Category: Minor Leagues

Juni 12th, 2017 by Dominik

…und niemand schaut hin. O. K., ganz so unbeachtet ist die Draft der MLB, die heute Nacht (1 Uhr mitteleuropäischer Zeit) beginnt, dann auch wieder nicht. Aber im Vergleich mit den anderen großen US-Sportarten erfährt die Spielerauswahl der MLB recht wenig Aufmerksamkeit. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • College Baseball ist nicht so populär wie College Football oder College Basketball, daher haben die meisten Kandidaten für eine Profikarriere zum Zeitpunkt der Draft einen geringeren Bekanntheitsgrad als die Kollegen in den anderen Sportarten.
  • Der Weg von der Draft bis ins MLB-Team ist in aller Regel ein Prozess von einigen Jahren, in denen mehrere Stufen der Minor Leagues durchlaufen werden. Das ist in der NFL, der NBA und der NHL anders; dort erwartet man von den Top-Draftpicks, dass sie vom ersten oder spätestens vom zweiten Jahr an das Team verstärken.
  • Durch das breite Farmsystem und den meist langen Aufenthalt in selbigem, dauert es nicht nur seine Zeit, bis man die Prospects im MLB-Team sieht, sondern die Wahrscheinlichkeit, dass es überhaupt dazu kommt, ist auch deutlich geringer. Die meisten gewählten Spieler, auch viele Erstrundenpicks, schaffen es entweder gar nicht bis in die MLB und/oder sie wechseln während der Minor-League-Karriere (durch Trades oder die Rule-5-Draft) in eine andere Franchise. Durch diese Unwägbarkeiten entsteht seitens der Fans meist relativ wenig Identifikation mit den von ihrem Klub gedrafteten Spielern.
  • Auch der Zeitpunkt der MLB-Draft spielt eine Rolle für die relativ geringe Aufmerksamkeit, die ihr zuteil wird: In der NFL beispielsweise findet die Draft in der Mitte der Offseason statt und ist deren unumstrittenes Highlight, weil Ende April ansonsten absolute Saure-Gurken-Zeit für Football-News wäre. In der MLB hingegen findet die Draft mitten in der Saison statt, es wird dafür noch nicht mal eine Pause eingelegt. So tritt die MLB mit der TV-Übertragung der Draft in direkte Konkurrenz zum zeitgleich laufenden eigenen Spielbetrieb.
  • Schließlich kommt noch hinzu, dass für die MLB-Draft ausschließlich Spieler aus den USA, Kanada und US-Territorien (vor allem Puerto Rico) gewählt werden können. Damit betrifft die Draft nur einen Teil des Talentpools, während die Verpflichtung internationaler Prospects einem gesonderten Verfahren unterliegt. Auch das ist in den anderen US-Sportarten anders geregelt, in ihnen läuft auch die Verteilung internationaler Nachwuchsspieler vorrangig über die Draft.

Entsprechend wenig überraschend ist es, dass viele Baseballfans kaum einen der vor der Draft kursierenden Namen der Prospects kennen, während nahezu jeder Footballfan schon Wochen vor der NFL-Draft seine persönliche Mockdraft (also eine Prognose, welcher Spieler wann von welchem Team gewählt wird) mindestens für die erste Runde pflegt. Mir geht es selbst auch nicht anders, aber ein paar Namen habe ich dann doch aufgeschnappt:

Die mit Abstand größte Aufmerksamkeit bekommt im Vorfeld dieser Draft Hunter Greene. Greene überzeugte in der Notre Dame California High School sowohl als rechtshändiger Pitcher als auch als Hitter und Infielder; für seine Zukunft als Profi wird er aber klar als Pitcher vorgesehen. Mit seinen 17 Jahren wirft er bereits regelmäßig über 100 mph schnelle Fastballs, hat zudem einen soliden Slider und einen ordentlichen Changeup im Repertoire und übt trotz seiner hohen Pitchgeschwindigkeit so viel Kontrolle aus, dass er nur wenige Walks verursacht.

Obwohl Greene in aller Munde ist und überwiegend als das größte Talent dieser Draft angesehen wird, gilt es als längst nicht gesichert, dass die Minnesota Twins ihn heute Nacht als ersten Pick der MLB-Draft 2017 aufrufen. Greene wird angesichts seiner Jugend und fehlenden College-Erfahrung einige Jahre brauchen, bis er zum fertigen Spieler gereift ist, und in diesen Jahren kann viel passieren. Daher ist durchaus denkbar, dass die Twins sich für eine risikoärmere Variante in Form eines College-Spielers entscheiden.

Wenn das der Weg ist, den die Twins gehen, dann sind wohl Linkshänder Brendan McKay (Louisville) und Rechtshänder Kyle Wright (Vanderbilt) die Favoriten auf den #1-Pick. McKay ist insofern ein interessanter Fall, als er sowohl als First Baseman als auch als Pitcher als Top-Talent eingestuft wird und es wahrscheinlich vom jeweiligen Team abhängt, in welche Richtung man ihn entwickeln wird. Die Prognose ist, dass die Twins, die Reds (#2) oder die Padres (#3) ihn eher als Pitcher draften würden, die Braves (#4) oder die Rays (#5) eher als Hitter. Wright hingegen gilt unter den Top-Prospect dieses Jahres als die verlässlichste Größe – das Team, das ihn draftet, erhält einen Pitcher, der vom Potenzial vielleicht nicht ganz mit McKay oder Greene mithalten kann, jedoch in Vanderbilt in der SEC bereits auf einem Niveau entwickelt wurde, das bestmöglich auf den zügigen Übergang zur MLB vorbereitet. Aus Vanderbilt kommt auch Jeren Kendall, der gute Chancen hat, als erster Outfielder der diesjährigen Draft gewählt zu werden.

Weitere hoch gehandelte Kandidaten aus der High School sind LHP Mackenzie Gore (Whiteville High School) und SS/OF Royce Lewis (JSerra Catholic High School). Wie bei Greene ist auch bei ihnen die Frage, auf wieviel Risiko und Wartezeit sich das draftende Team einlassen möchte, um sich dafür mit der Sicherung von Top-Talenten ohne Umweg über ein College zu belohnen.

Die Draft findet von heute Nacht bis Mittwoch statt, die 75 Picks des ersten Tages werden einschließlich Vorbericht ab Mitternacht auf mlb.com gestreamt. Auch die Runden 3 bis 10 an Tag 2 werden Dienstag ab 13 Uhr übertragen, die Runden 11 bis 40 an Tag 3 gibt es am Mittwoch ab 18 Uhr unserer Zeit als Radiostream.

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Juni 17th, 2016 by Dominik

Gestern wurden mit Catcher Wilson Contreras (Cubs) und Lefty-Pitcher Cody Reed (Reds) gleich zwei vielversprechende Prospects aus den Minors in die MLB gerufen. Die Gleichzeitigkeit kann Zufall sein, aber es wird bereits gemunkelt, dass es mit der Super-Two-Deadline zu tun haben kann. In dem Fall wäre in den nächsten Tagen und Wochen mit einigen weiteren Callups zu rechnen.

Ich muss zugeben, ich habe von dieser ominösen Super-Two-Deadline (auch Super-Two-Cutoff genannt) schon häufig gehört, hatte bisher aber nur eine ungefähre Vorstellung, was es damit auf sich hat. Nun habe ich mich schlauer gemacht und möchte gern teilen, was ich mir (u. a. hier und hier) angelesen habe.

Dazu muss ich ein bisschen ausholen: Nach dem Collective Bargaining Agreement (CBA), einer Art Rahmenvertrag zwischen der MLB und der Spielergewerkschaft, ist ein Spieler in der Regel sechs Spielzeiten lang seinem ersten Team verpflichtet; erst danach kann er sich als Free Agent aussuchen, wo es ihm am besten gefällt oder wo er den lukrativsten Vertrag bekommt. In den ersten drei dieser sechs Jahre muss er für den festgelegten Mindestlohn der Liga (zurzeit etwas mehr als 500.000$) spielen. In den Jahren vier, fünf und sechs steht ihm eine Gehaltsverhandlung unter Aufsicht eines Schlichters zu. In diesem Verfahren, der Arbitration, legen der Spieler sowie der Verein jeweils ein Angebot vor und der Schlichter trifft die Entscheidung, welches davon fairer ist. In rund 90% der Fälle einigen sich Club und Spieler aber ohne Schlichter.

Die Regel ist also, dass ein Spieler drei (volle) Spielzeiten lang kein Recht auf Gehaltsverhandlungen hat. Das könnte die Teams dazu verführen, die Spieler grundsätzlich erst ein paar Tage nach Saisonbeginn in die MLB zu berufen, sodass es fast ein Jahr länger dauert, bis sie die drei vollen Spielzeiten vorweisen können und über ihr Gehalt verhandeln dürfen. An dieser Stelle kommt die Super-Two-Regel ins Spiel. Sie legt fest, dass ein Teil (genauer gesagt 22%) der Spieler, deren MLB-Zeit zwischen zwei und drei Jahren liegt, schon nach 2,x Spielzeiten das Recht auf Arbitration haben. Es handelt sich um jene 22% dieser Spieler, die die längste MLB-Zeit vorzuweisen haben.

Es kostet die Teams nicht selten ein paar Millionen, wenn sie ein Prospect in den MLB-Kader berufen, das in diese 22% fällt, denn der Spieler hat in vier von seinen sechs Jahren Anspruch auf ein verhandeltes Gehalt statt nur in drei. Aus diesem Grund versuchen die Teams, in jeder Saison abzuschätzen – die offizielle Berechnung ist erst im Nachhinein möglich –, wann der Zeitpunkt erreicht ist, ab dem die 22% überschritten sind und das Berufen eines Prospects für sie billiger wird.

Der Super-Two-Cutoff liegt normalerweise ungefähr im Juni und sobald sich die Teams einigermaßen sicher sind, dass es soweit ist, machen sie sich die Entscheidung, ihre Talente in den MLB-Kader zu berufen, deutlich leichter. Das könnte wie oben schon erwähnt der Hintergrund für die Callups von Contreras und Reed und zugleich der Startschuss für eine Reihe weiterer Berufungen in den kommenden Tagen und Wochen sein.

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Juni 13th, 2016 by Dominik

Max Kepler hat letzte Nacht seinen ersten Homerun in der MLB geschlagen. Grund genug für mich, mal einen näheren Blick auf ihn und andere Deutsche in der MLB und den Minors zu werfen.

Der historische Abriss zu diesem Thema kann relativ kurz ausfallen, denn Kepler ist erst der zweite Deutsche überhaupt, der es bis in die höchste amerikanische Profiliga geschafft hat. Vor ihm ist dies nur OF/1B Donald Lutz gelungen, der 2013 und 2014 insgesamt 113 Plate Appearances für die Cinicinnati Reds absolvierte. Mit einer Slashline von .211/.239/.284 liest sich Lutz‘ bisherige MLB-Bilanz eher bescheiden. Nachdem er 2015 von einer Ellbogenverletzung heimgesucht wurde, spielt er dieses Jahr „nur“ im AA-Team der Reds in Pensacola, wo er allerdings auch lediglich .212/.263/.281 schlägt. Seine Aussicht auf weitere Spielzeit in der MLB dürfte somit zurzeit gering sein, aber mit 27 Jahren ist der Zug noch nicht abgefahren. Die Einträge in die Geschichtsbücher als erster Deutscher, der in der MLB spielen durfte (am 29. April 2013), sowie als erster Deutscher, dem dabei ein Homerun gelang (am 12. Mai 2013), kann dem im hessischen Friedberg aufgewachsenen Lutz jedenfalls niemand mehr nehmen.

Beeindruckende MLB-Statistiken kann Max Kepler bisher zwar ebenfalls nicht vorweisen (.200/.279/.327 nach 61 Plate Appearances 2015/2016), aber er ist auch erst 23 Jahre alt und hat in den Minor Leagues immerhin schon so sehr überzeugt, dass er als Top-40-Prospect für die MLB gelistet wird. Mit den Minnesota Twins ist der Outfielder bei einem Team gelandet, das momentan eines der schwächsten der Liga ist. Aber die Twins werden auch als Franchise mit einem der besten Farmsysteme gepriesen und dürften mit ihrer Ausrichtung, nicht jetzt aber in zwei bis drei Jahren oben mitspielen zu wollen, das ideale Umfeld für ein Talent wie Kepler darstellen. Gut möglich, dass der Berliner noch einmal in die Minors geschickt wird, sobald sich die Verletztenliste der Twins wieder etwas leert, insbesondere wenn Miguel Sano zurückkehrt, den Kepler zurzeit im Right Field vertritt. Aber seine Zeit wird kommen und sein 3-Run-Walkoff-Homer gegen die Red Sox gestern Abend war hoffentlich nur ein Vorgeschmack auf die lange und erfolgreiche MLB-Karriere, die ich ihm wünsche.

Neben Kepler und Lutz machen sich noch zwei weitere Spieler deutscher Staatsangehörigkeit insofern berechtigte Hoffnungen auf zukünftige MLB-Einsätze, als sie in den Minor Leagues unter Vertrag stehen: Der 20-jährige Sven Schüller spielt als Pitcher in der Organisation der Los Angeles Dodgers, der 18-jährige Nadir Ljatifi als Infielder in der Organisation der Cincinnati Reds. Beide waren 2015 in den jeweiligen Affiliates ihrer Franchises in der Arizona League, einer Rookie-Liga aktiv, die nächste Woche den Spielbetrieb 2016 aufnimmt. Von der MLB trennen beide, falls sie es jemals bis dorthin schaffen, definitiv noch mehrere Jahre.

Leider habe ich bisher keine Seite gefunden, auf der man die MLB- und MiLB-Rosters nach Staatsangehörigkeit durchsuchen kann, insofern musste ich die Infos über deutsche Spieler in breit angelegter Recherche zusammenklauben und hoffe, niemanden übersehen zu haben. Falls doch, dann seid bitte so nett und teilt es mir per Kommentar, E-Mail oder Twitter (@Baseblog_de) mit.

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