Trauer um José Fernández

Eigentlich wollte ich heute über die ersten beiden Spiele der Finalserie zwischen den Mainz Athletics und den Regensburg Legionären schreiben. Es waren zwei gute, wenn auch überraschend einseitige Partien, nach denen für die A’s die Tür zur Meisterschaft weit offen steht. Aber aller Freude darüber zum Trotz liegt für mich über dem vergangenen Baseballwochenende ein Schatten. Denn während ich das Spiel im Ballpark am Mainzer Hartmühlenweg verfolgte, erreichte mich völlig unvermittelt auf dem Handy die Kurzmitteilung von cbs: „Marlins pitcher José Fernández killed in Miami boating accident“.

Die Meldung hat mich sprachlos und traurig gemacht und ich kann gar nicht richtig sagen warum. Schließlich sterben auf dieser Welt jeden Tag ungefähr 150.000 Menschen, ein paar Tausend davon durch Verkehrsunfälle, und fast alle davon haben mit José Fernández gemeinsam, dass ich sie nicht gekannt habe. Trotzdem macht mich Fernández‘ Tod betroffen. Wahrscheinlich liegt das vor allem daran, dass er mir mal wieder vor Augen führt, wie dünn die Fassade zwischen Baseball und sonstiger Unterhaltung und dem richtigen Leben ist – dem richtigen Leben, in dem man einfach so als 24-Jähriger wegen einer Unachtsamkeit oder einer falschen Bewegung oder auch ganz ohne nachvollziehbaren Grund sein Leben verlieren kann.

Dadurch, dass Fernández für einen Divisionsgegner meiner Mets spielte, habe ich relativ viele Spiele von ihm gesehen und ich hatte dazu immer ein gespaltenes Verhältnis, weil er für mich zu der Sorte Spieler gehörte, die man lieber im eigenen Team sieht als in einem anderen: jung, äußerst talentiert und unheimlich sympathisch. Vorgestern erst hatte ich gelesen, dass die Marlins einen Tausch in der Rotation vorgenommen hatten, sodass Fernández heute gegen die Mets antreten würde. Ein bisschen habe ich mich darüber geärgert, weil ich wusste, dass das Spiel dadurch schwieriger wird. Ein bisschen habe ich mich aber auch gefreut, weil ich nicht nur Metsfan bin, sondern vor allem Baseballfan und weil man als Baseballfan einem José Fernández gern bei der Arbeit zusieht.

Dazu wird es nun leider nicht mehr kommen. Ein schwieriges Spiel wird es trotzdem – so schwierig wie man es sich nur vorstellen kann, weil es zum einen ganz unter dem Zeichen der großen Trauer um José Fernández in Miami und in der ganzen MLB stehen wird, weil sich aber andererseits die Mets derzeit eigentlich keine Sentimentalitäten erlauben können, da im Wild-Card-Rennen jedes Spiel zählt.

Die Welt hört wegen dieses Unglücks nicht auf sich zu drehen und die MLB wird nicht mehr Spiele absagen als das eine gestern Abend. Das ist ein bisschen bedauerlich, aber im Endeffekt wohl die einzig richtige Entscheidung. Nicht nur aus geschäftlichen Gründen, sondern auch weil der Sport die Zerstreuung bietet, die man braucht, um angesichts der Ungerechtigkeiten dieser Welt nicht zu verzweifeln. In diesem Sinne: Play ball. And rest in peace, JoFer.

September 26th, 2016 by