Category: Rezensionen

April 9th, 2018 by Dominik

Es gibt mal wieder neuen Lesestoff für deutschsprachige Baseballfans: In der Reihe „111 Gründe…“ des Verlags Schwarzkopf & Schwarzkopf, in der bereits zahlreiche Sportarten, Vereine, Länder und vieles mehr mit Liebeserklärungen bedacht wurden, gibt es nun auch ein Buch über Baseball. Geschrieben hat es Sascha Staat, der vielen wegen seines (leider zurzeit inaktiven) Podcasts „Bases Loaded“ ein Begriff sein dürfte.

Das Grundprinzip des Buches – und der ganzen Reihe – besteht in einer Sammlung von interessanten, nützlichen und/oder amüsanten Fakten und Anekdoten. Die Gliederung in 111 Gründe ist natürlich nur der formale Aufhänger, von daher drückt man gern mal ein Auge zu, wenn manche der Gründe ein bisschen zu bemüht klingen (z. B. „…weil man als Dieb ein positives Image hat“ als Anlass, um über Basestealing zu sprechen).

Mein persönlicher Eindruck von „111 Gründe, Baseball zu lieben“ ist offen gestanden etwas zwiespältig. Auf der einen Seite freue ich mich natürlich über ein weiteres deutschsprachiges Baseballbuch, denn davon gibt es immer noch viel zu wenige. Zudem hat Staat einen durchaus angenehmen Schreibstil und auch wenn man als Intensiv-Fan vieles von dem, worüber er schreibt, schon kennt, gibt es durchaus einiges Neues zu lernen. Auf der anderen Seite weist das Buch in meinen Augen aber auch einige Defizite auf, die ich nicht verschweigen möchte.

Ein Defizit ist, dass der Text nicht sonderlich sorgfältig lektoriert wurde. Es sind für meinen Geschmack deutlich zu viele Fehler im Satzbau und in der Zeichensetzung übersehen worden. Das mag spitzfindig klingen, aber ab einer gewissen Häufung hemmt es den Lesefluss. Auch wurde offenbar an irgendeiner Stelle des Entstehungsprozesses die Reihenfolge der 111 Gründe geändert, ohne dass die im Text verwendeten Verweise angepasst wurden. Es steht dann zum Beispiel in Grund 64 „siehe Grund 24“, obwohl sich in Grund 24 gar nichts zu dem betreffenden Thema findet. Der Gipfel der Schlamperei – sorry, dass ich es so nennen muss – ist, dass die „111 Gründe“ in Wirklichkeit nur 110 sind, denn für die Gründe 105 und 106 wurde direkt hintereinander ein und derselbe Text einfach zweimal abgedruckt.

Das zweite, für mich schwerwiegendere Defizit sind sachliche Fehler. Beispielsweise wird als ein Grund, Baseball zu lieben, angeführt, dass der Heimvorteil größer sei als in anderen Sportarten. Das ist genauso falsch wie die Behauptung, die Ticketpreise seien beim Baseball günstiger als in der Fußball-Bundesliga. Ebenso wird die Statistik „Wins Above Replacement“ (WAR) falsch dargestellt und und Jackie Robinson als erster Afro-Amerikaner in der MLB bezeichnet.

Wir sind alle Menschen und Menschen machen Fehler, aber hier sind es für meinen Geschmack zu viele – die obige Aufzählung ist nur eine Auswahl -, die es unentdeckt und unkorrigiert ins gedruckte Buch geschafft haben. Schade, denn mit ein bisschen mehr Sorgfalt – ein, zwei Tage hätten gereicht, um das fertige Werk noch mal durchzusehen und ein paar Fakten zu überprüfen -, wäre das ein richtig schönes Baseballbuch geworden. So kann ich es allem guten Willen zum Trotz leider nur eingeschränkt empfehlen und feststellen, dass im deutschsprachigen Raum an den Büchern von Göran Fiedler für den Einstieg und Claus Melchior zur Vertiefung nach wie vor kein Weg vorbei führt.

„111 Gründe, Baseball zu lieben. Eine Liebeserklärung an die großartigste Sportart der Welt“ ist vor wenigen Tagen als 330 Seiten starkes Paperback im Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag erschienen und für 9,99 Euro im Buchhandel erhältlich.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat wie immer keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

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April 2nd, 2018 by Dominik

Die MLB-Saison 2018 läuft – soweit es der späte Wintereinbruch in den USA zulässt – auf Hochtouren und es ist höchste Zeit, dass ich hier nach der führenden Baseball-Simulation MLB The Show auch die führende Baseball-Management-Simulation in ihrer neuesten Version vorstelle. Grundlegendes zu Out of the Park Baseball habe ich schon in meinem Artikel zu OOTP 18 geschrieben, daher gehe ich heute vor allem auf die Neuerungen der vor ein paar Tagen erschienenen jüngsten Ausgabe ein.

Ähnlich wie bei The Show bestehen die Veränderungen von OOTP gegenüber dem Vorjahr hauptsächlich in optischen Verbesserungen. Stark überarbeitet wurde vor allem die animierte Darstellung der Spiele. Hier sind nun erstmals nicht mehr nur Mensch-ärgere-dich-nicht-Kegel sondern echte Spieler zu sehen. Gegenüber den Vorgängern ist das eine kleine Revolution und lässt deutlich mehr TV-Feeling aufkommen. Wie im ganzen Spiel steckt in dieser Neuerung viel Arbeit und Liebe zum Detail. Für mich persönlich fällt sie aber ehrlich gesagt nicht sehr stark ins Gewicht, da mir bei OOTP die Rolle des General Managers am meisten Spaß macht und ich mir selten die Zeit nehme, die einzelnen Begegnungen ausführlich anzuschauen.

Erstmals mit animierten Männchen: das Gameplay von OOTP 19

Auch die grafischen Oberflächen der Manager-Homescreens sehen auf den ersten Blick anders aus als bisher. Auf den zweiten Blick wurden aber nur wenige Screens wirklich neu designt, ansonsten besteht die Änderung vor allem in neuen Hintergründen und einem dunklen Menüstil mit Semitransparenz, der nun Grundeinstellung ist. Meinen Geschmack trifft dieser Stil nicht ganz, das macht aber überhaupt nichts, denn zum Glück lässt sich das wie sehr vieles in diesem Spiel individuell anpassen. Die Individualisierungsmöglichkeiten von OOTP wurden gegenüber den Vorgängern übrigens noch erweitert; man kann nun zum Beispiel auch Widgetgrößen, Schriftarten und einiges mehr nach Belieben ändern.

Das neue Menüdesign ist mir ein bisschen zu unruhig, aber…

…zum Glück ist eine nüchternere Darstellung nur wenige Klicks entfernt

Alles in allem ist OOTP 19 noch schöner und noch individueller geworden, am eigentlichen Spiel hat sich aber kaum etwas verändert. Für mich ist das Wichtigste an der Neuauflage die Aktualisierung der Roster und Spielerbewertungen, die OOTP wie gewohnt nicht nur für die MLB sondern auch für das komplette Minor-Leaue-System und zahlreiche Baseball-Ligen weltweit zu bieten hat. Das Fazit bleibt somit auch dasselbe wie das meines Artikels über OOTP 18: Out of the Park Baseball ist ein hervorragendes Spiel, das sich kein Baseballfan entgehen lassen sollte. Die von mir beim vorherigen Test identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten bleiben ebenfalls dieselben: Am meisten würde ich mir eine Integration der Baseball-Bundesliga wünschen (dies scheitert bislang an Lizenzschwierigkeiten) und der Realismus der Trade-AI hat nach wie vor Luft nach oben.

Eine größere Neuigkeit wird übrigens noch folgen: Voraussichtlich im Laufe des Sommers soll für OOTP 19 ein komplett neuer Online-Modus namens „Perfect Team“ in Form eines kostenlosen Updates nachgeliefert werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf und werde zu gegebener Zeit darüber berichten.

Einstweilen habe ich mein persönliches Projekt gestartet, das ich schon seit dem Test von OOTP 18 geplant hatte: eine Saison mit den New York Mets in Echtzeit parallel zur realen Saison. Die Eröffnungsserie gegen die Cardinals habe ich übrigens genau wie die echten Mets 2:1 gewonnen, wenngleich in veränderter Reihenfolge (erst die Niederlage, dann zwei Siege). Das heutige* Match gegen die Phillies habe ich auch schon gespielt. Wenn ihr wissen wollt, wie es (hoffentlich auch im richtigen Leben) ausgeht:

Schöner Erfolg für die Mets im ersten Spiel gegen die Phillies

Es gibt übrigens kaum Ausreden, OOTP 19 nicht zu kaufen: Man bekommt es über die Plattformen Steam und Origin ebenso wie als direkten Download auf der Herstellerseite und es ist nach wie vor sowohl für Windows als auch für Mac und Linux verfügbar.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

*PS: Und nur eine Stunde nach dem Verfassen dieses Artikels stehe ich vor der Frage, wie ich damit umgehe, dass ich ein für heute angesetztes Spiel gespielt habe, das nun in Wirklichkeit des Wetters wegen auf den 9. Juli (!) verlegt wurde…

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März 23rd, 2018 by Dominik

Wie üblich kommen kurz vor Beginn der MLB-Saison die etablierten Baseball-Videospiele mit neuen Versionen auf den Markt. Die Nummer eins unter ihnen ist seit Jahren „MLB The Show“, das seit 2006 existiert und am kommenden Dienstag, dem 27. März, in seiner dreizehnten Auflage namens „MLB The Show 18“ erscheint. Zum Leidwesen der Besitzer anderer Systeme ist The Show schon immer ein Titel, der exklusiv für die Playstation angeboten wird – früher für die Playstation 3, seit letztem Jahr nur noch für die Playstation 4. Bekommen kann man das Spiel in Deutschland über den gut sortierten Onlinehandel oder natürlich über den Playstation-Store – als Vorbesteller kann man The Show dort übrigens schon ab heute herunterladen.

Das Spielprinzip
Da ich auf diesem Blog zum ersten Mal eine Version von The Show vorstelle, beginne ich mit einer grundlegenden Beschreibung des Spiels. Wer schon frühere Versionen gespielt hat, kann getrost zur nächsten Überschrift springen.

The Show ist in erster Linie eine Simulation des Baseballspiels auf dem Feld, obwohl es auch Manager- und Storyelemente enthält. Das grundlegende Spielprinzip ist einfach: Wenn man am Schlag ist, kann man per Knopf oder Analogstick die Zielrichtung und die Härte des Schwungs beeinflussen, wobei vor allem das Timing entscheidend dafür ist, ob man erfolgreiche Hits landet oder nicht. Sobald man Baserunner hat, kann man zum Beispiel versuchen, Bases zu stehlen, man kann bei einem Flyball entscheiden, ob man direkt rennt, erst mal an der Base tagt und dann losläuft oder ganz dort bleibt usw. Kurz gesagt, man kann so ziemlich alles tun, was auch im echten Spiel möglich ist. Die Steuerung ist recht eingängig und bietet diverse Optionen, sie an den eigenen Geschmack anzupassen. Das gilt in gleicher Weise auch für die defensive Seite des Spiels: Man wählt aus dem Repertoire des jeweiligen Pitchers einen Pitch aus, lokalisiert den gewünschten Punkt innerhalb oder außerhalb der Strikezone und bestimmt dann je nach Steuerungsoption durch zeitgerechtes Knöpfchen- oder Hebeldrücken die Geschwindigkeit und Genauigkeit des Pitches. Sobald der Ball im Spiel ist, steuert man den jeweils nächsten Fielder, um den Ball entweder zu fangen oder ihn aufzunehmen und an die richtige Base zu werfen.

Im simpelsten Fall spielt man auf diese Weise eine einzelne Partie, wahlweise online oder offline, alleine oder mit zwei bis vier Spielern, von denen bis zu zwei ein Team gemeinsam steuern können. Natürlich kann man auch eine ganze Saison oder nur die Playoffs spielen. Einen Schritt weiter geht der Franchise Mode, bei dem man ein Team langfristig als General Manager führt. Man kann diesen Modus als reine Management-Simulation spielen, wobei man meiner Ansicht nach merkt, dass dies nicht der Schwerpunkt der Entwickler ist – mit einem puren Managerspiel wie „Out of the Park Baseball“ kann The Show in diesem Feld nicht mithalten (übrigens gibt es auch von OOTP eine neue Version, die ich im Laufe der nächsten Tage ebenfalls vorstellen werde). Was der Franchise Mode von The Show einem reinen Manager voraus hat, ist die Möglichkeit, in die Spiele aktiv einzugreifen und zwar entweder indem man sie komplett selbst steuert oder aber sich auf ausgewählte entscheidende Spielszenen beschränkt.

Ein weiterer Modus nennt sich „Road to the Show“ (RTTS). Hier schlüpft man in die Rolle eines einzelnen Spielers, dessen Geschicke man über seine gesamte Karriere hinweg steuert, von der Draft über die Minor Leagues bis in die MLB. Für mich persönlich ist das der Modus mit der größten Langzeitmotivation. Erfreulicherweise kann man einen Spieler, mit dem man RTTS in The Show 17 gespielt hat, in The Show 18 importieren und mit ihm weiterspielen. Dieses Fortsetzen von alten Spielständen ist übrigens auch im Franchise Mode möglich.

In „Diamond Dynasty“ baut man sich ein Team über virtuelle Sammelkarten und Items auf, ähnlich wie FIFA-Spieler es von „Ultimate Team“ kennen. Das ist für mich ein Modus, zu dem ich nie einen nennenswerten Zugang gefunden habe, aber das ist sicher Geschmackssache.

Für alle, die einfach mal ein paar Bälle über den Zaun hauen möchten, lohnt sich das Homerun Derby. Abgerundet wird das Portfolio des Spiels durch wöchentliche Online-Challenges sowie die Möglichkeit, verschiedene Trainings und Tutorials zu absolvieren.

Besonders gut finde ich, dass der Schwierigkeitsgrad von The Show sehr variabel ist und sowohl manuell als auch automatisch angepasst werden kann. Das funktioniert sehr gut, sodass das Spiel sowohl für langjährige Spieler wie mich als auch für absolute Neulinge wie meinen 6-jährigen Sohn gleichermaßen angemessen herausfordernd und nie frustrierend ist.

Die Neuerungen von MLB The Show 18
Kommen wir zu dem, was an The Show 18 anders ist als an den Vorgängern. Das ist zunächst mal nicht viel, jedenfalls was das prinzipielle Gameplay betrifft. Alles, was ich oben über das Spiel geschrieben habe, traf schon auf die vorherige Version zu und auch auf die davor. Das muss nichts Schlechtes sein, denn The Show ist einfach ein sehr gutes und sehr ausgereiftes Spiel, das man nicht jedes Jahr neu erfinden muss. Die meisten Änderungen sind dementsprchend eher kosmetischer Natur: Es gibt jetzt einen Batting Stance Generator und ein erweitertes Replay-System, die Reaktionen der Spieler und Zuschauer auf Ereignisse im Spiel sind vielfältiger und realistischer geworden, die Wettereffekte wurden verbessert, die Spieler sehen noch etwas lebensechter aus als zuvor und natürlich wurden alle Roster auf den aktuellen Stand gebracht. Was mir besonders gut gefällt ist, dass es jetzt auch Rain Delays gibt. Aber keine Sorge, das heißt nicht, dass man zwei Stunden untätig vor dem Bildschirm sitzen und warten muss, ob das Spiel fortgesetzt wird – man sieht aber, wie die Groundcrew aktiv wird, und darf zum Beispiel die taktische Entscheidung treffen, ob man den aktuellen Pitcher nach der Pause wieder aufs Feld schickt oder nicht.

Mehr als nur kosmetische Veränderungen gab es am Modus RTTS. Hier gibt es jetzt deutlich größere Storyanteile als früher. Man erstellt nun am Anfang nicht nur wie bisher einen Spieler, den man entweder frei oder in Anlehnung an einen realen Akteur gestaltet, sondern man wählt auch eine Grundausrichtung, das heißt ob man sich z. B. eher als Power Hitter sieht oder ob die eigene Spielweise mehr auf Kontakt und Speed beruht. Abhängig davon erhält man bestimmte Start- und Maximalwerte für die Spielerentwicklung. Zudem findet man sich gelegentlich in Dialogsituationen mit Scouts, Coaches und Managern wieder, in denen man unter verschiedenen Antworten wählen kann, welche wiederum Auswirkungen auf das Spiel haben.

Eine weitere Neuerung sind drei zusätzliche Teams, die in The Show aufgenommen wurden. Neben den 30 MLB-Teams plus Minor-Affiliates und den zwei aktuellen All-Star-Teams gibt es nun drei Teams mit Legenden aus je unterschiedlichen Ären des Baseballs. Auf diese Art sind nun auch beispielsweise Babe Ruth und Jackie Robinson mit von der Partie. Die Spieler aus den Legenden-Teams können auch im Homerun Derby gewählt werden und sind in die Diamond Dynasty integriert.

Was man noch besser machen könnte
Alles in allem liefert The Show 18 so ab, wie man es gewohnt ist: stark wie eh und je mit wohldosierten punktuellen Verbesserungen. Ich schicke daher erst mal eine klare Empfehlung voraus, bevor ich auf ein paar Punkte eingehe, an denen bei mir noch Wünsche offen bleiben.

Ich habe ja schon erwähnt, dass mir die neuen Rain Delays gut gefallen. Schön wäre, wenn man auch den nächsten Schritt ginge, indem für die längerfristig angelegten Modi auch Rainouts und die Ansetzung von Doubleheadern zu den möglichen Ereignissen gehören würden. Soweit ich es bisher erforschen konnte, gibt es so etwas in The Show 18 nach wie vor nicht.

Sehr schade finde ich, dass im Spiel die Tiefe der Minor Leagues nicht abgebildet wird. Berücksichtigt sind nur AA und AAA und selbst auf diesen Ebenen bietet The Show leider nicht die echten Ballparks. Enthalten sind nur die 30 MLB-Ballparks sowie 18 historische Ballparks, während für die Minor Leagues und das Spring Training nur je eine Handvoll Standardstadien zur Verfügung stehen.

Wo wir schon bei der Tiefe des Spiels sind: Eine Ausweitung würde ich mir nicht nur in Richtung Minor Leagues, sondern auch in Richtung Internationales wünschen. Ein guter Anfang wären ein paar Ballparks und Nationalmannschaften, um beispielsweise den World Baseball Classic nachspielen zu können. Reizvoll wären auch Nicht-US-Ligen wie die NPB oder die karibischen  Ligen – darauf zu hoffen, wäre wohl unrealistisch, obwohl die Manager-Simulation Out of the Park Baseball vormacht, wie es geht.

Die Darstellung des Spiels wird zwar von Jahr zu Jahr besser, aber mir fallen immer noch einige relativ alltägliche Szenen ein, die ich in The Show bislang noch nicht gesehen habe – zum Beispiel Kollisionen von Fieldern, die beide auf dem Weg zum Ball sind, oder Spieler, die beim Fangen eines Foulballs die Barriere zum Zuschauerraum überspringen. Hier könnte man also durchaus noch etwas tun.

Was ich mir außerdem sehr wünsche, sind mehr Statistiken. Die Sabermetrics-Revolution ist bislang relativ spurlos an MLB The Show vorüber gegangen, man sucht leider vergeblich nach fortgeschrittenen Indikatoren wie wRC oder DRS und nach Splits wie z. B. Ergebnissen gegen Rechts- und Linkshänder oder in Heim- und Auswärtsspielen.

 

 

Zum Schluss der übliche Transparenz-Hinweis: Das Spiel wurde mir zum Vorabtest als kostenloses Rezensionsexemplar vom Hersteller zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest hier immer meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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Januar 27th, 2018 by Dominik

Passend zur Artikelserie über die Ballparks der MLB stelle ich heute ein Buch vor, in dessen Mittelpunkt das älteste und berühmteste Baseball-Stadion der Liga steht. „Murder At Fenway Park“ von Troy Soos ist ein Krimi vor historischer Kulisse. Es handelt sich um den Auftakt einer bislang siebenteiligen Reihe um den fiktiven Baseball-Profi Mickey Rawlings.

Das erste Buch der Serie spielt im Jahr 1912, in dem Rawlings, ein mittelmäßig talentierter Utilitiy-Spieler, sein MLB-Debüt für die Boston Red Sox erlebt. Rawlings‘ erster Besuch im nagelneuen Fenway Park, bei dem er sich dem Manager vorstellen soll, wird zu einem Schockerlebnis: In den Kabinenräumen des leeren Stadions findet er die Leiche eines (natürlich mit einem Baseballschläger) erschlagenen Teamkameraden. Für Polizei und Vereinsführung, die den Mord am liebsten vertuschen oder wenigstens schnell einen Schuldigen präsentieren wollen, ist Rawlings der naheliegende Verdächtige. Um seinen Namen reinzuwaschen und seine Baseballkarriere zu retten, beginnt er selbst zu ermitteln und gerät schnell in ein Geflecht unterschiedlicher Interessen und Gefahren.

Der Autor müht sich mit Erfolg, zwei Ansprüchen gleichzeitig gerecht zu werden: Zum einen erzählt er einen spannenden Krimi, zum anderen erweckt er ein für jeden Baseballfan interessantes historisches Setting zum Leben. Im Rahmen einer fiktionalen Geschichte erhält man einen guten und – soweit ich das beurteilen kann – realistischen Eindruck von der Atmosphäre und den Themen der Gesellschaft des frühen 20. Jahrhunderts im Allgemeinen und des damaligen Baseballs im Speziellen. Nebenbei lernt man eine Menge interessanter und manchmal lustiger Fakten – zum Beispiel dass Baseballprofis damals nur heimlich ins Kino gehen konnten, weil die flackernden Bilder als schädlich für die Augen galten; dass das hervorstechendste Merkmal von Fenway Park damals ein ansteigendes Leftfield war; und dass Ty Cobb ein ziemlich unsympathischer Zeitgenosse war, auch wenn man Letzteres wahrscheinlich schon woanders gelesen hat.

Soos erfindet weder den historischen Roman noch den Krimi neu, aber ihm ist ein höchst unterhaltsames Werk gelungen, dass ich gern weiterempfehle und dessen Fortsetzung „Murder At Ebbets Field“ ich mir sicher bald zu Gemüte führen werde.

Leider gibt es von „Murder At Fenway Park“ sowie von den restlichen Teilen der Reihe bislang keine deutsche Übersetzung. Der Schreibstil ist allerdings recht bodenständig, sodass man den Roman auch mit nur mittelmäßigen Englischkenntnissen im Original gut lesen bzw. hören kann. Mir selbst fällt es mangels Übung manchmal schwer, englischsprachigen Podcasts oder Filmen durchgängig zu folgen, aber das von Johnny Heller gelesene Hörbuch konnte ich mir problemlos und mit Genuss anhören.

„Murder At Fenway Park“ ist in gedruckter Fassung als gebundenes oder Taschenbuch über die großen Online-Buchhändler erhältlich. Die Lieferung dauert meist etwas länger als gewohnt, weil so ein für deutsche Verhältnis recht spezielles Buch in der Regel nicht auf Lager ist. Einfacher bekommt man es als E-Book oder als Hörbuch-Download.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich – in der Audible-Hörbuch-Fassung – selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Januar 7th, 2018 by Dominik

Wenn euch die 81 Tage bis zum Opening Day der MLB auch noch so furchtbar lang erscheinen wie mir, dann lest doch noch ein nettes Baseballbuch. Ein paar gute Kandidaten dafür habe ich in der Vergangenheit schon vorgestellt, heute kommt ein weiterer hinzu.

Vorausschicken muss ich, dass Göran Fiedler sich mit „Baseball für Fußballfans“ eher nicht an ein Publikum richtet, das sich bereits regelmäßig mit Baseball beschäftigt. Der Titel ist allerdings auch etwas irreführend; meiner Ansicht nach wäre die Zielgruppe mit „sportinteressierte Europäer“ treffender beschrieben. Meistens sind das zwar Fußballfans, aber das Buch ist in keiner Weise so angelegt, dass es seine Leser mit zahlreichen Vergleichen gezielt beim Fußball abholen würde. Das ist auch gut so, denn solche Vergleiche von kaum vergleichbaren Sportarten, die ihre jeweils eigenen Reize haben, wären auf Dauer wohl eher nervig.

Fiedlers tatsächliches Vorgehen ist weit angenehmer: Verpackt in launige Anekdoten bringt er dem Leser den Baseballsport näher, angefangen bei den wichtigsten Regeln und Grundbegriffen über Wissenswertes zu einzelnen Teams und ihrer Geschichte bis hin zu dem Lebensgefühl und der Alltagsrelevanz des Baseballs in der amerikanischen Kultur.

Das Buch ist eine amüsant und flüssig zu lesende und auf das wesentliche beschränkte Einführung. In seiner ersten Auflage von 2011 kam es mit gut 90 Seiten aus, mittlerweile liegt die vierte Auflage von 2016 vor und ist um einen rund 50-seitigen zweiten Teil gewachsen. In diesem geht Fiedler zu ausgewählten Aspekten ein wenig mehr in die Tiefe: Beispielsweise gibt er Tipps, wo man im Stadion am besten sitzen sollte, erklärt das Franchise-System der Major- und Minor-Leagues und geht auch kurz auf Baseball in Deutschland ein.

Ich empfehle das Buch für alle, die sich ein Grundwissen über Baseball aneignen wollen. Auch als Geschenk für Leute, die man zum Baseball „bekehren“ möchte, ist es sehr gut geeignet. Diese fühlen sich möglicherweise sogar von dem Titel angesprochen, den ich wie gesagt etwas unglücklich gewählt finde. Aber das ist eigentlich auch schon alles, was ich zu kritisieren habe. Außer vielleicht, dass ich mir etwas mehr Struktur gewünscht hätte in dem Sinne, dass man die Kapitel nicht nur durchnummeriert, sondern sie auch mit Überschriften versieht. Vielleicht ist das ja eine brauchbare Anregung für die nächste Auflage.

„Baseball für Fußballfans“ ist als Book on Demand erschienen. Ihr erhaltet es als Taschenbuch für 8,90 Euro oder als E-Book für 5,99 Euro beim Buchhändler eures Vertrauens.

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Buch habe ich – in der Tolino-E-Book-Fassung – selbst erworben und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 18th, 2017 by Dominik

Dies ist ein kleiner Nachtrag zu meiner Vorstellung des Brett- und Würfelspiels „Bottom of the 9th“. Wie ich inzwischen erfahren habe, gibt es auch eine Umsetzung des Spiels als App für Android und iOS. Beide Versionen sind in den App-Stores von Google bzw. Apple für 4,99 Dollar erhältlich. Ich habe die App auf meinem Android-Smartphone getestet und möchte kurz davon berichten.

Die Umsetzung ist sehr originalgetreu erfolgt. Sowohl der Spielverlauf als auch die Inhalte der Spielerkarten mit den speziellen Fähigkeiten und Eigenheiten wurden 1:1 vom Brettspiel übernommen. Auch das grafische Konzept bietet sehr hohen Wiedererkennungswert.

Das Spiel bietet alles, was man von einer Brettspieladaption erwarten kann: Man kann wahlweise gegen den Computer oder gegen einen menschlichen Gegner antreten, wobei letzterer sowohl am gleichen Gerät spielen kann als auch an seinem eigenen. Für das Online-Duell kann man entweder direkt einen Freund herausfordern oder man lässt das Spiel nach einem geeigneten Gegner suchen. Auch die aus dem Brettspiel bekannte Einzelspielerkampagne kann man in der App spielen. Vor allem für Neueinsteiger sind die Tutorials zum Pitching und Batting interessant. Diese reichen völlig aus, um direkt loszulegen, aber auch eine vollständige Anleitung ist enthalten.

Einziger Negativpunkt für mich ist, dass man über die App leider selten spontan einen Gegner für ein virtuelles Kräftemessen findet – offenbar ist dafür der Verbreitungsgrad des Spiels noch zu gering und mit Sicherheit spielt es auch eine Rolle, dass die meisten potenziellen Gegner sich in einer anderen Zeitzone befinden. Zudem ist mir aufgefallen, dass die App recht stark am Akku saugt. Dem kann man aber begegnen, indem man in den Optionen den Grafik-Level ein bisschen nach unten schraubt.

Alles in allem bestätigt die App-Version von „Bottom of the 9th“ das rundum positive Bild, das ich bereits von dem Brettspiel gewonnen hatte. Sie kann letzteres auch komplett ersetzen, aber das ginge mir persönlich dann doch zu weit: Mit echten Würfeln, Karten und Figuren am Tisch zu spielen, steht für mich definitiv noch ein Stückchen über dem Touchscreen-Vergnügen. Aber für ein kleines Trainingsspielchen zwischendurch, insbesondere wenn man irgendwelche Wartezeiten zu überbrücken hat, ist die App perfekt.

 

Transparenz-Hinweis: Die Firma Handelabra Games war so freundlich, mir die App für den Test kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auf meine Bewertung hat das selbstverständlich keinen Einfluss und ich erhalte sonst keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 9th, 2017 by Dominik

Die beiden spannendsten Fragen der Offseason sind geklärt. Trotzdem erlaube ich mir, die Herren Shohei Ohtani und Giancarlo Stanton bis zum Grand Slam am Donnerstag auf meinen Senf warten zu lassen und erst einmal das Versprechen einzulösen, das ich im Artikel über „What About Baseball“ gegeben habe: Rechtzeitig vor Weihnachten stelle ich heute ein weiteres Baseball-Brettspiel vor – und nicht nur irgendeines, sondern meinen bisherigen Favoriten. „Bottom of the 9th“ heißt das gute Stück aus der kleinen, aber feinen Spieleschmiede „Dice Hate Me Games“.

Die Schachtel von „Bottom of the 9th“ macht auf den ersten Blick einen recht mickrigen Eindruck, sie hat eher die Größe eines Reisespiels. Aber das täuscht, denn an Inhalt wird einiges geboten: neben dem Spielfeld drei Batter- und diverse Markierungssteine, allesamt aus Holz, drei Würfel und ein Stapel Karten mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Bestimmungen.

So hochwertig die Materialien sind, so durchdacht ist auch das Spielprinzip. Das übliche Szenario eines Duells zwischen zwei Spielern ist ein Unentschieden im unteren neunten Inning, das dem Spiel auch seinen Namen gegeben hat. Ein Spieler pitcht, der andere Spieler schlägt und die spielentscheidende Frage ist, ob das Team am Schlag einen Run und damit den Walk-off erzielen kann. Daneben gibt es noch eine Reihe von Karten mit weiteren Szenarien, die insbesondere – aber nicht nur – für die Einzelspielervariante gedacht sind. Natürlich kann man auch eine Partie über volle neun Innings spielen, was allerdings nicht empfohlen wird, weil es sich doch ziemlich zieht.

Gepitcht und geschlagen wird auch bei diesem Spiel durch Würfeln, doch am Beginn jedes At Bats steht erstmal der Staredown zwischen Pitcher und Batter: Dieser besteht darin, dass der pitchende Spieler verdeckt die Richtung seines Pitches (high/low und inside/outside) festlegt und der schlagende Spieler versucht, diese ebenfalls verdeckt vorherzusagen. Je nachdem, wie gut ihm dies gelingt, hat in der anschließenden Würfelrunde einer der Spieler einen Vorteil, indem er zum Beispiel ein zweites Mal würfeln oder das Würfelergebnis um +/-1 verändern darf. Gewürfelt wird immer zuerst vom Pitcher mit zwei Würfeln. Danach ist der Batter an der Reihe – je nach Pitch versucht er, eine höhere oder eine niedrigere Zahl zu erzielen als der Pitcher und somit einen Treffer zu landen oder einen Ball passieren zu lassen.

Die Komplexität und der Abwechslungsreichtum des Spiels werden zusätzlich dadurch gefördert, dass man sich aus den Spielerkarten ein individuelles Lineup zusammenstellt, in dem jeder Spieler bestimmte Stärken und Schwächen hat. Dasselbe gilt für die Pitcher, die obendrein ermüden können, insbesondere wenn sie zu oft ihren jeweiligen Spezialpitch werfen.

Ihr merkt schon, das Spiel bietet eine Menge Möglichkeiten, den Verlauf durch eigene Entscheidungen und Taktiken zu beeinflussen. Das unterscheidet es deutlich vom letzte Woche vorgestellten „What About Baseball“ und ist äußerst förderlich dafür, oft und lange Spaß daran zu haben.

Ich habe mich letzte Woche schon darüber ausgelassen, dass ich die Altersempfehlung ab 8 Jahren im Fall von „What About Baseball“ für eindeutig zu hoch gegriffen halte. Bei „Bottom of the 9th“ geht es mir ähnlich: Laut Angabe auf der Packung soll es für ein Alter ab 13 geeignet sein. Meiner Einschätzung und Erfahrung nach kann man es einem baseball- und brettspielinteressierten Achtjährigen durchaus schon zutrauen – mit der Einschränkung, dass man ihm die Anweisungen auf den Spielerkarten übersetzen muss, wenn er nicht englischsprachig aufgewachsen ist. Nach oben sehe ich bei diesem Spiel keine Grenze, auch Erwachsene haben damit dauerhaft Spaß.

Von mir gibt es für „Bottom of the 9th“ eine uneingeschränkte Empfehlung. Erfreulicherweise ist das Spiel problemlos in Deutschland erhältlich; man bekommt es zum Beispiel für rund 20 Euro bei Amazon oder für ein paar Euro mehr bei Ebay. Auch zwei Erweiterungen in Form von je 12 zusätzlichen Spielerkarten sind dort verfügbar. Die besitze ich allerdings noch nicht und kann daher nichts dazu sagen.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 3rd, 2017 by Dominik

Da ich sowohl Baseball als auch Brettspiele liebe, bin ich eigentlich ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, diese beiden Vorlieben miteinander zu vereinen. Das ist leider nicht einfach, denn selbst in Amerika sind gute Baseball-Brettspiele rar gesät und sie in Deutschland ohne horrende Versandkosten zu bekommen, ist fast unmöglich. Dennoch konnte ich mittlerweile zwei solche Spiele ergattern und das erste davon möchte ich heute vorstellen.

Das Spiel heißt „What About Baseball“ und stammt von dem relativ kleinen Verlag „Shrout & Co.“. Die Materialien machen einen stabilen und mit Liebe gestalteten Eindruck: Neben einer gedruckten Anleitung und dem Spielplan, der ein Baseballfeld sowie Anzeiger für Balls, Strikes und Outs darstellt, sind Spielfiguren in rot und blau, ein Block mit Scoresheets, zwei Bleistifte, zwei normale Würfel und drei spezielle Würfel dabei. Die Scoresheets sind einfach gehalten, man trägt lediglich ein Batting Lineup sowie die Runs, Hits und Errors in den einzelnen Innings ein. Aber auch für Statistikfans ist gesorgt, denn es gibt noch eine fortgeschrittene Version des Scoresheets, die man sich auf der Homepage des Spiels kostenlos herunterladen kann.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man spielt wie im echten Baseball über neun Innings, je drei Outs beenden ein Halbinning. Der Spieler – oder das Team – in der Defense würfelt mit dem Pitcherwürfel das Ergebnis jedes Pitches aus: Ball, Strike, Foul Ball oder Kontakt. Kontakt heißt, der Ball kommt ins Spiel und nun ist der Batter an der Reihe, mit den zwei normalen Würfeln das Resultat des Schlags zu ermitteln: eine 12 ist ein Homerun, eine 11 ein Triple, eine 10 ein Double, eine 9 ein Single und alles darunter ein Out. Um die Sache etwas interessanter zu machen, gibt es noch zwei Sonderwürfel, die zum Einsatz kommen, wenn der Batter einen 1er-, 2er-, 3er- oder 4er-Pasch würfelt. Dadurch kommen ab und zu auch Errors, Wild Pitches, Stealversuche oder Double Plays vor.

Laut den Angaben auf der Packung und in der Beschreibung ist das Spiel geeignet für zwei bis vier Spieler ab 8 Jahren. Beide Angaben kann ich so nicht bestätigen: zum einen weil es problemlos möglich ist, das Spiel sowohl allein als auch in größeren Gruppen zu spielen, zum anderen weil das genannte Mindestalter mir deutlich zu hoch gegriffen erscheint. Ich habe das Spiel mit meinen eigenen Kindern im Alter von fünf und acht Jahren gespielt. Der Fünfjährige hat es sofort verstanden und das würde wohl auch jedes andere fünfjährige Kind, sofern es ein Grundinteresse und – verständnis für Baseball mitbringt, also weiß, was Balls, Strikes, Hits und Walks sind. Für den Achtjährigen wird das Spiel schon relativ schnell langweilig, weil es sich leider um ein reines Glücksspiel handelt.

Damit sind wir auch schon beim zentralen Kritikpunkt an „What About Baseball“. Ich finde es extrem schade, dass ein so schön gestaltetes Spiel sein Potenzial verschenkt, indem es keinerlei Möglichkeiten vorsieht, eigene Entscheidungen zu treffen oder gar Strategien anzuwenden. Der Verlauf und der Ausgang des Spiels hängen von nichts anderem als den Würfeln ab, es spielt sich quasi von selbst und so verfliegt der Spielspaß für Erwachsene oder ältere Kinder leider recht schnell.

„What About Baseball“ hat mich somit leider nicht überzeugt. Zum Glück habe ich noch ein anderes Baseball-Brettspiel auf Lager, das ich demnächst vorstellen werde, und so viel kann ich schon verraten: Es ist in meinen Augen deutlich gelungener.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 1st, 2017 by Dominik

In genau einem Monat beginnt ein neues Jahr und man darf sich fragen, womit man 2018 seine Wand schmücken möchte – oder was man einem Baseballfan Sinnvolles zu Weihnachten schenken kann.

Die beiden letztes Jahr an dieser Stelle vorgestellten Kalender des Calvendo-Verlages „Ich liebe Baseball“ und „Kultsport Baseball“ sind auch für 2018 bestellbar. Beide sind in diversen Formaten erhältlich und sicher keine schlechte Wahl. Allerdings trifft das nur dann zu, wenn man sie nicht schon 2017 hatte, denn es handelt sich um die gleichen Bilder, bei denen lediglich das Kalendarium aktualisiert wurde.

Eine Alternative stellt der Kalender „Baseball 2018“ vom Verlag „Sunny Calendars“ dar. Geboten werden zwölf ästhetische Baseball-Fotos, deren Vielfalt von Stadionaufnahmen über MLB-Spielszenen bis hin zu arrangierten Stilleben mit Bällen und sonstigem Baseball-Equipment reicht. Die Bilder sind hochwertig gedruckt auf glänzendem, wenngleich relativ dünnem Papier. Dadurch macht der Kalender leider keinen allzu robusten Eindruck, aber da sein primärer Zweck darin besteht, einfach nur an der Wand zu hängen, ist das nicht weiter tragisch.

Der Kalender hat ein Format von zweimal 30x21cm: aufgeklappt sind oben das jeweilige Foto und unten die Monatsübersicht inklusive Feiertagen zu sehen. Die Übersicht bietet genug Raum, um schriftliche Einträge vorzunehmen. Was leider fehlt, sind ein Ferienkalender sowie eine Nummerierung der Kalenderwochen. Aber das ist Jammern auf recht hohem Niveau, denn alles in allem handelt es sich um ein praktisches und ansehnliches Stück, das die Wand meines Büros für die nächsten 12 Monate spürbar aufwertet.

Bestellen kann man den Kalender über den obigen Link direkt beim Verlag zum Preis von 17,20 Euro zzgl. Versand.

Transparenz-Hinweis: Der vorgestellte Kalender wurde mir als kostenloses Rezensionsexemplar vom Verlag „Sunny Calendars“ zur Verfügung gestellt, welcher mir auch die Verwendung der eingebundenen Fotos erlaubt hat. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

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November 19th, 2017 by Dominik

Die Offseason ist noch lang und Weihnachten steht vor der Tür – das klingt für mich nach einem guten Zeitpunkt, um in loser Folge ein paar Baseball-Spiele vorzustellen, mit denen man sich allein oder in trauter Runde lange Winterabende und -nächte vertreiben kann. Den Anfang macht ein Computerspiel, das bei vielen Angehörigen meiner Generation angenehme Erinnerungen wecken wird an Stunden, die man mit Perlen wie dem „Bundesliga-Manager Professional“ oder der „Anstoss“-Reihe verbracht hat. Später gab es den FIFA-Fußball-Manager, aber da war mein Interesse an Fußball schon erkaltet, weswegen ich die weitere Entwicklung dieses Sektors nicht verfolgt habe.

Nun hat mich das Fieber aber wieder voll gepackt, denn ich bin auf die Managersimulation „Out of the Park Baseball 18“ gestoßen – viel zu spät eigentlich, denn die OOTP-Reihe existiert schon seit 1999. Vater des Spiels ist der deutsche Entwickler Markus Heinsohn aus Eimsbüttel, veröffentlicht wird es über dessen eigene Firma „Out of the Park Developments“. Trotz des deutschen Ursprungs von OOTP liegt sein wichtigster Markt naturgemäß in Nordamerika, deshalb gibt es das Spiel auch ausschließlich auf Englisch. Von den Plattformen her hat OOTP eine größere Vielfalt zu bieten: Es läuft auf Windows, Mac und erfreulicherweise auch auf Linux. Erwerben kann man das Spiel ausschließlich als Download, entweder direkt über die Herstellerseite oder über Steam. Getestet wurde von mir die Linux-Version über Steam. Der reguläre Preis für die aktuelle Version beträgt 39,99 Dollar, wobei es gelegentlich auch Sonderangebote gibt. Auch ein Demo-Mode ist verfügbar, wenn man erstmal unverbindlich anspielen möchte.

Der Daten- und Funktionsumfang von OOTP ist schlichtweg gigantisch: Man kann die aktuelle MLB-Saison nachspielen, aber auch jede beliebige Saison seit 1871; die Minor Leagues sind komplett eingebunden, ebenso historische Ligen wie zum Beispiel die Negro Leagues sowie Ligen aus aller Welt (Japan, Korea, Mexiko, Niederlande, Italien etc.) – alles komplett mit vollständigen Rostern, Namen, Logos und Uniformen, da OOTP über die nötigen Lizenzen verfügt. Für realistische Player-Ratings sorgt eine Anbindung zum ZiPS-System von Dan Szymborski. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Möglichkeiten, nationale und internationale Ligen und Turniere selbst zusammenzustellen und zu editieren.

Wenn man sich für eine Liga und ein Startjahr entschieden hat, kann man wahlweise als Manager, General Manager oder als beides gleichzeitig agieren – abhängig von dieser Entscheidung ist man entweder für Aufstellungen, Spieltaktiken und dergleichen verantwortlich oder für die Zusammenstellung des Kaders, Trades, Personalentscheidungen etc. oder eben für alles. Man arbeitet auf einer grafischen Oberfläche, die sehr eingängig bedienbar ist. Ähnlich wie in einem Web Browser steuert man das Spiel per Maus mit Drag&Drop-Funktionen, Hyperlinks, durch Rechtsklick öffnende Kontextmenüs usw.

OOTP ist mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt, was man zum Beispiel beim Verletzungssystem sieht – jeder Spieler hat eine individuelle Verletzungsgeschichte mit unterschiedlichen Langzeiteffekten – oder bei den Trades, die diverse Konstellationen erlauben inklusive Optionen wie dass das abgebende Team einen Teil des Spielergehalts übernimmt. Die Möglichkeiten, was man alles steuern und worauf man alles achten kann, scheinen geradezu unendlich, lassen sich aber gezielt reduzieren, indem man einige Aufgaben automatisiert erledigen lässt. Das ist dann auch die erste Aufgabe, die man beim Spielen an sich selbst stellen sollte: Man muss für sich einen Weg finden, was man tut und was man laufen lässt, sonst erschlägt einen die Komplexität der Handlungsmöglichkeiten.

Dementsprechend ist der Zeitaufwand des Spiels sehr variabel: Wenn man jede Kleinigkeit verfolgen und in der Hand haben möchte, kann man ohne Weiteres mehrere Stunden mit Recherchen, Verhandlungen und sonstigen Managementaufgaben verbringen, ohne im Spielverlauf einen einzigen Tag weiterzuschalten; auch ein Match des eigenen Teams kann man mit vollständigem In-Game-Management locker eine halbe Stunde lang zelebrieren. Genauso gut kann man aber, wenn man viel automatisiert und weiterklickt, in einer halben Stunde eine komplett Saison durchgespielt haben. Ich selbst habe in den vergangenen 14 Tagen gut 20 Stunden mit OOTP verbracht und dabei zweieinhalb Saisons mit einer Franchise absolviert. Angemeldet habe ich mich als General Manager und Manager, allerdings habe ich relativ schnell herausgefunden, dass mir die GM-Aufgaben mehr Spaß machen und dass ich die Lineups und das In-Game-Management gerne vertrauensvoll in die Hände der AI lege.

Wenn es mal irgendwo hakt, findet man in vielfältiger Weise Hilfen: es gibt ein umfangreiches Online-Manual, auf das man innerhalb und außerhalb des Spiels zugreifen kann, zudem eine Knowledge Base, einige Video-Tutorials und das Entwicklerteam um Markus Heinsohn und Andreas Raht leistet schnellen und zuverlässigen Support. Zudem gibt es eine recht aktive Community zu OOTP, die ebenfalls sehr nützlich ist wenn man Probleme hat, aber auch wenn man Mitspieler für eine Online-Liga sucht oder sich einfach so über das Spiel austauschen möchte.

Ich glaube, es spricht schon aus meinen vorangehenden Schilderungen, aber ich möchte es noch mal ausdrücklich sagen: Ich bin von OOTP begeistert!

Ein paar Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge habe ich aber natürlich auch und möchte sie euch nicht vorenthalten – den Entwicklern übrigens auch nicht, deswegen habe ich sie schon darauf angesprochen und lasse ihre Antwort direkt in meine Punkte einfließen:

– Schade finde ich, dass es bei aller Vielfalt von Ligen und Zeiträumen ausgerechnet die deutsche Baseball-Bundesliga in OOTP nicht gibt. Der Grund dafür sind Lizenzprobleme, genauer gesagt das Fehlen einer zentralen Lizenzverwaltung für die Bundesliga. Man müsste jede Verwendung von Namen und Logos mit den betreffenden Teams und Spielern einzeln verhandeln, was ein unverhältnismäßiger Aufwand wäre. Ich hoffe, dass sich irgendwann doch eine pragmatische Lösung findet.

– Eine Synchronisierungsmöglichkeit zwischen OOTP und dem Ableger „MLB Manager“ für Mobilgeräte wird es auf absehbare Zeit leider nicht geben, vor allem wegen der zu großen Datenmengen.

– Was ich – in rührseliger Erinnerung an die „Anstoss“-Reihe – toll fände, wäre eine Möglichkeit, Einzelgespräche mit Spielern zu führen und kurze Ansprachen an das Team zu halten. Bei Anstoss wählte man bei solchen Gelegenheiten unter vorgegebenen Aussagen und in Abhängigkeit davon veränderte sich die Stimmung der Spieler. Laut Heinsohn sind Features dieser Art für zukünftige Versionen bereits in Planung.

– Im Spiel selbst ist mir nur eine einzige Sache aufgefallen, die nach meinem Geschmack noch nicht befriedigend gelöst ist und das ist der Realismus von Trades. Mir wurde zum Beispiel  Ende Juli 2017 über die Funktion „Shop Player around“ von meinem direkten Verfolger im Divisionsrennen, den Nationals, Star-Pitcher Max Scherzer mit Vertrag bis 2021 angeboten im direkten Tausch gegen Lucas Duda, einen mittelmäßigen First Baseman mit auslaufendem Vertrag. Für mich war das der Startschuss zu einem größer angelegten Test der Trade-AI und innerhalb der verbleibenden  zehn Tage bis zur Trade Deadline hatte ich mein Team um Scherzer, Giancarlo Stanton, Freddie Freeman, Dee Gordon, Nolan Arenado, Kyle Schwarber und Aaron Altherr aufgerüstet, ohne viel dafür herzugeben. Zwar kann man über die Einstellungen an der Trading Difficulty drehen, aber wenn man Trades auf andere Weise als über „Shop Player around“ versucht, sind sie bereits schwierig genug und man will ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Auch dieses Thema ist den Entwicklern bereits bekannt und OOTP teilt es mit allen anderen Sport-Management-Spielen: Eine rundum realistische Trade-AI existiert bislang leider nicht. Wenn man Wert auf Realismus legt, muss man sich in Selbstdisziplin üben und auch mal einen Trade nicht machen, wenn man den Eindruck hat, der Computergegner übervorteilt sich selbst.

Von dieser einen Einschränkung abgesehen kann ich nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Ich freue mich schon riesig auf das Erscheinen des nächsten Teils zum Beginn der neuen MLB-Saison. Mein Plan ist, dass ich dann mal ein komplettes Jahr spiele, bei dem ich mich im Team um wirklich alles kümmere und an jedem echten Tag genau einen Tag im Spiel laufen lasse.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest wie gewohnt meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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