Category: MLB

Januar 23rd, 2018 by Dominik

Im dritten Teil der Ballparks-Serie stelle ich zum ersten Mal einen Ballpark an der Westküste vor. Der AT&T Park in San Francisco ist wohl der einzige in der Liga, der es mit dem letzte Woche vorgestellten PNC Park in Sachen Aussicht aufnehmen kann.

AT&T Park mit dem herrlichen Blick über die Bay bis nach Oakland1

Geschichte
Der Ballpark ist seit dem 11. April 2000 die Heimat der San Francisco Giants. Diese bzw. ihr damaliger Owner Peter Magowan finanzierten das 357 Millionen Dollar teure Stadion auf eigene Faust. Es war damit der erste rein privat finanzierte Ballpark seit der Eröffnung von Dodger Stadium im Jahr 1962. Das Land, auf dem er steht, haben die Giants allerdings nur gemietet. 1,2 Millionen Dollar überweisen sie dafür im Rahmen eines 66 Jahre lang laufenden Vertrages jährlich an die Hafenverwaltung von San Francisco.

An das Eröffnungsspiel denkt man in San Francisco sicher nur sehr ungern zurück: Mit 5:6 unterlag man ausgerechnet dem ewigen Rivalen, für den Kevin Elster drei Homeruns erzielte, darunter den ersten in der Geschichte des Parks. Das Stadium wurde eröffnet mit einem Fassungsvermögen von 40.800 Zuschauern, innerhalb der ersten Jahre seines Bestehens aber mehrfach um einige Plätze erweitert, sodass nun 41.915 Leute hineinpassen. Mit etwas gutem Willen lässt sich auch ein bisschen mehr herausholen, so zum Beispiel während der Playoffs 2010, als einem NLDS-Spiel gegen die Braves 44.046 Zuschauer beiwohnten. Noch mehr Menschen passen natürlich hinein, wenn beispielsweise für Konzerte Teile des Innenraums geöffnet werden. Die Rekordzahl von 50.786 erreichte die Dave Matthews Band am 12. August 2005.

Einige Jahre lang zog der Ballpark an der Bay Spott auf sich, weil er häufig seinen Namen wechselte. Die Namensrechte wurden zwar schon während der Planungsphase für 24 Jahre von der Telefongesellschaft Pacific Bell erworben, doch weil diese von SBC Communications übernommen wurde, hieß das als „Pacific Bell Park“ eröffnete Stadion ab 2004 „SBC Park“. Diesen Namen behielt es nur knapp zwei Jahre lang, bis es nach einer weiteren Übernahme zum „AT&T Park“ umgetauft wurde.

Architektonische Auffälligkeiten
AT&T Park weist zahlreiche Parallelen zum PNC Park in Pittsburgh auf, auch wenn die von Stahl, Klinker und zwei 37 Meter hohen Uhrtürmen dominierte Außenfassade sich deutlich von diesem unterscheidet. Beide Stadien beziehen einen guten Teil ihrer Schönheit aus der Lage direkt am Wasser, beide haben des Ausblicks wegen sehr niedrige Outfield-Tribünen und beide haben im Rightfield eine Mauer stehen, deren Höhe sich an einem legendären Spieler des Teams orientiert: In Pittsburgh ist sie 21 Fuß (6,4 Meter) hoch wegen der Rückennummer von Roberto Clemente, in San Francisco 24 Fuß (7,3 Meter) wegen Willie Mays. Die Parallelen sind unter anderem darin zu begründen, dass beide Stadien mit nur einem Jahr Abstand vom gleichen Architekturunternehmen gebaut wurden. Die Planer des Unternehmens Populous zeichnen übrigens nicht nur für diese beiden, sondern für gut die Hälfte aller aktuellen MLB-Ballparks verantwortlich.

Panorama-Ansicht von AT&T Park mit der Bay Bridge im Hintergrund und ganz rechts den Kajak-Paddlern in McCovey Cove2

Anders als in PNC Park kommt es regelmäßig – das heißt mehrmals im Jahr – vor, dass Homeruns ins angrenzende Gewässer fliegen. Solche Homeruns, sofern sie von Giants-Spielern erzielt werden, werden unter der Bezeichnung „Splash Hits“ auf einer speziellen Anzeigetafel gezählt. Die betreffenden Bälle sind besonders beliebt bei Souvenirjägern, die großen Einsatz treiben, um einen davon zu erobern. Fischernetze, Boote, Kajaks und Neoprenanzüge sind nur einige der zahlreichen Vorkehrungen, mit denen sie am und auf dem McCovey Cove genannten Teil der Bay auf die Sammlerstücke lauern.

Willie Mays ist omnipräsent: Den Haupteingang zieren seine Statue sowie 24 Palmen in Gedenken an die Rückennummer 243

Spielbezogene Eigenheiten
Obwohl Barry Bonds hier einen guten Teil seiner Homerun-Rekorde eingefahren hat, ist AT&T Park kein hitterfreundlicher Ballpark. Die Outfielddimensionen sind mit 399 Fuß (122 Meter) im Centerfield, 404 Fuß (123 Meter) im mittleren Leftfield und 421 Fuß (128 Meter) im mittleren Rightfield recht groß. Nur dem äußeren Rightfield (309 Fuß, 94 Meter) war beim Bau durch die Lage an der Bay eine enge natürliche Grenze gesetzt, die aber durch die oben erwähnte Mauer wettgemacht wird.

Laut den Ballpark-Faktoren von ESPN für die Saison 2017 ist AT&T Park das ungünstigste Pflaster der ganzen MLB für das Erzielen von Homeruns und das viertschlechteste für das Erzielen von Runs insgesamt. Vor allem Homeruns von Linkshändern sind in diesem Stadion nicht nur deshalb besonders spektakulär, weil sie manchmal in McCovey Cove landen, sondern auch weil sie so selten vorkommen.

Wo sitzt man am besten?
Gemeinsam mit Fenway Park und Wrigley Field gehört AT&T Park zu den Stadien der MLB, die sehr häufig ausverkauft sind und deren Besuch man daher sorgfältig planen sollte, selbst wenn es um ein Spiel unter der Woche und gegen einen vermeintlich weniger attraktiven Gegner geht.

Wie in fast allen Ballparks hat man die beste Sicht von den Field-Level-Plätzen um das Infield herum (Section 107-124). Mit 85 bis 250 Dollar pro Ticket sind das – von besonderen Logen abgesehen – natürlich auch die teuersten Plätze. Ein guter Kompromiss zwischen Preis und guter Sicht sowohl aufs Spielfeld als auch auf die Bay sind die View Boxes der Sections 304 bis 308, die man je nach Spiel für 22 bis 48 Dollar bekommt.

In San Francisco gibt es sogar eine Option für den Fall, dass man entweder leer ausgegangen ist oder überhaupt kein Geld für einen Stadionbesuch ausgeben, aber trotzdem mal ein bisschen Atmosphäre schnuppern möchte: Zwischen Rightfield und McCovey Cove gibt es einen Weg direkt am Wasser, von dem aus man das Spiel durch einen Zaun verfolgen kann. Der Zugang zu dieser Stelle ist begrenzt auf 24 Personen und drei Innings, das heißt nach dem dritten, sechsten und ggf. neunten Inning wird der Bereich geräumt und 24 neue Zaungäste dürfen die Plätze einnehmen.

Noch ein gut gemeinter Tipp: Zieht euch warm an, wenn ihr AT&T Park besucht. In San Francisco ist es auch im Sommer oft windig und/oder neblig und für den Standort des Stadions direkt an der Bay gilt das ganz besonders.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: Coasttocoast (CC BY-SA 3.0)
2 Quelle: Wikimedia, Urheber: Daniel Schwen (CC BY-SA 2.5)
3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Dllu (CC BY-SA 4.0)

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Januar 21st, 2018 by Dominik

Als Baseball- und Statistikfan habe ich mich schon mit einer großen Menge statistischer Kennzahlen über Schlag- und Pitchingleistungen, über Defensivqualitäten und über den Gesamtbeitrag eines Spielers zum Erfolg des Teams auseinandergesetzt. Viele davon habe ich auch in der entsprechenden Kategorie dieses Blogs erklärt und bewertet. Dennoch ist mir kürzlich aufgefallen, dass es einen Bereich des Spiels gibt, über den mir kaum handfestes Zahlenmaterial bekannt war: das Baserunning. Die Zahl der gestohlenen Bases ist das einzige, was mir dazu sofort eingefallen ist. Aber da muss es doch mehr geben, dachte ich mir, schließlich hat man nach dem Erreichen einer Base viel mehr zu tun als nur zu entscheiden, ob und wann man stiehlt. Also habe ich mich ein bisschen eingelesen und möchte mein neues Wissen hier teilen.

Stolen Bases (SB) / Caught Stealing (CS)
Fangen wir an mit der Statistik, die jeder kennt: Wenn es um herausragende Baserunner geht, wird fast immer mit der Anzahl gestohlener Bases argumentiert. Auch im Fantasy Baseball sind Stolen Bases (SB) in der Regel die einzige für das Scoring berücksichtigte Baserunning-Kategorie.

Die Spitze ist in dem Bereich recht schmal: In der Saison 2017 führte Dee Gordon (Miami) die Liste mit 60 gestohlenen Bases an, dicht gefolgt von Billy Hamilton (Cincinnati) mit 59. Zu Platz drei besteht dann schon eine deutliche Lücke, Whit Merrifield (Kansas City) steht dort mit „nur“ 34 Bases. Den Rekord hält Hugh Nicol mit 138 gestohlenen Bases im Jahr 1887 für die Cincinnati Reds. Den höchsten Wert der modernen Ära hat Rickey Henderson mit 130 im Jahr 1982 Oakland Athletics erzielt. Auf die gesamte Karriere hin betrachtet, ist Henderson mit großem Abstand Rekordhalter mit insgesamt 1.406 Steals.

Üblicherweise stehen die Spieler mit den meisten Steals auch in der Kategorie Caught Stealing (CS), also der Anzahl missglückter Steal-Versuche, weit vorne. Das ist logisch, weil Spieler wie sie es sehr viel öfter versuchen als andere und es dann eben auch ab und zu mal schief geht. Es überrascht daher nicht, dass 2017 auch hier Dee Gordon (16) und Billy Hamilton (13) die Liga anführten. Man könnte nun auf die Idee einer Nettobetrachtung gestohlener Bases kommen, also die missglückten Versuche von den gelungenen abzuziehen – tatsächlich habe ich so etwas schon in einer Fantasyliga erlebt. Der Haken an der Sache ist, dass – wie unmittelbar einleuchten dürfte – eine erfolgreich gestohlene Base dem Team zwar hilft, aber nicht so sehr wie ein Aus beim gescheiterten Versuch dem Team schadet. Als Faustregel kann man sagen, dass Steals sich nur dann lohnen, wenn sie mindestens doppelt so häufig gelingen wie sie scheitern. Informativer ist deshalb, nicht auf Absolut- oder Nettowerte zu schauen, sondern die Steals als Anteil an allen Steal-Versuchen darzustellen. Das ist dann die Stolen Base Percentage (SB%).

Wie jede Prozentzahl ist SB% natürlich nur aussagekräftig, wenn sie auch auf einer gewissen Anzahl basiert – eine Erfolgsquote von 100% bei nur einem Versuch verrät nicht viel. Deswegen stellt zum Beispiel baseball-reference diese Zahl nur für Spieler dar, die es in einer einzelnen Saison auf 0,1 Versuche pro Spiel ihres Teams (also 16,2 bei den üblichen 162 Spielen) bringen oder in ihrer Karriere auf 80 Versuche. Byron Buxton (Minnesota) führte 2017 mit 96,7% die MLB an, indem er sich bei 30 versuchten Steals nur einmal erwischen ließ. Zwölfmal gelang es in der Geschichte der MLB Spielern mit der entsprechenden Mindestzahl von Versuchen, eine Erfolgsquote von 100% zu erzielen, zuletzt Alcides Escobar (Kansas City) im Jahr 2013. Über die ganze Karriere betrachtet ist der zuverlässigste Base-Stealer aller Zeiten Alexi Casilla mit 87,9%. Trotz dieser Stärke brachte Casilla es in Minnesota und Baltimore nie über die Rolle eines Ergänzungsspielers hinaus – im Gegensatz zu Chase Utley und Carlos Beltran, die mit 87,6% bzw. 86,4% die Plätze zwei und drei der ewigen Rangliste einnehmen.

weighted Stolen Base Runs (wBS)
Eine sinnvolle Weiterentwicklung der Stolen-Bases-Statistik stellt der Indikator weighted Stolen Base Runs (wBS) dar. Er basiert auf linearen Gewichten und übersetzt den Beitrag, den ein Spieler durch Base-Stealing zum Erfolg seines Teams leistet, in die universelle „Währung“ des Balls: in Runs. Man bekommt durch wSB ein deutlich besseres Gefühl dafür, welche Kombinationen aus gelungenen und missglückten Stealing-Versuchen dem Team wie sehr weiterhelfen und welche mehr schaden als nützen. wSB ist auf Null normiert, das bedeutet dass man für einen durchschnittlichen Spieler von einem Beitrag von 0 Runs ausgeht. Dementsprechend erzielt ein überdurchschnittlicher Base-Stealer Werte über 0 und ein unterdurchschnittlicher Werte unter 0. Die Berechnung von Fangraphs basiert darauf, dass das Resultat jeder Steal-Möglichkeit eines Spielers mit dem durchschnittlichen Resultat einer solchen Möglichkeit in der gesamten Liga verglichen wird. Macht ein Spieler mehr aus der gegebenen Möglichkeit als der Durchschnitt (das heißt, er stiehlt die Base), steigt sein wSB-Wert; macht er weniger daraus (das heißt, er lässt sich erwischen oder probiert es trotz aussichtsreicher Gelegenheit gar nicht), sinkt der Wert.

Die übliche Spannweite, in der MLB-Spieler bei wSB landen, liegt ungefähr zwischen -3 und +6, nur selten werden zweistellige Werte erzielt. Teams insgesamt landen meistens zwischen -7 und +10 wSB pro Saison. Angesichts der Faustregel, dass ungefähr 9 bis 10 Runs einen Win wert sind, ist der Beitrag von Base-Stealing zum Gesamterfolg eines Teams somit relativ gering. 2017 war Billy Hamilton mit 5,9 wSB der wertvollste Base-Stealer der Liga, gefolgt von Byron Buxton mit 5,1 und Dee Gordon mit 4,7. Karriere-Rekordhalter mit 142,7 wSB ist auch hier wieder der oben schon erwähnte Rickey Henderson. Die erfolgreichste Einzelsaison hatte Vince Coleman  (St. Louis) mit 15,7 wSB im Jahr 1986.

Ultimate Base Running (UBR)
Mit Base Stealing haben wir uns nun ausführlich befasst, aber was ist mit dem Rest, den gutes Baserunning ausmacht? Dieser Bereich findet in Standardstatistiken leider wenig Beachtung, obwohl Fangraphs auch hierfür einen guten Indikator bereit hält: Ultimate Base Running (UBR). Der Name ist etwas irreführend, denn UBR ist kein Gesamtindikator für Base Running, sondern betrachtet „nur“ die Base-Running-Leistungen, die nichts mit Steals zu tun haben. Dazu zählen im Einzelnen:

  • Erreicht der Runner nach dem Hit eines Teamkollegen eine Extra-Base, erreicht er sie nicht oder wird er beim Versuch, sie zu holen, ausgeworfen?
  • Wird der Batter beim Versuch, nach eigenem Hit eine Extra-Base zu erreichen, ausgeworfen? (Wenn er sie holt, wird das in UBR nicht erfasst, weil nicht klar ist, ob dafür der Hit oder das Baserunning verantwortlich ist.)
  • Erreicht der Batter eine Extra-Base, erreicht er sie nicht oder wird ausgeworfen, während ein anderer Runner safe oder out wird beim Versuch, vorzurücken?
  • Gelingt es einem Runner, nach einem Flyout und Tagging Up vorzurücken?
  • Gelingt es einem Runner, während eines Groundballs von der ersten die zweite Base zu erreichen, ohne in ein Force-Out oder Double Play zu geraten?
  • Erreicht ein Runner von der zweiten Base bei einem Groundball Richtung SS oder 3B die dritte Base, erreicht er sie nicht oder wird er beim Versuch ausgeworfen?
  • Rückt ein Runner während eines Passed Balls oder Wild Pitches vor oder nicht oder wird er beim Versuch ausgeworfen?
  • Sicher kann man sich problemlos einige Baserunning-Beispiele überlegen, die in dieser Auflistung nicht berücksichtigt sind, aber UBR deckt schon ein großes Spektrum ab und leistet damit einen guten Beitrag zur vollständigeren statistischen Erfassung des Baserunnings. Praktischerweise ist auch UBR ein auf linearen Gewichten basierendes Maß mit Runs als Einheit. Das heißt, jedem der aufgeführten Ereignisse wird ein positiver oder negativer Wert in Form von Runs zugeordnet. Ein Wert von 0 stellt auch für UBR eine durchschnittliche Leistung im jeweiligen Jahr dar, übliche Werte liegen zwischen -6 und +6 je Spieler und zwischen -15 und +15 je Team insgesamt.

    Der beste Baserunner der Saison 2017 jenseits gestohlener Bases war Xander Bogaerts (Red Sox) mit 6,3 UBR. Die beste Einzelsaison hatte 2004 Juan Pierre (Marlins) mit 8,3 UBR. Dabei ist zu berücksichtigen ist, dass die ermittelte Zeitreihe bei Fangraphs nur bis 2002 zurück reicht und für frühere Zeiträume keine UBR-Werte zur Verfügung stehen. Pierre hat mit 47,8 UBR auch den höchsten Wert für eine Karriere insgesamt und das, obwohl seine beiden ersten Spielzeiten 2000 und 2001 nicht gezählt wurden.

    Base Running (BsR)
    Mit wSB für die Fähigkeit des Base-Stealings und UBR für die sonstigen Baserunning-Leistungen haben wir zwei sehr brauchbare Maße. Idealerweise bringt man nun noch beide zu einem umfassenden Indikator zusammen, der die Baserunning-Fähigkeiten insgesamt bewertet. Genau das ist das Ziel einer weiteren Fangraphs-Statistik, die sich schlicht Base Running (BsR) nennt und auch in die Berechnung von Fangraphs‘ WAR einfließt.

    BsR wird wie die beiden gerade vorgestellten Maße in Runs über oder unter dem Durchschnitt ausgedrückt. Gebildet wird BsR durch einfache Addition: UBR plus wSB plus wGDP. Moment mal, wGDP? Ja, tatsächlich zählt Fangraphs als dritte Komponente von BsR den Indikator weighted Grounded Into Double Play Runs (wGDP) hinzu. Das heißt, es wird berücksichtigt, inwiefern es dem Spieler gelingt, keine Double Plays zu verursachen, wenn er mit weniger als zwei Outs und einem Runner an der ersten Base am Schlag ist. An dieser Stelle muss ich sagen, dass ich den Einbezug von wGDP für einen Fehler der von mir sonst sehr geschätzten Kollegen von Fangraphs halte. Natürlich ist die mit wGDP gemessene Fähigkeit relevant, aber sie ist meiner Ansicht nach in erster Linie dem Batting zuzurechnen und nicht dem Baserunning. BsR wäre daher in meinen Augen aussagekräftiger, wenn man es auf die Addition von wSB und UBR beschränken würde.

    Nichtsdestotrotz ein kurzer Blick auf die 2017 erzielten BsR-Werte: Die meisten Spieler liegen im Bereich zwischen -6 und +6 BsR. Das ist interessant, denn wenn man sich im Vergleich dazu die Werte von UBR und wSB anschaut, fallen diese ähnlich hoch aus. Es kommt also selten vor, dass Spieler in beiden Bereichen so gut sind, dass sich starke Effekte durch die Addition der Werte ergeben. Die große Ausnahme davon ist Byron Buxton: Der Outfielder der Twins führt die Rangliste der Saison 2017 mit 11,7 BsR mit großem Abstand an. Ohne den Einbezug von wGDP brächte Buxton es übrigens auf einen Wert von 9,4 und wäre auch damit einsame Spitze in der MLB.

    Geschwindigkeitsmessung mit Statcast
    Eine weitere Baserunning-Statistik liegt im Prinzip auf der Hand, ist aber erst seit kurzem zuverlässig und umfangreich messbar: die Schnelligkeit der Spieler. Erfolgreiches Baserunning lässt sich im Wesentlichen auf die zwei Komponenten Geschwindigkeit und Spielintelligenz reduzieren. Den Beitrag der Spielintelligenz kann man wohl nur durch Maße wie die oben vorgestellten Sabermetrics sinnvoll berücksichtigen. Den anderen der beiden Faktoren kann man seit der letzten Saison direkt erfassen – die MLB-weite Einführung der Statcast-Technologie macht es möglich.

    Dank Statcast wissen wir nun, dass der durchschnittliche MLB-Spieler es auf eine Baserunning-Geschwindigkeit von 27 Fuß pro Sekunde (29,6 km/h) bringt und dass Byron Buxton auch in dieser Rangliste die Liga anführt – mit 30,2 Fuß pro Sekunde (33,1 km/h), dicht gefolgt von Billy Hamilton mit 30,1 Fuß pro Sekunde (33,0 km/h). Der langsamste Spieler der MLB ist übrigens Albert Pujols (Angels) mit 23,0 Fuß pro Sekunde (25,2 km/h). Pitcher werden dabei allerdings nicht berücksichtigt, sonst hätten Bartolo Colon und CC Sabathia sicher gute Chancen, Pujols diesen Titel streitig zu machen. Dargestellt wird in der Tabelle die Geschwindigkeit, die der jeweilige Spieler im seinem schnellsten Eine-Sekunde-Zeitfenster erzielt hat.

    Ein neuer Indikator für Spielintelligenz?
    Nur so als Idee: Will man den anderen Faktor erfolgreichen Baserunnings, die Spielintelligenz, isoliert beziffern, so könnte man versuchen, BsR (bevorzugt allerdings ohne wGDP) um den Beitrag der mit Statcast gemessenen Geschwindigkeit eines Spielers zu bereinigen. Vereinfacht ausgedrückt heißt das, wer unterdurchschnittlich schnell ist und trotzdem gute BsR-Werte erzielt, der verfügt offenbar über eine besonders hohe Spielintelligenz in Bezug auf Baserunning. Geben wir der Sache noch einen schönen Namen – wie wäre es mit Smart Base Running (SBR)? – und schon haben wir eine neue Statistik erfunden. Ich muss noch mal ausführlicher recherchieren, ob es so eine Zahl bereits gibt oder ob die Idee wirklich neu ist und es sich lohnt, sie weiterzuverfolgen.

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    Januar 18th, 2018 by Dominik

    Kleinvieh macht auch Mist. So könnte man die vergangene MLB-Woche beschreiben, in der es zwar einige interessante Neuigkeiten gab, aber immer noch Stillstand herrschte in Bezug auf „große“ Trades oder Free-Agent-Verpflichtungen. Das letzte Woche an dieser Stelle vorgestellte All-Free-Agent-Team musste seitdem nur Reliever Addison Reed abgeben, 13 Mitglieder meiner gut zwei Monate alten Top-20-Liste sind nach wie vor zu haben. Erklärungsansätze für die extrem zurückhaltende Free Agency dieses Jahres gibt es einige. Am einleuchtendsten erscheint mir die Vermutung, die Klubs gelangten zunehmend zu der Ansicht, dass Free Agents eine schlechte Investition sind: Die Kosten für sie sind im Vergleich mit selbst entwickelten oder ertradeten Spielern in ihren ersten sechs MLB-Jahren unverhältnismäßig hoch und die verlangten Vertragslaufzeiten bergen große Risiken, weil die Gehälter garantiert sind und man bei verletzungs- oder altersbedingtem Leistungsabfall mitunter jahrelang auf Zahlungsverpflichtungen ohne Gegenwert sitzen bleibt. Was an dieser Diagnose dran ist, wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Wenn sie stimmt, dürfte sich der Trend zur Zurückhaltung der Vereine fortsetzen und/oder die von den Free Agents erzielten Gehälter und Laufzeiten dürften deutlich zurückgehen.

    Pirates traden McCutchen und Cole, behalten Rivero
    Das mit Abstand aktivste Front Office war diese Woche das der Pittsburgh Pirates. Die Pirates haben die Weichen klar in Richtung Rebuilding gestellt. Zuerst tradeten sie SP Gerrit Cole zu den Houston Astros. Die Astros werten damit ihre Rotation deutlich auf, während die Pirates mit SP Joe Musgrove, 3B Colin Moran, RP Michael Feliz und OF Jason Martin ihren Kader verjüngern und verbreitern.

    Als nächstes wurde OF Andrew McCutchen, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft, nach San Francisco geschickt. Damit arbeiten die Giants – wenngleich nur kurzfristig – an ihren Problemen im Outfield und bieten ihren Fans nach Evan Longoria nun mit McCutchen schon den zweiten Spieler, der bei seinem bisherigen Team absoluter Publikumsliebling war. Die Gegenleistung für die Pirates sind weitere Zukunftshoffnungen in Form des jungen RP Kyle Crick und OF-Prospect Bryan Reynolds sowie 500.000 Dollar aus dem Pool für internationale Spielerverpflichtungen.

    Als weiterer Veteran, von dem man sich trennt, könnte sich in den kommenden Tagen noch 2B Josh Harrison zu Cole und McCutchen gesellen. Mit den Mets gab es wohl schon intensive Trade-Gespräche bezüglich Harrison, die bislang aber ohne Ergebnis blieben. Als festen Teil ihrer Zukunft betrachten die Pirates hingegen ihren Closer Felipe Rivero. Der 26-Jährige wurde mit einem Vierjahresvertrag im Wert von 22 Millionen Dollar ausgestattet.

    Brad Hand
    Ähnlich wie die Pirates mit Rivero haben auch die San Diego Padres mit Brad Hand einen relativ jungen Closer, den sie als eines der Kernstücke zukünftiger Erfolge sehen und dem sie deshalb eine hochdotierte Vertragsverlängerung zukommen lassen: 19,75 Millionen Dollar ist Hand den Padres für die nächsten drei Jahre wert, zudem haben sie die Option auf ein viertes Jahr.

    Addison Reed zu den Twins
    Der relevanteste Free Agent, der in den letzten Tagen ein neues Team fand, ist RP Addison Reed. Für 16,75 Millionen Dollar spielt Reed die nächsten zwei Jahre in Minnesota. Das wirft die spannende Frage auf, wer für die Twins nächstes Jahr closen wird: Der vor wenigen Wochen verpflichtete Fernando Rodney (4.23 ERA, 3.03 FIP) soll diese Rolle erklärtermaßen einnehmen, doch Rodney ist bei Saisonstart 41 Jahre alt, bringt eine Verletzungsgeschichte und eine Reihe schwacher Auftritte in der Dominikanischen Winter League mit sich. Reed (2.84 ERA, 4.60 FIP) ist 29, als wenig verletzungsanfällig bekannt, hat sowohl von der Laufzeit als auch vom Gehalt her den besseren Vertrag bekommen und vor allem bin ich vermutlich nicht der einzige, der ihn schlichtweg für den besseren Pitcher hält.

    Kendrick, Granderson und Gonzalez wollen’s noch mal wissen
    Drei ältere Free Agents haben neue Verträge unterschrieben und möchten beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. OF Curtis Granderson (bei Saisonstart 37) und 1B Adrian Gonzalez (35) konnten letztes Jahr bei den Los Angeles Dodgers nicht das Leistungsniveau halten, das man früher von ihnen gewohnt war. Beide wurden deswegen von den Dodgers nicht in den Playoff-Kader aufgenommen. Für 5 Millionen Dollar erhält Granderson dieses Jahr eine neue Chance bei den Toronto Blue Jays. Das dürfte gut investiertes Geld sein, denn selbst wenn Granderson leistungsmäßig nicht die Kurve bekommen sollte, so ist er zumindest als äußerst sympathischer Führungsspieler bekannt, dessen Anwesenheit sich positiv auf die Stimmung im Clubhouse und auf die Entwicklung der jungen Spieler auswirken wird. Auch Gonzalez wird nicht nur auf dem Platz, sondern ebenfalls als Mentor gefragt sein: Bei den New York Mets soll er dem jungen 1B Dominic Smith Zeit und Rat bei dessen Entwicklung verschaffen.

    Unter etwas anderen Vorzeichen steht die Verpflichtung von OF Howie Kendrick (34) bei den Washington Nationals: Kendrick erwies sich 2017 als Spätentwickler und hatte mit .844 OPS und 1.6 fWAR sein bislang bestes Jahr in der MLB. Für die Nationals, die Kendrick zur Trade Deadline von den Philadelphia Phillies geholt hatten, war das Grund genug, ihn nun mit einem Zweijahresvertrag über 7 Millionen Dollar auszustatten.

    Arbitration-Rekorde von Donaldson und Bryant
    Von Ende Januar bis Mitte Februar stehen die Arbitration Hearings an, also die Schlichtungsrunden zur Festlegung der Gehälter von Spielern im vierten bis sechsten MLB-Jahr. In den Wochen davor suchen und finden die Klubs mit vielen der betroffenen Spieler Einigungen, um das Schlichtungsverfahren zu vermeiden. Das ist wenig spektakulär, da schon vorher feststeht, dass die betreffenden Spieler ihrem bisherigen Team erhalten bleiben und es meist um (im Vergleich mit guten Free Agents) relativ moderate Summen geht. Deswegen berichte ich hier auch in der Regel nicht über Arbitration-Einigungen. Aber keine Regel ohne Ausnahme, zwei der diesjährigen Fälle möchte ich doch erwähnen: 3B Josh Donaldson einigte sich mit den Toronto Blue Jays auf ein Gehalt von 23 Millionen Dollar, das ist ein neuer Rekord für einen Einjahresvertrag mit einem Spieler in der Arbitration-Phase. Dagegen nehmen sich die 10,85 Millionen, die 3B Khris Bryant von den Chicago Cubs erhält, fast bescheiden aus, doch auch das ist ein Rekord und zwar als höchste Summe, die je einem Spieler in seinem ersten Jahr der Arbitration-Phase gezahlt wurde.

    Manfred will die Pitch-Clock
    Um die mögliche Einführung einer Pitch-Clock (ich war hier schon mal darauf eingegangen) ist es in den letzten zwei Monaten relativ ruhig geblieben, doch es scheint nach wie vor wahrscheinlich, dass diese fundamentale Neuerung schon zur bevorstehenden Saison eingeführt wird. MLB-Commissioner Rob Manfred hatte die Pitch-Clock schon letztes Jahr vorgeschlagen, ebenso wie eine Begrenzung von Besprechungen auf dem Mound. Die Spieler, vertreten durch die Spielergewerkschaft MLBPA, waren dagegen, doch die Statuten der MLB erlauben Manfred, Regeländerungen auf eigene Faust durchzuführen, wenn über sie innerhalb eines Jahres keine Einigung erzielt wurde. Die MLBPA scheint derzeit die Strategie zu verfolgen, genau dies zu provozieren: eine einseitige Regeländerung durch die Ligaführung, für die diese dann auch alleine gerade stehen und etwaige Kritik einstecken muss. Darauf jedenfalls deutet hin, dass die MLBPA sich, soweit öffentlich wahrnehmbar, zu diesem Thema stark zurückhält. Natürlich kann das auch nur Verhandlungstaktik sein. Ich hoffe, dass es das ist, denn in meinen Augen sollte die MLBPA lieber versuchen, die wohl unvermeidliche Neuregelung mitzugestalten und zum Beispiel auf ein Limit von 25 statt 20 Sekunden pro Pitch hinzuwirken statt dass man die Hände in den Schoß legt, um anschließend mit dem Finger auf Manfred zu zeigen und doch nichts zu verändern.

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    Januar 16th, 2018 by Dominik

    Im zweiten Teil der Ballparks-Serie geht es nach Pittsburgh: Dort spielen die Pirates im PNC Park, einem der schönsten Baseballstadien von allen, auch und insbesondere was die Lage und Aussicht betrifft.

    Frontansicht von PNC Park mit der Statue von Honus Wagner1

    Geschichte
    PNC Park wurde von 1999 bis 2001 erbaut und stellte damit direkt einen Rekord auf: Mit knapp unter 24 Monaten Bauzeit war es der am schnellsten errichtete MLB-Ballpark aller Zeiten. Das Eröffnungsspiel fand am 9. April 2001 statt und ging für die Pittsburgh Pirates mit 2:8 gegen die Cincinnati Reds verloren. Auch der erste Hit – gleichzeitig der erste Homerun – im neuen Stadion ging an die Gastmannschaft, erzielt ausgerechnet durch den in Pittsburgh aufgewachsenen First Baseman der Reds, Sean Casey.

    Der 38.362 Zuschauer fassende Ballpark war 2006 Austragungsort des All-Star-Games der MLB. Auf ein Playoff-Spiel musste PNC Park lange warten. Erst zwölf Jahre nach der Eröffnung war es soweit. Gegner der Pirates waren auch in dieser Partie, dem Wild-Card-Spiel der National League im Jahr 2013, die Cincinnati Reds. Die Pirates gewannen 6:2. Es war und ist bis heute ihr einziger Postseason-Erfolg seit dem Gewinn der World Series 1979.

    Die größte Menschenmenge, die PNC Park bisher beherbergte, waren 48.074 Besucher eines Konzerts von Bruce Springsteen am 6. August 2003.

    Architektonische Auffälligkeiten
    Es klingt immer etwas despektierlich, wenn man über einen Ort sagt, das schönste an ihm sei die Aussicht auf die andere Seite des Flusses (in Wiesbaden hört man das zum Beispiel oft über Mainz, umgekehrt natürlich auch). So ist es hier nicht gemeint, denn PNC Park ist auch für sich genommen ein sehr schönes Stadion. Aber der Blick auf den Allegheny River, die Roberto-Clemente-Bridge und dahinter die Skyline von Pittsburgh ist definitiv die Hauptattraktion des Ballparks. Der Bau trägt diesem Umstand auch dadurch Rechnung, dass auf der Seite in Richtung Stadt, also hinter dem Outfield, nur ganz kleine Tribünen errichtet wurden, damit möglichst viele Zuschauer möglichst viel von der spektakulären Aussicht genießen können.

    Die atemberaubende Aussicht des PNC Park in ihrer ganzen Pracht2

    Auf der Landseite des Ballparks sind um diesen herum Statuen der Hall of Famer Honus Wagner, Roberto Clemente, Willie Stargell und Bill Mazeroski postiert und bieten beliebte Motive für Erinnerungsfotos vor der hübschen Kalksteinfassade des Gebäudes. Wenn man sich zu dem Besuch in einem besonderen Stadion eine besondere Art der Anreise gönnen möchte, kann man sich PNC Park auch von der anderen Seite her nähern: Zu jedem Spiel fahren zu durchaus erschwinglichen Preisen Shuttle-Boote über den Fluss vom Station Square zum Ballpark.

    Auch von der Wasserseite her ist PNC Park schön anzusehen3

    Spielbezogene Eigenheiten
    PNC Park gilt zwar vielen Baseballfans als eines der schönsten Stadien der MLB, die meisten Spieler werden diese Meinung jedoch nicht teilen. Jedenfalls nicht die Hitter, denn für sie ist der Ballpark in Pittsburgh einer der schwierigeren. Mit Maßen von 320 Fuß (98 Meter) im Rightfield, 399 Fuß (122 Meter) im Centerfield und 410 Fuß (125 Meter) im mittleren Leftfield ist das Feld recht groß – mit Ausnahme des Rightfields, das aber durch einen 21 Fuß (6,40 Meter) hohen Zaun erschwert wird. Die Höhe von 21 Fuß ist nicht willkürlich gewählt, sie stellt eine Anspielung auf den legendären Pirates-Rightfielder Roberto Clemente und dessen Rückennummer 21 dar.

    Anders als beispielsweise in San Francisco kommt es übrigens nicht oft vor, dass Bälle bis ins angrenzende Gewässer geschlagen werden. In der 17-jährigen Geschichte des Stadions ist es nur dreimal vorgekommen; eigentlich sogar nur zweimal, denn der Homerun von Pedro Alvarez am 19. Mai 2015 traf nicht den Allegheny River, sondern ein darauf fahrendes Boot.

    Wo sitzt man am besten?
    Erfreulicherweise sind die Preise in Pittsburgh sehr human und so kann man schon für 50 bis 60 Dollar gepolsterte Premiumsitze mit perfekter Sicht auf das Spielgeschehen bekommen. Man sollte dafür nach den Club Sections 209 bis 228 schauen.

    Für ungefähr halb so viel Geld hat man auch von den Grandstands und den Kid’s Grandstands (Sections 301-333) eine gute Sicht, insbesondere von den unteren Reihen A bis R. Die Kid’s Grandstands empfehlen sich dem Namen entsprechend vor allem, wenn man mit Kindern unter 14 unterwegs ist, denn für sie sind die Tickets in diesem Bereich deutlich günstiger. Leider ist es in amerikanischen Stadien bei weitem nicht immer üblich, dass Ermäßigungen für Kinder gewährt werden.

    Noch ein Tipp für alle, die immer großen Hunger davon bekommen, anderen beim Sport zuzusehen: Es gibt auch einen All-You-Can-Eat-Bereich (Sections 201-2015), bei dem für rund 40 Dollar pro Ticket Hot Dogs, Nachos, Popcorn, Softdrinks usw. inklusive sind.

    1 Quelle: Wikimedia, Urheber: daveynin (CC BY 2.0)
    2 Quelle: Wikimedia, Urheber: David Wilson (CC BY 2.0)
    3 Quelle: Wikimedia, Urheber: Smallbones (Public Domain)

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    Januar 13th, 2018 by Dominik

    Im Offseason-Wunschkonzert dieses Blogs drehte sich gleich der erste, von Phillies geäußerte Wunsch um die Frage, welche Arten von Transaktionen es in der MLB gibt. Euer Wunsch ist mir Befehl und deswegen gibt es heute mal eine hoffentlich einigermaßen vollständige Übersicht über die verschiedenen Arten, auf die MLB-Teams Spieler verpflichten, entlassen oder transferieren können:

    1. Wie man Spieler bekommt

    Die Draft
    Der klassische Weg in die MLB führt über die First-Year-Player-Draft, der Kürze halber meist nur Draft genannt. Es handelt sich dabei um ein Auswahlsystem, wie es in allen großen US-Sportarten in ähnlicher Form existiert. Der Hauptzweck der Draft besteht darin, den Übergang vom College in den Profisport möglichst gerecht zu gestalten – gerecht in dem Sinne, dass die besten Nachwuchsspieler nicht automatisch alle bei den Teams landen, die das meiste Geld oder den schönsten Strand anzubieten haben.

    Die Draft funktioniert so, dass das schwächste Team der Vorsaison – gemessen an Siegen und Niederlagen – das erste Recht hat, einen Spieler auszuwählen. Anschließend ist das zweitschwächste Team dran und so weiter bis hin zu dem Team, das im letzten Jahr die meisten Siege hatte. Danach geht das Ganze von vorne los, insgesamt 40 Runden lang. Die Draftreihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt, denn es gibt diverse Regeln, aufgrund derer die Liga den Teams zusätzliche Picks – sogenannte Compensatory Picks – zuerkennt oder als Strafe bzw. Vorteilsausgleich aberkennt. Diese Möglichkeiten vollständig darzustellen, würde hier zu weit führen, aber ich mache das gern mal in einem eigenständigen Artikel.

    Welche Spieler bei einer Draft gewählt werden dürfen, ist klar definiert:

  • Man muss Einwohner oder Absolvent des Bildungssystems der USA, Kanadas oder eines US-Territoriums (z. B. Puerto Rico) sein.
  • Man darf noch nie einen MLB- oder Minor-League-Vertrag unterschrieben haben.
  • Man muss die High School abgeschlossen und entweder kein College besucht haben
  • oder ein Junior- oder Community College besuchen
  • oder drei Jahre eines regulären Colleges absolviert haben
  • oder das 21. Lebensjahr vollendet haben.
  • Wenn man gedraftet wurde, ist man keinesfalls verpflichtet, bei dem jeweiligen Team einen Vertrag zu unterschreiben – man darf aber bei keinem anderen Team unterschreiben. Das draftende Team hat nach der Draft rund sechs Wochen Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen. Gelingt dies nicht, so kann der Spieler ein Jahr später bei der nächsten Draft von einem anderen Team gewählt werden, sofern er nach wie vor die obigen Voraussetzungen erfüllt, also nicht z. B. ein frisches Collegestudium aufgenommen hat.

    Bei der Gestaltung der Verträge mit ihren gedrafteten Spielern müssen die Klubs eine Grenze, den sogenannten Bonuspool, einhalten. Dieser ist für jedes Team unterschiedlich hoch und bemisst sich an der Draftposition, der Anzahl an Draftpicks und der Summe, die im Vorjahr für gedraftete Spieler ausgegeben wurde. Die Bonuspools der Teams lagen 2017 zwischen 2,1 und 14,2 Millionen Dollar. Von diesem Geld erhält man in aller Regel als Erst- oder Zweitrundenpick für seine Unterschrift eine siebenstellige Summe, für spätere Picks werden die Summen logischerweise immer kleiner. Insbesondere für Spieler, die direkt nach der High School in einer späten Runde gedraftet werden, kann es sich durchaus lohnen, auf den Spatz in der Hand zu verzichten, um nach ein paar Jahren sportlicher und menschlicher Weiterentwicklung im College deutlich höher gedraftet zu werden.

    In fast jedem Fall – und anders als in den meisten anderen US-Sportarten – ist der Weg von der Draft bis zum ersten MLB-Spiel sehr lang und selbst ein sehr hoher Pick ist längst keine Garantie für eine Major-League-Karriere. Rund drei Viertel der Erstrundenpicks aus dem College und nur gut die Hälfte der Erstrundenpicks aus der High School schaffen es irgendwann in die MLB. Schon ab der dritten Draftrunde liegt die Wahrscheinlichkeit, den betreffenden Spieler eines Tages in der MLB zu sehen, deutlich unter 50%.

    Die Rule-5-Draft
    Die zweite, weit weniger bekannte und auch weniger wichtige Draft der MLB ist die Rule-5-Draft. Sie findet jährlich während der MLB Winter Meetings Mitte Dezember statt, also mit ziemlich genau einem halben Jahr Abstand zur „normalen“ Draft.

    Der Zweck der Rule-5-Draft besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten, ohne sie einzusetzen. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Kaders ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

    Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft jährlich zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen.

    Die Free Agency
    Die Free Agency ist die einfachste Art, sein Team durch die Verpflichtung eines erfahrenen Spielers zu verstärken – vorausgesetzt, man kann es sich leisten. Free-Agent-Verträge werden frei zwischen Teams und Spielern ausgehandelt. Na gut, fast frei, denn natürlich unterliegen sie den gültigen Regeln und Rahmenvereinbarungen der MLB und der Spielergewerkschaft MLBPA, die zum Beispiel einen Mindestlohn (dieses Jahr 545.000 Dollar) festlegen.

    Zum Free Agent kann man auf unterschiedliche Weise werden. Die übliche und häufigste Situation ist, dass der Vertrag eines Spielers ausläuft, nachdem er sechs Jahre lang in der MLB gespielt hat. Zur Erinnerung: In den ersten drei Jahren muss der Spieler das Gehalt akzeptieren, das das Team ihm gibt, meistens das Mindestgehalt der MLB. In seinem vierten bis sechsten Jahr, der sogenannten Arbitration-Phase, bleibt er an sein Team gebunden, aber das Gehalt wird in einem Schiedsverfahren (der Arbitration) ausgehandelt. Nach dem sechsten Jahr kann der Spieler den Vertrag mit einem beliebigen Team frei verhandeln, er ist also ein Free Agent. Die Teams sind nicht verpflichtet, in der Arbitration-Phase ein Angebot vorzulegen – wenn sie darauf verzichten, wird der Spieler vorzeitig zum Free Agent, das nennt man dann einen Non-Tender-Free-Agent.

    Zum Free Agent wird man auch, wenn man von seinem bisherigen Team aus einem laufenden Vertrag entlassen (auf Englisch: released) wird. Spieler, denen das passiert, werden oft zum Schnäppchen für ein neues Team, weil das bisherige ihnen noch das Gehalt aus dem alten Vertrag zahlen muss – mehr dazu weiter unten in diesem Artikel.

    Außerdem ist man auch dann ein Free Agent, wenn man einmal für die Draft qualifiziert war (und es nach wie vor wäre, also z. B. kein Collegestudium aufgenommen hat) und nicht gedraftet wurde. Angesichts von jährlich 40 Draftrunden kommt es in der MLB selten vor, dass sich ein ungedrafteter Spieler zum Star entwickelt, viel seltener jedenfalls als beispielsweise in der NFL mit nur sieben Draftrunden. Aber es gibt solche Fälle, allen voran Hall-of-Fame-Closer Bruce Sutter und die Outfielder Bobby Bonilla und Larry Walker.

    Der Waiver-Claim
    Wenn ein Spieler auf dem Waiver landet – auch dazu später mehr -, dann kann jedes Team seinen Anspruch auf den Spieler anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt (im ersten Monat der Saison geht es nach der Bilanz des Vorjahres). Nach einem erfolgreichen Claim durch ein anderes Team hat das aktuelle Team des Spielers drei Möglichkeiten, wie es damit umgeht:

  • Es kann sich innerhalb von zwei Werktagen mit dem anfordernden Team auf einen Trade einigen.
  • Es kann den Waiver-Move zurückziehen, das heißt der Spieler bleibt im Kader und alles ist wie vorher.
  • Es kann entscheiden, gar nichts zu tun. In dem Fall darf das andere Team den Spieler in seinen Kader aufnehmen. Das neue Team bezahlt dem bisherigen eine Gebühr von 50.000 Dollar und übernimmt den bestehenden Vertrag des Spielers.
  • Die internationale Free Agency
    Für internationale Spieler – also alle von außerhalb den USA, Kanada oder den US-Territorien – gelten beim Einstieg in die MLB oder die Minor Leagues spezielle Regeln. Diese Spieler werden nicht gedraftet, sondern verhandeln direkt mit den MLB-Klubs. Die Art und das finanzielle Volumen des Vertrages, den man mit einem internationalen Spieler abschließen darf, hängen von dessen Alter und Erfahrung ab. Wenn ein Spieler mindestens 25 Jahre alt ist und mindestens sechs Jahre lang in einer professionellen Liga gespielt hat – als solche gelten beispielsweise die in Kuba, Korea und Japan -, dann gilt er als Free Agent und die Teams unterliegen bei der Vertragsgestaltung keinen besonderen Einschränkungen.

    Das internationale Prospect-Signing
    Für alle Spieler, die nicht die genannten Voraussetzungen erfüllen, gilt das System der internationalen Bonuspools. Ähnlich wie für die Verpflichtung von Draftpicks steht auch für die Verpflichtung von internationalen Rookies jedem Team eine bestimmte Summe zur Verfügung, die es insgesamt für solche Spieler ausgeben darf. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,75 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern. Aus diesem Pool können die Teams internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

    Dieses System für internationale Prospect-Verpflichtungen war in der aktuellen Offseason zweimal ein großes Thema. Der eine Fall war der Wechsel des japanischen Top-Talents Shohei Ohtani zu den Los Angeles Angels. Die Teams lieferten sich vorher ein Wettbieten, bei dem es aber systembedingt nicht um das Gehalt gehen konnte, sondern „nur“ um den zu zahlenden Signing-Bonus. Da mit den Kapazitäten der internationalen Bonuspools gehandelt werden darf, engagierten sich einige Teams – allen voran die Seattle Mariners – sehr stark, um den eigenen Bonuspool aufzurüsten und Ohtani ein besseres Angebot machen zu könnnen. Am Ende unterschrieb er bei den Angels für einen Signing-Bonus von 2,315 Millionen Dollar. Das ist eine Menge Geld, aber nur ein Bruchteil dessen, was Ohtani hätte verlangen können, wenn er bereits die Voraussetzungen eines internationalen Free Agents erfüllt hätte.

    Der zweite Fall war der aufgedeckte Betrug des früheren General Managers der Atlanta Braves, John Coppolella. Die Braves hatten unter seiner Regie systematisch die Bonuspool-Regeln umgangen, indem sie internationalen Prospect-Verpflichtungen versteckte Zahlungen zukommen ließen. Nachdem die Sache aufgeflogen war, mussten die Braves 13 Prospects aus den Verträgen entlassen und Coppolella wurde von der Liga lebenslang gesperrt.

    2. Wie man Spieler los wird

    Der Waiver
    Wenn man einen Spieler loswerden möchte, dann kann man ihn auf den Waiver setzen. Das ist eine Art Angebotsliste, auf der die anderen Klubs sich informieren können, welche Spieler unter bestimmten Bedingungen zu haben sind. Für Außenstehende ist der Inhalt des Waivers geheim, wenngleich die Informationen oft an die Medien durchsickern. Der Waiver existiert das ganze Jahr über, besondere Relevanz hat er aber zwischen dem 31. Juli und dem Ende der MLB-Saison, denn in dieser Phase ist der Waiver der einzige Weg, auf dem ein Spieler das Team wechseln kann.

    Für Spieler auf dem Waiver kann von jedem Team ein Waiver-Claim eingereicht werden wie weiter oben unter der entsprechenden Überschrift erläutert. Dort habe ich auch beschrieben, welche Möglichkeiten das bisherige Team hat, wenn ein Waiver-Claim eingereicht wird. Diese Möglichkeiten hat es pro Spieler und Jahr allerdings nur einmal. Das heißt wenn ein Spieler zum zweiten Mal im Jahr auf den Waiver gesetzt wird, dann kann er von einem berechtigten Team quasi zum Nulltarif aufgenommen werden, für das alte Team gibt es dann kein Zurück mehr.

    Wenn für einen Spieler auf dem Waiver innerhalb von drei Werktagen kein Claim eingeht (auf Englisch heißt das, er „cleared waivers“), dann kann er von seinem aktuellen Team in die Minor-League beordert, frei zu einem beliebigen anderen Team getradet oder schlichtweg entlassen werden.

    Versetzung in die Minor League
    Will man einen Spieler nicht unbedingt komplett loswerden, sondern nur eine Weile parken, damit er sich weiterentwickeln oder zu sich selbst finden kann, empfiehlt sich eine Versetzung in die Farm, also in eines der Minor-League-Teams der Franchise. Das geht sehr einfach, solange der Spieler sich in einem Optionsjahr befindet. Üblicherweise (ja, auch hier gibt es wieder Ausnahmen, die zu weit führen würden) hat ein Spieler, der im 40-Mann-Kader – also dem erweiterten MLB-Kader – seines Teams steht, drei solcher Optionsjahre. Ein Optionsjahr gilt als verbraucht, sobald der Spieler in dem Jahr 20 oder mehr Tage in den Minor Leagues verbracht hat.

    Über einen Spieler, der die Optionsjahre hinter sich hat, sagt man, er sei „out of options“. Diese gängige Formulierung führt häufig zu dem Missverständnis, dass es eine begrenzte Anzahl möglicher Versetzungen zwischen Major- und Minor-Leagues gibt. Das ist aber nicht so, innerhalb der Optionsjahre kann ein Spieler beliebig oft hin und her beordert werden. Nach dem Aufbrauchen der Optionsjahre ist die Sache nicht mehr ganz so einfach: Um einen MLB-Spieler außerhalb der Optionsjahre in die Minor League zu schicken, muss dieser zunächst auf den Waiver gesetzt werden, man riskiert also den Spieler zu verlieren. Erst wenn er den Waiver ungeclaimt „gecleart“ hat, kann man ihn, auch gegen seinen Willen, in die Minor League versetzen; dieses Vorgehen ist nur einmal in der Karriere eines Spielers zulässig.

    Noch schwieriger wird es, wenn ein Spieler bereits fünf Jahre MLB-Erfahrung besitzt und/oder schon einmal gegen seinen Willen versetzt wurde. In diesem Fall ist eine Versetzung in die Minor Leagues nur mit seiner ausdrücklichen Zustimmung (Veteran’s Consent) möglich. Verweigert er die Zustimmung, muss das Team ihn entweder im MLB-Roster behalten oder entlassen – mit allen Konsequenzen, die weiter unten unter „Der Release“ beschrieben sind.

    Designation for Assignment 
    Oft liest man, dass ein Spieler „DFA’d“ wird. Die Abkürzung steht für „Designation for Assignment“ und bedeutet eine Art Zwischenstatus: Der Spieler wird unmittelbar aus dem 40-Mann-Kader gestrichen, das Team hat aber noch zehn Tage Zeit zu entscheiden, was genau es mit ihm anstellen wird. Es gibt dafür folgende Möglichkeiten:

  • Das Team kann den Spieler innerhalb der zehn Tage zurück in den 40-Mann-Kader holen.
  • Es kann ihn auf den Waiver setzen (siehe oben).
  • Es kann ihn traden (siehe unten).
  • Es kann ihn releasen, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (siehe unten).
  • Es kann ihn in die Minor League schicken, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (sofern er nicht unter die oben genannten Einschränkungen fällt).
  • Der Release
    Wenn alle Versuche, einen Spieler auf andere Art loszuwerden, gescheitert sind, kann man ihn auch einfach entlassen. Das Problem dabei ist, dass man dann als Team auf dem vollen Gehalt für die volle Restlaufzeit des Vertrages sitzen bleibt. Wenn ein anderes Team den Spieler aufnimmt, dann wird es ihm in aller Regel nur das Mindestgehalt zahlen und der Spieler wird damit einverstanden sein – denn das alte Team muss in jedem Fall die Differenz zu dem Vertrag zahlen, aus dem es ihn entlassen hat. Wenn sich zum Beispiel der von Atlanta entlassene 1B Adrian Gonzalez in Kürze für ein neues Team entscheidet, dann wird dieses ihm für die Saison 2018 genau 545.000 Dollar zahlen – und die Braves zahlend den Rest der 21,5 Millionen, die ihm aus seinem alten Vertrag noch zustehen.

    3. Wie man Spieler los wird und welche bekommt

    Der Trade
    Die Franchises der MLB sind jederzeit berechtigt, untereinander Spieler gegen andere Spieler zu tauschen. Logischerweise können nur Spieler getradet werden, die aktuell unter Vertrag stehen. Zudem wechseln oft im Zuge eines Trades auch Geldsummen oder Bonuspool-Kapazitäten (siehe „Das internationale Prospect-Signing“) den Besitzer. Draftpicks dürfen – mit Ausnahme bestimmter Ausgleichspicks – nicht getradet werden.

    Eine Einschränkung für Trades besteht in den sogenannten Trade-Deadlines. Die erste Deadline ist der 31. Juli. Vom Ende der vorherigen World Series bis zu diesem Tag genießen die Teams größtmögliche Freiheit bei ihren Trades. Nach der „Non-Waiver-Deadline“ am 31. Juli sind Trades nur möglich, wenn alle betroffenen Spieler vorher den Waiver passiert haben oder ohnehin nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen. Die zweite Deadline ist die „Waiver-Deadline“ am 31. August. Trades sind auch danach noch möglich, doch die in diesem Zeitraum erworbenen Spieler dürfen nicht in den Playoffs eingesetzt werden außer wenn sie einen verletzten Spieler ersetzen.

    In der Regel können Trades ohne Zustimmung der betroffenen Spieler durchgeführt werden. Das ist manchmal bedauerlich, aber andererseits verdienen die Spieler selbst auf dem Niveau des Mindestgehalts genug Geld, um Vergleiche mit einem Sklavenhandel als komplett dämlich dastehen zu lassen. In zwei Fällen ist die Zustimmung der Spieler zu einem Trade aber doch erforderlich: Zum einen, wenn sie seit mindestens zehn Jahren in der MLB spielen und mindestens fünf Jahre davon bei ihrem aktuellen Team verbracht haben; zum anderen, wenn sie beim Abschluss ihres aktuellen Vertrages eine No-Trade-Klausel vereinbart haben. Eine solche Klausel kann sich auf sämtliche denkbaren Trades beziehen, aber auch auf bestimmte Teams beschränkt sein – das ist letztlich reine Verhandlungssache.

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    Januar 11th, 2018 by Dominik

    Und sie bewegt sich doch! Letzte Nacht ist endlich mal wieder etwas passiert in dieser sehr langsamen Offseason: Mit Jay Bruce hat ein weiterer Free Agent meiner Top-20-Liste einen neuen (und alten) Arbeitgeber gefunden. Einen Monat vor dem Trainingsauftakt für die neue Saison sind aber immer noch 14 Mitglieder dieser Liste – und zahlreiche weitere Free Agents – ohne neuen Vertrag. Würden die Arbeitslosen der MLB sich zu einer eigenen Mannschaft zusammen finden, brächten sie ein beachtliches Lineup zusammen: C Lucroy, 1B Hosmer, 2B Walker, SS Nunez, 3B Moustakas, LF Gonzalez, CF Cain, RF Martinez, DH Morrison. Starting Rotation: Darvish, Arrieta, Lynn, Cobb, Cashner. Bullpen: Holland, Reed, Albers, Watson. Das wäre kein schlechtes Team, oder?

    Jay Bruce zurück in New York
    Die notorisch sparsamen Mets haben sich doch noch aus der Deckung gewagt und Outfielder Jay Bruce zurück geholt. Nach einem holprigem Start in New York hatte der Outfielder 2017 in die Erfolgsspur gefunden (.256/.321/.520) und sich zum Publikumsliebling gemausert. Zur Trade Deadline war er nach Cleveland getradet worden, weil die Saison der Mets frühzeitig abgehakt war und sein Vertrag ohnehin auslief. Nun streift Bruce in den nächsten drei Jahren doch wieder das Mets-Jersey über und erhält dafür 39 Millionen Dollar. Bruce wird hauptsächlich im Rightfield spielen, kann aber auch mal an der First Base einspringen und bringt den Mets somit mehr Flexibilität für ihr Lineup sowie dringend benötigte Führungsqualität. Wenn nun noch ein solider Second oder Third Baseman (die jeweils andere Rolle übernimmt Asdrubal Cabrera) gefunden wird und vielleicht noch ein Starter für die untere Hälfte der Rotation, dann sieht die Offseason der Mets plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus wie es lange den Anschein hatte.

    Boone Logan zu den Brewers
    Das andere interessante Free-Agent-Signing dieser Woche ist aus Milwaukee zu vermelden und betrifft wenig überraschend einen Relief Pitcher. Reliever scheinen die einzigen Spieler zu sein, für die es in dieser Offseason einen nennenswerten Markt gibt. Die Brewers haben sich die Dienste von Linkshänder Boone Logan gesichert, der 1,875 Millionen Dollar Festgehalt für ein Jahr erhält und über leistungsbezogene Bestandteile weitere 3,2 Millionen verdienen kann. Der Verein hat eine einseitige Option auf ein zweites Vertragsjahr.

    Neuer Backup-Catcher für die Angels
    Die Los Angeles Angels sind eines von ganz wenigen Teams, die dieses Jahr richtig aufgerüstet haben. Mit Catcher René Rivera haben sie nun ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt. Der 34-Jährige erhält 2,8 Millionen Dollar für ein Jahr und wird voraussichtlich als Reserve und Entlastung für Stamm-Catcher Martin Maldonado dienen.

    Padres finden Bullpen-Verstärkung in Japan
    Nachdem vor zwei Wochen schon die Diamondbacks mit dem ersten MLB-Engagement des 33-jährigen japanischen Relievers Yoshihisa Hirano überraschten, haben die San Diego Padres nun eine ähnliche Verpflichtung getätigt: Auch Kazuhisa Makita ist 33 und auch er erhält von seinem neuen Team einen Zweijahresvertrag. Im Gegensatz zu Hirano ist er nicht als Closer eingeplant sondern in einer weniger exponierten Bullpenrolle, folgerichtig ist er mit vier Millionen Dollar auch ein Stück günstiger. Ich bin gespannt, ob und wie Makitas Submarine-Stil sich in der MLB bewährt.

    Dreiecks-Trade zwischen Dodgers, Royals und White Sox 
    Es sind keine allzu berühmten Spieler involviert, aber ich finde, ein Dreiecks-Trade ist immer eine interessante Konstellation. In diesem Fall haben die Dodgers, die Royals und die White Sox sich auf solch einen Ringtausch geeinigt. Im Einzelnen: Die Dodgers bekommen Reliever Scott Alexander von den Royals und Minor-League-Infielder Jake Peter von den White Sox; die Royals erhalten von den Dodgers Pitching-Prospect Trevor Oaks und Minor-League-Infielder Erick Mejia; die White Sox bekommen die Reliever Luis Avilan und zwei Millionen Dollar von den Dodgers sowie Reliever Joakim Soria und eine Million von den Royals. Die wichtigsten Konsequenzen des Trades sind, dass die Dodgers mit Alexander einen Linkshänder-Spezialisten als Nachfolger von Tony Watson haben, ohne wieder in den Bereich der Luxussteuer zu rutschen; dass die Royals Sorias Gehalt loswerden und damit mehr Spielraum in der Free Agency haben (z. B. für Eric Hosmer); und dass die White Sox zwei solide Reliever bekommen, ohne viel dafür hergeben zu müssen.

    Trade Solarte
    Einen weiteren Trade haben die Blue Jays und die Padres vereinbart: Yangervis Solarte wechselt von San Diego nach Toronto, das im Gegenzug zwei Minor Leaguer abgibt. Solarte gibt den Blue Jays Tiefe für das gesamte Infield, dafür haben die Padres in Outfielder Edward Oliveras und RP Jared Carkuff nun zwei weitere Talente, die sich mit etwas Glück zu MLB-Spielern entwickeln könnten.

    Skandal um Spieler-Agent Wood 
    Die Agentur CSE, die zahlreiche MLB- und Minor-League-Spieler vertritt, hat einen hochrangigen Mitarbeiter, Spieler-Agent Jason Wood, gefeuert. Das wäre keine Meldung wert, stünde die Entlassung nicht in Zusammenhang mit einem ekligen Skandal, in dem mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermittelt: Ein Spieler soll beim Duschen eine Kamera gefunden haben und es sieht alles danach aus, dass Wood diese Kamera angebracht und zahlreiche weitere von ihm betreute Spieler beim Duschen gefilmt hat. Wood bestreitet die Vorwürfe, der Anfangsverdacht ist aber offenbar stark genug, dass der Agent auch von der Spielergewerkschaft bis auf weiteres gesperrt wurde. Wood vertrat bislang beispielsweise Red-Sox-Outfielder Andrew Benintendi, Mariners-Pitcher David Phelps und Rays-Pitcher Jake Odorizzi.

    Finale Weltrangliste für 2017
    Ein kurzer Nachtrag zur kürzlich hier veröffentlichten Serie über Baseball in aller Welt: Der Weltverband WBSC hat die endgültige Baseball-Weltrangliste des Jahres 2017 veröffentlicht. Die ersten sechs Plätze sind unverändert geblieben,wobei die zweitplatzierten USA im Jahr ihres WBC-Triumphes den Rückstand auf Spitzenreiter Japan deutlich verkleinern konnten. Den größten Sprung nach vorne machte Israel von Rang 22 auf 19. Deutschland steht wie schon ein Jahr zuvor auf dem 20. Platz.

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    Januar 9th, 2018 by Dominik

    Ab heute gibt es eine neue Baseblog-Serie: Bis zum Beginn des Spring Trainings stelle ich jeden Dienstag einen Ballpark vor. Ich konzentriere mich dabei, soweit ich es beurteilen kann, auf die schönsten und interessantesten. Die Reihenfolge ist eher zufällig gewählt und stellt kein Ranking dar. Ich freue mich über Anregungen und Kommentare, damit ich weiß, ob das Thema auf Interesse stößt. Falls ja, setze ich die Serie gerne in der nächsten Offseason fort.

    Los geht es heute mit dem altehrwürdigen Fenway Park, Heimat der Boston Red Sox und am längsten in Betrieb befindlicher Ballpark der MLB.

    Geschichte
    Fenway Park wurde am 20. April 1912 mit einem 7:6-Sieg der Boston Red Sox in elf Innings über die New York Yankees eröffnet. Trotz dieses spektakulären Auftakts stand das Medieninteresse unter dem Schatten eines anderen Ereignisses, denn wenige Tage zuvor war die Titanic gesunken und beherrschte die Schlagzeilen.

    Die historischen Momente, die Fenway Park erlebt hat, sind zahlreich: Der legendäre Babe Ruth begann hier seine Karriere, Carlton Fisk schlug 1975 in Spiel 6 der World Series einen der berühmtesten Homeruns aller Zeiten, die Red Sox holten gleich im Eröffnungsjahr sowie sechs weitere Male den World-Series-Titel und auch die Boston Braves (heute in Atlanta beheimatet) gewannen ihre World Series 1914 im Fenway Park. Dennoch war der Park lange Zeit eines der am schlechtesten besuchten Stadien der MLB. Der Tiefpunkt wurde 1965 erreicht, als in zwei Spielen die Zuschauerzahl unter 500 lag. Erst ab 1967, einer überraschend starken Saison der Red Sox, die unter Fans als „the impossible dream“ bekannt ist, nahm das Interesse immer weiter zu und die Anhänger der Red Sox erarbeiteten sich ihren heutigen Ruf als besonders treues Publikum. Vom 15. Mai 2003 bis zum 11. April 2013 stellte Fenway Park einen MLB-Rekord auf, indem 794 Spiele der regulären Saison (und zusätzlich 26 Playoff-Spiele) hintereinander ausverkauft wurden.

    Fenway Park in der World Series 20141

    Der Ballpark wurde im Laufe seiner 105-jährigen Geschichte mehrfach renoviert und modernisiert, die Grundsubstanz blieb aber die gleiche und die ursprüngliche Kapazität von rund 35.000 Plätzen schwankte im Lauf der Zeit nur leicht um plus/minus 3.000. Heute fasst Fenway Park 37.731 Zuschauer und man geht davon aus, dass das Stadion noch einige Jahrzehnte lang genutzt werden kann.

    Architektonische Auffälligkeiten
    Wie viele alte Stadien, bei deren Planung umliegende Bebauung, Eigenheiten der Bodenbeschaffenheit und andere Faktoren zu berücksichtigen waren, ist Fenway Park ein asymmetrisches Bauwerk. Liebhaber klarer Linien könnten sich daran stören, im Endeffekt resultiert aber aus genau diesen Eigenheiten oft ein besonderer Charakter des jeweiligen Ballparks. In Fenway Park führten die äußeren Bedingungen dazu, dass das Leftfield mit nur 310 Fuß (94 Meter) von der Homeplate bis zur Spielfeldbegrenzung sehr klein ist, das Centerfield mit bis zu 420 Fuß (128 Meter) und das Rightfield mit 380 Fuß (116 Meter) hingegen recht groß. Um dieses Missverhältnis auszugleichen, wurde das berühmteste Feature von Fenway errichtet: Eine mehr als elf Meter hohe Mauer zur Begrenzung des Leftfields, das berüchtigte Green Monster. Seinen Namen hat das Green Monster übrigens erst relativ spät bekommen, zumal es auch erst 1947 grün angemalt wurd. Vorher war die Mauer mit dem noch heute handbetriebenen Scoreboard schlicht als „The Wall“ bekannt. Seit 2003 gibt es auf dem Green Monster Sitzplätze. Diese sind besonders beliebt, wenn man es darauf abgesehen hat, Homerun-Bälle zu fangen.

    Field-Level-Blick auf das Green Monster2

    Eine weitere Besonderheit im Leftfield war bis zum Umbau 1933, dass das Spielfeld dort ein Gefälle von rund drei Metern aufwies. Der Leftfielder musste somit bergauf und bergab rennen, was ein Nachteil insbesondere für die Gastteams war, die das nicht gewohnt waren. Bostons berühmter Leftfielder Duffy Lewis hingegen war so gut auf die Gegebenheiten eingestellt, dass das Gefälle „Duffy’s Cliff“ genannt wurde.

    Das beliebteste Fotomotiv außer dem Green Monster ist bei einem Besuch in Fenway der „lone red seat“. Es handelt sich um einen einzigen roten unter lauter grünen Sitzen auf der Tribüne des Rightfields. Er markiert die Stelle, an die Ted Williams am 9. Juni 1946 den mit 502 Fuß (153 Meter) längsten Homerun schlug, der je in Fenway Park gemessen wurde.

    Spielbezogene Eigenheiten
    Insgesamt gehört Fenway Park im Vergleich mit anderen MLB-Standorten zu den eher hitterfreundlichen Stadien. Kaum ein Ballpark ist dabei aber so zwiespältig wie Fenway Park: Für rechtshändige Batter ist das kurze Rightfield ein deutlicher Vorteil. Zwar erschwert das Green Monster das Schlagen von Homeruns, dafür werden aber viele Flyballs, die in anderen Stadien routinemäßig zum Out gefangen werden, durch das Abprallen von der Mauer zu Extra-Basehits. Auch Foulouts kommen in Fenway Park seltener vor als anderswo, weil das Foul Territory sehr klein ist. Linkshändige Batter hingegen haben es schwer in Boston, für sie ist Fenway Park eines der ungünstigsten Stadien der Liga.

    Wo sitzt man am besten?
    Man kann in Fenway Park von vielen Stellen aus gut das Spiel verfolgen, von einigen aber nicht: Die Tribünen und Dächer werden von Säulen gehalten, welche an bestimmten Plätzen das Sichtfeld deutlich behindern. Die Plätze sind dafür etwas günstiger und man wird bei der Sitzplatzbuchung auf die Einschränkung hingewiesen – also achtet auf solche Hinweise und spart nicht am falschen Ende. Wem an einem günstigen Stadionbesuch gelegen ist, der entscheidet sich besser für die Bleachers hinter dem Rightfield. Ich habe da schon gesessen und man hat einen guten Blick auf das ganze Feld sowie in die direkt vor der Tribüne gelegenen Bullpens. Da ich ein Nachmittagsspiel bei rund 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten erwischt habe, weiß ich nun allerdings auch, warum die Bleachers Bleachers heißen…

    Fenway Park aus Sicht der Rightfield-Bleachers3

    Am besten kann man das Geschehen, wie in fast jedem Ballpark, von den Plätzen hinter der Homeplate sowie entlang der Linien zur ersten und dritten Base verfolgen (Field Box 21-76). Wer das ganz spezielle Fenway-Erlebnis und obendrein die Chance auf einen gefangenen Homerun sucht, für den sind natürlich die schon erwähnten Plätze auf dem Green Monster das Nonpluslutra. Das hat dann aber auch seinen Preis, denn von den begehrten Sitzen gibt es nur 269 und wenn man überhaupt einen davon ergattern kann, muss man bereit sein, mehrere hundert Dollar dafür auszugeben.

    1 Quelle: Wikimedia, Urheber: John F. Riley (Public Domain)
    2 Quelle: Eigene Aufnahme
    3 Quelle: Eigene Aufnahme

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    Januar 7th, 2018 by Dominik

    Wenn euch die 81 Tage bis zum Opening Day der MLB auch noch so furchtbar lang erscheinen wie mir, dann lest doch noch ein nettes Baseballbuch. Ein paar gute Kandidaten dafür habe ich in der Vergangenheit schon vorgestellt, heute kommt ein weiterer hinzu.

    Vorausschicken muss ich, dass Göran Fiedler sich mit „Baseball für Fußballfans“ eher nicht an ein Publikum richtet, das sich bereits regelmäßig mit Baseball beschäftigt. Der Titel ist allerdings auch etwas irreführend; meiner Ansicht nach wäre die Zielgruppe mit „sportinteressierte Europäer“ treffender beschrieben. Meistens sind das zwar Fußballfans, aber das Buch ist in keiner Weise so angelegt, dass es seine Leser mit zahlreichen Vergleichen gezielt beim Fußball abholen würde. Das ist auch gut so, denn solche Vergleiche von kaum vergleichbaren Sportarten, die ihre jeweils eigenen Reize haben, wären auf Dauer wohl eher nervig.

    Fiedlers tatsächliches Vorgehen ist weit angenehmer: Verpackt in launige Anekdoten bringt er dem Leser den Baseballsport näher, angefangen bei den wichtigsten Regeln und Grundbegriffen über Wissenswertes zu einzelnen Teams und ihrer Geschichte bis hin zu dem Lebensgefühl und der Alltagsrelevanz des Baseballs in der amerikanischen Kultur.

    Das Buch ist eine amüsant und flüssig zu lesende und auf das wesentliche beschränkte Einführung. In seiner ersten Auflage von 2011 kam es mit gut 90 Seiten aus, mittlerweile liegt die vierte Auflage von 2016 vor und ist um einen rund 50-seitigen zweiten Teil gewachsen. In diesem geht Fiedler zu ausgewählten Aspekten ein wenig mehr in die Tiefe: Beispielsweise gibt er Tipps, wo man im Stadion am besten sitzen sollte, erklärt das Franchise-System der Major- und Minor-Leagues und geht auch kurz auf Baseball in Deutschland ein.

    Ich empfehle das Buch für alle, die sich ein Grundwissen über Baseball aneignen wollen. Auch als Geschenk für Leute, die man zum Baseball „bekehren“ möchte, ist es sehr gut geeignet. Diese fühlen sich möglicherweise sogar von dem Titel angesprochen, den ich wie gesagt etwas unglücklich gewählt finde. Aber das ist eigentlich auch schon alles, was ich zu kritisieren habe. Außer vielleicht, dass ich mir etwas mehr Struktur gewünscht hätte in dem Sinne, dass man die Kapitel nicht nur durchnummeriert, sondern sie auch mit Überschriften versieht. Vielleicht ist das ja eine brauchbare Anregung für die nächste Auflage.

    „Baseball für Fußballfans“ ist als Book on Demand erschienen. Ihr erhaltet es als Taschenbuch für 8,90 Euro oder als E-Book für 5,99 Euro beim Buchhändler eures Vertrauens.

    Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich – in der Tolino-E-Book-Fassung – selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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    Januar 4th, 2018 by Dominik

    Dies ist der erste Grand Slam am Donnerstag des Jahres 2018 und ich wünsche allseits ein sehr schönes solches. Vom Umfang her wird der Grand Slam heute leider erneut eher mickrig, denn auch im neuen Jahr will die Offseason der MLB bislang nicht richtig in Schwung kommen: Letzte Woche hatte ich hier konstatiert, dass von meinen Top-20 Free Agents nur vier bereits einen neuen Verein gefunden hatten. Zu diesen vier ist in den vergangenen sieben Tagen nur ein einziger hinzugekommen und auch über relevante Trades liest man zurzeit nicht mehr als relativ kalte Gerüchte.

    Wade Davis geht nach Colorado
    Für einen etablierten MLB-Pitcher ist es nie eine leichte Entscheidung, zu den Colorado Rockies zu wechseln – schließlich lässt man sich darauf ein, die Hälfte seiner Einsätze im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga zu absolvieren und in aller Regel die eigenen Statistiken leiden zu sehen. Top-Closer Wade Davis, bisher bei den Chicago Cubs, hat sich trotzdem für die Rockies entschieden und lässt sich das natürlich ordentlich bezahlen: 52 Millionen Dollar erhält Davis für drei Jahre Baseball, das ist vom Jahresgehalt (17,33 Millionen) her ein Rekord für Reliever. Da Davis ein Qualifying Offer der Cubs abgelehnt hatte, muss Colorado für ihn einen Zweitrundenpick in der diesjährigen Draft abgeben. Mit Jake McGee, Bryan Shaw und jetzt Davis haben die Rockies ihren Bullpen ordentlich aufgerüstet und geben dafür insgesamt gut 100 Millionen Dollar an garantierten Gehältern aus.

    Angebote für Hosmer und Martinez
    Für zwei weitere hochkarätige Free Agents ist ein Ende der Hängepartie zumindest absehbar, denn für sie liegen lukrative Angebote auf dem Tisch. Die Boston Red Sox sollen laut Bob Nightengale von USA Today Outfielder J. D. Martinez (bisher Diamondbacks) einen Fünfjahresvertrag angeboten haben. Die Red Sox gelten schon länger als Favorit auf die Verpflichtung von Martinez, doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Der 35-jährige Martinez wird vermutlich eine um ein, zwei Jahre längere Laufzeit anstreben.

    Um 1B Eric Hosmer soll es sogar ein regelrechtes Wettbieten geben, bei dem mindestens zwei Offerten für Siebenjahresverträge auf dem Tisch liegen – von seinem bisherigen Klub Kansas City Royals sowie von den San Diego Padres. Beide Angebote bewegen sich wohl in der Größenordnung um 140 Millionen Dollar.

    Belästigungsvorwurf gegen Sano 
    Miguel Sano, Third Baseman der Minnesota Twins, muss sich mit ernsten Anschuldigungen auseinandersetzen: Eine Fotografin bezichtigt ihn sexueller Belästigung – er soll sie 2015 nach einer Autogrammstunde bedrängt und angefasst sowie versucht haben, sie gewaltsam zu küssen. Die Vorwürfe schlagen hohe Wellen und das ist gut so. Denn wenn Sano sich tatsächlich derart verhalten hat, dann sollte er damit nicht davon kommen. Aber natürlich gilt zunächst die Unschuldsvermutung; Sano streitet die ihm vorgeworfenen Taten bislang vollständig ab.

    Mariners warten am längsten
    Noch eine statistische Randnotiz: Die Seattle Mariners sind das Team, das am längsten auf eine Playoff-Teilnahme wartet. In der MLB haben sie diese zweifelhafte Ehre schon seit zwei Jahren, nun haben sie sie auch in Bezug auf alle US-Sport-Major-Ligen. Das Football-Team Buffalo Bills war Rekordhalter mit 17 Jahren bis ihm am Sonntag der Einzug in die NFL-Playoffs gelang. Die Mariners warten mittlerweile seit 16 Jahren auf eine solche Gelegenheit. Ihre letzte Teilnahme an der Postseason hatten sie im Jahr 2001, als sie sensationelle 116 Spiele in der regulären Saison gewannen, aber in der ALCS an den Yankees scheiterten. Seitdem ist für Seattles Fans Warten angesagt und ich schätze, das könnte noch eine Weile so weitergehen: In einer Division mit dem amtierenden World-Series-Champion Astros sowie den Angels, die um Mike Trout herum kräftig aufgerüstet haben, dürfte es erneut schwer werden für die Mariners.

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    Dezember 28th, 2017 by Dominik

    Der Grand Slam fällt heute etwas dünner aus als gewohnt, denn es tut sich nicht viel in der MLB über Weihnachten und zwischen den Jahren. Das ist soweit nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist aber, wie langsam sich der Free-Agent-Markt dieses Jahr insgesamt entwickelt: Von meinen Top-20 Free Agents haben bislang nur vier einen neuen Vertrag unterzeichnet, 16 sind noch auf der Suche. Letztes Jahr war es genau umgekehrt, da hatten um diese Zeit lediglich vier Top-20-FAs noch keinen Arbeitgeber gefunden. Ich schätze, dass es nach Silvester bald Schlag auf Schlag geht mit den FA-Signings – schließlich sind es nur noch 46 Tage bis zum Reporting der Pitcher und Catcher, also dem Trainingsauftakt der Saison 2018.

    Diamondbacks holen japanischen Closer 
    Die interessanteste Neuverpflichtung der Woche hatte vorher kaum jemand auf der Rechnung: Die Arizona Diamondbacks haben sich die Dienste des Relievers Yoshihisa Hirano gesichert. Hirano wird im März 34 und erhält in diesem relativ hohen Sportleralter erstmals die Chance, seine Fähigkeiten in der MLB zu beweisen. Hirano erzielte in den letzten fünf Jahren als Closer der Orix Buffaloes 143 Saves mit einem ERA von 2.62 und wird in Arizona seine Chance auf die gleiche Rolle erhalten. Aufgrund seines Alters und seiner Erfahrung konnte Hirano – anders als zum Beispiel Shohei Ohtani – einen frei ausgehandelten Vertrag unterschreiben. Dieser läuft über zwei Jahre und bringt ihm sechs Millionen Dollar ein.

    Zwei Reliever für die Reds
    Weniger Ruhe als der Rest der Liga haben sich die Cincinnati Reds über die Feiertage gegönnt: Sie rüsten ihren in der letzten Saison sehr schlechten Bullpen mit Jared Hughes und Daniel Wright auf. Hughes erhält eine  Zweijahresvertrag über 4,5 Millionen Dollar zuzüglich Leistungsprämien und ein Jahr Teamoption. Der 32-Jährige, zuletzt für Milwaukee tätige Rechtshänder ist als feste Größe vor Closer Raisel Iglesias eingeplant. Daniel Wright kommt mit einem Minor-League-Vertrag zurück zu den Reds, die ihn ursprünglich gedraftet hatten. Seine bisherigen MLB-Erfahrungen sammelte er in den letzten eineinhalb Jahren bei den Los Angeles Angels. In 56.1 Innings mit einem ERA von 5.61 gelang ihm dort nicht der Durchbruch.

    Huff und Garcia suchen ihr Glück in Korea
    Zwei ehemalige MLB-Spieler gaben diese Woche neue Engagements in der koreanischen KBO bekannt: Pitcher David Huff ist dort schon 2016 und 2017 für die LG Twins erfolgreich im Einsatz gewesen und wechselt nun zu den Yakult Swallows (ja, die heißen wirklich so). Die Twins haben derweil MLB-erfahrene Verstärkung für die dritte Base gefunden: Der Kubaner Adonis Garcia war zuletzt für die Atlanta Braves tätig, verpasste allerdings weite Teile der Saison 2017 wegen Verletzungen und versucht es nun mit einem Neustart in Asien.

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