Was sagt uns die Slashline?

Damit niemand denkt, ich würde mich nur für Pitcher-Statistiken interessieren, schaue ich mir in diesem sowie in ein, zwei weiteren demnächst folgenden Beiträgen mal ein paar Batting-Stats an. Den Anfang machen heute die drei Kennzahlen (und eine weitere), denen man in Form der sogenannten Slashline ständig über den Weg läuft: Batting Average, On-Base-Percentage und Slugging.

Batting Average

Der Batting Average (meistens abgekürzt mit AVG oder BA) ist die wohl bekannteste Spielerstatistik im Baseball. Er beschreibt, wie häufig ein Batter das tut, was seine Hauptaufgabe ist, also wie oft er den Ball so trifft, dass er selbst es vor dem Ball mindestens zur ersten Base schafft. Letzteres nennt man einen Hit und der AVG ist schlichtweg die Anzahl der Hits geteilt durch die Anzahl der Versuche (At-Bats). Gelingen einem Spieler also drei Hits bei zehn At-Bats, dann hat er einen AVG von .300. Zu beachten ist, dass nicht jede Plate Appearance als At-Bat gezählt wird: Endet ein Duell an der Platte mit einem Walk oder mit einem Sacrifice Hit (also einem Bunt oder Flyball, bei dem der Batter aus wird, aber einen vorhandenen Baserunner nach Hause bringt), dann wirkt sich das nicht auf den AVG aus.

Das beste am AVG ist, dass er sehr einfach zu berechnen und so bekannt ist, dass jeder etwas damit anfangen kann. Jeder, der sich auch nur ein wenig für Baseball interessiert, weiß dass ein AVG über .300 sehr gut ist und dass ein AVG von dauerhaft unter .200 meist über kurz oder lang zum Jobverlust führt, wenn man nicht gerade ein Pitcher oder extrem wertvoller Defensivspieler ist. Was die tatsächliche Bedeutung für das Spiel angeht, sind die beiden anderen Werte der Slashline die interessanteren, weil der AVG zwei gravierende Schwächen aufweist: erstens dass er den Walk als Leistung des Batters vollständig ignoriert, zweitens dass er auch die Fähigkeit ignoriert, Hits zu schlagen, die für mehr als eine Base gut sind.

Wie die meisten Baseball-Statistiken muss man auch den AVG bei der Betrachtung historischer Leistungen in Abhängigkeit von der jeweiligen Ära sehen. Die 50 besten Averages qualifizierter Hitter in einer Saison entstanden allesamt weit vor 1950 mit einer einzigen bemerkenswerten Ausnahme: Tony Gwinns AVG von .394 im Jahr 1994 (Platz 37). Den besten AVG in diesem Jahrtausend erzielte 2004 einer, der noch heute von sich reden macht: Ichiro Suzuki mit .372 (Platz 129). Ein anderer aktiver Spieler knackt gerade so die Top-50 der Spieler mit dem besten Karriere-AVG: Miguel Cabrera mit .320. In der aktuellen Saison führen übrigens Jose Altuve (.355) und Daniel Murphy (.350) die Statistik an, während der Ligadurchschnitt bei .255 liegt.

On-Base-Percentage

Die On-Base-Percentage (OBP) gibt an, wie häufig ein Batter auf Base kommt. Das heißt, dass im Gegensatz zum AVG auch mitgezählt wird, wenn die Base durch einen Walk oder Hit by Pitch erreicht wird. Weiterhin unberücksichtigt bleiben allerdings Gelegenheiten, bei denen die Base durch einen Error, Fielder’s Choice, nicht gefangenen dritten Strike oder durch eine Interference-Entscheidung des Schiedsrichters erzielt wird.

Die OBP ist ein sinnvolleres Maß als der AVG, weil sie die Leistung, dem Pitcher einen Walk abzutrotzen, berücksichtigt. Es gibt keinen sinnvollen Grund, das nicht zu tun, denn einen Walk muss man sich genauso verdienen wie einen Hit und die Einschätzung, was von beidem sich gerade eher bewerkstelligen lässt, gehört zu den Kernaufgaben des Batters.

Auch hier ein kurzer Blick auf historische und aktuelle Werte: Die mit .609 beste OBP in einer einzelnen Saison wurde interessanterweise nicht in grauer Vorzeit erzielt sondern erst im Jahr 2004 und zwar von keinem geringeren als Barry Bonds im Alter von 39 Jahren. Er übertraf damit seinen eigenen Rekord aus dem Jahr 2002 (.582) und belegt mit .444 auch auf der Karriere-Liste den höchsten Platz (Rang sechs) eines Spielers aus der modernen Ära. Angeführt wird die Liste von den Legenden Ted Williams (.482) und Babe Ruth (.474), bester aktueller Spieler ist Joey Votto mit .423 auf Platz 17. In der laufenden Saison liegt Mike Trout (.425) knapp vor Jose Altuve (.422), der Ligadurchschnitt beträgt .321.

Slugging Percentage

Die Slugging Percentage (abgekürzt SLG) ist ein Maß, mit dem AVG und OBP sinnvoll ergänzt werden, indem es deren blinden Fleck beleuchtet: die Power des Hitters. Man berechnet SLG im Prinzip genauso wie den AVG mit dem einzigen Unterschied, dass im Zähler der Formel Singles einfach, Doubles zweifach, Triples dreifach und Homeruns vierfach berücksichtigt werden. Was dabei herauskommt, ist eigentlich kein Anteil, keine Percentage; der Name des Indikators ist also falsch, aber daran scheinen sich nicht genug (oder nicht die maßgeblichen) Leute zu stören, um etwas daran zu ändern. Man kann sagen, SLG misst, wie viele Bases ein Batter je At-Bat im Durchschnitt erzielt. Gelingen ihm beispielsweise bei zehn At-Bats ein Single, zwei Doubles und ein Homerun, so kommt er durch die Rechnung (1+2*2+1*4)/10 auf .900 SLG (oder 0,9 Bases pro At-Bat). Im Gegensatz zu AVG und OBP, bei denen es sich wirklich um Anteile handelt, kann SLG auch höher als 1.000 liegen, im Extremfall (jedes At-Bat ein Homerun) bei 4.000.

SLG ist eine einfache Möglichkeit, die Power eines Hitters zu beurteilen. Als allein stehender Wert taugt der Indikator nicht viel, weil auch er die Walks komplett außer Acht lässt. In der gemeinsamen Betrachtung von OBP und SLG bietet sich jedoch ein für den Hausgebrauch schon sehr umfassendes Bild von einem Batter.

Die beste Einzelsaison geht wie schon bei der OBP auch beim SLG an Barry Bonds (.863 im Jahr 2001), der sich die ersten sechs Plätze der Liste brüderlich mit Babe Ruth teilt. Ruth ist mit .690 der beste Slugger über eine Gesamt-Karriere hinweg. Bonds liegt hier mit .607 auf Platz fünf, der beste aktive Spieler ist Albert Pujols mit .575 auf Rang elf. Im Jahr 2016 führt bisher David Ortiz in seiner Abschiedssaison mit teuflisch guten .666 SLG die Liga an, gefolgt von Daniel Murphy mit .612; der Ligadurchschnitt liegt bei .417.

On-Base plus Slugging

Kein Teil der üblichen Slashline, aber direkt aus dieser errechenbar ist die Kennzahl On-Base plus Slugging (OPS). Sie funktioniert genau so, wie sie sich anhört: Man addiert einfach OBP und SLG und hat in OPS einen Wert, der sowohl die Power des Batters als auch dessen Fähigkeit, per Hit oder Walk auf Base zu kommen, berücksichtigt.

OPS ist keine ausgefeilte Mathematik und sicher nicht das Nonplusultra unter den Versuchen, die Leistung eines Batters in einem Wert auszudrücken. Zu diesem Zweck müsste man beispielsweise das Baserunning, Basestealing und die Fähigkeit, Hits in entscheidenden Situationen zu erzielen, mit berücksichtigen. Außerdem müsste man OPS etwas stärker gewichten als SLG, weil es höher mit dem Scoren von Runs korreliert. Das sind aber letztlich akademische Einwände, denn tatsächlich kommt OPS im Abgleich mit ausgefeilteren Indikatoren bereits zu sehr ähnlichen Ergebnissen und das bei einer vergleichsweise kinderleichten Berechnung. Fürs Erste – wenigstens bis zu meinem nächsten Artikel über Offensivstatistiken, in dem ich ein paar der fortgeschrittenen Indikatoren erläutere – können wir festhalten, dass OPS ein sehr brauchbares Mittel ist, um Batter zu beurteilen.

Auch hier führt Barry Bonds (1.422 OPS im Jahr 2004) die Allzeit-Rangliste von Einzelsaisons an und auch hier teilt er sich die ersten sechs Plätze mit Babe Ruth, welcher wiederum die Nase vorn hat, wenn man die Gesamtkarriere betrachtet. Lediglich sieben Spieler haben es bislang geschafft, über ihre gesamte Zeit in der MLB hinweg eine OPS über 1 zu erzielen. In Einzelsaisons kommt das häufiger vor und auch im aktuellen Jahr liegen mit David Ortiz (1.083) und Josh Donaldson (1.002) zwei Spieler über der magischen Grenze (Ligadurchschnitt .739). Ja, es scheint unglaublich, aber es ist wahr: Mit 40 Jahren in seiner Abschiedssaison ist David Ortiz der beste Hitter der MLB.

Juli 27th, 2016 by