Category: MLB

September 12th, 2017 by Dominik

Die Saison 2017 ist in der ganz heißen Phase und natürlich wollen wir alle wissen: Werden die Indians je wieder verlieren? Werden die Dodgers je wieder gewinnen? Wer holt die noch umstrittenen Wild-Card-Plätze? Und natürlich: Wer gewinnt die World Series? Aber neben all den aktuellen spannenden Fragen beglückt uns die MLB heute auch mit einem Ausblick in die etwas fernere Zukunft, denn vor wenigen Stunden wurde der Spielplan für 2018 veröffentlicht.

Die MLB ist die einzige mir bekannte Liga, die die Planung für das kommende Jahr schon während der vorherigen Saison herausgibt. Das birgt gewisse Risiken, z. B. dass zum jetzigen Zeitpunkt besonders interessant erscheinende Matchups durch den Verlauf der Restsaison ihre Brisanz verlieren. Andererseits sehe ich es als einen tollen und vorbildlichen Service für die Fans an, die langfristig planen können, ob und wie sie die Besuche von Spielen in ihre Jahresplanung einbauen.

Die beste Nachricht in Verbindung mit dem neuen Spieplan ist: Die Offseason wird angenehm kurz, denn der Opening Day am 29. März wird der früheste Saisonstart sein, den es je gegeben hat. Genauso erfreulich finde ich, dass man dieses Mal darauf verzichtet, am ersten Spieltag nur ein paar wenige Matches anzusetzen – alle 30 Teams haben am ersten Tag ihr erstes Spiel. Das gab es zuletzt 1968, damals allerdings mit nur 20 MLB-Teams.

Der frühe Start hängt damit zusammen, dass die Saison leicht in die Länge gezogen wird, um jedem Team drei bis vier zusätzliche freie Tage zu ermöglichen. Das Ende der reglären Saison 2018 ist für den 30. September vorgesehen, unter anderem mit dem Kracher Yankees gegen Red Sox. Voraussichtlich wird die World Series dann auch bei vollen sieben Spielen noch im Oktober entschieden werden.

Weitere Besonderheiten sind zwei nominelle Heimspiele der Minnesota Twins gegen die Cleveland Indians in Puerto Rico am 17. und 18. April sowie zum Ende des All-Star-Breaks am 19. Juli ein einzelnes Spiel zwischen den Chicago Cubs und den St. Louis Cardinals, bevor alle anderen erst einen Tag später in den Spielbetrieb zurückkehren.

Den Spielplan könnt ihr entweder als Überblick für die gesamte Liga anschauen oder nach einzelnen Teams, die ihr oben per Dropdown-Menü wählen könnt. Saisontickets können für die meisten Stadien ab sofort reserviert werden, Einzeltickets gehen je nach Team meistens im Dezember oder Januar in den Verkauf.

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September 11th, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers haben die meisten Siege auf dem Konto, die Washington Nationals stehen seit letzter Nacht als erster Divisionssieger fest, aber das alles verblasst im Lichte der unglaublichen Siegesserie, die die Cleveland Indians gerade hinlegen. 18 gewonnene Spiele hintereinander sind es bisher und in der immer nach Bestmarken gierenden MLB liegt die Frage nahe: Wie hoch ist der Rekord?

Die Frage ist nicht so einfach zu beantworten, wie man denken könnte. Der offizielle, von der MLB anerkannte Rekordhalter sind die New York Giants des Jahres 1916 mit einer Serie von 26 Siegen. Ganz sauber war diese Serie jedoch nicht, denn zwischen dem zwölften und dem dreizehnten Sieg gab es am 18. September 1916 ein Spiel gegen die Pittsburgh Pirates, das nach acht Innings beim Stand von 1:1 wegen Regens abgebrochen und als Unentschieden gewertet wurde. Die MLB ignoriert Unentschieden in ihren offiziellen Statistiken, daher gelten die Giants als Sieger von 26 Spielen hintereinander.

Natürlich wird diese offizielle Zählweise – völlig zurecht, wie ich finde – oft kritisiert und die Kritik wird wieder sehr laut werden, falls die Indians mit ihrer Serie irgendwo zwischen 21 und 26 Siegen landen sollten. 21 ist nämlich der „echte“ Rekord, das heißt die höchste Anzahl von hintereinander erzielten Siegen ohne Unentschieden. Diese Bestleistung haben die Chicago Cubs erzielt, sogar zweimal: zuerst 1880, damals noch als „Chicago White Stockings“, und dann erneut 1935.

Während 26 Siege für die Cleveland Indians derzeit noch in relativ weiter Ferne liegen, scheinen 21 in greifbarer Nähe: Der Gegner in den nächsten drei Spielen sind die Detroit Tigers, die von ihren letzten zehn Spielen acht verloren haben und voraussichtlich Myles Jaye (erster MLB-Start), Matthew Boyd (5.93 ERA), und Buck Farmer (6.32 ERA) pitchen lassen.

Mit 21 Siegen in Folge wären die Indians zumindest alleiniger Rekordhalter der American League. Die längste Siegesserie der AL liegt bislang bei 20 Spielen von den Oakland Athletics des Jahres 2002 und ist den meisten Baseballfans aus dem Buch und dem Film „Moneyball“ ein Begriff.

Die längste Niederlagenserie der Geschichte liegt übrigens ebenfalls bei 26 Spielen. Die Louisville Colonels vollbrachten diese „Leistung“ im Jahr 1889; auch hier gibt es geteilte Meinungen, ob der Rekord zählen soll, denn damals gab es die MLB noch nicht. Diese erkennt aber die in der American Asscociation als einer ihrer Vorläufer erbrachten Resultate für die eigene Rekorde-Buchführung an. Die längste Niederlagenserie im modernen Baseball geht mit 23 auf das Konto der Philadelphia Phillies von 1961.

Die Niederlagenrekorde scheinen momentan nicht in Gefahr – vor allem dank Clayton Kershaw, der den Los Angeles Dodgers am 1. September einen 1:0-Erfolg gegen die San Diego Padres ermöglichte und damit ihren einzigen Sieg in den letzten 16 Spielen.

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September 7th, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers sind das mit Abstand erfolgreichste Team der bisherigen MLB-Saison. Das klingt nach einem alten Hut und das ist es auch. Aber es ist doch erstaunlich, dass diese Aussage immer noch wahr ist, obwohl die Dodgers seit nunmehr zwei Wochen völlig von der Rolle sind und von ihren letzten zwölf Spielen elf verloren haben. Sechs davon gingen an die Arizona Diamondbacks, die sich mit momentan 13 Erfolgen hintereinander ein enges Rennen um die längste Siegesserie der Saison gegen die Cleveland Indians (14) liefern. Schlagzeilen ganz anderer Art machen unterdessen die Boston Red Sox: Sie haben sich beim Spicken erwischen lassen und müssen sich auf eine Strafe gefasst machen.

National League
Das Strohfeuer in der National League East währte nur kurz: Die Miami Marlins (67-72) hatten sich nach ein paar erfolgreichen Wochen Hoffnungen auf eine Wild Card gemacht, doch von den letzten zehn Spielen gingen neun verloren und die Marlins sind hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Übrigens nicht nur in dieser Hinsicht, denn auch die ersten Äußerungen der neuen Teambesitzer um Derek Jeter und Bruce Sherman waren für die Fans der Marlins eine herbe Enttäuschung. Statt in eine Verstärkung des Teams zu investieren, soll das Ziel sein, die Ausgaben für Spielergehälter drastisch zu kürzen. Die Rede ist von 55 bis 85 Millionen Dollar pro Jahr, was die Marlins zum billigsten und damit wahrscheinlich nicht gerade konkurrenzfähigsten Team der Liga machen würde. Konkurrenzfähigkeit ist generell ein Fremdwort in dieser Division, abgesehen von den Washington Nationals (85-54), die weiter einsam ihre Kreise ziehen. Das Hauptziel der Nationals bis zu den Playoffs besteht darin, Verletzungen zu vermeiden und Bryce Harper wieder fit zu bekommen – und ihm vielleicht seine furchtbare neue Frisur auszureden…

In die NL Central ist etwas überraschend Bewegung bekommen – nicht ganz vorne, wo sich die Chicago Cubs (76-63) solide halten, aber in der zweiten Reihe: Die Milwaukee Brewers (72-68) haben sich von den Cincinnati Reds (61-79) sweepen lassen und verloren dadurch Rang zwei an die St. Louis Cardinals (72-67), welche die Pflichtaufgaben gegen die Giants und die Padres souverän erledigten. Mit den Pittsburgh Pirates (67-73) und den Reds warten weitere lösbare Aufgaben auf die Cardinals, sodass die momentan noch zwei Spiele Rückstand auf den Wild-Card-Platz überbrückbar erscheinen. Auch die Brewers haben darauf natürlich noch alle Chancen, sie müssen nun aber erst mal nach Chicago.

Verkehrte Welt in der NL West: Die Los Angeles Dodgers (92-47) verlieren zurzeit nahezu jedes Spiel, während die Arizona Diamondbacks (82-58) seit zwei Wochen nichts anderes tun als zu gewinnen – unter anderem zwei komplette Serien gegen die Dodgers. Dass diese sich den Divisionssieg noch nehmen lassen, ist äußerst unwahrscheinlich, aber ihr Vorsprung an der Spitze hat sich in den vergangenen 14 Tagen glatt halbiert von einundzwanzig Spielen auf nur noch zehneinhalb. Noch größere Sorgen als die Dodgers müssen sich die Colorado Rockies (74-65) machen, die ihren lange sicher geglaubten Wild-Card-Platz derzeit nur noch knapp vor St. Louis und Milwaukee behaupten. Es ist mal wieder eine höchst interessante Fügung des Spielplans, dass nun ausgerechnet die Dodgers und die Rockies aufeinander treffen (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

American League
Vor einer Woche war die Welt an der Spitze der American League East noch in Ordnung für die Boston Red Sox (79-61). Dort stehen sie zwar immer noch mit vier Spielen Vorsprung, doch durch zwei Rückschläge hat die heile Welt Risse bekommen. Der erste Schlag war, dass die Vier-Spiele-Serie gegen den Erzrivalen New York Yankees (74-64) mit 1:3 verloren ging und somit die Chance vertan wurde, in der Division frühzeitig alles klar zu machen. Eine verlorene Serie gegen die Yankees kann passieren, der andere Schlag war allerdings etwas, das eigentlich nicht passieren darf: Die Red Sox haben Signale zwischen gegnerischen Pitchern und Catchern gestohlen und das nicht auf die herkömmliche Weise, bei der der Batter oder ein Baserunner mal ein bisschen linst, sondern mit technischen Hilfsmitteln wie Smartwatches und Replay-Kameras. Dafür stehen sie zurecht in der Kritik und werden wohl auch eine Strafe hinnehmen müssen. Voraussichtlich wird es aber keine aberkannten Siege oder Ähnliches geben, sondern allenfalls Geldstrafen und/oder Sperren gegen Teamverantwortliche. Zurück zum Sportlichen: Erwähnen sollte man noch die Baltimore Orioles (71-68), die sich derzeit mal wieder als das Stehaufmännchen der Liga erweisen und nach sieben Siegen aus den letzten zehn Spielen plötzlich nur noch ein einziges Spiel Rückstand auf den zweiten Wild-Card-Platz haben.

In der AL Central war noch vor zwei Wochen das Rennen völlig offen, doch das ist es inzwischen längst nicht mehr. Nach vierzehn Siegen am Stück führen die Cleveland Indians (83-56) souverän vor den Minnesota Twins (72-67) und scheinen bestens gerüstet für die Verteidigung des AL-Titels. Auch die Twins spielen, wenngleich sie mit dem atemberaubenden Tempo der Indians nicht mithalten können, eine für ihre Verhältnisse ganz hervorragende Saison. Im Kampf um den zweiten Wild-Card-Platz der AL haben sie momentan ganz knapp die Nase vorn. Für sie steht nun eine Vier-Spiele-Serie bei den Kansas City Royals (69-69) an, die mit derzeit zweieinhalb Spielen Rückstand die Hoffnung auf den begehrten Platz selbst noch nicht aufgegeben haben.

Trotz der Siegesserie der Indians haben immer noch die Houston Astros (86-53) die beste Bilanz der American League. Damit das so bleibt, haben sie selbst gerade eine Reihe von sieben Erfolgen am Stück hingelegt und sich obendrein in letzter Sekunde vor der Deadline für Waiver-Trades mit Starter Justin Verlander von den Detroit Tigers verstärkt. Verlander war nicht der einzige Justin, der den Weg von Detroit in die AL West fand, denn auch die Los Angeles Angels (72-68) haben aufgerüstet, indem sie für Outfielder Justin Upton tradeten. Damit senden sie ein klares Signal, dass sie in die Playoffs wollen. Einfach wird das nicht, denn es ist dazu zwar nur ein halbes Spiel auf die Twins aufzuholen, aber mit Kansas City, Baltimore und den Texas Rangers (70-69) gibt es noch reichlich weitere Konkurren und der restliche Spielplan sieht anstrengend aus: In 22 ausstehenden Spielen geht es sechsmal gegen die Astros, dreimal gegen die Rangers, dreimal gegen die Indians – und sechsmal gegen die Seattle Mariners (69-71), die sich ebenfalls noch nicht ganz aufgegeben haben.

Szene der Woche
Die Cleveland Indians sind zurzeit unglaublich gut, aber ab und zu gehört auch ein bisschen Glück dazu. Third Baseman Jose Ramirez hatte am Sonntag im Spiel gegen die Detroit Tigers (11:1) gleich zweimal unverschämtes Glück: Zuerst war es im ersten Inning Detroits Mikie Mahtook, der einem Flyball von Ramirez mit bloßer Hand versehentlich den entscheidenden Schub über den Zaun zum Homerun gab. Das wäre schon kurios genug, aber im sechsten Inning schlug Ramirez seinen zweiten Homerun und wieder kam dieser nicht ganz ohne helfende Hand des Gegners aus, dieses Mal von Alex Presley. Jose Ramirez kam durch die freundliche Unterstützung übrigens nicht nur zu zwei Homeruns sondern stellte sogar einen MLB-Rekord ein, da er in dem Spiel außerdem drei Doubles erzielte und es somit auf fünf Extra-Base-Hits in fünf At-Bats brachte.

Statistik der Woche 
14. So viele Siege haben die Cleveland Indians hintereinander gewonnen. Das haben sie zum zweiten Mal in ihrer Geschichte geschafft und weil das erste Mal erst vor einem Jahr gewesen ist, sind sie sogar das erste Team seit den Chicago Cubs von 1936, das zwei Jahre hintereinander Siegesserien von 14 Spielen geschafft hat. Noch nie 14 Spiele am Stück gewonnen haben die Arizona Diamondbacks, aber das kann sich schon morgen ändern, wenn sie im Heimspiel gegen die San Diego Padres den vierzehnten Sieg hintereinander in Angriff nehmen. Und noch eine 14: Angels-Star Mike Trout hatte letzte Nacht gegen die Oakland Athletics sein vierzehntes Spiel in Folge mit mindestens einem Walk.

Spiel der Woche
Endlich gab es mal wieder ein richtiges Marathonspiel, mit 19 Innings das längste der bisherigen Saison: Volle sechs Stunden mussten sich die Zuschauer, die den Ausgang des Duelles zwischen den Boston Red Sox und den Toronto Blue Jays Dienstagnacht erleben wollten – es war nur eine Minderheit der ursprünglich 33.000 – bis zum fünften und entscheidenden Run der Partie gedulden. Die Blue Jays hatten ihren Teil des Scorings nach sechs Innings abgeschlossen, zu dem Zeitpunkt lagen sie 2:0 vorne und ruhten sich auf einem starken Auftritt ihres Starters Marco Estrada aus. Das ging lange gut, doch im neunten Inning schusterten die Red Sox dann doch noch mühsam in Form von zwei Fielder’s-Choice-RBIs den Ausgleich zusammen und schickten das Spiel in die Verlängerung. 19 verschiedene Pitcher, davon 12 auf Seiten Bostons, kamen zum Einsatz, bevor das Spiel nach ebenso vielen Innings durch einen Walk-Off-Single von Hanley Ramirez zu Gunsten der Red Sox entschieden wurde. Acht Innings zuvor wäre das Spiel um ein Haar an Toronto gegangen, doch ein unglaublicher Wurf von Jackie Bradley Jr. aus dem Centerfield verwandelte Justin Smoaks vermeintlichen Sacrifice Fly in ein Aus an der Homeplate gegen Jose Bautista.

Spiel der kommenden Woche
Die Los Angeles Dodgers und die Colorado Rockies haben beide ein hervorragendes Jahr, machen aber jeweils gerade eine schwierige Phase durch. Heute Abend, besser gesagt morgen früh (4:10 Uhr europäischer Zeit) treffen die beiden zum ersten Spiel einer Vierer-Serie aufeinander, von der sich beide erhoffen, den derzeitigen Abwärtstrend stoppen zu können. Die Dodgers haben ein gewichtiges Argument für sich, nämlich Clayton Kershaw (1.95 ERA, 2.84 FIP). Der Star-Pitcher kehrte letzten Freitag aus seiner Verletzungspause zurück und bescherte den Dodgers prompt mit einem dominanten Auftritt beim 1:0 gegen die Padres ihren einzigen Sieg in den vergangenen zwei Wochen. Die Rockies bieten gegen ihn Jon Gray (4.26 ERA, 3.47 FIP) auf. Falls ihr Frühaufsteher oder von Schlafstörungen geplagt seid, schaltet doch einfach mal rein.

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September 5th, 2017 by Dominik

Baseball ist ein Teamsport, man gewinnt zusammen und man verliert zusammen – weswegen es zum Beispiel blödsinnig ist, Pitcher-Wins und -Losses zu zählen. Aber natürlich sind es im Baseball noch mehr als in den meisten anderen Mannschaftssportarten auch immer wieder die Leistungen von einzelnen Spielern, die Aufmerksamkeit erregen und manchmal so bedeutend sind, dass sie Erfolg oder Misserfolg des jeweiligen Teams sehr stark mitbestimmen. Um dies zu würdigen, gibt es am Ende der Saison eine Reihe von Auszeichnungen, die überwiegend vom Baseball-Journalistenverband Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) vergeben werden. Die wichtigste Auszeichnung ist natürlich die des wertvollsten Spielers (Most Valuable Player, kurz: MVP) in jeder der beiden Major-Ligen. Darüber hinaus gibt es für jede Liga den Cy Young Award für den besten Pitcher, einen Award für den besten Rookie und einen für den besten Manager. Nicht die BBWA sondern die MLB selbst vergibt zudem den Award des Comeback Players of the Year. Dieser geht an je einen Spieler, der es nach einer längeren Formschwäche oder Verletzung geschafft hat, wieder Top-Leistungen zu bringen.

Da sich die reguläre Saison dem Ende zuneigt, darf man so langsam anfangen zu spekulieren, wer dieses Jahr eine oder mehrere der begehrten Auszeichnungen abräumen wird. Bevor ich noch lange um den heißen Brei herum rede – hier sind meine Tipps:

American League MVP
In den letzten Jahren hat sich an dieser Stelle immer Mike Trout aufgedrängt, nicht zuletzt weil er regelmäßig die WAR-Statistik anführte. Trout ist meiner Ansicht nach immer noch der beste Spieler der MLB, aber dieses Jahr hatte er eine längere Verletzungspause und konnte der Saison deswegen nicht so sehr seinen Stempel aufdrücken wie man es von ihm gewohnt ist. Ganz anders Jose Altuve, bei dem dieses Jahr alles zusammenpasst: Er führt die AL sowohl mit 7.4 bWAR als auch mit 183 Hits, einem Batting Average von .354, einer On-Base-Percentage von .415, 290 Total Bases und einer OPS+ von 168 an und ist damit das Herzstück des besten Teams der Liga, der Houston Astros. So sieht für mich eine MVP-Saison aus, auch wenn Altuve mit „nur“ 21 Homeruns nichts für Power-Hitting-Fanatiker ist. Diese werden wohl eher für Aaron Judge mit seinen 38 teilweise monströsen Homeruns Partei ergreifen. Judge ist auch ein toller Baseballer, keine Frage. Aber wenn ich die Wahl hätte, wen von beiden ich lieber in meinem Team haben möchte, würde diese klar auf Altuve fallen.

National League MVP
In der NL liegt nach bWAR Max Scherzer vorne – eine besondere Leistung angesichts der Tatsache, dass er als Starting-Pitcher nur in jedem fünften Spiel dabei ist und obendrein ein paar Starts durch Verletzungen verpasst hat. Erfahrungsgemäß werden Pitcher nur selten zum MVP gewählt und ich vermute, dass sich das auch dieses Mal bewahrheitet, denn in Giancarlo Stanton drängt sich eine spektakulärere Option auf. Mit bislang 53 Homeruns ist Stanton auf dem Weg zu einer historischen Saison und das Kriterium, dass er sein Team deutlich wertvoller macht als es ohne ihn wäre, trifft auf ihn wohl so sehr zu wie auf kaum einen anderen. Neben Stanton und Scherzer dürften auch Paul Goldschmidt und Joey Votto in die nähere Auswahl kommen. Bryce Harper ist wegen seiner aktuellen Verletzung vermutlich aus dem Rennen.

American League Cy Young
Chris Sale war über weite Teile der Saison der Favorit auf den Cy-Young-Award und das nicht zu Unrecht, schließlich führt er die gesamte MLB mit 189.2 gepitchten Innings, 270 Strikeouts und einem FIP von 2.20 sehr deutlich an. Allerdings hatte er in zwei seiner letzten drei Spiele schwache Starts und plötzlich steht ein Anderer im Zentrum der Aufmerksamkeit: Clevelands Corey Kluber hatte einen holprigen Start in die Saison und musste fast den ganzen Mai über pausieren. Aber in den 18 Starts seit seiner Rückkehr war er extrem dominant und brachte es auf einen ERA von 1.85. Selbst auf das gesamte Jahr gesehen liegt er mit seinem ERA von 2.56 und FIP von 2.55 inzwischen auf Platz eins bzw. zwei der AL. Es wird ein spannender Endspurt zwischen Sale und Klubwr, aber Kluber scheint zurzeit auf der Überholspur.

National League Cy Young
Lange Zeit sah es so aus, als sollte es dieses Jahr eine klare Angelegenheit für Max Scherzer werden, nachdem sein ewiger Konkurrent Clayton Kershaw längere Zeit pausieren musste. Doch rechtzeitig zur heißen Phase der Saison ist Kershaw wieder fit und bei seinem Start am Freitag sah er aus, als wäre er nie weg gewesen. Mit einem ERA von 1.95 führt Kershaw die NL an, gefolgt von Scherzer mit 2.19. Momentan sehe ich Scherzer als leichten Favoriten, weil er seinem Team 25 Innings mehr geben konnte, aber es stehen noch vier bis fünf Starts für jeden der beiden aus und das Rennen ist eng.

American League Rookie
Wie oben ausgeführt glaube ich zwar nicht, dass Aaron Judge in seiner ersten kompletten MLB-Saison den MVP-Titel abräumen kann. Der Titel des besten Rookies in der AL dürfte ihm hingegen kaum zu nehmen sein. Mit 38 Homeruns, 101 Runs, 5.7 bWAR und 154 OPS+ ist er unter den jungen Spielern eine Klasse für sich. Allenfalls Matt Olson kommt auf ein vergleichbares Niveau, welches er aber über einen viel kürzeren Zeitraum gezeigt hat. Aus diesem Grund dürfte Olson nicht mal für Platz zwei in Frage kommen, auf dem ich eher Andrew Benintendi sehe.

National League Rookie
Auch in der NL sehe ich kein spannendes Duell um die Auszeichnung als bester Rookie sondern einen sehr deutlichen Favoriten. Cody Bellinger steht kurz davor, den Rekord für die meisten Homeruns eines Rookies in der NL zu brechen. Unter den Rookie-Battern ist er dieses Jahr konkurrenzlos. Allenfalls die Pitcher German Marquez und Kyle Freeland könnten zumindest Außenseiterchancen haben, ihm den Titel streitig zu machen. Beide haben das Problem, dass sie im hitterfreundlichen Ballpark der Rockies spielen, wodurch ihre Statistiken immer ein bisschen schwächer aussehen als sie sind.

American League Comeback Player
Ich tippe auf Michael Brantley, der wegen Schulteroperationen fast das gesamte letzte Jahr verpasst hat. Vor der Saison schien völlig offen, ob er an frühere Leistungen anknüpfen kann und seinen Platz wiederfindet in einem Team, das ohne ihn die World Series erreicht hatte. Er schlägt dieses Jahr .299/.358/.445 und sieht voll und ganz nach dem Spieler aus, der er immer war. Das einzige, was seine Chancen auf den Award beeinträchtigen könnte ist, dass er derzeit erneut verletzt ist, auch wenn es dieses Mal wohl eine deutlich kleinere Geschichte ist. Ein anderer Kandidat wäre Craig Kimbrel. Bei ihm ist es etwas zweifelhaft, ob man von einem Comeback sprechen soll, denn er hatte 2016 zwar das schlechteste Jahr seine Karriere, das mit 31 Saves, 3.40 ERA und 2.92 FIP aber für die meisten anderen Pitcher ein ziemlich ordentliches Jahr gewesen wäre. Dieses Jahr ist er jedenfalls wieder der Alte mit bislang 32 Saves, 1.55 ERA und 1.33 FIP.

National League Comeback Player
Zack Greinke war in Arizona nach einer schwachen Saison 2016 mit 4.37 ERA und 4.12 FIP sowie einigen nagenden Wehwehchen schon zum Fehleinkauf abgestempelt. Doch dieses Jahr ist er einer der entscheidenden Faktoren, dass die Diamondbacks die Kurve nach oben gekriegt haben und eine ganz hervorragende Saison spielen. Mit 3.08 ERA und 3.14 ERA in bislang 172.1 gepitchten Innings hat Greinke es ins All-Star-Team geschafft und ist mit 5.4 bWAR der drittbeste Pitcher in der NL. Andrew McCutchen und Greg Holland sind weitere Kandidaten für den Comeback-Award der NL.

American League Manager
Zum Manager of the Year wird man ernannt, wenn man ein Team dazu bringt, unter ungünstigen Umständen und trotz niedriger Erwartungen eine erfolgreiche Saison zu spielen. Das trifft wohl auf niemanden so sehr zu wie auf A. J. Hinch, den Manager der Houston Astros. Houston galt vor der Saison als eines von drei Teams, die mit den Texas Rangers und den Seattle Mariners um die AL West spielen könnten, doch stattdessen haben die Astros jegliche Konkurrenz schnell und dauerhaft weit hinter sich gelassen. Hinch ist es gelungen, das Lineup der Astros zur erfolgreichsten Offense der gesamten MLB zu formen und trotz diverser Verletzungen auch das Pitching auf Kurs zu halten.

National League Manager
In der NL fällt es mir schwerer, einen klaren Favoriten zu identifzieren. Dave Roberts von den Los Angeles Dodgers ist die offensichtlichste Option, denn als Manager des sowohl von den Siegen (92) als auch vom Run Differential (+189) mit Abstand erfolgreichsten Teams der Liga hat man definitiv eine Menge richtig gemacht. Der andere heiße Kandidat ist Torey Lovullo. Der nimmt zwar mit seinen Diamondbacks nur Platz zwei in der Division ein, doch dass Arizona so gut dasteht, mit einer Bilanz von 80-58 und aktuell einer Serie von elf Siegen hintereinander, hätte vor der Saison sicher niemand gedacht. Letztes Jahr hatten die Diamondbacks noch ein enttäuschendes Jahr mit 93 Niederlagen. Die größte Veränderung, die sie in der Offseason vorgenommen haben und die sich offenbar als Schlüssel zum Erfolg erwiesen hat, war die Anstellung eines neuen Managers: Lovullo.

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August 31st, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers sind schlagbar und sie werden dieses Jahr nicht den Rekord für die meisten Siege in der regulären Saison brechen. Das ist wohl die zentrale Erkenntnis dieser MLB-Woche, nachdem das stärkste Team der Liga gerade viermal hintereinander verloren hat. Die Gewinner der Woche sind unterdessen die Baltimore Orioles, die zurück im Kampf um eine Wild Card in der AL sind, die Arizona Diamondbacks, die ihre Wild Card in der NL wohl endgültig gebucht haben, sowie die Cleveland Indians, deren starke zweite Saisonhälfte höchstwahrscheinlich im Divisionssieg gipfeln wird.

American League
In der American League East naht wohl die Entscheidung: Nachdem die Boston Red Sox (76-57) gerade dreimal hintereinander gegen die Toronto Blue Jays (61-72) gewonnen und die New York Yankees (70-62) ebenso oft gegen die Cleveland Indians verloren haben, beträgt der Abstand zwischen beiden bereits fünfeinhalb Spiele. Übers Wochenende reisen die Red Sox zu den Yankees in der Hoffnung, in den vier direkten Aufeinandertreffen den Sack zuzumachen. Die Yankees benötigen mindestens ein 3:1, besser aber einen Sweep, um die Hoffnung auf den Divisionssieg am Leben zu erhalten. Andernfalls richtet sich der Blick zwangsläufig nach unten, denn der Vorsprung der Yankees im Wild-Card-Rennen ist auf ein einziges Spiel geschmolzen. Die Verfolger kommen unerwarteterweise nicht mehr nur aus den beiden anderen Divisionen, denn auch für die Baltimore Orioles (68-65) ist nach derzeit sieben Siegen in Folge plötzlich wieder alles drin.

Die AL Central differenziert sich derweil zunehmend aus: Was vor nicht allzu langer Zeit noch ein enger Dreikampf um den Divisionstitel war, ist inzwischen erstens eine klare Dominanz der Cleveland Indians (76-56); zweitens eine gute Aussicht der Minnesota Twins (69-63) auf die Teilnahme am Wild-Card-Spiel; drittens eine weitgehend gelaufene Saison für die Kansas City Royals (65-67). Die erste und die dritte Entwicklung haben sich vor allem aus dem direkten Duell der Indians und der Royals am vergangenen Wochenende ergeben, welches die Indians mit einem beeindruckenden Shutout-Sweep (4:0, 4:0, 12:0) für sich entschieden. Für die Twins hat Max Kepler (.247/.315/.435) am Samstag im Spiel gegen die Toronto Blue Jays den zweiten Grand Slam seiner noch jungen MLB-Karriere erzielt. Herzlichen Glückwunsch, Max!

Die AL West wird nach wie vor souverän angeführt von den Houston Astros (79-53), die angesichts der über ihre Stadt hereingebrochenen Naturkatastrophe natürlich jedes Recht der Welt haben, sich zurzeit mit Herz und Verstand nicht ganz auf Baseball zu konzentrieren. Gespielt wird trotzdem, momentan eine „Heim“-Serie in Tampa Bay gegen die Rangers, bei der die beiden bisherigen Spiele 2:12 und 1:8 verloren gingen. Aber schon am Samstag geht es zurück ins eigene Stadion (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und ich kann mir gut vorstellen, dass die Astros sich dann von einer Stimmung tragen lassen, jetzt erst recht alles für ihre Stadt und deren Bewohner zu geben. Die Divsionsführung ist jedenfalls nicht in Gefahr, die Aufmerksamkeit der Los Angeles Angels (69-65) gilt ganz dem Wild-Card-Rennen. In der Division haben sie dabei klar die Nase vor den Texas Rangers (66-66), auf die sie das Wochenende über in einer vielleicht vorentscheidenden Drei-Spiele-Serie treffen werden. Die Seattle Mariners (66-68) sind nach fünf Niederlagen in Folge fast schon aus dem Rennen.

National League
Fast wäre die National League East noch mal interessant geworden – nicht, was den Divisionssieg angeht, den schon lange niemand mehr den Washington Nationals (81-51) streitig macht. Aber die Miami Marlins (66-66) hatten, getragen von Giancarlo Stantons unglaublicher Homerun-Power, für kurze Zeit den Eindruck erweckt, noch mal an die Wild Card herankommen zu können. Doch dann ließen sie sich von den Nationals in drei Spielen sweepen und schon liegt der Abstand auf die Colorado Rockies wieder bei fünfeinhalb Spielen, die man wohl nicht mehr aufholen wird – und wenn doch, dann stehen dazwischen noch die Milwaukee Brewers. So wird den Marlins am Ende wohl nicht mehr bleiben als das Prestige des zweiten Platzes in der NL East, der ihnen weder von den Atlanta Braves (59-72) noch von den New York Mets (58-74) genommen werden wird. Von den Philadelphia Phillies (49-83), dem nach wie vor schlechtesten Team der Liga, sowieso nicht.

Den St. Louis Cardinals (66-66) geht es ähnlich wie den Marlins: Auch sie machten sich kurzzeitig Hoffnung, noch mal heranzukommen, aber nach nur drei Siegen aus den letzten zehn Spielen dürfte der Zug abgefahren sein. Das gilt sowohl in Bezug auf die Wild Cards als auch im Kampf um den Divisionssieg in der NL Central. Die Chicago Cubs (72-60) stehen weiterhin ganz vorne, die Milwaukee Brewers (69-64) bleiben dran. Dreieinhalb Spiele Rückstand haben sie zu den Cubs, drei zu den Colorado Rockies auf dem zweiten Wild-Card-Platz – beides ist absolut noch machbar.

Sicher nicht machbar ist es, in der NL West die Los Angeles Dodgers (91-40) noch abzufangen. Dennoch ist es eine Meldung wert, dass die Dodgers gerade zum ersten Mal in dieser Saison vier Spiele hintereinander verloren haben und dass sie heute Abend aufpassen müssen, von den Arizona Diamondbacks (75-58) nicht auch den ersten Sweep der Saison zu kassieren. Die Diamondbacks haben ihr Zwischentief zweifellos überwunden und sich im Wild-Card-Rennen ein Polster von sechs Spielen zugelegt. Noch etwas zittern müssen hingegen die Colorado Rockies (72-61), die lange im Gleichschritt mit den Diamondbacks gingen, zuletzt aber deutlich nachgelassen haben und den Atem der Brewers im Nacken spüren. Zu allem Überfluss müssen die Rockies in elf der kommenden vierzehn Spiele gegen die Diamondbacks oder die Dodgers ran.

Szene der Woche
Zu gerne würde ich an dieser Stelle über den sagenhaften Catch von Kevin Pillar sprechen oder über den Irrtum von Ian Happ, der bei einem Flyout ins Leftfield zur dritten Base lief und dachte, er hätte gerade den Cycle geschafft. Leider wurden aber diese und alle anderen schönen Baseballmomente von den Prügeleien zwischen den New York Yankees und den Detroit Tigers überschattet. Vier Hit-By-Pitches (und mindestens ein weiterer versuchter), drei größere Rangeleien zwischen den kompletten Teams, acht Platzverweise gegen Spieler und Trainer sowie fünf später ausgesprochene Sperren waren die Bilanz des wohl hässlichsten Spiels dieser Saison. Interessanterweise ohne Sperre kamen die beiden Pitcher davon, die die Unruhen ausgelöst hatten: Detroits Michael Fulmer mit einem Pitch auf die Hand von Yankees-Catcher Gary Sanchez und New Yorks Tommy Kahnle mit einem Pitch hinter den Rücken von Tigers-Star Miguel Cabrera, welcher daraufhin ausrastete und die erste handfeste Prügelei begann. Worum es bei der Sache wirklich ging, ist nicht ganz zu klären – Fulmers Pitch könnte eine „Bestrafung“ dafür gewesen sein, dass Sanchez ein Inning zuvor seinen vierten Homerun der Serie geschlagen hatte, es könnte aber auch die Fortsetzung eines Konflikts gewesen sein, der am 31. Juli begonnen hatte – damals waren es ebenfalls Fulmer und Kahnle, die Hit-by-Pitches ausgeteilt hatten.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns in den ersten 18 MLB-Spielen eines Rookies sind Rekord. Aufgestellt hat diese Bestleistung Rhys Hoskins von den Philadelphia Phillies – und das, obwohl er seine MLB-Karriere mit 0 Hits aus den ersten 10 At-Bats begonnen hatte. Ich habe mal ein paar Zahlen zum Vergleich rausgekramt: Um die 11 Homeruns von Hoskins zu übertreffen, müssten Babe Ruth (2), Hank Aaron (2), Barry Bonds (3), Giancarlo Stanton (2) und Aaron Judge (3) die Homeruns aus ihren ersten 18 Spielen zusammenlegen.

Spiel der Woche
Manchmal ist es ein einzelnes Spiel, das für beide Teams den Rest der Saison vorzeichnet. Gestern Nacht gab es ein solches Spiel zwischen den Brewers und den Cardinals. Am Tag zuvor hatten die Cardinals das erste Spiel der kurzen Serie gewonnen. Mit einem weiteren Sieg hätten die Cards die eigenen Playoffhoffnungen am Leben erhalten und denen der Brewers einen Dämpfer verpasst. Doch es kam anders, die Brewers siegten 6:5 nach einer spannenden Partie mit mehreren Führungswechseln und einer Aufholjagd des Gegners, die durch einen heldenhaften homerunverhindernden Catch von Keon Broxton gestoppt wurde.

Spiel der kommenden Woche
Wenn am Samstag die New York Mets zum Doubleheader bei den Houston Astros antreten, dann wird der Name „Harvey“ in aller Munde sein, im Guten wie im Schlechten. Im Schlechten, weil Harvey der Name des tropischen Wirbelsturms ist, der in Houston furchtbare Überschwemmungen und Verwüstungen hinterlassen hat. Die Astros mussten für die derzeit laufende Serie gegen die Texas Rangers nach Tampa Bay ausweichen, werden danach aber viel früher als allseits erwartet in den heimischen Minute Maid Park zurückkehren, um den Einwohnern von Houston ein Stück Normalität zu geben. Im Guten, weil für die Mets im ersten Spiel (Samstag, 20:10 Uhr europäischer Zeit) ihr ehemaliges Pitching-Ass Matt Harvey (5.25 ERA, 6.17 FIP) nach diversen Formkrisen und Verletzungen einen erneuten Comebackversuch unternehmen wird. Für die Astros wird in der Partie voraussichtlich Brad Peacock (3.12 ERA, 2.69 FIP) starten.

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August 24th, 2017 by Dominik

Man sollte meinen, je stärker es auf das Ende der Saison zugeht, umso mehr Entscheidungen im Hinblick auf die Playoffs müssten absehbar sein. Das Gegenteil ist momentan richtig: Ein paar längst totgesagte Teams wie die Miami Marlins und die Texas Rangers sind auf einmal wieder voll im Rennen und während sich um die Wild Cards der American League schon lange mehr als die Hälfte der Liga balgt, ist inzwischen auch in der National League längst nicht mehr sicher, dass die Colorado Rockies und die Arizona Diamondbacks diese Playoff-Tickets unter sich ausmachen. In drei der sechs Divisionen geht es zudem noch einigermaßen eng zu, was den Divisionssieg angeht. Und bei den Los Angeles Dodgers beginnt man langsam davon zu träumen, nicht nur die beste Bilanz in diesem Jahr und am Ende womöglich die World Series einzufahren, sondern vielleicht auch mit den meisten Siegen abzuschließen, die je ein MLB-Team geschafft hat.

National League
Zum gefühlt hundertsten Mal in diesem Jahr muss ich an dieser Stelle schreiben, dass die Washington Nationals (75-49) in der National League East ungefährdet durchmarschieren. Zum gefühlt ersten Mal in diesem Jahr habe ich aber den Eindruck, dass vielleicht doch noch Hoffnung für ein anderes Team der Division besteht: Die Miami Marlins (62-63) haben sich Schritt für Schritt nach oben gearbeitet und nachdem sie Mitte Mai schon 13 Spiele hinter einer ausgeglichenen Bilanz zurückgewesen waren, standen sie gestern plötzlich bei .500. Letzte Nacht ließen sie sich zwar mit einem 0:8 gegen die Phillies ausbremsen, aber über die letzten Wochen hinweg gesehen ist es schon beeindruckend, was Stanton & Co. geleistet haben. Der Weg zur Wild Card erscheint immer noch unwahrscheinlich, aber nicht mehr undenkbar mit fünfeinhalb Spielen Rückstand auf die Rockies und mit den Brewers und den Cardinals dazwischen. Das Restprogramm der Marlins sieht jedenfalls günstig aus: Gegen die Brewers, die Diamondbacks und die Rockies kann man noch in direkten Duellen Boden gut machen, ansonsten warten außer den Nationals nur noch Gegner, die weit unter .500 stehen (Padres, Mets, Braves, Phillies).

Die NL Central bleibt die spannendste Division der MLB, auch wenn die Chicago Cubs (68-57) gerade mal wieder einen Zwischenspurt eingelegt und sich mit fünf Siegen in Folge ein wenig Luft verschafft haben vor den Milwaukee Brewers (66-62) und den St. Louis Cardinals (64-62). Für die Brewers, neben den Twins die größte positive Überraschung der bisherigen Saison, steht nun wohl so etwas wie eine Woche der Wahrheit an: Zuerst müssen sie zu den Dodgers, dann folgen zwei Spiele gegen ihren direkten Konkurrenten, die Cardinals, und anschließend eine Vier-Spiele-Serie gegen die Nationals. Das nenne ich mal ein hammerhartes Programm.

Die Los Angeles Dodgers (89-36) haben zwar gestern statt ihres 90. Sieges eine spektakuläre Niederlage eingefahren (siehe „Spiel der Woche“), sind damit aber immer noch auf Kurs für 115 Wins und könnten den Rekord von 116 ins Wanken bringen. Um den Gewinn der NL West müssen sich die Dodgers natürlich schon lange keine Sorgen mehr machen. Der Abstand zu den seit Wochen schwächelnden Arizona Diamondbacks (69-58) und Colorado Rockies (68-58) wächst beständig und die beiden richten ihren Blick längst nicht mehr nach oben sondern nach unten auf ihre Konkurrenten aus den anderen NL-Divisionen im Rennen um die Wild Cards. Apropos unten: Die San Francisco Giants (52-77) sind seit Samstag das erste und bislang einzige der Team der Liga, das auch theoretisch keine Chance mehr auf den Divisionssieg hat. Im Sprachgebrauch der Baseball-Analysten heißt das: Ihre Elimination Number ist auf 0 bzw. darunter gesunken.

American League
Mit einer Eliminiation Number von 33 und viereinhalb Spielen Rückstand haben die New York Yankees (68-57) in der American League East noch alle Möglichkeiten, doch die Boston Red Sox (73-53) sehen momentan nicht so aus als würden sie den ersten Platz dieses Jahr noch mal räumen. Sie machen einen sehr gefestigten Eindruck, haben diesen Monat schon Serien gegen die Indians, die White Sox, die Cardinals, die Rays und vor allem zwei gegen die Yankees gewonnen. Gegen die Baltimore Orioles (62-65) und die Toronto Blue Jays (60-66) stehen für die Red Sox jetzt vermeintlich lösbare Aufgaben an, während die Yankees gegen die Seattle Mariners und die Cleveland Indians antreten müssen. Anschließend wartet Ende nächster Woche schon wieder – und zum letzten Mal in dieser Saison – ein Duell der ewigen Rivalen mit vier Spielen in New York.

In ähnlicher Lage wie die Red Sox befinden sich die Cleveland Indians (69-56) in der AL Central, die sie ebenfalls mit viereinhalb Spielen Vorsprung anführen. Sie haben zwei ernsthafte Verfolger, die Minnesota Twins (65-61) und die Kansas City Royals (64-61). Die Royals sind mit drei Siegen am Stück und sieben aus den letzten zehn Spielen zurzeit am besten drauf und werden entsprechend auf die Gelegenheit brennen, sich in den anstehenden direkten Duellen zu beweisen: Ab morgen gibt es eine Drei-Spiele-Serie in Cleveland, in den kommenden zwei Wochen geht es insgesamt sieben Mal gegen die Twins. Danach dürften wir zumindest schlauer sein, wer von den beiden der ernstzunehmendere Aspirant auf die Playoffs – sei es über den Divisionssieg oder per Wild Card – ist.

Über etwas anderes als die Wild Cards muss man in der AL West nicht reden. Die Houston Astros (77-49) ziehen seit Saisonbeginn einsam ihre Kreise und müssen sich trotz durchwachsenen Verlaufs der letzten Wochen keine Sorgen machen – jedenfalls nicht um den Divisionssieg. Der spannende Teil der Division besteht aus den Los Angeles Angels (65-62), den Seattle Mariners (65-63) und den Texas Rangers (63-63), die alle ganz eng beisammen stehen und um die zweite Wild Card (die erste scheinen die Yankees relativ sicher zu haben) wetteifern. Momentan hätten sie allerdings alle drei das Nachsehen, denn die Twins aus der AL Central stehen ein halbes Spiel besser da als die Angels.

Szene der Woche
Inside-the-Park-Homeruns sind im Jugend- und Amateurbereich an der Tagesordnung, in der MLB kommt er sogenannte Little-League-Homerun eher selten vor und wenn doch, dann hängt er meist mit Glück und schlechtem Fielding zusammen. Nicht so der Homerun von Minnesotas Byron Buxton beim 10:3 der Twins über die Diamondbacks Freitagnacht: Dass Buxton nach dem Schlag ins Centerfield im vierten Inning komplett herum kam, lag schlichtweg an seinem unglaublichen Lauftempo. 13,85 Sekunden benötigte er von Home zu Home – der schnellste Homerun, der je gemessen wurde. Wenn man von der kürzestmöglichen Entfernung von 360 Fuß (109,73 Meter) Entfernung ausgeht, schaffte Buxton bei seinem Rekord 7,9 Meter pro Sekunde. In Wahrheit war er noch schneller, denn der optimale Weg um die Bases verläuft auf einer etwas gebogenen Bahn von vielleicht 125 Metern – dann kommen wir auf 9 Meter pro Sekunde. Zum Vergleich: Usain Bolt lief bei seinem 100-Meter-Weltrekord 10,4 Meter pro Sekunde – auf kerzengerader Strecke und ohne vorher einen Ball schlagen und den Schläger loswerden zu müssen.

Statistik der Woche 
30. So viele aktuell aktive MLB-Teams hat der legendäre Bartolo Colon in seiner Karriere geschlagen. Im Klartext: alle. Den letzten Haken auf der Liste konnte er am Sonntag nach dem 12:5-Erfolg seiner Twins gegen die Arizona Diamondbacks setzen. Zwanzigeinhalb Jahre hatte er seit seinem MLB-Debüt auf diesen Sieg warten müssen – naja, eigentlich nur neunzehneinhalb, denn die Diamondbacks wurden erst 1998 gegründet und sind somit ein Jahr kürzer in der Liga als Bartolo. Der treue Baseblogleser weiß, dass ich um die Statistik „Pitcher-Wins“ normalerweise einen großen Bogen mache, die Gründe dafür hatte ich hier mal näher ausgeführt. Aber für Bartolo Colon mache ich eine Ausnahme.

Spiel der Woche
Dass die Dodgers auf Kurs sind, durch ihre vielen Siege Geschichte zu schreiben, ist bekannt. Gestern Nacht aber haben sie zur Abwechslung mal Geschichte geschrieben mit einer Niederlage: Starter Rich Hill hatte einen großartigen Auftritt im Spiel bei den Pittsburgh Pirates, der fast das 24. Perfect Game der MLB-Historie geworden wäre. Stattdessen aber wurde es das erste Spiel der MLB-Historie, das seine Perfektheit durch einen Error im neunten Inning verlor. Third Baseman Logan Forsythe war der Schuldige, der Pittsburghs Jordy Mercer zum einzigen Baserunner der Pirates in der regulären Spielzeit machte. Hätten die Dodgers aus ihren eigenen acht Hits und vier Walks nur einen einzigen Run herausgeholt, hätte Hill sich zumindest über einen No-Hitter freuen können. So aber ging das Spiel ins zehnte Inning und Josh Harrison entschied es für die Pirates, indem er den ersten Hit seines Teams zum Walkoff-Homerun schlug. Auch das war historisch: Es war das erste Mal überhaupt, dass ein No-Hitter durch einen Walkoff-Homerun verloren wurde.

Spiel der kommenden Woche
Endlich mal wieder Baseball live im deutschen Free-TV und dann auch noch zur besten Sendezeit: Sport1 zeigt am kommenden Mittwoch von 20 Uhr bis 22:30 Uhr das Spiel der New York Yankees gegen die Cleveland Indians. Ich bin gespannnt darauf, sowohl auf die Übertragung als auch auf das Spiel an sich. Beide Teams sind bekanntlich gut dabei im Playoffrennen und könnten sich durchaus nach der regulären Saison noch mal auf dem Platz wiedersehen. Das Pitcherduell ist eine knappe Woche vorher noch nicht sicher, aber nach derzeitigem Stand sieht es so aus, dass zwei Linkshänder ihre Kräfte messen: der sehr erfahrene CC Sabathia (3.99 ERA, 4.45 FIP) für die Yankees und der sehr junge Ryan Merrit (3.12 ERA, 2.79 FIP) für die Indians. Schade finde ich, dass Sport1 offenbar erneut erst ins laufende Spiel einsteigen will, das eigentlich schon um 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit beginnt.

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August 22nd, 2017 by Dominik

Wer regelmäßig Baseball im Fernsehen bzw. über das Internet schaut und dabei Übertragungen von verschiedenen Sendern sieht, wird zwangsläufig auf einen fundamentalen Unterschied stoßen: Bei den einen muss man sich die Strikezone wie im richtigen Leben selbst denken, die anderen blenden sie in Form eines Kastens ein, was dann ein bisschen aussieht wie in einem Videospiel.

Die technische Umsetzung solch einer Box ist nicht einfach, da die Höhe der Strikezone den Regeln nach vom Körperbau des jeweiligen Batters abhängt: Bis 2016 reichte sie vom unteren Ende der Kniescheibe bis zur Mitte zwischen Schultern und Gürtellinie; seit diesem Jahr ist sie etwas kleiner, da die Untergrenze auf das obere Ende der Kniescheibe verschoben wurde. Und nicht nur die unterschiedliche Größe der Batter beeinflusst die Strikezone, sondern auch deren unterschiedliche Körperhaltung. Um die jeweils richtige Strikezone für jeden Batter einzustellen, passt ein Techniker – der sogenannte K-Zone-Technician – die Box jeweils manuell an. Jeder Pitch wird dann von mehreren Kameras erfasst, um in einem Programm seine Flugbahn nachzuzeichnen und ihn mit der eingestellten Strikezone abzugleichen. So erhält der Zuschauer ein dreidimensionales Bild und eine relativ verlässliche Einschätzung von Balls und Strikes. Die elektronische Strikezone weist eine Genauigkeit von +/- 1cm auf – theoretisch jedenfalls, denn in der Praxis variiert die Strikezone bekanntlich auch je nach Umpire.

Die Technik wurde 2001 von der Firma Sportsvision im Auftrag des Senders ESPN und der MLB entwickelt und zunächst nur für die nachträgliche Beurteilung von Pitches in der Übertragung verwendet. Die anderen Sender sind schnell auf den Zug aufgesprungen und nutzen heute fast alle diese interessante Analysemöglichkeit. ESPN blieb allerdings Vorreiter der Entwicklung: Als erster Sender ging ESPN 2015 dazu über, die Strikezone live bei jedem Pitch einzublenden. Ob das ein Fluch oder ein Segen ist, ist seitdem ein Streitpunkt.

Ich muss sagen, dass ich kein Freund der dauerhaft eingeblendeten Strikezone bin. Für mich nimmt dieser virtuelle Kasten sowohl ein Stück der Ästhetik des Sports weg als auch den Spaß, sich selbst ein Bild von den Pitches zu machen. Hinterher lasse ich mir gerne zeigen, wie und wohin der Ball tatsächlich geflogen ist und ob ich zu Recht oder zu Unrecht auf den Umpire geschimpft habe, aber die erste Einschätzung möchte ich ohne Ablenkung selbst vornehmen. Baseball mit eingeblendeter Strikezone ist für mich ein bisschen wie ein englischer Film mit deutschen Untertiteln: Ich kann die Sprache eigentlich gut genug, um das Original zu genießen, aber der Blick wird doch immer wieder abgelenkt. Wobei der Vergleich etwas hinkt, da die Strikezoneeinblendung kein Untertitel sondern mitten im Bild ist, was die Sache nur schlimmer macht.

Was meint ihr zur dauerhaften Einblendung der Strikezone? Angenehm, nerivg oder egal?

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August 17th, 2017 by Dominik

Die Dodgers, die Nationals, die Red Sox und die Astros marschieren, Spannung bieten in erster Linie die Central-Divisionen – soweit gibt es nichts Neues in der MLB. Aber eines schon: Das Wild-Card-Rennen in der National League erweckt gerade den Eindruck, dass es vielleicht doch noch nicht entschieden ist. Die Rockies und die Diamondbacks mussten zuletzt ein paar Federn lassen und plötzlich sind die Brewers und die Cardinals nur noch vier bis fünf Spiele entfernt von der Hintertür in die Playoffs.

American League
In der Parallelliga wird eine der beiden Wild Cards relativ sicher in die American League East an die New York Yankees (64-55) gehen. Das Tabellenbild der Division hat sich deutlich entzerrt, indem die Boston Red Sox (69-51) die Serie gegen die Yankees gewonnen haben. Gleichzeitig haben die Yankees sich mit bislang drei Siegen in der Subway-Series gegen die Mets weiter von den Tampa Bay Rays (60-62) und den Baltimore Orioles (59-62) absetzen können, bei denen es zurzeit nicht so gut läuft.

Eine ähnliche Entzerrung der Spitze ist auch in der AL Central zu beobachten. Die Cleveland Indians (65-52) reiten gerade eine Serie von fünf Siegen. Dadurch haben sie sich bereits ein Stück weit sowohl von den zwischenzeitlich gefährlich nahen Kansas City Royals (61-59) als auch von den immer noch überraschend guten Minnesota Twins (59-58) abgesetzt. Nun wird es die nächsten Tage darum gehen, ob die Indians frühzeitig den Sack zumachen können – heute noch zweimal gegen die Twins, am Wochenende dann dreimal gegen die Royals (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Die Houston Astros (74-46) hatten in der ersten Augusthälfte eine Durststrecke mit nur drei Siegen bei zehn Niederlagen. Ihre herausgehobene Position in der AL West brachte das nicht in Gefahr, aber natürlich macht man sich im Hinblick auf die Playoffs Sorgen, wenn sich reihenweise Pitcher verletzen und die bislang explosivste Offense der Liga plötzlich nicht mehr klickt. Das erste Thema könnte noch Gegenstand eines Trades werden – Justin Verlander? -, das zweite hat sich nach den zwei Siegen über Arizona mit je neun erzielten Runs vielleicht schon erledigt. Hinter den Astros ist das Wetteifern um Platz zwei und vor allem um eine Wild Card in vollem Gange. Die Los Angeles Angels (62-59) haben momentan knapp die Nase vorn, aber auch für die jeweils schon mehrfach tot gesagten Seattle Mariners (61-61) und Texas Rangers (60-59) ist noch alles drin. Richtungsweisend könnte die Vier-Spiele-Serie der Rangers bei den Angels werden, die nächste Woche von Montag bis Donnerstag läuft.

National League
Der National League East muss niemand mehr eine Richtung weisen, für die Washington Nationals (71-47) geht der Blick längst in Richtung Playoffs und besonders dahin, Bryce Harper bis zu selbigen wieder fit zu bekommen. Dahinter haben sich die Miami Marlins (58-61) dank des unglaublich gut aufgelegten Giancarlo Stanton (siehe Statistik der Woche) etwas absetzen können im wohl uninteressantesten Rennen um Platz zwei, das jemals in einer Division geführt wurde. Na gut, sagen wir jemals seit Einführung der Wild Cards.

Wie eingangs schon bemerkt, macht sich Hoffnung breit in der NL Central – nicht nur die Hoffnung, die Division zu gewinnen, welche die Chicago Cubs (63-56), die Milwaukee Brewers (63-59) und die St. Louis Cardinals (61-59) schon seit einer Weile teilen; sondern auch die Hoffnung, eine Wild Card in die Division zu holen, denn der Abstand zu den Colorado Rockies und den Arizona Diamondbacks ist diese Woche deutlich kleiner geworden. Passenderweise treten die Brewers in den kommenden Tagen zu einer Drei-Spiele-Serie gegen die Rockies an.

Dass die Los Angeles Dodgers (85-34) dieses Jahr unfassbar gut sind, ist wohl niemandem entgangen, das lasse ich heute einfach mal so stehen. Interessant ist, was sich in der NL West dahinter tut. Sowohl die Colorado Rockies (67-53) als auch die Arizona Diamondbacks (66-54) haben in den letzten zwei Wochen mehr Spiele verloren als gewonnen und das – insbesondere im Fall der Rockies – nicht nur gegen die Top-Teams der Liga. So sehr mich die bisher erfolgreiche Saison dieser beiden Teams erfreut hat und immer noch erfreut, genauso sehr freut es mich aber auch, wenn nun ein bisschen Spannung einkehrt, wo lange keine da zu sein schien.

Szene der Woche
Die meisten Schlagzeilen machte diese Woche eine hässliche Verletzungsszene: Bryce Harper, Washingtons Star-Outfielder, rutschte bei einem verregneten Spiel der Nationals gegen die San Francisco Giants unglücklich auf der ersten Base aus und verdrehte sich dabei das Knie. Erfreulicherweise stellte sich heraus, dass Harper wohl Glück im Unglück hatte: Statt des befürchteten Kreuzbandrisses zeigte sich bei den Untersuchungen nur eine starke Prellung des Gelenks und die Chancen stehen gut, dass Harper noch vor Saisonende wieder fit wird. Damit es nicht die hässliche Szene ist, die hängen bleibt, hier noch eine Feel-Good-Story: Chad Bettis, Pitcher bei den Colorado Rockies, kam am Montag zu seinem ersten Einsatz nach rund neun Monaten Pause wegen einer Krebserkrankung. Er überstand OPs, Chemotherapie und alles, was dazu gehört – und stand nun gegen die Braves sieben Innings auf dem Mound, ohne einen Run zuzulassen. Schön, dass er wieder da und offensichtlich topfit ist.

Statistik der Woche 
44. So viele Homeruns hat Giancarlo Stanton dieses Jahr schon geschlagen. Das sind zurzeit die meisten in der Liga und es ist bereits jetzt ein Teamrekord für die Miami Marlins. Besonders bemerkenswert ist Stantons derzeitige Form: 11 Homeruns hat er in den letzten 13 Spielen erzielt, darunter eine Serie von 6 Spielen mit Homerun hintereinander, die erst gestern Abend beim 8:1 gegen die San Francisco Giants abriss.

Spiel der Woche
Die Rivalität der Red Sox und der Yankees erlebt dieses Jahr eine Renaissance. Das liegt zum einen am Tabellenstand in der AL East und zum anderen an Duellen wie dem von Sonntagnacht – dem Rubbergame der Serie, nachdem jeder eine der beiden vorherigen Partien gewonnen hatte. Es war von Anfang an ein ganz enges Spiel, in dem beide Starter – Jordan Montgomery für die Yankees und Chris Sale für die Red Sox – eine starke Leistung zeigten und jeweils nur einen Run zuließen. Als den Yankees im achten Inning per Sacrifice Fly von Todd Frazier gegen Reliever Matt Barnes das 2:1 gelang und im neunten Inning Closer Aroldis Chapman zum Save antrat, freuten sich einige zu früh. Zum Beispiel dieser emotionale Yankees-Fan, der sich selbst filmte, während Rafael Devers den Homerun zum 2:2 schlug. Bis dahin hatte Chapman zu 387 Linkshändern hintereinander gepitcht, ohne einem von ihnen einen Homerun zu erlauben. Im folgenden Extra-Inning traf Chapman mit dem Ball einen weiteren Linkshänder, Jackie Bradley Jr., welcher schließlich bei einem Single von Andrew Benintendi das entscheidende 3:2 für die Red Sox erzielte. Zu dem Zeitpunkt hatte Chapman schon Platz machen müssen für Tommy Kahnle, der Run ging aber offiziell noch auf Chapmans Kappe.

Spiel der kommenden Woche
Die Yankees und die Red Sox treffen am Wochenende schon wieder aufeinander, dieses Mal im Fenway Park in Boston. Ich freue mich drauf und werde bestimmt reinschauen, aber es wäre ja langweilig, immer nur diesen beiden Teams den Einschalttipp zu widmen. Daher empfehle ich an dieser Stelle ein anderes interessantes Matchup und zwar die Cleveland Indians gegen die Kansas City Royals. Ein klares Ergebnis in dieser Serie kann determinieren, ob die AL Central bald zugunsten der Indians entschieden ist oder aber bis zum Schluss spannend bleibt. Falls ihr ohnehin nicht viel von Schlaf haltet, dann schaut Freitagnacht Corey Kluber bei der Arbeit zu, andernfalls empfiehlt sich das Spiel am Sonntagabend.

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August 15th, 2017 by Dominik

Die Mitte des Monats ist traditionell die Zeit für das Baseblog-Powerranking. Wie schon im letzten Monat zu beobachten war, werden die Schwankungen innerhalb des Rankings naturgemäß immer kleiner, je weiter die Saison voranschreitet. In einigen Fällen gibt es aber auch jetzt noch ordentlich Bewegung – zum Beispiel bei den Milwaukee Brewers, die gegenüber Mitte Juli von 5 auf 12 gefallen sind oder bei den St. Louis Cardinals, die sich im gleichen Zeitraum von 15 auf 9 hochgearbeitet haben. Um die Entwicklung von Monat zu Monat transparenter zu machen, stelle ich ab sofort die Platzierung vom letzten Mal in Klammern hinter den aktuellen Rang.

1. (1.) Los Angeles Dodgers (83-34) ⇒
Zugegeben, mit den Dodgers auf Platz eins eines Powerrankings lockt man zurzeit niemanden hinter dem Ofen hervor, aber sie sind nunmal so gut wie sie sind und mit Yu Darvish haben sie sich weiter verstärkt. Sie sind auf Kurs für 115 Siege.

2. (3.) Boston Red Sox (67-51) ⇒
Die Red Sox sind mit neun Siegen bei nur zwei Niederlagen das bisher beste Team im August. In der aktuellen Form sind sie drauf und dran, den Astros den Rang als Frontrunner der American League abzulaufen.

3. (4.) Washington Nationals (70-46) ⇒
Mit der massiven Aufrüstung des Bullpen haben die Nationals zur Trade-Deadline alles richtig gemacht und ihre einzige nennenswerte Schwäche abgeschaltet. Durch die Knieverletzung von Superstar Bryce Harper ist prompt ein neues Sorgenfeld entstanden, doch es sieht inzwischen danach aus, dass Harper rechtzeitig zu den Playoffs wieder einsatzbereit ist.

4. (2.) Houston Astros (72-46) ⇒
Nach monatelanger Dominanz scheint den Astros ein bisschen die Luft auszugehen. Insbesondere das Starting Pitching macht angesichts schwankender Leistungen von Ass Dallas Keuchel und der langsamen Genesung von Lance McCullers Sorgen und man darf gespannt sein, ob Houston nicht doch noch per Trade nachlegt, zum Beispiel mit Justin Verlander.

5. (7.) Cleveland Indians (64-52) ⇒
Der World-Series-Hangover der Indians dauerte – ähnlich wie der der Cubs – rund eine Saisonhälfte lang. Seit dem All-Star-Break haben sich die Indians Stück für Stück in ihrer Division abgesetzt, der Bullpen überzeugt wie im letzten Jahr und die Offense wurde um Slugger Jay Bruce ergänzt.

6. (6.) Arizona Diamondbacks (66-52) ⇒
Ich weiß nicht warum, aber ich habe schon immer dazu geneigt, die Rockies und die Diamondbacks miteinander zu verwechseln. Dieses Jahr machen sie mir das Leben in dieser Hinsicht besonders schwer, denn sie befinden sich mit exakt gleichem Record in der exakt gleichen Lage.

7. (10.) Colorado Rockies (66-52) ⇒
Weit abgeschlagen von den Dodgers, aber auch deutlich vor jeglicher Konkurrenz um die Wild-Card-Plätze der National League geht es für Colorado und Arizona noch eineinhalb Monate lang allein darum, um das Heimrecht in dem einen entscheidenden Spiel zu kämpfen, auf das sie zusteuern.

8. (8.) New York Yankees (62-55) ⇒
Aaron Judge und mit ihm die gesamte Yankees-Offense ist gegenüber der ersten Saisonhälfte deutlich abgekühlt. Die Ausgangslage, zumindest über die Wild Card in die Playoffs zu kommen, ist aber unverändert gut.

9. (15.) St. Louis Cardinals (61-57) ⇑
Vor zwei Monaten habe ich an dieser Stelle geschrieben: „Traditionell kann man kaum einen größeren Fehler machen, als die Cardinals zu früh abzuschreiben.“ Ich möchte nicht rechthaberisch wirken, aber da habe ich tatsächlich mal Recht gehabt.

10. (13.) Chicago Cubs (62-55) ⇒
Die Cubs sind wieder da – nicht überragend wie im letzten Jahr, aber immerhin solide im positiven Bereich, nachdem sie zur Pause noch mehr Niederlagen als Siege auf dem Konto hatten.

11. (12.) Minnesota Twins (59-57) ⇒
Max Kepler ist gut drauf und die Twins sind es auch mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen. In der Division kommen sie wohl nicht an den Indians vorbei, aber die Wild Card ist in greifbarer Nähe.

12. (5.) Milwaukee Brewers (61-59) ⇓
Im spannenden Dreikampf um die NL Central spielen die Brewers momentan nur die dritte Geige, aber das kann sich schnell wieder ändern und so oder so spielen sie eine großartige Saison.

13. (11.) Kansas City Royals (60-58) ⇒
Die Aufholjagd der Royals endete vorerst in einer Serie von fünf Niederlagen. Seitdem haben sie wieder drei Spiele gewonnen, aber der Schaden ist passiert: Die Indians sind auf fünf Spiele Vorsprung davongezogen.

14. (18.) Los Angeles Angels of Anaheim (62-58) ⇒
Das Feld der Bewerber um den zweiten Wild-Card-Platz der AL ist breit, aber momentan haben überraschend die Angels die Nase vorn. Mike Trout in den Playoffs, das wäre doch was.

15. (9.) Tampa Bay Rays (59-61) ⇓
Auch die Rays hatten kürzlich schon mal den Wild-Card-Platz inne, doch mit derzeit vier Niederlagen in Folge und einer spürbar abgekühlten Offense sieht es für ihre Playoff-Hoffnungen nicht gut aus.

16. (16.) Seattle Mariners (59-61) ⇒
Zu der extremen Unbeständigkeit kommt noch Verletzungspech hinzu, nun hat es Top-Pitcher James Paxton erwischt. Daher sehe ich für die Mariners nur noch Außenseiterchancen auf die Wild Card.

17. (14.) Texas Rangers (57-60) ⇒
Außer den vier „Großen“ der AL – Red Sox, Yankees, Indians, Astros – haben die Rangers als einzige ein positives Run Differential. Für die Playoffs bräuchten sie angesichts der vielen vor ihnen stehenden Konkurrenten dennoch ein kleine Wunder.

18. (20.) Pittsburgh Pirates (58-60) ⇒
Willkommen im Niemandsland der MLB – in der AL hätten die Pirates noch Wild-Card-Chancen, in der NL definitiv nicht.

19. (22.) Baltimore Orioles (59-60) ⇒
Die Orioles hatte ich schon abgeschrieben, inzwischen stehen sie in der Tabelle sogar wieder vor Tampa Bay, getragen von einem wiedererstarkten Manny Machado und einer 9-2-Bilanz in Extra-Inning-Spielen. Ich gehe davon aus, dass beides nicht von Dauer ist.

20. (19.) Toronto Blue Jays (57-61) ⇒
Die Blue Jays sind schlechter als vor der Saison erhofft, aber nicht schlecht genug, um zur Trade-Deadline konsequent zu handeln und die zurzeit eher schwache Farm aufzuwerten. So steuern sie auf eine schwierige Zukunft zu.

21. (23.) Miami Marlins (57-60) ⇒
Die Giancarlo-Stanton-One-Man-Show ist wirklich beeindruckend und ein guter Grund, in Miami ins Stadion zu gehen – der Rest des Teams nicht so sehr. Mal sehen, was Derek Jeter aus dem Club macht, wenn er demnächst als Co-Owner die sportliche Verantwortung übernimmt.

22. (24.) Detroit Tigers (53-65) ⇒
Sportlich ist das Jahr längst gelaufen, aber eine Frage bleibt spannend: Wird Justin Verlander, der beste auf dem Markt befindliche Pitcher, noch getradet? Die Tigers verhandeln offensichtlich zäh, um möglichst viel herauszuholen, aber vielleicht übertreiben sie es dabei auch und bleiben am Ende auf Verlander sitzen.

23. (21.) New York Mets (53-63) ⇒
Die Mets haben deutlich konsequenter getradet, auch wenn man über das Resultat geteilter Meinung sein darf. Die einzigen verbliebenen Saisonziele bestehen darin, junge Leute wie Amed Rosario und Dominic Smith an die MLB zu gewöhnen und diese Woche ein paar Spiele gegen die Yankees zu gewinnen.

24. (25.) Oakland Athletics (52-67) ⇒
Ein weiteres verlorenes Jahr für die A’s, etwas anderes war nicht zu erwarten.

25. (17.) Atlanta Braves (52-64) ⇓
Die kurze Zeit, in der die Braves mit einer ausgeglichenen Bilanz liebäugelten, ist längst vergessen. Aber kein Problem, Rebuilding war der Plan für dieses Jahr.

26. (28.) San Diego Padres (52-66) ⇒
Kann man ein Team, das man als das fünftschlechteste der MLB einstuft, als positive Überraschung bezeichnen? Wenn es die Padres sind, dann schon.

27. (26.) Cincinnati Reds (49-70) ⇒
Die Reds reihen sich ein in die Riege der Rebuilding-Teams, die um eine weitere Saison im Keller der Liga keine Träne weinen.

28. (27.) Chicago White Sox (45-70) ⇒
Am Record sieht man es noch nicht, aber hier wächst etwas möglicherweise Großes heran, denn die White Sox arbeiten seit zwei Jahren eifrig daran, den wohl besten Talentpool der Liga aufzubauen.

29. (29.) San Francisco Giants (47-73) ⇒
Ich habe schon mehrfach geschrieben, dass die Giants dieses Jahr froh sein können, dass es die Phillies und somit ein noch schlechteres Team gibt – aber selbst das kann sich noch ändern, nach Niederlagen stehen die beiden sogar schon gleichauf.

30. (30.) Philadelphia Phillies (43-73) ⇒
Die Phillies verlieren auch weiterhin die meisten ihrer Spiele, doch es gibt Lichtblicke in Form ansehnlich auftretender junger Spieler wie zum Beispiel Pitcher Aaron Nola und First Baseman Rhys Hoskins, der gestern seine ersten beiden Homeruns schlug.

⇑= 5 oder mehr Plätze höher als im Juli-Ranking
⇓= 5 oder mehr Plätze niedriger als im Juli-Ranking
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zum Juli-Ranking

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August 13th, 2017 by Dominik

Als Fan der New York Mets hat man es zurzeit nicht leicht. Nicht nur, weil die Ergebnisse der Mets in dieser Saison massiv enttäuschen und nicht nur, weil (tatsächliche oder vermeintliche) Stars wie Matt Harvey, Noah Syndergaard und David Wright ständig verletzt sind – sondern auch und vor allem, weil derzeit fast täglich ein etablierter und beliebter Spieler weg getradet wird: Zuerst gingen kurz vor der Trade-Deadline First Baseman Lucas Duda (Tampa Bay Rays) und Closer Addison Reed (Boston Red Sox), nach der Deadline folgten Outfielder Jay Bruce (Cleveland Indians) und letzte Nacht Second Baseman Neil Walker (Milwaukee Brewers).

Alle vier waren mehr oder weniger Leistungsträger bei den Mets und auf den ersten Blick fällt es schwer zu verstehen, dass die Teamverantwortlichen sich für relativ wenig Gegenleistung von ihnen trennten. Alle genannten Spieler wurden gegen nicht mehr als ein paar nachrangige Minor-League-Reliever oder einen „Player to be named later“ eingetauscht. Bei näherem Hinsehen wird aber auch klar, dass es für die Mets sinnvoll war, diese Spieler abzugeben und dass die eigene Verhandlungsposition dabei nicht besonders stark war: Die vier standen nur noch für dieses Jahr unter Vertrag und hätten den Verein jeweils mehrere Millionen Dollar an Gehalt gekostet. Diese Gehälter wollten die Mets sich sparen, da für sie sportlich in diesem Jahr ohnehin nichts mehr erreichbar ist. Sie mussten also Tradepartner finden, die bereit sind, die Restgehälter der Spieler zu übernehmen. Das war für die Mets die Priorität und das ist ihnen gelungen. Auf der anderen Seite mussten sie darauf verzichten, von den aufnehmenden Teams hochwertige Prospects zu verlangen.

Verständlich ist das Handeln der Mets also, gut finden muss man es deswegen aber noch lange nicht: Als Fan möchte man natürlich immer vielversprechende Talente zum eigenen Team kommen sehen und schert sich recht wenig darum, ob die Teambesitzer ein paar Millionen Dollar sparen oder nicht. Das gilt insbesondere, wenn die Owner – so wie die Mets-Besitzer Fred und Jeff Wilpon – als knauserig bekannt sind und somit die Befürchtung besteht, dass das Geld tatsächlich gespart wird statt es in das Team der Zukunft zu investieren.

Die Zukunft hat derweil begonnen, indem die Mets in den letzten Tagen in Shortstop Amed Rosario und First Baseman Dominic Smith die beiden aussichtsreichsten Prospects ihres Farmsystems in das MLB-Team geholt haben. Beide sollen in den kommenden Jahren tragende Säulen der Mannschaft bilden, gemeinsam mit den Outfieldern Michael Conforto und Yoenis Cespedes. Alle anderen Positionen sind mehr oder weniger vakant wegen auslaufender Verträge (OF Curtis Granderson, IF Jose Reyes, C René Rivera), schwankender Leistungen (C Travis d’Arnaud, IF Asdrubal Cabrera, IF Wilmer Flores, OF Brandon Nimmo) und einem wahrscheinlich anstehenden Karriereende (3B David Wright).

Anders als vor der laufenden Saison, als die Mets auf Kontinuität setzten und damit baden gingen, steht in der kommenden Offseason ein größerer Umbruch an. Offen ist noch, ob es ein echtes Rebuilding-Projekt wird, mit dem man sich für ein paar Jahre selbst aus dem Rennen nimmt, oder ob die Mets anstreben, sich zügig neu zu formieren und direkt wieder anzugreifen. Letzteres wäre natürlich schöner, kann aber nur funktionieren, wenn man von Vereinsseite her erstens bereit ist, nennenswert Geld in die Hand zu nehmen und für die vakanten Positionen echte Verstärkungen an Land zu ziehen. Zweitens sind die Konzepte und Personalien der Medizin- und Trainingsabteilungen überarbeitungsbedürftig, denn die Verletzungsgeschichten der letzten Jahre sind zu zahlreich und intensiv als dass man sie auf reines Pech zurückführen könnte. Bekäme man dieses Problem in den Griff, so könnte die Pitcher-Rotation ohne größere Personaländerungen in der Lage sein, die Erwartungen zu erfüllen, denen sie dieses Jahr nicht gerecht wurde. Drittens und vor allem anderen ist eine Entscheidung über die Zukunft von Manager Terry Collins zu treffen. Der 68-Jährige, dessen Vertrag ebenfalls ausläuft, ist ein sehr sympathischer Mensch und steht immer felsenfest hinter seinen Spielern. Aber seine lange Liste zweifelhafter Entscheidungen beim Lineup-, Batting-Order-und In-Game-Management, seine übertriebene Nibelungentreue zu formschwachen Veteranen und seine Tendenz, Reliever zu verheizen, sprechen dagegen, an ihm noch länger festzuhalten. Ich mag Collins wirklich sehr, doch ich finde es ist an der Zeit, ihm einen freundlichen und ehrenvollen Abschied zu bereiten und auch von Seiten des Managements frischen Wind ins Team zu bringen.

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