August 29th, 2017 by Dominik

Welche Teams in die Playoffs der Baseball-Bundesliga kommen, steht schon seit Mitte Juli fest. Dass die Meisterschaftsrunde erst am kommenden Wochenende mit den Viertelfinalspielen beginnt, liegt an einer Neuerung: Erstmals gab es eine Interleague-Runde, in der die vier besten Teams aus dem Norden je eine Zwei-Spiele-Serie gegen die vier besten Teams aus dem Süden spielten.

Mein persönliches Fazit nach dieser neuen Interleague-Runde: Ich fand es einerseits sehr interessant, die Mannschaften aus den beiden Ligen schon vor den Playoffs mal im direkten Vergleich zu sehen. Andererseits fand ich schade, dass die Interleague sich erstens auf die Playoffteilnehmer beschränkt und dass es ihr zweitens etwas an Spannung mangelt, weil es vier Wochen lang nur um Details der Setzliste für die Playoffs geht. Daher fände ich gut, wenn es auch in Zukunft Interleague-Spiele gibt, man sich aber über den Modus noch mal Gedanken gemacht.

Generell hat sich im Vergleich der beiden Staffeln die Einschätzung bestätigt, die sich seit ein paar Jahren aufdrängt: Der Abstand ist nicht groß, aber der Süden ist tendenziell etwas stärker als der Norden. In der gemeinsamen Abschlusstabelle der acht Playoffteilnehmer stehen mit Heidenheim und Haar zwei Südteams an der Spitze; Nordmeister Bonn hat es als einzige Mannschaft aus dem Norden in die obere Tabellenhälfte geschafft, in der Interleague aber auch nur drei von acht Spielen gewonnen.

Nun steht also endlich das Viertelfinale an mit zwei Nord-Süd-Duellen, einem Nord- und einem Süd-Derby. Die Serien dieser Runde werden im Modus Best of Five ausgetragen, man benötigt also drei Siege zum Weiterkommen. In den ersten beiden Spielen hat das besser platzierte Team Heimrecht, in den nächsten beiden die andere Mannschaft. Falls ein fünftes Spiel nötig wird, so hat offiziell wieder das besser platzierte Team Heimrecht. Gespielt wird das fünfte Spiel trotzdem auf dem Platz des anderen Teams, damit man nach zwei Wochenenden mit der Runde durch ist.

Heidenheim Heideköpfe – Mannheim Tornados
Die Heideköpfe sind souverän Südmeister geworden und haben auch in der Interleague sechs von acht Spielen gewonnen. Gegen die Tornados waren sie in allen vier Spielen der regulären Saison siegreich. Alles andere als ein souveränes Weiterkommen der Heideköpfe wäre eine Überraschung.

Haar Disciples – Untouchables Paderborn
Auch in dieser Playoff-Paarung sehe ich einen klaren Favoriten: Durch einen Sweep gegen Nordmeister Bonn haben die Disciples am letzten Interleague-Wochenende ihre Ambitionen deutlich unterstrichen. Zwar bringen sie keine ganz so explosive Offense auf das Feld wie beispielsweise Heidenheim oder Mainz, dafür steht aber in jedem zweiten Spiel mit Ryan Bollinger der wohl stärkste Pitcher auf dem Mound, den die Bundesliga in den letzten Jahren gesehen hat. Auch die Untouchables, für die die Saison eher durchwachsen verlief und die Playoffteilnahme erst spät gesichert wurde, haben ihre Stärken mehr in der Defense als in der Offense. Highscoring ist von dieser Paarung also eher nicht zu erwarten.

Bonn Capitals – Solingen Alligators
Bonn gegen Solingen war in den letzten Jahren das Duell an der Spitze der Bundesliga Nord. Dieses Jahr haben die Capitals die vier regulären Saisonspiele gegen die Alligators gesweept und die Nordstaffel souverän gewonnen, während Solingen sich nicht aus dem breit aufgestellten Mittelfeld abheben konnte und letztlich hinter Dohren Dritter wurde. Ich kann nicht behaupten, mich in der Bundesliga Nord besonders gut auszukennen, aber alles, was an Zahlen und Fakten vorliegt, spricht dafür, dass die Alligators den Capitals dieses Jahr nicht das Wasser reichen können.

Mainz Athletics – Dohren Wild Farmers
Ich hoffe sehr, dass es auch in den anderen drei Paarungen spannender wird als erwartet, aber von der Ausgangslage dürfte Mainz gegen Dohren das engste Duell des Viertelfinales werden. Über längere Sicht betrachtet sieht es ein bisschen aus wie David gegen Goliath – auf der einen Seite die Mainzer, seit 26 Jahren durchgehend in der Bundesliga, zweifacher und aktuell amtierender Deutscher Meister sowie Europapokalsiegerbesieger; auf der anderen Seite Dohren als Aufsteiger, dessen erstmalige Playoff-Teilnahme vor der Saison wohl niemand vorhergesagt hätte. Doch der Status quo ist, dass sich beide Teams absolut auf Augenhöhe befinden: Beide sind in der regulären Saison Zweiter in ihrer Staffel geworden, beide stehen nach der Interleague-Runde mit einer 10-10-Bilanz gleichauf und ihr bislang erstes und einziges Aufeinandertreffen am vergangenen Wochenende endete mit einem Split. Lediglich dass die A’s ihr Spiel mit 13:8 deutlicher gewonnen haben als die Wild Farmers ihres mit 10:9, entschied letztlich das Heimrecht am ersten Wochenende für Mainz. Allerdings haben wohl auch beide Seiten insbesondere ihre Pitcher ein bisschen geschont. Ich tippe, dass am Ende die Ausgeglichenheit und Routine des Meisters über den Hunger des Überraschungsteams triumphieren wird.

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Mai 23rd, 2017 by Dominik

Die Hälfte der regulären Saison 2017 der Baseball-Bundesliga ist vorbei – mehr oder weniger jedenfalls, denn in der Nordgruppe ist das Tabellenbild noch etwas schief mit zehn bis vierzehn absolvierten Spielen je Team. Im Süden kann man derweil mit Fug und Recht von der Halbzeit sprechen, denn alle Teams haben vierzehn Spiele und damit exakt die Hälfte der angesetzten Partien hinter sich. Erfreulicherweise geht es in beiden Staffeln spannend zu – das Rennen um die Playoffplätze ist zumindest bis zum bevorstehenden Doppelspieltag noch offen und auch die zwischenzeitlichen Ausreißer Heidenheim Heideköpfe haben sich am vergangenen Wochenende als schlagbar erwiesen. Lediglich die Entscheidung, wer das Ende der Abschlusstabelle zieren wird, scheint sowohl im Süden wie auch im Norden leider bereits relativ sicher gefallen zu sein.

Bundesliga Nord
Erwartungsgemäß stehen die Bonn Capitals (8-2) und die Solingen Alligators (8-4) auch in diesem Jahr in der Bundesliga Nord ganz vorne. Die große Überraschung folgt aber gleich dahinter in Gestalt der Dohren Wild Farmers (6-4). Der Aufsteiger hat bislang gegen jeden Gegner mindestens einen Split geholt, auch gegen Bonn und am letzten Wochenende bereits zum zweiten Mal in dieser Saison gegen Solingen. Noch ist der Norden recht eng beisammen, neben den drei Genannten spielen Paderborn (6-4), Hamburg (4-6) und Dortmund (5-9) mit um die vier Playoffplätze. Abgeschlagen Letzter sind die Cologne Cardinals (1-9) mit nur einem Sieg und einem schweren Restprogramm.

Von den Statistiken* her sind die Bonn Capitals das beste Team im Norden, sowohl von der Bilanz als auch von den erzielten (72) und kassierten (12) Runs. Auch den besten qualifizierten Pitcher haben die Bonner mit Ex-Minor-Leaguer Markus Solbach (0.64 ERA) in ihren Reihen. Solbach ist zwar nach nur zwei Starts zumindest vorübergehend in die USA zurückgekehrt, was aber den Bonnern bisher nicht allzu weh tat, denn von den anderen fünf eingesetzten Pitchern der Capitals hat kein einziger einen ERA über 2. Die beiden besten Batter bieten die Dohren Wild Farmers auf: Caleb Fenimore (.517/.625/.966, OPS 1.591) und Edvards Matusevicius (.436/.489/.795, OPS 1.284) sind – neben starkem Pitching von Jared Ney (1.6 ERA) – die Garanten, dass die Aufsteiger bislang so gut in der höchsten deutschen Spielklasse mithalten.

Über das anstehende verlängerte Wochenende absolvieren die meisten Teams einen Doppelspieltag, nur Dortmund muss tatenlos zusehen. Sollte Dohren drei oder gar alle vier Spiele gegen Hamburg gewinnen, so dürfte die Playoff-Teilnahme der Wild Farmers so gut wie feststehen. Je nachdem, wie sich gleichzeitig Solingen und Paderborn in ihrer Vier-Spiele-Serie voneinander trennen, kann bis Sonntagabend auch zwischen diesen beiden schon eine Vorentscheidung über die Playoffs fallen.

Bundesliga Süd
Im Süden waren bislang die Heidenheim Heideköpfe (12-2) sehr dominant, dem 12-0-Start in die Saison folgten nun aber gegen die Haar Disciples (9-4) sowohl zu Hause als auch auswärts die ersten Niederlagen. Hinter Heidenheim sind Titelverteidiger Mainz Athletics (10-4), die gegenüber letztem Jahr stark aufgerüsteten Mannheim Tornados (9-4) sowie nun auch Haar recht eng beisammen, sodass sich schon eine Favoritengruppe auf die Playoffs herausgebildet hat. Die große Überraschung im Süden ist, dass in dieser Favoritengruppe zur Saison-Halbzeit die Regensburg Legionäre (6-8) nicht dabei sind. Nach vier Niederlagen zum Saisonstart hatten sich die Legionäre zwischenzeitlich etwas berappelt auf 6-4 – wobei vier der sechs Siege Pflichtübungen gegen Bad Homburg und Saarlouis waren –, aber zuletzt verloren sie wieder je zweimal gegen Mainz und Mannheim und stehen somit gemeinsam mit den Stuttgart Reds (6-8) nur im unteren Mittelfeld der Tabelle. Ganz unten stehen die beiden leider nicht konkurrenzfähigen Hornets aus Saarlouis und Bad Homburg, von denen sich der Aufsteiger aus dem Saarland gerade mit einem Heimsweep über die Hessen wohl die Vorentscheidung im Kampf gegen den letzten Platz gesichert hat.

Die Heidenheim Heideköpfe dominieren den Süden auch statistisch, weisen sowohl die meisten erzielten (119) als auch die wenigsten zugelassenen (40) Runs auf. Die herausragendsten Einzelspieler der bisherigen Saison im Süden spielen aber bei anderen Teams: Die aktuell größte Attraktion der Liga ist Pitcher Ryan Bollinger von den Haar Disciples, der in 7 Spielen unglaubliche 57.0 Innings gepitcht und dabei einen noch unglaublicheren ERA von 0.32 erworfen hat. In der Offensive überragt der Mainzer Spielertrainer Max Boldt (.442/.523/.923) mit seinem OPS von 1.446 alle anderen, gefolgt von Stuttgarts Drake Zarate (.488/.571/.805) mit 1.376.

Auch im Süden wird über das Himmelfahrt-Wochenende ein Doppelspieltag absolviert. Mainz und Mannheim haben mit Bad Homburg und Saarlouis voraussichtlich lösbare Aufgaben vor sich. Hingegen ist in den Derbys zwischen Stuttgart und Heidenheim sowie zwischen Regensburg und Haar Hochspannung angesagt, denn Stuttgart und Regensburg stehen im Kampf um die Playoffs bereits mit dem Rücken zur Wand.

 

*Alle erwähnten Statistiken stammen von GameChanger, einer übrigens auch für ihre Liveticker zu allen Bundesligaspielen sehr zu empfehlenden Seite. Noch umfangreicher und übersichtlicher, aber leider nicht immer auf dem aktuellsten Stand, ist die Statistikseite des DBV.

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