Grand Slam am Donnerstag 51/2017

Kurz vor Weihnachten zeigen sich viele Front Offices rührig, um ihre Teams und deren Fans mit der einen oder anderen Weichenstellung für die kommende Saison zu bescheren – und natürlich, um sich selbst ein bisschen Ruhe über die Feiertage zu sichern, denn erfahrungsgemäß ist dies der Zeitpunkt, an dem die Beatwriter und Analysten unruhig werden, wenn ihr Team in der Offseason noch keine oder nur wenige Erfolge vermelden konnte. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen diese Woche zwei interessante Trades. Zudem hat sich einiges auf dem Free-Agent-Markt getan, besonders in Bezug auf First Basemen.

Braves und Dodgers traden, um zu sparen
Outfielder Matt Kamp kehrt von den Atlanta Braves zurück zu den Los Angeles Dodgers, für die er schon von 2006 bis 2014 gespielt hatte. Im Gegenzug schicken die Dodgers 1B Adrian Gonzalez, SP Scott Kazmir, SP Brandon McCarthy, Infielder Charlie Culberson und zusätzlich Geld nach Los Angeles. Das Bemerkenswerte an diesem Trade ist, dass er – außer Ergänzungsspieler Culberson – auf beiden Seiten lauter Spieler umfasst, die dank alter Verträge deutlich mehr Geld verdienen als sie zuletzt durch Leistung rechtfertigen konnten. Beide Teams haben mit dem Deal ihre Payrollsituation verbessert, die Dodgers für dieses und die Braves für nächstes Jahr. Die Spieler, die die Braves erhalten haben, kosten für 2018 rund 52 Millionen Dollar. Das ist ein Haufen Geld, tut den Braves aber nicht allzu weh, weil sie 2018 keine großen Pläne haben und lieber in diesem Jahr überbezahlen als im Jahr darauf – und dann sind die betreffenden Spieler alle Free Agents. Adrian Gonzalez wurde von den Braves von vornherein als so nutzlos abgestempelt, dass sie ihn direkt nach dem Trade entlassen haben – seine 22,375 Millionen zahlen sie ihm trotzdem und nun kann er sich ein Team suchen, das ihn für ein Minimalgehalt spielen lässt.

Matt Kemp hingegen hat noch zwei Jahre Vertrag und erhält dafür 43,5 Millionen Dollar. Als Spieler wird er den Dodgers nicht viel weiterhelfen, aber es hilft ihnen deutlich, dass sie die Gehälter der anderen los sind und Kemps Gehalt sich auf 2018 und 2019 verteilt. Auf diese Weise halten sie die Payroll für 2018 niedriger und müssen weniger oder sogar gar keine Strafabgabe an die Liga bezahlen. Wenn sie um die Luxussteuer ganz herum kommen, zahlt es sich für sie besonders aus, denn diese steigt deutlich an, wenn man mehrere Jahre in Folge über der festgelegten Schwelle liegt. Die Dodgers lagen zuletzt zwei Jahre hintereinander darüber.

Rays senden Longoria nach San Francisco
Der zweite große Trade der Woche hat deutlich mehr mit sportlichen Ambitionen zu tun als der erste: Die San Francisco Giants füllen eine klaffende Lücke in ihrem Lineup, indem sie 3B Evan Longoria von den Tampa Bay Rays holen. Damit signalisieren die Giants deutlich, dass sie die enttäuschende Saison 2017 schnell hinter sich lassen und schon nächstes Jahr wieder wettbewerbsfähig sein wollen. Die Rays lassen nach zehn Jahren, die Longoria für sie spielte, das Gesicht ihrer Franchise ziehen. Im Gegenzug für den 32-Jährigen erhalten sie Outfielder Denard Span, Infield-Prospect Christian Arroyo und zwei Minor-League-Pitcher. Die Kernkomponente auf dieser Seite des Trades ist Arroyo, der als herausragendes Talent gilt und den Deal zu einem klassischen Tausch macht zwischen einem Team, das kurzfristige Erfolge sucht (den Giants), und einem, dass beim Aufbau seines Kaders noch ein paar Jahre Zeit hat (den Rays).

Der Markt für die erste Base lichtet sich 
Oft fallen die Free Agents auf bestimmten Positionen wie Dominosteine, sobald einer den Anfang macht. In der Vorwoche kamen vor allem die Relief Pitcher in den Genuss, dass fast jedes Team sich einen von ihnen sichern wollte. Diese Woche waren die First Basemen an der Reihe. Den größten Paukenschlag landeten die Philadelphia Phillies, die sich für 60 Millionen Dollar für drei Jahre die Dienste von Carlos Santana sicherten. Dieser Move kam äußerst überraschend, denn erstens lässt er sich kaum mit dem laufenden Rebuilding-Projekt der Phillies in Einklang bringen und zum anderen wirft er die Frage auf, wo die Phillies mit ihrem jungen und vielversprechenden 1B Rhys Hoskins hin wollen. Wenn mir DEN Sinn dieser Verpflichtung jemand erklären kann: Ich bin ganz Ohr.

Die Cleveland Indians, Santanas bisheriger Club, haben direkt einen Nachfolger geholt und für zwei Jahre Yonder Alonso (bisher Athletics) verpflichtet. 1B Matt Adams ist unterdessen mit einem Einjahresvertrag bei den Washington Nationals untergekommen und Mitch Moreland hat sich mit den Boston Red Sox für zwei weitere Jahre geeinigt. Interessante First Basemen, die noch ohne neues Teams sind, sind Eric Hosmer (Royals), Logan Morrison (Rays), Mike Napoli (Rangers), Adam Lind (Nationals) und Lucas Duda (Rays).

Freddy Galvis nach San Diego
Ein weiterer Move der Phillies in dieser Woche erscheint deutlich nachvollziehbarer als die oben erwähnte Verpflichtung von Carlos Santana: Shortstop Freddy Galvis wurde für Pitching-Prospect Enyel De Los Santos zu den San Diego Padres getradet. Galvis ist einer der besten defensiven Shortstops der Liga, gleichwohl hatten die Phillies keine Verwendung mehr für ihn. Sein Vertrag läuft ohnehin nach der Saison 2018 aus und der talentierte J. P. Crawford gilt den Phillies als ihr Shortstop der Zukunft (und jetzt wohl auch der Gegenwart).

Brewers, Yankees und Rangers ergänzen Rotation
Zu den populäreren Namen des Free-Agent-Marktes für Pitcher wie Yu Darvish, Jake Arrieta und Lance Lynn gibt es noch keine Vollzugsmeldungen, aber einige solide Ergänzungen einer Starting Rotation konnten in den letzten Tagen an den Mann gebracht werden: Jhoulys Chacin (bisher Padres) läuft die nächsten zwei Jahre für die Milwaukee Brewers auf, C. C. Sabathia bleibt für ein weiteres Jahr bei den Yankees und Matt Moore wurde für zwei Pitching-Prospects von San Francisco zu den Texas Rangers getradet. Nach einer Saison zum Vergessen (5.52 ERA) erhält Moore die Chance auf einen Neuanfang in veränderter Umgebung.

Mets verlängern Vertrag von GM Alderson 
Die New York Mets verbringen bislang eine sehr zurückhaltende Offseason mit Reliever Anthony Swarzak als einziger nennenswerter Neuverpflichtung. Die seit zwei Jahren andauernde Untätigkeit sowie der offensichtliche Unwille, sich zum Status eines Big-Market-Teams zu bekennen und entsprechend in den Kader zu investieren, haben in den vergangenen Tagen deutliche Kritik etablierter Beatwriter wie Marc Carig von Newsday und Joe D von Metsmerized an den Ownern Fred und Jeff Wilpon sowie an General Manager Sandy Alderson hervorgerufen. Die beiden verlinkten Artikel kann ich übrigens sehr empfehlen, sie sprechen mir und sicherlich vielen weiteren Mets-Fans aus der Seele.

Die bislang einzige Reaktion der Mets bestand darin, dass sie gestern die Verlängerung von Aldersons Vertrag bekannt gegeben haben. Ganz offensichtlich ist man bereit, sich dem Wettbewerb zu stellen – wenn auch leider nur dem Wettbewerb mit Derek Jeter und Co. um die unbeliebteste Vereinsführung der Liga…

Die skurrilste Verletzung des Jahres 
Martin Perez, Starting Pitcher der Texas Rangers, hat sich am Ellbogen verletzt. Er musste operiert werden und obwohl die Verletzung zum Glück nur den rechten Arm des Linkshänders betrifft, wird Perez wohl nicht vor Mai auf dem Platz stehen können. So etwas ist bedauerlich, aber im Profisport durchaus an der Tagesordnung. Ungewöhnlich ist aber, wie er sich die Verletzung zugezogen hat. Von einem „Vorfall mit einem Bullen“ war zunächst die Rede, was eine Reihe von Spekulationen zuließ: Hatte Perez den Bullen geritten und war abgeworfen worden? War der Bulle ausgebrochen und hatte Perez mit den Hörnern attackiert? Es stellte sich heraus, dass der Vorfall nicht ganz so dramatisch, wenngleich nicht weniger peinlich war: Freizeit-Landwirt Perez hatte sich im Gehege des Bullen aufgehalten, der zwar angebunden war, aber wohl eine plötzliche Bewegung in Perez‘ Richtung machte. Als Perez vor Schreck zurück wich, fiel er hin und landete unsanft auf dem Ellbogen.

Dezember 21st, 2017 by