Category: MLB

Mai 13th, 2017 by Dominik

Wenn ich mir mein vor der Saison aufgestelltes Powerranking nach sechs Wochen MLB so anschaue, dann würde ich am liebsten vergessen, dass es je existiert hat, denn bei einigen Teams lag ich doch arg daneben. Aber es hilft ja nichts, sich der Realität zu verweigern und deshalb gibt es heute von mir ein Update, wie ich aktuell die Kräfteverhältnisse in der Liga einschätze.

Findet ihr, dass ich euer Team unterschätze oder seid ihr sicher, dass Team X viel zu gut eingestuft wird, weil es in Wahrheit kurz vor dem großen Absturz steht? Eure Kommentare sind sehr willkommen.

1.  Houston Astros (25-11) ⇑
Die Astros haben den besten Record der Liga und die beiden Siege gegen die Yankees haben den Anspruch auf den Spitzenplatz in diesem Ranking klar untermauert.

2.  Washington Nationals (22-12) ⇑
Eine Wahnsinnsoffense, unterstützt von solidem Pitching und schwacher Divisionskonkurrenz, sorgt für eine langweilige NL East.

3.  New York Yankees (21-12) ⇑
Sie sind wieder da, ein bis zwei Jahre schneller als die meisten gedacht hätten – mit der zweitbesten Offense und der drittbesten Defense der MLB.

4.  Los Angeles Dodgers (21-15) ⇑
Nach durchwachsenem Start haben die Dodgers ihren Rhythmus gefunden und schicken sich an, die Rockies von der Divisionsspitze zu verdrängen.

5.  Colorado Rockies (23-14) ⇑
Die Rockies waren vor der Saison ein so beliebter Tipp als Überraschungsteam, dass ich nicht daran glauben wollte. Ich lag falsch.

6.  Chicago Cubs (18-17) ⇒
Der Titelverteidiger zählt immer noch zur Creme der Liga, aber ein bisschen World-Series-Hangover ist nicht zu bestreiten.

7.  Arizona Diamondbacks (21-16) ⇑
Verblüffend konstant und ausgewogen präsentieren sich die Diamondbacks als das zweite Überraschungsteam der NL West.

8.  Baltimore Orioles (22-12) ⇑
Wie schon im Grand Slam am Donnerstag ausgeführt, traue ich den Orioles noch nicht ganz über den Weg. Trotzdem Hut ab vor ihren bisherigen Leistungen.

9.  Boston Red Sox (18-17) ⇓
Die eigenen hohen Erwartungen und die überraschende Stärke der Yankees und der Orioles lassen den Saisonstart der Red Sox schlechter aussehen als er ist.

10. Cleveland Indians (18-16) ⇓
Die Indians sind noch nicht so recht ins Rollen gekommen, bleiben für mich aber der Favorit in der AL Central.

11. St. Louis Cardinals (19-15) ⇒
Die Cardinals starteten mit 3-9 und schienen schon fast abgeschrieben, doch inzwischen stehen sie auf Platz eins der NL Central. Die anstehenden Serien gegen die Red Sox, Giants, Dodgers, Rockies und noch mal die Dodgers werden zeigen, welches das wahre Gesicht der Cardinals 2017 ist.

12. Seattle Mariners (17-19) ⇒
Trotz eines miesen Starts (2-8) und diverser Verletzungen scheinen die Mariners inzwischen auf dem Weg, die Kurve zu kriegen.

13. Cincinnati Reds (19-16) ⇑
Kein Team hat mich im bisherigen Saisonverlauf so sehr Lügen gestraft wie die von mir auf Platz 30 prognostizierten Reds. Respekt.

14. Milwaukee Brewers (19-17) ⇑
Auch die Brewers hätte ich nicht so stark erwartet. Ich wusste noch nicht mal, wer Eric Thames ist.

15. New York Mets (16-18) ⇓
Die Mets machen bislang leider mehr Schlagzeilen durch Verletzungen und irre Vorgänge im Clubhouse als durch Leistung auf dem Platz. Mit fitten und mental bei der Sache befindlichen Cespedes, Syndergaard, Duda, Harvey, Matz und Familia ist ein Wild-Card-Run durchaus noch vorstellbar.

16. Minnesota Twins (18-14) ⇑
Noch ein Überraschungsteam, das derzeit sogar die Division anführt. Angesichts eines Run Differentials von -1 dürfte das allerdings eher eine Laune der Statistik sein, die sich mittelfristig relativiert.

17. Texas Rangers (17-20) ⇓
Die Glückssträhne des letzten Jahres, in dem die Rangers eine Rekordquote von knappen Spielen gewannen, ist vorbei und das spiegelt sich in der Tabelle wider, auch wenn es nach dem verkorksten Saisonstart schon deutlich aufwärts geht.

18. Tampa Bay Rays (18-20) ⇒
Die Rays sind für mich der Inbegriff eines Teams, das unter dem Radar fliegt. Wären sie nicht einer Hammerdivision, würde ich ihnen dieses Jahr noch mehr zutrauen.

19. Detroit Tigers(17-17) ⇒
Graues Mittelmaß – dort habe ich die Tigers erwartet und dort stehen sie.

20. Los Angeles Angels of Anaheim (18-20) ⇒
Mit einem Run Differential von -18 scheinen die Angels auf Platz zwei der Division etwas überbewertet, zumal die Mariners und die Rangers nach ihrem Fehlstart das Feld aufrollen.

21. Toronto Blue Jays (15-21) ⇓
Auch bei den Blue Jays ging es nach dem katastrophalen Start (10-20) in den letzten Tagen etwas aufwärts, aber trotzdem sind sie bisher die große Enttäuschung in der American League.

22. Chicago White Sox (15-18) ⇒
Dafür dass die White Sox sich mitten im Rebuilding befinden, läuft es sportlich gar nicht mal so schlecht.

23. Miami Marlins (13-21) ⇒
Die einzige spannende Frage, die sich für die Marlins dieses Jahr stellt, ist die, wer den Zuschlag beim angestrebten Verkauf der Franchise erhält.

24. San Francisco Giants (13-24) ⇓
MLB-weit die zweitwenigsten Siege, die wenigsten erzielten und die zweitmeisten kassierten Runs – eigentlich müssten die Giants in diesem Ranking noch weiter hinten stehen, aber ich habe den Glauben an das Potenzial dieses Teams noch nicht verloren.

25. Pittsburgh Pirates (14-22) ⇓
Bis zur Doping-Sperre von Starling Marte standen die Pirates bei 6-6, seitdem ging es nur noch abwärts.

26. San Diego Padres (14-23) ⇒
Die Enttäuschung über die bisherige Bilanz dürfte sich in Grenzen halten, denn die Padres sind ein bekennendes Rebuilding-Team, von dem für dieses Jahr nichts Nennenswertes erwartet wird.

27. Philadelphia Phillies (13-19) ⇒
Die Phillies können dieses Jahr durchaus um Platz drei in der Division spielen, aber nur weil die Marlins und die Braves ähnlich desolat sind wie sie selbst.

28. Oakland Athletics (16-19)⇒
Die Pläne für ein neues Stadion scheinen langsam Gestalt anzunehmen, den Plan für ein neues Erfolgsteam sehe ich nach wie vor nicht.

29. Kansas City Royals (14-21) ⇓
Zwei Jahre nach dem World-Series-Sieg hat dieses Royals-Team seine Zukunft offensichtlich hinter sich. Spätestens zur Trade-Deadline wird voll auf Rebuilding-Modus geschaltet werden.

30. Atlanta Braves (12-20) ⇓
Bei den Braves bestand die Hoffnung, zur Eröffnung des neuen Ballparks ein halbwegs konkurrenzfähiges Lineup auf dem Platz zu haben. War wohl nichts.

⇑= 5 oder mehr Plätze höher als in der Saisonvorschau
⇓= 5 oder mehr Plätze niedriger als in der Saisonvorschau
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zur Saisonvorschau

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Mai 11th, 2017 by Dominik

Beim 18-Inning-Thriller zwischen den Yankees und den Cubs am Montagmorgen kam bei mir zum ersten Mal in diesem Jahr  so etwas wie Playoff-Feeling auf. Das hat Spaß gemacht, aber trotzdem bin ich froh, dass die MLB-Saison noch sehr lange dauert und noch sehr viel passieren kann und wird. Was in den vergangenen sieben Tagen alles passiert ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (21-10) und die Baltimore Orioles (23-11) marschieren an der Spitze der American League East nahezu im Gleichschritt: Beide haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, beiden ist diese Woche eine Serie von sechs Siegen in Folge gelungen und für beide endeten diese Serien gestern Abend. Allerdings machen die Yankees deutlich stärker den Eindruck, sich dort oben auf Dauer halten zu können, als die Orioles: Sie scoren mehr Runs, sie lassen weniger Runs zu, vor allem sind sie weniger abhängig von 1-Run-Games. Die Orioles haben acht ihrer Siege mit nur einem Run Unterschied eingefahren, was in der Regel mit Glück und einem guten Bullpen zu tun hat. Nur ist Glück nicht planbar und Baltimores Bullpen hat gerade einen herben Schlag durch die erneute Verletzung von Zach Britton erlitten. Knapp positiv, aber immerhin schon fünf Spiele hinter den beiden Führenden, stehen die Boston Red Sox (17-16), die immer noch nach ihrem Rhythmus suchen. Vielleicht hilft die anstehende Heimserie gegen die Tampa Bay Rays (17-19) den Red Sox, sich ein bisschen aus dem Mittelmaß zu befreien.

Die AL Central ist nach wie vor eng beisammen. Zwischen den Cleveland Indians (18-15) an der Spitze und den Chicago White Sox (15-16) auf Platz vier liegen gerade mal zwei Spiele. Von Freitag bis Sonntag steht eine Serie zwischen den Indians und den derzeit zweitplatzierten Minnesota Twins (16-14). Da sollte man mal reinschauen – zum einen weil es interessant ist, wie sich der erklärte Favorit Cleveland gegen den überraschend guten Underdog Minnesota schlägt, zum anderen um mal wieder unseren deutschen Lokalmatador Max Kepler in Aktion zu sehen, der bei den Twins in diesem Jahr unumstrittener Stammspieler ist. Sein Bat ist im bisherigen Mai (.136/.269/.136) gegenüber dem April (.280/.368/.467) leider deutlich abgekühlt, aber vielleicht geht es ja schon in der Serie gegen die Indians wieder aufwärts.

Unter die AL West möchte man gedanklich schon fast einen Haken machen, so deutlich liegen die Houston Astros (23-11) vorne. Der Abstand zum Zweiten beträgt schon sechs Spiele, das ist mehr als zwischen dem Ersten und dem Letzten in der NL Central. Interessant ist allerdings, wer neuerdings auf Platz zwei steht, denn mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen haben sich die Seattle Mariners (17-17) nach ihrem enttäuschenden Start zu einer ausgeglichenen Bilanz und vorbei an den Los Angeles Angels (17-19) gearbeitet. Auch die Texas Rangers (15-20) haben mit vier Siegen eine ordentliche Woche hinter sich und damit immerhin verhindert, am Tabellenende völlig abgeschlagen zu sein.

National League
Ähnlich wie in der AL West herrschen auch in der National League East klare Verhältnisse und ich habe nicht den Eindruck, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. An den Washington Nationals (22-12) und ihren als einziges MLB-Team über 200 erzielten Runs (209) scheint dieses Jahr kein Weg vorbei zu führen. Die New York Mets (16-17) sind in meinen Augen das einzige Team der Division, das grundsätzlich mit den Nationals mithalten könnte, doch eine Kombination aus Verletzungen, schlechtem Feldmanagement und fortwährender Selbstbeschäftigung (siehe „Szene der Woche) hält sie davon ab. Mit den Philadelphia Phillies (13-19), den Miami Marlins (13-20) und den Atlanta Braves (11-20) hat die AL West gleich drei Teams, die derzeit nicht konkurrenzfähig sind – im Gleichschritt haben alle drei jeweils acht der letzten zehn Spiele verloren.

Umso spannender präsentiert sich dieser Tage die NL Central. Wer mit einem glatten Durchmarsch der Chicago Cubs (17-17) gerechnet hatte, sieht sich getäuscht. Stattdessen ist der Titelverteidiger nach dem Sweep durch die Yankees und einer verlorenen Serie gegen die Rockies auf Platz vier der sehr eng beisammen stehenden Division abgerutscht. Vorne stehen plötzlich die St. Louis Cardinals (19-14), die die vergangene Woche zu einer Serie von sechs Siegen genutzt haben. Das war zwar nur gegen die Braves und die Marlins, aber nun stehen drei Spiele gegen die Cubs an, in denen die Cardinals zeigen können, ob sie zurecht Platz eins besetzen. Mehr als solide halten sich auch die Cincinnati Reds (18-15) und die Milwaukee Brewers (18-16), während die Pittsburgh Pirates (14-20) als einziges Team der Division eine Negativbilanz aufweisen und sich nach bislang vier Niederlagen in Folge für die nächste Zeit im Keller der Tabelle eingerichtet haben.

Noch tiefer im Keller sitzen in der NL West die San Francisco Giants (12-23), bei denen dieses Jahr einfach gar nichts zusammen läuft – die zweitwenigsten Runs (115) und die meisten kassierten Runs (183) der MLB machen wenig Hoffnung, dass diese Saison noch zu retten wäre. Mit den San Diego Padres (13-22) haben die Giants in ihrem Keller immerhin einen Nachbarn in ähnlich aussichtsloser Lage. Zwischen diesen beiden und dem Führungstrio Colorado Rockies (22-13), Los Angeles Dodgers (20-14) und Arizona Diamondbacks (19-16) klafft bereits eine Lücke von sechs Siegen. Die Dodgers haben diese Woche fünf Spiele absolviert und fünf Siege eingefahren und mischen nun auf Augenhöhe mit den beiden anderen mit. Da passt es geradezu perfekt, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Dodgers und den Rockies ansteht (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Diese werden die Dodgers allerdings – ebenso wie den Rest der Saison – ohne Outfielder Andrew Toles bestreiten müssen, der sich im vorgestrigen Spiel gegen die Pirates das Kreuzband gerissen hat.

Szene der Woche
Die bisherige Saison der New York Mets ist sportlich eher mittelmäßig, vom Drumherum aber ist es eine erstklassige Seifenoper. Bisherige Highlights: ein Closer, der sich gegen häusliche Gewalt engagiert und dann 15 Spiele gesperrt wird, nachdem er im Streit mit seiner Frau eine Tür zerstört hat (Jeurys Familia); ein Starting Pitcher, der eine ärztliche Untersuchung ablehnt, weil er „seinen Körper am besten kennt“ und sich im nächsten Spiel den Muskel reißt (Noah Syndergaard); ein anderer Starter, der nicht zum Spiel erscheint, nachdem er bis 4 Uhr morgens seinen Frust darüber ertränkt hat, dass seine Ex mit ihrem Ex ausgegangen ist (Matt Harvey). Und jetzt meine Szene der Woche: Die Mets veröffentlichen auf Twitter ein Foto von T. J. Rivera, der seinen ersten MLB-Homerun geschlagen hat – und übersehen, dass im Hintergrund im Schrank von Kevin Plawecki ein großer schwarzer Dildo zu sehen ist. Ich fürchte, wenn für mich als Metsfan von dieser Saison etwas hängen bleibt, dann vor allem das Gefühl des Fremdschämens.

Statistik der Woche 
4,62 Fuß. Das sind 1,41 Meter und somit eine ziemliche Höhe für einen Pitch, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Strike Zone ihre obere Grenze auf ca. 3,5 Fuß (1,07 Meter) hat. Orioles-Slugger Mark Trumbo hat am Montag beim 6:4-Sieg seines Teams gegen die Nationals das Kunststück fertig gebracht, solch einen Pitch von Gio Gonzalez zum Homerun zu schlagen. Es war der höchste Homerun-Pitch seit Beginn der Messungen, also seit mindestens 2008.

Spiel der Woche
Das Matchup der New York Yankees gegen die Chicago Cubs versprach schon vorher ein interessantes zu werden, aber das dritte Spiel der Serie am Sonntag übertraf alle Erwartungen. Bis zur Mitte des neunten Innings sah es nach einem relativ klaren Sieg der Yankees aus mit einer 4:1-Führung und Top-Closer Aroldis Chapman auf dem Weg zum Mound. Doch Chapman vergab die Save-Situation, nach zwei Walks und drei Singles ließ er durch einen Hit-by-Pitch bei geladenen Bases den Ausgleich zu. So ging das Spiel in die Verlängerung, welche nach den neun regulären Innings volle neun weitere Innings andauerte und deren Highlight ein Wahnsinnscatch von Kyle Schwarber im zwölften Inning war. Die Entscheidung im 18. Inning brachte ein mit äußerster Mühe – Bunt, Error, Sacrifice, Fielders Choice – zusammengeschusterter Run der Yankees durch Aaron Hicks. Was aber vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist der neue MLB-Rekord für die meisten Strikeouts in einem Spiel: Mit 48 wurde die alte Marke von 43 (aus einem 20-Inning-Spiel der Angels gegen die Athletics von 1971) deutlich übertroffen.

Spiel der kommenden Woche
Die Colorado Rockies und die Los Angeles Dodgers haben ab heute vier Tage lang Gelegenheit, unter sich auszumachen, wer Herr im Hause NL West ist. Das vierte Spiel der Serie läuft am Sonntag nicht nur zur europafreundlichen Zeit von 21:10 Uhr, es ist obendrein sogar das Free Game of the Day auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup dieses Spiels besteht aus zwei Top-Talenten: Für die Dodgers wird Julio Urias (1.06 ERA) starten, der vorgestern gegen die Pirates einen No-Hitter bis ins siebte Inning laufen hatte. Sein Gegenüber ist Antonio Senzatela (2.86 ERA), der NL-Rookie des Monats April.

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Mai 9th, 2017 by Dominik

In den beiden Serien zwischen den Red Sox und den Orioles waren sie kürzlich mal wieder ganz großes Thema: die sogenannten „unwritten rules“, die ungeschriebenen Regeln im Baseball. In meinen Augen schwanken die meisten dieser Verbote, Gebote und Rituale entweder zwischen Kindergarten und Folklore oder aber es handelt sich um Selbstverständlichkeiten des menschlichen Miteinanders. Jedenfalls nehmen viele Spieler und auch einige Coaches und Manager die althergebrachten Anweisungen, das Spiel „auf die richtige Art“ zu spielen, nach wie vor sehr ernst. Ich habe mal ein bisschen recherchiert und die wichtigsten ungeschriebenen Regeln zusammengetragen. Übrigens breche ich mit diesem Artikel die ungeschriebene Regel Nummer eins: Schreibe keine ungeschriebenen Regeln auf!

Versuche nichts Besonderes in einem einseitigen Spiel
Egal ob das eigene Team deutlich führt oder deutlich zurück liegt: Es gilt als unhöflich, in solche einer Situation irgendetwas zu tun, was das Spiel unnötig in die Länge zieht, unnötigen Aufwand für eines der Teams verursacht und/oder nur dem Verschönern der eigenen Statistiken dient: das Stehlen von Bases, das Schwingen nach einem 3-0-Pitch, überraschende Bunts, durch zahlreiche Foulballs in die Länge gezogene At-Bats usw. sind zu unterlassen. Insbesondere in der MLB hat diese Regel einen gewisse Daseinsberechtigung, denn im Gegensatz zu den meisten Amateur- und Jugendligen gibt es keine Gnadenregel, nach der einseitige Spiele an einem bestimmten Punkt abgebrochen werden.

Lass deine Teamkameraden nicht schlecht aussehen
Wie die vorherige Regel ist auch diese eigentlich eine Selbstverständlichkeit: Kopfschütteln, abfällige Gesten oder Bemerkungen nach einer ungeschickten Aktion eines Mitspielers sind tabu.

Schau deinem Homerun nicht hinterher, lass deinen Schläger nicht wirbeln, umrunde zügig die Bases
Diese Regel fällt für mich eher in die Kategorie albern. Tatsächlich fühlen sich einige Pitcher bloßgestellt oder verhöhnt, wenn der Batter nach einem eindeutigen Homerun nicht sofort losläuft oder die Runde um die Bases zu lange genießt. Sehr umstritten ist der sogenannte Batflip, also das Wegwerfen des Schlägers auf die Weise, dass er sich in der Luft um sich selbst dreht. Für die einen ist das ein normaler Ausdruck der Freude, für andere ein Zeichen mangelnden Respekts vor dem Gegner, wieder andere akzeptieren den Batflip, aber nur zu besonderen Anlässen oder von bestimmten Spielern. Meine Meinung: Soll doch jeder machen wie er will und der Pitcher sollte sich besser damit beschäftigen, wie er den nächsten Homerun verhindert statt mit der Flugbahn des Schlägers oder der Trabgeschwindigkeit des Batters.

Sprich nicht über einen laufenden No-Hitter
Diese Regel ist natürlich purer Aberglaube, aber es ist immer wieder beeindruckend, wie zwanghaft und konsequent sie eingehalten wird. In erster Linie gilt das natürlich für die Spieler des betreffenden Teams – oft sieht man den Pitcher im siebten oder achten Inning einsam in einer und die restlichen Spieler in der anderen Ecke des Dugouts sitzen, weil keiner den Fehler machen möchte, irgendein falsches Wort mit ihm zu wechseln und dadurch den No-Hitter zu gefährden. Aber auch die Spieler des anderen Teams, die Zuschauer im Stadion und sogar viele Reporter halten sich meist an das Schweigegebot.

Trickse nicht, um einen No-Hitter oder ein Perfect Game zu verhindern
Deutlich wirkungsvoller als durch Worte kann man einen No-Hitter beeinflussen, indem man einen Hit erzielt (oder ein Perfect Game, indem man auf Base kommt). Das kann man den echten Baseballregeln zufolge auf verschiedene Arten tun, nach den ungeschriebenen Regeln ist im Falle eines solchen Spieles aber Einiges davon verpönt: Generell sollte man den ersten Hit des Spiels nicht durch einen Bunt erzielen, insbesondere wenn man auch sonst kein regelmäßiger Bunter ist. Und bei einem möglichen Perfect Game macht man sich extrem unbeliebt, wenn man sich durch Eindrehen oder weites Vorbeugen einen unnötigen Hit by Pitch einfängt. Klar, ein No-Hitter oder gar ein Perfect Game ist etwas ganz Besonderes für einen Pitcher und das lässt er sich ungern verderben – aber wer etwas so Besonderes erreichen will, der muss meiner Ansicht nach auch willens und in der Lage sein, saubere Pitches zu werfen und seine Defense gegen einen Bunt in Stellung zu bringen.

Tritt nie auf den Mound oder zwischen Pitcher und Catcher
Generell sind Pitcher oft recht empfindliche Wesen. Gestört oder beleidigt fühlen sie sich nicht nur von unangemessener Freude nach einem Homerun oder vom Aussprechen des Wortes „No-Hitter“, sondern auch davon, dass auf dem Feld in irgendeiner Weise ihre Kreise gestört werden. Vor allem sollte niemand außer dem Pitcher, weder Freund noch Feind, den Mound betreten. Es soll aber auch niemand zwischen ihn und den Catcher treten, insbesondere nicht der Batter beim Betreten der Batters Box. Zur anderen Seite der Box muss der Batter immer hinten um den Catcher und den Umpire herum gehen, wenn er keinen Unmut auf sich ziehen möchte.

Renn immer zur ersten Base, auch bei einem Routine-Aus
Wenn man den Lauf zur ersten Base zu gemächlich angeht oder gar abbricht, weil das Groundout oder der Popout vorhersehbar sind, wird man mitunter des mangelnden Respekts gegenüber dem eigenen Team bezichtigt. Auch das finde ich eher albern, aber der Kern dieser Regel ist dennoch sinnvoll: Schließlich kann dem Gegner auch beim scheinbar einfachsten Play ein Fehler unterlaufen und es wäre ärgerlich, wenn man die Chance verpasst, diesen Fehler zum Erreichen der Base zu nutzen.

Schau dem Catcher nicht auf die Finger
Der Catcher schlägt dem Pitcher durch Handzeichen die Art und die Richtung des nächsten Pitches vor. Wenn der gegnerische Batter oder ein Runner (beispielsweise von der zweiten Base aus) versucht, die Zeichen zu sehen und zu deuten, ist das natürlich eine unfaire Aktion. Beweisen und „offiziell“ sanktionieren lässt sich so etwas schlecht. Von daher ist das mal eine ungeschriebene Regel, die ich sinnvoll finde und zu der ich auch kaum eine Alternative sehe.

Verstöße werden mit Abwerfen vergolten
Das übliche Verfahren, wenn ein gegnerischer Spieler eine ungeschriebene Regel gebrochen hat, aber auch wenn er auf andere Art (zum Beispiel durch einen ungestümen Slide) Ärger auf sich gezogen hat, besteht darin, dass er bei nächster Gelegenheit vom Pitcher abgeworfen wird; das heißt, der Pitcher wirft einen Ball absichtlich so, dass er den Batter zu treffen versucht. Ich habe für solche Art der Vergeltung nicht viel übrig, zumal man dem Gegner, den man eigentlich bestrafen möchte, damit eine Base schenkt. Aber solange der Ball in Hüft- bis Armhöhe fliegt, verursacht er zumindest im Normalfall selten mehr als einen blauen Fleck. Übrigens gilt es als wehleidig, über die schmerzende Stelle zu reiben, wenn man von einem Pitch getroffen wurde, deswegen macht das fast keiner.

Wirf niemals in Richtung Kopf
Wirklich gefährlich wird es, wenn ein Pitch in Richtung des Kopfes des Batters geworfen wird. Eigentlich ist es auch eine ungeschriebene Regel, dass man genau das auf keinen Fall tut und das ist auch sinnvoll, denn Pitches zum Kopf des Batters können trotz Helmpflicht zu schwersten Verletzungen führen. Leider gibt es wie bei fast allen ungeschriebenen Regeln verschiedene Auffassungen und Auslegungen, unter anderem diejenige, dass ein als besonders schwer empfundener Verstoß eben doch mit einem Pitch Richtung Kopf, einem sogenannten Bean Ball, zu bestrafen ist. Das ist in meinen Augen dann nicht mehr nur albern, sondern kriminell.

Abwerfen wird mit Abwerfen vergolten
Gewalt erzeugt Gegengewalt, das ist eine Binsenweisheit und doch führt diese Auge-um-Auge-Logik uns Menschen immer wieder in Kriege und andere dämliche Auseinandersetzungen. Leider ist das im Baseball nicht anders: Wirft ein Pitcher einen Batter ab und es gibt dafür keinen vom Gegner anerkannten Grund oder der Grund wird als zu nichtig empfunden, dann folgt meist eine Vergeltungsaktion auf die Vergeltungsaktion: Entweder der Pitcher selbst oder auch stellvertretend ein anderer Batter aus dessen Team wird im Gegenzug seinerseits abgeworfen. So schaukelt sich die Sache hoch und endet oft erst damit, dass die Umpires beide Seiten verwarnen und/oder einzelne Spieler des Feldes verweisen. Und weil man sich im Baseball meistens öfter sieht, setzen sich Konflikte oft über mehrere Spiele hinweg fort, manchmal sogar über Jahre.

Bleib nicht zurück, wenn deine Teamkameraden das Feld stürmen
Ein weiteres Ritual bei größeren Unstimmigkeiten besteht darin, dass beide Teams die Dugouts verlassen und das Feld stürmen. Das ist an sich nichts Schlimmes, solange es dabei nicht zu echten Schlägereien kommt, was heutzutage zum Glück selten der Fall ist. Sehr negativ wird einem aber vom eigenen Team ausgelegt, wenn man sich an dem Ritual nicht beteiligt, also im Dugout zurück bleibt. Man hat dann schnell den Ruf weg, sich nicht mit dem Team zu identifizieren und nicht zur Verteidigung seiner Kameraden bereit zu sein.

Fass Adrian Beltre nicht an den Kopf
Adrian Beltre, 3B der Texas Rangers, ist ein sehr guter und oft zu Späßen aufgelegter Spieler, der es aber auf den Tod nicht ausstehen kann, wenn ihn jemand am Kopf berührt. Tut es jemand wie sein befreundeter Teamkamerad Elvis Andrus, so geht das noch als Spaß durch; tut es ein beliebiger Gegner oder gar ein Rookie, so wird derjenige sich damit keine Freunde schaffen. Zugegeben, diese Regel passt nicht so recht in die Reihe, da sie nicht verallgemeinerbar sondern sehr speziell auf eine bestimmte Person zugeschnitten ist. Sie steht hier stellvertretend für die vielen individuellen Macken und Eigenheiten von Spielern, die man als Gegner oder auch als Mitspieler ebenfalls kennen und beachten sollte, wenn man sich in der MLB nicht unbeliebt machen möchte.

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Mai 4th, 2017 by Dominik

Vor gut drei Wochen habe ich bei einem Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre festgestellt, dass die Chancen auf das Erreichen der Playoffs sehr gering sind, wenn man Ende April bei unter 40% Siegen steht. Jetzt sind wir schon ein paar Tage im Mai und es scheint an der Zeit, sich von einigen Teams für dieses Jahr zu verabschieden: Die Toronto Blue Jays, die San Francisco Giants, die Texas Rangers und die Kansas City Royals stehen allesamt unter den erwähnten 40% und brauchen schon ein kleines Wunder, um aus dem Loch noch heraus zu kommen, dass sie sich selbst gegraben haben. Hier der gewohnte wöchentliche Überblick, was sich sonst so tut in der MLB:

National League
Die National League East wird nach wie vor sehr deutlich dominiert von den Washington Nationals (18-9), die vor allem mit ihrer Offense die Liga rocken. Mit 175 erzielten Runs führen sie die MLB mit großem Abstand vor den Yankees und den Diamondbacks (je 148) an und auch ihr Run Differential von +46 ist das beste der Liga. Einen großen Beitrag dazu leistete das 23:5 über die New York Mets (12-15). Allerdings täuscht dieses Resultat leicht darüber hinweg, dass die Serie gegen die Mets eher ein Rückschlag für die Nationals war, die nicht nur die beiden anderen Spiele verloren sondern auch den in der Offseason teuer ertradeten Outfielder Adam Eaton, der sich einen Kreuzbandriss zuzog. Die Mets haben ihrerseits große Verletzungssorgen: Neu auf der ohnehin schon langen und hochkarätig besetzten Abwesenheitsliste ist Pitching-Ass Noah Syndergaard, der mit einem gerissenen oder angerissenen Rückenmuskel voraussichtlich rund drei Monate lang ausfallen wird.

Deutlich ausgeglichener als die NL East ist die Lage in der NL Central. Die favorisierten Chicago Cubs (15-12) liegen vorne, aber die Milwaukee Brewers (13-13) und die St. Louis Cardinals (12-12) sind nicht weit zurück und alle drei haben in der Woche seit Freitag im Gleichschritt genauso viele Spiele gewonnen wie sie verloren haben. Das gilt im übrigen auch für die Pittsburgh Pirates (12-15), sodass die Cincinnati Reds (13-14) mit drei Siegen und zwei Niederlagen die einzigen in der Division sind, für die sich in der vergangenen Woche irgendetwas bewegt hat.

Auch in der NL West hat sich am Tabellenbild seit letzter Woche nichts Nennenswertes verändert, doch das allein ist nach wie vor Überraschung genug: Die Colorado Rockies (17-11) und die Arizona Diamondbacks (17-12) halten sich wacker an der Spitze und die Los Angeles Dodgers (15-14) tun bislang zu wenig, um daran etwas zu ändern – insbesondere kamen sie gegen die beiden Konkurrenten bisher nicht über Splits in den Heim- und Niederlagen in den Auswärtsserien hinaus und auch gegen die ansonsten recht desolaten San Francisco Giants (11-18) tun sich die Dodgers schwer. Siebenmal trafen die beiden Traditionsrivalen an den letzten zehn Tagen aufeinander, viermal behielten die Giants die Oberhand. Eine schlechte Nachricht für die Diamondbacks muss ich leider noch erwähnen: SP Shelby Miller muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen, für ihn ist die Saison somit definitiv gelaufen.

American League
In der American League East muss man sich wohl langsam, aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass die New York Yankees (17-9) „for real“ sind. Seit letzter Woche haben sie drei weitere Serien gegen die Divisionsrivalen Baltimore Orioles (16-10), Boston Red Sox (15-12) und Toronto Blue Jays (9-19) gewonnen. Jetzt bin ich besonders gespannt auf das anstehende Drei-Spiele-Duell gegen den amtierenden Champion Chicago Cubs (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Derweil scheint sich zwischen den Red Sox und den Orioles momentan eine Rivalität zu entwickeln, die das gesunde Maß bereits deutlich überschritten hat. Es ging los mit einem ungestümen, aber offenbar unabsichtlichen Slide von Baltimores Manny Machado an die zweite Base, bei dem sich Bostons Dustin Pedroia verletzte und für ein paar Tage ausfiel. Getreu den sogenannten „unwritten rules“ im Baseball warf Red-Sox-Pitcher Eduardo Rodriguez im folgenden Spiel den Ball mehrfach inside in Richtung von Machados Knien – das ist allein schon albern genug, aber die Sache hätte damit zumindest erledigt sein müssen. Stattdessen eskalierte Reliever Matt Barnes die Situation, indem er bei nächster Gelegenheit knapp hinter den Kopf von Machado warf. Barnes wurde dafür mit Recht vier Spiele lang gesperrt. War es das nun endlich? Nein, entschied Chris Sale, das Pitching-Ass der Red Sox, und warf beim vorgestrigen Aufeinandertreffen schon wieder einen Ball hinter Machado, der später mit einem Homerun und einer angemessenen Tirade antwortete. Liebe Red Sox, ich habe euch immer gemocht, aber was soll dieser Schwachsinn? Ganz zu schweigen von den rassistischen Anfeindungen, die sich Orioles-Outfielder Adam Jones am 1. Mai durch offenbar mehrere Dutzend Zuschauer im Fenway Park anhören musste. Haben diese Vollidioten etwa schon vergessen, dass der von ihnen jahrelang als Idol gefeierte Big Papi David Ortiz die gleiche Hautfarbe hat wie der Gegenspieler, den sie nun mit dem N-Wort beschimpften und mit Erdnüssen bewarfen?

Zurück zum Sport. In der AL Central sind die Minnesota Twins (14-11) mit vier Siegen hintereinander und sechs aus den letzten sieben Spielen zurück an die Spitze gestürmt. Die Cleveland Indians (15-12) hatten am Dienstag einen bitteren Abend, als sie nicht nur das Spiel gegen die Detroit Tigers (14-13) und die Tabellenführung verloren sondern auch Pitcher Corey Kluber, der mit Rückenbeschwerden auf die Verletztenliste gesetzt werden musste. Die Chicago White Sox (14-12) und die Kansas City Royals (9-17) sorgten zwischenzeitlich für Schlagzeilen, indem Erstere sechs Siege und Letztere neun Niederlagen in Folge einfuhren. In den letzten drei Tagen gewannen aber die Royals zwei von drei Spielen gegen die White Sox. Die extremen Trends sind somit beide erstmal gestoppt.

Die Houston Astros (19-9) weisen mittlerweile nicht mehr nur in der AL West sondern in der gesamten MLB die beste Bilanz auf. Nach drei Siegen hintereinander gegen die Texas Rangers (11-17) herrschen klare Verhältnisse in der Lokalrivalität. Als wären die Rangers nicht schon gebeutelt genug, fällt nun auch noch Pitcher Cole Hamels für mehrere Monate aus. Da auch die Seattle Mariners (12-16) nach wie vor nicht wirklich in Tritt kommen und die Oakland Athletics (11-16) nach ordentlichem Start inzwischen deutlich eingebrochen sind, richten sich die Los Angeles Angels (15-14) in der Rolle des derzeit einzigen Verfolgers der Astros ein. Die übers Wochenende anstehende Serie zwischen den Astros und den Angels verspricht interessant zu werden.

Szene der Woche
Die Versuchung war groß, hier den Pickoff durch Jon Lester gegen Aaron Altherr zu küren – Würfe zur ersten Base sind bekanntlich die große Schwäche des Cubs-Pitchers und ein Pickoff-Throw durch ihn ist schon eine Sondermeldung wert. Aber da dieser hier „nur“ an die zweite Base ging, erlaube ich mir als Szene der Woche das Triple Play der Orioles gegen die Red Sox vorzuziehen. Ein Triple Play ist immer sehenswert, aber dieses war ganz besonders kurios, weil es nur durch Fehler von fast allen Beteiligten zustande kam: die Umpires signalisieren keinen Infield Fly, Orioles-Shortstop J. J. Hardy fängt den Ball nicht, die Baserunner Mitch Moreland und Dustin Pedroia laufen nicht los, Batter/Runner Jackie Bradley Jr. bricht den Weg zur ersten Base ab und plötzlich sind alle drei Spieler aus statt nur einem.

Statistik der Woche 
32. So viele Runs erzielte Bryce Harper im April und stellte damit einen neuen MLB-Rekord auf, den bislang Larry Walker mit 29 Runs im April 1997 gehalten hatte. Mit dieser Leistung stellt er sogar seinen Teamkollegen bei den Washington Nationals, Anthony Rendon, in den Schatten. Dieser legte diese Woche ebenfalls beeindruckende Zahlen vor, allerdings vor allem in Bezug auf ein einzelnes Spiel und nicht wie Harper auf einen ganzen Monat: Beim 23:5 über die Mets erzielte er in sechs Plate Appearances sechs Hits, davon drei Homeruns, und insgesamt 10 RBIs – in ihrer Gesamtheit ebenfalls eine in der MLB-Geschichte noch nie dagewesene Leistung.

Spiel(e) der Woche
Auf das Podest des Spiels der Woche setze ich dieses Mal gleichrangig zwei Partien, in denen es eindrucksvolle Comebacks zu sehen gab: Das eine geht auf das Konto der New York Yankees, die aus 1:9- und 4:11-Rückständen gegen die Baltimore Orioles mit Hilfe von fünf Homeruns einen 14:11-Sieg nach zehn Innings machten. Das andere war ein 6:5 der Los Angeles Dodgers über die Philadelphia Philles. Mit einem 2:5-Rückstand waren die Dodgers in den Bottom des neunten Innings gegangen, bevor Yasiel Puig, Cody Bellinger und Justin Turner mit Back-to-Back-to-Back-Homeruns gegen Phillies-Closer Hector Neris den Ausgleich besorgten. Zwei Outs später brachte ein Walkoff-Single von Adrian Gonzalez das Spiel nach Hause

Spiel der kommenden Woche
Zwei sehr reizvolle Duelle stehen übers Wochenende an: zum einen das der Houston Astros gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, zum anderen das der Chicago Cubs gegen die New York Yankees. Das erste Spiel des Titelverteidigers gegen den wiedererstarkten Rekordmeister ist mein Einschalttipp der Woche: Am Freitag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los, auf dem Mound werden voraussichtlich Kyle Hendricks (4.18 ERA) für die Cubs und Michael Pineda (3.14 ERA) für die Yankees stehen.

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Mai 2nd, 2017 by Dominik

Seit gestern kann man auf mlb.com abstimmen, welche Spieler in die beiden Roster für das All-Star-Game berufen werden sollen. Das Spiel an sich ist zwar ein eher uninteressanter Pausenfüller, zumal ab diesem Jahr noch nicht mal mehr das Heimrecht der World Series vom Ausgang des All-Star-Games abhängt (sondern davon, welcher Teilnehmer die bessere Saisonbilanz hat). Aber überhaupt in den Kader berufen zu werden, ist nach wie vor eine große Ehre und Anerkennung für die Spieler.

Wenn ihr es etwas seltsam findet, schon nach knapp einem Monat darüber abzustimmen, wer die besten MLB-Spieler des Jahres sind, seid ihr nicht allein. Die Abstimmungsphase läuft vom 1. Mai bis zum 29. Juni. Ich finde, ein Monat hätte gereicht und ich werde selbst auch in jedem Fall bis Juni warten, bevor ich meine Stimmen abgebe. Das darf man übrigens nicht nur einmal sondern bis zu 35-mal innerhalb des genannten Zeitraums, wobei man bis zu fünfmal innerhalb von 24 Stunden abstimmen kann. Will man dieses Kontingent voll ausschöpfen, muss man also eine volle Woche dafür einplanen.

Gewählt werden die Starter auf den Feldpositionen, also acht Spieler für das Team der National League und neun für das der American League, weil hier noch ein Designated Hitter hinzukommt. Zur Wahl steht auf jeder Position ein Spieler pro Team. Benannt wurden diese Spieler von den Teams zu Saisonbeginn. Dadurch kommt es zu ein paar seltsamen Blüten wie zum Beispiel, dass Royals-Outfielder Jorge Soler oder Rangers-3B Adrian Beltre wählbar sind, obwohl sie diese Saison bislang kein einziges Spiel absolviert haben. Andererseits stehen Rockies-1B Mark Reynolds (.298/.362/.606) oder Mets-Outfielder Michael Conforto (.333/.408/.700) trotz ansprechender April-Leistungen nicht auf dem Wahlzettel. Für Fälle wie die letzteren kann man auch einen selbst eingetippten Namen hinzufügen, dessen Chancen auf die Wahl in das All-Star-Team aber gering sein dürften.

Die Pitcher sowie die Reservespieler auf den Positionen werden in einer internen Abstimmung der MLB-Spieler festgelegt. Anschließend dürfen die Teammanager des All-Star-Games – das sind die traditionell die Manager der beiden vorherigen World-Series-Teilnehmer – die Roster auf je 33 Spieler auffüllen. Zum Abschluss haben noch einmal die Fans das Sagen, indem der 34. und letzte Rosterplatz im Kader jeder Liga durch eine weitere Online-Wahl bestimmt wird.

Das All-Star-Game findet am 11. Juli in Miami statt, wie üblich eingebunden in ein mehrtägiges Programm mit diversen Events wie zum Beispiel dem Home Run Derby am 10. Juli.

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April 27th, 2017 by Dominik

Was für eine bittere MLB-Woche: Meine Mets hatten ihren stärksten Auftritt Dienstagnacht in Form eines Rainouts gegen die Braves – den konnten sie wenigstens nicht verlieren. In Giants-Pitcher Madison Bumgarner hat sich einer der besten und interessantesten Spieler der Liga ernsthaft verletzt und gestern Abend musste Brewers-1B Eric Thames, Hauptakteur der Cinderella-Story des bisherigen Jahres, mit Oberschenkelproblemen den Platz verlassen. Zu allem Überfluss haben die Padres das spannende Experiment mit Christian Bethancourt als Allround-Spieler für gescheitert erklärt und ihn in die Minors geschickt. Zum Glück sorgte Chris Coghlan von den Blue Jays dafür, dass von dieser Woche nicht nur deprimierende Szenen hängen bleiben werden. Dazu später mehr, jetzt erst mal der obligatorische Schwenk durch die einzelnen Divisionen:

National League
In der National League East sieht es derzeit danach aus, dass sich in dieser Division besonders schnell die Spreu vom Weizen trennt. Die Washington Nationals (14-6) ziehen nach den ersten 20 Spielen bereits recht einsam ihre Kreise an der Spitze vor den Miami Marlins (10-8) und den Philadelphia Phillies (9-9), die beide für ihre Verhältnisse gut in die Saison gekommen sind, den Nationals aber realistisch betrachtet nicht gefährlich werden dürften. Leider ein Totalausfall in der ihnen zugedachten Rolle des Co-Favoriten in der Division sind die New York Mets (8-11). Nach ordentlichem Beginn haben sie nun zwei Wochen lang quasi nur verloren: Fünf Niederlagen in Folge und neun in den letzten zehn Spielen stehen mittlerweile zu Buche. Am Anfang dieses Slumps hatten sie ein paarmal Pech mit dem Spielausgang, dann kamen Verletzungen dazu und inzwischen scheint auch einfach das Selbstvertrauen ein Stückweit verloren zu sein. So war jedenfalls mein Eindruck letzte Nacht beim 2:8 gegen die Atlanta Braves (6-12), die nach dem Sweep durch die Nationals ein willkommener Aufbaugegner hätten sein können, aber stattdessen auf erstaunlich wenig Gegenwehr der Mets stießen. Bei den Marlins tut sich übrigens etwas im Hinblick auf den angestrebten Verkauf der Franchise durch Owner Jeffrey Loria: Eine Bietergruppe um den ehemaligen Governeur, Präsidentensohn, -bruder und -kandidaten Jeb Bush und um Ex-Yankees-Star Derek Jeter gilt inzwischen als klarer Favorit, die Marlins zu erwerben.

Titelverteidiger Chicago Cubs (11-8) hat in der NL Central mittlerweile die Verhältnisse gerade gerückt und sich mit nacheinander gewonnenen Serien gegen die Milwaukee Brewers (11-11), die Cincinnati Reds (10-11) und die Pittsburgh Pirates (9-12) an die Spitze der Division gesetzt. Die schwach gestarteten St. Louis Cardinals (9-11) zeigen inzwischen Anzeichen eines Aufschwungs. Dem Sweep gegen die Pirates vor einer Woche ließen sie weitere drei Siege über die Brewers folgen und setzen heute in einem Doubleheader das Duell der Fehlgestarteten mit den Toronto Blue Jays fort.

Die NL West fühlt sich immer noch ein bisschen an, als würde sie auf dem Kopf stehen, denn unverändert halten sich die etwas überraschenden Colorado Rockies (14-8) und die noch mehr überraschenden Arizona Diamondbacks (14-9) an der Spitze mit spürbarem Vorsprung auf die Los Angeles Dodgers (10-12). In einer schwierigen Lage befinden sich die San Francisco Giants (7-14). Zwar sprangen aus den letzten drei Spielen immerhin zwei Siege gegen die Dodgers heraus, doch davor setzte es gegen die Rockies einen Drei-Spiele-Sweep und vor allem fällt Star-Pitcher Madison Bumgarner nun für mindestens zwei Monate aus, nachdem er in seiner Freizeit einen Fahrradunfall hatte und sich dabei die Rippen und die Schulter des Wurfarms verletzte. Eine Aufholjagd ohne den wichtigsten Leistungsträger des Teams dürfte schwierig werden.

American League
Die Baltimore Orioles (13-6) führen nach wie vor die American League East an und das zwar knapp, aber überzeugend: Von ihren bislang sieben Serien in diesem Jahr haben sie noch keine einzige verloren und sechs davon absolvierten sie gegen Divisionsrivalen. Auf Platz zwei halten sich die New York Yankees (11-7), bei denen sich nach der zwischenzeitlichen Siegesserie in den letzten Tagen Licht und Schatten abwechselten. Die nächsten Tage werden richtungsweisend sein, denn heute Nacht geht es zunächst noch einmal gegen die Boston Red Sox (11-8) und dann drei Tage lang gegen die Orioles. Genau wie die Yankees haben auch die Toronto Blue Jays (6-14) in den letzten sieben Tagen immer abwechselnd gewonnen und verloren, was in ihrem Fall aber nach dem katastrophalen Start ein Fortschritt war. Wenn sie dem turbulenten Sieg im ersten Spiel gegen die  Cardinals (siehe unten) heute einen erfolgreichen Doubleheader folgen lassen, sind die Blue Jays wieder halbwegs im Rennen.

Die knappste Division der MLB ist die AL Central, in der die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Detroit Tigers allesamt mit 11-9 gleichauf stehen und nur knapp dahinter die Minnesota Twins (10-11), für die Max Kepler am Sonntag seinen zweiten Homerun des Jahres geschlagen hat. Den Anschluss verloren haben derzeit die Kansas City Royals, die nach sieben Niederlagen in Folge – jeweils Sweeps gegen die Texas Rangers und die White Sox – plötzlich bei 7-14 stehen und als nächstes dreimal gegen die Twins ran müssen.

Die AL West bietet momentan neben der NL East das klarste Tabellenbild: Der Vorsprung der Houston Astros (14-10) ist bereits recht komfortabel, zumal auf den nächsten Rängen die Los Angeles Angels (11-12) und die Oakland Athletics (10-11) folgen, die beide keine ernsthaften Kandidaten dafür sind, um den Divisionstitel mitzuspielen. Die Texas Rangers (10-12) haben sich, insbesondere durch den Sweep über die Royals, wieder ans Feld herangespielt, während es für die Seattle Mariners (9-13) momentan schlecht aussieht. Sie haben zwar nur einen Sieg weniger als die Rangers und die A’s, müssen aber nun den Rückschlag verkraften, dass gleichzeitig Pitching-Ass Felix Hernandez und der in der bisherigen Saison sehr starke Outfielder Mitch Haniger (.338/.442/.600) auf die Verletztenliste gesetzt werden mussten.

Szene der Woche
Vielleicht ist es nicht nur die Szene der Woche sondern schon die des Jahres. Jedenfalls wird auf absehbare Zeit kein Highlight-Reel ohne den gigantischen Sprung von Torontos Chris Coghlan über Cardinals-Catcher Yadier Molina und seine anschließende Rolle über die Homeplate auskommen. Ich muss mir das Ding jedenfalls immer wieder ansehen. Wow.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns hat 1B Eric Thames von den San Diego Padres dieses Jahr bereits erzielt, vier mehr als die zehn Spieler, die gemeinsam den zweiten Platz der Rangliste belegen. Sofern die Verletzung, derentwegen Thames gestern Abend ausgewechselt werden musste, ihn nicht daran hindert, hat er in den nächsten Tagen die Chance, am Rekord von Albert Pujols (2006) und Alex Rodriguez (2007) mit je 14 April-Homeruns zu kratzen. Das Erstaunliche daran ist, dass der 30-jährige Thames die letzten vier Jahre nicht mal in der MLB gespielt sondern sich zuerst ein Jahr in den Minors und dann in Südkorea bei den NC Dinos verdingt hat. Dort produzierte er zwar starke Zahlen, doch dass er bei seiner Rückkehr nach Amerika derart auftrumpfen würde, hat ihm wohl kaum jemand zugetraut.

Spiel der Woche
Ich muss hier noch mal auf das Spiel der Toronto Blue Jays bei den St. Louis Cardinals zurückkommen, in dem sich die Akrobatik-Aktion von Chris Coghlan zutrug. Nicht nur wegen dieses Moments war Torontos 6:5-Erfolg ein spektakuläres Spiel mit Happy End für die enttäuschend in die Saison gestarteten Blue Jays: Erst drehten sie einen Rückstand um, dann gingen sie dreimal in Führung, die von den Cardinals immer wieder ausgeglichen wurde, bevor schließlich im elften Inning der als Pinch Hitter eingewechselte Pitcher Marcus Stroman einen Double schlug und später bei einem Error – dem vierten der Cardinals in diesem Spiel – den siegbringenden Run erzielte. Es war übrigens der erste Pinch Hit eines Blue-Jays-Pitchers überhaupt.

Spiel(e) der kommenden Woche
Die Entscheidung fällt schwer, denn mir erscheinen zwei Matchups der kommenden Tage gleichermaßen interessant: Sowohl in der AL East mit den Orioles und den Yankees als auch in der NL West mit den Rockies und den Diamondbacks ringen je zwei Teams um die Spitze, denen ich das vor der Saison nicht zugetraut hätte – und in beiden Fällen treffen diese beiden Teams nun in einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag aufeinander. Mein Einschalttipp sind die beiden Spiele am Sonntag, weil sie sich zeitlich (Orioles@Yankees um 19:05 Uhr, Rockies@Diamondbacks um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) so gut aneinander fügen, dass man einen schönen langen Baseballabend daraus machen kann – und am Tag danach ist passenderweise Feiertag.

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April 25th, 2017 by Dominik

Derzeit wird heiß diskutiert, bei welchem Team das frisch als Free Agent freigegebene kubanische Talent Luis Robert landen wird. Da will ich natürlich nicht zurückstehen und meinen Senf sowohl zu Robert als auch zu ein paar weiteren Kandidaten des internationalen Marktes loswerden, die wir in absehbarer Zeit in der MLB erleben könnten.

Zunächst ein paar Erläuterungen, wie internationale Verpflichtungen in der MLB ablaufen: Im Gegensatz zur Auswahl der US-amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Bislang ist es so, dass bei Überziehung dieses sogenannten „Bonus Pools“ der jeweilige Verein für zwei Jahre keine internationalen Verpflichtungen für über 300.000 Dollar mehr tätigen darf. Aufgrund dieser Regel dürfen die Athletics, die Astros, die Padres, die Cardinals, die Braves, die Nationals und die Reds, die ihren Pool in der aktuellen Periode 2016/17 bereits überzogen haben, in der am 2. Juli beginnenden Periode 2017/18 keine nennenswerten Signings mehr vornehmen. Dasselbe gilt für die Cubs, die Dodgers, die Royals und die Giants, welche sich dann im zweiten Jahr ihrer schon jetzt andauernden Strafe befinden.

Ab der kommenden Signing-Periode wird das System etwas vereinfacht: Ab dann gelten harte Obergrenzen, das heißt ein Überziehen des Pools ist nicht mehr möglich und dementsprechend braucht man auch keine Strafen mehr. Die Höhe des Pools beträgt 4,75 bis 5,75 Millionen Dollar je Team, wobei die durch einen kleineren Markt benachteiligten Teams die etwas höheren Summen ausgeben dürfen. Die erlaubten Summen können zwischen den Teams in Form von Trades verschoben werden. Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von der Pool-Regel ausgenommen.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Im Fall des kubanischen Outfielders Luis Robert ist das vor ein paar Tagen passiert und nun stehen die Teams Schlange, um ihn vorspielen zu sehen. Der 19-Jährige, der im November seine Heimat verlassen hat, gilt als herausragender Power Hitter und wird von den Scouts im Rang eines Erstrundendraftpicks eingestuft. Die Astros, Padres, Reds, Cardinals und vor allem die White Sox werden als Favoriten auf seine Verpflichtung gehandelt. Die White Sox haben eine lange und positive Geschichte mit kubanischen Spielern, welche mir Minnie Minoso begann und mit Jose Contreras, Alexei Ramirez, Jose Abreu und ihrem aktuellen Top-Talent Yoan Moncada fortgesetzt wurde. Robert würde wohl gut in diese Reihe passen und in Chicago hätte er angesichts der derzeitigen Rebuilding-Situation auch die Zeit, die er braucht, um sich in den Minor Leagues zu entwickeln.

Die meisten internationalen Verpflichtungen stammen wie Robert aus Mittel- oder Südamerika. Die neben ihm momenten interessantesten internationalen Prospects sind aber allesamt Japaner. Allen voran gilt Shohei Otani als absoluter Ausnahmespieler und das sowohl als Pitcher wie auch als Batter. Der Hype um Otani geht so weit, dass er regelmäßig mit der Legende Babe Ruth verglichen wird. Der 22-Jährige pitcht mit rechts und schlägt mit links und brachte es in Japan 2016 auf einen ERA von 1.86 in 140 Innings auf dem Mound sowie auf eine Slashline von .322/.416/.588 mit 22 Homeruns als Batter. Die große Frage ist, wann Otani den Schritt in die MLB unternimmt. Viele gehen davon aus, dass es nach der laufenden Saison soweit ist. Allerdings würde das bedeuten, dass er finanziell in den ersten Jahren verhältnismäßig kleine Brötchen backen würde, denn unter der neuen Regelung könnte ihm ein MLB-Team selbst mit größter Anstrengung nicht mehr als rund 10 Millionen Dollar für seine Unterschrift bieten. Daher könnte er sich auch entscheiden, noch die drei Jahre zu warten, bis er nicht mehr unter die Bonus-Pool-Regel fällt.

Pitcher Shintaro Fujinami, 2B Testuto Yamata und 3B/OF Yoshitomo Tsutsugo sind ein paar weitere japanische Namen, an die wir uns innerhalb der nächsten ein, zwei Jahre möglicherweise in der MLB gewöhnen dürfen.

Internationale Verpflichtungen aus Europa kommen in der MLB natürlich ebenfalls vor, haben aber Seltenheitswert. Nach dem Italiener Alex Liddi und den beiden Deutschen Donald Lutz und Max Kepler hat es ganz aktuell gestern Abend zum vierten Mal im modernen Baseball ein Europäer in die Major League geschafft – sofern man einen Europäer definiert als Spieler, der hier geboren und als Spieler entwickelt wurde, also nicht in früher Jugend ins amerikanische Schul- und Collegesystem gewechselt ist. Der litauische Pitcher Dovydas Neverauskas wurde gestern in den Kader der Pittsburgh Pirates befördert und kam gegen die Chicago Cubs zu seinem ersten Einsatz als Reliever. Er pitchte zwei Innings, in denen der zwei Hits und einen Run erlaubte und einen Strikeout ablieferte.

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April 20th, 2017 by Dominik

Knapp zehn Prozent der MLB-Saison 2017 sind absolviert und Einiges, was die Fans bestimmter Teams nach den ersten Spielen himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt hinterließ, hat sich inzwischen relativiert. Geblieben sind bisher die überraschend guten Ergebnisse der Cincinnati Reds, der Arizona Diamondbacks und der Colorado Rockies sowie der katastrophale Start der Toronto Blue Jays. Ebenfalls zu den großen Überraschungen der bisherigen Saison zähle ich die neun Siege der New York Yankees in den letzten zehn Spielen, darunter acht in Folge. Hier wie jeden Donnerstag der Überblick über das Geschehen in der MLB:

American League
Die American League East scheint sich zu gefallen in der Rolle, die sie schon in der letzten Saison spielte: Damals gab es einen bis zum Schluss spannenden Dreikampf auf hohem Niveau, an dessen Ende alle drei beteiligten Teams in die Playoffs einzogen. Auch jetzt, nach rund 15 Spielen in der neuen Saison stehen wieder drei Teams mit überzeugender Bilanz nahezu Kopf an Kopf – mit dem einzigen Unterschied, dass sich anstelle der absolut enttäuschend gestarteten Toronto Blue Jays (3-11) die New York Yankees (10-5) eingeschaltet haben, um mit den Baltimore Orioles (9-4) und den Boston Red Sox (9-6) um die Spitze zu ringen.

Sagenhafte Ausgeglichenheit hat hingegen die AL Central zu bieten: Vier von fünf Teams stehen bei sieben Siegen und sieben Niederlagen, nur die Detroit Tigers (8-6) tanzen minimal aus der Reihe. Die Minnesota Twins haben sich von ihrem kurzen Höhenflug inzwischen verabschiedet, nach drei Niederlagen am Stück und fünf aus den letzten sieben Spielen sind sie in der Riege der ausgeglichenen Bilanzen angekommen und der Trend zeigt klar nach unten. Die positive Nachricht aus Minnesota ist, dass Max Kepler nach verhaltenem Start seinen Rhythmus gefunden hat und nach 14 Spielen starke .294/.351/.490 schlägt.

In der AL West geben die Houston Astros (10-5) nach wie vor klar den Ton an, alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf. Ein bisschen gefangen haben sich nach ihrem katastrophalen Start die Seattle Mariners (7-9) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Drei davon gingen zu Lasten der Texas Rangers (5-10), die früh in der Saison schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Das Problem der Rangers ist in erster Linie das Pitching, denn während sie die viertmeisten Runs erzielt haben, haben sie gleichzeitig die drittmeisten erlaubt. Und interessanterweise haben sie bisher mit 0-4 die schlechteste Bilanz der Liga in 1-Run-Games, also Spielen, die mit nur einem Run Unterschied enden – nachdem sie letztes Jahr mit einer 36-11-Bilanz in solchen Spielen einen MLB-Rekord aufgestellt hatten.

National League
Die Washington Nationals (9-5) führen nach drei Siegen am Stück sowohl die National League East als auch die National League insgesamt an, getragen vor allem von einer beeindruckenden Offense. Von MLB-weit acht Stammspielern, die eine OPS von über 1.100 aufweisen, haben die Nationals in Bryce Harper (1.362) und Ryan Zimmerman (1.146) gleich zwei und mit einem Team-OPS von .846 stehen sie klar an der Spitze der Liga. Aber noch haben die Nationals nicht direkt gegen ihren mutmaßlichen Hauptkonkurrenten, die New York Mets (8-7), spielen müssen. Letztere haben letzte Nacht gegen die Philadelphia Phillies (5-9) den ersten Sieg nach einer äußerst unglücklichen Serie von vier Niederlagen eingefahren – alle vier Spiele wurden erst im letzten At Bat des Gegners verloren. Apropos äußerst unglücklich: Das sind wohl auch einige Pitcher der Miami Marlins (8-7) – nicht weil sie schlechte Leistungen gezeigt hätten, sondern weil sie innerhalb der letzten Tage gleich zweimal haarscharf einen combined No-Hitter verpasst haben.

Die Cincinnati Reds (9-6) genießen nach wie vor ihre Rolle als Überraschungsteam der Liga und stehen in der NL Central immer noch vor dem World-Series-Champion Chicago Cubs (8-7). Nach vier Niederlagen in fünf Spielen – darunter drei gegen die Milwaukee Brewers (8-8) – scheint ein Ende des unwahrscheinlichen Höhenfluges der Reds jedoch absehbar, zumal sie übers Wochenende dreimal gegen die Cubs ran müssen. Eine halbe Saison, genauer gesagt 80 Spiele lang überhaupt nicht mehr ran darf unterdessen Outfielder Starling Marte von den Pittsburgh Pirates (6-9), nachdem er des Dopings mit Nandrolon überführt wurde. Die Pirates zeigten sich auf dem Feld angemessen geschockt, indem sie ihrem Drei-Spiele-Sweep gegen die Cubs nach dieser Nachricht eine Serie von drei Niederlagen gegen die St. Louis Cardinals (6-9) folgen ließen, die damit den Anschluss an den Rest der Division wiedergefunden haben.

Am Tabellenbild der NL West hat sich seit letzter Woche außer einem leichten Abgleiten der San Diego Padres (6-10) nicht viel getan, was aber durchaus als Überraschung durchgeht. Vorne halten sich nämlich immer noch wacker die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies mit jeweils 10-6, die Diamondbacks sogar mit der erfolgreichsten Offense der ganzen Liga (78 Runs). Gegen beide Teams kamen die Los Angeles Dodgers (8-8) nicht über unentschiedene Serien hinaus und bleiben somit derzeit als einer der beiden Favoriten der Division auf dem mittleren Rang hängen. Noch schlechter ergeht es dem Mitfavoriten San Francisco Giants (6-10), bei dem bislang auf jeden kleinen Lichtblick ein Rückschlag erfolgt ist. Die Giants, die im Outfield dieses Jahr ohnehin schon unterbesetzt schienen, mussten nun Leftfielder Jarrett Parker mit gebrochenem Schlüsselbein auf die Verletztenliste setzen. Dafür ist Catcher Buster Posey von selbiger Liste wieder zurück im Lineup und kann den Giants beim Versuch mithelfen, nächste Woche in einer Vier-Spiele-Serie gegen die Dodgers das Ruder herumzureißen.

Szene der Woche
Es war eine weder besonders schöne noch lustige Szene, aber der Walk-Off-Error, mit dem die Detroit Tigers gestern Nacht das Spiel gegen die Tampa Bay Rays verloren, war definitiv ein aufreibender Moment. Mit einer knappen Führung, geladenen Bases und nur einem Out im neunten Inning legten es die Tigers auf ein siegbringendes  Double Play an und das wäre es wohl auch geworden, wäre nicht Shortstop José Iglesias über die Base gestolpert, wodurch sein Wurf an die erste Base misslang und zwei Runs zum Sieg der Rays nach Hause kamen. Zu allem Überfluss bekam der gefallene Iglesias auch noch das Knie des slidenden Brad Miller ab und verletzte sich dabei.

Statistik der Woche 
129. So viele Plate Appearances in der regulären Saison absolvierte Mookie Betts zwischen seinem vorletzten Strikeout und dem gestern Nacht gegen Blue-Jays-Pitcher Francisco Liriano. Der vorletzte unterlief ihm am 12. September 2016 gegen Oliver Drake von den Orioles. Es war die längste solche Serie eines Red-Sox-Spielers seit 1975, als Denny Doyle 159 Plate Appearances ohne Strikeout hatte, und die längste in der MLB seit 2004 (147 von Juan Pierre, Marlins). Betts schlägt in dieser Saison bislang .347/.407/.469.

Spiel der Woche
Die Miami Marlins und die New York Mets lieferten sich in der Nacht zu letztem Freitag den ersten 16-Inning-Marathon des Jahres. Nach 5 Stunden und 38 Minuten, 509 Pitches durch 17 Pitcher und 29 Hits in 119 At-Bats brachte ausgerechnet der Spieler die Entscheidung, der wohl über das gesamte Spiel hinweg den schwierigsten Job hatte: Mets-Catcher Travis d’Arnaud absolvierte alle 16 Innings hinter der Platte, brauchte ab dem zehnten teilweise Hilfe, seine vom Kauern tauben Beine in den Dugout zu bewegen, aber den Trott um die Base nach seinem Homerun zum 9:8-Sieg schaffte er dann doch alleine.

Spiel der kommenden Woche
Es stehen eine Menge interessante Serien an, zum Beispiel die große Überraschung Cincinnati Reds gegen Titelverteidiger Chicago Cubs (Freitag bis Sonntag) und das Duell der vermeintlichen Top-Teams der NL West Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants (Montag bis Donnerstag). Am spannendsten finde ich aber das erstmalige Aufeinandertreffen in dieser Saison zwischen den Washington Nationals und den New York Mets, von denen ich über das gesamte Jahr hinweg ein enges Rennen um die NL East erwarte. Mein Einschalttipp ist das Spiel am Samstag zur europafreundlichen Zeit ab 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden voraussichtlich der wiedererstarkte Matt Harvey (2.45 ERA) für die Mets und der ebenfalls überraschend stark in die Saison gestartete Gio Gonzalez (1.33 ERA) für die Nationals stehen.

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April 18th, 2017 by Dominik

Man stelle sich vor, in Deutschland träte ein Sportverein auf den Plan, der sich beispielsweise „Castrop-Rauxel Zigeuner“ nennt und als Logo die vor rassistischen Stereotypen strotzende Karikatur eines Angehörigen des „fahrenden Volkes“ trägt. Der Aufschrei wäre groß, außer vielleicht wenn es ein von Sinti und Roma gegründeter Club wäre, dessen Bezeichnung einen selbstironischen Hintergrund hat. Das Beispiel klingt an den Haaren herbei gezogen, aber das ist es nicht, denn die Cleveland Indians entsprechen ziemlich genau diesem Muster: Sie tragen einen Namen, dessen Neutralität als Bezeichnung amerikanischer Ureinwohner zumindest fragwürdig ist, und obendrein als Logo die Karikaturfigur „Chief Wahoo“, die man mit ihrer knallroten Haut und der Hakennase relativ eindeutig als offen rassistisch bezeichnen muss.

Der Konflikt um den Namen und das Logo der Indians ist nicht neu, vielmehr schwelt er seit Jahrzehnten und kocht in unregelmäßigen Abständen immer wieder hoch. Dass es nun mal wieder so weit ist und sich dieses Mal tatsächlich etwas ändern könnte, geht auf niemand Geringeren als MLB-Commissioner Rob Manfred zurück. Gegenüber der New York Times ließ Manfred durch einen Sprecher verlauten, er habe gegenüber den Cleveland Indians den Wunsch deutlich gemacht, dass man sich von Chief Wahoo als Logo verabschiedet. Manfred galt schon früher als Gegner des Logos, hatte sich aber noch nie so deutlich öffentlich geäußert wie mit dem jüngsten Statement.

Sehr viel früher und sehr viel deutlicher haben sich schon zahlreiche Andere über Chief Wahoo geäußert: Seit den 1970er Jahren gibt es immer wieder Proteste und Klagen amerikanischer Ureinwohner, die sich durch den Teamnamen und vor allem durch das Logo beleidigt und herabgewürdigt fühlen, und schon seit über 20 Jahren wird jedes Jahr zum Opening Day eine Demonstration (wenngleich oft in überschaubarer Größe) gegen Chief Wahoo abgehalten.

Natürlich gibt es auch Anhänger der Gegenposition, die den Namen und das Logo nicht als Problem sehen sondern als liebgwonnene Tradition, von der man sich nicht trennen will. Das Argument dieser Seite ist, dass die wenig dezenten Anspielungen auf die amerikanischen Ureinwohner positive Assoziationen wecken sollen: Man wolle die Ureinwohner damit ehren, sich ihre Stärke und Standhaftigkeit zum Vorbild nehmen.

Ich glaube den Vertrern dieser Ansicht, zu denen natürlich vor allem der Verein selbst und die große Mehrheit seiner Anhänger gehören, dass sie das ernst meinen. Warum sollten sie ihr Team nach einer Volksgruppe benennen, die sie damit beleidigen wollen? Doch gut gemeint ist oft das Gegenteil von gut. Chief Wahoo ist und bleibt ein stereotypes Zerrbild von einem amerikanischen Ureinwohner und in erster Linie sollten die Betroffenen selbst entscheiden, ob sie sich von einer Bezeichnung oder einer Darstellung beleidigt fühlen oder nicht. Für eine nicht unerhebliche Anzahl von Angehörigen und Interessenvertretern der betreffenden Volksgruppen ist das offensichtlich der Fall und das halte ich für Grund genug, sich zumindest von dem Logo zu verabschieden. Terry Pluto, einer der Beatwriter in Cleveland, hat es meiner Ansicht nach sehr gut auf den Punkt gebracht mit der Frage „Würdest du dich damit wohl fühlen, eine Chief-Wahoo-Kappe zu tragen, wenn du ein Indianer-Reservat besuchst?“ und seiner eigenen Antwort darauf: „No way.“

Die Politik des Clubs selbst ist übrigens, die Verwendung von Chief Wahoo seit rund zehn Jahren behutsam zurückzufahren, ohne sich offiziell zu einem Abschied von dem Logo zu bekennen. Das Logo wurde über die Jahre hinweg weniger präsent im Ballpark der Indians und auch auf Uniformen und Fanartikeln wurde Chief Wahoo inzwischen zum sekundären Logo heruntergestuft gegenüber einem großen roten „C“. Ein klarer Schnitt sieht freilich anders aus, die Präsenz der Rothaut-Karikatur ist nach wie vor unübersehbar und zwar nicht nur auf der Kleidung von Zuschauern sondern auch auf den meisten Varianten der von den Spielern getragenen Caps.

Ich hoffe sehr, dass man in Cleveland (und anderswo, zum Beispiel beim NFL-Team Washington Redskins) über kurz oder lang zur Vernunft kommt und sich zu klarer Kante gegen Rassismus und offenem Umgang mit dem Thema bekennt statt zu halbherzigen Rechtfertigungen und verschämtem Verschwindenlassen auf Raten. Die Indians haben ein starkes, sympathisches Team und eine große und treue Fanbasis. Von beidem werden sie kein Stück verlieren, wenn sie sich von Chief Wahoo verabschieden.

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April 15th, 2017 by Dominik

Heute vor 70 Jahren, am 15. April 1947, endete eines der der beschämendsten Kapitel in der Geschichte der MLB. Mit dem Einsatz von Jackie Robinson zogen die Brooklyn Dodgers den Schlussstrich unter jahrzehntelange Rassentrennung im professionellen Baseball.

Jackie Robinson war nicht der erste schwarze Spieler in den Major Leagues und es gab auch nie eine schriftliche Regel, die den Einsatz farbiger Akteure verbot. Aber es gab solche Regeln ab den 1880er Jahren in den Minor Leagues und es gab Spieler und Teams, die mit Streik drohten, wenn sie gegen Mannschaften antreten sollten, die dunkelhäutige Spieler einsetzten. Nach einem einzigen Spiel von William Edward White für die Providence Grays 1979 und Einsätzen der Brüder Fleet und Weldy Walker für die Toledo Blue Stockings 1884 war die Rassentrennung im Baseball über 70 Jahre lang Fakt. Schwarze Baseballer konnten ihr Können in dieser Zeit lediglich in den in puncto Infrastruktur und Verdienstmöglichkeiten klar benachteiligten Negro Leagues zeigen.

Der Wendepunkt kam 1945 und ging vor allem auf zwei Personen zurück: zum einen auf den damaligen General Manager der Brooklyn Dodgers, Branch Rickey, zum anderen auf den MLB-Commissioner Happy Chandler. Chandler war der deutlich offener eingestellte Nachfolger des 1944 verstorbenen Kenesaw Landis, welcher früheren Integrationsbestrebungen klare Absagen erteilt hatte. Rickey ließ mit der Unterstützung seines Vereins und Chandlers schwarze Talente sichten, zunächst unter dem Vorwand, die Dodgers wollten ein neues Negro-Team gründen. Seine Absicht war aber von vornherein, die Rassenbarriere im Baseball aufzuheben. Zu diesem Zweck suchte er nach einem Spieler mit sowohl dem sportlichen Talent als auch der mentalen Stärke für die ihm zugedachte Pionierrolle.

Im Oktober 1945 machte Rickey Ernst mit seinem Vorhaben, indem er Jackie Robinson vom Negro-Team Kansas City Monarchs unter Vertrag nahm und ihn zunächst für die Montreal Royals, den Minor-League-Partner der Dodgers, einsetzte. Nach einer Saison für die Royals wurde Robinson in das MLB-Team befördert und am Opening Day 1947, jenem legendären 15. April, bestritt er sein erstes Spiel für die Brooklyn Dodgers. Vor gut 25.000 Zuschauern, mehr als die Hälfte davon schwarz, blieb Robinson zwar ohne Hit, steuerte aber einen Walk, einen Run und eine tadellose Leistung an der ersten Base zum 5:3-Erfolg gegen die Boston Braves bei.

Trotz zahlreicher Anfeindungen und Drohungen von innerhalb und außerhalb des eigenen Clubs etablierte Robinson sich in der Liga und bereitete damit den Weg dafür, dass das Zusammenspiel schwarzer und weißer Sportler bald zu einer Selbstverständlichkeit wurde. Robinson wurde 1947 zum Rookie des Jahres und 1949 zum wertvollsten Spieler der Liga gewählt und erlebte trotz seines mit 28 Jahren späten Einstiegs eine zehn Jahre lange produktive Karriere in der MLB. 1962, im ersten Jahr seiner Wählbarkeit, wurde er in die Baseball Hall of Fame in Cooperstown aufgenommen. Jackie Robinson starb 1972 im Alter von 53 Jahren an einem Herzinfarkt.

Der Jahrestag von Jackie Robinsons erstem MLB-Einsatz hat sich seit 2004 ligaweit als besonderer Feier- und Gedenktag etabliert. Alle Spieler, Schiedsrichter, Coaches und Manager tragen an diesem Tag die Rückennummer 42, die ansonsten als einzige überhaupt in der gesamten Liga überhaupt nicht mehr vergeben wird.

Jackie Robinsons Geschichte wurde mehrfach aufgeschrieben und verfilmt. Der jüngste und sehr empfehlenswerte Film trägt den Titel „42“ mit Chadwick Boseman in der Hauptrolle und Harrison Ford als Branch Rickey. Obwohl sich der Film gewisse künstlerische Freiheiten in historischen Details nimmt, gibt er die Ereignisse der Jahre 1946 und 1947 sehr authentisch und sensibel wieder, was auch die bei der Produktion eingebundene Witwe von Jackie Robinson, Rachel Robinson, bezeugte.

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