Category: Baseball international

Dezember 12th, 2017 by Dominik

Die Baseball-Weltreise geht weiter: Nach Australien, wo Baseball eher ein randständiges Dasein führt, kommen wir heute in eine Region, in der die Sportart einen ähnlich hohen Stellenwert genießt wie in den USA, Japan und Südkorea. Man könnte problemlos über jedes heute thematisierte Land einen eigenen Artikel zur Baseball-Kultur schreiben, aber das würde leider den zeitlichen Rahmen sprengen, den ich für diese Serie aufbringen kann. Daher konzentriere ich mich heute auf das Wesentliche aus den fünf wichtigsten Baseball-Ländern im karibischen Raum.

Lange Baseball-Tradition
Die Popularität des Baseballs ist ein deutliches Zeugnis für den US-amerikanischen kulturellen Einfluss auf die Region rund um das karibische Meer. Das gilt nicht nur für das US-Außengebiet Puerto Rico und die eng mit den USA befreundete Dominikanische Republik, sondern auch für Staaten wie Kuba und Venezuela, die den USA seit einigen Jahrzehnten politisch reserviert bis feindselig gegenüber stehen. In allen genannten Staaten wurde Baseball schon um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert herum eingeführt und ist heute die Sportart Nummer eins. Auch in Mexiko ist Baseball sehr beliebt, wenngleich dort der Fußball noch erfolgreicher ist.

Finale des WBC 2013 zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico1

In der Weltrangliste der WBSC werden die Nationalmannschaften der erwähnten Länder zwischen Platz fünf (Kuba) und sechzehn (Dominikanische Republik) geführt. Dass die Dominikanische Republik so weit unten steht, wundert mich etwas, denn die Mannschaft hat 2013 die Weltmeisterschaft World Baseball Classic gewonnen und kam auch 2017 in die Runde der besten acht. Die großen Erfolge von Kuba liegen schon etwas länger zurück, unter anderem gewann man dreimal die Olympischen Spiele (zuletzt 2004) und 25-mal den heute nicht mehr existierenden Baseball World Cup (zuletzt 2005). In den beiden jüngsten WBC-Turnieren enttäuschte Kuba, verlor jeweils gegen die Niederlande und 2017 auch gegen Israel. Puerto Rico – in der Weltrangliste auf Platz acht – wurde sowohl 2013 als auch 2017 Vizeweltmeister.

Baseball in Mexiko
In Mexiko gibt es schon seit 1925 Profi-Ligen und heute existieren sogar zwei ungefähr gleich bedeutende Ligen nebeneinander. Das warme Klima macht es möglich, dass Baseball in Mexiko quasi ganzjährig gespielt wird. Der Sommer gehört der Liga Mexicana de Béisbol (LMB) mit aktuell 16 Teams, die sich in eine Nord- und eine Süddivison aufteilen. Die LMB ist von der MLB offiziell als Minor-League auf AAA-Niveau anerkannt, die Teams sind aber im Gegensatz zu den anderen AAA-Ligen unabhängig von MLB-Franchises. Die reguläre Saison von Ende März bis August umfasst üblicherweise 111 Spiele je Team. Anschließend wird in drei Playoffrunden von Mitte August bis Mitte September, jeweils im Modus Best of Seven, die Meisterschaft ausgespielt. Rekordmeister der LMB sind die Diablos Rojos del México aus Mexiko-Stadt, aktueller Meister sind zum ersten Mal die Toros de Tijuana.

In den Wintermonaten von Oktober bis Januar verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Liga Mexicana del Pacífico (LMP oder MexPac), in der acht Teams – fast alle aus Städten der mexikanischen Westküste – um die Meisterschaft wetteifern.  Die reguläre Saison der LMP umfasst 68 Spiele je Team, bevor sich auch hier drei Best-of-Seven-Playoff-Runden anschließen. Die Naranjeros de Hermosillo sind 13-maliger Titelträger, 2017 holten sich die Águilas de Mexicali ihre vierte Meisterschaft. Der Champion der LMP vertritt Mexiko in der Serie del Caribe (siehe unten).

Baseball in Venzuela
Bis 2015 gab es auch in Venezuela eine Sommer- und eine Winterliga, doch dann stellte die Venezuelan Summer League (VSL) den Spielbetrieb ein – vor allem, weil die MLB ihr wegen der politischen und wirtschaftlichen Instabilität im Land die Unterstützung entzogen hatte. Somit beschränkt sich das Angebot an professionellem Baseball nurmehr auf die Liga Venezolana de Béisbol Profesional (LVBP), welche in diesem Jahr ebenfalls auf der Kippe stand und nur durch eine staatliche Finanzspritze am Leben erhalten werden konnte. Acht Teams spielen von Oktober bis Dezember in je 63 Spielen die sechs Teilnehmer und die Setzliste für die Playoffs aus. Die Postseason besteht aus drei Runden, die jeweils als Best of Seven ausgetragen werden. Der Champion nimmt an der Serie del Caribe teil. Das historisch dominierende Team sind die Leones del Caracas mit 20 nationalen Titeln, deren bislang letzter von 2010 datiert. Die Meisterschaft 2017 holten die Águilas del Zulia aus Maracaibo.

Baseball in der Dominikanischen Republik
Die Profiliga der Dominikanischen Republik, die Liga de Béisbol Profesional de la República Dominicana (LIDOM), ist ebenfalls eine Winterliga. Sechs Teams spielen von Mitte Oktober bis Ende Dezember die reguläre Saison mit 50 Spielen, anschließend findet unter den besten vier Teams eine weitere Gruppenrunde mit jeweils 18 Spielen statt. Die beiden besten Mannschaften spielen dann schließlich eine Finalserie im Modus Best of Nine aus. Die drei großen Teams, die fast alle Titel unter sich aufteilen, sind der amtierende und Rekordmeister Tigres del Licey (22 Meisterschaften) aus Santo Domingo, die Águilas Cibaeñas (20) aus Santiago sowie die Leones del Escogido (16), ebenfalls aus Santo Domingo.

Baseball in Puerto Rico
Auch in Puerto Rico ist die wichtigste Spielklasse eine professionelle Winterliga, die nach dem puerto-ricanischen Hall of Famer benannte Liga de Béisbol Profesional Roberto Clemente (LBPRC). Den Namen trägt die Liga erst seit 2012, sie besteht aber schon seit 1938. Aktuell umfasst die LBPRC fünf Teams, die normalerweise je 40 Spiele in der regulären Saison und anschließend zwei Playoffrunden absolvieren – eine Halbfinalrunde mit Best-of-Seven-Serien und ein Finale nach dem Modus Best of Nine. Ich schreibe „normalerweise“, denn normal ist in Puerto Rico dieses Jahr nach dem verheerenden Werk des Hurrikans Maria im September leider gar nichts. Es stand im Raum, die Baseballsaison für dieses Jahr ganz abzusagen, doch schließlich entschied man sich für eine verkürzte Saison im Januar 2018. Der Sieger wird wie üblich an der Serie del Caribe teilnehmen und dort versuchen, den Titel zu verteidigen, den Anfang 2017 die Criollos de Caguas nach Puerto Rico geholt hatten.

Baseball in Kuba
Im sozialistischen Kuba gibt es seit 1962 grundsätzlich keinen Profisport. So ist jedenfalls die offizielle Sprachregelung, wobei die Spitzensportler als sogenannte Staatsamateure durchaus gewisse Privilegien genießen und keiner zusätzlichen geregelten Beschäftigung nachgehen müssen. Das Einkommensgefälle zwischen Top-Spielern in Kuba und solchen im Ausland ist dennoch enorm und daher ist es seit Langem an der Tagesordnung, dass viele Sportler ihr Glück außer Landes suchen – selten mit, meistens ohne Zustimmung ihrer Heimatstaates.

Von den USA hielten sie nicht viel, aber Baseball liebten auch die kubanischen Revolutionäre Camilo Cienfuegos und Fidel Castro2

Kuba unterhält ein recht umfangreiches Ligasystem, an dessen Spitze die Serie Nacional de Béisbol (SNB) steht. In der SNB sind 16 Teams aktiv, eines aus jeder Provinz Kubas. Die Spieler treten üblicherweise für das Team der Provinz an, in der sie geboren wurden bzw. in der sie wohnen; es gibt keine ausländischen Spieler und kein Transfersystem, wie wir es aus den Ligen anderer Länder kennen. Gespielt wird von November bis März oder April eine 90 Spiele umfassende reguläre Saison, an die sich drei Playoff-Runden anschließen.

In den Monaten Mai bis Juli findet in Kuba die Súper Liga statt, eine Art All-Star-Turnier, in dem die besten Spieler der 16 SNB-Teams in fünf Regionalteams zusammengefasst werden uvd eine Runde von je 28 Spielen je Team absolvieren. Die beiden besten Mannschaften spielen am Ende ein Best-of-Three-Finale. Die Súper Liga dient gleichzeitig der Bewerbung für das Nationalteam, in das nur Spieler gewählt werden, die an der Liga teilgenommen haben.

Die Serie del Caribe
In den fünf Ländern, die ich heute vorgestellt habe, wird Baseball auf ungefähr gleich hohem Niveau gespielt. Entsprechend spannend ist die jährlich im Februar stattfindende Veranstaltung, bei der die fünf Landesmeister ihre Kräfte messen: die Serie del Caribe oder auf englisch die Caribbean Series. Das Turnier gibt es – mit Unterbrechungen und wechselndem Teilnehmerkreis – seit 1949. In der Regel wird es in jährlichem Wechsel in den teilnehmenden Staaten ausgetragen, wobei Kuba seit seiner Wiederaufnahme ins Turnier 2014 bislang als Gastgeber außen vor bleibt und wegen der schwierigen Lage in Venezuela 2018 stattdessen die Serie zum zweiten Mal hintereinander in Mexiko gastieren wird. Bei der Serie del Caribe spielt zunächst jeder gegen jeden, anschließend finden in jeweils einzelnen Spielen die Halbfinals und das Finale statt. Die Teams aus der Dominikanischen Republik haben, obwohl sie erst seit 1970 bei der Serie del Caribe dabei sind, mit 19 Titeln bislang am häufigsten gewonnen. In den letzten sieben Turnieren war viermal das Team aus Mexiko siegreich.

Berühmte Spieler aus der Karibik
Für die bisher in dieser Serie vorgestellten Länder ist die Lage recht überschaubar: Es gab jeweils nur ein paar Spieler, die es zu Erfolgen in der MLB gebracht haben. Für die fünf Staaten, um die es heute geht, sieht es komplett anders aus: Jedes von ihnen hat bereits eine deutlich dreistellige Zahl von MLB-Spielern hervor gebracht, darunter eine Menge absoluter Top-Stars. Durch die geographische Nähe und die enge Kooperation zwischen der MLB und den nationalen Baseballorganisationen ist der Weg aus den karibischen Ligen in die US-Majors – entsprechendes Talent vorausgesetzt – weit offen. Roberto Clemente, Carlos Beltrán und Iván Rodríguez aus Puerto Rico, Luis Aparicio, Miguel Cabrera und José Altuve aus Venezuela, Fernando Valenzuela, Bobby Avila und Vinny Castilla aus Mexiko, Vladimir Guerrero, Pedro Martinez und David Ortíz aus der Dominikanischen Republik, Tony Perez, Aroldis Chapman und Yoenis Céspedes aus Kuba – das sind nur drei große Namen aus jedem der Länder und es fällt mir nicht einfach, es dabei zu belassen.

Teamkameraden beim World-Series-Champion Houston Astros: José Altuve (Venezuela) und Yulieski Gurriel (Kuba)3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: LiAnna Davis (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Unbekannt (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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Dezember 5th, 2017 by Dominik

Nach drei Folgen aus Asien führt uns die Baseball-Weltreise diese Woche noch ein Stück weiter weg, nämlich nach Australien. Dort beginnt gerade der Sommer und die Baseball-Saison ist in vollem Gange.

Keine Chance gegen Cricket
Wie in den meisten Staaten des britischen Commonwealth hat es Baseball in Australien schon allein deshalb schwer, weil mit Cricket eine eng verwandte Sportart sich großer Popularität erfreut. Auch Fußball, Rugby, Australian Football und Feldhockey sind sehr beliebt, sodass für Baseball nur eine recht schmale Nische im Herzen der sportbegeisterten Australier bleibt.

Dabei blickt der Baseball „down under“ durchaus schon auf eine lange Geschichte zurück: Bereits in den 1850er Jahren wurde in Victoria – vor allem von im Goldrausch zugewanderten Amerikanern – organisiert Baseball gespielt und 1897 war erstmals ein australisches Team auf einer Spieltour quer durch die USA unterwegs. Seit 1934 – mit ein paar Unterbrechungen und unter wechselnden Namen – gibt es landesweite Baseball-Ligen in Australien. Traditionell wurde Baseball in Australien als Wintersport angesehen, geschuldet dem Umstand, dass in dieser Jahreszeit die Cricket-Felder frei waren und viele Cricket-Spieler Baseball nutzten, um sich während der Spielpause ihrer Stammsportart fit zu halten. Inzwischen hat Baseball sich soweit vom Cricket emanzipiert, dass man in eigenen Ballparks spielt und zwar hauptsächlich im (australischen) Sommer.

Das Baseball-Team aus Fitzroy im Jahr 18891

Das australische Nationalteam steht in der Weltrangliste der WBSC auf Platz sieben. Nachdem es bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic 2013 noch den letzten Platz unter 16 Teilnehmern setzte, schieden die Australier 2017 zwar ebenfalls in der ersten Runde aus, schlugen sich aber erstaunlich gut in einer schweren Gruppe: Gegen China gab es einen 11:0-Sieg, gegen Kuba (3:4) und Japan (1:4) unterlag man überraschend knapp. Erfolgreicher als die Männer ist das Frauen-Nationalteam, das in der Weltrangliste auf Platz vier steht und seine größten Erfolge mit Rang zwei bzw. drei bei den Weltmeisterschaften 2010 und 2014 feierte.

Die Australian Baseball League
Die Australian Baseball League (ABL) besteht in ihrer heutigen Form seit 2010 und umfasst die sechs auf der unten stehenden Karte zu sehenden Teams. Es handelt sich um eine Profiliga, wobei niemand von dem Geld, das er in der ABL verdient, reich wird. Die Liga wurde unter massivem Engagement der MLB aufgebaut, die bis 2016 75% der Anteile an der Organisation hielt. Inzwischen ist die Liga zu 100% in der Hand von Baseball Australia, doch die Kooperation mit der MLB ist nach wie vor sehr eng. Für sie ist der Standort Australien nicht nur wegen der potenziellen Fanbasis attraktiv sondern vor allem wegen des Wetters: Fast die Hälfte der Spieler, die in der von November bis Februar dauernden Saison aktiv sind, sind amerikanische Minor Leaguer, die auf diese Art Spielpraxis sammeln sollen, während der Baseball in der Heimat sich im Winterschlaf befindet. Auch deutsche Spieler zieht es aus diesem Grund – und wegen der Anwesenheit von MLB-Scouts – immer wieder nach down under. Derzeit ist zum Beispiel Clayton Freimuth, der vor kurzem noch im Finale um die Deutsche Meisterschaft für die Heidenheim Heideköpfe brillierte, für die Sydney Blue Sox aktiv.

Standorte der ABL2

Während der regulären Saison werden meistens Vier-Spiele-Serien von Donnerstag bis Sonnntag gespielt, je eine auswärts und eine zu Hause gegen jede andere Mannschaft. Das macht insgesamt 40 Spiele je Team. Anschließend finden die Playoffs in zwei Runden statt: Im Halbfinale treffen das beste Team auf das viertbeste und zweitbeste auf das drittbeste, jeweils in einer Best-of-3-Serie, in der das besserplatzierte Team durchgängig Heimrecht hat. Im Finale wird ebenfalls Best-of-3 gespielt, wobei das besserplatzierte Team wählen darf, ob es entweder Spiel 1 oder die Spiele 2 und 3 zu Hause spielt. Rekordmeister ist Perth Heat, das vier der bislang sieben Meisterschaften gewonnen hat. Zuletzt waren zweimal hintereinander die Brisbane Bandits erfolgreich. Beide Teams sind auch dieses Jahr gut dabei, gemeinsam mit den Melbourne Aces.

Die Spiele der ABL zogen in der vergangenen Saison durchschnittlich 818 Zuschauer ins Stadion – das ist nicht viel, aber doch ganz beachtlich angesichts dessen, dass wegen der langen Reisewege selten in nennenswerter Zahl Auswärtsfans mit von der Partie sind. Nicht zuletzt deshalb werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Diese Übertragungen sind der ultimative Tipp für alle, die in der (bei uns) kalten Jahreszeit ihr Herz mit Live-Baseball aus sonnendurchfluteten Ballparks erwärmen möchten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

Baseball an australischen Universitäten
Die australischen Universitäten messen sich jedes Jahr Ende September eine Woche lang in den Australian Unversity Games in diversen Sportarten. Seit 2004 gehört auch Baseball regelmäßig dazu. 2017 waren neun Universitäten an dem Turnier beteiligt, das Finale gewann die Griffith University mit 9:7 gegen die Queensland University of Technology.

Berühmte Spieler aus Australien
Es gibt bisher noch keinen ganz großen Starspieler aus Australien, aber immerhin haben schon zahlreiche Aussies es zu einer MLB-Karriere gebracht. Der erste war Second Baseman Joe Quinn, der von 1884 bis 1901 für diverse MLB-Teams spielte. Erst 85 Jahre später schaffte wieder ein Australier den Sprung in die Major League, als Third Baseman Craig Shipley 1986 sein Debüt für die Los Angeles Dodgers gab. Inzwischen haben 33 Australier MLB-Erfahrungen gesammelt. Aktuell in der MLB aktiv sind die Pitcher Liam Hendriks (Oakland Athletics) und Warwick Saupold (Detroit Tigers).

Warwick Saupold auf dem Mound3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: Fitzroy Library Archives (Public Domain)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Dan027 (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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November 28th, 2017 by Dominik

In der Serie über Baseball in Ländern rund um den Globus bleiben wir zwar auch diese Woche in Asien, doch nach den Baseball-Nationen Japan und Korea ist heute mit China eher ein Baseball-Entwicklungsland an der Reihe. Ein ganzes Stück weiter als der große Nachbar ist Taiwan, dessen Status als unabhängiger Staat völkerrechtlich umstritten, aber im Prinzip Fakt ist. Das zeigt sich auch im Sport: Taiwan hat eine eigene Baseball-Liga und eine Nationalmannschaft. Im Gegensatz zu Festland-China hat die Insel auch schon MLB-Player hervorgebracht.

Einst verboten, jetzt zunehmend populär
Generell kann man sagen, dass China keine ausgeprägte Sportkultur hat, jedenfalls nicht im Hinblick auf das Ausüben von Mannschaftssportarten und auf Stadionbesuche – besondere Großereignisse wie die Olympischen Spiele mal ausgenommen. Die populärste Zuschauersportart ist Fußball, gefolgt von Basketball. Basketball ist übrigens ein interessantes Beispiel, wie schnell sich das Interesse an einem Sport entwickeln kann: Mit der Karriere von Yao Ming bei den Houston Rockets explodierte die Popularität von Basketball in China, Spielfelder und Teams schossen wie Pilze aus dem Boden und NBA-Übertragungen erzielten traumhafte Einschaltquoten. Man darf gespannt sein, ob der erste erfolgreiche chinesische MLB-Spieler einen ähnlichen Hype auslösen wird.

Das Wukesong Baseball Field während eines Spiels der MLB China Series 2008 zwischen den Padres und den Dodgers1

Aktuell gibt es in dem 1,4 Milliarden Einwohner starken Land jedenfalls nur rund 3.000 Baseball-Spieler, 50 Ballparks und ungefähr 500 Schulen mit Baseball-Mannschaften. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass Baseball in China eine Zeitlang verboten war. Zwar wurde schon – angestoßen von amerikanischen Missionaren – im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert Baseball in China gespielt, doch im Rahmen der kommunistischen Kulturrevolution verbot die Staatsführung unter Mao Zedong Anfang der 1960er Jahren die Sportart als Ausdruck westlicher Dekadenz. Ab 1975 war es wieder erlaubt, Baseball zu spielen, doch die Basis war erstmal weg. Gut 40 Jahre später scheint Baseball in China auf dem aufsteigenden Ast: Seit 2016 gibt es TV-Verträge über MLB-Übertragungen und es haben in den letzten Jahren einige Spieler den Sprung in die Minor Leagues geschafft.

Ungleich etablierter ist Baseball auf der Insel Taiwan. Ähnlich wie in Korea wurde die Sportart unter der einstigen japanischen Kolonialherrschaft populär und hat heute den Rang eines Nationalsports. Taiwan – oft unter dem Namenskompromiss „Chinese Taipei“ geführt – ist nach Japan und Korea die drittwichtigste Basis für Baseball außerhalb Amerikas.

Auch die taiwanesische Nationalmannschaft ist sehr erfolgreich: In der Weltrangliste der WBSC steht sie auf Platz vier, größte Erfolge waren Silber bei den Olympischen Spielen 1992 und Bronze 1984. Das chinesische Nationalteam steht in der Weltrangliste auf Platz 22. Ihr größter Erfolg war, dass sie beim World Baseball Classic 2009 in der ersten Runde 4:1 gegen Taiwan gewonnen haben.

Die China Baseball League
Chinas höchste Liga ist die China Baseball League, kurz: CBL. Dem eigenen Anspruch nach handelt es sich um eine Profiliga – ob und inwiefern die Spieler tatsächlich vom Baseball leben, konnte ich leider nicht sicher herausfinden. Die Struktur des Spielplans deutet jedenfalls eher auf einen Amateur- oder allenfalls Halbprofibetrieb hin, denn gespielt wird ausschließlich an den Wochenenden. Bislang fanden die Spiele von Ende Mai bis Anfang September statt, dieses Jahr wurde die Saison auf Juli bis Dezember verlegt.

Die Liga wurde 2002 gegründet, stellte 2012 aufgrund finanzieller Probleme den Spielbetrieb ein, nahm ihn aber 2014 wieder auf. Heut umfasst die CBL zehn Teams, davon sechs in Division 1 und vier in Division 2. Die Divisionen sind hierarchisch organisiert mit Auf- und Abstiegsregelung. Rekordmeister der CBL sind die Tianjin Lions mit bislang sechs Titeln. Gerne hätte ich hier eine englischsprachige Seite mit Resultaten und Nachrichten zur CBL verlinkt, doch leider bin ich nicht fündig geworden – aber vielleicht kann ja jemand von meinen Lesern chinesisch?

Chinese Professional Baseball League (Taiwan)
Der Name der Chinese Professional Baseball League (CPBL) birgt Verwechslungsgefahr – es handelt sich um die Liga Taiwans, das sich formal „Republik China“ nennt. Vor immerhin rund 5.500 Zuschauern im Schnitt wird hier seit 1989 professionell Baseball gespielt. Was professionell im dem Fall bedeutet, konnte ich zumindest in Bezug auf die in der CPBL beschäftigten ausländischen Spieler herausfinden: 5.000 bis 12.000 Euro im Monat beträgt das übliche Einkommen der meist aus den japanischen und amerikanischen Minor Leagues stammenden Gastspieler, von denen jedes Team bis zu vier im Kader haben darf.

Die CPBL umfasst derzeit nur vier Klubs, die aber ein recht umfangreiches Programm absolvieren: Die Saison dauert von März bis Oktober und endet in zweiründigen Playoffs. Durch die geringe Größe der Liga qualifizieren sich drei der vier Teams für die Playoffs, was die 120 Spiele je Team umfassende reguläre Saison leider ein bisschen abwertet. Die meisten Meisterschaften haben bislang die Uni-President 7-Eleven Lions mit neun Titeln ergattert, aktueller Champion sind die Lamigo Monkeys – an den Namen sieht man schon, dass ähnlich wie in Korea die Teams in der Regel in Firmenhand sind und dann auch so heißen.

Standorte der CPBL2

Leider wurde der taiwanesische Baseball in den 2000er Jahren mehrfach von Skandalen bezüglich abgesprochener Spielergebnisse erschüttert. Die Folgen davon waren die Schließung von zwei Teams, diverse Gefängsnisstrafen für Spieler und Funktionäre und schwindendes Zuschauerinteresse an der Liga.

Ergänzend zur „normalen“ CPBL-Saison gibt es in Taiwan im November und Dezember noch eine Winterliga mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung.

Berühmte Spieler aus China und Taiwan
Die Geschichte chinesischer MLB-Spieler ist schnell erzählt: Bisher gab es keine. Zwar wurden Harry Kingman (1914 für New York Yankees aktiv) und Austin Brice (Miami Marlins 2016, jetzt Cincinnati Reds) in China geboren, doch beide waren bzw. sind Kinder amerikanischer Eltern und zogen auch schon als Kind in die USA um. Es gibt jedoch inzwischen einige Chinesen in Minor-League-Teams und zumindest einer davon könnte bald den Sprung in die MLB schaffen: Xu Guiyuan, ein 21-jähriger First Baseman und Outfielder in der Organisation der Baltimore Orioles, wurde über eines der drei MLB Development Centers in China entdeckt und als erster Spieler über diesen Weg für die MLB verpflichtet. Das war, als Xu 13 Jahre alt war – nachdem er erst mit elf Jahren zum ersten Mal einen Baseball in der Hand hatte.

Wei-Yin Chen mit Taiwans Präsidentin Tsai Ing-Wen und Marlins-Trikot3

Taiwan hat auch in dieser Hinsicht die Nase vorn: Schon 2002 gab mit Chen Chin-Feng der erste Spieler aus dem Land sein MLB-Debüt. Der Outfielder war dreieinhalb Jahre lang bei den Los Angeles Dodgers aktiv, konnte sich allerdings nie etablieren (Batting Average von .091). Er kehrte schließlich zurück in die Heimat, wo er eine erfolgreiche CPBL-Karriere absolvierte. Inzwischen sind 14 Spieler aus Taiwan in der MLB zum Einsatz gekommen, fünf davon sind aktuell aktiv. Der erfolgreichste und bekannteste von ihnen ist Pitcher Wei-Yin Chen. Chen schaffte zunächst mit 19 Jahren den Sprung in die japanische NPB zu den Chunichi Dragons und wurde 2012 von den Baltimore Orioles verpflichtet. In Baltimore wurde er umgehend zum MLB-Starter und als nach der Saison 2015 sein Vertrag auslief, unterzeichnete er bei den Miami Marlins einen neuen über 80 Millionen Dollar und fünf Jahre. Den größten Teil der Saison 2017 verpasste Chen wegen einer Verletzung, ansonsten hatte er bisher aber eine erfolgreiche MLB-Karriere mit 144 Starts und einem ERA von 3.90.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Micah Sittig (CC BY-SA 2.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: 總統府 (CC BY-SA 2.0)

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November 21st, 2017 by Dominik

Nach dem Serienauftakt mit Japan bleibe ich bei meiner virtuellen Weltreise in der unmittelbaren Nachbarschaft und beschäftige mich mit der Rolle von Baseball in Korea. Der Schwerpunkt liegt dabei klar auf Südkorea, wo eine professionelle Liga existiert, die vom Niveau her nicht weit von der japanischen NPB entfernt ist.

Sportart Nummer 1
Baseball ist in Südkorea die beliebteste Sportart, jedenfalls wenn man nach den Zuschauerzahlen geht: Mit 8,4 Millionen Besuchen insgesamt und einem Zuschauerschnitt von 11.667 pro Spiel stellt die KBO-League die höchste Fußball-Liga K-League Classic mit 1,8 Millionen und einem Schnitt von 7.873 klar in den Schatten.

Es waren wahrscheinlich amerikanische Missionare, die ab 1905 nicht nur das Christentum sondern auch den Baseball in Korea verbreiteten. Durch die ab 1910 bestehende Kolonialherrschaft Japans wurde die Popularität des Sports noch gesteigert und als 1927 das jährliche japanische „Intercity Baseball Tournament“ startete, waren von Anfang an bis 1942 regelmäßig auch koreanische Städte dabei. 1940 und 1942 gewann Seoul sogar das Turnier. Professionelle Strukturen entstanden im südkoreanischen Baseball erst deutlich später als im japanischen oder amerikansichen: 1982 wurde die „Korea Baseball Championship“ gegründet, die erste und unter neuem Namen bis heute bestehende Profi-Liga des Landes.

Das südkoreanische Nationalteam ist eine etablierte Größe im internationalen Baseball. In der Weltrangliste der WBSC hält sich Südkorea sehr stabil auf dem dritten Platz hinter Japan und USA. Bei der Baseball-Weltmeisterschaft World Baseball Classic brachte das Team es 2006 auf den dritten und 2009 auf den zweiten Platz. Der größte Erfolg für den südkoreanischen Baseball war die Goldmedaille beim bislang letzten olympischen Baseball-Turnier 2008 in Peking.

Die KBO-League
Die Liga der Korean Baseball Organization – kurz: KBO-League – nahm 1982 mit sechs Teams den Spielbetrieb auf, nach mehreren Erweiterungen umfasst sie heute zehn Mannschaften. Die Namen der Klubs sind (außer für euch, liebe Fans der Buchbinder Legionäre) etwas gewöhnungsbedürftig, denn aus keinem davon geht hervor, in welcher Stadt das jeweilige Team beheimatet ist. Stattdessen benennen sich die Mannschaften nach den Konzernen, denen sie gehören oder denen sie die Namensrechte verkauft haben. Aktueller Champion sowie Rekordmeister mit bislang 11 Titeln sind die Kia Tigers aus Gwangju, jüngstes Team die 2015 eingestiegenen KT Wiz aus Suwon.

Standorte der KBO-League1

Angesichts der Größe der Liga kann die Struktur recht einfach gehalten werden: Es gibt keine Teilligen oder Divisionen, jede Mannschaft spielt 16 Spiele gegen jedes andere Team. So ergeben sich 144 Spiele pro Klub innerhalb der regulären Saison, welche genau wie in Japan und den USA von Ende März oder Anfang April bis Anfang Oktober dauert. Im Anschluss daran werden die Playoffs in einer Art Leitersystem ausgetragen: In der ersten Runde tritt der Tabellenfünfte gegen den Tabellenvierten an (Best of 3 mit einem Spiel Vorsprung für den Vierten); der Sieger trifft in der zweiten Runde auf den Tabellendritten (Best of 5); der Sieger dieser Serie spielt gegen den Tabellenzweiten (Best of 5); und schließlich spielt der Sieger dieser Runde im Modus Best of 7 die Korea Series gegen den Erstplatzierten der regulären Saison. Ich finde das System ganz interessant, nur dass der Tabellenerste drei Wochen lang spielfrei auf den Finalgegner warten muss, gefällt mir nicht.

Die Regeln der KBO-League entsprechen weitgehend denen der japanischen NPB. Der Hauptunterschied zur MLB besteht darin, dass in Südkorea wie in Japan ein Spiel unentschieden endet, wenn nach dem zwölften Inning (reguläre Saison) oder nach dem fünfzehnten Inning (Playoffs) kein Sieger ermittelt ist. Unentschiedene Playoffspiele werden wiederholt. Alle Spiele der KBO-League werden mit Designated Hitter durchgeführt. Die Teamroster bestehen aus 26 Spielern, darunter höchstens drei Ausländer, von denen wiederum nur zwei Pitcher sein dürfen. Kein Regelunterschied, aber ein fundamentaler Kulturunterschied zeigt sich bei der Art, wie ein Baseballspiel in Südkorea von den Zuschauern begleitet wird. Während wir aus USA und Deutschland eine eher entspannte Atmosphäre gewohnt sind, ist die Stimmung unter den koreanischen Baseballfans geprägt von durch Cheerleader angeleiteten Gesängen und Choreografien – und leider manchmal auch durch gewalttätige Auseinandersetzungen.

Baseball in Südkorea ist ein Zuschauer- und Stimmungsmagnet (hier: Stadion der Lotte Giants in Busan)2

Auffällig beim Blick auf die Statistiken ist, dass der südkoreanische Baseball etwas hitter-freundlicher zu sein scheint als der amerikanische. So lag zum Beispiel der durchschnittliche Batting Average der Liga 2017 bei .286, während er in der MLB nur .255 betrug. Auf der anderen Seite wiesen die Pitcher in der KBO-League einen durchschnittlichen ERA von 4.98 auf, die der MLB hingegen einen von 4.36.

Das Farmsystem der KBO-League besteht aus einer einzelnen Minor League, der KBO Futures League mit zwölf Teams.

Baseball außerhalb der Profiliga
Baseball ist auch in den Colleges und High Schools in Südkorea sehr populär. Die High Schools spielen diverse Turniere mit teilweise großem Zuschauerzuspruch aus. Das wichtigste dieser Turniere ist das Cheongryonggi, bei dem jährlich im Frühsommer in der Hauptstadt Seoul 27 Vertreter aus allen Regionen des Landes einen Champion ausspielen. Im Collegebereich zieht neben den regulären Meisterschaften vor allem die Rivalität der beiden Universitäten Yonsei und Korea hohe Aufmerksamkeit auf sich. Im sogenannten Ko-Yon-Turnier messen sich die beiden Hochschulen seit 1965 jährlich in fünf Disziplinen: Fußball, Eishockey, Basketball, Rugby und Baseball. Der enorm prestigeträchtige Sieg in dem Duell geht an die Universität, die die Mehrzahl der Wettkämpfe für sich entscheidet.

Berühmte Spieler aus Südkorea
Der erste Spieler, der 1994 den Sprung aus Korea in die MLB schaffte, ist bis heute der bekannteste: Der Pitcher Chan Ho Park überzeugte die Scouts der Los Angeles Dodgers so sehr, dass sie ihn im Alter von 20 Jahren direkt aus dem College in Seoul verpflichteten. Park hatte eine 17 Jahre dauernde, überwiegend erfolgreiche MLB-Karriere, deren sportliches Highlight eine Berufung ins All-Star-Team des Jahres 2001 war. Ihr finanzielles Highlight war ein für damalige Verhältnisse äußerst lukrativer Fünfjahresvertrag über 65 Millionen Dollar, den Park 2002 bei den Rangers unterschrieb – und den er mit seinen Leistungen in Texas leider nie rechtfertigen konnte.

Insgesamt haben es inzwischen 21 Südkoreaner in die MLB geschafft, sieben davon sind noch aktiv. Am längsten dabei ist Outfielder Shin-Soo Choo, der 2005 sein Debüt für die Mariners gab. Nach einem langen Aufenthalt in Cleveland und einem kurzen in Cincinnati spielt Choo seit 2014 bei den Texas Rangers. Für sie schlug er als erster Asiate überhaupt am 21. Juli 2015 gegen die Rockies einen Cycle. Choo hat mit Park gemeinsam, dass auch er den Vertragsabschluss seines Lebens – 130 Millionen Dollar für 7 Jahre – bei den Rangers erzielte.

Rob Refsnyder wurde bei den 21 südkoreanischen MLB-Spielern nicht mitgerechnet – ob er als Koreaner zu zählen ist, muss jeder für sich selbst definieren: Er wurde als Kind koreanischer Eltern in Seoul geboren, aber im Alter von fünf Jahren von einem Paar aus Kalifornien adoptiert. Refsnyder wuchs im amerikanischen Schul- und Collegesystem auf und wurde 2012 in der fünften Runde von den Yankees gedraftet. Der Second Baseman hatte sein MLB-Debüt 2015, wartet aber – zwischenzeitlich bei den Blue Jays und seit Neuestem bei den Indians – noch auf seinen Durchbruch.

Rob Refsnyder in Yankees-Uniform3

Definitiv kein Koreaner ist Eric Thames, den ich hier dennoch erwähnen möchte, weil es sich bei ihm um den wohl bekanntesten Re-Import aus Korea handelt. Der First Baseman konnte beim ersten Anlauf mit den Blue Jays und den Mariners 2011/2012 nicht in der MLB Fuß fassen und suchte schließlich 2014 sein Glück im fernen Osten. In Korea wurde er zum Starspieler, schlug in den drei Jahren dort 124 Homeruns sowie einen Average von .349 und erhielt 2015 sowohl den MVP-Award der KBO-League als auch einen Gold Glove. Zur Saison 2017 holten ihn die Milwaukee Brewers zurück in die MLB, wo er ein starkes Jahr (.247/.359/.518) als unumstrittener Starter auf 1B hatte und mit elf Homeruns im April gleich einen Teamrekord aufstellte.

Baseball in Nordkorea
Der Vollständigkeit halber möchte ich auch einen kurzen Blick in das „andere“ Korea werfen. Das kommunistische Nordkorea schottet sich auch in Sachen Sport recht konsequent von weiten Teilen der restlichen Welt ab und so ist über die Relevanz und die Organisation des Baseballs in diesem Land nicht viel herauszufinden. Sicher ist zumindest, dass Baseball in Nordkorea gespielt wird: Sporadisch hat schon mal ein nordkoreanisches Nationalteam an asiatischen Meisterschaften teilgenommen und Peter C. Bjarkman listet in seinem Buch „Diamonds Around the Globe“ von 2005 die nordkoreanischen Baseball-Meister der Jahre 1985 bis 2001 auf – es war übrigens in jedem dieser Jahre der Kigwancha Sports Club. Als Basketballstar Dennis Rodman 2013 zu Besuch bei Kim Jong Un war, haben sie gemeinsam ein Baseball-Spiel gesehen. Generell spielt Baseball aber wohl eine untergeordnete Rolle in dem Land. Das größte Stadion in Pyöngyang, das Kim-Il-Sung-Stadion, wurde einst als Baseballstadion angelegt. Das war aber 1926 unter japanischer Herrschaft und inzwischen wird das Bauwerk vor allem für Fußball und für den Einlauf des Pyöngyang-Marathons benutzt.

1Quelle: Wikipedia, Urheber: NordNordWest (CC BY-SA 3.0)

2Quelle: Wikimedia, Urheber: 히히히 (CC BY-SA 3.0)

3Quelle: Wikimedia, Urheber: Editosaurus (Public Domain)

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November 14th, 2017 by Dominik

Dieser Blog beschäftigt sich in erster Linie mit der MLB und der Baseball-Bundesliga und das wird auch so bleiben. Aber auch woanders in der Welt wird Baseball gespielt und es kann nicht schaden, mal einen interessierten Blick über den Tellerrand zu werfen. Genau das möchte ich in Form einer kleinen Serie tun – ab sofort für ungefähr den Rest des Jahres immer dienstags. Die Idee hatte ich schon länger und durch den von Kante geäußerten Wunsch fühle ich mich darin bestärkt, dieses Thema mal anzugehen. Den Anfang machen heute und nächste Woche die Ligen in Japan und Korea, da hierzu konkret Informationen gewünscht wurden. Aber auch die Karibik, Australien und ein, zwei europäische Länder werde ich mir anschauen und zum Abschluss der Serie gehe ich – um auch Jochens Wunsch zu erfüllen – auf internationale Turniere wie den WBC, die EM oder Olympia ein.

Nationalsport Baseball
Bei Sport in Japan denken viele in erster Linie an Kampfsportarten wie Sumoringen oder Judo. Tatsächlich ist Japan aber das Land mit der wohl am längsten und tiefsten verwurzelten Baseballtradition außerhalb Amerikas. Um es mit den Worten der japanischen Tourismusbehörde zu sagen:

Baseball is so popular in Japan that many fans are surprised to hear that Americans also consider it their „national sport.“

Die große Beliebtheit des Baseballsports zeigt sich auch an den Zuschauerzahlen der japanischen Profiliga NPB (Nippon Professional League): Die NPB ist weltweit direkt hinter der MLB die Liga mit den zweitmeisten jährlichen Stadionbesuchen – bezogen nicht nur auf Baseball sondern auf alle Sportarten. Natürlich liegt das nicht zuletzt daran, dass es im Baseball so viele Spiele gibt, aber auch vom Zuschauerdurchschnitt her ist die NPB mit rund 30.000 Besuchern je Spiel die beliebteste Sportliga Asiens und immerhin die siebtbeliebteste weltweit.

Eingeführt wurde Baseball in Japan im Jahr 1872 durch den amerikanischen Englisch-Professor Horace Wilson. Wilson setzte Baseball zuerst als ein Mittel zur körperlichen Ertüchtigung seiner Studenten ein, doch die Begeisterung für den Sport zog schnell weitere Kreise. Es entstanden zahlreiche Mannschaften sowohl für Erwachsene als auch an Schulen und Universitäten. Ab 1920 gab es die ersten Versuche, Profi-Teams zu etablieren, zunächst mit geringem Erfolg. Den Durchbruch schaffte der Greater Japan Tokyo Baseball Club, ein 1934 als All-Star-Team gegründeter Verein, aus dem später der bis heute erfolgreichste japanische Klub Yomiuri Giants wurde. Mit sechs anderen Teams gründeten die Giants 1936 die erste Profi-Liga, die Japanese Baseball League (JBL). Ihr folgte 1950 die NPB, indem die alte JBL in zwei Ligen geteilt und um sieben neue Teams ergänzt wurde.

Der japanische Baseball ist auch auf internationaler Ebene sehr etabliert: Japans Nationalmannschaft hat als bislang einzige schon zweimal (2006 und 2009) die Baseball-Weltmeisterschaft World Baseball Classic gewonnen und steht in der Baseball-Weltrangliste der WBSC sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen auf Platz eins. Bei den bislang fünf olympischen Baseballturnieren holte Japan einmal Silber und zweimal Bronze. Der großen Rolle, die Baseball in Japan spielt, ist die Wiederaufnahme der Sportart zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio zu verdanken.

Die Nippon Professional League
Vieles an der NPB erinnert an eine MLB im Kleinformat: Genau wie jene teilt sich die NPB in zwei Teilligen auf, die sich beide über das gesamte Land erstrecken und die – von ein paar Interleague-Spielen abgesehen – jeweils für sich einen Meister ermitteln. Dieser tritt dann in der großen Finalserie gegen den Meister der anderen Teilliga an. Lustigerweise geht das Nacheifern der MLB sogar soweit, dass auch in Japan eine der Ligen – die Pacific League – mit DH-Regel spielt und die andere – die Central League – nicht.

Standorte der NPB1

Jede der beiden Ligen besteht aus sechs Teams, welche in der regulären Saison jeweils 146 Spiele absolvieren, darunter 24 Interleague-Spiele. Die Saison läuft zeitlich quasi identisch mit der MLB: Gestartet wird Anfang April, an die reguläre Saison bis Anfang Oktober schließen sich die Playoffs an, der Meister steht Ende Oktober oder Anfang November fest. Ermittelt wird er in drei Playoffrunden: In der ersten Climax Series jeder Liga treffen der Zweit- und Drittplatzierte in einer Best-of-Three-Serie aufeinander. Der Sieger dieser Serie trifft dann auf den Erstplatzierten. In diesem zweiten Teil der Climax Series kommt das Team weiter, das zuerst vier Spiele gewinnt; allerdings erhält der Erstplatzierte der regulären Saison ein Spiel Vorsprung und obendrein Heimrecht in allen Spielen. Die Sieger der Climax Series beider Ligen erreichen die Nippon Series und spielen im Best-of-Seven-Modus die Meisterschaft aus. Ähnlich wie in der World Series hat ein Team Heimrecht im ersten, zweiten, sechsten und siebten Spiel, das andere im dritten bis fünften. Wer welches Heimrecht hat, wechselt nach einem festen Rhythmus zwischen den beiden Ligen – in geraden Jahren ist das Team der Central League zuerst dran, in ungeraden das der Pacific League.

Obwohl die Regeln der NPB weitgehend identisch sind mit jenen der MLB, gibt es neben der anderen Playoffstruktur noch ein paar weitere Unterschiede. Der wichtigste davon dürfte sein, dass in der NPB regelmäßig Unentschieden vorkommen: Ein Spiel, das in der regulären Saison nach zwölf Innings oder in der Postseason nach fünfzehn Innings keinen Sieger gefunden hat, endet ohne Entscheidung. Ein weiterer Unterschied besteht in der Rostergröße: Während der aktive Kader eines MLB-Teams üblicherweise 25 Spieler umfasst, sind es in der NPB 28. Allerdings sind vor jedem Spiel drei Spieler als inaktiv zu kennzeichnen, sodass es dann doch auch auf 25 hinausläuft. Die meisten japanischen Teams verwenden eine Rotation aus sechs Pitchern statt der in der MLB üblichen fünf. Da montags üblicherweise nicht gespielt wird, ist man als Starter in der NPB im Normalfall einmal pro Woche an der Reihe. Der Ball ist in der NPB etwas kleiner und härter, die Strikezone und die Mindestmaße des Spielfelds sind ebenfalls ein wenig kleiner als in der MLB.

Vom Spielniveau her wird die NPB oft als „AAAA“-Liga bezeichnet. Das soll heißen, dass sie unter der MLB angesiedelt ist, aber oberhalb des höchsten amerikanischen Minor-League-Levels AAA. Die NPB hat selbst zwei Minor Leagues, die Eastern League und die Western League, in denen jedes NPB-Team ein direkt assoziiiertes Farmteam unterhält. Jede der Ligen spielt eine 80-Spiele-Saison aus.

Baseball außerhalb der Profiliga
Auch als Schul- und Universitätssportart erfreut sich Baseball in Japan sehr großer Beliebtheit. Der wichtigste Wettbewerb im Hochschulbereich ist die traditionsreiche Big6-Liga: Seit ihrer Gründung im Jahr 1925 nehmen immer die gleichen sechs Universitäten aus dem Großraum Tokio teil und spielen an acht Wochenenden eine Meisterschaft aus. Alle Spiele der Big6 finden im Meiji Jingu Stadium in Tokio statt.

Von der nationalen Aufmerksamkeit her noch wichtiger sind die japanischen Meisterschaften im High-School-Baseball. Zweimal jährlich werden im Hanshin-Kōshien-Stadion in Nishinomiya nach einer Reihe von Qualifikationsturnieren die Finalturniere ausgespielt: im Frühling mit 32 und im Sommer mit 49 teilnehmenden Teams. Diese Turniere erzielen hohe Einschaltquoten im Fernsehen und werden sowohl von den Zuschauern als auch von den Spielern mit großer Leidenschaft und Emotionalität begangen.

Koshien-Stadion2

Berühmte Spieler aus Japan
Heutzutage kann man damit rechnen, dass die besten Spieler der NPB irgendwann in der MLB landen. Doch das ist noch nicht lange so, denn die MLB hat die Japaner erst seit Mitte der 90er-Jahre für sich entdeckt. Vor dieser Zeit blieben die Stars in der Regel auf der Insel und ihre Berühmtheit entsprechend regional begrenzt. Die japanische Baseball-Legende schlechthin ist Sadaharu Oh. Der First Baseman war von 1959 bis 1980 für die Yomiuri Giants aktiv und hält mit 868 Homeruns bis heute den Karriere-Rekord unter allen Baseball-Profis weltweit. Nach seiner Zeit als Spieler war Oh noch lange als Manager tätig, unter anderem für das japanische Nationalteam bei dessen Gewinn des ersten WBC im Jahr 2006. Andere legendäre japanische Baseballer, die nie mit der MLB in Berührung kamen, waren Catcher Katsuya Nomura (1954-1980), Third Baseman Shigeo Nagashima (1958-1974), Outfielder Isao Harimoto (1959-1981) und Pitcher Masaichi Kaneda (1950-1969).

Sadaharu Oh als Team-Manager während des WBC 20063

Der erste japanische Spieler in der MLB war Masanori Murakami; er spielte 1964 bis 1965 ein Jahr lang durchaus erfolgreich als Reliever für die San Francisco Giants, kehrte dann aber doch in die Heimat zurück und führte seine Karriere dort fort. Der erste dauerhafte MLB-Spieler aus Japan wurde 1995 Starting Pitcher Hideo Nomo. Nomo wurde in seinem ersten Jahr bei den Dodgers zum All-Star und zum Rookie of the Year gewählt und warf in seiner 13-jährigen MLB-Karriere zwei No-Hitter. Nomo gilt als der Türöffner für japanische Spieler in der MLB. Ihm folgten bislang 53 weitere Landsleute in die MLB. Die deutliche Mehrheit von ihnen sind bzw. waren Pitcher. Als erster Positionsspieler schaffte 2001 ein Outfielder den Sprung, der noch heute aktiv ist, inzwischen eine ganze Reihe von Hitting-Rekorden aufgestellt und seinen zukünftigen Platz in der Hall of Fame längst gesichert hat: Ichiro Suzuki. Der 44-Jährige hat übrigens kürzlich bekannt gegeben, dass er noch nicht ans Aufhören denkt und nach Auslaufen des Vertrags in Miami nach einem neuen Team sucht. Neben Ichiro sind derzeit SP Masahiro Tanaka (Yankees), SP Kenta Maeda (Dodgers), RP Junichi Tazawa (Marlins), SP Yu Darvish, RP Koji Uehara, SP Hisashi Iwakuma und OF Nori Aoki (alle Free Agents) in der MLB aktiv. In Kürze wird vermutlich der als sensationelles Talent geltende SP/OF Shohei Otani hinzukommen.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Immanuel Giel (Public Domain)

2Quelle: Wikimedia, Urheber: 百楽兎 (CC BY-SA 3.0)

3Quelle: Wikimedia, Urheber: Mori Chan (CC BY-SA 2.0)

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November 6th, 2017 by Dominik

Vier oder fünf Monate Verzicht auf Baseball? Kann man machen, muss man aber nicht. Auch nachdem die Bundesliga, die MLB, die japanische und die koreanische Liga ihre Pforten für dieses Jahr geschlossen haben, gibt es noch Ecken auf der Welt, in denen Baseball gespielt wird.

Am interessantesten aus Sicht eines MLB-Fans ist sicher die noch knapp zwei Wochen laufende Arizona Fall League (AFL). Seit 10. Oktober und noch bis zum Finale am 18. November spielen sechs Teams montags bis samstags um die Meisterschaft. Wichtiger als der Titel ist jedoch den meisten teilnehmenden Spielern, mit starken Individualleistungen auf sich aufmerksam zu machen, um sich für den Aufstieg in die MLB zu empfehlen. Denn die AFL gilt traditionell als Sprungbrett für Talente, die schon ganz nah an der Reife für die Big Leagues sind. Jedes AFL-Team ist fünf MLB-Franchises zugeordnet und wird mit Minor-League-Prospects aus diesen bestückt. Bewegte Livebilder gibt es leider nur selten: Ganz vereinzelt werden Spiele auf mlb.com gestreamt, in den Paketen von mlb-tv und mlb-tv ist die AFL nicht enthalten.

Bei der Suche nach weiteren Orten, an denen im Herbst und Winter Baseball gespielt wird, richtet sich der Blick naheliegenderweise nach Süden. In Kuba, Mexiko, Puerto Rico, Venezuela und in der Dominikanischen Republik ist der Spielbetrieb in vollem Gange. Liveübertragung im Internet gibt es für die meisten dieser Ligen auch, allerdings in aller Regel kostenpflichtig und nur auf spanisch. Die Meister der fünf genannten Ligen treffen sich vom 2. bis zum 8. Februar im mexikanischen Guadalajara zum Highlight der karibischen Baseballsaison, zur Serie del Caribe, um in Turnierform die Nummer eins unter den lateinamerikanischen Vereinsmannschaften zu küren.

In Australien naht der Sommer und damit auch der Beginn der Saison in der Australian Baseball League (ABL). Am 16. November, also Donnerstag nächster Woche, geht es los mit dem Eröffnungsspiel des amtierenden Meisters Brisbane Bandits gegen die Canberra Cavalry. Weil der Spielplan komplementär zu jenen der meisten Ligen auf der Nordhalbkugel liegt, zieht die ABL regelmäßig Spieler aus Nordamerika und Europa – nicht zuletzt aus der Baseball-Bundesliga – an, die sich so den Winter über fit halten und ein bisschen Geld hinzuverdienen können. Erfreulicherweise werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

 

Nachtrag: In Taiwan gibt es vom 25. November bis zum 17. Dezember die CPBL Winter League mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung. Danke an Ralf für den Tipp.

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Juni 11th, 2017 by Dominik

Die gute Nachricht zuerst: Die Mainz Athletics haben beim European Champions Cup den späteren Turniersieger Curaçao Neptunus aus Rotterdam mit 7:6 besiegt und damit einen schönen Achtungserfolg errungen. Die schlechte Nachricht: Alle anderen Spiele sowohl der A’s als auch der Regensburg Legionäre gegen die europäische Elite-Konkurrenz gingen – teilweise sehr deutlich – verloren. So mussten die beiden deutschen Vertreter heute Mittag das Finale um den Abstieg gegeneinander bestreiten. Die Athletics behielten in diesem Spiel dank Homeruns von Kevin Kotowski und Max Boldt mit 4:3 die Oberhand. Das freut mich als A’s-Getreuer natürlich, ändert aber leider nichts an der Tatsache, dass die Bundesliga einen ihrer beiden Startplätze in der europäischen Meisterklasse verloren hat.

Der größte Knackpunkt für die deutschen Teams war das Pitching: Vor allem die Mainzer mussten diverse Positionsspieler auf den Mound schicken, um die fünf Spiele in fünf Tagen irgendwie abzudecken. Für einen solchen Rhythmus ist das Roster eines Bundesligisten schlichtweg nicht gebaut und wenn der Wettbewerb über das Jahr verteilt stattgefunden hätte, hätten die deutschen Klubs vielleicht eher eine Chance gehabt.

Aber Hand aufs Herz: Der Turnierausgang ist letzten Endes verdient und muss niemandem peinlich sein, denn mit den Profimannschaften aus Europas Baseball-Hochburgen Niederlande und Italien können und müssen die deutschen Amateurteams nicht auf Augenhöhe agieren. Wenn sie das so wie die Mainzer im Spiel gegen Neptunus doch mal tun, dann ist das bereits eine kleine Sensation – und für den Gegner ein Weckruf, ohne den er vielleicht nicht bis zum Titel marschiert wäre.

Für die Athletics und die Legionäre hoffe ich, dass der fünftägige Kraftakt nicht zu sehr an die Substanz gegangen ist und dass der Lerneffekt durch die internationale Turniererfahrung überwiegt.

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Juni 5th, 2017 by Dominik

Die Fußball-Champions-League ging an diesem Wochenende zu Ende und nun wissen wir, dass Real Madrid aktuell das beste Team im europäischen Fußball ist. Aber wer ist das beste Team im europäischen Baseball? Auch dafür gibt es einen Wettbewerb, natürlich ein paar Nummern kleiner als die Champions League, aber immerhin mit zwei Teilnehmern aus Deutschland und das Ganze zu Hause, genauer gesagt in Regensburg: den European Champions Cup.

Das Turnier findet statt von Mittwoch bis Sonntag dieser Woche (7. bis 11. Juni). Qualifiziert sind acht Mannschaften, darunter Gastgeber Regensburg Legionäre und der Deutsche Meister Mainz Athletics. Die beiden deutschen Vertreter gehen allerdings – ebenso wie der französische Meister Rouen Huskies – als klare Außenseiter ins Rennen gegen die Profiteams Amsterdam Pirates, Curaçao Neptunus, ASD Rimini, Unipolsai Bologna und T&A San Marino. Den Wettbewerb gibt es – mit wechselnden Namen und Formaten – seit 1963 und seit 1969 kam der Sieger immer aus den Niederlanden oder Italien (oder aus San Marino, das in der italienischen Liga spielt).

Der Spielplan des Turniers ist anspruchsvoll: Gespielt wird zunächst in zwei Vierergruppen mit anschließendem Halbfinale und Finale. Da wegen einer Abstiegsregel auch die unteren Platzierungen zumindest teilweise ausgespielt werden, hat jedes Team mindestens vier Spiele an aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren. Das ist vor allem in Bezug auf das Starting Pitching eine enorme Herausforderung, wenn man sonst nur zwei Spiele pro Woche abdecken muss. Die Legionäre haben deswegen mit Pitcher Kevin Vance kurzfristig Verstärkung an Land gezogen, die Mainzer werden neben den etablierten Startern wohl ein paar Positions- und Nachwuchsspielern Einsatzzeit auf dem Mound geben.

Erfreulicherweise werden alle Spiele des European Champions Cups live auf Legionäre-TV übertragen. Am meisten freue ich mich auf das Spiel von Mainz gegen Rouen am Mittwoch um 16:30 Uhr, einfach weil es vom gemeinsamen Niveau her die spannendste Begegnung mit deutscher Beteiligung zu werden verspricht. In alle anderen Partien gehen die Athletics und die Legionäre als Underdogs, aber vielleicht ist ja die eine oder andere Überraschung drin. Ich drücke beiden Teams fest die Daumen.

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Mai 29th, 2017 by Dominik

Eine Gnadenregel (englisch: „mercy rule“) sorgt dafür, dass ein Spiel vorzeitig endet, sobald ein Team nach einer bestimmten Anzahl von Innings einen bestimmten Vorsprung herausgespielt hat, der als uneinholbar angesehen wird. Gnadenregeln sind immer dann sinnvoll, wenn das Leistungsgefälle innerhalb eines Wettbewerbs groß ist und es regelmäßig zu sehr einseitigen Spielen kommt. Bekanntlich ist die reguläre Dauer eines Baseballspiels über die Anzahl von Innings definiert und die Dauer eines Innings über das Zustandekommen von drei Outs je Mannschaft. Bei sehr ungleichen Stärkeverhältnissen kann es dür das schwächere Team sehr lange dauern, die nötigen Outs zu erzielen und der Spielausgang kann schon nach wenigen Innings faktisch entschieden sein. In dem Fall sorgt die Gnadenregel für ein vorzeitiges Ende des Spiels im Interesse aller Beteiligten: Die Regel schützt nicht nur die Zuschauer vor Langeweile, sondern vor allem auch die Aktiven beider Mannschaften davor, in endlosen, längst entschiedenen Partien verheizt zu werden.

In der MLB gibt es keine Gnadenregel. Sofern es die äußerlichen (Wetter-)Bedingungen nicht unmöglich machen, läuft jedes Spiel über volle neun oder – falls das Spiel bereits zu Gunsten des Heimteams entschieden ist – achteinhalb Innings. Das finde ich gut so, denn in der MLB ist das Leistungsgefällle in der Regel nicht so groß, dass es einer Gnadenregel bedürfte. Natürlich gibt es auch hier immer mal wieder Spiele wie das 23:5 der Nationals gegen die Mets, die lange vor dem neunten Inning gelaufen sind. Aber solche Spiele sind Einzelfälle und von den hochbezahlten Profis kann man erwarten, dass sie auch so ein Spiel anständig über die Bühne bringen, selbst wenn irgendwann Positionsspieler auf dem Mound stehen, um die Pitcher zu schonen. Auch in den Minor Leagues und der japanischen Profiliga gibt es keine Gnadenregeln.

In anderen Ligen sind solche Regeln aber sehr verbreitet: zum Beispiel in den Profiligen von Kuba und Korea und vor allem im Jugend- und Amateurbereich, einschließlich des gesamten deutschen Baseball-Spielbetriebs bis hin zur Bundesliga. Hier trifft das Argument mit dem Leistungsgefälle eindeutig zu: In der Bundesliga Süd beispielsweise besteht eine deutliche Kluft zwischen den Bad Homburg Hornets, den Saarlouis Hornets und dem Rest der Liga. Entsprechend enden die Spiele dieser beiden Teams gegen eines der anderen Teams sehr häufig durch eine Gnadenregel – in der bisherigen Saison 2017 in 20 von 28 Fällen. Die Bundesspielordnung des DBV sieht in Artikel 11.3.04 für alle Ligen drei Gnadenregeln vor:

  1. Die 20-Run-Regel (Führung mit 20 oder mehr Runs nach 3 Innings).
  2. Die 15-Run-Regel (Führung mit 15 oder mehr Runs nach 5 Innings).
  3. Die 10-Run-Regel (Führung mit 10 oder mehr Runs ein oder zwei Innings vor dem angesetzten Ende).

Mit Abstand am häufigsten kommt die 10-Run-Regel zum Einsatz. Diese ist auch am sinnvollsten formuliert: Sie tritt nach sieben (bzw. sechseinhalb) Innings in Kraft, aber wenn zu dem Zeitpunkt noch keine Führung von 10 Runs besteht, greift die Regel auch nach acht Innings, wenn dann die Kriterien erfüllt sind. Das ist logisch, denn wenn man einem unterlegenen Team nicht zutraut, den Spielstand innerhalb von zwei Innings umdrehen zu können, warum sollte man ihm dann zutrauen, dies innerhalb nur eines Innings zu bewerkstelligen?

Dieser Gedanke führt mich zu der Anregung, die ich den für die Regeln zuständigen Gremien des DBV gern mit auf den Weg geben möchte: Die gleiche Logik sollte auch für die 20-Run-Regel und die 15-Run-Regel gelten! Die Spielordnung sieht für diese beiden Regeln momentan nicht vor, dass die Kriterien auch zu einem späteren Zeitpunkt greifen. Wenn ein Team also nach vier Innings mit 20 Runs Vorsprung führt, dann endet das Spiel nicht; es muss stattdessen noch das fünfte Inning gespielt werden. Und wenn zwar nicht nach fünf, aber nach sechs Innings ein 15-Run-Vorsprung besteht, dann geht das Spiel ins siebte Inning, bevor es (wahrscheinlich) durch die 10-Run-Regel endet. Dafür gibt es keinen vernünftigen Grund. Man sollte die Regeln ändern, indem man an den betreffenden Stellen die Worte „oder mehr“ einfügt, also zum Beispiel für die 20-Run-Regel, „dass das Spiel beendet ist, wenn eine Mannschaft nach drei (3) oder mehr Innings mit 20 oder mehr Runs führt“.

Was meint ihr dazu?

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April 25th, 2017 by Dominik

Derzeit wird heiß diskutiert, bei welchem Team das frisch als Free Agent freigegebene kubanische Talent Luis Robert landen wird. Da will ich natürlich nicht zurückstehen und meinen Senf sowohl zu Robert als auch zu ein paar weiteren Kandidaten des internationalen Marktes loswerden, die wir in absehbarer Zeit in der MLB erleben könnten.

Zunächst ein paar Erläuterungen, wie internationale Verpflichtungen in der MLB ablaufen: Im Gegensatz zur Auswahl der US-amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Bislang ist es so, dass bei Überziehung dieses sogenannten „Bonus Pools“ der jeweilige Verein für zwei Jahre keine internationalen Verpflichtungen für über 300.000 Dollar mehr tätigen darf. Aufgrund dieser Regel dürfen die Athletics, die Astros, die Padres, die Cardinals, die Braves, die Nationals und die Reds, die ihren Pool in der aktuellen Periode 2016/17 bereits überzogen haben, in der am 2. Juli beginnenden Periode 2017/18 keine nennenswerten Signings mehr vornehmen. Dasselbe gilt für die Cubs, die Dodgers, die Royals und die Giants, welche sich dann im zweiten Jahr ihrer schon jetzt andauernden Strafe befinden.

Ab der kommenden Signing-Periode wird das System etwas vereinfacht: Ab dann gelten harte Obergrenzen, das heißt ein Überziehen des Pools ist nicht mehr möglich und dementsprechend braucht man auch keine Strafen mehr. Die Höhe des Pools beträgt 4,75 bis 5,75 Millionen Dollar je Team, wobei die durch einen kleineren Markt benachteiligten Teams die etwas höheren Summen ausgeben dürfen. Die erlaubten Summen können zwischen den Teams in Form von Trades verschoben werden. Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von der Pool-Regel ausgenommen.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Im Fall des kubanischen Outfielders Luis Robert ist das vor ein paar Tagen passiert und nun stehen die Teams Schlange, um ihn vorspielen zu sehen. Der 19-Jährige, der im November seine Heimat verlassen hat, gilt als herausragender Power Hitter und wird von den Scouts im Rang eines Erstrundendraftpicks eingestuft. Die Astros, Padres, Reds, Cardinals und vor allem die White Sox werden als Favoriten auf seine Verpflichtung gehandelt. Die White Sox haben eine lange und positive Geschichte mit kubanischen Spielern, welche mir Minnie Minoso begann und mit Jose Contreras, Alexei Ramirez, Jose Abreu und ihrem aktuellen Top-Talent Yoan Moncada fortgesetzt wurde. Robert würde wohl gut in diese Reihe passen und in Chicago hätte er angesichts der derzeitigen Rebuilding-Situation auch die Zeit, die er braucht, um sich in den Minor Leagues zu entwickeln.

Die meisten internationalen Verpflichtungen stammen wie Robert aus Mittel- oder Südamerika. Die neben ihm momenten interessantesten internationalen Prospects sind aber allesamt Japaner. Allen voran gilt Shohei Otani als absoluter Ausnahmespieler und das sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Der Hype um Otani geht so weit, dass er regelmäßig mit der Legende Babe Ruth verglichen wird. Der 22-Jährige pitcht mit rechts und schlägt mit links und brachte es in Japan 2016 auf einen ERA von 1.86 in 140 Innings auf dem Mound sowie auf eine Slashline von .322/.416/.588 mit 22 Homeruns als Batter. Die große Frage ist, wann Otani den Schritt in die MLB unternimmt. Viele gehen davon aus, dass es nach der laufenden Saison soweit ist. Allerdings würde das bedeuten, dass er finanziell in den ersten Jahren verhältnismäßig kleine Brötchen backen würde, denn unter der neuen Regelung könnte ihm ein MLB-Team selbst mit größter Anstrengung nicht mehr als rund 10 Millionen Dollar für seine Unterschrift bieten. Daher könnte er sich auch entscheiden, noch die drei Jahre zu warten, bis er nicht mehr unter die Bonus-Pool-Regel fällt.

Pitcher Shintaro Fujinami, 2B Testuto Yamata und 3B/OF Yoshitomo Tsutsugo sind ein paar weitere japanische Namen, an die wir uns innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre möglicherweise in der MLB gewöhnen dürfen.

Internationale Verpflichtungen aus Europa kommen in der MLB natürlich ebenfalls vor, haben aber Seltenheitswert. Nach dem Italiener Alex Liddi und den beiden Deutschen Donald Lutz und Max Kepler hat es ganz aktuell gestern Abend zum vierten Mal im modernen Baseball ein Europäer in die Major League geschafft – sofern man einen Europäer definiert als Spieler, der hier geboren und als Spieler entwickelt wurde, also nicht in früher Jugend ins amerikanische Schul- und Collegesystem gewechselt ist. Der litauische Pitcher Dovydas Neverauskas wurde gestern in den Kader der Pittsburgh Pirates befördert und kam gegen die Chicago Cubs zu seinem ersten Einsatz als Reliever. Er pitchte zwei Innings, in denen der zwei Hits und einen Run erlaubte und einen Strikeout ablieferte.

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