Die Ballparks der MLB: Fenway Park

Ab heute gibt es eine neue Baseblog-Serie: Bis zum Beginn des Spring Trainings stelle ich jeden Dienstag einen Ballpark vor. Ich konzentriere mich dabei, soweit ich es beurteilen kann, auf die schönsten und interessantesten. Die Reihenfolge ist eher zufällig gewählt und stellt kein Ranking dar. Ich freue mich über Anregungen und Kommentare, damit ich weiß, ob das Thema auf Interesse stößt. Falls ja, setze ich die Serie gerne in der nächsten Offseason fort.

Los geht es heute mit dem altehrwürdigen Fenway Park, Heimat der Boston Red Sox und am längsten in Betrieb befindlicher Ballpark der MLB.

Geschichte
Fenway Park wurde am 20. April 1912 mit einem 7:6-Sieg der Boston Red Sox in elf Innings über die New York Yankees eröffnet. Trotz dieses spektakulären Auftakts stand das Medieninteresse unter dem Schatten eines anderen Ereignisses, denn wenige Tage zuvor war die Titanic gesunken und beherrschte die Schlagzeilen.

Die historischen Momente, die Fenway Park erlebt hat, sind zahlreich: Der legendäre Babe Ruth begann hier seine Karriere, Carlton Fisk schlug 1975 in Spiel 6 der World Series einen der berühmtesten Homeruns aller Zeiten, die Red Sox holten gleich im Eröffnungsjahr sowie sechs weitere Male den World-Series-Titel und auch die Boston Braves (heute in Atlanta beheimatet) gewannen ihre World Series 1914 im Fenway Park. Dennoch war der Park lange Zeit eines der am schlechtesten besuchten Stadien der MLB. Der Tiefpunkt wurde 1965 erreicht, als in zwei Spielen die Zuschauerzahl unter 500 lag. Erst ab 1967, einer überraschend starken Saison der Red Sox, die unter Fans als „the impossible dream“ bekannt ist, nahm das Interesse immer weiter zu und die Anhänger der Red Sox erarbeiteten sich ihren heutigen Ruf als besonders treues Publikum. Vom 15. Mai 2003 bis zum 11. April 2013 stellte Fenway Park einen MLB-Rekord auf, indem 794 Spiele der regulären Saison (und zusätzlich 26 Playoff-Spiele) hintereinander ausverkauft wurden.

Fenway Park in der World Series 20141

Der Ballpark wurde im Laufe seiner 105-jährigen Geschichte mehrfach renoviert und modernisiert, die Grundsubstanz blieb aber die gleiche und die ursprüngliche Kapazität von rund 35.000 Plätzen schwankte im Lauf der Zeit nur leicht um plus/minus 3.000. Heute fasst Fenway Park 37.731 Zuschauer und man geht davon aus, dass das Stadion noch einige Jahrzehnte lang genutzt werden kann.

Architektonische Auffälligkeiten
Wie viele alte Stadien, bei deren Planung umliegende Bebauung, Eigenheiten der Bodenbeschaffenheit und andere Faktoren zu berücksichtigen waren, ist Fenway Park ein asymmetrisches Bauwerk. Liebhaber klarer Linien könnten sich daran stören, im Endeffekt resultiert aber aus genau diesen Eigenheiten oft ein besonderer Charakter des jeweiligen Ballparks. In Fenway Park führten die äußeren Bedingungen dazu, dass das Leftfield mit nur 310 Fuß (94 Meter) von der Homeplate bis zur Spielfeldbegrenzung sehr klein ist, das Centerfield mit bis zu 420 Fuß (128 Meter) und das Rightfield mit 380 Fuß (116 Meter) hingegen recht groß. Um dieses Missverhältnis auszugleichen, wurde das berühmteste Feature von Fenway errichtet: Eine mehr als elf Meter hohe Mauer zur Begrenzung des Leftfields, das berüchtigte Green Monster. Seinen Namen hat das Green Monster übrigens erst relativ spät bekommen, zumal es auch erst 1947 grün angemalt wurd. Vorher war die Mauer mit dem noch heute handbetriebenen Scoreboard schlicht als „The Wall“ bekannt. Seit 2003 gibt es auf dem Green Monster Sitzplätze. Diese sind besonders beliebt, wenn man es darauf abgesehen hat, Homerun-Bälle zu fangen.

Field-Level-Blick auf das Green Monster2

Eine weitere Besonderheit im Leftfield war bis zum Umbau 1933, dass das Spielfeld dort ein Gefälle von rund drei Metern aufwies. Der Leftfielder musste somit bergauf und bergab rennen, was ein Nachteil insbesondere für die Gastteams war, die das nicht gewohnt waren. Bostons berühmter Leftfielder Duffy Lewis hingegen war so gut auf die Gegebenheiten eingestellt, dass das Gefälle „Duffy’s Cliff“ genannt wurde.

Das beliebteste Fotomotiv außer dem Green Monster ist bei einem Besuch in Fenway der „lone red seat“. Es handelt sich um einen einzigen roten unter lauter grünen Sitzen auf der Tribüne des Rightfields. Er markiert die Stelle, an die Ted Williams am 9. Juni 1946 den mit 502 Fuß (153 Meter) längsten Homerun schlug, der je in Fenway Park gemessen wurde.

Spielbezogene Eigenheiten
Insgesamt gehört Fenway Park im Vergleich mit anderen MLB-Standorten zu den eher hitterfreundlichen Stadien. Kaum ein Ballpark ist dabei aber so zwiespältig wie Fenway Park: Für rechtshändige Batter ist das kurze Rightfield ein deutlicher Vorteil. Zwar erschwert das Green Monster das Schlagen von Homeruns, dafür werden aber viele Flyballs, die in anderen Stadien routinemäßig zum Out gefangen werden, durch das Abprallen von der Mauer zu Extra-Basehits. Auch Foulouts kommen in Fenway Park seltener vor als anderswo, weil das Foul Territory sehr klein ist. Linkshändige Batter hingegen haben es schwer in Boston, für sie ist Fenway Park eines der ungünstigsten Stadien der Liga.

Wo sitzt man am besten?
Man kann in Fenway Park von vielen Stellen aus gut das Spiel verfolgen, von einigen aber nicht: Die Tribünen und Dächer werden von Säulen gehalten, welche an bestimmten Plätzen das Sichtfeld deutlich behindern. Die Plätze sind dafür etwas günstiger und man wird bei der Sitzplatzbuchung auf die Einschränkung hingewiesen – also achtet auf solche Hinweise und spart nicht am falschen Ende. Wem an einem günstigen Stadionbesuch gelegen ist, der entscheidet sich besser für die Bleachers hinter dem Rightfield. Ich habe da schon gesessen und man hat einen guten Blick auf das ganze Feld sowie in die direkt vor der Tribüne gelegenen Bullpens. Da ich ein Nachmittagsspiel bei rund 40 Grad im nicht vorhandenen Schatten erwischt habe, weiß ich nun allerdings auch, warum die Bleachers Bleachers heißen…

Fenway Park aus Sicht der Rightfield-Bleachers3

Am besten kann man das Geschehen, wie in fast jedem Ballpark, von den Plätzen hinter der Homeplate sowie entlang der Linien zur ersten und dritten Base verfolgen (Field Box 21-76). Wer das ganz spezielle Fenway-Erlebnis und obendrein die Chance auf einen gefangenen Homerun sucht, für den sind natürlich die schon erwähnten Plätze auf dem Green Monster das Nonpluslutra. Das hat dann aber auch seinen Preis, denn von den begehrten Sitzen gibt es nur 269 und wenn man überhaupt einen davon ergattern kann, muss man bereit sein, mehrere hundert Dollar dafür auszugeben.

1 Quelle: Wikimedia, Urheber: John F. Riley (Public Domain)
2 Quelle: Eigene Aufnahme
3 Quelle: Eigene Aufnahme

Januar 9th, 2018 by