März 22nd, 2018 by Dominik

Der Saisonstart ist nur noch ein glatte Woche entfernt, aber seit ein paar Tagen haben viele europäische Baseball-Fans einen neuen, deutlich weiter entfernten Termin, auf den sie hinfiebern. Unterdessen stellen die MLB-Klubs derzeit die letzten Weichen, bevor es ernst wird: Einige Free Agents haben gerade noch rechtzeitig einen neuen Arbeitgeber gefunden, ein paar Verträge wurden vorzeitig verlängert und leider müssen einige Spieler zumindest zeitweise ersetzt werden, weil sie sich ungünstierweise kurz vor der Saison eine Verletzung zugezogen haben.

Yankees und Red Sox kommen nach London 
Relativ überraschend kam vor ein paar Tagen die Nachricht, dass die MLB schon 2019 zum ersten Mal überhaupt ein reguläres Saisonspiel in Europa anberaumen will. Und es kommt nicht irgendwer, es kommen die beiden populärsten Baseball-Teams der Welt, die New York Yankees und die Boston Red Sox. Geplant ist eine Zwei-Spiele-Serie Ende Juni 2019, die voraussichtlich im London Stadium (dem ehemaligen Olympiastadion) stattfinden wird. Formal werden es Heimspiele der Red Sox sein. Das Stadion wird hauptsächlich für Fußballspiele des Premier-League-Klubs West Ham United genutzt, aber da es auch für Leichtathletikveranstaltungen gebaut wurde und dementsprechend über eine Laufbahn verfügt, sind die Voraussetzungen wohl einigermaßen günstig, die für europäische Verhältnisse ungewohnten Ausmaße eines Baseballfeldes darin unterzubringen.

Cobb unterschreibt bei den Orioles 
Mit SP Alex Cobb ist der vorletzte „große“ Free Agent dieses Jahres endlich bei einem neuen Klub untergekommen. Anders als viele Kollegen, die sich letzte Woche mit kleineren Brötchen zufrieden geben mussten, hatte Cobb mit seiner Strategie des Abwartens offensichtlich Erfolg: Er erhält einen Vierjahresvertrag über 60 Millionen Dollar bei den Baltimore Orioles und hat damit sehr viel mehr herausgeholt als beispielsweise der gleich alte und etwa gleich starke Lance Lynn, der sich letzte Woche mit einem Einjahresvertrag über 12 Millionen bei den Twins zufrieden geben musste. Cobb verpasste nach einer Tommy-John-Surgery den Großteil der Saison 2016, war aber 2017 wieder ganz der Alte und brachte es für die Tampa Bay Rays auf einen ERA von 3.66 in knapp 180 Innnings. In Baltimore wird Cobb die bislang schlechteste Starting Rotation der Liga verstärken.

Ein paar weitere Free-Agent-Verpflichtungen
Außer Cobb gab es diese Woche nur ein paar nachrangige Free-Agent-Signings. Ich zähle hier nur diejenigen auf, bei denen ich mir am ehesten vorstellen kann, dass die Akteure dieses Jahr eine Rolle in den Major Leagues spielen könnten. Der relevanteste Spieler, der immer noch keinen neuen Vertrag hat, ist übrigens RP Greg Holland.

Die Washington Nationals haben Pitcher Jeremy Hellickson über einen Minor-League-Vertrag geholt. Hellickson hatte mit einem ERA von 5.77 für die Phillies und die Orioles 2017 das schwächste Jahr seiner Karriere und bewirbt sich bei den Nationals mit mehreren Konkurrenten um den fünften Spot der Rotation.

Ebenfalls um einen Platz in der Rotation wird sich Trevor Cahill bewerben, der zu den Oakland Athletics zurückkehrt, dem Team, das ihn 2006 gedraftet und bei dem er 2009 bis 2011 seine ersten MLB-Saisons verbracht hatte. Der 30-Jährige hatte in den letzten Jahren mit Verletzungen und Leistungsschwankungen zu kämpfen, die ihm zeitweise eine Versetzung in den Bullpen einbrachten. Bei den dünn besetzten A’s, die ihm 1,5 Millionen Dollar für ein Jahr bezahlen, könnte er die Chance haben zu starten.

Der dritte im Bunde der Pitcher, die auf eine Wiederbelebung ihrer Karriere hoffen, ist Clay Buchholz. Der zweimalige All-Star, der fast das gesamte letzte Jahr wegen einer Operation am Wurfarm verpasste, erhält bei den Kansas City Royals zunächst einen Minor-League-Vertrag. Dieser wird zu einem MLB-Vertrag über 1,5 Millionen Dollar, wenn und sobald Buchholz ins 40-Mann-Roster aufgenommen wird.

Die Toronto Blue Jays haben mit einem Minor-League-Vertrag für Danny Espinosa die Tiefe ihres Infields verstärkt. Espinosa war letzte Woche von den Yankees entlassen worden, nachdem diese Free Agent Neil Walker geholt hatten.

Neue Verträge für Altuve und Suarez
Der World-Series-Champion Houston Astros hat den ersten und wichtigsten Schritt getan, den Kern des Meisterteams langfristig zusammenzuhalten: 2B José Altuve unterschreibt einen neuen Vertrag, der ihn für die kommenden sieben Jahre an die Astros bindet. Die Einigung bringt ihm 151 Millionen Dollar für die Jahre 2020 bis 2024 ein, zusätzlich zu den 12,5 Millionen aus dem bestehenden Vertrag für 2018 und 2019. Das ist eine Menge Geld – das meiste, das die Astros je für einen Spieler ausgegeben haben –, aber jeder Cent davon ist gerechtfertigt. Altuve ist der amtierende MVP der American League, welche er seit vier Jahren hintereinander in Hits anführt, und er ist der unumstrittene Dreh- und Angelpunkt des Erfolgs der Astros.

Auch die Cincinnati Reds haben sich mit einem ihrer Leistungsträger auf eine langfristige Zusammenarbeit geeinigt: 3B Eugenio Suarez erhält einen Siebenjahresvertrag mit Option auf ein achtes Jahr. Der 26-Jährige hatte 2017 seine Breakout-Saison mit Schlagleistungen von .260/.367/.461 und obendrein starkem Defensivspiel. In den kommenden sieben Jahren wird Suarez 66 Millionen Dollar verdienen.

Turner, Phelps und weitere Verletzte
Schon im Spring Training so schwer verletzt zu werden, dass man die bevorstehende Saison verpasst, ist besonders bitter. Auch dieses Jahr hat es schon wieder eine ganze Reihe von Spielern erwischt: Nach den Pitching-Talenten Brent Honeywell und José de Leon von den Rays müssen nun auch SP Jharel Cotton (Athletics), RP David Phelps (Mariners) und OF Alex Dickerson (Padres) sich der berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen.

3B Justin Turner von den Dodgers und SP Jason Vargas von den Mets haben unterdessen wohl Glück im Unglück: Turner hat sich das linke Handgelenk, Vargas seine rechte Hand gebrochen. Beide verpassen damit natürlich den Saisonstart, dürfen aber darauf hoffen, in ein paar Wochen wieder einsatzfähig zu sein.

Und schon wieder eine Dopingsperre
Leider kommt auch diese Woche nicht ohne einen neuen Dopingfall aus: Jorge Polanco, Shortstop der Minnesota Twins, wurde positiv auf das Steroid Stanozolol getestet. Wie im Falle eines ersten Verstoßes gegen die Dopingregeln der MLB üblich, wird Polanco für 80 Spiele, also rund die Hälfte der Saison gesperrt. Ob auf den 24-Jährigen nach Rückkehr aus der Zwangspause noch sein alter Job wartet, ist fraglich. Er war für die Startformation eigentlich gesetzt, doch nun wird Eduardo Escobar eine neue Chance erhalten, den Posten dauerhaft zurück zu gewinnen.

Die ultimative Rache des Mike Perez 
Wer erinnert sich noch an die skurrilste Verletzung des vergangenen Jahres? Martin Perez, Pitcher bei den Texas Rangers, war im Dezember gestürzt, als er auf seiner Farm vor einem Bullen davon lief. Wie die Sache für Perez endete, ist bekannt: Er brach sich den Ellenbogen seiner Handschuh-Hand, musste operiert werden und verpasste einen Großteil der Vorbereitung auf die neue Saison. Letzten Sonntag stand er zum ersten Mal im Spring Training auf dem Mound und absolvierte fünf solide Innings. Für den Bullen ging die Sache nicht ganz so glimpflich aus: „I killed him and I ate him,” verriet Perez nach dem Spiel. “It was good meat. No more bull.“ Dann wäre das also auch geklärt.

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Dezember 22nd, 2016 by Dominik

O. K., so langsam sind wir wohl wirklich in der Saure-Gurken-Zeit der MLB-Offseason angekommen. Jedes Team hat noch ein, zwei Needs und jeder brauchbare Free Agent hat ein paar vermeintliche oder tatsächliche Interessenten, aber Nägel mit Köpfen wurden in den letzten Tagen nur sehr wenige gemacht. Die Spekulationen sprudeln natürlich wie eh und je, von irgendetwas müssen die ganzen hauptberuflichen Baseballschreiber ja leben. Die meisten der Gerüchte erweisen sich jedoch als heiße Luft und die Wahrheit ist vermutlich, dass sich zwischen den Winter Meetings und dem Beginn des neuen Jahres schlichtweg nicht viel tut, weil auch die Verantwortlichen der MLB-Teams sich mal ein bisschen relative Ruhe gönnen. Entsprechend kurz fällt heute der Grand Slam am Donnerstag aus.

Die Phillies verlängern mit Herrera und holen Buchholz
Aktiver als der Rest der Liga waren in den letzten Tagen die Philadelphia Phillies. Zunächst sicherten sie sich letzten Donnerstag den Verbleib von Odubel Herrera bis mindestens 2021. Der Vertrag, der dem nächste Woche 25 werdenden Outfielder ein Einkommen von 30,5 Millionen Dollar sichert, enthält zudem zwei Cluboptionen für die Jahre 2022 (11,5 Millionen) und 2023 (12,5 Millionen). Herrera (.286/.361/.420) war in der vergangenen Saison Philadelphias einziger All-Star und soll ein wichtiger Teil des Kerns junger Spieler bleiben, um den herum die Phillies ein konkurrenzfähiges Team aufbauen wollen.

Eher eine Übergangslösung für die Zeit bis dahin ist Pitcher Clay Buchholz, den die Phillies mitsamt seinem 13,5 Millionen Dollar teuren Vertrag für 2017 von den Red Sox geholt haben. Buchholz überzeugte letztes Jahr zwar eher in seinen 13 Relieve-Auftritten (3.57 ERA) als in den 21 Starts (5.01 ERA), wird aber wohl auch in Philadelphia hauptsächlich als Starter in Erscheinung treten. Nach meiner Einschätzung stehen die Phillies ohnehin vor einem weiteren Jahr, in dem einzelne Ergebnisse noch nicht so wichtig sind und in dem Buchholz eher als Mentor für die jungen Spieler gefragt ist denn als Leistungsträger. Für Buchholz haben die Phillies 2B-Prospect Josh Tobias nach Boston geschickt.

Die Marlins verstärken den Bullpen
Ein weiteres NL-East-Team im Umbruch sind die Miami Marlins und auch sie haben diese Woche ihr Pitching-Personal mit ehemaligen Red Sox verstärkt. Für jeweils zwei Jahre und recht stolze Preise von 16 bzw. 12 Millionen Dollar steigen die beiden Rechtshänder Brad Ziegler und Junichi Tazawa in den Wettbewerb mit A. J. Ramos um die Rolle des Closers der Marlins ein. Diese drei, zusammen mit Kyle Barraclough und Dustin McGowan, bilden einen durchaus ansehnlichen Bullpen, den die Marlins dank ihrer fragwürdigen Starting-Rotation auch bitter nötig haben dürften.

Mike Dunn unterschreibt bei den Rockies
Auch die Colorado Rockies haben sich Hilfe für den Bullpen geholt und bezahlen Linkshänder Mike Dunn 19 Millionen Dollar für drei Jahre plus optional 6 Millionen für ein weiteres Jahr. Dunn bringt aus der letzten Saison in Miami einen ERA von 3.40 mit und als seine Stärke gilt, dass er wenige Homeruns zulässt (bisher 34 in 351 Karriere-Innings). Das klingt nach einer Fähigkeit, die man gut gebrauchen kann, wenn man seine Heimspiele im hitterfreundlichen Coors Field austrägt.

Daniel Hudson geht zu den Pirates
Und noch mal Verstärkung für den Bullpen: Die Pittsburgh Pirates haben sich für zwei Jahre und 11 Millionen Dollar mit Daniel Hudson (zuvor bei den Diamondbacks) geeinigt. Der 29-Jährige, der schon zwei Tommy-John-Surgeries und ein schwaches Jahr 2016 (5.22 ERA in 70 Auftritten) hinter sich hat, ist wohl das nächste Projekt von Pitching-Coach Ray Searage; Searage gilt als Spezialist dafür, aus dem Tritt geratene Pitcher zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Ein Schnäppchen für die Padres
1,75 Millionen Dollar sind für die meisten von uns eine unverschämte Menge Geld, als Jahresgehalt für einen als Free Agent verpflichteten erfahrenen Major-League-Pitcher ist das jedoch ein regelrechtes Schnäppchen. Angeblich verzichtete Jhoulys Chacin auf deutlich lukrativere Angebote, weil die San Diego Padres ihm im Gegenzug einen Platz in der Starting Rotation zusicherten. Diese Rotation wird nach derzeitigem Stand aus Chacin (2016: 144 IP, 4.81 ERA), Luis Perdomo (146.2, 5.71), Christian Friedrich (129.1, 4.80), Paul Clemens (61.1, 3.67) und Jared Cosart (37.1, 6.03) bestehen. Furchterregend klingt anders, ehrlich gesagt.

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