Mai 4th, 2017 by Dominik

Vor gut drei Wochen habe ich bei einem Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre festgestellt, dass die Chancen auf das Erreichen der Playoffs sehr gering sind, wenn man Ende April bei unter 40% Siegen steht. Jetzt sind wir schon ein paar Tage im Mai und es scheint an der Zeit, sich von einigen Teams für dieses Jahr zu verabschieden: Die Toronto Blue Jays, die San Francisco Giants, die Texas Rangers und die Kansas City Royals stehen allesamt unter den erwähnten 40% und brauchen schon ein kleines Wunder, um aus dem Loch noch heraus zu kommen, dass sie sich selbst gegraben haben. Hier der gewohnte wöchentliche Überblick, was sich sonst so tut in der MLB:

National League
Die National League East wird nach wie vor sehr deutlich dominiert von den Washington Nationals (18-9), die vor allem mit ihrer Offense die Liga rocken. Mit 175 erzielten Runs führen sie die MLB mit großem Abstand vor den Yankees und den Diamondbacks (je 148) an und auch ihr Run Differential von +46 ist das beste der Liga. Einen großen Beitrag dazu leistete das 23:5 über die New York Mets (12-15). Allerdings täuscht dieses Resultat leicht darüber hinweg, dass die Serie gegen die Mets eher ein Rückschlag für die Nationals war, die nicht nur die beiden anderen Spiele verloren sondern auch den in der Offseason teuer ertradeten Outfielder Adam Eaton, der sich einen Kreuzbandriss zuzog. Die Mets haben ihrerseits große Verletzungssorgen: Neu auf der ohnehin schon langen und hochkarätig besetzten Abwesenheitsliste ist Pitching-Ass Noah Syndergaard, der mit einem gerissenen oder angerissenen Rückenmuskel voraussichtlich rund drei Monate lang ausfallen wird.

Deutlich ausgeglichener als die NL East ist die Lage in der NL Central. Die favorisierten Chicago Cubs (15-12) liegen vorne, aber die Milwaukee Brewers (13-13) und die St. Louis Cardinals (12-12) sind nicht weit zurück und alle drei haben in der Woche seit Freitag im Gleichschritt genauso viele Spiele gewonnen wie sie verloren haben. Das gilt im übrigen auch für die Pittsburgh Pirates (12-15), sodass die Cincinnati Reds (13-14) mit drei Siegen und zwei Niederlagen die einzigen in der Division sind, für die sich in der vergangenen Woche irgendetwas bewegt hat.

Auch in der NL West hat sich am Tabellenbild seit letzter Woche nichts Nennenswertes verändert, doch das allein ist nach wie vor Überraschung genug: Die Colorado Rockies (17-11) und die Arizona Diamondbacks (17-12) halten sich wacker an der Spitze und die Los Angeles Dodgers (15-14) tun bislang zu wenig, um daran etwas zu ändern – insbesondere kamen sie gegen die beiden Konkurrenten bisher nicht über Splits in den Heim- und Niederlagen in den Auswärtsserien hinaus und auch gegen die ansonsten recht desolaten San Francisco Giants (11-18) tun sich die Dodgers schwer. Siebenmal trafen die beiden Traditionsrivalen an den letzten zehn Tagen aufeinander, viermal behielten die Giants die Oberhand. Eine schlechte Nachricht für die Diamondbacks muss ich leider noch erwähnen: SP Shelby Miller muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen, für ihn ist die Saison somit definitiv gelaufen.

American League
In der American League East muss man sich wohl langsam, aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass die New York Yankees (17-9) „for real“ sind. Seit letzter Woche haben sie drei weitere Serien gegen die Divisionsrivalen Baltimore Orioles (16-10), Boston Red Sox (15-12) und Toronto Blue Jays (9-19) gewonnen. Jetzt bin ich besonders gespannt auf das anstehende Drei-Spiele-Duell gegen den amtierenden Champion Chicago Cubs (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Derweil scheint sich zwischen den Red Sox und den Orioles momentan eine Rivalität zu entwickeln, die das gesunde Maß bereits deutlich überschritten hat. Es ging los mit einem ungestümen, aber offenbar unabsichtlichen Slide von Baltimores Manny Machado an die zweite Base, bei dem sich Bostons Dustin Pedroia verletzte und für ein paar Tage ausfiel. Getreu den sogenannten „unwritten rules“ im Baseball warf Red-Sox-Pitcher Eduardo Rodriguez im folgenden Spiel den Ball mehrfach inside in Richtung von Machados Knien – das ist allein schon albern genug, aber die Sache hätte damit zumindest erledigt sein müssen. Stattdessen eskalierte Reliever Matt Barnes die Situation, indem er bei nächster Gelegenheit knapp hinter den Kopf von Machado warf. Barnes wurde dafür mit Recht vier Spiele lang gesperrt. War es das nun endlich? Nein, entschied Chris Sale, das Pitching-Ass der Red Sox, und warf beim vorgestrigen Aufeinandertreffen schon wieder einen Ball hinter Machado, der später mit einem Homerun und einer angemessenen Tirade antwortete. Liebe Red Sox, ich habe euch immer gemocht, aber was soll dieser Schwachsinn? Ganz zu schweigen von den rassistischen Anfeindungen, die sich Orioles-Outfielder Adam Jones am 1. Mai durch offenbar mehrere Dutzend Zuschauer im Fenway Park anhören musste. Haben diese Vollidioten etwa schon vergessen, dass der von ihnen jahrelang als Idol gefeierte Big Papi David Ortiz die gleiche Hautfarbe hat wie der Gegenspieler, den sie nun mit dem N-Wort beschimpften und mit Erdnüssen bewarfen?

Zurück zum Sport. In der AL Central sind die Minnesota Twins (14-11) mit vier Siegen hintereinander und sechs aus den letzten sieben Spielen zurück an die Spitze gestürmt. Die Cleveland Indians (15-12) hatten am Dienstag einen bitteren Abend, als sie nicht nur das Spiel gegen die Detroit Tigers (14-13) und die Tabellenführung verloren sondern auch Pitcher Corey Kluber, der mit Rückenbeschwerden auf die Verletztenliste gesetzt werden musste. Die Chicago White Sox (14-12) und die Kansas City Royals (9-17) sorgten zwischenzeitlich für Schlagzeilen, indem Erstere sechs Siege und Letztere neun Niederlagen in Folge einfuhren. In den letzten drei Tagen gewannen aber die Royals zwei von drei Spielen gegen die White Sox. Die extremen Trends sind somit beide erstmal gestoppt.

Die Houston Astros (19-9) weisen mittlerweile nicht mehr nur in der AL West sondern in der gesamten MLB die beste Bilanz auf. Nach drei Siegen hintereinander gegen die Texas Rangers (11-17) herrschen klare Verhältnisse in der Lokalrivalität. Als wären die Rangers nicht schon gebeutelt genug, fällt nun auch noch Pitcher Cole Hamels für mehrere Monate aus. Da auch die Seattle Mariners (12-16) nach wie vor nicht wirklich in Tritt kommen und die Oakland Athletics (11-16) nach ordentlichem Start inzwischen deutlich eingebrochen sind, richten sich die Los Angeles Angels (15-14) in der Rolle des derzeit einzigen Verfolgers der Astros ein. Die übers Wochenende anstehende Serie zwischen den Astros und den Angels verspricht interessant zu werden.

Szene der Woche
Die Versuchung war groß, hier den Pickoff durch Jon Lester gegen Aaron Altherr zu küren – Würfe zur ersten Base sind bekanntlich die große Schwäche des Cubs-Pitchers und ein Pickoff-Throw durch ihn ist schon eine Sondermeldung wert. Aber da dieser hier „nur“ an die zweite Base ging, erlaube ich mir als Szene der Woche das Triple Play der Orioles gegen die Red Sox vorzuziehen. Ein Triple Play ist immer sehenswert, aber dieses war ganz besonders kurios, weil es nur durch Fehler von fast allen Beteiligten zustande kam: die Umpires signalisieren keinen Infield Fly, Orioles-Shortstop J. J. Hardy fängt den Ball nicht, die Baserunner Mitch Moreland und Dustin Pedroia laufen nicht los, Batter/Runner Jackie Bradley Jr. bricht den Weg zur ersten Base ab und plötzlich sind alle drei Spieler aus statt nur einem.

Statistik der Woche 
32. So viele Runs erzielte Bryce Harper im April und stellte damit einen neuen MLB-Rekord auf, den bislang Larry Walker mit 29 Runs im April 1997 gehalten hatte. Mit dieser Leistung stellt er sogar seinen Teamkollegen bei den Washington Nationals, Anthony Rendon, in den Schatten. Dieser legte diese Woche ebenfalls beeindruckende Zahlen vor, allerdings vor allem in Bezug auf ein einzelnes Spiel und nicht wie Harper auf einen ganzen Monat: Beim 23:5 über die Mets erzielte er in sechs Plate Appearances sechs Hits, davon drei Homeruns, und insgesamt 10 RBIs – in ihrer Gesamtheit ebenfalls eine in der MLB-Geschichte noch nie dagewesene Leistung.

Spiel(e) der Woche
Auf das Podest des Spiels der Woche setze ich dieses Mal gleichrangig zwei Partien, in denen es eindrucksvolle Comebacks zu sehen gab: Das eine geht auf das Konto der New York Yankees, die aus 1:9- und 4:11-Rückständen gegen die Baltimore Orioles mit Hilfe von fünf Homeruns einen 14:11-Sieg nach zehn Innings machten. Das andere war ein 6:5 der Los Angeles Dodgers über die Philadelphia Philles. Mit einem 2:5-Rückstand waren die Dodgers in den Bottom des neunten Innings gegangen, bevor Yasiel Puig, Cody Bellinger und Justin Turner mit Back-to-Back-to-Back-Homeruns gegen Phillies-Closer Hector Neris den Ausgleich besorgten. Zwei Outs später brachte ein Walkoff-Single von Adrian Gonzalez das Spiel nach Hause

Spiel der kommenden Woche
Zwei sehr reizvolle Duelle stehen übers Wochenende an: zum einen das der Houston Astros gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, zum anderen das der Chicago Cubs gegen die New York Yankees. Das erste Spiel des Titelverteidigers gegen den wiedererstarkten Rekordmeister ist mein Einschalttipp der Woche: Am Freitag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los, auf dem Mound werden voraussichtlich Kyle Hendricks (4.18 ERA) für die Cubs und Michael Pineda (3.14 ERA) für die Yankees stehen.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , , , , , , , , , , , , , ,

Oktober 27th, 2016 by Dominik

Der Grand Slam am Donnerstag ändert für diese Woche ein bisschen seine Form, da die nach National League und American League getrennte Betrachtung während der World Series keinen Sinn hat. Natürlich könnte ich den Blick auch etwas weiter schweifen lassen, denn für 28 Teams läuft bereits die Planung für die neue Saison auf Hochtouren und es gibt durchaus ein paar interessante Storylines: Wer wird neuer GM bei den Red Sox? Wer wird die Diamondbacks managen? Wird Yoenis Cespedes die Ausstiegsklausel in seinem Vertrag mit den Mets ziehen? Ich muss aber sagen, dass das alles – mit Ausnahme der Mets-Themen – sich für mich zurzeit ziemlich weit weg anfühlt, weil meine gesamte für Baseball verfügbare Aufmerksamkeit sich gerade auf die Serie aller Serien richtet, die deshalb in dieser Woche das einzige Thema dieses Artikels bleibt.

Die World Series
Bislang hält die Serie das, was sie versprochen hat: 1:1 steht es nach den beiden Spielen in Cleveland. Jedes der beiden Teams hat bislang einmal demonstrieren können, dass es in der Lage ist, den hochkarätigen Gegner deutlich zu schlagen.

Für die Indians war es Pflichtprogramm, mindestens eines der Heimspiele zu gewinnen, und diese Pflicht haben sie durch einen rundum dominanten Auftritt unter Führung von Starter Corey Kluber beim 6:0 in Spiel 1 erfüllt. Im zweiten Spiel allerdings waren Trevor Bauer & Co. einem fantastisch aufgelegten Jake Arrieta und dem Comeback-Kid Kyle Schwarber nicht gewachsen und unterlagen verdient mit 1:5.

Spiel 3 findet Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit statt und alle Anzeichen sprechen für eine klare Favoritenrolle der Cubs: Chicago spielt erstmals in dieser Serie (und erstmals seit 71 Jahren in einer World Series!) im eigenen Stadion und auf dem Mound steht Cy-Young-Anwärter Kyle Hendricks (ERA 2.13 ERA in der regulären Saison / 1.65 in 3 Postseason-Starts). Sein Gegenüber ist Josh Tomlin (4.40 / 2.53), der mit zwei starken Starts gegen die Red Sox und die Blue Jays zu den vielen positiven Überraschungen dieser Postseason bei den Indians zählt, aber definitiv eine Klasse unter Hendricks einzuordnen ist. Allerdings hat Cleveland seine Top-Reliever Andrew Miller und Cody Allen ausgeruht in der Hinterhand, nachdem gestern Nacht beide nicht zum Einsatz kamen.

Spielzug der Woche
Diese Kategorie nutze ich heute mal, um öffentlich Abbitte bei Roberto Perez für die Einschätzung in meinem Vorschau-Artikel zu leisten. Ich schrieb dort vor ein paar Tagen, Perez sei ein „guter Catcher, offensiv aber zu vernachlässigen“. Ich glaube zwar nicht, dass er das gelesen hat, aber wenn doch, dann wäre es ein guter Grund gewesen, sich zu sagen: „Dem zeige ich es“. Jedenfalls hat der gute Mann in Spiel 1 gleich mal zwei Homeruns rausgehauen, die ich hiermit zu den Spielzügen der Woche erkläre und mit der Feststellung verbinde: Roberto Perez ist ein guter Catcher und in der World Series auch offensiv nicht zu vernachlässigen.

Statistik der Woche
0. So viele Hits hat Kyle Schwarber in dieser Saison vor der World Series erzielt. Der Outfielder und Catcher, der letztes Jahr eine gute Rookie-Saison und vor allem eine starke Postseason gespielt hatte, verletzte sich nach nur zwei Spielen der laufenden Saison schwer am Knie. Dass er dieses Jahr noch mal ins Geschehen eingreifen würde, hat wohl kaum jemand erwartet, aber pünktlich zur World Series meldete Schwarber sich einsatzbereit, kam prompt in beiden Spielen als Designated Hitter zum Zuge und lieferte einen ordentlichen Beitrag mit drei Hits und zwei RBIs. Schwarber ist damit der erste Positionsspieler der MLB-Geschichte, der seinen ersten Hit der Saison in der World Series erzielt hat. Man darf gespannt sein, in welcher Form er in den Spielen drei bis fünf genutzt wird. Vermutlich wird er nur als Pinch Hitter zur Verfügung stehen, weil ein Einsatz im Feld nach der Verletzung verfrüht wäre.

Spiel der Woche
Von den zwei bisherigen Spielen drängt sich nicht gerade eines gegenüber dem anderen auf. Beide waren unterhaltsam, beide endeten mit einem klaren Ergebnis für den jeweiligen Sieger. Aber da ich diese Kategorie nun mal eingeführt habe, treffe ich auch eine Entscheidung und zwar für Spiel 2. Warum? Weil ich in diesem Artikel noch gar nicht erwähnt habe, dass Jake Arrieta zumindest aus der Ferne mit einem No-Hitter geliebäugelt hat. 5.1 Innings behielt er eine reine Weste, bevor er schließlich einen Double von Jason Kipnis zuließ. Das war immerhin die längste No-Hit-Strecke in einem World-Series-Spiel seit 1969. Arrieta, Mike Montgomery und Aroldis Chapman hielten die Indians im gesamten Spiel bei vier Hits und einem Run.

Spiel der kommenden Woche
Natürlich kann ich mich irren, aber die Rollen für Spiel 3 erscheinen mir – wie oben schon erwähnt – recht eindeutig verteilt. Anders sieht es in Spiel 4 aus, das Samstagnacht um 2 Uhr unserer Zeit beginnen wird. Mit Corey Kluber (ERA 3.14 Saison / 0.74 Postseason) schicken die Indians ihren besten und zuverlässigsten Starter auf den Mound und wenn sie in dieser Serie eine Chance haben wollen, dann muss deren Basis sein, dass sie Klubers Spiele gewinnen. Die Cubs-Rotation besteht nur aus Assen und ein solches wird in Person von John Lackey (3.35 / 5.63) auch am Samstag starten, aber dies ist wohl das einzige Starter-Matchup der Serie, in dem die Indians leicht favorisiert sind. Verlieren sie es, sehe ich für ihre Titelchancen schwarz; gewinnen sie es, bleibt alles möglich.

Posted in Grand Slam, MLB Tagged with: , , , , , ,