Category: Baseball international

Juni 11th, 2017 by Dominik

Die gute Nachricht zuerst: Die Mainz Athletics haben beim European Champions Cup den späteren Turniersieger Curaçao Neptunus aus Rotterdam mit 7:6 besiegt und damit einen schönen Achtungserfolg errungen. Die schlechte Nachricht: Alle anderen Spiele sowohl der A’s als auch der Regensburg Legionäre gegen die europäische Elite-Konkurrenz gingen – teilweise sehr deutlich – verloren. So mussten die beiden deutschen Vertreter heute Mittag das Finale um den Abstieg gegeneinander bestreiten. Die Athletics behielten in diesem Spiel dank Homeruns von Kevin Kotowski und Max Boldt mit 4:3 die Oberhand. Das freut mich als A’s-Getreuer natürlich, ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass die Bundesliga einen ihrer beiden Startplätze in der europäischen Meisterklasse verloren hat.

Der größte Knackpunkt für die deutschen Teams war das Pitching: Vor allem die Mainzer mussten diverse Positionsspieler auf den Mound schicken, um die fünf Spiele in fünf Tagen irgendwie abzudecken. Für einen solchen Rhythmus ist das Roster eines Bundesligisten schlichtweg nicht gebaut und wenn der Wettbewerb über das Jahr verteilt stattgefunden hätte, hätten die deutschen Klubs vielleicht eher eine Chance gehabt.

Aber Hand aufs Herz: Der Turnierausgang ist letzten Endes verdient und muss niemandem peinlich sein, denn mit den Profimannschaften aus Europas Baseball-Hochburgen Niederlande und Italien können und müssen die deutschen Amateurteams nicht auf Augenhöhe agieren. Wenn sie das so wie die Mainzer im Spiel gegen Neptunus doch mal tun, dann ist das bereits eine kleine Sensation – und für den Gegner ein Weckruf, ohne den er vielleicht nicht bis zum Titel marschiert wäre.

Für die Athletics und die Legionäre hoffe ich, dass der fünftägige Kraftakt nicht zu sehr an die Substanz gegangen ist und dass der Lerneffekt durch die internationale Turniererfahrung überwiegt.

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international Tagged with: , , ,

Juni 5th, 2017 by Dominik

Die Fußball-Champions-League ging an diesem Wochenende zu Ende und nun wissen wir, dass Real Madrid aktuell das beste Team im europäischen Fußball ist. Aber wer ist das beste Team im europäischen Baseball? Auch dafür gibt es einen Wettbewerb, natürlich ein paar Nummern kleiner als die Champions League, aber immerhin mit zwei Teilnehmern aus Deutschland und das Ganze zu Hause, genauer gesagt in Regensburg: den European Champions Cup.

Das Turnier findet statt von Mittwoch bis Sonntag dieser Woche (7. bis 11. Juni). Qualifiziert sind acht Mannschaften, darunter Gastgeber Regensburg Legionäre und der Deutsche Meister Mainz Athletics. Die beiden deutschen Vertreter gehen allerdings – ebenso wie der französische Meister Rouen Huskies – als klare Außenseiter ins Rennen gegen die Profiteams Amsterdam Pirates, Curaçao Neptunus, ASD Rimini, Unipolsai Bologna und T&A San Marino. Den Wettbewerb gibt es – mit wechselnden Namen und Formaten – seit 1963 und seit 1969 kam der Sieger immer aus den Niederlanden oder Italien (oder aus San Marino, das in der italienischen Liga spielt).

Der Spielplan des Turniers ist anspruchsvoll: Gespielt wird zunächst in zwei Vierergruppen mit anschließendem Halbfinale und Finale. Da wegen einer Abstiegsregel auch die unteren Platzierungen zumindest teilweise ausgespielt werden, hat jedes Team mindestens vier Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren. Das ist vor allem in Bezug auf das Starting Pitching eine enorme Herausforderung, wenn man sonst nur zwei Spiele pro Woche abdecken muss. Die Legionäre haben deswegen mit Pitcher Kevin Vance kurzfristig Verstärkung an Land gezogen, die Mainzer werden neben den etablierten Startern wohl ein paar Positions- und Nachwuchsspielern Einsatzzeit auf dem Mound geben.

Erfreulicherweise werden alle Spiele des European Champions Cups live auf Legionäre-TV übertragen. Am meisten freue ich mich auf das Spiel von Mainz gegen Rouen am Mittwoch um 16:30 Uhr, einfach weil es vom gemeinsamen Niveau her die spannendste Begegnung mit deutscher Beteiligung zu werden verspricht. In alle anderen Partien gehen die Athletics und die Legionäre als Underdogs, aber vielleicht ist ja die eine oder andere Überraschung drin. Ich drücke beiden Teams fest die Daumen.

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international Tagged with: , , ,

Mai 29th, 2017 by Dominik

Eine Gnadenregel (englisch: „mercy rule“) sorgt dafür, dass ein Spiel vorzeitig endet, sobald ein Team nach einer bestimmten Anzahl von Innings einen bestimmten Vorsprung herausgespielt hat, der als uneinholbar angesehen wird. Gnadenregeln sind immer dann sinnvoll, wenn das Leistungsgefälle innerhalb eines Wettbewerbs groß ist und es regelmäßig zu sehr einseitigen Spielen kommt. Bekanntlich ist die reguläre Dauer eines Baseballspiels über die Anzahl von Innings definiert und die Dauer eines Innings über das Zustandekommen von drei Outs je Mannschaft. Bei sehr ungleichen Stärkeverhältnissen kann es dür das schwächere Team sehr lange dauern, die nötigen Outs zu erzielen und der Spielausgang kann schon nach wenigen Innings faktisch entschieden sein. In dem Fall sorgt die Gnadenregel für ein vorzeitiges Ende des Spiels im Interesse aller Beteiligten: Die Regel schützt nicht nur die Zuschauer vor Langeweile, sondern vor allem auch die Aktiven beider Mannschaften davor, in endlosen, längst entschiedenen Partien verheizt zu werden.

In der MLB gibt es keine Gnadenregel. Sofern es die äußerlichen (Wetter-)Bedingungen nicht unmöglich machen, läuft jedes Spiel über volle neun oder – falls das Spiel bereits zu Gunsten des Heimteams entschieden ist – achteinhalb Innings. Das finde ich gut so, denn in der MLB ist das Leistungsgefällle in der Regel nicht so groß, dass es einer Gnadenregel bedürfte. Natürlich gibt es auch hier immer mal wieder Spiele wie das 23:5 der Nationals gegen die Mets, die lange vor dem neunten Inning gelaufen sind. Aber solche Spiele sind Einzelfälle und von den hochbezahlten Profis kann man erwarten, dass sie auch so ein Spiel anständig über die Bühne bringen, selbst wenn irgendwann Positionsspieler auf dem Mound stehen, um die Pitcher zu schonen. Auch in den Minor Leagues und der japanischen Profiliga gibt es keine Gnadenregeln.

In anderen Ligen sind solche Regeln aber sehr verbreitet: zum Beispiel in den Profiligen von Kuba und Korea und vor allem im Jugend- und Amateurbereich, einschließlich des gesamten deutschen Baseball-Spielbetriebs bis hin zur Bundesliga. Hier trifft das Argument mit dem Leistungsgefälle eindeutig zu: In der Bundesliga Süd beispielsweise besteht eine deutliche Kluft zwischen den Bad Homburg Hornets, den Saarlouis Hornets und dem Rest der Liga. Entsprechend enden die Spiele dieser beiden Teams gegen eines der anderen Teams sehr häufig durch eine Gnadenregel – in der bisherigen Saison 2017 in 20 von 28 Fällen. Die Bundesspielordnung des DBV sieht in Artikel 11.3.04 für alle Ligen drei Gnadenregeln vor:

  1. Die 20-Run-Regel (Führung mit 20 oder mehr Runs nach 3 Innings).
  2. Die 15-Run-Regel (Führung mit 15 oder mehr Runs nach 5 Innings).
  3. Die 10-Run-Regel (Führung mit 10 oder mehr Runs ein oder zwei Innings vor dem angesetzten Ende).

Mit Abstand am häufigsten kommt die 10-Run-Regel zum Einsatz. Diese ist auch am sinnvollsten formuliert: Sie tritt nach sieben (bzw. sechseinhalb) Innings in Kraft, aber wenn zu dem Zeitpunkt noch keine Führung von 10 Runs besteht, greift die Regel auch nach acht Innings, wenn dann die Kriterien erfüllt sind. Das ist logisch, denn wenn man einem unterlegenen Team nicht zutraut, den Spielstand innerhalb von zwei Innings umdrehen zu können, warum sollte man ihm dann zutrauen, dies innerhalb nur eines Innings zu bewerkstelligen?

Dieser Gedanke führt mich zu der Anregung, die ich den für die Regeln zuständigen Gremien des DBV gern mit auf den Weg geben möchte: Die gleiche Logik sollte auch für die 20-Run-Regel und die 15-Run-Regel gelten! Die Spielordnung sieht für diese beiden Regeln momentan nicht vor, dass die Kriterien auch zu einem späteren Zeitpunkt greifen. Wenn ein Team also nach vier Innings mit 20 Runs Vorsprung führt, dann endet das Spiel nicht; es muss stattdessen noch das fünfte Inning gespielt werden. Und wenn zwar nicht nach fünf, aber nach sechs Innings ein 15-Run-Vorsprung besteht, dann geht das Spiel ins siebte Inning, bevor es (wahrscheinlich) durch die 10-Run-Regel endet. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Man sollte die Regeln ändern, indem man an den betreffenden Stellen die Worte „oder mehr“ einfügt, also zum Beispiel für die 20-Run-Regel, „dass das Spiel beendet ist, wenn eine Mannschaft nach drei (3) oder mehr Innings mit 20 oder mehr Runs führt“.

Was meint ihr dazu?

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international, MLB Tagged with: , ,

April 25th, 2017 by Dominik

Derzeit wird heiß diskutiert, bei welchem Team das frisch als Free Agent freigegebene kubanische Talent Luis Robert landen wird. Da will ich natürlich nicht zurückstehen und meinen Senf sowohl zu Robert als auch zu ein paar weiteren Kandidaten des internationalen Marktes loswerden, die wir in absehbarer Zeit in der MLB erleben könnten.

Zunächst ein paar Erläuterungen, wie internationale Verpflichtungen in der MLB ablaufen: Im Gegensatz zur Auswahl der US-amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Bislang ist es so, dass bei Überziehung dieses sogenannten „Bonus Pools“ der jeweilige Verein für zwei Jahre keine internationalen Verpflichtungen für über 300.000 Dollar mehr tätigen darf. Aufgrund dieser Regel dürfen die Athletics, die Astros, die Padres, die Cardinals, die Braves, die Nationals und die Reds, die ihren Pool in der aktuellen Periode 2016/17 bereits überzogen haben, in der am 2. Juli beginnenden Periode 2017/18 keine nennenswerten Signings mehr vornehmen. Dasselbe gilt für die Cubs, die Dodgers, die Royals und die Giants, welche sich dann im zweiten Jahr ihrer schon jetzt andauernden Strafe befinden.

Ab der kommenden Signing-Periode wird das System etwas vereinfacht: Ab dann gelten harte Obergrenzen, das heißt ein Überziehen des Pools ist nicht mehr möglich und dementsprechend braucht man auch keine Strafen mehr. Die Höhe des Pools beträgt 4,75 bis 5,75 Millionen Dollar je Team, wobei die durch einen kleineren Markt benachteiligten Teams die etwas höheren Summen ausgeben dürfen. Die erlaubten Summen können zwischen den Teams in Form von Trades verschoben werden. Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von der Pool-Regel ausgenommen.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Im Fall des kubanischen Outfielders Luis Robert ist das vor ein paar Tagen passiert und nun stehen die Teams Schlange, um ihn vorspielen zu sehen. Der 19-Jährige, der im November seine Heimat verlassen hat, gilt als herausragender Power Hitter und wird von den Scouts im Rang eines Erstrundendraftpicks eingestuft. Die Astros, Padres, Reds, Cardinals und vor allem die White Sox werden als Favoriten auf seine Verpflichtung gehandelt. Die White Sox haben eine lange und positive Geschichte mit kubanischen Spielern, welche mir Minnie Minoso begann und mit Jose Contreras, Alexei Ramirez, Jose Abreu und ihrem aktuellen Top-Talent Yoan Moncada fortgesetzt wurde. Robert würde wohl gut in diese Reihe passen und in Chicago hätte er angesichts der derzeitigen Rebuilding-Situation auch die Zeit, die er braucht, um sich in den Minor Leagues zu entwickeln.

Die meisten internationalen Verpflichtungen stammen wie Robert aus Mittel- oder Südamerika. Die neben ihm momenten interessantesten internationalen Prospects sind aber allesamt Japaner. Allen voran gilt Shohei Otani als absoluter Ausnahmespieler und das sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Der Hype um Otani geht so weit, dass er regelmäßig mit der Legende Babe Ruth verglichen wird. Der 22-Jährige pitcht mit rechts und schlägt mit links und brachte es in Japan 2016 auf einen ERA von 1.86 in 140 Innings auf dem Mound sowie auf eine Slashline von .322/.416/.588 mit 22 Homeruns als Batter. Die große Frage ist, wann Otani den Schritt in die MLB unternimmt. Viele gehen davon aus, dass es nach der laufenden Saison soweit ist. Allerdings würde das bedeuten, dass er finanziell in den ersten Jahren verhältnismäßig kleine Brötchen backen würde, denn unter der neuen Regelung könnte ihm ein MLB-Team selbst mit größter Anstrengung nicht mehr als rund 10 Millionen Dollar für seine Unterschrift bieten. Daher könnte er sich auch entscheiden, noch die drei Jahre zu warten, bis er nicht mehr unter die Bonus-Pool-Regel fällt.

Pitcher Shintaro Fujinami, 2B Testuto Yamata und 3B/OF Yoshitomo Tsutsugo sind ein paar weitere japanische Namen, an die wir uns innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre möglicherweise in der MLB gewöhnen dürfen.

Internationale Verpflichtungen aus Europa kommen in der MLB natürlich ebenfalls vor, haben aber Seltenheitswert. Nach dem Italiener Alex Liddi und den beiden Deutschen Donald Lutz und Max Kepler hat es ganz aktuell gestern Abend zum vierten Mal im modernen Baseball ein Europäer in die Major League geschafft – sofern man einen Europäer definiert als Spieler, der hier geboren und als Spieler entwickelt wurde, also nicht in früher Jugend ins amerikanische Schul- und Collegesystem gewechselt ist. Der litauische Pitcher Dovydas Neverauskas wurde gestern in den Kader der Pittsburgh Pirates befördert und kam gegen die Chicago Cubs zu seinem ersten Einsatz als Reliever. Er pitchte zwei Innings, in denen der zwei Hits und einen Run erlaubte und einen Strikeout ablieferte.

Posted in Baseball international, MLB Tagged with: , , , , ,

März 22nd, 2017 by Dominik

Heute Nacht ab 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt in Los Angeles das Finale des World Baseball Classic, der Weltmeisterschaft der Baseball-Nationalmannschaften. Im vierten Anlauf haben die USA erstmals das Finale erreicht, indem sie im Halbfinale knapp mit 2:1 die Oberhand gegen den Weltranglistenersten Japan behielten. Ihr Gegner im Endspiel ist Puerto Rico, das beim letzten WBC 2013 Vizemeister wurde und bisher im gesamten Turnier unbesiegt blieb. Im Halbfinale hatten die Puerto Ricaner sich per Walkoff im elften Inning 4:3 gegen die Niederlande durchgesetzt.

Als Starting Pitcher wird für die USA heute Nacht Marcus Stroman (Toronto Blue Jays) zum Einsatz kommen, für Puerto Rico startet Seth Lugo (New York Mets). Wenn man sich die Gegenüberstellung der vorgesehenen Spieler ansieht, so sieht das sehr stark nach einem Duell auf Augenhöhe aus – wofür auch spricht, dass sich die beiden Teams beim ersten Aufeinandertreffen in diesem Turnier mit einem knappen 6:5 für Puerto Rico trennten, übrigens mit den gleichen Starting Pitchern. Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein großartiges Lineup das kleine Puerto Rico (die Einwohnerzahl entspricht in etwa der Berlins) auf den Platz bringt: Yadier Molina, Francisco Lindor, Javier Baez, Carlos Correa, Carlos Beltran, Edwin Diaz – wenn die alle im gleichen MLB-Team antreten würden, würde es sicher ganz oben mitspielen.

Die Aufmerksamkeit innerhalb der USA für den WBC erscheint mir dieses Mal deutlich größer als bei den früheren Turnieren: Mehr als sonst folgten zahlreiche (wenn auch längst nicht alle) Superstars dem Ruf ins Nationalteam, schon vor den Halbfinalspielen war ein neuer Zuschauerrekord erreicht und Cubs-Manager Joe Maddon dachte bereits laut darüber nach, ob man nicht zukünftig den WBC-Sieger und den aktuellen World-Series-Gewinner gegeneinander antreten lässt.

Zum Gesicht des Turniers scheint übrigens Outfielder Adam Jones zu avancieren: nicht so sehr, weil ihm im Halbfinale der entscheidende RBI gegen Japan gelang, sondern vor allem durch den sehenswerten geraubten Homerun im Spiel zwischen den USA und der Dominikanischen Republik, ausgerechnet gegen seinen Orioles-Teamkameraden Manny Machado.

Ob das Finale in Deutschland zu empfangen ist, ist leider fraglich. Rechteinhaber DAZN hat sporadisch einige Spiele des Turniers gezeigt, aber ich konnte noch nichts darüber herausfinden, ob eine Übertragung des Endspiels geplant ist.

Aktualisierung: DAZN hat bekannt gegeben, dass das Spiel übertragen wird.

Posted in Baseball international Tagged with: , , ,

März 5th, 2017 by Dominik

Am morgigen Montag beginnt die Weltmeisterschaft im Baseball, der World Baseball Classic. Das Turnier findet in den kommenden zweieinhalb Wochen in vier verschiedenen Ländern statt. Deutschland hat sich nicht für den WBC qualifizieren können und die Möglichkeiten, das Turnier zu verfolgen, sind hierzulande leider sehr eingeschränkt.

Die Teilnehmer
Von den 16 teilnehmenden Mannschaften waren 12 gesetzt aufgrund ihres Abschneidens beim letzten WBC 2013: USA, Japan, Kuba, Kanada, China, Taiwan, Italien, Niederlande, Südkorea, Puerto Rico, Venezuela und der Titelverteidiger Dominikanische Republik. Die restlichen vier Plätze wurden über Qualifikationsturniere im Laufe des letzten Jahres vergeben. Deutschland bekam es dabei vor ziemlich genau einem Jahr mit Nicaragua, Tschechien und Mexiko zu tun und schied leider sang- und klanglos aus. Die Qualifikation schafften letztlich die favorisierten Mexikaner, hinzu kommen aus den anderen Qualifikationsgruppen Australien sowie die beiden erstmaligen Teilnehmer Israel und Kolumbien.

Spielorte und Turniermodus
Die Verteilung des Turniers auf vier Länder lässt Einiges an Reisestress befürchten, jedenfalls für die Teams, die zur Endrunde von Asien nach Amerika wechseln müssen. In der Vorrunde spielt zunächst jede Gruppe an einem festen Ort: Gruppe A in Seoul, Gruppe B in Tokio, Gruppe C in Guadalajara und Gruppe D in Miami. Innerhalb der Gruppe spielt jeder gegen jeden, die jeweils besten zwei Teams kommen weiter.

Die Zwischenrunde findet für die Teams aus den Gruppen A und B in Tokio und für die anderen in San Diego statt. Der Modus bleibt der gleiche wie in der Vorrunde: jeder gegen jeden, je zwei kommen weiter und zwei scheiden aus.

Die Endrunde schließlich steigt in Los Angeles. Hier spielen die Erst- und Zweitplatzierten der Zwischenrunde über Kreuz ein Halbfinale aus und die Sieger am 22. März das Finale.

Außenseiter und Favoriten
Dass die USA als Heimat des Baseballsports und der bedeutendsten Profiliga regelmäßig zu den Favoriten des WBC gehören, dürfte auf der Hand liegen. Tatsächlich sind die Amerikaner bei den drei bisherigen Turnieren aber nie über Platz vier hinausgekommen. Die erfolgreichste Baseballnation ist Japan mit zwei Weltmeistertiteln und einem dritten Platz beim letzten WBC 2013.

Japan führt auch die Weltrangliste an, gefolgt von den USA, Südkorea, Taiwan und Kuba. Dementsprechend dürfen diese fünf, hinter denen in der Liste punktemäßig eine gewisse Lücke klafft, als Favoriten des Turniers gelten.

Dass es im Baseball nicht zwangsläufig nach Rangliste läuft, zeigte sich 2013 beim letzten WBC: Gleich zwei Überraschungsteams schafften es ins Finale, in dem die Dominikanische Republik mit 3:0 die Oberhand gegen Puerto Rico behielt.

Ein nicht allzu geheimer Geheimtipp für dieses Jahr ist Venezuela, das beim letzten WBC enttäuschte und sich dieses Mal beweisen will – das Personal dafür ist mit Leuten wie Miguel Cabrera, Jose Altuve, Carlos Gonzalez, Ender Inciarte und Odubel Herrera zweifellos vorhanden. Generell dürfte die Leistungsdichte unter den 16 Teams so hoch sein, dass fast jeder jeden schlagen kann. Das gilt selbst für Kolumbien, das zum ersten Mal dabei ist, aber mit den Assen José Quintana und Julio Teheran als Startern aufwartet. Als krasser Außenseiter gilt lediglich Israel, für das bereits die Qualifikation zum Turnier eine Sensation darstellte.

Die Spieler
Ein Grund, dass die USA bei bisherigen Turnieren nicht die erwartete Rolle spielten, dürfte sein, dass für viele der amerikanischen Spieler eine von Nationalmannschaften ausgetragene Weltmeisterschaft keinen überragenden Stellenwert hat und man sich lieber auf die anstehenden 162 MLB-Spiele konzentriert. Die ganz Großen wie Clayton Kershaw, Madison Bumgarner, Mike Trout und Bryce Harper sucht man vergeblich im Kader. Trotzdem bieten die USA unter allen beteiligten Teams wohl die größte Ansammlung gestandener MLB-Profis auf: Chris Archer, Marcus Stroman, Andrew Miller, Daniel Murphy, Nolan Arenado, Giancarlo Stanton und einige mehr werden dabei sein.

Die süd- und mittelamerikanischen Mannschaften haben zwar schon rein von der Größe der Länder her nicht ganz so viele Topspieler zur Auswahl, die Ausschöpfung des Potenzials ist dafür aber meistens recht gut. Die Beispiele Venezuela und Kolumbien habe ich schon genannt, ein anderes ist Titelverteidiger Dominikanische Republik mit Akteuren wie Johnny Cueto, Jeurys Familia, Adrian Beltre, Manny Machado, Jose Bautista und Starling Marte. Etwas aus der Reihe fällt in dieser Hinsicht Kuba: Die kubanischen MLB-Profis haben ihre US-Karriere in aller Regel durch eine Flucht aus ihrer Heimat begonnen und werden in der Nationalmannschaft nicht mehr berücksichtigt.

Bei den europäischen Vertretern Italien und Niederlande rechnet man eigentlich nicht unbedingt mit vielen MLB-Spielern, aber dank der großzügigen Handhabung der Spielberechtigung durch den internationalen Verband WBSC können beispielsweise die beiden Mets Gavin Cecchini und Brandon Nimmo für Italien spielen. Beide sind weder in Italien geboren noch haben sie die italienische Staatsbürgerschaft, aber italienische Vorfahren reichen aus, um für die Squadra Azzurra antreten zu dürfen. Europameister Niederlande kommt zugute, dass die Karibikinseln Curaçao und Aruba zum niederländischen Königreich gehören. Dem Nationalteam beschert das die Verfügbarkeit beispielsweise von Xander Bogaerts, Jurickson Profar und Kenley Jansen.

Der zweifache Weltmeister Japan setzt überwiegend auf Spieler aus der eigenen Profiliga. Namen wie Koji Uehara, Yu Darvish, Masahiro Tanaka und Kenta Maeda sucht man vergeblich und auch Supertalent Shohei Otani wird wegen einer Verletzung auf die WBC-Teilnahme verzichten. Man darf gespannt sein, wer sich dieses Mal in die Notizbücher der Scouts spielen wird.

Wie kann man den WBC sehen?
Es könnte so ein schönes und interessantes Turnier werden, wenn man nur irgendeine Möglichkeit hätte, die Spiele in bewegten Bildern zu verfolgen. Leider scheint es so zu sein, dass es diese Möglichkeit in Deutschland nicht gibt, jedenfalls nicht hundertprozentig legal und ohne technischen Aufwand. Die Spiele werden zwar auf mlb.tv übertragen, sind aber nur innerhalb der USA verfügbar. Durch Einsatz eines Proxy-Anbieters kann man diese Einschränkung vermutlich umgehen, allerdings riskiert man dadurch möglicherweise eine Kündigung seitens mlb.tv – ein Risiko, das ich für meinen Teil auf keinen Fall eingehen werde. Viel mehr als die Ergebnisse, Spielberichte und vielleicht Zusammenfassungen auf worlbaseballclassic.com zu verfolgen ist daher wohl leider nicht drin.

Kleiner Nachtrag hierzu: Immerhin kann man auf mlb.tv als Nutzer aus Deutschland ab ca. 90 Minuten nach dem Ende jedes Spiels auf die Aufzeichnung zugreifen.

Und noch ein Nachtrag: Der angekündigte Zugriff 90 Minuten nach dem Spiel scheint bislang nicht zu funktionieren. Aber es gibt Livestreams über die Facebookseite des Turniers.

Posted in Baseball international, MLB, Preview Tagged with: ,

September 18th, 2016 by Dominik

Herzliche Glückwünsche an die Niederlande zum verdienten Gewinn der Europameisterschaft im Baseball. Im heutigen Finale wurde Spanien in zehn Innings mit 3:2 besiegt und damit ein dominantes Turnier der Gastgeber gekrönt, die jedes einzelne ihrer Spiele gewonnen haben. Hier findet sich die komplette Abschlusstabelle der EM.

Für Deutschland hat es zwar erwartungsgemäß nicht zum ganz großen Wurf gereicht, aber das Turnier als Vierter abzuschließen, ist auf jeden Fall ein Erfolg. Man kann sagen, Deutschland ist Erster in Leistungsgruppe 2 geworden, denn Italien, Spanien und die Niederlande sind derzeit in Europa offensichtlich eine Klasse für sich, an der es kein Vorbeikommen gibt. Entsprechend eindeutig fielen die deutschen Ergebnisse gegen diese Teams aus: Gegen die Niederlande unterlag man schon in der Vorrunde 2:10, in der Hauptrunde setzte es gegen Italien ein 0:12 und gegen Spanien ein 0:3. Letzteres war eine extrem interessante und vor allem in Sachen Pitching hochklassige Partie. Bis kurz vor Ende des sechsten Innings hatte ein beidseitiger No-Hitter Bestand, bevor Engel Beltre den Bann brach und den ersten von letztlich vier spanischen Hits in diesem Spiel erzielte. Ein 3-Run-Homerun von Jesus Martinez im achten Inning brachte schließlich die Entscheidung, während Deutschland über die vollen neun Innings ohne Hit blieb. Ist ja auch irgendwie unfair, wenn der Gegner Jesus und einen Engel auf seiner Seite hat… 😉

Alle anderen Spiele gewannen die Deutschen, darunter den im letzten Artikel geschilderten 3:1-Nailbiter gegen Tschechien und einen überraschend deutlichen 14:2-Blowout in sechseinhalb Innings gegen Belgien. Um mal ein paar Namen fallen zu lassen: Der überragende Akteur der deutschen Nationalmannschaft war Pitcher Enorbel Marquez, der in 16 Innings nur vier Hits und einen Run zugelassen hat. Angesichts dieser Leistung ist es kaum zu glauben, dass der ehemalige Solinger dieses Jahr für die Berlin Flamingos nur in der zweiten deutschen Liga gespielt hat. In der Offense überzeugten vor allem der Heidenheimer Catcher Simon Gühring mit einer Slashline von .407/.484/.481 sowie der Bonner Outfielder Eric Brenk mit .370/.400/.681, dessen 8 RBI gleichauf mit dem Mainzer 1B/DH Max Boldt (.276/.294/.345) das Team anführen. 

Für Boldt und seine Mainzer Teamkameraden gilt es nun ebenso wie für die Regensburger Nationalspieler, bis zum nächsten Wochenende die mentale und körperliche Frische wiederherzustellen, die für die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft nötig ist. Am Samstag um 14 Uhr geht es los, eine ausführliche Vorschau von mir wird es im Laufe der Woche geben.

Für zwei Teams endete die Europameisterschaft sehr bitter, denn Platz elf und zwölf für Russland und Griechenland bedeutet, dass die beiden in den B-Pool absteigen und sich in dem entsprechenden Turnier nächstes Jahr um eine Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 bemühen müssen, während der Rest des Feldes automatisch wieder dabei sein wird.

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international Tagged with: , , , , , , , , ,

September 13th, 2016 by Dominik

Das ist mal wieder typisch: Genau während ich meinen gestrigen Artikel veröffentlicht und mich darin über zu wenig Spannung und Überrschungen beklagt habe, fanden die drei spannendsten und/oder überraschendsten Spiele des bisherigen EM-Turniers statt. Der Reihe nach: Zunächst tat sich Schweden unerwartet schwer gegen Großbritannien. Aus einer 5:0-Führung für die Skandinavier wurde ein 5:5 und das Spiel ging in die Extra-Innings, bevor die Schweden es schließlich mit 9:6 gewannen. Es war das erste Spiel des Turniers, bei dem eine Verlängerung nötig war und bei dem deshalb die Regel griff, dass ab dem zehnten Inning jedes Team mit Runnern auf der ersten und zweiten Base startet.

Eine halbe Stunde später begann das Parallelspiel von Mitfavorit Italien gegen Spanien, bei dem es die erste faustdicke Überraschung setzte: Spanien zeigte sich unerwarteterweise acht Innings lang als ebenbürtiger Gegner und explodierte dann förmlich im neunten Inning mit fünf Runs, um Italien 8:3 zu schlagen. Oscar Angulo gelang dabei ein sehenswerter Drei-Run-Homer, den er mit einem ebenso sehenswerten Batflip feierte. Schaut ihn euch hier an.

Ebenfalls parallel zu den beiden vorgenannten Spielen trafen Belgien und Frankreich aufeinander und dieses Spiel war nie spannend, aber dafür sehr überraschend, denn den klaren 14:3-Sieg von Belgien hatte wohl niemand erwartet.

Am heutigen letzten Vorrundenspieltag waren nur noch zwei Entscheidungen zu treffen: zum einen die über den dritten Teilnehmer an der Hauptrunde aus Gruppe B, wobei Belgien durch Frankreichs erwartbare 0:6-Niederlage gegen Spanien bereits durch war, bevor das eigene Spiel gegen Griechenland (18:1) überhaupt angefangen hatte. Zum anderen spielten Deutschland und Tschechien Platz zwei in Gruppe A unter sich aus. Beide waren zwar bereits für die Hauptrunde qualifiziert, aber das Spiel war trotzdem sehr wichtig, da die Hauptrundenreilnehmer die gegeneinander erzielten Punkte aus der Vorrunde mitnehmen.

Die Partie zwischen Deutschland und Tschechien war von großartigem Pitching und ebenso starker Defense geprägt. Die Starter Enorbel Marquez (Deutschland) und Radim Chroust (Tschechien) trugen einen beidseitigen Shutout mit jeweils nur drei erlaubten Hits bis ins achte Inning hinein. Der erste Knackpunkt kam in der unteren Hälfte des achten Innings: Marquez erlaubte dem Leadoff-Hitter Petr Zyma einen Double und wurde nach nur 73 Pitches gegen Tim Stahlmann ausgewechselt. Leider fand Stahlmann nicht ins Spiel und musste seinerseits nach nur drei At-Bats – einem Walk, einem Sac-Fly und einem intentional Walk – bei geladenen Bases Platz für Max Schmitz machen. Dem erging es zunächst nicht besser, er erlaubte einen weiteren Walk und damit das 1:0 für Tschechien, bevor er das Inning mit zwei Strikeouts beenden konnte.

Das neunte Inning begann mit einem Strikeout gegen Marcel Jimenez und Deutschland war nur noch zwei Outs von der Niederlage entfernt. Doch unter großem Druck platzte endlich der Knoten in der deutschen Offense und durch Basehits von Simon Gühring, Max Boldt, Christopher Howard, Eric Brenk und Jendrik Speer sowie einen Walk von Ludwig Glaser kamen drei Runs über die Platte zum 3:1-Endstand, den Schmitz durch ein perfekt gepitchtes Schlussinning für sein Team festhielt.

Morgen findet in Hoofddorp nur ein einziges Spiel statt. Frankreich und Schweden wetteifern ab 14:30 Uhr um Platz sieben und damit ist für sie das Turnier beendet. Von Donnerstag bis Samstag finden dann die Spiele der Meisterschafts- und der Abstiegsrunde statt, bevor am Sonntag das Finale zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunde ansteht. Das nächste Spiel der Deutschen steigt am Donnerstag um 15 Uhr gegen Italien. Wie alle Deutschland-Spiele kann man sich die Partie live auf meinsportradio.de anhören.

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international Tagged with: , , , , , , , , ,

September 12th, 2016 by Dominik

Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten (dazu später mehr) verfolge ich aufmerksam die Baseball-EM im niederländischen Hoofddorp. Nach den ersten zweieinhalb Spieltagen war ich relativ enttäuscht, weil sämtliche Spielverläufe und –resultate sehr vorhersehbar ausfielen: In jeder der beiden Gruppen gibt es mit den Niederlanden respektive Italien ein quasi unschlagbares Team, dahinter je zwei Teams, die mit diesen beiden nicht mithalten können, allen anderen jedoch ebenfalls klar überlegen sind. Das führte dazu, dass die Spiele von Freitag bis Sonntagmittag mehr oder weniger komplett frei von jeder Spannung waren und allesamt den ohne hellseherische Fähigkeiten erwartbaren Ausgang nahmen – Deutschlands Sieg gegen Schweden und die Niederlage gegen die Niederlande eingeschlossen.

Seit gestern Nachmittag hat sich das zum Glück etwas geändert: Sowohl das Spiel von Deutschland gegen Großbritannien (3:2) als auch das der Niederlande gegen Russland (3:1) endeten zwar letztlich mit Favoritensiegen, doch diese fielen deutlich knapper aus als erwartet und man hatte erstmals das Gefühl, dass in diesem Turnier auch mal eine Überraschung möglich ist. Hinzu kommt, dass die Ersteller des Spielplans es offenbar gezielt darauf abgesehen haben, die Spannung im Laufe der Vorrunde zu steigern: Heute treffen bei den Partien Italien – Spanien und Niederlande – Tschechien die beiden Favoriten auf ihre mutmaßlich ernsthaftesten Verfolger, morgen folgen mit Spanien – Frankreich und Deutschland – Tschechien vermutlich direkte Endspiele um Platz zwei in jeder Gruppe. So nimmt das Turnier langsam Fahrt auf und spätestens wenn nach dem morgigen Ende der Vorrunde das Teilnehmerfeld in eine Meisterschafts- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt wird, dürfte es mit der Langeweile der ersten Tage vorbei sein.

Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Einzug in die Meisterschaftsrunde übrigens seit heute sicher, von Platz drei in Gruppe A dürfte sie auch bei ungünstigstem Verlauf der restlichen Vorrunde nicht mehr zu verdrängen sein.

Zwei Dinge möchte ich noch ansprechen: zum einen dass der Mainzer 1B/DH Max Boldt ein überragendes Turnier spielt. Von neun Runs, die die Deutschen in den ersten drei Spielen erzielten, gingen fünf auf das RBI-Konto von Boldt, einen weiteren brachte er selbst zur Platte. Damit war er der Motor, der die Offensive seines Teams am Laufen hielt, bevor sich heute gegen Russland die gesamte Mannschaft in Schlaglaune zeigte und mit 16 Runs in sechs Innings so explodierte, dass das Spiel per Mercy Rule beim Stand von 16:4 beendet wurde – dabei gingen drei weitere RBI und ein Run von Max Boldt aus.

Zum anderen möchte ich noch mal erwähnen, auf welchen Wegen man die Spiele der EM verfolgen kann: Einen Videostream gibt es nicht, lediglich die Spiele der Gastgeber und das Finale werden von einem niederländischen Bezahlsender gezeigt. Es gibt aber einen hervorragenden englischsprachigen Radiostream auf meinsportradio.de und zwar für alle Spiele von Deutschland und täglich ein weiteres Spiel. Von diesen Spielen werden im Nachhinein auch Highlightvideos auf eurobaseballtv.com bereit gestellt. Alle Spiele kann man im Liveticker auf der Turnier-Homepage verfolgen. Und dann gibt es noch täglich am späten Abend einen ca. halbstündigen deutschsprachigen Podcast von justbaseball.de mit vielen Informationen und Interviews, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international Tagged with: , , , ,

September 6th, 2016 by Dominik

Am Freitag geht es los mit der Baseball-Europameisterschaft im niederländischen Hoofddorp. In einem zehntägigen Turnier spielen dann zwölf Nationalmannschaften den Titel unter sich aus. Auch die deutsche Mannschaft ist dabei und hofft, eine ordentliche Rolle spielen zu können. Die Favoriten sind aber andere: Das Turnier wurde bislang 33-mal ausgetragen und mit Spanien 1955 und Belgien 1967 gab es nur zweimal einen Titelträger, der nicht Italien oder Niederlande hieß. Die restlichen Titel teilten die beiden Großen des europäischen Baseballs unter sich auf, 21 gingen an die Niederlande und 10 an Italien. Auch dieses Mal wäre es schon eine massive Überraschung, wenn jemand anderes ins Finale vorstößt als diese beiden.

Der Turniermodus funktioniert etwas anders als man ihn beispielsweise von der Fußball-EM oder aus den Playoffs der MLB oder der Baseball-Bundesliga kennt: Zwar gibt es auch bei der Baseball-EM zunächst eine Vorrunde, die in zwei Gruppen á sechs Mannschaften abläuft und in der je Gruppe jeder einmal gegen jeden spielt. Danach gibt es aber keine K.O.-Runde sondern eine neue Gruppenaufteilung in eine Meisterschaftsgruppe, bestehend aus den ersten drei Teams jeder Vorrundengruppe, sowie in eine Abstiegsrunde, in der die Fünft- und Sechstplatzierten antreten. Innerhalb dieser neuen Gruppen spielen nur die Teams gegeneinander, die nicht schon in der Vorrunde aufeinander getroffen sind. Nur für die Viertplatzierten der beiden Vorrundengruppen endet das Turnier frühzeitig: Sie spielen nach der Vorrunde noch Platz sieben gegeneinander aus und müssen dann nach Hause fahren. Ganz am Schluss, am 9. September, gibt es ein echtes Endspiel, in dem der Erste gegen den Zweiten der Meisterschaftsgruppe antritt. Auf der Wikipedia-Seite des Turniers kann man sich das alles übersichtlich anschauen.

Das deutsche Team hat die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten: Am Freitag um 11 Uhr vormittags beginnt die EM mit der Partie Deutschland gegen Schweden. Das Minimalziel für die deutsche Mannschaft dürfte darin bestehen, es auf Platz drei ihrer Gruppe und damit in die Meisterschaftsrunde zu schaffen. Das ist ein realistisches Ziel: In Gruppe A gibt es mit Rekordmeister und Gastgeber Niederlande einen großen Favoriten, dahinter kann man wohl Tschechien und Deutschland als ungefähr gleich stark einstufen, während Großbritannien, Russland und Schweden die Gegner sind, gegen die Gewinnen quasi Pflicht ist. In Gruppe B ist natürlich Italien favorisiert, dahinter könnte es zwischen Spanien, Belgien und Frankreich spannend werden, während Griechenland und Kroatien wohl eher in Richtung Abstiegsrunde blicken müssen.

Zur Vorbereitung auf das Turnier gab es in den letzten Tagen schon einige Freundschaftsspiele und Vorturniere. Deutschland spielte bei der Yoshida Challenge mit und zeigte sich bereits in guter Form mit zwei Siegen gegen Frankreich, einem Sieg gegen ein internationales Auswahlteam sowie einer deutlichen und einer nur knappen Niederlage gegen die Niederlande. Die Vorbereitungsspiele sollte man aber nicht zu sehr als Gradmesser für die EM ansehen, denn die Roster der Mannschaften waren noch nicht komplett; unter anderem fehlten noch fast alle in Amerika aktiven Spieler.

Neben dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bin ich gespannt, welche anderen Stars der Baseball-Bundesliga dem Turnier ihren Stempel aufdrücken können; infrage kommen dafür beispielsweise die beiden Mainzer Offensivwaffen Thomas de Wolf (Belgien) und Peter Johanessen (Schweden) oder die Regensburger Pitcher Jan Tomek (Tschechien) und Mike Bolsenbroek (Niederlande), um nur ein paar zu nennen.

Zum anderen ziehen natürlich immer vor allem die Akteure erhöhte Aufmerksamkeit auf sich, die schon mal MLB-Erfahrung gesammelt haben oder aber auf dem Sprung dorthin stehen. Aktuelle Major Leaguer wie Didi Gregorius, Jonathan Schoop, Xander Bogaerts (alle Niederlande) oder Max Kepler (Deutschland) wird man natürlich vergeblich suchen, schließlich läuft die MLB-Saison auf Hochtouren und geht in jedem Fall vor. Dabei sein werden aber einige Minor Leaguer, darunter voraussichtlich die Catcher Chris Berset (Großbritannien, AAA-Reds) und Andy Paz (Frankreich, AA-Athletics). Ob auch die deutschen MiLB-Hoffnungen Donald Lutz, Nadir Ljatifi und Sven Schüller anreisen werden, konnte ich bisher leider nicht herausfinden, der DBV hat das endgültige Roster noch nicht bekannt gegeben.* Den Träger des größten Namens wird man abseits des Spielfeldes antreffen: Trot Nixon, der zehn Jahre lang in der MLB spielte und entscheidenden Anteil am Gewinn der World Series 2004 durch die Red Sox hatte, fungiert als Bench Coach der tschechischen Mannschaft.

Bewegte Livebilder wird es von der EM meines Wissens leider nicht geben, aber immerhin wird meinsportradio.de zwei Spiele täglich (darunter alle Spiele der Deutschen) zum Hören anbieten mit englischsprachigem Kommentar von Tim Collins und Ty Eriksen. Außerdem sind Axel und Andreas von meinem Lieblingspodcast Just Baseball vor Ort und planen, täglich eine Sendung aufzunehmen. Ich freue mich darauf.

 

*Update: Der Kader der deutschen Nationalmannschaft wurde nun bekanntgegeben. Ljatifi und Schüller sind dabei, Lutz verletzungsbedingt nicht, Markus Solbach kommt vielleicht während des Turniers noch dazu.

Posted in Baseball in Deutschland, Baseball international Tagged with: , , , ,