Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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Mai 18th, 2017 by Dominik

Sie ist schon toll, diese MLB, da ist für jeden was dabei: Mögt ihr klare Verhältnisse, einer geht voran und alle anderen folgen in respektvollem Abstand? Dann werdet ihr die NL East und die AL West lieben. Seht ihr lieber einen spannenden Dreikampf auf hohem Niveau? Dann ist die AL East oder die NL West die passende Division für euch. Oder gefällt euch eher große Ausgeglichenheit mit Chancen für jeden? Dann beschäftigt ihr euch am besten mit den Central-Divisionen. Egal, welche Division ihr zurzeit am liebsten verfolgt – der Grand Slam am Donnerstag bringt sie euch alle:

National League
Fangen wir an mit der momentan langweiligsten Division, der National League East. Die Washington Nationals (25-14) ziehen einsam ihre Kreise und der Rest übt sich gekonnt darin, sie dabei auf keinen Fall zu stören. Stolze acht Spiele beträgt der Vorsprung auf den Zweiten – zurzeit übrigens die Atlanta Braves (16-21) – bereits, das sind mehr als in manch anderer Division der Abstand zwischen dem Ersten und dem Letzten. Tatsächlich waren die Braves die Einzigen, die in den letzten Tagen mit einer Serie von drei Siegen gegen die Blue Jays ein Lebenszeichen von sich gaben. Die anderen drei Teams verloren im Gleichschritt jeweils acht ihrer letzten zehn Spiele, die New York Mets (16-23) sogar sieben in Folge. Die Nationals sind beileibe kein Überteam – zwar haben sie eine brachiale Offense um Bryce Harper und Ryan Zimmerman, doch im Pitching gibt es Schwächen, vor allem im Bullpen. Das merkt aber keiner, solange der Rest der Division so desolat bleibt wie er momentan ist.

Der direkte Gegenentwurf zur einseitigen NL East ist die NL Central. Woche für Woche darf ich hier einen neuen Tabellenführer vorstellen, dieses Mal die Milwaukee Brewers (23-18). Die Brewers haben sich in den letzten Tagen ausgiebig an halbtoten Teams wie den Mets und den Padres gelabt und so die St. Louis Cardinals (21-17) hinter sich gelassen. Aber auch die Chicago Cubs (20-19) und trotz zuletzt fünf Niederlagen die Cincinnati Reds (19-20) sind nicht weit entfernt von der Spitze. Selbst die Pittsburgh Pirates (17-23) sind auf ihrem letzten Platz nur fünfeinhalb Spiele hinter den Brewers. Eine für die Division möglicherweise richtungweisende Serie steht am Wochenende an, wenn von Freitag bis Sonntag die Cubs die Brewers im Wrigley Field empfangen (siehe auch „Spiel der kommenden Woche“).

Spannend ist auch die NL West, allerdings in deutlich zweigeteilter Weise: Die Colorado Rockies (25-15), die Arizona Diamondbacks (24-18) und die Los Angeles Dodgers (23-18) spielen die Spitze unter sich aus, während die San Francisco Giants (17-25) und die San Diego Padres (15-27) sich das Schneckenrennen gegen den letzten Platz liefern. Ich muss zugeben, ich hatte für die vergangene Woche erwartet, dass die Dodgers sich den Spitzenplatz holen und dass die beiden Überraschungsteams aus Arizona und Colorado so langsam nachlassen. Aber ich habe mich geirrt: Die Spitzenserie zwischen den Dodgers und den Rockies endete unentschieden und die Diamondbacks haben sich durch einen Sweep über die Mets den Verbleib im Führungstrio gesichert.

American League
Kommen wir zu einer ganz ähnlichen Division, der American League East. Auch hier ringen drei Teams um die Spitze, während die anderen beiden dieses Jahr mit selbiger nicht viel zu tun haben werden. Die Kluft ist hier allerdings nicht ganz so groß wie in der NL West und dass die Boston Red Sox (21-18) sich eher nach oben Richtung New York Yankees (24-13) und Baltimore Orioles (23-15), die Tampa Bay Rays (21-22) sich hingegen eher nach unten Richtung Toronto Blue Jays (17-24) zu orientieren haben, ist vielleicht eher mein Bauchgefühl und Vorurteil als dass es wirklich aus dem bisherigen Saisonverlauf ableitbar wäre – immerhin haben die Rays gerade Auswärtsserien gegen die Red Sox und gegen die Indians gewonnen und das jeweils völlig verdient.

Lediglich fünf Spiele auseinander von Platz eins bis fünf liegen die Teams der AL Central. Keines davon ist zurzeit in allzu bestechender Form, aber die Ausgeglichenheit der Division ist schon sehr reizvoll. Vorne liegen zurzeit die Minnesota Twins (19-16) dank der gewonnenen Serie gegen die Cleveland Indians (20-19). Die Detroit Tigers (19-19) spielen nach wie vor einen konsequenten .500-Ball und besetzen damit die Mitte der Rangliste vor den Chicago White Sox (17-21) und den Kansas City Royals (16-23), die durch einen Zwischenspurt mit gewonnen Serien gegen die Rays und die Orioles den Anschluss an den Rest des Feldes wiederhergestellt haben.

Ähnlich einseitig wie die NL East, aber von den aktuellen Bilanzen her auf insgesamt höherem Niveau ist die AL West. Die Houston Astros (29-12) haben neun ihrer letzten zehn Spiele gewonnen und führen mit einer Winning Percentage von .707 mit Abstand die gesamte Liga an. Angesichts dieser Dominanz könnte man fast übersehen, dass sich hinter den Astros ebenfalls Erstaunliches tut: Nach derzeit acht Siegen in Folge sind die katastrophal in die Saison gestarteten Texas Rangers (21-20) inzwischen bei einem positiven Record und auf Platz zwei angelangt. Und auch die Los Angeles Angels (22-21) sind mit bisher vier Siegen hintereinander in starker Form und da sie es nun mit den derzeit restlos enttäuschenden Mets zu tun bekommen, könnte diese Serie durchaus noch etwas anhalten, vor allem wenn ihr Superstar Mike Trout an seine fünf Homeruns aus den letzten sechs Spielen anknüpft.

Szene der Woche
Die für mich bemerkenswerteste Szene der letzten Tage stammt aus einem Spiel der Chicago White Sox gegen die San Diego Padres: Beim Stand von 2:1 für die Padres im vierten Inning erreicht Chicagos Jose Abreu die erste Base und scort dann im Zuge von drei Wild Pitches von Trevor Cahill während eines einzigen At Bats den Ausgleich. So etwas sieht man nur sehr selten, also schaut es euch an.

Statistik der Woche 
1849. So viele RBIs hat Albert Pujols in seiner langen MLB-Karriere schon über die Platte gebracht und nimmt damit inzwischen Platz dreizehn in der ewigen Rangliste ein. Zumindest Platz zwölf (derzeit Mel Ott mit 1860) wird er wohl dieses Jahr noch erreichen, vielleicht sogar Rang elf (Willie Mays, 1903). Wenn der 37-jährige Pujols seinen bis 2021 laufenden Vertrag bei den Angels erfüllt, wird ihm ein Platz in den Top-10 wohl sicher sein. Ein weiterer statistischer Meilenstein steht ihm ebenfalls voraussichtlich noch dieses Jahr bevor: Mit 596 Homeruns steht er vor der Aufnahme in den exklusiven 600er-Club, der bisher nur acht Mitglieder hat.

Spiel der Woche
Das sehenswerteste Spiel der letzten Tage war für mich das zwischen den Detroit Tigers und den Baltimore Orioles am Dienstag. Zu bieten hatte die Partie unter anderem: 7 Runs der Orioles im dritten Inning; zwei durch Baltimores Bullpen im siebten und im zwölften Inning vergebene hohe Führungen; zwei Homeruns von Chris Davis in aufeinander folgenden Extra-Innings; und am Ende einen 13:11-Erfolg der Orioles, die zuvor vier Niederlagen hintereinander mit jeweils nur einem Run Unterschied erlitten hatten.

Spiel der kommenden Woche
Mein Einschalttipp der Woche ist das Spiel der Chicago Cubs gegen die Milwaukee Brewers am Samstag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Titelverteidiger Chicago wird unter Beweis stellen wollen, dass man in der NL Central über kurz oder lang wieder den Ton anzugeben gedenkt. Ein Erfolg gegen die Überraschungsmannschaft aus Milwaukee wäre ein guter erster Schritt für die Cubs und Jake Arrieta, der mit einem ERA von 5.44 und 4.18 FIP noch nicht die Form des Meisterjahres gefunden hat. Die Brewers schicken Chase Anderson auf den Mound, der mit einem ERA von 3.43 und 3.02 FIP bislang sein bestes Jahr in den Majors hat.

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März 30th, 2017 by Dominik

Am Sonntag geht es endlich los mit der MLB-Saison 2017. Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees machen (warum auch immer) den Anfang um 19:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, anschließend spielen die Arizona Diamondbacks gegen die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals gegen Titelverteidiger Chicago Cubs. Alle anderen Teams haben ihr Eröffnungsspiel am Montag.

Was ich von der neuen Saison erwarte, habe ich in meinen Previews nach und nach verraten – O. K., der letzte Teil kommt erst morgen früh, aber der aufmerksame Leser hat sich bereits an dreißig Fingern abgezählt, welches Team ich dieses Jahr als World-Series-Sieger tippe.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch die Baseball-Bundesliga am Wochenende die Saison eröffnet. Los geht es schon am Freitagabend mit dem Spiel Heidenheim Heideköpfe gegen Haar Disciples. Auch auf die Bundesliga bin ich heiß wie Frittenfett, aber wegen der vielen wechselnden Importspieler und weil ich auch nur die Mainz Athletics wirklich intensiv verfolge, traue ich mir hier keine Prognose zu.

Jetzt aber erstmal das Wichtigste aus den vergangenen sieben Tagen – zum vorerst letzten Mal im Offseason-Format, ab nächster Woche gibt es dann wieder den bewährten Aufbau nach Divisionen mit Spielzug und Statistik der Woche etc.

Will Smith braucht Tommy-John-Surgery
Die San Francisco Giants müssen kurz vor Saisonstart eine Hiobsbotschaft verdauen: Mit RP Will Smith fällt ein wichtiger Teil des Bullpens für dieses Jahr aus, nachdem er sich der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen muss.

Zwei Neue für die Rays  
Die Tampa Bay Rays haben sich Im Frühlingsschlussverkauf noch zwei neue Spieler geleistet: Peter Bourjos kommt von den Chicago White Sox für Geld oder einen später zu benennenden Spieler und soll die Tiefe im Outfield ergänzen, hauptsächlich als Ersatzmann für Kevin Kiermaier. Catcher Derek Norris, von den Washington Nationals nach der Wieters-Verpflichtung entlassen, wird bei den Rays direkt in die Stammformation einsteigen, jedenfalls bis Wilson Ramos wieder fit ist. Ramos kam im Winter ebenfalls aus Washington, jedoch mit einer bekannten Verletzung, die ihn noch mindestens für die erste Saisonhälfte zum Aussetzen zwingt.

Vertragsverlängerungen für Rougned Odor und Jose Ramirez
Zwei junge Spieler und deren Teams haben sich durch frühzeitige Vertragsabschlüsse Planungs- und Kostensicherheit gesichert: Die Texas Rangers bezahlen dem 23-jährigen 2B Rougned Odor 49,5 Millionen Dollar und zwei Pferde (!) für sechs Jahre und haben die Option auf ein siebtes Jahr. Der 24-jährige Infield-Allrounder Jose Ramirez erhält von den Cleveland Indians 26 Millionen für die nächsten fünf Jahre und auch dieser Vertrag kann über Teamoptionen bis auf sieben Jahre ausgedehnt werden.

Jeurys Familia 15 Spiele gesperrt
Dass Jeurys Familia nach einem Vorfall häuslicher Gewalt eine Sperre erwartet, galt schon seit seiner vorübergehenden Festnahme am 31. Oktober als relativ sicher. Unklar war nur, wie lange genau die New York Mets auf ihren Closer verzichten müssen. Die MLB hat nun bekannt gegeben, dass es 15 Tage sind. Das ist die Hälfte dessen, was Aroldis Chapman letztes Jahr absitzen musste, offenbar weil Familias Fall als weniger schlimm eingestuft wurde und weil er bei der Aufklärung umfassend kooperierte. Nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten hat Familia seine Frau weder geschlagen noch mit Gewalt bedroht, sich aber während eines Streits unangemessen verhalten (angeblich geht es um eine zerstörte Tür).

Zweiter No-Hitter im Spring Training
Letzte Woche war es noch etwas Besonderes, als die New York Yankees den ersten Spring-Training-No-Hitter seit zwei Jahren schafften. Bis zum nächsten dauerte es aber nun gerade mal sieben Tage: Sage und schreibe acht Pitcher der Los Angeles Angels of Anaheim vereinten ihre Künste, um beim 4:0-Sieg ihres Teams die Seattle Mariners ohne Basehit abzufertigen. Das ist eine reife Leistung, auch wenn es nur im Spring Training war und obendrein gegen einen Split Squad der Mariners, in dem Seattle nur zwei Stammspieler einsetzte.

MLB im deutschen Fernsehen
Bisher war mlb.tv konkurrenzlos, wenn man die MLB aus Deutschland in bewegten Livebildern verfolgen wollte. Für den Die-Hard-Fan, der den Zugriff auf alle Spiele braucht, bleibt das auch so, aber wer sich auch mit einer kleineren Auswahl von Spielen zufrieden gibt, hat nun gleich zwei Alternativen: Der Streaminganbieter DAZN hat bekannt gegeben, dass er ab dieser Saison mehr als 600 MLB-Spiele übertragen wird. Und auf Sport1-US werden mindestens 75 Spiele gezeigt, die meisten davon mit Originalkommentar im Pay-TV, ein paar aber sogar im Free-TV mit eigenem deutschem Kommentar. Los geht es am Sonntag ab 23:15 Uhr mit Giants@Diamondbacks. Ich werde am Wochenende noch mal in einem ausführlicheren Artikel auf die verfügbaren Quellen mit ihren Vor- und Nachteilen und den anfallenden Kosten eingehen.

Kein First Pitch von Donald Trump
Ein neu gewählter US-Präsident eröffnet üblicherweise die MLB-Saison mit einem zeremoniellen ersten Pitch. Von Donald Trump bleibt uns das vorerst erspart. Er sagte die entsprechende Anfrage der Washington Nationals unter Verweis auf einen Terminkonflikt ab.

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März 8th, 2017 by Dominik

Manchmal muss Mike Trout sich wie der einsamste Mensch der Welt vorkommen. Da ist man allgemein als bester Baseballer der Welt anerkannt, hat mit 25 Jahren schon zwei MVP-Awards in der Tasche, führt durchgehend seit fünf Jahren die WAR-Statistik der AL an – und ist von einem Team umgeben, mit dem die Hoffnung auf eine Meisterschaft auf Jahre hinaus nahe null ist. Die Angels befinden sich in einer echten Zwickmühle: Auf der einen Seite täte dem Roster ein konsequentes Rebuilding gut; auf der anderen Seite würde so ein Projekt angesichts der Mittelmäßigkeit und der Altersstruktur des vorhandenen Personals sowie der wenig überzeugenden Farm locker drei bis vier Jahre in Anspruch nehmen, also die gesamte Dauer des bis 2020 laufenden Vertrages von Trout. Es wäre ein Jammer, wenn der spektakulärste Spieler seiner Generation seine besten Jahre auf so unspektakuläre Weise verschenken müsste. Aber so weiterzumachen wie bisher, also in jeder Offseason ein paar Löcher mit Veteranen zu stopfen und ansonsten zu hoffen, dass die Bats von Trout und Albert Pujols es schon richten werden, ist genauso wenig erfolgversprechend. Eine .500-Saison ist schon die Obergrenze dessen, was ich den Angels aktuell zutraue.

Voraussichtliches Lineup
C Martin Maldonado
1B C. J. Cron
2B Danny Espinosa
SS Andrelton Simmons
3B Yunel Escobar
LF Cameron Maybin
CF Mike Trout
RF Cole Kalhoun
DH Albert Pujols

Voraussichtliche Rotation
SP Garrett Richards
SP Matt Shoemaker
SP Tyler Skaggs
SP Ricky Nolasco
SP Jesse Chavez
Closer Huston Street

Wichtigster Zugang
OF Cameron Maybin (Detroit Tigers)

Wichtigster Abgang
SP Jhoulys Chacin (San Diego Padres)

Bestes Prospect
OF Jahmai Jones

Größte Stärke
Natürlich Mike Trout: 17 Prozent aller Runs seines Teams wurden 2016 von ihm gescort. Das war der höchste Wert eines Einzelspielers in der MLB – nicht nur in dieser Saison sondern seit über 30 Jahren.

Größte Schwäche
Das Farmsystem: Für ein aktuell nicht konkurrenzfähiges Team ist es geradezu ein Desaster, keinen prall mit Talenten gefüllten Unterbau zu haben. Schlimmer noch: Die Angels haben außer Trout kaum Leute, die sich gut gegen Prospects traden lassen. DH Albert Pujols und SP Garrett Richards könnten dafür Kandidaten sein, doch Pujols ist zu alt, um viel Gegenwert zu erzielen, und Richards kommt aus einer Verletzungspause genau wie fast alle anderen Starting Pitcher der Angels.

Spannendste Frage
Wie gut sind die Angels mit einer gesunden Rotation? Das Verletzungspech hat den Startern letztes Jahr übel mitgespielt: C. J. Wilson versäumte die gesamte Saison und beendete schließlich die Karriere, Garrett Richards und Andrew Heany konnten nur wenige Spiele absolvieren, Nick Tropeano und Matt Shoemaker fielen längere Zeit aus und Tyler Skaggs kämpfte mit den Nachwirkungen seiner Tommy-John-Surgery. In dieser Hinsicht kann das neue Jahr eigentlich nur besser werden.

Prognose
Platz 4 in der AL West

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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März 2nd, 2017 by Dominik

Eine knappe Woche Spring Training liegt hinter uns und bisher haben wir einen klaren Gewinner und einen klaren Verlierer. Die Los Angeles Angels of Anaheim haben fünf von fünf Spielen als Sieger beendet, die Cincinnati Reds hingegen kassierten in sechs Versuchen sechs Niederlagen. Dass die Reds auch in der regulären Saison eher wenige Erfolge feiern werden, ist wohl zu erwarten; dass die Angels ab April weiterhin groß auftrumpfen, ist hingegen nicht allzu wahrscheinlich. Die gute Nachricht für die Reds (und gleichzeitig die schlechte Nachricht für die Angels) ist jedenfalls, dass die Ergebnisse des Spring Trainings erfahrungsgemäß nur einen sehr schwachen Zusammenhang mit den Ergebnissen der kommenden Saison aufweisen. Also genießt es fürs Erste einfach, Baseball unter der Sonne Arizonas und Floridas sehen zu können, drückt euren Lieblingsspielern die Daumen, wenn sie noch um einen Stammplatz kämpfen, aber macht euch über die Resultate eures Teams nicht allzu viele Gedanken.
Während die Baseballwelt gierig die ersten Vorbereitungsspiele komsumierte, passierte jenseits der Ballparks nicht allzu viel Erwähnenswertes: Diese Woche gab es keine Regeländerungen, keine Skandale, kaum relevante Free-Agent-Signings – aber immerhin einen Trade der Mariners wie gefühlt in jeder Woche dieser Offseason.

Kubanische Talente suchen ihre Chance 
Aus Kuba flüchten nach wie vor regelmäßig Baseballer, die auf ein Engagement in der MLB hoffen. Zwei davon haben diese Woche Verträge bekommen: Der 24-jährige Outfielder Jose Adolis Garcia, ein Bruder von Braves-3B Adonis Garcia, unterzeichnete bei den St. Louis Cardinals und der 28-jährige Infielder Luis Valdes bei den Detroit Tigers. Beide gelten als talentiert genug, um es in einer Rolle als Reserve- oder Ergänzungsspieler in die MLB zu schaffen. Deutlich mehr wird dem 19-jährigen Outfielder Luis Robert zugetraut, den die Scouts allgemein als vielversprechendstes internationales Talent neben dem Japaner Shohei Ohtani einstufen. Robert wird voraussichtlich Ende März ein Vorführtraining für die MLB-Clubs absolvieren; bis alle Formalitäten seitens der Liga und der Einreisebehörden geklärt sind, wird es wahrscheinlich Juni oder Juli werden. Die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres und Reds hoffen stark, dass die Freigabe vor dem 15. Juni erfolgt. An diesem Tag endet die aktuelle Signing-Periode und in der neuen Periode ab 2. Juli dürfen sie – ebenso wie schon jetzt die Cubs, Dodgers und Royals – nicht mitbieten, weil sie ihre Limits für die Verpflichtung internationaler Free Agents überzogen haben.

Joe Blanton zu den Nationals 
Die Washington Nationals haben sich in Person von Joe Blanton noch eine Ergänzung ihres Bullpens gesichert. Der 36-jährige Free Agent bekommt einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar plus bis zu einer weiteren Million in Abhängigkeit von den absolvierten Innings. Interessant sind die durchgesickerten Zahlungsdetails: Die Nationals planen demnach, von dem Gehalt für 2017 eine Million erst 2018 und zwei Millionen sogar erst 2019 zu bezahlen. Der Hintergrund dieses Konstrukts ist unklar – falls die Nationals finanziell so klamm sein sollten, dass sie das Gehalt anders nicht zahlen können, dürften sie für weitere Verpflichtungen (im Gespräch sind Outfielder Angel Pagan sowie ein Trade für Closer David Robertson) wohl aus dem Rennen sein.

Dodgers und Mariners traden Prospects 
Die Seattle Mariners um General Manager Jerry Dipoto untermauern ein weiteres Mal, dass sie derzeit das verhandlungsfreudigste Team der Liga sind. Dieses Mal wurden „nur“ Prospects getauscht und zwar senden die Mariners Shortstop Drew Jackson und Pitcher Aneurys Zabala zu den Los Angeles Dodgers und erhalten dafür Pitcher Chase De Jong. Keiner der drei ist den gängigen Rankings zufolge ein Top-Prospect mit unmittelbaren Aussichten auf eine MLB-Karriere. Aber die Mariners scheinen in De Jong – laut mlb.com Prospect #16 der Dodgers – etwas zu sehen, das ihnen sehr gefällt, denn laut Dipoto versuchten sie schon seit Juli letzten Jahres, ihn von den Dodgers loszueisen und nach Seattle zu holen.

Sorge um David Price
Ganz frisch eingetrudelt ist die Meldung, dass David Price, Starpitcher der Boston Red Sox, seinen ersten Spring-Training-Einsatz wegen Ellenbogenproblemen absagen muss. Nach einem ersten MRT möchte er eine zweite Meinung bei Dr. Andrews einholen. Dieser Name ist in der MLB so beliebt wie gefürchtet, denn Andrews gilt als Experte für die Tommy-John-Surgery – die OP, die Pitcherkarrieren rettet, aber in der Regel auch ein Jahr Pause bedeutet. Ich hoffe, Price hat Glück und seine Verletzung stellt sich als nicht so schlimm heraus wie man nach diesen ersten Meldungen befürchten muss.

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Januar 5th, 2017 by Dominik

Was stellt die Welt der Baseballschreiber und -analysten an, wenn sich in der MLB aktuell kaum etwas tut und wenn fast jede halbwegs sinnvolle Spekulation über anstehende Trades oder Vertragsabschlüsse schon längst zwei-, dreimal aufgewärmt und durchgekaut worden ist? Ganz klar: Man stürzt sich auf eine obskure Meldung, laut der einer der größten Stars des Spiels einer juristischen Spitzfindigkeit wegen angeblich plötzlich Free Agent werden könnte. In 50 von 52 Wochen des Jahres wäre die Geschichte nicht mehr als eine Randnotiz wert gewesen, aber jetzt im tiefsten Winterloch ist man ja schon dankbar und irgendwie ist die Sache ja auch ganz witzig. Daher stellt auch der Grand Slam am Donnerstag heute die weltbewegende Frage:

Wird Mike Trout sich zum Free Agent erklären?
Und hier ist auch schon die Antwort (Trommelwirbel bitte): Nein, wird er nicht. Dass über diese Möglichkeit überhaupt spekuliert wird, obwohl der 25-jährige Superstar noch bis 2020 bei den Los Angeles Angels of Anaheim unter Vertrag steht, liegt an einem kalifornischen Staatsgesetz, das Nathaniel Grow von Fangraphs ausgegraben hat. In seinem gut recherchierten, lesenswerten Artikel führt der Jurist Grow aus, dass nach Absatz 2855 des California Labor Code kein Arbeitsvertrag länger als sieben Jahre gelten darf und dass dementsprechend ein Arbeitnehmer, der einen Kontrakt mit längerer Gültigkeit unterzeichnet hat, diesen nach sieben Jahren jederzeit einseitig kündigen kann. Nun hat Trout zwar 2014 „nur“ einen Sechsjahresvertrag unterzeichnet und fällt damit nicht eindeutig unter jene Regel. Doch es gibt mindestens ein kalifornisches Gerichtsurteil, nach dem auch die Zeit zu berücksichtigen ist, in der der der Arbeitnehmer schon vor dem aktuellen Vertrag unter Kontrolle des Arbeitgebers stand. Das würde für Trout, wenn man seine Zeit bei den Angels und in deren Farmsystem vor dem aktuellen Vertrag berücksichtigt, zutreffen – und übrigens auch für eine Reihe anderer Spieler wie Madison Bumgarner oder Clayton Kershaw.

Es ist ein interessantes Gedankenspiel, sich einen dieser Stars vorzustellen, wie er sich heute oder morgen zum Free Agent erklärt und seinen Agenten beauftragt, ihm ein neues Team zu suchen. Es wird aber nicht passieren, denn was hätte ein Spieler in dieser Situation zu gewinnen? Einige Millionen zusätzlich zu denen, die er ohnehin schon bekommt und im Leben nicht alle ausgeben kann. Was hätte er zu verlieren? Zum einen natürlich den unweigerlich folgenden, wahrscheinlich jahrelangen Rechtsstreit mit seinem Team und der MLB – und damit mindestens jene erhofften zusätzlichen Millionen. Zum anderen müsste er davon ausgehen, unabhängig vom Prozessausgang in erster Linie nicht als der große Spieler, der er ist, in die Baseballgeschichte eingehen, sondern als der gierige Raffzahn, der eine zum Schutz „einfacher“ Arbeitnehmer gedachte Regel für sich auszunutzen versucht. So etwas macht kein Trout und auch kein Bumgarner oder Kershaw. Wenn diesen Weg tatsächlich mal jemand geht, dann wohl eher ein weniger bekannter Spieler, vielleicht ein Karriere-Minor-Leaguer, für den das Verhältnis zwischen dem, was er zu gewinnen und was er zu verlieren hat, deutlich anders aussieht. Quasi ein Jean-Marc Bosman des Baseballs.

A’s holen sich Rajai Davis zurück
Ein paar wenige „echte“ News gab es in den letzten Tagen auch; die interessanteste davon war, dass Outfielder Rajai Davis zu den Oakland Athletics zurückkehrt. 6 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag sind kein schlechtes Geschäft für den 36-jährigen Veteranen. Durch seine Verpflichtung werden die A’s sicher keine Contender und bis sie es irgendwann mal werden, wird Davis wohl seine Karriere beendet haben. Aber Davis gilt als erstklassiger Integrations- und Führungsspieler und als solcher kann er einen wertvollen Beitrag zur Entwicklung der Prospects leisten, mit denen die A’s ihren Neuaufbau vorantreiben.

Drew Storen unterschreibt bei den Reds
Auch die Cincinnati Reds sind kein Team, das mit großen Hoffnungen in die neue Saison starten dürfte. Mit Drew Storen haben sie sich für ein Jahr und drei Millionen Dollar die Dienste eines ehemaligen Top-Relievers gesichert, der nach einem schlechten Jahr zurück in die Spur zu finden versucht. Storens Zeit in Toronto (6.21 ERA, 5.01 FIP) erwies sich als wahres Fiasko, aber immerhin ging es nach dem Wechsel zu den Seattle Mariners schon deutlich aufwärts (3.44 ERA, 2.76). Das nährt die Hoffnung für die Reds, dass Storen seinen Job nicht verlernt hat und den im letzten Jahr katastrophalen Bullpen des Teams ein bisschen besser macht.

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Dezember 15th, 2016 by Dominik

Es ist Donnerstag und damit wieder mal Zeit, die wichtigsten Entwicklungen der letzten sieben Tage rund um die MLB zusammenzufassen. Die Winter-Meetings sind vor einer Woche zu Ende gegangen und seitdem ist wieder relative Ruhe in die Offseason eingekehrt: Die Trades und Free-Agent-Signings waren diese Woche recht überschaubar. Für den einen oder anderen Spieler, der sich einen großen Zahltag erhofft hatte und bislang noch ohne Vertrag dasteht, setzt möglicherweise so langsam eine gewisse Torschlusspanik ein – andere hingegen werden wohl schon eine Reihe von Angeboten vorliegen haben und sich daran erfreuen, die interessierten Teams noch eine Weile hinhalten und gegeneinander ausspielen zu können.

Die Dodgers halten zwei Leistungsträger
Die erfolgreichste Arbeit am Kader der kommenden Saison und der nächsten Jahre haben diese Woche die Los Angeles Dodgers geleistet: Sie haben sich sowohl mit ihrem Closer Kenley Jansen (5 Jahre, 80 Millionen Dollar) als auch mit Third Baseman Justin Turner (4 Jahre, 64 Millionen Dollar) auf neue Verträge geeinigt. Beide waren auch bei diversen anderen Teams im Gespräch, bilden nun aber gemeinsam mit Starting Pitcher Rich Hill ein Trio von Rückkehrern, mit dem die Dodgers einen neuen Anlauf auf den Titel der National League unternehmen wollen. Angesichts der Summen, die die Dodgers momentan ausgeben, kann nicht viel dran sein an den vor zwei Wochen laut gewordenen Gerüchten, der hoch verschuldete Club sei von der Liga zur Reduzierung der Ausgaben verpflichtet worden.

Uehara verstärkt den Cubs-Bullpen
Die Chicago Cubs setzen für das Projekt Titelverteidigung weiterhin auf einen starken Bullpen und haben nun nach dem Trade mit den Kansas City Royals für Closer Wade Davis auch noch Koji Uehara (zuletzt bei den Boston Red Sox) verpflichtet. Der Vertrag läuft über 6 Millionen Dollar und nur ein Jahr, was angesichts von Ueharas Alter von 41 Jahren nicht überraschend ist. Seine Rolle wird wohl vornehmlich in der des Setup-Pitchers bestehen, also im Verantwortlichen für das achte Inning.

Fowler wechselt innerhalb der NL Central
Nicht mehr für die Cubs wird zukünftig Dexter Fowler spielen. Der 31-Jährige einigte sich mit dem Divisionsrivalen St. Louis Cardinals auf einen 5-Jahres-Vertrag für 82,5 Millionen Dollar. Nach Aroldis Chapman ist Fowler der zweite Abgang der Cubs, der eine zentrale Rolle auf dem Weg zum Gewinn der World Series spielte. Mit ihm als Center Fielder und Leadoff Hitter streben die Cardinals an, die Lücke zu den dieses Jahr unangefochtenen Konkurrenten – die Cubs beendeten die reguläre Saison mit 17,5 Spielen Vorsprung auf die zweitplatzierten Cardinals – zu schließen. Da Fowler ein Qualifying Offer der Cubs vorliegen hatte, müssen die Cardinals im Zuge seiner Verpflichtung einen Erstrundendraftpick nach Chicago schicken.

Die Angels traden für Espinosa
Infielder Danny Espinosa war in Washington überzählig, nachdem die Nationals Adam Eaton für ihr Outfield erworben und damit Trea Turner für das Infield freigeschaufelt hatten. Ein Trade war die logische Konsequenz und nun wird Espinosa aller Voraussicht nach einen Stammplatz als Second Baseman der Los Angeles Angels of Anaheim ausfüllen. Der Preis, den die Angels an die Nationals, bezahlen, sind die beiden Pitching-Prospects Austin Adams und Kyle McGowin. Ich muss sagen, ich bin skeptisch, ob sich die Angels einen Gefallen damit tun, hoffnungsvollen Nachwuchs herzugeben für einen Spieler, der letztes Jahr nur .209/.306/.378 geschlagen hat und der vertraglich nur für die Saison 2017 (in der die Angeles mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nicht wieder wettbewerbsfähig sind) gebunden ist.

Wer ist noch zu haben? 
Die Liste der besten Free-Agents dieser Offseason hat sich bereits spürbar geleert. Die beiden größten noch verfügbaren Namen dürften die bisherigen Blue Jays 1B/DH Edwin Encarnacion und OF Jose Bautista sein. Von meinen Top 20 sind außerdem noch OF Mark Trumbo (Orioles), OF Colby Rasmus (Astros), C Matt Wieters (Orioles) und 1B Mike Napoli (Indians) zu haben. Zudem gibt es ein paar namhafte Spieler, deren momentane Arbeitgeber entweder aktiv auf der Suche nach einem Tradepartner oder zumindest laut Gerüchten einem guten Geschäft nicht abgeneigt sind. Zu nennen sind hier vor allem OF Jay Bruce (Mets), OF Andrew McCutchen (Pirates), SP Chris Archer (Rays), SP Jose Quintana (White Sox) und 3B Todd Frazier (White Sox).

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September 8th, 2016 by Dominik

Im heutigen Grand Slam am Donnerstag, dem wöchentlichen Überblick zur MLB, weiche ich ein bisschen vom bisherigen Muster ab: Die meisten Divisionen sind inzwischen im Hinblick auf den Gruppensieg mehr oder weniger entschieden, während das Ringen um die Wild Cards zunehmend in den Mittelpunkt gerät. Daher trenne ich nun innerhalb der AL und der NL nicht mehr nach Divisionen sondern nach Divisions- und Wild-Card-Rennen.

American League
In der American League reden wir nur noch von einem einzigen Divisionsrennen, denn die Cleveland Indians (80-58) in der AL Central werden ihre Führung von 5.5 Spielen vor den Detroit Tigers (75-64) nicht mehr verspielen und die Texas Rangers (83-57) in der AL West den 8.5-Spiele-Vorsprung vor den Houston Astros (74-65) erst recht nicht. In der AL East ist aber nach wie vor alles drin und seit letzter Woche gab es auch schon wieder einen Wechsel an der Spitze: Die Boston Red Sox (78-61) liegen nun vor den Toronto Blue Jays (77-62), die sich einen denkbar ungünstigen Zeitpunkt ausgesucht haben, um sich von den New York Yankees (73-65) sweepen zu lassen. Ebenfalls noch voll im Rennen um den Divisionssieg sind die Baltimore Orioles (76-63) und selbst die Yankees sind gar nicht so weit weg – 4.5 Spiele Rückstand auf die Spitze sind theoretisch noch aufzuholen. Aber es ist natürlich sehr unwahrscheinlich, dass sie in den verbleibenden vier Wochen noch drei Teams überholen. Nach der ab heute Nacht anstehenden Vier-Spiele-Serie der Red Sox gegen die Blue Jays wird man in Bezug auf die AL East vielleicht etwas klarer sehen, vielleicht aber auch gerade nicht.

Auch das Wild-Card-Rennen der AL ist stark geprägt von dem Drei- bis Vierkampf in der AL East – schon seit Wochen halten sich beständig der jeweilige Zweite und Dritte der East auf den beiden Wild-Card-Plätzen, zurzeit also Toronto und Baltimore. Ernsthafte Hoffnungen können sich auf jeden Fall noch die Detroit Tigers machen, die nur ein Spiel hinter Baltimore liegen und jetzt – man hätte es nicht besser planen können – von Freitag bis Sonntag dreimal gegen eben jene Orioles spielen. Im Anschluss an diese Serie haben die Tigers gegenüber den East-Teams den großen Vorteil, dass jene bis zum Ende der Saison immer wieder untereinander spielen und sich somit gegenseitig die Punkte wegnehmen. Aus diesem Grund ist meine Prognose, dass am Ende nur eines der East-Teams (ich tippe auf Toronto) eine Wild Card erhält und die andere an die Tigers geht. Mit zwei Spielen Rückstand sind auch die Houston Astros noch dabei, aber ich hatte ja letzte Woche schon erwähnt, dass ich für sie angesichts des aktuellen Spielplans relativ schwarz sehe. Noch siebenmal hintereinander müssen sie gegen Divisionsführer ran: heute gegen die Indians, dann dreimal gegen die Cubs und dreimal gegen die Rangers.

National League
In der National League stehen ebenfalls zwei Divisionssieger, die Washington Nationals (82-57) in der East und die Chicago Cubs (89-50) in der Central faktisch fest. Der dritte eigentlich auch, denn die Los Angeles Dodgers (79-60) haben in der NL West mittlerweile fünf Spiele Vorsprung auf die San Francisco Giants (74-65), die mit 17-32 nach wie vor die schlechteste Bilanz aller MLB-Teams nach dem All-Star-Break aufweisen. Aus diesem Loch werden sie wohl, zumindest was den Divisionssieg angeht, nicht mehr heraus kommen.

Um die Wild Cards spielen die Giants nach wie vor mit, auch wenn der einst sicher scheinende Vorsprung inzwischen auf 0.5 Spiele zusammengeschrumpft ist. Es ist im Wesentlichen ein Dreikampf um die zwei zu vergebenden Plätze und dicht hinter den Giants stehen die St. Louis Cardinals (73-65) jetzt gleichauf mit den New York Mets (74-66). Die Mets sind das Team der Stunde in der MLB mit fünf Siegen aus den letzten Spielen und vierzehn aus den letzten achtzehn. Das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass von der einstigen Traumrotation Syndergaard-Harvey-deGrom-Matz-Colon momentan nur Syndergaard und Colon übrig geblieben sind und auch Zack Wheeler dieses Jahr nicht mehr fit wird. Vom Restprogramm her dürfen die Mets sich nun sogar als Favorit auf einen der beiden Plätze sehen: Auf sie warten sechsmal die Braves, siebenmal die Phillies, dreimal die Twins, dreimal die Marlins und als einziges Team mit einer positiven Bilanz dreimal die Nationals. Die Giants müssen hingegen noch sechsmal gegen die Dodgers, die Cardinals noch sechsmal gegen die Cubs und beide noch viermal gegeneinander spielen. Ich tippe, dass es zwischen den Cardinals und den Giants ein ganz enges Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Mets wird.

Spielzug der Woche
Hier gibt es mal wieder mehrere Kandidaten: Zwei sehenswerte Aktionen der vergangenen Tage waren für mich Dansby Swansons Inside-the-park-Homer, der schnellste des Jahres und gleichzeitig der erste MLB-Homerun des Rookies, und Brett Gardners großartiger Catch, der einen von drei Siegen der Yankees gegen die Blue Jays sicherte. Noch beeindruckender fand ich aber Brian Doziers Einleitung eines Double Plays gegen die Royals, weil sich darin ein sehr guter Catch und eine artistische Ballweitergabe perfekt vereinen. Außer Konkurrenz, aber zu lustig um auf den Link zu verzichten: Carlos Beltran schießt ein „H“.

Statistik der Woche 
15. So viele Homeruns haben die St. Louis Cardinals dieses Jahr schon durch Pinch Hitter erzielt, was einen neuen MLB-Rekord darstellt. Nummer 15 war ein besonders wichtiger, denn Matt Carpenter glich damit am Dienstag im neunten Inning das Spiel gegen die Pittsburgh Pirates aus und bereitete so den Weg zum Sieg in einem fast schon verlorenen Spiel. Gleichzeitig stellten die Cardinals einen NL-Rekord auf mit dem 25. Spiel hintereinander, in dem sie mindestens einen Homerun erzielten. Diese Serie endete allerdings tags darauf beim 3:4 gegen den gleichen Gegner.

Spiel der Woche
Ein wahres Wechselbad der Gefühle war für beide Seiten das Spiel der Los Angeles Angels bei den Seattle Mariners vom vergangenen Freitag. Die Angels legten mit 4:0 im oberen ersten Inning vor, darunter ein 3-Run-Homer von Mike Trout noch vor dem ersten Out. Die Mariners zeigten sich alle andere als demoralisiert und revanchierten sich mit einem Score im ersten und sage und schreibe neun Runs im zweiten Inning – alle neun übrigens ohne einen einzigen Extra-Basehit, allein durch Singles, Walks und einen Error. Mit 10:4 und einem weiteren Run der Mariners im achten Inning schien das Spiel gelaufen, doch die Angels hörten so auf wie sie angefangen hatten: mit vier Runs und mit Mike Trout. Nur dass Trout dieses Mal keinen Homerun schlug, der sein Team einem epischen Comeback näher gebracht hätte, sondern einen Pop Out, der das aufregende Spiel beim Stand von 11:8 für Seattle beendete.

Spiel der kommenden Woche
Kompliment an die Ersteller der MLB-Schedule: Ein interessanteres Matchup als die Boston Red Sox gegen die Toronto Blue Jays kann es zurzeit gar nicht geben und genau das steht von Freitag bis Montag viermal hintereinander auf dem Programm. Mein Spiel der Woche ist aufgrund der Pitcher das erste davon: Rick Porcello gegen Marco Estrada lautet das voraussichtliche Duell ab 1:07 Uhr mitteleuropäischer Zeit in der Nacht von Freitag auf Samstag.

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August 23rd, 2016 by Dominik

Für die Teams, die sich Hoffnungen auf die Playoffs machen, ist längst die heiße Phase der Saison angebrochen. Aber auch bei denen, die schon aus dem Rennen sind, geht es in mancher Hinsicht noch heiß her – unter anderem unter den Stühlen einiger Manager.

(Nur kurz zur Erklärung für alle, die mit den sprachlichen Gepflogenheiten im Baseball nicht vollständig vertraut sind: Unter dem Manager versteht man in der MLB die Person, die für Strategie und Einstellung des Teams verantwortlich ist; in anderen Sportarten nennt man diese Personen Head Coach oder Cheftrainer.)

Die Atlanta Braves haben sich bereits im Mai von Fredi Gonzalez getrennt. Die Kandidatenliste, wer der nächste gefeuerte Manager sein wird, ist lang und es ist eine beliebte Beschäftigung der Baseball-Schreiberlinge, entsprechende Tipps abzugeben. Da will ich nicht zurück stehen, hier sind meine Top 5:

1. Terry Collins, New York Mets
Es mag verwundern, dass Collins ganz oben auf dieser Liste steht, nachdem er ein jahrelang erfolgloses Team vor wenigen Monaten bis in die World Series geführt hat. Aber die aktuelle Saison der Mets ist eine massive Enttäuschung und auch wenn das sicher nicht allein Collins‘ Verschulden ist, häufen sich doch zunehmend kritikwürdige Handlungen und Entscheidungen des Managers – zum Beispiel eine nicht genutzte Challenge, die ohne Risiko die Möglichkeit geboten hätte, das letzte Out einer Niederlage gegen die Tigers anzufechten; oder die Entscheidungen, angeschlagene Spieler wie Yoenis Cespedes und Steven Matz zu oft oder zu lange aufs Feld zu schicken, bis sie schließlich auf der DL landeten; oder das Überstrapazieren von Closer Jeurys Familia in der zweiten Julihälfte, das in zwei blown Saves endete; von einigen seltsamen Lineups und Pinch-Hit-Entscheidungen in den letzten Wochen mal ganz abgesehen. Ich weiß nicht, was mit Collins los ist und es tut mir leid, weil er ein verdienter Coach und ein sehr sympathischer Mensch ist. Aber er macht momentan keinen guten Job und ich hoffe, das Front Office ist bereit, frühzeitig die Weichen für einen Neubeginn zu stellen, sobald das absehbare Aus im Playoffrennen endgültig besiegelt ist.

2. Chip Hale, Arizona Diamondbacks
Ähnlich wie Collins hatte Hale 2015 eine gute Saison mit seinem Team, konnte 2016 aber die daraus entstandenen hohen Erwartungen nicht erfüllen. Schon seit Wochen gibt es immer wieder Gerüchte um Hales Entlassung – sogar unter konkreter Nennung eines designierten Nachfolgers in Person von Phil Nevin – und das Front Office um General Manager Dave Stewart tritt diesen Gerüchten nur wachsweich entgegen. Welche Verfehlungen man Hale genau vorwirft, liegt nicht so klar auf der Hand wie bei Collins. Weder der schlechte Trade für Shelby Miller noch die Verletzungsmisere sind Hale zuzurechnen, aber Stewart kämpft selbst um seinen Job und wird über kurz oder lang ein Signal setzen wollen, dass man bereit zu radikalen Änderungen ist. Dass Hale dafür geopfert wird, ist alles andere als unwahrscheinlich.

3. Robin Ventura, Chicago White Sox
Die Achterbahnfahrt, die Collins und Hale mit ihren Teams in zwei Jahren erlebt haben, machte White-Sox-Manager Ventura innerhalb von wenigen Monaten durch: Einem 23-10-Start in die laufende Saison, der so Manchen schon von einer World Series als Stadtderby träumen ließ, folgte der Absturz auf inzwischen 59-64. Insgesamt ist es Venturas fünftes Jahr und nachdem also auch 2016 trotz des Traumstarts nicht der erhoffte Turnaround gelungen ist, könnte die Zeit gekommen sein, das Experiment mit dem damals ohne Vorerfahrung eingestellten Manager für gescheitert zu erklären.

4. Bryan Price, Cincinnati Reds
Im Gegensatz zu den drei oben genannten Managern blickt Price nicht auf Aufs und Abs in seiner Zeit mit den Reds zurück, sondern lediglich auf Abs. In den knapp drei Jahren hat er es auf eine Bilanz von 193-255 gebracht und Besserung ist nicht ernsthaft in Sicht. Natürlich hatte er es schwer, weil in Cincinnati nicht das große Geld zu Hause ist und weil viele gute Spieler weggetradet wurden, um kurzfristige Wettbewerbsfähigkeit gegen die Hoffnung auf langfristigen Erfolg auf Basis einer starken Farm zu tauschen. Aber als die guten Spieler da waren, hat Price auch nicht wirklich etwas daraus gemacht. Er hatte zur gleichen Zeit Todd Frazier, Johnny Cueto, Aroldis Chapman, Jay Bruce und Joey Votto, aber auch in dieser Zeit waren die Reds nicht konkurrenzfähig. Ich kann mir vorstellen, dass man noch ein Jahr an Price als Manager festhält, aber nicht weil man von ihm überzeugt wäre sondern weil man dem Team für 2017 noch nicht den Sprung zum Contender zutraut und einen neuen Manager nicht verheizen möchte. In dem Moment, in dem die Reds sich in der Lage sehen, von der Kultur des Verlierens zur Kultur des Gewinnens zu wechseln, wird dieser angestrebte Wechsel auch durch einen Austausch des Managers manifestiert werden.

5. Mike Scioscia, Los Angeles Angels
Scioscia ist mit großem Abstand der dienstälteste Manager eines MLB-Teams. Nicht nur deswegen wäre es gewagt, seine Ablösung vorherzusagen, sondern auch weil er erst letztes Jahr einen jahrelang schwelenden teaminternen Machtkampf gewann, indem General Manager Jerry Tipoto nach Jahren der Reibung zwischen ihm und Scioscia seinen Hut nahm. Seit Übernahme seines Postens im Jahr 1999 hatte Scioscia viele erfolgreiche Jahre mit den Angels, doch momentan gehören diese zum Bodensatz der Liga – trotz Superstar Mike Trout und trotz einer Payroll im oberen Fünftel der Liga. So ziemlich jeder andere Manager würde in dieser Situation mit dem Rücken zur Wand stehen, aber Scioscia wird wohl auch diese Widrigkeiten überstehen. Denn ihn zu feuern würde die Entscheidung der Teamführung im letzten Jahr, ihm gegenüber Tipoto den Vorzug zu geben, nachträglich in Frage stellen. Diese Blöße wird man sich nicht geben wollen.

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Juli 21st, 2016 by Dominik

Seit knapp einer Woche wird wieder MLB-Baseball gespielt und wer hätte es gedacht: Am besten aus der Pause gekommen sind die Los Angeles Angels of Anaheim mit einer glatten 6-0-Bilanz nach dem All-Star-Break. An der Spitze der Liga herrscht unterdessen ziemlich große Ausgeglichenheit: In der National League haben alle drei Divisionsspitzenreiter gleich viele Siege auf dem Konto und in der American League könnte neben der East- nun auch die West-Division zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen um den Divisionssieg werden. Bei solch engen Verhältnissen kann die eine oder andere gelungene Aktion zur Trade-Deadline durchaus entscheidend für den Saisonausgang werden.

National League

In der National League East bleiben die Washington Nationals (57-38) klar vorne, während der spannende Teil der Division momentan der Kampf um Platz zwei ist. Die Miami Marlins (51-43) haben momentan knapp die Nase vor den New York Mets (50-44) und würden damit auch den zweiten Wild-Card-Platz der NL belegen. Schon am kommenden Wochenende kann sich das entweder ändern oder stabilisieren, denn von Freitag bis Sonntag sind die Mets und die Marlins zu einer Drei-Spiele-Serie in Miami verabredet.

Den Chicago Cubs (57-37) scheint die Pause gut getan zu haben: Mit einem 2-9-Slump sind sie in selbige hinein gegangen, mit zwei gewonnenen Serien gegen die Rangers und die Mets sind sie aus ihr herausgekommen. Damit sind sie (dank einer Niederlage weniger als die Nationals und die Giants) knapp zurück an der Spitze der MLB. In der NL Central ist der Vorsprung auf die St. Louis Cardinals (50-44) und die Pittsburgh Pirates (48-46) nach wie vor komfortabel und durch den gestrigen Trade für Pitcher Mike Montgomery haben die Cubs bereits demonstriert, dass sie willens sind, ihren ohnehin schon starken und ausgeglichenen Kader weiter zu verbessern, um ihrer Rolle als Favorit auf die World Series gerecht zu werden.

Weniger gut – um nicht zu sagen: miserabel – sind die San Francisco Giants (57-38) in den zweiten Teil der Saison gestartet: fünf Spiele, fünf Niederlagen, darunter drei gegen die nicht wirklich konkurrenzfähigen San Diego Padres (41-54). Der Slump der Giants öffnet in der NL West die Tür für die seit Wochen in Lauerstellung befindlichen Los Angeles Dodgers (53-43), die allerdings ihrerseits nur zwei von fünf Spielen nach dem All-Star-Break gewinnen konnten und deren Starting Pitching von massiven Verletzungssorgen geplagt wird: Nach Alex Wood droht nun auch Megastar Clayton Kershaw eine OP mit mehrmonatiger Ausfallzeit und auch Hyun-Jin Ryu musste nach nur einem Start wieder auf die DL. Mit einer zusammengefassten Bilanz von 10-17 ist keine Division so schlecht aus der Pause gekommen wie die NL West.

American League

Keine Division macht dieses Jahr so viel Spaß wie die American League East. Zwischen Platz eins und Platz drei liegt rechnerisch nur ein einziges Spiel, wobei kurioserweise von den Dreien das Team mit den meisten Siegen gleichzeitig die meisten Niederlagen auf dem Konto hat und deswegen in der Tabelle hinter den beiden anderen steht. Ganz vorne sind seit heute Nacht zur Abwechslung die Boston Red Sox (53-39), hauchdünn vor den schlecht aus der Pause gekommenen Baltimore Orioles (53-40) und den Toronto Blue Jays (54-42). Und als ob ein Dreikampf nicht genug wäre, wehren sich auch die New York Yankees (48-46) mit zuletzt vier Siegen in Folge (drei davon gegen die Orioles) massiv dagegen, die Saison abzuhaken.

Die AL Central bleibt, was den Abstand zwischen Platz eins uns zwei betrifft, die Division mit den klarsten Verhältnissen. Die Cleveland Indians (56-38) haben in den ersten Spielen nach dem All-Star-Break das getan, was sie schon die gesamte Saison tun, nämlich Serien gegen ihre Divisionsgegner gewinnen, in dem Fall gegen die Minnesota Twins (35-59) und die Kansas City Royals (47-47). Durch den schwachen Start sowohl der Royals mit 2-4 als auch der Chicago White Sox (46-48) mit 1-5 in den zweiten Teil der Saison gibt es in der AL Central plötzlich nur noch zwei Teams mit einer Bilanz über .500. So sind die Detroit Tigers (49-46) momentan alleiniger Verfolger der Indians, aber mit zuletzt zwei Niederlagen gegen die Twins machen auch sie nicht den Eindruck, zu einer echten Aufholjagd fähig zu sein. Apropos Twins: Max Kepler kam seit dem All-Star-Break in allen sechs Spielen zum Einsatz. Leider gelangen ihm dabei in 23 At-Bats nur zwei Hits, aber immerhin waren beide Homeruns.

Ganz anders sieht es in der AL West aus, denn hier ist die seit Wochen anhaltende Aufholjagd der Houston Astros (51-44) nach wie vor in vollem Gange. Seit der Pause haben die Astros – wenngleich nur mit einer ausgeglichenen 3-3-Bilanz – weitere zwei Spiele auf die Texas Rangers (55-41) gut gemacht. Vor dreieinhalb Wochen lagen die Rangers noch scheinbar uneinholbar 10.0 Spiele vor den Astros, nun sind es nur noch 3.5. Nun müssen die Astros gegen die Los Angeles Angels (43-52) ran. Das sollte normalerweise eine mehr als lösbare Aufgabe sein, aber die Angels haben gerade zum ersten Mal in diesem Jahr einen echten Lauf und man darf gespannt sein, ob sie nach den White Sox und den Rangers auch den Astros in die Suppe spucken können. Mit den Seattle Mariners (48-47) hat die AL West noch ein weiteres Team mit knapp positivem Record. Die Mariners sind einer der Wackelkandidaten, von denen man nicht recht weiß, ob sie sich noch Hoffnung auf die Playoffs machen oder ob sie sich bereits auf nächstes Jahr konzentrieren; mir persönlich erscheinen sie zu unkonstant, als dass sie noch ernsthafte Chancen hätten, den Rückstand zum Divisionssieg oder Wild-Card-Platz aufzuholen.

Spielzug der Woche

Die beeindruckendste Einzelleistung dieser Woche hat in meinen Augen Hanley Ramirez vollbracht, der mit drei 2-Run-Homeruns quasi im Alleingang den Ausschlag zu Gunsten der Red Sox beim 11:7 über die Giants gab und seinem Team damit die Tabellenführung in der AL East bescherte. Die Giants hätten es sich wohl besser überlegen sollen, bevor sie Hanley Ramirez so sauer machten, dass er seinen dritten Homerun zwar nicht wie erklärtermaßen beabsichtigt zum Mond, aber zumindest bis an die Oberkante des grünen Monsters schlug…

Statistik der Woche

28 2/3 Innings. So lange schon hat der Bullpen der Yankees keinen Run zugelassen. Mir geht ja beim Schreiben kaum etwas so schwer von der Hand wie ein Lob für die Yankees, aber die Reliever-Truppe um Dellin Betances, Andrew Miller und Aroldis Chapman sucht wirklich ihresgleichen in der MLB. Respekt.

Spiel der Woche

Ich glaube, ich habe schon ein-, zweimal durchblicken lassen, dass ich ein großer Fan von Marathonspielen mit vielen Extra-Innings bin. Die Pirates und die Nationals haben sich letzten Sonntag ein solches geliefert, 18 Innings lang, und das zu einer Sendezeit, die es mir ohne allzu viel Schlafverlust ermöglichte, den üppigen Rest der Partie anzuschauen, nachdem das Spiel meiner Mets vorbei war. Dabei sah es bis zum letzten Strike des neunten Innings überhaupt nicht nach Verlängerung aus, aber Daniel Murphy – verletzungsbedingt nur als Pinch-Hitter im Einsatz – schaffte bei zwei Outs und einem 2-2-Count den ausgleichenden Homerun. Erst eine komplette Spieldauer später gelang erneut ein Run, übrigens wieder ein Homerun nach zwei Outs, dieses Mal aber für die Pirates durch Starling Marte. Interessant war die Aussage von Nationals-Manager Dusty Baker nach dem Spiel: Baker nahm die Niederlage auf seine Kappe, denn eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, Marte per Intentional Walk auf Base zu schicken, um Pitcher Jon Niese an den Schlag zu bringen. Genau das hatte Baker auch vor, aber er reagierte nicht schnell genug, um seine Anweisung anzuzeigen und schon hatte Marte gleich den ersten Pitch über den Zaun geschlagen.

Spiel der kommenden Woche

Die Mets und die Marlins duellieren sich das Wochenende über um Platz zwei der NL East hinter den Nationals und gleichzeitig um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Dodgers. Das reizvollste Pitcher-Matchup bietet dabei das Spiel am Samstag (bzw. Sonntagmorgen, 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit), in dem mit Jacob deGrom (2.38 ERA, 3.11 FIP) und Jose Fernandez (2.53 ERA, 2.08 FIP) zwei der besten Werfer der Liga aufeinandertreffen. Beide hatten ihren letzten Einsatz gegen die Phillies und beide haben dabei Glanzleistungen gezeigt, deGrom mit einem One-Hitter und Fernandez mit 14 Strikeouts.

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