Dezember 18th, 2017 by Dominik

Dies ist ein kleiner Nachtrag zu meiner Vorstellung des Brett- und Würfelspiels „Bottom of the 9th“. Wie ich inzwischen erfahren habe, gibt es auch eine Umsetzung des Spiels als App für Android und iOS. Beide Versionen sind in den App-Stores von Google bzw. Apple für 4,99 Dollar erhältlich. Ich habe die App auf meinem Android-Smartphone getestet und möchte kurz davon berichten.

Die Umsetzung ist sehr originalgetreu erfolgt. Sowohl der Spielverlauf als auch die Inhalte der Spielerkarten mit den speziellen Fähigkeiten und Eigenheiten wurden 1:1 vom Brettspiel übernommen. Auch das grafische Konzept bietet sehr hohen Wiedererkennungswert.

Das Spiel bietet alles, was man von einer Brettspieladaption erwarten kann: Man kann wahlweise gegen den Computer oder gegen einen menschlichen Gegner antreten, wobei letzterer sowohl am gleichen Gerät spielen kann als auch an seinem eigenen. Für das Online-Duell kann man entweder direkt einen Freund herausfordern oder man lässt das Spiel nach einem geeigneten Gegner suchen. Auch die aus dem Brettspiel bekannte Einzelspielerkampagne kann man in der App spielen. Vor allem für Neueinsteiger sind die Tutorials zum Pitching und Batting interessant. Diese reichen völlig aus, um direkt loszulegen, aber auch eine vollständige Anleitung ist enthalten.

Einziger Negativpunkt für mich ist, dass man über die App leider selten spontan einen Gegner für ein virtuelles Kräftemessen findet – offenbar ist dafür der Verbreitungsgrad des Spiels noch zu gering und mit Sicherheit spielt es auch eine Rolle, dass die meisten potenziellen Gegner sich in einer anderen Zeitzone befinden. Zudem ist mir aufgefallen, dass die App recht stark am Akku saugt. Dem kann man aber begegnen, indem man in den Optionen den Grafik-Level ein bisschen nach unten schraubt.

Alles in allem bestätigt die App-Version von „Bottom of the 9th“ das rundum positive Bild, das ich bereits von dem Brettspiel gewonnen hatte. Sie kann letzteres auch komplett ersetzen, aber das ginge mir persönlich dann doch zu weit: Mit echten Würfeln, Karten und Figuren am Tisch zu spielen, steht für mich definitiv noch ein Stückchen über dem Touchscreen-Vergnügen. Aber für ein kleines Trainingsspielchen zwischendurch, insbesondere wenn man irgendwelche Wartezeiten zu überbrücken hat, ist die App perfekt.

 

Transparenz-Hinweis: Die Firma Handelabra Games war so freundlich, mir die App für den Test kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auf meine Bewertung hat das selbstverständlich keinen Einfluss und ich erhalte sonst keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 9th, 2017 by Dominik

Die beiden spannendsten Fragen der Offseason sind geklärt. Trotzdem erlaube ich mir, die Herren Shohei Ohtani und Giancarlo Stanton bis zum Grand Slam am Donnerstag auf meinen Senf warten zu lassen und erst einmal das Versprechen einzulösen, das ich im Artikel über „What About Baseball“ gegeben habe: Rechtzeitig vor Weihnachten stelle ich heute ein weiteres Baseball-Brettspiel vor – und nicht nur irgendeines, sondern meinen bisherigen Favoriten. „Bottom of the 9th“ heißt das gute Stück aus der kleinen, aber feinen Spieleschmiede „Dice Hate Me Games“.

Die Schachtel von „Bottom of the 9th“ macht auf den ersten Blick einen recht mickrigen Eindruck, sie hat eher die Größe eines Reisespiels. Aber das täuscht, denn an Inhalt wird einiges geboten: neben dem Spielfeld drei Batter- und diverse Markierungssteine, allesamt aus Holz, drei Würfel und ein Stapel Karten mit sehr unterschiedlichen Inhalten und Bestimmungen.

So hochwertig die Materialien sind, so durchdacht ist auch das Spielprinzip. Das übliche Szenario eines Duells zwischen zwei Spielern ist ein Unentschieden im unteren neunten Inning, das dem Spiel auch seinen Namen gegeben hat. Ein Spieler pitcht, der andere Spieler schlägt und die spielentscheidende Frage ist, ob das Team am Schlag einen Run und damit den Walk-off erzielen kann. Daneben gibt es noch eine Reihe von Karten mit weiteren Szenarien, die insbesondere – aber nicht nur – für die Einzelspielervariante gedacht sind. Natürlich kann man auch eine Partie über volle neun Innings spielen, was allerdings nicht empfohlen wird, weil es sich doch ziemlich zieht.

Gepitcht und geschlagen wird auch bei diesem Spiel durch Würfeln, doch am Beginn jedes At Bats steht erstmal der Staredown zwischen Pitcher und Batter: Dieser besteht darin, dass der pitchende Spieler verdeckt die Richtung seines Pitches (high/low und inside/outside) festlegt und der schlagende Spieler versucht, diese ebenfalls verdeckt vorherzusagen. Je nachdem, wie gut ihm dies gelingt, hat in der anschließenden Würfelrunde einer der Spieler einen Vorteil, indem er zum Beispiel ein zweites Mal würfeln oder das Würfelergebnis um +/-1 verändern darf. Gewürfelt wird immer zuerst vom Pitcher mit zwei Würfeln. Danach ist der Batter an der Reihe – je nach Pitch versucht er, eine höhere oder eine niedrigere Zahl zu erzielen als der Pitcher und somit einen Treffer zu landen oder einen Ball passieren zu lassen.

Die Komplexität und der Abwechslungsreichtum des Spiels werden zusätzlich dadurch gefördert, dass man sich aus den Spielerkarten ein individuelles Lineup zusammenstellt, in dem jeder Spieler bestimmte Stärken und Schwächen hat. Dasselbe gilt für die Pitcher, die obendrein ermüden können, insbesondere wenn sie zu oft ihren jeweiligen Spezialpitch werfen.

Ihr merkt schon, das Spiel bietet eine Menge Möglichkeiten, den Verlauf durch eigene Entscheidungen und Taktiken zu beeinflussen. Das unterscheidet es deutlich vom letzte Woche vorgestellten „What About Baseball“ und ist äußerst förderlich dafür, oft und lange Spaß daran zu haben.

Ich habe mich letzte Woche schon darüber ausgelassen, dass ich die Altersempfehlung ab 8 Jahren im Fall von „What About Baseball“ für eindeutig zu hoch gegriffen halte. Bei „Bottom of the 9th“ geht es mir ähnlich: Laut Angabe auf der Packung soll es für ein Alter ab 13 geeignet sein. Meiner Einschätzung und Erfahrung nach kann man es einem baseball- und brettspielinteressierten Achtjährigen durchaus schon zutrauen – mit der Einschränkung, dass man ihm die Anweisungen auf den Spielerkarten übersetzen muss, wenn er nicht englischsprachig aufgewachsen ist. Nach oben sehe ich bei diesem Spiel keine Grenze, auch Erwachsene haben damit dauerhaft Spaß.

Von mir gibt es für „Bottom of the 9th“ eine uneingeschränkte Empfehlung. Erfreulicherweise ist das Spiel problemlos in Deutschland erhältlich; man bekommt es zum Beispiel für rund 20 Euro bei Amazon oder für ein paar Euro mehr bei Ebay. Auch zwei Erweiterungen in Form von je 12 zusätzlichen Spielerkarten sind dort verfügbar. Die besitze ich allerdings noch nicht und kann daher nichts dazu sagen.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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Dezember 3rd, 2017 by Dominik

Da ich sowohl Baseball als auch Brettspiele liebe, bin ich eigentlich ständig auf der Suche nach Möglichkeiten, diese beiden Vorlieben miteinander zu vereinen. Das ist leider nicht einfach, denn selbst in Amerika sind gute Baseball-Brettspiele rar gesät und sie in Deutschland ohne horrende Versandkosten zu bekommen, ist fast unmöglich. Dennoch konnte ich mittlerweile zwei solche Spiele ergattern und das erste davon möchte ich heute vorstellen.

Das Spiel heißt „What About Baseball“ und stammt von dem relativ kleinen Verlag „Shrout & Co.“. Die Materialien machen einen stabilen und mit Liebe gestalteten Eindruck: Neben einer gedruckten Anleitung und dem Spielplan, der ein Baseballfeld sowie Anzeiger für Balls, Strikes und Outs darstellt, sind Spielfiguren in rot und blau, ein Block mit Scoresheets, zwei Bleistifte, zwei normale Würfel und drei spezielle Würfel dabei. Die Scoresheets sind einfach gehalten, man trägt lediglich ein Batting Lineup sowie die Runs, Hits und Errors in den einzelnen Innings ein. Aber auch für Statistikfans ist gesorgt, denn es gibt noch eine fortgeschrittene Version des Scoresheets, die man sich auf der Homepage des Spiels kostenlos herunterladen kann.

Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man spielt wie im echten Baseball über neun Innings, je drei Outs beenden ein Halbinning. Der Spieler – oder das Team – in der Defense würfelt mit dem Pitcherwürfel das Ergebnis jedes Pitches aus: Ball, Strike, Foul Ball oder Kontakt. Kontakt heißt, der Ball kommt ins Spiel und nun ist der Batter an der Reihe, mit den zwei normalen Würfeln das Resultat des Schlags zu ermitteln: eine 12 ist ein Homerun, eine 11 ein Triple, eine 10 ein Double, eine 9 ein Single und alles darunter ein Out. Um die Sache etwas interessanter zu machen, gibt es noch zwei Sonderwürfel, die zum Einsatz kommen, wenn der Batter einen 1er-, 2er-, 3er- oder 4er-Pasch würfelt. Dadurch kommen ab und zu auch Errors, Wild Pitches, Stealversuche oder Double Plays vor.

Laut den Angaben auf der Packung und in der Beschreibung ist das Spiel geeignet für zwei bis vier Spieler ab 8 Jahren. Beide Angaben kann ich so nicht bestätigen: zum einen weil es problemlos möglich ist, das Spiel sowohl allein als auch in größeren Gruppen zu spielen, zum anderen weil das genannte Mindestalter mir deutlich zu hoch gegriffen erscheint. Ich habe das Spiel mit meinen eigenen Kindern im Alter von fünf und acht Jahren gespielt. Der Fünfjährige hat es sofort verstanden und das würde wohl auch jedes andere fünfjährige Kind, sofern es ein Grundinteresse und – verständnis für Baseball mitbringt, also weiß, was Balls, Strikes, Hits und Walks sind. Für den Achtjährigen wird das Spiel schon relativ schnell langweilig, weil es sich leider um ein reines Glücksspiel handelt.

Damit sind wir auch schon beim zentralen Kritikpunkt an „What About Baseball“. Ich finde es extrem schade, dass ein so schön gestaltetes Spiel sein Potenzial verschenkt, indem es keinerlei Möglichkeiten vorsieht, eigene Entscheidungen zu treffen oder gar Strategien anzuwenden. Der Verlauf und der Ausgang des Spiels hängen von nichts anderem als den Würfeln ab, es spielt sich quasi von selbst und so verfliegt der Spielspaß für Erwachsene oder ältere Kinder leider recht schnell.

„What About Baseball“ hat mich somit leider nicht überzeugt. Zum Glück habe ich noch ein anderes Baseball-Brettspiel auf Lager, das ich demnächst vorstellen werde, und so viel kann ich schon verraten: Es ist in meinen Augen deutlich gelungener.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel habe ich selbst gekauft und ich erhalte für die Rezension keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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