Februar 22nd, 2018 by Dominik

Jetzt werden Nägel mit Köpfen gemacht: Zum ersten Mal in dieser zu Ende gehenden Offseason kann man sagen, dass es in den letzten Tagen mit Free-Agent-Verpflichtungen und Trades Schlag auf Schlag ging. Offensichtlich fühlen sich einige Teams nun doch unter Druck, vor dem Beginn der Spring-Training-Spiele noch den Kader zu komplettieren. Die Verträge, die zum Beispiel Eric Hosmer und J. D. Martinez unterschrieben haben, machen jedenfalls nicht den Eindruck, als wären es die Spieler gewesen, die am Ende des Verhandlungsmarathons klein beigegeben haben.

Auch die Ligaführung ist endlich zu Potte gekommen und hat bekannt gegeben, welche Regeländerungen zur neuen Saison in Kraft treten werden. Erwartungsgemäß dreht sich dabei alles um das Ziel, das Spiel zu beschleunigen. Wenigstens wurde auf die Einführung einer Pitch-Clock verzichtet.

Start der Spring-Training-Spiele
Gestern gab es schon die erste Baseball-Action mit einem Freundschaftsspiel der Arizona Diamondbacks gegen die Arizona State University. Erwartungsgemäß gewannen die Diamondbacks 6:2, Major Leaguer kamen allerdings kaum zum Einsatz. Heute gibt es ein paar weitere Spiele von MLB-Teams gegen Colleges in Florida, am morgigen Freitag geht es dann richtig los mit den ersten Spring-Training-Spielen der Cactus League (Arizona) und der Grapefruit League (Florida). Viele der Spiele werden auf mlb.tv übertragen. Es sind nur Vorbereitungsspiele und die Ergebnisse letztlich egal, aber ich mag das Spring Training und schalte gerne rein, weil es eine schöne Gelegenheit ist, die MLB-Spieler mal wieder in Aktion zu sehen und sich ein erstes Bild von dem einen oder anderen Prospect zu machen.

Die Liga drückt aufs Tempo
Kurz vor Saisonstart hat die MLB eine ganze Reihe von Regeländerungen festgelegt, die dem von Commissioner Rob Manfred ausgegebenen Ziel dienen sollen, die durchschnittliche Spieldauer zu verkürzen. Die von vielen Spielern gefürchtete Pitch-Clock wird vorerst nicht eingeführt, dafür stimmte die Spielergewerkschaft MLBPA zwei anderen Maßnahmen zu: Die erste und wichtigste Änderung besteht darin, dass Besuche auf dem Mound auf sechs pro Spiel begrenzt werden, egal ob von Trainern und Spielern. Geht ein Spiel in Extra-Innings, ist pro Inning ein weiterer Mound-Besuch erlaubt. Mound-Besuche, die der Auswechslung eines Pitchers dienen, werden dabei nicht mitgezählt. Der zweite Mound-Besuch eines Trainers innerhalb eines Innings bedeutet nach wie vor automatisch die Auswechslung des Pitchers. Das gleiche gilt nun auch für jeden anderen Mound-Besuch, der über die erlaubte Anzahl hinaus geht.

Ebenfalls begrenzt wird die Zeit der Pausen zwischen den (Halb-)Innings sowie bei Pitcherwechseln. Diese dürfen ab sofort höchstens 2:05 Minuten dauern, wenn ein Spiel nur lokal im TV übertragen wird, 2:25 Minuten bei landesweiten Übertragungen und 2:55 Minuten bei Playoff-Spielen. Diese Regeländerung finde ich so überraschend wie erfreulich, denn sie läuft eine Kürzung der Werbepausen hinaus.

Eric Hosmer zu den Padres
Für First Baseman Eric Hosmer hat sich das lange Warten gelohnt: Er hat sich mit den San Diego Padres auf einen Vertrag geeinigt, der ihm in den kommenden acht Jahren 144 Millionen Dollar einbringen wird. Diese setzen sich zusammen aus einem Unterschriftsbonus von 5 Millionen, je 20 Millionen für die ersten fünf Jahre und je 13 Millionen für die drei folgenden Jahre. Obendrein konnte Hosmers Agent Scott Boras für seinen Klienten aushandeln, dass dieser nach fünf Jahren die Möglichkeit hat, aus dem Vertrag auszusteigen. Meiner Ansicht nach ist es eine Wahnsinnsleistung des Agenten, einen so vorteilhaften Vertrag für einen 28-Jährigen herauszuholen, der bislang vor allem durch jährlich schwankende Leistungen aufgefallen ist. Um genau zu sein, haben sich in Hosmers Karriere bislang gute und schlechte Jahre konsequent abgewechselt. Das gilt jedenfalls für die Offense. Seine Defense hingegen war durchgehend unterdurchschnittlich. Mit -8.7 UZR und -13 DRS war er in den letzten beiden Jahren einer der schlechtesten First Basemen der Liga – und trotzdem gewann er 2017 bereits seinen vierten Gold Glove. Es ist manchmal schon seltsam, wie um einige Spieler ein Hype entsteht, der ihnen Auszeichnungen und Monsterverträge bringt, ohne dass diese durch tatsächliche Leistungen erklärbar wären. Ich habe keine Ahnung, was die Padres geritten hat, ausgerechnet für Hosmer ihr Konto zu plündern.

J. D. Martinez und die Red Sox finden zueinander
Dass die Boston Red Sox an J. D. Martinez interessiert sind, war buchstäblich seit Monaten allgemein bekannt. Dennoch dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis der Deal in trockenen Tüchern war, da beide Seiten offenbar hart und geduldig verhandelten und sich zwischendurch auch mal öffentlich übereinander beschwerten. Nun haben sich der 30-jährige Slugger – auch er wird übrigens von Scott Boras vertreten – und der Klub also endlich geeinigt: Der Vertrag läuft über fünf Jahre, bringt Martinez 110 Millionen Dollar ein und gibt ihm die Chance, nach drei Jahren zu kündigen. Aller Voraussicht nach wird Martinez eher selten im Outfield spielen, wo Mookie Betts, Jackie Bradley Jr. und Andrew Benintendi ihre Stammplätze haben, sondern meistens als DH eingesetzt werden. Dort klaffte seit dem Karriereende von „Big Papi“ David Ortiz eine Lücke, die Hanley Ramirez allenfalls mittelmäßig ausfüllte. Ramirez wird sich nun vermutlich mit Mitch Moreland an der ersten Base abwechseln. Das gilt jedenfalls solange sich keiner der regulären Outfielder verletzt; in dem Fall würde Martinez dort einspringen und Ramirez wieder als DH übernehmen.

Haufenweise weitere Signings und Trades
Neben den beiden großen Fischen Hosmer und Martinez gab es in den letzten Tagen eine ganze Reihe weiterer Vertragsabschlüsse, die ich wenigstens mal kurz erwähnt haben möchte, auch wenn ich nicht ausführlich auf jeden davon eingehen kann:

Die Baltimore Orioles ergänzen ihre Starting Rotation mit Andrew Cashner (2 Jahre, 16 Millionen, mit Option auf ein drittes Jahr) und mit Rückkehrer Chris Tillman (1 Jahr, 3 Millionen Dollar). Mit Colby Rasmus kommt zudem eine linkshändige Alternative fürs Outfield über einen Minor-League-Vertrag nach Baltimore.

Die Minnesota Twins haben sich ebenfalls zwei Ergänzungs-Starter gesichert: Anibal Sanchez bekommt für einen Einjahresvertrag 2,5 Millionen Dollar, die er durch leistungsbezogene Vereinbarungen verdoppeln kann. Für Jake Odorizzi wird Minor-League-Shortstop Jermaine Palacios zu den Tampa Bay Rays geschickt. Odorizzi bringt einen Einjahresvertrag über 6,3 Millionen Dollar mit und bleibt für ein weiteres Jahr per Arbitration an die Twins gebunden.

Auch die New York Mets holen sich mit Jason Vargas einen weiteren Starter; sein Vertrag ist quasi eine Kopie von dem, den Cashner bei den Orioles unterschrieben hat: zwei Jahre, 16 Millionen Dollar und ein optionales drittes Jahr.

Für ein Jahr und 8 Millionen Dollar geht SP Jaime Garcia zu den Toronto Blue Jays. Auch sie haben sich die Option gesichert, den Vertrag um ein Jahr zu verlängern.

SP Edinson Volquez kehrt, zunächst nur im Rahmen eines Minor-League-Vertrages, zurück zu den Texas Rangers. Er hofft, 2019 noch mal den Sprung in die MLB zu schaffen, wenn er seine aktuelle Verletzung auskuriert hat. Einen weiteren Minor-League-Vertrag vergeben die Rangers an Pitcher Jesse Chavez; sollte er im Spring Training einen Platz in der Rotation oder im Bullpen erobern, wird er dieses Jahr 1,5 Millionen Dollar verdienen.

Reliever Tony Watson verstärkt die San Francisco Giants für 7 bis 9 Millionen Dollar in den nächsten zwei Jahren, der Klub hat die Option auf ein weiteres Jahr.

Auch die Washington Nationals ergänzen ihren Bullpen, zu ihnen kommt der 40-jährige Joaquin Benoit (1 Jahr, 1 Million).

Die Arizona Diamondbacks waren bei ihrer Suche nach Hilfe für das Outfield wohl auch an J. D. Martinez interessiert, doch nachdem dieser sich mit den Red Sox einig wurde, handelten sie schnell: Nach Arizona kommt nun Jarrod Dyson, der für zwei Jahre 7,5 Millionen Dollar erhält.

Auch die Miami Marlins sichern sich einen zusätzlichen Outfielder: Nach 2008 bis 2010 wird Cameron Maybin nun zum zweiten Mal in seiner Karriere für die Marlins spielen. Für seinen Einjahresvertrag erhält er 3,25 Millionen Dollar.

Die Tampa Bay Rays haben überraschend Outfielder Corey Dickerson designated for assignment. Als Ersatz kommt Carlos Gomez (1 Jahr, 4 Millionen), der außer im Outfield auch als DH zu Einsätzen kommen könnte. Zudem haben die Rays 1B C. J. Cron gegen Cash oder einen später zu benennenden Spieler von den Los Angeles Angels geholt.

Die Angels wiederum tun etwas für die Tiefe ihres Outfields mit der Verpflichtung von Chris Young (1 Jahr, 2 Millionen) und einem Trade für Jabari Blash, für den die New York Yankees ebenfalls Cash oder einen später zu benennenden Spieler erhalten. Einen Minor-League-Vertrag bei den Angels erhält 1B Chris Carter. Bei Bedarf wird dieser zu einem Major-League-Kontrakt über ein Jahr und 1,75 Millionen umgewandelt.

Infield-Allrounder Eduardo Nunez wird bei den Boston Red Sox bleiben: Für 4 Millionen Dollar verlängert er seinen Vertrag zunächst um ein Jahr und hat dann die Option auf seiner Seite, ein weiteres Jahr für weitere vier Millionen dranzuhängen.

Zum Abschluss noch ein schön unübersichtlicher Dreiecks-Trade: 2B/3B Brandon Drury wechselt von den Diamondbacks zu den Yankees, die somit eine Absicherung für den Fall gefunden haben, dass einer der Rookies Gleyber Torres und Miguel Andujar nicht die Erwartungen erfüllt. Outfielder Steven Souza Jr. geht von den Rays zu den Diamondbacks. Minor-League-Pitcher Anthon Widener wird von den Yankees zu den Diamondbacks geschickt. Die Rays erhalten von den Yankees 2B-Prospect Nick Solak und von den Diamondbacks Pitching-Prospect Anthony Banda sowie zwei später zu bennende Spieler.

Diese Spieler sind noch zu haben
So langsam lichten sich die Reihen der Free Agents, die noch kein Team gefunden haben. Natürlich gibt es immer noch Dutzende, die auf einen Vertrag hoffen, aber die meisten von ihnen fallen in den Graubereich, aus dem heraus man mit etwas Glück einen Ein- oder Zweijahresvertrag in der MLB bekommt, sich vielleicht aber auch mit einem Minor-League-Kontrakt zufrieden geben oder über das Karriere-Ende nachdenken muss. Kandidaten, die meiner Einschätzung nach sicher noch eine Beschäftigung zu attraktiven Bedingungen finden werden, sind SP Jake Arrieta, 3B Mike Moustakas, RP Greg Holland, SP Lance Lynn und SP Alex Cobb in der ersten sowie C Jonathan Lucroy, OF Carlos Gonzalez, SP John Lackey, 1B Lucas Duda und 2B Neil Walker in der zweiten Reihe.

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Dezember 8th, 2016 by Dominik

Der Knoten ist geplatzt. Wodurch genau, darüber kann man nur spekulieren. War es der Abschluss des neuen Collective Bargaining Agreements, der die Abwartehaltung einiger Teams aufgebrochen hat? War es das erste große Free-Agent-Signing von Yoenis Cespedes, das den Domino-Effekt auslöste? Oder liegt es einfach daran, dass momentan die Winter Meetings stattfinden, die jährliche Konferenz von Vertretern der MLB und aller Teamführungen, bei der traditionell viele Trades und Transaktionen besprochen werden? Fakt ist jedenfalls, dass in dieser Woche haufenweise Meldungen über neue Verträge und Geschäft eingingen und somit richtig Bewegung in die Offseason gekommen ist. Gut, dass heute Grand-Slam-Tag ist und damit Gelegenheit, die wichtigsten Entwicklungen der letzten Tage zusammenzufassen:

Die White Sox traden Sales und Eaton für massenweise Talente
Gestern Morgen wurde der erste echte Blockbuster-Trade bekannt: Die Boston Red Sox erhalten in Chris Sale das lange gesuchte Pitching-Ass – mit 27 im besten Alter und mit einem relativ teamfreundlichen Vertrag über noch drei Jahre und 38 Millionen Dollar. Mit Sale, David Price und Rick Porcello haben die Red Sox nun ein mehr als respektables Triumvirat in der Rotation und dürfen sich, da trotz des Abschieds von David Ortiz auch offensive Feuerkraft noch reichlich vorhanden ist, zu den frühen Favoriten der kommenden Saison zählen.

Der für Sale an die White Sox zu zahlende Preis ist hoch, auch wenn er „nur“ aus Prospects besteht: Das Kernstück dieser Seite des Trades ist Infielder Yoan Moncada, nach verbreiteter Einschätzung das Top-Prospect der Liga. Dazu kommen mit Michael Kopech ein 20-jähriger Flamethrower, der schon mit 18 bis zu 105 mph schnelle Fastballs geworfen hat, und als Beigabe noch OF Luis Alexander Basabe und RHP Victor Diaz. Wenn Moncada und Kopech die erhoffte Entwicklung nehmen, war es ein hervorragender, zukunftsweisender Trade für die White Sox, die für mich auf den ersten Blick als Gewinner des Deals dastehen. Natürlich muss man auch sehen, dass das scheinbare Ungleichgewicht aufgewogen wird durch das Risiko, dass unfertige Spieler manchmal nicht das werden, was man erwartet. Moncada hatte dieses Jahr 24,2% Strikeouts in den Minor Leagues und weitere 12 in 20 Plate Appearances für die Red Sox. Kopech hat eine Doping-Vorgeschichte und Anfang des Jahres brach er sich die Hand bei einer Prügelei mit einem Teamkameraden. Das alles muss nicht heißen, dass Moncada und Kopech keine glänzende MLB-Zukunft vor sich haben, aber die Möglichkeit, dass es anders kommt, muss man bei diesem Trade mitdenken. Deshalb finde ich ihn auf den zweiten Blick doch ziemlich ausgeglichen.

Wie ernst die White Sox es damit meinen, ihren Talentpool aufzurüsten, zeigt sich daran, dass sie ein paar Stunden später den nächsten Blockbuster vermelden konnten: Outfielder Adam Eaton verstärkt ab sofort die Washington Nationals und wieder besteht der Preis in einem attraktiven Paket von Prospects. Allen voran wechselt Pitcher Lucas Giolito nach Chicago – damit haben die White Sox innerhalb eines Tages sowohl das beste Batting-Prospect (Moncada) als auch das beste Pitching-Prospect der Liga an Land gezogen. Giolito dürfte in seiner Entwicklung weit genug sein, um bereits 2017 zu starten, möglicherweise auch schon gemeinsam mit Reynaldo Lopez, dem zweiten Teil des Trades. Dazu kommt mit Dane Dunning noch ein dritter junger Pitcher, der allerdings etwas mehr Zeit brauchen wird, bevor die MLB für ihn infrage kommt. Meine Bewertung dieses Trades gleicht der des ersten: Wenn die Prospects das halten, was sie versprechen, sitzen die White Sox am besseren Ende des Geschäfts.

Man darf gespannt sein, ob die White Sox nun auch noch SP Jose Quintana versilbern und was sie für ihn herauszuholen im Stande sind.

Die Cubs haben ihren Closer
Auch beim dritten „großen“ Trade der Woche führt eine Spur nach Chicago, in dem Fall allerdings in den Norden der Stadt zu den Cubs. Die haben gerade eine Meisterschaftssaison hinter sich mit einem Team, das auf Jahre hinaus vielversprechende Aussichten bietet. Eine Lücke gab es aber, da der Vertrag des erst im Juli ertradeten Closers Aroldis Chapman ausgelaufen war. Diese Lücke wurde nun hochkarätig besetzt mit Wade Davis von den Kansas City Royals. Davis bringt einen hervorragenden ERA von 1.18 in 185 Auftritten innerhalb der letzten drei Jahre mit und ließ in dieser Zeit lediglich drei Homeruns zu. Einziger Wermutstropfen aus Sicht der Cubs ist, dass der 31-Jährige mit nur einem Jahr Vertrag zu ihnen wechselt, es für sie also nach wie vor keine Langzeitlösung für die Position gibt. Aber für 2017 macht er den amtierenden World Champion sicher nicht schlechter. Für Davis geht in einem 1:1-Tausch Outfielder Jorge Soler nach Kansas City. Von ihm haben die Royals voraussichtlich auf lange Sicht etwas, denn Soler ist talentiert, nur 24 Jahre alt und hat noch vier Jahre eines sehr bezahlbaren Vertrags vor sich. Klingt für mich nach einem klassischen Win-Win-Geschäft für die beiden beteiligten Teams.

Rekordverträge für Reliever
Nicht nur an dem Trade für Wade Davis sieht man, dass Relief Pitcher dieses Jahr sehr gefragt sind, sondern auch an einigen frisch abgeschlossenen Verträgen mit Free Agents. Am Montag wurde sich Mark Melancon mit den San Francisco Giants einig. 62 Millionen Dollar für vier Jahre waren eine neue Rekordsumme; bisher war Jonathan Papelbon mit einem 50-Millionen-Vertrag der teuerste Reliever aller Zeiten gewesen. Melancons Rekord hielt allerdings nur zwei Tage, dann einigten sich die New York Yankees mit Aroldis Chapman auf dessen Rückkehr, die sie ihm mit stolzen 86 Millionen Dollar für fünf Jahre versüßen. Bei der Gelegenheit muss man sich mal in Erinnerung rufen, was die Yankees beim Trade im Juli alles bekommen haben für Chapman, der nun wieder da ist und (außer der Masse Geld für den neuen Vertrag, der so oder so angestanden hätte) nichts gekostet hat.

Weitere Free-Agent-Signings
Angesichts der Masse an hochkarätigen Trades und Verpflichtungen der vergangenen Tage liste ich die folgenden nur in aller Kürze auf. In ruhigeren Wochen wäre jeder einzelne von ihnen eine ausführliche Meldung wert gewesen:

Starting Pitcher Rich Hill bleibt bei den Los Angeles Dodgers. Für einen 37-Jährigen Spätentwickler ist ein Dreijahresvertrag über 48 Millionen Dollar ein stolzer Preis, aber Hill war der beste Free-Agent-Starter dieser Offseason und das spiegelt der Vertrag wider.

Outfielder Carlos Gomez bleibt bei den Texas Rangers. Sein neuer Vertrag bringt ihm 11,5 Millionen Dollar für ein Jahr, danach kann der 31-Jährige erneut den Free-Agent-Markt testen.

OF/DH Carlos Beltran kehrt mit einem Einjahresvertrag zurück zu den Houston Astros. Da er im April 40 Jahre alt wird, wird zweifellos die Frage aufkommen, ob er nach der Saison aufhört, aber noch hat er sich nicht in diese Richtung geäußert. Warum auch, solange seine Dienste einem MLB-Team noch 16 Millionen Dollar Jahresgehalt wert sind?

Catcher Wilson Ramos geht für zwei Jahre und leistungsabhängig 12,5 bis 18,25 Millionen Dollar zu den Tampa Bay Rays. Diese Verpflichtung leuchtet mir nicht ganz ein, vor allem angesichts der Vertragsdauer. In meinen Augen sind die Rays mindestens zwei Jahre davon entfernt, in der AL East konkurrenzfähig zu werden. Warum gibt man für diesen Zeitraum Geld für einen Top-Catcher aus, dessen Vertrag genau dann ausläuft, wenn man ihn vielleicht wirklich brauchen könnte? Ganz davon abgesehen, dass Ramos frisch operiert ist und voraussichtlich erst in der zweiten Saisonhälfte 2017 wieder spielen kann.

Allrounder Steve Pearce geht für zwei Jahre und 12,5 Millionen Dollar zu den Toronto Blue Jays. Das verstärkt den Eindruck, dass die Blue Jays sich zunehmend damit abfinden, die eigenen Free Agents Edwin Encarnacion und Jose Bautista nicht an sich binden zu können.

Ian Desmond, bei den Rangers erst kürzlich von Shortstop auf Center Fielder umgeschult, hat bei den Colorado Rockies einen Fünfjahresvertrag über 70 Millionen Dollar unterschrieben und soll dort wohl hauptsächlich als Firstbaseman eingesetzt werden.

RP Fernando Rodney hat in den Arizona Diamondbacks sein achtes MLB-Team gefunden. Der zum Saisonstart 40-Jährige kommt für ein Jahr und 2,75 Millionen Dollar plus leistungsbezogene Bestandteile. Rodney wird wohl als Closer antreten und könnte eine gute Gelegenheit für die Diamondbacks sein, zur Trade-Deadline etwas Gewinn abzuschöpfen, wenn sie wie erwartet aus dem Rennen sind und ein anderes Team für die Schlussphase der Saison einen erfahrenen Reliever braucht.

OF/DH Matt Holliday wird für ein Jahr und 13 Millionen Dollar bei den Yankees spielen. Holliday wird nächsten Monat 37 Jahre und soll ein Team mit vielen jungen Spielern mit seiner Erfahrung bereichern.

Die Miami Marlins haben SP Jeff Locke und Catcher A. J. Ellis mit Ein-Jahres-Verträgen ausgestattet. Die Marlins sind recht aktiv in dieser Offseason, allerdings auf einem Niveau, das 2017 eher als Übergangsjahr ohne große Pläne aussehen lässt – zumindest solange sich nicht das Gerücht bewahrheitet, dass sie ein hochdotiertes Angebot an RP Kenley Jansen gemacht haben.

Under Armour wird neuer Trikotausrüster 
Bis 2020 ist es noch eine Weile hin, aber die MLB hat sich diese Woche mit dem Sportartikelhersteller Under Armour geeinigt, dass dieser ab dann für zehn Jahre die Trikots aller 30 Mannschaften produzieren wird. Under Armour löst damit den bisherigen Ausrüster Majestic ab.

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November 8th, 2016 by Dominik

Es ist eine schöne Tradition, dass um diese Jahreszeit allseits darüber spekuliert wird, wo die wichtigsten Free Agents der MLB unterkommen. Teams und Spieler, die Verlängerungs- oder Ausstiegsklauseln ziehen wollten, haben das größtenteils vor dem heutigen Beginn der Free Agency getan. Zudem war gestern Abend die Deadline für sogenannte Qualifying Offers. Zehn Spieler haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,2 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die zehn Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Die Free-Agent-Klasse dieses Jahres erscheint mir insgesamt eher schwach; die beste Auswahl besteht an Hittern im Outfield und auch einige gute Closer sind zu haben, der Markt für Starting Pitcher, Catcher und Middle Infielder ist hingegen sehr dünn. Hier sind meine Top 20 der diesjährigen Free Agents:

  1. Yoenis Cespedes, OF, New York Mets

Nach dem vorhersehbaren Opt-Out aus dem Vertrag mit den Mets strebt Cespedes nun den großen Zahltag seiner Karriere an – mit Recht, muss man sagen, denn in seinen eineinhalb Saisons in New York hat er unter Beweis gestellt, dass er nicht nur ein guter Hitter sondern auch in der Lage ist, ein Team zu tragen. Er ist für mich die klare Nummer eins der diesjährigen Free Agency und wird für vier bis fünf Jahre einen deutlich dreistelligen Dollarbetrag herausholen. Cespedes fühlt sich bekanntlich wohl in New York und die Metsfans lieben ihn, aber ich fürchte, er wird der Vereinsführung zu teuer sein. Mein Tipp ist, dass er bei den anderen New Yorkern landet.

  1. Justin Turner, 3B, Los Angeles Dodgers

Ein flexibler Infielder, der offensiv wie defensiv seit drei Jahren gut produziert und darüber hinaus sowohl bei den Fans als auch im Clubhouse hohes Ansehen genießt – mit diesem Profil steht Justin Turner in dieser Free-Agent-Klasse ziemlich alleine da. Die Dodgers wissen, was sie an ihm haben und gelten als Favorit für eine Weiterverpflichtung, nicht zuletzt weil Turner in Kalifornien aufgewachsen und verwurzelt ist. Aber er wird sich nicht billig verkaufen, vier bis fünf Jahre für 70 bis 80 Millionen sollten schon drin sein – wenn nicht in Los Angeles, dann vielleicht in San Francisco oder in Atlanta („Hauptsache Kalifornien“ hätte Andi Möller jetzt gesagt).

  1. Aroldis Chapman, RP, Chicago Cubs

Die diesjährige Postseason hat gezeigt, dass die Reliever im modernen Baseball eine immer wichtigere Rolle spielen und Aroldis Chapman hatte daran großen Anteil, auch wenn er im legendären Spiel 7 fast zur tragischen Figur geworden wäre. Er tritt seit fünf Jahren als Closer an, in der Zeit hat er 91% seiner Savegelegenheiten verwandelt und nur 1.84 ERA zugelassen. Die heißesten Kandidaten auf einen hochdotierten Vertrag mit ihm sind die Teams, für die er letztes Jahr gespielt hat, also die Cubs und die Yankees. Aber ich lehne mich mal aus dem Fenster und prognostiziere, dass er bei den Giants unterschreibt, die damit ihren lange gehegten Schwachpunkt ausmerzen.

  1. Rich Hill, SP, Los Angeles Dodgers

Hill wird bis Saisonbeginn 37 sein und spätestens seit er in der vergangenen Saison wochenlang wegen einer Blase am Finger ausfiel, haftet ihm der Ruf der Verletzungsanfälligkeit an. Wenn er auf dem Mound stand, hat er jedoch hervorragende Arbeit abgeliefert (2.12 ERA) und angesichts der kaum vorhandenen Konkurrenz auf dem FA-Markt für Starting Pitcher dürften Hill eine Menge gut dotierter Angebote ins Haus flattern. Er wird für zwei bis drei Jahre irgendwo landen, wo Geld vorhanden und Starting Pitching gesucht ist – beides trifft auf seinen bisherigen Club zu und deshalb sehe ich ihn weiterhin bei den Dodgers.

  1. Edwin Encarnacion, 1B/DH, Toronto Blue Jays

Mit einer OPS von .886, 42 Home Runs und 127 RBIs ist Encarnacion der vielleicht gefährlichste Batter unter allen diesjährigen Free Agents. Geschmälert wird sein Wert allerdings nicht nur durch sein Alter von bald 34 Jahren, sondern auch dadurch, dass defensiv mit ihm nicht viel anzufangen ist. Ich schätze, damit ist er für die gesamte National League unattraktiv. Ich kann mir gut vorstellen, dass er sich letzten Endes mit den Blue Jays auf eine weitere Zusammenarbeit einigt. Wenn nicht, dann vermute ich, dass er bei den Boston Red Sox die Nachfolge für Big Papi David Ortiz antritt. Sagen wir mal 60 Millionen für drei Jahre.

  1. Kenley Jansen, RP, Los Angeles Dodgers
  2. Deter Fowler, OF, Chicago Cubs
  3. Mark Trumbo, OF, Baltimore Orioles
  4. Jose Bautista, OF, Toronto Blue Jays
  5. Mark Melancon, RP, Washington Nationals
  6. Jeremy Hellickson, SP, Philadelphia Phillies
  7. Ian Desmond, SS/OF, Washington Nationals
  8. Neil Walker, 2B, New York Mets
  9. Colby Rasmus, OF, Houston Astros
  10. Carlos Gomez, OF, Texas Rangers
  11. Wilson Ramos, C, Washington Nationals
  12. Josh Reddick, OF, Los Angeles Dodgers
  13. Matt Wieters, C, Baltimore Orioles
  14. Steve Pearce, 1B/OF, Baltimore Orioles
  15. Mike Napoli, 1B, Cleveland Indians

Zu guter Letzt noch eine Erinnerung: Ich freue mich über jeden weiteren Beitrag zum Offseason-Wunschkonzert.

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