Grand Slam am Donnerstag 36/2017

Die Los Angeles Dodgers sind das mit Abstand erfolgreichste Team der bisherigen MLB-Saison. Das klingt nach einem alten Hut und das ist es auch. Aber es ist doch erstaunlich, dass diese Aussage immer noch wahr ist, obwohl die Dodgers seit nunmehr zwei Wochen völlig von der Rolle sind und von ihren letzten zwölf Spielen elf verloren haben. Sechs davon gingen an die Arizona Diamondbacks, die sich mit momentan 13 Erfolgen hintereinander ein enges Rennen um die längste Siegesserie der Saison gegen die Cleveland Indians (14) liefern. Schlagzeilen ganz anderer Art machen unterdessen die Boston Red Sox: Sie haben sich beim Spicken erwischen lassen und müssen sich auf eine Strafe gefasst machen.

National League
Das Strohfeuer in der National League East währte nur kurz: Die Miami Marlins (67-72) hatten sich nach ein paar erfolgreichen Wochen Hoffnungen auf eine Wild Card gemacht, doch von den letzten zehn Spielen gingen neun verloren und die Marlins sind hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Übrigens nicht nur in dieser Hinsicht, denn auch die ersten Äußerungen der neuen Teambesitzer um Derek Jeter und Bruce Sherman waren für die Fans der Marlins eine herbe Enttäuschung. Statt in eine Verstärkung des Teams zu investieren, soll das Ziel sein, die Ausgaben für Spielergehälter drastisch zu kürzen. Die Rede ist von 55 bis 85 Millionen Dollar pro Jahr, was die Marlins zum billigsten und damit wahrscheinlich nicht gerade konkurrenzfähigsten Team der Liga machen würde. Konkurrenzfähigkeit ist generell ein Fremdwort in dieser Division, abgesehen von den Washington Nationals (85-54), die weiter einsam ihre Kreise ziehen. Das Hauptziel der Nationals bis zu den Playoffs besteht darin, Verletzungen zu vermeiden und Bryce Harper wieder fit zu bekommen – und ihm vielleicht seine furchtbare neue Frisur auszureden…

In die NL Central ist etwas überraschend Bewegung bekommen – nicht ganz vorne, wo sich die Chicago Cubs (76-63) solide halten, aber in der zweiten Reihe: Die Milwaukee Brewers (72-68) haben sich von den Cincinnati Reds (61-79) sweepen lassen und verloren dadurch Rang zwei an die St. Louis Cardinals (72-67), welche die Pflichtaufgaben gegen die Giants und die Padres souverän erledigten. Mit den Pittsburgh Pirates (67-73) und den Reds warten weitere lösbare Aufgaben auf die Cardinals, sodass die momentan noch zwei Spiele Rückstand auf den Wild-Card-Platz überbrückbar erscheinen. Auch die Brewers haben darauf natürlich noch alle Chancen, sie müssen nun aber erst mal nach Chicago.

Verkehrte Welt in der NL West: Die Los Angeles Dodgers (92-47) verlieren zurzeit nahezu jedes Spiel, während die Arizona Diamondbacks (82-58) seit zwei Wochen nichts anderes tun als zu gewinnen – unter anderem zwei komplette Serien gegen die Dodgers. Dass diese sich den Divisionssieg noch nehmen lassen, ist äußerst unwahrscheinlich, aber ihr Vorsprung an der Spitze hat sich in den vergangenen 14 Tagen glatt halbiert von einundzwanzig Spielen auf nur noch zehneinhalb. Noch größere Sorgen als die Dodgers müssen sich die Colorado Rockies (74-65) machen, die ihren lange sicher geglaubten Wild-Card-Platz derzeit nur noch knapp vor St. Louis und Milwaukee behaupten. Es ist mal wieder eine höchst interessante Fügung des Spielplans, dass nun ausgerechnet die Dodgers und die Rockies aufeinander treffen (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

American League
Vor einer Woche war die Welt an der Spitze der American League East noch in Ordnung für die Boston Red Sox (79-61). Dort stehen sie zwar immer noch mit vier Spielen Vorsprung, doch durch zwei Rückschläge hat die heile Welt Risse bekommen. Der erste Schlag war, dass die Vier-Spiele-Serie gegen den Erzrivalen New York Yankees (74-64) mit 1:3 verloren ging und somit die Chance vertan wurde, in der Division frühzeitig alles klar zu machen. Eine verlorene Serie gegen die Yankees kann passieren, der andere Schlag war allerdings etwas, das eigentlich nicht passieren darf: Die Red Sox haben Signale zwischen gegnerischen Pitchern und Catchern gestohlen und das nicht auf die herkömmliche Weise, bei der der Batter oder ein Baserunner mal ein bisschen linst, sondern mit technischen Hilfsmitteln wie Smartwatches und Replay-Kameras. Dafür stehen sie zurecht in der Kritik und werden wohl auch eine Strafe hinnehmen müssen. Voraussichtlich wird es aber keine aberkannten Siege oder Ähnliches geben, sondern allenfalls Geldstrafen und/oder Sperren gegen Teamverantwortliche. Zurück zum Sportlichen: Erwähnen sollte man noch die Baltimore Orioles (71-68), die sich derzeit mal wieder als das Stehaufmännchen der Liga erweisen und nach sieben Siegen aus den letzten zehn Spielen plötzlich nur noch ein einziges Spiel Rückstand auf den zweiten Wild-Card-Platz haben.

In der AL Central war noch vor zwei Wochen das Rennen völlig offen, doch das ist es inzwischen längst nicht mehr. Nach vierzehn Siegen am Stück führen die Cleveland Indians (83-56) souverän vor den Minnesota Twins (72-67) und scheinen bestens gerüstet für die Verteidigung des AL-Titels. Auch die Twins spielen, wenngleich sie mit dem atemberaubenden Tempo der Indians nicht mithalten können, eine für ihre Verhältnisse ganz hervorragende Saison. Im Kampf um den zweiten Wild-Card-Platz der AL haben sie momentan ganz knapp die Nase vorn. Für sie steht nun eine Vier-Spiele-Serie bei den Kansas City Royals (69-69) an, die mit derzeit zweieinhalb Spielen Rückstand die Hoffnung auf den begehrten Platz selbst noch nicht aufgegeben haben.

Trotz der Siegesserie der Indians haben immer noch die Houston Astros (86-53) die beste Bilanz der American League. Damit das so bleibt, haben sie selbst gerade eine Reihe von sieben Erfolgen am Stück hingelegt und sich obendrein in letzter Sekunde vor der Deadline für Waiver-Trades mit Starter Justin Verlander von den Detroit Tigers verstärkt. Verlander war nicht der einzige Justin, der den Weg von Detroit in die AL West fand, denn auch die Los Angeles Angels (72-68) haben aufgerüstet, indem sie für Outfielder Justin Upton tradeten. Damit senden sie ein klares Signal, dass sie in die Playoffs wollen. Einfach wird das nicht, denn es ist dazu zwar nur ein halbes Spiel auf die Twins aufzuholen, aber mit Kansas City, Baltimore und den Texas Rangers (70-69) gibt es noch reichlich weitere Konkurren und der restliche Spielplan sieht anstrengend aus: In 22 ausstehenden Spielen geht es sechsmal gegen die Astros, dreimal gegen die Rangers, dreimal gegen die Indians – und sechsmal gegen die Seattle Mariners (69-71), die sich ebenfalls noch nicht ganz aufgegeben haben.

Szene der Woche
Die Cleveland Indians sind zurzeit unglaublich gut, aber ab und zu gehört auch ein bisschen Glück dazu. Third Baseman Jose Ramirez hatte am Sonntag im Spiel gegen die Detroit Tigers (11:1) gleich zweimal unverschämtes Glück: Zuerst war es im ersten Inning Detroits Mikie Mahtook, der einem Flyball von Ramirez mit bloßer Hand versehentlich den entscheidenden Schub über den Zaun zum Homerun gab. Das wäre schon kurios genug, aber im sechsten Inning schlug Ramirez seinen zweiten Homerun und wieder kam dieser nicht ganz ohne helfende Hand des Gegners aus, dieses Mal von Alex Presley. Jose Ramirez kam durch die freundliche Unterstützung übrigens nicht nur zu zwei Homeruns sondern stellte sogar einen MLB-Rekord ein, da er in dem Spiel außerdem drei Doubles erzielte und es somit auf fünf Extra-Base-Hits in fünf At-Bats brachte.

Statistik der Woche 
14. So viele Siege haben die Cleveland Indians hintereinander gewonnen. Das haben sie zum zweiten Mal in ihrer Geschichte geschafft und weil das erste Mal erst vor einem Jahr gewesen ist, sind sie sogar das erste Team seit den Chicago Cubs von 1936, das zwei Jahre hintereinander Siegesserien von 14 Spielen geschafft hat. Noch nie 14 Spiele am Stück gewonnen haben die Arizona Diamondbacks, aber das kann sich schon morgen ändern, wenn sie im Heimspiel gegen die San Diego Padres den vierzehnten Sieg hintereinander in Angriff nehmen. Und noch eine 14: Angels-Star Mike Trout hatte letzte Nacht gegen die Oakland Athletics sein vierzehntes Spiel in Folge mit mindestens einem Walk.

Spiel der Woche
Endlich gab es mal wieder ein richtiges Marathonspiel, mit 19 Innings das längste der bisherigen Saison: Volle sechs Stunden mussten sich die Zuschauer, die den Ausgang des Duelles zwischen den Boston Red Sox und den Toronto Blue Jays Dienstagnacht erleben wollten – es war nur eine Minderheit der ursprünglich 33.000 – bis zum fünften und entscheidenden Run der Partie gedulden. Die Blue Jays hatten ihren Teil des Scorings nach sechs Innings abgeschlossen, zu dem Zeitpunkt lagen sie 2:0 vorne und ruhten sich auf einem starken Auftritt ihres Starters Marco Estrada aus. Das ging lange gut, doch im neunten Inning schusterten die Red Sox dann doch noch mühsam in Form von zwei Fielder’s-Choice-RBIs den Ausgleich zusammen und schickten das Spiel in die Verlängerung. 19 verschiedene Pitcher, davon 12 auf Seiten Bostons, kamen zum Einsatz, bevor das Spiel nach ebenso vielen Innings durch einen Walk-Off-Single von Hanley Ramirez zu Gunsten der Red Sox entschieden wurde. Acht Innings zuvor wäre das Spiel um ein Haar an Toronto gegangen, doch ein unglaublicher Wurf von Jackie Bradley Jr. aus dem Centerfield verwandelte Justin Smoaks vermeintlichen Sacrifice Fly in ein Aus an der Homeplate gegen Jose Bautista.

Spiel der kommenden Woche
Die Los Angeles Dodgers und die Colorado Rockies haben beide ein hervorragendes Jahr, machen aber jeweils gerade eine schwierige Phase durch. Heute Abend, besser gesagt morgen früh (4:10 Uhr europäischer Zeit) treffen die beiden zum ersten Spiel einer Vierer-Serie aufeinander, von der sich beide erhoffen, den derzeitigen Abwärtstrend stoppen zu können. Die Dodgers haben ein gewichtiges Argument für sich, nämlich Clayton Kershaw (1.95 ERA, 2.84 FIP). Der Star-Pitcher kehrte letzten Freitag aus seiner Verletzungspause zurück und bescherte den Dodgers prompt mit einem dominanten Auftritt beim 1:0 gegen die Padres ihren einzigen Sieg in den vergangenen zwei Wochen. Die Rockies bieten gegen ihn Jon Gray (4.26 ERA, 3.47 FIP) auf. Falls ihr Frühaufsteher oder von Schlafstörungen geplagt seid, schaltet doch einfach mal rein.

September 7th, 2017 by