Juni 8th, 2017 by Dominik

Edinson Volquez pitcht einen No-Hitter, es wird ein MLB-Rekord mit insgesamt sieben Grand Slams aufgestellt, einer davon ist der 600. Homerun von Albert Pujols und Jon Lester überwindet sich zu einem Pickoff-Throw an die erste Base: So viele historische Ereignisse in der MLB sind schon viel für eine Woche, tatsächlich fanden sie aber alle an einem einzigen Tag statt, nämlich letzten Samstag. Aber auch von den anderen Tagen der letzten Woche gibt es einiges Bemerkenswertes zu berichten in diesem Grand Slam am Donnerstag.

American League
In der American League East läuft zurzeit der Baseball-Klassiker schlechthin: Die New York Yankees (33-23) und die Boston Red Sox (32-26) spielen eine Drei-Spiele-Serie gegeneinander und es geht um nicht weniger als die Spitze der Division. Nachdem die beiden bisherigen Spiele geteilt wurden, werden die Yankees auf jeden Fall oben bleiben, doch im heute Nacht anstehenden dritten Duell können die Red Sox immer noch zumindest nach Siegen gleichziehen. Für die Yankees geht es anspruchsvoll weiter, denn sie empfangen als nächstes den Dritten im Bunde, die Baltimore Orioles (31-26). Die Orioles absolvieren gerade ein sehr anstrengendes Programm: Gegen die Pittsburgh Pirates mussten sie gerade zweimal hintereinander in Extra-Innings, heute geht es für ein einzelnes Spiel zu den Washington Nationals und dann steht die Serie in New York an. Wenn die O’s diese Tour einigermaßen ungeschoren überstehen, fange ich so langsam an, an sie zu glauben.

In der AL Central drängt sich nach wie vor kein Team auf, an das man wirklich glauben könnte. Die Minnesota Twins (29-26) halten sich an der Spitze, obwohl sie von den letzten zehn Spielen sieben verloren haben, dicht gefolgt von den Cleveland Indians (29-28). Die Indians halte ich immer noch für das stärkste Team der Division, aber um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen sie vor allem bei den divisionsinternen Begegnungen (bislang 13-14) besser werden. Die ausgeglichene Bilanz der Detroit Tigers (29-29) sehe ich als die Obergrenze des in diesem Jahr Erreichbaren und auch mit den Kansas City Royals (26-32) und den Chicago White Sox (25-32) rechne ich nicht ernsthaft, obwohl sie wegen der generellen Schwäche der Division allesamt nicht weit weg von der Spitze sind. Übrigens werde ich aus keinem Team so wenig schlau wie aus den Royals: Sie machen über weite Strecken der Saison den Eindruck eines desolaten, ausgebrannten Teams, andererseits sind sie die einzigen außer den Indians, die in diesem Jahr überhaupt schon eine Serie gegen die Houston Astros gewonnen haben – und das nun schon zum zweiten Mal.

Die Houston Astros (42-18) dominieren die AL West nach wie vor nach Belieben und haben neben der besten Siegbilanz, den meisten erzielten Runs und dem besten Run Differential der Liga nun auch die längste Siegesserie der Saison auf dem Konto. Zehn Spiele hintereinander haben sie gewonnen, bevor es zwei Niederlagen gegen die Kansas City Royals setzte. Etwas unter dem Radar haben sich die Seattle Mariners (30-30) mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen zurück zu einer .500-Bilanz und vorbei an den Mike-Trout-losen Los Angeles Angels (30-32) auf Platz zwei der Division geschoben. Für die Texas Rangers (27-32) sehe ich momentan relativ schwarz: Sie sind nach elf Niederlagen aus den letzten vierzehn Spielen ohnehin schon etwas abgeschlagen und nun müssen sie dreimal nach Washington und dann dreimal nach Houston.

National League
Über die National League East kann man jedes Mal das Gleiche schreiben, aber darauf habe ich keine Lust. Deswegen verliere ich heute mal keine Worte über die Washington Nationals (37-21), sondern erwähne lieber die interessantesten Ereignisse im traurigen Rest der Division: Die New York Mets (25-32) haben ihr Maskottchen gefeuert, nachdem es sich erdreistet hatte, den bisherigen Saisonverlauf kurz und prägnant mit einem einzigen Fingerzeig zusammenzufassen. Die Atlanta Braves (25-32) haben ihr linkshändiges Pitching-Prospect Sean Newcomb in den Kader geholt und planen, Newcomb am Samstag in einem Spiel des Doubleheaders gegen die Mets starten zu lassen. Die Miami Marlins (25-33) erleben gerade die stärkste Phase ihrer Saison, haben acht der letzten elf Spiele gewonnen, darunter den No-Hitter von Volquez (siehe Spiel der Woche). Auch die Philadelphia Phillies (21-36) durften diese Woche ein bisschen feiern, vier Siege am Stück gab es – zwar nur gegen die Braves und die Giants, aber immerhin. Das schwächste Team der Liga sind die Phillies nach wie vor, aber es könnte noch ein spannendes „Rennen“ mit den San Diego Padres und vielleicht den San Francisco Giants werden.

Die Chicago Cubs (30-28) haben sich nach dem jüngsten Absturz mit einem Sweep über die St. Louis Cardinals (26-31) und einer gewonnen Serie gegen die Miami Marlins rehabilitiert. Am Überraschungsteam der Milwaukee Brewers (32-28) gibt es allerdings für sie in der NL Central bislang kein Vorbeikommen und der Titelverteidiger hat mit einer Vier-Spiele-Serie gegen die Colorado Rockies nun einen dicken Brocken vor sich. Im direkten Duell mit den Cardinals haben die Cincinnati Reds (28-30) bislang drei Spiele der bis heute andauernden Serie gewonnen und halten sich solide im Mittelfeld.

In der NL West bleibt es bei dem schon seit Saisonbeginn herrschenden Bild: Die Colorado Rockies (38-23), Arizona Diamondbacks (36-25) und Los Angeles Dodgers (36-25) stehen vorne ganz eng beisammen, dann kommt lange nichts und schließlich ebenfalls eng beisammen die San Francisco Giants (24-37) und die San Diego Padres (23-37). Es würde mich nicht wundern, wenn am Ende der regulären Saison beide Wild Cards an die NL West gehen. Nach dem bisherigen Verlauf wäre das jedenfalls hochverdient, alle drei Mitglieder des Führungstrios spielen nicht nur erfolgreichen sondern auch sehr attraktiven Baseball, wie ich ihn gern auch in den Playoffs sehen möchte. Die Giants und die Padres sind neben den Phillies die einzigen Teams der MLB mit einer Bilanz von unter .400 und die drei sind auch die einzigen mit einem Run Differential von unter -60, was dafür spricht, dass sie nicht aus Zufall so schlecht dastehen.

Szene der Woche
Diese Woche gibt es viele Kandidaten für die Szene der Woche: Ein Triple Play der Twins, den Pickoff-Throw von Jon Lester, den Homerun-Klau von Adam Jones und Andrew McCutchens Reaktion darauf, aber ich entscheide mich für das Offensichtliche: den sechshundertsten Homerun von Albert Pujols, den er am Samstag stilecht in Form eines Grand Slams gegen die Twins über den Zaun gehauen hat.

Statistik der Woche 
5 AB, 5 H, 4 HR, 10 RBI. Das ist die unglaubliche Bilanz von Scooter Gennett beim 13:1-Sieg seiner Cincinnati Reds gegen die St. Louis Cardinals vom Dienstag. „Scooter wer?“ werden selbst unter Baseballkennern nicht wenige gedacht haben, denn der 27-jährige Gennett kam in seiner bisherigen Karriere nie über mittelmäßige Produktion und den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. Vor der Saison war er von den Milwaukee Brewers entlassen worden und über den Waiver in seine Heimatstadt Cincinnati gewechselt. Dort hatte er bis zum Spiel vom Dienstag .270/.308/.450 mit drei Homeruns geschlagen und steckte in einem 1-von-20-Slump. Nun hat er sich mit einer der besten Offensivleistungen aller Zeiten verewigt: Vier Homeruns in einem Spiel hatten nur 16 Spieler vor ihm geschafft und keiner von diesen 16 hat noch einen fünften Hit und insgesamt zehn RBIs beigesteuert.

Spiel der Woche
Der erste No-Hitter des Jahres 2017 und damit quasi automatisch das Spiel der Woche geht auf das Konto von Edinson Volquez. Der Marlins-Pitcher ließ bei Miamis 3:0-Sieg über die Diamondbacks lediglich zwei Baserunner (beides Walks) zu, die allerdings jeweils in Double Plays ausschieden, sodass Volquez die neun Innings mit der minimalen Zahl von 27 Battern und mit nur 98 geworfenen Pitches nach Hause brachte. Dabei wäre er fast schon im ersten Inning aus dem Spiel genommen worden, als er bei einem Groundout mit Rey Fuentes kollidierte und sich offenbar am rechten Knöchel weh tat. Aber er hielt durch und pitchte das Spiel seines Lebens, das er anschließend den tödlich verunglückten Pitcherkollegen Jose Fernandez und Yordano Ventura widmete. Ventura, ein enger Freund seines dominikanischen Landsmanns und früheren Teamkameraden Volquez, wäre am gleichen Tag 26 Jahre alt geworden.

Spiel der kommenden Woche
Wenn von Freitag bis Sonntag die Milwaukee Brewers in Arizona auf die Diamondbacks treffen, dann ist es ein Duell zwischen zwei der größten Überraschungen der bisherigen Saison. Das gilt allgemein für die beiden Teams und es ist gilt speziell am Sonntag auch für die beiden voraussichtlichen Starting Pitcher. Egal, ob man mehr auf ERA oder auf FIP schaut, Milwaukees Chase Anderson (2.94, 3.30) und Arizonas Robbie Ray (2.85, 3.23) gehören in beiden Statistiken zu den Top-15 der Liga und von keinem der beiden hätte das wohl irgend jemand gedacht. Wenn nicht gleichzeitig euer Lieblingsteam spielt und/oder ihr mal was anderes sehen wollt, dann schaltet am Sonntag um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit doch einfach dieses Spiel ein.

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