April 19th, 2018 by Dominik

„Kepler hat ausgedient.“ Ich muss zugeben, dass mir kurz der Schreck in die Glieder fuhr, als ich heute Morgen diese Schlagzeile las. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nicht um unseren deutschen MLB-Star ging, sondern um das gleichnamige Weltraumteleskop. Irgendein Zusammenhang scheint allerdings zu bestehen, denn in der gleichen Nacht, in der das Teleskop „Kepler“ durch seinen Nachfolger „Tess“ abgelöst wurde, wurde auch Max Kepler mit Knieproblemen ausgewechselt. Gut, dass ich nicht abergläubisch bin – und noch besser, dass es nach ersten Erkenntnissen keine schlimme Verletzung ist. Es wird erwartet, dass Kepler – der Spieler, nicht das Teleskop – nach ein, zwei Tagen Pause wieder voll einsatzbereit ist.

Nach wie vor nicht voll einsatzbereit sind mehrere MLB-Ballparks. Die seit Wochen anhaltenen Wetterkapriolen führen nach wie vor zu zahlreichen Spielausfällen und somit zu recht krummen Tabellen; einige Teams haben schon 18 Spiele absolviert, die Twins erst 13. Sogar im überdachten Rogers Center in Toronto fiel diese Woche ein Spiel aus, weil eben jenes Dach ein Loch hatte, nachdem Eisbrocken vom benachbarten CN Tower herunter gefallen waren.

American League
Die Boston Red Sox (15-2) sind aktuell das Maß aller Dinge in der MLB. 88% ihrer Partien haben sie bislang gewonnen, darunter zuletzt sechs hintereinander und zwei sehr deutlich in den AL-Spitzenspielen gegen die Los Angeles Angels. An das Run Differential der Red Sox von +60 kommt ligaweit nur ein einziges Team auf mehr als die Hälfte heran und das ist der Divisionskonkurrent aus der American League East, die Toronto Blue Jays (12-5) mit +38. Auf das erste Aufeinandertreffen der Red Sox und der Blue Jays in der kommenden Woche darf man sich jetzt schon freuen. Vorher warten allerdings noch die New York Yankees (8-8) mit einer Vier-Spiele-Serie auf die Blue Jays (siehe „Mein Einschalttipp“). Die Yankees werden dringend beweisen wollen, dass sie mehr zu bieten haben als den durchwachsenen Start in die Saison. Arbeiten müssen sie vor allem an ihren Unkonzentriertheiten, die zu 17 Errors in 16 Spielen führten, den meisten in der AL. Relativ hoffnungslos erscheint schon kurz nach Saisonbeginn die Lage für die Baltimore Orioles und die Tampa Bay Rays (jeweils 5-13). Für die Rays gab es nun noch eine Hiobsbotschaft, denn einer ihrer wenigen Stars, CF Kevin Kiermaier, muss am Daumen operiert werden und fällt drei Monate lang aus.

Die AL Central hat gerade Puerto Rico begeistert, genauer gesagt lieferten die Cleveland Indians (9-7) und die Minnesota Twins (8-5) sich dort eine Zwei-Spiele-Serie um die Vorherrschaft in der Division. Den Puerto Ricanern wurde einiges geboten: Das erste Spiel entschieden die Indians 6:1 für sich durch vier Homeruns, und den ersten erzielte ausgerechnet der in Puerto Rico geborene und aufgewachsene Francisco Lindor; das zweite Spiel entwickelte sich zu einem 16-Inning-Marathon, den die Twins schließlich 2:1 gewannen durch einen Run ihres Puerto Ricaners Eddie Rosario. Die Indians und die Twins bleiben somit eng beisammen an der Spitze der zweigeteilten Division, in deren unterem Teil die Detroit Tigers (6-9) derzeit das Schneckenrennen gegen die Chicago White Sox (4-11) und die Kansas City Royals (3-13) anführen.

In Oakland wird derweil munter gefeiert, denn die Athletics (9-10) sind seit genau 50 Jahren dort zu Hause. Obwohl sie sich wohl nichts sehnlicher wünschen, als endlich aus dem alten Coliseum ausziehen zu dürfen, haben sie es noch mal ordentlich gefüllt, indem die Tickets für das Spiel am Dienstag verschenkt wurden. 46.028 Menschen folgten dem Aufruf, was trotz Gratistickets zwar kein ganz kein volles Haus war, angesichts der Umstände in Oakland aber als Erfolg gilt. Auch die Ergebnisse stimmen zurzeit, die A’s blicken auf ungewohnte vier Siege in Folge und auf zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Texas Rangers (7-13). Angeführt wird die AL West nach wie vor von den Los Angeles Angels (13-5). Die Angels haben durch die zwei Niederlagen gegen Boston deutlich an Boden verloren gegenüber den Houston Astros (12-7), welche in der gleichen Zeit zweimal die Seattle Mariners (9-7) abfertigten. Die Serie gegen Seattle ist jedoch noch nicht gewonnen, denn einmal haben auch die Mariners schon gewonnen und heute Abend gibt es eine vierte Partie.

National League
Das erfolgreichste Team der National League East und auch der NL ingesamt sind immer noch die New York Mets (13-4), auch wenn sie diese Woche erstmals eine Serie abgeben mussten: Zwei von drei Heimspielen gegen die Washington Nationals (9-10) wurden verloren, das dritte allerdings relativ spektakulär mit neun Runs im achten Inning gewonnen. Die Mets gegen die Nationals ist nach wie vor das Duell, auf das ich in dieser Division primär schaue. Doch bislang halten sich auch die Atlanta Braves und die Philadelphia Phillies (jeweils 10-7) weiterhin wacker. Die Phillies haben nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Pirates und die Diamondbacks. Die Braves müssen unterdessen viermal gegen die Mets antreten. Ihr prominenter Neuzugang José Bautista wird in diesen Spielen noch nicht zum Einsatz kommen; der 37-jährige Slugger soll in einem verlängerten Spring Training und dann zunächst in den Minors an Wettkampffähigkeit herangeführt werden, bevor ein Aufrücken in den MLB-Kader infrage kommt. Möglicherweise braucht man ihn aber doch relativ schnell, nachdem 1B Freddie Freeman letzte Nacht einen Pitch an die Hand bekommen hat, die schon einmal gebrochen war. Falls er länger ausfällt, könnte es ein paar Verschiebungen im Lineup geben und Bautista möglicherweise für die dritte Base infrage kommen.

Die Cincinnati Reds (3-13) trennen sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Manager Bryan Price und Pitching Coach Mack Jenkins, die Meldung kam gerade ganz frisch rein. Abgesehen von den Reds am Ende der Tabelle sieht die NL Central bislang komplett anders aus als man es vor der Saison erwartet hätte. Die Pittsburgh Pirates (12-6) überzeugen nach wie vor vor allem mit Offensive und rehabilitierten sich letzte Nacht durch ein 10:2 gegen die Rockies für ihre erste verlorene Serie der Saison. Es folgen die St. Louis Cardinals (10-7) mit derzeit fünf Siegen am Stück und erst dann kommen die beiden Favoriten. Die Milwaukee Brewers (10-9) haben ein negatives Run Differential (-15), jedoch nach zwei Shutouts gegen die Reds immerhin wieder einen knapp positiven Record. Die Chicago Cubs (7-8) hatten in den letzten Tagen kaum Gelegenheit, ihre nicht zufriedenstellende Bilanz aufzubessern: Durch Spielausfälle war die 3:5-Niederlage gegen St. Louis vom Dienstag die einzige Partie, die die Cubs seit letztem Samstag absolvieren konnten.

Ein Seriensweep gegen die San Diego Padres (7-13) hat den Los Angeles Dodgers (8-9) deutlich dabei geholfen, sich in der NL West ihrem angestammten Platz an der Spitze anzunähern. Noch sitzen dort die Arizona Diamondbacks (12-5) nach ihrem starken Start fest im Sattel und übers Wochenende dürfen auch sie dreimal gegen die Padres antreten. Allerdings müssen sie einen gewichtigen Ausfall verkraften, denn SP Taijuan Walker hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird wohl um eine Tommy-John-Surgery nicht herum kommen. Die Starting Rotation der Diamondbacks ist bislang eine Stärke, doch eine zuverlässige Nachfolge für Walkers Platz zeichnet sich nicht wirklich ab – außer Shelby Miller, der nach seiner eigenen Tommy-John-Surgery im Mai 2017 aber auch noch ein paar Monate brauchen wird. Auf Platz zwei halten sich die Colorado Rockies (11-9), die bislang eine recht untypische Saison spielen: Das traditionell heimstarke Team hat bislang nur zwei von sechs Spielen in Coors Field gewonnen, dafür aber neun von vierzehn Auswärtsspielen.

Szene der Woche
Bei aller Neutralität, um die ich mich hier bemühe, fällt es mir doch schwer, Szenen hervorzuheben, die sich gegen die Mets richten. Bryce Harper hätte mir fast keine andere Wahl gelassen mit dem unglaublichen Homerun, den er am Montag im Citi Field geschlagen hat. Ein guter Teil der Energie seines Schwung nach dem Pitch von Jacob deGrom muss dafür draufgegangen sein, den Schläger zu zerstören und dennoch bekam der Ball noch genug davon ab, um über den Zaun getragen zu werden. Zugegeben, das war beeindruckend, aber trotzdem gab es drei Tage zuvor eine noch erstaunlichere Szene. Ein 3-Run-Flyout hatte ich jedenfalls bisher noch nie gesehen, bevor mir Marlins-2B Starlin Castro – unter unfreiwilliger Mithilfe von Pirates-Catcher Elias Diaz – bewies, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Statistik der Woche 
29. So viele At-Bats hat Steven Brault, Pitcher der Pittsburgh Pirates, in seiner MLB-Karriere bislang als Batter absolviert und nicht einen Strikeout kassiert. 29 At-Bats klingen nicht nach viel, aber tatsächlich ist das eine Leistung, die seit über 80 Jahren keiner geschafft hat. Im Klartext: Brault ist der erste Pitcher, der seine Karriere mit 29 oder mehr At-Bats ohne einen Strikeout beginnt, seit Jim Turner von den Boston Bees im Jahr 1937. Ich finde, das muss man mal erwähnt haben.

Spiel der Woche
Das aufregendste Spiel der vergangenen Tage war für mich das der Chicago Cubs gegen die Atlanta Braves vom Samstag. 10:2 führten die Braves bereits nach vier Innings und noch bis zur Mitte des sechsten Durchgangs. Die Cubs kamen dann zwar im sechsten und siebten Inning zu Runs, lagen aber bei zwei Outs im achten Inning immer noch mit fünf Zählern hinten. Bei kaltem Wind und konstantem Nieselregen gingen viele Zuschauer frühzeitig nach Hause und auch als Spieler sehnt man sich in so einer Lage danach, das Spiel möge bitte einfach nur bald vorbei sein. Sollte man jedenfalls meinen. Aber die Cubs kamen noch mal zurück und zwar in einer Weise, dass sich jeder, der zu früh gegangen ist, furchtbar ärgern wird. Neun Runs erzielten sie im achten Inning, alle bei zwei Outs und keinen davon per Homerun. Drei Hits, fünf Walks, ein Wild Pitch, ein Error und zwei Hits-by-Pitch trugen zu der Aufholjagd bei und zeigen, wie blank die Nerven in diesen Minuten bei den Braves gelegen haben müssen, die den Sieg innerlich wohl längst verbucht hatten und plötzlich kalt erwischt wurden.

Mein Einschalttipp
Starke Blue Jays, mittelmäßige Yankees – das hatten wir vor der Saison anders erwartet. Jetzt ist es an beiden, zu beweisen oder zu widerlegen, dass die bisherigen Ergebnisse ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit entsprechen. Passenderweise sind die Blue Jays ab heute vier Tage lang zu Gast in New York, sodass sich das eine oder andere vielleicht direkt klären lässt. Mein Einschalttipp ist das vierte Spiel der Serie am Sonntag zur europafreundlichen Zeit von 19:05 Uhr MESZ. Auf dem Mound werden voraussichtlich Rechtshänder Luis Severino (2.63 ERA) für die Yankees sowie Linkshänder Jaime Garcia (3.86 ERA) für die Blue Jays stehen. Wie jedes MLB-Spiel kann man die Partie mit einem mlb.tv-Abo verfolgen. Falls ihr das nicht habt, aber Kunde bei DAZN seid, könnt ihr zwar nicht dieses Spiel sehen, aber immerhin die anderen drei dieser interessanten Serie.

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Februar 11th, 2018 by Dominik

Mit dem Start in die Saisonvorbereitung der MLB ist auch die Zeit der Vorhersagen  angebrochen. Während der Spring-Training-Spiele werde ich mir selbst wieder jedes Team einzeln vornehmen, heute schaue ich aber erst mal durch die bekannteste Baseball-Glaskugel: die PECOTA-Projektionen von Baseball Prospectus. Diese werden auf Ebene der Einzelspieler ermittelt, sagen in der Gesamtschau aber auch komplette Tabellenstände voraus. (Wenn ihr wissen wollt, wie PECOTA und andere Vorhersagesysteme funktionieren, schaut doch mal in meinen Artikel vom letzten Jahr).

PECOTA sieht für diese Saison eine klare Dominanz von vier Teams voraus: Den Los Angeles Dodgers (99 Siege), den Houston Astros (99), den Cleveland Indians (97) und den New York Yankees (96) werden jeweils fast 100 Wins zugetraut, alle anderen Teams landen in der prognostizierten Endabrechnung bei unter 90 Siegen. Ich schätze allerdings, dass sich das für die Chicago Cubs (89) noch ändern wird, sobald die letzte Nacht getätigte Verpflichtung von Top-Free-Agent Yu Darvish in die Zahlen eingearbeitet ist.

Neben den fünf genannten Teams komplettieren die Washington Nationals (89) die Riege der vorhergesagten Divisionssieger. Die aussichtsreichsten Kandidaten für die Wild Cards sind die Diamondbacks (86), die Cardinals (84) und die Giants (84) in der NL sowie die Red Sox (87) und die Rays (84) in der AL. Düstere Zeiten prognostiziert PECOTA hingegen den Miami Marlins (66), den Kansas City Royals (66), den Detroit Tigers (68) und den Baltimore Orioles (69) mit jeweils unter 70 Siegen.

Im Großen und Ganzen ähnelt das von PECOTA für 2018 gezeichnete Bild den tatsächlichen Verhältnissen aus der letzten Saison. Die größte Veränderung wird den San Francisco Giants zugetraut, denen nach dem enttäuschenden Jahr 2017 eine Steigerung um glatte 20 Siege vorhergesagt wird.  Auf der anderen Seite wird den Kansas City Royals ohne Eric Hosmer, Mike Moustakas, Lorenzo Cain und Jason Vargas ein Absturz um 14 Siege prophezeit. Keine großen Sprünge erwartete die Projektion von den Los Angeles Angels (80) und den Milwaukee Brewers (83). Beide Teams haben zwar während der Offseason deutlich aufgerüstet, konnten PECOTA aber offenbar nicht überzeugen, dass von ihnen mehr zu erwarten ist als im letzten Jahr.

Auf Ebene der Einzelakteure ist es keine spektakuläre Weissagung, Angels-Outfielder Mike Trout mit 7.1 WARP als besten Spieler der MLB einzuschätzen. Auf den weiteren Plätzen der Positionsspieler finden sich aber doch ein paar Überraschungen: Giants-Catcher Buster Posey (5.6 WARP) hätte ich nicht auf Rang zwei erwartet und Nationals-Shortstop Trea Turner (5.3) erst recht nicht auf Platz drei. Ich bin gespannt, ob PECOTA Recht behält und Posey und Turner wirklich mehr produzieren werden als beispielsweise Bryce Harper (4.2), Jose Altuve (3.9) oder Giancarlo Stanton (3.9). Bei den Pitchern fallen die Vorhersagen etwas erwartbarer aus: Chris Sale (6.0 WARP), Clayton Kershaw (4.9), Corey Kluber (4.5) und Max Scherzer (4.1) hätte ich aus dem Bauch heraus auch auf den ersten vier Plätzen gesehen, wenngleich nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Was ist eigentlich mit Shohei Ohtani, dem am stärksten umworbenen Newcomer aller Zeiten? PECOTA traut ihm einen erfolgreichen MLB-Karrierestart zu: Mit 2.8 WARP als Pitcher würde er die Rotation der Angels anführen und ligaweit auf Rang 19 landen. Zudem werden ihm weitere 0.7 WARP als Batter zugerechnet – mehr als doppelt soviel wie Albert Pujols trotz deutlich weniger prognostizierter At Bats.

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August 17th, 2017 by Dominik

Die Dodgers, die Nationals, die Red Sox und die Astros marschieren, Spannung bieten in erster Linie die Central-Divisionen – soweit gibt es nichts Neues in der MLB. Aber eines schon: Das Wild-Card-Rennen in der National League erweckt gerade den Eindruck, dass es vielleicht doch noch nicht entschieden ist. Die Rockies und die Diamondbacks mussten zuletzt ein paar Federn lassen und plötzlich sind die Brewers und die Cardinals nur noch vier bis fünf Spiele entfernt von der Hintertür in die Playoffs.

American League
In der Parallelliga wird eine der beiden Wild Cards relativ sicher in die American League East an die New York Yankees (64-55) gehen. Das Tabellenbild der Division hat sich deutlich entzerrt, indem die Boston Red Sox (69-51) die Serie gegen die Yankees gewonnen haben. Gleichzeitig haben die Yankees sich mit bislang drei Siegen in der Subway-Series gegen die Mets weiter von den Tampa Bay Rays (60-62) und den Baltimore Orioles (59-62) absetzen können, bei denen es zurzeit nicht so gut läuft.

Eine ähnliche Entzerrung der Spitze ist auch in der AL Central zu beobachten. Die Cleveland Indians (65-52) reiten gerade eine Serie von fünf Siegen. Dadurch haben sie sich bereits ein Stück weit sowohl von den zwischenzeitlich gefährlich nahen Kansas City Royals (61-59) als auch von den immer noch überraschend guten Minnesota Twins (59-58) abgesetzt. Nun wird es die nächsten Tage darum gehen, ob die Indians frühzeitig den Sack zumachen können – heute noch zweimal gegen die Twins, am Wochenende dann dreimal gegen die Royals (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Die Houston Astros (74-46) hatten in der ersten Augusthälfte eine Durststrecke mit nur drei Siegen bei zehn Niederlagen. Ihre herausgehobene Position in der AL West brachte das nicht in Gefahr, aber natürlich macht man sich im Hinblick auf die Playoffs Sorgen, wenn sich reihenweise Pitcher verletzen und die bislang explosivste Offense der Liga plötzlich nicht mehr klickt. Das erste Thema könnte noch Gegenstand eines Trades werden – Justin Verlander? -, das zweite hat sich nach den zwei Siegen über Arizona mit je neun erzielten Runs vielleicht schon erledigt. Hinter den Astros ist das Wetteifern um Platz zwei und vor allem um eine Wild Card in vollem Gange. Die Los Angeles Angels (62-59) haben momentan knapp die Nase vorn, aber auch für die jeweils schon mehrfach tot gesagten Seattle Mariners (61-61) und Texas Rangers (60-59) ist noch alles drin. Richtungsweisend könnte die Vier-Spiele-Serie der Rangers bei den Angels werden, die nächste Woche von Montag bis Donnerstag läuft.

National League
Der National League East muss niemand mehr eine Richtung weisen, für die Washington Nationals (71-47) geht der Blick längst in Richtung Playoffs und besonders dahin, Bryce Harper bis zu selbigen wieder fit zu bekommen. Dahinter haben sich die Miami Marlins (58-61) dank des unglaublich gut aufgelegten Giancarlo Stanton (siehe Statistik der Woche) etwas absetzen können im wohl uninteressantesten Rennen um Platz zwei, das jemals in einer Division geführt wurde. Na gut, sagen wir jemals seit Einführung der Wild Cards.

Wie eingangs schon bemerkt, macht sich Hoffnung breit in der NL Central – nicht nur die Hoffnung, die Division zu gewinnen, welche die Chicago Cubs (63-56), die Milwaukee Brewers (63-59) und die St. Louis Cardinals (61-59) schon seit einer Weile teilen; sondern auch die Hoffnung, eine Wild Card in die Division zu holen, denn der Abstand zu den Colorado Rockies und den Arizona Diamondbacks ist diese Woche deutlich kleiner geworden. Passenderweise treten die Brewers in den kommenden Tagen zu einer Drei-Spiele-Serie gegen die Rockies an.

Dass die Los Angeles Dodgers (85-34) dieses Jahr unfassbar gut sind, ist wohl niemandem entgangen, das lasse ich heute einfach mal so stehen. Interessant ist, was sich in der NL West dahinter tut. Sowohl die Colorado Rockies (67-53) als auch die Arizona Diamondbacks (66-54) haben in den letzten zwei Wochen mehr Spiele verloren als gewonnen und das – insbesondere im Fall der Rockies – nicht nur gegen die Top-Teams der Liga. So sehr mich die bisher erfolgreiche Saison dieser beiden Teams erfreut hat und immer noch erfreut, genauso sehr freut es mich aber auch, wenn nun ein bisschen Spannung einkehrt, wo lange keine da zu sein schien.

Szene der Woche
Die meisten Schlagzeilen machte diese Woche eine hässliche Verletzungsszene: Bryce Harper, Washingtons Star-Outfielder, rutschte bei einem verregneten Spiel der Nationals gegen die San Francisco Giants unglücklich auf der ersten Base aus und verdrehte sich dabei das Knie. Erfreulicherweise stellte sich heraus, dass Harper wohl Glück im Unglück hatte: Statt des befürchteten Kreuzbandrisses zeigte sich bei den Untersuchungen nur eine starke Prellung des Gelenks und die Chancen stehen gut, dass Harper noch vor Saisonende wieder fit wird. Damit es nicht die hässliche Szene ist, die hängen bleibt, hier noch eine Feel-Good-Story: Chad Bettis, Pitcher bei den Colorado Rockies, kam am Montag zu seinem ersten Einsatz nach rund neun Monaten Pause wegen einer Krebserkrankung. Er überstand OPs, Chemotherapie und alles, was dazu gehört – und stand nun gegen die Braves sieben Innings auf dem Mound, ohne einen Run zuzulassen. Schön, dass er wieder da und offensichtlich topfit ist.

Statistik der Woche 
44. So viele Homeruns hat Giancarlo Stanton dieses Jahr schon geschlagen. Das sind zurzeit die meisten in der Liga und es ist bereits jetzt ein Teamrekord für die Miami Marlins. Besonders bemerkenswert ist Stantons derzeitige Form: 11 Homeruns hat er in den letzten 13 Spielen erzielt, darunter eine Serie von 6 Spielen mit Homerun hintereinander, die erst gestern Abend beim 8:1 gegen die San Francisco Giants abriss.

Spiel der Woche
Die Rivalität der Red Sox und der Yankees erlebt dieses Jahr eine Renaissance. Das liegt zum einen am Tabellenstand in der AL East und zum anderen an Duellen wie dem von Sonntagnacht – dem Rubbergame der Serie, nachdem jeder eine der beiden vorherigen Partien gewonnen hatte. Es war von Anfang an ein ganz enges Spiel, in dem beide Starter – Jordan Montgomery für die Yankees und Chris Sale für die Red Sox – eine starke Leistung zeigten und jeweils nur einen Run zuließen. Als den Yankees im achten Inning per Sacrifice Fly von Todd Frazier gegen Reliever Matt Barnes das 2:1 gelang und im neunten Inning Closer Aroldis Chapman zum Save antrat, freuten sich einige zu früh. Zum Beispiel dieser emotionale Yankees-Fan, der sich selbst filmte, während Rafael Devers den Homerun zum 2:2 schlug. Bis dahin hatte Chapman zu 387 Linkshändern hintereinander gepitcht, ohne einem von ihnen einen Homerun zu erlauben. Im folgenden Extra-Inning traf Chapman mit dem Ball einen weiteren Linkshänder, Jackie Bradley Jr., welcher schließlich bei einem Single von Andrew Benintendi das entscheidende 3:2 für die Red Sox erzielte. Zu dem Zeitpunkt hatte Chapman schon Platz machen müssen für Tommy Kahnle, der Run ging aber offiziell noch auf Chapmans Kappe.

Spiel der kommenden Woche
Die Yankees und die Red Sox treffen am Wochenende schon wieder aufeinander, dieses Mal im Fenway Park in Boston. Ich freue mich drauf und werde bestimmt reinschauen, aber es wäre ja langweilig, immer nur diesen beiden Teams den Einschalttipp zu widmen. Daher empfehle ich an dieser Stelle ein anderes interessantes Matchup und zwar die Cleveland Indians gegen die Kansas City Royals. Ein klares Ergebnis in dieser Serie kann determinieren, ob die AL Central bald zugunsten der Indians entschieden ist oder aber bis zum Schluss spannend bleibt. Falls ihr ohnehin nicht viel von Schlaf haltet, dann schaut Freitagnacht Corey Kluber bei der Arbeit zu, andernfalls empfiehlt sich das Spiel am Sonntagabend.

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August 10th, 2017 by Dominik

Rund 50 Spiele hat jedes MLB-Team noch zu absolvieren in diesem Jahr. Das sind mehr Partien als in den meisten anderen Sportarten in einem ganzen Jahr gespielt werden, in der MLB aber nicht mal ein Drittel der Saison. Ungefähr die Hälfte der für die Playoffs relevanten Entscheidungen ist so gut wie gefallen – die NL East sowie die beiden West-Divisionen sind entschieden, die Wild-Card-Plätze in der NL quasi sicher vergeben. Aber zum Glück gibt es ja noch die andere Hälte der Divisionen sowie die Wild Cards der AL, um die allesamt noch lange gerangelt werden wird, vielleicht bis zum letzten Spieltag. Und wenn nicht, dann lässt man sich eben durch die vielen netten Geschichten am Rande unterhalten: von kuriosen Spielverläufen, von verblüffenden Statistiken oder von MLB-Stars, die sich mit Drachen anlegen. Das alles und noch viel mehr gibt es heute im Grand Slam am Donnerstag.

National League
Um eine Steigerungsmöglichkeit zu wahren, fangen wir an mit der langweiligsten Division im Baseball, der National League East. Die Washington Nationals (67-45) dominieren souverän und fliegen doch ein wenig unter dem Radar, was die Gesamtbetrachtung der Liga angeht: Den Divisionssieg haben sie längst in der Tasche, weil Konkurrenz darum nicht existent ist, mit den ganz Großen – also den Dodgers und den Astros – können sie aber mit ihrer bisherigen Bilanz nicht mithalten. Ich muss es hier mal sagen, so leid es mir tut: Die Teamführung der Nationals leistet sehr gute Arbeit. Ohne viel Rampenlicht und ohne viel dafür abzugeben, wurde zur Trade-Deadline die bisherige Schwachstelle ausgemerzt, indem das Relief Pitching mit Ryan Madson, Sean Doolittle und Brandon Kintzler aufgerüstet wurde. Ganz anders hingegen meine New York Mets (50-61): Sie haben mit OF Jay Bruce (nach Cleveland) gestern den dritten Top-Spieler nach RP Addison Reed (nach Boston) und 1B Lucas Duda (nach Tampa Bay) abgegeben. Das wäre prinzipiell völlig in Ordnung und sinnvoll, wenn sie nur ein bisschen mehr dafür herausgeholt hätten als fünf unter ferner liefen einzustufende Minor-League-Reliever…

Deutlich mehr Spaß als der Blick auf die NL East macht der auf die NL Central. Das bisherige Führungsduo schwächelte in den letzten Tagen: Die Chicago Cubs (59-54) verloren zweimal gegen die San Francisco Giants, die Milwaukee Brewers (59-57) unterlagen gegen die Tampa Bay Rays und die San Francisco Giants viermal in Folge. Lachender Dritter sind die St. Louis Cardinals (58-56), die mit fünf Siegen hintereinander zu den beiden anderen aufgeschlossen haben, sodass nun alle drei nahezu gleichauf liegen. Auch die Pittsburgh Pirates (56-58), die seit letzten Donnerstag fünf von sieben Spielen gewonnen haben, könnten zumindest theoretisch noch ins Geschehen an der Spitze eingreifen. Die NL Central ist dieses Jahr sicher nicht die hochkarätigste, aber wohl die spannendste Division der MLB.

Das krasse Gegenteil davon ist die NL West. Hochkarätig? Aber hallo – mit den unglaublichen Los Angeles Dodgers (80-33) an der Spitze und dahinter den Colorado Rockies (65-48) und den Arizona Diamondbacks (64-49), die in jeder anderen Division um Platz eins mitspielen würden. Spannend? Leider nein – die Dodgers haben inzwischen fünfzehneinhalb Spiele Vorsprung und den beiden anderen sind die Wild Cards der NL so gut wie sicher. Die einzige Frage, die im Hinblick auf die Playoffs noch zu beantwoten ist, ist die nach dem Heimrecht im Wild-Card-Spiel. Wenigstens dieses Rennen ist noch spannend zwischen den Rockies und den Diamondbacks.

American League
In der American League East herrscht ein bisschen Showdown-Stimmung: Die Boston Red Sox (65-49) haben zuletzt acht Partien in Folge gewonnen und dabei den Abstand auf die New York Yankees (60-52) auf vier Spiele ausgebaut. An den beiden kommenden Wochenenden kann sich in dieser Division eine Vorentscheidung ergeben, denn die Red Sox und die Yankees treffen sich zu sechs direkten Duellen – diese Woche in New York, nächste Woche in Boston. Wenn die Red Sox aus diesen beiden Serien als deutlicher Sieger hervorgehen, dürften sie so gut wie durch sein. Die Yankees müssen übrigens dazwischen viermal gegen die Mets spielen – mit denen ist zwar zurzeit nicht viel los, aber umso motivierter dürften sie in die Stadtderbys gehen. Die Tampa Bay Rays (58-57) laufen immer Gefahr, im Windschatten der Red Sox und Yankees übersehen zu werden. Dabei spielen sie nach wie vor eine konstant solide Saison und in der ausgeglichenen AL könnte das am Ende durchaus für einen Wild-Card-Platz reichen.

Die AL Central wird angeführt vom nächsten Gegner der Rays, den Cleveland Indians (60-51). Die haben allerdings drei der letzten vier Spiele verloren und können froh sein, dass die Kansas City Royals (57-56) es ihnen gleich getan und somit nichts am Abstand von vier Spielen geändert haben. Anders als die Royals haben die Minnesota Twins (56-56) die Gunst der Stunde genutzt und sich mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen zurück in die Spitzengruppe gespielt, aus der ich sie schon abgeschrieben hatte. Mit drei Homeruns, fünf RBIs und drei Walks in diesen Spielen hatte „unser“ Major Leaguer Max Kepler einen ordentlichen Anteil an den Erfolgen. Minnesota steht nun viereinhalb Spiele hinter Cleveland und nur eineinhalb Spiele hinter der zweiten Wild Card.

Diese Wild Card belegen momentan die Seattle Mariners (59-56). Die Mariners haben sich nach einem enttäuschenden Saisonstart beständig hochgearbeitet und weisen seit 1. Juni eine Bilanz von 34-27 auf. In der AL West gibt es für sie zwar mit Sicherheit kein Vorbeikommen an den Houston Astros (71-42), auch wenn diese momentan etwas schwächeln und gerade eine Serie gegen die Chicago White Sox verlieren. Aber nach dem schwachen Beginn überhaupt in die Playoffs zu kommen, wäre schon ein toller Erfolg für die Mariners. Doch noch ist es ein weiter Weg, denn um die eine Wild Card (die andere wird wohl an die Yankees gehen) balgen sich mit den Mariners noch die Rays, die Royals, die Twins, die Orioles sowie in der eigenen Division die Los Angeles Angels (57-58). Die Angels sind übrigens ab heute zu einer Vier-Spiele-Serie zu Gast in Seattle.

Szene der Woche
Ich habe offen gestanden massiv damit geliebäugelt, den Cameo-Auftritt von Mets-Pitcher Noah Syndergaard bei Game of Thrones zur Szene der Woche zu erklären. Es war dann aber doch nicht so großartig wie erhofft, meinen Lieblingsspieler in meiner Lieblingsserie zu sehen. Zum einen war sein Auftauchen so kurz, dass man quasi mit Lupe und Standbild danach suchen musste. Zum anderen ließ die Leistung aus sportlicher Sicht zu wünschen übrig: He hit the first opponent he faced and then he got burned badly. (Sorry, das Wortspiel funktioniert nur auf Englisch.) Daher wähle ich dann doch die konservativere Variante und bestimme den Walk-Off-Homerun von Steven Souza Jr. zur Szene der Woche. Das Besondere daran ist, dass dieser Hit die längste Phase eines MLB-Teams ohne einen Walk-Off-Homerun beendete. Seit 22. Mai 2014 hatten die Tampa Bay Rays keinen solchen mehr erzielt, bis Souza Jr. am Sonntag mit seiner Aktion den 2:1-Sieg über die Milwaukee Brewers sicherte.

Statistik der Woche 
26. So alt ist Mike Trout seit Montag, was an sich noch keine bemerkenswerte Zahl ist. Aber wie wäre es mit diesen hier: Es war bereits das vierte Mal, dass Trout an seinem Geburtstag einen Homerun erzielte. Ausgerechnet an seinem Geburtstag gelang ihm auch sein 1000. Hit in der MLB. Währenddessen schlug Bryce Harper den 150. Homerun seiner Karriere – im auf den Tag genau gleichen Alter von 24 Jahren und 295 Tagen, in dem auch Trout seinen 150. Homerun erzielte. Und das ausgerechnet an dessen Geburtstag.

Spiel der Woche
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Chicago Cubs und die Arizona Diamondbacks sich dieses Jahr in den Playoffs begegnen. Falls es dazu kommen sollte, werden es hoffentlich wieder Spiele wie das am vergangenen Donnerstag. In einer geradezu epischen Regenschlacht machte Arizonas Paul Goldschmidt den Unterschied, indem er nach jeder Regenpause einen Homerun erzielte. Der erste trug dazu bei, die Diamondbacks im ersten Inning mit 4:0 in Front zu bringen. Der zweite baute die Führung im fünften Durchgang auf 6:1 aus. Nachdem die Cubs die Partie zwischenzeitlich auf 6:7 gedreht hatten und es nach acht Innings 8:8 stand, war es gegen Cubs-Closer Wade Davis Goldschmidts dritter Blast, der Arizona endgültig auf den Weg zum 10:8-Sieg brachte.

Spiel der kommenden Woche
In den kommenden Tagen sollte man sich das eine oder andere Spiel der Boston Red Sox anschauen – zum einen, weil sie mit ihrer aktuellen Acht-Siege-Serie das sind, was man im US-Sport „red hot“ nennt, zum anderen weil ihr Spielplan für die nächsten zwei Wochen ausnahmsls hochkarätige Begegnungen vorsieht: sechsmal gegen die Yankees, fünfmal gegen die Indians und zweimal gegen die Cardinals. Mein konkreter Einschalttipp ist die Partie gegen die Yankees am Samstag mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Luis Severino (2.91 ERA, 2.91 FIP) und Drew Pomeranz (3.36 ERA, 3.69 FIP) und einer bequemen Startzeit von 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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Mai 4th, 2017 by Dominik

Vor gut drei Wochen habe ich bei einem Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre festgestellt, dass die Chancen auf das Erreichen der Playoffs sehr gering sind, wenn man Ende April bei unter 40% Siegen steht. Jetzt sind wir schon ein paar Tage im Mai und es scheint an der Zeit, sich von einigen Teams für dieses Jahr zu verabschieden: Die Toronto Blue Jays, die San Francisco Giants, die Texas Rangers und die Kansas City Royals stehen allesamt unter den erwähnten 40% und brauchen schon ein kleines Wunder, um aus dem Loch noch heraus zu kommen, dass sie sich selbst gegraben haben. Hier der gewohnte wöchentliche Überblick, was sich sonst so tut in der MLB:

National League
Die National League East wird nach wie vor sehr deutlich dominiert von den Washington Nationals (18-9), die vor allem mit ihrer Offense die Liga rocken. Mit 175 erzielten Runs führen sie die MLB mit großem Abstand vor den Yankees und den Diamondbacks (je 148) an und auch ihr Run Differential von +46 ist das beste der Liga. Einen großen Beitrag dazu leistete das 23:5 über die New York Mets (12-15). Allerdings täuscht dieses Resultat leicht darüber hinweg, dass die Serie gegen die Mets eher ein Rückschlag für die Nationals war, die nicht nur die beiden anderen Spiele verloren sondern auch den in der Offseason teuer ertradeten Outfielder Adam Eaton, der sich einen Kreuzbandriss zuzog. Die Mets haben ihrerseits große Verletzungssorgen: Neu auf der ohnehin schon langen und hochkarätig besetzten Abwesenheitsliste ist Pitching-Ass Noah Syndergaard, der mit einem gerissenen oder angerissenen Rückenmuskel voraussichtlich rund drei Monate lang ausfallen wird.

Deutlich ausgeglichener als die NL East ist die Lage in der NL Central. Die favorisierten Chicago Cubs (15-12) liegen vorne, aber die Milwaukee Brewers (13-13) und die St. Louis Cardinals (12-12) sind nicht weit zurück und alle drei haben in der Woche seit Freitag im Gleichschritt genauso viele Spiele gewonnen wie sie verloren haben. Das gilt im übrigen auch für die Pittsburgh Pirates (12-15), sodass die Cincinnati Reds (13-14) mit drei Siegen und zwei Niederlagen die einzigen in der Division sind, für die sich in der vergangenen Woche irgendetwas bewegt hat.

Auch in der NL West hat sich am Tabellenbild seit letzter Woche nichts Nennenswertes verändert, doch das allein ist nach wie vor Überraschung genug: Die Colorado Rockies (17-11) und die Arizona Diamondbacks (17-12) halten sich wacker an der Spitze und die Los Angeles Dodgers (15-14) tun bislang zu wenig, um daran etwas zu ändern – insbesondere kamen sie gegen die beiden Konkurrenten bisher nicht über Splits in den Heim- und Niederlagen in den Auswärtsserien hinaus und auch gegen die ansonsten recht desolaten San Francisco Giants (11-18) tun sich die Dodgers schwer. Siebenmal trafen die beiden Traditionsrivalen an den letzten zehn Tagen aufeinander, viermal behielten die Giants die Oberhand. Eine schlechte Nachricht für die Diamondbacks muss ich leider noch erwähnen: SP Shelby Miller muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen, für ihn ist die Saison somit definitiv gelaufen.

American League
In der American League East muss man sich wohl langsam, aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass die New York Yankees (17-9) „for real“ sind. Seit letzter Woche haben sie drei weitere Serien gegen die Divisionsrivalen Baltimore Orioles (16-10), Boston Red Sox (15-12) und Toronto Blue Jays (9-19) gewonnen. Jetzt bin ich besonders gespannt auf das anstehende Drei-Spiele-Duell gegen den amtierenden Champion Chicago Cubs (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Derweil scheint sich zwischen den Red Sox und den Orioles momentan eine Rivalität zu entwickeln, die das gesunde Maß bereits deutlich überschritten hat. Es ging los mit einem ungestümen, aber offenbar unabsichtlichen Slide von Baltimores Manny Machado an die zweite Base, bei dem sich Bostons Dustin Pedroia verletzte und für ein paar Tage ausfiel. Getreu den sogenannten „unwritten rules“ im Baseball warf Red-Sox-Pitcher Eduardo Rodriguez im folgenden Spiel den Ball mehrfach inside in Richtung von Machados Knien – das ist allein schon albern genug, aber die Sache hätte damit zumindest erledigt sein müssen. Stattdessen eskalierte Reliever Matt Barnes die Situation, indem er bei nächster Gelegenheit knapp hinter den Kopf von Machado warf. Barnes wurde dafür mit Recht vier Spiele lang gesperrt. War es das nun endlich? Nein, entschied Chris Sale, das Pitching-Ass der Red Sox, und warf beim vorgestrigen Aufeinandertreffen schon wieder einen Ball hinter Machado, der später mit einem Homerun und einer angemessenen Tirade antwortete. Liebe Red Sox, ich habe euch immer gemocht, aber was soll dieser Schwachsinn? Ganz zu schweigen von den rassistischen Anfeindungen, die sich Orioles-Outfielder Adam Jones am 1. Mai durch offenbar mehrere Dutzend Zuschauer im Fenway Park anhören musste. Haben diese Vollidioten etwa schon vergessen, dass der von ihnen jahrelang als Idol gefeierte Big Papi David Ortiz die gleiche Hautfarbe hat wie der Gegenspieler, den sie nun mit dem N-Wort beschimpften und mit Erdnüssen bewarfen?

Zurück zum Sport. In der AL Central sind die Minnesota Twins (14-11) mit vier Siegen hintereinander und sechs aus den letzten sieben Spielen zurück an die Spitze gestürmt. Die Cleveland Indians (15-12) hatten am Dienstag einen bitteren Abend, als sie nicht nur das Spiel gegen die Detroit Tigers (14-13) und die Tabellenführung verloren sondern auch Pitcher Corey Kluber, der mit Rückenbeschwerden auf die Verletztenliste gesetzt werden musste. Die Chicago White Sox (14-12) und die Kansas City Royals (9-17) sorgten zwischenzeitlich für Schlagzeilen, indem Erstere sechs Siege und Letztere neun Niederlagen in Folge einfuhren. In den letzten drei Tagen gewannen aber die Royals zwei von drei Spielen gegen die White Sox. Die extremen Trends sind somit beide erstmal gestoppt.

Die Houston Astros (19-9) weisen mittlerweile nicht mehr nur in der AL West sondern in der gesamten MLB die beste Bilanz auf. Nach drei Siegen hintereinander gegen die Texas Rangers (11-17) herrschen klare Verhältnisse in der Lokalrivalität. Als wären die Rangers nicht schon gebeutelt genug, fällt nun auch noch Pitcher Cole Hamels für mehrere Monate aus. Da auch die Seattle Mariners (12-16) nach wie vor nicht wirklich in Tritt kommen und die Oakland Athletics (11-16) nach ordentlichem Start inzwischen deutlich eingebrochen sind, richten sich die Los Angeles Angels (15-14) in der Rolle des derzeit einzigen Verfolgers der Astros ein. Die übers Wochenende anstehende Serie zwischen den Astros und den Angels verspricht interessant zu werden.

Szene der Woche
Die Versuchung war groß, hier den Pickoff durch Jon Lester gegen Aaron Altherr zu küren – Würfe zur ersten Base sind bekanntlich die große Schwäche des Cubs-Pitchers und ein Pickoff-Throw durch ihn ist schon eine Sondermeldung wert. Aber da dieser hier „nur“ an die zweite Base ging, erlaube ich mir als Szene der Woche das Triple Play der Orioles gegen die Red Sox vorzuziehen. Ein Triple Play ist immer sehenswert, aber dieses war ganz besonders kurios, weil es nur durch Fehler von fast allen Beteiligten zustande kam: die Umpires signalisieren keinen Infield Fly, Orioles-Shortstop J. J. Hardy fängt den Ball nicht, die Baserunner Mitch Moreland und Dustin Pedroia laufen nicht los, Batter/Runner Jackie Bradley Jr. bricht den Weg zur ersten Base ab und plötzlich sind alle drei Spieler aus statt nur einem.

Statistik der Woche 
32. So viele Runs erzielte Bryce Harper im April und stellte damit einen neuen MLB-Rekord auf, den bislang Larry Walker mit 29 Runs im April 1997 gehalten hatte. Mit dieser Leistung stellt er sogar seinen Teamkollegen bei den Washington Nationals, Anthony Rendon, in den Schatten. Dieser legte diese Woche ebenfalls beeindruckende Zahlen vor, allerdings vor allem in Bezug auf ein einzelnes Spiel und nicht wie Harper auf einen ganzen Monat: Beim 23:5 über die Mets erzielte er in sechs Plate Appearances sechs Hits, davon drei Homeruns, und insgesamt 10 RBIs – in ihrer Gesamtheit ebenfalls eine in der MLB-Geschichte noch nie dagewesene Leistung.

Spiel(e) der Woche
Auf das Podest des Spiels der Woche setze ich dieses Mal gleichrangig zwei Partien, in denen es eindrucksvolle Comebacks zu sehen gab: Das eine geht auf das Konto der New York Yankees, die aus 1:9- und 4:11-Rückständen gegen die Baltimore Orioles mit Hilfe von fünf Homeruns einen 14:11-Sieg nach zehn Innings machten. Das andere war ein 6:5 der Los Angeles Dodgers über die Philadelphia Philles. Mit einem 2:5-Rückstand waren die Dodgers in den Bottom des neunten Innings gegangen, bevor Yasiel Puig, Cody Bellinger und Justin Turner mit Back-to-Back-to-Back-Homeruns gegen Phillies-Closer Hector Neris den Ausgleich besorgten. Zwei Outs später brachte ein Walkoff-Single von Adrian Gonzalez das Spiel nach Hause

Spiel der kommenden Woche
Zwei sehr reizvolle Duelle stehen übers Wochenende an: zum einen das der Houston Astros gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, zum anderen das der Chicago Cubs gegen die New York Yankees. Das erste Spiel des Titelverteidigers gegen den wiedererstarkten Rekordmeister ist mein Einschalttipp der Woche: Am Freitag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los, auf dem Mound werden voraussichtlich Kyle Hendricks (4.18 ERA) für die Cubs und Michael Pineda (3.14 ERA) für die Yankees stehen.

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April 20th, 2017 by Dominik

Knapp zehn Prozent der MLB-Saison 2017 sind absolviert und Einiges, was die Fans bestimmter Teams nach den ersten Spielen himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt hinterließ, hat sich inzwischen relativiert. Geblieben sind bisher die überraschend guten Ergebnisse der Cincinnati Reds, der Arizona Diamondbacks und der Colorado Rockies sowie der katastrophale Start der Toronto Blue Jays. Ebenfalls zu den großen Überraschungen der bisherigen Saison zähle ich die neun Siege der New York Yankees in den letzten zehn Spielen, darunter acht in Folge. Hier wie jeden Donnerstag der Überblick über das Geschehen in der MLB:

American League
Die American League East scheint sich zu gefallen in der Rolle, die sie schon in der letzten Saison spielte: Damals gab es einen bis zum Schluss spannenden Dreikampf auf hohem Niveau, an dessen Ende alle drei beteiligten Teams in die Playoffs einzogen. Auch jetzt, nach rund 15 Spielen in der neuen Saison stehen wieder drei Teams mit überzeugender Bilanz nahezu Kopf an Kopf – mit dem einzigen Unterschied, dass sich anstelle der absolut enttäuschend gestarteten Toronto Blue Jays (3-11) die New York Yankees (10-5) eingeschaltet haben, um mit den Baltimore Orioles (9-4) und den Boston Red Sox (9-6) um die Spitze zu ringen.

Sagenhafte Ausgeglichenheit hat hingegen die AL Central zu bieten: Vier von fünf Teams stehen bei sieben Siegen und sieben Niederlagen, nur die Detroit Tigers (8-6) tanzen minimal aus der Reihe. Die Minnesota Twins haben sich von ihrem kurzen Höhenflug inzwischen verabschiedet, nach drei Niederlagen am Stück und fünf aus den letzten sieben Spielen sind sie in der Riege der ausgeglichenen Bilanzen angekommen und der Trend zeigt klar nach unten. Die positive Nachricht aus Minnesota ist, dass Max Kepler nach verhaltenem Start seinen Rhythmus gefunden hat und nach 14 Spielen starke .294/.351/.490 schlägt.

In der AL West geben die Houston Astros (10-5) nach wie vor klar den Ton an, alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf. Ein bisschen gefangen haben sich nach ihrem katastrophalen Start die Seattle Mariners (7-9) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Drei davon gingen zu Lasten der Texas Rangers (5-10), die früh in der Saison schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Das Problem der Rangers ist in erster Linie das Pitching, denn während sie die viertmeisten Runs erzielt haben, haben sie gleichzeitig die drittmeisten erlaubt. Und interessanterweise haben sie bisher mit 0-4 die schlechteste Bilanz der Liga in 1-Run-Games, also Spielen, die mit nur einem Run Unterschied enden – nachdem sie letztes Jahr mit einer 36-11-Bilanz in solchen Spielen einen MLB-Rekord aufgestellt hatten.

National League
Die Washington Nationals (9-5) führen nach drei Siegen am Stück sowohl die National League East als auch die National League insgesamt an, getragen vor allem von einer beeindruckenden Offense. Von MLB-weit acht Stammspielern, die eine OPS von über 1.100 aufweisen, haben die Nationals in Bryce Harper (1.362) und Ryan Zimmerman (1.146) gleich zwei und mit einem Team-OPS von .846 stehen sie klar an der Spitze der Liga. Aber noch haben die Nationals nicht direkt gegen ihren mutmaßlichen Hauptkonkurrenten, die New York Mets (8-7), spielen müssen. Letztere haben letzte Nacht gegen die Philadelphia Phillies (5-9) den ersten Sieg nach einer äußerst unglücklichen Serie von vier Niederlagen eingefahren – alle vier Spiele wurden erst im letzten At Bat des Gegners verloren. Apropos äußerst unglücklich: Das sind wohl auch einige Pitcher der Miami Marlins (8-7) – nicht weil sie schlechte Leistungen gezeigt hätten, sondern weil sie innerhalb der letzten Tage gleich zweimal haarscharf einen combined No-Hitter verpasst haben.

Die Cincinnati Reds (9-6) genießen nach wie vor ihre Rolle als Überraschungsteam der Liga und stehen in der NL Central immer noch vor dem World-Series-Champion Chicago Cubs (8-7). Nach vier Niederlagen in fünf Spielen – darunter drei gegen die Milwaukee Brewers (8-8) – scheint ein Ende des unwahrscheinlichen Höhenfluges der Reds jedoch absehbar, zumal sie übers Wochenende dreimal gegen die Cubs ran müssen. Eine halbe Saison, genauer gesagt 80 Spiele lang überhaupt nicht mehr ran darf unterdessen Outfielder Starling Marte von den Pittsburgh Pirates (6-9), nachdem er des Dopings mit Nandrolon überführt wurde. Die Pirates zeigten sich auf dem Feld angemessen geschockt, indem sie ihrem Drei-Spiele-Sweep gegen die Cubs nach dieser Nachricht eine Serie von drei Niederlagen gegen die St. Louis Cardinals (6-9) folgen ließen, die damit den Anschluss an den Rest der Division wiedergefunden haben.

Am Tabellenbild der NL West hat sich seit letzter Woche außer einem leichten Abgleiten der San Diego Padres (6-10) nicht viel getan, was aber durchaus als Überraschung durchgeht. Vorne halten sich nämlich immer noch wacker die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies mit jeweils 10-6, die Diamondbacks sogar mit der erfolgreichsten Offense der ganzen Liga (78 Runs). Gegen beide Teams kamen die Los Angeles Dodgers (8-8) nicht über unentschiedene Serien hinaus und bleiben somit derzeit als einer der beiden Favoriten der Division auf dem mittleren Rang hängen. Noch schlechter ergeht es dem Mitfavoriten San Francisco Giants (6-10), bei dem bislang auf jeden kleinen Lichtblick ein Rückschlag erfolgt ist. Die Giants, die im Outfield dieses Jahr ohnehin schon unterbesetzt schienen, mussten nun Leftfielder Jarrett Parker mit gebrochenem Schlüsselbein auf die Verletztenliste setzen. Dafür ist Catcher Buster Posey von selbiger Liste wieder zurück im Lineup und kann den Giants beim Versuch mithelfen, nächste Woche in einer Vier-Spiele-Serie gegen die Dodgers das Ruder herumzureißen.

Szene der Woche
Es war eine weder besonders schöne noch lustige Szene, aber der Walk-Off-Error, mit dem die Detroit Tigers gestern Nacht das Spiel gegen die Tampa Bay Rays verloren, war definitiv ein aufreibender Moment. Mit einer knappen Führung, geladenen Bases und nur einem Out im neunten Inning legten es die Tigers auf ein siegbringendes  Double Play an und das wäre es wohl auch geworden, wäre nicht Shortstop José Iglesias über die Base gestolpert, wodurch sein Wurf an die erste Base misslang und zwei Runs zum Sieg der Rays nach Hause kamen. Zu allem Überfluss bekam der gefallene Iglesias auch noch das Knie des slidenden Brad Miller ab und verletzte sich dabei.

Statistik der Woche 
129. So viele Plate Appearances in der regulären Saison absolvierte Mookie Betts zwischen seinem vorletzten Strikeout und dem gestern Nacht gegen Blue-Jays-Pitcher Francisco Liriano. Der vorletzte unterlief ihm am 12. September 2016 gegen Oliver Drake von den Orioles. Es war die längste solche Serie eines Red-Sox-Spielers seit 1975, als Denny Doyle 159 Plate Appearances ohne Strikeout hatte, und die längste in der MLB seit 2004 (147 von Juan Pierre, Marlins). Betts schlägt in dieser Saison bislang .347/.407/.469.

Spiel der Woche
Die Miami Marlins und die New York Mets lieferten sich in der Nacht zu letztem Freitag den ersten 16-Inning-Marathon des Jahres. Nach 5 Stunden und 38 Minuten, 509 Pitches durch 17 Pitcher und 29 Hits in 119 At-Bats brachte ausgerechnet der Spieler die Entscheidung, der wohl über das gesamte Spiel hinweg den schwierigsten Job hatte: Mets-Catcher Travis d’Arnaud absolvierte alle 16 Innings hinter der Platte, brauchte ab dem zehnten teilweise Hilfe, seine vom Kauern tauben Beine in den Dugout zu bewegen, aber den Trott um die Base nach seinem Homerun zum 9:8-Sieg schaffte er dann doch alleine.

Spiel der kommenden Woche
Es stehen eine Menge interessante Serien an, zum Beispiel die große Überraschung Cincinnati Reds gegen Titelverteidiger Chicago Cubs (Freitag bis Sonntag) und das Duell der vermeintlichen Top-Teams der NL West Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants (Montag bis Donnerstag). Am spannendsten finde ich aber das erstmalige Aufeinandertreffen in dieser Saison zwischen den Washington Nationals und den New York Mets, von denen ich über das gesamte Jahr hinweg ein enges Rennen um die NL East erwarte. Mein Einschalttipp ist das Spiel am Samstag zur europafreundlichen Zeit ab 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden voraussichtlich der wiedererstarkte Matt Harvey (2.45 ERA) für die Mets und der ebenfalls überraschend stark in die Saison gestartete Gio Gonzalez (1.33 ERA) für die Nationals stehen.

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