Oktober 19th, 2017 by Dominik

Nächsten Dienstag beginnt die World Series. Noch wissen wir nicht, welche Teams dann um den höchsten Titel im Baseball gegeneinander antreten werden, doch schon heute Nacht kann die erste Entscheidung darüber fallen und morgen die zweite. Im Grand Slam am Donnerstag konzentriere ich mich heute ganz auf das aktuelle sportliche Geschehen. Gleichzeitig vollziehen sich auch jenseits der Spielfelder hochinteressante Entwicklungen. Diese könnten zu einer massiven Umstruktierung der MLB führen. Aber dieses Thema hebe ich mir für einen eigenen Artikel auf, der innerhalb der nächsten Tage folgen wird.

National League
Die Los Angeles Dodgers waren nah dran, nach der NLDS auch die NLCS zu sweepen: Mit 3:0 Siegen lagen sie bereits in Führung, bevor sie letzte Nacht zum ersten Mal in dieser Postseason ein Spiel abgeben mussten. Die Offense der Chicago Cubs, die sich seit einigen Spielen im Tiefschlaf befand, ist nicht gerade explodiert, bekam aber gerade genug Runs beisammen, um aus dem starken Start von Jake Arrieta einen 3:2-Erfolg herauszuholen. Zwei davon waren Solo-Homeruns von Javier Baez, der zuvor mit 0 Hits aus seinen letzten 20 At-Bats gegangen war.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steht Spiel fünf an und wenn die Cubs danach noch im Rennen sein wollen, müssen sie sich wohl eine Menge einfallen lassen. Denn mit einer abgekühlten Offense gegen einen der (wahrscheinlich sogar den) besten Pitcher der Welt, Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP), antreten zu müssen, klingt nicht allzu vielversprechend. Mit José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) schicken auch die Cubs einen Top-Pitcher auf den Mound, der beim letzten Aufeinandertreffen in Spiel eins genau wie Kershaw fünf Innings durchhielt und zwei Runs zuließ. Der Bullpen verlor schließlich die Partie mit 2:5. Mein Tipp ist, dass es heute ähnlich laufen wird, denn ich wüsste beim besten Willen nicht, auf welcher Basis ich der Kombination aus Kershaw und dem Bullpen der Dodgers etwas anderes prophezeien sollte als den vierten Sieg und den Einzug in die World Series.

American League
Während in der NL die Rollen des Favoriten und des Außenseiters klar verteilt sind, scheint der Ausgang der ALCS noch weit offen. Die Houston Astros gewannen ihre beiden Heimspiele, getragen von Dallas Keuchel und Justin Verlander, anschließend siegten aber dreimal hintereinander die New York Yankees in ihren eigenen Heimspielen. Wenn es nach diesem Muster weitergeht, haben die Astros beste Chancen, da sie das Heimrecht für die Spiele fünf und sechs besitzen. Doch der Druck, der nach der vergebenen 2:0-Führung auf ihnen lastet, dürfte enorm sein. Die Yankees hingegen können sich von der Euphorie tragen lassen, gestern Abend sogar gegen ihren Angstgegner Keuchel einen astreinen 5:0-Sieg eingefahren zu haben und nur noch einen Sieg von der World Series entfernt zu sein.

Den ersten von zwei Matchbällen haben die Yankees morgen Nacht ab 2 Uhr mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) gegen Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). In Spiel zwei gab es dieses Duell schon einmal und es ging deutlich an Verlander, der neun dominante Innings pitchte (siehe Statistik der Woche), während Severino schon nach vier Innings vorsichtshalber ausgewechselt wurde, nachdem er einen Ball ans linke Handgelenk bekommen hatte. Nach einer Bullpen-Session am Mittwoch gab es aber grünes Licht für seinen Einsatz. Es wird sicher spannend, aber ich tippe auf einen Sieg der Astros und somit auf ein alles entscheidendes Spiel sieben am Samstag.

Szene der Woche
Einen der wohl seltsamsten Spielzüge des Jahres gab es am Dienstag in Spiel vier der ALCS: Es ging los mit einem Walk für Aaron Judge, gefolgt von einem Lineout durch Didi Gregorius – soweit alles normal. Als nächstes war Gary Sanchez an der Reihe, der einen Flyball ins halbrechte Outfield schlug. Für Judge sah der Ball wohl nach einem wahrscheinlichen Basehit aus, deshalb war er schon über die zweite Base hinaus gerannt, bevor er seinen Fehler bemerkte und sich schnell auf den Weg zurück zur ersten Base begab. Der Wurf dorthin von Astros-Outfielder Josh Reddick war schwach, er sprang ein paarmal auf und kam nach Ansicht des Umpires gerade noch rechtzeitig für das Out an. Yankees-Manager Joe Girardi ließ die Entscheidung überprüfen und sie wurde zurückgenommen: Judge war safe an der ersten Base. Nun protestierte wiederum Astros-Manager A. J. Hinch, der gesehen haben wollte, dass Judge auf dem Weg zurück die zweite Base nicht noch mal berührt hatte. Um darüber eine Entscheidung herbeizuführen, war ein Appeal-Play nötig – in dem Fall ein Wurf zur zweiten Base, an der dann der Umpire zu entscheiden hatte, ob dadurch an der Stelle ein Out stattfand. Astros-Pitcher Lance McCullers war dabei aber etwas voreilig, denn der nächste Batter stand noch nicht in der Box und der Ball war somit nicht freigegeben. Also musste er den Wurf wiederholen, doch nun rannte Judge plötzlich – und wurde problemlos ausgetagt. Was auf den ersten Blick aussah wie einer der dämlichsten Steal-Versuche aller Zeiten, war übrigens völlig rational: Judge und den Yankees war klar, dass er die zweite Base nicht berührt hatte und das Appeal-Play der Astros erfolgreich sein würde; daher war es den Versuch wert, die zweite Base vor dem Ball zu erreichen und auf diese Weise den Appeal abzuwehren.

Statistik der Woche 
93. So viele Strikes warf Justin Verlander bei seinem complete Game in Spiel zwei der ALCS, das er mit den Astros 2:1 gegen die Yankees gewann. Es waren die meisten Strikes durch einen einzelnen Pitcher in einem Playoffspiel seit 2011. Kurioserweise war es auch damals Verlander und zwar ebenfalls in der ALCS, in Spiel fünf der Detroit Tigers gegen die Texas Rangers. Insgesamt warf Verlander am Samstag 124 Pitches und schickte 13 Batter per Strikeout aus der Box.

Spiel der Woche
Das für mich beste Spiel der bisherigen Championship Series war Spiel zwei der NLCS. Es war ein hochkarätiges, defenselastiges Duell zwischen zunächst Jon Lester und Rich Hill und anschließend zwischen zwei sehr starken Bullpens. Im fünften Inning wurden die vorerst einzigen Runs ausgetauscht durch einen Homerun von Addison Russell und einen RBI-Single von Justin Turner. Auf Turners Konto gingen im Endeffekt alle vier RBIs der Dodgers, denn ihm gelang gelang im neunten Inning gegen den zum Reliever umfunktionierten John Lackey der  Walkoff-Homerun. Das Ganze ereignete sich übrigens auf den Tag genau 29 Jahre nach einem anderen legendären Walk-Off-Homerun der Dodgers – über den Justin Turner anschließend erzählte, dass er ihn als Dreijähriger im Haus seiner Oma live im Fernsehen gesehen hat.

Spiel der kommenden Woche
Wir sind auf der Zielgeraden der Saison und ich versuche, trotz der oft ungünstigen Zeiten jedes Spiel zumindest teilweise live zu sehen. Für Spiel sechs der Yankees gegen die Astros werde ich mir auf jeden Fall für Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit den Wecker stellen.

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September 21st, 2017 by Dominik

Nur noch elf Tage, dann ist die reguläre Saison 2017 der MLB vorbei. Das bedeutet noch neun bis zwölf Spiele pro Team und für die meisten Teams haben diese Spiele keine große Bedeutung mehr. Zumindest steht für sie bereits fest, ob sie an den Playoffs teilnehmen oder nicht. Je ein Divisionssieger und je ein Wild-Card-Team in jeder Liga sind aber noch offen und auf diese vier Entscheidungen konzentriere ich mich im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

National League
Haken wir schnell die National League East ab, denn hier stehen die Washington Nationals (92-59) schon lange als Sieger fest und den Rest der Division kann man dieses Jahr getrost vergessen.

Auch die NL West ist zu Gunsten der Los Angeles Dodgers (96-56) bereits klar entschieden und den Arizona Diamondbacks (88-65) ist die Wild Card auch nur theoretisch noch zu nehmen. Richtig spannend wird es aber noch für die Colorado Rockies (82-70). Sie sahen über weite Strecken der Saison wie ein weiteres sicheres Wild-Card-Team aus, doch auf der Zielgeraden ist ihnen anscheinend die Puste ausgegangen. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rockies sieben, zuletzt drei hintereinander gegen die Kellerkinder San Diego Padres und San Francisco Giants. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber den Milwaukee Brewers (81-71) ist dadurch auf nur noch ein einziges Spiel zusammengeschmolzen.

Die Brewers haben im Hinblick auf die Playoffs sogar noch zwei Eisen im Feuer, denn auch um den Divisionssieg in der NL Central ist die Entscheidung noch nicht gefallen: Die Chicago Cubs (84-67) liegen zwar dreieinhalb Spiele in Front, doch ab heute steht in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Brewers und den Cubs an (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und danach kann die Welt in der NL Central komplett anders aussehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich gering: Fangraphs beziffert die Chancen der Brewers auf den Divisionssieg auf gerade mal 2,9% und die auf eine Wild Card auch nur auf 18,7%. Mit 68,1% Wahrscheinlichkeit hingegen wird die zweite Wild Card bei den Rockies gesehen, was mir persönlich ein wenig hoch gegriffen erscheint. Zwar hat Colorado das etwas leichtere Restprogramm (Padres, Marlins, Dodgers) als die Brewers (Cubs, Reds, Cardinals), aber diese weisen derzeit die deutlich günstigere Leistungskurve auf.

American League
Die American League East ist die zweite Division der MLB, die eineinhalb Wochen vor Schluss noch nicht entschieden ist. Die Boston Red Sox (88-64) halten sich mit beeindruckender Konstanz vor den New York Yankees (85-67), obwohl diese ihnen vom Run Differential und insbesondere der Offensivstärke her statistisch deutlich überlegen sind. Aber wen interessieren schon Statistiken, wenn man wie die Red Sox derzeit einfach ein Talent dafür hat, auch höchst mittelmäßige Auftritte durch ein paar defensive Highlight-Aktionen und einen Wild-Pitch-Score im elften Inning zu gewinnen oder im neunten Inning drei Runs aufzuholen und den Gegner im fünfzehnten aus dem Stadion zu ballern (siehe „Spiel der Woche“)? Die Red Sox stehen derzeit 15-3 in Spielen mit Extra-Innings und führen in dieser Statistik deutlich die Liga an.

Die AL Central ist fest in der Hand der Cleveland Indians (95-57), die auch das Ende ihrer 22-Siege-Serie nicht aus der Fassung gebracht hat. Nach ihrer einzigen Niederlage seit einem Monat haben sie sich kurz für den aufgestellten Rekord feiern lassen und danach mit dem weiter gemacht, was sie zurzeit am besten können: Spiele gewinnen. Ihrem stärksten Konkurrenten in der Division, den Minnesota Twins (78-74) ist das zurzeit ganz recht, denn ihre beiden jüngsten Siege haben die Indians gegen die Los Angeles Angels (76-75) erzielt. Mit denen liefern sich die Twins ein Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der AL und mit momentan eineinhalb Spielen Vorsprung hat das Überraschungsteam des Jahres derzeit die Nase vorn. Wobei der Begriff „Rennen“ vielleicht nicht ganz der richtige ist angesichts der Tatsache, das sowohl die Twins als auch die Angels zuletzt dreimal in Folge im Gleichschritt verloren haben

Neben den Angels gibt es in der AL West, deren Spitze längst zugunsten der Houston Astros (93-58) entschieden ist, mit den Texas Rangers (75-76) und den Seattle Mariners (74-78) noch zwei weitere Anwärter auf die zweite Wild Card.  Mit zweieinhalb bzw. vier Spielen Rückstand und schweren Restspielplänen sieht Fangraphs die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mariners und die Rangers – ebenso wie für die Kansas City Royals (74-77) aus der AL Central – bei unter 5% und das scheint mir sehr realistisch.

Szene(n) der Woche
Diese Rubrik steht diese Woche unter dem Motto „MLB-Profis sind auch nur Menschen“. Als solche sind sie auch vor haarsträubenden Fehleinschätzungen nicht gefeit, was zum Beispiel Nationals-Outfielder Jayson Werth in dieser Szene unter Beweis stellte. Dass man so einen Flyball an die Wand nicht fängt, kommt schon mal vor; originell wird die Sache dadurch, dass Werth felsenfest und voller Selbstvertrauen an seinem Platz steht und auf den Ball wartet, der dann ganz woanders landet. Genauso originell war ein Call von Umpire Jordan Baker im Spiel der Cubs gegen die Cardinals vom Freitag, der nach einem glasklaren Strike bei vollem Count auf Walk entschied. Dass Pitcher John Lackey und Catcher Willson Contreras danach auf die Barrikaden gingen, brachte ihnen zurecht Platzverweise ein, aber auch ihre Reaktionen waren letztlich ganz klar: menschlich.

Statistik der Woche 
5.753. So viele Homeruns wurden dieses Jahr bisher in der MLB geschlagen. Damit ist schon eineinhalb Wochen vor Saisonende ein neuer Rekord erreicht. Die bisherige Bestmarke von 5.693 stammte aus dem Jahr 2000. Sie wurde Dienstagnacht von Alex Presley (Detroit TIgers) eingestellt und von Alex Gordon (Kansas City Royals) mit Nummer 5.694 übertroffen. Den größten Beitrag zum Rekord hat Giancarlo Stanton geleistet, der die Liga mit bislang 56 Homeruns in diesem Jahr anführt. Die meisten Homeruns als Team haben die Baltimore Orioles mit 227 erzielt.

Spiel der Woche
Wie weiter oben schon erwähnt, überzeugen die Boston Red Sox momentan vor allem dadurch, dass sie Mittel und Wege finden, auch nach schwachen Auftritten den Platz als Sieger zu verlassen. Ein Paradebeispiel dafür war die Partie gegen die Tampa Bay Rays am Freitag: In einem der schwächeren Starts von Chris Sale gingen die Red Sox zwar im ersten und im vierten Inning knapp in Führung, gerieten dann aber bis nach dem achten Inning 2:5 ins Hintertreffen, unter anderem durch zwei Homeruns von Tampas Wilson Ramos. Irgendwie gelang es Boston gegen Rays-Closer Alex Colome mit Hilfe von einem Walk, einem Wild Pitch, einem Error und ein paar Hits auf 5:5 auszugleichen. Vier scorelose Innings später gelang den Red Sox mit einem Single von Rafael Devers die Führung, doch Kevin Kiermaier wollte das Spiel im Namen der Rays nicht hergeben: Zuerst besorgte der Centerfielder das dritte Aus, indem er Mitch Moreland an der dritten Base auswarf, dann schlug er einen Solo-Homerun zum erneuten Ausgleich. Im fünfzehnten Inning sah ein Ball auf Tampas 2B Brad Miller stark nach Doubleplay aus, doch Miller bekam ihn nicht in den Griff und Jackie Bradley Jr. scorte das 7:6. Dann brachen plötzlich alle Dämmme und die Red Sox zogen auf den 13:6-Endstand davon. In dem sechs Stunden und fünf Minuten langen Spiel gab es insgesamt sechs Führungswechsel und 37 Strikeouts, davon 24 gegen die Rays.

Spiel der kommenden Woche
Realistisch betrachtet gibt es sieben Teams, für die es ernsthaft noch um etwas geht in dieser Saison, also darum ob und auf welchem Weg (Divisionssieg oder Wild Card) sie die Playoffs erreichen: die Red Sox, die Yankees, die Twins, die Angels, die Cubs, die Brewers und die Rockies. Nur in einer einzigen Serie spielen dieses Jahr noch zwei Teams aus dieser Reihe direkt gegeneinander. Daher ist diese von heute bis Sonntag laufende Serie zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs ganz klar mein Einschaltipp der Woche. Für beide Teams geht es, wie oben beschrieben, sowohl um den Divisionssieg als auch – falls selbiger verpasst wird – um eine Wild Card, die man zunächst den Colorado Rockies abjagen müsste. Holen die Cubs mindestens zwei der vier Spiele, so sind sie wohl durch als Vertreter der NL Central. In jedem anderen Fall wird es für sie eine extrem heiße letzte Woche. Da es sich von der Startzeit um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit her anbietet und auch das voraussichtliche Pitcherduell zwischen José Quintana (4.27 ERA, 3.87 FIP) und Chase Anderson (2.74 ERA, 3.58 FIP) reizvoll erscheint, empfehle ich aus der Serie konkret die Partie am Sonntag. Anderson ließ übrigens bei seinem letzten Start gegen die Cubs nur einen Hit in fünf Innings zu und wurde nach 67 Pitches zur Schonung ausgewechselt, weil die Brewers bereits 14:0 führten.

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