Oktober 19th, 2017 by Dominik

Nächsten Dienstag beginnt die World Series. Noch wissen wir nicht, welche Teams dann um den höchsten Titel im Baseball gegeneinander antreten werden, doch schon heute Nacht kann die erste Entscheidung darüber fallen und morgen die zweite. Im Grand Slam am Donnerstag konzentriere ich mich heute ganz auf das aktuelle sportliche Geschehen. Gleichzeitig vollziehen sich auch jenseits der Spielfelder hochinteressante Entwicklungen. Diese könnten zu einer massiven Umstruktierung der MLB führen. Aber dieses Thema hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf, der innerhalb der nächsten Tage folgen wird.

National League
Die Los Angeles Dodgers waren nah dran, nach der NLDS auch die NLCS zu sweepen: Mit 3:0 Siegen lagen sie bereits in Führung, bevor sie letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Postseason ein Spiel abgeben mussten. Die Offense der Chicago Cubs, die sich seit einigen Spielen im Tiefschlaf befand, ist nicht gerade explodiert, bekam aber gerade genug Runs beisammen, um aus dem starken Start von Jake Arrieta einen 3:2-Erfolg herauszuholen. Zwei davon waren Solo-Homeruns von Javier Baez, der zuvor mit 0 Hits aus seinen letzten 20 At-Bats gegangen war.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steht Spiel fünf an und wenn die Cubs danach noch im Rennen sein wollen, müssen sie sich wohl eine Menge einfallen lassen. Denn mit einer abgekühlten Offense gegen einen der (wahrscheinlich sogar den) besten Pitcher der Welt, Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP), antreten zu müssen, klingt nicht allzu vielversprechend. Mit José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) schicken auch die Cubs einen Top-Pitcher auf den Mound, der beim letzten Aufeinandertreffen in Spiel eins genau wie Kershaw fünf Innings durchhielt und zwei Runs zuließ. Der Bullpen verlor schließlich die Partie mit 2:5. Mein Tipp ist, dass es heute ähnlich laufen wird, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, auf welcher Basis ich der Kombination aus Kershaw und dem Bullpen der Dodgers etwas anderes prophezeien sollte als den vierten Sieg und den Einzug in die World Series.

American League
Während in der NL die Rollen des Favoriten und des Außenseiters klar verteilt sind, scheint der Ausgang der ALCS noch weit offen. Die Houston Astros gewannen ihre beiden Heimspiele, getragen von Dallas Keuchel und Justin Verlander, anschließend siegten aber dreimal hintereinander die New York Yankees in ihren eigenen Heimspielen. Wenn es nach diesem Muster weitergeht, haben die Astros beste Chancen, da sie das Heimrecht für die Spiele fünf und sechs besitzen. Doch der Druck, der nach der vergebenen 2:0-Führung auf ihnen lastet, dürfte enorm sein. Die Yankees hingegen können sich von der Euphorie tragen lassen, gestern Abend sogar gegen ihren Angstgegner Keuchel einen astreinen 5:0-Sieg eingefahren zu haben und nur noch einen Sieg von der World Series entfernt zu sein.

Den ersten von zwei Matchbällen haben die Yankees morgen Nacht ab 2 Uhr mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) gegen Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). In Spiel zwei gab es dieses Duell schon einmal und es ging deutlich an Verlander, der neun dominante Innings pitchte (siehe Statistik der Woche), während Severino schon nach vier Innings vorsichtshalber ausgewechselt wurde, nachdem er einen Ball ans linke Handgelenk bekommen hatte. Nach einer Bullpen-Session am Mittwoch gab es aber grünes Licht für seinen Einsatz. Es wird sicher spannend, aber ich tippe auf einen Sieg der Astros und somit auf ein alles entscheidendes Spiel sieben am Samstag.

Szene der Woche
Einen der wohl seltsamsten Spielzüge des Jahres gab es am Dienstag in Spiel vier der ALCS: Es ging los mit einem Walk für Aaron Judge, gefolgt von einem Lineout durch Didi Gregorius – soweit alles normal. Als nächstes war Gary Sanchez an der Reihe, der einen Flyball ins halbrechte Outfield schlug. Für Judge sah der Ball wohl nach einem wahrscheinlichen Basehit aus, deshalb war er schon über die zweite Base hinaus gerannt, bevor er seinen Fehler bemerkte und sich schnell auf den Weg zurück zur ersten Base begab. Der Wurf dorthin von Astros-Outfielder Josh Reddick war schwach, er sprang ein paarmal auf und kam nach Ansicht des Umpires gerade noch rechtzeitig für das Out an. Yankees-Manager Joe Girardi ließ die Entscheidung überprüfen und sie wurde zurückgenommen: Judge war safe an der ersten Base. Nun protestierte wiederum Astros-Manager A. J. Hinch, der gesehen haben wollte, dass Judge auf dem Weg zurück die zweite Base nicht noch mal berührt hatte. Um darüber eine Entscheidung herbeizuführen, war ein Appeal-Play nötig – in dem Fall ein Wurf zur zweiten Base, an der dann der Umpire zu entscheiden hatte, ob dadurch an der Stelle ein Out stattfand. Astros-Pitcher Lance McCullers war dabei aber etwas voreilig, denn der nächste Batter stand noch nicht in der Box und der Ball war somit nicht freigegeben. Also musste er den Wurf wiederholen, doch nun rannte Judge plötzlich – und wurde problemlos ausgetagt. Was auf den ersten Blick aussah wie einer der dämlichsten Steal-Versuche aller Zeiten, war übrigens völlig rational: Judge und den Yankees war klar, dass er die zweite Base nicht berührt hatte und das Appeal-Play der Astros erfolgreich sein würde; daher war es den Versuch wert, die zweite Base vor dem Ball zu erreichen und auf diese Weise den Appeal abzuwehren.

Statistik der Woche 
93. So viele Strikes warf Justin Verlander bei seinem complete Game in Spiel zwei der ALCS, das er mit den Astros 2:1 gegen die Yankees gewann. Es waren die meisten Strikes durch einen einzelnen Pitcher in einem Playoffspiel seit 2011. Kurioserweise war es auch damals Verlander und zwar ebenfalls in der ALCS, in Spiel fünf der Detroit Tigers gegen die Texas Rangers. Insgesamt warf Verlander am Samstag 124 Pitches und schickte 13 Batter per Strikeout aus der Box.

Spiel der Woche
Das für mich beste Spiel der bisherigen Championship Series war Spiel zwei der NLCS. Es war ein hochkarätiges, defenselastiges Duell zwischen zunächst Jon Lester und Rich Hill und anschließend zwischen zwei sehr starken Bullpens. Im fünften Inning wurden die vorerst einzigen Runs ausgetauscht durch einen Homerun von Addison Russell und einen RBI-Single von Justin Turner. Auf Turners Konto gingen im Endeffekt alle vier RBIs der Dodgers, denn ihm gelang gelang im neunten Inning gegen den zum Reliever umfunktionierten John Lackey der  Walkoff-Homerun. Das Ganze ereignete sich übrigens auf den Tag genau 29 Jahre nach einem anderen legendären Walk-Off-Homerun der Dodgers – über den Justin Turner anschließend erzählte, dass er ihn als Dreijähriger im Haus seiner Oma live im Fernsehen gesehen hat.

Spiel der kommenden Woche
Wir sind auf der Zielgeraden der Saison und ich versuche, trotz der oft ungünstigen Zeiten jedes Spiel zumindest teilweise live zu sehen. Für Spiel sechs der Yankees gegen die Astros werde ich mir auf jeden Fall für Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Wecker stellen.

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September 28th, 2017 by Dominik

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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September 5th, 2017 by Dominik

Baseball ist ein Teamsport, man gewinnt zusammen und man verliert zusammen – weswegen es zum Beispiel blödsinnig ist, Pitcher-Wins und -Losses zu zählen. Aber natürlich sind es im Baseball noch mehr als in den meisten anderen Mannschaftssportarten auch immer wieder die Leistungen von einzelnen Spielern, die Aufmerksamkeit erregen und manchmal so bedeutend sind, dass sie Erfolg oder Misserfolg des jeweiligen Teams sehr stark mitbestimmen. Um dies zu würdigen, gibt es am Ende der Saison eine Reihe von Auszeichnungen, die überwiegend vom Baseball-Journalistenverband Baseball Writers‘ Association of America (BBWA) vergeben werden. Die wichtigste Auszeichnung ist natürlich die des wertvollsten Spielers (Most Valuable Player, kurz: MVP) in jeder der beiden Major-Ligen. Darüber hinaus gibt es für jede Liga den Cy Young Award für den besten Pitcher, einen Award für den besten Rookie und einen für den besten Manager. Nicht die BBWA sondern die MLB selbst vergibt zudem den Award des Comeback Players of the Year. Dieser geht an je einen Spieler, der es nach einer längeren Formschwäche oder Verletzung geschafft hat, wieder Top-Leistungen zu bringen.

Da sich die reguläre Saison dem Ende zuneigt, darf man so langsam anfangen zu spekulieren, wer dieses Jahr eine oder mehrere der begehrten Auszeichnungen abräumen wird. Bevor ich noch lange um den heißen Brei herum rede – hier sind meine Tipps:

American League MVP
In den letzten Jahren hat sich an dieser Stelle immer Mike Trout aufgedrängt, nicht zuletzt weil er regelmäßig die WAR-Statistik anführte. Trout ist meiner Ansicht nach immer noch der beste Spieler der MLB, aber dieses Jahr hatte er eine längere Verletzungspause und konnte der Saison deswegen nicht so sehr seinen Stempel aufdrücken wie man es von ihm gewohnt ist. Ganz anders Jose Altuve, bei dem dieses Jahr alles zusammenpasst: Er führt die AL sowohl mit 7.4 bWAR als auch mit 183 Hits, einem Batting Average von .354, einer On-Base-Percentage von .415, 290 Total Bases und einer OPS+ von 168 an und ist damit das Herzstück des besten Teams der Liga, der Houston Astros. So sieht für mich eine MVP-Saison aus, auch wenn Altuve mit „nur“ 21 Homeruns nichts für Power-Hitting-Fanatiker ist. Diese werden wohl eher für Aaron Judge mit seinen 38 teilweise monströsen Homeruns Partei ergreifen. Judge ist auch ein toller Baseballer, keine Frage. Aber wenn ich die Wahl hätte, wen von beiden ich lieber in meinem Team haben möchte, würde diese klar auf Altuve fallen.

National League MVP
In der NL liegt nach bWAR Max Scherzer vorne – eine besondere Leistung angesichts der Tatsache, dass er als Starting-Pitcher nur in jedem fünften Spiel dabei ist und obendrein ein paar Starts durch Verletzungen verpasst hat. Erfahrungsgemäß werden Pitcher nur selten zum MVP gewählt und ich vermute, dass sich das auch dieses Mal bewahrheitet, denn in Giancarlo Stanton drängt sich eine spektakulärere Option auf. Mit bislang 53 Homeruns ist Stanton auf dem Weg zu einer historischen Saison und das Kriterium, dass er sein Team deutlich wertvoller macht als es ohne ihn wäre, trifft auf ihn wohl so sehr zu wie auf kaum einen anderen. Neben Stanton und Scherzer dürften auch Paul Goldschmidt und Joey Votto in die nähere Auswahl kommen. Bryce Harper ist wegen seiner aktuellen Verletzung vermutlich aus dem Rennen.

American League Cy Young
Chris Sale war über weite Teile der Saison der Favorit auf den Cy-Young-Award und das nicht zu Unrecht, schließlich führt er die gesamte MLB mit 189.2 gepitchten Innings, 270 Strikeouts und einem FIP von 2.20 sehr deutlich an. Allerdings hatte er in zwei seiner letzten drei Spiele schwache Starts und plötzlich steht ein Anderer im Zentrum der Aufmerksamkeit: Clevelands Corey Kluber hatte einen holprigen Start in die Saison und musste fast den ganzen Mai über pausieren. Aber in den 18 Starts seit seiner Rückkehr war er extrem dominant und brachte es auf einen ERA von 1.85. Selbst auf das gesamte Jahr gesehen liegt er mit seinem ERA von 2.56 und FIP von 2.55 inzwischen auf Platz eins bzw. zwei der AL. Es wird ein spannender Endspurt zwischen Sale und Klubwr, aber Kluber scheint zurzeit auf der Überholspur.

National League Cy Young
Lange Zeit sah es so aus, als sollte es dieses Jahr eine klare Angelegenheit für Max Scherzer werden, nachdem sein ewiger Konkurrent Clayton Kershaw längere Zeit pausieren musste. Doch rechtzeitig zur heißen Phase der Saison ist Kershaw wieder fit und bei seinem Start am Freitag sah er aus, als wäre er nie weg gewesen. Mit einem ERA von 1.95 führt Kershaw die NL an, gefolgt von Scherzer mit 2.19. Momentan sehe ich Scherzer als leichten Favoriten, weil er seinem Team 25 Innings mehr geben konnte, aber es stehen noch vier bis fünf Starts für jeden der beiden aus und das Rennen ist eng.

American League Rookie
Wie oben ausgeführt glaube ich zwar nicht, dass Aaron Judge in seiner ersten kompletten MLB-Saison den MVP-Titel abräumen kann. Der Titel des besten Rookies in der AL dürfte ihm hingegen kaum zu nehmen sein. Mit 38 Homeruns, 101 Runs, 5.7 bWAR und 154 OPS+ ist er unter den jungen Spielern eine Klasse für sich. Allenfalls Matt Olson kommt auf ein vergleichbares Niveau, welches er aber über einen viel kürzeren Zeitraum gezeigt hat. Aus diesem Grund dürfte Olson nicht mal für Platz zwei in Frage kommen, auf dem ich eher Andrew Benintendi sehe.

National League Rookie
Auch in der NL sehe ich kein spannendes Duell um die Auszeichnung als bester Rookie sondern einen sehr deutlichen Favoriten. Cody Bellinger steht kurz davor, den Rekord für die meisten Homeruns eines Rookies in der NL zu brechen. Unter den Rookie-Battern ist er dieses Jahr konkurrenzlos. Allenfalls die Pitcher German Marquez und Kyle Freeland könnten zumindest Außenseiterchancen haben, ihm den Titel streitig zu machen. Beide haben das Problem, dass sie im hitterfreundlichen Ballpark der Rockies spielen, wodurch ihre Statistiken immer ein bisschen schwächer aussehen als sie sind.

American League Comeback Player
Ich tippe auf Michael Brantley, der wegen Schulteroperationen fast das gesamte letzte Jahr verpasst hat. Vor der Saison schien völlig offen, ob er an frühere Leistungen anknüpfen kann und seinen Platz wiederfindet in einem Team, das ohne ihn die World Series erreicht hatte. Er schlägt dieses Jahr .299/.358/.445 und sieht voll und ganz nach dem Spieler aus, der er immer war. Das einzige, was seine Chancen auf den Award beeinträchtigen könnte ist, dass er derzeit erneut verletzt ist, auch wenn es dieses Mal wohl eine deutlich kleinere Geschichte ist. Ein anderer Kandidat wäre Craig Kimbrel. Bei ihm ist es etwas zweifelhaft, ob man von einem Comeback sprechen soll, denn er hatte 2016 zwar das schlechteste Jahr seine Karriere, das mit 31 Saves, 3.40 ERA und 2.92 FIP aber für die meisten anderen Pitcher ein ziemlich ordentliches Jahr gewesen wäre. Dieses Jahr ist er jedenfalls wieder der Alte mit bislang 32 Saves, 1.55 ERA und 1.33 FIP.

National League Comeback Player
Zack Greinke war in Arizona nach einer schwachen Saison 2016 mit 4.37 ERA und 4.12 FIP sowie einigen nagenden Wehwehchen schon zum Fehleinkauf abgestempelt. Doch dieses Jahr ist er einer der entscheidenden Faktoren, dass die Diamondbacks die Kurve nach oben gekriegt haben und eine ganz hervorragende Saison spielen. Mit 3.08 ERA und 3.14 ERA in bislang 172.1 gepitchten Innings hat Greinke es ins All-Star-Team geschafft und ist mit 5.4 bWAR der drittbeste Pitcher in der NL. Andrew McCutchen und Greg Holland sind weitere Kandidaten für den Comeback-Award der NL.

American League Manager
Zum Manager of the Year wird man ernannt, wenn man ein Team dazu bringt, unter ungünstigen Umständen und trotz niedriger Erwartungen eine erfolgreiche Saison zu spielen. Das trifft wohl auf niemanden so sehr zu wie auf A. J. Hinch, den Manager der Houston Astros. Houston galt vor der Saison als eines von drei Teams, die mit den Texas Rangers und den Seattle Mariners um die AL West spielen könnten, doch stattdessen haben die Astros jegliche Konkurrenz schnell und dauerhaft weit hinter sich gelassen. Hinch ist es gelungen, das Lineup der Astros zur erfolgreichsten Offense der gesamten MLB zu formen und trotz diverser Verletzungen auch das Pitching auf Kurs zu halten.

National League Manager
In der NL fällt es mir schwerer, einen klaren Favoriten zu identifzieren. Dave Roberts von den Los Angeles Dodgers ist die offensichtlichste Option, denn als Manager des sowohl von den Siegen (92) als auch vom Run Differential (+189) mit Abstand erfolgreichsten Teams der Liga hat man definitiv eine Menge richtig gemacht. Der andere heiße Kandidat ist Torey Lovullo. Der nimmt zwar mit seinen Diamondbacks nur Platz zwei in der Division ein, doch dass Arizona so gut dasteht, mit einer Bilanz von 80-58 und aktuell einer Serie von elf Siegen hintereinander, hätte vor der Saison sicher niemand gedacht. Letztes Jahr hatten die Diamondbacks noch ein enttäuschendes Jahr mit 93 Niederlagen. Die größte Veränderung, die sie in der Offseason vorgenommen haben und die sich offenbar als Schlüssel zum Erfolg erwiesen hat, war die Anstellung eines neuen Managers: Lovullo.

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August 31st, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers sind schlagbar und sie werden dieses Jahr nicht den Rekord für die meisten Siege in der regulären Saison brechen. Das ist wohl die zentrale Erkenntnis dieser MLB-Woche, nachdem das stärkste Team der Liga gerade viermal hintereinander verloren hat. Die Gewinner der Woche sind unterdessen die Baltimore Orioles, die zurück im Kampf um eine Wild Card in der AL sind, die Arizona Diamondbacks, die ihre Wild Card in der NL wohl endgültig gebucht haben, sowie die Cleveland Indians, deren starke zweite Saisonhälfte höchstwahrscheinlich im Divisionssieg gipfeln wird.

American League
In der American League East naht wohl die Entscheidung: Nachdem die Boston Red Sox (76-57) gerade dreimal hintereinander gegen die Toronto Blue Jays (61-72) gewonnen und die New York Yankees (70-62) ebenso oft gegen die Cleveland Indians verloren haben, beträgt der Abstand zwischen beiden bereits fünfeinhalb Spiele. Übers Wochenende reisen die Red Sox zu den Yankees in der Hoffnung, in den vier direkten Aufeinandertreffen den Sack zuzumachen. Die Yankees benötigen mindestens ein 3:1, besser aber einen Sweep, um die Hoffnung auf den Divisionssieg am Leben zu erhalten. Andernfalls richtet sich der Blick zwangsläufig nach unten, denn der Vorsprung der Yankees im Wild-Card-Rennen ist auf ein einziges Spiel geschmolzen. Die Verfolger kommen unerwarteterweise nicht mehr nur aus den beiden anderen Divisionen, denn auch für die Baltimore Orioles (68-65) ist nach derzeit sieben Siegen in Folge plötzlich wieder alles drin.

Die AL Central differenziert sich derweil zunehmend aus: Was vor nicht allzu langer Zeit noch ein enger Dreikampf um den Divisionstitel war, ist inzwischen erstens eine klare Dominanz der Cleveland Indians (76-56); zweitens eine gute Aussicht der Minnesota Twins (69-63) auf die Teilnahme am Wild-Card-Spiel; drittens eine weitgehend gelaufene Saison für die Kansas City Royals (65-67). Die erste und die dritte Entwicklung haben sich vor allem aus dem direkten Duell der Indians und der Royals am vergangenen Wochenende ergeben, welches die Indians mit einem beeindruckenden Shutout-Sweep (4:0, 4:0, 12:0) für sich entschieden. Für die Twins hat Max Kepler (.247/.315/.435) am Samstag im Spiel gegen die Toronto Blue Jays den zweiten Grand Slam seiner noch jungen MLB-Karriere erzielt. Herzlichen Glückwunsch, Max!

Die AL West wird nach wie vor souverän angeführt von den Houston Astros (79-53), die angesichts der über ihre Stadt hereingebrochenen Naturkatastrophe natürlich jedes Recht der Welt haben, sich zurzeit mit Herz und Verstand nicht ganz auf Baseball zu konzentrieren. Gespielt wird trotzdem, momentan eine „Heim“-Serie in Tampa Bay gegen die Rangers, bei der die beiden bisherigen Spiele 2:12 und 1:8 verloren gingen. Aber schon am Samstag geht es zurück ins eigene Stadion (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und ich kann mir gut vorstellen, dass die Astros sich dann von einer Stimmung tragen lassen, jetzt erst recht alles für ihre Stadt und deren Bewohner zu geben. Die Divsionsführung ist jedenfalls nicht in Gefahr, die Aufmerksamkeit der Los Angeles Angels (69-65) gilt ganz dem Wild-Card-Rennen. In der Division haben sie dabei klar die Nase vor den Texas Rangers (66-66), auf die sie das Wochenende über in einer vielleicht vorentscheidenden Drei-Spiele-Serie treffen werden. Die Seattle Mariners (66-68) sind nach fünf Niederlagen in Folge fast schon aus dem Rennen.

National League
Fast wäre die National League East noch mal interessant geworden – nicht, was den Divisionssieg angeht, den schon lange niemand mehr den Washington Nationals (81-51) streitig macht. Aber die Miami Marlins (66-66) hatten, getragen von Giancarlo Stantons unglaublicher Homerun-Power, für kurze Zeit den Eindruck erweckt, noch mal an die Wild Card herankommen zu können. Doch dann ließen sie sich von den Nationals in drei Spielen sweepen und schon liegt der Abstand auf die Colorado Rockies wieder bei fünfeinhalb Spielen, die man wohl nicht mehr aufholen wird – und wenn doch, dann stehen dazwischen noch die Milwaukee Brewers. So wird den Marlins am Ende wohl nicht mehr bleiben als das Prestige des zweiten Platzes in der NL East, der ihnen weder von den Atlanta Braves (59-72) noch von den New York Mets (58-74) genommen werden wird. Von den Philadelphia Phillies (49-83), dem nach wie vor schlechtesten Team der Liga, sowieso nicht.

Den St. Louis Cardinals (66-66) geht es ähnlich wie den Marlins: Auch sie machten sich kurzzeitig Hoffnung, noch mal heranzukommen, aber nach nur drei Siegen aus den letzten zehn Spielen dürfte der Zug abgefahren sein. Das gilt sowohl in Bezug auf die Wild Cards als auch im Kampf um den Divisionssieg in der NL Central. Die Chicago Cubs (72-60) stehen weiterhin ganz vorne, die Milwaukee Brewers (69-64) bleiben dran. Dreieinhalb Spiele Rückstand haben sie zu den Cubs, drei zu den Colorado Rockies auf dem zweiten Wild-Card-Platz – beides ist absolut noch machbar.

Sicher nicht machbar ist es, in der NL West die Los Angeles Dodgers (91-40) noch abzufangen. Dennoch ist es eine Meldung wert, dass die Dodgers gerade zum ersten Mal in dieser Saison vier Spiele hintereinander verloren haben und dass sie heute Abend aufpassen müssen, von den Arizona Diamondbacks (75-58) nicht auch den ersten Sweep der Saison zu kassieren. Die Diamondbacks haben ihr Zwischentief zweifellos überwunden und sich im Wild-Card-Rennen ein Polster von sechs Spielen zugelegt. Noch etwas zittern müssen hingegen die Colorado Rockies (72-61), die lange im Gleichschritt mit den Diamondbacks gingen, zuletzt aber deutlich nachgelassen haben und den Atem der Brewers im Nacken spüren. Zu allem Überfluss müssen die Rockies in elf der kommenden vierzehn Spiele gegen die Diamondbacks oder die Dodgers ran.

Szene der Woche
Zu gerne würde ich an dieser Stelle über den sagenhaften Catch von Kevin Pillar sprechen oder über den Irrtum von Ian Happ, der bei einem Flyout ins Leftfield zur dritten Base lief und dachte, er hätte gerade den Cycle geschafft. Leider wurden aber diese und alle anderen schönen Baseballmomente von den Prügeleien zwischen den New York Yankees und den Detroit Tigers überschattet. Vier Hit-By-Pitches (und mindestens ein weiterer versuchter), drei größere Rangeleien zwischen den kompletten Teams, acht Platzverweise gegen Spieler und Trainer sowie fünf später ausgesprochene Sperren waren die Bilanz des wohl hässlichsten Spiels dieser Saison. Interessanterweise ohne Sperre kamen die beiden Pitcher davon, die die Unruhen ausgelöst hatten: Detroits Michael Fulmer mit einem Pitch auf die Hand von Yankees-Catcher Gary Sanchez und New Yorks Tommy Kahnle mit einem Pitch hinter den Rücken von Tigers-Star Miguel Cabrera, welcher daraufhin ausrastete und die erste handfeste Prügelei begann. Worum es bei der Sache wirklich ging, ist nicht ganz zu klären – Fulmers Pitch könnte eine „Bestrafung“ dafür gewesen sein, dass Sanchez ein Inning zuvor seinen vierten Homerun der Serie geschlagen hatte, es könnte aber auch die Fortsetzung eines Konflikts gewesen sein, der am 31. Juli begonnen hatte – damals waren es ebenfalls Fulmer und Kahnle, die Hit-by-Pitches ausgeteilt hatten.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns in den ersten 18 MLB-Spielen eines Rookies sind Rekord. Aufgestellt hat diese Bestleistung Rhys Hoskins von den Philadelphia Phillies – und das, obwohl er seine MLB-Karriere mit 0 Hits aus den ersten 10 At-Bats begonnen hatte. Ich habe mal ein paar Zahlen zum Vergleich rausgekramt: Um die 11 Homeruns von Hoskins zu übertreffen, müssten Babe Ruth (2), Hank Aaron (2), Barry Bonds (3), Giancarlo Stanton (2) und Aaron Judge (3) die Homeruns aus ihren ersten 18 Spielen zusammenlegen.

Spiel der Woche
Manchmal ist es ein einzelnes Spiel, das für beide Teams den Rest der Saison vorzeichnet. Gestern Nacht gab es ein solches Spiel zwischen den Brewers und den Cardinals. Am Tag zuvor hatten die Cardinals das erste Spiel der kurzen Serie gewonnen. Mit einem weiteren Sieg hätten die Cards die eigenen Playoffhoffnungen am Leben erhalten und denen der Brewers einen Dämpfer verpasst. Doch es kam anders, die Brewers siegten 6:5 nach einer spannenden Partie mit mehreren Führungswechseln und einer Aufholjagd des Gegners, die durch einen heldenhaften homerunverhindernden Catch von Keon Broxton gestoppt wurde.

Spiel der kommenden Woche
Wenn am Samstag die New York Mets zum Doubleheader bei den Houston Astros antreten, dann wird der Name „Harvey“ in aller Munde sein, im Guten wie im Schlechten. Im Schlechten, weil Harvey der Name des tropischen Wirbelsturms ist, der in Houston furchtbare Überschwemmungen und Verwüstungen hinterlassen hat. Die Astros mussten für die derzeit laufende Serie gegen die Texas Rangers nach Tampa Bay ausweichen, werden danach aber viel früher als allseits erwartet in den heimischen Minute Maid Park zurückkehren, um den Einwohnern von Houston ein Stück Normalität zu geben. Im Guten, weil für die Mets im ersten Spiel (Samstag, 20:10 Uhr europäischer Zeit) ihr ehemaliges Pitching-Ass Matt Harvey (5.25 ERA, 6.17 FIP) nach diversen Formkrisen und Verletzungen einen erneuten Comebackversuch unternehmen wird. Für die Astros wird in der Partie voraussichtlich Brad Peacock (3.12 ERA, 2.69 FIP) starten.

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August 3rd, 2017 by Dominik

Zum zweiten und vorerst letzten Mal gibt es den Grand Slam am Donnerstag in der etwas kürzeren Urlaubsversion. Ab nächster Woche läuft auf dem Baseblog wieder alles wie gewohnt.

Leider komme ich nicht dazu, mich ausführlich mit den interessanten Entwicklungen zur am vergangenen Montag erreichten Deadline für No-Waiver-Trades auseinanderzusetzen. Pitching stand dieses Jahr definitiv im Mittelpunkt der Trades: Vor allem die Los Angeles Dodgers mit Yu Darvish und die New York Yankees mit Sonny Gray und Jaime Garcia haben noch mal ordentlich nachgelegt. Für eine ausgiebige deutschsprachige Auseinandersetzung mit den Deadline-Trades lege ich einmal mehr meinen Lieblingspodcast Just Baseball ans Herz, insbesondere die Aufzeichnung der Livesendung vom Montag.

American League
Die American League East ist etwas enger zusammengerückt. Das gilt sowohl für die Spitze, an der die Boston Red Sox (59-49) nach sechs Niederlagen aus den letzten zehn Partien nur noch zwei Nachholspiele von den New York Yankees (57-49) trennen, als auch für den hinteren Tabellenbereich. Dort haben die Baltimore Orioles (53-54) und die Toronto Blue Jays (51-57) jeweils sieben der letzten zehn Spiele gewonnen und wahren damit ihre Chancen auf einen Wild-Card-Platz.

In der AL Central sind sich die Cleveland Indians (57-48) und die Kansas City Royals (55-51) erstaunlich einig: Zuerst haben die Kontrahenten parallele Siegesserien hingelegt, jetzt haben sie beide drei Spiele in Folge verloren. Die Minnesota Twins (51-54) sind inzwischen schon sechs Spiele hinter die Indians zurückgefallen.

Die Houston Astros (69-38) bleiben in der AL West natürlich unangefochten, interessant ist aber die Entwicklung der Seattle Mariners (55-54), die inzwischen bei einer positiven Bilanz und nur noch eineinhalb Spiele hinter den Wild-Card-Plätzen liegen.

National League
Die Washington Nationals (63-43) haben gerade zweimal gegen die Miami Marlins (51-55) verloren, aber wen interessiert’s? Die National League East ist lange schon entschieden.

Ganz anders die NL Central, in der es zwischen den wiedererstarkten und favorisierten Chicago Cubs (57-49) und den Milwaukee Brewers (56-53) nach wie vor recht eng zugeht. Die direkte Serie am vergangenen Wochenende endete mit einem 2-1 für die Cubs in drei spannenden, knappen Spielen.

Die NL West ist natürlich weiterhin fest in der Hand der Los Angeles Dodgers (75-31), die schon vor den jüngsten Trades das beste Team der MLB waren und sich nun weiter verstärkt haben. Vor der Niederlage gegen die Braves letzte Nacht hatten die Dodgers wieder mal neun Spiele in Folge gewonnen. Sie stehen nun vierzehn bzw. vierzehneinhalb Spiele vor den Arizona Diamondbacks (61-46) und den Colorado Rockies (61-47), die ihrerseits nach wie vor die Wild Cards der AL fest im Griff haben.

Szene der Woche
Ich hatte leider die ganze Woche keinen vernünftigen Internetempfang, aber zwei besondere Szenen sind dann doch zu mir durchgedrungen: zum einen der Zahnverlust von Yankee Aaron Judge während eines Walk-Off-Jubels, zum anderen der unglaubliche Catch von Indian Austin Jackson.

Statistik der Woche 
3002. So viele Hits hat 3B Adrian Beltre von den Texas Rangers in seiner MLB-Karriere bislang erzielt. Er ist seit Sonntag der 31. Spieler im elitären Club derjenigen Spieler, die mehr als 3000 Hits gesammelt haben – und unter diesen der einzige noch aktive neben Ichiro Suzuki.

Spiel der Woche
Mit meinem Einschalttipp aus der Vorwoche lag ich tatsächlich richtig, auch wenn es nicht das erwartete hochklassige Pitcherduell wurde: Sowohl Carlos Carrasco für die Cleveland Indians als auch Chris Sale für die Boston Red Sox hatten Dienstagnacht ungewohnt schwache Starts und ließen haufenweise Runs zu, zudem hatten auch die Star-Reliever Andrew Miller (Cleveland) und Craig Kimbrel (Boston) Probleme. Dreimal gingen die Indians in Führung, teilweise deutlich. Austin Jackson (siehe „Szene der Woche“) schien ihnen den Sieg zu retten, doch am Ende hieß es dann doch 10:12 zu Gunsten der Red Sox durch einen 3-Run-Walk-Off-Homerun von Christian Vazquez.

Spiel der kommenden Woche
Der Wechsel von Starting Pitcher Yu Darvish zu den Los Angeles Dodgers war die wohl größte Meldung zur Trade-Deadline, nun will man ihn natürlich auch mal im neuen Trikot in Aktion sehen. Die erste Gelegenheit dazu gibt es voraussichtlich Freitagnacht ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wenn die Dodgers zu Gast im Citi Field bei den New York Mets sind. Gegen Jacob deGrom (3.29 ERA, 3.57 FIP) hat Darvish (4.01 ERA, 3.99 FIP) ein schweres Matchup zu erwarten.

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Juli 20th, 2017 by Dominik

Willkommen in der Trade Season: Ab Mitte Juli bis zur Trade Deadline am 31. Juli ist traditionell die Zeit, in der sich die Clubs der MLB auf diverse Spielerwechsel einigen. Die Teams, die sich Chancen auf einen Playoff-Run ausrechnen, rüsten ihren Kader auf; die aktuell schwächeren Teams entledigen sich guter, aber oft teurer Spieler, die meist sowieso nicht mehr lange unter Vertrag stehen, und lassen sich dafür mit Talenten entschädigen, die ihnen langfristig weiterhelfen. Die bislang interessantesten Trades dieses Jahres fanden zwischen den New York Yankees und den Chicago White Sox (IF Tod Frazier, RP David Robertson und RP Tommy Kahnle für drei Prospects und RP Tyler Clippard), den Chicago Cubs und den Chicago White Sox (SP Jose Quintana für vier Prospects) sowie zwischen den Washington Nationals und den Oakland Athletics (RP Sean Doolittle und RP Ryan Madson für zwei Prospects und RP Blake Treinen) statt. Einmal mehr sehen die White Sox nach dem großen Gewinner unter den Rebuilding-Teams aus. Inzwischen haben sie 10 der 70 besten Prospects laut der Liste von mlb.com unter Vertrag – allen voran Prospect Nummer eins, 2B Yoan Moncada, der gestern Abend sein MLB-Debüt feierte.

Noch ein kurzer Hinweis in eigener Sache: Ich bin die nächsten gut zwei Wochen im Urlaub. Mein Plan ist, auch in dieser Zeit den Grand Slam am Donnerstag regelmäßig zu schreiben und zu veröffentlichen. Aber wundert euch bitte nicht, wenn er mal etwas später kommt oder kürzer ausfällt als gewohnt und wenn ich wenige oder gar keine zusätzlichen Artikel schreibe.

American League
In der American League East liegen nach vor die Boston Red Sox (54-42) vorne, doch das bemerkenswerteste an der Rangliste ist Platz zwei, der inzwischen von den Tampa Bay Rays (51-45) belegt wird. Die Rays sicherten sich beide Serien, die sie seit dem All-Star-Break zu absolvieren hatten, während die New York Yankees (48-45) über einen Split gegen Boston und ein 1-2 gegen Minnesota nicht hinauskamen. Von ihrem Run Differential (+96) sind die Yankees nach wie vor ein Top-Team, doch sie haben mittlerweile zehn Serien hintereinander nicht für sich entscheiden können. Noch belegt New York einen Wild-Card-Platz, doch der Vorsprung ist auf nur noch ein halbes Spiel vor Minnesota, eineinhalb vor Seattle und zwei vor Kansas City zusammengeschmolzen. Und es steht nun ausgerechnet eine Vier-Spiele-Serie in Seattle an.

Die AL Central ist an der Spitze sehr eng beisammen, nur eine einzige Niederlage trennt die Cleveland Indians (48-45) und die Minnesota Twins (48-46). Auch die Kansas City Royals (46-47) haben noch alle Chancen, wenngleich sie mit vier Niederlagen aus sechs Spielen gegen Gegner, die allesamt eine schlechtere Bilanz aufwiesen, schwach in die zweite Saisonhälfte gestartet sind. Den Royals stehen nun sieben weitere Spiele gegen die beiden Kellerkinder der Division, die Detroit Tigers (43-50) und die Chicago White Sox (38-54), bevor. Die müssen sie positiv bestreiten, wenn sie im Kampf um den Divisionssieg weiterhin mitmischen wollen.

Die Houston Astros (63-32) müssen sich schon lange keine Sorgen mehr um den Divisionssieg in der AL West machen. Dieser ist so sicher wie er sein kann und die Astros können den Rest der Saison gelassen angehen. Der Terminplan ist derzeit ebenfalls freundlich zu ihnen, denn sie spielen nun neun Spiele gegen Gegner mit negativer Bilanz. Keine negative Bilanz mehr haben die Seattle Mariners, die sich durch eine 2-1 gewonnene Serie gegen die Astros auf 48-48 hochgearbeitet haben und zwar 15.5 Spiele hinter Houston, aber nur 1.5 Spiele hinter der Wild Card stehen. Die Texas Rangers (45-49) sind derweil durch vier Niederlagen hintereinander deutlich in den negativen Bereich und gleichzeitig hinter die Los Angeles Angels (47-50) gerutscht.

National League
Nachdem die Washington Nationals (57-37) nun auch ihre eine große Schwäche, den Bullpen, aufgerüstet haben, ist der Abstand zwischen ihnen und dem Rest der National League East noch größer geworden. Keines der anderen Teams ist konkurrenzfähig, weder in der Division noch in Bezug auf die Wild Cards. Das hat durchaus auch Vorteile für die Atlanta Braves (45-48), die New York Mets (43-50), die Miami Marlins (42-51) und die Philadelphia Phillies (32-61). Im Gegensatz zu vielen anderen Teams in der Liga müssen sie sich keine Gedanken machen, ob man zur Trade Deadline noch irgendwelche Ambitionen für die laufende Saison hat. Sie können alle vier beruhigt als Seller auftreten und an ihren Plänen für eine bessere Zukunft arbeiten.

Das beste Gegenbeispiel dazu ist die NL Central, in der einzig die Cincinnati Reds (40-55) schon klar aus dem Rennen sind. Die Milwaukee Brewers (52-46), das Überraschungsteam der ersten Saisonhälfte, hat derzeit fünf Spiele in Folge verloren, darunter ein Vier-Spiele-Sweep durch die Pittsburgh Pirates (48-48). Schon vor Wochen war Pittsburgh eigentlich komplett abgeschrieben, jetzt beträgt der Abstand auf die Spitze nur noch drei Spiele. Zwischen den Pirates und den Brewers steht noch Titelverteidiger Chicago Cubs (49-45), der seit dem Ende des All-Star-Breaks ebenfalls auf einer Erfolgswelle reitet. Diese könnte durchaus noch eine Weile anhalten, denn mit den St. Louis Cardinals (46-49) und dem Stadtrivalen Chicago White Sox (38-54) stehen zwei Serien gegen deutlich angezählte Gegner bevor und anschließend kommt es gegen Milwaukee möglicherweise zu einem Showdown um die Divisionsführung.

Die NL West, nein: die ganze Liga wird zurzeit klar von den Los Angeles Dodgers (66-29) dominiert. Ich gehe weiter unten bei der Statistik noch ein bisschen näher darauf ein, was für unglaubliche Zahlen die Dodgers zurzeit produzieren. Vor nicht allzu langer Zeit war in dieser Division noch ein Dreikampf zugange, doch inzwischen haben die Dodgers einen genauso großen Abstand vor dem Rest des Feldes wie die Nationals in der NL East. Im Gegensatz zu den East-Teams stehen die Colorado Rockies (56-41) und die Arizona Diamondbacks (55-40) aber immer noch in einer sehr guten Position, was die Wild-Card-Plätze angeht. Nach wie vor abgeschlagen sind die San Diego Padres (40-54) und die San Francisco Giants (37-59), die nun zu allem Überfluss viermal gegeneinander antreten müssen.

Szene der Woche
Die Woche brachte eine ganze Reihe großartiger Szenen hervor. Da wäre zum einen der spektakuläre Homerun-Klau von Jackie Bradley Jr. gegen Aaron Judge im achten Inning eines 3:0-Sieges der Red Sox über die Yankees am Sonntag. Dann natürlich die vier Hits von Cody Bellinger zum ersten Cycle eines Rookies in der Geschichte der Dodgers. Nicht zu vergessen der erste Homerun in der Karriere von Seth Lugo einschließlich der coolen Reaktion seiner Teamkameraden und des Mets-Pitchers selbst. Mein Lieblingsmoment dieser MLB-Woche jedoch stammt von Derek Holland: Der White-Sox-Pitcher fängt einen Aufsetzer hinter dem Rücken, stellt fest, dass der Ball im kaputten Netz des Handschuhs feststeckt – und wirft daraufhin einfach den kompletten Handschuh mitsamt Ball zum Force Out an der First Base durch Jose Abreu.

Statistik der Woche 
44. So viele Spiele haben die Los Angeles Dodgers hintereinander gewonnen, wenn sie an irgendeinem Punkt des Spiels in Führung gegangen sind. Das ist die längste solche Serie, die es je in der MLB gegeben hat. Ebenfalls beeindruckend: Die Dodgers haben derzeit elf Spiele hintereinander gewonnen und 31 von den letzten 35. Mit ihren bislang 66 Siegen in dieser Saison sind sie momentan auf Kurs für 113 Siege. Das wären die zweitmeisten seit den Seattle Mariners von 2001.

Spiel der Woche
Endlich kann ich mal ruhigen Gewissens behaupten, dass mein Einschalttipp im letzten Grand Slam sich tatsächlich als das interessanteste Spiel der Woche herausgestellt hat. Das Aufeinandertreffen der Yankees und der Red Sox Freitagnacht hatte es gewaltig in sich. Hier nur ein paar der zahlreichen Highlights dieses Spiels: Zunächst mal gab es hervorragendes Pitching zu sehen. Red-Sox-Starter Chris Sale absolvierte 7 2/3 Innings mit 13 Strikeouts, ließ nur drei Hits zu und keinen Run. Auf der anderen Seite hielt Luis Severino sieben Innings durch, in denen er vier Hits und einen Run erlaubte. Anschließend teilten sich sieben Reliever der Yankees die restlichen neun Innings und ließen keinen weiteren Run zu. Dass es überhaupt so viele Innings gab, haben die Yankees Matt Holliday zu verdanken, der im neunten Inning gegen Closer Craig Kimbrel per Solo-Homerun den 1:1-Ausgleich besorgte. Zwei Innings später stand Holliday erneut im Mittelpunkt, dieses Mal mit einer sehr seltsamen Baserunning-Aktion: Holliday geriet nach einem Schlag von Jacoby Ellsbury auf dem Weg von der ersten zur zweiten Base in ein Force Out, doch statt den Lauf einfach abzubrechen, drehte er um, rannte zurück, slidete zur ersten Base und behinderte dort Mitch Moreland beim Versuch, den Ball zum Double Play zu fangen. Ellsbury wurde von den Umpires save an der ersten Base gegeben, was zu vergeblichen Beschwerden der Red Sox führte. Boston spielte daraufhin unter Protest weiter, doch die Szene erwies sich als nicht spielentscheidend, denn das Inning war kurz darauf beendet. Erst nach 16 Innings, 5:50 Stunden und 512 Pitches endete das umkämpfte Spiel mit einem 4:1-Sieg der Yankees. Es war das längste Spiel zwischen Boston und New York im Fenway Park seit 1966.

Spiel der kommenden Woche
Generell empfiehlt es sich zurzeit, die Spiele der Los Angeles Dodgers anzuschauen – zum einen, weil man sie auf dem atemberaubenden Trip, auf dem sie sich gerade befinden, mal gesehen haben sollte, zum anderen weil man natürlich auch gerne dabei sein möchte, wenn die Serie irgendwann mal endet. Davon abgesehen erscheint mir die heute Nacht beginnende Vier-Spiele-Serie zwischen den New York Yankees und den Seattle Mariners die interessanteste der kommenden Tage zu sein. Beide stehen gerade am Scheideweg dieser Saison, die Mariners eineinhalb Spiele hinter den Yankees im Wild-Card-Rennen, aber dafür mit deutlich mehr Rückenwind aus den letzten Spielen. Mein Einschalttipp ist das Serienfinale am Sonntag – aus dem pragmatischen Grund, dass man es ab 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit ohne allzu viel Schlafentzug anschauen kann.

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Juli 13th, 2017 by Dominik

Das All-Star-Spiel ist abgehakt, die American League hat 2:1 gewonnen. Das interessiert zwar kaum jemanden außer Robinson Cano, der dank seines spielentscheidenden Homeruns zum MVP gewählt wurde und eine schicke neue Corvette mit nach Hause nehmen durfte. Aber immerhin wissen wir jetzt, dass Bryce Harper ein Unterhemd trägt und dass Fox-Reporter – einschließlich MLB-Legende Alex Rodriguez – sich nicht zu blöd sind, solche und andere weltbewegende Fragen per Interview auf dem Feld, teilweise sogar während des Spiels zu klären. Nun ja. Immerhin hat das Spiel eine verblüffende Statistik hervorgebracht, auf die ich weiter unten kurz eingehe.

Mitten im All-Star-Break sehe ich nicht viel Sinn darin, die gegenüber letztem Donnerstag kaum veränderten Tabellenstände herunterzubeten. Deswegen gehe ich für den heutigen Grand Slam mal weg von der Betrachtung nach Divisionen und schaue verstärkt aufs große Ganze, auf die Chancenverteilung in den Playoff-Rennen der beiden Ligen. Ich stütze mich dabei auf die Playoff-Odds von Fangraphs. Grob erklärt steht dahinter, dass der Ausgang jedes einzelnen verbleibenden Spiels der MLB-Saison mit einer Wahrscheinlichkeit versehen wird. Diese Wahrscheinlichkeit orientiert sich daran, über welche Spieler die jeweiligen Teams verfügen und welche Einsatzzeiten und zählbaren Leistungen für diese Spieler prognostiziert werden. Anhand der Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Spielausgänge wird im nächsten Schritt der Rest der Saison einschließlich Playoffs simuliert und zwar 10.000-mal. Aus den 10.000 simulierten Saisonausgängen werden schlussendlich die Chancen der einzelnen Teams auf den Divisionssieg, einen Wild-Card-Platz usw. bis hin zum Erreichen und Gewinn der World Series abgeleitet. Wenn also Team X in den 10.000 Simulationen 5.000-mal in die Playoffs kommt und davon 300-mal World-Series-Sieger wird, dann hat es eine Playoff-Chance von 50% und eine World-Series-Chance von 3%.

National League
Bekanntlich kommen aus jeder Liga fünf Teams in die Playoffs: die drei Divisionssieger sowie die zwei besten Nicht-Divisionssieger, welche das Wild-Card-Spiel unter sich austragen. In der National League ist in dieser Hinsicht bereits sehr Vieles so gut wie entschieden. Die Los Angeles Dodgers (61-29) und die Washington Nationals (52-36) sind mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit durch – die Prognose von Fangraphs sieht die Playoff-Chancen dieser beiden bei 100,0% bzw. 98,7%. Mit 87,2% ebenfalls so gut wie sicher sind die Arizona Diamondbacks (53-36) in den Playoffs, wenngleich aller Voraussicht nach „nur“ über die Wild Card.

Drei von fünf Plätzen sind damit mehr oder weniger vergeben und auch für den vierten und fünften Playoff-Teilnehmer der NL gibt die Saison-Hochrechnung bereits klare Favoriten aus: die Colorado Rockies (52-39) sind mit 61,3% Wahrscheinlichkeit auf Kurs zur zweiten Wild Card, während die Chicago Cubs (43-45) von dem Modell sogar zu 64,1% in den Playoffs gesehen werden. Letzteres ist das meiner Ansicht nach einzige überraschende Ergebnis der Prognose, denn schließlich stehen die Cubs bei einer negativen Bilanz und belegen zurzeit keinen Playoff-Platz. Ihre Teilnahmewahrscheinlichkeit setzt sich zusammen aus einer Chance von 10,1% auf eine Wild Card und 54,0% auf den Gruppensieg. Dazu müssen sie erstmal vorbei an den Milwaukee Brewers (50-41), die von Fangraphs trotz derzeit fünfeinhalb Spielen Vorsprung nur zu 19,2% als Divisionssieger und zu 29,3% als Playoffteam gesehen werden. Zudem müssen die Cubs die derzeit punktgleichen St. Louis Cardinals (43-45) auf Distanz halten, die mit 21,8% Wahrscheinlichkeit an der Spitze der Division und mit 32,5% in den Playoffs gesehen werden.

Die Musik der zweiten Saisonhälfte spielt in der National League somit klar in der Central-Division, in der sich die Cubs, die Brewers und die Cardinals um (wahrscheinlich) einen einzigen Platz in den Playoffs balgen. Für die acht hier nicht genannten Teams – immerhin mehr als die Hälfte der National League – scheint der Playoff-Zug bereits abgefahren, sie liegen alle bei einer Teilnahmewahrscheinlichkeit von deutlich unter 10%.

American League
In der American League können sich, wenn wir die Grenze auch hier bei 10% ziehen, deutlich mehr Teams noch Hoffnungen auf einen der begehrten fünf Playoff-Plätze machen. Wirklich umstritten sind dabei allerdings nur die beiden Wild Cards, denn auf die Divisionssiege sieht Fangraphs bereits sehr deutliche Favoriten: natürlich die Houston Astros (60-29) mit glatten 100%, aber auch die Cleveland Indians (47-40) mit 94,3% Wahrscheinlichkeit auf die Division und 97,7% auf die Playoffs insgesamt sowie die Boston Red Sox (50-39). Der Gruppensieg der Red Sox gilt zwar „nur“ zu 76,7% als sicher, aber zusammen mit ihren Wild-Card-Chancen landen sie bei komfortablen 93,8%.

Hinter diesen Dreien beginnt das große Hauen und Stechen, vor allem in der AL East: Dort dürfen sich vier von fünf Teams Chancen über 20% ausrechnen – neben den Red Sox sind das die New York Yankees (54-41) mit 54,2%, die Tampa Bay Rays (47-43) mit 32,4% und sogar noch die derzeit letztplatzierten Toronto Blue Jays (41-47) mit 21,0%. In den beiden anderen Divisionen sind es vor allem die Kansas City Royals (44-43) und die Texas Rangers (43-45), denen das Prognosemodell zu 23,5% bzw. 23,1% berechtigte Hoffnungen auf die Playoffs macht. Die Minnesota Twins (45-43) und die Los Angeles Angels (45-47) stehen zwar in der aktuellen Tabelle jeweils vor diesen beiden, doch ähnlich wie in der NL den Brewers traut Fangraphs der überraschend guten Saison dieser Teams nicht über den Weg und sieht ihre Playoff-Teilnahmen nur zu 12,7% bzw. 14,9% als wahrscheinlich an.

Die Seattle Mariners (43-47) schaffen mit einer 10,8-prozentigen Chance auf eine Wild Card gerade noch den Sprung über die Grenze und komplettieren somit ein Feld von immerhin elf Teams, die sich – wenn man etwas auf die Prognosen gibt – noch im Playoff-Rennen betrachten dürfen. Lediglich die Tigers, die Orioles, die White Sox und die Athletics sind quasi draußen.

Szene der Woche
Meine Szene der Woche ist ein Homerun von Aaron Judge. Das ist ja eigentlich nichts Besonderes für den großen Jungen, der dieses Jahr die MLB mit 30 Stück anführt und am Dienstag das Home Run Derby mit sage und schreibe 47 Homeruns für sich entschied. Es wären wohl sogar noch ein paar mehr geworden, wäre er nicht in jeder der drei Runden als Zweiter am Schlag gewesen, sodass jedes Mal abgebrochen wurde, sobald er die Marke seines Gegners übertroffen hatte. Einer der vielen langen Bälle war dann aber doch etwas ganz Besonderes, denn mit einer Weite von 513 Yards (469 Meter) war es der längste Homerun seit Einführung der Statcast-Messungen vor zwei Jahren, sowohl in Spielen als auch im Home Run Derby.

Statistik der Woche 
43-43. Das ist die Bilanz der bisherigen All-Star-Spiele zwischen der National League und der American League. Und es wird noch besser: Nach Runs steht es in diesen Spielen 361:361. Schöner kann man die langfristige Ausgeglichenheit der beiden Ligen nicht zum Ausdruck bringen.

Spiel der Woche
Nein, das All-Star-Spiel wird bei mir nicht zum Spiel der Woche. Aber ein anderes Freundschaftsspiel in der All-Star-Woche schaue ich mir immer wieder gerne an: das Futures Game. Das Ergebnis ist natürlich genauso unwichtig wie das des All-Star-Spiels, aber wenn man nicht gerade intensiv die Minor Leagues verfolgt (wer hat schon so viel Zeit?), dann ist es eine schöne Gelegenheit, die MLB-Stars von morgen mal in Aktion zu sehen. Dieses Jahr gewann das aus US-Amerikanern bestehende Roster mit 7:6 gegen das Rest-der-Welt-Roster, wobei um ein Haar eine frühe 7:0-Führung verspielt wurde. Zum MVP des Spiels wurde mit Brent Honeywell aus dem Farmsystem der Tampa Bay Rays erstmals ein Pitcher gewählt. Honeywell startete für die USA mit zwei Shutout-Innings. Auch sonst waren es dieses Mal vor allem die Pitcher, die für Aufsehen sorgten: Michael Kopech (White Sox) und Thyago Vieira (Mariners) demonstrierten atemberaubende 101-mph-Pitches, mit denen sie voll im aktuellen Trend zu immer stärkerer Dominanz des immer schnelleren Fastballs liegen.

Spiel der kommenden Woche
Mit Vollgas in die zweite Saisonhälfte: Gleich viermal an drei Tagen – einmal am Freitag, einmal am Samstag und zweimal am Sonntag – steigt am Wochenende der größter Klassiker im Baseball. Die Red Sox empfangen die Yankees und vor allem für die New Yorker wird diese Serie zeigen, wohin sie in den kommenden Wochen ihren Blick zu richten haben: nach oben auf das Duell mit Boston um den Divisionstitel oder nach unten auf die Tampa Bay Rays und andere Konkurrenten um die Wild-Card-Plätze. Die Wahl des konkreten Einschalttipps fällt mir etwas schwer, weil die Yankees noch nicht bekannt gegeben haben, mit welcher Rotation sie aus der Pause zu kommen gedenken. Aber für die Red Sox tritt am Samstag um 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit Chris Sale an, was für sich allein schon Attraktion genug ist. Mit 12.55 Strikeouts pro 9 Innings und einem FIP von 2.09 führt Sale zurzeit souverän die Liga an, seine 178 Strikeouts vor dem All-Star-Break sind sogar die meisten seit 2002. Wer Sale dieses Jahr noch nicht hat pitchen sehen, sollte das dringend nachholen.

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Juli 6th, 2017 by Dominik

Noch vier Tage, dann haben die meisten Spieler der MLB erstmal Pause. Das All-Star-Game steht an – das unwichtigste Spiel des Jahres, was das Ergebnis angeht, aber gleichzeitig eines der wichtigsten, wenn es darum geht, ob man dabei ist oder nicht. Apropos: Über den letzten Platz in beiden Rostern wird noch bis heute Abend abgestimmt, hier findet ihr den Link und meine Wahlempfehlung. Der heißeste World-Series-Tipp zur (etwas mehr als) Halbzeit ist dieses Jahr nicht schwer zu erraten, die Houston Astros und die Los Angeles Dodgers machen in dieser Hinsicht klar das Rennen. Andererseits gibt es wohl kaum eine Sportart, in der man sich häufiger zu früh freut oder ärgert als beim Baseball mit seiner 162-Spiele-Saison. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Astros und die Dodgers am Ende tatsächlich gegeneinander um die World Series spielen, liegt laut Fangraphs bei gerade mal 3,7%!

American League
Es hatte sich schon ein paar Wochen lang abgezeichnet, inzwischen ist es soweit: Die Boston Red Sox (49-36) haben in der American League East den New York Yankees (44-39) den Rang abgelaufen. Mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen sind die Red Sox gerade rechtzeitig in Schwung gekommen, um zur Pause die Favoritenrolle auszufüllen, die ihnen vor der Saison allenthalben zugeschrieben wurde. Die Yankees finden sich unterdessen in einem neuen Zweikampf wieder: Ihnen sind die Tampa Bay Rays (44-42) inzwischen so nah auf die Pelle gerückt, dass vor dem All-Star-Break noch ein ganz knappes Rennen um Platz zwei in der Division und den Wild-Card-Rang in der AL ansteht. Beide haben es dabei mit hochkarätigen Gegnern zu tun: Die Yankees empfangen an den kommenden Tagen die Milwaukee Brewers und die Rays die Red Sox.

In der AL Central gibt es zwar bisher noch keinen neuen Tabellenführer, aber die Cleveland Indians (44-39) haben in den Kansas City Royals (44-40) einen neuen Hauptverfolger. Die Royals haben sich dieses Jahr bemerkenswert gesteigert: Im April (7-16) waren sie noch das schwächste Team der ganzen Liga, im Mai schwammen sie mit 15-14 im Durchschnitt, im Juni (17-9) hatten sie die beste Bilanz der AL und im bisherigen Juli (5-1) die beste der MLB. Ich bin gespannt, wo das noch hinführt. Auch die Minnesota Twins (43-41) sind in dieser spannenden Division noch gut dabei. Mit sieben Niederlagen aus den letzten elf Spielen haben sie etwas Boden verloren, allerdings kamen sechs davon gegen die Royals und die Red Sox zustande, die zurzeit einfach unheimlich gut drauf sind. Max Kepler, der einzige Deutsche in der MLB, spielt übrigens nach wie vor eine gute Saison für die Twins. Er schlägt dieses Jahr bislang .259/.331/.440 und hatte am Montag einen fantastischen Auftritt beim 9:5 gegen die Los Angeles Angels, in dem er aus fünf Plate Appearances einen Homerun, einen Double, zwei Singles, einen Walk und drei RBIs machte.

Die Houston Astros (58-27) lassen in der AL West nichts anbrennen und haben ihren Vorsprung gegenüber sämtlichen Divisionskonkurrenten auch in dieser Woche weiter ausgebaut. Sage und schreibe 16 Spiele beträgt mittlerweile der Abstand zwischen den Astros mit der besten Bilanz der MLB und den Los Angeles Angels (44-45), die trotz knapp negativem Record Platz zwei der Division halten und noch in Richtung Wild Card schielen. Davon sind auch die Texas Rangers (41-44) und die Seattle Mariners (41-45) nicht weit entfernt, aber beide scheinen es sich dieses Jahr zur Gewohnheit gemacht zu haben, immer dann, wenn sie sich mal wieder mühsam herangearbeitet haben, eine Niederlagenserie hinzulegen. Momentan sind es sieben Niederlagen aus den letzten zehn Spielen für die Rangers und acht für die Mariners. Bis zur Pause kann sich allerdings noch ein bisschen was tun auf den nachrangigen Plätzen der AL West: In den letzten Serien vor dem All-Star-Spiel treffen die Mariners auf die Oakland Athletics (37-48) und die Rangers auf die Angels.

National League
Ich würde ja gern mal etwas abwechslungsreicher über die National League East schreiben statt sie schon vor dem All-Star-Break abzuhaken, aber es tut sich leider nichts, was dies rechtfertigen würde. Die Division ist nicht nur für die Washington Nationals (50-34) faktisch entschieden, es bestehen auch kaum noch Chancen auf eine Wild Card für die anderen Teams. Die eingangs schon zitierten Eintrittswahrscheinlichkeiten von Fangraphs sehen bei keinem NL-East-Team außer den Nationals eine Playoff-Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent oder mehr. Zum Vergleich: In jeder anderen Division der MLB weisen mindestens drei Teams einen solchen Wert auf. Einen überraschenden Fakt habe ich aber doch parat: Die New York Mets (38-45) sind das einzige Team der National League East, das mit 6-4 eine positive Bilanz aus den letzten zehn Tagen aufzuweisen hat. Zu sagen hat das freilich wenig, zumal die Siege „nur“ gegen die San Francisco Giants, die Miami Marlins (38-45) und die Philadelphia Phillies (28-55) eingefahren wurden, bevor es nun wieder zwei Niederlagen gegen die Nationals setzte. Ach, bevor ich es vergesse: Die Atlanta Braves (40-43) haben die 44-jährige Pitching-, Fielding– und Batting-Legende Bartolo Colon entlassen, nachdem er es dieses Jahr in 63 gepitchten Innings nur auf einen ERA von 8.14 gebracht hat. Möglicherweise ist dies das Ende einer großartigen Karriere, aber daran kann und will ich noch nicht glauben – hoffentlich kommt Bartolo noch mal in der MLB unter, am liebsten bei den Mets.

In den vergangenen Wochen ging es hier in Bezug auf die NL Central meist darum, dass die Chicago Cubs (42-42) sich nach und nach an das Überraschungsteam der Milwaukee Brewers (47-40) herantasten. Das hat sich erstmal erledigt, nachdem die Brewers in der vergangenen Woche sechs ihrer sieben Spiele gewannen und sich damit wieder etwas Luft vor dem Titelverteidiger (sechs Spiele, drei Siege) verschafften. Heute Abend kommt es zwischen den beiden zu einem einzelnen Nachholspiel in Chicago (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Noch halbwegs im Rennen sind die St. Louis Cardinals (40-44), während die Pittsburgh Pirates (39-46) und die Cincinnati Reds (36-48) bereits mitten in den Plänen für die nächste Saison stecken und sich dementsprechend für die Trade-Deadline am 31. Juli in Stellung bringen.

In der NL West findet gerade etwas statt, was es dort seit Saisonbeginn noch nicht gegeben hat, nämlich eine gewisse Entzerrung innerhalb des Führungstrios. Die Los Angeles Dodgers (57-29) haben seit Mai eine Bilanz von 43-14 eingefahren, das heißt sie haben in diesem Zeitraum gut 75% ihrer Spiele gewonnen – da kann keiner mithalten, noch nicht mal die Houston Astros (71%). Die Arizona Diamondbacks (52-33) sind lange drangeblieben, doch nach zwei Niederlagen im direkten Vergleich mit den Dodgers sind sie nun dreieinhalb Spiele zurück und müssen heute Abend ein weiteres Mal in Los Angeles antreten. Noch etwas weiter zurückgefallen sind die Colorado Rockies (50-37), nachdem sie zuletzt vier Serien in Folge verloren haben, davon zwei gegen die Diamondbacks, eine gegen die Dodgers und eine gegen die San Francisco Giants (34-52). Dennoch genießen die Rockies immer noch einen komfortablen Vorsprung im Kampf um die Wild Cards – die Chicago Cubs als momentan stärkster Konkurrent stehen sechseinhalb Spiele hinter ihnen.

Szene der Woche
In dieser Rubrik gibt es heute ausnahmsweise mal keine bewegten Bilder, sondern „nur“ ein Foto: dieses Foto, aufgenommen letzten Sonntag beim Spiel der Astros gegen die Yankees. New Yorks Aaron Judge neben Houstons Jose Altuve. 2,01 Meter, 128 Kilo, neben 1,68 Meter, 75 Kilo. Oder auch: MLB-Star neben MLB-Star. Toll, was für eine wunderbare Vielfalt dieser Sport erlaubt.

Statistik der Woche 
1101. So viele Homeruns wurden diesen Juni in der MLB geschlagen. Das sind mehr als in irgendeinem anderen Monat der MLB-Geschichte. Das Phänomen steigender Homerunzahlen fiel schon letztes Jahr ins Auge und ich hatte mir ein paar Erklärungsansätze dafür angeschaut. Inzwischen wurde als zusätzlicher Vorteil für die Batter die Strikezone verkleinert. Eine der momentan beliebtesten Spekulationen dreht sich um eine veränderte Beschaffenheit der Bälle. Unschön wäre das insofern, als man so eine Maßnahme gern vorab transparent verkündet gesehen hätte. Aber falls tatsächlich die Bälle der Grund sind, ist das zumindest besser als wenn sich herausstellt, dass eine neue Welle des Missbrauchs leistungssteigernder Substanzen dahinter steckt. MLB-Commissioner Rob Manfred gibt sich jedenfalls überzeugt, dass weder die Bälle noch Doping die Antwort sind, beides sei ausführlich geprüft worden. Eine alternative Erklärung hat Cubs-Manager Joe Maddon: Er schiebt die Entwicklung – mit einem Augenzwinkern – auf die globale Klimaerwärmung, weil Bälle in wärmerer Umgebung weiter fliegen.

Spiel der Woche
MLB-Spiele werden selten in Deutschland entschieden, aber ich bin sicher, gestern Abend war es so: Die Toronto Blue Jays traten im Yankee Stadium an und lagen zur Mitte des vierten Innings schon 5:0 in Führung. Dann blies Aaron Judge zur Aufholjagd, die er mit einem 2-Run-Shot, seinem 29. Homerun in der laufenden Saison, eröffnete. Ein Inning später, nach einem Homerun von Ji-Man Choi und einem Double von Didi Gregorius für je zwei Runs, lagen die Yankees 6:5 in Front. Nun schlug die große Stunde von Andreas Thies, einer der drei Stimmen des wöchentlichen Pflicht-Podcasts Just Baseball: Auf Twitter verbreitete er die Ansicht „Mann, die Blue Jays können aber auch nichts“. Dieses Manöver schien fast schon zu durchsichtig, aber es funktionierte: Prompt trug im siebten Innning ein günstiger Wind Russel Martins Fly Ball über das Center Field zum 6:6 und Yankees-Reliever Dellin Betances flatterten im folgenden Durchgang die Nerven dermaßen, dass er sich mit vier Walks den siegbringenden Run der Blue Jays ins Haus holte. Chapeau, Andreas, das hast du sauber hinbekommen!

Spiel der kommenden Woche
Wohin geht die Reise für den Titelverteidiger? Die Chicago Cubs, denen viele nach dem letzten Jahr vorschnell das Prädikat einer „Dynasty“ aufdrücken wollten, enttäuschen bislang die Erwartungen. Mit ihrer .500-Bilanz können sie von Glück sagen, dass sie in ihrer Division noch alle Chancen auf den Sieg haben. Den werden sie auch brauchen, denn die Wild Cards scheinen angesichts der Dominanz der NL West dieses Jahr unerreichbar für den Rest der National League. Aber auch in der Division sind die Cubs nun schon ein Stück hinter den Milwaukee Brewers zurück und das heute Abend um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit anstehende Nachholspiel zwischen den beiden könnte richtungsweisenden Charakter entwickeln. Den Mound wird als erstes Mike Montgomery (2.80 ERA, 3.68 FIP) für die Cubs besteigen, danach darf Zach Davies (5.03 ERA, 4.98 FIP) seine Künste für die Brewers unter Beweis stellen. Bei den Cubs wird übrigens Kyle Schwarber erstmals wieder dabei sein, seit er vor zwei Wochen in die Minor Leagues geschickt wurde, um dort den verlorenen Schwung wieder zu finden. Das könnte geklappt haben: Nach indiskutablen .171/.295/.378 in 64 MLB-Spielen brachte er es in elf AAA-Spielen auf eine Slashline von .343/.477/.714.

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