Category: MLB

März 23rd, 2018 by Dominik

Nach meiner Einschätzung – und ich hoffe sehr, dass ich damit falsch liege – werden fünf von sechs Divisionen dieses Jahr eine relativ klare Angelegenheit zu Gunsten der Teams, die schon letztes Jahr ganz vorne standen. Für eine Division aber erwarte ich ein spannendes und hochkarätiges Duell um den ersten Platz und dieses Duell betrifft ausgerechnet die größte Rivalität im Baseball schlechthin: die Boston Red Sox und die New York Yankees. Die beiden haben sich schon 2017 ein enges Rennen geliefert, das am Ende die Sox mit zwei Siegen Vorsprung gewannen. Fangen wir an mit der guten Nachricht für Boston: Die Red Sox dürften dieses Jahr noch stärker sein als im letzten. Sie haben in der Offseason nicht viele Moves durchgeführt, aber mit J. D. Martinez haben sie genau das bekommen, was ihrem Lineup seit dem Karriereende von David Ortiz gefehlt hat: einen echten Powerhitter. Ansonsten schicken sie wie im Vorjahr ein exzellentes Outfield, ein solides Infield sowie ein mehr als fähiges Pitching Staff um Starter Chris Sale und Closer Craig Kimbrel ins Rennen. Für mich sind sie damit ein Top-5-Team. Ob sie auch besser als die jungen und erfolgshungrigen Yankees sind, daran habe ich meine Zweifel. Eine Prognose, wie es zwischen den beiden ausgeht, fühlt sich für mich nicht viel seriöser an als ein Münzwurf. Viel wird davon abhängen, welcher der Kontrahenten die in beiden Teams vollzogenen Trainerwechsel besser verkraftet. Bei den Red Sox folgt der mit reichlich Vorschusslorbeeren ausgestattete, von mehreren Teams umworbene Alex Cora auf John Farrell. Genau wie sein New Yorker Counterpart Aaron Boone ist Cora komplett neu in der Rolle eines MLB-Managers, genau wie Boone darf er aber nicht damit rechnen, dass sein Klub und dessen Umfeld ihm eine Einarbeitungszeit zugestehen.

Voraussichtliches Lineup
C Sandy Leon
1B Hanley Ramirez
2B Dustin Pedroia
SS Xander Bogaerts
3B Rafael Devers
LF Andrew Benintendi
CF Jackie Bradley Jr.
RF Mookie Betts
DH J. D. Martinez

Voraussichtliche Rotation
SP Chris Sale
SP David Price
SP Drew Pomeranz
SP Rick Porcello
SP Steven Wright
Closer Craig Kimbrel

Wichtigster Zugang
J. D. Martinez (Arizona Diamondbacks)

Wichtigster Abgang
RP Addison Reed (Minnesota Twins)

Bestes Prospect
3B Michael Chavis

Größte Stärke
Das Outfield: Die Red Sox können sich den Luxus leisten, J. D. Martinez weitgehend auf die Rolle des Designated Hitters zu beschränken. Jackie Bradley Jr. ist ein Fielder auf Gold-Glove-Niveau, Andrew Benintendi trotz seiner gerade mal 22 Jahre schon ein starker Batter und Baserunner und Mookie Betts ist sowieso das komplette Paket. 2017 landete er auf Platz 6 des MVP-Votings und das, obwohl es für seine Verhältnisse ein eher schwaches Jahr war. Die Messlatte für 2018 liegt dementsprechend hoch.

Größte Schwäche
Das rechte Infield: 2B Dustin Pedroia hat gerade die schwächste Saison seiner Karriere hinter sich und wird verletzungsbedingt den Beginn der neuen Saison verpassen. Mit 34 ist er nicht mehr in einem Alter, in dem man zwangsläufig sagen kann „das wird schon wieder“, auch wenn er noch vier Jahre unter Vertrag steht. Auch die erste Base ist ein Fragezeichen. Mitch Moreland und Hanley Ramirez werden sich hier die Arbeit teilen, vermutlich aber nicht viel mehr als Replacement Level auf die Waage bringen.

Spannendste Frage
Gelingt Porcello und Price der Rebound? Chris Sale gehört als Pitcher ohne Frage zur Weltklasse und auch Drew Pomeranz kann an eine hervorragende Leistung aus dem letzten Jahr anknüpfen. Eine dominante Rotation benötigt aber mindestens zwei weitere starke Leute und dazu müssen Rick Porcello, der 2017 leistungsmäßig von der Rolle und David Price, der die meiste Zeit verletzt war, dringend zurück zu alter Form finden.

Prognose
Platz 2 in der AL East, Wild Card

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März 22nd, 2018 by Dominik

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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März 22nd, 2018 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers haben eine großartige Saison hinter sich. Mit 104 Siegen waren sie das erfolgreichste Team der regulären Saison und in der Postseason führte sie ihr Weg bis in Spiel sieben der World Series. Trotz alledem fühlt es sich so an, als sei das letzte Jahr vor allem durch verpasste Chancen geprägt gewesen: Durch eine Negativserie von 16 Niederlagen in 17 Spielen im späten August und frühen September wurde die Chance verpasst, einen neuen MLB-Rekord für die meisten Siege in einer Saison aufzustellen; durch die Niederlage im entscheidenden Spiel der World Series wurde der Titel verpasst; Giancarlo Stanton wollte erklärtermaßen gerne zu den Dodgers, doch diese verpassten es, die Gelegenheit zu ergreifen; Shohei Ohtani hätten die Dodgers gern geholt, doch auch ihn verpassten sie knapp, indem er sich für die Angels entschied; und schließlich verpasste man die Chance, entweder Yu Darvish zu re-signen oder in der Free Agency einen adäquaten Nachfolger zu holen. Zu allem Überfluss hat sich jetzt auch noch Justin Turner verletzt; dafür kann niemand etwas, aber es ist ein weiterer Mosaikstein in dem Bild von einem Team, das gegenüber der Vorsaison eher einen Schritt zurück als einen Schritt nach vorne macht. Das soll nicht heißen, dass die Dodgers keine starke Mannschaft mehr wären. Für mich sind sie klarer Favorit, die NL West zum sechsten Mal in Folge zu gewinnen, und ich traue ihnen einen erneuten tiefen Playoff-Run zu. Aber als Favoriten, dieses Jahr die World Series zu erreichen geschweige denn zu gewinnen, sehe ich sie nicht.

Voraussichtliches Lineup
C Austin Barnes
1B Cody Bellinger
2B Logan Forsythe
SS Corey Seager
3B Justin Turner
LF Chris Taylor
CF Joc Pederson
RF Yasiel Puig

Voraussichtliche Rotation
SP Clayton Kershaw
SP Rich Hill
SP Alex Wood
SP Kenta Maeda
SP Hyun-Jin Ryu
Closer Kenley Jansen

Wichtigster Zugang
OF Matt Kemp (Atlanta Braves)

Wichtigster Abgang
SP Yu Darvish (Chicago Cubs)

Bestes Prospect
SP Walker Buehler

Größte Stärke
Nachhaltigkeit: Die Dodgers haben nicht nur aktuell ein sehr gutes Team beisammen, sie haben auch im Gegensatz zu vielen anderen derzeitigen Spitzenklubs keine Sorgen, dass sich irgendwelche Fenster schließen könnten. Sie haben eine relativ günstige Altersstruktur mit vielen jungen Leistungsträgern und fast alle Top-Spieler stehen noch für mehrere Jahre unter Vertrag. Darüber hinaus ist auch das Farm System nach wie vor voll mit Talenten. MLB Pipeline listet es als das sechstbeste der Liga.

Größte Schwäche
Der Bullpen außer Jansen: Kenley Jansen ist einer der besten, vielleicht sogar der beste Closer der Liga. Ansonsten ist im Bullpen der Dodgers aber einiges ungeklärt. Die besten Optionen für die Brücke zwischen Starter und Closer waren letztes Jahr Kenta Maeda, Brandon Morrow und Tony Watson, doch Morrow und Watson haben den Verein verlassen und Maeda soll eine neue Chance als Starter bekommen. Externe Verstärkungen haben die Dodgers sich kaum geleistet, allenfalls Scott Alexander könnnte sich als solche erweisen.

Spannendste Frage
Wird es Kershaws letztes Jahr bei den Dodgers? Zu der obigen Aussage, dass fast alle Top-Spieler noch eine Weile unter Vertrag stehen, gibt es eine bedeutende Ausnahme. Clayton Kershaws Kontrakt läuft zwar noch bis einschließlich 2020, enthält aber eine Opt-Out-Klausel für Ende 2018. Mit 33 Millionen Dollar im Jahr ist der 30-Jährige zwar bereits der Top-Verdiener der MLB, aber es ist trotzdem gut möglich, dass der wohl beste Pitcher der Welt nach der Saison seinen Marktwert testet und versucht, noch etwas mehr Gehalt oder zumindest eine längere Laufzeit herauszuholen.

Prognose
Platz 1 in der NL West, Aus in der NLCS

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März 21st, 2018 by Dominik

In schöner Regelmäßigkeit spielen die Washington Nationals erfolgreiche reguläre Saisons: In jedem der letzten sechs Jahre hatten sie einen positiven Record, in vier davon gewannen sie ihre Division. In ebenso schöner Regelmäßigkeit scheiden sie in den Playoffs in der ersten Runde aus. Die bislang einzige gewonnene Playoffserie der Franchise datiert aus dem Jahr 1981, damals noch als Montreal Expos in der NLDS gegen die Philapdelphia Phillies. Der jüngste Versuch, jemanden für die anhaltende Postseason-Misere verantwortlich zu machen, traf im Oktober Manager Dusty Baker. Baker war zwar mit zwei Divisionstiteln in ebenso vielen Jahren und einer Siegquote von 59,3% der erfolgreichste Manager der Teamgeschichte, doch das rettete ihn nicht vor dem Rauswurf. Sein Nachfolger ist Dave Martinez, ein Neuling auf der Position, von dem man sich erhofft, dass er als Bench Coach der Chicago Cubs unter Joe Maddon gelernt hat, wie man Playoffspiele gewinnt. Eine Schonfrist wird Martinez nicht für sich in Anspruch nehmen können, denn die Zeit für Erfolge ist genau jetzt, bevor Stützen wie Bryce Harper, Daniel Murphy und Gio Gonzalez Free Agents werden. Für dieses Jahr konnte das Roster weitgehend konstant gehalten werden, die Neubesetzung des Trainerstuhls ist die einzige größere Veränderung gegenüber 2017. Sowohl das Lineup als auch die Rotation und der Bullpen werden zum Saisonstart genauso aussehen wie zum Ende der letzten Saison. Die einzige Ausnahme wird der fünfte Starterposten sein, um den sich Erick Fedde, A. J. Cole und Jeremy Hellickson bemühen.

Voraussichtliches Lineup
C Matt Wieters
1B Ryan Zimmerman
2B Daniel Murphy
SS Trea Turner
3B Anthony Rendon
LF Adam Eaton
CF Michael Taylor
RF Bryce Harper

Voraussichtliche Rotation
SP Max Scherzer
SP Stephen Strasburg
SP Gio Gonzalez
SP Tanner Roark
SP Erick Fedde
Closer Sean Doolittle

Wichtigster Zugang
1B Matt Adams (St. Louis Cardinals)

Wichtigster Abgang
RP Matt Albers (Milwaukee Brewers)

Bestes Prospect
OF Victor Robles

Größte Stärke
Scherzer, Strasburg, Gonzalez: Das Dreigestirn an der Spitze der Rotation dürfte auch dieses Jahr das beste sein, das in der MLB zu finden ist. 2017 brachte jeder der drei es auf einen ERA von unter 3.00 – ein Meilenstein, den in den anderen 29 Teams zusammen lediglich 11 Starter (mind. 50 IP) erreichten. Im Cy-Young-Voting der NL belegten Scherzer, Strasburg und Gonzalez die Ränge 1, 3 und 6.

Größte Schwäche
Erfolgsdruck: Die Trennung von Baker zeigt, wie sehr sich die Nationals unter Stress setzen, endlich den ersten Titel nach Washington zu holen. Die Zeit dafür läuft ihnen davon, sowohl weil – neben ein paar anderen – der Vertrag von Bryce Harper ausläuft, als auch weil mit den Phillies und den Braves zwei Klubs auf dem Sprung stehen, wieder zu echten Konkurrenten der Nationals und der Mets heranzuwachsen.

Spannendste Frage
Wie geht es weiter mit Bryce Harper? Wenn man den Star-Outfielder darauf anspricht, gibt er die Antwort, die sich für einen Profi geziemt: Er konzentriert sich darauf, 2018 alles für sein Team zu geben, über 2019 wird nicht geredet. Aber natürlich redet längst alle Welt darüber, was aus Bryce Harper 2019 wird. Bis hin zu einem Zehnjahresvertrag über 400 Millionen Dollar entweder bei den Nationals oder bei den Yankees reichten die Spekulationen. Nach dem Schock des aus Spielersicht suboptimal verlaufenen Marktes in der laufenden Offseason sind die Prognosen deutlich moderater geworden. Das ändert aber nichts daran, dass Harper – vorbehaltlich einer schweren Verletzung oder eines extremen Leistungseinbruchs – der begehrteste Free Agent seit Jahren und das Thema bis zum Vertragsabschluss ein Dauerbrenner sein wird. Für Harper und die Nationals wird es schwer werden, sich davon nicht ablenken zu lassen.

Prognose
Platz 1 in der NL East, Aus in der NLDS

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März 20th, 2018 by Dominik

Die Arizona Diamondbacks sind ein lebendes Beispiel dafür, dass Erfolge nicht nur von den Spielern, sondern auch von der sportlichen Leitung abhängen. 2016 waren die Diamondbacks noch eine Enttäuschung, weil sie das vorhandene Potenzial ihres Kaders nicht zur Entfaltung brachten und bei einer Bilanz von nur 69 Siegen und 93 Niederlagen landeten. Als Konsequenz aus der fehlgeschlagenen Saison wurde das komplette Führungstrio gefeuert und durch Mike Hazen als General Manager und Torey Lovullo als Manager ersetzt. Das Team blieb personell weitgehend dasselbe, vollzog leistungsmäßig aber eine buchstäbliche Kehrtwende: Am Ende der Saison 2017 standen eine exakt umgekehrte Bilanz von 93 Siegen und 69 Niederlagen sowie die Qualifikation für die Playoffs. Dort warteten die gleichen Gegner wie in der regulären Saison: Das Wild-Card-Spiel gegen die Rockies gewannen die Diamondbacks, in der NLDS ließen sie sich von den Dodgers sweepen. Wie jedes Team, das einmal Postseason-Luft geschnuppert hat, wollen auch die Diamondbacks direkt wieder dorthin. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn das Team eine deutliche Schwächung hinnehmen muss: Outfielder J. D. Martinez hat Arizona nach Ablauf seines Vertrages verlassen und im Lineup eine Lücke gerissen, die durch Steven Souza und Jarrod Dyson nur unzureichend gefüllt werden kann. Die Offense der Diamondbacks bleibt dennoch eine der besseren der Liga, jedenfalls solange sie von größeren Ausfällen verschont bleibt. Da sowohl die Starting Rotation als auch der Bullpen letztes Jahr deutliche Schritte nach vorne gemacht haben und für 2018 weitgehend zusammen gehalten wurden, ergibt sich ein ausgeglichenes Team, dem ich eine weitere starke Saison zutraue.

Voraussichtliches Lineup
C Alex Avila
1B Paul Goldschmidt
2B Chris Owings
SS Ketel Marte
3B Jake Lamb
LF David Peralta
CF A. J. Pollock
RF Steven Souza

Voraussichtliche Rotation
SP Zack Greinke
SP Taijuan Walker
SP Robbie Ray
SP Patrick Corbin
SP Zack Godley
Closer Archie Bradley

Wichtigster Zugang
C Alex Avila (Chicago Cubs)

Wichtigster Abgang
OF J. D. Martinez (Boston Red Sox)

Bestes Prospect
SP Jon Duplantier

Größte Stärke
Die Starting Rotation: Ich weiß nicht, wie es anderen geht, aber ich war beim Blick auf die Zahlen wirklich überrascht, dass die Diamondbacks 2017 mit 3.61 ERA, 3.71 FIP und 18.8 fWAR die beste Rotation der NL und die zweitbeste der MLB stellten. Zack Greinke hat im zweiten Jahr seines großzügigen Vertrages endlich den Output zeigen können, den man von ihm erwartet, Robbie Ray hatte ein echtes Breakout-Jahr und auch Taijuan Walker, Patrick Corbin und Zack Godley überzeugten durch Leistung und Konstanz. Jeder der fünf absolvierte mehr als 150 Innings und sie alle sind dieses Jahr erneut für die Diamondbacks am Start, um zu beweisen, dass das letzte Jahr kein Zufall war.

Größte Schwäche
Die Bench: Was die Diamondbacks von den wirklichen Spitzenteams unterscheidet, ist die fehlende Tiefe des Rosters. In der ersten Reihe sind sie durchweg sehr gut aufgestellt, auf der Bank sehe ich allerdings kaum Leute, die man im Fall von Ausfällen bedenkenlos und ohne zu erwartenden Qualitätsverlust bringen kann.

Spannendste Frage
Wie wird sich der Bullpen aufstellen? Der letztjährige Closer Fernando Rodney hat das Team verlassen, was aber – bei allem Respekt vor seiner langen und erfolgreichen Karriere – kein großer Verlust sein dürfte. Als bester Reliever der Diamondbacks hat sich bereits letztes Jahr der erfolgreich vom Starter umgeschulte Archie Bradley erwiesen. Brad Boxberger und Yoshihisa Hirano sind die beiden anderen Kernstücke einer Einheit, in der die Einzelrollen noch nicht festgelegt sind und möglicherweise je nach Gegner und Erholungsstand immer wieder neu justiert werden. Bradley als das Ass der Gruppe dürfte der erste Anwärter auf den Closer-Posten sein, aber es ist auch gut denkbar, dass er weiterhin in einer hochflexiblen „Andrew-Miller-Rolle“ am besten aufgehoben ist.

Prognose
Platz 2 in der NL West, Wild Card

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März 19th, 2018 by Dominik

Die Milwaukee Brewers haben in meiner Rangliste gegenüber dem letzten Jahr von allen Klubs den größten Sprung nach vorne gemacht: von #28 auf #9. Offenbar war es eine Fehleinschätzung von mir, dass sie in ihrem Rebuilding-Projekt noch ein paar Jahre von Konkurrenzfähigkeit entfernt sind. Sie haben es 2017 auf 86 Siege gebracht und waren damit bis zum letzten Tag der regulären Saison im Playoff-Rennen. Für 2018 gibt es keine Anzeichen, dass die Brewers schlechter geworden wären – eher im Gegenteil, denn vor allem im Outfield haben sie mit Christian Yelich und Lorenzo Cain noch einmal gewaltig aufgerüstet. Hinzu kommt, dass die Gelegenheit in der NL Central sich gerade relativ günstig gestaltet: Die Reds und die Pirates werden aller Voraussicht nach dem Keller nicht entkommen, die Cardinals sind wie immer schwer einzuschätzen, gesetzt scheinen nur die Cubs an der Spitze der Division zu sein. Das lässt den Brewers genug Raum, sich ernsthaft um eine Wild Card zu bewerben. Es wäre erst die fünfte Playoff-Teilnahme in der 50. MLB-Saison der Franchise aus dem kleinsten Markt der MLB.

Voraussichtliches Lineup
C Stephen Vogt
1B Eric Thames
2B Jonathan Villar
SS Orlando Arcia
3B Travis Shaw
LF Christian Yelich
CF Lorenzo Cain
RF Domingo Santana

Voraussichtliche Rotation
SP Chase Anderson
SP Zach Davies
SP Jhoulys Chacin
SP Brandon Woodruff
SP Brent Suter
Closer Corey Knebel

Wichtigster Zugang
OF Christian Yelich (Miami Marlins)

Wichtigster Abgang
OF Lewis Brinson (Miami Marlins)

Bestes Prospect
2B Keston Hiura

Größte Stärke
Das Outfield: Die Brewers haben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten weit aus dem Fenster gelehnt. Für Lorenzo Cain werden 80 Millionen Dollar über 5 Jahre fällig, für Christian Yelich gingen Top-Prospect Lewis Brinson und vier weitere Talente nach Miami. Dafür kann Milwaukee nun eines der besten Outfields der Liga sein eigen nennen. Neben den beiden Neuverpflichtungen wird wohl Eigengewächs Domingo Santana die Startformation komplettieren. Der 24-Jährige hatte 2017 sein Breakout-Jahr mit einer Slashline von .278/.371/.505 und 30 Homeruns. Keon Broxton und Ryan Braun (siehe unten) sind übrigens auch noch da.

Größte Schwäche
Die Rotation: Chase Anderson, Zach Davies und Jhoulys Chacin sind solide Starter, die allerdings nicht unbedingt durch Konstanz glänzen. Die beiden übrigen Plätze sind noch relativ offen, wobei einer davon wahrscheinlich Jimmy Nelson gehören wird, sobald er gegen Mitte des Jahres seine Tommy-John-Surgery überwunden hat. Um die Brewers regelmäßig soweit im Spiel zu halten, dass die starke Offense und der Bullpen den Rest erledigen können, sollten sie noch mindestens eine Verstärkung finden. Von den relevanten Free Agents ist nur noch Alex Cobb verfügbar. Die Brewers und Cobb wurden während der Offseason immer wieder miteinander in Verbidnung gebracht, es gab aber wohl keine ernsthaften Verhandlungen geschweige denn einen Abschluss. Eine andere Möglichkeit wäre ein Trade, bei dem man sich zugunsten eines etablierten Starters zum Beispiel von Santana oder Broxton trennen könnte.

Spannendste Frage
Wie fügt sich Ryan Braun ins Puzzle ein? Jahrelang war Braun so ziemlich der einzige Spieler der Brewers, den ein durchschnittlicher Baseballfan kannte. Jetzt haben die Brewers endlich ein konkurrenzfähiges Team und plötzlich wird es schwer, für Braun einen Platz zu finden. Da sein angestammtes Terrain im Leftfield fest in der Hand von Neuzugang Christian Yelich ist, hat man in der Offseason mit einer Umschulung von Braun zum First Baseman experimentiert. Ganz wohl fühlt er sich dort erklärtermaßen aber nicht und mit Eric Thames ist die Position auch schon solide besetzt. Ich bin sicher, dass wir Braun, das Gesicht der Franchise, auch dieses Jahr regelmäßig auf dem Feld sehen werden – es fragt sich bloß wo.

Prognose
Platz 2 in der NL Central, Wild Card

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März 18th, 2018 by Dominik

Dieses Jahr könnte für die Los Angeles Angels das Ende sein – das Ende der Zeit, in der man sie auf eine One-Man-Show namens Mike Trout reduzieren konnte. Die Angels sind eines der aktivsten Teams der laufenden Offseason und gehen mit entsprechend hohen Ambitionen in die Saison 2018. Der größte Coup war natürlich die Verpflichtung des japanischen Supertalents Shohei Ohtani. Buchstäblich die gesamte MLB war hinter ihm her. Ohtani hätte anderswo mehr Geld und höhere Aussichten auf Titel haben können, aber er entschied sich für die Angels. Diese vereinigen nun mlt Trout und Ohtani die größten aktiven Baseballstars der USA und Japans in einem Team. Um auf diesem Potenzial aufzubauen, haben die Angels weitere Verstärkungen an Land gezogen: Schon im letzten August tradete GM Billy Eppler für Outfielder Justin Upton und stattete ihn mit einem langfristigen Vertrag aus. Nach der Saison folgten neben Ohtani 2B Ian Kinsler, SS/3B Zack Cozart und ein paar Ergänzungen der Bank wie Catcher René Rivera und OF Chris Young. Die Angels gehen mit einem verbesserten Batting-Lineup sowie mit einer herausragenden Infield-Defense an den Start. Fragezeichen gibt es in der Rotation und im Bullpen, insbesondere wenn dort Verletzungen auftreten sollten. Alles in allem reichen die Angels nicht an die Houston Astros heran, sind für mich aber einer der aussichtsreichsten Kandidaten auf eine der beiden Wild Cards in der American League.

Voraussichtliches Lineup
C Martin Maldonado
1B Luis Valbuena
2B Ian Kinsler
SS Andrelton Simmons
3B Zack Cozart
LF Justin Upton
CF Mike Trout
RF Kole Calhoun
DH Shohei Ohtani

Voraussichtliche Rotation
SP Garrett Richards
SP Matt Shoemaker
SP Shohei Ohtani
SP Tyler Skaggs
SP J. C. Ramirez
Closer Blake Parker

Wichtigster Zugang
SP Shohei Ohtani (Hokkaido Nippon Ham Fighters)

Wichtigster Abgang
1B C. J. Cron (Tampa Bay Rays)

Bestes Prospect
SP Shohei Ohtani

Größte Stärke
Mike Trout: Auch wenn die Angels auf einem guten Weg zu mehr Ausgeglichenheit im Kader sind, ist und bleibt Trout doch der herausragende Einzelakteur und wie sollte es auch anders sein? Er ist der beste Baseballspieler der Welt, basta. In fünf seiner sechs kompletten MLB-Saisons hat er die Liga in Wins Above Replacement angeführt und selbst als er letztes Jahr nur 114 Spiele absolvieren konnte, brachte er es immer noch auf Rang sechs.

Größte Schwäche
Anfällige Rotation: Die Angels haben eine durchaus talentierte Pitcherriege, doch konnte diese zwei Jahre hintereinander aufgrund diverser Verletzungen nie die Erwartungen erfüllen. 2017 war Ricky Nolasco der einzige, der es auf mindestens 30 Starts und 180 Innings für die Angels brachte – und Nolasco war erstens nicht gut und ist zweitens nicht mehr im Verein. Auch Ohtani hat nie mehr als 160.2 Innings in einer Saison gepitcht und hatte schon mit Bänderdehnungen im Ellenbogen zu tun. Bei den Angels wird derzeit erwogen, eine 6-Mann-Rotation zu  etablieren, um die einzelnen Starter zu entlasten und vor neuerlichen Verletzungen zu bewahren.

Spannendste Frage
Wird Ohtani ein echter Two-Way-Star? Das japanische Talent erntet Vergleiche mit der Legende Babe Ruth. Das ist sicher etwas hoch gegriffen, liegt aber zumindest in der Hinsicht nahe, dass Ruth sowohl als Pitcher wie auch als Batter ein Spitzenspieler war. Das kommt im modernen Profibaseball eigentlich nicht mehr vor, doch Ohtani will zeigen, dass es nach wie vor möglich ist. In der Liga in seiner Heimat hat er den Beweis bereits erbracht: In fünf Jahren hat er dort einerseits 82 Starts als Pitcher absolviert und es auf 543 Innings mit 2.52 ERA gebracht. In der gleichen Zeit hatte er auch 1170 Plate Appearances mit einer Slashline von .286/.358/.500 und 48 Homeruns. Bei seiner Teamsuche in den USA war Ohtani wichtig, dass er auch in der MLB für beide Rollen eingeplant wird. Die Angels wollen ihn wohl an den Tagen direkt vor und nach seinen Starts pausieren lassen und ihn dazwischen als Designated Hitter einsetzen.

Prognose
Platz 2 in der AL West, Wild Card

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März 17th, 2018 by Dominik

In 29 von 30 Fällen gelingt es mir, so glaube ich jedenfalls, beim Schreiben dieser Previews einigermaßen neutral und objektiv zu bleiben. Bei den Mets fällt mir das schwer, das muss ich zugeben. Habe ich zu sehr die Teambrille auf, wenn ich immer noch denke, dass eine Starting Rotation mit Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Matt Harvey, Steven Matz und Zack Wheeler die beste im Baseball sein kann, wenn nur mal alle fünf gleichzeitig fit und gesund sind? Oder dass ein Outfield aus Yoenis Cespedes, Michael Conforto und Jay Bruce zumindest in der National League mit jedem anderen mithalten kann? Oder dass das Infield zwar nicht aus großen Namen besteht, aber nach der Verpflichtung von Todd Frazier endlich so solide und flexibel aufgestellt ist, dass es auch mal die eine oder andere Verletzung wegsteckt, ohne zusammenzubrechen? Und dass natürlich allein dadurch schon alles besser wird, dass man den freundlichen, aber zu zaghaften und konservativen Manager Terry Collins gegen den weitaus analytischer geprägten Mickey Callaway ersetzt hat? Ja, wahrscheinlich argumentiere ich wirklich zu sehr durch die Teambrille – denn eigentlich ist es mir völlig bewusst, dass man als Fan dazu neigt, zwar nicht komplett unrealistische Einschätzungen abzugeben, aber unter mehreren Möglichkeiten immer das Best-Case-Szenario anzunehmen. Das ist mir spätestens letztes Jahr klar geworden, als ich mit meiner Vorhersage der Mets als Divisionssieger und World-Series-Teilnehmer so furchtbar daneben lag. Aber es soll keiner sagen, ich wäre nicht lernfähig: Dieses Jahr, um mir eine Enttäuschung zu ersparen (warum habe ich eigentlich plötzlich „Last Christmas“ als Ohrwurm?), tippe ich, dass die Mets die Playoffs verpassen. Aber nur ganz knapp.

Voraussichtliches Lineup
C Travis d’Arnaud
1B Adrian Gonzalez
2B Asdrubal Cabrera
SS Amed Rosario
3B Todd Frazier
LF Yoenis Cespedes
CF Michael Conforto
RF Jay Bruce

Voraussichtliche Rotation
SP Noah Syndergaard
SP Jacob deGrom
SP Jason Vargas
SP Matt Harvey
SP Steven Matz
Closer Jeurys Familia

Wichtigster Zugang
3B Todd Frazier (New York Yankees)

Wichtigster Abgang
1B Lucas Duda (Kansas City Royals)

Bestes Prospect
SS Andres Gimenez

Größte Stärke
DeGrom und Syndergaard: Teambrille hin oder her, was diese beiden angeht, lasse ich nicht mit mir verhandeln. Wer mit diesem One-Two-Punch aus zwei Assen mithalten kann, soll sich bitte melden. Mir fallen dazu allenfalls Scherzer/Strasburg in Washington und vielleicht noch Kluber/Carrasco in Cleveland ein, aber das war’s dann auch schon.

Größte Schwäche
Das rechte Infield: Die erste Base könnte sich als Achillesferse der Mets erweisen. Die beiden vorhandenen Alternativen haben jedenfalls im letzten Jahr und im bisherigen Spring Training den Eindruck erweckt, dass Dominic Smith auf seine besten Zeiten noch etwas warten muss und Adrian Gonzalez die seinen bereits hinter sich hat. Ich trauere jetzt schon Lucas Duda nach. Auch die zweite Base wirkt nicht ganz sattelfest besetzt. Die umgeschulten Shortstops Asdrubal Cabrera, Jose Reyes und Wilmer Flores sind dort allesamt kaum mehr als Notnägel.

Spannendste Frage
Können sie gesund bleiben? Verletzungen gehören zum Sport dazu, aber die Mets hat es in den letzten Jahren besonders hart und besonders häufig erwischt. 2017 haben sie laut Baseball Prospectus 30% ihrer Payroll auf der Verletztenliste liegen gelassen – mehr als jedes andere Team. Kann das Zufall sein? Klar kann es das, aber wahrscheinlicher ist, dass auch andere Ursachen eine Rolle spielen – schlechtes Training, zu viele Innings, zu späte und zu kurze Pausen etc. Die Mets scheinen das Problem jedenfalls endlich mit dem nötigen Ernst anzugehen – neben dem Manager haben sie auch fast das gesamte Trainings- und medizinische Personal neu besetzt und eine neue Stelle für einen „director of performance and sports science“ geschaffen. Wir werden sehen, was es bringt.

Prognose
Platz 2 in der NL East (keine Wild-Card)

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März 16th, 2018 by Dominik

Genau wie die gestern vorgestellten Twins waren die Colorado Rockies eines der Überraschungsteams des letzten Jahres und genau wie für die Twins währte die Postseason für die Rockies nur bis zum Wild-Card-Spiel. Natürlich hat das Hunger auf mehr gemacht, gerade für eine Franchise wie die Rockies, die es in ihrer 25 Jahre alten Geschichte nur viermal in die Playoffs geschafft hat – übrigens immer über die Wild Card, noch nie als Divisionssieger. Die Division werden sie wohl auch dieses Jahr nicht gewinnen, aber eine Wild Card möchte man schon gern wieder haben. Das Batting Lineup des letzten Jahres um seine beiden Stars Nolan Arenado und Charlie Blackmon ist nahezu unverändert geblieben. Nur Catcher Chris Iannetta ist neu und Rookie Ryan McMahon wird voraussichtlich die erste Base übernehmen. Auch in der komplett aus Eigengewächsen bestehenden Starting Rotation ist Beständigkeit die Devise; größere Veränderungen gab es allein im Bullpen, der in Closer Greg Holland einen Leistungsträger verloren, in Wade Davis aber wohl mindestens gleichstarken Ersatz gefunden hat. Es wird schwer werden, den Erfolg aus dem letzten Jahr zu wiederholen, doch die Zeit dafür ist jetzt – nach der Saison werden Charlie Blackmon und D. J. LeMahieu, ein Jahr später Nolan Arenado Free Agents. Damit könnte sich das Fenster der Rockies schon wieder schließen, denn die drei Stars zu halten wird finanziell vermutlich nicht drin sein für Colorado.

Voraussichtliches Lineup
C Chris Iannetta
1B Ryan McMahon
2B D. J. LeMahieu
SS Trevor Story
3B Nolan Arenado
LF Ian Desmond
CF Charlie Blackmon
RF Carlos Gonzalez

Voraussichtliche Rotation
SP Jon Gray
SP German Marquez
SP Chad Bettis
SP Tyler Anderson
SP Kyle Freeland
Closer Wade Davis

Wichtigster Zugang
RP Wade Davis (Chicago Cubs)

Wichtigster Abgang
RP Greg Holland (noch ohne neuen Verein)

Bestes Prospect
SS Brendan Rodgers

Größte Stärke
Die hausgemachte Rotation: Gut, die größte Stärke der Rockies dürfte nach wie vor das Batting sein, aber man kann inzwischen tatsächlich auch mal ihr Pitching loben. Seit ihrem Bestehen gilt diese Franchise wegen des hoch gelegenen Ballparks als vermintes Terrain für Pitcher. Aber die Rockies haben aus der Not, dass etablierte Pitcher nicht nach Colorado wollen, eine Tugend gemacht und in den letzten Jahren sehr gute Nachwuchsarbeit geleistet. Alle fünf voraussichtlichen Starter kommen aus der eigenen Farm und geben begründeten Anlass zur Erwartung, dass das einstige Problemfeld mit einer soliden Einheit besetzt ist.

Größte Schwäche
Die Division: Die NL West ist in meinen Augen die Division mit der höchsten Leistungsdichte in der MLB. Die Los Angeles Dodgers bleiben vermutlich auch dieses Jahr eine Klasse für sich, dahinter wetteifern die Rockies und die Arizona Diamondbacks um die bessere Wild-Card-Position und es spricht nicht wenig dafür, dass auch die San Francisco Giants sich wieder in dieses Rennen einschalten werden. In den meisten anderen Divisionen hätte ich die Rockies auf Platz zwei mit einer Wild Card getippt – in der NL West wage ich diesen Tipp nicht, hier werden letztlich Kleinigkeiten wie ein, zwei Verletzungen oder Glück und Pech in knappen Spielen entscheiden.

Spannendste Frage
Zahlt sich die Investition in den Bullpen aus? Im Gegensatz zur selbst herangezogenen Starting Rotation haben die Rockies in den Bullpen reichlich über die Free Agency investiert: Für jeweils drei Jahre unterschrieben Star-Closer Wade Davis für 52 Millionen Dollar, Setup-Righty Bryan Shaw und Setup-Lefty Jake McGee für je 27 Millionen. Das sind über 100 Millionen Dollar für drei Reliever – eine Menge Geld, aber wohl nötig. Denn zum einen ist ein starker Bullpen essentiell in einer Umgebung, in der Starter schneller erschöpft sind als anderswo, zum anderen kommen Pitcher nicht ohne reichlich „Schmerzensgeld“ nach Colorado.

Prognose
Platz 3 in der NL West

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März 15th, 2018 by Dominik

Zwei Wochen bis zum Opening Day und das Fieber steigt. Die aktuellen Stände im Spring Training habe ich der Vollständigkeit halber hiermit verlinkt, ansonsten breite ich darüber lieber den Mantel des Schweigens – zum Glück sind diese Spiele völlig bedeutungslos. Interessanter dürfte sein, dass es diese Woche einige erwähnenswerte Free-Agent-Signings gab. Den meisten davon merkt man an, dass die betreffenden Spieler – obwohl wirklich tolle Leute darunter sind – nach dem letzten Strohhalm gegriffen haben, um endlich irgendwo unterzukommen. Von den „großen“ Namen sind nun nur noch wenige auf dem Markt übrig. Die prominentesten Arbeitslosen der MLB dürften momentan RP Greg Holland und SP Alex Cobb sein.

Moustakas hat sich verzockt
So hat sich das 3B Mike Moustakas sicher nicht vorgestellt mit seinem Free-Agent-Jahr: Zu Beginn der Offseason lehnte er das Qualifying Offer der Royals ab. Dieses hätte ihm gut 17 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr in Kansas City eingebracht. Das reichte Moustakas und seinem Agenten Scott Boras nicht, sie wollten mehr Dollars und eine längere Vertragslaufzeit. Aber der Markt spielte nicht mit, Moustakas blieb lange ohne neuen Vertrag und nun blieb ihm offenbar nichts anderes übrig als zu deutlich schlechteren Konditionen bei den Royals zu bleiben. Der Vertrag läuft zunächst ein Jahr und bringt ihm 6,5 Millionen plus leistungsbezogene Boni. Es gibt eine beidseitige Option für ein zweites Jahr, in dem Moustakas 15 Millionen bekommen würde. Für die Royals ist das ein toller Verhandlungserfolg, zu Contendern werden sie aber auch durch Moustakas nicht werden.

Arrieta zu den Phillies 
Auch Jake Arrieta ist ein Stück weit zum Opfer der aus Spielersicht ungünstig verlaufenden Offseason geworden. Über das Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar, das der Pitcher bei den Philadelphia Phillies bekommen wird, kann er sich sicher nicht beschweren, doch eigentlich hatte er nach einer längeren Bindung als drei Jahre gesucht. Es ist vermutlich die zentrale Erkenntnis dieser Offseason, dass die Zeiten weitgehend vorbei sind, in denen die Klubs 32-jährigen Spielern Sechsjahresverträge angeboten haben. Das ist sicher vernünftig und genauso vernünftig ist, dass Arrieta und die Phillies zusammen gefunden haben. In meiner Saisonvorschau letzte Woche hatte ich einen erfahrenen Starter als das fehlende Puzzleteil für dieses Team identifiziert und die Phillies haben prompt den besten geholt, der für Geld zu bekommen war.

Twins holen Lynn
Ganz ähnlich ist die Situation bei den Minnesota Twins. Auch sie stellen ein junges Team, dessen größtes Fragezeichen bis vor Kurzem die Starting Rotation war, und auch sie haben sich nun an dieser Stelle verstärkt: Lance Lynn unterschreibt für ein Jahr und 12 Millionen Dollar. Im Vergleich mit zum Beispiel Arrieta oder Yu Darvish ist das ein echtes Schnäppchen für den Verein. Lynn spielte von 2011 bis 2017 für die St. Louis Cardinals und hatte in keinem Jahr seiner MLB-Karriere einen ERA von über 4. 2016 musste er zwar wegen einer Tommy-John-Surgery aussetzen, doch seine Leistungen im Jahr 2017 (3.43 ERA in 186.1 IP) ließen keine Zweifel an seiner vollständigen Genesung aufkommen.

Walker von Queens in die Bronx
Neil Walker, ehemals Second Baseman der Mets, kehrt nach seinem kurzen Milwaukee-Ausflug zurück nach New York, allerdings in einen anderen Stadtteil. Er spielt nun zwar beim namhaftesten Baseballklub der Welt, allerdings musste auch er zu einem relativen Schnäppchenpreis unterschreiben. Er bekommt 4 Millionen Dollar für ein Jahr und wird bei den Yankees dazu dienen, den Übergang zu den Nachwuchs-Infieldern Gleyber Torres und Miguel Andujar zu erleichtern – indem er als Mentor fungiert und ihnen mit seinen Einsätzen Pausen oder wenn nötig auch noch etwas Zeit in den Minors ermöglicht. Eine solche Rolle ist fast zu schade für einen Spieler seines Kalibers, für den Fangraphs zu Beginn der Offseason einen Dreijahresvertrag über 39 Millionen Dollar prognostizierte. Möglicherweise haben die Yankees auch deshalb zugegriffen, weil sie damit rechnen, Walker während der Saison gewinnbringend weitertraden zu können.

CarGo bleibt bei den Rockies
Im Gegensatz zu den bisher erwähnten Spielern war es für Outfielder Carlos Gonzalez fast schon absehbar, dass er nicht mit einem großen Zahltag in der Free Agency rechnen durfte. Er hatte 2017 offensiv ein schwieriges Jahr (.262/.339/.423, 14 HR, -0.2 fWAR) und seine schwache Defense sowie Probleme mit linkshändigen Pitchern machen ihn nicht gerade attraktiver. Dass er nun für 5 Millionen Dollar ein weiteres Jahr bei den Colorado Rockies bleiben darf, ist von daher durchaus als Erfolg für ihn zu werten – obwohl er letztes Jahr an gleicher Stelle noch das Vierfache verdient hat.

Lucroy landet in Oakland 
Auch für die Oakland Athletics ist beim Winterschlussverkauf noch etwas abgefallen: Sie haben sich mit Catcher Jonathan Lucroy auf einen Einjahresvertrag von 6,5 Millionen Dollar geeinigt. Die Athletics sind weit entfernt von Konkurrenzfähigkeit, doch Lucroy ist definitv eine sinnvolle Ergänzung. Er wertet die bislang auf Replacement-Level besetzte Position sowohl direkt auf als auch indirekt, indem er die neuen Kollegen an seiner reichhaltigen Erfahrung teilhaben lassen wird.

Dopingsperre für Royals-Outfielder Bonifacio
Unterdessen hat Jorge Bonifacio Erfahrungen gemacht, auf die man gerne verzichtet: Er hat versucht, sich mit verbotenen Mitteln – konkret geht es um das Steroid Boldenon – einen Vorteil zu verschaffen, und er hat sich dabei erwischen lassen. Der Outfielder wird nun 80 Spiele lang, also rund die halbe Saison, zuschauen und in dieser Zeit auch auf sein Gehalt verzichten müssen. Für Ned Yost, den Manager der Royals, war es ein Schock („It really kind of made me sick to my stomach“), aber wenigstens sparte er sich dadurch eine unangenehme Personalentscheidung. Denn durch Bonifacios Sperre wurde automatisch der Rosterplatz frei, den die Royals für Moustakas brauchten.

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