Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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Mai 11th, 2017 by Dominik

Beim 18-Inning-Thriller zwischen den Yankees und den Cubs am Montagmorgen kam bei mir zum ersten Mal in diesem Jahr  so etwas wie Playoff-Feeling auf. Das hat Spaß gemacht, aber trotzdem bin ich froh, dass die MLB-Saison noch sehr lange dauert und noch sehr viel passieren kann und wird. Was in den vergangenen sieben Tagen alles passiert ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (21-10) und die Baltimore Orioles (23-11) marschieren an der Spitze der American League East nahezu im Gleichschritt: Beide haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, beiden ist diese Woche eine Serie von sechs Siegen in Folge gelungen und für beide endeten diese Serien gestern Abend. Allerdings machen die Yankees deutlich stärker den Eindruck, sich dort oben auf Dauer halten zu können, als die Orioles: Sie scoren mehr Runs, sie lassen weniger Runs zu, vor allem sind sie weniger abhängig von 1-Run-Games. Die Orioles haben acht ihrer Siege mit nur einem Run Unterschied eingefahren, was in der Regel mit Glück und einem guten Bullpen zu tun hat. Nur ist Glück nicht planbar und Baltimores Bullpen hat gerade einen herben Schlag durch die erneute Verletzung von Zach Britton erlitten. Knapp positiv, aber immerhin schon fünf Spiele hinter den beiden Führenden, stehen die Boston Red Sox (17-16), die immer noch nach ihrem Rhythmus suchen. Vielleicht hilft die anstehende Heimserie gegen die Tampa Bay Rays (17-19) den Red Sox, sich ein bisschen aus dem Mittelmaß zu befreien.

Die AL Central ist nach wie vor eng beisammen. Zwischen den Cleveland Indians (18-15) an der Spitze und den Chicago White Sox (15-16) auf Platz vier liegen gerade mal zwei Spiele. Von Freitag bis Sonntag steht eine Serie zwischen den Indians und den derzeit zweitplatzierten Minnesota Twins (16-14). Da sollte man mal reinschauen – zum einen weil es interessant ist, wie sich der erklärte Favorit Cleveland gegen den überraschend guten Underdog Minnesota schlägt, zum anderen um mal wieder unseren deutschen Lokalmatador Max Kepler in Aktion zu sehen, der bei den Twins in diesem Jahr unumstrittener Stammspieler ist. Sein Bat ist im bisherigen Mai (.136/.269/.136) gegenüber dem April (.280/.368/.467) leider deutlich abgekühlt, aber vielleicht geht es ja schon in der Serie gegen die Indians wieder aufwärts.

Unter die AL West möchte man gedanklich schon fast einen Haken machen, so deutlich liegen die Houston Astros (23-11) vorne. Der Abstand zum Zweiten beträgt schon sechs Spiele, das ist mehr als zwischen dem Ersten und dem Letzten in der NL Central. Interessant ist allerdings, wer neuerdings auf Platz zwei steht, denn mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen haben sich die Seattle Mariners (17-17) nach ihrem enttäuschenden Start zu einer ausgeglichenen Bilanz und vorbei an den Los Angeles Angels (17-19) gearbeitet. Auch die Texas Rangers (15-20) haben mit vier Siegen eine ordentliche Woche hinter sich und damit immerhin verhindert, am Tabellenende völlig abgeschlagen zu sein.

National League
Ähnlich wie in der AL West herrschen auch in der National League East klare Verhältnisse und ich habe nicht den Eindruck, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. An den Washington Nationals (22-12) und ihren als einziges MLB-Team über 200 erzielten Runs (209) scheint dieses Jahr kein Weg vorbei zu führen. Die New York Mets (16-17) sind in meinen Augen das einzige Team der Division, das grundsätzlich mit den Nationals mithalten könnte, doch eine Kombination aus Verletzungen, schlechtem Feldmanagement und fortwährender Selbstbeschäftigung (siehe „Szene der Woche) hält sie davon ab. Mit den Philadelphia Phillies (13-19), den Miami Marlins (13-20) und den Atlanta Braves (11-20) hat die AL West gleich drei Teams, die derzeit nicht konkurrenzfähig sind – im Gleichschritt haben alle drei jeweils acht der letzten zehn Spiele verloren.

Umso spannender präsentiert sich dieser Tage die NL Central. Wer mit einem glatten Durchmarsch der Chicago Cubs (17-17) gerechnet hatte, sieht sich getäuscht. Stattdessen ist der Titelverteidiger nach dem Sweep durch die Yankees und einer verlorenen Serie gegen die Rockies auf Platz vier der sehr eng beisammen stehenden Division abgerutscht. Vorne stehen plötzlich die St. Louis Cardinals (19-14), die die vergangene Woche zu einer Serie von sechs Siegen genutzt haben. Das war zwar nur gegen die Braves und die Marlins, aber nun stehen drei Spiele gegen die Cubs an, in denen die Cardinals zeigen können, ob sie zurecht Platz eins besetzen. Mehr als solide halten sich auch die Cincinnati Reds (18-15) und die Milwaukee Brewers (18-16), während die Pittsburgh Pirates (14-20) als einziges Team der Division eine Negativbilanz aufweisen und sich nach bislang vier Niederlagen in Folge für die nächste Zeit im Keller der Tabelle eingerichtet haben.

Noch tiefer im Keller sitzen in der NL West die San Francisco Giants (12-23), bei denen dieses Jahr einfach gar nichts zusammen läuft – die zweitwenigsten Runs (115) und die meisten kassierten Runs (183) der MLB machen wenig Hoffnung, dass diese Saison noch zu retten wäre. Mit den San Diego Padres (13-22) haben die Giants in ihrem Keller immerhin einen Nachbarn in ähnlich aussichtsloser Lage. Zwischen diesen beiden und dem Führungstrio Colorado Rockies (22-13), Los Angeles Dodgers (20-14) und Arizona Diamondbacks (19-16) klafft bereits eine Lücke von sechs Siegen. Die Dodgers haben diese Woche fünf Spiele absolviert und fünf Siege eingefahren und mischen nun auf Augenhöhe mit den beiden anderen mit. Da passt es geradezu perfekt, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Dodgers und den Rockies ansteht (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Diese werden die Dodgers allerdings – ebenso wie den Rest der Saison – ohne Outfielder Andrew Toles bestreiten müssen, der sich im vorgestrigen Spiel gegen die Pirates das Kreuzband gerissen hat.

Szene der Woche
Die bisherige Saison der New York Mets ist sportlich eher mittelmäßig, vom Drumherum aber ist es eine erstklassige Seifenoper. Bisherige Highlights: ein Closer, der sich gegen häusliche Gewalt engagiert und dann 15 Spiele gesperrt wird, nachdem er im Streit mit seiner Frau eine Tür zerstört hat (Jeurys Familia); ein Starting Pitcher, der eine ärztliche Untersuchung ablehnt, weil er „seinen Körper am besten kennt“ und sich im nächsten Spiel den Muskel reißt (Noah Syndergaard); ein anderer Starter, der nicht zum Spiel erscheint, nachdem er bis 4 Uhr morgens seinen Frust darüber ertränkt hat, dass seine Ex mit ihrem Ex ausgegangen ist (Matt Harvey). Und jetzt meine Szene der Woche: Die Mets veröffentlichen auf Twitter ein Foto von T. J. Rivera, der seinen ersten MLB-Homerun geschlagen hat – und übersehen, dass im Hintergrund im Schrank von Kevin Plawecki ein großer schwarzer Dildo zu sehen ist. Ich fürchte, wenn für mich als Metsfan von dieser Saison etwas hängen bleibt, dann vor allem das Gefühl des Fremdschämens.

Statistik der Woche 
4,62 Fuß. Das sind 1,41 Meter und somit eine ziemliche Höhe für einen Pitch, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Strike Zone ihre obere Grenze auf ca. 3,5 Fuß (1,07 Meter) hat. Orioles-Slugger Mark Trumbo hat am Montag beim 6:4-Sieg seines Teams gegen die Nationals das Kunststück fertig gebracht, solch einen Pitch von Gio Gonzalez zum Homerun zu schlagen. Es war der höchste Homerun-Pitch seit Beginn der Messungen, also seit mindestens 2008.

Spiel der Woche
Das Matchup der New York Yankees gegen die Chicago Cubs versprach schon vorher ein interessantes zu werden, aber das dritte Spiel der Serie am Sonntag übertraf alle Erwartungen. Bis zur Mitte des neunten Innings sah es nach einem relativ klaren Sieg der Yankees aus mit einer 4:1-Führung und Top-Closer Aroldis Chapman auf dem Weg zum Mound. Doch Chapman vergab die Save-Situation, nach zwei Walks und drei Singles ließ er durch einen Hit-by-Pitch bei geladenen Bases den Ausgleich zu. So ging das Spiel in die Verlängerung, welche nach den neun regulären Innings volle neun weitere Innings andauerte und deren Highlight ein Wahnsinnscatch von Kyle Schwarber im zwölften Inning war. Die Entscheidung im 18. Inning brachte ein mit äußerster Mühe – Bunt, Error, Sacrifice, Fielders Choice – zusammengeschusterter Run der Yankees durch Aaron Hicks. Was aber vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist der neue MLB-Rekord für die meisten Strikeouts in einem Spiel: Mit 48 wurde die alte Marke von 43 (aus einem 20-Inning-Spiel der Angels gegen die Athletics von 1971) deutlich übertroffen.

Spiel der kommenden Woche
Die Colorado Rockies und die Los Angeles Dodgers haben ab heute vier Tage lang Gelegenheit, unter sich auszumachen, wer Herr im Hause NL West ist. Das vierte Spiel der Serie läuft am Sonntag nicht nur zur europafreundlichen Zeit von 21:10 Uhr, es ist obendrein sogar das Free Game of the Day auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup dieses Spiels besteht aus zwei Top-Talenten: Für die Dodgers wird Julio Urias (1.06 ERA) starten, der vorgestern gegen die Pirates einen No-Hitter bis ins siebte Inning laufen hatte. Sein Gegenüber ist Antonio Senzatela (2.86 ERA), der NL-Rookie des Monats April.

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Mai 4th, 2017 by Dominik

Vor gut drei Wochen habe ich bei einem Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre festgestellt, dass die Chancen auf das Erreichen der Playoffs sehr gering sind, wenn man Ende April bei unter 40% Siegen steht. Jetzt sind wir schon ein paar Tage im Mai und es scheint an der Zeit, sich von einigen Teams für dieses Jahr zu verabschieden: Die Toronto Blue Jays, die San Francisco Giants, die Texas Rangers und die Kansas City Royals stehen allesamt unter den erwähnten 40% und brauchen schon ein kleines Wunder, um aus dem Loch noch heraus zu kommen, dass sie sich selbst gegraben haben. Hier der gewohnte wöchentliche Überblick, was sich sonst so tut in der MLB:

National League
Die National League East wird nach wie vor sehr deutlich dominiert von den Washington Nationals (18-9), die vor allem mit ihrer Offense die Liga rocken. Mit 175 erzielten Runs führen sie die MLB mit großem Abstand vor den Yankees und den Diamondbacks (je 148) an und auch ihr Run Differential von +46 ist das beste der Liga. Einen großen Beitrag dazu leistete das 23:5 über die New York Mets (12-15). Allerdings täuscht dieses Resultat leicht darüber hinweg, dass die Serie gegen die Mets eher ein Rückschlag für die Nationals war, die nicht nur die beiden anderen Spiele verloren sondern auch den in der Offseason teuer ertradeten Outfielder Adam Eaton, der sich einen Kreuzbandriss zuzog. Die Mets haben ihrerseits große Verletzungssorgen: Neu auf der ohnehin schon langen und hochkarätig besetzten Abwesenheitsliste ist Pitching-Ass Noah Syndergaard, der mit einem gerissenen oder angerissenen Rückenmuskel voraussichtlich rund drei Monate lang ausfallen wird.

Deutlich ausgeglichener als die NL East ist die Lage in der NL Central. Die favorisierten Chicago Cubs (15-12) liegen vorne, aber die Milwaukee Brewers (13-13) und die St. Louis Cardinals (12-12) sind nicht weit zurück und alle drei haben in der Woche seit Freitag im Gleichschritt genauso viele Spiele gewonnen wie sie verloren haben. Das gilt im übrigen auch für die Pittsburgh Pirates (12-15), sodass die Cincinnati Reds (13-14) mit drei Siegen und zwei Niederlagen die einzigen in der Division sind, für die sich in der vergangenen Woche irgendetwas bewegt hat.

Auch in der NL West hat sich am Tabellenbild seit letzter Woche nichts Nennenswertes verändert, doch das allein ist nach wie vor Überraschung genug: Die Colorado Rockies (17-11) und die Arizona Diamondbacks (17-12) halten sich wacker an der Spitze und die Los Angeles Dodgers (15-14) tun bislang zu wenig, um daran etwas zu ändern – insbesondere kamen sie gegen die beiden Konkurrenten bisher nicht über Splits in den Heim- und Niederlagen in den Auswärtsserien hinaus und auch gegen die ansonsten recht desolaten San Francisco Giants (11-18) tun sich die Dodgers schwer. Siebenmal trafen die beiden Traditionsrivalen an den letzten zehn Tagen aufeinander, viermal behielten die Giants die Oberhand. Eine schlechte Nachricht für die Diamondbacks muss ich leider noch erwähnen: SP Shelby Miller muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen, für ihn ist die Saison somit definitiv gelaufen.

American League
In der American League East muss man sich wohl langsam, aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass die New York Yankees (17-9) „for real“ sind. Seit letzter Woche haben sie drei weitere Serien gegen die Divisionsrivalen Baltimore Orioles (16-10), Boston Red Sox (15-12) und Toronto Blue Jays (9-19) gewonnen. Jetzt bin ich besonders gespannt auf das anstehende Drei-Spiele-Duell gegen den amtierenden Champion Chicago Cubs (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Derweil scheint sich zwischen den Red Sox und den Orioles momentan eine Rivalität zu entwickeln, die das gesunde Maß bereits deutlich überschritten hat. Es ging los mit einem ungestümen, aber offenbar unabsichtlichen Slide von Baltimores Manny Machado an die zweite Base, bei dem sich Bostons Dustin Pedroia verletzte und für ein paar Tage ausfiel. Getreu den sogenannten „unwritten rules“ im Baseball warf Red-Sox-Pitcher Eduardo Rodriguez im folgenden Spiel den Ball mehrfach inside in Richtung von Machados Knien – das ist allein schon albern genug, aber die Sache hätte damit zumindest erledigt sein müssen. Stattdessen eskalierte Reliever Matt Barnes die Situation, indem er bei nächster Gelegenheit knapp hinter den Kopf von Machado warf. Barnes wurde dafür mit Recht vier Spiele lang gesperrt. War es das nun endlich? Nein, entschied Chris Sale, das Pitching-Ass der Red Sox, und warf beim vorgestrigen Aufeinandertreffen schon wieder einen Ball hinter Machado, der später mit einem Homerun und einer angemessenen Tirade antwortete. Liebe Red Sox, ich habe euch immer gemocht, aber was soll dieser Schwachsinn? Ganz zu schweigen von den rassistischen Anfeindungen, die sich Orioles-Outfielder Adam Jones am 1. Mai durch offenbar mehrere Dutzend Zuschauer im Fenway Park anhören musste. Haben diese Vollidioten etwa schon vergessen, dass der von ihnen jahrelang als Idol gefeierte Big Papi David Ortiz die gleiche Hautfarbe hat wie der Gegenspieler, den sie nun mit dem N-Wort beschimpften und mit Erdnüssen bewarfen?

Zurück zum Sport. In der AL Central sind die Minnesota Twins (14-11) mit vier Siegen hintereinander und sechs aus den letzten sieben Spielen zurück an die Spitze gestürmt. Die Cleveland Indians (15-12) hatten am Dienstag einen bitteren Abend, als sie nicht nur das Spiel gegen die Detroit Tigers (14-13) und die Tabellenführung verloren sondern auch Pitcher Corey Kluber, der mit Rückenbeschwerden auf die Verletztenliste gesetzt werden musste. Die Chicago White Sox (14-12) und die Kansas City Royals (9-17) sorgten zwischenzeitlich für Schlagzeilen, indem Erstere sechs Siege und Letztere neun Niederlagen in Folge einfuhren. In den letzten drei Tagen gewannen aber die Royals zwei von drei Spielen gegen die White Sox. Die extremen Trends sind somit beide erstmal gestoppt.

Die Houston Astros (19-9) weisen mittlerweile nicht mehr nur in der AL West sondern in der gesamten MLB die beste Bilanz auf. Nach drei Siegen hintereinander gegen die Texas Rangers (11-17) herrschen klare Verhältnisse in der Lokalrivalität. Als wären die Rangers nicht schon gebeutelt genug, fällt nun auch noch Pitcher Cole Hamels für mehrere Monate aus. Da auch die Seattle Mariners (12-16) nach wie vor nicht wirklich in Tritt kommen und die Oakland Athletics (11-16) nach ordentlichem Start inzwischen deutlich eingebrochen sind, richten sich die Los Angeles Angels (15-14) in der Rolle des derzeit einzigen Verfolgers der Astros ein. Die übers Wochenende anstehende Serie zwischen den Astros und den Angels verspricht interessant zu werden.

Szene der Woche
Die Versuchung war groß, hier den Pickoff durch Jon Lester gegen Aaron Altherr zu küren – Würfe zur ersten Base sind bekanntlich die große Schwäche des Cubs-Pitchers und ein Pickoff-Throw durch ihn ist schon eine Sondermeldung wert. Aber da dieser hier „nur“ an die zweite Base ging, erlaube ich mir als Szene der Woche das Triple Play der Orioles gegen die Red Sox vorzuziehen. Ein Triple Play ist immer sehenswert, aber dieses war ganz besonders kurios, weil es nur durch Fehler von fast allen Beteiligten zustande kam: die Umpires signalisieren keinen Infield Fly, Orioles-Shortstop J. J. Hardy fängt den Ball nicht, die Baserunner Mitch Moreland und Dustin Pedroia laufen nicht los, Batter/Runner Jackie Bradley Jr. bricht den Weg zur ersten Base ab und plötzlich sind alle drei Spieler aus statt nur einem.

Statistik der Woche 
32. So viele Runs erzielte Bryce Harper im April und stellte damit einen neuen MLB-Rekord auf, den bislang Larry Walker mit 29 Runs im April 1997 gehalten hatte. Mit dieser Leistung stellt er sogar seinen Teamkollegen bei den Washington Nationals, Anthony Rendon, in den Schatten. Dieser legte diese Woche ebenfalls beeindruckende Zahlen vor, allerdings vor allem in Bezug auf ein einzelnes Spiel und nicht wie Harper auf einen ganzen Monat: Beim 23:5 über die Mets erzielte er in sechs Plate Appearances sechs Hits, davon drei Homeruns, und insgesamt 10 RBIs – in ihrer Gesamtheit ebenfalls eine in der MLB-Geschichte noch nie dagewesene Leistung.

Spiel(e) der Woche
Auf das Podest des Spiels der Woche setze ich dieses Mal gleichrangig zwei Partien, in denen es eindrucksvolle Comebacks zu sehen gab: Das eine geht auf das Konto der New York Yankees, die aus 1:9- und 4:11-Rückständen gegen die Baltimore Orioles mit Hilfe von fünf Homeruns einen 14:11-Sieg nach zehn Innings machten. Das andere war ein 6:5 der Los Angeles Dodgers über die Philadelphia Philles. Mit einem 2:5-Rückstand waren die Dodgers in den Bottom des neunten Innings gegangen, bevor Yasiel Puig, Cody Bellinger und Justin Turner mit Back-to-Back-to-Back-Homeruns gegen Phillies-Closer Hector Neris den Ausgleich besorgten. Zwei Outs später brachte ein Walkoff-Single von Adrian Gonzalez das Spiel nach Hause

Spiel der kommenden Woche
Zwei sehr reizvolle Duelle stehen übers Wochenende an: zum einen das der Houston Astros gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, zum anderen das der Chicago Cubs gegen die New York Yankees. Das erste Spiel des Titelverteidigers gegen den wiedererstarkten Rekordmeister ist mein Einschalttipp der Woche: Am Freitag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los, auf dem Mound werden voraussichtlich Kyle Hendricks (4.18 ERA) für die Cubs und Michael Pineda (3.14 ERA) für die Yankees stehen.

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April 6th, 2017 by Dominik

Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

American League
Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

National League
In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

Spielzug der Woche
Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

Statistik der Woche 
50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

Spiel der Woche
Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Spiel(e) der kommenden Woche
Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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März 24th, 2017 by Dominik

Die Astros wollen es dieses Jahr wissen. Anders kann man es nicht interpretieren, dass sie ihr gutes junges Team durch Veteranen wie Catcher Brian McCann und OF/DH Carlos Beltran noch mal deutlich aufgerüstet haben. Mit einem sowohl vom Batting als auch vom Fielding her starken Lineup rund um MVP-Kandidat Jose Altuve und einem sehr ansehnlichen Bullpen scheinen die Astros für eine gute Saison gerüstet. Lediglich die Rotation weist Schwächen auf, allerdings teilen die Astros diese Eigenheit mit den beiden Rivalen um die Divisionskrone. Die drei trennt nicht viel, aber da die Astros sich am besten verstärkt haben, die Mariners mir nicht gefestigt genug erscheinen und die Rangers nicht noch einmal so sehr über ihre Verhältnisse punkten werden wie letztes Jahr, sehe ich Houston als hauchdünnen Favoriten.

Voraussichtliches Lineup
C Brian McCann
1B Yulieski Gurriel
2B Jose Altuve
SS Carlos Correa
3B Alex Bregman
LF Norichika Aoki
CF George Springer
RF Josh Reddick
DH Carlos Beltran

Voraussichtliche Rotation
SP Dallas Keuchel
SP Lance McCullers
SP Collin McHugh
SP Mike Fiers
SP Charlie Morton
Closer Ken Giles

Wichtigster Zugang
OF/DH Carlos Beltran (Texas Rangers)

Wichtigster Abgang
OF Colby Rasmus (Tampa Bay Rays)

Bestes Prospect
SP Francis Martes

Größte Stärke
Tiefe des Lineups: Die Offense der Astros ist nicht nur gespickt von Stars, sie ist auch in jeder Hinsicht sehr ausgeglichen. Rechts- und Linkshändigkeit, Power und Kontakt, Jugend und Erfahrung, Baserunning und Fielding – nichts kommt zu kurz und aufgrund einer soliden Ersatzbank geht auch bei einem Ausfall die Welt nicht unter.

Größte Schwäche
Tiefe der Rotation: Unter den vorgesehenen Startern brachte es 2016 einzig der junge Lance McCullers auf einen ERA von unter 4, allerdings absolvierte er wegen Schulter- und Ellbogenproblemen nur 14 Starts. Das Ass der Rotation, Dallas Keuchel, hat ebenso ein schwaches Jahr hinter sich wie Collin McHugh und Mike Fiers. Den fünften Platz in der Rotation wird wohl Neuzugang Charlie Morton belegen – er bringt einen Karriere-ERA von 4.54 mit und konnte letztes Jahr verletzungsbedingt nur vier Spiele bestreiten.

Spannendste Frage
Findet Dallas Keuchel zurück zu seiner Form von 2015? Angesichts der insgesamt fragwürdigen Besetzung der Rotation hängen die Erfolgschancen der Astros ganz wesentlich davon ab, welchen Beitrag ihr prominentester Pitcher leisten kann. 2015 gewann Keuchel den Cy-Young-Arward der AL mit einem ERA von 2.48 und FIP von 2.91 in 232 Innings. 2016 kam er auf nur 155 Innings mit 4.55 ERA und 3.87 FIP, wofür das Team und er hauptsächlich Verletzungen verantwortlich machten. Inzwischen fühlt Keuchel sich nach eigener Aussage deutlich besser und man wird sehen, ob sich dies in seiner Leistung widerspiegelt.

Prognose
Platz 1 in der AL West, Aus in der ALDS

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 2nd, 2017 by Dominik

Dafür, dass noch einige interessante Leute wie Catcher Matt Wieters, 1B/DH Mike Napoli, 1B Chris Carter oder die Reliever Sergio Romo, Boone Logan, Fernando Salas und Jerry Blevins ohne Vertrag sind, ist es auf dem Free-Agent-Markt knapp zwei Wochen vor dem offiziellen Trainingsauftakt der Teams erstaunlich ruhig geworden. Carter überlegt wohl sogar schon ernsthaft, nach Japan zu wechseln. Die größte MLB-Schlagzeile der letzten Tage war unterdessen eine Geschichte, die mit Sport nur indirekt zu tun hat. Hier die wichtigsten Neuigkeiten seit dem letzten Grand Slam am Donnerstag:

Cardinals für Hackerangriff bestraft
Es klingt nach Stoff für ein Buch oder einen Film, ist aber tatsächlich so passiert: Ein hochrangiger Mitarbeiter der Scouting-Abteilung der St. Louis Cardinals hat sich über Jahre hinweg in die Datenbanken der Houston Astros eingehackt, um Erkenntnisse über Talente zu stehlen. Laut einem schon letztes Jahr ergangenen Urteil gegen den geständigen Mitarbeiter, Chris Correa, hat dieser sich 48-mal innerhalb von zweieinhalb Jahren Zugang zum Netzwerk der Astros verschafft und dabei fünf verschiedene Accounts von Astros-Mitarbeitern missbraucht. Correa wurde nach Bekanntwerden der Vorwürfe von den Cardinals entlassen und sitzt nun eine 46-monatige Haftstrafe ab.
Die MLB hat sich mit der Entscheidung über ihre eigenen Disziplarmaßnahmen gegenüber dem Team Zeit gelassen, weil man auf den Inhalt gerichtlicher Dokumente wartete. Diese sollten Aufschluss darüber geben, ob Correa allein und in eigener Verantwortung gehandelt hat. Tatsächlich scheint dies nach allen vorhandenen Erkenntnissen der Fall gewesen zu sein, sodass die nun verkündete Strafe für die Cardinals einigermaßen glimpflich ausfällt: 2 Millionen Dollar und ihre beiden höchsten Draftpicks müssen sie abgeben und zwar direkt an den Geschädigten, also die Houston Astros.

Rekordvertrag für Carlos Martinez
Den Gürtel deutlich enger schnallen müssen die Cardinals aufgrund der Strafe offensichtlich nicht: Mit dem 25-jährigen Starter hat man sich mehreren Berichten zufolge auf eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre geeinigt, für die Martinez etwas mehr als 50 Millionen Dollar erhalten soll. Das ist an sich kein ungewöhnlicher Vertrag für einen vielversprechenden Pitcher, der schon zwei gute MLB-Saisons gespielt hat – bemerkenswert ist der Deal aber deshalb, weil Martinez noch für drei der fünf Jahre arbitration-eligible gewesen wäre, d. h. die Cardinals hätten ihn in diesen drei Jahren über das in der MLB übliche Schiedsverfahren voraussichtlich deutlich günstiger beschäftigen können. Für einen Spieler im ersten Arbitration-Jahr stellt der neue Vertrag, wenn er so zustande kommt, einen Rekord dar. Die Cardinals greifen also tief in die Tasche, um sich Martinez als einen Eckpfeiler des Teams bis 2022 zu sichern. Voraussichtlich wird der Vertrag noch ein bis zwei optionale Jahre enthalten; das würde ihn jedenfalls aus Teamsicht verständlicher machen.

Brandon Moss zu den Royals
Eine der wenigen relevanten Free-Agent-Verpflichtungen der letzten Tag ist Brandon Moss, der bei den Kansas City Royals für zwei Jahre und 12 Millionen Dollar unterschreiben soll. Moss ist Outfielder, allerdings kein besonders guter Defender, daher wird er wohl hauptsächlich als DH auflaufen. Mit einer Karriere-Slashline von .241/.319/.455 ist Moss in erster Linie ein Power-Hitter und hat als solcher sicher seinen Wert, aber gegenüber seinem nach Toronto abgewanderten Vorgänger Kendrys Morales stellt er eine klare Verschlechterung dar.

Blue Jays holen Lefty J. P. Howell
Apropos Toronto: Die Blue Jays haben meiner bescheidenen Ansicht nach eine nicht überragende, aber doch ganz ordentliche Offseason: Mit den Neuverpflichtungen Morales und Steve Pearce sowie der Weiterbeschäftigung von Jose Bautista wurde sichergestellt, dass sich das Lineup gegenüber dem letzten Jahr zumindest nicht verschlechtert. Der größte bisher noch ausstehende Bedarf war ein linkshändiger Reliever und auch der wurde in Person von J. P. Howell nun an Land gezogen. Howell hatte 2016 bei den Dodgers ein schwaches Jahr (4.09 ERA) und wirft insofern die Frage auf, ob er in der Lage ist, an seine deutlich erfolgreichere Zeit von 2013 bis 2015 (1.97 ERA) anzuknüpfen. Für einen Einjahresvertrag über 3 Millionen Dollar ist das Risiko jedenfalls überschaubar und diese Zahlen unterstreichen, dass es für die Blue Jays vernünftig war, nicht in ein Wettbieten um den bisherigen Jobinhaber Brett Cecil einzusteigen. Dieser ist den Statistiken nach nicht wirklich besser als Howell, räumte aber bei den St. Louis Cardinals einen meiner Ansicht nach absurden Vierjahresvertrag über 30,5 Millionen Dollar ab.

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Dezember 27th, 2016 by Dominik

Die siebte und letzte Rivalität zwischen zwei MLB-Teams, die ich im Rahmen meiner Serie vorstelle, ist die zwischen den Houston Astros und den Texas Rangers. Wie die meisten intensiven Konkurrenzverhältnisse geht auch dieses von räumlicher Nähe aus, genauer gesagt davon, dass beide Teams in Texas zu Hause sind.

Die sogenannte Lone-Star-Series wurde im Zuge einiger Umorganisationen der MLB zunehmend intensiver: Obwohl die Teams seit 1972 nebeinander existieren, kam es zum ersten offiziellen Aufeinandertreffen der Rangers und der Astros nicht vor dem Jahr 2001. Warum nicht 1997 wie die meisten anderen Interleague-Rivalitäten? Das lag daran, dass sich die MLB zunächst schwer damit tat, im Spielplan zu berücksichtigen, dass es hier eine „natürliche“ Rivalität in verschiedenen Divisionen der jeweiligen Ligen gab – die Rangers spielten in der AL West, die Astros in der NL Central. Die nötigen Anpassungen des Spielplans kamen mit etwas Verspätung und von 2001 bis 2012 trafen die beiden Texas-Teams sechsmal pro Jahr aufeinander. Seit 1992 erhält der Gewinner der (anfangs nur aus Freundschaftsspielen bestehenden) Jahresserie den Silver Boot, einen silbernen Cowboystiefel.

Der zweite organisatorische Eingriff in den Charakter dieser Rivalität war noch deutlich größer als die Einführung der Interleague-Spiele: 2013 wurden die Houston Astros umgruppiert in die American League und seitdem sind sie und die Texas Rangers Divisionsrivalen. Dementsprechend sehen sie sich nun jedes Jahr in 19 Spielen.

Interessanterweise hat der am stärksten von der Rivalität betroffene Spieler nie in einem Duell der beiden Teams mitgespielt. Die Rede ist von Nolan Ryan, der zwei bedeutende Abschnitte seiner Hall-of-Fame-Karriere bei den Astros (1980 bis 1988) und bei den Rangers (1989 bis 1993) verbrachte. Beide Teams reklamieren die Karriere des Pitchers in erster Linie für sich und beide haben ein Jahr vor dem ersten Aufeinandertreffen Ryans Trikotnummer retired. In die Hall of Fame zog Ryan 1999 auf eigene Entscheidung hin als Ranger ein. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Ryan hin und her gerissen zwischen den beiden Teams: Zunächst war er drei Jahre für die Astros als Assistent, Scout und Veranstalter von Pitching Camps tätig, dann wurde er 2008 Team-Präsident der Rangers und später deren Geschäftsführer. Nach seinem Rücktritt Ende 2013 kehrte er zu den Astros zurück, für die er als Berater des Team-Owners tätig ist.

Die Statistik der Lone Star Series spricht überraschend deutlich für die Texas Rangers: Von 148 Aufeinandertreffen gewannen die Rangers 95, die Astros hingegen nur 53. Die Rangers übertrumpften die Astros in diesen Spielen mit 812 zu 606 Runs, das ist ein durchschnittliches Resultat von 5,5:4,1. Die höchsten Siege gingen ebenfalls auf das Konto der Rangers, die die Astros sowohl am 4. Juli 2004 als auch am 21. Mai 2005 jeweils 18:3 abfertigten.

Die Rivalität zwischen den Rangers und den Astros ist noch verhältnismäßig jung, gehört aber aktuell zu den interessantesten der MLB, weil beide Teams gleichzeitig in einer Phase sind, in der sie noch für einige Jahre regelmäßig um den Divisionstitel mitreden dürften. 2015 und 2016 waren die ersten Spielzeiten, die beide mit einer Bilanz von über .500 abschlossen – in beiden Jahren gewannen die Rangers die Division letztlich allein aufgrund der deutlich zu ihrem Vorteil ausgegangenen Lone-Star-Series.

Die Serie über Rivalitäten in der MLB ist damit beendet. Ich hoffe, sie war einigermaßen interessant zu lesen. Für mich selbst kann ich jedenfalls sagen, durch die Beschäftigung mit dem Thema eine Menge dazugelernt zu haben. Natürlich konnte ich nicht jede der vielen Rivalitäten berücksichtigen – die Cubs gegen die Cardinals, die Tigers gegen die White Sox, die Mets gegen die Phillies sind nur ein paar Beispiele, über die man hier noch hätte reden können. Vielleicht werde ich das irgendwann nachholen.

Jetzt ist aber erst mal ein anderes interessantes Thema dran, das im Rahmen des Wunschkonzertes erbeten wurde: Ab nächster Woche wird es in einer neuen Serie um die verschiedenen Arten von Pitches gehen.

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September 22nd, 2016 by Dominik

Während wir in Deutschland zwei Tage vor dem Beginn der Meisterschaftsserie stehen, ist die MLB noch nicht ganz so weit, aber auch hier steigt die Spannung mit jedem Tag. Heute in zwei Wochen finden bereits die ersten Spiele der Divisional Championships der American League statt, bis dahin werden alle Entscheidungen über die Playoffteilnehmer gefallen sein – einschließlich der Wild-Card-Spiele und möglicherweise einer zusätzlichen Tie-Break-Runde. Dass es zu Letzterer kommt, scheint momentan durchaus möglich, deswegen habe ich mich etwas näher damit beschäftigt, wie ein solcher Tie-Breaker ablaufen wird. Mehr dazu im Abschnitt über die National League.

American League
Beim Blick auf die American League hat es schon Tradition, dass ich mich zu allererst darüber auslasse, wie spannend es in der AL East zugeht und dass hier bis zum letzten Tag um den Divisionstitel gerungen wird. Schluss damit, aus, vorbei! Die Boston Red Sox (88-64) werden diese Division gewinnen. Nach sieben Siegen in Folge – darunter ein Vier-Spiele-Sweep gegen die New York Yankees (79-72) und Erfolge in den ersten drei von vier gegen die Baltimore Orioles (82-70) – liegen die Red Sox nun fünf Spiele vor den Toronto Blue Jays (83-69). Fangraphs sieht die Wahrscheinlichkeit, dass sie dort oben bleiben, mittlerweile bei 98% und das erscheint mir sehr realistisch. Die Red Sox komplettieren damit das Feld der AL-Divisionssieger neben den Cleveland Indians (88-63) und den Texas Rangers (90-63). In die Playoffs geht Boston für mich als Favorit auf die World-Series-Teilnahme. Dafür spricht zum einen ihr überragendes Run Differential, das darin wurzelt, dass nicht nur die Offense aus allen Rohren feuert sondern spätestens seit dem All-Star-Break auch die Pitcher einen sehr respektablen Job machen. Hinzu kommt, dass die Red Sox aus der ausgeglichensten und stärksten Division kommen, sodass der Druck in den Playoffs für sie nichts Neues ist.

Kommen wir zum Wild-Card-Rennen der AL. Hier sah es lange danach aus, dass auf diesem Weg zwei weitere Teams aus der starken AL East den Weg in die Playoffs finden und das ist momentan auch noch aktuell: Die Toronto Blue Jays (83-69) hätten zurzeit das Heimrecht im Wild-Card-Game und würden dabei auf die Baltimore Orioles (82-70) treffen. Allerdings nehmen sich die beiden noch in drei der zehn verbleibenden Spielen auf jeden Fall gegenseitig Punkte weg und das öffnet die Tür für die Detroit Tigers (80-70) und die Houston Astros (81-71), die jeweils nur ein Spiel hinter den Orioles und zwei hinter den Blue Jays liegen. Selbst die Seattle Mariners (80-72) sind noch nicht ganz draußen, wenngleich sie in der letzten Woche mit verlorenen Serien gegen die Astros und die Blue Jays wohl ihre beste Gelegenheit verpasst haben. Vom Restprogramm her sehe ich die Tigers leicht favorisiert, weil sie als einzige keine Serie gegen einen direkten Konkurrenten um die WC-Plätze absolvieren müssen. Mit den Kansas City Royals und den Cleveland Indians warten allerdings auch auf sie noch zwei dicke Brocken.

National League
In der National League sind die Divisionssieger ja schon länger klar, ich zähle die Washington Nationals (89-63), die Chicago Cubs (97-55) und die Los Angeles Dodgers (86-66) hier lediglich als Merkposten auf. Dass die Cubs diese Saison der große Favorit sind, muss man wohl auch nicht mehr erwähnen. Wenn sie Glück haben, spielen ihnen sogar die Wild-Card-Teams noch in besonderem Maße in die Hände, denn wenn es unter diesen zusätzliche Tie-Break-Spiele geben sollte, können die Cubs gemütlich zuschauen, während ihre nächsten Gegner sich dabei verausgaben und ihre besten Pitcher verheizen.

Würde die Saison heute enden, wäre tatsächlich eine erweiterte Wild-Card-Runde nötig, denn die New York Mets, die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals stehen allesamt bei einer Bilanz von 80-72 und damit schon den zweiten Tag in Folge exakt gleichauf. Noch hat jeder zehn Spiele vor sich und somit reichlich Gelegenheit, sich ein oder zwei Spiele von den Konkurrenten abzusetzen, aber was passiert, wenn auch in eineinhalb Wochen zwei oder drei Teams die gleiche Bilanz aufweisen?

Der einfachste Fall wäre, wenn zwei Teams mit gleicher Bilanz die beiden Wild-Card-Plätze belegen. Es ginge dann „nur“ um das Heimrecht und das bekäme die Mannschaft mit dem besseren direkten Vergleich oder – wenn auch hier Gleichstand herrscht – mit der besseren Bilanz innerhalb der eigenen Division.

Wenn zwei Teams gleichauf stehen und es um den zweiten Wild-Card-Platz geht, gibt es ein Entscheidungsspiel direkt nach Saisonende, also am Montag, den 3. Oktober. Das Heimrecht in diesem Spiel entscheidet sich nach den oben genannten Regeln.

Stehen so wie heute drei Teams gleichauf für zwei Wild-Card-Plätze, dann wird es ein bisschen kompliziert. Ihr könnt auf mlb.com die Details nachlesen, im Endeffekt würde es jedenfalls auf eine Wild-Card-Runde mit drei Spielen hinauslaufen. Dabei würden wahrscheinlich zunächst am Montag St. Louis und New York aufeinandertreffen. Der Verlierer würde dann am Dienstag gegen San Francisco spielen. Die Sieger aus beiden Spielen würden sich am Mittwoch zum offiziellen Wild-Card-Spiel treffen und entscheiden, wer ab Freitag die Divisional-Serie gegen die Cubs spielen darf.

Stehen drei Teams gleichauf für den zweiten Wild-Card-Platz (was in der AL passieren könnte), dann ist das Verfahren ähnlich. Auch hier gäbe es zwei Tie-Breaker-Spiele, allerdings wäre der Verlierer des ersten Spiels draußen und der Gewinner würde im zweiten Spiel gegen die dritte Mannschaft darum spielen, wer im eigentlichen Wild-Card-Spiel auf das bereits qualifizierte Team trifft.

Spielzug der Woche
Die Texas Rangers sind 36-11 in One-Run-Games. Wie kommt man zu so einer Bilanz? Mit starken Nerven, mit etwas Glück und mit solchen Aktionen wie der von Pitcher Nick Martinez beim 5:4-Sieg gegen die Los Angeles Angels. Was für ein Catch! Oder, um es mit Adrian Beltre (ganz unten in dem verlinkten Artikel) zu sagen: Wow!

Statistik der Woche
45. Das ist die Anzahl von MLB-Spielen in der jungen Karriere von Gary Sanchez. Das Besondere daran ist, dass der 23-Jährige Yankee in diesen 45 Spielen 19 Homeruns geschlagen hat, was ein wirklich historischer Rekord ist: Der zweitschnellste Spieler der MLB-Geschichte, der 19 Homeruns erzielt hat, war Wally Berger im Jahr 1930 – in 51 Spielen. Sanchez steht nun bei einer OPS von 1.157 und ist trotz seiner verhältnismäßig kurzen Zeit in den Big Leagues wohl Top-Favorit auf die Auszeichnung als Rookie of the Year.

Spiel der Woche
Die Red Sox haben die Yankees geschlagen. Das kam dieses Jahr öfter vor, allein 4-mal hintereinander in der letzten Woche und insgesamt schon 11-mal in 16 Spielen (wäre es andersherum gelaufen, stünden übrigens die Yankees an der Spitze der AL East und die Red Sox wären Vierter). Der wichtigste und nachhaltigste dieser Siege dürfte allerdings der vom vergangenen Donnerstag gewesen sein: Das Comeback der Red Sox nach einem 1:5-Rückstand durch Homeruns von Big Papi David Ortiz und Hanley Ramirez war für beide Teams ein mentaler Knackpunkt, dem ein Sweep in der entscheidenden Serie folgte. Seitdem haben die Red Sox den Divisionssieg und die Yankees die Nichtteilnahme an den Playoffs so gut wie sicher.

Spiel der kommenden Woche
Die Cardinals gegen die Cubs, die Yankees gegen die Blue Jays und die Mariners gegen die Astros dürften die drei interessantesten Serien der nächsten Tage sein, aber zum Spiel der Woche wähle ich die Partie der Colorado Rockies bei den Los Angeles Dodgers am kommenden Sonntag um 22:10 Uhr unserer Zeit. Wer an dem Tag in LA ins Stadion geht statt vor dem Fernseher zu sitzen, ist selber schuld, denn sehens- bzw. hörenswert ist diese Partie vor allem deshalb, weil sie das letzte Heimspiel sein wird, das von Reporter-Legende Vin Scully kommentiert wird. Nutzt die Chance, wenn ihr die Möglichkeit habt, und genießt noch einmal Scullys angenehme Stimme und seinen unvergleichlichen, herrlich altmodischen Stil, ein Baseballspiel zu präsentieren. Wer das verpassen sollte, hat übrigens eine Woche später ein letztes Mal die Gelegenheit, Scully live zu erleben, denn seine letzte Übertragung wird das Spiel der Dodgers in San Francisco am 2. Oktober sein.

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September 1st, 2016 by Dominik

Ich finde es herrlich, mich zu irren. Naja, nicht unbedingt immer, aber zumindest fast immer dann, wenn Teams, die ich im Laufe des Jahres schon mal abgeschrieben hatte, plötzlich aus dem Nichts wieder auftauchen und mit einer Siegesserie für neue Spannung in der Liga sorgen. Konkret meine ich damit diese Woche die Houston Astros, die Detroit Tigers und die New York Mets, allesamt mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen und allesamt nun wieder ernsthafte Bewerber um Wild-Card-Plätze, wobei die Tigers vielleicht sogar noch mal um den Divisionstitel mitreden könnten.

National League
In die National League East ist Bewegung gekommen: Zwar sind die Washington Nationals (78-55) nach wie vor unangefochten, doch Platz zwei haben nach drei Siegen gegen die Miami Marlins (67-66) nun die New York Mets (69-64) zurück erobert. Nur noch 1.5 Spiele trennen die Mets vom Wild-Card-Platz und von allen konkurrierenden Teams – Giants, Cardinals, Pirates, Marlins – haben sie das leichteste Restprogramm. Ich weiß, letzte Woche habe ich hier noch herumgejammert und die zahlreichen Schwächen der Mets aufgezählt, aber über nichts irre ich mich lieber als darüber.

Über die Dominanz der Chicago Cubs (85-47) gibt es eigentlich nichts Neues zu sagen, aber es ist interessant zu sehen, wie stark der Einfluss der Cubs auf das Wild-Card-Rennen ist: Die Pittsburgh Pirates (67-64) waren bis vor ein paar Tagen noch gut dabei, wurden nun aber von den Cubs gesweept und sind entsprechend ins Hintertreffen geraten. Kurz vor Saisonende müssen sie übrigens noch viemal gegen die Cubs ran. Die St. Louis Cardinals (70-62) belegen momentan den zweiten WC-Platz, aber auch für sie könnten die Cubs in sechs noch ausstehenden Begegnungen zum Spielverderber werden. Da die Cardinals und die Pirates obendrein noch sechsmal gegeneinander spielen, sehe ich für die Wild-Card-Ambitionen der NL Central trotz des momentanen Tabellenbildes relativ schwarz.

Auch für die San Francisco Giants (72-60), die momentan die Wild-Card-Rangliste anführen, könnten die Cubs Schicksal spielen, denn die Giants müssen ab heute viermal hintereinander in Chicago antreten. Wenn die Form beider Teams aus den letzten Wochen halbwegs für eine Prognose taugt, dürften die Giants dort nicht viel zu lachen haben. Für die Los Angeles Dodgers (74-59) sieht das nach einer willkommen Gelegenheit aus, sich an der Spitze etwas abzusetzen; ihre eigenen Aufgaben in Form von zwei Heimserien gegen die Padres und die Diamondbacks erscheinen jedenfalls sehr lösbar.

American League
In der American League East geht es weiterhin eng zu, aber so langsam werden auch in dieser Divsion gewisse Tendenzen erkennbar. Dazu beigetragen hat sicher die von den Toronto Blue Jays (76-57) gewonnene Serie gegen die Baltimore Orioles (72-61). Zwischen den beiden liegen nun schon vier Spiele und angesichts des schweren Restprogramms der Orioles sind diese in meinen Augen schon so gut wie raus aus dem Kampf um den Divisionssieg. Genau zwischen Toronto und Baltimore stehen noch die Boston Red Sox (74-59), mit denen ich fest in den Playoffs rechne, sei es über die Division oder über die Wild Card. Dort werden sie ein unangenehmer Gegner sein, denn nachdem sie schon in der gesamten Saison die erfolgreichste Offense der Liga ihr eigen nennen, scheinen sie nun auch ihr Pitching auf die Reihe gebracht zu haben: Im August lagen sie mit einem Team-ERA von 3.69 auf Platz sechs der MLB – das heißt, sie haben pro Spiel fast einen Run weniger kassiert als in der ersten Saisonhälfte.

In der AL Central liegen die Detroit Tigers (72-61) nach acht Siegen aus den letzten zehn Spielen nur noch vier Spiele hinter den führenden Cleveland Indians (76-56). Ein Angriff auf die Spitze erscheint mir möglich, aber nicht wahrscheinlich, für eine Wild Card hingegen sind die Tigers ein ganz heißer Kandidat. Ihre Hauptkonkurrenten um diese sind die Orioles, die Astros, mit Außenseiterchancen die Yankees und vielleicht noch die Kansas City Royals (69-64). Was aus diesem „vielleicht“ wird, dürften die drei bevorstehenden Partien zwischen den Tigers und den Royals zeigen. Max Kepler hat gestern Abend endlich wieder einen Homerun für die Minnesota Twins (49-84) geschlagen. Die dreizehnte Niederlage seines Teams in Folge konnte er damit jedoch nicht verhindern, die Twins haben in ihrem freien Fall inzwischen die Atlanta Braves als bisheriges schlechtestes Team der Liga an sich vorbei ziehen lassen.

Die Texas Rangers (80-54) sind ein Phänomen: Mit einem höchst mittelmäßigen Run Differential von +22 (das vor dem gestrigen 14:1 gegen Seattle noch viel mittelmäßiger war) führen sie nicht nur die AL Central an sondern weisen auch den besten Record der gesamten AL auf. Das Erfolgsgeheimnis der Rangers: Sie gewinnen knappe Spiele – nicht immer, aber in 78,9% der Fälle. Mit der aktuellen Bilanz von 30-8 in Spielen, die durch einen einzigen Run Abstand entschieden werden, würden die Rangers einen neuen Einzelsaison-Rekord im modernen Baseball (d. h. seit 1900) aufstellen. Hinter den Rangers habe ich im Wild-Card-Rennen erst letzte Woche noch den Seattle Mariners (68-65) gute Chancen zugerechnet und die Houston Astros (71-62) als zu unbeständig abgeschrieben. Inzwischen haben sich die Vorzeichen komplett gedreht, wobei man sagen muss, dass ein wesentlicher Faktor der von den Mariners gegen die Rangers erlittene Sweep war und dass die Astros erst noch zeigen müssen, ob sie „for real“ sind, wenn sie ihrerseits nun dreimal gegen die Rangers, dann viermal gegen die Indians, dreimal gegen die Cubs und wieder dreimal gegen die Rangers antreten müssen. Das sind dreizehn Spielen gegen Divisionsführer hintereinander – Houston, wir haben ein Problem.

Spielzug der Woche
Relief Pitcher Zach McAllister von den Indians hat beim 8:4 gegen die Twins meiner Ansicht nach schlichtweg das Aus des Jahres produziert. Was soll ich groß schreiben, schaut es euch einfach an.

Statistik der Woche 
86 Jahre. So alt sind Bartolo Colon und Ichiro Suzuki, die beiden ältesten aktiven Spieler der MLB, zusammen. Gestern Abend trafen die beiden aufeinander und keiner von ihnen machte den Eindruck, zum alten Eisen zu gehören: Colon pitchte sieben Innings, in denen er nur einen earned Run zuließ; Ichiro erzielte einen Single, in dessen Folge er zwei Fehler der Mets sowie seine Schnelligkeit und Übersicht nutzte, um die Homeplate zu erreichen; zudem verhinderte er mit einem spektakulären Catch im Centerfield einen Homerun.

Spiel der Woche
Es scheint zwar schon eine Ewigkeit her, aber da die „Grand-Slam-Woche“ von Donnerstag bis Mittwoch reicht, gehört der Beinahe-No-Hitter von Matt Moore vom vergangenen Donnerstag in diesen Artikel. Angesichts der schwachen Form der Giants seit dem All-Star-Break ist ein gutes Spiel von ihnen fast schon für sich allein eine Erwähnung wert, aber der wichtige 4:0-Erfolg gegen die Dodgers geriet in den Hintergrund angesichts des geradezu tragischen Verlusts des möglichen No-Hitters – tragisch deshalb, weil der erste und einzige Hit der Dodgers nach zwei Aus im neunten Inning erfolgte. Corey Seager war der Spielverderber, wobei ich Spielverderber nicht negativ meine. Ich finde es vielmehr richtig und gut, auch bei einem quasi verlorenen Spiel bis zum letzten Aus ernsthaft zu spielen. Für Moore war es schade, aber ein angeknackstes Selbstvertrauen scheint er nicht erlitten zu haben, denn sein nächster Start gegen Arizona gestern Abend war ebenfalls ein ordentlicher Auftritt.

Spiel der kommenden Woche
Madison Bumgarner gegen Jake Arrieta und das Ganze zur besten mitteleuropäischen Sendezeit am Samstag um 20:20 Uhr direkt nach der Tagesschau. Baseballherz, was willst du mehr?

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August 4th, 2016 by Dominik

So langsam legt sich die Aufregung um die turbulente Trade-Deadline und spätestens jetzt befinden wir uns in der heißen Phase der regulären MLB-Saison, in der die Konzentration statt wilder Wechselgerüchte wieder ungeteilt dem Ballspiel und den Ergebnissen im Rennen um die Playoffs gilt. Hier der wöchentliche Überblick zum Stand der Dinge:

National League
In der National League East haben sich die Washington Nationals (64-44) nach einer kleinen Schwächephase wieder gefangen. Mit drei deutlichen Siegen wurden in Arizona die Diamondbacks gesweept und da sich die Miami Marlins (57-51) gleichzeitig von den Cubs haben sweepen lassen, liegt der Vorsprung der Nationals wieder bei komfortablen sieben Spielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationals die Division gewinnen, liegt laut Fangraphs inzwischen bei 95,5%. Die New York Mets (55-52) haben sich nach sechs Niederlagen aus den letzten acht Spielen aus dem Rennen um die Division verabschiedet und nun auch schon zwei Spiele Rückstand auf den Wild-Card-Platz. Wenn sie die Saison noch retten wollen, müssen sie schleunigst damit anfangen, aber die Zeichen stehen nicht gut: Nach der heute endenden Subway-Serie gegen die Yankees wartet in den Detroit Tigers das Team mit der aktuell längsten Siegesserie und die Verletzungsmisere hat nun auch Yoenis Cespedes auf die DL-Liste gebracht.

Das erfolgreichste Team der MLB sind nach wie vor die Chicago Cubs (66-41) in der NL Central. Sieben Siege aus den letzten acht Spielen haben den Abstand zum einzigen Verfolger St. Louis Cardinals (57-50) auf neun Spiele anwachsen lassen und die Schedule der nächsten Tage meint es gut mit den Cubs: Zuerst warten mit den Oakland Athletics und den Los Angeles Angels zwei Teams, für die die Saison schon lange gelaufen ist, danach können die Cubs in einer Vier-Spiele-Heimserie gegen die Cardinals endgültig für klare Verhältnisse sorgen. Die Cardinals werden sich keine allzu großen Hoffnungen auf den Divisionssieg machen, aber immerhin haben sie sich inzwischen auf den zweiten Wild-Card-Platz vorgearbeitet, hinter den Dodgers und vor den Marlins, Mets, Pirates und Rockies. Die Pittsburgh Pirates (53-52) dümpeln derweil im Mittelfeld vor sich hin und haben das Jahr offenbar aufgegeben, denn warum sonst hätten sie SP Francisco Liriano und ihren Closer Marc Melancon wegtraden sollen?

Deutlich spannender als in den anderen beiden Divisionen geht es in der NL West zu: Die San Francisco Giants (61-46) schwächeln weiterhin und die Los Angeles Dodgers (59-48) werden sich massiv ärgern, dass sie durch zwei Niederlagen gegen die Colorado Rockies (54-53) die Gelegenheit versäumt haben, zu den Giants aufzuschließen. Die Rockies schicken sich derweil an, zum Überraschungsteam der zweiten Saisonhälfte zu werden. Seit dem All-Star-Break stehen sie bei 14-5 und sind plötzlich wieder im Rennen um die Wild-Card. In diesem Rennen sind sie zwar immer noch der krasse Außenseiter – Fangraphs beziffert die Chancen auf den WC-Platz auf 1,7% –, aber es ist beeindruckend, dass sie überhaupt dabei sind.

American League
Kommen wir zur American League East, die in den Baltimore Orioles (61-45) ausnahmsweise mal an zwei Donnerstagen hintereinander den gleichen Tabellenführer hat. Die scheinbare Stabilität täuscht jedoch, denn am Wochenende standen zeitweise die Toronto Blue Jays oben (61-47), die dann allerdings auf den dritten Rang hinter den Boston Red Sox (58-48) abrutschten, bevor sie nun wieder nach Siegen mit den Orioles gleichgezogen haben. Es wird wohl bis zum Schluss ein ganz enges Rennen in der AL East bleiben und das ist gut so. Knapp positiv stehen noch die New York Yankees (54-53) da, die aber zur Trade-Deadline bereits klar demonstriert haben, dass ihre Prioritäten auf der Weichenstellung für die Zukunft liegen und sie für dieses Jahr keine Ambitionen mehr hegen.

In der AL Central laufen die Detroit Tigers (59-48) gerade heiß, acht Spiele in Folge haben sie gewonnen und allein in den vergangenen drei Tagen den Abstand auf Tabellenführer Cleveland Indians (60-45) von fünf Spielen auf nur noch zwei verringert. Zwischen den beiden ist das Rennen nun wieder völlig offen, während sich sowohl die Chicago White Sox (51-56) als auch die Kansas City Royals (51-56) durch eine schwache Woche endgültig aus selbigem verabschiedet haben. Nie im Rennen waren die Minnesota Twins (43-64), die aber immerhin gerade vier Spiele in Folge gewonnen haben und daran war Max Kepler, der einzige Deutsche in der MLB, nicht ganz unschuldig. Sagenhafte drei Homeruns steuerte er zum 12:5-Sieg über die Indians am Montag bei, einen weiteren zum 10:6 am Dienstag und am 13:5 vom Mittwoch war er ebenfalls mit zwei RBI beteiligt. Unter den Spielern mit mehr als 100 At-Bats ist Kepler mittlerweile mit einer OPS von .907 der beste Batter seines Teams. Und weil mir gerade ein hervorragender Artikel über Max Kepler über den Weg gelaufen ist, trage ich diesen hier nach als ausdrücklichen Lesetipp

Die Aufholjagd der Houston Astros (56-51) in der AL West scheint vorerst beendet. Nach sieben Niederlagen aus den letzten zehn Spielen und Inaktivität zur Trade-Deadline ist der Elan der letzten Wochen verpufft. Die Texas Rangers (62-46) dürfen sich mit nun 5.5 Spielen Vorsprung wieder fester im Sattel fühlen und im Gegensatz zur Konkurrenz haben sie sich kurz vor Ladenschluss noch ordentlich verstärkt. Eine Vorentscheidung kann das Wochenende bringen, wenn die Astros die Rangers zu einer Drei-Spiele-Serie empfangen (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Im Übrigen frage ich mich jede Woche, was ich über die Seattle Mariners (54-52) schreiben soll. Die Mariners halten sich konstant in einem Fahrwasser, in dem man sie nicht völlig ignorieren kann, aber ein ernster Playoffkandidat sind sie für mich auch nicht. Mal sehen, wann sich hier eine klarere Tendenz herauskristallisiert.

Spielzug der Woche
Ein Triple Play ist immer eine spektakuläre Angelegenheit und das gilt ganz besonders für das der Nationals im achten Inning ihres 4:1-Sieges gegen die Giants am vergangenen Samstag. Es war nämlich das erste 3-3-5-Triple-Play in der MLB-Geschichte, also das erste, das nach folgendem Muster ablief: erstes Aus, als der First-Baseman (Ryan Zimmerman) den Ball (von Brandon Crawford) aus der Luft fängt; zweites Aus, als er auf die erste Base tritt und damit den voreilig losgelaufenen Baserunner (Buster Posey) kalt erwischt; drittes Aus, als der Third-Baseman (Anthony Rendon) an seiner Base den Ball fängt und damit auch den zweiten losgelaufenen Baserunner (Denard Span) erledigt.

Statistik der Woche
1 Inning, 9 Batters, 4 Runs, 0 Hits. Diese erstaunlichen Zahlen produzierten die Phillies am Samstag im achten Inning des Spiels gegen die Braves. Noch mal im Klartext: Die Phillies haben in diesem Inning ihr komplettes Lineup an den Schlag gebracht und vier Runs erzielt, ohne dass ihnen ein einziger Hit gelungen wäre. Es traten auf: Tyler Goeddel (Walk), Freddy Galvis (Fielder’s Choice, 1. Out), Taylor Featherston (Walk), Cesar Hernandez (Walk), Odubel Herrera (Walk, Run), Maikel Franco (Error, 2 Runs), Ryan Howard (Error), Aaron Altherr (Hit by Pitch, Run), Cameron Rupp (grounded into Double Play, 2. und 3. Out).

Spiel der Woche
Die Cubs verstehen es wirklich, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Das bewiesen sie mal wieder am Sonntag im Spiel gegen die Mariners. Nicht genug damit, dass sie einen 0:6-Rückstand überwanden, der das Spiel schon nach drei Innings scheinbar entschieden hatte. Auch nicht genug damit, dass sie den Ausgleich erst bei einem Wild Pitch mit zwei Aus im neunten Inning vollbrachten. Um wirklich die volle Aufmerksamkeit der Baseballwelt zu erlangen, mussten sie zudem noch Pitcher Travis Wood zeitweise ins Outfield beordern und ihn dort einen hervorragenden Catch machen lassen und dann im zwölften Inning Pitcher Jon Lester als Pinch-Hitter bringen und ihn den Walk-Off erzielen lassen.

Spiel der kommenden Woche
Die interessantesten Paarungen der nächsten Tage sind das Aufeinandertreffen der Rangers und der Astros, das der Dodgers und der Red Sox sowie die Rückspielserie der Giants bei den Nationals, bei der es voraussichtlich am Sonntag zum Premium-Matchup Bumgarner gegen Strasburg kommt. Letzteres wäre auf jeden Fall ein würdiges Spiel der Woche, aber da ich Nationals gegen Giants an dieser Stelle schon letzte Woche gewählt habe, entscheide ich mich dieses Mal für das Lokalderby der Rangers gegen die Astros und zwar konkret für das Spiel am Sonntag. Um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit kann man sich das prima anschauen und es wird interessant sein, wie sich Astros-Rookie Joe Musgrove bei seinem ersten MLB-Start gegen das wiedergenesene Rangers-Ass Yu Darvish schlägt.

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