Mai 23rd, 2017 by Dominik

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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August 29th, 2016 by Dominik

Gestern war mal wieder so ein Tag, an dem man Baseballfan werden müsste, wenn man es nicht schon längst wäre. Es war der letzte Halbfinalspieltag um die Deutsche Meisterschaft zwischen den Heidenheim Heideköpfen und den Mainz Athletics. Ich muss zugeben, nach der 0:8-Niederlage vom Samstagabend und der Aussicht, am gleichen Wochenende beim gleichen Gegner noch zweimal gewinnen zu müssen, hatte ich zwar nicht die Hoffnung aber doch den Glauben an den Finaleinzug meiner Mainzer ein Stückweit verloren. Doch dann drehten die Athletics am Sonntag in einer siebeneinhalbstündigen Hitzeschlacht gegen die Heidenheim Heideköpfe alles herum, was man herum drehen kann: Sie drehten einen 4:5-Rückstand im ersten Spiel durch unglaubliche elf Runs im achten Inning zu einem 15:6-Sieg, sie drehten einen 0:3-Rückstand im zweiten Spiel zu einem 13:6-Sieg und vor allem drehten sie die Serie von 1:2 auf 3:2 und stehen damit im Endspiel. Noch einen Tag später bin ich ganz überwältigt von diesen Ereignissen. Dabei war ich nicht mal vor Ort, aber dank der Radio- und Videoübertragungen von Tim Collins auf eurobaseballtv.com (dort gibt es übrigens auch Highlight-Videos der Spiele) durfte ich mich hautnah dabei fühlen und gemeinsam mit den A’s tausend Tode sterben und tausend Mal wieder auferstehen. Bitte entschuldigt, dass ich heute so ungewohnt emotional und parteiisch… ach was, ich entschuldige mich für gar nichts. Go A’s!

Den Zuschauern – auch wenn die Mehrzahl davon für Heidenheim und am Ende entsprechend enttäuscht gewesen sein dürfte – wurde neben der unglaublichen Spannung in den beiden Spielen auch eine Menge fürs Auge geboten: zum Beispiel insgesamt sechs Homeruns sowie als extreme Rarität ein Triple Play der Mainzer Defense. Letzteres gelang im neunten Inning des ersten Spiels bei geladenen Bases und der leichten Furcht, die Heidenheimer könnten trotz des hohen Rückstands noch mal zurück ins Spiel finden. Diese Furcht war schnell überstanden, als 3B Lennard Stöcklin einen Groundball von Stefan Karpf aufnahm, ihn Catcher Max Boldt zum Force Out an der Homeplate zuwarf, dieser weiter gab zu 1B Martin Kipphan zum Out an der ersten Base und schließlich auch 2B Nici Weichert noch genug Zeit hatte, seinen Runner auszuschalten. Die Fachsprache nennt das ein 5-2-3-4-Triple-Play und ich glaube nicht, dass es diese Form des Triple Plays in der Baseballgeschichte schon oft gegeben hat. Wer eines kennt, möge es mir bitte mitteilen.*

Die überragenden Akteure des Halbfinales, bezogen auf alle fünf Spiele, waren auf Seiten der Heidenheimer Pitcher Johannes Krumm, der mit zwei Glanzleistungen Spiel 1 und 3 für die Heideköpfe gewann und insgesamt nur einen earned Run zuließ, sowie auf Seiten der Mainzer das Duo Infernale Max Boldt und Thomas de Wolf. Boldt brachte es auf 10 RBI in 18 At-Bats mit 5 Hits, darunter 3 Homeruns, sowie 6 Walks. De Wolf gelangen ebenfalls 10 RBI mit 9 Hits in 19 At-Bats, davon 2 Homeruns, und 4 Walks. Obendrein durfte de Wolf auch noch in zwei Spielen als Relief-Pitcher ran. In 3 2/3 Innings ließ er keinen Run zu und besorgte 6 Strikeouts.

Genug des Jubels über meine Lieblinge, der andere Teil des Halbfinales soll nicht unerwähnt bleiben: Zwischen den Regensburg Legionären und den Bonn Capitals war es leider und überraschenderweise nie wirklich spannend. In drei Spielen kassierten die Bonner ebenso viele Niederlagen wie zuvor in der gesamten 24 Spiele langen und als souveräner Nordmeister abgeschlossenen regulären Saison. Im Prinzip war die Serie schon nach dem ersten Wochenende so gut wie entschieden, als die Legionäre die Capitals in deren eigenem Ballpark mit 14:4 und 14:2 sweepten. In dem Auswärtsspiel in Regensburg bäumten sich die Bonner zwar mit einer kurzzeitigen Führung im ersten sowie mit zwei Runs im neunten Inning noch zweimal auf, unterlagen aber letztlich erneut mit 4:7. Regensburg hat damit zum neunten Mal in elf Jahren die Meisterschaftsserie erreicht und es kommt zur Neuauflage des Finales von 2007. Damals gewannen die Mainzer nach einem 0:2-Rückstand noch mit 3:2 zum ersten und bislang einzigen Mal den Titel.

Für eine Vorschau auf die Finalserie ist es mir noch zu früh, denn diese beginnt erst in vier Wochen. Grund für die lange Pause ist die Europameisterschaft in den Niederlanden vom 9. bis zum 18. September, in der eine ganze Reihe von Akteuren sowohl aus Regensburg als auch aus Mainz sich zunächst im Zusammenspiel in der Nationalmannschaft üben dürfen, bevor sie anschließend wieder als Gegner auf dem Platz stehen werden. Am 24. und 25. September ist aufgrund der besseren Platzierung in der regulären Saison zunächst Mainz Gastgeber, am 1. und ggf. 2. Oktober wird die Serie in Regensburg fortgesetzt, bevor man sich falls nötig am 8. Oktober noch einmal in Mainz zum Entscheidungsspiel trifft. Rechtzeitig vor dem ersten Spiel werde ich mich mit einer ausführlichen Gegenüberstellung der beiden Teams melden und mich dabei redlich um Sachlichkeit und Unparteilichkeit bemühen. Und falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Go A’s!

 

*In der MLB hat es jedenfalls laut der Triple Play Database noch nie eines gegeben. Danke an meinen Leser Matthias für den Hinweis!

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