Juli 6th, 2017 by Dominik

Noch vier Tage, dann haben die meisten Spieler der MLB erstmal Pause. Das All-Star-Game steht an – das unwichtigste Spiel des Jahres, was das Ergebnis angeht, aber gleichzeitig eines der wichtigsten, wenn es darum geht, ob man dabei ist oder nicht. Apropos: Über den letzten Platz in beiden Rostern wird noch bis heute Abend abgestimmt, hier findet ihr den Link und meine Wahlempfehlung. Der heißeste World-Series-Tipp zur (etwas mehr als) Halbzeit ist dieses Jahr nicht schwer zu erraten, die Houston Astros und die Los Angeles Dodgers machen in dieser Hinsicht klar das Rennen. Andererseits gibt es wohl kaum eine Sportart, in der man sich häufiger zu früh freut oder ärgert als beim Baseball mit seiner 162-Spiele-Saison. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Astros und die Dodgers am Ende tatsächlich gegeneinander um die World Series spielen, liegt laut Fangraphs bei gerade mal 3,7%!

American League
Es hatte sich schon ein paar Wochen lang abgezeichnet, inzwischen ist es soweit: Die Boston Red Sox (49-36) haben in der American League East den New York Yankees (44-39) den Rang abgelaufen. Mit acht Siegen aus den letzten zehn Spielen sind die Red Sox gerade rechtzeitig in Schwung gekommen, um zur Pause die Favoritenrolle auszufüllen, die ihnen vor der Saison allenthalben zugeschrieben wurde. Die Yankees finden sich unterdessen in einem neuen Zweikampf wieder: Ihnen sind die Tampa Bay Rays (44-42) inzwischen so nah auf die Pelle gerückt, dass vor dem All-Star-Break noch ein ganz knappes Rennen um Platz zwei in der Division und den Wild-Card-Rang in der AL ansteht. Beide haben es dabei mit hochkarätigen Gegnern zu tun: Die Yankees empfangen an den kommenden Tagen die Milwaukee Brewers und die Rays die Red Sox.

In der AL Central gibt es zwar bisher noch keinen neuen Tabellenführer, aber die Cleveland Indians (44-39) haben in den Kansas City Royals (44-40) einen neuen Hauptverfolger. Die Royals haben sich dieses Jahr bemerkenswert gesteigert: Im April (7-16) waren sie noch das schwächste Team der ganzen Liga, im Mai schwammen sie mit 15-14 im Durchschnitt, im Juni (17-9) hatten sie die beste Bilanz der AL und im bisherigen Juli (5-1) die beste der MLB. Ich bin gespannt, wo das noch hinführt. Auch die Minnesota Twins (43-41) sind in dieser spannenden Division noch gut dabei. Mit sieben Niederlagen aus den letzten elf Spielen haben sie etwas Boden verloren, allerdings kamen sechs davon gegen die Royals und die Red Sox zustande, die zurzeit einfach unheimlich gut drauf sind. Max Kepler, der einzige Deutsche in der MLB, spielt übrigens nach wie vor eine gute Saison für die Twins. Er schlägt dieses Jahr bislang .259/.331/.440 und hatte am Montag einen fantastischen Auftritt beim 9:5 gegen die Los Angeles Angels, in dem er aus fünf Plate Appearances einen Homerun, einen Double, zwei Singles, einen Walk und drei RBIs machte.

Die Houston Astros (58-27) lassen in der AL West nichts anbrennen und haben ihren Vorsprung gegenüber sämtlichen Divisionskonkurrenten auch in dieser Woche weiter ausgebaut. Sage und schreibe 16 Spiele beträgt mittlerweile der Abstand zwischen den Astros mit der besten Bilanz der MLB und den Los Angeles Angels (44-45), die trotz knapp negativem Record Platz zwei der Division halten und noch in Richtung Wild Card schielen. Davon sind auch die Texas Rangers (41-44) und die Seattle Mariners (41-45) nicht weit entfernt, aber beide scheinen es sich dieses Jahr zur Gewohnheit gemacht zu haben, immer dann, wenn sie sich mal wieder mühsam herangearbeitet haben, eine Niederlagenserie hinzulegen. Momentan sind es sieben Niederlagen aus den letzten zehn Spielen für die Rangers und acht für die Mariners. Bis zur Pause kann sich allerdings noch ein bisschen was tun auf den nachrangigen Plätzen der AL West: In den letzten Serien vor dem All-Star-Spiel treffen die Mariners auf die Oakland Athletics (37-48) und die Rangers auf die Angels.

National League
Ich würde ja gern mal etwas abwechslungsreicher über die National League East schreiben statt sie schon vor dem All-Star-Break abzuhaken, aber es tut sich leider nichts, was dies rechtfertigen würde. Die Division ist nicht nur für die Washington Nationals (50-34) faktisch entschieden, es bestehen auch kaum noch Chancen auf eine Wild Card für die anderen Teams. Die eingangs schon zitierten Eintrittswahrscheinlichkeiten von Fangraphs sehen bei keinem NL-East-Team außer den Nationals eine Playoff-Wahrscheinlichkeit von 10 Prozent oder mehr. Zum Vergleich: In jeder anderen Division der MLB weisen mindestens drei Teams einen solchen Wert auf. Einen überraschenden Fakt habe ich aber doch parat: Die New York Mets (38-45) sind das einzige Team der National League East, das mit 6-4 eine positive Bilanz aus den letzten zehn Tagen aufzuweisen hat. Zu sagen hat das freilich wenig, zumal die Siege „nur“ gegen die San Francisco Giants, die Miami Marlins (38-45) und die Philadelphia Phillies (28-55) eingefahren wurden, bevor es nun wieder zwei Niederlagen gegen die Nationals setzte. Ach, bevor ich es vergesse: Die Atlanta Braves (40-43) haben die 44-jährige Pitching-, Fielding– und Batting-Legende Bartolo Colon entlassen, nachdem er es dieses Jahr in 63 gepitchten Innings nur auf einen ERA von 8.14 gebracht hat. Möglicherweise ist dies das Ende einer großartigen Karriere, aber daran kann und will ich noch nicht glauben – hoffentlich kommt Bartolo noch mal in der MLB unter, am liebsten bei den Mets.

In den vergangenen Wochen ging es hier in Bezug auf die NL Central meist darum, dass die Chicago Cubs (42-42) sich nach und nach an das Überraschungsteam der Milwaukee Brewers (47-40) herantasten. Das hat sich erstmal erledigt, nachdem die Brewers in der vergangenen Woche sechs ihrer sieben Spiele gewannen und sich damit wieder etwas Luft vor dem Titelverteidiger (sechs Spiele, drei Siege) verschafften. Heute Abend kommt es zwischen den beiden zu einem einzelnen Nachholspiel in Chicago (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Noch halbwegs im Rennen sind die St. Louis Cardinals (40-44), während die Pittsburgh Pirates (39-46) und die Cincinnati Reds (36-48) bereits mitten in den Plänen für die nächste Saison stecken und sich dementsprechend für die Trade-Deadline am 31. Juli in Stellung bringen.

In der NL West findet gerade etwas statt, was es dort seit Saisonbeginn noch nicht gegeben hat, nämlich eine gewisse Entzerrung innerhalb des Führungstrios. Die Los Angeles Dodgers (57-29) haben seit Mai eine Bilanz von 43-14 eingefahren, das heißt sie haben in diesem Zeitraum gut 75% ihrer Spiele gewonnen – da kann keiner mithalten, noch nicht mal die Houston Astros (71%). Die Arizona Diamondbacks (52-33) sind lange drangeblieben, doch nach zwei Niederlagen im direkten Vergleich mit den Dodgers sind sie nun dreieinhalb Spiele zurück und müssen heute Abend ein weiteres Mal in Los Angeles antreten. Noch etwas weiter zurückgefallen sind die Colorado Rockies (50-37), nachdem sie zuletzt vier Serien in Folge verloren haben, davon zwei gegen die Diamondbacks, eine gegen die Dodgers und eine gegen die San Francisco Giants (34-52). Dennoch genießen die Rockies immer noch einen komfortablen Vorsprung im Kampf um die Wild Cards – die Chicago Cubs als momentan stärkster Konkurrent stehen sechseinhalb Spiele hinter ihnen.

Szene der Woche
In dieser Rubrik gibt es heute ausnahmsweise mal keine bewegten Bilder, sondern „nur“ ein Foto: dieses Foto, aufgenommen letzten Sonntag beim Spiel der Astros gegen die Yankees. New Yorks Aaron Judge neben Houstons Jose Altuve. 2,01 Meter, 128 Kilo, neben 1,68 Meter, 75 Kilo. Oder auch: MLB-Star neben MLB-Star. Toll, was für eine wunderbare Vielfalt dieser Sport erlaubt.

Statistik der Woche 
1101. So viele Homeruns wurden diesen Juni in der MLB geschlagen. Das sind mehr als in irgendeinem anderen Monat der MLB-Geschichte. Das Phänomen steigender Homerunzahlen fiel schon letztes Jahr ins Auge und ich hatte mir ein paar Erklärungsansätze dafür angeschaut. Inzwischen wurde als zusätzlicher Vorteil für die Batter die Strikezone verkleinert. Eine der momentan beliebtesten Spekulationen dreht sich um eine veränderte Beschaffenheit der Bälle. Unschön wäre das insofern, als man so eine Maßnahme gern vorab transparent verkündet gesehen hätte. Aber falls tatsächlich die Bälle der Grund sind, ist das zumindest besser als wenn sich herausstellt, dass eine neue Welle des Missbrauchs leistungssteigernder Substanzen dahinter steckt. MLB-Commissioner Rob Manfred gibt sich jedenfalls überzeugt, dass weder die Bälle noch Doping die Antwort sind, beides sei ausführlich geprüft worden. Eine alternative Erklärung hat Cubs-Manager Joe Maddon: Er schiebt die Entwicklung – mit einem Augenzwinkern – auf die globale Klimaerwärmung, weil Bälle in wärmerer Umgebung weiter fliegen.

Spiel der Woche
MLB-Spiele werden selten in Deutschland entschieden, aber ich bin sicher, gestern Abend war es so: Die Toronto Blue Jays traten im Yankee Stadium an und lagen zur Mitte des vierten Innings schon 5:0 in Führung. Dann blies Aaron Judge zur Aufholjagd, die er mit einem 2-Run-Shot, seinem 29. Homerun in der laufenden Saison, eröffnete. Ein Inning später, nach einem Homerun von Ji-Man Choi und einem Double von Didi Gregorius für je zwei Runs, lagen die Yankees 6:5 in Front. Nun schlug die große Stunde von Andreas Thies, einer der drei Stimmen des wöchentlichen Pflicht-Podcasts Just Baseball: Auf Twitter verbreitete er die Ansicht „Mann, die Blue Jays können aber auch nichts“. Dieses Manöver schien fast schon zu durchsichtig, aber es funktionierte: Prompt trug im siebten Innning ein günstiger Wind Russel Martins Fly Ball über das Center Field zum 6:6 und Yankees-Reliever Dellin Betances flatterten im folgenden Durchgang die Nerven dermaßen, dass er sich mit vier Walks den siegbringenden Run der Blue Jays ins Haus holte. Chapeau, Andreas, das hast du sauber hinbekommen!

Spiel der kommenden Woche
Wohin geht die Reise für den Titelverteidiger? Die Chicago Cubs, denen viele nach dem letzten Jahr vorschnell das Prädikat einer „Dynasty“ aufdrücken wollten, enttäuschen bislang die Erwartungen. Mit ihrer .500-Bilanz können sie von Glück sagen, dass sie in ihrer Division noch alle Chancen auf den Sieg haben. Den werden sie auch brauchen, denn die Wild Cards scheinen angesichts der Dominanz der NL West dieses Jahr unerreichbar für den Rest der National League. Aber auch in der Division sind die Cubs nun schon ein Stück hinter den Milwaukee Brewers zurück und das heute Abend um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit anstehende Nachholspiel zwischen den beiden könnte richtungsweisenden Charakter entwickeln. Den Mound wird als erstes Mike Montgomery (2.80 ERA, 3.68 FIP) für die Cubs besteigen, danach darf Zach Davies (5.03 ERA, 4.98 FIP) seine Künste für die Brewers unter Beweis stellen. Bei den Cubs wird übrigens Kyle Schwarber erstmals wieder dabei sein, seit er vor zwei Wochen in die Minor Leagues geschickt wurde, um dort den verlorenen Schwung wieder zu finden. Das könnte geklappt haben: Nach indiskutablen .171/.295/.378 in 64 MLB-Spielen brachte er es in elf AAA-Spielen auf eine Slashline von .343/.477/.714.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , ,

Juni 15th, 2017 by Dominik

Im Mittelpunkt des Geschehens der MLB stand in den letzten drei Tagen die Draft, die mit einem überraschenden Pick der Minnesota Twins begann (siehe „Szene der Woche“). Gleichzeitig lief auch der normale Spielbetrieb. Am Tabellenbild der Divisionen hat sich gegenüber letzter Woche wenig geändert, abgesehen davon dass im hochkarätigen Dreikampf der NL West zur Abwechslung mal die Dodgers knapp die Nase vorn haben. Interessant ist der Blick auf die Wild-Card-Stände der beiden Ligen: In der AL würden momentan beide Wild Cards an die AL East gehen, doch im Rennen sind ausnahmslos noch alle Teams, selbst die Oakland Athletics mit dem höchsten Rückstand von 6.5 Spielen. In der NL hingegen scheint die Sache relativ früh in der Saison so gut wie entschieden. Auch hier würden die Plätze zurzeit beide an eine Division – die NL West – gehen und das mit sehr deutlichem Abstand: Mit 8.0 Spielen sind die Chicago Cubs als erster Verfolger in der NL schon weiter weg von den Wild Cards als die Athletics als letzter Verfolger in der AL, die meisten NL-Teams weisen bereits einen zweistelligen Rückstand auf.

National League
In der National League East knüpfen die Washington Nationals (39-26) nahtlos an ihre bisherige Saison an: Mit starkem Starting Pitching und hervorragender Offensive halten Sie sich unangefochten in der Division, während ihr mieser Bullpen dafür sorgt, dass die Spiele spannend bleiben und wenigstens ab und zu auch mal verloren werden. Mit gehörigem Abstand folgt der Rest der NL East, zurzeit angeführt von den New York Mets (30-34), die in den letzten Tagen ordentlich Kapital aus der Rückkehr der lange verletzten Steven Matz, Seth Lugo und Yoenis Cespedes geschlagen haben. Mit Neil Walker und Asdrubal Cabrera gibt es aber schon wieder zwei neue Verletzte und auch Matt Harveys Arm soll noch einmal untersucht werden, nachdem er letzte Nacht bei einem schwachen Start in Chicago über ein unangenehmes Gefühl in selbigem klagte. Das bedauernswerteste Team der Liga sind unterdessen die Philadelphia Phillies (21-43), die mit Abstand die schlechteste Bilanz der MLB aufweisen und zuletzt acht Niederlagen in Folge erlitten haben.

Die Milwaukee Brewers (35-32) halten in der NL Central nach wie vor die Chicago Cubs (32-33) auf Distanz. Die Cubs kommen einfach nicht in Tritt, haben diese Woche sowohl die Heimserie gegen die Colorado Rockies als auch die Auswärtsserie bei den New York Mets verloren. Sie können von Glück sagen, dass sie in einer der zurzeit schwächsten Divisionen der MLB spielen, ansonsten wäre der Zug in Richtung Playoffs wohl schon so gut wie abgefahren. So aber befinden sich die Cubs nach wie vor in Lauerstellung und benötigen – ebenso wie die St. Louis Cardinals (30-34) und vielleicht sogar die Pittsburgh Pirates (30-36) – nur ein paar starke Spiele, um wieder voll im Rennen zu sein. Genauso schnell kann man aber auch nach unten durchgereicht werden, wie die Cincinnati Reds (29-36) gerade mit sechs Niederlagen am Stück am eigenen Leib erfahren haben.

In der MLB gibt es zurzeit vier Teams mit über 40 Saisonsiegen – drei davon spielen in der NL West. Das sagt eigentlich schon alles über die Stärke dieser Division, die wie eingangs erwähnt wahrscheinlich beide Wild Cards der NL erobern wird. Das heißt natürlich nicht, dass die Mitglieder des Triumvirats – die Los Angeles Dodgers (41-25), die Colorado Rockies (42-26) und die Arizona Diamondbacks (41-26) – sich auf dieser Position ausruhen können, denn nur der Erstplatzierte zieht direkt in die „richtigen“ Playoffs ein, während zwischen den Wild-Card-Teams ein einzelnes Spiel über Ausscheiden oder Weiterkommen entscheidet. Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass der letzte Sieger im NL-Wild-Card-Spiel die San Francisco Giants (26-41) waren? Das scheint Ewigkeiten her, wenn man zurzeit das (von Madison Bumgarners Verletzung abgesehen) kaum veränderte, aber komplett implodierte Team sieht, das nach sieben Niederlagen in den letzten zehn Spielen sogar wieder hinter die San Diego Padres (27-40) gerutscht ist.

American League
In der American League East geben die New York Yankees (38-25) den Ton an. Ich bin immer wieder überrascht, wenn ich mir die Statistiken ansehen und feststelle, dass die Yankees nicht nur von ihrer spektakulären Offense um Rookie Aaron Judge leben, sondern auch im Pitching Top-Werte aufweisen. Zumindest die Starter fliegen für mich immer ein bisschen unter dem Radar, weisen aber immerhin die sechstwenigsten erlaubten Runs (3.93 ERA) der MLB auf. Das Run Differential der Yankees (+114) führt die Liga an mit 12 Runs Vorsprung auf die Houston Astros. Nach fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen halten die Boston Red Sox (37-28) den Kontakt zur Spitze, welchen die Baltimore Orioles (32-32) nach einer Serie von sechs Niederlagen derzeit verloren haben. Dazwischen haben sich heimlich, still und leise die Tampa Bay Rays (35-33) geschoben, die momentan den zweiten Wild-Card-Platz der AL einnehmen.

Die AL Central sieht der NL Central sehr ähnlich: Auch hier sind die Teams relativ eng beisammen und auch hier liegt mit den Minnesota Twins (33-29) ein Überraschungsteam vor dem letztjährigen World-Series-Teilnehmer Cleveland Indians (31-31). Und – auch das ist eine Parallele zur NL Central – die Formkurve fast aller Teams der Division weist eher nach unten. Einzig die Kansas City Royals (30-34) weisen aus den letzten zehn Spielen eine positive Bilanz auf, sie befinden sich auf einer Serie von zurzeit vier Siegen in Folge. Allerdings hatten sie auch das Glück, dass ihre Gegner dabei die San Diego Padres und die San Francisco Giants waren.

Kommen wir zu guter Letzt zum immer noch erfolgreichsten Team der Saison, den Houston Astros (45-22). Seit dem Ende ihrer Serie von elf Siegen haben die Astros nur drei von neun Spielen gewonnen, aber ihr Vorsprung in der AL West ist mehr als komfortabel genug, um solch eine Phase zu überstehen, ohne sich allzu große Sorgen zu machen. Was allerdings durchaus Sorgen verursacht, sind die zunehmenden Verletzungen: Mit Dallas Keuchel, Charlie Morton und nun Lance McCullers sind schon drei Starter auf der DL und Outfielder Josh Reddick erholt sich noch von der Gehirnerschütterung, die er beim Crash in die Mauer während eines Fangversuchs erlitten hat. Ernstzunehmende Verfolger haben die Astros nach wie vor nicht, am nächsten dran sind die Los Angeles Angels (35-34) mit elf Spielen Rückstand, alle anderen Teams der Division stehen unter .500.

Szene der Woche
Der wichtigste Moment der MLB-Woche war der erste Pick der Draft in der Nacht von Montag auf Dienstag. Entgegen der deutlichen Mehrzahl aller Spekulationen entschieden sich die Minnesota Twins weder für den hochgelobten Highschool-Pitcher Hunter Greene noch für einen der Collegespieler, denen man einen schnelleren Übergang in die MLB zutraute. Stattdessen wählten sie einen anderen direkt aus der Highschool kommenden Spieler, Shortstop Royce Lewis. Lewis war zwar ebenfalls als hoher Pick prognostiziert, doch dass er vor Greene gewählt würde, hatte kaum jemand vorhergesagt. Greene ging an Nummer zwei zu den Cincinnati Reds, der andere Favorit auf den Top-Pick, Louisvilles Brandon McKay, wurde erst als Vierter von den Tampa Bay Rays gepickt. Offenbar spielten bei den Picks auch finanzielle Erwägungen eine Rolle: Die Teams dürfen für die gedrafteten Spieler bestimmte nach Draftposition gestaffelte Höchstsummen ausgeben. Den Twins wird nachgesagt, dass ihnen kein Spieler die volle Höhe von 7.770.700 Dollar wert war. Deshalb entschieden sie sich für einen, der Ihnen vorab signalisierte, sich mit weniger zufrieden zu geben.

Statistik der Woche 
28. So viele Hits erzielten die Minnesota Twins Dienstagnacht beim 20:7 gegen die Seattle Mariners. Das war ein Franchise-Rekord und gleichzeitig MLB-weit das Spiel mit den meisten Hits eines Teams seit 2007. Den größten Beitrag zum offensiven Feuerwerk leisteten Eddie Rosario mit vier Hits, davon drei Homeruns, und Eduardo Escobar mit fünf Hits. Auch unser Lokalmatador Max Kepler hatte ordentlichen Anteil am Erfolg mit drei Hits, darunter ein Solo-Homerun, und einem Walk.

Spiel der Woche
Zwischen den Detroit Tigers und den Arizona Diamondbacks sah es Dienstagnacht nach einer klaren Angelegenheit aus: Die Diamondbacks beendeten den Tag von Tigers-Starter Buck Farmer nach nur zweieindrittel Innings mit neun Hits und sechs Runs, darunter Homeruns von Brandon Drury und Paul Goldschmidt. Auf der anderen Seite cruiste Zack Greinke durch fünf Innings mit nur zwei Hits und einem Walk. Doch im sechsten Inning bekamen Greinke und seine Defense plötzlich Probleme und kassierten sechs Runs zum Ausgleich – fünf davon „unearned“, weil ein schlechter Wurf von Drury und ein misslungener Catch von David Peralta dazu beitrugen, dass die Tigers in diesem Inning elf Runner an die Platte schicken und sechs Hits erzielen konnten. Ausgerechnet Peralta, der in der Outfield-Defense mehrere schwache Szenen hatte, sorgte schließlich doch noch für ein Happy End aus Sicht der Diamondbacks, indem er per Solo-Homer im neunten Inning das letztlich entscheidende 7:6 für Arizona erzielte.

Spiel der kommenden Woche
Die momentan größte Attraktion der Liga ist der Dreikampf um die NL West. Deshalb ist mein Einschalttipp für nächste Woche die Serie der Arizona Diamondbacks bei den Colorado Rockies. Konkret empfehle ich die Partie Mittwochnacht um 2:40 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Auf dem Mound stehen dann voraussichtlich zwei Pitcher, die zurzeit in hervorragender Form sind: für Arizona Taijuan Walker (ERA 3.32, in den letzten drei Spielen 2.12) und für Colorado Jeff Hoffman (ERA 2.33, in den letzten drei Spielen 1.33).

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Mai 11th, 2017 by Dominik

Beim 18-Inning-Thriller zwischen den Yankees und den Cubs am Montagmorgen kam bei mir zum ersten Mal in diesem Jahr  so etwas wie Playoff-Feeling auf. Das hat Spaß gemacht, aber trotzdem bin ich froh, dass die MLB-Saison noch sehr lange dauert und noch sehr viel passieren kann und wird. Was in den vergangenen sieben Tagen alles passiert ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (21-10) und die Baltimore Orioles (23-11) marschieren an der Spitze der American League East nahezu im Gleichschritt: Beide haben sieben der letzten zehn Spiele gewonnen, beiden ist diese Woche eine Serie von sechs Siegen in Folge gelungen und für beide endeten diese Serien gestern Abend. Allerdings machen die Yankees deutlich stärker den Eindruck, sich dort oben auf Dauer halten zu können, als die Orioles: Sie scoren mehr Runs, sie lassen weniger Runs zu, vor allem sind sie weniger abhängig von 1-Run-Games. Die Orioles haben acht ihrer Siege mit nur einem Run Unterschied eingefahren, was in der Regel mit Glück und einem guten Bullpen zu tun hat. Nur ist Glück nicht planbar und Baltimores Bullpen hat gerade einen herben Schlag durch die erneute Verletzung von Zach Britton erlitten. Knapp positiv, aber immerhin schon fünf Spiele hinter den beiden Führenden, stehen die Boston Red Sox (17-16), die immer noch nach ihrem Rhythmus suchen. Vielleicht hilft die anstehende Heimserie gegen die Tampa Bay Rays (17-19) den Red Sox, sich ein bisschen aus dem Mittelmaß zu befreien.

Die AL Central ist nach wie vor eng beisammen. Zwischen den Cleveland Indians (18-15) an der Spitze und den Chicago White Sox (15-16) auf Platz vier liegen gerade mal zwei Spiele. Von Freitag bis Sonntag steht eine Serie zwischen den Indians und den derzeit zweitplatzierten Minnesota Twins (16-14). Da sollte man mal reinschauen – zum einen weil es interessant ist, wie sich der erklärte Favorit Cleveland gegen den überraschend guten Underdog Minnesota schlägt, zum anderen um mal wieder unseren deutschen Lokalmatador Max Kepler in Aktion zu sehen, der bei den Twins in diesem Jahr unumstrittener Stammspieler ist. Sein Bat ist im bisherigen Mai (.136/.269/.136) gegenüber dem April (.280/.368/.467) leider deutlich abgekühlt, aber vielleicht geht es ja schon in der Serie gegen die Indians wieder aufwärts.

Unter die AL West möchte man gedanklich schon fast einen Haken machen, so deutlich liegen die Houston Astros (23-11) vorne. Der Abstand zum Zweiten beträgt schon sechs Spiele, das ist mehr als zwischen dem Ersten und dem Letzten in der NL Central. Interessant ist allerdings, wer neuerdings auf Platz zwei steht, denn mit sechs Siegen aus den letzten sieben Spielen haben sich die Seattle Mariners (17-17) nach ihrem enttäuschenden Start zu einer ausgeglichenen Bilanz und vorbei an den Los Angeles Angels (17-19) gearbeitet. Auch die Texas Rangers (15-20) haben mit vier Siegen eine ordentliche Woche hinter sich und damit immerhin verhindert, am Tabellenende völlig abgeschlagen zu sein.

National League
Ähnlich wie in der AL West herrschen auch in der National League East klare Verhältnisse und ich habe nicht den Eindruck, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändern dürfte. An den Washington Nationals (22-12) und ihren als einziges MLB-Team über 200 erzielten Runs (209) scheint dieses Jahr kein Weg vorbei zu führen. Die New York Mets (16-17) sind in meinen Augen das einzige Team der Division, das grundsätzlich mit den Nationals mithalten könnte, doch eine Kombination aus Verletzungen, schlechtem Feldmanagement und fortwährender Selbstbeschäftigung (siehe „Szene der Woche) hält sie davon ab. Mit den Philadelphia Phillies (13-19), den Miami Marlins (13-20) und den Atlanta Braves (11-20) hat die AL West gleich drei Teams, die derzeit nicht konkurrenzfähig sind – im Gleichschritt haben alle drei jeweils acht der letzten zehn Spiele verloren.

Umso spannender präsentiert sich dieser Tage die NL Central. Wer mit einem glatten Durchmarsch der Chicago Cubs (17-17) gerechnet hatte, sieht sich getäuscht. Stattdessen ist der Titelverteidiger nach dem Sweep durch die Yankees und einer verlorenen Serie gegen die Rockies auf Platz vier der sehr eng beisammen stehenden Division abgerutscht. Vorne stehen plötzlich die St. Louis Cardinals (19-14), die die vergangene Woche zu einer Serie von sechs Siegen genutzt haben. Das war zwar nur gegen die Braves und die Marlins, aber nun stehen drei Spiele gegen die Cubs an, in denen die Cardinals zeigen können, ob sie zurecht Platz eins besetzen. Mehr als solide halten sich auch die Cincinnati Reds (18-15) und die Milwaukee Brewers (18-16), während die Pittsburgh Pirates (14-20) als einziges Team der Division eine Negativbilanz aufweisen und sich nach bislang vier Niederlagen in Folge für die nächste Zeit im Keller der Tabelle eingerichtet haben.

Noch tiefer im Keller sitzen in der NL West die San Francisco Giants (12-23), bei denen dieses Jahr einfach gar nichts zusammen läuft – die zweitwenigsten Runs (115) und die meisten kassierten Runs (183) der MLB machen wenig Hoffnung, dass diese Saison noch zu retten wäre. Mit den San Diego Padres (13-22) haben die Giants in ihrem Keller immerhin einen Nachbarn in ähnlich aussichtsloser Lage. Zwischen diesen beiden und dem Führungstrio Colorado Rockies (22-13), Los Angeles Dodgers (20-14) und Arizona Diamondbacks (19-16) klafft bereits eine Lücke von sechs Siegen. Die Dodgers haben diese Woche fünf Spiele absolviert und fünf Siege eingefahren und mischen nun auf Augenhöhe mit den beiden anderen mit. Da passt es geradezu perfekt, dass nun eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Dodgers und den Rockies ansteht (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Diese werden die Dodgers allerdings – ebenso wie den Rest der Saison – ohne Outfielder Andrew Toles bestreiten müssen, der sich im vorgestrigen Spiel gegen die Pirates das Kreuzband gerissen hat.

Szene der Woche
Die bisherige Saison der New York Mets ist sportlich eher mittelmäßig, vom Drumherum aber ist es eine erstklassige Seifenoper. Bisherige Highlights: ein Closer, der sich gegen häusliche Gewalt engagiert und dann 15 Spiele gesperrt wird, nachdem er im Streit mit seiner Frau eine Tür zerstört hat (Jeurys Familia); ein Starting Pitcher, der eine ärztliche Untersuchung ablehnt, weil er „seinen Körper am besten kennt“ und sich im nächsten Spiel den Muskel reißt (Noah Syndergaard); ein anderer Starter, der nicht zum Spiel erscheint, nachdem er bis 4 Uhr morgens seinen Frust darüber ertränkt hat, dass seine Ex mit ihrem Ex ausgegangen ist (Matt Harvey). Und jetzt meine Szene der Woche: Die Mets veröffentlichen auf Twitter ein Foto von T. J. Rivera, der seinen ersten MLB-Homerun geschlagen hat – und übersehen, dass im Hintergrund im Schrank von Kevin Plawecki ein großer schwarzer Dildo zu sehen ist. Ich fürchte, wenn für mich als Metsfan von dieser Saison etwas hängen bleibt, dann vor allem das Gefühl des Fremdschämens.

Statistik der Woche 
4,62 Fuß. Das sind 1,41 Meter und somit eine ziemliche Höhe für einen Pitch, wenn man bedenkt, dass die durchschnittliche Strike Zone ihre obere Grenze auf ca. 3,5 Fuß (1,07 Meter) hat. Orioles-Slugger Mark Trumbo hat am Montag beim 6:4-Sieg seines Teams gegen die Nationals das Kunststück fertig gebracht, solch einen Pitch von Gio Gonzalez zum Homerun zu schlagen. Es war der höchste Homerun-Pitch seit Beginn der Messungen, also seit mindestens 2008.

Spiel der Woche
Das Matchup der New York Yankees gegen die Chicago Cubs versprach schon vorher ein interessantes zu werden, aber das dritte Spiel der Serie am Sonntag übertraf alle Erwartungen. Bis zur Mitte des neunten Innings sah es nach einem relativ klaren Sieg der Yankees aus mit einer 4:1-Führung und Top-Closer Aroldis Chapman auf dem Weg zum Mound. Doch Chapman vergab die Save-Situation, nach zwei Walks und drei Singles ließ er durch einen Hit-by-Pitch bei geladenen Bases den Ausgleich zu. So ging das Spiel in die Verlängerung, welche nach den neun regulären Innings volle neun weitere Innings andauerte und deren Highlight ein Wahnsinnscatch von Kyle Schwarber im zwölften Inning war. Die Entscheidung im 18. Inning brachte ein mit äußerster Mühe – Bunt, Error, Sacrifice, Fielders Choice – zusammengeschusterter Run der Yankees durch Aaron Hicks. Was aber vor allem in Erinnerung bleiben wird, ist der neue MLB-Rekord für die meisten Strikeouts in einem Spiel: Mit 48 wurde die alte Marke von 43 (aus einem 20-Inning-Spiel der Angels gegen die Athletics von 1971) deutlich übertroffen.

Spiel der kommenden Woche
Die Colorado Rockies und die Los Angeles Dodgers haben ab heute vier Tage lang Gelegenheit, unter sich auszumachen, wer Herr im Hause NL West ist. Das vierte Spiel der Serie läuft am Sonntag nicht nur zur europafreundlichen Zeit von 21:10 Uhr, es ist obendrein sogar das Free Game of the Day auf mlb.tv. Das Pitching-Matchup dieses Spiels besteht aus zwei Top-Talenten: Für die Dodgers wird Julio Urias (1.06 ERA) starten, der vorgestern gegen die Pirates einen No-Hitter bis ins siebte Inning laufen hatte. Sein Gegenüber ist Antonio Senzatela (2.86 ERA), der NL-Rookie des Monats April.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

April 27th, 2017 by Dominik

Was für eine bittere MLB-Woche: Meine Mets hatten ihren stärksten Auftritt Dienstagnacht in Form eines Rainouts gegen die Braves – den konnten sie wenigstens nicht verlieren. In Giants-Pitcher Madison Bumgarner hat sich einer der besten und interessantesten Spieler der Liga ernsthaft verletzt und gestern Abend musste Brewers-1B Eric Thames, Hauptakteur der Cinderella-Story des bisherigen Jahres, mit Oberschenkelproblemen den Platz verlassen. Zu allem Überfluss haben die Padres das spannende Experiment mit Christian Bethancourt als Allround-Spieler für gescheitert erklärt und ihn in die Minors geschickt. Zum Glück sorgte Chris Coghlan von den Blue Jays dafür, dass von dieser Woche nicht nur deprimierende Szenen hängen bleiben werden. Dazu später mehr, jetzt erst mal der obligatorische Schwenk durch die einzelnen Divisionen:

National League
In der National League East sieht es derzeit danach aus, dass sich in dieser Division besonders schnell die Spreu vom Weizen trennt. Die Washington Nationals (14-6) ziehen nach den ersten 20 Spielen bereits recht einsam ihre Kreise an der Spitze vor den Miami Marlins (10-8) und den Philadelphia Phillies (9-9), die beide für ihre Verhältnisse gut in die Saison gekommen sind, den Nationals aber realistisch betrachtet nicht gefährlich werden dürften. Leider ein Totalausfall in der ihnen zugedachten Rolle des Co-Favoriten in der Division sind die New York Mets (8-11). Nach ordentlichem Beginn haben sie nun zwei Wochen lang quasi nur verloren: Fünf Niederlagen in Folge und neun in den letzten zehn Spielen stehen mittlerweile zu Buche. Am Anfang dieses Slumps hatten sie ein paarmal Pech mit dem Spielausgang, dann kamen Verletzungen dazu und inzwischen scheint auch einfach das Selbstvertrauen ein Stückweit verloren zu sein. So war jedenfalls mein Eindruck letzte Nacht beim 2:8 gegen die Atlanta Braves (6-12), die nach dem Sweep durch die Nationals ein willkommener Aufbaugegner hätten sein können, aber stattdessen auf erstaunlich wenig Gegenwehr der Mets stießen. Bei den Marlins tut sich übrigens etwas im Hinblick auf den angestrebten Verkauf der Franchise durch Owner Jeffrey Loria: Eine Bietergruppe um den ehemaligen Governeur, Präsidentensohn, -bruder und -kandidaten Jeb Bush und um Ex-Yankees-Star Derek Jeter gilt inzwischen als klarer Favorit, die Marlins zu erwerben.

Titelverteidiger Chicago Cubs (11-8) hat in der NL Central mittlerweile die Verhältnisse gerade gerückt und sich mit nacheinander gewonnenen Serien gegen die Milwaukee Brewers (11-11), die Cincinnati Reds (10-11) und die Pittsburgh Pirates (9-12) an die Spitze der Division gesetzt. Die schwach gestarteten St. Louis Cardinals (9-11) zeigen inzwischen Anzeichen eines Aufschwungs. Dem Sweep gegen die Pirates vor einer Woche ließen sie weitere drei Siege über die Brewers folgen und setzen heute in einem Doubleheader das Duell der Fehlgestarteten mit den Toronto Blue Jays fort.

Die NL West fühlt sich immer noch ein bisschen an, als würde sie auf dem Kopf stehen, denn unverändert halten sich die etwas überraschenden Colorado Rockies (14-8) und die noch mehr überraschenden Arizona Diamondbacks (14-9) an der Spitze mit spürbarem Vorsprung auf die Los Angeles Dodgers (10-12). In einer schwierigen Lage befinden sich die San Francisco Giants (7-14). Zwar sprangen aus den letzten drei Spielen immerhin zwei Siege gegen die Dodgers heraus, doch davor setzte es gegen die Rockies einen Drei-Spiele-Sweep und vor allem fällt Star-Pitcher Madison Bumgarner nun für mindestens zwei Monate aus, nachdem er in seiner Freizeit einen Fahrradunfall hatte und sich dabei die Rippen und die Schulter des Wurfarms verletzte. Eine Aufholjagd ohne den wichtigsten Leistungsträger des Teams dürfte schwierig werden.

American League
Die Baltimore Orioles (13-6) führen nach wie vor die American League East an und das zwar knapp, aber überzeugend: Von ihren bislang sieben Serien in diesem Jahr haben sie noch keine einzige verloren und sechs davon absolvierten sie gegen Divisionsrivalen. Auf Platz zwei halten sich die New York Yankees (11-7), bei denen sich nach der zwischenzeitlichen Siegesserie in den letzten Tagen Licht und Schatten abwechselten. Die nächsten Tage werden richtungsweisend sein, denn heute Nacht geht es zunächst noch einmal gegen die Boston Red Sox (11-8) und dann drei Tage lang gegen die Orioles. Genau wie die Yankees haben auch die Toronto Blue Jays (6-14) in den letzten sieben Tagen immer abwechselnd gewonnen und verloren, was in ihrem Fall aber nach dem katastrophalen Start ein Fortschritt war. Wenn sie dem turbulenten Sieg im ersten Spiel gegen die  Cardinals (siehe unten) heute einen erfolgreichen Doubleheader folgen lassen, sind die Blue Jays wieder halbwegs im Rennen.

Die knappste Division der MLB ist die AL Central, in der die Cleveland Indians, die Chicago White Sox und die Detroit Tigers allesamt mit 11-9 gleichauf stehen und nur knapp dahinter die Minnesota Twins (10-11), für die Max Kepler am Sonntag seinen zweiten Homerun des Jahres geschlagen hat. Den Anschluss verloren haben derzeit die Kansas City Royals, die nach sieben Niederlagen in Folge – jeweils Sweeps gegen die Texas Rangers und die White Sox – plötzlich bei 7-14 stehen und als nächstes dreimal gegen die Twins ran müssen.

Die AL West bietet momentan neben der NL East das klarste Tabellenbild: Der Vorsprung der Houston Astros (14-10) ist bereits recht komfortabel, zumal auf den nächsten Rängen die Los Angeles Angels (11-12) und die Oakland Athletics (10-11) folgen, die beide keine ernsthaften Kandidaten dafür sind, um den Divisionstitel mitzuspielen. Die Texas Rangers (10-12) haben sich, insbesondere durch den Sweep über die Royals, wieder ans Feld herangespielt, während es für die Seattle Mariners (9-13) momentan schlecht aussieht. Sie haben zwar nur einen Sieg weniger als die Rangers und die A’s, müssen aber nun den Rückschlag verkraften, dass gleichzeitig Pitching-Ass Felix Hernandez und der in der bisherigen Saison sehr starke Outfielder Mitch Haniger (.338/.442/.600) auf die Verletztenliste gesetzt werden mussten.

Szene der Woche
Vielleicht ist es nicht nur die Szene der Woche sondern schon die des Jahres. Jedenfalls wird auf absehbare Zeit kein Highlight-Reel ohne den gigantischen Sprung von Torontos Chris Coghlan über Cardinals-Catcher Yadier Molina und seine anschließende Rolle über die Homeplate auskommen. Ich muss mir das Ding jedenfalls immer wieder ansehen. Wow.

Statistik der Woche 
11. So viele Homeruns hat 1B Eric Thames von den San Diego Padres dieses Jahr bereits erzielt, vier mehr als die zehn Spieler, die gemeinsam den zweiten Platz der Rangliste belegen. Sofern die Verletzung, derentwegen Thames gestern Abend ausgewechselt werden musste, ihn nicht daran hindert, hat er in den nächsten Tagen die Chance, am Rekord von Albert Pujols (2006) und Alex Rodriguez (2007) mit je 14 April-Homeruns zu kratzen. Das Erstaunliche daran ist, dass der 30-jährige Thames die letzten vier Jahre nicht mal in der MLB gespielt sondern sich zuerst ein Jahr in den Minors und dann in Südkorea bei den NC Dinos verdingt hat. Dort produzierte er zwar starke Zahlen, doch dass er bei seiner Rückkehr nach Amerika derart auftrumpfen würde, hat ihm wohl kaum jemand zugetraut.

Spiel der Woche
Ich muss hier noch mal auf das Spiel der Toronto Blue Jays bei den St. Louis Cardinals zurückkommen, in dem sich die Akrobatik-Aktion von Chris Coghlan zutrug. Nicht nur wegen dieses Moments war Torontos 6:5-Erfolg ein spektakuläres Spiel mit Happy End für die enttäuschend in die Saison gestarteten Blue Jays: Erst drehten sie einen Rückstand um, dann gingen sie dreimal in Führung, die von den Cardinals immer wieder ausgeglichen wurde, bevor schließlich im elften Inning der als Pinch Hitter eingewechselte Pitcher Marcus Stroman einen Double schlug und später bei einem Error – dem vierten der Cardinals in diesem Spiel – den siegbringenden Run erzielte. Es war übrigens der erste Pinch Hit eines Blue-Jays-Pitchers überhaupt.

Spiel(e) der kommenden Woche
Die Entscheidung fällt schwer, denn mir erscheinen zwei Matchups der kommenden Tage gleichermaßen interessant: Sowohl in der AL East mit den Orioles und den Yankees als auch in der NL West mit den Rockies und den Diamondbacks ringen je zwei Teams um die Spitze, denen ich das vor der Saison nicht zugetraut hätte – und in beiden Fällen treffen diese beiden Teams nun in einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag aufeinander. Mein Einschalttipp sind die beiden Spiele am Sonntag, weil sie sich zeitlich (Orioles@Yankees um 19:05 Uhr, Rockies@Diamondbacks um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit) so gut aneinander fügen, dass man einen schönen langen Baseballabend daraus machen kann – und am Tag danach ist passenderweise Feiertag.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , ,

August 4th, 2016 by Dominik

So langsam legt sich die Aufregung um die turbulente Trade-Deadline und spätestens jetzt befinden wir uns in der heißen Phase der regulären MLB-Saison, in der die Konzentration statt wilder Wechselgerüchte wieder ungeteilt dem Ballspiel und den Ergebnissen im Rennen um die Playoffs gilt. Hier der wöchentliche Überblick zum Stand der Dinge:

National League
In der National League East haben sich die Washington Nationals (64-44) nach einer kleinen Schwächephase wieder gefangen. Mit drei deutlichen Siegen wurden in Arizona die Diamondbacks gesweept und da sich die Miami Marlins (57-51) gleichzeitig von den Cubs haben sweepen lassen, liegt der Vorsprung der Nationals wieder bei komfortablen sieben Spielen. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Nationals die Division gewinnen, liegt laut Fangraphs inzwischen bei 95,5%. Die New York Mets (55-52) haben sich nach sechs Niederlagen aus den letzten acht Spielen aus dem Rennen um die Division verabschiedet und nun auch schon zwei Spiele Rückstand auf den Wild-Card-Platz. Wenn sie die Saison noch retten wollen, müssen sie schleunigst damit anfangen, aber die Zeichen stehen nicht gut: Nach der heute endenden Subway-Serie gegen die Yankees wartet in den Detroit Tigers das Team mit der aktuell längsten Siegesserie und die Verletzungsmisere hat nun auch Yoenis Cespedes auf die DL-Liste gebracht.

Das erfolgreichste Team der MLB sind nach wie vor die Chicago Cubs (66-41) in der NL Central. Sieben Siege aus den letzten acht Spielen haben den Abstand zum einzigen Verfolger St. Louis Cardinals (57-50) auf neun Spiele anwachsen lassen und die Schedule der nächsten Tage meint es gut mit den Cubs: Zuerst warten mit den Oakland Athletics und den Los Angeles Angels zwei Teams, für die die Saison schon lange gelaufen ist, danach können die Cubs in einer Vier-Spiele-Heimserie gegen die Cardinals endgültig für klare Verhältnisse sorgen. Die Cardinals werden sich keine allzu großen Hoffnungen auf den Divisionssieg machen, aber immerhin haben sie sich inzwischen auf den zweiten Wild-Card-Platz vorgearbeitet, hinter den Dodgers und vor den Marlins, Mets, Pirates und Rockies. Die Pittsburgh Pirates (53-52) dümpeln derweil im Mittelfeld vor sich hin und haben das Jahr offenbar aufgegeben, denn warum sonst hätten sie SP Francisco Liriano und ihren Closer Marc Melancon wegtraden sollen?

Deutlich spannender als in den anderen beiden Divisionen geht es in der NL West zu: Die San Francisco Giants (61-46) schwächeln weiterhin und die Los Angeles Dodgers (59-48) werden sich massiv ärgern, dass sie durch zwei Niederlagen gegen die Colorado Rockies (54-53) die Gelegenheit versäumt haben, zu den Giants aufzuschließen. Die Rockies schicken sich derweil an, zum Überraschungsteam der zweiten Saisonhälfte zu werden. Seit dem All-Star-Break stehen sie bei 14-5 und sind plötzlich wieder im Rennen um die Wild-Card. In diesem Rennen sind sie zwar immer noch der krasse Außenseiter – Fangraphs beziffert die Chancen auf den WC-Platz auf 1,7% –, aber es ist beeindruckend, dass sie überhaupt dabei sind.

American League
Kommen wir zur American League East, die in den Baltimore Orioles (61-45) ausnahmsweise mal an zwei Donnerstagen hintereinander den gleichen Tabellenführer hat. Die scheinbare Stabilität täuscht jedoch, denn am Wochenende standen zeitweise die Toronto Blue Jays oben (61-47), die dann allerdings auf den dritten Rang hinter den Boston Red Sox (58-48) abrutschten, bevor sie nun wieder nach Siegen mit den Orioles gleichgezogen haben. Es wird wohl bis zum Schluss ein ganz enges Rennen in der AL East bleiben und das ist gut so. Knapp positiv stehen noch die New York Yankees (54-53) da, die aber zur Trade-Deadline bereits klar demonstriert haben, dass ihre Prioritäten auf der Weichenstellung für die Zukunft liegen und sie für dieses Jahr keine Ambitionen mehr hegen.

In der AL Central laufen die Detroit Tigers (59-48) gerade heiß, acht Spiele in Folge haben sie gewonnen und allein in den vergangenen drei Tagen den Abstand auf Tabellenführer Cleveland Indians (60-45) von fünf Spielen auf nur noch zwei verringert. Zwischen den beiden ist das Rennen nun wieder völlig offen, während sich sowohl die Chicago White Sox (51-56) als auch die Kansas City Royals (51-56) durch eine schwache Woche endgültig aus selbigem verabschiedet haben. Nie im Rennen waren die Minnesota Twins (43-64), die aber immerhin gerade vier Spiele in Folge gewonnen haben und daran war Max Kepler, der einzige Deutsche in der MLB, nicht ganz unschuldig. Sagenhafte drei Homeruns steuerte er zum 12:5-Sieg über die Indians am Montag bei, einen weiteren zum 10:6 am Dienstag und am 13:5 vom Mittwoch war er ebenfalls mit zwei RBI beteiligt. Unter den Spielern mit mehr als 100 At-Bats ist Kepler mittlerweile mit einer OPS von .907 der beste Batter seines Teams. Und weil mir gerade ein hervorragender Artikel über Max Kepler über den Weg gelaufen ist, trage ich diesen hier nach als ausdrücklichen Lesetipp

Die Aufholjagd der Houston Astros (56-51) in der AL West scheint vorerst beendet. Nach sieben Niederlagen aus den letzten zehn Spielen und Inaktivität zur Trade-Deadline ist der Elan der letzten Wochen verpufft. Die Texas Rangers (62-46) dürfen sich mit nun 5.5 Spielen Vorsprung wieder fester im Sattel fühlen und im Gegensatz zur Konkurrenz haben sie sich kurz vor Ladenschluss noch ordentlich verstärkt. Eine Vorentscheidung kann das Wochenende bringen, wenn die Astros die Rangers zu einer Drei-Spiele-Serie empfangen (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Im Übrigen frage ich mich jede Woche, was ich über die Seattle Mariners (54-52) schreiben soll. Die Mariners halten sich konstant in einem Fahrwasser, in dem man sie nicht völlig ignorieren kann, aber ein ernster Playoffkandidat sind sie für mich auch nicht. Mal sehen, wann sich hier eine klarere Tendenz herauskristallisiert.

Spielzug der Woche
Ein Triple Play ist immer eine spektakuläre Angelegenheit und das gilt ganz besonders für das der Nationals im achten Inning ihres 4:1-Sieges gegen die Giants am vergangenen Samstag. Es war nämlich das erste 3-3-5-Triple-Play in der MLB-Geschichte, also das erste, das nach folgendem Muster ablief: erstes Aus, als der First-Baseman (Ryan Zimmerman) den Ball (von Brandon Crawford) aus der Luft fängt; zweites Aus, als er auf die erste Base tritt und damit den voreilig losgelaufenen Baserunner (Buster Posey) kalt erwischt; drittes Aus, als der Third-Baseman (Anthony Rendon) an seiner Base den Ball fängt und damit auch den zweiten losgelaufenen Baserunner (Denard Span) erledigt.

Statistik der Woche
1 Inning, 9 Batters, 4 Runs, 0 Hits. Diese erstaunlichen Zahlen produzierten die Phillies am Samstag im achten Inning des Spiels gegen die Braves. Noch mal im Klartext: Die Phillies haben in diesem Inning ihr komplettes Lineup an den Schlag gebracht und vier Runs erzielt, ohne dass ihnen ein einziger Hit gelungen wäre. Es traten auf: Tyler Goeddel (Walk), Freddy Galvis (Fielder’s Choice, 1. Out), Taylor Featherston (Walk), Cesar Hernandez (Walk), Odubel Herrera (Walk, Run), Maikel Franco (Error, 2 Runs), Ryan Howard (Error), Aaron Altherr (Hit by Pitch, Run), Cameron Rupp (grounded into Double Play, 2. und 3. Out).

Spiel der Woche
Die Cubs verstehen es wirklich, sich in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit zu stellen. Das bewiesen sie mal wieder am Sonntag im Spiel gegen die Mariners. Nicht genug damit, dass sie einen 0:6-Rückstand überwanden, der das Spiel schon nach drei Innings scheinbar entschieden hatte. Auch nicht genug damit, dass sie den Ausgleich erst bei einem Wild Pitch mit zwei Aus im neunten Inning vollbrachten. Um wirklich die volle Aufmerksamkeit der Baseballwelt zu erlangen, mussten sie zudem noch Pitcher Travis Wood zeitweise ins Outfield beordern und ihn dort einen hervorragenden Catch machen lassen und dann im zwölften Inning Pitcher Jon Lester als Pinch-Hitter bringen und ihn den Walk-Off erzielen lassen.

Spiel der kommenden Woche
Die interessantesten Paarungen der nächsten Tage sind das Aufeinandertreffen der Rangers und der Astros, das der Dodgers und der Red Sox sowie die Rückspielserie der Giants bei den Nationals, bei der es voraussichtlich am Sonntag zum Premium-Matchup Bumgarner gegen Strasburg kommt. Letzteres wäre auf jeden Fall ein würdiges Spiel der Woche, aber da ich Nationals gegen Giants an dieser Stelle schon letzte Woche gewählt habe, entscheide ich mich dieses Mal für das Lokalderby der Rangers gegen die Astros und zwar konkret für das Spiel am Sonntag. Um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit kann man sich das prima anschauen und es wird interessant sein, wie sich Astros-Rookie Joe Musgrove bei seinem ersten MLB-Start gegen das wiedergenesene Rangers-Ass Yu Darvish schlägt.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , ,

Juli 21st, 2016 by Dominik

Seit knapp einer Woche wird wieder MLB-Baseball gespielt und wer hätte es gedacht: Am besten aus der Pause gekommen sind die Los Angeles Angels of Anaheim mit einer glatten 6-0-Bilanz nach dem All-Star-Break. An der Spitze der Liga herrscht unterdessen ziemlich große Ausgeglichenheit: In der National League haben alle drei Divisionsspitzenreiter gleich viele Siege auf dem Konto und in der American League könnte neben der East- nun auch die West-Division zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen um den Divisionssieg werden. Bei solch engen Verhältnissen kann die eine oder andere gelungene Aktion zur Trade-Deadline durchaus entscheidend für den Saisonausgang werden.

National League

In der National League East bleiben die Washington Nationals (57-38) klar vorne, während der spannende Teil der Division momentan der Kampf um Platz zwei ist. Die Miami Marlins (51-43) haben momentan knapp die Nase vor den New York Mets (50-44) und würden damit auch den zweiten Wild-Card-Platz der NL belegen. Schon am kommenden Wochenende kann sich das entweder ändern oder stabilisieren, denn von Freitag bis Sonntag sind die Mets und die Marlins zu einer Drei-Spiele-Serie in Miami verabredet.

Den Chicago Cubs (57-37) scheint die Pause gut getan zu haben: Mit einem 2-9-Slump sind sie in selbige hinein gegangen, mit zwei gewonnenen Serien gegen die Rangers und die Mets sind sie aus ihr herausgekommen. Damit sind sie (dank einer Niederlage weniger als die Nationals und die Giants) knapp zurück an der Spitze der MLB. In der NL Central ist der Vorsprung auf die St. Louis Cardinals (50-44) und die Pittsburgh Pirates (48-46) nach wie vor komfortabel und durch den gestrigen Trade für Pitcher Mike Montgomery haben die Cubs bereits demonstriert, dass sie willens sind, ihren ohnehin schon starken und ausgeglichenen Kader weiter zu verbessern, um ihrer Rolle als Favorit auf die World Series gerecht zu werden.

Weniger gut – um nicht zu sagen: miserabel – sind die San Francisco Giants (57-38) in den zweiten Teil der Saison gestartet: fünf Spiele, fünf Niederlagen, darunter drei gegen die nicht wirklich konkurrenzfähigen San Diego Padres (41-54). Der Slump der Giants öffnet in der NL West die Tür für die seit Wochen in Lauerstellung befindlichen Los Angeles Dodgers (53-43), die allerdings ihrerseits nur zwei von fünf Spielen nach dem All-Star-Break gewinnen konnten und deren Starting Pitching von massiven Verletzungssorgen geplagt wird: Nach Alex Wood droht nun auch Megastar Clayton Kershaw eine OP mit mehrmonatiger Ausfallzeit und auch Hyun-Jin Ryu musste nach nur einem Start wieder auf die DL. Mit einer zusammengefassten Bilanz von 10-17 ist keine Division so schlecht aus der Pause gekommen wie die NL West.

American League

Keine Division macht dieses Jahr so viel Spaß wie die American League East. Zwischen Platz eins und Platz drei liegt rechnerisch nur ein einziges Spiel, wobei kurioserweise von den Dreien das Team mit den meisten Siegen gleichzeitig die meisten Niederlagen auf dem Konto hat und deswegen in der Tabelle hinter den beiden anderen steht. Ganz vorne sind seit heute Nacht zur Abwechslung die Boston Red Sox (53-39), hauchdünn vor den schlecht aus der Pause gekommenen Baltimore Orioles (53-40) und den Toronto Blue Jays (54-42). Und als ob ein Dreikampf nicht genug wäre, wehren sich auch die New York Yankees (48-46) mit zuletzt vier Siegen in Folge (drei davon gegen die Orioles) massiv dagegen, die Saison abzuhaken.

Die AL Central bleibt, was den Abstand zwischen Platz eins uns zwei betrifft, die Division mit den klarsten Verhältnissen. Die Cleveland Indians (56-38) haben in den ersten Spielen nach dem All-Star-Break das getan, was sie schon die gesamte Saison tun, nämlich Serien gegen ihre Divisionsgegner gewinnen, in dem Fall gegen die Minnesota Twins (35-59) und die Kansas City Royals (47-47). Durch den schwachen Start sowohl der Royals mit 2-4 als auch der Chicago White Sox (46-48) mit 1-5 in den zweiten Teil der Saison gibt es in der AL Central plötzlich nur noch zwei Teams mit einer Bilanz über .500. So sind die Detroit Tigers (49-46) momentan alleiniger Verfolger der Indians, aber mit zuletzt zwei Niederlagen gegen die Twins machen auch sie nicht den Eindruck, zu einer echten Aufholjagd fähig zu sein. Apropos Twins: Max Kepler kam seit dem All-Star-Break in allen sechs Spielen zum Einsatz. Leider gelangen ihm dabei in 23 At-Bats nur zwei Hits, aber immerhin waren beide Homeruns.

Ganz anders sieht es in der AL West aus, denn hier ist die seit Wochen anhaltende Aufholjagd der Houston Astros (51-44) nach wie vor in vollem Gange. Seit der Pause haben die Astros – wenngleich nur mit einer ausgeglichenen 3-3-Bilanz – weitere zwei Spiele auf die Texas Rangers (55-41) gut gemacht. Vor dreieinhalb Wochen lagen die Rangers noch scheinbar uneinholbar 10.0 Spiele vor den Astros, nun sind es nur noch 3.5. Nun müssen die Astros gegen die Los Angeles Angels (43-52) ran. Das sollte normalerweise eine mehr als lösbare Aufgabe sein, aber die Angels haben gerade zum ersten Mal in diesem Jahr einen echten Lauf und man darf gespannt sein, ob sie nach den White Sox und den Rangers auch den Astros in die Suppe spucken können. Mit den Seattle Mariners (48-47) hat die AL West noch ein weiteres Team mit knapp positivem Record. Die Mariners sind einer der Wackelkandidaten, von denen man nicht recht weiß, ob sie sich noch Hoffnung auf die Playoffs machen oder ob sie sich bereits auf nächstes Jahr konzentrieren; mir persönlich erscheinen sie zu unkonstant, als dass sie noch ernsthafte Chancen hätten, den Rückstand zum Divisionssieg oder Wild-Card-Platz aufzuholen.

Spielzug der Woche

Die beeindruckendste Einzelleistung dieser Woche hat in meinen Augen Hanley Ramirez vollbracht, der mit drei 2-Run-Homeruns quasi im Alleingang den Ausschlag zu Gunsten der Red Sox beim 11:7 über die Giants gab und seinem Team damit die Tabellenführung in der AL East bescherte. Die Giants hätten es sich wohl besser überlegen sollen, bevor sie Hanley Ramirez so sauer machten, dass er seinen dritten Homerun zwar nicht wie erklärtermaßen beabsichtigt zum Mond, aber zumindest bis an die Oberkante des grünen Monsters schlug…

Statistik der Woche

28 2/3 Innings. So lange schon hat der Bullpen der Yankees keinen Run zugelassen. Mir geht ja beim Schreiben kaum etwas so schwer von der Hand wie ein Lob für die Yankees, aber die Reliever-Truppe um Dellin Betances, Andrew Miller und Aroldis Chapman sucht wirklich ihresgleichen in der MLB. Respekt.

Spiel der Woche

Ich glaube, ich habe schon ein-, zweimal durchblicken lassen, dass ich ein großer Fan von Marathonspielen mit vielen Extra-Innings bin. Die Pirates und die Nationals haben sich letzten Sonntag ein solches geliefert, 18 Innings lang, und das zu einer Sendezeit, die es mir ohne allzu viel Schlafverlust ermöglichte, den üppigen Rest der Partie anzuschauen, nachdem das Spiel meiner Mets vorbei war. Dabei sah es bis zum letzten Strike des neunten Innings überhaupt nicht nach Verlängerung aus, aber Daniel Murphy – verletzungsbedingt nur als Pinch-Hitter im Einsatz – schaffte bei zwei Outs und einem 2-2-Count den ausgleichenden Homerun. Erst eine komplette Spieldauer später gelang erneut ein Run, übrigens wieder ein Homerun nach zwei Outs, dieses Mal aber für die Pirates durch Starling Marte. Interessant war die Aussage von Nationals-Manager Dusty Baker nach dem Spiel: Baker nahm die Niederlage auf seine Kappe, denn eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, Marte per Intentional Walk auf Base zu schicken, um Pitcher Jon Niese an den Schlag zu bringen. Genau das hatte Baker auch vor, aber er reagierte nicht schnell genug, um seine Anweisung anzuzeigen und schon hatte Marte gleich den ersten Pitch über den Zaun geschlagen.

Spiel der kommenden Woche

Die Mets und die Marlins duellieren sich das Wochenende über um Platz zwei der NL East hinter den Nationals und gleichzeitig um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Dodgers. Das reizvollste Pitcher-Matchup bietet dabei das Spiel am Samstag (bzw. Sonntagmorgen, 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit), in dem mit Jacob deGrom (2.38 ERA, 3.11 FIP) und Jose Fernandez (2.53 ERA, 2.08 FIP) zwei der besten Werfer der Liga aufeinandertreffen. Beide hatten ihren letzten Einsatz gegen die Phillies und beide haben dabei Glanzleistungen gezeigt, deGrom mit einem One-Hitter und Fernandez mit 14 Strikeouts.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , ,

Juli 14th, 2016 by Dominik

Seit letzten Donnerstag gab es zwar nur eine halbe Woche MLB, aber natürlich gibt es heute trotzdem einen vollwertigen Grand Slam, den wöchentlichen Überblick über die Liga – nicht zuletzt, weil „Ground Rule Double am Donnerstag“ sich irgendwie komisch anhören würde…
Dienstagnacht fand das All-Star-Game statt. Das Ergebnis (4:2 für die AL) ist relativ egal, außer dass wir jetzt wissen, dass der AL-Vertreter Heimrecht in den Spielen 1, 2, 6 und 7 der World Series genießt. Zum Einsatz kamen Spieler aus 29 der 30 MLB-Teams – aus allen außer den Mets, deren Vertreter Bartolo Colón und Jeurys Familia NL-Team-Manager (ausgerechnet) Terry Collins im Dugout ließ. Schade, ein Pinch-Hit-Einsatz von Bartolo hätte das Event deutlich aufgewertet.

American League

Mit 87 bis 91 absolvierten Spielen je Team ist etwas mehr als die Hälfte der Saison vorbei und in der American League East geht es nach wie vor am engsten zu: Die Baltimore Orioles (51-36), die Boston Red Sox (49-38) und die Toronto Blue Jays (51-40) liefern sich nahezu ein Kopf-an-Kopf-Rennen und man darf gespannt sein, welche Spielweise sich am Ende durchsetzt: die stark von Homeruns geprägte Offensive und durchschnittliche Defensive der Orioles; die ligaweit führende Offensivpower bei deutlich unterdurchschnittlichem Pitching der Red Sox; oder das starke Pitching der Blue Jays bei bislang nur leicht überdurchschnittlicher Offense. Hinter diesen Dreien haben sich heimlich, still und leise die New York Yankees (44-44) pünktlich zur Pause auf eine glatte .500-Bilanz hochgearbeitet. Ob mit ihnen noch zu rechnen ist, dürfte sich in den nächsten zehn Spielen abzeichnen, denn mit Boston, Baltimore und San Francisco erwarten die Yankees nun drei richtungsweisende Serien im eigenen Stadion. Definitiv nicht mehr zu rechnen ist mit den Tampa Bay Rays (34-54), die nach zehn Niederlagen in den letzten zehn Spielen weiter abgeschlagen sind denn je.

Die AL Central wird klar dominiert von den Cleveland Indians (52-36), basierend auf starkem Batting, noch besserem Pitching und der Angewohnheit, vor allem die wichtigen Spiele zu gewinnen: Die Hälfte ihrer 52 Siege haben die Indians innerhalb der eigenen Division geholt, 26-11 lautet die Bilanz und das, obwohl es sich bis auf die Minnesota Twins (32-56) um eine ziemlich starke Division handelt. Für Letzteres spricht, dass sich hinter Cleveland drei Teams mit positivem Record um Platz zwei balgen. Zur Pause haben die Detroit Tigers (46-43) trotz zuletzt nur zwei Siegen aus sieben Spielen noch knapp die Nase vor den Chicago White Sox (45-43) und den Kansas City Royals (45-43). Die Serie der Tigers gegen die Royals am kommenden Wochenende verspricht interessant zu werden.

In der AL West haben die Texas Rangers (54-36) immer noch den besten Record der gesamten AL, spüren aber mehr und mehr den Atem der Houston Astros (48-41) im Nacken, die sich nach schwachem Saisonstart seit knapp vier Wochen in der Aufholjagd befinden und nur noch 5.5 Siege zurückliegen. Noch nicht ganz aus dem Rennen sind die Seattle Mariners (45-44), die recht beständig um die .500-Marke oszillieren und ab morgen die Astros zu einer Drei-Spiele-Serie empfangen. Als einzige AL-Staffel beherbergt die West-Division mit den Oakland Athletics (38-51) und den Los Angeles Angels (37-52) zwei Teams, für die die Saison schon nach der Hälfte weitgehend gelaufen ist. Für beide dürfte die interessanteste Frage der nächsten zweieinhalb Wochen sein, welche Weichen für die Zukunft man bis zur Trade-Deadline am 1. August stellen kann. Gerade in Oakland wird mit einigen Trades zu rechnen sein, vor allem SP Rich Hill und 3B Danny Valencia dürften ziemlich sicher zu einem Contender wechseln, der bereit ist, für kurzfristige Verstärkung ein paar Prospects abzugeben. Rund um die Angels wird immer wieder mal über einen Blockbuster-Trade für Mike Trout spekuliert, der mir aber nach wie vor eher unrealistisch erscheint.

National League

Die National League East sah in den letzten vier Spielen vor der Pause das Spitzenduell zwischen den Washington Nationals (54-36) und den New York Mets (47-41) und trotz eines Auftaktsieges der Mets entschieden die Nationals die Serie letztendlich mit 3:1 klar für sich und zementierten ihre Führung mit nun 6.0 Siegen Vorsprung. Für die Mets war es eine sehr bittere Serie, denn neben der verpassten Chance, zum Spitzenreiter aufzuschließen, verletzten sich mit Yoenis Céspedes und Noah Syndergaard der beste Batter und der beste Pitcher des Teams und für Matt Harvey wurde zur traurigen Gewissheit, dass er operiert werden muss und für den Rest der Saison ausfällt. Zu allem Überfluss müssen die Mets sich nun Platz zwei mit den Miami Marlins (47-41) teilen, die mit einem Sweep über die Reds und einem Giancarlo Stanton, der seine Form wiedergefunden hat, in den All-Star-Break gehen. Die Philadelphia Phillies (42-48) sind mit 6.0 Siegen nicht weiter von den Mets und den Marlins – und damit von den Wild-Card-Plätzen – entfernt als diese von den Nationals. Ein ernstzunehmender Faktor sind sie in meinen Augen trotzdem nicht und das schreibe ich in vollem Bewusstsein über das Risiko, hier nächste Woche Abbitte leisten zu müssen, falls sich in den bevorstehenden Serien der Phillies gegen die Mets und die Marlins herausstellen sollte, dass ich falsch liege. Kein Risiko gehe ich hingegen mit der Aussage ein, dass die Atlanta Braves (31-58) den schlechtesten Record der gesamten MLB haben.

Den besten Record der MLB hatten lange die Chicago Cubs (53-35) in der NL Central, aber nach nur zwei Siegen aus den letzten elf Spielen wird kaum jemand so froh über die Pause sein wie sie. Mit 7.5 und 7.0 Siegen Vorsprung auf die St. Louis Cardinals (46-42) und die Pittsburgh Pirates (46-43) müssen die Cubs noch nicht wirklich weiche Knie bekommen, aber vor nicht mal einem Monat betrug der Vorsprung noch 12.5 Spiele und man sieht, wie schnell es gehen kann. Dabei können die Cubs noch von Glück sagen, dass beide Verfolger in den letzten 30 Tagen nicht gerade Wunderdinge vollbracht haben: Während Chicago für diesen Zeitraum eine Bilanz von 12-18 aufweist, sind es 16-14 für die Cardinals und 14-16 für die Pirates. Über die abgeschlagenen Milwaukee Brewers (38-49) und Cincinnati Reds (32-57) gibt es nicht viel zu sagen – außer vielleicht, dass die Reds mit großem Abstand die schlechteste Defensive der MLB aufbieten: 6.0 Runs kassieren sie durchschnittlich pro Spiel, Zweitschlechtester sind die Rockies mit 5.3.

Die San Francisco Giants (57-33) haben seit meinem letzten Übersichtsartikel noch mal vier Siege und keine Niederlage draufgepackt und sind somit mit dem eindeutig besten Record der MLB in die Pause gegangen. Erreicht haben sie das mit einer sehr guten Bilanz innerhalb der NL West (31-15), mit überragendem Erfolg in knappen Spielen (20-10 in 1-Run-Games) sowie mit einem offensiv wie defensiv ausgeglichen gutem Team (in Runs scored und Runs against jeweils Fünfter in der NL) – und natürlich mit ein paar herausragenden Einzelspielern, allen voran den Pitchern Madison Bumgarner (1.94 ERA, 2.96 FIP) und Johnny Cueto (2.47 ERA, 2.70 FIP). Dank der Los Angeles Dodgers (51-40) als derzeit stärkstem Zweitplatzierten der Liga wird es trotzdem nicht langweilig in der Division, die ab Platz drei allerdings deutlich abfällt mit den Colorado Rockies (40-48), den San Diego Padres (38-51) und den Arizona Diamondbacks (38-52), die allesamt bereits einen Haken an die Saison machen und sich gute Vorsätze für nächstes Jahr überlegen können.

Spielzug der Woche

Falls sich jemand gewundert hat, wo bei der Betrachtung der AL Central das Update zu Max Kepler geblieben ist: Das habe ich diese Woche hierher verschoben, um Keplers ersten Grand Slam angemessen zu würdigen. Es war übrigens der erste Grand Slam für die Twins im ganzen Jahr und er bereitete den Weg zum 15:5-Sieg des schlechtesten Teams der AL über das beste im letzten Spiel vor dem All-Star-Break. Der 23-jährige Berliner hat in den letzten 15 Spielen mit einem Average von .222 zwar nicht allzu oft den Ball getroffen, aber darüber lässt sich problemlos hinweg sehen, da er ihn im gleichen Zeitraum sechsmal über den Zaun geschlagen und 21 RBIs gesammelt hat und zudem regelmäßig Walks zieht. Mit einer OBP von .328 in den letzten 15 Spielen steht Kepler sehr solide da, kombiniert mit seinem .593 SLG im gleichen Zeitraum bringt er es auf starke .921 OPS und ist aus dem Team momentan nicht wegzudenken. Erfreulicherweise werden auch die deutschen Medien zunehmend aufmerksam auf unseren Lokalmatador.

Statistik der Woche

61. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass ich dem Home Run Derby keinen sportlichen Wert zumesse, aber an der unglaublichen Zahl von Homeruns, die Giancarlo Stanton bei der diesjährigen Veranstaltung geschlagen hat, komme ich an dieser Stelle kaum vorbei. Und es waren nicht nur mit großem Abstand die meisten, es waren auch die härtesten (die 20 schnellsten Bälle des Abends gingen allesamt von ihm aus) und die weitesten (durchschnittlich 446 Fuß, 16 mehr als Carlos Gonzalez mit den zweitweitesten). Mit 497 Yards schlug Stanton den längsten Homerun, der seit Einführung von Statcast gemessen wurde. Was für ein Glück, dass er es ab morgen wieder mit „richtigen“ Pitches zu tun bekommt.

Spiel der Woche

Meistens wähle ich hier ein besonders spannendes oder bedeutendes Spiel, aber dieses Mal vergebe ich die Auszeichnung für ein Spiel mit besonders vielen kuriosen Szenen. Das 4:2 der Giants gegen die Diamondbacks am vergangenen Samstag war zirkusreif: Zur heiteren Einstimmung im ersten Inning gab es zwar für niemanden eine Torte ins Gesicht, aber der Foulball von Paul Goldschmidt richtete eine mindestens gleichwertige Sauerei auf der Tribüne an. Im vierten Inning zeigte Giants-Catcher Buster Posey einen Zaubertrick mit Pitcher Jake Peavy. Die Jonglage-Nummer von Jake Lamb ging leider schief, aber die Interpretation des dummen Augusts von Javier Lopez war ein voller Erfolg.

Spiel der kommenden Woche

Für die nächsten drei Tage steht mal wieder das ewig reizvolle Duell der Boston Red Sox und der New York Yankees an. Für beide Teams ist ein guter Start in den zweiten Teil der Saison wichtig: Die Red Sox wollen im Dreikampf an der Spitze der NL East nicht an Boden verlieren, die Yankees hingegen möchten gern einen Vierkampf daraus machen und müssen dafür beweisen, dass sie mehr drauf haben als den bisher gezeigten .500-Ball. Als konkreten Einschalttipp wähle ich Spiel zwei der Serie. Mit Steven Wright gegen C. C. Sabathia bietet es das interessanteste Pitching-Matchup der drei Partien und ab 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit kann man es sich gut anschauen, sofern man am Samstagabend nichts anderes vorhat.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , ,

Juni 23rd, 2016 by Dominik

Wie jeden Donnerstag blicke ich zurück auf das Geschehen der letzten sieben Tage sowie auf die aktuellen Stände in der MLB. Mit den Texas Rangers und den San Francisco Giants haben inzwischen zwei Teams in ihrer Bilanz fast zu den vor Kurzem noch weit enteilt scheinenden Chicago Cubs aufgeschlossen.

National League

Das Bild in der National League hat sich zwar insofern nicht verändert, dass nach wie vor in allen drei Divisionen die Spitzenreiter mit deutlichem Vorsprung führen. Neu ist jedoch, dass die Dominanz der Chicago Cubs (47-23), die die bisherige NL-Saison geprägt hatte, erheblich zusammengeschrumpft ist. Grund dafür ist vor allem der momentane Lauf der San Francisco Giants (46-27), die von ihren letzten elf Spielen zehn gewonnen haben.

Für die Los Angeles Dodgers (41-33) muss die Situation in der NL West frustrierend sein, denn auch sie sind zurzeit sehr gut drauf mit sechs Siegen in Folge, aber trotzdem kommen sie den Giants keinen Zentimeter näher. Dennoch war die Siegesserie natürlich wichtig und hilfreich, um einerseits nicht völlig den Anschluss zu verlieren und andererseits die Colorado Rockies (34-37) auf Distanz zu halten. Mit starker Offense und schwacher Defense – pro Spiel haben sie bisher 5,1:5,2 Runs gescort – sind die Rockies ein Garant für unterhaltsame Spiele, aber auch ein Garant dafür, dass das allenfalls für Mittelmaß reicht.

Die Cubs finden sich erstmals in diesem Jahr in einer nur mittelmäßigen Phase (8-8 in den letzten 16 Spielen) wieder und haben sich in den vergangenen drei Tagen zu Hause von NL-Central-Konkurrent St. Louis Cardinals (38-33) sweepen lassen. Man darf gespannt sein, wie sie mit diesen ersten Widrigkeiten auf dem bisher reibungslosen Durchmarsch umgehen. Grund zur Panik besteht aber nicht, denn die Cardinals stehen immer noch 9,5 Spiele hinter den Cubs und sind bereits der einzige verbliebene Verfolger, nachdem die Pittsburgh Pirates (34-38) mit bisher 5-16 in diesem Monat völlig von der Rolle sind und inzwischen unter .500 stehen – was für Milwaukee (32-40) und Cincinnati (28-44) ohnehin Normalzustand ist und bleiben wird.

Die NL East sah Anfang der Woche noch so aus, als ob ich hier über größere Umwälzungen berichten müsste: Die Washington Nationals (43-30) schienen dem Verfolger New York Mets (38-32) zu enteilen, welcher übers Wochenende einen Heim-Sweep ausgerechnet gegen die vermeintlich zahnlosen Atlanta Braves (24-47) kassiert hatte und sich für einen Tag sogar nur noch auf Platz drei hinter den überraschend konstanten Miami Marlins (38-34) wiederfand. Nach fünf Niederlagen der Nationals hintereinander und einem Mini-Sweep der Mets über die Kansas City Royals ist das Tabellenbild aber wieder das alte und die East immer noch die spannendste Division der NL.

American League

Genau wie in der National League findet sich auch in der American League die spannendste Division im Osten. Das letzten Donnerstag von mir zum Spiel der Woche erklärte Duell um die Spitze haben die Baltimore Orioles (41-30) gegen die Boston Red Sox (39-32) gewonnen und darauf gründet bis heute ihre knappe Führung in der Tabelle, in der auch die Toronto Blue Jays (40-34) noch voll dabei sind. Noch ein Wort zum Schlusslicht Tampa Bay Rays (31-39): Die wurden von mir letzte Woche noch lobend erwähnt, weil sie zwei starke Wochen gespielt hatten und fast schon bei .500 standen. Seitdem haben sie sieben Spiele in Folge verloren und sind nun wieder deutlich abgeschlagen. Andererseits, was heißt schon abgeschlagen? Mit 9,5 Spielen Rückstand auf Baltimore sind sie als Divisionsletzter verblüffenderweise nicht weiter weg vom Führenden als es in der NL Central und der AL West die Zweitplatzierten sind.

Der Zweitplatzierte in der AL West sind seit Neuestem die Houston Astros (37-36), die nach einer Serie von fünf Siegen zum ersten Mal nach Saisonbeginn über .500 stehen und damit die Seattle Mariners (36-36), die ihrerseits fünf Spiele hintereinander verloren haben, überholt haben. Mit 10 bzw. 10,5 Spielen Vorsprung auf die Astros und die Mariners wird es um die Texas Rangers (47-26) an der Spitze immer einsamer. Acht Siege stehen aus den letzten neun Spielen zu Buche und mit 16-5 die beste Juni-Bilanz der gesamten MLB.

Beim Korrekturlesen dieses Artikels ist mir gerade noch aufgefallen, dass ich im ersten Anlauf die AL Central vergessen hatte. Komisch, diese Division fliegt bei mir oft ein bisschen unter dem Radar und ich weiß nicht mal warum. Immerhin beherbergt sie als einzige Division vier Teams, die auf oder über .500 stehen, darunter die führenden Cleveland Indians (41-30) mit ihrer beeindruckenden Heimserie (siehe unten) und die amtierenden World Champions Kansas City Royals (38-33). Die Detroit Tigers (37-35) und die Chicago White Sox (36-36) sind ebenfalls nah an der Spitze dran und die Minnesota Twins (23-48) als einziges abgeschlagenes Team sind auch nicht uninteressant und sei es nur, weil dort Max Kepler spielt. Der hat am Sonntag gegen die Yankees seinen zweiten MLB-Homerun geschlagen und seine Slashline mittlerweile auf ordentliche .247/.319/.420 ausgebaut, in den letzten 14 Tagen waren es gar .311/.360/.556. Wenn er weiterhin so überzeugt, kann er sich wohl Hoffnung machen auch nach Miguel Sanos Genesung im MLB-Roster zu bleiben und zu spielen.

Spielzug der Woche

Heute Morgen beim Zähneputzen hat mich der spektakuläre Walk-Off der Dodgers gegen die Nationals glänzend unterhalten: Beim Spielstand von 2:3 im unteren neunten Inning mit einem Aus und Howie Kendrick auf der ersten Base schlug Yasiel Puig einen harten Grounder ins Center Field, aus dem quasi alles hätte werden können: Fängt ihn Danny Espinosa, wird es ein Double Play und das Spiel ist zu Ende; nimmt Michael Taylor ihn auf, wird es ein Single und das Spiel bleibt spannend; greift Michael Taylor am Ball vorbei, laufen beide Runner bis zur Homeplate durch und das Spiel ist ebenfalls zu Ende, nur eben andersherum, und genau das ist passiert. Taylor kann einem Leid tun, denn der „Little League Homerun“ (offiziell als Error gescort) war für ihn nur der letzte Akt eines Auftritts, den er ganz schnell vergessen möchte – an der Platte hatte es für ihn zuvor bei fünf Versuchen fünf Strikeouts gesetzt.

Statistik der Woche

11-0. Das ist die Heimspielbilanz der Cleveland Indians im Juni (für den Rest des Monats stehen nur noch Auswärtsspiele an). Es ist der erste perfekte Monat eines MLB-Teams im eigenen Stadion seit im September 2004 den Houston Astros das gleiche Kunststück gelungen ist. Zu den engen Favoriten auf die World Series zählen die Indians deswegen zwar in meinen Augen noch nicht, aber ich kann verstehen, dass in Cleveland nun viele vom ganz großen Erfolg träumen, wenn man das Team im Ballpark einen Monat lang immer nur gewinnen sieht und obendrein noch ganz im Freudentaumel über die frisch in die Stadt geholte NBA-Meisterschaft schwelgt.

Spiel der Woche

In den vergangenen sieben Tagen ist mir kein absolutes Kracherspiel ins Auge gefallen, aber eine interessante Eigenheit – sogar einen MLB-Rekord – gab es beim Aufeinandertreffen der Miami Marlins und der Colorado Rockies am Montag: Alle acht Runs beim 5:3-Sieg der Rockies wurden durch Solo-Homeruns erzielt; damit wurde der bisherige Rekord von fünf solcher Homeruns in einem Spiel ohne sonstige Scores regelrecht zerschmettert. Marcell Ozuna von den Marlins und Mark Reynolds von den Rockies spielten mit jeweils zwei Homeruns die Hauptrolle.

Spiel der kommenden Woche

Diese Woche wähle ich an der Stelle kein einzelnes Spiel sondern eine Serie und zwar die der New York Mets gegen die Washington Nationals, die von Montag bis Mittwoch ansteht. Wenn es bei den voraussichtlichen Startern bleibt, werden wir mit Syndergaard gegen Roark, Harvey gegen Ross und Matz gegen Scherzer drei sehr hochkarätige Pitcherduelle erleben und je nachdem, ob eines der Teams die Serie deutlich für sich entscheiden kann, kann davon eine Signalwirkung ausgehen, auf wie viel Spannung wir uns im Kampf um die NL East in nächster Zeit einstellen dürfen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , ,

Juni 13th, 2016 by Dominik

Max Kepler hat letzte Nacht seinen ersten Homerun in der MLB geschlagen. Grund genug für mich, mal einen näheren Blick auf ihn und andere Deutsche in der MLB und den Minors zu werfen.

Der historische Abriss zu diesem Thema kann relativ kurz ausfallen, denn Kepler ist erst der zweite Deutsche überhaupt, der es bis in die höchste amerikanische Profiliga geschafft hat. Vor ihm ist dies nur OF/1B Donald Lutz gelungen, der 2013 und 2014 insgesamt 113 Plate Appearances für die Cinicinnati Reds absolvierte. Mit einer Slashline von .211/.239/.284 liest sich Lutz‘ bisherige MLB-Bilanz eher bescheiden. Nachdem er 2015 von einer Ellbogenverletzung heimgesucht wurde, spielt er dieses Jahr „nur“ im AA-Team der Reds in Pensacola, wo er allerdings auch lediglich .212/.263/.281 schlägt. Seine Aussicht auf weitere Spielzeit in der MLB dürfte somit zurzeit gering sein, aber mit 27 Jahren ist der Zug noch nicht abgefahren. Die Einträge in die Geschichtsbücher als erster Deutscher, der in der MLB spielen durfte (am 29. April 2013), sowie als erster Deutscher, dem dabei ein Homerun gelang (am 12. Mai 2013), kann dem im hessischen Friedberg aufgewachsenen Lutz jedenfalls niemand mehr nehmen.

Beeindruckende MLB-Statistiken kann Max Kepler bisher zwar ebenfalls nicht vorweisen (.200/.279/.327 nach 61 Plate Appearances 2015/2016), aber er ist auch erst 23 Jahre alt und hat in den Minor Leagues immerhin schon so sehr überzeugt, dass er als Top-40-Prospect für die MLB gelistet wird. Mit den Minnesota Twins ist der Outfielder bei einem Team gelandet, das momentan eines der schwächsten der Liga ist. Aber die Twins werden auch als Franchise mit einem der besten Farmsysteme gepriesen und dürften mit ihrer Ausrichtung, nicht jetzt aber in zwei bis drei Jahren oben mitspielen zu wollen, das ideale Umfeld für ein Talent wie Kepler darstellen. Gut möglich, dass der Berliner noch einmal in die Minors geschickt wird, sobald sich die Verletztenliste der Twins wieder etwas leert, insbesondere wenn Miguel Sano zurückkehrt, den Kepler zurzeit im Right Field vertritt. Aber seine Zeit wird kommen und sein 3-Run-Walkoff-Homer gegen die Red Sox gestern Abend war hoffentlich nur ein Vorgeschmack auf die lange und erfolgreiche MLB-Karriere, die ich ihm wünsche.

Neben Kepler und Lutz machen sich noch zwei weitere Spieler deutscher Staatsangehörigkeit insofern berechtigte Hoffnungen auf zukünftige MLB-Einsätze, als sie in den Minor Leagues unter Vertrag stehen: Der 20-jährige Sven Schüller spielt als Pitcher in der Organisation der Los Angeles Dodgers, der 18-jährige Nadir Ljatifi als Infielder in der Organisation der Cincinnati Reds. Beide waren 2015 in den jeweiligen Affiliates ihrer Franchises in der Arizona League, einer Rookie-Liga aktiv, die nächste Woche den Spielbetrieb 2016 aufnimmt. Von der MLB trennen beide, falls sie es jemals bis dorthin schaffen, definitiv noch mehrere Jahre.

Leider habe ich bisher keine Seite gefunden, auf der man die MLB- und MiLB-Rosters nach Staatsangehörigkeit durchsuchen kann, insofern musste ich die Infos über deutsche Spieler in breit angelegter Recherche zusammenklauben und hoffe, niemanden übersehen zu haben. Falls doch, dann seid bitte so nett und teilt es mir per Kommentar, E-Mail oder Twitter (@Baseblog_de) mit.

Posted in Minor Leagues, MLB Tagged with: , ,