Februar 8th, 2018 by Dominik

Die meisten Teams haben bereits ihre Spring-Training-Quartiere bezogen, nächste Woche geht es offiziell los mit der Vorbereitung auf die MLB-Saison 2018. Noch immer haben aber rund 120 eigentlich etablierte Spieler keinen Verein gefunden und es scheint auch niemand damit zu rechnen, dass sich das auf die Schnelle noch massiv ändert. Die Spielergewerkschaft MLBPA stellt sich jedenfalls bereits auf die besondere Situation ein, indem sie auf der Suche nach geeigneten Orten für ein eigenes Spring-Training-Camp der Free Agents ist.

Unter den Spielern regt sich Unzufriedenheit
Viele Spieler und deren Vertreter haben in den letzten Tagen ihren Ärger über die aus ihrer Sicht geizigen Klubs kundgetan. Noch sieht es nicht nach einem Arbeitskampf aus, aber es mehren sich die Anzeichen, dass bald vorgezogene Neuverhandlungen anstehen könnten. Das aktuelle Collective Bargaining Agreement (CBA), eine Art Rahmentarifvertrag zwischen der MLB und der MLBPA, wurde zwar erst vor einem Jahr neu unterzeichnet und gilt noch bis 2021. Die Spielerseite kommt aber zunehmend zu der Überzeugung, man sei mit dem Vertrag einen schlechten Deal eingegangen.

Ein Grund für die offenbar schwache Verhandlungsposition der Spieler dürfte sein, dass die Luxury-Tax-Regeln des neuen CBA die Klubs stärker zum Sparen anhalten als man vorher dachte. Selbst notorisch ausgabefreudige Franchises wie die Yankees oder die Dodgers bemühen sich, wenigstens in einzelnen Jahren unter die Schwellwerte der Luxussteuer zu rutschen. Denn bei dauerhafter Überschreitung drohen nicht mehr nur einfache Strafzahlungen sondern diese steigen mit jeder Wiederholung und gehen mit weiteren Nachteilen einher wie späteren Draftpicks oder reduzierten Budgets für internationale Spielerverpflichtungen.

In diesem Jahr scheint es den Vereinen auch deshalb leichter zu fallen, sich mit großzügigen Angeboten zurück zu halten, weil die Free-Agent-Klasse des nächsten Jahres deutlich hochkarätiger zu werden verspricht als die jetzige. Bryce Harper und Manny Machado sind dann zum Beispiel zu haben und möglicherweise auch Clayton Kershaw, der eine Opt-Out-Klausel im Vertrag hat. Selbst die reichen Teams müssen schon jetzt darauf achten, sich den Spielraum gegenüber ihrem Budget und der Luxussteuergrenze zu bewahren, wenn sie 2019 einen dieser Stars abgreifen möchten. Das kann durchaus dazu beitragen, sich dieses Jahr mit größeren Investitionen zurückzuhalten.

Andere Faktoren, über die sich zum Beispiel Spieleragent Scott Boras öffentlich beklagt hat, sind die zunehmenden Neigungen der Teams, sich von Spielern über 30 abzuwenden und stattdessen über längere Zeit Prospects zu tanken. Da mag er nicht ganz falsch liegen. Allerdings kann man wohl kaum dagegen streiken oder protestieren, dass die Teams dazulernen. Langjährige Verträge für Spieler, bei denen kaum absehbar ist, zu welchen Leistungen sie in der zweiten Hälfte des Kontrakts noch fähig sind, haben sich in den letzten Jahren allzu oft als schlechte Idee erwiesen. Und die geduldige Strategie eines Aufbaus durch selbst herangezogene Talente hat sich für Teams wie die Cubs und die Astros ganz offensichtlich bewährt und findet nun entsprechend viele Nachahmer.

Man darf jedenfalls schon jetzt gespannt sein auf die nächste Offseason, denn dann wird sich zeigen, ob sich der Trend zur Zurückhaltung der Klubs auf dem Free-Agent-Markt verfestigt oder ob sich dieses Jahr als ein durch das Aufeinandertreffen einiger Besonderheiten verursachter Ausreißer erweist.

Mets verpflichten Todd Frazier
Wenigstens ein relevanter Free Agent ist diese Woche bei einem Team untergekommen und zwar Third Baseman Todd Frazier bei den New York Mets. Die Verpflichtung passt in jeglicher Hinsicht: Frazier stammt aus New Jersey und war erklärtermaßen daran interessiert, nach seinem letztjährigen Engagement bei den Yankees weiterhin in Heimatnähe zu bleiben. Die Mets hatten dringenden Bedarf im Infield, da die Zukunft des seit zwei Jahren verletzten David Wright mehr als fragwürdig ist und die Allzweckwaffen Asdrubal Cabrera, Wilmer Flores und Jose Reyes auf der Position allesamt überfordert schienen. 2017 brachten die drei es zusammen auf üble -17 DRS auf 3B. Frazier war mit +10 DRS einer der Top-Fielder auf diesem Posten und bringt offensiv (.213/.344/.428) zusätzliche Power ins Lineup, die seinen schwachen Average aufwiegt. Frazier erhält einen Zweijahresvertrag über 17 Millionen Dollar.

Vor ein paar Wochen wäre ich nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dass ich das ein paar Tage vor Beginn des Spring Trainings schreiben kann, aber es ist wahr: Die New York Mets sind eines der aktivsten Teams der Offseason. Das ist angsichts der sparsamen Eigentümer der Franchise eine echte Überraschung. General Manager Sandy Alderson ist es durch gezieltes und geduldiges Handeln gelungen, das Lineup mit verhältnismäßig wenig Geld zu ergänzen und zu verstärken – neben Frazier unterschrieben OF Jay Bruce für 39 Millionen (2 Jahre), IF Jose Reyes für 2,5 Millionen (1 Jahr) und 1B Adrian Gonzalez für 545.000 (1 Jahr). Zudem wurden Schwachstellen im Bullpen durch die Verpflichtung von Anthony Swarzak (14 Millionen, 2 Jahre) und den schon letztes Jahr eingefädelten Trade für A. J. Ramos beseitigt. Wenn jetzt noch ein solider Starter wie Lance Lynn oder Alex Cobb hinzukommt, bin ich von der Offseason der Mets aufrichtig begeistert.

Rangers sichern sich ab mit Colon
Minor-League-Signings lasse ich an dieser Stelle meistens unerwähnt, aber für ihn bin ich zu jeder Ausnahme bereit: Bartolo „Big Sexy“ Colon setzt seine Karriere fort. Der bald 45-jährige Akteur des legendärsten Homeruns aller Zeiten hat zwar kein Team gefunden, dass ihm einen MLB-Vertrag anbietet, aber er konnte einen ordentlichen Minor-League-Vertrag mit den Texas Rangers aushandeln. Colon hatte 2017 ein schwaches Jahr mit 6.48 ERA in 28 Starts für die Atlanta Braves und die Minnesota Twins. Dennoch kann er mit seiner Erfahrung und seinem Durchhaltevermögen sowohl als Mentor wie auch als Absicherung für den Fall von Verletzungen eine wertvolle Rolle spielen. Sein Engagement wird automatisch in einen Einjahresvertrag über 1,75 Millionen Dollar umgewandelt, wenn und sobald er in den 40-Mann-Kader der Rangers berufen wird.

Ein Quarterback für die Yankees
Es muss sehr an Yankees-GM Brian Cashman genagt haben, dass die Mets einen Heisman-Trophy-Gewinner in ihren Reihen haben und er nicht. Die Scharte ist nun ausgewetzt, denn in einem Trade mit den Texas Rangers haben die Yankees sich die Rechte an dem Superbowl-Champion und vierfachen Pro Bowler Russell Wilson gesichert. Warum verpflichtet ein Baseballteam einen Quarterback? Es ist im Endeffekt nicht mehr als ein Marketing-Gag, denn obwohl Wilson in seiner Collegezeit ein brauchbarer Second Baseman war und zwei Spielzeiten in der Organisation der Colorado Rockies verbrachte, strebt er nicht an, eine MLB-Karriere zu verfolgen. Also keine Angst, liebe Seahawks-Fans, Wilson wird weiterhin Football spielen. Seine Rolle bei den Yankees wird sich darauf beschränken, ein, zwei Tage im Spring Training mitzumachen und sich damit einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Carlos Martinez unter Anklage
Unschöne Neuigkeiten von jenseits des Spielfelds gab es diese Woche über Pitcher Carlos Martinez von den St. Louis Cardinals. Gegen Martinez läuft ein Gerichtsverfahren, weil er am 4. Juli 2014 an einer gewalttätigen Auseinandersetzung beteiligt gewesen sein soll. Diese begann wohl in einem Strip-Club und eskalierte dann draußen in einer Schlägerei, bei der Martinez der Anklage zufolge gemeinsam mit anderen einen Mann attackierte. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen, unter anderem eine Rückenfraktur, und klagt nun auf Entschädigungszahlungen. Mit einer Sperre durch die Liga ist nach derzeitigem Stand nicht zu rechnen: erstens weil es sich um einen Zivilprozess handelt, nicht um eine Strafanklage, zweitens weil das verschärfte Vorgehen der MLB gegenüber Vorfällen wie sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt erst nach den hier betroffenen Ereignissen in Kraft getreten ist.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

November 9th, 2017 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr. Bis es im April wieder um Spiele und Ergebnisse geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich hiermit ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Roy Halladay und Daniel Flores sind tot
Einsteigen muss ich leider mit zwei sehr traurigen Meldungen: Roy Halladay, während seiner aktiven Zeit für Philadelphia und Toronto einer der besten Pitcher der MLB, ist im Alter von nur 40 Jahren ums Leben gekommen. Halladay brachte es von 1988 bis 2013 dreimal zum All-Star und gewann je einen Cy-Young-Award in der National und in der American League. Legendär wurde er im Jahr 2010,  als er für die Phillies ein Perfect Game in der regulären Saison und einen No-Hitter in den Playoffs warf. „Doc“ Halladay starb am Dienstag beim Absturz eines von ihm selbst gesteuerten Leichtflugzeuges in den Golf von Mexiko.
Genauso traurig ist die Geschichte von Daniel Flores: Gerade mal 17 Jahre alt wurde der Nachwuchs-Catcher, den die Boston Red Sox erst im Sommer dieses Jahres für einen Signing-Bonus von über drei Millionen Dollar aus seiner Heimat Venezuela geholt hatten. Er schien eine große Zukunft vor sich zu haben, galt als Top-10-Prospect sowohl innerhalb der Franchise als auch unter allen Catchern im US-Baseball. Flores starb laut Meldung der Red Sox an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.

Neue Manager für sechs MLB-Teams
Ein Fünftel der MLB-Teams wird mit einem neuen Manager in die Saison 2018 gehen. Zur Erinnerung: Der Manager ist im Baseball-Sprachgebrauch die Position, die man in anderen Sportarten als Headcoach oder Cheftrainer bezeichnet.
In Detroit hat man sich für einen alten Hasen entschieden in Person von Ron Gardenhire, der von 2002 bis 2014 dreizehn Jahre lang die Minnesota Twins gemanagt hatte. Der 60-Jährige soll mit seiner Erfahrung den dringend nötigen Neuaufbau der Tigers begleiten.
Ebenfalls im Neuaufbau befinden sich die Philadelphia Phillies, die dabei auf ein ganz neues Gesicht setzen: Gabe Kapler verfügt bisher über keine Erfahrung als Manager außer einem kurzfristigen Minor-League-Engagement vor zehn Jahren, nach dem er dann doch noch bis 2011 seine Karriere als Spieler fortsetzen. Als Director of Player Development der Los Angeles Dodgers durfte der 42-Jährige in den vergangenen drei Jahren unter Beweis stellen, dass er ein gutes Händchen in der Entwicklung junger Spieler hat.
Die anderen vier Teams, die sich für einen Wechsel des Managers entschieden haben, streben keinen Neuaufbau sondern zeitnahe Erfolge an. Die Boston Red Sox erhoffen sich diese von Alex Cora, der als Bench Coach in Houston gerade die World Series gewonnen hat. Außer diesem einen Jahr Coaching-Erfahrung ist Cora in dem Metier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt aber als hervorragender Analyst und stand bei mehreren Teams auf der Kandidatenliste als Manager.
Eines dieser Teams waren die New York Mets. Sie haben sich letztlich für Mickey Callaway entschieden, den bisherigen Pitching-Coach der Cleveland Indians. In dieser Rolle hat er fünf Jahre lang sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und sich damit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfohlen. Callaway ist genau wie Kapler und Cora 42 Jahre alt, das scheint dieses Jahr ein beliebtes Einstiegsalter zu sein.
Ein paar Jahre älter, genauer gesagt 53, musste Dave Martinez werden, bevor ihm die Washington Nationals seine erste Chance als Manager auf höchster Ebene anboten. Er bringt zehn Jahre Erfahrung als Bench Coach der Tampa Bay Rays und der Chicago Cubs mit.
Die einzige derzeit noch offene Managerstelle der MLB ist die wohl begehrteste, nämlich die der New York Yankees. Etwas überraschend trennten sich die Yankees nach der Saison von Joe Girardi, der zehn Jahre lang das Zepter in der Hand gehalten und 2009 einen World-Series-Titel geholt hatte. Die Yankees haben gerade erst mit den Bewerbungsgesprächen begonnen; als erster wurde der bisherige Bench Coach Rob Thomson interviewt. Die Kandidatenliste ist noch lang, der prominenteste Name darauf ist jedoch bereits gestrichen: Alex Rodriguez hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse an dem Job hat.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 18 Preisträger gibt es, je einen auf jeder Position in der National League und in der American League. Besonders hervorzuheben sind 3B Nolan Arenado (Rockies), LF Jason Heyward (Cubs) und LF Alex Gordon (Royals), die jeweils schon zum fünften Mal in ihrer Karriere die Ehrung erhalten haben. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2017.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Anfang September bereits abgegeben und anscheinend habe ich zumindest nicht ganz falsch gelegen, denn meine Favoriten sind allesamt noch im Rennen.

Qualifying Offers für neun Spieler
Der wichtigste Teil der Offseason ist die Free Agency, die am Sonntag offiziell begonnen hat. Ihr Startschuss ist gleichzeitig die Deadline für das Einreichen sogenannter Qualifying Offers. Neun Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,4 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die neun Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Stanton, Gordon, Yelich im Ausverkauf?
Trade- und Free-Agent-Gerüchte gibt es in dieser Zeit des Jahres mehr als man erzählen kann. Im Mittelpunkt davon stehen dieses Mal die Miami Marlins, nachdem die neue Owner-Gruppe um Derek Jeter angekündigt hat, einen massiven Umbruch einzuleiten und die Kosten des Kaders deutlich zu reduzieren. RF Giancarlo Stanton, 2B Dee Gordon und CF Christian Yelich sind die drei herausragenden Kandidaten, die gesteigertes Interesse anderer Teams hervorrufen dürften. Das gilt ganz besonders für Stanton, der dieses Jahr die meisten Homeruns (59) erzielt hat seit Barry Bonds 2001 auf dem Höhepunkt der Doping-Ära 73 gelangen. Ihn hätte sicher jeder General Manager gern im Team, allerdings kommt Stanton mit einem dicken Rucksack: Das neue Team müsste den noch bis 2028 laufenden Vertrag übernehmen, der Stanton durchschnittlich 25 Millionen Dollar im Jahr einbringt. So krank es sich anhören mag: 25 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen Superstar sind in der MLB durchaus im normalen Rahmen. Das Problem bei der Sache ist die Verpflichtung, die teure Bezahlung noch elf Jahre aufrecht zu erhalten, ohne zu wissen ob Stanton mit 38 noch fit ist und abliefert. Ich bin relativ sicher, dass die Marlins jemanden finden, der den Vertrag übernimmt. Viel Gegenwert in Form von Prospects werden sie wegen der problematischen Vertragssituation aber nicht erwarten dürfen.

Lackey, Colon, Granderson haben noch lange nicht genug
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als zum Beispiel David Ortiz und Alex Rodriguez ihre Karriere beendeten, hat in der laufenden Offseason noch kein ganz Großer seinen Übergang in den Ruhestand verkündet. Die Pitcher Matt Cain (Giants) und Bronson Arroyo (Reds) sind bislang die namhaftesten Neurentner des Jahres. Drei andere Kandidaten, Pitcher John Lackey (39, Cubs), Pitcher Bartolo Colon (44, Twins) und Outfielder Curtis Granderson (36, Dodgers) haben trotz fortgeschrittenen Alters und auslaufender Verträge bereits angekündigt, dass sie auch nächstes Jahr noch in der MLB zu spielen gedenken. Ich freue mich drauf.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Juli 7th, 2016 by Dominik

Pünktlich zur wöchentlichen MLB-Übersicht hat mit den San Francisco Giants heute zum ersten Mal seit Menschengedenken (O. K., es dürften eher so zehn, elf Wochen gewesen sein) ein anderes Team die beste Winning-Percentage der Liga als die Chicago Cubs.

National League

Zu Ehren des neuen MLB-Spitzenreiters beginne ich den Überblick diese Woche mit der National League West: Die Giants (54-33) führen zwar seit Neuestem die gesamte Liga an, in der eigenen Division ist der Vorsprung aber längst noch nicht komfortabel, denn die Los Angeles Dodgers (48-39) bleiben dran und sind derzeit auch der erste Wild-Card-Kandidat in der NL. Sowohl die Giants als auch die Dodgers profitieren davon, es mit schwachen Divisionsgegnern zu tun zu haben: Die NL West ist die einzige Division der MLB mit drei Teams unter .500 und das zeigt sich auch deutlich an der divisionsinternen 28-15-Bilanz der Giants. Die Dodgers stehen 19-15 innerhalb der NL West und man kann mutmaßen, dass ihr Rückstand auf die Giants hauptsächlich darin wurzelt, dass sie bisher weniger oft gegen ihre Divisionsgegner antreten durften.

Die Chicago Cubs (52-32) liegen mit immer noch 8.5 Siegen Vorsprung auf Platz eins der NL Central, aber mit sechs Niederlagen in den lezten sieben Spielen war es definitiv nicht ihre Woche. Zum Glück für die Cubs haben die St. Louis Cardinals (43-41) daraus wenig Kapital geschlagen. Im Gegenteil haben die Cardinals durch drei Niederlagen gegen die Pittsburgh Pirates (44-41) sogar den zweiten Rang an diese verloren. Die Pirates haben damit schon sieben Spiele in Folge gewonnen und sind plötzlich wieder mitten drin im Rennen zumindest um die Wildcards. Heute Abend werden sie versuchen, den Sweep gegen die Cardinals perfekt zu machen; es wird übrigens das MLB-Debüt des hoch gehandelten Pitching-Prospects Tyler Glasnow.

Die NL East bleibt vom Abstand zwischen den ersten drei Teams her die spannendste NL-Division: Die Washington Nationals (51-35) sind derzeit 4.0 Siege vor den New York Mets (46-38) und 6.5 Siege vor den Miami Marlins (44-41). Die vier Tage bis zum All-Star-Break können sogar noch einen Führungswechsel bringen, für den die Mets die Nationals in der anstehenden Vier-Spiele-Serie im Citi Field sweepen  müssten. Undenkbar ist das nicht, zumal die Mets mit sechs Spielen aus sieben Siegen – darunter bereits ein Vier-Spiele-Sweep gegen die Cubs – momentanen einen guten Lauf haben. Verzichten müssen die Mets allerdings in nächster Zeit auf Matt Harvey, der heute Nacht auf die DL gesetzt wurde mit Verdacht auf Thoracic-Outlet-Syndrom. Man wird es in New York mit gemischten Gefühlen sehen: Einerseits will man einen Pitcher wie Matt Harvey natürlich nicht auf der Verletztenliste sondern im Team haben, andererseits waren seine Leistungen dieses Jahr bisher überraschend unkonstant und vielleicht ist mit der neuen Diagnose nun endlich ein behandelbarer Grund dafür gefunden.

American League

Auch in der American League dürfen wir in der East-Division einen Dreikampf verfolgen. Letzte Woche sah es noch so aus, als könnten die Baltimore Orioles (49-35) etwas Luft zwischen sich und die Verfolger bringen, doch nach einer Serie von fünf Niederlagen und nur zwei Siegen stehen die O’s nur 2.5 Siege vor den Toronto Blue Jays (48-39), die ihrerseits gerade fünf Spiele in Folge gewonnen haben, und 3.0 vor den Boston Red Sox (46-38). Die Red Sox haben sich letzten Samstag einen historischen Aussetzer geleistet, indem sie im heimischen Fenway Park 2:21 gegen die LA Angels untergingen, sind aber ansonsten nach wie vor gut dabei, unter anderem aktuell mit einer gewonnen Serie gegen die Texas Rangers. Und mit den vielen Runs, die sie scoren (bislang 476) haben sie inzwischen sogar die Cubs (441) als offensivstärkstes Team der Liga abgelöst. Momentan würden übrigens beide Wild Cards an die NL East gehen.

Kommen wir zur AL Central und damit zu den Cleveland Indians (51-33), die das Ende ihrer 14-Siege-Serie (dazu später mehr) gut verkraftet und gerade die Serie gegen ihren direkten Verfolger, die Detroit Tigers (45-40) mit 2:1 Spielen für sich entschieden haben. Während Cleveland damit relativ fest im Sattel sitzt, ist auf den Plätzen zwei bis vier in den letzten Wochen sehr viel Bewegung. Die Tigers, für die die beiden Niederlagen gegen die Indians die einzigen in den letzten neun Spielen waren, halten momentan den zweiten Platz knapp vor den Chicago White Sox (44-41). Die Kansas City Royals (43-41) sind derweil durch eine verlorene Serie gegen die Phillies und einen Sweep durch die Blue Jays ein Stück ins Hintertreffen geraten. Längst gelaufen ist die Saison für die Minnesota Twins (29-55), aber nicht für unseren lokalen Helden Max Kepler: Er hat sich offenbar einen Stammplatz erspielt, denn trotz der Rückkehr von Miguel Sano aus der Verletzungspause kommt Kepler nach wie vor fast jeden Tag zum Einsatz. Einen echten Galaauftritt hatte er am Samstag, als er beim 17:5 der Twins gegen die Rangers die Hauptrolle spielte mit zwei Homeruns und sieben RBIs.

In der AL West waren die Texas Rangers (53-33) vor gut einer Woche noch zehn Spiele in Front vor den Houston Astros (46-39). Jetzt sind es plötzlich nur noch 6.5, nachdem die Rangers Serien gegen die Twins und die Red Sox verloren, während die Astros die Seattle Mariners (43-42) gesweept und auf Distanz gehalten haben. Vielleicht wird es doch noch ein spannendes Rennen in dieser Division, die schon längst entschieden schien. In den letzten 30 Spielen waren die Astros mit einer 21-9-Bilanz gemeinsam mit den Indians das erfolgreichste Team der Liga.

Spielzug der Woche

Das Play, über das ich diese Woche am meisten gestaunt habe, war ein Run, den Billy Hamilton im Spiel seiner Cincinnati Reds gegen die Chiacgo Cubs wegen eines passed Balls erzielte. Das wäre an sich kein ungewöhnlicher Vorgang, wenn er es nicht von der zweiten Base getan hätte. Es war zudem auch kein Ball, der irgendwo im nirgendwo gelandet und schwer zu finden gewesen wäre. Aber Catcher David Ross und Pitcher John Lackey ließen es beide gemächlich angehen, offenbar im festen Glauben dass das Vorrücken der Runner um eine Base nicht zu verhindern und mehr nicht zu erwarten ist. Hamilton bewies mit einer perfekten Kombination aus Aufmerksamkeit und Schnelligkeit das Gegenteil und wäre wohl selbst dann zum 1:0 durch gewesen, wenn Ross‘ hastiger Wurf bei Lackey angekommen wäre.

Statistik der Woche

6 for 6, 2 Homeruns. In einem 9-Inning-Spiel sechsmal at bat zu sein und dabei sechs Hits zu erzielen, kommt schon selten genug vor – von 2010 bis 2015 genau zweimal in der gesamten MLB. Noch seltener kommt es vor, dass bei den sechs Hits zwei Homeruns dabei sind – zuletzt gelang das Carlos Pena vor über zwölf Jahren. Aber was bis zum vergangenen Wochenende überhaupt noch nie vorgekommen ist, ist dass zwei Spieler an aufeinanderfolgenden Tagen dieses Kunststück vollbringen. Am Samstag war es zunächst C. J. Cron im Spiel der Los Angeles Angels bei den Boston Red Sox, am Sonntag folgte Wilmer Flores für die New York Mets gegen die Chicago Cubs. Sorry, Rajai Davis, aber dagegen verblasst sogar ein Cycle.

Spiel der Woche

Ein 19-Innings-Marathon ist immer eine so spannende wie langwierige Angelegenheit, aber das Duell zwischen Cleveland und Toronto am vergangenen Freitag war noch ein Stück besonderer, denn es ging nicht um irgendeinen Sieg sondern um den 14. Sieg in Folge und damit um einen neuen Club-Rekord für die Indians. Es war eine epische Schlacht, die auf beiden Seiten von der Defense dominiert wurde. Die einzigen Scores in der regulären Spielzeit kamen im dritten Inning, als Carlos Santana durch einen Single von Jason Kipnis zum 1:0 für Cleveland nach Hause kam, und im sechsten durch einen Homerun von Justin Smoak zum 1:1. Es folgten zwölf scorelose Innings hintereinander, eine großartige Leistung nicht nur beider Bullpens sondern auch von 2B Ryan Goins, den die Blue Jays in Ermangelung weiterer Pitcher im 18. Inning auf den Mound schickten. Goins lud sich zwar die Bases voll, entkam aber ungeschoren. Erst gegen Darwin Barney, den zweiten pitchenden Position Player, gelang den Indians der Score zum 2:1-Sieg durch einen Homerun von Santana. Es war der einzige Run, den Barney in seinem Inning auf dem Mound zuließ. Die Indians wählten einen anderen Ansatz als die Blue Jays, indem sie für die letzten fünf Innings Trevor Bauer pitchen ließen. Das zeigt, wie sehr sie diesen Sieg wollten. Das Spiel dauerte übrigens 6 Stunden und 13 Minuten. Die Indians haben sich damit ihre Rekordserie geholt, am Tag danach endete diese aber mit einem 6:9 gegen die Blue Jays.

Spiel der kommenden Woche

Was reguläre MLB-Spiele angeht, wird es eine kurze Woche, denn es wird nur noch bis Sonntag gespielt und dann sind vier Tage Pause, der sogenannte All-Star-Break, während dem am Dienstag das All-Star-Game stattfindet. Das interessanteste Spiel der nächsten Tage wird, wenn alles läuft wie erwartet, mal wieder ein Leckerbissen für Freunde des gepflegten Pitchings: Die Washington Nationals und die New York Mets treffen in einer Vier-Spiele-Serie aufeinander und am Freitag (nach unserer Zeit Samstagmorgen um 1:10 Uhr) werden sich voraussichtlich mit Stephen Strasburg (2.71 ERA, 2.91 FIP) und Noah Syndergaard (2.41 ERA, 1.89 FIP) zwei echte Asse auf dem Mound abwechseln, die sich übrigens beide Hoffnung auf die Ehre machen, im All-Star-Game zu starten.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , ,