April 27th, 2017 by Dominik

Was für eine bittere MLB-Woche: Meine Mets hatten ihren stärksten Auftritt Dienstagnacht in Form eines Rainouts gegen die Braves – den konnten sie wenigstens nicht verlieren. In Giants-Pitcher Madison Bumgarner hat sich einer der besten und interessantesten Spieler der Liga ernsthaft verletzt und gestern Abend musste Brewers-1B Eric Thames, Hauptakteur der Cinderella-Story des bisherigen Jahres, mit Oberschenkelproblemen den Platz verlassen. Zu allem Überfluss haben die Padres das spannende Experiment mit Christian Bethancourt als Allround-Spieler für gescheitert erklärt und ihn in die Minors geschickt. Zum Glück sorgte Chris Coghlan von den Blue Jays dafür, dass von dieser Woche nicht nur deprimierende Szenen hängen bleiben werden. Dazu später mehr, jetzt erst mal der obligatorische Schwenk durch die einzelnen Divisionen:

National League
In der National League East sieht es derzeit danach aus, dass sich in dieser Division besonders schnell die Spreu vom Weizen trennt. Die Washington Nationals (14-6) ziehen nach den ersten 20 Spielen bereits recht einsam ihre Kreise an der Spitze vor den Miami Marlins (10-8) und den Philadelphia Phillies (9-9), die beide für ihre Verhältnisse gut in die Saison gekommen sind, den Nationals aber realistisch betrachtet nicht gefährlich werden dürften. Leider ein Totalausfall in der ihnen zugedachten Rolle des Co-Favoriten in der Division sind die New York Mets (8-11). Nach ordentlichem Beginn haben sie nun zwei Wochen lang quasi nur verloren: Fünf Niederlagen in Folge und neun in den letzten zehn Spielen stehen mittlerweile zu Buche. Am Anfang dieses Slumps hatten sie ein paarmal Pech mit dem Spielausgang, dann kamen Verletzungen dazu und inzwischen scheint auch einfach das Selbstvertrauen ein Stückweit verloren zu sein. So war jedenfalls mein Eindruck letzte Nacht beim 2:8 gegen die Atlanta Braves (6-12), die nach dem Sweep durch die Nationals ein willkommener Aufbaugegner hätten sein können, aber stattdessen auf erstaunlich wenig Gegenwehr der Mets stießen. Bei den Marlins tut sich übrigens etwas im Hinblick auf den angestrebten Verkauf der Franchise durch Owner Jeffrey Loria: Eine Bietergruppe um den ehemaligen Governeur, Präsidentensohn, -bruder und -kandidaten Jeb Bush und um Ex-Yankees-Star Derek Jeter gilt inzwischen als klarer Favorit, die Marlins zu erwerben.

Titelverteidiger Chicago Cubs (11-8) hat in der NL Central mittlerweile die Verhältnisse gerade gerückt und sich mit nacheinander gewonnenen Serien gegen die Milwaukee Brewers (11-11), die Cincinnati Reds (10-11) und die Pittsburgh Pirates (9-12) an die Spitze der Division gesetzt. Die schwach gestarteten St. Louis Cardinals (9-11) zeigen inzwischen Anzeichen eines Aufschwungs. Dem Sweep gegen die Pirates vor einer Woche ließen sie weitere drei Siege über die Brewers folgen und setzen heute in einem Doubleheader das Duell der Fehlgestarteten mit den Toronto Blue Jays fort.

Die NL West fühlt sich immer noch ein bisschen an, als würde sie auf dem Kopf stehen, denn unverändert halten sich die etwas überraschenden Colorado Rockies (14-8) und die noch mehr überraschenden Arizona Diamondbacks (14-9) an der Spitze mit spürbarem Vorsprung auf die Los Angeles Dodgers (10-12). In einer schwierigen Lage befinden sich die San Francisco Giants (7-14). Zwar sprangen aus den letzten drei Spielen immerhin zwei Siege gegen die Dodgers heraus, doch davor setzte es gegen die Rockies einen Drei-Spiele-Sweep und vor allem fällt Star-Pitcher Madison Bumgarner nun für mindestens zwei Monate aus, nachdem er in seiner Freizeit einen Fahrradunfall hatte und sich dabei die Rippen und die Schulter des Wurfarms verletzte. Eine Aufholjagd ohne den wichtigsten Leistungsträger des Teams dürfte schwierig werden.

American League
Die Baltimore Orioles (13-6) führen nach wie vor die American League East an und das zwar knapp, aber überzeugend: Von ihren bislang sieben Serien in diesem Jahr haben sie noch keine einzige verloren und sechs davon absolvierten sie gegen Divisionsrivalen. Auf Platz zwei halten sich die New York Yankees (11-7), bei denen sich nach der zwischenzeitlichen Siegesserie in den letzten Tagen Licht und Schatten abwechselten. Die nächsten Tage werden richtungsweisend sein, denn heute Nacht geht es zunächst noch einmal gegen die Boston Red Sox (11-8) und dann drei Tage lang gegen die Orioles. Genau wie die Yankees haben auch die Toronto Blue Jays (6-14) in den letzten sieben Tagen immer abwechselnd gewonnen und verloren, was in ihrem Fall aber nach dem katastrophalen Start ein Fortschritt war. Wenn sie dem turbulenten Sieg im ersten Spiel gegen die  Cardinals (siehe unten) heute einen erfolgreichen Doubleheader folgen lassen, sind die Blue Jays wieder halbwegs im Rennen.

Die knappste Division der MLB ist die AL Central, in der die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Detroit Tigers allesamt mit 11-9 gleichauf stehen und nur knapp dahinter die Minnesota Twins (10-11), für die Max Kepler am Sonntag seinen zweiten Homerun des Jahres geschlagen hat. Den Anschluss verloren haben derzeit die Kansas City Royals, die nach sieben Niederlagen in Folge – jeweils Sweeps gegen die Texas Rangers und die White Sox – plötzlich bei 7-14 stehen und als nächstes dreimal gegen die Twins ran müssen.

Die AL West bietet momentan neben der NL East das klarste Tabellenbild: Der Vorsprung der Houston Astros (14-10) ist bereits recht komfortabel, zumal auf den nächsten Rängen die Los Angeles Angels (11-12) und die Oakland Athletics (10-11) folgen, die beide keine ernsthaften Kandidaten dafür sind, um den Divisionstitel mitzuspielen. Die Texas Rangers (10-12) haben sich, insbesondere durch den Sweep über die Royals, wieder ans Feld herangespielt, während es für die Seattle Mariners (9-13) momentan schlecht aussieht. Sie haben zwar nur einen Sieg weniger als die Rangers und die A’s, müssen aber nun den Rückschlag verkraften, dass gleichzeitig Pitching-Ass Felix Hernandez und der in der bisherigen Saison sehr starke Outfielder Mitch Haniger (.338/.442/.600) auf die Verletztenliste gesetzt werden mussten.

Szene der Woche
Vielleicht ist es nicht nur die Szene der Woche sondern schon die des Jahres. Jedenfalls wird auf absehbare Zeit kein Highlight-Reel ohne den gigantischen Sprung von Torontos Chris Coghlan über Cardinals-Catcher Yadier Molina und seine anschließende Rolle über die Homeplate auskommen. Ich muss mir das Ding jedenfalls immer wieder ansehen. Wow.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns hat 1B Eric Thames von den San Diego Padres dieses Jahr bereits erzielt, vier mehr als die zehn Spieler, die gemeinsam den zweiten Platz der Rangliste belegen. Sofern die Verletzung, derentwegen Thames gestern Abend ausgewechselt werden musste, ihn nicht daran hindert, hat er in den nächsten Tagen die Chance, am Rekord von Albert Pujols (2006) und Alex Rodriguez (2007) mit je 14 April-Homeruns zu kratzen. Das Erstaunliche daran ist, dass der 30-jährige Thames die letzten vier Jahre nicht mal in der MLB gespielt sondern sich zuerst ein Jahr in den Minors und dann in Südkorea bei den NC Dinos verdingt hat. Dort produzierte er zwar starke Zahlen, doch dass er bei seiner Rückkehr nach Amerika derart auftrumpfen würde, hat ihm wohl kaum jemand zugetraut.

Spiel der Woche
Ich muss hier noch mal auf das Spiel der Toronto Blue Jays bei den St. Louis Cardinals zurückkommen, in dem sich die Akrobatik-Aktion von Chris Coghlan zutrug. Nicht nur wegen dieses Moments war Torontos 6:5-Erfolg ein spektakuläres Spiel mit Happy End für die enttäuschend in die Saison gestarteten Blue Jays: Erst drehten sie einen Rückstand um, dann gingen sie dreimal in Führung, die von den Cardinals immer wieder ausgeglichen wurde, bevor schließlich im elften Inning der als Pinch Hitter eingewechselte Pitcher Marcus Stroman einen Double schlug und später bei einem Error – dem vierten der Cardinals in diesem Spiel – den siegbringenden Run erzielte. Es war übrigens der erste Pinch Hit eines Blue-Jays-Pitchers überhaupt.

Spiel(e) der kommenden Woche
Die Entscheidung fällt schwer, denn mir erscheinen zwei Matchups der kommenden Tage gleichermaßen interessant: Sowohl in der AL East mit den Orioles und den Yankees als auch in der NL West mit den Rockies und den Diamondbacks ringen je zwei Teams um die Spitze, denen ich das vor der Saison nicht zugetraut hätte – und in beiden Fällen treffen diese beiden Teams nun in einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag aufeinander. Mein Einschalttipp sind die beiden Spiele am Sonntag, weil sie sich zeitlich (Orioles@Yankees um 19:05 Uhr, Rockies@Diamondbacks um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) so gut aneinander fügen, dass man einen schönen langen Baseballabend daraus machen kann – und am Tag danach ist passenderweise Feiertag.

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April 6th, 2017 by Dominik

Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

American League
Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

National League
In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

Spielzug der Woche
Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

Statistik der Woche 
50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

Spiel der Woche
Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Spiel(e) der kommenden Woche
Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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Oktober 6th, 2016 by Dominik

Im Grand Slam am Donnerstag dreht sich dieses Mal wenig überraschend alles um die Playoffs der MLB. Ich blicke auf die beiden bevorstehenden Divisional-Serien und gebe meine Tipps dazu ab. Außerdem schaue ich zurück auf die zwei großartigen Wild-Card-Duelle, die mich einen Großteil der beiden vergangenen Nächte gekostet haben, aber jede Minute davon wert waren.

American League
Die American League wird heute Nacht vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen um 22:30 Uhr unserer Zeit die Toronto Blue Jays und die Texas Rangers aufeinander, angeführt von Marco Estrada (3.48 ERA) und Cole Hamels (3.32 ERA). Obwohl der #1-Seed (Texas) gegen das Wild-Card-Team (Toronto) antritt, sehe ich diese Serie als ziemlich ausgeglichen an. Tatsächlich frage ich mich nach wie vor, wie ein Team, das offensiv wie defensiv eher mittelmäßige Zahlen produziert, die Saison mit der besten Bilanz der AL abschließen konnte. Einer Antwort kann man sich über das übermäßig erfolgreiche Abschneiden der Rangers in knappen Spielen annähern. Dabei spielten mit Sicherheit Taktik, Erfahrung und Selbstvertrauen eine Rolle, mindestens ebenso sicher aber auch eine gehörige Portion Glück. Worauf ich hinaus will ist, dass die Rangers sicher keine Übermannschaft sind. Zumindest im Pitching dürften die Blue Jays sogar überlegen sein. Mein Tipp ist, dass es eine ganz enge Serie wird, in der die Rangers am Ende dank des Heimrechts und dank ihrer Nervenstärke im entscheidenden Spiel die Oberhand behalten.

Um 2 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den Boston Red Sox um Rick Porcello (3.15 ERA) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.26 ERA). Diese Serie schätze ich als weniger knapp ein, die Red Sox sind in meinen Augen klarer Favorit. Das fußt zum einen darauf, dass Boston schon das ganze Jahr über das offensive Powerhouse der Liga ist, zum anderen darauf, dass auch das Pitching der Red Sox im Laufe der Saison immer besser wurde, während auf der anderen Seite das der Indians durch Verletzungen stark gebeutelt wurde und entsprechend nachgelassen hat. Zur Illustration: Bis zum All-Star-Break hatten die Indians in der AL die wenigsten Runs (355) zugelassen, die Red Sox hingegen die fünftmeisten (424). Nach dem All-Star-Break hingegen hat Boston mit Abstand die wenigsten Runs (270) erlaubt, während Cleveland (321) nur noch im Mittelfeld landet. Man kann diese sehr oberflächliche Darstellung über diverse fortgeschrittene Statistiken durchdeklinieren, das Ergebnis ist immer, dass die Red Sox nicht mehr nur offensiv sondern seit einigen Monaten auch defensiv den Indians überlegen sind. Meine Erwartung ist daher ein deutlicher Seriengewinn der Red Sox.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es morgen um 23:30 Uhr unserer Zeit mit den Los Angeles Dodgers bei den Washington Nationals. Wer letzte Nacht Bumgarner gegen Syndergaard genossen hat, der darf sich jetzt schon auf den nächsten Leckerbissen freuen, denn das Duell des Auftaktspiels lautet Ian Kershaw (1.69 ERA) gegen Max Scherzer (2.96 ERA). Den Zahlen nach geht Kershaw als leichter Favorit in die Partie und als leichten Favoriten sehe ich auch seine Dodgers in der gesamten Serie. Bei den Nationals bleibt abzuwarten, wie sie die Verletzungen von Wilson Ramos und Stephen Strasburg verkraften und wie fit die Angeschlagenen Daniel Murphy und Bryce Harper sein werden.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 3 Uhr das Kräftemessen zwischen den Chicago Cubs und den San Francisco Giants, ebenfalls mit einem attraktiven Pitching-Matchup zwischen Jon Lester (2.44 ERA) und Johnny Cueto (2.79). Für einen Erfolg der Giants in dieser Serie sprechen zwei Faktoren: Madison Bumgarner sowie der Umstand, dass die Giants in diesem Jahrzehnt offenbar ein Abo auf Meisterschaften in den geraden Jahren haben. Für einen Erfolg der Cubs spricht hingegen so ziemlich alles Andere. Wenn man nun bedenkt, dass Bumgarner nach dem Wild-Card-Spiel aller Voraussicht nach nur für eine der bis zu fünf NLDS-Partien zur Verfügung steht und es sich bei der „even year magic“ um nicht mehr als einen spaßigen Aberglauben handelt, sieht es für mich ganz stark nach einer klaren Angelegenheit für Chicago aus.

Spielzug der Woche
Die Ehre des Spielzugs der Woche haben dieses Mal zwei vergleichbare Aktionen aus verschiedenen Spielen gleichermaßen verdient: Beide Wild-Card-Spiele wurden erst im letzten Inning (in Toronto im elften, in New York im neunten) entschieden und in beiden war es ein 3-Run-Homerun, der die Waage zum Kippen brachte. Die Plays der Woche sind somit die Homeruns von Edwin Encarnacion und von Conor Gillaspie.

Statistik der Woche
23. Das ist die Anzahl scoreloser Innings, die Madison Bumgarner in Postseason-Spielen hintereinander absolviert hat – den Complete-Game-Shutout gegen die Mets von letzter Nacht mitgerechnet. Betrachtet man die Giants insgesamt, so haben diese von Spiel 3 der NLDS des Jahres 2012 bis zum gestrigen Wild-Card-Spiel nun neun Spiele in Folge gewonnen, bei denen sie im Falle einer Niederlage ausgeschieden wären.

Spiel der Woche
Auch beim Spiel der Woche entscheide ich mich nicht für eines, denn die Wild-Card-Spiele waren beide äußerst sehenswert und an Spannung nicht zu überbieten. Zwischen Toronto und Baltimore stand es bis ins elfte Inning 2:2, zwischen New York und San Francisco bis ins neunte 0:0, die jeweiligen Enden habe ich schon oben als Spielzüge der Woche erwähnt. In beiden Fällen stand hinterher ein prominenter Relieve Pitcher im Mittelpunkt der Analysen und Kritiken: Bei den Mets wiederholte sich die Geschichte aus dem letzten Jahr, dass Closer Jeurys Familia in der Postseason nicht an seine Leistungen aus der regulären Saison anknüpfen konnte. Er ließ zuerst zwei Baserunner und dann den entscheidenden Homerun in einem ansonsten von hervorragendem Pitching auf beiden Seiten geprägten Spiel zu. Der andere Verlierer der Wild-Card-Runde, die Orioles, ernteten hingegen Kopfschütteln dafür, dass sie in Zach Britton den wohl besten Reliever der Liga elf Innings lang auf der Bank ließen. Klar, man hätte Britton irgendwann ab dem achten Inning für ein, zwei Innings bringen können, vielleicht hätte man ihn im elften Inning bei Scoring Position und nur einem Aus sogar bringen müssen. Ich kann allerdings Manager Buck Showalter verstehen, dass er davor zurück schreckte, im Auswärtsspiel seinen Closer zu verheizen, ohne selbst in Führung zu liegen. Hätte er das getan und dann verloren, wäre das Geschrei mindestens genauso groß gewesen.

Spiel der kommenden Woche
Diese Kategorie ist während der regulären Saison als Einschalttipp gedacht, aber in den Playoffs ist natürlich jedes Spiel hochinteressant und relevant und ich kann nur jedem Baseballfan empfehlen, sich so viele wie möglich davon anzuschauen. Dennoch möchte ich ein Spiel hervorheben und zwar das erste Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Texas Rangers heute Nacht. Ich schätze, so ziemlich jeder neutrale Fan sowie jeder Anhänger eines der beiden Teams hat sich gewünscht, dass sich dieses Aufeinandertreffen aus dem letzten Jahr wiederholt und tatsächlich ist es so gekommen. Denn seit der ALDS 2015 verbindet die beiden Teams eine (hoffentlich) gesunde Rivalität, zu deren Sinnbild der legendäre Batflip von José Bautista wurde. Ich bin gespannt, wie Spieler und Fans das Wiedersehen aufnehmen. Von mir aus darf es gern ein bisschen hitzig werden, aber bitte ohne Gewalt.

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Juni 30th, 2016 by Dominik

Der All-Star-Break naht mit großen Schritten und mit den Arizona Diamondbacks hat bereits das erste Team 81 absolvierte Spiele und damit eine halbe Saison auf dem Zähler. Höchste Zeit, mal wieder den aktuellen Stand der Dinge in der MLB zu rekapitulieren.

American League

Nachdem die Spitzen der East- und Central-Divisionen der American League ein paar Wochen lang heiß umkämpft waren, werden die Verhältnisse nun immer klarer und wir haben in allen drei Divisionen klare Favoriten auf den Gruppensieg.

Das Team der Stunde sind eindeutig die Cleveland Indians (47-30), die sich auf einer 12-Siege-Serie befinden und damit die Kansas City Royals (41-36), die Detroit Tigers (40-38) und die Chicago White Sox (39-39) immer weiter hinter sich zurück lassen. Getragen werden sie dabei von einer guten Offense und einer noch besseren Defense, die mit 3.7 kassierten Runs pro Spiel mit Abstand die beste in der AL ist. Während der zwölf Siege – bestehend aus Sweeps gegen die White Sox, die Rays, die Tigers und die Braves – haben die Indians nur einmal fünf Runs zugelassen, dreimal haben sie zu null gewonnen. Wie immer schauen wir an dieser Stelle auch kurz darauf, wie es Max Kepler bei den Minnesota Twins (25-52) ergeht: Er kommt momentan täglich zum Einsatz und hatte in den letzten sieben Spielen sechs Hits bei 24 At-Bats, darunter seinen dritten MLB-Homerun, sowie drei Walks und eine gestohlene Base. Das ist sehr solide, bitte weiter so!

In der AL East durften wir lange einen engen Dreikampf zwischen den Baltimore Orioles (47-30), den Boston Red Sox (42-36) und den Toronto Blue Jays (43-37) beobachten, doch nun haben sich die Orioles etwas abgesetzt und das vor allem durch eine laufende Siegesserie von sieben Spielen. Von den letzten zehn Spielen haben die Orioles acht gewonnen, die Red Sox hingegen nur drei und die Blue Jays vier.

Die AL West ist und bleibt fest in der Hand der Texas Rangers (51-28), daran ändert bislang auch das Wiedererstarken der Houston Astros (42-37) nichts, die neun der letzten zehn Spiele gewonnen haben. Aber zumindest im Wild-Card-Rennen ist mit den Astros nach ihrem überraschend schlechten Start in die Saison inzwischen wieder zu rechnen, sie liegen nur noch 0.5 Spiele hinter Boston und Toronto und gleichauf mit Kansas City. Den umgekehrten Weg sind die Seattle Mariners (39-39) gegangen: Sie sind stark in die Saison gestartet, inzwischen aber hart auf dem Boden der Tatsachen und damit im grauen Mittelmaß gelandet. Zur Veranschaulichung der gegenläufigen Entwicklung bei den Astros und den Mariners: In den letzten 30 Spielen stehen die Astros bei 22-8, die Mariners bei 11-19. In den ersten 30 Spielen der Saison waren es 11-19 für die Astros und 18-12 für die Mariners.

National League

Die National League East sah diese Woche eine Zeitlang aus wie ein dreispuriges LKW-Rennen auf der Autobahn: Die Washington Nationals (47-32), die New York Mets (40-37) und die Miami Marlins (41-37) schwächelten allesamt und hinterließen den Eindruck, dass keiner von ihnen den Willen oder die Fähigkeit hat, die Nachlässigkeit der anderen auszunutzen. Das änderte sich in den letzten vier Tagen, als die Nationals zuerst mit einem 3:2 über die Brewers ihre Serie von sechs Niederlagen beendeten und anschließend die New York Mets in drei Spielen sweepten. Kleine Kuriosität am Rande: Mit den Philadelphia Phillies (278 Runs scored), den Mets (276) und den Atlanta Braves (256) befinden sich die drei MLB-weit offensivschwächsten Teams allesamt in der NL East; wobei die Mets sich noch zugute halten können, nicht nur bei den erzielten sondern auch bei den zugelassenen Runs die zweitwenigsten der Liga aufzuweisen und allein deshalb noch halbwegs im Rennen zu sein.

Die Chicago Cubs (51-26) waren zuletzt nicht mehr ganz so dominant wie in den ersten Monaten der Saison, weisen aber immer noch die beste Abwehr, den zweitbesten Angriff und den besten Record der MLB auf und haben gerade – nach verlorenen Serien gegen die St. Louis Cardinals (40-37) und in Miami – die Reds gesweept. Die Cardinals wiederum konnten an den Erfolg über den direkten Konkurrenten nicht anknüpfen und sind nach verlorenen Serien gegen die Mariners und die Royals nun wieder volle elf Spiele hinter den Cubs zurück. Sie werden ihren Blick in der zweiten Saisonhälfte auf die Wild Cards richten, von denen sie derzeit nur 0.5 Spiele Rückstand trennen und auf die trotz negativer Bilanz auch die Pittsburgh Pirates (38-41) noch hinter der Augenklappe hervorschielen dürften.

In der NL West liegen die San Francisco Giants (49-31) nach wie vor deutlich vor den Los Angeles Dodgers (43-37) und noch deutlicher vor dem Rest des Feldes, der allesamt weit unter .500 steht. Die Giants dürften aber mit etwas Sorge auf die letzten fünf Spiele zurückblicken, von denen sie vier verloren und das nicht unbedingt gegen die Creme der Liga, nämlich die Phillies und die Athletics.

Spielzug der Woche

Melvin Upton Jr.s homerun-robbing Doubleplay hätte es bei mir sicher in neun von zehn Wochen zum Spielzug der Woche gebracht, doch nicht dieses Mal, denn die Auszeichnung geht an das wohl verrückteste Foul-Out der Saison: Chase Utley, Yasiel Puig und Adrian Gonzalez jagen außerhalb des Feldes einem Flyball hinterher; Utley versucht den Catch, verschätzt sich aber und lenkt den Ball ab zu Gonzalez; der greift erst mit der freien Hand zu, bekommt den Ball ebenfalls nicht zu fassen und fischt ihn dann doch noch wenige Zentimeter über dem Boden mit dem Handschuh auf. Besser kann ich es nicht erklären, klickt am besten einfach auf den Videolink und staunt selbst.

Statistik der Woche

30. Das ist die Anzahl von MLB-Teams, gegen die Miguel Cabrera in seiner Karriere mindestens einen Homerun geschlagen hat. Anders formuliert: Miggy hat gegen jedes einzelne Team der MLB schon mal den Ball über den Zaun gehauen. Die Miami Marlins, für die Cabrera von 2003 bis 2007 selbst aktiv war, waren die einzigen, die bis vorgestern von dem Slugger der Detroit Tigers verschont geblieben waren, doch nun waren auch sie fällig. Ich halte das für eine beeindruckende Leistung, allerdings ist sie bei näherem Hinsehen gar nicht so selten: Neben Cabrera haben dieses Kunststück schon acht weitere aktive Spieler vollbracht, zuletzt Albert Pujols.

Spiel der Woche

Die Colorado Rockies und die Arizona Diamondbacks standen sich am Freitagabend neun Innings lang gegenüber, was an sich nichts Ungewöhnliches ist. Ungewöhnlich war aber, dass das Spiel viereinhalb Stunden dauerte und damit so lange wie noch kein Spiel jemals zuvor in der National League. Die Länge des Spiels kam durch mehrere Faktoren zustande: viele Hits (30 von beiden Teams zusammen), viele Errors (5) und vor allem viele eingesetzte Pitcher (16) mit entsprechenden Wechselpausen. Aber die Partie war nicht nur lang, sondern auch sehr spannend: Arizona ging früh 2:0 in Führung, welche die Rockies im fünften Inning auf 2:3 herumdrehten. Die D-Backs antworteten mit einem 6-Run-Inning, woraufhin Colorado im siebten und achten Inning ebenfalls sechs Runs nachlegte und wieder vorne lag. Erst nachdem im neunten Inning Yasmani Tomas‘ zweiter Homerun und ein Single von Michael Born die Diamondbacks zum dritten Mal in Front gebracht hatten, konnten diese an der 10:9-Führung festhalten – nicht ohne etwas Glück, denn die Rockies brachten im unteren neunten Inning noch zwei Runner in Scoring Position und Nolan Arenado fast bis nach Hause.

Spiel der kommenden Woche

Zum interessantesten Spiel der nächste Tage wollte ich gerade das Aufeinandertreffen der Colorado Rockies, in deren Spielen es insgesamt mit Abstand die meisten Runs gibt (zweitbester Angriff, drittschlechteste Abwehr), gegen die Los Angeles Dodgers mit Clayton Kershaw, in dessen Spielen es üblicherweise sehr wenige Runs gibt (1.79 ERA), erklären. Leider erreicht mich während des Schreibens dieser Zeilen die Nachricht, dass Kershaw mit Rückenproblemen auf die Disabled List gesetzt wird, sodass es dieses Duell zwischen Power-Offense und Ace-Pitcher nicht geben wird. Den Dodgers bleibt in diesem Jahr in Sachen verletzter Pitcher aber auch wirklich nichts erspart…

Als Alternative wähle ich das Spiel der Rockies gegen die San Francisco Giants mit Madison Bumgarner (1.99 ERA) am kommenden Dienstag. Der Grund bleibt der gleiche: Ich freue mich auf das Kräftemessen zwischen einem Top-Pitcher und einer Top-Offense.

 

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