Mainzer Comeback-Künstler kämpfen sich ins Finale gegen Regensburg

Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem man Baseballfan werden müsste, wenn man es nicht schon längst wäre. Es war der letzte Halbfinalspieltag um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Heidenheim Heideköpfen und den Mainz Athletics. Ich muss zugeben, nach der 0:8-Niederlage vom Samstagabend und der Aussicht, am gleichen Wochenende beim gleichen Gegner noch zweimal gewinnen zu müssen, hatte ich zwar nicht die Hoffnung aber doch den Glauben an den Finaleinzug meiner Mainzer ein Stückweit verloren. Doch dann drehten die Athletics am Sonntag in einer siebeneinhalbstündigen Hitzeschlacht gegen die Heidenheim Heideköpfe alles herum, was man herum drehen kann: Sie drehten einen 4:5-Rückstand im ersten Spiel durch unglaubliche elf Runs im achten Inning zu einem 15:6-Sieg, sie drehten einen 0:3-Rückstand im zweiten Spiel zu einem 13:6-Sieg und vor allem drehten sie die Serie von 1:2 auf 3:2 und stehen damit im Endspiel. Noch einen Tag später bin ich ganz überwältigt von diesen Ereignissen. Dabei war ich nicht mal vor Ort, aber dank der Radio- und Videoübertragungen von Tim Collins auf eurobaseballtv.com (dort gibt es übrigens auch Highlight-Videos der Spiele) durfte ich mich hautnah dabei fühlen und gemeinsam mit den A’s tausend Tode sterben und tausend Mal wieder auferstehen. Bitte entschuldigt, dass ich heute so ungewohnt emotional und parteiisch… ach was, ich entschuldige mich für gar nichts. Go A’s!

Den Zuschauern – auch wenn die Mehrzahl davon für Heidenheim und am Ende entsprechend enttäuscht gewesen sein dürfte – wurde neben der unglaublichen Spannung in den beiden Spielen auch eine Menge fürs Auge geboten: zum Beispiel insgesamt sechs Homeruns sowie als extreme Rarität ein Triple Play der Mainzer Defense. Letzteres gelang im neunten Inning des ersten Spiels bei geladenen Bases und der leichten Furcht, die Heidenheimer könnten trotz des hohen Rückstands noch mal zurück ins Spiel finden. Diese Furcht war schnell überstanden, als 3B Lennard Stöcklin einen Groundball von Stefan Karpf aufnahm, ihn Catcher Max Boldt zum Force Out an der Homeplate zuwarf, dieser weiter gab zu 1B Martin Kipphan zum Out an der ersten Base und schließlich auch 2B Nici Weichert noch genug Zeit hatte, seinen Runner auszuschalten. Die Fachsprache nennt das ein 5-2-3-4-Triple-Play und ich glaube nicht, dass es diese Form des Triple Plays in der Baseballgeschichte schon oft gegeben hat. Wer eines kennt, möge es mir bitte mitteilen.*

Die überragenden Akteure des Halbfinales, bezogen auf alle fünf Spiele, waren auf Seiten der Heidenheimer Pitcher Johannes Krumm, der mit zwei Glanzleistungen Spiel 1 und 3 für die Heideköpfe gewann und insgesamt nur einen earned Run zuließ, sowie auf Seiten der Mainzer das Duo Infernale Max Boldt und Thomas de Wolf. Boldt brachte es auf 10 RBI in 18 At-Bats mit 5 Hits, darunter 3 Homeruns, sowie 6 Walks. De Wolf gelangen ebenfalls 10 RBI mit 9 Hits in 19 At-Bats, davon 2 Homeruns, und 4 Walks. Obendrein durfte de Wolf auch noch in zwei Spielen als Relief-Pitcher ran. In 3 2/3 Innings ließ er keinen Run zu und besorgte 6 Strikeouts.

Genug des Jubels über meine Lieblinge, der andere Teil des Halbfinales soll nicht unerwähnt bleiben: Zwischen den Regensburg Legionären und den Bonn Capitals war es leider und überraschenderweise nie wirklich spannend. In drei Spielen kassierten die Bonner ebenso viele Niederlagen wie zuvor in der gesamten 24 Spiele langen und als souveräner Nordmeister abgeschlossenen regulären Saison. Im Prinzip war die Serie schon nach dem ersten Wochenende so gut wie entschieden, als die Legionäre die Capitals in deren eigenem Ballpark mit 14:4 und 14:2 sweepten. In dem Auswärtsspiel in Regensburg bäumten sich die Bonner zwar mit einer kurzzeitigen Führung im ersten sowie mit zwei Runs im neunten Inning noch zweimal auf, unterlagen aber letztlich erneut mit 4:7. Regensburg hat damit zum neunten Mal in elf Jahren die Meisterschaftsserie erreicht und es kommt zur Neuauflage des Finales von 2007. Damals gewannen die Mainzer nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 zum ersten und bislang einzigen Mal den Titel.

Für eine Vorschau auf die Finalserie ist es mir noch zu früh, denn diese beginnt erst in vier Wochen. Grund für die lange Pause ist die Europameisterschaft in den Niederlanden vom 9. bis zum 18. September, in der eine ganze Reihe von Akteuren sowohl aus Regensburg als auch aus Mainz sich zunächst im Zusammenspiel in der Nationalmannschaft üben dürfen, bevor sie anschließend wieder als Gegner auf dem Platz stehen werden. Am 24. und 25. September ist aufgrund der besseren Platzierung in der regulären Saison zunächst Mainz Gastgeber, am 1. und ggf. 2. Oktober wird die Serie in Regensburg fortgesetzt, bevor man sich falls nötig am 8. Oktober noch einmal in Mainz zum Entscheidungsspiel trifft. Rechtzeitig vor dem ersten Spiel werde ich mich mit einer ausführlichen Gegenüberstellung der beiden Teams melden und mich dabei redlich um Sachlichkeit und Unparteilichkeit bemühen. Und falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Go A’s!

 

*In der MLB hat es jedenfalls laut der Triple Play Database noch nie eines gegeben. Danke an meinen Leser Matthias für den Hinweis!

August 29th, 2016 by