Saison-Vorschau 2018: #11 New York Mets

In 29 von 30 Fällen gelingt es mir, so glaube ich jedenfalls, beim Schreiben dieser Previews einigermaßen neutral und objektiv zu bleiben. Bei den Mets fällt mir das schwer, das muss ich zugeben. Habe ich zu sehr die Teambrille auf, wenn ich immer noch denke, dass eine Starting Rotation mit Jacob deGrom, Noah Syndergaard, Matt Harvey, Steven Matz und Zack Wheeler die beste im Baseball sein kann, wenn nur mal alle fünf gleichzeitig fit und gesund sind? Oder dass ein Outfield aus Yoenis Cespedes, Michael Conforto und Jay Bruce zumindest in der National League mit jedem anderen mithalten kann? Oder dass das Infield zwar nicht aus großen Namen besteht, aber nach der Verpflichtung von Todd Frazier endlich so solide und flexibel aufgestellt ist, dass es auch mal die eine oder andere Verletzung wegsteckt, ohne zusammenzubrechen? Und dass natürlich allein dadurch schon alles besser wird, dass man den freundlichen, aber zu zaghaften und konservativen Manager Terry Collins gegen den weitaus analytischer geprägten Mickey Callaway ersetzt hat? Ja, wahrscheinlich argumentiere ich wirklich zu sehr durch die Teambrille – denn eigentlich ist es mir völlig bewusst, dass man als Fan dazu neigt, zwar nicht komplett unrealistische Einschätzungen abzugeben, aber unter mehreren Möglichkeiten immer das Best-Case-Szenario anzunehmen. Das ist mir spätestens letztes Jahr klar geworden, als ich mit meiner Vorhersage der Mets als Divisionssieger und World-Series-Teilnehmer so furchtbar daneben lag. Aber es soll keiner sagen, ich wäre nicht lernfähig: Dieses Jahr, um mir eine Enttäuschung zu ersparen (warum habe ich eigentlich plötzlich „Last Christmas“ als Ohrwurm?), tippe ich, dass die Mets die Playoffs verpassen. Aber nur ganz knapp.

Voraussichtliches Lineup
C Travis d’Arnaud
1B Adrian Gonzalez
2B Asdrubal Cabrera
SS Amed Rosario
3B Todd Frazier
LF Yoenis Cespedes
CF Michael Conforto
RF Jay Bruce

Voraussichtliche Rotation
SP Noah Syndergaard
SP Jacob deGrom
SP Jason Vargas
SP Matt Harvey
SP Steven Matz
Closer Jeurys Familia

Wichtigster Zugang
3B Todd Frazier (New York Yankees)

Wichtigster Abgang
1B Lucas Duda (Kansas City Royals)

Bestes Prospect
SS Andres Gimenez

Größte Stärke
DeGrom und Syndergaard: Teambrille hin oder her, was diese beiden angeht, lasse ich nicht mit mir verhandeln. Wer mit diesem One-Two-Punch aus zwei Assen mithalten kann, soll sich bitte melden. Mir fallen dazu allenfalls Scherzer/Strasburg in Washington und vielleicht noch Kluber/Carrasco in Cleveland ein, aber das war’s dann auch schon.

Größte Schwäche
Das rechte Infield: Die erste Base könnte sich als Achillesferse der Mets erweisen. Die beiden vorhandenen Alternativen haben jedenfalls im letzten Jahr und im bisherigen Spring Training den Eindruck erweckt, dass Dominic Smith auf seine besten Zeiten noch etwas warten muss und Adrian Gonzalez die seinen bereits hinter sich hat. Ich trauere jetzt schon Lucas Duda nach. Auch die zweite Base wirkt nicht ganz sattelfest besetzt. Die umgeschulten Shortstops Asdrubal Cabrera, Jose Reyes und Wilmer Flores sind dort allesamt kaum mehr als Notnägel.

Spannendste Frage
Können sie gesund bleiben? Verletzungen gehören zum Sport dazu, aber die Mets hat es in den letzten Jahren besonders hart und besonders häufig erwischt. 2017 haben sie laut Baseball Prospectus 30% ihrer Payroll auf der Verletztenliste liegen gelassen – mehr als jedes andere Team. Kann das Zufall sein? Klar kann es das, aber wahrscheinlicher ist, dass auch andere Ursachen eine Rolle spielen – schlechtes Training, zu viele Innings, zu späte und zu kurze Pausen etc. Die Mets scheinen das Problem jedenfalls endlich mit dem nötigen Ernst anzugehen – neben dem Manager haben sie auch fast das gesamte Trainings- und medizinische Personal neu besetzt und eine neue Stelle für einen „director of performance and sports science“ geschaffen. Wir werden sehen, was es bringt.

Prognose
Platz 2 in der NL East (keine Wild-Card)

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

März 17th, 2018 by