Juni 22nd, 2017 by Dominik

Die gute Nachricht zuerst: Die MLB ist in weiten Teilen verdammt spannnend – zum Beispiel gab es in drei der sechs Divisionen diese Woche mindestens einen Wechsel an der Tabellenspitze. Die schlechte Nachricht ist, dass es wieder einige prominente Verletzte gab, beispielsweise Outfielder Michael Brantley von den Indians, die (gefühlt) halbe Mannschaft der Mets sowie allen voran das Top-Prospect der Yankees, Shortstop Gleyber Torres, der eine Tommy-John-Surgery braucht und sein viel erwartetes MLB-Debüt mindestens bis nächstes Jahr verschieben muss. Überhaupt war es eine recht frustrierende Woche für die Yankees, die sieben Niederlagen am Stück einstecken mussten. Was sich sonst noch in der MLB getan hat, verrät wie jede Woche der Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (39-30) sind zum ersten Mal in dieser Saison in einen veritablen Slump geraten und mussten kurzzeitig die Führung in der American League East an die Boston Red Sox (40-32) abgeben. Das hat sich zwar durch die Ergebnisse der letzten Nacht (Sieg der Yankees gegen die Angels, Niederlage der Red Sox bei den Royals) wieder geändert, aber so oder so sieht es nach einem spannenden Rennen zwischen den beiden Traditions-Franchises aus. Dahinter stehen die Tampa Bay Rays (39-36) in Lauerstellung und haben gute Chancen, sich noch enger an das Führungsduo heranzuspielen, denn mit zwei Serien gegen die abgestürzten Baltimore Orioles (35-36) und einer gegen die Pittsburgh Pirates stehen lösbare Aufgaben an. Für die Toronto Blue Jays (35-36) bleibt die Saison wie verhext: Achtmal sind sie nun schon bis auf einen Sieg an eine ausgeglichene Bilanz herangekommen, achtmal haben sie in dieser Situation verloren. Den neunten Anlauf unternehmen sie heute Abend in Texas.

Die AL Central sieht erstmals in diesem Jahr so aus, wie die meisten es erwartet hatten: mit den Cleveland Indians (38-32) ganz vorne und dahinter vier Teams, denen man nicht allzu viel zutraut. Wobei die letztere Einschätzung nicht ganz gerecht ist, denn immerhin haben die Minnesota Twins (36-33) den Sweep durch die Indians, der sie die Tabellenführung kostete, offenbar schnell verdaut und seitdem zweimal gegen die Chicago White Sox (31-39) gewonnen. Und dahinter tritt mit den Kansas City Royals (35-36) mehr und mehr ein Team auf den Plan, das vor zwei Wochen schon abgeschrieben schien. Acht Siege aus den letzten zehn Spielen sprechen dafür, dass die „alten Herren“ es ihrer Franchise schwer machen wollen, sich zur bald anstehenden Trade-Deadline voll zum Rebuilding zu bekennen.

Gähnende Langeweile herrscht nach wie vor an der Spitze der AL West, wo die Houston Astros (49-24) einsam ihre Kreise ziehen, doch dahinter geht es durchaus spannend zu: Die Seattle Mariners (37-37) sind nach vier Siegen in Folge bei .500 angekommen, die Los Angeles Angels (37-38) und die Texas Rangers (35-36) jeweils nur einen Sieg davon entfernt und alle drei halten Tuchfühlung zu einem Wild-Card-Platz. Von diesem sind die Oakland Athletics (31-41) mit 6.5 Siegen Rückstand innerhalb der AL derzeit am weitesten entfernt – und damit trotzdem näher dran als jedes NL-Team, das noch auf einen solchen Platz hofft.

National League
Die National League East macht es den Washington Nationals (43-29) weiterhin sehr einfach. Die Hauptstädter spielen alles andere als überragend, stehen im Juni bei einer glatten .500-Bilanz mit zehn Siegen und zehn Niederlagen, und doch sind sie an der Divisionsspitze absolut unangefochten. Die Atlanta Braves (33-38) sind zurzeit von den „Verfolgern“ am besten drauf, aber realistisch betrachtet ist das Jahr für sie nach weniger als der Hälfte der Saison ebenso gelaufen wie für die Miami Marlins (32-38), die New York Mets (31-40) und natürlich für die Philadelphia Phillies (22-48). Für alle vier stehen im Mittelpunkt längst nur noch die Fragen, welche Spieler sich wann und an wen sinnvoll traden lassen und wie und wann man seine Nachwuchshoffnungen am besten an die MLB heranführt.

Deutlich spannender geht es in der NL Central zu. Das Leistungsniveau dort ist nicht entscheidend höher ist als in der NL East, aber durch das Fehlen eines dominanten Teams wie den Nationals können sich drei bis vier Teams Hoffnungen machen, über den Divisionssieg in die Playoffs zu kommmen. Die Pole Position dafür nehmen nach wie vor die Milwaukee Brewers (39-35) ein, dicht gefolgt von den Chicago Cubs (36-35). Am Wochenende duellieren sich drei Spiele lang die St. Louis Cardinals (33-37) und die Pittsburgh Pirates (33-39) um die Chance, den Anschluss nach oben zu halten. Derweil haben die Cincinnati Reds (30-41) nach hervorragendem Start in die Saison neun der letzten zehn Spiele verloren und sind ganz nach unten durchgerutscht. Woran es in Cincinnati krankt, offenbart ein Blick in die Pitching-Statistiken: Mit einem Starter-ERA von 6.12 belegen die Reds den letzten Platz in der MLB – mit bereits deutlichem Abstand zum Vorletzten (Orioles, 5.59). Der 40-jährige Veteran Bronson Arroyo (7.35 ERA) denkt angesichts seines missglückten Comebacks inzwischen laut darüber nach, seine Karriere zu beenden. Besser wird das die Reds nicht machen, aber wahrscheinlich auch nicht schlechter.

Meine klare Lieblingsdivision in diesem Jahr ist die NL West, daran ändern auch die drei deprimierenden Abfuhren nichts, die die Los Angeles Dodgers (47-26) meinen Mets gerade zugefügt haben. Die Dodgers haben dadurch momentan knapp die Nase vorn vor den Colorado Rockies (47-27) und den Arizona Diamondbacks (45-27), die sich die direkten Aufeinandertreffen an den beiden letzten Tagen geteilt haben und heute um 21:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Match der Serie austragen. Direkt im Anschluss sind drei Tage lang die Rockies bei den Dodgers zu Gast, es geht also munter weiter im Dreikampf des Jahres. Und einen Zweikampf gibt es ebenfalls, wenn auch nur darum, wer das zweitschlechteste Team der Liga ist – die San Francisco Giants (27-47) oder die San Diego Padres (29-44).

Szene der Woche
Nolan Arenado hat am Sonntag beim 7:5 der Colorado Rockies gegen die Chicago Cubs einen Cycle geschlagen. Diese Kombination aus einem Single, einem Double, einem Triple und einem Homerun in einem Spiel ist an sich schon selten genug, dieses Jahr war es MLB-weit erst der vierte Cycle. Arenado gelang aber eine noch seltenere Leistung, indem er sowohl den Cycle als auch das Spiel mit einem Walkoff-Homerun vollendete. Das schafften vor ihm erst sechs Spieler überhaupt – als letzter sein Teamkamerad Carlos Gonzalez im Jahr 2010, übrigens ebenfalls im Coors Field in Colorado. In diesem hitterfreundlichen Ballpark fanden drei der vier Cycles des laufenden Jahres statt. Der von Arenado war jedoch der erste, über den die Fans der Heimmannschaft jubeln durften, nachdem vorher Trea Turner von den Nationals und Wil Myers von den Padres das Kunststück vollbracht hatten.

Statistik der Woche 
Undefiniert. So lautet die Strikeout-to-Walk-Ratio (K/BB) von Kenley Jansen. Ihr habt richtig gelesen: Der Closer der Los Angeles Dodgers ist so gut, dass man seine Leistung nicht in Zahlen ausdrücken kann, denn dafür müsste man die mathematische Grundregel brechen, die das Teilen durch Null verbietet. Im Klartext: Jansen hat in dieser Saison in knapp 30 Innings bislang 50 Strikeouts erzielt und keinen einzigen Walk zugelassen. Schon mit Strikeout Nummer 36 hatte er den bisherigen Rekord für die meisten Strikeouts ohne Walks in einer Saison übertroffen und seitdem wird die neue Bestmarke jeden Tag ein Stück fantastischer. Um doch noch ein paar Zahlen beizusteuern: Jansens ERA für dieses Jahr liegt bei 0.91, sein FIP bei 0.29, sein WHIP bei 0.57 und von 15 möglichen Saves hat er 15 geholt. Kann man mal machen.

Spiel der Woche
Wenn die Texas Rangers auf die Toronto Blue Jays treffen, dann ist das seit rund zwei Jahren regelmäßig eine emotionale Angelegenheit. Das gilt umso mehr, wenn das Spiel einen so dramatischen Verlauf nimmt wie am Montag in Arlington: Nomar Mazara brachte die Rangers per Solo-Homerun im ersten Inning in Führung, doch schon im zweiten glich Justin Smoak ebenfalls per Solo-Homerun aus und im vierten Inning zogen die Blue Jays duch einen Homerun von (ausgerechnet) Jose Bautista und einen bases-clearing Double von Steve Pearce auf 5:1 davon. Nun war es an den Rangers, die Partie zu drehen und das taten sie prompt mit einem 2-Run-Single von Elvis Andrus und einem Double von Adrian Beltre, der wie zuvor Pearce die geladenen Bases für drei Runs leerte. Torontos Starter Marco Estrada bescherte das einen frühen Feierabend nach dreizweidrittel Innings mit 7 Hits, 4 Walks und 6 Runs. Die Führung der Rangers hielt bis ins neunte Inning, in dem ihr Closer Matt Bush zum dritten Mal in diesem Jahr eine Save-Gelegenheit vergab und Runs von Ryan Goins und Josh Donaldson zuließ. Torontos Roberto Osuna machte seine Sache mit einem perfekten Schlussinning deutlich besser als Bush und brachte die Partie mit 7:6 nach Hause.

Zwei weitere interessante Spiele möchte ich noch erwähnt haben: zum anderen den bis ins achte Inning getragenen No-Hitter von Max Scherzer, an dessen Ende die Washington Nationals gegen die Miami Marlins am Mittwoch 1:2 verloren; zum anderen das der Philadelphia Phillies gegen die St. Louis Cardinals vom Dienstag: Eine 11-Inning-Partie mit 1:8 zu verlieren muss man erst mal schaffen…

Spiel der kommenden Woche
Zum zweiten Mal in Folge ist mein Einschalttipp eines der zahlreichen Gipfeltreffen in der NL West: In einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag treffen die Los Angeles Dodgers auf die Colorado Rockies. Wenn man sich nur eines der Spiele einer Dodgers-Serie anschauen will, wählt man im Zweifelsfall das mit Clayton Kershaw (2.61 ERA) – der wird sich Freitagnacht um 4:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit Tyler Chatwood (4.08 ERA) gegenüber sehen und auf Wiedergutmachung hoffen, nachdem er gegen die Mets am Montag einen seiner seltenen schwachen Starts ablieferte (und trotzdem das Spiel gewann). Etwas europafreundlicher ist die Startzeit der Partie am Sonntag um 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden dann Rookie German Marquez (3.92 ERA) für die Rockies und der überraschend gut in die Saison gestartete Veteran Brandon McCarthy (2.87 ERA) für die Dodgers stehen.

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Juni 8th, 2017 by Dominik

Edinson Volquez pitcht einen No-Hitter, es wird ein MLB-Rekord mit insgesamt sieben Grand Slams aufgestellt, einer davon ist der 600. Homerun von Albert Pujols und Jon Lester überwindet sich zu einem Pickoff-Throw an die erste Base: So viele historische Ereignisse in der MLB sind schon viel für eine Woche, tatsächlich fanden sie aber alle an einem einzigen Tag statt, nämlich letzten Samstag. Aber auch von den anderen Tagen der letzten Woche gibt es einiges Bemerkenswertes zu berichten in diesem Grand Slam am Donnerstag.

American League
In der American League East läuft zurzeit der Baseball-Klassiker schlechthin: Die New York Yankees (33-23) und die Boston Red Sox (32-26) spielen eine Drei-Spiele-Serie gegeneinander und es geht um nicht weniger als die Spitze der Division. Nachdem die beiden bisherigen Spiele geteilt wurden, werden die Yankees auf jeden Fall oben bleiben, doch im heute Nacht anstehenden dritten Duell können die Red Sox immer noch zumindest nach Siegen gleichziehen. Für die Yankees geht es anspruchsvoll weiter, denn sie empfangen als nächstes den Dritten im Bunde, die Baltimore Orioles (31-26). Die Orioles absolvieren gerade ein sehr anstrengendes Programm: Gegen die Pittsburgh Pirates mussten sie gerade zweimal hintereinander in Extra-Innings, heute geht es für ein einzelnes Spiel zu den Washington Nationals und dann steht die Serie in New York an. Wenn die O’s diese Tour einigermaßen ungeschoren überstehen, fange ich so langsam an, an sie zu glauben.

In der AL Central drängt sich nach wie vor kein Team auf, an das man wirklich glauben könnte. Die Minnesota Twins (29-26) halten sich an der Spitze, obwohl sie von den letzten zehn Spielen sieben verloren haben, dicht gefolgt von den Cleveland Indians (29-28). Die Indians halte ich immer noch für das stärkste Team der Division, aber um diesem Anspruch gerecht zu werden, müssen sie vor allem bei den divisionsinternen Begegnungen (bislang 13-14) besser werden. Die ausgeglichene Bilanz der Detroit Tigers (29-29) sehe ich als die Obergrenze des in diesem Jahr Erreichbaren und auch mit den Kansas City Royals (26-32) und den Chicago White Sox (25-32) rechne ich nicht ernsthaft, obwohl sie wegen der generellen Schwäche der Division allesamt nicht weit weg von der Spitze sind. Übrigens werde ich aus keinem Team so wenig schlau wie aus den Royals: Sie machen über weite Strecken der Saison den Eindruck eines desolaten, ausgebrannten Teams, andererseits sind sie die einzigen außer den Indians, die in diesem Jahr überhaupt schon eine Serie gegen die Houston Astros gewonnen haben – und das nun schon zum zweiten Mal.

Die Houston Astros (42-18) dominieren die AL West nach wie vor nach Belieben und haben neben der besten Siegbilanz, den meisten erzielten Runs und dem besten Run Differential der Liga nun auch die längste Siegesserie der Saison auf dem Konto. Zehn Spiele hintereinander haben sie gewonnen, bevor es zwei Niederlagen gegen die Kansas City Royals setzte. Etwas unter dem Radar haben sich die Seattle Mariners (30-30) mit neun Siegen aus den letzten zehn Spielen zurück zu einer .500-Bilanz und vorbei an den Mike-Trout-losen Los Angeles Angels (30-32) auf Platz zwei der Division geschoben. Für die Texas Rangers (27-32) sehe ich momentan relativ schwarz: Sie sind nach elf Niederlagen aus den letzten vierzehn Spielen ohnehin schon etwas abgeschlagen und nun müssen sie dreimal nach Washington und dann dreimal nach Houston.

National League
Über die National League East kann man jedes Mal das Gleiche schreiben, aber darauf habe ich keine Lust. Deswegen verliere ich heute mal keine Worte über die Washington Nationals (37-21), sondern erwähne lieber die interessantesten Ereignisse im traurigen Rest der Division: Die New York Mets (25-32) haben ihr Maskottchen gefeuert, nachdem es sich erdreistet hatte, den bisherigen Saisonverlauf kurz und prägnant mit einem einzigen Fingerzeig zusammenzufassen. Die Atlanta Braves (25-32) haben ihr linkshändiges Pitching-Prospect Sean Newcomb in den Kader geholt und planen, Newcomb am Samstag in einem Spiel des Doubleheaders gegen die Mets starten zu lassen. Die Miami Marlins (25-33) erleben gerade die stärkste Phase ihrer Saison, haben acht der letzten elf Spiele gewonnen, darunter den No-Hitter von Volquez (siehe Spiel der Woche). Auch die Philadelphia Phillies (21-36) durften diese Woche ein bisschen feiern, vier Siege am Stück gab es – zwar nur gegen die Braves und die Giants, aber immerhin. Das schwächste Team der Liga sind die Phillies nach wie vor, aber es könnte noch ein spannendes „Rennen“ mit den San Diego Padres und vielleicht den San Francisco Giants werden.

Die Chicago Cubs (30-28) haben sich nach dem jüngsten Absturz mit einem Sweep über die St. Louis Cardinals (26-31) und einer gewonnen Serie gegen die Miami Marlins rehabilitiert. Am Überraschungsteam der Milwaukee Brewers (32-28) gibt es allerdings für sie in der NL Central bislang kein Vorbeikommen und der Titelverteidiger hat mit einer Vier-Spiele-Serie gegen die Colorado Rockies nun einen dicken Brocken vor sich. Im direkten Duell mit den Cardinals haben die Cincinnati Reds (28-30) bislang drei Spiele der bis heute andauernden Serie gewonnen und halten sich solide im Mittelfeld.

In der NL West bleibt es bei dem schon seit Saisonbeginn herrschenden Bild: Die Colorado Rockies (38-23), Arizona Diamondbacks (36-25) und Los Angeles Dodgers (36-25) stehen vorne ganz eng beisammen, dann kommt lange nichts und schließlich ebenfalls eng beisammen die San Francisco Giants (24-37) und die San Diego Padres (23-37). Es würde mich nicht wundern, wenn am Ende der regulären Saison beide Wild Cards an die NL West gehen. Nach dem bisherigen Verlauf wäre das jedenfalls hochverdient, alle drei Mitglieder des Führungstrios spielen nicht nur erfolgreichen sondern auch sehr attraktiven Baseball, wie ich ihn gern auch in den Playoffs sehen möchte. Die Giants und die Padres sind neben den Phillies die einzigen Teams der MLB mit einer Bilanz von unter .400 und die drei sind auch die einzigen mit einem Run Differential von unter -60, was dafür spricht, dass sie nicht aus Zufall so schlecht dastehen.

Szene der Woche
Diese Woche gibt es viele Kandidaten für die Szene der Woche: Ein Triple Play der Twins, den Pickoff-Throw von Jon Lester, den Homerun-Klau von Adam Jones und Andrew McCutchens Reaktion darauf, aber ich entscheide mich für das Offensichtliche: den sechshundertsten Homerun von Albert Pujols, den er am Samstag stilecht in Form eines Grand Slams gegen die Twins über den Zaun gehauen hat.

Statistik der Woche 
5 AB, 5 H, 4 HR, 10 RBI. Das ist die unglaubliche Bilanz von Scooter Gennett beim 13:1-Sieg seiner Cincinnati Reds gegen die St. Louis Cardinals vom Dienstag. „Scooter wer?“ werden selbst unter Baseballkennern nicht wenige gedacht haben, denn der 27-jährige Gennett kam in seiner bisherigen Karriere nie über mittelmäßige Produktion und den Status eines Ergänzungsspielers hinaus. Vor der Saison war er von den Milwaukee Brewers entlassen worden und über den Waiver in seine Heimatstadt Cincinnati gewechselt. Dort hatte er bis zum Spiel vom Dienstag .270/.308/.450 mit drei Homeruns geschlagen und steckte in einem 1-von-20-Slump. Nun hat er sich mit einer der besten Offensivleistungen aller Zeiten verewigt: Vier Homeruns in einem Spiel hatten nur 16 Spieler vor ihm geschafft und keiner von diesen 16 hat noch einen fünften Hit und insgesamt zehn RBIs beigesteuert.

Spiel der Woche
Der erste No-Hitter des Jahres 2017 und damit quasi automatisch das Spiel der Woche geht auf das Konto von Edinson Volquez. Der Marlins-Pitcher ließ bei Miamis 3:0-Sieg über die Diamondbacks lediglich zwei Baserunner (beides Walks) zu, die allerdings jeweils in Double Plays ausschieden, sodass Volquez die neun Innings mit der minimalen Zahl von 27 Battern und mit nur 98 geworfenen Pitches nach Hause brachte. Dabei wäre er fast schon im ersten Inning aus dem Spiel genommen worden, als er bei einem Groundout mit Rey Fuentes kollidierte und sich offenbar am rechten Knöchel weh tat. Aber er hielt durch und pitchte das Spiel seines Lebens, das er anschließend den tödlich verunglückten Pitcherkollegen Jose Fernandez und Yordano Ventura widmete. Ventura, ein enger Freund seines dominikanischen Landsmanns und früheren Teamkameraden Volquez, wäre am gleichen Tag 26 Jahre alt geworden.

Spiel der kommenden Woche
Wenn von Freitag bis Sonntag die Milwaukee Brewers in Arizona auf die Diamondbacks treffen, dann ist es ein Duell zwischen zwei der größten Überraschungen der bisherigen Saison. Das gilt allgemein für die beiden Teams und es ist gilt speziell am Sonntag auch für die beiden voraussichtlichen Starting Pitcher. Egal, ob man mehr auf ERA oder auf FIP schaut, Milwaukees Chase Anderson (2.94, 3.30) und Arizonas Robbie Ray (2.85, 3.23) gehören in beiden Statistiken zu den Top-15 der Liga und von keinem der beiden hätte das wohl irgend jemand gedacht. Wenn nicht gleichzeitig euer Lieblingsteam spielt und/oder ihr mal was anderes sehen wollt, dann schaltet am Sonntag um 22:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit doch einfach dieses Spiel ein.

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April 20th, 2017 by Dominik

Knapp zehn Prozent der MLB-Saison 2017 sind absolviert und Einiges, was die Fans bestimmter Teams nach den ersten Spielen himmelhochjauchzend oder zu Tode betrübt hinterließ, hat sich inzwischen relativiert. Geblieben sind bisher die überraschend guten Ergebnisse der Cincinnati Reds, der Arizona Diamondbacks und der Colorado Rockies sowie der katastrophale Start der Toronto Blue Jays. Ebenfalls zu den großen Überraschungen der bisherigen Saison zähle ich die neun Siege der New York Yankees in den letzten zehn Spielen, darunter acht in Folge. Hier wie jeden Donnerstag der Überblick über das Geschehen in der MLB:

American League
Die American League East scheint sich zu gefallen in der Rolle, die sie schon in der letzten Saison spielte: Damals gab es einen bis zum Schluss spannenden Dreikampf auf hohem Niveau, an dessen Ende alle drei beteiligten Teams in die Playoffs einzogen. Auch jetzt, nach rund 15 Spielen in der neuen Saison stehen wieder drei Teams mit überzeugender Bilanz nahezu Kopf an Kopf – mit dem einzigen Unterschied, dass sich anstelle der absolut enttäuschend gestarteten Toronto Blue Jays (3-11) die New York Yankees (10-5) eingeschaltet haben, um mit den Baltimore Orioles (9-4) und den Boston Red Sox (9-6) um die Spitze zu ringen.

Sagenhafte Ausgeglichenheit hat hingegen die AL Central zu bieten: Vier von fünf Teams stehen bei sieben Siegen und sieben Niederlagen, nur die Detroit Tigers (8-6) tanzen minimal aus der Reihe. Die Minnesota Twins haben sich von ihrem kurzen Höhenflug inzwischen verabschiedet, nach drei Niederlagen am Stück und fünf aus den letzten sieben Spielen sind sie in der Riege der ausgeglichenen Bilanzen angekommen und der Trend zeigt klar nach unten. Die positive Nachricht aus Minnesota ist, dass Max Kepler nach verhaltenem Start seinen Rhythmus gefunden hat und nach 14 Spielen starke .294/.351/.490 schlägt.

In der AL West geben die Houston Astros (10-5) nach wie vor klar den Ton an, alle anderen Teams der Division weisen eine negative Bilanz auf. Ein bisschen gefangen haben sich nach ihrem katastrophalen Start die Seattle Mariners (7-9) mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen. Drei davon gingen zu Lasten der Texas Rangers (5-10), die früh in der Saison schon mit dem Rücken zur Wand stehen. Das Problem der Rangers ist in erster Linie das Pitching, denn während sie die viertmeisten Runs erzielt haben, haben sie gleichzeitig die drittmeisten erlaubt. Und interessanterweise haben sie bisher mit 0-4 die schlechteste Bilanz der Liga in 1-Run-Games, also Spielen, die mit nur einem Run Unterschied enden – nachdem sie letztes Jahr mit einer 36-11-Bilanz in solchen Spielen einen MLB-Rekord aufgestellt hatten.

National League
Die Washington Nationals (9-5) führen nach drei Siegen am Stück sowohl die National League East als auch die National League insgesamt an, getragen vor allem von einer beeindruckenden Offense. Von MLB-weit acht Stammspielern, die eine OPS von über 1.100 aufweisen, haben die Nationals in Bryce Harper (1.362) und Ryan Zimmerman (1.146) gleich zwei und mit einem Team-OPS von .846 stehen sie klar an der Spitze der Liga. Aber noch haben die Nationals nicht direkt gegen ihren mutmaßlichen Hauptkonkurrenten, die New York Mets (8-7), spielen müssen. Letztere haben letzte Nacht gegen die Philadelphia Phillies (5-9) den ersten Sieg nach einer äußerst unglücklichen Serie von vier Niederlagen eingefahren – alle vier Spiele wurden erst im letzten At Bat des Gegners verloren. Apropos äußerst unglücklich: Das sind wohl auch einige Pitcher der Miami Marlins (8-7) – nicht weil sie schlechte Leistungen gezeigt hätten, sondern weil sie innerhalb der letzten Tage gleich zweimal haarscharf einen combined No-Hitter verpasst haben.

Die Cincinnati Reds (9-6) genießen nach wie vor ihre Rolle als Überraschungsteam der Liga und stehen in der NL Central immer noch vor dem World-Series-Champion Chicago Cubs (8-7). Nach vier Niederlagen in fünf Spielen – darunter drei gegen die Milwaukee Brewers (8-8) – scheint ein Ende des unwahrscheinlichen Höhenfluges der Reds jedoch absehbar, zumal sie übers Wochenende dreimal gegen die Cubs ran müssen. Eine halbe Saison, genauer gesagt 80 Spiele lang überhaupt nicht mehr ran darf unterdessen Outfielder Starling Marte von den Pittsburgh Pirates (6-9), nachdem er des Dopings mit Nandrolon überführt wurde. Die Pirates zeigten sich auf dem Feld angemessen geschockt, indem sie ihrem Drei-Spiele-Sweep gegen die Cubs nach dieser Nachricht eine Serie von drei Niederlagen gegen die St. Louis Cardinals (6-9) folgen ließen, die damit den Anschluss an den Rest der Division wiedergefunden haben.

Am Tabellenbild der NL West hat sich seit letzter Woche außer einem leichten Abgleiten der San Diego Padres (6-10) nicht viel getan, was aber durchaus als Überraschung durchgeht. Vorne halten sich nämlich immer noch wacker die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies mit jeweils 10-6, die Diamondbacks sogar mit der erfolgreichsten Offense der ganzen Liga (78 Runs). Gegen beide Teams kamen die Los Angeles Dodgers (8-8) nicht über unentschiedene Serien hinaus und bleiben somit derzeit als einer der beiden Favoriten der Division auf dem mittleren Rang hängen. Noch schlechter ergeht es dem Mitfavoriten San Francisco Giants (6-10), bei dem bislang auf jeden kleinen Lichtblick ein Rückschlag erfolgt ist. Die Giants, die im Outfield dieses Jahr ohnehin schon unterbesetzt schienen, mussten nun Leftfielder Jarrett Parker mit gebrochenem Schlüsselbein auf die Verletztenliste setzen. Dafür ist Catcher Buster Posey von selbiger Liste wieder zurück im Lineup und kann den Giants beim Versuch mithelfen, nächste Woche in einer Vier-Spiele-Serie gegen die Dodgers das Ruder herumzureißen.

Szene der Woche
Es war eine weder besonders schöne noch lustige Szene, aber der Walk-Off-Error, mit dem die Detroit Tigers gestern Nacht das Spiel gegen die Tampa Bay Rays verloren, war definitiv ein aufreibender Moment. Mit einer knappen Führung, geladenen Bases und nur einem Out im neunten Inning legten es die Tigers auf ein siegbringendes  Double Play an und das wäre es wohl auch geworden, wäre nicht Shortstop José Iglesias über die Base gestolpert, wodurch sein Wurf an die erste Base misslang und zwei Runs zum Sieg der Rays nach Hause kamen. Zu allem Überfluss bekam der gefallene Iglesias auch noch das Knie des slidenden Brad Miller ab und verletzte sich dabei.

Statistik der Woche 
129. So viele Plate Appearances in der regulären Saison absolvierte Mookie Betts zwischen seinem vorletzten Strikeout und dem gestern Nacht gegen Blue-Jays-Pitcher Francisco Liriano. Der vorletzte unterlief ihm am 12. September 2016 gegen Oliver Drake von den Orioles. Es war die längste solche Serie eines Red-Sox-Spielers seit 1975, als Denny Doyle 159 Plate Appearances ohne Strikeout hatte, und die längste in der MLB seit 2004 (147 von Juan Pierre, Marlins). Betts schlägt in dieser Saison bislang .347/.407/.469.

Spiel der Woche
Die Miami Marlins und die New York Mets lieferten sich in der Nacht zu letztem Freitag den ersten 16-Inning-Marathon des Jahres. Nach 5 Stunden und 38 Minuten, 509 Pitches durch 17 Pitcher und 29 Hits in 119 At-Bats brachte ausgerechnet der Spieler die Entscheidung, der wohl über das gesamte Spiel hinweg den schwierigsten Job hatte: Mets-Catcher Travis d’Arnaud absolvierte alle 16 Innings hinter der Platte, brauchte ab dem zehnten teilweise Hilfe, seine vom Kauern tauben Beine in den Dugout zu bewegen, aber den Trott um die Base nach seinem Homerun zum 9:8-Sieg schaffte er dann doch alleine.

Spiel der kommenden Woche
Es stehen eine Menge interessante Serien an, zum Beispiel die große Überraschung Cincinnati Reds gegen Titelverteidiger Chicago Cubs (Freitag bis Sonntag) und das Duell der vermeintlichen Top-Teams der NL West Los Angeles Dodgers gegen San Francisco Giants (Montag bis Donnerstag). Am spannendsten finde ich aber das erstmalige Aufeinandertreffen in dieser Saison zwischen den Washington Nationals und den New York Mets, von denen ich über das gesamte Jahr hinweg ein enges Rennen um die NL East erwarte. Mein Einschalttipp ist das Spiel am Samstag zur europafreundlichen Zeit ab 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden voraussichtlich der wiedererstarkte Matt Harvey (2.45 ERA) für die Mets und der ebenfalls überraschend stark in die Saison gestartete Gio Gonzalez (1.33 ERA) für die Nationals stehen.

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April 6th, 2017 by Dominik

Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

American League
Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

National League
In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

Spielzug der Woche
Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

Statistik der Woche 
50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

Spiel der Woche
Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Spiel(e) der kommenden Woche
Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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März 13th, 2017 by Dominik

Seit dem World-Series-Gewinn 2003 sind die Marlins in der Mittelmäßigkeit gefangen und ich sehe wenig Hoffnung für sie, dass sich daran in absehbarer Zeit etwas ändert. Ein starker Kern an Hittern ist vorhanden und auch der Bullpen macht einen soliden Eindruck, aber das Starting Pitching genügt nicht mal ansatzweise höheren Ansprüchen. Das war schon im letzten Jahr so, doch da hatte man in José Fernández zumindest noch ein junges Ass, das mit starken Leistungen und ansteckender positiver Ausstrahlung dem Rest des Staffs voran ging. Der Verlust, den die Marlins durch seinen tragischen Tod erlitten haben, ist in jeder Hinsicht enorm. Wer auch immer die Franchise demnächst als neuer Owner übernimmt, wird sich grundlegend überlegen müssen, wohin die Reise gehen soll: Entweder man nimmt eine Menge Geld in die Hand und investiert in Pitcher oder man geht zurück auf Los, indem man die Juwelen des Lineups vertradet und das stark vernachlässigte Farmsystem so aufwertet, dass es als Basis für ein Rebuilding dienen kann.

Voraussichtliches Lineup
C J. T. Realmuto
1B Justin Bour
2B Dee Gordon
SS Adeinys Hechavarria
3B Martin Prado
LF Marcell Ozuna
CF Christian Yelich
RF Giancarlo Stanton

Voraussichtliche Rotation
SP Wei-Yin Chen
SP Tom Koehler
SP Edinson Volquez
SP Dan Straily
SP Adam Conley
Closer A. J. Ramos

Wichtigster Zugang
SP Edinson Volquez (Kansas City Royals)

Wichtigster Abgang
RP Fernando Rodney  (Arizona Diamondbacks)

Bestes Prospect
SP Braxton Garrett

Größte Stärke
Das Outfield: Mit Ozuna, Yelich und Stanton hat man hier das vielleicht beste Trio der MLB versammelt, zudem sind alle drei langfristig unter Vertrag und keiner von ihnen ist älter als 27.

Größte Schwäche
Die Rotation: Die oben genannten voraussichtlichen Starter sind allesamt ordentliche MLB-Spieler, mit denen man die Plätze vier bis fünf einer Rotation füllen kann. Das Problem, ist dass drei von ihnen die Plätze eins bis drei füllen müssen.

Spannendste Frage
Wann und an wen werden die Marlins verkauft? Der Deal zwischen dem bisherigen Owner Jeffrey Loria und der Kushner-Group ist vor rund einem Monat nicht zustande gekommen, aber es ist nach wie vor fest damit zu rechnen, dass Loria sich noch im laufenden Jahr von den Marlins trennen wird – bezahlt hat er 2002 158 Millionen Dollar, haben möchte er nun 1,6 Milliarden. Ein tolles Geschäft, das die meisten Marlinsfans dem ungeliebten Loria großherzig gönnen dürften, wenn sie ihn nur endlich los sind.

Prognose
Platz 4 in der NL East

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Februar 16th, 2017 by Dominik

Wie gewohnt fasst der Grand Slam am Donnerstag die Geschehnisse der vergangenen sieben Tage rund um die MLB zusammen. Inzwischen sind alle Teams ins Training für die neue Saison eingestiegen. Dementsprechend werden die Free-Agent-Signings weniger und die Verletzungsmeldungen mehr. Die meisten Schlagzeilen produzierten diese Woche die Miami Marlins und damit meine ich gar nicht so sehr die sensationelle Meldung, dass Marlins-Spieler wieder Bärte tragen dürfen sondern die Gerüchte um einen möglichen Verkauf der Franchise:

Loria, die Marlins und der Trump-Clan
Eine knappe Stunde nach Veröffentlichung des Grand Slams am letzten Donnerstag begann die Nachricht die Runde zu machen, die Miami Marlins stünden für 1,6 Milliarden Dollar zum Verkauf und Owner Jeffrey Loria habe bereits eine mündliche Vereinbarung mit einem potenziellen Käufer getroffen. Der Zeitpunkt ärgerte mich ein bisschen, denn natürlich hätte ich diese Neuigkeit gern noch berücksichtigt; andererseits erschienen mir die Gerüchte noch zu vage als dass ich ihnen einen eigenen Artikel hätte widmen wollen. Tatsächlich sieht es inzwischen so aus, als sollte aus dem Geschäft derzeit nichts werden: Zunächst sickerte durch, dass es sich bei dem geheimnisvollen Bieter um die Kushner Group handelte – ein Immobilienunternehmen in Händen der Familie von Jared Kushner, dem Schwiegersohn und engen Berater von US-Präsident Donald Trump. Dann wurde gestern bekannt, dass der aktuelle Teambesitzer Loria von Trump zum US-Botschafter in Frankreich berufen werden soll. Die Kushner Group ließ daraufhin verlauten, dass sie unter diesen Umständen vorerst auf den Kauf verzichtet, um nicht den Eindruck eines Zusammenhanges entstehen zu lassen. Im Endeffekt war der angebliche Verkauf der Marlins also viel Lärm um nichts, aber man hat mal wieder ein bisschen was über die Zusammenhänge im amerikanischen Sport-, Politik- und Wirtschaftsbetrieb gelernt….

Test einer neuen Extra-Innings-Regel
Über die voraussichtlich anstehenden Regeländerungen in Bezug auf das untere Ende der Strikezone und die vereinfachte Durchführung von Intentional Walks wurde hier schon ein paar Mal berichtet. Neu ist ein weiterer Vorschlag zur angestrebten Beschleunigung des Spiels: Ab dem zehnten Inning soll jedes Team sein Halbinning mit einem Runner auf der zweiten Base beginnen. Diese Regel soll bereits in diesem Jahr in einem Teil der Minor Leagues getestet werden und hat das Ziel, in den Extra-Innings mehr Scores und gleichzeitig ein schnelleres Spielende hervorzubringen. Ein ähnliches Verfahren wurde auch schon bei der Baseball-EM 2016 in den Niederlanden angewendet – dort begann man jedes Extra-Inning mit Runnern auf der ersten und zweiten Base.
Ich bin wirklich alles andere als ein konservativer, Änderungen gegenüber verschlossener Mensch. Aber ich hoffe ganz stark, dass dieser Vorschlag sich nicht durchsetzt, denn er würde in meinen Augen das Spiel unattraktiver machen. Die logische Konsequenz, wenn ein Inning mit einem Runner auf der zweiten Base und null Outs beginnt, ist Small Ball: Sacrifice Flys, Sacrifice Bunts, schwache Grounder und im schlimmsten Fall Walkoff-Passed-Balls. Großartiges Pitching und großartiges Batting sind in diesem veränderten Modus nicht gefragt, zum Helden taugt allenfalls ein Pinch Runner. Sorry, liebe MLB-Verantwortliche, aber für mich ist das die absurdeste Regelidee, von der ich seit Langem gehört habe.

Chase Utley bleibt bei den Dodgers
Wo ich schon gerade dabei bin, mit meiner unmaßgeblichen Meinung hausieren zu gehen: Chase Utley hätte spätestens nach seiner unrühmlichen Blutgrätsche gegen Ruben Tejada vor eineinhalb Jahren in Rente gehen sollen. Aber natürlich interessiert es die Dodgers nicht die Bohne, dass mir immer noch jedes Mal, wenn ich Utley an die Platte treten sehe, der Hals schwillt. Dass der 38-Jährige auch leistungsmäßig seinen Zenit längst überschritten hat, sollte sie schon eher interessieren, aber auch das hielt sie nicht davon ab, ihm einen neuen Einjahresvertrag über 2 Millionen Dollar anzubieten. Was soll’s, ohne Feindbilder macht Sport ja auch nur halb so viel Spaß. 😉

Travis Wood zu den Royals
Weit weniger Emotionen hat die zweite nennenswerte Free-Agent-Verpflichtung der vergangenen Tage bei mir ausgelöst: Lefty Travis Wood geht für zwei Jahre und zwölf Millionen Dollar zu den Kansas City Royals. Nach Jason Hammel ist Wood innerhalb weniger Tage der zweite Pitcher vom World-Series-Sieger Chicago Cubs, dessen Dienste die Royals sich gesichert haben. Beide waren in Chicago eher am unteren Ende der Rotation angesiedelt, Wood zuletzt sogar im Bullpen, aber bei den Royals haben beide gute Aussichten auf einen Posten als Starter.

Braves traden für Brandon Philipps
Die Atlanta Braves arbeiten weiter daran, zur Eröffnung ihres neuen Stadions ein schlagkräftiges Team zu präsentieren. Um den Ausfall von Sean Rodriguez (siehe unten) zu kompensieren, wurde in einem Trade mit den Cincinnati Reds 2B Brandon Phillips an Land gezogen. Für die Braves war es ein extrem günstiges Geschäft, denn sie mussten nur die eher vernachlässigbaren Pitching-Prospects Andrew McKirahan und Carlos Portuondo abgeben und die Reds übernehmen sogar noch 13 von den 14 Millionen Dollar, die Phillips dieses Jahr an Gehalt zustehen. Die Reds wollten den 35-jährigen Veteranen offenbar verzweifelt loswerden, obwohl dieser mit einer Slashline von .291/.320/.416 eine sehr ordentliche Saison hinter sich hat und bei den Fans sehr beliebt war. Da Cincinnatis Team dieses Jahr definitiv nicht konkurrenzfähig sein wird, mit Jose Peraza und Dilson Herrera aber zwei große Infield-Talente darauf warten, ihr Können unter Beweis zu stellen, war man froh, für das letzte Vertragsjahr von Phillips überhaupt noch einen Gegenwert zu erhalten.

Verletzungsopfer der ersten Trainingswoche
Leider hat die erste Trainingswoche bereits einige nennenswerte Verletzungen hervorgebracht. An erster Stelle ist hier sicher Alex Reyes zu nennen, der als die große Pitcher-Hoffnung der St. Louis Cardinals galt. Letztes Jahr hatte er in der zweiten Saisonhälfte seine ersten zwölf MLB-Auftritte, darunter fünf Starts, und produzierte einen beachtlichen ERA von 1.57. Dieses Jahr hätte sein endgültiger Durchbruch anstehen können, doch stattdessen wird er sich nun der berühmt-berüchtigten Tommy-John-Surgery am Ellbogen unterziehen müssen. Die Saison ist damit für ihn vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hatte.

Ähnlich schlimm hat es Infield/Outfield-Allrounder Sean Rodriguez erwischt, der gerade erst von den Pittsburgh Pirates zu den Atlanta Braves gewechselt war. Er verletzte sich bei einem Autounfall an der Schulter und wird nach der notwendigen Operation wohl ebenfalls für die gesamte Saison ausfallen.

Nicht die schlimmste, aber die auf skurrilste Art zugezogene Verletzung erlitt Royals-Reliever Brian Flynn: Der frisch Vermählte wollte kurz vor Abreise zum Spring Training noch schnell das Dach der Scheune abdichten, die zum neu erworbenen Häuschen am See gehört. Leider brach er dabei durch das Dach und landete nach knapp vier Metern freiem Fall bewusstlos auf Beton. Zum Glück stellte sich heraus, dass er mit einer gebrochenen Rippe und drei angeknacksten Wirbeln davon gekommen ist und wahrscheinlich nach rund zwei Monaten wieder spielen kann.

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Dezember 22nd, 2016 by Dominik

O. K., so langsam sind wir wohl wirklich in der Saure-Gurken-Zeit der MLB-Offseason angekommen. Jedes Team hat noch ein, zwei Needs und jeder brauchbare Free Agent hat ein paar vermeintliche oder tatsächliche Interessenten, aber Nägel mit Köpfen wurden in den letzten Tagen nur sehr wenige gemacht. Die Spekulationen sprudeln natürlich wie eh und je, von irgendetwas müssen die ganzen hauptberuflichen Baseballschreiber ja leben. Die meisten der Gerüchte erweisen sich jedoch als heiße Luft und die Wahrheit ist vermutlich, dass sich zwischen den Winter Meetings und dem Beginn des neuen Jahres schlichtweg nicht viel tut, weil auch die Verantwortlichen der MLB-Teams sich mal ein bisschen relative Ruhe gönnen. Entsprechend kurz fällt heute der Grand Slam am Donnerstag aus.

Die Phillies verlängern mit Herrera und holen Buchholz
Aktiver als der Rest der Liga waren in den letzten Tagen die Philadelphia Phillies. Zunächst sicherten sie sich letzten Donnerstag den Verbleib von Odubel Herrera bis mindestens 2021. Der Vertrag, der dem nächste Woche 25 werdenden Outfielder ein Einkommen von 30,5 Millionen Dollar sichert, enthält zudem zwei Cluboptionen für die Jahre 2022 (11,5 Millionen) und 2023 (12,5 Millionen). Herrera (.286/.361/.420) war in der vergangenen Saison Philadelphias einziger All-Star und soll ein wichtiger Teil des Kerns junger Spieler bleiben, um den herum die Phillies ein konkurrenzfähiges Team aufbauen wollen.

Eher eine Übergangslösung für die Zeit bis dahin ist Pitcher Clay Buchholz, den die Phillies mitsamt seinem 13,5 Millionen Dollar teuren Vertrag für 2017 von den Red Sox geholt haben. Buchholz überzeugte letztes Jahr zwar eher in seinen 13 Relieve-Auftritten (3.57 ERA) als in den 21 Starts (5.01 ERA), wird aber wohl auch in Philadelphia hauptsächlich als Starter in Erscheinung treten. Nach meiner Einschätzung stehen die Phillies ohnehin vor einem weiteren Jahr, in dem einzelne Ergebnisse noch nicht so wichtig sind und in dem Buchholz eher als Mentor für die jungen Spieler gefragt ist denn als Leistungsträger. Für Buchholz haben die Phillies 2B-Prospect Josh Tobias nach Boston geschickt.

Die Marlins verstärken den Bullpen
Ein weiteres NL-East-Team im Umbruch sind die Miami Marlins und auch sie haben diese Woche ihr Pitching-Personal mit ehemaligen Red Sox verstärkt. Für jeweils zwei Jahre und recht stolze Preise von 16 bzw. 12 Millionen Dollar steigen die beiden Rechtshänder Brad Ziegler und Junichi Tazawa in den Wettbewerb mit A. J. Ramos um die Rolle des Closers der Marlins ein. Diese drei, zusammen mit Kyle Barraclough und Dustin McGowan, bilden einen durchaus ansehnlichen Bullpen, den die Marlins dank ihrer fragwürdigen Starting-Rotation auch bitter nötig haben dürften.

Mike Dunn unterschreibt bei den Rockies
Auch die Colorado Rockies haben sich Hilfe für den Bullpen geholt und bezahlen Linkshänder Mike Dunn 19 Millionen Dollar für drei Jahre plus optional 6 Millionen für ein weiteres Jahr. Dunn bringt aus der letzten Saison in Miami einen ERA von 3.40 mit und als seine Stärke gilt, dass er wenige Homeruns zulässt (bisher 34 in 351 Karriere-Innings). Das klingt nach einer Fähigkeit, die man gut gebrauchen kann, wenn man seine Heimspiele im hitterfreundlichen Coors Field austrägt.

Daniel Hudson geht zu den Pirates
Und noch mal Verstärkung für den Bullpen: Die Pittsburgh Pirates haben sich für zwei Jahre und 11 Millionen Dollar mit Daniel Hudson (zuvor bei den Diamondbacks) geeinigt. Der 29-Jährige, der schon zwei Tommy-John-Surgeries und ein schwaches Jahr 2016 (5.22 ERA in 70 Auftritten) hinter sich hat, ist wohl das nächste Projekt von Pitching-Coach Ray Searage; Searage gilt als Spezialist dafür, aus dem Tritt geratene Pitcher zurück in die Erfolgsspur zu bringen.

Ein Schnäppchen für die Padres
1,75 Millionen Dollar sind für die meisten von uns eine unverschämte Menge Geld, als Jahresgehalt für einen als Free Agent verpflichteten erfahrenen Major-League-Pitcher ist das jedoch ein regelrechtes Schnäppchen. Angeblich verzichtete Jhoulys Chacin auf deutlich lukrativere Angebote, weil die San Diego Padres ihm im Gegenzug einen Platz in der Starting Rotation zusicherten. Diese Rotation wird nach derzeitigem Stand aus Chacin (2016: 144 IP, 4.81 ERA), Luis Perdomo (146.2, 5.71), Christian Friedrich (129.1, 4.80), Paul Clemens (61.1, 3.67) und Jared Cosart (37.1, 6.03) bestehen. Furchterregend klingt anders, ehrlich gesagt.

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Dezember 1st, 2016 by Dominik

Zwei Meilensteine der diesjährigen Offseason wurden an den vergangenen beiden Tagen erreicht: Zuerst kam der nach meiner Einschätzung beste Free Agent des Jahres zu einem neuen Vertrag: Zu meiner großen Freude bleibt Yoenis Cespedes bei den New York Mets. Und heute Nacht einigten sich die Verhandlungspartner quasi in letzter Sekunde auf ein neues CBA und verhinderten damit einen drohenden Arbeitskampf in der MLB.

Neues CBA für 5 Jahre vereinbart
Dass die Teambesitzer und die Spielergewerkschaft sich unmittelbar vor der Deadline zum 1. Dezember auf ein neues Collective Bargaining Agreement (CBA) geeinigt haben, bedeutet nicht nur die Abwendung des befürchteten Lockouts. Es wurden im Zuge der Verhandlungen um den bis 2021 laufenden Rahmenvertrag auch einige wichtige Neuerungen vereinbart:

  • Das All-Star-Game bestimmt künftig nicht mehr das Heimrecht für die World Series. Stattdessen geht der Vorteil an das Team mit der besseren Saisonbilanz.
  • Es wird keine Draft für internationale Spielerverpflichtungen eingeführt, stattdessen wird es eine Beschränkung in Form einer verbindlichen Gehaltsobergrenze geben.
  • Die Grenze für Luxussteuer, also die Strafzahlung für Teams, die besonders hohe Spielergehälter zahlen, wird 2017 auf 195 Millionen und bis 2021 schrittweise auf 210 Millionen Dollar angehoben. Der Spitzensteuersatz für Teams, die weit über der Grenze liegen (vermutlich ab ca. 250 Millionen) wird wohl von derzeit ca. 50% auf eine Größenordnung von 60% bis 70% erhöht. Zudem rutschen Letztere in der Draft um einige Plätze nach hinten.
  • Qualifying Offers für Free Agents wird es weiterhin geben; jeder Spieler kann aber nur einmal ein solches erhalten und wenn er woanders unterschreibt, gibt es eine Draft-Pick-Kompensation nur noch, wenn der Vertrag über 50 Millionen Dollar umfasst. Die Höhe des betreffenden Draftpicks hängt davon ab, ob das neue Team im Finanzausgleich der Liga zu den Gebern oder zu den Empfängern gehört.
  • Die Rostergrößen werden vorerst offenbar nicht angetastet, es bleibt also bei 25 Spielern vor September und 40 Spielern ab September.

Soweit die wichtigsten bisher bekannt gewordenen Details. Das CBA muss von beiden Seiten noch ratifiziert werden.

Dodgers in finanziellen Schwierigkeiten?
Ein Team, das beim Thema Spielergehälter seit Jahren ganz vorne mitspielt und regelmäßig mit Luxussteuern zur Kasse gebeten wird, sind die Los Angeles Dodgers. Diese Woche wurde bekannt, dass die Dodgers hoch verschuldet sind – die Rede ist von mehreren hundert Millionen bis zu einer Milliarde Dollar. Die Existenz dieser Schulden wird vom Team nicht bestritten, zurückgewiesen werden aber Gerüchte, die Dodgers befänden sich unter verschärften Auflagen der MLB. In jedem Fall ist wohl davon auszugehen, dass die Dodgers in den kommenden Jahren bei den Gehältern ein wenig kürzer treten werden. Der Plan ist, dass verstärkt Spieler aus dem eigenen Farmsystem nachkommen und entsprechend weniger in teure Free Agents investiert werden muss.

Porcello und Rendon sind Comeback Players des Jahres
Die meisten Auszeichnungen für Einzelspieler der vergangenen Saison wurden schon vor zwei Wochen vergeben, aber eine hat noch gefehlt, nämlich die für den Comeback Player. Diese per Wahl unter 30 Journalisten (einem je Team) bestimmte Ehre geht dieses Jahr in der American League an Rick Porcello von den Boston Red Sox und in der National League an Anthony Rendon von den Washington Nationals.

Wie der Name schon sagt, zeichnet der Award Spieler aus, die nach einer schwächeren Phase zurück zu alter Stärke gefunden haben. Auf Porcello trifft das zweifellos zu: 2015 brachte er es in 172 Innings auf 4.92 ERA und nur 0.6 WAR, 2016 fraß er 223 Innings und verdiente sich mit 3.15 ERA und 5.0 WAR bereits den Cy-Young-Award. Auch Rendon ist eine passende Wahl. Er steigerte sich binnen eines Jahres von einer OPS von .707 mit 5 Homeruns auf .798 mit 20 Homeruns.

Cespedes bleibt ein Met
Mein größter Wunsch an diese Offseason war, dass Outfielder Yoenis Cespedes bei den New York Mets bleibt und dass der Vertrag drei bis vier Jahre lang läuft. Mission erfüllt: Cespedes hat für vier Jahre und 110 Millionen Dollar unterschrieben. Damit haben beide Seiten eine ordentliche Planungssicherheit, gleichzeitig läuft die Bindung aber nicht so lang, dass man befürchten muss, irgendwann jahrelang auf einem teuren Vertrag zu sitzen, für den aus Alters- oder Motivationsgründen die Gegenleistung nicht mehr stimmt. Aller Voraussicht nach werden die Mets nun einen ihrer anderen Outfielder wegtraden, denn mit Cespedes, Conforto, Granderson, Bruce, Nimmo und Lagares herrscht ein Überangebot an potenziellen Stammspielern. Am wahrscheinlichsten ist, dass man sich von Bruce oder Granderson trennt; für beide gibt es wohl schon Interessenten, allen voran die Blue Jays. Wenn ich noch einen Wunsch äußern darf, nachdem mein größter schon erfüllt wurde: Ich hoffe sehr, dass Bruce geht und Granderson bleibt – sowohl aus sportlichen als auch aus Sympathiegründen.

Volquez geht zu den Marlins
Es gab noch ein paar weitere Free-Agent-Signings diese Woche, aber die neben Cespedes erwähnenswerteste Verpflichtung ist in meinen Augen die von Edinson Volquez durch die Miami Marlins. Die Marlins sind – nicht erst seit dem tragischen Tod von Jose Fernandez – eines der Teams mit den größten Lücken in der Starting Rotation und Volquez ist sicher einer der interessanteren Veteranen, die zur Verfügung standen. 2016 hatte der 33-jährige Volquez ein schwaches Jahr (5.37 ERA), frühere Leistungen (2014 3.04 ERA; 2015 3.55 ERA) geben aber Anlass zur Hoffnung, dass dies nur ein negativer Ausreißer war. Was den Zweijahresvertrag über 22 Millionen Dollar aus Teamsicht noch ein Stück attraktiver macht ist die Tatsache, dass die Kansas City Royals ihm kein Qualifying Offer unterbreitet hatten und die Marlins somit keinen Draftpick abgeben müssen.

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Juli 21st, 2016 by Dominik

Seit knapp einer Woche wird wieder MLB-Baseball gespielt und wer hätte es gedacht: Am besten aus der Pause gekommen sind die Los Angeles Angels of Anaheim mit einer glatten 6-0-Bilanz nach dem All-Star-Break. An der Spitze der Liga herrscht unterdessen ziemlich große Ausgeglichenheit: In der National League haben alle drei Divisionsspitzenreiter gleich viele Siege auf dem Konto und in der American League könnte neben der East- nun auch die West-Division zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen um den Divisionssieg werden. Bei solch engen Verhältnissen kann die eine oder andere gelungene Aktion zur Trade-Deadline durchaus entscheidend für den Saisonausgang werden.

National League

In der National League East bleiben die Washington Nationals (57-38) klar vorne, während der spannende Teil der Division momentan der Kampf um Platz zwei ist. Die Miami Marlins (51-43) haben momentan knapp die Nase vor den New York Mets (50-44) und würden damit auch den zweiten Wild-Card-Platz der NL belegen. Schon am kommenden Wochenende kann sich das entweder ändern oder stabilisieren, denn von Freitag bis Sonntag sind die Mets und die Marlins zu einer Drei-Spiele-Serie in Miami verabredet.

Den Chicago Cubs (57-37) scheint die Pause gut getan zu haben: Mit einem 2-9-Slump sind sie in selbige hinein gegangen, mit zwei gewonnenen Serien gegen die Rangers und die Mets sind sie aus ihr herausgekommen. Damit sind sie (dank einer Niederlage weniger als die Nationals und die Giants) knapp zurück an der Spitze der MLB. In der NL Central ist der Vorsprung auf die St. Louis Cardinals (50-44) und die Pittsburgh Pirates (48-46) nach wie vor komfortabel und durch den gestrigen Trade für Pitcher Mike Montgomery haben die Cubs bereits demonstriert, dass sie willens sind, ihren ohnehin schon starken und ausgeglichenen Kader weiter zu verbessern, um ihrer Rolle als Favorit auf die World Series gerecht zu werden.

Weniger gut – um nicht zu sagen: miserabel – sind die San Francisco Giants (57-38) in den zweiten Teil der Saison gestartet: fünf Spiele, fünf Niederlagen, darunter drei gegen die nicht wirklich konkurrenzfähigen San Diego Padres (41-54). Der Slump der Giants öffnet in der NL West die Tür für die seit Wochen in Lauerstellung befindlichen Los Angeles Dodgers (53-43), die allerdings ihrerseits nur zwei von fünf Spielen nach dem All-Star-Break gewinnen konnten und deren Starting Pitching von massiven Verletzungssorgen geplagt wird: Nach Alex Wood droht nun auch Megastar Clayton Kershaw eine OP mit mehrmonatiger Ausfallzeit und auch Hyun-Jin Ryu musste nach nur einem Start wieder auf die DL. Mit einer zusammengefassten Bilanz von 10-17 ist keine Division so schlecht aus der Pause gekommen wie die NL West.

American League

Keine Division macht dieses Jahr so viel Spaß wie die American League East. Zwischen Platz eins und Platz drei liegt rechnerisch nur ein einziges Spiel, wobei kurioserweise von den Dreien das Team mit den meisten Siegen gleichzeitig die meisten Niederlagen auf dem Konto hat und deswegen in der Tabelle hinter den beiden anderen steht. Ganz vorne sind seit heute Nacht zur Abwechslung die Boston Red Sox (53-39), hauchdünn vor den schlecht aus der Pause gekommenen Baltimore Orioles (53-40) und den Toronto Blue Jays (54-42). Und als ob ein Dreikampf nicht genug wäre, wehren sich auch die New York Yankees (48-46) mit zuletzt vier Siegen in Folge (drei davon gegen die Orioles) massiv dagegen, die Saison abzuhaken.

Die AL Central bleibt, was den Abstand zwischen Platz eins uns zwei betrifft, die Division mit den klarsten Verhältnissen. Die Cleveland Indians (56-38) haben in den ersten Spielen nach dem All-Star-Break das getan, was sie schon die gesamte Saison tun, nämlich Serien gegen ihre Divisionsgegner gewinnen, in dem Fall gegen die Minnesota Twins (35-59) und die Kansas City Royals (47-47). Durch den schwachen Start sowohl der Royals mit 2-4 als auch der Chicago White Sox (46-48) mit 1-5 in den zweiten Teil der Saison gibt es in der AL Central plötzlich nur noch zwei Teams mit einer Bilanz über .500. So sind die Detroit Tigers (49-46) momentan alleiniger Verfolger der Indians, aber mit zuletzt zwei Niederlagen gegen die Twins machen auch sie nicht den Eindruck, zu einer echten Aufholjagd fähig zu sein. Apropos Twins: Max Kepler kam seit dem All-Star-Break in allen sechs Spielen zum Einsatz. Leider gelangen ihm dabei in 23 At-Bats nur zwei Hits, aber immerhin waren beide Homeruns.

Ganz anders sieht es in der AL West aus, denn hier ist die seit Wochen anhaltende Aufholjagd der Houston Astros (51-44) nach wie vor in vollem Gange. Seit der Pause haben die Astros – wenngleich nur mit einer ausgeglichenen 3-3-Bilanz – weitere zwei Spiele auf die Texas Rangers (55-41) gut gemacht. Vor dreieinhalb Wochen lagen die Rangers noch scheinbar uneinholbar 10.0 Spiele vor den Astros, nun sind es nur noch 3.5. Nun müssen die Astros gegen die Los Angeles Angels (43-52) ran. Das sollte normalerweise eine mehr als lösbare Aufgabe sein, aber die Angels haben gerade zum ersten Mal in diesem Jahr einen echten Lauf und man darf gespannt sein, ob sie nach den White Sox und den Rangers auch den Astros in die Suppe spucken können. Mit den Seattle Mariners (48-47) hat die AL West noch ein weiteres Team mit knapp positivem Record. Die Mariners sind einer der Wackelkandidaten, von denen man nicht recht weiß, ob sie sich noch Hoffnung auf die Playoffs machen oder ob sie sich bereits auf nächstes Jahr konzentrieren; mir persönlich erscheinen sie zu unkonstant, als dass sie noch ernsthafte Chancen hätten, den Rückstand zum Divisionssieg oder Wild-Card-Platz aufzuholen.

Spielzug der Woche

Die beeindruckendste Einzelleistung dieser Woche hat in meinen Augen Hanley Ramirez vollbracht, der mit drei 2-Run-Homeruns quasi im Alleingang den Ausschlag zu Gunsten der Red Sox beim 11:7 über die Giants gab und seinem Team damit die Tabellenführung in der AL East bescherte. Die Giants hätten es sich wohl besser überlegen sollen, bevor sie Hanley Ramirez so sauer machten, dass er seinen dritten Homerun zwar nicht wie erklärtermaßen beabsichtigt zum Mond, aber zumindest bis an die Oberkante des grünen Monsters schlug…

Statistik der Woche

28 2/3 Innings. So lange schon hat der Bullpen der Yankees keinen Run zugelassen. Mir geht ja beim Schreiben kaum etwas so schwer von der Hand wie ein Lob für die Yankees, aber die Reliever-Truppe um Dellin Betances, Andrew Miller und Aroldis Chapman sucht wirklich ihresgleichen in der MLB. Respekt.

Spiel der Woche

Ich glaube, ich habe schon ein-, zweimal durchblicken lassen, dass ich ein großer Fan von Marathonspielen mit vielen Extra-Innings bin. Die Pirates und die Nationals haben sich letzten Sonntag ein solches geliefert, 18 Innings lang, und das zu einer Sendezeit, die es mir ohne allzu viel Schlafverlust ermöglichte, den üppigen Rest der Partie anzuschauen, nachdem das Spiel meiner Mets vorbei war. Dabei sah es bis zum letzten Strike des neunten Innings überhaupt nicht nach Verlängerung aus, aber Daniel Murphy – verletzungsbedingt nur als Pinch-Hitter im Einsatz – schaffte bei zwei Outs und einem 2-2-Count den ausgleichenden Homerun. Erst eine komplette Spieldauer später gelang erneut ein Run, übrigens wieder ein Homerun nach zwei Outs, dieses Mal aber für die Pirates durch Starling Marte. Interessant war die Aussage von Nationals-Manager Dusty Baker nach dem Spiel: Baker nahm die Niederlage auf seine Kappe, denn eigentlich wäre es sinnvoll gewesen, Marte per Intentional Walk auf Base zu schicken, um Pitcher Jon Niese an den Schlag zu bringen. Genau das hatte Baker auch vor, aber er reagierte nicht schnell genug, um seine Anweisung anzuzeigen und schon hatte Marte gleich den ersten Pitch über den Zaun geschlagen.

Spiel der kommenden Woche

Die Mets und die Marlins duellieren sich das Wochenende über um Platz zwei der NL East hinter den Nationals und gleichzeitig um den zweiten Wild-Card-Platz hinter den Dodgers. Das reizvollste Pitcher-Matchup bietet dabei das Spiel am Samstag (bzw. Sonntagmorgen, 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit), in dem mit Jacob deGrom (2.38 ERA, 3.11 FIP) und Jose Fernandez (2.53 ERA, 2.08 FIP) zwei der besten Werfer der Liga aufeinandertreffen. Beide hatten ihren letzten Einsatz gegen die Phillies und beide haben dabei Glanzleistungen gezeigt, deGrom mit einem One-Hitter und Fernandez mit 14 Strikeouts.

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