Oktober 19th, 2017 by Dominik

Nächsten Dienstag beginnt die World Series. Noch wissen wir nicht, welche Teams dann um den höchsten Titel im Baseball gegeneinander antreten werden, doch schon heute Nacht kann die erste Entscheidung darüber fallen und morgen die zweite. Im Grand Slam am Donnerstag konzentriere ich mich heute ganz auf das aktuelle sportliche Geschehen. Gleichzeitig vollziehen sich auch jenseits der Spielfelder hochinteressante Entwicklungen. Diese könnten zu einer massiven Umstruktierung der MLB führen. Aber dieses Thema hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf, der innerhalb der nächsten Tage folgen wird.

National League
Die Los Angeles Dodgers waren nah dran, nach der NLDS auch die NLCS zu sweepen: Mit 3:0 Siegen lagen sie bereits in Führung, bevor sie letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Postseason ein Spiel abgeben mussten. Die Offense der Chicago Cubs, die sich seit einigen Spielen im Tiefschlaf befand, ist nicht gerade explodiert, bekam aber gerade genug Runs beisammen, um aus dem starken Start von Jake Arrieta einen 3:2-Erfolg herauszuholen. Zwei davon waren Solo-Homeruns von Javier Baez, der zuvor mit 0 Hits aus seinen letzten 20 At-Bats gegangen war.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steht Spiel fünf an und wenn die Cubs danach noch im Rennen sein wollen, müssen sie sich wohl eine Menge einfallen lassen. Denn mit einer abgekühlten Offense gegen einen der (wahrscheinlich sogar den) besten Pitcher der Welt, Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP), antreten zu müssen, klingt nicht allzu vielversprechend. Mit José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) schicken auch die Cubs einen Top-Pitcher auf den Mound, der beim letzten Aufeinandertreffen in Spiel eins genau wie Kershaw fünf Innings durchhielt und zwei Runs zuließ. Der Bullpen verlor schließlich die Partie mit 2:5. Mein Tipp ist, dass es heute ähnlich laufen wird, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, auf welcher Basis ich der Kombination aus Kershaw und dem Bullpen der Dodgers etwas anderes prophezeien sollte als den vierten Sieg und den Einzug in die World Series.

American League
Während in der NL die Rollen des Favoriten und des Außenseiters klar verteilt sind, scheint der Ausgang der ALCS noch weit offen. Die Houston Astros gewannen ihre beiden Heimspiele, getragen von Dallas Keuchel und Justin Verlander, anschließend siegten aber dreimal hintereinander die New York Yankees in ihren eigenen Heimspielen. Wenn es nach diesem Muster weitergeht, haben die Astros beste Chancen, da sie das Heimrecht für die Spiele fünf und sechs besitzen. Doch der Druck, der nach der vergebenen 2:0-Führung auf ihnen lastet, dürfte enorm sein. Die Yankees hingegen können sich von der Euphorie tragen lassen, gestern Abend sogar gegen ihren Angstgegner Keuchel einen astreinen 5:0-Sieg eingefahren zu haben und nur noch einen Sieg von der World Series entfernt zu sein.

Den ersten von zwei Matchbällen haben die Yankees morgen Nacht ab 2 Uhr mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) gegen Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). In Spiel zwei gab es dieses Duell schon einmal und es ging deutlich an Verlander, der neun dominante Innings pitchte (siehe Statistik der Woche), während Severino schon nach vier Innings vorsichtshalber ausgewechselt wurde, nachdem er einen Ball ans linke Handgelenk bekommen hatte. Nach einer Bullpen-Session am Mittwoch gab es aber grünes Licht für seinen Einsatz. Es wird sicher spannend, aber ich tippe auf einen Sieg der Astros und somit auf ein alles entscheidendes Spiel sieben am Samstag.

Szene der Woche
Einen der wohl seltsamsten Spielzüge des Jahres gab es am Dienstag in Spiel vier der ALCS: Es ging los mit einem Walk für Aaron Judge, gefolgt von einem Lineout durch Didi Gregorius – soweit alles normal. Als nächstes war Gary Sanchez an der Reihe, der einen Flyball ins halbrechte Outfield schlug. Für Judge sah der Ball wohl nach einem wahrscheinlichen Basehit aus, deshalb war er schon über die zweite Base hinaus gerannt, bevor er seinen Fehler bemerkte und sich schnell auf den Weg zurück zur ersten Base begab. Der Wurf dorthin von Astros-Outfielder Josh Reddick war schwach, er sprang ein paarmal auf und kam nach Ansicht des Umpires gerade noch rechtzeitig für das Out an. Yankees-Manager Joe Girardi ließ die Entscheidung überprüfen und sie wurde zurückgenommen: Judge war safe an der ersten Base. Nun protestierte wiederum Astros-Manager A. J. Hinch, der gesehen haben wollte, dass Judge auf dem Weg zurück die zweite Base nicht noch mal berührt hatte. Um darüber eine Entscheidung herbeizuführen, war ein Appeal-Play nötig – in dem Fall ein Wurf zur zweiten Base, an der dann der Umpire zu entscheiden hatte, ob dadurch an der Stelle ein Out stattfand. Astros-Pitcher Lance McCullers war dabei aber etwas voreilig, denn der nächste Batter stand noch nicht in der Box und der Ball war somit nicht freigegeben. Also musste er den Wurf wiederholen, doch nun rannte Judge plötzlich – und wurde problemlos ausgetagt. Was auf den ersten Blick aussah wie einer der dämlichsten Steal-Versuche aller Zeiten, war übrigens völlig rational: Judge und den Yankees war klar, dass er die zweite Base nicht berührt hatte und das Appeal-Play der Astros erfolgreich sein würde; daher war es den Versuch wert, die zweite Base vor dem Ball zu erreichen und auf diese Weise den Appeal abzuwehren.

Statistik der Woche 
93. So viele Strikes warf Justin Verlander bei seinem complete Game in Spiel zwei der ALCS, das er mit den Astros 2:1 gegen die Yankees gewann. Es waren die meisten Strikes durch einen einzelnen Pitcher in einem Playoffspiel seit 2011. Kurioserweise war es auch damals Verlander und zwar ebenfalls in der ALCS, in Spiel fünf der Detroit Tigers gegen die Texas Rangers. Insgesamt warf Verlander am Samstag 124 Pitches und schickte 13 Batter per Strikeout aus der Box.

Spiel der Woche
Das für mich beste Spiel der bisherigen Championship Series war Spiel zwei der NLCS. Es war ein hochkarätiges, defenselastiges Duell zwischen zunächst Jon Lester und Rich Hill und anschließend zwischen zwei sehr starken Bullpens. Im fünften Inning wurden die vorerst einzigen Runs ausgetauscht durch einen Homerun von Addison Russell und einen RBI-Single von Justin Turner. Auf Turners Konto gingen im Endeffekt alle vier RBIs der Dodgers, denn ihm gelang gelang im neunten Inning gegen den zum Reliever umfunktionierten John Lackey der  Walkoff-Homerun. Das Ganze ereignete sich übrigens auf den Tag genau 29 Jahre nach einem anderen legendären Walk-Off-Homerun der Dodgers – über den Justin Turner anschließend erzählte, dass er ihn als Dreijähriger im Haus seiner Oma live im Fernsehen gesehen hat.

Spiel der kommenden Woche
Wir sind auf der Zielgeraden der Saison und ich versuche, trotz der oft ungünstigen Zeiten jedes Spiel zumindest teilweise live zu sehen. Für Spiel sechs der Yankees gegen die Astros werde ich mir auf jeden Fall für Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Wecker stellen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Oktober 12th, 2017 by Dominik

Nur noch fünf Teams sind in Rennen um die World Series 2017: Die Yankees, die Astros und die Dodgers sind bereits für die Championship-Serien der beiden Ligen qualifiziert; als letztes Überbleibsel der Divisional-Runde tragen heute Nacht noch die Chicago Cubs und die Washington Nationals das fünfte und entscheidende Spiel ihres NLDS-Duells aus. Im Grand Slam am Donnerstag gibt es heute eine kleine Vorschau zu diesem Spiel und schon mal das wichtigste über die ALCS und die NLCS.

American League
Wie schon in den ersten beiden Runden legt auch in den Championship-Serien die American League vor: Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit der ALCS zwischen den Houston Astros und den New York Yankees.

Die Astros entschieden die Serie gegen die Boston Red Sox mit 3:1 für sich, indem sie nach zwei deutlichen Heimsiegen und einer ebenso deutlichen Auswärtsniederlage Spiel vier in Boston mit 5:4 gewannen. Beide Teams hatten alles in die Waagschale geworfen, was sie hatten, und aus dem ursprünglichen Matchup von Charlie Morton gegen Rick Porcello nach wenigen Innings ein Duell der Asse Justin Verlander gegen Chris Sale gemacht.

Noch spannender ging es in der anderen ALDS zu, in der die Yankees gegen die Cleveland Indians einen Rückstand von 0:2 Spielen noch in eine 3:2-Serie drehten. Beide Teams gewannen zunächst ihre Heimspiele, bevor in der entscheidenden fünften Partie die Yankees in Cleveland triumphierten. Held des Tages beim 5:2-Sieg war New Yorks Shortstop Didi Gregorius, der Indians-Star Corey Kluber zwei Homeruns einschenkte.

In die ALCS gehen die Astros als klarer Favorit, nachdem sie die bessere reguläre Saison und die dominantere Divisional-Serie hatten und sich dadurch zwei zusätzliche Ruhetage und das günstigere Heimrecht (Spiele 1, 2, 6, 7) verdient haben. Dass die Yankees mit der Rolle des Außenseiters gut umgehen können, haben sie dieses Jahr aber auch schon oft genug bewiesen. Dallas Keuchel (2.90 ERA, 3.79 FIP) wird das erste Spiel der Best-of-Seven-Serie für die Astros starten, bei den Yankees läuft es vermutlich auf Masahiro Tanaka (4.74 ERA, 4.34 FIP) hinaus.

National League
In der National League warten die Los Angeles Dodgers schon seit Montag auf einen Gegner. Sie selbst entledigten sich der Arizona Diamondbacks – in der regulären Saison noch der Angstgegner der Dodgers – souverän mit 3:0 Siegen.

Zwischen den Chicago Cubs und den Washington Nationals ist derweil noch nichts entschieden. Zweimal haben die Cubs vorgelegt, zweimal haben die Nationals ausgeglichen. Washington kam dabei zugute, dass Spiel vier wegen Regens um einen Tag von Dienstag auf Mittwoch verschoben werden musste. Der zusätzliche Ruhetag ermöglichte den Nationals, Stephen Strasburg starten zu lassen, der an den Tagen zuvor unter „grippeähnlichen Symptomen“ gelitten hatte. Von diesen war bei seinem Auftritt über sieben dominante Innings, in denen er nur drei Hits und keine Runs zuließ, nichts zu spüren. 5:0 siegten die Nationals und holten damit die Serie zurück nach Washington, wo heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit das fünfte und letzte Spiel der Serie stattfindet (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Den Sieger des entscheidenden Spiels empfangen die Dodgers Samstagnacht um 2 Uhr zum ersten Spiel der NLCS in Los Angeles.

Szene der Woche
Das Thema „Homeruns mit freundlicher Unterstützung“ hatten wir dieses Jahr schon einmal. Jackie Bradley Jr. hat in Spiel drei gegen die Astros ein weiteres Exemplar beigesteuert: Sein Drei-Run-Homer im siebten Inning, der die Partie endgültig zum 10:3-Sieg der Red Sox entschied, war eigentlich einen halben Meter zu kurz. Ein missglückter Catch von Astros-Outfielder Josh Reddick beförderte den Ball aber doch aus dem Spielfeld und die ALDS in ein viertes Spiel. 

Statistik der Woche 
432-378. Das ist die Bilanz von John Farrell aus fünf Jahren als Manager der Boston Red Sox. Das entspricht einer Siegesquote von .533, die noch ansehnlicher dadurch wird, dass in Farrells Zeit der Gewinn der World Series 2013 sowie zwei Divisionssiege hintereinander 2016 und 2017 fallen. Nachdem die Red Sox nun allerdings auch zweimal hintereinander in der ALDS ausgeschieden sind, musste Farrell ein Jahr früher als vertraglich vorgesehen seinen Hut nehmen.

Spiel der Woche
Die spannendste der diesjährigen Divisional-Serien war die zwischen den Cleveland Indians und den New York Yankees. Dieser Serie entstammt auch das spannendste Einzelspiel der Runde: In Spiel zwei des Duells legten die Yankees per Homerun von Gary Sanchez zwei Runs im ersten Inning vor, die von den Indians prompt ausgeglichen wurden. Bis zum fünften Inning zogen die Yankees dann aber, unter anderem durch Homeruns von Aaron Hicks und Greg Bird, auf 8:3 davon. Spiel gelaufen? Mitnichten, denn im sechsten Inning brachte Francisco Lindor die Indians mit einem Grand Slam an den Foul Pole zurück ins Rennen. Jay Bruce, der schon im ersten Spiel der Held gewesen war, vollendete die Aufholjagd durch seinen Homerun zum 8:8. In den Extras waren noch einmal die Yankees nah am Sieg, doch Indians-Catcher Yan Gomes erstickte im elften Inning durch einen Pickoff-Throw an die zweite Base die Hoffnung der New Yorker auf Punkte im Keim. Ausgerechnet Gomes war es schließlich im dreizehnten Inning, dessen Single Austin Jackson nach Hause brachte und damit das Spiel doch noch zugunsten von Cleveland entschied.

Spiel der kommenden Woche
Wie jeder MLB-Fan fiebere ich den Championship-Serien entgegen, aber vorher steht heute Nacht um 2 Uhr noch das Entscheidungsspiel um den letzten Startplatz im Finale der National League an: Die Washington Nationals empfangen den Titelverteidiger Chicago Cubs. Als Starter werden aller Voraussicht nach Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) für Chicago und entweder  Tanner Roark (4.67 ERA, 4.13 FIP) oder Gio Gonzalez (2.96 ERA, 3.93 FIP) für Washington antreten. Nach Hendricks‘ sehr starkem Auftritt aus Spiel eins kann man die Cubs mit ihm als leichte Favoriten sehen – allerdings müssen sie dazu auch ihre mit nur acht Runs aus den ersten vier Partien zu harmlose Offensive in Schwung bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, könnten übrigens die beiden Starter aus Spiel drei – Jose Quintana und Max Scherzer – als Reliever zum Einsatz kommen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , ,

Oktober 13th, 2016 by Dominik

Den Grand Slam am Donnerstag hatte ich für diese Woche in erster Linie als Vorschau auf die Championship-Serien vorgesehen und das ist er nun auch geworden, obwohl heute Nacht noch zwei Teams nachsitzen und den zweiten Teilnehmer des National-League-Finales ausspielen müssen. Die Highlights der bisherigen Divisional-Spiele kommen natürlich ebenfalls nicht zu kurz.

National League
Heute Nacht ab 2 Uhr unserer Zeit wird sich zwischen den Los Angeles Dodgers und Gastgeber Washington Nationals entscheiden, wer ab Samstag gegen die Chicago Cubs um die Krone der National League spielen darf. Ich denke und hoffe, dass dieses Entscheidungsspiel so spannend wird wie die bisherige Serie. Dabei halte ich die Nationals für leicht favorisiert, zum einen wegen des Heimrechts und zum anderen weil sie ihr Ass Max Scherzer (2.96 ERA, 3.24 FIP) auf den Mound schicken können. Die Dodgers haben ihren Superstar Clayton Kershaw schon in Spiel 4 verbraucht und müssen auf Routinier Rich Hill (2.12 ERA, 2.39 FIP) und wahrscheinlich auf Rookie Julio Urias (3.39 ERA, 3.17 FIP) zurückgreifen – ebenfalls zwei gute Pitcher, die in der Zahl ihrer Innings bzw. Pitches vermutlich etwas eingeschränkt sind, aber sich gegenseitig gut ergänzen dürften.

Die Chicago Cubs stehen seit Dienstagnacht als NLCS-Teilnehmer fest und gehen in jedem Fall als Favorit in Selbiges – nicht nur, weil sie dieses Jahr in der MLB mit Abstand die meisten Spiele gewonnen und mit Abstand das beste Run Differential erzielt haben, sondern auch weil sie zwei Tage mehr zum Ausruhen zwischen den Serien hatten und somit aus dem Vollen schöpfen können. Der Gegner hingegen wird den oder die heute Nacht verwendeten Starter frühestens in Spiel 3 einsetzen können. Ich sage unabhängig vom Gegner einen deutlichen Seriensieg der Cubs voraus – 4:1, höchstens 4:2.

American League
In der American League geht es schon Freitagnacht mit der Finalserie los. Um 2 Uhr unserer Zeit werden die Cleveland Indians und die Toronto Blue Jays im ersten Spiel der Best-of-Seven-Serie aufeinander treffen. Ich bin sehr gespannt auf diese Serie, nachdem in der vorherigen Runde beide Teams als Außenseiter ins Rennen gegangen waren, aber überraschend souverän ihre jeweiligen Gegner in drei Spielen abgefertigt haben.

Die Starts im ersten Spiel werden Marco Estrada (3.48 ERA, 4.15 FIP) für die Blue Jays und Corey Kluber (3.14 ERA, 3.26 FIP) auf Seiten der Indians absolvieren. Das sieht nach einem leichten Vorteil für die Indians aus, aber sowohl Estrada als auch Kluber haben in dieser Postseason bisher ein Spiel absolviert und sich dabei gleichermaßen in hervorragender Form präsentiert. Beide Teams weisen auch sonst eine starke Starting Rotation auf, wenngleich die Indians nach wie vor auf Carlos Carrasco und auf Danny Salazar (der vielleicht während der Serie zumindest in einer Relieve-Rolle zurückkehren könnte) verzichten müssen. Bei den Bullpens sehe ich die Indians leicht im Vorteil, obwohl ich sehr viel von Roberto Osuna, dem jungen Closer der Blue Jays, halte. In der Offense nehmen sich die Teams nicht viel; beide gehören zur Spitze der Liga, wobei die Blue Jays stärker von Homeruns (221 von insgesamt 759 Runs) abhängen als die Indians (185 von 777).

Auch zur ALCS gebe ich einen Tipp ab, aber es ist nicht viel mehr als ein Münzwurf, denn ich sehe dieses Duell als sehr eng an. Ich sage, die Serie geht über volle sieben Spiele und die Blue Jays gewinnen 4:3.

Spielzug der Woche
Die Blue Jays haben das Duell mit den Texas Rangers per Walk-Off im zehnten Inning mit 7:6 für sich entschieden. Schuld daran war in erster Linie ein schlechter Wurf von Rangers-2B Rougned Odor, aber ebenso großen Anteil hatten der Mut und die Übersicht von Josh Donaldson, auf seinem Weg von der zweiten Base nicht bei der dritten anzuhalten sondern bis zur Homeplate durchzuziehen und dort mit einem perfekten Slide den Catcher zu schlagen. Eric Byrnes und Cliff Floyd haben die spektakuläre Baserunning-Aktion auf amüsante Weise nachgespielt.

Statistik der Woche
6. Das ist die Anzahl von RBIs, die die Pitcher der Chicago Cubs in der Serie gegen die San Francisco Giants erzielt haben. Besonders bemerkenswert fand ich, dass nach drei Spielen die Pitcher mehr RBIs auf dem Konto hatten als die Positionsspieler (5). Erst im vierten Spiel gelang es Letzteren, ihre Ehre zu retten, indem sie alle 6 RBIs verantworteten und damit die Verhältnisse wieder halbwegs gerade rückten.

Spiel der Woche
Die Chicago Cubs haben die San Francisco Giants dreimal besiegt, aber das interessanteste Spiel war für mich das eine, das die Giants gewonnen haben. Es passiert mir nicht oft, dass ich morgens zu meiner normalen Zeit aufstehe und noch fünfeinhalb Innings Baseball erleben darf, aber am Dienstagmorgen war es so. Verpasst hatte ich bis dahin siebeneinhalb Innings, in denen Cubs-Pitcher Jake Arrieta der einzige gewesen war, der mit einem 3-Run-Homerun Giants-Ass Madison Bumgarner überwinden konnte. Ich schaltete gerade rechtzeitig ein, um zu sehen, wie Conor Gillaspie (der schon wieder!) im unteren achten Inning per Triple aus einem 2:3-Rückstand eine 4:3 Führung machte, die nach einem Single von Brandon Crawford noch auf 5:3 anwuchs. Die Cubs wären nicht die Cubs, wenn so ein Nackenschlag sie zum Aufgeben brächte, also glichen sie im neunten Inning durch einen 2-Run-Homerun von Kris Bryant auf 5:5 aus. Erst vier Innings später gelang den Giants dann doch der erlösende Walk-Off-Run durch Brandon Crawford bei einem Double von Joe Panik. Die Giants erhöhten damit ihre Serie von gewonnenen Playoffspielen, in denen das Ausscheiden drohte, auf zehn hintereinander. Beim Versuch, elf daraus zu machen, war dann allerdings Schluss.

Spiel der kommenden Woche
In den Playoffs zählt jedes Spiel, aber das Spiel zwischen den Dodgers und den Nationals heute Nacht zählt noch ein bisschen mehr, weil es für beide Seiten unweigerlich um Ausscheiden oder Weiterkommen geht. Deswegen ist es für mich das Spiel der Woche.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , ,

Oktober 11th, 2016 by Dominik

Nach den Toronto Blue Jays haben nun auch die Cleveland Indians das Ticket für die Finalserie der American League gebucht. Genau wie die Blue Jays haben sie ihre Divisional-Serie gesweept und sich damit ein paar Regenerationstage verschafft, bevor es Freitagnacht um 2 Uhr mit der ALCS losgeht.

Für die Indians ist es die erste Finalteilnahme seit 2007 – damals war man in der ALCS übrigens auf die Boston Red Sox getroffen und hatte eine Zwei-Siege-Führung noch verspielt. Auch in der ALDS 1999 war den Red Sox schon das Kunststück gelungen, eine Serie gegen Cleveland komplett zu drehen, aber dieses Mal ließen die Indians nichts anbrennen: Ähnlich wie das 5:4 im ersten Spiel der Serie war die dritte Partie gegen Boston eine knappe Angelegenheit und in beiden Fällen brachten die beiden Relieve-Asse Andrew Miller und Cody Allen den Sieg nach Hause. Gegen Ende wurde es zwar noch mal spannend, als sowohl im achten als auch im neunten Inning beim Stand von 4:3 gegnerische Runner in Scoring Position waren, aber wie in der gesamten Serie wurden die Red Sox ihrem Ruf als stärkste Offense der Liga nicht gerecht.

Mit dem enttäuschenden Saisonende für die Red Sox endet auch eine ganz große MLB-Karriere relativ still und leise. Relativ, denn natürlich erhielt Big Papi David Ortiz nach seiner letzten Plate Appearance, einem Walk im achten Inning, ausführliche Standing Ovations. Aber es tut mir ein bisschen leid für ihn, dass ihm nach einer großartigen Abschiedssaison (.315/.401/.620) kein schönerer Rahmen vergönnt war als ein verlorenes Playoffspiel.

Posted in MLB Tagged with: , , , ,

Oktober 10th, 2016 by Dominik

Die Toronto Blue Jays haben sich heute Nacht als erstes Team für die Championship-Serie der American League, kurz ALCS, qualifiziert. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Wie ich im letzten Grand Slam ausgeführt habe, habe ich die Blue Jays nicht so sehr als Außenseiter gesehen, wie man es angesichts der Konstellation – als Wild-Card-Team gegen das Team mit den meisten Siegen der Liga – erwarten würde. Aber dass sie die Rangers einfach mal so in drei Spielen sweepen, war dann doch überraschend. Zumal die beiden ersten Siege mit recht klarer Dominanz im fremden Stadion eingefahren wurden.

Knapp wurde es nur im dritten Spiel, dem einzigen in Toronto. Wie zuvor schon Cole Hamels (3.1 IP, 6 ER) und Yu Darvish (5.0 IP, 5 ER in Spiel 2) bescherten die Blue Jays auch Colby Lewis (2.0 IP, 5 ER) einen schwachen Start. Aber dieses Mal hielten die Rangers zum ersten Mal gut dagegen und schickten Torontos Ass Aaron Sanchez mit 6 ER in 5.2 IP vom Mound. Gegen den Bullpen der Blue Jays war dann aber nichts mehr zu holen und im zehnten Inning gelang Josh Donaldson der Walkoff-Run nach einem Double sowie einem Error, den er für einen Spurt von der zweiten Base bis zum Slide auf die Homeplate nutzte. Der Error ging übrigens auf die Kappe von Rougned Odor. Ja, ausgerechnet Odor – wieder mal eine Geschichte, wie sie nur der Sport schreibt.

Toronto unternimmt also nun im zweiten Jahr in Folge den Anlauf, den AL-Titel zu gewinnen und in die World Series einzuziehen. Indem sie die Serie in drei Spielen erledigt haben und zudem noch das gestrige Spiel der Red Sox gegen die Indians wegen Regens verschoben werden musste, haben die Blue Jays den Vorteil, mit komplett ausgeruhtem Pitching Staff in die ALCS zu gehen. Der Vorteil wird umso größer sein, je länger die Serie der anderen beiden Teams noch dauert.

Posted in MLB Tagged with: , , , ,