April 2nd, 2018 by Dominik

Die MLB-Saison 2018 läuft – soweit es der späte Wintereinbruch in den USA zulässt – auf Hochtouren und es ist höchste Zeit, dass ich hier nach der führenden Baseball-Simulation MLB The Show auch die führende Baseball-Management-Simulation in ihrer neuesten Version vorstelle. Grundlegendes zu Out of the Park Baseball habe ich schon in meinem Artikel zu OOTP 18 geschrieben, daher gehe ich heute vor allem auf die Neuerungen der vor ein paar Tagen erschienenen jüngsten Ausgabe ein.

Ähnlich wie bei The Show bestehen die Veränderungen von OOTP gegenüber dem Vorjahr hauptsächlich in optischen Verbesserungen. Stark überarbeitet wurde vor allem die animierte Darstellung der Spiele. Hier sind nun erstmals nicht mehr nur Mensch-ärgere-dich-nicht-Kegel sondern echte Spieler zu sehen. Gegenüber den Vorgängern ist das eine kleine Revolution und lässt deutlich mehr TV-Feeling aufkommen. Wie im ganzen Spiel steckt in dieser Neuerung viel Arbeit und Liebe zum Detail. Für mich persönlich fällt sie aber ehrlich gesagt nicht sehr stark ins Gewicht, da mir bei OOTP die Rolle des General Managers am meisten Spaß macht und ich mir selten die Zeit nehme, die einzelnen Begegnungen ausführlich anzuschauen.

Erstmals mit animierten Männchen: das Gameplay von OOTP 19

Auch die grafischen Oberflächen der Manager-Homescreens sehen auf den ersten Blick anders aus als bisher. Auf den zweiten Blick wurden aber nur wenige Screens wirklich neu designt, ansonsten besteht die Änderung vor allem in neuen Hintergründen und einem dunklen Menüstil mit Semitransparenz, der nun Grundeinstellung ist. Meinen Geschmack trifft dieser Stil nicht ganz, das macht aber überhaupt nichts, denn zum Glück lässt sich das wie sehr vieles in diesem Spiel individuell anpassen. Die Individualisierungsmöglichkeiten von OOTP wurden gegenüber den Vorgängern übrigens noch erweitert; man kann nun zum Beispiel auch Widgetgrößen, Schriftarten und einiges mehr nach Belieben ändern.

Das neue Menüdesign ist mir ein bisschen zu unruhig, aber…

…zum Glück ist eine nüchternere Darstellung nur wenige Klicks entfernt

Alles in allem ist OOTP 19 noch schöner und noch individueller geworden, am eigentlichen Spiel hat sich aber kaum etwas verändert. Für mich ist das Wichtigste an der Neuauflage die Aktualisierung der Roster und Spielerbewertungen, die OOTP wie gewohnt nicht nur für die MLB sondern auch für das komplette Minor-Leaue-System und zahlreiche Baseball-Ligen weltweit zu bieten hat. Das Fazit bleibt somit auch dasselbe wie das meines Artikels über OOTP 18: Out of the Park Baseball ist ein hervorragendes Spiel, das sich kein Baseballfan entgehen lassen sollte. Die von mir beim vorherigen Test identifizierten Verbesserungsmöglichkeiten bleiben ebenfalls dieselben: Am meisten würde ich mir eine Integration der Baseball-Bundesliga wünschen (dies scheitert bislang an Lizenzschwierigkeiten) und der Realismus der Trade-AI hat nach wie vor Luft nach oben.

Eine größere Neuigkeit wird übrigens noch folgen: Voraussichtlich im Laufe des Sommers soll für OOTP 19 ein komplett neuer Online-Modus namens „Perfect Team“ in Form eines kostenlosen Updates nachgeliefert werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf und werde zu gegebener Zeit darüber berichten.

Einstweilen habe ich mein persönliches Projekt gestartet, das ich schon seit dem Test von OOTP 18 geplant hatte: eine Saison mit den New York Mets in Echtzeit parallel zur realen Saison. Die Eröffnungsserie gegen die Cardinals habe ich übrigens genau wie die echten Mets 2:1 gewonnen, wenngleich in veränderter Reihenfolge (erst die Niederlage, dann zwei Siege). Das heutige* Match gegen die Phillies habe ich auch schon gespielt. Wenn ihr wissen wollt, wie es (hoffentlich auch im richtigen Leben) ausgeht:

Schöner Erfolg für die Mets im ersten Spiel gegen die Phillies

Es gibt übrigens kaum Ausreden, OOTP 19 nicht zu kaufen: Man bekommt es über die Plattformen Steam und Origin ebenso wie als direkten Download auf der Herstellerseite und es ist nach wie vor sowohl für Windows als auch für Mac und Linux verfügbar.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts.

 

*PS: Und nur eine Stunde nach dem Verfassen dieses Artikels stehe ich vor der Frage, wie ich damit umgehe, dass ich ein für heute angesetztes Spiel gespielt habe, das nun in Wirklichkeit des Wetters wegen auf den 9. Juli (!) verlegt wurde…

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Dezember 18th, 2017 by Dominik

Dies ist ein kleiner Nachtrag zu meiner Vorstellung des Brett- und Würfelspiels „Bottom of the 9th“. Wie ich inzwischen erfahren habe, gibt es auch eine Umsetzung des Spiels als App für Android und iOS. Beide Versionen sind in den App-Stores von Google bzw. Apple für 4,99 Dollar erhältlich. Ich habe die App auf meinem Android-Smartphone getestet und möchte kurz davon berichten.

Die Umsetzung ist sehr originalgetreu erfolgt. Sowohl der Spielverlauf als auch die Inhalte der Spielerkarten mit den speziellen Fähigkeiten und Eigenheiten wurden 1:1 vom Brettspiel übernommen. Auch das grafische Konzept bietet sehr hohen Wiedererkennungswert.

Das Spiel bietet alles, was man von einer Brettspieladaption erwarten kann: Man kann wahlweise gegen den Computer oder gegen einen menschlichen Gegner antreten, wobei letzterer sowohl am gleichen Gerät spielen kann als auch an seinem eigenen. Für das Online-Duell kann man entweder direkt einen Freund herausfordern oder man lässt das Spiel nach einem geeigneten Gegner suchen. Auch die aus dem Brettspiel bekannte Einzelspielerkampagne kann man in der App spielen. Vor allem für Neueinsteiger sind die Tutorials zum Pitching und Batting interessant. Diese reichen völlig aus, um direkt loszulegen, aber auch eine vollständige Anleitung ist enthalten.

Einziger Negativpunkt für mich ist, dass man über die App leider selten spontan einen Gegner für ein virtuelles Kräftemessen findet – offenbar ist dafür der Verbreitungsgrad des Spiels noch zu gering und mit Sicherheit spielt es auch eine Rolle, dass die meisten potenziellen Gegner sich in einer anderen Zeitzone befinden. Zudem ist mir aufgefallen, dass die App recht stark am Akku saugt. Dem kann man aber begegnen, indem man in den Optionen den Grafik-Level ein bisschen nach unten schraubt.

Alles in allem bestätigt die App-Version von „Bottom of the 9th“ das rundum positive Bild, das ich bereits von dem Brettspiel gewonnen hatte. Sie kann letzteres auch komplett ersetzen, aber das ginge mir persönlich dann doch zu weit: Mit echten Würfeln, Karten und Figuren am Tisch zu spielen, steht für mich definitiv noch ein Stückchen über dem Touchscreen-Vergnügen. Aber für ein kleines Trainingsspielchen zwischendurch, insbesondere wenn man irgendwelche Wartezeiten zu überbrücken hat, ist die App perfekt.

 

Transparenz-Hinweis: Die Firma Handelabra Games war so freundlich, mir die App für den Test kostenlos zur Verfügung zu stellen. Auf meine Bewertung hat das selbstverständlich keinen Einfluss und ich erhalte sonst keinerlei Vergünstigungen, Provisionen oder Ähnliches.

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November 19th, 2017 by Dominik

Die Offseason ist noch lang und Weihnachten steht vor der Tür – das klingt für mich nach einem guten Zeitpunkt, um in loser Folge ein paar Baseball-Spiele vorzustellen, mit denen man sich allein oder in trauter Runde lange Winterabende und -nächte vertreiben kann. Den Anfang macht ein Computerspiel, das bei vielen Angehörigen meiner Generation angenehme Erinnerungen wecken wird an Stunden, die man mit Perlen wie dem „Bundesliga-Manager Professional“ oder der „Anstoss“-Reihe verbracht hat. Später gab es den FIFA-Fußball-Manager, aber da war mein Interesse an Fußball schon erkaltet, weswegen ich die weitere Entwicklung dieses Sektors nicht verfolgt habe.

Nun hat mich das Fieber aber wieder voll gepackt, denn ich bin auf die Managersimulation „Out of the Park Baseball 18“ gestoßen – viel zu spät eigentlich, denn die OOTP-Reihe existiert schon seit 1999. Vater des Spiels ist der deutsche Entwickler Markus Heinsohn aus Eimsbüttel, veröffentlicht wird es über dessen eigene Firma „Out of the Park Developments“. Trotz des deutschen Ursprungs von OOTP liegt sein wichtigster Markt naturgemäß in Nordamerika, deshalb gibt es das Spiel auch ausschließlich auf Englisch. Von den Plattformen her hat OOTP eine größere Vielfalt zu bieten: Es läuft auf Windows, Mac und erfreulicherweise auch auf Linux. Erwerben kann man das Spiel ausschließlich als Download, entweder direkt über die Herstellerseite oder über Steam. Getestet wurde von mir die Linux-Version über Steam. Der reguläre Preis für die aktuelle Version beträgt 39,99 Dollar, wobei es gelegentlich auch Sonderangebote gibt. Auch ein Demo-Mode ist verfügbar, wenn man erstmal unverbindlich anspielen möchte.

Der Daten- und Funktionsumfang von OOTP ist schlichtweg gigantisch: Man kann die aktuelle MLB-Saison nachspielen, aber auch jede beliebige Saison seit 1871; die Minor Leagues sind komplett eingebunden, ebenso historische Ligen wie zum Beispiel die Negro Leagues sowie Ligen aus aller Welt (Japan, Korea, Mexiko, Niederlande, Italien etc.) – alles komplett mit vollständigen Rostern, Namen, Logos und Uniformen, da OOTP über die nötigen Lizenzen verfügt. Für realistische Player-Ratings sorgt eine Anbindung zum ZiPS-System von Dan Szymborski. Darüber hinaus gibt es umfangreiche Möglichkeiten, nationale und internationale Ligen und Turniere selbst zusammenzustellen und zu editieren.

Wenn man sich für eine Liga und ein Startjahr entschieden hat, kann man wahlweise als Manager, General Manager oder als beides gleichzeitig agieren – abhängig von dieser Entscheidung ist man entweder für Aufstellungen, Spieltaktiken und dergleichen verantwortlich oder für die Zusammenstellung des Kaders, Trades, Personalentscheidungen etc. oder eben für alles. Man arbeitet auf einer grafischen Oberfläche, die sehr eingängig bedienbar ist. Ähnlich wie in einem Web Browser steuert man das Spiel per Maus mit Drag&Drop-Funktionen, Hyperlinks, durch Rechtsklick öffnende Kontextmenüs usw.

OOTP ist mit sehr viel Liebe zum Detail umgesetzt, was man zum Beispiel beim Verletzungssystem sieht – jeder Spieler hat eine individuelle Verletzungsgeschichte mit unterschiedlichen Langzeiteffekten – oder bei den Trades, die diverse Konstellationen erlauben inklusive Optionen wie dass das abgebende Team einen Teil des Spielergehalts übernimmt. Die Möglichkeiten, was man alles steuern und worauf man alles achten kann, scheinen geradezu unendlich, lassen sich aber gezielt reduzieren, indem man einige Aufgaben automatisiert erledigen lässt. Das ist dann auch die erste Aufgabe, die man beim Spielen an sich selbst stellen sollte: Man muss für sich einen Weg finden, was man tut und was man laufen lässt, sonst erschlägt einen die Komplexität der Handlungsmöglichkeiten.

Dementsprechend ist der Zeitaufwand des Spiels sehr variabel: Wenn man jede Kleinigkeit verfolgen und in der Hand haben möchte, kann man ohne Weiteres mehrere Stunden mit Recherchen, Verhandlungen und sonstigen Managementaufgaben verbringen, ohne im Spielverlauf einen einzigen Tag weiterzuschalten; auch ein Match des eigenen Teams kann man mit vollständigem In-Game-Management locker eine halbe Stunde lang zelebrieren. Genauso gut kann man aber, wenn man viel automatisiert und weiterklickt, in einer halben Stunde eine komplett Saison durchgespielt haben. Ich selbst habe in den vergangenen 14 Tagen gut 20 Stunden mit OOTP verbracht und dabei zweieinhalb Saisons mit einer Franchise absolviert. Angemeldet habe ich mich als General Manager und Manager, allerdings habe ich relativ schnell herausgefunden, dass mir die GM-Aufgaben mehr Spaß machen und dass ich die Lineups und das In-Game-Management gerne vertrauensvoll in die Hände der AI lege.

Wenn es mal irgendwo hakt, findet man in vielfältiger Weise Hilfen: es gibt ein umfangreiches Online-Manual, auf das man innerhalb und außerhalb des Spiels zugreifen kann, zudem eine Knowledge Base, einige Video-Tutorials und das Entwicklerteam um Markus Heinsohn und Andreas Raht leistet schnellen und zuverlässigen Support. Zudem gibt es eine recht aktive Community zu OOTP, die ebenfalls sehr nützlich ist wenn man Probleme hat, aber auch wenn man Mitspieler für eine Online-Liga sucht oder sich einfach so über das Spiel austauschen möchte.

Ich glaube, es spricht schon aus meinen vorangehenden Schilderungen, aber ich möchte es noch mal ausdrücklich sagen: Ich bin von OOTP begeistert!

Ein paar Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge habe ich aber natürlich auch und möchte sie euch nicht vorenthalten – den Entwicklern übrigens auch nicht, deswegen habe ich sie schon darauf angesprochen und lasse ihre Antwort direkt in meine Punkte einfließen:

– Schade finde ich, dass es bei aller Vielfalt von Ligen und Zeiträumen ausgerechnet die deutsche Baseball-Bundesliga in OOTP nicht gibt. Der Grund dafür sind Lizenzprobleme, genauer gesagt das Fehlen einer zentralen Lizenzverwaltung für die Bundesliga. Man müsste jede Verwendung von Namen und Logos mit den betreffenden Teams und Spielern einzeln verhandeln, was ein unverhältnismäßiger Aufwand wäre. Ich hoffe, dass sich irgendwann doch eine pragmatische Lösung findet.

– Eine Synchronisierungsmöglichkeit zwischen OOTP und dem Ableger „MLB Manager“ für Mobilgeräte wird es auf absehbare Zeit leider nicht geben, vor allem wegen der zu großen Datenmengen.

– Was ich – in rührseliger Erinnerung an die „Anstoss“-Reihe – toll fände, wäre eine Möglichkeit, Einzelgespräche mit Spielern zu führen und kurze Ansprachen an das Team zu halten. Bei Anstoss wählte man bei solchen Gelegenheiten unter vorgegebenen Aussagen und in Abhängigkeit davon veränderte sich die Stimmung der Spieler. Laut Heinsohn sind Features dieser Art für zukünftige Versionen bereits in Planung.

– Im Spiel selbst ist mir nur eine einzige Sache aufgefallen, die nach meinem Geschmack noch nicht befriedigend gelöst ist und das ist der Realismus von Trades. Mir wurde zum Beispiel  Ende Juli 2017 über die Funktion „Shop Player around“ von meinem direkten Verfolger im Divisionsrennen, den Nationals, Star-Pitcher Max Scherzer mit Vertrag bis 2021 angeboten im direkten Tausch gegen Lucas Duda, einen mittelmäßigen First Baseman mit auslaufendem Vertrag. Für mich war das der Startschuss zu einem größer angelegten Test der Trade-AI und innerhalb der verbleibenden  zehn Tage bis zur Trade Deadline hatte ich mein Team um Scherzer, Giancarlo Stanton, Freddie Freeman, Dee Gordon, Nolan Arenado, Kyle Schwarber und Aaron Altherr aufgerüstet, ohne viel dafür herzugeben. Zwar kann man über die Einstellungen an der Trading Difficulty drehen, aber wenn man Trades auf andere Weise als über „Shop Player around“ versucht, sind sie bereits schwierig genug und man will ja nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Auch dieses Thema ist den Entwicklern bereits bekannt und OOTP teilt es mit allen anderen Sport-Management-Spielen: Eine rundum realistische Trade-AI existiert bislang leider nicht. Wenn man Wert auf Realismus legt, muss man sich in Selbstdisziplin üben und auch mal einen Trade nicht machen, wenn man den Eindruck hat, der Computergegner übervorteilt sich selbst.

Von dieser einen Einschränkung abgesehen kann ich nur eine klare Kaufempfehlung aussprechen. Ich freue mich schon riesig auf das Erscheinen des nächsten Teils zum Beginn der neuen MLB-Saison. Mein Plan ist, dass ich dann mal ein komplettes Jahr spiele, bei dem ich mich im Team um wirklich alles kümmere und an jedem echten Tag genau einen Tag im Spiel laufen lasse.

 

Transparenz-Hinweis: Das vorgestellte Spiel wurde mir auf meine Anfrage hin als kostenloses Rezensionsexemplar von den Entwicklern zur Verfügung gestellt. Diese freundliche Geste hat keine Auswirkung auf meine Beurteilung des Produkts – ihr lest wie gewohnt meine ehrliche und ungeschminkte Meinung.

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