Grand Slam am Donnerstag 50/2017

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

Dezember 14th, 2017 by