Februar 15th, 2018 by Dominik

Man ist ja in dieser Offseason schon dankbar, wenn es wenigstens eine nennenswerte Free-Agent-Verpflichtung pro Woche gibt. Wenn dieses Tempo anhält, sind allerdings bis nächstes Jahr um diese Zeit immer noch nicht alle Free Agents des laufenden Jahres unter Vertrag. Bei jedem größeren Abschluss hofft man, dass er die Initialzündung darstellt, nach der die Dominosteine zu purzeln beginnen, doch auch die Unterschrift von Yu Darvish bei den Chicago Cubs hat bislang keinen solchen Effekt ausgelöst. Inzwischen haben alle Teams offiziell das Spring Training aufgenommen. Ein Teil der verbleibenden Free Agents hat ebenfalls ein Camp eröffnet, aus dem seltsamerweise eine Art Staatsgeheimnis gemacht wird.

Darvish zu den Cubs
Vielen galt er als bester Free Agent des Jahres, doch Yu Darvish musste lange warten auf seinen großen Zahltag. Das Warten hat sich gelohnt, denn mit sechs Jahren für 126 bis 150 Millionen Dollar ist Darvishs Vertrag bei den Chicago Cubs sowohl von der Laufzeit als auch von der Bezahlung her der einträglichste, der in dieser Offseason geschlossen wurde. Er bewegt sich in der Größenordnung, die von den Experten allgemein erwartet wurde, wobei ich sagen muss, dass ich nach den Erfahrungen der letzten zwei, drei Monate nicht mehr mit so einem großen Vertrag gerechnet hatte. Vom Jahresgehalt her erscheint er mir angemessen, doch die lange Laufzeit für einen Spieler über 30 birgt ein hohes Risiko, dass der Klub die eingegangene Verpflichutng irgendwann bereut.

Durch die Ankunft von Darvish dürfte gleichzeitig besiegelt sein, dass Jake Arrieta keine Zukunft mehr in Chicago hat. Der ebenfalls 31-jährige Free Agent, der in viereinhalb Jahren bei den Cubs seinen Lebenslauf um einen Cy-Young-Award, zwei No-Hitter und eine gewonnene World Series bereicherte, ist nun das einzige auf dem Markt verbliebene unumstrittene Ass. Ein Team, bei dem er möglicherweise landen könnte, sind die Milwaukee Brewers. Die Brewers waren in dieser Offseason bereits recht aktiv, mindestens ein etablierter Starter soll aber noch geholt werden. Wenn es Arrieta wird, dürfte das die Rivalität zwischen den Cubs und den Brewers im Kampf um die NL Central noch ein ganzes Stück anheizen.

Romo bleibt in Tampa Bay
Für verhältnismäßig kleines Geld bleibt Sergio Romo bei den Tampa Bay Rays. Der 34-jährige Reliever erhält 2,5 Millionen Dollar für einen Einjahresvertrag. Wenn er die Leistungen konserviert, die er in Tampa Bay bislang gebracht hat, haben die Rays ein echtes Schnäppchen gemacht: Mit 1.47 ERA (2.96 FIP) hat Romo in den 25 Spielen seit der Aufnahme im Juli letzten Jahres ein komplett anderes Gesicht gezeigt als zuvor bei den Los Angeles Dodgers (6.12 ERA, 5.76 FIP in 30 Spielen).

Cardinals holen Norris
Auch die Cardinals sichern sich einen günstigen Pitcher. Für 3 Millionen Dollar spielt dieses Jahr Bud Norris in St. Louis. Neben einem extrem coolen Namen (als Kind der 80er denke ich bei ihm immer an eine Mischung aus Bud Spencer und Chuck Norris) bringt der 32-Jährige vor allem Flexibilität mit: Norris ist in seiner neun Jahre langen MLB-Karriere als Starter, als Reliever und zuletzt bei den Angels als Closer aufgetreten und hat in jeder dieser Rollen zwar selten überragende, aber fast immer solide Leistungen gebracht.

Dodgers verlängern mit Utley
Ich versuche zwar immer, beim Verfassen dieses Blogs ein Stück weit journalistische Seriosität und Objektivität walten zu lassen, aber ich bin natürlich auch ein Fan mit Gefühlen und die kann und will ich nicht ganz aus dem Spiel lassen. Einem Chase Utley werde ich wohl nie neutral gegenüber stehen können, denn über seinen 15 erfolgreichen Jahren in der MLB liegt für mich immer der Schatten des brutalen Fouls, mit dem er in der NLDS 2015 dem Shortstop meines Lieblingsteams das Bein gebrochen hat. Utley ist inzwischen 39 und ich wünsche mir, dass er endlich seine Karriere beendet. Natürlich tut er mir den Gefallen nicht, stattdessen bekommt er zwei Millionen Dollar von den Los Angeles Dodgers für zwei weitere Jahre. Mit bislang 1850 Hits und 199 Hit-by-Pitches ist Utley auf dem Weg, der vierte Spieler in der MLB-Historie zu werden, der es auf mehr als 2000 Hits und 200 Hit-by-Pitches bringt. Ich sage hier lieber nichts dazu, für welche der beiden Kategorien ich ihm mehr „Erfolg“ wünsche…

Catcher Stewart zu den Braves
Noch eine Free-Agent-Verpflichtung der kleineren Sorte: Catcher Chris Stewart, zuletzt bei den Pirates, erhält bei den Atlanta Braves einen Einjahresvertrag. Es ist ein Major-League-Vertrag, der mit 575.000 Dollar knapp über dem Mindestgehalt liegt. Der 36-Jährige hat seine Stärken vor allem in der Defense und wird hinter Tyler Flowers und Kurt Suzuki die Nummer drei hinter der Platte sein, in erster Linie als Absicherung gegen eine Verletzung der anderen beiden.

Keine Medien im Camp der Free Agents
Die MLBPA hat ihren Ankündigungen Taten folgen lassen und ein Spring-Trainig-Camp für Free Agents organisiert. Die sportliche Leitung des Camps in Bradenton, Florida, hat der frühere Astros-Manager Bo Porter übernommen. Angesichts von immer noch Dutzenden MLB-erprobter Spieler, die nach wie vor ohne Vertrag für die neue Saison sind, ist das sicher ein sinnvoller Schritt, um zu verhindern, dass diese Spieler vom Trainingsstand ins Hintertreffen geraten und es noch schwerer haben, bis Saisonbeginn einen Verein zu finden. Was sich mir vom Sinn her bislang nicht erschließt, ist die Geheimniskrämerei um das Free-Agent-Camp: Die Spielergewerkschaft lässt bislang keinerlei Medienberichterstattung aus dem Camp zu. Statt auf ihre Anliegen aufmerksam und für eine Verpflichtung Werbung zu machen, verschanzen sich die Spieler – man weiß noch nicht mal, wer überhaupt dabei ist – hinter geschlossenen Toren und MLBPA-Chef Tony Clark verweigert dazu jeden Kommentar.

Sicher ist lediglich, dass die Schützlinge der Agentur von Scott Boras – darunter Jake Arrieta, Eric Hosmer, J. D. Martinez, Mike Moustakas, Greg Holland, Carlos Gonzalez und Carlos Gomez – sich nicht an dem Camp beteiligen. Um sie muss man sich wohl auch die geringsten Sorgen machen, denn von Boras ist die Verhandlungstaktik, die Klubs bis zu einer Unterschrift lange hinzuhalten, seit Jahren bekannt.

Nachrichten aus dem Drogensumpf
Eine ganze Reihe beunruhigender Neuigkeiten gab es diese Woche aus dem Bereich Doping und Drogenmissbrauch. Vier Minor-Leaguer wurden positiv auf Drogenkonsum getestet und gesperrt: Catcher Nick Ciuffo (Rays), Pitcher Alex Cunningham (Padres) und Second Baseman Mitchell Tolman (Pirates) müssen für jeweils 50 Spiele aussetzen, Pitcher Steve Geltz (Phillies) sogar für 100 Spiele, weil er sich schon zum dritten Mal hat erwischen lassen. Während der Sperren ruht logischerweise auch die Bezahlung.

Mit schlimmeren Konsequenzen muss der ehemalige All-Star-Pitcher Esteban Loaiza rechnen. Bei ihm wurden während einer Verkehrskontrolle nahe der mexikanischen Grenze bei San Diego 20 Kilo Kokain im Wert von rund 500.000 Dollar gefunden. Der 46-Jährige, der in 14 MLB-Saisons über 43 Millionen Dollar verdient hat, bleibt vorerst in Untersuchungshaft, weil er die geforderten 200.000 Dollar Kaution nicht bezahlen kann. Wenn sich die Anschuldigungen bestätigen, wird er ohnehin für längere Zeit einsitzen.

Zu unguter Letzt braut sich ein neuer Dopingskandal zusammen, nachdem ein Ex-Mitarbeiter der Spieleragentur ACES, Juan Carlos Nuñez, seine früheren Arbeitgeber verklagt hat. Nuñez selbst hat bereits eine Haftstrafe hinter sich, weil er Teil des Biogenesis-Skandals im Jahr 2013 war – der prominenteste enttarnte Doping-Konsument war damals Alex Rodriguez, der für ein Jahr gesperrt wurde. Nuñez wirft nun seinen ehemaligen Chefs Seth und Sam Levinson vor, vom Gebrauch leistungsfördernder Substanzen durch ihre Klienten gewusst und diese dabei unterstützt zu haben. In der Anklage geht es um fünf bis sechs Jahre alte Fälle, namentlich genannt werden Melky Cabrera, Fernando Rodney und Nelson Cruz. Sollte sich bewahrheiten, dass die Chefs von ACES eine aktive Rolle in der Geschichte gespielt haben, könnte diese schnell weitere und aktuellere Kreise ziehen, denn ACES vertritt nach wie vor zahlreiche prominente Spieler.

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Januar 18th, 2018 by Dominik

Kleinvieh macht auch Mist. So könnte man die vergangene MLB-Woche beschreiben, in der es zwar einige interessante Neuigkeiten gab, aber immer noch Stillstand herrschte in Bezug auf „große“ Trades oder Free-Agent-Verpflichtungen. Das letzte Woche an dieser Stelle vorgestellte All-Free-Agent-Team musste seitdem nur Reliever Addison Reed abgeben, 13 Mitglieder meiner gut zwei Monate alten Top-20-Liste sind nach wie vor zu haben. Erklärungsansätze für die extrem zurückhaltende Free Agency dieses Jahres gibt es einige. Am einleuchtendsten erscheint mir die Vermutung, die Klubs gelangten zunehmend zu der Ansicht, dass Free Agents eine schlechte Investition sind: Die Kosten für sie sind im Vergleich mit selbst entwickelten oder ertradeten Spielern in ihren ersten sechs MLB-Jahren unverhältnismäßig hoch und die verlangten Vertragslaufzeiten bergen große Risiken, weil die Gehälter garantiert sind und man bei verletzungs- oder altersbedingtem Leistungsabfall mitunter jahrelang auf Zahlungsverpflichtungen ohne Gegenwert sitzen bleibt. Was an dieser Diagnose dran ist, wird sich im Laufe der nächsten Jahre zeigen. Wenn sie stimmt, dürfte sich der Trend zur Zurückhaltung der Vereine fortsetzen und/oder die von den Free Agents erzielten Gehälter und Laufzeiten dürften deutlich zurückgehen.

Pirates traden McCutchen und Cole, behalten Rivero
Das mit Abstand aktivste Front Office war diese Woche das der Pittsburgh Pirates. Die Pirates haben die Weichen klar in Richtung Rebuilding gestellt. Zuerst tradeten sie SP Gerrit Cole zu den Houston Astros. Die Astros werten damit ihre Rotation deutlich auf, während die Pirates mit SP Joe Musgrove, 3B Colin Moran, RP Michael Feliz und OF Jason Martin ihren Kader verjüngern und verbreitern.

Als nächstes wurde OF Andrew McCutchen, dessen Vertrag Ende des Jahres ausläuft, nach San Francisco geschickt. Damit arbeiten die Giants – wenngleich nur kurzfristig – an ihren Problemen im Outfield und bieten ihren Fans nach Evan Longoria nun mit McCutchen schon den zweiten Spieler, der bei seinem bisherigen Team absoluter Publikumsliebling war. Die Gegenleistung für die Pirates sind weitere Zukunftshoffnungen in Form des jungen RP Kyle Crick und OF-Prospect Bryan Reynolds sowie 500.000 Dollar aus dem Pool für internationale Spielerverpflichtungen.

Als weiterer Veteran, von dem man sich trennt, könnte sich in den kommenden Tagen noch 2B Josh Harrison zu Cole und McCutchen gesellen. Mit den Mets gab es wohl schon intensive Trade-Gespräche bezüglich Harrison, die bislang aber ohne Ergebnis blieben. Als festen Teil ihrer Zukunft betrachten die Pirates hingegen ihren Closer Felipe Rivero. Der 26-Jährige wurde mit einem Vierjahresvertrag im Wert von 22 Millionen Dollar ausgestattet.

Brad Hand
Ähnlich wie die Pirates mit Rivero haben auch die San Diego Padres mit Brad Hand einen relativ jungen Closer, den sie als eines der Kernstücke zukünftiger Erfolge sehen und dem sie deshalb eine hochdotierte Vertragsverlängerung zukommen lassen: 19,75 Millionen Dollar ist Hand den Padres für die nächsten drei Jahre wert, zudem haben sie die Option auf ein viertes Jahr.

Addison Reed zu den Twins
Der relevanteste Free Agent, der in den letzten Tagen ein neues Team fand, ist RP Addison Reed. Für 16,75 Millionen Dollar spielt Reed die nächsten zwei Jahre in Minnesota. Das wirft die spannende Frage auf, wer für die Twins nächstes Jahr closen wird: Der vor wenigen Wochen verpflichtete Fernando Rodney (4.23 ERA, 3.03 FIP) soll diese Rolle erklärtermaßen einnehmen, doch Rodney ist bei Saisonstart 41 Jahre alt, bringt eine Verletzungsgeschichte und eine Reihe schwacher Auftritte in der Dominikanischen Winter League mit sich. Reed (2.84 ERA, 4.60 FIP) ist 29, als wenig verletzungsanfällig bekannt, hat sowohl von der Laufzeit als auch vom Gehalt her den besseren Vertrag bekommen und vor allem bin ich vermutlich nicht der einzige, der ihn schlichtweg für den besseren Pitcher hält.

Kendrick, Granderson und Gonzalez wollen’s noch mal wissen
Drei ältere Free Agents haben neue Verträge unterschrieben und möchten beweisen, dass sie noch nicht zum alten Eisen gehören. OF Curtis Granderson (bei Saisonstart 37) und 1B Adrian Gonzalez (35) konnten letztes Jahr bei den Los Angeles Dodgers nicht das Leistungsniveau halten, das man früher von ihnen gewohnt war. Beide wurden deswegen von den Dodgers nicht in den Playoff-Kader aufgenommen. Für 5 Millionen Dollar erhält Granderson dieses Jahr eine neue Chance bei den Toronto Blue Jays. Das dürfte gut investiertes Geld sein, denn selbst wenn Granderson leistungsmäßig nicht die Kurve bekommen sollte, so ist er zumindest als äußerst sympathischer Führungsspieler bekannt, dessen Anwesenheit sich positiv auf die Stimmung im Clubhouse und auf die Entwicklung der jungen Spieler auswirken wird. Auch Gonzalez wird nicht nur auf dem Platz, sondern ebenfalls als Mentor gefragt sein: Bei den New York Mets soll er dem jungen 1B Dominic Smith Zeit und Rat bei dessen Entwicklung verschaffen.

Unter etwas anderen Vorzeichen steht die Verpflichtung von OF Howie Kendrick (34) bei den Washington Nationals: Kendrick erwies sich 2017 als Spätentwickler und hatte mit .844 OPS und 1.6 fWAR sein bislang bestes Jahr in der MLB. Für die Nationals, die Kendrick zur Trade Deadline von den Philadelphia Phillies geholt hatten, war das Grund genug, ihn nun mit einem Zweijahresvertrag über 7 Millionen Dollar auszustatten.

Arbitration-Rekorde von Donaldson und Bryant
Von Ende Januar bis Mitte Februar stehen die Arbitration Hearings an, also die Schlichtungsrunden zur Festlegung der Gehälter von Spielern im vierten bis sechsten MLB-Jahr. In den Wochen davor suchen und finden die Klubs mit vielen der betroffenen Spieler Einigungen, um das Schlichtungsverfahren zu vermeiden. Das ist wenig spektakulär, da schon vorher feststeht, dass die betreffenden Spieler ihrem bisherigen Team erhalten bleiben und es meist um (im Vergleich mit guten Free Agents) relativ moderate Summen geht. Deswegen berichte ich hier auch in der Regel nicht über Arbitration-Einigungen. Aber keine Regel ohne Ausnahme, zwei der diesjährigen Fälle möchte ich doch erwähnen: 3B Josh Donaldson einigte sich mit den Toronto Blue Jays auf ein Gehalt von 23 Millionen Dollar, das ist ein neuer Rekord für einen Einjahresvertrag mit einem Spieler in der Arbitration-Phase. Dagegen nehmen sich die 10,85 Millionen, die 3B Khris Bryant von den Chicago Cubs erhält, fast bescheiden aus, doch auch das ist ein Rekord und zwar als höchste Summe, die je einem Spieler in seinem ersten Jahr der Arbitration-Phase gezahlt wurde.

Manfred will die Pitch-Clock
Um die mögliche Einführung einer Pitch-Clock (ich war hier schon mal darauf eingegangen) ist es in den letzten zwei Monaten relativ ruhig geblieben, doch es scheint nach wie vor wahrscheinlich, dass diese fundamentale Neuerung schon zur bevorstehenden Saison eingeführt wird. MLB-Commissioner Rob Manfred hatte die Pitch-Clock schon letztes Jahr vorgeschlagen, ebenso wie eine Begrenzung von Besprechungen auf dem Mound. Die Spieler, vertreten durch die Spielergewerkschaft MLBPA, waren dagegen, doch die Statuten der MLB erlauben Manfred, Regeländerungen auf eigene Faust durchzuführen, wenn über sie innerhalb eines Jahres keine Einigung erzielt wurde. Die MLBPA scheint derzeit die Strategie zu verfolgen, genau dies zu provozieren: eine einseitige Regeländerung durch die Ligaführung, für die diese dann auch alleine gerade stehen und etwaige Kritik einstecken muss. Darauf jedenfalls deutet hin, dass die MLBPA sich, soweit öffentlich wahrnehmbar, zu diesem Thema stark zurückhält. Natürlich kann das auch nur Verhandlungstaktik sein. Ich hoffe, dass es das ist, denn in meinen Augen sollte die MLBPA lieber versuchen, die wohl unvermeidliche Neuregelung mitzugestalten und zum Beispiel auf ein Limit von 25 statt 20 Sekunden pro Pitch hinzuwirken statt dass man die Hände in den Schoß legt, um anschließend mit dem Finger auf Manfred zu zeigen und doch nichts zu verändern.

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Januar 13th, 2018 by Dominik

Im Offseason-Wunschkonzert dieses Blogs drehte sich gleich der erste, von Phillies geäußerte Wunsch um die Frage, welche Arten von Transaktionen es in der MLB gibt. Euer Wunsch ist mir Befehl und deswegen gibt es heute mal eine hoffentlich einigermaßen vollständige Übersicht über die verschiedenen Arten, auf die MLB-Teams Spieler verpflichten, entlassen oder transferieren können:

1. Wie man Spieler bekommt

Die Draft
Der klassische Weg in die MLB führt über die First-Year-Player-Draft, der Kürze halber meist nur Draft genannt. Es handelt sich dabei um ein Auswahlsystem, wie es in allen großen US-Sportarten in ähnlicher Form existiert. Der Hauptzweck der Draft besteht darin, den Übergang vom College in den Profisport möglichst gerecht zu gestalten – gerecht in dem Sinne, dass die besten Nachwuchsspieler nicht automatisch alle bei den Teams landen, die das meiste Geld oder den schönsten Strand anzubieten haben.

Die Draft funktioniert so, dass das schwächste Team der Vorsaison – gemessen an Siegen und Niederlagen – das erste Recht hat, einen Spieler auszuwählen. Anschließend ist das zweitschwächste Team dran und so weiter bis hin zu dem Team, das im letzten Jahr die meisten Siege hatte. Danach geht das Ganze von vorne los, insgesamt 40 Runden lang. Die Draftreihenfolge ist nicht in Stein gemeißelt, denn es gibt diverse Regeln, aufgrund derer die Liga den Teams zusätzliche Picks – sogenannte Compensatory Picks – zuerkennt oder als Strafe bzw. Vorteilsausgleich aberkennt. Diese Möglichkeiten vollständig darzustellen, würde hier zu weit führen, aber ich mache das gern mal in einem eigenständigen Artikel.

Welche Spieler bei einer Draft gewählt werden dürfen, ist klar definiert:

  • Man muss Einwohner oder Absolvent des Bildungssystems der USA, Kanadas oder eines US-Territoriums (z. B. Puerto Rico) sein.
  • Man darf noch nie einen MLB- oder Minor-League-Vertrag unterschrieben haben.
  • Man muss die High School abgeschlossen und entweder kein College besucht haben
  • oder ein Junior- oder Community College besuchen
  • oder drei Jahre eines regulären Colleges absolviert haben
  • oder das 21. Lebensjahr vollendet haben.
  • Wenn man gedraftet wurde, ist man keinesfalls verpflichtet, bei dem jeweiligen Team einen Vertrag zu unterschreiben – man darf aber bei keinem anderen Team unterschreiben. Das draftende Team hat nach der Draft rund sechs Wochen Zeit, sich mit dem Spieler auf einen Vertrag zu einigen. Gelingt dies nicht, so kann der Spieler ein Jahr später bei der nächsten Draft von einem anderen Team gewählt werden, sofern er nach wie vor die obigen Voraussetzungen erfüllt, also nicht z. B. ein frisches Collegestudium aufgenommen hat.

    Bei der Gestaltung der Verträge mit ihren gedrafteten Spielern müssen die Klubs eine Grenze, den sogenannten Bonuspool, einhalten. Dieser ist für jedes Team unterschiedlich hoch und bemisst sich an der Draftposition, der Anzahl an Draftpicks und der Summe, die im Vorjahr für gedraftete Spieler ausgegeben wurde. Die Bonuspools der Teams lagen 2017 zwischen 2,1 und 14,2 Millionen Dollar. Von diesem Geld erhält man in aller Regel als Erst- oder Zweitrundenpick für seine Unterschrift eine siebenstellige Summe, für spätere Picks werden die Summen logischerweise immer kleiner. Insbesondere für Spieler, die direkt nach der High School in einer späten Runde gedraftet werden, kann es sich durchaus lohnen, auf den Spatz in der Hand zu verzichten, um nach ein paar Jahren sportlicher und menschlicher Weiterentwicklung im College deutlich höher gedraftet zu werden.

    In fast jedem Fall – und anders als in den meisten anderen US-Sportarten – ist der Weg von der Draft bis zum ersten MLB-Spiel sehr lang und selbst ein sehr hoher Pick ist längst keine Garantie für eine Major-League-Karriere. Rund drei Viertel der Erstrundenpicks aus dem College und nur gut die Hälfte der Erstrundenpicks aus der High School schaffen es irgendwann in die MLB. Schon ab der dritten Draftrunde liegt die Wahrscheinlichkeit, den betreffenden Spieler eines Tages in der MLB zu sehen, deutlich unter 50%.

    Die Rule-5-Draft
    Die zweite, weit weniger bekannte und auch weniger wichtige Draft der MLB ist die Rule-5-Draft. Sie findet jährlich während der MLB Winter Meetings Mitte Dezember statt, also mit ziemlich genau einem halben Jahr Abstand zur „normalen“ Draft.

    Der Zweck der Rule-5-Draft besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten, ohne sie einzusetzen. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Kaders ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

    Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft jährlich zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen.

    Die Free Agency
    Die Free Agency ist die einfachste Art, sein Team durch die Verpflichtung eines erfahrenen Spielers zu verstärken – vorausgesetzt, man kann es sich leisten. Free-Agent-Verträge werden frei zwischen Teams und Spielern ausgehandelt. Na gut, fast frei, denn natürlich unterliegen sie den gültigen Regeln und Rahmenvereinbarungen der MLB und der Spielergewerkschaft MLBPA, die zum Beispiel einen Mindestlohn (dieses Jahr 545.000 Dollar) festlegen.

    Zum Free Agent kann man auf unterschiedliche Weise werden. Die übliche und häufigste Situation ist, dass der Vertrag eines Spielers ausläuft, nachdem er sechs Jahre lang in der MLB gespielt hat. Zur Erinnerung: In den ersten drei Jahren muss der Spieler das Gehalt akzeptieren, das das Team ihm gibt, meistens das Mindestgehalt der MLB. In seinem vierten bis sechsten Jahr, der sogenannten Arbitration-Phase, bleibt er an sein Team gebunden, aber das Gehalt wird in einem Schiedsverfahren (der Arbitration) ausgehandelt. Nach dem sechsten Jahr kann der Spieler den Vertrag mit einem beliebigen Team frei verhandeln, er ist also ein Free Agent. Die Teams sind nicht verpflichtet, in der Arbitration-Phase ein Angebot vorzulegen – wenn sie darauf verzichten, wird der Spieler vorzeitig zum Free Agent, das nennt man dann einen Non-Tender-Free-Agent.

    Zum Free Agent wird man auch, wenn man von seinem bisherigen Team aus einem laufenden Vertrag entlassen (auf Englisch: released) wird. Spieler, denen das passiert, werden oft zum Schnäppchen für ein neues Team, weil das bisherige ihnen noch das Gehalt aus dem alten Vertrag zahlen muss – mehr dazu weiter unten in diesem Artikel.

    Außerdem ist man auch dann ein Free Agent, wenn man einmal für die Draft qualifiziert war (und es nach wie vor wäre, also z. B. kein Collegestudium aufgenommen hat) und nicht gedraftet wurde. Angesichts von jährlich 40 Draftrunden kommt es in der MLB selten vor, dass sich ein ungedrafteter Spieler zum Star entwickelt, viel seltener jedenfalls als beispielsweise in der NFL mit nur sieben Draftrunden. Aber es gibt solche Fälle, allen voran Hall-of-Fame-Closer Bruce Sutter und die Outfielder Bobby Bonilla und Larry Walker.

    Der Waiver-Claim
    Wenn ein Spieler auf dem Waiver landet – auch dazu später mehr -, dann kann jedes Team seinen Anspruch auf den Spieler anmelden, einen sogenannten Waiver-Claim. Wenn es mehrere Claims für einen Spieler gibt, so wird der Claim des Teams mit der aktuell schlechtesten Bilanz bevorzugt (im ersten Monat der Saison geht es nach der Bilanz des Vorjahres). Nach einem erfolgreichen Claim durch ein anderes Team hat das aktuelle Team des Spielers drei Möglichkeiten, wie es damit umgeht:

  • Es kann sich innerhalb von zwei Werktagen mit dem anfordernden Team auf einen Trade einigen.
  • Es kann den Waiver-Move zurückziehen, das heißt der Spieler bleibt im Kader und alles ist wie vorher.
  • Es kann entscheiden, gar nichts zu tun. In dem Fall darf das andere Team den Spieler in seinen Kader aufnehmen. Das neue Team bezahlt dem bisherigen eine Gebühr von 50.000 Dollar und übernimmt den bestehenden Vertrag des Spielers.
  • Die internationale Free Agency
    Für internationale Spieler – also alle von außerhalb den USA, Kanada oder den US-Territorien – gelten beim Einstieg in die MLB oder die Minor Leagues spezielle Regeln. Diese Spieler werden nicht gedraftet, sondern verhandeln direkt mit den MLB-Klubs. Die Art und das finanzielle Volumen des Vertrages, den man mit einem internationalen Spieler abschließen darf, hängen von dessen Alter und Erfahrung ab. Wenn ein Spieler mindestens 25 Jahre alt ist und mindestens sechs Jahre lang in einer professionellen Liga gespielt hat – als solche gelten beispielsweise die in Kuba, Korea und Japan -, dann gilt er als Free Agent und die Teams unterliegen bei der Vertragsgestaltung keinen besonderen Einschränkungen.

    Das internationale Prospect-Signing
    Für alle Spieler, die nicht die genannten Voraussetzungen erfüllen, gilt das System der internationalen Bonuspools. Ähnlich wie für die Verpflichtung von Draftpicks steht auch für die Verpflichtung von internationalen Rookies jedem Team eine bestimmte Summe zur Verfügung, die es insgesamt für solche Spieler ausgeben darf. Der Bonuspool liegt in der Regel bei 4,75 Millionen Dollar pro Jahr und kann sich aufgrund verschiedener Ausgleichsregelungen nach oben oder unten verändern. Aus diesem Pool können die Teams internationalen Prospects Zahlungen zur Vertragsunterschrift anbieten. Der Vertrag selbst ist zwangsläufig ein Minor-League-Vertrag – also im wesentlichen der gleiche Vertrag, den ein gedrafteter Rookie erhält: Man bekommt drei Jahre lang das Mindestgehalt und anschließend drei weitere Jahre lang eine über das Arbitration-Verfahren ausgehandelte Summe, bevor man als Free Agent einen „großen“ Vertrag anstreben kann.

    Dieses System für internationale Prospect-Verpflichtungen war in der aktuellen Offseason zweimal ein großes Thema. Der eine Fall war der Wechsel des japanischen Top-Talents Shohei Ohtani zu den Los Angeles Angels. Die Teams lieferten sich vorher ein Wettbieten, bei dem es aber systembedingt nicht um das Gehalt gehen konnte, sondern „nur“ um den zu zahlenden Signing-Bonus. Da mit den Kapazitäten der internationalen Bonuspools gehandelt werden darf, engagierten sich einige Teams – allen voran die Seattle Mariners – sehr stark, um den eigenen Bonuspool aufzurüsten und Ohtani ein besseres Angebot machen zu könnnen. Am Ende unterschrieb er bei den Angels für einen Signing-Bonus von 2,315 Millionen Dollar. Das ist eine Menge Geld, aber nur ein Bruchteil dessen, was Ohtani hätte verlangen können, wenn er bereits die Voraussetzungen eines internationalen Free Agents erfüllt hätte.

    Der zweite Fall war der aufgedeckte Betrug des früheren General Managers der Atlanta Braves, John Coppolella. Die Braves hatten unter seiner Regie systematisch die Bonuspool-Regeln umgangen, indem sie internationalen Prospect-Verpflichtungen versteckte Zahlungen zukommen ließen. Nachdem die Sache aufgeflogen war, mussten die Braves 13 Prospects aus den Verträgen entlassen und Coppolella wurde von der Liga lebenslang gesperrt.

    2. Wie man Spieler los wird

    Der Waiver
    Wenn man einen Spieler loswerden möchte, dann kann man ihn auf den Waiver setzen. Das ist eine Art Angebotsliste, auf der die anderen Klubs sich informieren können, welche Spieler unter bestimmten Bedingungen zu haben sind. Für Außenstehende ist der Inhalt des Waivers geheim, wenngleich die Informationen oft an die Medien durchsickern. Der Waiver existiert das ganze Jahr über, besondere Relevanz hat er aber zwischen dem 31. Juli und dem Ende der MLB-Saison, denn in dieser Phase ist der Waiver der einzige Weg, auf dem ein Spieler das Team wechseln kann.

    Für Spieler auf dem Waiver kann von jedem Team ein Waiver-Claim eingereicht werden wie weiter oben unter der entsprechenden Überschrift erläutert. Dort habe ich auch beschrieben, welche Möglichkeiten das bisherige Team hat, wenn ein Waiver-Claim eingereicht wird. Diese Möglichkeiten hat es pro Spieler und Jahr allerdings nur einmal. Das heißt wenn ein Spieler zum zweiten Mal im Jahr auf den Waiver gesetzt wird, dann kann er von einem berechtigten Team quasi zum Nulltarif aufgenommen werden, für das alte Team gibt es dann kein Zurück mehr.

    Wenn für einen Spieler auf dem Waiver innerhalb von drei Werktagen kein Claim eingeht (auf Englisch heißt das, er „cleared waivers“), dann kann er von seinem aktuellen Team in die Minor-League beordert, frei zu einem beliebigen anderen Team getradet oder schlichtweg entlassen werden.

    Versetzung in die Minor League
    Will man einen Spieler nicht unbedingt komplett loswerden, sondern nur eine Weile parken, damit er sich weiterentwickeln oder zu sich selbst finden kann, empfiehlt sich eine Versetzung in die Farm, also in eines der Minor-League-Teams der Franchise. Das geht sehr einfach, solange der Spieler sich in einem Optionsjahr befindet. Üblicherweise (ja, auch hier gibt es wieder Ausnahmen, die zu weit führen würden) hat ein Spieler, der im 40-Mann-Kader – also dem erweiterten MLB-Kader – seines Teams steht, drei solcher Optionsjahre. Ein Optionsjahr gilt als verbraucht, sobald der Spieler in dem Jahr 20 oder mehr Tage in den Minor Leagues verbracht hat.

    Über einen Spieler, der die Optionsjahre hinter sich hat, sagt man, er sei „out of options“. Diese gängige Formulierung führt häufig zu dem Missverständnis, dass es eine begrenzte Anzahl möglicher Versetzungen zwischen Major- und Minor-Leagues gibt. Das ist aber nicht so, innerhalb der Optionsjahre kann ein Spieler beliebig oft hin und her beordert werden. Nach dem Aufbrauchen der Optionsjahre ist die Sache nicht mehr ganz so einfach: Um einen MLB-Spieler außerhalb der Optionsjahre in die Minor League zu schicken, muss dieser zunächst auf den Waiver gesetzt werden, man riskiert also den Spieler zu verlieren. Erst wenn er den Waiver ungeclaimt „gecleart“ hat, kann man ihn, auch gegen seinen Willen, in die Minor League versetzen; dieses Vorgehen ist nur einmal in der Karriere eines Spielers zulässig.

    Noch schwieriger wird es, wenn ein Spieler bereits fünf Jahre MLB-Erfahrung besitzt und/oder schon einmal gegen seinen Willen versetzt wurde. In diesem Fall ist eine Versetzung in die Minor Leagues nur mit seiner ausdrücklichen Zustimmung (Veteran’s Consent) möglich. Verweigert er die Zustimmung, muss das Team ihn entweder im MLB-Roster behalten oder entlassen – mit allen Konsequenzen, die weiter unten unter „Der Release“ beschrieben sind.

    Designation for Assignment 
    Oft liest man, dass ein Spieler „DFA’d“ wird. Die Abkürzung steht für „Designation for Assignment“ und bedeutet eine Art Zwischenstatus: Der Spieler wird unmittelbar aus dem 40-Mann-Kader gestrichen, das Team hat aber noch zehn Tage Zeit zu entscheiden, was genau es mit ihm anstellen wird. Es gibt dafür folgende Möglichkeiten:

  • Das Team kann den Spieler innerhalb der zehn Tage zurück in den 40-Mann-Kader holen.
  • Es kann ihn auf den Waiver setzen (siehe oben).
  • Es kann ihn traden (siehe unten).
  • Es kann ihn releasen, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (siehe unten).
  • Es kann ihn in die Minor League schicken, nachdem er den Waiver durchlaufen hat (sofern er nicht unter die oben genannten Einschränkungen fällt).
  • Der Release
    Wenn alle Versuche, einen Spieler auf andere Art loszuwerden, gescheitert sind, kann man ihn auch einfach entlassen. Das Problem dabei ist, dass man dann als Team auf dem vollen Gehalt für die volle Restlaufzeit des Vertrages sitzen bleibt. Wenn ein anderes Team den Spieler aufnimmt, dann wird es ihm in aller Regel nur das Mindestgehalt zahlen und der Spieler wird damit einverstanden sein – denn das alte Team muss in jedem Fall die Differenz zu dem Vertrag zahlen, aus dem es ihn entlassen hat. Wenn sich zum Beispiel der von Atlanta entlassene 1B Adrian Gonzalez in Kürze für ein neues Team entscheidet, dann wird dieses ihm für die Saison 2018 genau 545.000 Dollar zahlen – und die Braves zahlend den Rest der 21,5 Millionen, die ihm aus seinem alten Vertrag noch zustehen.

    3. Wie man Spieler los wird und welche bekommt

    Der Trade
    Die Franchises der MLB sind jederzeit berechtigt, untereinander Spieler gegen andere Spieler zu tauschen. Logischerweise können nur Spieler getradet werden, die aktuell unter Vertrag stehen. Zudem wechseln oft im Zuge eines Trades auch Geldsummen oder Bonuspool-Kapazitäten (siehe „Das internationale Prospect-Signing“) den Besitzer. Draftpicks dürfen – mit Ausnahme bestimmter Ausgleichspicks – nicht getradet werden.

    Eine Einschränkung für Trades besteht in den sogenannten Trade-Deadlines. Die erste Deadline ist der 31. Juli. Vom Ende der vorherigen World Series bis zu diesem Tag genießen die Teams größtmögliche Freiheit bei ihren Trades. Nach der „Non-Waiver-Deadline“ am 31. Juli sind Trades nur möglich, wenn alle betroffenen Spieler vorher den Waiver passiert haben oder ohnehin nicht im 40-Mann-Kader ihres Teams stehen. Die zweite Deadline ist die „Waiver-Deadline“ am 31. August. Trades sind auch danach noch möglich, doch die in diesem Zeitraum erworbenen Spieler dürfen nicht in den Playoffs eingesetzt werden außer wenn sie einen verletzten Spieler ersetzen.

    In der Regel können Trades ohne Zustimmung der betroffenen Spieler durchgeführt werden. Das ist manchmal bedauerlich, aber andererseits verdienen die Spieler selbst auf dem Niveau des Mindestgehalts genug Geld, um Vergleiche mit einem Sklavenhandel als komplett dämlich dastehen zu lassen. In zwei Fällen ist die Zustimmung der Spieler zu einem Trade aber doch erforderlich: Zum einen, wenn sie seit mindestens zehn Jahren in der MLB spielen und mindestens fünf Jahre davon bei ihrem aktuellen Team verbracht haben; zum anderen, wenn sie beim Abschluss ihres aktuellen Vertrages eine No-Trade-Klausel vereinbart haben. Eine solche Klausel kann sich auf sämtliche denkbaren Trades beziehen, aber auch auf bestimmte Teams beschränkt sein – das ist letztlich reine Verhandlungssache.

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    Januar 11th, 2018 by Dominik

    Und sie bewegt sich doch! Letzte Nacht ist endlich mal wieder etwas passiert in dieser sehr langsamen Offseason: Mit Jay Bruce hat ein weiterer Free Agent meiner Top-20-Liste einen neuen (und alten) Arbeitgeber gefunden. Einen Monat vor dem Trainingsauftakt für die neue Saison sind aber immer noch 14 Mitglieder dieser Liste – und zahlreiche weitere Free Agents – ohne neuen Vertrag. Würden die Arbeitslosen der MLB sich zu einer eigenen Mannschaft zusammen finden, brächten sie ein beachtliches Lineup zusammen: C Lucroy, 1B Hosmer, 2B Walker, SS Nunez, 3B Moustakas, LF Gonzalez, CF Cain, RF Martinez, DH Morrison. Starting Rotation: Darvish, Arrieta, Lynn, Cobb, Cashner. Bullpen: Holland, Reed, Albers, Watson. Das wäre kein schlechtes Team, oder?

    Jay Bruce zurück in New York
    Die notorisch sparsamen Mets haben sich doch noch aus der Deckung gewagt und Outfielder Jay Bruce zurück geholt. Nach einem holprigem Start in New York hatte der Outfielder 2017 in die Erfolgsspur gefunden (.256/.321/.520) und sich zum Publikumsliebling gemausert. Zur Trade Deadline war er nach Cleveland getradet worden, weil die Saison der Mets frühzeitig abgehakt war und sein Vertrag ohnehin auslief. Nun streift Bruce in den nächsten drei Jahren doch wieder das Mets-Jersey über und erhält dafür 39 Millionen Dollar. Bruce wird hauptsächlich im Rightfield spielen, kann aber auch mal an der First Base einspringen und bringt den Mets somit mehr Flexibilität für ihr Lineup sowie dringend benötigte Führungsqualität. Wenn nun noch ein solider Second oder Third Baseman (die jeweils andere Rolle übernimmt Asdrubal Cabrera) gefunden wird und vielleicht noch ein Starter für die untere Hälfte der Rotation, dann sieht die Offseason der Mets plötzlich gar nicht mehr so schlimm aus wie es lange den Anschein hatte.

    Boone Logan zu den Brewers
    Das andere interessante Free-Agent-Signing dieser Woche ist aus Milwaukee zu vermelden und betrifft wenig überraschend einen Relief Pitcher. Reliever scheinen die einzigen Spieler zu sein, für die es in dieser Offseason einen nennenswerten Markt gibt. Die Brewers haben sich die Dienste von Linkshänder Boone Logan gesichert, der 1,875 Millionen Dollar Festgehalt für ein Jahr erhält und über leistungsbezogene Bestandteile weitere 3,2 Millionen verdienen kann. Der Verein hat eine einseitige Option auf ein zweites Vertragsjahr.

    Neuer Backup-Catcher für die Angels
    Die Los Angeles Angels sind eines von ganz wenigen Teams, die dieses Jahr richtig aufgerüstet haben. Mit Catcher René Rivera haben sie nun ein weiteres Puzzlestück hinzugefügt. Der 34-Jährige erhält 2,8 Millionen Dollar für ein Jahr und wird voraussichtlich als Reserve und Entlastung für Stamm-Catcher Martin Maldonado dienen.

    Padres finden Bullpen-Verstärkung in Japan
    Nachdem vor zwei Wochen schon die Diamondbacks mit dem ersten MLB-Engagement des 33-jährigen japanischen Relievers Yoshihisa Hirano überraschten, haben die San Diego Padres nun eine ähnliche Verpflichtung getätigt: Auch Kazuhisa Makita ist 33 und auch er erhält von seinem neuen Team einen Zweijahresvertrag. Im Gegensatz zu Hirano ist er nicht als Closer eingeplant sondern in einer weniger exponierten Bullpenrolle, folgerichtig ist er mit vier Millionen Dollar auch ein Stück günstiger. Ich bin gespannt, ob und wie Makitas Submarine-Stil sich in der MLB bewährt.

    Dreiecks-Trade zwischen Dodgers, Royals und White Sox 
    Es sind keine allzu berühmten Spieler involviert, aber ich finde, ein Dreiecks-Trade ist immer eine interessante Konstellation. In diesem Fall haben die Dodgers, die Royals und die White Sox sich auf solch einen Ringtausch geeinigt. Im Einzelnen: Die Dodgers bekommen Reliever Scott Alexander von den Royals und Minor-League-Infielder Jake Peter von den White Sox; die Royals erhalten von den Dodgers Pitching-Prospect Trevor Oaks und Minor-League-Infielder Erick Mejia; die White Sox bekommen die Reliever Luis Avilan und zwei Millionen Dollar von den Dodgers sowie Reliever Joakim Soria und eine Million von den Royals. Die wichtigsten Konsequenzen des Trades sind, dass die Dodgers mit Alexander einen Linkshänder-Spezialisten als Nachfolger von Tony Watson haben, ohne wieder in den Bereich der Luxussteuer zu rutschen; dass die Royals Sorias Gehalt loswerden und damit mehr Spielraum in der Free Agency haben (z. B. für Eric Hosmer); und dass die White Sox zwei solide Reliever bekommen, ohne viel dafür hergeben zu müssen.

    Trade Solarte
    Einen weiteren Trade haben die Blue Jays und die Padres vereinbart: Yangervis Solarte wechselt von San Diego nach Toronto, das im Gegenzug zwei Minor Leaguer abgibt. Solarte gibt den Blue Jays Tiefe für das gesamte Infield, dafür haben die Padres in Outfielder Edward Oliveras und RP Jared Carkuff nun zwei weitere Talente, die sich mit etwas Glück zu MLB-Spielern entwickeln könnten.

    Skandal um Spieler-Agent Wood 
    Die Agentur CSE, die zahlreiche MLB- und Minor-League-Spieler vertritt, hat einen hochrangigen Mitarbeiter, Spieler-Agent Jason Wood, gefeuert. Das wäre keine Meldung wert, stünde die Entlassung nicht in Zusammenhang mit einem ekligen Skandal, in dem mittlerweile die Staatsanwaltschaft ermittelt: Ein Spieler soll beim Duschen eine Kamera gefunden haben und es sieht alles danach aus, dass Wood diese Kamera angebracht und zahlreiche weitere von ihm betreute Spieler beim Duschen gefilmt hat. Wood bestreitet die Vorwürfe, der Anfangsverdacht ist aber offenbar stark genug, dass der Agent auch von der Spielergewerkschaft bis auf weiteres gesperrt wurde. Wood vertrat bislang beispielsweise Red-Sox-Outfielder Andrew Benintendi, Mariners-Pitcher David Phelps und Rays-Pitcher Jake Odorizzi.

    Finale Weltrangliste für 2017
    Ein kurzer Nachtrag zur kürzlich hier veröffentlichten Serie über Baseball in aller Welt: Der Weltverband WBSC hat die endgültige Baseball-Weltrangliste des Jahres 2017 veröffentlicht. Die ersten sechs Plätze sind unverändert geblieben,wobei die zweitplatzierten USA im Jahr ihres WBC-Triumphes den Rückstand auf Spitzenreiter Japan deutlich verkleinern konnten. Den größten Sprung nach vorne machte Israel von Rang 22 auf 19. Deutschland steht wie schon ein Jahr zuvor auf dem 20. Platz.

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    November 12th, 2017 by Dominik

    Die Free Agency läuft offiziell seit einer Woche, die großen Deals sind bislang noch ausgeblieben. Das ist nicht weiter überraschend, denn üblicherweise kommt erst ab den Winter Meetings der MLB – dieses Jahr vom 10. bis 14. Dezember in Orlando – richtig Bewegung in den Markt. Das nennenswerteste Signing der letzten Tage ist der Fünfjahresvertrag über 106 Millionen Dollar, für den Outfielder Justin Upton bei den Los Angeles Angels bleibt. Upton war kein Free Agent, er hatte aber eine Ausstiegsoption im alten Vertrag, die nun natürlich hinfällig ist.

    Die diesjährige Free-Agent-Klasse umfasst verhältnismäßig viele gute Starting Pitcher, zwei Top-Closer, eine bunte Mischung aus Positionsspielern und ein japanisches Ausnahmetalent, das die Liga auf Jahre hinaus prägen könnte. Hier sind meine Top-20 der Free Agents 2017:

    1. Shohei Otani, SP/OF, Hokkaido Nippon Ham Fighters

    Der 23-jährige Otani ist in aller Munde als das wohl größte Talent, das der Baseball seit einiger Zeit gesehen hat. Otani dominiert die japanische Liga sowohl als Pitcher als auch am Schlag. In der MLB würde er sicher vornehmlich als Pitcher eingesetzt, aber es wäre denkbar, dass er an Tagen zwischen seinen Starts auch als Batter aufgestellt wird – vor allem, wenn er in der American League landet und somit als Designated Hitter infrage kommt. Aufgrund seines Alters gilt Otani für die MLB als „internationaler Amateur-Free-Agent“ und kann dem aktuellen Collective Bargaining Agreement zufolge nur einen Vertrag über rund 10 Millionen Dollar bekommen – und auch das nur, wenn ein Team sein erlaubtes Budget für internationale Verpflichtungen durch Trades auf das Maximum erhöht und dieses Maximum vollständig für Otani einsetzt. Er könnte diesen Kraftakt wert sein. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass Otani bei seinem ersten Vertrag auf die eine oder andere Million verzichtet und das Team wählt, bei dem ihm die ruhmreichste Karriere winkt. Mein Tipp: Er landet bei den Yankees.

    1. Yu Darvish, SP, Los Angeles Dodgers

    Auch der Rang des besten „normalen“ Free Agents ist in japanischer Hand. Yu Darvish – er kam  2011 übrigens ebenfalls von den Ham Fighters in die MLB – hatte eine World Series zum Vergessen, ist und bleibt aber ein sehr guter Pitcher. Er wird keine Probleme haben, einen langfristigen Vertrag und ein Jahresgehalt von 25 Millionen Dollar oder mehr an Land zu ziehen. Mein Tipp: Er geht zu den Cubs.

    1. J.D. Martinez, OF, Arizona Diamondbacks

    Martinez kam im Juli per Trade von den rebuildenden Tigers zu den Diamondbacks und erwies sich dort als offensive Granate mit einer Slashline von .302/.366/.741 und 29 Homeruns in 62 Spielen. Mit diesen Zahlen ist er der beste auf dem Markt verfügbare Batter und es ist davon auszugehen, dass die Diamondbacks bei einem Wettbieten um Martinez‘ Dienste nicht mithalten können. Mein Tipp: Sofern die Giants nicht für Giancarlo Stanton traden, ist Martinez ihr Mann.

    1. Jake Arrieta, SP, Chicago Cubs

    Arrieta hat in den vergangenen zwei Jahren 2 mph von seinem Fastball verloren und auch seine sonstigen Werte weisen einen eher absteigenden Trend auf. Dennoch ist der 32-Jährige ein verlässlicher Starter und anerkannter Führungsspieler, der mit einem Vier- bis Fünfjahresvertrag und dreistelligen Dollarmillionen rechnen darf. Die Cubs haben seit zwei Jahren erfolglos versucht, eine Verlängerung mit Arrieta auszuhandeln. Daher vermute ich, dass er auch das Qualifying Offer ablehnt und beide Seiten sich anderweitig orientieren. Mein Tipp: Die Dodgers holen ihn als Nachfolger von Darvish.

    1. Wade Davis, RP, Chicago Cubs

    Auch Davis hat von den Cubs ein Qualifying Offer über 17,4 Millionen Dollar erhalten, auch er wird es voraussichtlich ablehnen und etwas Längerfristiges anstreben. Als bester Closer auf dem Markt wird er einen Vertrag in der Größenordnung der 62 Millionen für vier Jahre verlangen, die letztes Jahr Mark Melancon abgeräumt hat. Die Cubs waren bisher immer zurückhaltend mit großen Verträgen für Reliever, aber dennoch ist mein Tipp: Davis verlängert in Chicago.

    1. Eric Hosmer, 1B, Kansas City Royals

    Mit 28 ist Hosmer relativ jung für einen Free Agent und mit .318/.385/.498 hat er zum richtigen Zeitpunkt offensiv die beste Saison seiner Karriere hingelegt. In einigen Rankings steht er deutlich höher als bei mir, aber für meinen Geschmack sind Hosmers Leistungen zu unkonstant, um den erhofften 200-Millionen-Dollar-Vertrag zu rechtfertigen. In Kansas City steht ein Rebuilding an, aber ich kann mir vorstellen, dass man Hosmer langfristig als Gesicht der Franchise bindet. Mein Tipp: Er bleibt.

    1. Mike Moustakas, 3B, Kansas City Royals

    Genau wie seine Teamkollegen Eric Hosmer und Lorenzo Cain hat Moustakas von den Royals ein Qualifying Offer erhalten und wird es ablehnen, weil er einen langfristigen Vertrag möchte und diesen auch verdient. Er wird ihn bekommen und weil ich glaube, dass die Royals sich bereits für eine Verlängerung von Hosmer finanziell aus dem Fenster lehnen, ist mein Tipp: Moustakas wechselt zu den Atlanta Braves.

    1. Greg Holland, RP, Colorado Rockies

    Holland ist die Alternative zu Wade Davis für Teams, die ihren Closer-Posten für ein paar Jahre zuverlässig besetzt wissen möchten. Im Vergleich mit Davis bringt Holland ein paar Fragezeichen mit, da er 2016 wegen Tommy-John-Surgery pausierte und 2017 nach einer dominanten ersten Saisionhälfte gegen Ende deutlich nachließ. Mein Tipp: Er lehnt das Qualifying Offer ab und verlängert für drei Jahre bei den Rockies.

    1. Jay Bruce, OF, Cleveland Indians

    Bruce ist ein weiterer Spieler, der pünktlich zum Auslaufen seines Vertrages eine starke Saison hingelegt hat und nun auf einen Vertrag in der Größenordnung um 50 Millionen Dollar hoffen kann. Da Bruce während der Saison von den Mets zu den Indians getradet wurde, war ein Qualifying Offer nicht möglich. Das erleichtert einen erneuten Teamwechsel, weil ohne QO keine Draftpick-Kompensation für das abgebende Team anfällt. Mein Tipp: Er wird der Nachfolger von José Bautista bei den Blue Jays.

    1. Lance Lynn, SP, St. Louis Cardinals

    Lynn kehrte 2017 erfolgreich von seiner Tommy-John-Surgery zurück und ist ein solider Innings-Eater, den man sich als Nummer zwei oder drei nahezu jeder MLB-Rotation vorstellen kann. Entsprechend groß wird die Nachfrage nach seinen Diensten sein und das Qualifying Offer der Cardinals kommt für ihn definitiv nicht infrage. Mein Tipp: Er geht nach Baltimore.

    1. Lorenzo Cain, OF, Kansas City Royals
    2. Alex Cobb, SP, Tampa Bay Rays
    3. Zack Cozart, SS, Cincinnati Reds
    4. Carlos Santana, 1B, Cleveland Indians
    5. Logan Morrison, 1B/OF, Tampa Bay Rays
    6. Addison Reed, RP, Boston Red Sox
    7. Todd Frazier, 3B, New York Yankees
    8. Jonathan Lucroy, C, Colorado Rockies
    9. Neil Walker, 2B, Milwaukee Brewers
    10. Brandon Morrow, RP, Los Angeles Dodgers

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    Dezember 1st, 2016 by Dominik

    Zwei Meilensteine der diesjährigen Offseason wurden an den vergangenen beiden Tagen erreicht: Zuerst kam der nach meiner Einschätzung beste Free Agent des Jahres zu einem neuen Vertrag: Zu meiner großen Freude bleibt Yoenis Cespedes bei den New York Mets. Und heute Nacht einigten sich die Verhandlungspartner quasi in letzter Sekunde auf ein neues CBA und verhinderten damit einen drohenden Arbeitskampf in der MLB.

    Neues CBA für 5 Jahre vereinbart
    Dass die Teambesitzer und die Spielergewerkschaft sich unmittelbar vor der Deadline zum 1. Dezember auf ein neues Collective Bargaining Agreement (CBA) geeinigt haben, bedeutet nicht nur die Abwendung des befürchteten Lockouts. Es wurden im Zuge der Verhandlungen um den bis 2021 laufenden Rahmenvertrag auch einige wichtige Neuerungen vereinbart:

    • Das All-Star-Game bestimmt künftig nicht mehr das Heimrecht für die World Series. Stattdessen geht der Vorteil an das Team mit der besseren Saisonbilanz.
    • Es wird keine Draft für internationale Spielerverpflichtungen eingeführt, stattdessen wird es eine Beschränkung in Form einer verbindlichen Gehaltsobergrenze geben.
    • Die Grenze für Luxussteuer, also die Strafzahlung für Teams, die besonders hohe Spielergehälter zahlen, wird 2017 auf 195 Millionen und bis 2021 schrittweise auf 210 Millionen Dollar angehoben. Der Spitzensteuersatz für Teams, die weit über der Grenze liegen (vermutlich ab ca. 250 Millionen) wird wohl von derzeit ca. 50% auf eine Größenordnung von 60% bis 70% erhöht. Zudem rutschen Letztere in der Draft um einige Plätze nach hinten.
    • Qualifying Offers für Free Agents wird es weiterhin geben; jeder Spieler kann aber nur einmal ein solches erhalten und wenn er woanders unterschreibt, gibt es eine Draft-Pick-Kompensation nur noch, wenn der Vertrag über 50 Millionen Dollar umfasst. Die Höhe des betreffenden Draftpicks hängt davon ab, ob das neue Team im Finanzausgleich der Liga zu den Gebern oder zu den Empfängern gehört.
    • Die Rostergrößen werden vorerst offenbar nicht angetastet, es bleibt also bei 25 Spielern vor September und 40 Spielern ab September.

    Soweit die wichtigsten bisher bekannt gewordenen Details. Das CBA muss von beiden Seiten noch ratifiziert werden.

    Dodgers in finanziellen Schwierigkeiten?
    Ein Team, das beim Thema Spielergehälter seit Jahren ganz vorne mitspielt und regelmäßig mit Luxussteuern zur Kasse gebeten wird, sind die Los Angeles Dodgers. Diese Woche wurde bekannt, dass die Dodgers hoch verschuldet sind – die Rede ist von mehreren hundert Millionen bis zu einer Milliarde Dollar. Die Existenz dieser Schulden wird vom Team nicht bestritten, zurückgewiesen werden aber Gerüchte, die Dodgers befänden sich unter verschärften Auflagen der MLB. In jedem Fall ist wohl davon auszugehen, dass die Dodgers in den kommenden Jahren bei den Gehältern ein wenig kürzer treten werden. Der Plan ist, dass verstärkt Spieler aus dem eigenen Farmsystem nachkommen und entsprechend weniger in teure Free Agents investiert werden muss.

    Porcello und Rendon sind Comeback Players des Jahres
    Die meisten Auszeichnungen für Einzelspieler der vergangenen Saison wurden schon vor zwei Wochen vergeben, aber eine hat noch gefehlt, nämlich die für den Comeback Player. Diese per Wahl unter 30 Journalisten (einem je Team) bestimmte Ehre geht dieses Jahr in der American League an Rick Porcello von den Boston Red Sox und in der National League an Anthony Rendon von den Washington Nationals.

    Wie der Name schon sagt, zeichnet der Award Spieler aus, die nach einer schwächeren Phase zurück zu alter Stärke gefunden haben. Auf Porcello trifft das zweifellos zu: 2015 brachte er es in 172 Innings auf 4.92 ERA und nur 0.6 WAR, 2016 fraß er 223 Innings und verdiente sich mit 3.15 ERA und 5.0 WAR bereits den Cy-Young-Award. Auch Rendon ist eine passende Wahl. Er steigerte sich binnen eines Jahres von einer OPS von .707 mit 5 Homeruns auf .798 mit 20 Homeruns.

    Cespedes bleibt ein Met
    Mein größter Wunsch an diese Offseason war, dass Outfielder Yoenis Cespedes bei den New York Mets bleibt und dass der Vertrag drei bis vier Jahre lang läuft. Mission erfüllt: Cespedes hat für vier Jahre und 110 Millionen Dollar unterschrieben. Damit haben beide Seiten eine ordentliche Planungssicherheit, gleichzeitig läuft die Bindung aber nicht so lang, dass man befürchten muss, irgendwann jahrelang auf einem teuren Vertrag zu sitzen, für den aus Alters- oder Motivationsgründen die Gegenleistung nicht mehr stimmt. Aller Voraussicht nach werden die Mets nun einen ihrer anderen Outfielder wegtraden, denn mit Cespedes, Conforto, Granderson, Bruce, Nimmo und Lagares herrscht ein Überangebot an potenziellen Stammspielern. Am wahrscheinlichsten ist, dass man sich von Bruce oder Granderson trennt; für beide gibt es wohl schon Interessenten, allen voran die Blue Jays. Wenn ich noch einen Wunsch äußern darf, nachdem mein größter schon erfüllt wurde: Ich hoffe sehr, dass Bruce geht und Granderson bleibt – sowohl aus sportlichen als auch aus Sympathiegründen.

    Volquez geht zu den Marlins
    Es gab noch ein paar weitere Free-Agent-Signings diese Woche, aber die neben Cespedes erwähnenswerteste Verpflichtung ist in meinen Augen die von Edinson Volquez durch die Miami Marlins. Die Marlins sind – nicht erst seit dem tragischen Tod von Jose Fernandez – eines der Teams mit den größten Lücken in der Starting Rotation und Volquez ist sicher einer der interessanteren Veteranen, die zur Verfügung standen. 2016 hatte der 33-jährige Volquez ein schwaches Jahr (5.37 ERA), frühere Leistungen (2014 3.04 ERA; 2015 3.55 ERA) geben aber Anlass zur Hoffnung, dass dies nur ein negativer Ausreißer war. Was den Zweijahresvertrag über 22 Millionen Dollar aus Teamsicht noch ein Stück attraktiver macht ist die Tatsache, dass die Kansas City Royals ihm kein Qualifying Offer unterbreitet hatten und die Marlins somit keinen Draftpick abgeben müssen.

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    November 8th, 2016 by Dominik

    Es ist eine schöne Tradition, dass um diese Jahreszeit allseits darüber spekuliert wird, wo die wichtigsten Free Agents der MLB unterkommen. Teams und Spieler, die Verlängerungs- oder Ausstiegsklauseln ziehen wollten, haben das größtenteils vor dem heutigen Beginn der Free Agency getan. Zudem war gestern Abend die Deadline für sogenannte Qualifying Offers. Zehn Spieler haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,2 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die zehn Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

    Die Free-Agent-Klasse dieses Jahres erscheint mir insgesamt eher schwach; die beste Auswahl besteht an Hittern im Outfield und auch einige gute Closer sind zu haben, der Markt für Starting Pitcher, Catcher und Middle Infielder ist hingegen sehr dünn. Hier sind meine Top 20 der diesjährigen Free Agents:

    1. Yoenis Cespedes, OF, New York Mets

    Nach dem vorhersehbaren Opt-Out aus dem Vertrag mit den Mets strebt Cespedes nun den großen Zahltag seiner Karriere an – mit Recht, muss man sagen, denn in seinen eineinhalb Saisons in New York hat er unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein guter Hitter sondern auch in der Lage ist, ein Team zu tragen. Er ist für mich die klare Nummer eins der diesjährigen Free Agency und wird für vier bis fünf Jahre einen deutlich dreistelligen Dollarbetrag herausholen. Cespedes fühlt sich bekanntlich wohl in New York und die Metsfans lieben ihn, aber ich fürchte, er wird der Vereinsführung zu teuer sein. Mein Tipp ist, dass er bei den anderen New Yorkern landet.

    1. Justin Turner, 3B, Los Angeles Dodgers

    Ein flexibler Infielder, der offensiv wie defensiv seit drei Jahren gut produziert und darüber hinaus sowohl bei den Fans als auch im Clubhouse hohes Ansehen genießt – mit diesem Profil steht Justin Turner in dieser Free-Agent-Klasse ziemlich alleine da. Die Dodgers wissen, was sie an ihm haben und gelten als Favorit für eine Weiterverpflichtung, nicht zuletzt weil Turner in Kalifornien aufgewachsen und verwurzelt ist. Aber er wird sich nicht billig verkaufen, vier bis fünf Jahre für 70 bis 80 Millionen sollten schon drin sein – wenn nicht in Los Angeles, dann vielleicht in San Francisco oder in Atlanta („Hauptsache Kalifornien“ hätte Andi Möller jetzt gesagt).

    1. Aroldis Chapman, RP, Chicago Cubs

    Die diesjährige Postseason hat gezeigt, dass die Reliever im modernen Baseball eine immer wichtigere Rolle spielen und Aroldis Chapman hatte daran großen Anteil, auch wenn er im legendären Spiel 7 fast zur tragischen Figur geworden wäre. Er tritt seit fünf Jahren als Closer an, in der Zeit hat er 91% seiner Savegelegenheiten verwandelt und nur 1.84 ERA zugelassen. Die heißesten Kandidaten auf einen hochdotierten Vertrag mit ihm sind die Teams, für die er letztes Jahr gespielt hat, also die Cubs und die Yankees. Aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und prognostiziere, dass er bei den Giants unterschreibt, die damit ihren lange gehegten Schwachpunkt ausmerzen.

    1. Rich Hill, SP, Los Angeles Dodgers

    Hill wird bis Saisonbeginn 37 sein und spätestens seit er in der vergangenen Saison wochenlang wegen einer Blase am Finger ausfiel, haftet ihm der Ruf der Verletzungsanfälligkeit an. Wenn er auf dem Mound stand, hat er jedoch hervorragende Arbeit abgeliefert (2.12 ERA) und angesichts der kaum vorhandenen Konkurrenz auf dem FA-Markt für Starting Pitcher dürften Hill eine Menge gut dotierter Angebote ins Haus flattern. Er wird für zwei bis drei Jahre irgendwo landen, wo Geld vorhanden und Starting Pitching gesucht ist – beides trifft auf seinen bisherigen Club zu und deshalb sehe ich ihn weiterhin bei den Dodgers.

    1. Edwin Encarnacion, 1B/DH, Toronto Blue Jays

    Mit einer OPS von .886, 42 Home Runs und 127 RBIs ist Encarnacion der vielleicht gefährlichste Batter unter allen diesjährigen Free Agents. Geschmälert wird sein Wert allerdings nicht nur durch sein Alter von bald 34 Jahren, sondern auch dadurch, dass defensiv mit ihm nicht viel anzufangen ist. Ich schätze, damit ist er für die gesamte National League unattraktiv. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich letzten Endes mit den Blue Jays auf eine weitere Zusammenarbeit einigt. Wenn nicht, dann vermute ich, dass er bei den Boston Red Sox die Nachfolge für Big Papi David Ortiz antritt. Sagen wir mal 60 Millionen für drei Jahre.

    1. Kenley Jansen, RP, Los Angeles Dodgers
    2. Deter Fowler, OF, Chicago Cubs
    3. Mark Trumbo, OF, Baltimore Orioles
    4. Jose Bautista, OF, Toronto Blue Jays
    5. Mark Melancon, RP, Washington Nationals
    6. Jeremy Hellickson, SP, Philadelphia Phillies
    7. Ian Desmond, SS/OF, Washington Nationals
    8. Neil Walker, 2B, New York Mets
    9. Colby Rasmus, OF, Houston Astros
    10. Carlos Gomez, OF, Texas Rangers
    11. Wilson Ramos, C, Washington Nationals
    12. Josh Reddick, OF, Los Angeles Dodgers
    13. Matt Wieters, C, Baltimore Orioles
    14. Steve Pearce, 1B/OF, Baltimore Orioles
    15. Mike Napoli, 1B, Cleveland Indians

    Zu guter Letzt noch eine Erinnerung: Ich freue mich über jeden weiteren Beitrag zum Offseason-Wunschkonzert.

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