Das Baseblog-Powerranking im April

Vor genau drei Wochen habe ich im Zuge meiner Artikel zur Saisonvorschau ein Ranking der MLB-Teams für das Jahr 2018 fertig gestellt. Jetzt haben wir zweieinhalb Wochen Baseball hinter uns und es zeichnet sich bereits ab, dass ich mit der einen oder anderen meiner Einschätzungen wohl daneben lag. Das ist gut so, denn wenn alles so laufen würde, wie ich oder jemand anderes es vorausgesagt hat, wäre die Saison ja tödlich langweilig.

Ich möchte die letztes Jahr begonnene Tradition fortsetzen, jeweils ungefähr zur Monatsmitte mein Powerranking auf den aktuellen Stand zu bringen. Für die Rangfolge spielt natürlich die bisherige Bilanz des jeweiligen Teams eine große Rolle, aber ich schaue mir auch an, wer sich z. B. verletzt hat, wie günstig der Spielplan war und sein wird, wie viel Glück oder Pech bisher im Spiel war und selbstverständlich fließt auch eine Menge subjektiver Intuition mit ein. Findet ihr, dass ich euer Team unterschätze oder seid ihr sicher, dass Team X völlig überbewertet ist? Dann lasst es mich wissen, ich freue mich über jeden Kommentar.

1. (5.) Boston Red Sox (13-2) ⇒
Die Saison beginnt großartig für die Red Sox und dazu haben alle Mannschaftsteile gleichermaßen beigetragen. Das sind gute Voraussetzungen, um sich oben festzusetzen. Allerdings hatte Boston es außer den Yankees bislang hauptsächlich mit Fallobst zu tun. Mit den Angels wartet nun ein echter Test.

2. (1.) Houston Astros (10-7) ⇒
Von World-Series-Hangover keine Spur. Zwischendurch stotterte die Offense ein bisschen, aber dank starken Pitchings wurden die meisten Spiele dennoch gewonnen. Erwähnenswert ist vor allem Neuzugang Gerrit Cole – seine 36 Strikeouts sind die meisten, die im modernen Baseball je ein Pitcher in den ersten drei Spielen für einen Klub erzielt hat.

3. (8.) Arizona Diamondbacks (11-4) ⇑
Die Diamondbacks machen da weiter, wo sie letztes Jahr aufgehört haben. Brillant ist bislang der Bullpen, den ich in der Vorschau noch als Fragezeichen bezeichnet hatte. Mit 1.92 ERA und 2.75 FIP führt er die Liga in den beiden wichtigsten Statistik-Kategorien an.

4. (10.) Los Angeles Angels (13-3) ⇑
Mir fehlt ein bisschen der Mut, die Angels noch weiter oben zu platzieren, aber bislang ist das, was man von der bisherigen Mike-Trout-Show geboten bekommt, schlichtweg fantastisch. Neben Trout ist mit dem japanischen Jungstar Shohei Ohtani mindestens ein weiterer Hauptdarsteller getreten und Ian Kinsler fügte sich nach Rückkehr von der Verletztenliste prompt mit einem Homerun im ersten At-Bat für den neuen Verein ein.

5. (11.) New York Mets (12-3) ⇑
Auch die Mets sind hervorragend in die Saison gekommen, getragen von ihren Assen Noah Syndergaard und Jacob deGrom sowie von einem enorm starken Bullpen, wenngleich dieser gestern gegen Washington zum ersten Mal in diesem Jahr ein richtig schlechtes Inning hatte. Sorgen bereitet die Catcher-Position, da sich innerhalb weniger Tage sowohl Travis d’Arnaud für den Rest des Jahres als auch Kevin Plawecki für ca. vier Wochen verletzt melden mussten.

6. (3.) Cleveland Indians (8-6) ⇒
Die Indians haben das Pitching, um ganz vorne mitzuspielen, allerdings fehlt es bislang an offensivem Feuer. Francisco Lindor und Jose Ramirez scheinen aber schon auf dem Weg heraus aus dem Slump und wenn demnächst noch Yonder Alonso, Edwin Encarnacion und Jason Kipnis folgen, könnte es mal wieder eine längere Siegesserie geben.

7. (4.) New York Yankees (8-7) ⇒
Die Yankees sind noch nicht ganz das, was man im Vorfeld der Saison erwartet hatte. Aber sie stehen bei einem positiven Record und trotz einer schmerzhaften 1:14-Klatsche gegen die Red Sox inwzischen auch bei einem positiven Run Differential (+11). Ich will gar nicht wissen, wie es wird, wenn Giancarlo Stanton und Gary Sanchez den Schwung finden, den sie bislang vermissen lassen.

8. (2.) Chicago Cubs (7-7) ⇓
Eine .500-Bilanz mit Run Differential von +13 ist alles andere als ein Beinbruch, aber eben auch noch nicht, was ich den Cubs zugetraut hätte. Enttäuscht muss man bislang vor allem von der Starting Rotation sein. Kyle Hendricks ist der einzige, der nach drei Spielen mit einem ERA von unter 4.0 dienen kann.

9. (25.) Pittsburgh Pirates (11-5) ⇑
Ich bezweifle immer noch stark, dass die Pirates das vorgelegte Tempo beibehalten können, aber zurzeit sind sie für mich auf jeden Fall die größte Überraschung der Saison. Der überzeugendste Mannschaftsteil ist bislang die Offense mit 89 Runs (5,56 pro Spiel), aber die erstaunlichste Einzelleistung sehe ich bei SP James Taillon. Ein ERA von sagenhaften 0.89 und 20.1 gepitchte Innings in drei Spielen nähren die Hoffnung, dass Taillon dabei ist, den Status des ewigen Talents hinter sich zu lassen.

10. (13.) Minnesota Twins (7-4) ⇒
Nach einer gewonnenen Serie gegen die Astros hätten die Twins sicher gern ein paar Wins gegen die White Sox nachgelegt, doch leider sind wegen des miesen Wetters drei Spiele hintereinander ausgefallen. Gegen die Indians kommt es heute und morgen (sofern es die Witterung hoffentlich zulässt) zu einer echten Standortbestimmung für die beiden Top-Teams der AL Central.

11. (6.) Los Angeles Dodgers (6-9) ⇓
Es war ein Fehlstart, anders kann man es wohl nicht nennen. Und es wird nicht einfacher für die Dodgers, wenn jetzt neben 3B Justin Turner auch noch 2B Logan Forsythe auf der Verletztenliste steht und Closer Kenley Jansen nicht der zu sein scheint, der er mal war. Ich bin sicher, sie werden sich wieder fangen, aber bis dahin könnten die Diamondbacks schon ein gutes Stück enteilt sein.

12. (7.) Washington Nationals (8-9) ⇓
Die Nationals sind das zweite Favoritenteam, das die hohen Prognosen bislang nicht erfüllen konnte. Ein Saisonstart mit vier Siegen hintereinander ließ anderes erwarten, aber seitdem setzte es zu viele Niederlagen, insbesondere gegen die Divisionsrivalen Mets und Braves. Vielleicht fungiert der gestrige Sieg in New York inklusive Late-Inning-Comeback und einem verblüffenden Homerun von Bryce Harper als Initialzündung, um zurück in die Erfolgsspur zu finden.

13. (16.) Atlanta Braves (9-6) ⇒
Das beste Run Differential der NL East haben – ja, tatsächlich: die Atlanta Braves. Sie scoren reichlich, sie pitchen solide und SS Ozzie Albies scheint auf dem besten Weg zum Star. Noch traue ich dem jungen Team nicht über den Weg, aber es ist für mich einer der aussichtsreicheren Kandidaten, im nächsten Ranking noch weiter nach vorne zu springen.

14. (12.) Colorado Rockies (10-8) ⇒
Dass die Prügelei mit den Padres die bislang größte Schlagzeile der Rockies in dieser Saison ist, wird in Colorado nicht gerade für Freude sorgen – und noch weniger, dass Star-3B Nolan Arenado deswegen nun fünf Spiele lang gesperrt ist. Dabei steht man mit 10-8 gar nicht mal schlecht da, aber man sollte auch nicht verschweigen, dass die Rockies das einzige Team mit positivem Record bei negativem Run Differential (-6) sind.

15. (14.) St. Louis Cardinals (9-7) ⇒
Wie schaffen die Cardinals es nur immer wieder, bei mir unter dem Radar zu fliegen? Sie stehen zwei Siege vor den Cubs, haben das beste Run Differential (+18) ihrer Division und aktuell vier Siege am Stück. Trotzdem kann ich mich nicht aufraffen, ihnen mehr als einen Platz im Mittelfeld zuzugestehen. Vielleicht ist gerade das ihre Erfolgstaktik?

16. (18.) Toronto Blue Jays (9-5) ⇒
Wieder ein Team mit überraschend gutem Start, an das ich (noch) nicht recht glauben kann. Neben der auf Dauer übermächtig erscheinenden Divisionskonkurrenz tragen zu meiner Skepsis die Verletzung von 3B Josh Donaldson und die erschreckend schwache Form von SP Marcus Stroman bei.

17. (9.) Milwaukee Brewers (8-9) ⇓
Die Brewers sind bisher nicht so gut wie ich es erwartet hätte und ihre 8-9-Bilanz ist bei einem Run Differential von -19 noch eher schmeichelhaft. Dass sie Closer Corey Knebel mit einer Oberschenkelverletzung für mindestens die nächsten sechs Wochen verloren haben, macht die Sache nicht besser. Zwei blown Saves durch die Vertretungen in der letzten Woche sprechen dafür, dass Knebels Ausfall ein echtes Problem ist.

18. (21.) Philadelphia Phillies (9-6) ⇒
Der neue Manager Gabe Kapler hatte einen holprigen Einstand mit ein paar seltsamen Entscheidungen und peinlichen Patzern, aber nach zweieinhalb Wochen Baseball muss ich zugeben: Es macht zunehmend Spaß, dieser jungen Mannschaft beim Spielen zuzusehen. Die Unerfahrenheit sowohl des Teams als auch des Managers wird dieses Jahr noch ein paar Siege kosten, weswegen ich die Phillies nicht höher einstufe. Aber sie sind unübersehbar auf dem richtigen Weg.

19. (19.) Seattle Mariners (9-5) ⇒
Die Mariners sind in dieser Liste das am tiefsten eingeordnete Team mit positivem Record und ich habe dafür ein paar Gründe: Erstens machen sie nicht den Eindruck, in absehbarer Zeit ihre Verletzungsprobleme in den Griff zu bekommen; zweitens traue ich der Offense nicht dauerhaft zu, wie bisher das unterdurchschnittliche Pitching aufzufangen; drittens scheint der aktuelle Record auch eher zufällig zustande gekommen zu sein, denn ein Run Differential von +1 spricht eher für eine ausgeglichene Bilanz als für die aktuelle .643-Winning-Percentage.

20. (15.) San Francisco Giants (6-9) ⇓
Ich hatte den Giants einen Rebound nach der letztjährigen Katastrophensaison zugetraut, doch danach sieht es nicht aus: Mit Madison Bumgarner, Johnny Cueto und Jeff Samardzija fällt der komplette obere Teil der vorgesehenen Starting Rotation aus und trotzdem ist das Pitching noch der Lichtblick in einem Team, das die wenigsten Runs aller NL-Teams erzielt.

21. (24) Oakland Athletics (7-10) ⇒
Die Athletics werden auch dieses Jahr nichts reißen, halten ihre Fans aber immerhin mit Homeruns bei Laune. 23 Bälle haben Matt Chapman, Khris Davis & Co. schon über den Zaun geschlagen, die zweitmeisten in der AL.

22. (29.) Detroit Tigers (4-9) ⇑
Da wir gerade über Homeruns reden: Die wenigsten haben – gemeinsam mit den Royals – die Tigers erzielt, nämlich gerade mal fünf. Auch sonst hapert es in der Offense, der Batting Average von .216 ist der drittniedrigste und die On-Base-Percantage von .292 die viertniedrigste der MLB. Dank überraschend solidem Pitching erscheinen mir die Tigers zurzeit dennoch besser als ich vor der Saison gedacht hätte.

23. (23.) San Diego Padres (7-11) ⇒
Nicht viel Überraschendes von den Padres: Sie sind auf einem guten Weg, aber der ist noch lang. Das spannendste an ihnen sind derzeit noch die Callups von Talenten, aktuell zum Beispiel der des 23-jährigen Franchy Cordero, der im Centerfield den verletzten Manuel Margot vertritt.

24. (26.) Chicago White Sox (4-9) ⇒
Die White Sox befinden sich in ziemlich genau der gleichen Situation, die ich eben für die Padres geschildert habe. Mit zwei Siegen und insgesamt 18 Runs zum Saisonauftakt gegen die Royals ließen sie aufhorchen, doch seitdem kamen nur noch zwei weitere Siege sowie magere 2,8 Runs pro Spiel hinzu.

25. (17.) Texas Rangers (6-12) ⇓
Niederlagen in acht von zehn Heimspielen, die schlechteste Starting Rotation der Liga (5.72 ERA) und jetzt auch noch acht Wochen Verletzungspause für SS Elvis Andrus lassen die Hoffnung der Rangers auf eine solide Saison relativ früh in relativ weite Ferne rücken.

26. (22.) Tampa Bay Rays (4-12) ⇒
Die Winning-Percentage der Rays von .250 wird derzeit nur von den Royals und den Reds unterboten. Ihre bislang größte Schwäche und zugleich ihre größte Hoffnung auf Besserung ist ihr etatmäßiges Pitching-Ass: Chris Archer ist bislang völlig von der Rolle und hat in vier Starts erschreckende 19 Runs zugelassen. Wenn das einem Spieler seines Kalibers passiert, ist das oft entweder – im positiven Falle – ein statistischer Ausreißer, der sich schnell wieder gibt oder – im negativen Falle – ein Anzeichen für eine noch nicht entdeckte Verletzung, die ich Archer nicht wünsche.

27. (27.) Baltimore Orioles (5-11) ⇒
Die Rotation der Orioles ist so schwach wie erwartet (5.33 ERA), insbesondere Chris Tillman (11.91) ist bislang eine regelrechte Katastrophe und auch das Debüt von Neuzugang Alex Cobb mit sieben erlaubten Runs in 3.2 Innings macht wenig Hoffnung. Der Lichtblick unter den Startern ist Dylan Bundy (1.40 ERA nach vier Starts), aber auch er kommt nicht weit ohne den nötigen Run Support, welcher bei den Orioles mit dem zweitniedriegsten Average der Liga (.216) definitiv nicht gegeben ist. Mit MLB-führenden 177 Strikeouts sind die sie sogar auf Kurs für einen unerwünschten Rekord.

28. (28.) Kansas City Royals (3-10) ⇒
Anders als alle anderen Teams in dieser Region der Rangliste verfügen die Royals über eine durchaus solide Rotation (3.34 ERA). Allerdings wird diese völlig im Stich gelassen vom schlechtesten Bullpen der Liga (6.26 ERA) und einer quasi nicht vorhandenen Offense, die nur 39 Runs erzielt hat, sieben weniger als das zweitschwächste Team, die Giants.

29. (20.) Cincinnati Reds (3-13) ⇓
Von den Reds hatte ich erwartet, dass sie dieses Jahr einen Schritt nach vorne machen, doch danach sieht es bislang nicht aus. Aktuell weisen sie die schlechteste Bilanz und das zweitschlechteste Run Differential (-42) der Liga auf. Stärken sind Fehlanzeige – egal, ob man nach den Leistungen der Starter, des Bullpens oder nach den Battingzahlen schaut, die Reds sind immer ganz hinten dabei. Sogar Joey Votto passt sich dem niedrigen Niveau an; mit einer Slashline von .250/.295/.267 und -0.2 fWAR ist er seinem Team bislang keine Hilfe.

30. (30.) Miami Marlins (4-12) ⇒
Dass die Marlins nach Derek Jeters Kahlschlag vor einer grausamen Saison stehen, war allgemein klar und es würde mich wundern, wenn ihnen irgendwann in diesem Jahr jemand den letzten Platz des Rankings streitig macht. Auch in einer Saison ohne Erwartungen kann man aber immer noch enttäuscht werden – zum Beispiel von den desolaten Auftritten des angeblichen Top-Talents Lewis Brinson. Mit .131/.185/.131 und -0.5 fWAR ist Brinson zurzeit der schwächste Stammspieler der MLB.

Zahl in Klammern = Rang im letzten Powerranking
⇑ = 5 oder mehr Plätze höher als im letzten Powerranking
⇓ = 5 oder mehr Plätze niedriger als im letzten Powerranking
⇒ = weniger als 5 Plätze Abweichung zum letzten Powerranking

April 17th, 2018 by