Dezember 14th, 2017 by Dominik

Der Knoten in der MLB-Offseason ist geplatzt: Am Wochenende haben sich Giancarlo Stanton und Shohei Ohtani, die wichtigsten Wechselkandidaten des Jahres, für neue Teams entschieden. Gerade rechtzeitig vor den Winter Meetings der MLB, die diese Woche in Orlando stattfinden. Diese Meetings oder wohl eher die Lunch- und Kaffeepausen dazwischen sind traditionell eine Gelegenheit, zu der viele Trades und sonstige Transaktionen in die Wege geleitet oder zum Abschluss gebracht werden. In diesem Jahr ist bislang vor allem der Markt für Reliever sehr aktiv gewesen. Ein spannender Teil und zugleich der Abschluss der Winter Meetings ist die heute Nachmittag stattfindende Rule-5-Draft.

Jubel und Sorgen um Ohtani
Die Los Angeles Angels sind der Gewinner des großen Buhlens um den japanischen Star-Pitcher und -Outfielder Shohei Ohtani. Diese Nachricht kam etwas überraschend: Als Ohtani letzte Woche zunächst 23 Teams einschließlich den ehemals als Favoriten geltenden Yankees absagte, wurden ihm diverse Ziele zugeschrieben: Er wolle an die Westküste, hieß es, und zumindest dazu passt seine Wahl der Angels. Zu den anderen Kriterien, von denen man lesen durfte, passt sie allerdings weniger: Er wolle zu einem Team mit mittelgroßem Markt, das sind die Angels sicher nicht. Er wolle zu einer Franchise mit einer guten Farm, das behaupten von den Angels nicht viele – erst recht nicht nachdem sie gerade zwei von ihren ohnehin nicht zahlreichen Prospects nach Detroit geschickt haben als Gegenleistung für 2B Ian Kinsler. Und er wolle zu einem Team, in dem er der Star ist – dazu müsste er in Anaheim erst mal an Mike Trout vorbei kommen. Aber sei es wie es will, die Angels sind es geworden, es sei ihnen herzlich gegönnt und jetzt darf man gespannt sein, ob Ohtani dem Hype gerecht wird.

Die jüngsten Meldungen sind leider nicht allzu ermutigend: Vorgestern wurde bekannt, dass Ohtani unter einem beschädigten ulnaren Seitenband im Wurfellenbogen leidet. Es handelt sich wohl vorerst nur um einen kleinen Riss, der ihn nicht zwingend beeinträchtigt. Aber für den Fall, dass das Band komplett durchreißen sollte, droht Ohtani die berüchtigte Tommy-John-Surgery und damit mindestens ein Jahr Pause.

Ziemlich neueste Freunde 
Auch Giancarlo Stanton hat eine neue Heimat gefunden und vermutlich auch einen neuen Freund: Mit Aaron Judge bildet er bei den New York Yankees zukünftig eine Mitte des Lineups, wie die MLB sie kaum jemals gesehen hat. 111 Homeruns haben die beiden 2017 zusammen geschlagen und es würde mich nicht wundern, wenn es demnächst noch mehr werden: erstens weil Judge dieses Jahr ein Rookie war und daher wohl noch Steigerungspotenzial hat; zweitens weil Stanton nun in einem deutlich hitterfreundlicheren Heimstadion spielt als bisher; drittens weil es für gegnerische Pitcher schwieriger wird, um einen der beiden herum zu pitchen, wenn danach direkt der andere an die Platte tritt.

Die Yankees haben Stanton von den Marlins mehr oder weniger geschenkt bekommen: Sie schicken nach Miami zwei nachrangige Prospects sowie 2B Starlin Castro inklusive dessen als zu teuer geltenden Zweijahresvertrag. Derek Jeter, Yankees-Legende und jetzt Miteigentümer der Marlins, ist seinem alten Klub sogar noch in der Form entgegen gekommen, dass die Marlins 30 von den 295 Millionen Dollar übernehmen, die Stanton aus seinem Vertrag noch zustehen. Somit spielt Stanton gut ein Jahr lang kostenlos für die Yankees.

Der Ausverkauf der Marlins geht weiter 
Jeter und die Marlins meinen es ernst damit, sich von ihren Stars trennen und den Kader billiger machen zu wollen. Das beweist nicht nur der Stanton-Trade zu den Yankees, sondern auch der Trade von 2B/OF Dee Gordon zu den Seattle Mariners und der von OF Marcell Ozuna zu den St. Louis Cardinals. Für beide erhalten die Marlins eine Reihe von Prospects. Als nächstes könnte OF Christian Yelich auf dem Sprung sein, womit die Marlins ihr komplettes bisheriges Outfield und damit ihre größte Stärke los wären. Zudem sind sie wohl nicht abgeneigt, den frisch von den Yankees übernommenen 2B Starlin Castro direkt weiter zu traden.

Cubs rüsten Pitching auf
Die Chicago Cubs zählen zu den aktiveren Franchises der letzten Tage und ihre Aufmerksamkeit galt klar dem Pitching: Tyler Chatwood wurde für drei Jahre und 38 Millionen Dollar verpflichtet, um die Starting Rotation zu ergänzen – nicht zuletzt weil eine Weiterbeschäftigung von Jake Arrieta inzwischen als unwahrscheinlich gilt. Chatwood hatte bei den Rockies zuletzt eher unspektakuläre Zahlen (4.69 ERA) produziert, die aber stark durch den Einfluss des Ballparks in Colorado bestimmt waren. Eine weitere Investition in die Rotation haben die Cubs mit Drew Smyly getätigt, der einen Zweijahresvertrag erhält. Nützen wird er seinem neuen Team wohl erst 2019, denn Smyly hatte im Juni eine Tommy-John-Surgery und wird somit frühestens gegen Ende der Saison 2018 einsetzbar sein. Eine sofortige Verstärkung für den Bullpen dürfte Brandon Morrow sein. Der Reliever hatte ein starkes Jahr inklusive einer arbeitsreichen Postseason, in der er in allen 15 Spielen des letztendlichen Vizemeisters Los Angeles Dodgers aktiv war.  Die Cubs zahlen Morrow 21 Millionen für zwei Jahre und haben die Option auf ein drittes Jahr.

Pineda zu den Twins
Die Minnesota Twins haben mit dem Zweijahresvertrag für Starter Michael Pineda ein ähnliches Projekt gestartet wie die Cubs mit Drew Smyly. Pineda kommt ebenfalls frisch von einer Tommy-John-Surgery und wird mindestens einen Großteil der kommenden Saison verpassen.

Tigers signen Fiers und Martin
Auch die Detroit Tigers haben ein paar Free Agents an Land gezogen, wobei SP Mike Fiers und OF Leonys Martin nicht wirklich Spieler sind, die einer bestenfalls auf der Stelle tretenden Franchise entscheidend weiterhelfen dürften. Beide Verpflichtungen sind wohl eher Wetten darauf, dass nach einem enttäuschenden Jahr ein gewisser Rebound erfolgt und man sie zur Trade Deadline gewinnbringend – das heißt gegen ordentliche Prospects – eintauschen kann.

Reliever heiß umworben 
Besonders gefragt waren in der bisherigen Offseason Relief-Pitcher. Das bestätigt die Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, dass Reliever von den Teams als immer wichtiger eingestuft werden. Die Zeiten, in denen Einjahresverträge der Standard für Reliever waren, scheinen jedenfalls vorbei zu sein: Neben dem bereits erwähnten Brandon Morrow (Cubs) haben auch Luke Gregerson (Cardinals), Pat Neshek (Phillies), Bryan Shaw (Rockies), Tommy Hunter (Phillies), Jake McGee (Rockies), Anthony Swarzak (Mets), Juan Nicasio (Mariners), Joe Smith (Astros), Brandon Kintzler (Nationals) und Chris Martin (Texas Rangers) in den vergangenen paar Tagen allesamt Verträge über mehrere Jahre abgeschlossen.

Machado ist zu haben
Kaum dass das Thema Giancarlo Stanton abgeschlossen ist, drängt sich die nächste mögliche Trade-Geschichte um einen Star auf: Die Baltimore Orioles sind offenbar interessiert daran, 3B Manny Machado loszuwerden, solange sie noch etwas für ihn bekommen, bevor nach der kommenden Saison ohnehin sein Vertrag ausläuft. Machado wäre mit einem Trade wohl einverstanden, insbesondere weil er gern wieder auf seiner ursprünglichen Position als Shortstop spielen würde. Viel zu melden hat Machado bei einem Deal allerdings nicht, denn sein Vertrag enthält keine No-Trade-Klausel. Angeblich liegen bereits fünf Traadeangebote vor, als Favorit  gelten zurzeit die Cardinals. Auch die Yankees sollen Interesse bekundet haben. Es dürfte aber unwahrscheinlich sein, dass die Orioles einen Trade innerhalb der eigenen Division anstreben. Zumindest würden sie dann wohl einen höheren Preis verlangen als ihn die Yankees zu zahlen bereit sind.

Rule-5-Draft heute
Heute ab 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit läuft die Rule-5-Draft der MLB. Der Zweck der Veranstaltung besteht darin, zu verhindern, dass MLB-Teams übermäßig Talente horten. Zur Auswahl stehen Spieler, die mit 18 oder 19 Jahren verpflichtet wurden, seit fünf bzw. vier Jahren unter Vertrag stehen und nicht Teil des 40-Spieler-Rosters ihrer Franchise sind. Diese Spieler können von anderen Franchises – in der Reihenfolge der normalen Draft, also vom schlechtesten bis zum besten Team der letzten Saison – angefordert werden. Im Gegenzug muss das neue Team dem alten 100.000 Dollar bezahlen und den Spieler die gesamte Saison über im 25-Spieler-Kader behalten. Tut es das nicht, hat das alte Team das Recht, den Spieler für 50.000 Dollar zurück zu kaufen. Interessant ist die Rule-5-Draft naturgemäß vor allem für Teams im Rebuilding, denen es nichts ausmacht, einen Rosterplatz mit jemandem zu besetzen, den ein anderes Team als noch nicht MLB-bereit eingestuft hat.

Üblicherweise wechseln über die Rule-5-Draft zwischen 10 und 20 Spieler das Team. Die zur Wahl stehenden Spieler kommen mit mehr oder weniger großen Fragezeichen, denn schließlich werden die bisherigen Teams ihre Gründe haben, diese Spieler nicht durch Aufnahme in den 40-Spieler-Kader vor der Rule-5-Draft zu schützen. Als Kandidaten, die dieses Jahr gewählt werden könnten, gelten zum Beispiel P Mark Appel (#1-Pick der Astros 2013, enttäuschte bisher in den Minors), P Kohl Stewart (#4-Pick der Twins 2013, verletzungsanfällig) und (C/1B Max Pentecost #11-Pick der Blue Jays 2014, ebenfalls oft verletzt).

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November 9th, 2017 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr. Bis es im April wieder um Spiele und Ergebnisse geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich hiermit ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Roy Halladay und Daniel Flores sind tot
Einsteigen muss ich leider mit zwei sehr traurigen Meldungen: Roy Halladay, während seiner aktiven Zeit für Philadelphia und Toronto einer der besten Pitcher der MLB, ist im Alter von nur 40 Jahren ums Leben gekommen. Halladay brachte es von 1988 bis 2013 dreimal zum All-Star und gewann je einen Cy-Young-Award in der National und in der American League. Legendär wurde er im Jahr 2010,  als er für die Phillies ein Perfect Game in der regulären Saison und einen No-Hitter in den Playoffs warf. „Doc“ Halladay starb am Dienstag beim Absturz eines von ihm selbst gesteuerten Leichtflugzeuges in den Golf von Mexiko.
Genauso traurig ist die Geschichte von Daniel Flores: Gerade mal 17 Jahre alt wurde der Nachwuchs-Catcher, den die Boston Red Sox erst im Sommer dieses Jahres für einen Signing-Bonus von über drei Millionen Dollar aus seiner Heimat Venezuela geholt hatten. Er schien eine große Zukunft vor sich zu haben, galt als Top-10-Prospect sowohl innerhalb der Franchise als auch unter allen Catchern im US-Baseball. Flores starb laut Meldung der Red Sox an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.

Neue Manager für sechs MLB-Teams
Ein Fünftel der MLB-Teams wird mit einem neuen Manager in die Saison 2018 gehen. Zur Erinnerung: Der Manager ist im Baseball-Sprachgebrauch die Position, die man in anderen Sportarten als Headcoach oder Cheftrainer bezeichnet.
In Detroit hat man sich für einen alten Hasen entschieden in Person von Ron Gardenhire, der von 2002 bis 2014 dreizehn Jahre lang die Minnesota Twins gemanagt hatte. Der 60-Jährige soll mit seiner Erfahrung den dringend nötigen Neuaufbau der Tigers begleiten.
Ebenfalls im Neuaufbau befinden sich die Philadelphia Phillies, die dabei auf ein ganz neues Gesicht setzen: Gabe Kapler verfügt bisher über keine Erfahrung als Manager außer einem kurzfristigen Minor-League-Engagement vor zehn Jahren, nach dem er dann doch noch bis 2011 seine Karriere als Spieler fortsetzen. Als Director of Player Development der Los Angeles Dodgers durfte der 42-Jährige in den vergangenen drei Jahren unter Beweis stellen, dass er ein gutes Händchen in der Entwicklung junger Spieler hat.
Die anderen vier Teams, die sich für einen Wechsel des Managers entschieden haben, streben keinen Neuaufbau sondern zeitnahe Erfolge an. Die Boston Red Sox erhoffen sich diese von Alex Cora, der als Bench Coach in Houston gerade die World Series gewonnen hat. Außer diesem einen Jahr Coaching-Erfahrung ist Cora in dem Metier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt aber als hervorragender Analyst und stand bei mehreren Teams auf der Kandidatenliste als Manager.
Eines dieser Teams waren die New York Mets. Sie haben sich letztlich für Mickey Callaway entschieden, den bisherigen Pitching-Coach der Cleveland Indians. In dieser Rolle hat er fünf Jahre lang sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und sich damit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfohlen. Callaway ist genau wie Kapler und Cora 42 Jahre alt, das scheint dieses Jahr ein beliebtes Einstiegsalter zu sein.
Ein paar Jahre älter, genauer gesagt 53, musste Dave Martinez werden, bevor ihm die Washington Nationals seine erste Chance als Manager auf höchster Ebene anboten. Er bringt zehn Jahre Erfahrung als Bench Coach der Tampa Bay Rays und der Chicago Cubs mit.
Die einzige derzeit noch offene Managerstelle der MLB ist die wohl begehrteste, nämlich die der New York Yankees. Etwas überraschend trennten sich die Yankees nach der Saison von Joe Girardi, der zehn Jahre lang das Zepter in der Hand gehalten und 2009 einen World-Series-Titel geholt hatte. Die Yankees haben gerade erst mit den Bewerbungsgesprächen begonnen; als erster wurde der bisherige Bench Coach Rob Thomson interviewt. Die Kandidatenliste ist noch lang, der prominenteste Name darauf ist jedoch bereits gestrichen: Alex Rodriguez hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse an dem Job hat.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 18 Preisträger gibt es, je einen auf jeder Position in der National League und in der American League. Besonders hervorzuheben sind 3B Nolan Arenado (Rockies), LF Jason Heyward (Cubs) und LF Alex Gordon (Royals), die jeweils schon zum fünften Mal in ihrer Karriere die Ehrung erhalten haben. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2017.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Anfang September bereits abgegeben und anscheinend habe ich zumindest nicht ganz falsch gelegen, denn meine Favoriten sind allesamt noch im Rennen.

Qualifying Offers für neun Spieler
Der wichtigste Teil der Offseason ist die Free Agency, die am Sonntag offiziell begonnen hat. Ihr Startschuss ist gleichzeitig die Deadline für das Einreichen sogenannter Qualifying Offers. Neun Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,4 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die neun Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Stanton, Gordon, Yelich im Ausverkauf?
Trade- und Free-Agent-Gerüchte gibt es in dieser Zeit des Jahres mehr als man erzählen kann. Im Mittelpunkt davon stehen dieses Mal die Miami Marlins, nachdem die neue Owner-Gruppe um Derek Jeter angekündigt hat, einen massiven Umbruch einzuleiten und die Kosten des Kaders deutlich zu reduzieren. RF Giancarlo Stanton, 2B Dee Gordon und CF Christian Yelich sind die drei herausragenden Kandidaten, die gesteigertes Interesse anderer Teams hervorrufen dürften. Das gilt ganz besonders für Stanton, der dieses Jahr die meisten Homeruns (59) erzielt hat seit Barry Bonds 2001 auf dem Höhepunkt der Doping-Ära 73 gelangen. Ihn hätte sicher jeder General Manager gern im Team, allerdings kommt Stanton mit einem dicken Rucksack: Das neue Team müsste den noch bis 2028 laufenden Vertrag übernehmen, der Stanton durchschnittlich 25 Millionen Dollar im Jahr einbringt. So krank es sich anhören mag: 25 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen Superstar sind in der MLB durchaus im normalen Rahmen. Das Problem bei der Sache ist die Verpflichtung, die teure Bezahlung noch elf Jahre aufrecht zu erhalten, ohne zu wissen ob Stanton mit 38 noch fit ist und abliefert. Ich bin relativ sicher, dass die Marlins jemanden finden, der den Vertrag übernimmt. Viel Gegenwert in Form von Prospects werden sie wegen der problematischen Vertragssituation aber nicht erwarten dürfen.

Lackey, Colon, Granderson haben noch lange nicht genug
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als zum Beispiel David Ortiz und Alex Rodriguez ihre Karriere beendeten, hat in der laufenden Offseason noch kein ganz Großer seinen Übergang in den Ruhestand verkündet. Die Pitcher Matt Cain (Giants) und Bronson Arroyo (Reds) sind bislang die namhaftesten Neurentner des Jahres. Drei andere Kandidaten, Pitcher John Lackey (39, Cubs), Pitcher Bartolo Colon (44, Twins) und Outfielder Curtis Granderson (36, Dodgers) haben trotz fortgeschrittenen Alters und auslaufender Verträge bereits angekündigt, dass sie auch nächstes Jahr noch in der MLB zu spielen gedenken. Ich freue mich drauf.

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September 21st, 2017 by Dominik

Nur noch elf Tage, dann ist die reguläre Saison 2017 der MLB vorbei. Das bedeutet noch neun bis zwölf Spiele pro Team und für die meisten Teams haben diese Spiele keine große Bedeutung mehr. Zumindest steht für sie bereits fest, ob sie an den Playoffs teilnehmen oder nicht. Je ein Divisionssieger und je ein Wild-Card-Team in jeder Liga sind aber noch offen und auf diese vier Entscheidungen konzentriere ich mich im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

National League
Haken wir schnell die National League East ab, denn hier stehen die Washington Nationals (92-59) schon lange als Sieger fest und den Rest der Division kann man dieses Jahr getrost vergessen.

Auch die NL West ist zu Gunsten der Los Angeles Dodgers (96-56) bereits klar entschieden und den Arizona Diamondbacks (88-65) ist die Wild Card auch nur theoretisch noch zu nehmen. Richtig spannend wird es aber noch für die Colorado Rockies (82-70). Sie sahen über weite Strecken der Saison wie ein weiteres sicheres Wild-Card-Team aus, doch auf der Zielgeraden ist ihnen anscheinend die Puste ausgegangen. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rockies sieben, zuletzt drei hintereinander gegen die Kellerkinder San Diego Padres und San Francisco Giants. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber den Milwaukee Brewers (81-71) ist dadurch auf nur noch ein einziges Spiel zusammengeschmolzen.

Die Brewers haben im Hinblick auf die Playoffs sogar noch zwei Eisen im Feuer, denn auch um den Divisionssieg in der NL Central ist die Entscheidung noch nicht gefallen: Die Chicago Cubs (84-67) liegen zwar dreieinhalb Spiele in Front, doch ab heute steht in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Brewers und den Cubs an (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und danach kann die Welt in der NL Central komplett anders aussehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich gering: Fangraphs beziffert die Chancen der Brewers auf den Divisionssieg auf gerade mal 2,9% und die auf eine Wild Card auch nur auf 18,7%. Mit 68,1% Wahrscheinlichkeit hingegen wird die zweite Wild Card bei den Rockies gesehen, was mir persönlich ein wenig hoch gegriffen erscheint. Zwar hat Colorado das etwas leichtere Restprogramm (Padres, Marlins, Dodgers) als die Brewers (Cubs, Reds, Cardinals), aber diese weisen derzeit die deutlich günstigere Leistungskurve auf.

American League
Die American League East ist die zweite Division der MLB, die eineinhalb Wochen vor Schluss noch nicht entschieden ist. Die Boston Red Sox (88-64) halten sich mit beeindruckender Konstanz vor den New York Yankees (85-67), obwohl diese ihnen vom Run Differential und insbesondere der Offensivstärke her statistisch deutlich überlegen sind. Aber wen interessieren schon Statistiken, wenn man wie die Red Sox derzeit einfach ein Talent dafür hat, auch höchst mittelmäßige Auftritte durch ein paar defensive Highlight-Aktionen und einen Wild-Pitch-Score im elften Inning zu gewinnen oder im neunten Inning drei Runs aufzuholen und den Gegner im fünfzehnten aus dem Stadion zu ballern (siehe „Spiel der Woche“)? Die Red Sox stehen derzeit 15-3 in Spielen mit Extra-Innings und führen in dieser Statistik deutlich die Liga an.

Die AL Central ist fest in der Hand der Cleveland Indians (95-57), die auch das Ende ihrer 22-Siege-Serie nicht aus der Fassung gebracht hat. Nach ihrer einzigen Niederlage seit einem Monat haben sie sich kurz für den aufgestellten Rekord feiern lassen und danach mit dem weiter gemacht, was sie zurzeit am besten können: Spiele gewinnen. Ihrem stärksten Konkurrenten in der Division, den Minnesota Twins (78-74) ist das zurzeit ganz recht, denn ihre beiden jüngsten Siege haben die Indians gegen die Los Angeles Angels (76-75) erzielt. Mit denen liefern sich die Twins ein Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der AL und mit momentan eineinhalb Spielen Vorsprung hat das Überraschungsteam des Jahres derzeit die Nase vorn. Wobei der Begriff „Rennen“ vielleicht nicht ganz der richtige ist angesichts der Tatsache, das sowohl die Twins als auch die Angels zuletzt dreimal in Folge im Gleichschritt verloren haben

Neben den Angels gibt es in der AL West, deren Spitze längst zugunsten der Houston Astros (93-58) entschieden ist, mit den Texas Rangers (75-76) und den Seattle Mariners (74-78) noch zwei weitere Anwärter auf die zweite Wild Card.  Mit zweieinhalb bzw. vier Spielen Rückstand und schweren Restspielplänen sieht Fangraphs die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mariners und die Rangers – ebenso wie für die Kansas City Royals (74-77) aus der AL Central – bei unter 5% und das scheint mir sehr realistisch.

Szene(n) der Woche
Diese Rubrik steht diese Woche unter dem Motto „MLB-Profis sind auch nur Menschen“. Als solche sind sie auch vor haarsträubenden Fehleinschätzungen nicht gefeit, was zum Beispiel Nationals-Outfielder Jayson Werth in dieser Szene unter Beweis stellte. Dass man so einen Flyball an die Wand nicht fängt, kommt schon mal vor; originell wird die Sache dadurch, dass Werth felsenfest und voller Selbstvertrauen an seinem Platz steht und auf den Ball wartet, der dann ganz woanders landet. Genauso originell war ein Call von Umpire Jordan Baker im Spiel der Cubs gegen die Cardinals vom Freitag, der nach einem glasklaren Strike bei vollem Count auf Walk entschied. Dass Pitcher John Lackey und Catcher Willson Contreras danach auf die Barrikaden gingen, brachte ihnen zurecht Platzverweise ein, aber auch ihre Reaktionen waren letztlich ganz klar: menschlich.

Statistik der Woche 
5.753. So viele Homeruns wurden dieses Jahr bisher in der MLB geschlagen. Damit ist schon eineinhalb Wochen vor Saisonende ein neuer Rekord erreicht. Die bisherige Bestmarke von 5.693 stammte aus dem Jahr 2000. Sie wurde Dienstagnacht von Alex Presley (Detroit TIgers) eingestellt und von Alex Gordon (Kansas City Royals) mit Nummer 5.694 übertroffen. Den größten Beitrag zum Rekord hat Giancarlo Stanton geleistet, der die Liga mit bislang 56 Homeruns in diesem Jahr anführt. Die meisten Homeruns als Team haben die Baltimore Orioles mit 227 erzielt.

Spiel der Woche
Wie weiter oben schon erwähnt, überzeugen die Boston Red Sox momentan vor allem dadurch, dass sie Mittel und Wege finden, auch nach schwachen Auftritten den Platz als Sieger zu verlassen. Ein Paradebeispiel dafür war die Partie gegen die Tampa Bay Rays am Freitag: In einem der schwächeren Starts von Chris Sale gingen die Red Sox zwar im ersten und im vierten Inning knapp in Führung, gerieten dann aber bis nach dem achten Inning 2:5 ins Hintertreffen, unter anderem durch zwei Homeruns von Tampas Wilson Ramos. Irgendwie gelang es Boston gegen Rays-Closer Alex Colome mit Hilfe von einem Walk, einem Wild Pitch, einem Error und ein paar Hits auf 5:5 auszugleichen. Vier scorelose Innings später gelang den Red Sox mit einem Single von Rafael Devers die Führung, doch Kevin Kiermaier wollte das Spiel im Namen der Rays nicht hergeben: Zuerst besorgte der Centerfielder das dritte Aus, indem er Mitch Moreland an der dritten Base auswarf, dann schlug er einen Solo-Homerun zum erneuten Ausgleich. Im fünfzehnten Inning sah ein Ball auf Tampas 2B Brad Miller stark nach Doubleplay aus, doch Miller bekam ihn nicht in den Griff und Jackie Bradley Jr. scorte das 7:6. Dann brachen plötzlich alle Dämmme und die Red Sox zogen auf den 13:6-Endstand davon. In dem sechs Stunden und fünf Minuten langen Spiel gab es insgesamt sechs Führungswechsel und 37 Strikeouts, davon 24 gegen die Rays.

Spiel der kommenden Woche
Realistisch betrachtet gibt es sieben Teams, für die es ernsthaft noch um etwas geht in dieser Saison, also darum ob und auf welchem Weg (Divisionssieg oder Wild Card) sie die Playoffs erreichen: die Red Sox, die Yankees, die Twins, die Angels, die Cubs, die Brewers und die Rockies. Nur in einer einzigen Serie spielen dieses Jahr noch zwei Teams aus dieser Reihe direkt gegeneinander. Daher ist diese von heute bis Sonntag laufende Serie zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs ganz klar mein Einschaltipp der Woche. Für beide Teams geht es, wie oben beschrieben, sowohl um den Divisionssieg als auch – falls selbiger verpasst wird – um eine Wild Card, die man zunächst den Colorado Rockies abjagen müsste. Holen die Cubs mindestens zwei der vier Spiele, so sind sie wohl durch als Vertreter der NL Central. In jedem anderen Fall wird es für sie eine extrem heiße letzte Woche. Da es sich von der Startzeit um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit her anbietet und auch das voraussichtliche Pitcherduell zwischen José Quintana (4.27 ERA, 3.87 FIP) und Chase Anderson (2.74 ERA, 3.58 FIP) reizvoll erscheint, empfehle ich aus der Serie konkret die Partie am Sonntag. Anderson ließ übrigens bei seinem letzten Start gegen die Cubs nur einen Hit in fünf Innings zu und wurde nach 67 Pitches zur Schonung ausgewechselt, weil die Brewers bereits 14:0 führten.

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