Oktober 15th, 2017 by Dominik

Die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft im Baseball erstreckte sich über die volle Anzahl von fünf Spielen, aber am Ende war das Resultat doch eindeutig: Mit 8:1 holten sich die Heidenheim Heideköpfe einen nie gefährdeten Sieg gegen die Bonn Capitals und sind damit nach 2009 und 2015 zum dritten Mal Deutscher Meister.

Man kann nur herzlich gratulieren und neidlos anerkennen, dass der Titel völlig verdient in Heidenheim gelandet ist: Die Heideköpfe haben souverän die Südmeisterschaft gewonnen, sie haben ebenso souverän die Interleaguerunde gewonnen und auf den letzten Etappen haben sie zuerst den Titelverteidiger Mainz Athletics und dann den Nordmeister Bonn Capitals bezwungen. Anders formuliert: Sie haben sich allen denkbaren Herausforderungen gestellt und jede davon gemeistert.

Der Held des entscheidenden Spiels war Clayton Freimuth. Der Pitcher, der zuletzt meistens als Reliever für die letzten Innings verwendet worden war, bekam dieses Mal den Start und ging über die volle Distanz, in der er nur drei Hits zuließ und zwölf Strikeouts verbuchte. Die offensiven Highlights setzten Mitch Nilsson und Shawn Larry mit je einem Homerun für Heidenheim.

Für die Bonn Capitals lief an diesem Tag nicht viel zusammen, aber über die gesamte Saison betrachtet ist auch die Leistung des Nord- und Vizemeisters aller Ehren wert. Die erste Deutsche Meisterschaft der Capitals war in greifbarer Nähe und angesichts ihrer Dominanz in der Nordstaffel ist wohl fest davon auszugehen, dass mit den Bonnern auch in den nächsten Jahren zu rechnen ist.

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Oktober 13th, 2017 by Dominik

Bei all der Spannung und Dramatik um die MLB-Playoffs – die Chicago Cubs haben heute Morgen als letztes die Championship-Serie erreicht – wollen wir nicht vergessen, dass auch in Deutschland Baseball gespielt wird. Es steht zwar nur noch ein einziges Spiel an, aber es ist das wichtigste des Jahres: Spiel fünf der Best-of-Five-Serie um die Deutsche Meisterschaft.

Am Samstag um 14 Uhr empfangen die Heidenheim Heideköpfe die Bonn Capitals. Anders als an den beiden vorherigen Wochenenden wird es dieses Mal keine Siegteilung geben. Einer gewinnt und ist damit Deutscher Meister.

Die Capitals können im Pitching auf Sascha Koch, Maurice Wilhelm und Max Schmitz setzen, auf den verletzten Marcus Solbach müssen sie verzichten. Heidenheim baut voraussichtlich auf Ricky Torres und Clayton Freimuth. Am Schlag bieten sowohl der Nord- als auch der Südmeister die beste Offensive ihrer jeweiligen Liga auf.

Außer im Heidenheimer Ballpark kann man das Spiel als Videostream von Legionäre TV auf Youtube sowie im Livescoring auf Gamechanger verfolgen.

Bereits gefallen sind übrigens die Auf- und Abstiegsentscheidungen: Dass die Bad Homburg Hornets aus der Bundesliga Süd ab- und dafür die Ulm Falcons aufsteigen, steht schon länger fest, ebenso der Aufstieg der Berlin Flamingos in die Bundesliga Nord. Neu ist, dass auch die Bremen Dockers zukünftig die Bundesliga Nord bereichern werden, während die Dortmund Wanderers den Gang in die Zweitklassigkeit antreten müssen. Die Ergebnisse der Relegationsserie zeigen mal wieder, wie verrückt Baseball manchmal sein kann: Das Hinspiel in Dortmund gewannen die Wanderers mit 24:0, im Rückspiel siegte Bremen 3:2 nach zwölf Innings und behielt auch in der entscheidenden Partie mit 6:1 die Oberhand.

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September 18th, 2017 by Dominik

Man kann es nicht oft genug sagen: Besucht die heimischen Ballparks, da wird sehr guter Baseball gespielt – natürlich nicht ganz auf MLB-Niveau, aber mit genauso viel Herzblut und Leidenschaft. Zugegeben, in manchen Begegnungen während der regulären Saison ist das Leistungsgefälle leider sehr hoch. Aber spätestens in den Playoffs, wenn die Créme des Bundesliga-Baseballs unter sich ist, geht es regelmäßig extrem spannend zu.

Im Viertelfinale war dieses Jahr vor allem ein Duell heiß umkämpft, nämlich das zwischen den beiden Erzrivalen des Nordens, den Bonn Capitals und den Solingen Alligators. Favorit Bonn hatte in seinen Heimspielen mit zwei Siegen vorgelegt, doch die Solinger konnten die Best-of-Five-Serie in ihren beiden Heimspielen drehen. Da das Regenwetter an dem betreffenden Wochenende nicht mehr als diese zwei Spiele erlaubte, mussten die Capitals und die Alligators am eigentlichen Halbfinal-Wochenende nachsitzen: Am vergangenen Samstag spielten sie in Spiel fünf zunächst ihren Sieger aus – die Capitals behielten dank eines Galauftritts von Pitcher Sascha Koch (Complete Game, 3 Hits, 1 Run) mit 6:1 die Oberhand –, der dann gleich am Sonntag seine Heimspiele im Halbfinale gegen die München-Haar Disciples austragen musste.

Die Disciples, die sich mit 3:1 Siegen über Paderborn ins Halbfinale gespielt hatten, gerieten im ersten Spiel in Bonn mit 0:10 sehr deutlich unter die Räder, revanchierten sich aber im zweiten Teil des Doubleheaders mit einem 7:4-Sieg. Haars Star-Pitcher Ryan Bollinger sorgte mit 14 Strikeouts in sieben Innings mal wieder für anerkennendes Staunen, allerdings ließ er auch untypische vier Runs zu. In beiden Spielen gab es eine frühe Vorentscheidung durch je ein großes Inning des späteren Siegers: sechs Runs für die Capitals im dritten Inning des ersten, fünf Runs für die Disciples im zweiten Inning des zweiten Spiels. Für das kommende Wochenende ist in diesem Duell alles offen. Es wird in Haar mindestens zwei Spiele geben (Samstag, 14 Uhr, und Sonntag, 13 Uhr) und falls nötig das entscheidende fünfte Spiel direkt im Anschluss.

Genauso sieht es zwischen den Mainz Athletics und den Heidenheim Heideköpfen aus: Auch im Duell des Deutschen Meisters von 2016 und des Spitzenreiters der regulären Saison 2017 steht es 1:1. Die Heideköpfe setzten sich am Samstag mit 5:2 durch, am Sonntag gelang den Athletics ein 3:2-Auswärtssieg. Die Partien drei und vier finden am Samstag (16 Uhr) und Sonntag (13 Uhr) in Mainz statt. Auch hier wird nötigenfalls direkt im Anschluss an das vierte Spiel noch das fünfte ausgetragen. Als Sympathisant der Athletics hoffe ich, dass es dazu nicht kommen wird, denn die Mainzer sind dieses Jahr mit Pitchern leider recht dünn besetzt. Die beiden Starter Tim Stahlmann und Riley Barr müssen sich in Deutschland vor niemandem verstecken, doch drei Spiele an einem Wochenende würden zwangsläufig zu einer Notlösung führen. Mit dem jungen Yannic Wildenhain und „Umschüler“ Lennard Stöcklin sind noch zwei gute Leute vorhanden, aber beide sähe ich lieber in zwei, drei Relief-Innings denn als Starter.

Auch um Auf- und Abstieg wird übrigens noch gerungen, jedenfalls in der Bundesliga Nord. Da anstatt der vorgesehenen acht Teams zuletzt nur sieben Mannschaften mitspielten, wird es aus den zweiten Ligen einen direkten Aufsteiger geben und einen weiteren Kandidaten, der gegen den Verlierer der Bundesliga-Playdowns, die Dortmund Wanderers, eine Relegationsserie spielt. Die besten Karten haben dabei die Berlin Flamingos. Sie haben das Glück, dass der eigentliche Split gegen die Bremen Dockers in zwei Siege für Berlin umgewandelt wurde, nachdem Bremen versehentlich einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte. Die Flamingos dürften nun – wenn ich nichts übersehe oder falsch interpretiere – als Direktaufsteiger feststehen. Am Samstag ab 12 Uhr hat Bremen gegen die Neunkirchen Nightmares Gelegenheit, den Lapsus auszubügeln und zumindest noch in die Relegation einzuziehen. Neunkirchen würde dafür ein Split reichen.

Im Süden ist die Entscheidung bereits gefallen: Die Bad Homburg Hornets müssen, nachdem die Playdowns äußerst knapp mit 2:3 Siegen gegen Vorjahresaufsteiger Saarlouis verloren wurden, den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Ihren Platz in der Bundesliga nehmen die Ulm Falcons ein. Die eigentlich auch im Süden vorgesehene Qualifikationsrunde entfiel, weil alle anderen dazu berechtigten Kandidaten auf die Möglichkeit zum Aufstieg verzichteten.

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August 29th, 2017 by Dominik

Welche Teams in die Playoffs der Baseball-Bundesliga kommen, steht schon seit Mitte Juli fest. Dass die Meisterschaftsrunde erst am kommenden Wochenende mit den Viertelfinalspielen beginnt, liegt an einer Neuerung: Erstmals gab es eine Interleague-Runde, in der die vier besten Teams aus dem Norden je eine Zwei-Spiele-Serie gegen die vier besten Teams aus dem Süden spielten.

Mein persönliches Fazit nach dieser neuen Interleague-Runde: Ich fand es einerseits sehr interessant, die Mannschaften aus den beiden Ligen schon vor den Playoffs mal im direkten Vergleich zu sehen. Andererseits fand ich schade, dass die Interleague sich erstens auf die Playoffteilnehmer beschränkt und dass es ihr zweitens etwas an Spannung mangelt, weil es vier Wochen lang nur um Details der Setzliste für die Playoffs geht. Daher fände ich gut, wenn es auch in Zukunft Interleague-Spiele gibt, man sich aber über den Modus noch mal Gedanken gemacht.

Generell hat sich im Vergleich der beiden Staffeln die Einschätzung bestätigt, die sich seit ein paar Jahren aufdrängt: Der Abstand ist nicht groß, aber der Süden ist tendenziell etwas stärker als der Norden. In der gemeinsamen Abschlusstabelle der acht Playoffteilnehmer stehen mit Heidenheim und Haar zwei Südteams an der Spitze; Nordmeister Bonn hat es als einzige Mannschaft aus dem Norden in die obere Tabellenhälfte geschafft, in der Interleague aber auch nur drei von acht Spielen gewonnen.

Nun steht also endlich das Viertelfinale an mit zwei Nord-Süd-Duellen, einem Nord- und einem Süd-Derby. Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht. Gespielt wird das fünfte Spiel trotzdem auf dem Platz des anderen Teams, damit man nach zwei Wochenenden mit der Runde durch ist.

Heidenheim Heideköpfe – Mannheim Tornados
Die Heideköpfe sind souverän Südmeister geworden und haben auch in der Interleague sechs von acht Spielen gewonnen. Gegen die Tornados waren sie in allen vier Spielen der regulären Saison siegreich. Alles andere als ein souveränes Weiterkommen der Heideköpfe wäre eine Überraschung.

Haar Disciples – Untouchables Paderborn
Auch in dieser Playoff-Paarung sehe ich einen klaren Favoriten: Durch einen Sweep gegen Nordmeister Bonn haben die Disciples am letzten Interleague-Wochenende ihre Ambitionen deutlich unterstrichen. Zwar bringen sie keine ganz so explosive Offense auf das Feld wie beispielsweise Heidenheim oder Mainz, dafür steht aber in jedem zweiten Spiel mit Ryan Bollinger der wohl stärkste Pitcher auf dem Mound, den die Bundesliga in den letzten Jahren gesehen hat. Auch die Untouchables, für die die Saison eher durchwachsen verlief und die Playoffteilnahme erst spät gesichert wurde, haben ihre Stärken mehr in der Defense als in der Offense. Highscoring ist von dieser Paarung also eher nicht zu erwarten.

Bonn Capitals – Solingen Alligators
Bonn gegen Solingen war in den letzten Jahren das Duell an der Spitze der Bundesliga Nord. Dieses Jahr haben die Capitals die vier regulären Saisonspiele gegen die Alligators gesweept und die Nordstaffel souverän gewonnen, während Solingen sich nicht aus dem breit aufgestellten Mittelfeld abheben konnte und letztlich hinter Dohren Dritter wurde. Ich kann nicht behaupten, mich in der Bundesliga Nord besonders gut auszukennen, aber alles, was an Zahlen und Fakten vorliegt, spricht dafür, dass die Alligators den Capitals dieses Jahr nicht das Wasser reichen können.

Mainz Athletics – Dohren Wild Farmers
Ich hoffe sehr, dass es auch in den anderen drei Paarungen spannender wird als erwartet, aber von der Ausgangslage dürfte Mainz gegen Dohren das engste Duell des Viertelfinales werden. Über längere Sicht betrachtet sieht es ein bisschen aus wie David gegen Goliath – auf der einen Seite die Mainzer, seit 26 Jahren durchgehend in der Bundesliga, zweifacher und aktuell amtierender Deutscher Meister sowie Europapokalsiegerbesieger; auf der anderen Seite Dohren als Aufsteiger, dessen erstmalige Playoff-Teilnahme vor der Saison wohl niemand vorhergesagt hätte. Doch der Status quo ist, dass sich beide Teams absolut auf Augenhöhe befinden: Beide sind in der regulären Saison Zweiter in ihrer Staffel geworden, beide stehen nach der Interleague-Runde mit einer 10-10-Bilanz gleichauf und ihr bislang erstes und einziges Aufeinandertreffen am vergangenen Wochenende endete mit einem Split. Lediglich dass die A’s ihr Spiel mit 13:8 deutlicher gewonnen haben als die Wild Farmers ihres mit 10:9, entschied letztlich das Heimrecht am ersten Wochenende für Mainz. Allerdings haben wohl auch beide Seiten insbesondere ihre Pitcher ein bisschen geschont. Ich tippe, dass am Ende die Ausgeglichenheit und Routine des Meisters über den Hunger des Überraschungsteams triumphieren wird.

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Mai 23rd, 2017 by Dominik

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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August 29th, 2016 by Dominik

Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem man Baseballfan werden müsste, wenn man es nicht schon längst wäre. Es war der letzte Halbfinalspieltag um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Heidenheim Heideköpfen und den Mainz Athletics. Ich muss zugeben, nach der 0:8-Niederlage vom Samstagabend und der Aussicht, am gleichen Wochenende beim gleichen Gegner noch zweimal gewinnen zu müssen, hatte ich zwar nicht die Hoffnung aber doch den Glauben an den Finaleinzug meiner Mainzer ein Stückweit verloren. Doch dann drehten die Athletics am Sonntag in einer siebeneinhalbstündigen Hitzeschlacht gegen die Heidenheim Heideköpfe alles herum, was man herum drehen kann: Sie drehten einen 4:5-Rückstand im ersten Spiel durch unglaubliche elf Runs im achten Inning zu einem 15:6-Sieg, sie drehten einen 0:3-Rückstand im zweiten Spiel zu einem 13:6-Sieg und vor allem drehten sie die Serie von 1:2 auf 3:2 und stehen damit im Endspiel. Noch einen Tag später bin ich ganz überwältigt von diesen Ereignissen. Dabei war ich nicht mal vor Ort, aber dank der Radio- und Videoübertragungen von Tim Collins auf eurobaseballtv.com (dort gibt es übrigens auch Highlight-Videos der Spiele) durfte ich mich hautnah dabei fühlen und gemeinsam mit den A’s tausend Tode sterben und tausend Mal wieder auferstehen. Bitte entschuldigt, dass ich heute so ungewohnt emotional und parteiisch… ach was, ich entschuldige mich für gar nichts. Go A’s!

Den Zuschauern – auch wenn die Mehrzahl davon für Heidenheim und am Ende entsprechend enttäuscht gewesen sein dürfte – wurde neben der unglaublichen Spannung in den beiden Spielen auch eine Menge fürs Auge geboten: zum Beispiel insgesamt sechs Homeruns sowie als extreme Rarität ein Triple Play der Mainzer Defense. Letzteres gelang im neunten Inning des ersten Spiels bei geladenen Bases und der leichten Furcht, die Heidenheimer könnten trotz des hohen Rückstands noch mal zurück ins Spiel finden. Diese Furcht war schnell überstanden, als 3B Lennard Stöcklin einen Groundball von Stefan Karpf aufnahm, ihn Catcher Max Boldt zum Force Out an der Homeplate zuwarf, dieser weiter gab zu 1B Martin Kipphan zum Out an der ersten Base und schließlich auch 2B Nici Weichert noch genug Zeit hatte, seinen Runner auszuschalten. Die Fachsprache nennt das ein 5-2-3-4-Triple-Play und ich glaube nicht, dass es diese Form des Triple Plays in der Baseballgeschichte schon oft gegeben hat. Wer eines kennt, möge es mir bitte mitteilen.*

Die überragenden Akteure des Halbfinales, bezogen auf alle fünf Spiele, waren auf Seiten der Heidenheimer Pitcher Johannes Krumm, der mit zwei Glanzleistungen Spiel 1 und 3 für die Heideköpfe gewann und insgesamt nur einen earned Run zuließ, sowie auf Seiten der Mainzer das Duo Infernale Max Boldt und Thomas de Wolf. Boldt brachte es auf 10 RBI in 18 At-Bats mit 5 Hits, darunter 3 Homeruns, sowie 6 Walks. De Wolf gelangen ebenfalls 10 RBI mit 9 Hits in 19 At-Bats, davon 2 Homeruns, und 4 Walks. Obendrein durfte de Wolf auch noch in zwei Spielen als Relief-Pitcher ran. In 3 2/3 Innings ließ er keinen Run zu und besorgte 6 Strikeouts.

Genug des Jubels über meine Lieblinge, der andere Teil des Halbfinales soll nicht unerwähnt bleiben: Zwischen den Regensburg Legionären und den Bonn Capitals war es leider und überraschenderweise nie wirklich spannend. In drei Spielen kassierten die Bonner ebenso viele Niederlagen wie zuvor in der gesamten 24 Spiele langen und als souveräner Nordmeister abgeschlossenen regulären Saison. Im Prinzip war die Serie schon nach dem ersten Wochenende so gut wie entschieden, als die Legionäre die Capitals in deren eigenem Ballpark mit 14:4 und 14:2 sweepten. In dem Auswärtsspiel in Regensburg bäumten sich die Bonner zwar mit einer kurzzeitigen Führung im ersten sowie mit zwei Runs im neunten Inning noch zweimal auf, unterlagen aber letztlich erneut mit 4:7. Regensburg hat damit zum neunten Mal in elf Jahren die Meisterschaftsserie erreicht und es kommt zur Neuauflage des Finales von 2007. Damals gewannen die Mainzer nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 zum ersten und bislang einzigen Mal den Titel.

Für eine Vorschau auf die Finalserie ist es mir noch zu früh, denn diese beginnt erst in vier Wochen. Grund für die lange Pause ist die Europameisterschaft in den Niederlanden vom 9. bis zum 18. September, in der eine ganze Reihe von Akteuren sowohl aus Regensburg als auch aus Mainz sich zunächst im Zusammenspiel in der Nationalmannschaft üben dürfen, bevor sie anschließend wieder als Gegner auf dem Platz stehen werden. Am 24. und 25. September ist aufgrund der besseren Platzierung in der regulären Saison zunächst Mainz Gastgeber, am 1. und ggf. 2. Oktober wird die Serie in Regensburg fortgesetzt, bevor man sich falls nötig am 8. Oktober noch einmal in Mainz zum Entscheidungsspiel trifft. Rechtzeitig vor dem ersten Spiel werde ich mich mit einer ausführlichen Gegenüberstellung der beiden Teams melden und mich dabei redlich um Sachlichkeit und Unparteilichkeit bemühen. Und falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Go A’s!

 

*In der MLB hat es jedenfalls laut der Triple Play Database noch nie eines gegeben. Danke an meinen Leser Matthias für den Hinweis!

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