschiede. Der wichtigste davon dürfte sein, dass in der NPB regelmäßig Unentschieden vorkommen: Ein Spiel, das in der regulären Saison nach zwölf Innings oder in der Postseason nach fünfzehn Innings keinen Sieger gefunden hat, endet ohne Entscheidung. Ein weiterer Unterschied besteht in der Rostergröße: Während der aktive Kader eines MLB-Teams üblicherweise 25 Spieler umfasst, sind es in der NPB 28. Allerdings sind vor jedem Spiel drei Spieler als inaktiv zu kennzeichnen, sodass es dann doch auch auf 25 hinausläuft. Die meisten japanischen Teams verwenden eine Rotation aus sechs Pitchern statt der in der MLB üblichen fünf. Da montags üblicherweise nicht gespielt wird, ist man als Starter in der NPB im Normalfall einmal pro Woche an der Reihe. Der Ball ist in der NPB etwas kleiner und härter, die Strikezone und die Mindestmaße des Spielfelds sind ebenfalls ein wenig kleiner als in der MLB.

Vom Spielniveau her wird die NPB oft als „AAAA“-Liga bezeichnet. Das soll heißen, dass sie unter der MLB angesiedelt ist, aber oberhalb des höchsten amerikanischen Minor-League-Levels AAA. Die NPB hat selbst zwei Minor Leagues, die Eastern League und die Western League, in denen jedes NPB-Team ein direkt assoziiiertes Farmteam unterhält. Jede der Ligen spielt eine 80-Spiele-Saison aus.

Baseball außerhalb der Profiliga
Auch als Schul- und Universitätssportart erfreut sich Baseball in Japan sehr großer Beliebtheit. Der wichtigste Wettbewerb im Hochschulbereich ist die traditionsreiche Big6-Liga: Seit ihrer Gründung im Jahr 1925 nehmen immer die gleichen sechs Universitäten aus dem Großraum Tokio teil und spielen an acht Wochenenden eine Meisterschaft aus. Alle Spiele der Big6 finden im Meiji Jingu Stadium in Tokio statt.

Von der nationalen Aufmerksamkeit her noch wichtiger sind die japanischen Meisterschaften im High-School-Baseball. Zweimal jährlich werden im Hanshin-Kōshien-Stadion in Nishinomiya nach einer Reihe von Qualifikationsturnieren die Finalturniere ausgespielt: im Frühling mit 32 und im Sommer mit 49 teilnehmenden Teams. Diese Turniere erzielen hohe Einschaltquoten im Fernsehen und werden sowohl von den Zuschauern als auch von den Spielern mit großer Leidenschaft und Emotionalität begangen.

Koshien-Stadion2

Berühmte Spieler aus Japan
Heutzutage kann man damit rechnen, dass die besten Spieler der NPB irgendwann in der MLB landen. Doch das ist noch nicht lange so, denn die MLB hat die Japaner erst seit Mitte der 90er-Jahre für sich entdeckt. Vor dieser Zeit blieben die Stars in der Regel auf der Insel und ihre Berühmtheit entsprechend regional begrenzt. Die japanische Baseball-Legende schlechthin ist Sadaharu Oh. Der First Baseman war von 1959 bis 1980 für die Yomiuri Giants aktiv und hält mit 868 Homeruns bis heute den Karriere-Rekord unter allen Baseball-Profis weltweit. Nach seiner Zeit als Spieler war Oh noch lange als Manager tätig, unter anderem für das japanische Nationalteam bei dessen Gewinn des ersten WBC im Jahr 2006. Andere legendäre japanische Baseballer, die nie mit der MLB in Berührung kamen, waren Catcher Katsuya Nomura (1954-1980), Third Baseman Shigeo Nagashima (1958-1974), Outfielder Isao Harimoto (1959-1981) und Pitcher Masaichi Kaneda (1950-1969).

Sadaharu Oh als Team-Manager während des WBC 20063

Der erste japanische Spieler in der MLB war Masanori Murakami; er spielte 1964 bis 1965 ein Jahr lang durchaus erfolgreich als Reliever für die San Francisco Giants, kehrte dann aber doch in die Heimat zurück und führte seine Karriere dort fort. Der erste dauerhafte MLB-Spieler aus Japan wurde 1995 Starting Pitcher Hideo Nomo. Nomo wurde in seinem ersten Jahr bei den Dodgers zum All-Star und zum Rookie of the Year gewählt und warf in seiner 13-jährigen MLB-Karriere zwei No-Hitter. Nomo gilt als der Türöffner für japanische Spieler in der MLB. Ihm folgten bislang 53 weitere Landsleute in die MLB. Die deutliche Mehrheit von ihnen sind bzw. waren Pitcher. Als erster Positionsspieler schaffte 2001 ein Outfielder den Sprung, der noch heute aktiv ist, inzwischen eine ganze Reihe von Hitting-Rekorden aufgestellt und seinen zukünftigen Platz in der Hall of Fame längst gesichert hat: Ichiro Suzuki. Der 44-Jährige hat übrigens kürzlich bekannt gegeben, dass er noch nicht ans Aufhören denkt und nach Auslaufen des Vertrags in Miami nach einem neuen Team sucht. Neben Ichiro sind derzeit SP Masahiro Tanaka (Yankees), SP Kenta Maeda (Dodgers), RP Junichi Tazawa (Marlins), SP Yu Darvish, RP Koji Uehara, SP Hisashi Iwakuma und OF Nori Aoki (alle Free Agents) in der MLB aktiv. In Kürze wird vermutlich der als sensationelles Talent geltende SP/OF Shohei Otani hinzukommen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Immanuel Giel (Public Domain)

2Quelle: Wikimedia, Urheber: 百楽兎 (CC BY-SA 3.0)

3Quelle: Wikimedia, Urheber: Mori Chan (CC BY-SA 2.0)

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