Dezember 26th, 2017 by Dominik

Die Serie über Baseball in aller Welt neigt sich ihrem Ende entgegen. Heute geht es um Italien, die zweite Baseball-„Großmacht“ in Europa. Nächste Woche gibt es noch ein kleines Special zum Abschluss der Reihe.

Ach, bevor ich es vergesse: Fröhliche Weihnachten allerseits!

Durchbruch erst nach dem Krieg 
Vom Niveau her ist der Baseball dem in den Niederlanden sehr ähnlich, die historische Entwicklung verlief jedoch sehr unterschiedlich: Während die Baseball-Geschichte in den  Niederlande bis 1911 zurückreicht, etablierte sich der Sport in Italien erst deutlich später. Zwar gab es auch hier einen Pionier in Person des (als Massimo Ottino) in Turin geborenen und in New Jersey aufgewachsenen Max Ott, der ab 1919 Teams und Wettbewerbe organisierte. Doch Ott ging nach einigen Jahren zurück in die USA und ohne sein Engagement verlief der italienische Baseball bald im Sande, während der Herrschaft des Faschismus war der Sport sogar verboten. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg gelang dem Baseball als Import durch amerikanische Soldaten der Durchbruch in Italien.

Von einem Durchbruch zu sprechen, ist in Bezug auf Baseball in Europa natürlich eine höchst relative Angelegenheit. Ähnlich wie in Deutschland und den meisten anderen europäischen Ländern herrscht auch in Italien eine sportliche Fußball-Monokultur. Weit hinter dem Fußball ziehen auch Motorsport, Basketball und diverse andere Sportarten deutlich mehr Zuschauer- und Medieninteresse auf sich als Baseball. Aber immerhin gibt es ziemlich flächendeckend Baseballvereine, einige hübsche Ballparks und die wohl professionellste Liga Europas.

Die Italian Baseball League 
Die Italian Baseball League (IBL) besteht seit 1948, hat seitdem aber diverse tiefgreifende Wandlungen erfahren. Die Zahl der Saisonspiele variierte im Laufe der Zeit zwischen 10 und 66, die der Teams zwischen 8 und 34 in einer oder mehreren über- und nebeneinander angeordneten Divisionen, zeitweise wurde mit oder ohne Auf- und Abstieg und mit oder ohne Playoffs gespielt.

Der heutige Stand ist auf höchster Ebene eine Liga mit acht Teams, die je 42 Saisonspiele absolvieren – Drei-Spiele-Serien gegen jedes andere Team auswärts und zu Hause. Die besten vier Mannschaften der regulären Saison spielen anschließend in zwei Playoff-Runden aus, wer den Meisterschaftsaufnäher „Scudetto“ tragen darf. Die aktuelle Struktur der IBL entspricht somit weitgehend der der niederländischen Honkbal Hoofdklasse.

Wie die Hoofdklasse sieht die IBL sich als Profi-Liga. Tatsächlich kann man in Italien wohl vom Baseballspielen leben: Laut Gmelch und Nathan („Baseball Beyond Our Borders: An International Pastime“, 2017) sind Gehälter von monatlich 2000 bis 4000 Euro zuzüglich Annehmlichkeiten wie eine Wohnung und ein Auto an der Tagesordnung und Topspieler wie zum Beispiel ehemalige Major Leaguer können noch deutlich mehr verdienen. Man wird in der IBL also zwar nicht reich, hat aber doch ganz andere Möglichkeiten als in fast allen anderen europäischen Baseball-Ligen. Das ist durchaus verwunderlich, denn auch in Italien besuchen meistens nur wenige hundert Zuschauer die Ballparks und Fernsehübertragungen gibt es in der Regel nur von der Finalserie. Laut Gmelch und Nathan spielen neben Sponsorengeldern vor allem Zuwendungen aus staatlichen Lotterien die entscheidende Rolle bei der Finanzierung der IBL-Teams.

Neben sieben italienischen Teams spielt auch eine Mannschaft aus dem Zwergstaat San Marino in der IBL mit und das durchaus erfolgreich: 2011 bis 2013 gewann T&A San Marino dreimal hintereinander den Scudetto. Die aktuell erfolgreichste Mannschaft ist ASD Rimini: In den letzten sieben Jahren war Rimini siebenmal im Finale, 2015 und 2017 holte man den Titel. Rekordmeister ist Nettuno, das 2001 die letzte seiner bislang 17 Meisterschaften errang.

Rimini feiert die IBL-Meisterschaft 20171

Italien in internationalen Wettbewerben
Die europäischen Klubwettbewerbe dominieren die Italiener seit Jahrzehnten gemeinsam mit den Niederländern: Der European Champions Cup wurde (unter wechselnden Namen) bislang 54-mal vergeben und ging 32-mal nach Italien sowie drei weitere Male nach San Marino.

Bei den Nationalmannschaften kann Italien nicht ganz mit den Erfolgen der Niederlande mithalten. Das liegt in erster Linie daran, dass den Italienern keine vergleichbaren Verstärkungen zur Verfügung stehen wie den Niederländern mit ihren ehemaligen Überseegebieten. In der Weltrangliste der WBSC belegt Italien Platz zwölf – vier Ränge hinter den Niederlanden, aber vor allen anderen Nationalmannschaften Europas. Italien war zehnmal Baseball-Europameister, zuletzt 2012. Die Niederlande gewannen die EM 22-mal, ansonsten konnten nur Spanien und Belgien je einen Titel holen. Bei der Weltmeisterschaft World Baseball Classic war Italien für alle bisherigen vier Turniere qualifiziert, erzielte aber keine nennenswerten Erfolge.

Europameister 19772

Berühmte Spieler aus Italien
Aus US-amerikanischen Spielern italienischer Abstammung könnte man problemlos ein All-Star-Team bilden: Von Joe diMaggio über Yogi Berra und Jason Giambi bis hin zu Mike Piazza ließe sich jede Position mit absoluten Top-Baseballern füllen. Aber natürlich hat solch eine Aufzählung sehr wenig mit Baseball in Italien zu tun.

In dem Zusammenhang interessanter ist die Frage, welche in Italien geborenen und aufgewachsenen Spieler es in die MLB geschafft haben. Nach meinen Recherchen trifft das bislang nur auf einen einzigen Spieler zu: auf Alex Liddi. First und Third Baseman Liddi wurde 2005 als 17-Jähriger von den Seattle Mariners unter Vertrag genommen und kam 2011 bis 2013 zu 61 MLB-Einsätzen für die Mariners. Mit Schlagleistungen von .208/.266/.370 konnte Liddi sich nicht dauerhaft in der MLB etablieren. Er hatte später noch Minor-League-Engagements bei den Orioles, den White Sox, den Dodgers und den Royals, schaffte es aber nicht mehr in die Majors. Inzwischen spielt Liddi in Mexiko.

Alex Liddi 2007 im Trikot der Wisconsin Timber Rattlers3

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Biello di Biella (CC BY-SA 4.0)
2Quelle: Wikimedia, Urheber: Hans Peters (CC BY-SA 3.0 NL)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Halvorsen brian (CC BY 2.0)

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September 18th, 2016 by Dominik

Herzliche Glückwünsche an die Niederlande zum verdienten Gewinn der Europameisterschaft im Baseball. Im heutigen Finale wurde Spanien in zehn Innings mit 3:2 besiegt und damit ein dominantes Turnier der Gastgeber gekrönt, die jedes einzelne ihrer Spiele gewonnen haben. Hier findet sich die komplette Abschlusstabelle der EM.

Für Deutschland hat es zwar erwartungsgemäß nicht zum ganz großen Wurf gereicht, aber das Turnier als Vierter abzuschließen, ist auf jeden Fall ein Erfolg. Man kann sagen, Deutschland ist Erster in Leistungsgruppe 2 geworden, denn Italien, Spanien und die Niederlande sind derzeit in Europa offensichtlich eine Klasse für sich, an der es kein Vorbeikommen gibt. Entsprechend eindeutig fielen die deutschen Ergebnisse gegen diese Teams aus: Gegen die Niederlande unterlag man schon in der Vorrunde 2:10, in der Hauptrunde setzte es gegen Italien ein 0:12 und gegen Spanien ein 0:3. Letzteres war eine extrem interessante und vor allem in Sachen Pitching hochklassige Partie. Bis kurz vor Ende des sechsten Innings hatte ein beidseitiger No-Hitter Bestand, bevor Engel Beltre den Bann brach und den ersten von letztlich vier spanischen Hits in diesem Spiel erzielte. Ein 3-Run-Homerun von Jesus Martinez im achten Inning brachte schließlich die Entscheidung, während Deutschland über die vollen neun Innings ohne Hit blieb. Ist ja auch irgendwie unfair, wenn der Gegner Jesus und einen Engel auf seiner Seite hat… 😉

Alle anderen Spiele gewannen die Deutschen, darunter den im letzten Artikel geschilderten 3:1-Nailbiter gegen Tschechien und einen überraschend deutlichen 14:2-Blowout in sechseinhalb Innings gegen Belgien. Um mal ein paar Namen fallen zu lassen: Der überragende Akteur der deutschen Nationalmannschaft war Pitcher Enorbel Marquez, der in 16 Innings nur vier Hits und einen Run zugelassen hat. Angesichts dieser Leistung ist es kaum zu glauben, dass der ehemalige Solinger dieses Jahr für die Berlin Flamingos nur in der zweiten deutschen Liga gespielt hat. In der Offense überzeugten vor allem der Heidenheimer Catcher Simon Gühring mit einer Slashline von .407/.484/.481 sowie der Bonner Outfielder Eric Brenk mit .370/.400/.681, dessen 8 RBI gleichauf mit dem Mainzer 1B/DH Max Boldt (.276/.294/.345) das Team anführen. 

Für Boldt und seine Mainzer Teamkameraden gilt es nun ebenso wie für die Regensburger Nationalspieler, bis zum nächsten Wochenende die mentale und körperliche Frische wiederherzustellen, die für die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft nötig ist. Am Samstag um 14 Uhr geht es los, eine ausführliche Vorschau von mir wird es im Laufe der Woche geben.

Für zwei Teams endete die Europameisterschaft sehr bitter, denn Platz elf und zwölf für Russland und Griechenland bedeutet, dass die beiden in den B-Pool absteigen und sich in dem entsprechenden Turnier nächstes Jahr um eine Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 bemühen müssen, während der Rest des Feldes automatisch wieder dabei sein wird.

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September 13th, 2016 by Dominik

Das ist mal wieder typisch: Genau während ich meinen gestrigen Artikel veröffentlicht und mich darin über zu wenig Spannung und Überrschungen beklagt habe, fanden die drei spannendsten und/oder überraschendsten Spiele des bisherigen EM-Turniers statt. Der Reihe nach: Zunächst tat sich Schweden unerwartet schwer gegen Großbritannien. Aus einer 5:0-Führung für die Skandinavier wurde ein 5:5 und das Spiel ging in die Extra-Innings, bevor die Schweden es schließlich mit 9:6 gewannen. Es war das erste Spiel des Turniers, bei dem eine Verlängerung nötig war und bei dem deshalb die Regel griff, dass ab dem zehnten Inning jedes Team mit Runnern auf der ersten und zweiten Base startet.

Eine halbe Stunde später begann das Parallelspiel von Mitfavorit Italien gegen Spanien, bei dem es die erste faustdicke Überraschung setzte: Spanien zeigte sich unerwarteterweise acht Innings lang als ebenbürtiger Gegner und explodierte dann förmlich im neunten Inning mit fünf Runs, um Italien 8:3 zu schlagen. Oscar Angulo gelang dabei ein sehenswerter Drei-Run-Homer, den er mit einem ebenso sehenswerten Batflip feierte. Schaut ihn euch hier an.

Ebenfalls parallel zu den beiden vorgenannten Spielen trafen Belgien und Frankreich aufeinander und dieses Spiel war nie spannend, aber dafür sehr überraschend, denn den klaren 14:3-Sieg von Belgien hatte wohl niemand erwartet.

Am heutigen letzten Vorrundenspieltag waren nur noch zwei Entscheidungen zu treffen: zum einen die über den dritten Teilnehmer an der Hauptrunde aus Gruppe B, wobei Belgien durch Frankreichs erwartbare 0:6-Niederlage gegen Spanien bereits durch war, bevor das eigene Spiel gegen Griechenland (18:1) überhaupt angefangen hatte. Zum anderen spielten Deutschland und Tschechien Platz zwei in Gruppe A unter sich aus. Beide waren zwar bereits für die Hauptrunde qualifiziert, aber das Spiel war trotzdem sehr wichtig, da die Hauptrundenreilnehmer die gegeneinander erzielten Punkte aus der Vorrunde mitnehmen.

Die Partie zwischen Deutschland und Tschechien war von großartigem Pitching und ebenso starker Defense geprägt. Die Starter Enorbel Marquez (Deutschland) und Radim Chroust (Tschechien) trugen einen beidseitigen Shutout mit jeweils nur drei erlaubten Hits bis ins achte Inning hinein. Der erste Knackpunkt kam in der unteren Hälfte des achten Innings: Marquez erlaubte dem Leadoff-Hitter Petr Zyma einen Double und wurde nach nur 73 Pitches gegen Tim Stahlmann ausgewechselt. Leider fand Stahlmann nicht ins Spiel und musste seinerseits nach nur drei At-Bats – einem Walk, einem Sac-Fly und einem intentional Walk – bei geladenen Bases Platz für Max Schmitz machen. Dem erging es zunächst nicht besser, er erlaubte einen weiteren Walk und damit das 1:0 für Tschechien, bevor er das Inning mit zwei Strikeouts beenden konnte.

Das neunte Inning begann mit einem Strikeout gegen Marcel Jimenez und Deutschland war nur noch zwei Outs von der Niederlage entfernt. Doch unter großem Druck platzte endlich der Knoten in der deutschen Offense und durch Basehits von Simon Gühring, Max Boldt, Christopher Howard, Eric Brenk und Jendrik Speer sowie einen Walk von Ludwig Glaser kamen drei Runs über die Platte zum 3:1-Endstand, den Schmitz durch ein perfekt gepitchtes Schlussinning für sein Team festhielt.

Morgen findet in Hoofddorp nur ein einziges Spiel statt. Frankreich und Schweden wetteifern ab 14:30 Uhr um Platz sieben und damit ist für sie das Turnier beendet. Von Donnerstag bis Samstag finden dann die Spiele der Meisterschafts- und der Abstiegsrunde statt, bevor am Sonntag das Finale zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunde ansteht. Das nächste Spiel der Deutschen steigt am Donnerstag um 15 Uhr gegen Italien. Wie alle Deutschland-Spiele kann man sich die Partie live auf meinsportradio.de anhören.

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