Category: MLB

April 19th, 2018 by Dominik

„Kepler hat ausgedient.“ Ich muss zugeben, dass mir kurz der Schreck in die Glieder fuhr, als ich heute Morgen diese Schlagzeile las. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nicht um unseren deutschen MLB-Star ging, sondern um das gleichnamige Weltraumteleskop. Irgendein Zusammenhang scheint allerdings zu bestehen, denn in der gleichen Nacht, in der das Teleskop „Kepler“ durch seinen Nachfolger „Tess“ abgelöst wurde, wurde auch Max Kepler mit Knieproblemen ausgewechselt. Gut, dass ich nicht abergläubisch bin – und noch besser, dass es nach ersten Erkenntnissen keine schlimme Verletzung ist. Es wird erwartet, dass Kepler – der Spieler, nicht das Teleskop – nach ein, zwei Tagen Pause wieder voll einsatzbereit ist.

Nach wie vor nicht voll einsatzbereit sind mehrere MLB-Ballparks. Die seit Wochen anhaltenen Wetterkapriolen führen nach wie vor zu zahlreichen Spielausfällen und somit zu recht krummen Tabellen; einige Teams haben schon 18 Spiele absolviert, die Twins erst 13. Sogar im überdachten Rogers Center in Toronto fiel diese Woche ein Spiel aus, weil eben jenes Dach ein Loch hatte, nachdem Eisbrocken vom benachbarten CN Tower herunter gefallen waren.

American League
Die Boston Red Sox (15-2) sind aktuell das Maß aller Dinge in der MLB. 88% ihrer Partien haben sie bislang gewonnen, darunter zuletzt sechs hintereinander und zwei sehr deutlich in den AL-Spitzenspielen gegen die Los Angeles Angels. An das Run Differential der Red Sox von +60 kommt ligaweit nur ein einziges Team auf mehr als die Hälfte heran und das ist der Divisionskonkurrent aus der American League East, die Toronto Blue Jays (12-5) mit +38. Auf das erste Aufeinandertreffen der Red Sox und der Blue Jays in der kommenden Woche darf man sich jetzt schon freuen. Vorher warten allerdings noch die New York Yankees (8-8) mit einer Vier-Spiele-Serie auf die Blue Jays (siehe „Mein Einschalttipp“). Die Yankees werden dringend beweisen wollen, dass sie mehr zu bieten haben als den durchwachsenen Start in die Saison. Arbeiten müssen sie vor allem an ihren Unkonzentriertheiten, die zu 17 Errors in 16 Spielen führten, den meisten in der AL. Relativ hoffnungslos erscheint schon kurz nach Saisonbeginn die Lage für die Baltimore Orioles und die Tampa Bay Rays (jeweils 5-13). Für die Rays gab es nun noch eine Hiobsbotschaft, denn einer ihrer wenigen Stars, CF Kevin Kiermaier, muss am Daumen operiert werden und fällt drei Monate lang aus.

Die AL Central hat gerade Puerto Rico begeistert, genauer gesagt lieferten die Cleveland Indians (9-7) und die Minnesota Twins (8-5) sich dort eine Zwei-Spiele-Serie um die Vorherrschaft in der Division. Den Puerto Ricanern wurde einiges geboten: Das erste Spiel entschieden die Indians 6:1 für sich durch vier Homeruns, und den ersten erzielte ausgerechnet der in Puerto Rico geborene und aufgewachsene Francisco Lindor; das zweite Spiel entwickelte sich zu einem 16-Inning-Marathon, den die Twins schließlich 2:1 gewannen durch einen Run ihres Puerto Ricaners Eddie Rosario. Die Indians und die Twins bleiben somit eng beisammen an der Spitze der zweigeteilten Division, in deren unterem Teil die Detroit Tigers (6-9) derzeit das Schneckenrennen gegen die Chicago White Sox (4-11) und die Kansas City Royals (3-13) anführen.

In Oakland wird derweil munter gefeiert, denn die Athletics (9-10) sind seit genau 50 Jahren dort zu Hause. Obwohl sie sich wohl nichts sehnlicher wünschen, als endlich aus dem alten Coliseum ausziehen zu dürfen, haben sie es noch mal ordentlich gefüllt, indem die Tickets für das Spiel am Dienstag verschenkt wurden. 46.028 Menschen folgten dem Aufruf, was trotz Gratistickets zwar kein ganz kein volles Haus war, angesichts der Umstände in Oakland aber als Erfolg gilt. Auch die Ergebnisse stimmen zurzeit, die A’s blicken auf ungewohnte vier Siege in Folge und auf zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Texas Rangers (7-13). Angeführt wird die AL West nach wie vor von den Los Angeles Angels (13-5). Die Angels haben durch die zwei Niederlagen gegen Boston deutlich an Boden verloren gegenüber den Houston Astros (12-7), welche in der gleichen Zeit zweimal die Seattle Mariners (9-7) abfertigten. Die Serie gegen Seattle ist jedoch noch nicht gewonnen, denn einmal haben auch die Mariners schon gewonnen und heute Abend gibt es eine vierte Partie.

National League
Das erfolgreichste Team der National League East und auch der NL ingesamt sind immer noch die New York Mets (13-4), auch wenn sie diese Woche erstmals eine Serie abgeben mussten: Zwei von drei Heimspielen gegen die Washington Nationals (9-10) wurden verloren, das dritte allerdings relativ spektakulär mit neun Runs im achten Inning gewonnen. Die Mets gegen die Nationals ist nach wie vor das Duell, auf das ich in dieser Division primär schaue. Doch bislang halten sich auch die Atlanta Braves und die Philadelphia Phillies (jeweils 10-7) weiterhin wacker. Die Phillies haben nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Pirates und die Diamondbacks. Die Braves müssen unterdessen viermal gegen die Mets antreten. Ihr prominenter Neuzugang José Bautista wird in diesen Spielen noch nicht zum Einsatz kommen; der 37-jährige Slugger soll in einem verlängerten Spring Training und dann zunächst in den Minors an Wettkampffähigkeit herangeführt werden, bevor ein Aufrücken in den MLB-Kader infrage kommt. Möglicherweise braucht man ihn aber doch relativ schnell, nachdem 1B Freddie Freeman letzte Nacht einen Pitch an die Hand bekommen hat, die schon einmal gebrochen war. Falls er länger ausfällt, könnte es ein paar Verschiebungen im Lineup geben und Bautista möglicherweise für die dritte Base infrage kommen.

Die Cincinnati Reds (3-13) trennen sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Manager Bryan Price und Pitching Coach Mack Jenkins, die Meldung kam gerade ganz frisch rein. Abgesehen von den Reds am Ende der Tabelle sieht die NL Central bislang komplett anders aus als man es vor der Saison erwartet hätte. Die Pittsburgh Pirates (12-6) überzeugen nach wie vor vor allem mit Offensive und rehabilitierten sich letzte Nacht durch ein 10:2 gegen die Rockies für ihre erste verlorene Serie der Saison. Es folgen die St. Louis Cardinals (10-7) mit derzeit fünf Siegen am Stück und erst dann kommen die beiden Favoriten. Die Milwaukee Brewers (10-9) haben ein negatives Run Differential (-15), jedoch nach zwei Shutouts gegen die Reds immerhin wieder einen knapp positiven Record. Die Chicago Cubs (7-8) hatten in den letzten Tagen kaum Gelegenheit, ihre nicht zufriedenstellende Bilanz aufzubessern: Durch Spielausfälle war die 3:5-Niederlage gegen St. Louis vom Dienstag die einzige Partie, die die Cubs seit letztem Samstag absolvieren konnten.

Ein Seriensweep gegen die San Diego Padres (7-13) hat den Los Angeles Dodgers (8-9) deutlich dabei geholfen, sich in der NL West ihrem angestammten Platz an der Spitze anzunähern. Noch sitzen dort die Arizona Diamondbacks (12-5) nach ihrem starken Start fest im Sattel und übers Wochenende dürfen auch sie dreimal gegen die Padres antreten. Allerdings müssen sie einen gewichtigen Ausfall verkraften, denn SP Taijuan Walker hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird wohl um eine Tommy-John-Surgery nicht herum kommen. Die Starting Rotation der Diamondbacks ist bislang eine Stärke, doch eine zuverlässige Nachfolge für Walkers Platz zeichnet sich nicht wirklich ab – außer Shelby Miller, der nach seiner eigenen Tommy-John-Surgery im Mai 2017 aber auch noch ein paar Monate brauchen wird. Auf Platz zwei halten sich die Colorado Rockies (11-9), die bislang eine recht untypische Saison spielen: Das traditionell heimstarke Team hat bislang nur zwei von sechs Spielen in Coors Field gewonnen, dafür aber neun von vierzehn Auswärtsspielen.

Szene der Woche
Bei aller Neutralität, um die ich mich hier bemühe, fällt es mir doch schwer, Szenen hervorzuheben, die sich gegen die Mets richten. Bryce Harper hätte mir fast keine andere Wahl gelassen mit dem unglaublichen Homerun, den er am Montag im Citi Field geschlagen hat. Ein guter Teil der Energie seines Schwung nach dem Pitch von Jacob deGrom muss dafür draufgegangen sein, den Schläger zu zerstören und dennoch bekam der Ball noch genug davon ab, um über den Zaun getragen zu werden. Zugegeben, das war beeindruckend, aber trotzdem gab es drei Tage zuvor eine noch erstaunlichere Szene. Ein 3-Run-Flyout hatte ich jedenfalls bisher noch nie gesehen, bevor mir Marlins-2B Starlin Castro – unter unfreiwilliger Mithilfe von Pirates-Catcher Elias Diaz – bewies, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Statistik der Woche 
29. So viele At-Bats hat Steven Brault, Pitcher der Pittsburgh Pirates, in seiner MLB-Karriere bislang als Batter absolviert und nicht einen Strikeout kassiert. 29 At-Bats klingen nicht nach viel, aber tatsächlich ist das eine Leistung, die seit über 80 Jahren keiner geschafft hat. Im Klartext: Brault ist der erste Pitcher, der seine Karriere mit 29 oder mehr At-Bats ohne einen Strikeout beginnt, seit Jim Turner von den Boston Bees im Jahr 1937. Ich finde, das muss man mal erwähnt haben.

Spiel der Woche
Das aufregendste Spiel der vergangenen Tage war für mich das der Chicago Cubs gegen die Atlanta Braves vom Samstag. 10:2 führten die Braves bereits nach vier Innings und noch bis zur Mitte des sechsten Durchgangs. Die Cubs kamen dann zwar im sechsten und siebten Inning zu Runs, lagen aber bei zwei Outs im achten Inning immer noch mit fünf Zählern hinten. Bei kaltem Wind und konstantem Nieselregen gingen viele Zuschauer frühzeitig nach Hause und auch als Spieler sehnt man sich in so einer Lage danach, das Spiel möge bitte einfach nur bald vorbei sein. Sollte man jedenfalls meinen. Aber die Cubs kamen noch mal zurück und zwar in einer Weise, dass sich jeder, der zu früh gegangen ist, furchtbar ärgern wird. Neun Runs erzielten sie im achten Inning, alle bei zwei Outs und keinen davon per Homerun. Drei Hits, fünf Walks, ein Wild Pitch, ein Error und zwei Hits-by-Pitch trugen zu der Aufholjagd bei und zeigen, wie blank die Nerven in diesen Minuten bei den Braves gelegen haben müssen, die den Sieg innerlich wohl längst verbucht hatten und plötzlich kalt erwischt wurden.

Mein Einschalttipp
Starke Blue Jays, mittelmäßige Yankees – das hatten wir vor der Saison anders erwartet. Jetzt ist es an beiden, zu beweisen oder zu widerlegen, dass die bisherigen Ergebnisse ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit entsprechen. Passenderweise sind die Blue Jays ab heute vier Tage lang zu Gast in New York, sodass sich das eine oder andere vielleicht direkt klären lässt. Mein Einschalttipp ist das vierte Spiel der Serie am Sonntag zur europafreundlichen Zeit von 19:05 Uhr MESZ. Auf dem Mound werden voraussichtlich Rechtshänder Luis Severino (2.63 ERA) für die Yankees sowie Linkshänder Jaime Garcia (3.86 ERA) für die Blue Jays stehen. Wie jedes MLB-Spiel kann man die Partie mit einem mlb.tv-Abo verfolgen. Falls ihr das nicht habt, aber Kunde bei DAZN seid, könnt ihr zwar nicht dieses Spiel sehen, aber immerhin die anderen drei dieser interessanten Serie.

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April 17th, 2018 by Dominik

Vor genau drei Wochen habe ich im Zuge meiner Artikel zur Saisonvorschau ein Ranking der MLB-Teams für das Jahr 2018 fertig gestellt. Jetzt haben wir zweieinhalb Wochen Baseball hinter uns und es zeichnet sich bereits ab, dass ich mit der einen oder anderen meiner Einschätzungen wohl daneben lag. Das ist gut so, denn wenn alles so laufen würde, wie ich oder jemand anderes es vorausgesagt hat, wäre die Saison ja tödlich langweilig.

Ich möchte die letztes Jahr begonnene Tradition fortsetzen, jeweils ungefähr zur Monatsmitte mein Powerranking auf den aktuellen Stand zu bringen. Für die Rangfolge spielt natürlich die bisherige Bilanz des jeweiligen Teams eine große Rolle, aber ich schaue mir auch an, wer sich z. B. verletzt hat, wie günstig der Spielplan war und sein wird, wie viel Glück oder Pech bisher im Spiel war und selbstverständlich fließt auch eine Menge subjektiver Intuition mit ein. Findet ihr, dass ich euer Team unterschätze oder seid ihr sicher, dass Team X völlig überbewertet ist? Dann lasst es mich wissen, ich freue mich über jeden Kommentar.

1. (5.) Boston Red Sox (13-2) ⇒
Die Saison beginnt großartig für die Red Sox und dazu haben alle Mannschaftsteile gleichermaßen beigetragen. Das sind gute Voraussetzungen, um sich oben festzusetzen. Allerdings hatte Boston es außer den Yankees bislang hauptsächlich mit Fallobst zu tun. Mit den Angels wartet nun ein echter Test.

2. (1.) Houston Astros (10-7) ⇒
Von World-Series-Hangover keine Spur. Zwischendurch stotterte die Offense ein bisschen, aber dank starken Pitchings wurden die meisten Spiele dennoch gewonnen. Erwähnenswert ist vor allem Neuzugang Gerrit Cole – seine 36 Strikeouts sind die meisten, die im modernen Baseball je ein Pitcher in den ersten drei Spielen für einen Klub erzielt hat.

3. (8.) Arizona Diamondbacks (11-4) ⇑
Die Diamondbacks machen da weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Brillant ist bislang der Bullpen, den ich in der Vorschau noch als Fragezeichen bezeichnet hatte. Mit 1.92 ERA und 2.75 FIP führt er die Liga in den beiden wichtigsten Statistik-Kategorien an.

4. (10.) Los Angeles Angels (13-3) ⇑
Mir fehlt ein bisschen der Mut, die Angels noch weiter oben zu platzieren, aber bislang ist das, was man von der bisherigen Mike-Trout-Show geboten bekommt, schlichtweg fantastisch. Neben Trout ist mit dem japanischen Jungstar Shohei Ohtani mindestens ein weiterer Hauptdarsteller getreten und Ian Kinsler fügte sich nach Rückkehr von der Verletztenliste prompt mit einem Homerun im ersten At-Bat für den neuen Verein ein.

5. (11.) New York Mets (12-3) ⇑
Auch die Mets sind hervorragend in die Saison gekommen, getragen von ihren Assen Noah Syndergaard und Jacob deGrom sowie von einem enorm starken Bullpen, wenngleich dieser gestern gegen Washington zum ersten Mal in diesem Jahr ein richtig schlechtes Inning hatte. Sorgen bereitet die Catcher-Position, da sich innerhalb weniger Tage sowohl Travis d’Arnaud für den Rest des Jahres als auch Kevin Plawecki für ca. vier Wochen verletzt melden mussten.

6. (3.) Cleveland Indians (8-6) ⇒
Die Indians haben das Pitching, um ganz vorne mitzuspielen, allerdings fehlt es bislang an offensivem Feuer. Francisco Lindor und Jose Ramirez scheinen aber schon auf dem Weg heraus aus dem Slump und wenn demnächst noch Yonder Alonso, Edwin Encarnacion und Jason Kipnis folgen, könnte es mal wieder eine längere Siegesserie geben.

7. (4.) New York Yankees (8-7) ⇒
Die Yankees sind noch nicht ganz das, was man im Vorfeld der Saison erwartet hatte. Aber sie stehen bei einem positiven Record und trotz einer schmerzhaften 1:14-Klatsche gegen die Red Sox inwzischen auch bei einem positiven Run Differential (+11). Ich will gar nicht wissen, wie es wird, wenn Giancarlo Stanton und Gary Sanchez den Schwung finden, den sie bislang vermissen lassen.

8. (2.) Chicago Cubs (7-7) ⇓
Eine .500-Bilanz mit Run Differential von +13 ist alles andere als ein Beinbruch, aber eben auch noch nicht, was ich den Cubs zugetraut hätte. Enttäuscht muss man bislang vor allem von der Starting Rotation sein. Kyle Hendricks ist der einzige, der nach drei Spielen mit einem ERA von unter 4.0 dienen kann.

9. (25.) Pittsburgh Pirates (11-5) ⇑
Ich bezweifle immer noch stark, dass die Pirates das vorgelegte Tempo beibehalten können, aber zurzeit sind sie für mich auf jeden Fall die größte Überraschung der Saison. Der überzeugendste Mannschaftsteil ist bislang die Offense mit 89 Runs (5,56 pro Spiel), aber die erstaunlichste Einzelleistung sehe ich bei SP James Taillon. Ein ERA von sagenhaften 0.89 und 20.1 gepitchte Innings in drei Spielen nähren die Hoffnung, dass Taillon dabei ist, den Status des ewigen Talents hinter sich zu lassen.

10. (13.) Minnesota Twins (7-4) ⇒
Nach einer gewonnenen Serie gegen die Astros hätten die Twins sicher gern ein paar Wins gegen die White Sox nachgelegt, doch leider sind wegen des miesen Wetters drei Spiele hintereinander ausgefallen. Gegen die Indians kommt es heute und morgen (sofern es die Witterung hoffentlich zulässt) zu einer echten Standortbestimmung für die beiden Top-Teams der AL Central.

11. (6.) Los Angeles Dodgers (6-9) ⇓
Es war ein Fehlstart, anders kann man es wohl nicht nennen. Und es wird nicht einfacher für die Dodgers, wenn jetzt neben 3B Justin Turner auch noch 2B Logan Forsythe auf der Verletztenliste steht und Closer Kenley Jansen nicht der zu sein scheint, der er mal war. Ich bin sicher, sie werden sich wieder fangen, aber bis dahin könnten die Diamondbacks schon ein gutes Stück enteilt sein.

12. (7.) Washington Nationals (8-9) ⇓
Die Nationals sind das zweite Favoritenteam, das die hohen Prognosen bislang nicht erfüllen konnte. Ein Saisonstart mit vier Siegen hintereinander ließ anderes erwarten, aber seitdem setzte es zu viele Niederlagen, insbesondere gegen die Divisionsrivalen Mets und Braves. Vielleicht fungiert der gestrige Sieg in New York inklusive Late-Inning-Comeback und einem verblüffenden Homerun von Bryce Harper als Initialzündung, um zurück in die Erfolgsspur zu finden.

13. (16.) Atlanta Braves (9-6) ⇒
Das beste Run Differential der NL East haben – ja, tatsächlich: die Atlanta Braves. Sie scoren reichlich, sie pitchen solide und SS Ozzie Albies scheint auf dem besten Weg zum Star. Noch traue ich dem jungen Team nicht über den Weg, aber es ist für mich einer der aussichtsreicheren Kandidaten, im nächsten Ranking noch weiter nach vorne zu springen.

14. (12.) Colorado Rockies (10-8) ⇒
Dass die Prügelei mit den Padres die bislang größte Schlagzeile der Rockies in dieser Saison ist, wird in Colorado nicht gerade für Freude sorgen – und noch weniger, dass Star-3B Nolan Arenado deswegen nun fünf Spiele lang gesperrt ist. Dabei steht man mit 10-8 gar nicht mal schlecht da, aber man sollte auch nicht verschweigen, dass die Rockies das einzige Team mit positivem Record bei negativem Run Differential (-6) sind.

15. (14.) St. Louis Cardinals (9-7) ⇒
Wie schaffen die Cardinals es nur immer wieder, bei mir unter dem Radar zu fliegen? Sie stehen zwei Siege vor den Cubs, haben das beste Run Differential (+18) ihrer Division und aktuell vier Siege am Stück. Trotzdem kann ich mich nicht aufraffen, ihnen mehr als einen Platz im Mittelfeld zuzugestehen. Vielleicht ist gerade das ihre Erfolgstaktik?

16. (18.) Toronto Blue Jays (9-5) ⇒
Wieder ein Team mit überraschend gutem Start, an das ich (noch) nicht recht glauben kann. Neben der auf Dauer übermächtig erscheinenden Divisionskonkurrenz tragen zu meiner Skepsis die Verletzung von 3B Josh Donaldson und die erschreckend schwache Form von SP Marcus Stroman bei.

17. (9.) Milwaukee Brewers (8-9) ⇓
Die Brewers sind bisher nicht so gut wie ich es erwartet hätte und ihre 8-9-Bilanz ist bei einem Run Differential von -19 noch eher schmeichelhaft. Dass sie Closer Corey Knebel mit einer Oberschenkelverletzung für mindestens die nächsten sechs Wochen verloren haben, macht die Sache nicht besser. Zwei blown Saves durch die Vertretungen in der letzten Woche sprechen dafür, dass Knebels Ausfall ein echtes Problem ist.

18. (21.) Philadelphia Phillies (9-6) ⇒
Der neue Manager Gabe Kapler hatte einen holprigen Einstand mit ein paar seltsamen Entscheidungen und peinlichen Patzern, aber nach zweieinhalb Wochen Baseball muss ich zugeben: Es macht zunehmend Spaß, dieser jungen Mannschaft beim Spielen zuzusehen. Die Unerfahrenheit sowohl des Teams als auch des Managers wird dieses Jahr noch ein paar Siege kosten, weswegen ich die Phillies nicht höher einstufe. Aber sie sind unübersehbar auf dem richtigen Weg.

19. (19.) Seattle Mariners (9-5) ⇒
Die Mariners sind in dieser Liste das am tiefsten eingeordnete Team mit positivem Record und ich habe dafür ein paar Gründe: Erstens machen sie nicht den Eindruck, in absehbarer Zeit ihre Verletzungsprobleme in den Griff zu bekommen; zweitens traue ich der Offense nicht dauerhaft zu, wie bisher das unterdurchschnittliche Pitching aufzufangen; drittens scheint der aktuelle Record auch eher zufällig zustande gekommen zu sein, denn ein Run Differential von +1 spricht eher für eine ausgeglichene Bilanz als für die aktuelle .643-Winning-Percentage.

20. (15.) San Francisco Giants (6-9) ⇓
Ich hatte den Giants einen Rebound nach der letztjährigen Katastrophensaison zugetraut, doch danach sieht es nicht aus: Mit Madison Bumgarner, Johnny Cueto und Jeff Samardzija fällt der komplette obere Teil der vorgesehenen Starting Rotation aus und trotzdem ist das Pitching noch der Lichtblick in einem Team, das die wenigsten Runs aller NL-Teams erzielt.

21. (24) Oakland Athletics (7-10) ⇒
Die Athletics werden auch dieses Jahr nichts reißen, halten ihre Fans aber immerhin mit Homeruns bei Laune. 23 Bälle haben Matt Chapman, Khris Davis & Co. schon über den Zaun geschlagen, die zweitmeisten in der AL.

22. (29.) Detroit Tigers (4-9) ⇑
Da wir gerade über Homeruns reden: Die wenigsten haben – gemeinsam mit den Royals – die Tigers erzielt, nämlich gerade mal fünf. Auch sonst hapert es in der Offense, der Batting Average von .216 ist der drittniedrigste und die On-Base-Percantage von .292 die viertniedrigste der MLB. Dank überraschend solidem Pitching erscheinen mir die Tigers zurzeit dennoch besser als ich vor der Saison gedacht hätte.

23. (23.) San Diego Padres (7-11) ⇒
Nicht viel Überraschendes von den Padres: Sie sind auf einem guten Weg, aber der ist noch lang. Das spannendste an ihnen sind derzeit noch die Callups von Talenten, aktuell zum Beispiel der des 23-jährigen Franchy Cordero, der im Centerfield den verletzten Manuel Margot vertritt.

24. (26.) Chicago White Sox (4-9) ⇒
Die White Sox befinden sich in ziemlich genau der gleichen Situation, die ich eben für die Padres geschildert habe. Mit zwei Siegen und insgesamt 18 Runs zum Saisonauftakt gegen die Royals ließen sie aufhorchen, doch seitdem kamen nur noch zwei weitere Siege sowie magere 2,8 Runs pro Spiel hinzu.

25. (17.) Texas Rangers (6-12) ⇓
Niederlagen in acht von zehn Heimspielen, die schlechteste Starting Rotation der Liga (5.72 ERA) und jetzt auch noch acht Wochen Verletzungspause für SS Elvis Andrus lassen die Hoffnung der Rangers auf eine solide Saison relativ früh in relativ weite Ferne rücken.

26. (22.) Tampa Bay Rays (4-12) ⇒
Die Winning-Percentage der Rays von .250 wird derzeit nur von den Royals und den Reds unterboten. Ihre bislang größte Schwäche und zugleich ihre größte Hoffnung auf Besserung ist ihr etatmäßiges Pitching-Ass: Chris Archer ist bislang völlig von der Rolle und hat in vier Starts erschreckende 19 Runs zugelassen. Wenn das einem Spieler seines Kalibers passiert, ist das oft entweder – im positiven Falle – ein statistischer Ausreißer, der sich schnell wieder gibt oder – im negativen Falle – ein Anzeichen für eine noch nicht entdeckte Verletzung, die ich Archer nicht wünsche.

27. (27.) Baltimore Orioles (5-11) ⇒
Die Rotation der Orioles ist so schwach wie erwartet (5.33 ERA), insbesondere Chris Tillman (11.91) ist bislang eine regelrechte Katastrophe und auch das Debüt von Neuzugang Alex Cobb mit sieben erlaubten Runs in 3.2 Innings macht wenig Hoffnung. Der Lichtblick unter den Startern ist Dylan Bundy (1.40 ERA nach vier Starts), aber auch er kommt nicht weit ohne den nötigen Run Support, welcher bei den Orioles mit dem zweitniedriegsten Average der Liga (.216) definitiv nicht gegeben ist. Mit MLB-führenden 177 Strikeouts sind die sie sogar auf Kurs für einen unerwünschten Rekord.

28. (28.) Kansas City Royals (3-10) ⇒
Anders als alle anderen Teams in dieser Region der Rangliste verfügen die Royals über eine durchaus solide Rotation (3.34 ERA). Allerdings wird diese völlig im Stich gelassen vom schlechtesten Bullpen der Liga (6.26 ERA) und einer quasi nicht vorhandenen Offense, die nur 39 Runs erzielt hat, sieben weniger als das zweitschwächste Team, die Giants.

29. (20.) Cincinnati Reds (3-13) ⇓
Von den Reds hatte ich erwartet, dass sie dieses Jahr einen Schritt nach vorne machen, doch danach sieht es bislang nicht aus. Aktuell weisen sie die schlechteste Bilanz und das zweitschlechteste Run Differential (-42) der Liga auf. Stärken sind Fehlanzeige – egal, ob man nach den Leistungen der Starter, des Bullpens oder nach den Battingzahlen schaut, die Reds sind immer ganz hinten dabei. Sogar Joey Votto passt sich dem niedrigen Niveau an; mit einer Slashline von .250/.295/.267 und -0.2 fWAR ist er seinem Team bislang keine Hilfe.

30. (30.) Miami Marlins (4-12) ⇒
Dass die Marlins nach Derek Jeters Kahlschlag vor einer grausamen Saison stehen, war allgemein klar und es würde mich wundern, wenn ihnen irgendwann in diesem Jahr jemand den letzten Platz des Rankings streitig macht. Auch in einer Saison ohne Erwartungen kann man aber immer noch enttäuscht werden – zum Beispiel von den desolaten Auftritten des angeblichen Top-Talents Lewis Brinson. Mit .131/.185/.131 und -0.5 fWAR ist Brinson zurzeit der schwächste Stammspieler der MLB.

Zahl in Klammern = Rang im letzten Powerranking
⇑ = 5 oder mehr Plätze höher als im letzten Powerranking
⇓ = 5 oder mehr Plätze niedriger als im letzten Powerranking
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zum letzten Powerranking

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April 12th, 2018 by Dominik

Verblüfft reibe ich mir die Augen, denn nach zwei Wochen Baseball sind das heißeste Team der Liga – die New York Mets. Mit zehn Siegen und nur einer Niederlage haben die Mets den besten Saisonstart ihrer Teamgeschichte hingelegt und sind rein rechnerisch auf Kurs für 147 Siege. Die werden sie nicht bekommen, aber sie haben jedenfalls reichlich Anlass, den Moment zu genießen. Derweil liegen anderswo bereits die Nerven blank, was sich gestern in gleich mehreren Rangeleien entlud. Darüber und über alles, was sonst noch wichtig war in dieser Woche, informiert euch heute der Grand Slam am Donnerstag.

National League
Die New York Mets (10-1) als derzeit bestes Team der National League East sowie der gesamten MLB habe ich ja bereits in der Einleitung ausreichend gepriesen. Ein interessanter Fakt am Rande: Zum ersten Mal überhaupt starteten in den letzten fünf Partien die sogenannten Fab Five – Syndergaard, deGrom, Matz, Harvey, Wheeler – in einer kompletten gemeinsamen Rotationsrunde. Darauf hatten Metsfans seit 2015 gewartet und es eigentlich schon fast nicht mehr für möglich gehalten. Da war es dem Anlass nur angemessen, dass alle fünf Spiele gewonnen wurden. Angesichts der Strahlkraft der Mets übersieht man leicht, dass auch die Atlanta Braves (7-5) und die Philadelphia Phillies (6-5) einen sehr guten Start hatten. Die Chancen scheinen also gut zu stehen, dass die Division in diesem Jahr erstmals seit Langem kein Selbstläufer für die Washington Nationals (6-6) wird. Bereits etwas abgeschlagen sind (und bleiben vermutlich) nur die Miami Marlins (3-9). Ein Hoffnungsschimmer für die Marlins war gestern Abend Jarlin Garcia, der bei seinem ersten MLB-Start überhaupt sechs Innings absolvierte, ohne einen Hit zuzulassen. Die Marlins nahmen ihn dennoch nach 77 Pitches aus dem Spiel und ließen ihn nicht beenden, was er angefangen hatte. Relliever Drew Steckenrider gab dann direkt den ersten Hit ab und der Rest des Bullpens gab das Spiel mit 1:4 gegen die Mets aus der Hand.

Auch die NL Central hat mit den Pittsburgh Pirates (8-3) einen eher überraschenden Tabellenführer. Sechs der Siege wurden allerdings gegen die Cincinnti Reds (2-9) und die Detroit Tigers eingefahren, also ebenfalls als schwach einzuschätzende Teams. Daher ist die Euphorie in Pittsburgh bislang auch etwas verhalten. Mit den Chicago Cubs (6-5) und den Milwaukee Brewers (7-6) stehen auch die beiden Favoriten der Division knapp positiv, während die St. Louis Cardinals (5-7) ihre Hoffnungen darauf setzen, etwas Boden gut zu machen, wennn sie nun in sieben der nächsten zehn Spiele gegen die Reds antreten.

In der NL West knüpfen die Arizona Diamondbacks (9-3) an das starke Finnish aus dem Vorjahr nahtlos an, während die favorisierten Los Angeles Dodgers (4-7) bislang nicht in Tritt gekommen sind und noch keine ihrer Serien gewinnen konnten. Das ist eine interessante Konstellation im Vorfeld der am Wochenende anstehenden Drei-Spiele-Serie zwischen den beiden Teams. „Interessant“ war auch, was die Colorado Rockies (6-7) und die San Diego Padres (4-9) die letzten Tage über veranstaltet haben – weniger von den Ergebnissen her (es steht diese Saison bislang 3:3 zwischen den beiden) als vielmehr wegen der offenbar bestehenden Antipathien zwischen den Spielern. Deutlich sichtbar wurden diese erstmals im Spiel am Dienstag, als Padres-Outfielder Manuel Margot von Rockies-Reliever Scott Oberg so hart abgeworfen wurde, dass er mit geprellten Rippen auf die Verletztenliste musste. Am Tag darauf folgte im ersten Inning die Vergeltung in Form eines Hit-by-Pitches von Luis Perdomo gegen Trevor Story, woraufhin German Marquez im zweiten Inning in erneuter Retourkutsche Hunter Renfroe abwarf. Als der erste Pitch des dritten Innings knapp hinter Rockies-3B Nolan Arenado vorbei flog, gab es kein Halten mehr. Arenado stürmte auf den Mound zu, Perdomo, warf ihm seinen Handschuh entgegen und aus beiden Benches und Bullpens eilten Mitspieler herbei, um bei der Keilerei mitzumischen, zu schlichten oder von beidem ein bisschen. Es dauerte eine Weile, bis die Umpires die Situation beruhigt hatten. Schließlich wurden Perdomo und A. J. Ellis von den Padres sowie Arenado, Marquez und Gerardo Parra von den Rockies des Feldes verwiesen und müssen mit Sperren rechnen.

American League
Irgendwas scheint die Leute gestern aggressiv gemacht zu haben, denn auch in der American League East zwischen den Boston Red Sox (9-2) und den New York Yankees (6-6) ging es rund, entzündet an einem übertrieben harten Slide von Tyler Austin und der späteren Vergeltungsaktion in Form eines Hit-by-Pitches. So gern ich eigentlich mehr über Baseball schreiben würde, kann ich mich doch nicht der Faszination der körperlichen Auseinandersetzungen entziehen. Ich glaube, diese Faszination hat ganz viel damit zu tun, dass man als Fan auf diese Art etwas Gewissheit bekommt, dass die Akteure trotz der Millionen, die sie verdienen, das Spiel dennoch mit viel Emotion und Herzblut leben. Trotzdem ist das natürlich der falsche Kanal für das Herzblut und ich bin sehr dafür, dass Schlägereien von der Liga mit Sperren geahndet werden. Zurück zum Sport: Die Toronto Blue Jays (8-5) gehören zu den positiven Erscheinungen der bisherigen Saison, hatten bislang aber ein relativ einfaches Programm, das in den kommenden zwei Wochen (dreimal Indians, dreimal Red Sox, viermal Yankees) deutlich schwerer wird. Die Baltimore Orioles (5-8) bräuchten bei der kommenden Serie in Boston ein Erfolgserlebnis, damit es ihnen nicht so geht wie den Tampa Bay Rays (3-9), die trotz der kurzen Zeit schon ziemlich abgeschlagen sind.

Die Minnesota Twins (7-5) hatten gerade ihr Erfolgserlebnis in Form einer gewonnenen Serie gegen die Houston Astros (siehe „Spiel der Woche“) und führen die AL Central an, mehr oder weniger gleichauf mit den Cleveland Indians (6-4). Mit diesen beiden vorne und den Chicago White Sox (4-7), den Detroit Tigers (4-7) und den Kansas City Royals (3-7) hinten sieht diese Division als einzige schon nach zwei Wochen ziemlich exakt so aus, wie man es vor der Saison erwartet hätte. Das klingt ein bisschen langweilig, aber erstens kann noch viel passieren und zweitens sieht es ja immerhin nach einem spannenden Zweikampf um die Spitze aus.

Auch an der Spitze der AL West gibt es zurzeit einen Zweikampf, beteiligt daran sind World Champion Houston Astros (9-4) und der nicht ganz so geheime Geheimfavorit Los Angeles Angels (10-3). Die Story bei den Angels ist natürlich Shohei Ohtani, der bislang sämtlichen Vorschusslorbeeren gerecht wird. Ohtani hat in zwei Starts als Pitcher 13 Innings absolviert und bringt es auf einen ERA von 2.08, im zweiten Spiel trug er sogar einen No-Hitter bis ins siebte Inning und ließ insgesamt nur einen Hit und keinen Run zu. Auch als Batter brilliert er mit einer Slashline von .364/.417/.773 und 3 Homeruns. Für Ohtani hat man den Rhythmus etabliert, dass er einmal pro Woche startet, am Tag davor und danach pausiert und ansonsten meistens als Designated Hitter antritt. Neben den beiden genannten Teams halten sich auch die Seattle Mariners (6-4) wacker, obwohl ihnen das bizarre Verletzungspech treu bleibt: Vor zwei Wochen zog sich Mike Zunino eine Zerrung beim Batting Practice zu, vor einer Woche verstauchte Nelson Cruz sich den Knöchel, als er nach einem Homerun auf dem Weg ins Dugout ausrutschte, diese Woche kam Ryon Healy dazu, der sich beim Workout nach dem Spiel am Samstag ebenfalls den Knöchel verstauchte. Auch die Oakland Athletics (5-8) und die Texas Rangers (4-10) produzieren derzeit vor allem mit Verletzungen Schlagzeilen: Bei den A’s musste Pitching-Prospect A. J. Puk wie erwartet eine Tommy-John-Surgery über sich ergehen lassen, bei den Rangers wurde SS Elvis Andrus so hart von einem Pitch von Angels-Reliever Keynan Middleton getroffen, dass er sich den Ellenbogen brach.

Szene der Woche
Für einen patriotischen Amerikaner gäbe es in dieser Kategorie keine andere Wahl als den Adler, der auf der Schulter von Mariners-Pitcher James Paxton gelandet ist. Das war durchaus eine coole Szene, die man sich mal anschauen sollte. Ich fand aber eine andere Szene noch sehenswerter: Nachdem sich am Samstag die Houston Astros und die San Diego Padres neun Innings lang nichts geschenkt und auch im zehnten Inning den Stand bis zum finalen Out bei 0:0 gehalten hatten, endete das Spiel mit einem spektakulären Walkoff. Es war kein Monster-Homerun und auch kein Steal der Homeplate, das haben wir alles schon gesehen. Aber einen Walkoff wie diesen, bei dem Derek Fisher scort, weil Eric Hosmer einen lockeren Infield-Popup von Alex Bregman hinter sich plumpsen lässt, hatte ich bisher noch nicht erlebt.

Statistik der Woche 
100. So viele Saves hat Roberto Osuna in seiner Karriere bislang erzielt. Das sind verdammt viele für einen 23-Jährigen, genauer gesagt ist er damit der jüngste Spieler aller Zeiten, der die 100-Saves-Marke erreicht hat. Natürlich ist es noch viel zu früh, über „richtige“ Rekorde zu sprechen. Aber es sei doch angemerkt, dass Osuna unter Berücksichtigung seines Alters derzeit einen Vorsprung von 100 Saves auf Mariano Rivera hält. Rivera, der mit 652 Karriere-Saves die Allzeit-Liste der MLB anführt, verdiente sich den ersten Save erst mit 26 Jahren.

Spiel der Woche
An dieser Stelle ist es mal wieder Zeit, „unserem“ MLB-Star Max Kepler die Ehre zu erweisen: Mit zwei Homeruns drückte er der gestrigen Partie der Minnesota Twins gegen die Houston Astros mehr als nur seinen Stempel auf. Im dritten Inning war er mit einem 2-Run-Homer daran beteiligt, dass die Twins einen frühen 0:1-Rückstand drehten und mit acht Runs gegen Astros-Starter Lance McCullers scheinbar uneinholbar in Führung gingen. Doch der World Champion aus Houston brachte sich mit vier Runs im fünften Inning wieder in Schlagweite, legte im sechsten einen nach und kam so auf 6:8 heran. Im neunten Durchgang ließ Twins-Closer Fernando Rodney mit zwei Hits und einem Walk zu, dass die Bases sich luden, bevor ein durch 2B Brian Dozier verkorkstes Double Play die zwei nötigen Runs über die Platte brachte, um das Spiel auszugleichen und Rodney einen blown Save zu bescheren. Dass Rodney für seine Nicht-Leistung am Ende ein „W“ zugeschrieben bekam, zeigt mal wieder, was für eine dämliche Statistik Pitcher-Wins sind. Gewonnen hat das Spiel natürlich nicht Rodney, sondern Max Kepler. Mit zwei Outs und einem 3-2-Count nutzte Kepler die allerletzte Chance des Spiels und drosch den Slider von Brad Peacock über das Rightfield – es war der zweite Walkoff-Homerun seiner Karriere.

Mein Einschalttipp
Das alte Feuer ist zurück zwischen den Boston Red Sox und den New York Yankees – weil dieses Jahr beide die Favoritenrolle in der AL East für sich reklamieren, weil trotz des gestrigen Yankees-Sieges der Stachel der 1:14-Niederlage im Spiel zuvor tief sitzen dürfte und natürlich auch weil man nach den oben erwähnten Aktionen rund um Tyler Austin alles andere als friedlich auseinander gegangen ist. Ich werde daher auf jeden Fall verfolgen, wie es heute Nacht um 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit weiter geht zwischen den beiden Traditionsklubs. Mit Rick Porcello (2.84 ERA, 1.55 FIP) und Sonnny Gray (3.60 ERA, 2.15 FIP) verspricht das Pitcherduell auch sportlich eine hochklassige Begegnung.

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April 5th, 2018 by Dominik

Sieben Tage MLB liegen hinter uns, jedes Team hat schon mal gewonnen, jedes Team hat schon mal verloren und ganz vorne stehen – von wegen World-Series-Hangover! – die Houston Astros. Die neue Saison hat gut angefangen, nur das Wetter spielte leider vielerorts nicht mit. Eine Menge Spiele mussten wegen Regens, Schnees und eines Sturms verlegt werden, darunter allein drei mit Beteiligung der Detroit Tigers. Man könnte die vielen Spielausfälle als Argument gegen den dieses Mal besonders frühen Saisonstart anführen, aber im Endeffekt ist es wohl einfach Pech, dass der Frühling in den USA genau wie bei uns in diesem Jahr noch nicht so recht in die Gänge kommt. Der Grand Slam am Donnerstag fast das Geschehen der vergangenen sieben Tage zusammen, heute erstmals wieder in der Saison-Variante – los geht’s.

American League
In der American League East stehen die beiden Teams vorne, die man genau dort erwartet hatte: die Boston Red Sox (5-1) und die New York Yankees (4-2). Die Red Sox begannen das Jahr zwar mit einer Niederlage in Tampa Bay, ließen dieser aber fünf Siege folgen und gehen selbstbewusst in die erste Heimserie. In dieser geht es erneut gegen die Rays (1-5), welche nach fünf Niederlagen hintereinander ebenso einen Fehlstart hingelegt haben wie die Baltimore Orioles (1-5). Die Fans der Yankees machten übrigens in ihrem Home Opener sehr deutlich, dass sie dieses Jahr nicht bereit sind, Geduld walten zu lassen: Neuverpflichtung Giancarlo Stanton, der einen schlechten Tag erwischt hatte und fünf Strikeouts kassierte, wurde von einem Teil der Zuschauer gnadenlos ausgebuht – ungeachtet der Tatsachen, dass die Yankees das Spiel deutlich gewannen und dass Stanton bei seinem Debüt für den neuen Klub ein paar Tage vorher zwei Homeruns in Toronto geschlagen hatte. Die Blue Jays (4-3) hatten übrigens ebenfalls einen guten Start, ließen einem Split gegen die Yankees, eine 2:1 gewonnene Serie gegen die White Sox folgen.

Trotz der verlorenen Serie gegen die Blue Jays finden die Chicago White Sox (3-2) sich derzeit an völlig ungewohnter Stelle wieder, nämlich an der Spitze der AL Central. Das liegt vor allem daran, dass sie die Eröffnungsserie gegen die Kansas City Royals (1-3) mit 2:0 gewonnen haben und dass die in der Division favorisierten Cleveland Indians (2-4) etwas holprig in die Saison gestartet sind – sowohl gegen die Seattle Mariners als auch gegen die Los Angeles Angels setzte es verlorene Serien. Die Minnesota Twins (3-2) hingegen hatten einen guten Start mit drei deutlichen Siegen bei zwei knappen Niederlagen. Max Kepler ist ebenfalls gut drauf: Er stand in allen fünf Spielen in der Startformation, kam mindestens einmal pro Spiel auf Base und schlug am Samstag gegen Baltimore seinen ersten Homerun der Saison. Die schlechteste Bilanz in der AL haben bislang die Detroit Tigers (1-4) – das sollte man allerdings noch nicht zu hoch bewerten, denn angesichts von drei Spielverlegungen ist es nicht einfach, in Tritt zu kommen, und ein Run Differential von -2 zeigt, dass die Tigers bei den bisherigen Resultaten wohl auch ein bisschen Pech hatten.

In der AL West cruisen die Houson Astros (6-1) schon wieder überlegen an der Spitze. Nach einer 3:1-Serie gegen die Texas Rangers (2-5) wurden die Baltimore Orioles 3:0 gesweept und die in der Offseason oft gehörte Frage „Wer soll dieses Team aufhalten?“ harrt weiterhin einer Antwort. Aber vielleicht ist diese Antwort gar nicht weit weg, denn die Los Angeles Angels (5-2) machen bislang ebenfalls einen guten Eindruck. Sie haben ihre Serien gegen die Oakland Athletics (3-4) sowie gegen Cleveland gewonnen und Shohei Ohtani scheint tatsächlich das Zeug zu dem Doppel-Star zu haben, als der er angepriesen wurde: Sein erstes Outing als Pitcher (6 IP, 3 H, 3 R, 6 SO) war mindestens solide, als Designated Hitter war er noch besser mit 6 Hits in 14 At Bats, darunter zwei Homeruns. Die Seattle Mariners (3-2) sind eigentlich auch gut in die neue Saison gekommen, machen aber gleichzeitig ihrem Ruf als einer der Pechvogel-Klubs der Liga wieder mal Ehre: Ausgerechnet auf dem Weg von einem Homerun zurück in den Dugout knickte DH Nelson Cruz um und steht jetzt erst mal auf der Verletztenliste.

National League
Die Tabelle der National League East möchte ich als Fan der New York Mets (4-1) am liebsten für den Rest des Jahres einfrieren, aber sie ist natürlich nur eine Momentaufnahme und neben den Mets haben auch die Atlanta Braves (4-2) und die Washington Nationals (4-2) bereits vier Siege auf dem Konto. Ensprechend gespannt darf man auf die ab heute anstehende Serie der Nationals gegen die Mets sein. Nach dem Wochenende kann man vermutlich etwas besser einschätzen, wie die Kräfteverhältnisse zwischen diesen beiden in diesem Jahr aussehen. Die Miami Marlins (2-4) stehen nach der ersten Woche wie erwartet bei einer negativen Bilanz; die beiden Siege gegen die Chicago Cubs sind schon mehr als man ihnen zugetraut hätte angesichts des schweren Anfangsprogramms mit den Cubs und den Red Sox. Das Ende der Tabelle zieren die Philadelphia Phillies (1-4), die kurz nach Saisonbeginn schon mit ihrem neuen Manager Gabe Kapler hadern. Kapler leistete sich in den ersten Spielen einige seltsame Entscheidungen, wechselte zum Beispiel am Samstag nach drei Innings Starter Vince Velasquez aus, ohne dass sich jemand im Bullpen aufgewärmt hatte, und schickte später im Spiel ohne erkennbare Not einen Positionsspieler auf den Mound. Nach dem Spiel entschuldigte er sich für seine Fehler und versprach gleichzeitig, die Phillies würden dieses Jahr die Playoffs erreichen. Übrigens treffen auch die Marlins und die Phillies ab heute direkt aufeinander.

Den besten Start in der NL Central hatten überraschenderweise die Pittsburgh Pirates (4-1), sie waren bis gestern sogar noch das einzige ungeschlagene Team der Liga. Auch die Milwaukee Brewers (4-2) sind gut aus den Startlöchern gekommen, wobei die Bilanz ihnen etwas schmeichelt, denn alle vier Siege waren sehr knapp. Drei klare Siege, aber auch drei Niederlagen haben die St. Louis Cardinals (3-3) auf dem Konto. Die Cardinals haben sich übrigens letzten Donnerstag, kurz nach meinem letzten Grand Slam, des letzten wichtigen Free Agents erbarmt und Closer Greg Holland unter Vertrag genommen. Holland erhält 14 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag und wird voraussichtlich Anfang nächster Woche bereit für seine ersten Einsätze sein. Die Chicago Cubs (2-3) müssen ihre Auftaktwoche als Fehlstart verbuchen – ein Split gegen das wohl schwächste Team der Liga, die Marlins, sowie eine Niederlage gegen die bis dahin sieglosen Cincinnati Reds (1-3) sind definitiv zu wenig für ein Team mit höchsten Ansprüchen an sich selbst.

Einen Fehlstart haben auch die Los Angeles Dodgers (2-5) hingelegt, die vor der Saison als übergroßer Favorit auf den Gewinn der NL West galten. Der Favorit sind sie immer noch, aber nach zwei Niederlagen gegen den Erzrivalen San Francisco Giants (3-3) zum Auftakt sowie nach einem Sweep durch die Arizona Diamondbacks (5-1) hat die Euphorie erst mal einen deutlichen Dämpfer bekommen. Anders sieht es bei den Colorado Rockies (3-3) aus: Deren Start war zwar auch nur durchwachsen, aber ihre Schlagzeile der Woche ist die Vertragsverlängerung mit Star-Outfielder Charlie Blackmon. Für 108 Millionen Dollar bindet der 31-Jährige sich für die nächsten sechs Jahre an Colorado und wird somit langfristig das Gesicht der Franchise bleiben.

Szene der Woche
Die Saison ist gerade erst eine Woche alt, hat aber schon so viele tolle Momente zu bieten, dass die Entscheidung an dieser Stelle mal wieder schwer fällt. In die nähere Auswahl gehören ganz sicher die Aktionen von Edwin Encarnacion, der eigentlich viel zu langsam für einen Inside-the-Park-Homerun, und von Ichiro Suzuki, der eigentlich viel zu alt für so einen Catch ist. Die Szene der Woche ist für mich aber dennoch der Homerun von Ian Happ beim allerersten Pitch der MLB-Saison 2018. Besser als mit einem solchen Paukenschlag kann man das Jahr nicht eröffnen.

Statistik der Woche 
3. So viele Homeruns hat Joe Panik dieses Jahr schon für die San Francisco Giants geschlagen. Das ist eine ganze Menge für jemanden, der bislang nie mehr als zehn Homeruns in einem ganzen Jahr geschafft hat. Das Interessante an diesen drei Homeruns ist, dass es die drei ersten Runs waren, die die Giants in diesem Jahr zustande gebracht haben. Die drei ersten Runs eines Teams in einer Saison alle per Solo-Homerun durch denselben Spieler, das hatte es bisher noch nie gegeben. Dass ein Team seine ersten beiden Spiele mit 1:0 gewinnt und beide durch einen Homerun desselben Spielers, ist übrigens ebenfalls ein historisches Novum.

Spiel der Woche
Angesichts der Tatsache, dass die Chicago Cubs allgemein als eines der besten Teams dieser Saison eingeschätzt werden und die Miami Marlins als eines der schlechtesten, kam es recht überraschend, dass ausgerechnet diese beiden sich Freitagnacht die erste epische 17-Inning-Schlacht der Saison lieferten: Je ein Run auf jeder Seite im dritten Inning waren die einzigen Scores bis zum Walkoff der Marlins, den nach 5 Stunden und 18 Minuten drei 2-Out-Singles von Brian Anderson, Cameron Maybin und Miguel Rojas besiegelten. Zuvor durften die tapfer ausharrenden Zuschauer 34 Strikeouts, 33 gestrandete Baserunner und eine ganze Menge sehenswerter Szenen, insbesondere in der Defensive, bewundern.

Mein Einschalttipp
Wie schon erwähnt werden sich ab heute drei Spiele lang die Washington Nationals und die New York Mets gegenüber stehen. Diese Partien werden einen Eindruck davon geben, ob dieses Jahr mit mehr Spannung in der NL East zu rechnen ist als im letzten. Besonders sehenswert dürfte das erste Spiel der Serie sein, denn mit Stephen Strasburg gegen Jacob deGrom kündigt sich eines der Premium-Pitcherduelle der Liga an. Obendrein läuft das Spiel am heutigen Donnerstag zur besten europäischen Sendezeit ab 19:10 Uhr MESZ, live zu sehen auf DAZN und natürlich über mlb.tv. Übrigens: Wusstet ihr schon, dass deGrom mit einem ERA von 1.98 (bei mind. 100 IP) der erfolgreichste Pitcher der MLB-Geschichte in Mittagsspielen ist? Muss wohl ein Morgenmensch sein.

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April 4th, 2018 by Dominik

Unter vielen MLB-Fans sorgte es in den letzten Tagen für Verwirrung, dass die sogenannten Condensed Games seit dieser Saison nicht mehr auf mlb.com verfügbar sind. Condensed Games sind rund zehnminütige unkommentierte Zusammenschnitte der wichtigsten Szenen eines Spiels. Sie umfassen in der Regel Runs, Strikeouts, das finale Out jedes Innings, Pitcherwechsel und alles, was in irgendeiner Weise spektakulär ist. Condensed Games sind ein hervorragender Weg, über den Spielbetrieb der MLB auf dem Laufenden zu bleiben, ohne täglich mehrere Spiele schauen oder sich durch unzählige Highlight-Videos klicken zu müssen.

Obwohl man die Condensed Games nicht mehr auf mlb.com findet, sind sie zum Glück nicht abgeschafft worden. Sie werden seit diesem Jahr im Youtube-Kanal der MLB veröffentlicht und sind außerdem nach wie vor in der MLB-App At Bat zu finden. Ich dachte mir, das schreibe ich hier mal als kleine Notiz für alle, die sich vielleicht wie ich gewundert haben, wo diese schönen Zusammenfassungen abgeblieben sind.

Noch ein Tipp, wie man besonders leicht an die Condensed Games herankommt und sich nicht bei der Suche die Überraschung über das Spielergebnis verderben lässt: Die Seite baseball-theater stellt eine schnörkellose Übersicht aller Spiele mit Links zum Condensed Game, zur kürzeren (ungefähr zweiminütigen) Recap und zu weiteren Videos zur Verfügung. Der Clou an der Seite ist, dass man in den Einstellungen (erreichbar über das Rädchen rechts oben) die Scores der Spiele ausblenden kann, was das Anschauen der Condensed-Versionen deutlich spannender macht. Es gibt übrigens auch eine Android-App von baseball-theater, welche die gleichen Funktionen bietet; eine App für iOS ist laut dem Entwickler in Planung.

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März 29th, 2018 by Dominik

Heute. Ich schreibe es noch ein paarmal, weil es so schön klingt: Heute. Heute. Heute. Heute beginnt die neue MLB-Saison. Die Offseason kam mir vor wie eine Unendlichkeit, tatsächlich war es aber eine ungewohnt kurze Saisonpause: Der 29. März ist der früheste Opening Day, den es in der MLB je gegeben hat. Erfreulicherweise hat die Liga zum ersten Mal seit 50 Jahren darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams sollten heute ihr erstes Spiel haben. Daraus wird nun leider nichts, denn wegen angekündigter Regenfälle wurde das Spiel der Cincinnati Reds gegen die Washington Nationals bereits auf Freitag verschoben und es könnten durchaus noch weitere Partien folgen. Sei es wie es will, nächste Woche um diese Zeit sind auf jeden Fall alle Teams mitten drin in der MLB-Saison 2018. Aus diesem Grund lest ihr heute den vorerst letzten Grand Slam am Donnerstag in der Offseason-Variante. Ab nächster Woche gibt es an dieser Stelle wieder die nach Ligen und Divisionen gegliederte Saison-Version des wöchentlichen Überblickartikels.

Bumgarner, Bird und Puk verletzt 
Noch bevor die Saison richtig begonnen hat, gibt es leider schon wieder so viele verletzte Spieler, dass es mir schwerfällt, einen vollständigen Überblick zu bewahren. Das namhafteste „Opfer“ ist diese Woche Madison Bumgarner. Der Giants-Pitcher wurde von einem Comebacker an seiner Wurfhand getroffen und erlitt eine Fraktur, die operiert werden musste. Er wird seinem Team voraussichtlich rund zwei Monate lang fehlen.

Ähnlich lang werden die Yankees auf ihren First Baseman Greg Bird verzichten müssen. Bird musste sich einer OP am rechten Knöchel unterziehen, bei der Knochensplitter entfernt wurden. Man kann nur hoffen, dass mit der neuen Maßnahme endlich die Ursache beseitigt wurde, wegen der der hochtalentierte 25-Jährige einen Großteil der vergangenen beiden Saisons versäumte.

Die gesamte Saison 2018 und auch den Beginn der Saison 2019 wird A. J. Puk, Pitching-Prospect der Oakland Athletics, verpassen. Genau wie sein Teamkollege Jharel Cotton in der Woche zuvor, muss Puk sich wegen einer Verletzung am Wurfellenbogen der Tommy-John-Surgery unterziehen.

Scott Kingery: 6 Jahre, 24 Millionen, 0 MLB-Spiele
Eine eher ungewöhnliche Vertragsverlängerung gab es bei den Philadelphia Phillies: Scott Kingery einigte sich mit dem Klub auf einen Sechsjahresvertrag mit einem garantierten Einkommen von 24 Millionen Dollar, bevor er auch nur ein einziges At Bat in der MLB absolviert hat. Das spricht für großes Vertrauen in die Fähigkeiten des Infielders, der ein sehr starkes Spring Trainig gespielt hat (.411/.441/.786). Der Vertrag deckt die komplette Zeit ab, in der Kingery sonst drei Monate für den Mindestlohn der MLB und weitere drei Jahre für ein im Arbitration-Verfahren ausgehandeltes Gehalt gespielt hätte. Die Vertragssumme ist ein Rekord für Spieler ohne MLB-Erfahrung, aber wenn Kingery die Erwartungen halbwegs erfüllt, hätte er über die sechs Jahre gerechnet wohl auch sonst in dieser Größenordnung verdient. Vorteilhaft für den Klub erscheint vor allem, dass der Vertrag Optionen für drei weitere Jahre zu 13 Millionen, 14 Millionen und 15 Millionen Dollar enthält.

Und was wird aus Greg Holland?
Es war eine seltsame Free Agency in dieser Offseason, doch im Endeffekt sind die meisten prominenten Spieler irgendwann irgendwo untergekommen. Die wichtigste Ausnahme davon bleibt Greg Holland. Der ehemalige Closer der Colorado Rockies wurde schon mit diversen Teams in Verbindung gebracht – den Rockies, den Diamondbacks, den Braves, den Cardinals, zuletzt den Mets –, aber etwas Konkretes hat sich nicht ergeben. Offenbar haben Holland und sein Agent Scott Boras, der dafür bekannt ist, die Teams in Verhandlungen lange hinzuhalten, sich verzockt und die besten Möglichkeiten verpasst. Holland wird nicht lange arbeitslos bleiben, wenn die Saison erst begonnen hat, aber er wird möglicherweise mit einem Einjahresvertrag und einem „nur“ siebenstelligen Gehalt vorlieb nehmen müssen. In der Größenordnung der 17,4 Millionen, die er sich durch die Ablehnung des Qualifying Offers der Rockies zu Beginn der Offseason entgehen ließ, wird er jedenfalls nicht mehr rechnen dürfen.

Ein paar weitere Free Agents, die innerhalb der ersten Saisonwochen noch irgendwo unterkommen dürften, sind SP John Lackey, OF Jose Bautista, 1B Mark Reynolds und 2B Brandon Phillips.

Steven Wright wird gesperrt
Die Boston Red Sox werden zu Beginn der Saison für einige Zeit auf Pitcher Steven Wright verzichten müssen. Zunächst steht Wright auf der Verletztenliste (DL), weil er nach einer im Mai 2018 durchgeführten Knieoperation noch nicht wieder ganz fit ist. Zudem muss er eine 15-tägige Sperre absitzen, die erst dann in Kraft tritt, wenn die Verletzung überwunden ist. Wright war im Dezember zu Hause in Tennessee festgenommen worden wegen eines häuslichen Übergriffs gegenüber seiner Frau Shannon und wegen Verhinderung eines Notrufs. Wright räumt sein Fehlverhalten ein, beteuert aber, dass es bei dem Vorfall nicht darum ging, dass er seine Freu geschlagen oder auch nur angefasst hätte. Gerichtlich endete die Sache mit Zahlung einer Strafe und einer Art vereinfachter Bewährung: Wenn Wright sich innerhalb von zwölf Monaten nichts mehr zu schulden kommen lässt, wird das Verfahren eingestellt.

Oh shit! 
Die Überschrift hätte zwar auch für den vorherigen Abschnitt gepasst, ist hier aber wörtlich gemeint: Wegen eines gebrochenen Abwasserrohres wurde in der Nacht zum Mittwoch ein Teil des Foul-Territorys von Dodger Stadium von Fäkalien überflutet. Das Ganze passierte während des fünften Innings des Spring-Training-Spiels zwischen den Dodgers und den Angels, das daraufhin abgebrochen wurde. Das Leck und die entstandenen Schäden sind wohl mittlerweile behoben, sodass die heutige Saisoneröffnung der Dodgers gegen den Erzrivalen San Francisco Giants nicht in Gefahr ist.

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März 27th, 2018 by Dominik

Seit der gestrigen Veröffentlichung meines #2-Artikels ist heraus, dass ich die Houston Astros als den Favoriten auf den Gewinn der World Series 2018 sehe. Ich gebe zu, es ist vielleicht ein bisschen langweilig, auf den Titelverteidiger zu setzen. Doch mir bleibt kaum etwas anderes übrig angesichts eines letztes Jahr beeindruckenden Teams, das dieses Jahr noch stärker geworden ist. Das Batting Lineup, das 896 Runs produzierte und die MLB mit Abstand anführte, tritt fast unverändert wieder an. Die letztes Jahr noch vorhandenen Löcher in der Rotation wurden gestopft: durch Justin Verlander bereits zur Waiver-Deadline 2017 und durch Gerrit Cole in der Offseason. Auch der Bullpen wurde mit der Verpflichtung von Joe Smith und Hector Rondon verstärkt, sodass es mir schwer fällt, an diesem Team überhaupt noch irgendwelche Schwächen zu entdecken. Das heißt natürlich nicht, dass die Astros 2018 unschlagbar wären. In der Division sehe ich sie als haushohen Favoriten, doch für die Championship kommen meiner Ansicht nach die zehn bis zwölf vorderen Teams meines Rankings infrage.

Voraussichtliches Lineup
C Brian McCann
1B Yulieski Gurriel
2B Jose Altuve
SS Carlos Correa
3B Alex Bregman
LF Derek Fisher
CF George Springer
RF Josh Reddick
DH Evan Gattis

Voraussichtliche Rotation
SP Justin Verlander
SP Dallas Keuchel
SP Gerrit Cole
SP Lance McCullers
SP Charlie Morton
Closer Ken Giles

Wichtigster Zugang
SP Gerrit Cole (Pittsburgh Pirates)

Wichtigster Abgang
OF Carlos Beltran (Karriereende)

Bestes Prospect
OF Kyle Tucker

Größte Stärke
Die Rotation: Ich hätte hier genauso gut das wohl beste Batting-Lineup der Liga nennen können, aber dass dieses Jahr auch die Starting Rotation der Astros ihresgleichen sucht, hat wohl den größeren Neuigkeitswert. Um die Sache genauer einzuordnen: Den besten Pitcher haben meiner Ansicht nach die Dodgers, die beste 1-2-Kombination sehe ich bei den Indians und den Mets, die besten Top-3 bei den Nationals; aber insgesamt von 1 bis 5 überzeugt mich keine Rotation so sehr wie die der Astros.

Größte Schwäche
Lefty Reliever: Ich musste eine ganze Weile suchen, aber einen möglichen Schwachpunkt habe ich dann doch gefunden. Die Astros haben in ihrem Opening-Day-Roster nur einen linkshändigen Relief Pitcher, Tony Sipp. Sipp hat mit ERAs von 4.95 (2016) und 5.79 (2017) in den letzten beiden Saisons unterhalb Replacement Level gepitcht und sah auch im Spring Trainig dieses Jahr nicht besser aus. Ein verlässlicher Lefty dürfte daher ganz oben auf der Wunschliste stehen; aber solange das die größte Schwäche ist, haben wir es offensichtlich mit einem sehr guten Team zu tun.

Spannendste Frage
Schlägt der Hangover zu? Es ist ein bekanntes Phänomen, dass nach dem Gewinn einer Meisterschaft im Folgejahr oft das letzte bisschen unbedingter Wille fehlt, um den Erfolg zu wiederholen. Den Cubs war dieser „World Series Hangover“ in der ersten Saisonhälfte 2017 deutlich anzumerken, dann ließen sie ihn hinter sich. Man wird sehen, wie lange die Astros brauchen, um wieder mit voller Motivation am Werk zu sein.

Prognose
Platz 1 in der AL West, Gewinn der World-Series

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März 26th, 2018 by Dominik

Auf den ersten Blick haben die Chicago Cubs nach dem Gewinn der World Series 2016 letztes Jahr einen Schritt zurück gemacht. Auf den zweiten Blick war dieser Schritt aber kleiner, als er zunächst erscheinen mag: Zwar war ihr Start in die Saison bestenfalls durchwachsen und zum All-Star-Break standen die Cubs nur bei 43-45. Doch nach der Pause dominierten sie die National League mit einer beeindruckenden Bilanz von 49 Siegen und nur noch 25 Niederlagen. In der Postseason schafften die Cubs es zum zweiten Mal in Folge in die NLCS. Dort verpassten sie gegen die Dodgers den erneuten Einzug in die World Series und damit die Chance auf eine Titelverteidigung. Doch dieses Team wird noch mehrere Jahre lang wettbewerbsfähig und regelmäßig in den Playoffs dabei sein. Der Kern der Mannschaft hat sich nur an zwei Stellen geändert: Starter Jake Arrieta ist als Free Agent weitergezogen nach Philadelphia, wurde aber durch Yu Darvish mindestens gleichwertig ersetzt. Was die Ersetzbarkeit von Closer Wade Davis angeht, bin ich nicht ganz so zuversichtlich (siehe unten). Aber auch mit diesem einen Fragezeichen traue ich den Cubs zu, den Weg zurück an die Spitze der NL zu finden. Unabhängig davon, ob es tatsächlich die Cubs sind, die die NL Ende Oktober in der World Series vertreten, oder doch die Dodgers, die Nationals oder ein ganz anderes Team: Als Favorit sehe ich nach derzeitigem Stand den Teilnehmer aus der AL, denn wie die Besetzung der Top-5 meines Rankings schon andeutet, erscheint mir die AL dieses Jahr in der Spitze deutlich besser aufgestellt als die NL.

Voraussichtliches Lineup
C Willson Contreras
1B Anthony Rizzo
2B Javier Baez
SS Addison Russell
3B Kris Bryant
LF Kyle Schwarber
CF Albert Almora
RF Jason Heyward

Voraussichtliche Rotation
SP Yu Darvish
SP Jon Lester
SP Jose Quintana
SP Kyle Hendricks
SP Tyler Chatwood
Closer Brandon Morrow

Wichtigster Zugang
SP Yu Darvish (Los Angeles Dodgers)

Wichtigster Abgang
SP Jake Arrieta (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
SP Adbert Alzolay

Größte Stärke
Das Batting-Lineup: Die Positionsspieler der Cubs lieferten letztes Jahr die beste On-Base-Percentage (.338), die zweitmeisten Runs (822), die zweitbeste Walk-Quote (9,9%), die zweitmeisten WAR (26.7) und obendrein die zweitbeste Defense (22.8 UZR) in der NL ab. Das Lineup besitzt zudem die Tiefe, um Verletzungen und wechselnde Herausforderungen zu bewältigen. Das illustriert nicht zuletzt die Tatsache, dass in die oben aufgeführte voraussichtliche Aufstellung gute Leute wie Ian Happ und Ben Zobrist noch gar nicht hinein gepasst haben.

Größte Schwäche
Der Bullpen: Als letztes Jahr Aroldis Chapman ging, wurde er durch Wade Davis gleichwertig ersetzt. Aber nun ist auch Davis weg und der neu verpflichtete Brandon Morrow hat kaum Erfahrung als Closer. Morrow hatte bei den Dodgers 2017 zwar das beste Jahr seiner Karriere (2.06 ERA, 1.55 FIP), doch ob er diese Leistung wiederholen und auf die Closer-Rolle übertragen kann, ist völlig offen.

Spannendste Frage
Gelingt es Kyle Schwarber, sich neu zu erfinden? Der Catcher/Outfielder galt mal als das Megatalent der Cubs, war letztes Jahr aber eine Megaenttäuschung und wurde mit einem Batting Average von .171 ins AAA-Team nach Iowa versetzt. Er kehrte stärker zurück und beendete die Saison noch mit 30 Homeruns, aber er muss seine extremen Leistungsschwankungen in den Griff bekommen. Dass er offenbar bereit ist, alles dafür zu tun, zeigt das Resultat seiner Offseason-Workouts, nach denen er fast zehn Kilo weniger auf die Waage bringt. Im Spring Training schlägt er bislang sagenhafte .356/.444/.733.

Prognose
Platz 1 in der NL Central, World-Series-Teilnahme

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März 25th, 2018 by Dominik

Die Cleveland Indians begannen die letzte Saison eher mittelmäßig und erweckten bis zum All-Star-Break den Eindruck, dass sie die verlorene World Series 2016 zwar vielleicht nicht mehr in den Beinen, aber offensichtlich noch im Kopf hatten. In der zweiten Hälfte der Saison fanden sie zurück zu alter Stärke und vollbrachten vom 24. August bis zum 14. September eine wahrhaft historische Leistung: Als erstes Team der MLB-Geschichte gewannen Sie 22 Spiele in Folge. Allerdings hatten die Indians ihr Hoch wohl etwas zu früh erreicht: Am Ende der Saison standen zwar 102 Siege und der Divisionstitel mit 17 Spielen Vorsprung zu Buche, aber in den Playoffs schied Cleveland relativ sang- und klanglos in der ersten Runde gegen die Yankees aus. Die Indians hatten eine relativ zurückhaltende Offseason unter dem Motto, was nicht kaputt ist, muss man nicht reparieren. Nahezu unverändert im Lineup und in der Rotation unternehmen sie dieses Jahr einen neuen Angriff auf die Krone des Baseballs. Es könnte der vorerst letzte sein, denn am Ende des Jahres werden Andrew Miller, Cody Allen, Michael Brantley, Josh Tomlin und Chief Wahoo Free Agents sein. Dadurch werden die Indians wohl nicht so massiv abstürzen wie zuletzt die Tigers und die Royals, aber es wird ein spürbarer Umbruch ins Haus stehen, nach dem man sehen muss, wie gut sie dann noch sind. Aktuell sind sie jedenfalls noch sehr gut, daher halte ich den Gewinn der AL Central in diesem Jahr für äußerst wahrscheinlich und eine erfolgreiche Postseason für gut möglich.

Voraussichtliches Lineup
C Roberto Perez
1B Yonder Alonso
2B Jason Kipnis
SS Francisco Lindor
3B Jose Ramirez
LF Michael Brantley
CF Bradley Zimmer
RF Lonnie Chisenhall
DH Edwin Encarnacion

Voraussichtliche Rotation
SP Corey Kluber
SP Carlos Carrasco
SP Trevor Bauer
SP Josh Tomlin
SP Danny Salazar
Closer Cody Allen

Wichtigster Zugang
1B Yonder Alonso (Oakland Athletics)

Wichtigster Abgang
1B Carlos Santana (Philadelphia Phillies)

Bestes Prospect
C Francsico Mejia

Größte Stärke
Pitching: Egal, welche Statistik man befragt – ERA, FIP, WAR, K/9, BB/9, HR/9 – die Pitcher der Indians führten 2017 die MLB in jeder Kategorie an, meistens mit deutlichem Abstand. Es gibt kaum Gründe, dass sich an diesem Zustand 2018 etwas ändern sollte, denn das Personal wurde nahezu vollständig beisammen gehalten. Einzig Reliever Bryan Shaw kehrte den Indians den Rücken, aber mit Andrew Miller und Cody Allen verfügen sie immer noch über das beste Bullpen-Duo im Baseball.

Größte Schwäche
First Base: Carlos Santana unterschrieb nach acht Jahren in Cleveland einen lukrativen Vertrag in Philadelphia; Mike Napoli wurde fürs Trainingscamp zurückgeholt, dann wieder entlassen und erhält vielleicht einen Minor-League-Vertrag; Edwin Encarnacion wird wie bisher nahezu ausschließlich als Designated Hitter im Einsatz sein. Somit dürfte Neuverpflichtung Yonder Alonso bei der Besetzung der ersten Base freie Bahn haben, aber kann er das Vertrauen rechtfertigen? Er hatte nur ein wirklich gutes Jahr in der MLB, eigentlich nur ein halbes, denn nach seiner ersten All-Star-Berufung Mitte der letzten Saison ging es mit seinen Leistungen in der zweiten Saisonhälfte spürbar abwärts.

Spannendste Frage
Bleiben Brantley und Kipnis gesund? Außer 1B gibt es in dem weitgehend unveränderten Team kaum Fragezeichen, aber natürlich hängt für die Indians wie für jedes Team viel davon ab, ob man größere Ausfallzeiten vermeiden kann. 2B Jason Kipnis und OF Michael Brantley nenne ich stellvertretend als zwei Leistungsträger, die in den letzten beiden Jahren wiederholt mit Verletzungen zu kämpfen hatten und für die man nur hoffen kann, dass sich dieser Trend nicht fortsetzt.

Prognose
Platz 1 in der AL Central, Playoff-Aus in der ALCS

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März 24th, 2018 by Dominik

Die Yankees starteten in die Saison 2017 in der ungewohnten Rolle eines Teams im Übergang, das keine kurzfristigen Ambitionen hegt. Daraus wurde nichts. Stattdessen fanden sie sich nald in der noch ungewohnteren Rolle eines fast schon sympathischen Underdogs wieder, der nur ganz knapp die Teilnahme an der World Series verpasste. Das mit dem Underdog ist jetzt natürlich wieder für eine ganze Weile passé, stattdessen liest man zunehmend wieder vom „Evil Empire“. Gut so, denn wie sonst will man eine große, reiche Franchise nennen, die sich einen Giancarlo Stanton als Neuzugang gönnt, nachdem sie im Vorjahr bereits die meisten Homeruns und die zweitmeisten Runs der Liga erzielt hat? Wer in den vorangehenden Sätzen Spuren von Neid entdeckt, hat aufmerksam mitgelesen. Aber genug geflachst, die Yankees haben eine tolle Truppe beisammen, die durch Talente wie die Infielder Gleyber Torres und Miguel Andujar in absehbarer Zukunft noch jünger und noch besser werden wird als sie jetzt schon ist. Nicht auszudenken, wenn in der kommenden Offseason auch noch ein Top-Free-Agent wie Bryce Harper oder Clayton Kershaw an Land gezogen wird – was durchaus wahrscheinlich ist, vor allem nachdem es den Yankees offenbar gelingt, mit ihren Spielergehältern dieses Jahr unter der Luxury-Tax-Schwelle zu bleiben. Alles in allem wird wohl kaum jemand bestreiten, dass die Yankees vor einer neuen Phase der Dominanz stehen. Aber sind sie dort schon angekommen? Ich denke nein, denn noch scheinen mir zwei bis drei Teams besser aufgestellt für unmittelbaren Erfolg und hinter dem neuen Manager der Yankees, Aaron Boone, steht für mich ein dickes Fragezeichen (siehe unten).

Voraussichtliches Lineup
C Gary Sanchez
1B Greg Bird
2B Neil Walker
SS Didi Gregorius
3B Brandon Drury
LF Brett Gardner
CF Aaron Hicks
RF Aaron Judge
DH Giancarlo Stanton

Voraussichtliche Rotation
SP Luis Severino
SP Masahiro Tanaka
SP Sonny Gray
SP Jordan Montgomery
SP C.C. Sabathia
Closer Aroldis Chapman

Wichtigster Zugang
OF Giancarlo Stanton (Miami Marlins)

Wichtigster Abgang
2B Starlin Castro (Miami Marlins)

Bestes Prospect
IF Gleyber Torres

Größte Stärke
Homeruns: Im letzten Jahr führten die Yankees mit 241 Homeruns die Liga an, darunter 52 von Aaron Judge. Mehr Homeruns als Judge erzielte in der MLB 2017 nur Giancarlo Stanton mit 59. Nun spielen beide im selben Team und es dürfte keine unrealistische Vorhersage sein, dass der bisherige Rekord für die meisten Homeruns eines Teams in einer Saison – gehalten von den Seattle Mariners mit 267 im Jahr 1997 – in sechs Monaten Geschichte ist.

Größte Schwäche
Der Manager: Aaron Boone hat beim Bewerbungsgespräch überzeugt und niemand bezweifelt, dass er im zwischenmenschlichen Umgang mit den Spielern sowie mit den Medien deutlich versierter ist als sein bisweilen kauziger Vorgänger Joe Girardi. Aber kann er auch managen – kann er Personalentscheidungen treffen, Verantwortlichkeiten delegieren, den richtigen Reliever oder Pinch-Hitter zum richtigen Zeitpunkt auswählen usw. usf.? Anders als Alex Cora (Red Sox), Dave Martinez (Nationals) und Mickey Callaway (Mets) hat Boone keinerlei Dugout-Erfahrungen außer seiner eigenen Spielerkarriere, weder in der MLB noch in den Minors oder irgendwo sonst. Man kann es mutig oder auch blauäugig nennen, ihm die sportliche Leitung des populärsten Baseballteams der Welt zu übertragen. Da er dieses in hervorragendem Zustand übernimmt, wird er vielleicht das Glück haben, dass die unvermeidlichen Fehler und Lernprozesse des ersten Jahres im neuen Job gar nicht groß auffallen.

Spannendste Frage 
Wie passen Judge und Stanton in dasselbe Outfield? Aaron Judge und Giancarlo Stanton sind sich sehr ähnlich, nicht nur weil sie beide Homeruns im Akkord schlagen, sondern auch weil sie beide sich im Rightfield zu Hause fühlen. Komfortablerweise können die Yankees für die meisten ihrer Spiele einen Designated Hitter benennen, was in der Regel einer der beiden sein wird. Für alle anderen Fälle hat Stanton im Spring Training darauf hin trainiert, auch im Leftfield spielen zu können. Brett Gardner wird in solchen Fällen weichen, denn die Yankees werden nicht auf ihre beiden Big Bats im Lineup verzichten, solange es nicht wegen Verletzungen oder Ähnlichem unbedingt nötig ist.

Prognose
Platz 1 in der AL East, Aus in der ALDS

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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