Was man über die internationale Signing-Periode 2018 wissen muss

Die internationale Signing-Periode der MLB beginnt erst in gut zwei Monaten, genauer gesagt am 2. Juli. Sie wirft aber längst ihre Schatten voraus, spätestens seit zu Saisonbeginn die internationalen Bonuspools bekannt gegeben wurden. Das ist das Geld, dass die einzelnen Klubs für internationale Talente verwenden dürfen, und längst stehen die Vereine in Verhandlungen um die begehrtesten Kandidaten, denen sie es gerne geben möchten.

Aber der Reihe nach: Als internationale Talente können sich bei der MLB alle Spieler von außerhalb USA, Kanada und Puerto Rico anmelden, sofern sie mindestens 16 Jahre alt sind oder es bis 1. September werden. Im Gegensatz zur Auswahl der amerikanischen Talente gibt es für internationale Spieler keine Draft. Um trotzdem eine faire Verteilung zu gewährleisten, ist die Summe, die jeder Club für internationale Signings ausgeben darf, begrenzt. Das sind die sogenannten internationalen Bonuspools. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,98 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern.

Für die anstehende Signing-Periode 2018 haben die Marlins, Twins, Brewers und Rays die höchsten Bonuspools von je 6,03 Millionen Dollar zugesprochen bekommen. Die geringsten Pools haben die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres, Reds und White Sox. Sie dürfen dieses Jahr nicht mehr als 300.000 Dollar für internationale Prospects ausgeben, weil sie in früheren Jahren ihren Bonuspool überzogen hatten.

Den Bonuspool nutzen die Teams, indem sie internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

Mit den Bonuspools kann zwischen den Teams auch Handel getrieben werden. So gab es zum Beispiel letzte Woche einen Trade, bei dem die Mariners Minor-League-Pitcher Edwin Quezada von den Diamondbacks erhielten und dafür einen Teil ihres Bonuspools der noch laufenden Signing-Periode 2017 an Arizona abgaben. Die Mariners hatten Ende letzten Jahres in diversen Trades ihren Bonuspool in die Höhe getrieben beim Versuch, Shohei Ohtani zu verpflichten. Nachdem das nicht funktionierte, blieben sie auf einer Menge ungenutzten finanziellen Spielraums sitzen und sind jetzt froh, dafür noch etwas zu bekommen, bevor der ungenutzte Teil des Budgets am 15. Juni verfällt.

Zwei Ausnahmen sind noch zu erwähnen: Verpflichtungen für einen Bonus von höchstens 10.000 Dollar fallen nicht unter die Regel des Bonuspools. Und Spieler ab 25, die sechs oder mehr Jahre in einer professionellen Liga (z. B. in Kuba, Japan oder Südkorea) gespielt haben, sind von dem ganzen System ausgenommen; ihnen kann man als Klub einen frei ausgehandelten MLB-Vertrag anbieten.

Um von einer MLB-Franchise verpflichtet werden zu können, muss ein Spieler zunächst beantragen, von der Liga als internationaler Free Agent anerkannt zu werden. Das tun immer mehr Spieler und es werden auch immer mehr internationale Prospects verpflichtet. In der aktuellen Periode, die vom 2. Juli 2017 bis 15. Juli 2018 läuft, sind es bereits mehr als 950 – die meisten davon wird man, genau wie die meisten Draftpicks, nie in der MLB sehen, viele weitere erst in ein paar Jahren und nur ganz wenige spielen schon jetzt in der höchsten Liga mit. Der prominenteste von ihnen ist Shohei Ohtani, das Pitcher- und Batter-Phänomen der Los Angeles Angels.

Ein weiterer Ohtani ist für die kommende Signing-Periode bislang nicht in Sicht, aber natürlich gibt es auch dieses Jahr einige Talente, für die Teams bereit sein werden, sich mit viel Geld gegenseitig zu überbieten. MLB Pipeline hat ganz frisch eine Liste der Top-30-Talente des internationalen Marktes veröffentlicht. Die regionalen Schwerpunkte der Liste sind unübersehbar: Sie enthält 16 Spieler aus der Dominikanischen Republik, 10 aus Venezuela, 3 Kubaner und einen Kolumbianer. Spieler aus Europa fallen zwar auch unter die Regeln für internationale Talentverpflichtungen, werden aber wegen des niedrigeren Wettbewerbsniveaus in aller Regel nicht so hoch gestuft wie die lateinamerikanische Konkurrenz.

Die Nummer eins der Prospects-Liste ist der venezolanische Catcher Diego Cartaya. Er wird derzeit vor allem mit den Los Angeles Dodgers in Verbindung gebracht. Für die Verpflichtung des Outfielders Marco Luciano aus der Dominikanischen Republik gelten die San Francisco Giants als Favoriten und Outfielder Misael Urbina aus Venezuela steht wohl in Verbindung mit den Minnesota Twins. Unterschrieben wird vor dem 2. Juli natürlich noch nichts, doch es gilt als offenes Geheimnis in der MLB, dass die Klubs sich oft Monate, mitunter sogar Jahre vor dem offiziellen Termin mit den Talenten auf Verträge einigen.

April 28th, 2018 by