Rivalitäten in der MLB: Yankees vs. Red Sox

Heute beschäftige ich mich mit Rivalitäten in der MLB und erfülle damit den ersten Wunsch aus dem Baseblog.de-Offseason-Wunschkonzert. Diese tolle Idee (vielen Dank an Michael!) gibt so viel her, dass ich daraus keinen Einzelartikel mache sondern eine kleine Serie. Der Wikipedia-Artikel Major League Baseball Rivalries listet derzeit 36 aktuelle oder historische Rivalitäten in der MLB auf. Die werde ich hier nicht alle wiederkäuen, aber ich greife heute und in den folgenden fünf oder sechs Wochen ein paar heraus, von denen ich denke, dass sie die wichtigsten sind und zudem eine repräsentative Mischung von alten und neuen, geographisch bedingten und anderweitig entstandenen Rivalitäten darstellen.

Den Anfang macht die wohl bekannteste Rivalität im Baseball, welche seit seit mehr als einem Jahrhundert die Boston Red Sox und die New York Yankees pflegen. Ihre Vorgeschichte ist sogar älter als der Baseball selbst: Die Städte Boston und New York konkurrierten im 18. und 19. Jahrhundert um die kulturelle und wirtschaftliche Vormacht an der US-Küste und die Bewohner hegten zahlreiche Vorurteile gegeneinander. Entsprechend vorbelastet war das Verhältnis bereits, bevor die Teams am 7. Mai 1903 erstmals als Repräsentanten der beiden Städte aufeinander trafen. Schon in diesem ersten Spiel kam es zu einer Schlägerei auf dem Feld und eine der größten Sportrivalitäten überhaupt war geboren.

In der Anfangszeit waren die Bostoner (zunächst als Boston Americans, erst ab 1908 als Red Sox) das deutlich erfolgreichere Team und die New York Highlanders (ab 1913 die Yankees) der Underdog. Boston gewann 1903 die erste und bis 1918 vier weitere World Series, im Jahr 1904 holten sie durch einen Finalsieg gegen die Highlanders den Titel der American League. Nur einmal gelang es den Yankees in dieser Zeit, die Red Sox massiv zu ärgern: Am 24. April 1917 gelang Yankees-Pitcher George Mogridge ausgerechnet in Boston der erste No-Hitter der Teamgeschichte – und gleichzeitig der erste in der Geschichte des legendären (damals erst fünf Jahre alten) Fenway Parks.

Ein Meilenstein in der Rivalität und zugleich der Wendepunkt, ab dem die Yankees die Red Sox übertrumpften, war der Wechsel von George Herman „Babe“ Ruth im Jahr 1919. Der deutschstämmige Superstar, der bis heute zahlreiche MLB-Rekorde hält, wurde vom damaligen Owner der Red Sox, Harry Frazee, an die Yankees verkauft. Es war der erste von vielen Deals zwischen den beiden Vereinen, bei denen quasi immer die Red Sox den Kürzeren zogen und infolgedessen jahrzehntelang nicht an alte Erfolge anknüpfen konnten, während die Yankees zum unangefochtenen Rekordmeister der MLB wurden.

In der Phase von 1920 bis 2003 gewannen die Yankees 26 World Series und 39 AL-Championships, die Red Sox hingegen nur vier AL-Championships und keine einzige World Series. Die Yankees waren in dieser Zeit eine regelrechte Nemesis für die Red Sox und fungierten immer wieder – z. B. 1949, 1978, 1999, 2003 – als Spielverderber in aussichtsreichen Saisons der Bostoner. Erst 2004 konnten die Red Sox den Bann brechen, als sie gegen die Yankees einen 0:3-Rückstand in der AL-Championship noch in einen 4:3-Seriensieg umdrehten und anschließend auch die World Series gewannen – ihre erste nach 86 Jahren. Es folgten World-Series-Erfolge in den Jahren 2007 und 2013 und man kann wohl sagen, dass die Red Sox und die Yankees im bisherigen Jahrtausend auf Augenhöhe agieren.

Leider hat diese eigentlich sehr schöne traditionsreiche Rivalität, die beim Aufeinandertreffen der Teams regelmäßig für landesweite Medienaufmerksamkeit und hohe Einschaltquoten sorgt, gelegentlich schon zu Blutvergießen geführt. Das ist die traurige Seite der Hassliebe zwischen den beiden Traditionsteams, aber zum Glück kann man solche Vorkommnisse ruhigen Gewissens als Einzelfälle abtun. Im Großen und Ganzen verläuft diese Rivalität wie alle anderen in der MLB in recht friedlichen Bahnen. Riesige Polizeiaufgebote, die verfeindete Fangruppen nicht nur im Stadion sondern auch in der Stadt und bei der Anreise auseinanderhalten müssen, um Randale und Schlägereien zu verhindern, wie wir es vom europäischen Fußball kennen, gibt es in der MLB in aller Regel nicht. Im Ballpark sitzen die Anhänger der Teams in wilder Reihung durcheinander und haben in den meisten Fällen beiderseits Spaß am gegenseitigen Frotzeln.

Zum Schluss ein paar Statistiken: Die Yankees und die Red Sox trafen bisher 2156-mal aufeinander. Von diesen Spielen gewannen 1169 die Yankees, 973 die Red Sox und 14 Partien endeten unentschieden. Dabei scorten die Yankees 10341 Runs (4,8 pro Spiel) und die Red Sox 9416 (4,4). Das deutlichste Ergebnis war ein 22:1 der Yankees am 19. Juni 2000. Die längste Strecke aufeinander folgender Siege gegen den Rivalen hatten die Red Sox mit 17 Erfolgen vom 3. Oktober 1911 bis zum 1. Juli 1912.

November 15th, 2016 by