Mai 23rd, 2017 by Dominik

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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April 9th, 2017 by Dominik

Seit gut einer Woche fliegt nicht nur in der MLB, sondern auch in der Baseball-Bundesliga wieder der Ball und obwohl erst wenige Spiele absolviert sind, gab es schon ein paar regelrecht historische Highlights zu bestaunen.

Die Saarlouis Hornets starteten letzte Woche in ihre erste Bundesligasaison nach dem Aufstieg nicht nur mit einem 10:3-Erfolg in Bad Homburg. Sie ließen auch ein schier unglaubliches erstes Inning im zweiten Spiel des Doubleheaders folgen, in dem sie mit 12:0 in Führung gingen. Das allein wäre schon eine Meldung wert – aus der Bundesliga habe ich zwar keine historischen Zahlen parat, doch als am Samstag in der MLB den Phillies ebenfalls zwölf Runs im ersten Inning gelangen, war es das erste Mal in deren 134-jähriger Teamgeschichte und ligaweit das erste Mal seit sechs Jahren, dass das einem Team gelang. Noch viel verblüffender war an dem Spiel in Bad Homburg aber der weitere Verlauf, denn die Gastgeber gaben sich keineswegs auf, scorten immer wieder Runs und drehten bei zwei Outs im neunten Inning die Partie mit einem 2-Run-Walkoff-Single zum 17:16. Wahnsinn.

Nur eine knappe Woche später, am vergangenen Freitag, wurde ich Zeuge eines weiteren unglaublichen Comebacks. Der amtierende Meister Mainz Athletics war bei den Mannheim Tornados zu Gast und dominierte das Spiel mit dem glänzenden Starter Tim Stahlmann und einer schlagfreudigen Offense achteinhalb Innings lang quasi nach Belieben. Als im neunten Inning Marcel Schulz einen Grand Slam zum 10:0 für die A’s schlug, machten sich viele Mannheimer Zuschauer schon auf den Heimweg. Zu früh, wie sich herausstellte: Stahlmann bekam im unteren neunten Inning erstmals Probleme und musste nach 110 Pitches mit geladenen Bases die Segel streichen. Der 18-jährige Reliever Yannick Wildenhain ließ mit seinem ersten Wurf per Wild Pitch den ersten Run der Tornados zu, die sich ab diesem Moment in einen regelrechten Rausch spielten und Wildenhain sowie dessen Nachfolger auf dem Mound, Ben Briggs, eine Horrorshow bereiteten, nach der es plötzlich 10:10 stand. Briggs und die restlichen A’s überstanden dann zwar das Inning und noch ein weiteres, waren aber stehend K. O. und als Mannheim im elften Durchgang der Walkoff gelang, waren wohl alle Beteiligten froh, dass es endlich vorbei war.

Als Fan der Athletics muss ich sagen, dass es das frustrierendste Baseballspiel war, das ich je gesehen habe. Aber auf der anderen Seite sind solche Spiele ein Markenzeichen und auch eine Webung für diesen Sport, bei dem es eben keine 85. Minute gibt, in der klar ist, dass fünf Tore zeitlich gar nicht mehr machbar sind, sondern bei dem bis zum letzten Out im letzten Inning immer alles möglich ist. Hier gibt es übrigens einen kurzen Videobericht des SWR über das Spiel.

Apropos alles möglich: Neben den beiden erwähnten Partien ist in der Bundesliga Süd vor allem der schwache Start der Regensburg Legionäre erwähnenswert. Die ersten drei Spiele wurden gegen Mannheim (5:15, 1:11) und gegen Heidenheim (3:18) allesamt vorzeitig per Gnadenregel verloren, das vierte ebenfalls deutlich mit 0:6 gegen Heidenheim. Solche Ergebnisse ist man nicht gewohnt von den Legionären, die auf Grundlage ihrer starken Infrastruktur eigentlich immer vorne mitspielen. Dieses Jahr haben sie ein recht junges Team am Start, das vielleicht noch etwas reifen muss, zudem warten die Legionäre noch auf zwei amerikanische Verstärkungen, die verspätet zum Team stoßen werden. Nicht übersehen sollte man, dass die bisherigen Niederlagen allesamt gegen Teams kassiert wurden, die zum Favoritenkreis der Liga zählen. Ernsthafte Sorgen müsste man sich wohl machen, wenn Regensburg auch nach den anstehenden Spielen in Bad Homburg noch Letzter sein sollte.

In der Nordstaffel der Bundesliga wurden bislang noch nicht so viele Spiele absolviert wie im Süden und es gab auch keine ganz so spektakulären Ergebnisse. Erwähnenswert ist der starke Start des Aufsteigers Dohren Wild Farmes mit 3-1 Siegen, darunter einer bei den Solingen Alligators. Noch kein Spiel hatten bisher die Paderborn Untouchables. Sie sorgten dafür mit einem Trainerwechsel in letzter Minute für Aufsehen: Stefan Fechtig wurde am Donnerstag mit sofortiger Wirkung gegen Jendrick Speer ersetzt. Man wolle neue Strukturen aufbauen und Impulse setzen. Das klingt einerseits nachvollziehbar, andererseits aber doch etwas seltsam angesichts des Zeitpunkts.

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März 30th, 2017 by Dominik

Am Sonntag geht es endlich los mit der MLB-Saison 2017. Die Tampa Bay Rays und die New York Yankees machen (warum auch immer) den Anfang um 19:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, anschließend spielen die Arizona Diamondbacks gegen die San Francisco Giants und die St. Louis Cardinals gegen Titelverteidiger Chicago Cubs. Alle anderen Teams haben ihr Eröffnungsspiel am Montag.

Was ich von der neuen Saison erwarte, habe ich in meinen Previews nach und nach verraten – O. K., der letzte Teil kommt erst morgen früh, aber der aufmerksame Leser hat sich bereits an dreißig Fingern abgezählt, welches Team ich dieses Jahr als World-Series-Sieger tippe.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich, dass auch die Baseball-Bundesliga am Wochenende die Saison eröffnet. Los geht es schon am Freitagabend mit dem Spiel Heidenheim Heideköpfe gegen Haar Disciples. Auch auf die Bundesliga bin ich heiß wie Frittenfett, aber wegen der vielen wechselnden Importspieler und weil ich auch nur die Mainz Athletics wirklich intensiv verfolge, traue ich mir hier keine Prognose zu.

Jetzt aber erstmal das Wichtigste aus den vergangenen sieben Tagen – zum vorerst letzten Mal im Offseason-Format, ab nächster Woche gibt es dann wieder den bewährten Aufbau nach Divisionen mit Spielzug und Statistik der Woche etc.

Will Smith braucht Tommy-John-Surgery
Die San Francisco Giants müssen kurz vor Saisonstart eine Hiobsbotschaft verdauen: Mit RP Will Smith fällt ein wichtiger Teil des Bullpens für dieses Jahr aus, nachdem er sich der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery unterziehen muss.

Zwei Neue für die Rays  
Die Tampa Bay Rays haben sich Im Frühlingsschlussverkauf noch zwei neue Spieler geleistet: Peter Bourjos kommt von den Chicago White Sox für Geld oder einen später zu benennenden Spieler und soll die Tiefe im Outfield ergänzen, hauptsächlich als Ersatzmann für Kevin Kiermaier. Catcher Derek Norris, von den Washington Nationals nach der Wieters-Verpflichtung entlassen, wird bei den Rays direkt in die Stammformation einsteigen, jedenfalls bis Wilson Ramos wieder fit ist. Ramos kam im Winter ebenfalls aus Washington, jedoch mit einer bekannten Verletzung, die ihn noch mindestens für die erste Saisonhälfte zum Aussetzen zwingt.

Vertragsverlängerungen für Rougned Odor und Jose Ramirez
Zwei junge Spieler und deren Teams haben sich durch frühzeitige Vertragsabschlüsse Planungs- und Kostensicherheit gesichert: Die Texas Rangers bezahlen dem 23-jährigen 2B Rougned Odor 49,5 Millionen Dollar und zwei Pferde (!) für sechs Jahre und haben die Option auf ein siebtes Jahr. Der 24-jährige Infield-Allrounder Jose Ramirez erhält von den Cleveland Indians 26 Millionen für die nächsten fünf Jahre und auch dieser Vertrag kann über Teamoptionen bis auf sieben Jahre ausgedehnt werden.

Jeurys Familia 15 Spiele gesperrt
Dass Jeurys Familia nach einem Vorfall häuslicher Gewalt eine Sperre erwartet, galt schon seit seiner vorübergehenden Festnahme am 31. Oktober als relativ sicher. Unklar war nur, wie lange genau die New York Mets auf ihren Closer verzichten müssen. Die MLB hat nun bekannt gegeben, dass es 15 Tage sind. Das ist die Hälfte dessen, was Aroldis Chapman letztes Jahr absitzen musste, offenbar weil Familias Fall als weniger schlimm eingestuft wurde und weil er bei der Aufklärung umfassend kooperierte. Nach übereinstimmenden Aussagen aller Beteiligten hat Familia seine Frau weder geschlagen noch mit Gewalt bedroht, sich aber während eines Streits unangemessen verhalten (angeblich geht es um eine zerstörte Tür).

Zweiter No-Hitter im Spring Training
Letzte Woche war es noch etwas Besonderes, als die New York Yankees den ersten Spring-Training-No-Hitter seit zwei Jahren schafften. Bis zum nächsten dauerte es aber nun gerade mal sieben Tage: Sage und schreibe acht Pitcher der Los Angeles Angels of Anaheim vereinten ihre Künste, um beim 4:0-Sieg ihres Teams die Seattle Mariners ohne Basehit abzufertigen. Das ist eine reife Leistung, auch wenn es nur im Spring Training war und obendrein gegen einen Split Squad der Mariners, in dem Seattle nur zwei Stammspieler einsetzte.

MLB im deutschen Fernsehen
Bisher war mlb.tv konkurrenzlos, wenn man die MLB aus Deutschland in bewegten Livebildern verfolgen wollte. Für den Die-Hard-Fan, der den Zugriff auf alle Spiele braucht, bleibt das auch so, aber wer sich auch mit einer kleineren Auswahl von Spielen zufrieden gibt, hat nun gleich zwei Alternativen: Der Streaminganbieter DAZN hat bekannt gegeben, dass er ab dieser Saison mehr als 600 MLB-Spiele übertragen wird. Und auf Sport1-US werden mindestens 75 Spiele gezeigt, die meisten davon mit Originalkommentar im Pay-TV, ein paar aber sogar im Free-TV mit eigenem deutschem Kommentar. Los geht es am Sonntag ab 23:15 Uhr mit Giants@Diamondbacks. Ich werde am Wochenende noch mal in einem ausführlicheren Artikel auf die verfügbaren Quellen mit ihren Vor- und Nachteilen und den anfallenden Kosten eingehen.

Kein First Pitch von Donald Trump
Ein neu gewählter US-Präsident eröffnet üblicherweise die MLB-Saison mit einem zeremoniellen ersten Pitch. Von Donald Trump bleibt uns das vorerst erspart. Er sagte die entsprechende Anfrage der Washington Nationals unter Verweis auf einen Terminkonflikt ab.

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September 20th, 2016 by Dominik

Nach vier Wochen Wartezeit wegen der Europameisterschaft geht es am Wochenende endlich los mit den Endspielen um die Deutsche Baseball-Meisterschaft. Jeweils um 14 Uhr fliegen am Samstag und am Sonntag in Mainz die ersten Pitches der Spiele eins und zwei der Finalserie, die eine Woche später in Regensburg fortgesetzt wird. Als kleine Einstimmung auf das Finale habe ich mich an einer Gegenüberstellung der beiden Teams versucht. Dass mein Herz für die Athletics schlägt, kann und will ich nicht verbergen, aber ich hoffe trotzdem, dass der Vergleich so sachlich und neutral ankommt wie er von mir angestrebt ist.

Falls ihr das hier lest und eine Meinung dazu habt: Ich freue mich riesig über jeden Kommentar!

Starting Pitcher
In puncto Regular-Season-Wins sind die beiden Mainzer Starter Tim Stahlmann (12-1) und Eric Massingham (10-2) einsame Bundesligaspitze – aber ihr wisst ja, wie ich zu dieser nichtssagenden Statistik stehe. Wenn wir nach ERA gehen, sieht es schon etwas enger aus: Hier hat Massingham in der regulären Saison mit 1.44 den mit Abstand besten Wert der Südliga, in den Playoffs steht er jedoch bisher mit 2.03 etwas hinter dem Regensburger Mike Bolsenbroek (1.29; reguläre Saison 1.72) zurück. Übrigens hat Bolsenbroek auch eine fantastische Europmeisterschaft gespielt: In seinen fünf Innings für das niederländische Nationalteam hat er nicht einen Hit oder Walk zugelassen. Insgesamt dürfen wir uns auf absolut hochkarätiges Pitching in den Finalspielen einstellen, denn sowohl in der regulären Saison als auch in den Playoffs belegen die Mainzer und Regensburger Starter zusammen vier der Top-5-Plätze nach ERA. Neben dem amerikanischen Starter Massingham hat der Mainzer Manager Ulli Wermuth die Qual der Wahl zwischen den Nationalspielern Jan-Niclas Stöcklin und Tim Stahlmann. Für Regensburg dürfte Clay Voechting als zweiter Starter gesetzt sein, aber mit Jan Tomek haben auch die Legionäre eine hochkarätige Alternative in der Hinterhand. Auf dem Papier sehe ich ein Unentschieden auf höchstem Niveau, aber in den vier direkten Aufeinandertreffen sahen die Mainzer Pitcher gegen Regensburg besser aus als umgekehrt und deshalb:
Vorteil Mainz

Bullpen
In beiden Teams herrscht keine Knappheit an Pitchern, die Bullpens sind tief besetzt mit einer breiten Auswahl von hungrigen Talenten und erfahrenen Veteranen. Um es nicht ausufern zu lassen, erwähne ich hier nur die beiden wichtigsten Reliever jedes Teams. In Mainz steht mit – je nachdem, wer von den beiden startet – entweder Jan-Niclas Stöcklin oder Tim Stahlmann ein Ass für jede beliebige Rolle von Long Reliever bis Closer zur Verfügung. Hinzu kommt Routinier Manuel Möller, der ebenfalls eine hervorragende Saison hinter sich hat mit 27 Innings in 16 Einsätzen und einem ERA von 1.67. In den Playoffs sah Möller bisher allerdings nicht gut aus, in drei Spielen (5 Innings) kassierte er 7 earned Runs und damit zwei mehr als in der gesamten regulären Saison. Regensburg kann als Reliever Jonathan Eisenhuth und den Tschechen Jan Tomek aufbieten. Eisenhuth hatte eine durchwachsene Saison (ERA 5.34), Tomek eine ziemlich gute (ERA 2.22). Falls Möller während der EM-Pause seine Normalform wiedergefunden hat, sehe ich Mainz im Vorteil; solange das nicht sicher ist, lautet meine Einschätzung:
Unentschieden

Catcher
Auch auf der Catcher-Position sind beide Teams hochkarätig besetzt. Der Mainzer Max Boldt und der Regensburger Christopher Howard standen bei der EM in allen Spielen gemeinsam in der Startformation der deutschen Nationalmannschaft, wobei Boldt als First Baseman oder DH auflief. Auf ihrer Position hinter der Platte fungieren beide zuverlässig als Gehirn und Rückhhalt ihres Teams. Offensiv ist Boldt mit einer Regular-Season-Slashline von .372/.444/.566 und mit acht Homeruns in den letzten 16 Spielen einer der stärksten Slugger der Republik. In meinen Augen ist er damit auf jeden Fall ein Stück höher zu bewerten als Howard (.254/.349/.394).
Vorteil Mainz

First Base
Nachdem Jonathan Wagner früh in der Saison verletzungsbedingt als Catcher ausfiel und Max Boldt ihn ersetzte, war auf 1B in Mainz ein Platz frei. Dieser wurde solide besetzt mit Martin Kipphan, einem erfahrenen Spieler mit durchschnittlicher Offense (.240/.321/.406) und zuverlässiger Defense. Die Legionäre hatten während der Saison wenig Stabilität an der ersten Base, es kamen sechs verschiedene Spieler zum Einsatz. Die meisten Spiele absolvierte dabei Christoph Zirzlmeier (.295/.323/.426), in den letzten acht Partien stand jedoch immer Ludwig Glaser (.319/.457/.473) auf 1B, was den Statistiken nach sowohl offensiv als auch im Fielding noch mal ein Upgrade darstellte.
Vorteil Regensburg

Second Base
Kaum zu glauben, dass Nicolas Weichert mit einer Slashline von .356/.455/.406 in der Regel erst am Ende des Batting Lineups zum Einsatz kommt, aber daran sieht man, wie stark diese Mainzer Offense ist. Seine Defense ist solide, der eine oder andere Error kommt aber vor. Das gleiche gilt für sein Gegenüber Lukas Jahn, der an der Platte mit .294/.445/.459 für etwas weniger Average, dafür aber mit mehr Power schlägt als Weichert.
Unentschieden

Shortstop
Die Mainzer sind froh, dass ihr amerikanischer Import Trey Stover nach langer Verletztungspause zurückgekehrt ist, um den Playoff-Run zu unterstützen. Am Schlag fällt Stover mit .239/.280/.283 gegenüber dem Rest des Lineups etwas ab, dafür wird er für seine Defense allseits sehr gelobt. Das ist genug, um seinen Platz im Team zu rechtfertigen, aber nicht genug, um den direkten Vergleich mit Nino Sacasa (.362/.388/.394) zu gewinnen. Das 20-jährige Talent spielt die schwierige Position wie ein alter Hase und führt gleichzeitg mit 34 Saison-Hits sein Team an.
Vorteil Regensburg

Third Base
Lennard Stöcklin (.295/.358/.324) ist ein guter Hitter, Matt Vance (.299/.413/.478) ein noch etwas besserer – das sagen jedenfalls die Zahlen aus der regulären Saison. In den Playoffs sah es bisher anders aus: Da hat Stöcklin (.378/.400/.459) eine Schippe draufgelegt, während Matt Vance in einen .138/.194/.138-Slump geraten ist. Ohne die EM-Pause hätte ich dieses Duell zu Gunsten von Stöcklin gewertet, aber nach vier Wochen Unterbrechung wäre es albern, auf Hot- oder Cold-Streaks herumzureiten. Über das komplette Jahr betrachtet steht hier in meinen Augen ein:
Unentschieden

Outfield
Regensburg hat ein wirklich gutes Outfield. Maik Ehmcke (.320/.407/.515) und Marcel Jimenez (.398/.474/.494) sind Hitter, die jeder Bundesligist gern im Team hätte und mit Janis Muschik (.250/.371/.327) oder Bong Kyu Kang (.239/.317/.338) ist auch der dritte Outfieldposten solide besetzt. Aber, sorry liebe Legionäre, angesichts der hier vertretenen Schwergewichte der A’s ist dies der Mannschaftsteil, in dem ihr dem Vergleich nicht standhaltet. Allein Right Fielder Thomas de Wolf ist bundesligaweit eine Klasse für sich mit einer geradezu außerirdischen Slashline von .444/.640/.1.156. Das ist eine OPS von 1.796 und obwohl de Wolf erst mitten in der Saison nach Mainz kam und daher nur 15 von 28 Spielen absolvierte, führt er die Liga mit 10 Homeruns an und ist Zweiter in Walks (24) und Runs (33). Die zweiten Plätze bei den Walks und Runs teilt er sich übrigens beide mit seinem Outfield-Kollegen Kevin Kotowski (.378/.514/.439), dem Leadoff-Hitter der Athletics. Und auch die meisten Runs (34) der Bundesligasaison gehen auf das Konto eines Mainzer Outfielders, nämlich auf das von Left Fielder Peter Johanessen (.402/.492/.561).
Vorteil Mainz

Designated Hitter
Über viele Jahre hatte der Kanadier Mike Larson in Mainz die Rolle inne, die nun Thomas de Wolf übernommen hat – sowohl als gefährlichster Hitter wie auch im Right Field. In diesem Jahr hat er von den Zahlen her (.270/.383/.390) für seine Verhältnisse etwas nachgelassen und wartet seit dem 30. April vergeblich auf seinen 50. Bundesliga-Homerun. Mit seiner Erfahrung ist Larson, der schon bei der letzten Meisterschaft der Mainzer 2007 dabei war, dennoch enorm wertvoll und die Athletics können sich glücklich schätzen, dass sie ihn wiederhaben, nachdem er einen Großteil der bisherigen Playoffs zu Gunsten seiner Hochzeitsreise ausfallen lassen musste. Auf Regensburger Seite wird wohl Robert Coyle als DH ins Rennen gehen. Der Amerikaner wurde erst Ende Juni verpflichtet und hat sich als die Verstärkung erwiesen, die man sich von ihm erhofft hatte (.387/.424/.645 in den Playoffs).
Vorteil Regensburg

Fazit
Zählt man alle Bewertungen zusammen, kommt man auf dreimal Mainz, dreimal Regensburg und dreimal Unentschieden, also ein sehr ausgeglichenes Bild. Allerdings wird das ein bisschen verzerrt dadurch, dass ich das Outfield zu einer einzigen Bewertung zusammengefasst habe und der Vergleich in diesem Mannschaftsteil in meinen Augen 3:0 für Mainz ausgeht. Also wenn ihr mich fragt, wird es eine spannende Finalserie, in der die Mainzer am Ende knapp die Oberhand behalten.

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August 14th, 2016 by Dominik

Nun sind es nur noch vier Teams, die sich Hoffnung auf die Deutsche Meisterschaft 2016 machen dürfen. In allen Viertelfinalpaarungen haben sich die von mir vor zwei Wochen zum Favoriten erklärten Mannschaften durchgesetzt, aber durchweg souverän traten dabei nur die Bonn Capitals auf.

Nach dem Artikel über das Viertelfinale wurde ich gefragt, warum ich nichts über die Abstiegs-Playoffs geschrieben habe. Offen gestanden finde ich diese Runden ziemlich reizlos, solange nicht davon auszugehen ist, dass am Ende tatsächlich jemand absteigen wird. In aller Regel passiert das nicht, weil die Teams aus der zweiten Liga gar nicht aufsteigen wollen. Warum das so ist, kann ich als Außenstehender nur mutmaßen – muss man hohe Auflagen erfüllen, will man finanzielle Risiken meiden oder ist der Niveausprung so groß, dass man fürchtet, sich zum Prügelknaben zu machen und den Spaß am Spiel zu verlieren? Wie dem auch sei, es führt jedenfalls dazu, dass die Playdowns für mich so interessant sind wie das Hornberger Schießen. Dass im Süden die Bad Homburg Hornets die Mannheim Tornados durch je einen Heim- und einen Auswärtssplit ins nächste Woche stattfindende fünfte Spiel gezwungen haben, ist aber schon eine kleine Sensation, die ich nicht unerwähnt lassen möchte.

Jetzt aber zurück zur Meisterschaftsrunde, hier meine kurze Einschätzung zu den Halbfinals:

Bonn – Regensburg
Bonn hat als einziges Team sein Viertelfinale zu keinem Zeitpunkt spannend gemacht und mit drei klaren Siegen gegen die Stuttgart Reds seine Favoritenrolle untermauert. Der Weg ins Finale wird aber sicher kein Selbstläufer, denn mit den Regensburg Legionären wartet als nächste Aufgabe das in den vergangenen Jahren dominierende Team des deutschen Baseballs auf die Capitals. Die Legionäre gaben letzte Woche überraschend ein Heimspiel gegen die Hamburg Stealers ab, sorgten nun aber mit zwei Shutoutsiegen in Hamburg für die erwarteten klaren Verhältnisse. Bonn muss nächstes Wochenende gut vorlegen, sonst könnte es schwer werden, weil dieses Jahr der Modus drei Heimspiele für das schlechter platzierte Team (in dem Fall Regensburg) vorsieht, falls die Serie über fünf Spiele geht.
Mein Tipp: knapper Erfolg für Bonn. 

Mainz – Heidenheim 
Südmeister Mainz ging es ähnlich wie den Regensburgern: Auch die Athletics gaben unerwarteterweise ein Heimspiel ab, auch sie gaben sich dann aber keine weitere Blöße und gewannen die Serie letztlich klar mit 3:1. 3:1 lautet übrigens auch die Bilanz der Mainzer gegen die Heidenheim Heideköpfe aus der regulären Saison und beim 11:1/4:1-Doppelsieg am letzten Spieltag schien die Mainzer Überlegenheit in Offensive wie Defensive sehr deutlich. Wenn die Heideköpfe das Halbfinale überstehen wollen, müssen sie sich schon massiv steigern – sowohl gegenüber jenem letzten Auftritt in Mainz als auch gegenüber dem Viertelfinale, das sie nur knapp gegen Solingen gewannen, nachdem sie mit 0:1 und 1:2 Spielen zweimal in Rückstand gelegen hatten.
Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz. 

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Juli 30th, 2016 by Dominik

Die Bundesliga hatte heute ihren letzten Spieltag – einen Nachholspieltag, um genau zu sein, aber wegen des vielen Regens in den letzten Monaten waren so viele Spiele nachzuholen, dass mehr als die Hälfte der Teams noch mal ran müsste. Die letzte playoff-relevante Entscheidung fiel erst im vierzehnten Inning des letzten Spiels, das die Haar Disciples letztlich 6:7 gegen Mainz verloren und dadurch die Teilnahme an der Meisterschaftsrunde verpassten. Nun stehen alle Paarungen das Viertelfinale der Playoffs fest und es geht gleich am nächsten Wochenende los, damit man rechtzeitig vor der Europameisterschaft im September den neuen Deutschen Meister küren kann. Als Favoriten gehen eindeutig Nordmeister Bonn und Südmeister Mainz ins Rennen, die beide ihre jeweilige Liga deutlich dominierten und sich vorzeitig Platz eins sicherten. Aber auch Heidenheim, Regensburg und Solingen sollte man nicht unterschätzen, immerhin haben diese drei alle Deutschen Meisterschaften der letzten acht Jahre unter sich aufgeteilt.

Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht, aber gespielt wird trotzdem auf dem Platz des anderen Teams. Klingt komisch, ist aber so.

Mainz Athletics – Untouchables Paderborn
Die Mainzer waren in der regulären Saison nicht zu stoppen – nicht vom amtierenden Meister Heidenheim, nicht von den immer ambitionierten Regensburgern oder sonst jemandem – sie haben jede Saisonserie 3:1 oder 4:0 gewonnen. Verletzte Leistungsträger wie Pitcher Jan-Niclas Stöcklin, Catcher Jonathan Wagner und Shortstop Trey Stover wurden mühelos durch vorhandenes Personal ersetzt und während der Saison kam mit dem belgischen Outfielder Thomas de Wolf noch eine massive Verstärkung hinzu. Obwohl de Wolf nur die zweite Saisonhälfte spielte, führt er mit zehn Homeruns die gesamte Liga an. Der Erfolg der Athletics wird gleichermaßen von der explosiven Offense wie von der dominanten Pitcherriege um Eric Massingham und Tim Stahlmann getragen.

Die Untouchables haben eine durchwachsene Saison hinter sich, in der sie gegen jeden außer Bonn gewonnen, aber auch gegen jeden außer Dortmund verloren haben. Es handelt sich um ein recht ausgeglichenes Team, das in der Nordstaffel die zweitmeisten Runs erzielt und die drittwenigsten Runs zugelassen hat und seinen herausragenden Akteur in Pitcher Matt Kemp hat.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Mainz.

Bonn Capitals – Stuttgart Reds
Genauso dominant wie die Mainzer in der Südliga waren die Bonner im Norden. Auch sie gewannen sämtliche Serien, einzelne Ausrutscher erlaubten sie sich gegen Solingen sowie überraschenderweise gegen Köln und Hannover. Bonn hat die meisten Runs erzielt und die wenigsten kassiert, dank einer ganzen Reihe starker Batter, allen voran Daniel Lamb-Hunt und Wilson Norman Lee, und ebenso starkem Pitching, vor allem von dem nahezu unschlagbar erscheinenden Sascha Koch.

Stuttgart hatte einen guten Start in die Saison mit Splits gegen Regensburg und Mainz sowie einem Doppelsieg gegen Haar, den direkten Konkurrenten um Platz vier. Einem Durchhänger in der Saisonmitte, während dem es sogar eine sensationelle Heimniederlage gegen Tübingen setzte, folgte ein solider Endspurt, der letztlich hauchdünn vor Haar die Playoffteilnahme sicherte. Die Teamleistungen waren sowohl in der Offensive wie auch in der Defensive sehr wechselhaft, dauerhaft Verlass war nur auf den amerikanischen Outfielder Gary Michael Owens.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Bonn.

Regensburg Legionäre – Hamburg Stealers
Für Regensburg ist eine Saison, die man nicht auf Platz eins abschließt, schon ein kleiner Misserfolg, aber Mainz war dieses Jahr einfach in allen Belangen besser, was sich auch in der direkten Saisonserie zeigte, in der man Mainz dreimal deutlich unterlag und nur einmal knapp gewann. Interne Querelen, die in der Entlassung von Headcoach Ivan Rodriguez gipfelten, taten ein Übriges, dass die Saison nicht so verlief wie erhofft. Aber in den Playoffs werden die Karten neu gemischt und wenn es ein Team gibt, das man in Bezug auf die Deutsche Meisterschaft nie abschreiben darf, dann sind es die Legionäre.

Für Hamburg muss es wie ein böser Traum wirken: Die letzten sechs Playoff-Teilnahmen der Stealers endeten allesamt in der ersten Runde und fünf davon gegen die Legionäre. Das waren immer Duelle Vierter gegen Erster, aber kaum dass Hamburg nun mal auf Platz drei gelandet ist, warten schon wieder die Regensburger auf sie. Die Stealers haben ihre Stärken und vor allem in Louis Cohen einen sehr guten Pitcher, aber auch dieses Mal gehen sie als Außenseiter ins Viertelfinalduell.

Mein Tipp: klare Angelegenheit für Regensburg.

Solingen Alligators – Heidenheim Heideköpfe
Auf dem Papier ist das die interessanteste Paarung der ersten Playoffrunde, immerhin treffen die Deutschen Meister der beiden vergangenen Jahre aufeinander und nach meiner Einschätzung dürfte dieses Duell auch das spannendste werden. Anders als in den vergangenen Jahren lieferte sich Solingen dieses Mal kein enges Rennen mit den Capitals um Platz eins der Nordliga sondern schien relativ früh in der Saison auf den zweiten Platz geeicht und selbst der geriet gegen Ende der Saison leicht ins Wackeln. Dennoch sind die Alligators ein solides Team, das mit gutem Pitching und den Offensivwaffen Daniel Sánchez Reyes und Dominik Wulf jeden schlagen kann.

Den Heideköpfen geht es ähnlich wie den Alligators: Auch sie spielten in den letzten Jahren immer bis zum Schluss um die Meisterschaft in ihrer Liga, waren dieses Mal aber den bärenstarken Mainzern einfach nicht gewachsen und landeten hinter Regensburg auf Rang drei, was auch ihrem Abschneiden in den meisten Offensiv- und Defensivstatistiken entspricht. Mit Wes Roemer haben auch die Heideköpfe einen starken amerikanischen Pitcher, ansonsten liegen ihre Stärken in der Offensive: In der gesamten Südliga gibt es neun Batter mit einer OPS über 1.000, mit Terrell Charles Joyce, James McOwen, Shawn Larry und Simon Gühring kommen vier davon aus Heidenheim.

Mein Tipp: knapper Erfolg für Heidenheim.

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Juli 2nd, 2016 by Dominik

Nun ist Baseblog.de schon gut drei Wochen alt und ich habe noch kein Wort über die Baseball-Bundesliga geschrieben – eigentlich ein Skandal, vor allem weil ich regelmäßig in Mainz auf der Tribüne sitze und genieße, wie die A’s dieses Jahr die Liga rocken. Da sollte doch wenigstens ein kleiner Überblick über den Stand der Dinge in den beiden Ligateilen mal drin sein, oder? Also los:

Bundesliga Süd

Im Süden hat man sich in den letzten Jahren an eine Dreiteilung der Liga gewöhnt: Die Regensburg Legionäre und die Heidenheim Heideköpfe machen üblicherweise die ersten beiden Plätze unter sich aus, die Tübingen Hawks und die Bad Homburg Hornets die letzten beiden und der interessanteste Teil ist das Mittelfeld aus vier Teams, die oft bis zum letzten Spieltag darum kämpfen, wer in die Playoffs darf und wer in die Playdowns muss. Dieses Jahr ist es weitgehend genauso mit der einen Ausnahme, dass die Mainz Athletics (16-4) ganz oben mitspielen und aus dem Zweikampf um die Spitze einen Dreikampf machen, in dem sie zurzeit sogar knapp die Nase vorn haben.

Um die Playoff-Teilnahme müssen sich die Mainzer jedenfalls keine Sorgen machen, nicht nur wegen des Vorsprungs von sechs Siegen auf Platz fünf, sondern auch weil sie gegen die Stuttgart Reds (11-9), die Mannheim Tornados (9-9) und die Haar Disciples (10-11) jeweils schon den direkten Vergleich in der Tasche haben. Für den Rest der Saison können die A’s sich nun ganz auf das höhere Ziel, die Süd-Meisterschaft, konzentrieren. Sowohl Regensburg (16-5) als auch Heidenheim (15-7) haben in den Heimspielen gegen die Athletics einen Split abgegeben und müssen in den nächsten Wochen noch nach Mainz.

Die Athletics führen die Statistiken sowohl in der Offensive (7,8 Runs pro Spiel) als auch in der Defensive (2,4 zugelassene Runs pro Spiel) deutlich an, wobei solche Vergleiche in der Bundesliga immer etwas verzerrt sind durch das große Leistungsgefälle und die häufige Anwendung der Mercy-Rules (u. a. Spielende bei 10-Run-Führung nach sieben Innings). Im Pitching sind die Mainzer jedenfalls mit einem Team-ERA von 1.73 und einem zugelassenen Average von .204 unzweifelhaft eine Klasse für sich. Zum Vergleich: Zweiter sind jeweils die Legionäre mit 2.80 ERA und .229 OAVG.

Hinter dem Spitzentrio balgen sich Stuttgart, Mannheim und Haar um nur noch einen verbleibenden Playoffplatz. Die drei treffen in den restlichen Wochen noch in jeder Kombination aufeinander und haben es somit selbst in der Hand, sich von den Konkurrenten abzusetzen. Vom Record her hat Stuttgart die beste Ausgangsposition, die Reds müssen aber noch zu zwei Spielen nach Regensburg, während für Haar nur noch einmal gegen eines der drei Topteams antreten muss (im Nachholspiel gegen Mainz).

Im Tabellenkeller bleibt es wohl ebenfalls spannend bis zum Schluss, denn Tübingen (2-17) und Bad Homburg (1-18) treffen erst am letzten regulären Spieltag aufeinander und sehen sich in aller Regel dann später noch einmal zum Abschluss der Playdowns. In den Statistiken sehen derzeit in allen Bereichen die Hornets besser aus – nur nicht beim Record, nachdem den Tübingen Hawks am Donnerstag eine faustdicke Überraschung gelungen ist, indem sie das Nachholspiel in Stuttgart 6:5 gewannen.

Bundesliga Nord

In der Nordstaffel ist die Spannung nach drei Vierteln der regulären Saison nicht mehr ganz so groß. Theoretisch ist zwar noch fast alles möglich, aber angesichts der klaren Führung der Bonn Capitals (16-2) sind die Meisterschaftschancen der Verfolger Solingen Alligators (11-7), Hamburg Stealers (12-8) und Paderborn Untouchables (10-8) nur noch theoretischer Natur.

Gleichzeitig stehen mit den vier genannten Teams auch die Playoffteilnehmer so gut wie fest, denn zwischen dem Viertplatzierten Paderborn und den Cologne Cardinals (6-12) auf Rang fünf klafft sechs Spiele vor Schluss bereits ein Abstand von vier Siegen. Dahinter stehen noch die Hannover Regents (5-13) und die Dortmund Wanderers (2-12).

Die Capitals dominieren die Nordliga auch statistisch deutlich, in der Südliga wären sie mit 6,9 Runs pro Spiel und einem Team-ERA von 2.33 allerdings nicht ganz vorne. Dieser Vergleich hinkt natürlich gewaltig, solange wir nicht gesehen haben, wie die Topteams der beiden Ligen gegeneinander abschneiden und das wird leider erst in den Playoffs geschehen.

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