Dezember 19th, 2017 by Dominik

Nach einer kleinen Reise um die Welt sind wir zurück in Europa. Hier gibt es genau zwei Länder, die in Sachen Baseball eine klare Vorreiterrolle übernehmen und Ligen mit professionellem Anspruch betreiben. Eines davon sind die Niederlande, die ich mir heute genauer anschaue.

Honkbal-Pionier Grasé
Unser Nachbarland hat eine vergleichsweise lange Baseball-Historie aufzuweisen, deren Beginn sich auf eine konkrete Person zurückführen lässt: Der Amsterdamer Englischlehrer J.C.G Grasé lernte den Sport auf einer USA-Reise kennen und war davon so begeistert, dass er 1911 die Regeln ins Niederländische übersetzte und erste „Honkbal“-Spiele organisierte. Grasé gründete 1912 einen Baseballverband, den Koninklijke Nederlandsche Honkbalbond, und 1913 den ersten Baseballverein Europas: Quick Amsterdam. Quick sowie drei weitere Mannschaften aus Amsterdam – Ajax, Blue White und Hercules – bildeten 1922 die erste niederländische Baseball-Liga. Bis in die 1960er Jahre hinein war Baseball in den Niederlanden ein regional eng begrenztes Phänomen und wurde klar von Teams aus Amsterdam und der Nachbarstadt Haarlem beherrscht. Der Aufstieg von Sparta Rotterdam, das von 1963 bis 1974 neunmal Meister wurde, beendete diese regionale Dominanz.

1969 war Baseball in den Niederlanden noch so populär, dass Prinz Claus das Nationalteam per Handschlag begrüßte.1

Im europäischen Vergleich waren die Niederlande schon immer und sind bis heute das führende Baseball-Land. Im Vergleich mit Fußball, Feldhockey, Radsport, Tennis und einigen anderen ist der Baseball dennoch eine klare Randsportart und seine Popularität ist im Laufe der letzten Jahrzehnte eher gesunken. 2015 umfasste der Koninklijke Nederlands Baseball en Softball Bond (KNBSB) 167 Vereine mit 21.257 Spielerinnen und Spielern – Tendenz leider leicht abnehmend.

Die Hoofdklasse
Die heutige Honkbal Hoofdklasse besteht seit 1958 und in direkter Nachfolge der 1922 gegründeten Liga. Sie umfasst inzwischen regulär acht Teams (wobei 2017 nur sieben antraten, weil das Team Kinheim zurückgezogen wurde). Es gibt ein Auf- und Abstiegssystem mit der zweiten Liga, der Honkbal Overgangsklasse.

Die Hoofdklasse wird gemeinhin als professionelle Liga bezeichnet. Semi-professionell trifft es wahrscheinlich besser, denn tatsächlich erhält nur ein Teil der Spieler ein Gehalt, von dem man zumindest während der Saison leben kann. Üblich sind wohl für die besseren Spieler ein paar hundert bis wenige tausend Euro pro Monat zuzüglich Flüge und Unterbringung für die ausländischen Importspieler.

Gespielt wird im üblichen Zeitraum von April bis September, die reguläre Saison umfasst – bei vollzähliger Liga mit acht Teams – 42 Spiele pro Mannschaft. Jeder spielt gegen jeden je eine Dreierserie zu Hause und auswärts. Die Spiele finden in der Regel am Wochenende statt. Nach der regulären Saison wird in zwei Playoff-Runden, jeweils im Modus Best-of-Five, unter den besten vier Teams der Meister ausgespielt. Die letzten fünf Meisterschaften gingen allesamt an Neptunus Rotterdam, den Rekordmeister mit insgesamt 18 Titeln.

Das Stadion von Rekordmeister Neptunus Rotterdam2

Die Zuschauerzahlen der Hoofdklasse-Spiele sind leider recht ernüchternd: 2011 besuchten im Schnitt nur 178 Leute die Spiele. Neuere Zahlen habe ich nicht gefunden, aber nichts was ich gelesen habe deutet darauf hin, dass die Zahlen seitdem spürbar gestiegen wären. Auch in den niederländischen Medien erhält Baseball wenig Aufmerksamkeit, was angesichts der Besucherzahlen durchaus verständlich ist. Hinsichtlich selbst organisierter Radio- oder Videostreams ist die Lage ähnlich uneinheitlich wie in Deutschland: Zum einen müssen sich dazu engagierte Leute finden, die es machen wollen und können, zum anderen scheiden sich die Geister darüber, ob man mit Liveübertragungen eher mehr oder eher weniger Zuschauer ins Stadion lockt als ohne.

Die Niederlande in internationalen Wettbewerben
In der Weltrangliste der WBSC sind die Niederlande mit Platz acht die am höchsten eingestufte Nationalmannschaft Europas. Diese Einstufung haben sie sich auch redlich verdient, indem sie zum Beispiel in den beiden letzten Weltmeisterschaften, dem World Baseball Classic 2013 und 2017 jeweils Vierter geworden sind und einige Favoriten, unter anderem mehrfach Südkorea und Kuba, besiegt haben. Dazu muss man sagen, dass das niederländische Team von der Kolonialgeschichte des Landes profitiert, denn für die Nationalmannschaft sind auch Spieler aus den früheren niederländischen Überseegebieten wie Aruba und Curaçao spielberechtigt. Auf diese Weise hatte man beim WBC 2017 ein Überangebot an Weltklasse-Shortstops mit Xander Bogaerts (Red Sox), Didi Gregorius (Yankees) und Andrelton Simmons (Angels), zudem Top-Closer Kenley Jansen (Dodgers) und einige weitere MLB-Spieler an Bord.

Auf europäischer Ebene sind die Niederlande eine Klasse für sich: Bei 31 Teilnahmen an der Baseball-Europameisterschaft holten sie 22-mal den Titel, darunter die beiden letzten Meisterschaften: 2014 in Tschechien und Deutschland sowie 2016 zu Hause in Hoofddorp.

Ähnlich dominant sind die niederländischen Teams in den europäischen Klubwettbewerben. Der European Champions Cup geht Jahr für Jahr mit ganz wenigen Ausnahmen entweder nach Italien oder in die Niederlande. Die drei jüngsten Wettbewerbe gewannen 2015 Neptunus Rotterdam, 2016 die Amsterdam Pirates und 2017 erneut Neptunus Rotterdam.

Berühmte Spieler aus den Niederlanden
Die erfolgreichsten „niederländischen“ Baseballer sind sicher die oben genannten Stars aus Aruba und Curaçao, aber auch einige auf dem niederländischen Festland Geborene haben es bereits zu MLB-Karrieren gebracht. Der erste in der modernen Ära des Baseballs war Pitcher Bert Blyleven, der 1970 für die Minnesota Twins debütierte, in seiner 21 Jahre währenden Karriere für vier weitere Teams antrat und 2011 in die Hall of Fame gewählt wurde. Blyleven war ab dem Alter von zwei Jahren in Kalifornien aufgewachsen, erlebte seine sportliche Sozialisation also im Mutterland des Baseballs. Der erste in den Niederlanden geborene und aufgewachsene Major Leaguer war Wim Remmerswaal, der 1979 und 1980 als Reliever für die Red Sox im Einsatz war.

Der meines Wissens einzige zurzeit aktive MLB-Spieler vom niederländischen Festland ist der schon erwähnte Yankees-Shortstop Didi Gregorius. Gregorius wurde 1990 in Amsterdam geboren und sammelte dort seine ersten T-Ball-Erfahrungen, bevor er im Alter von fünf Jahren in die Heimat seiner Familie nach Curaçao zog. Von dort schaffte er 2007 den Sprung zu den Cincinnati Reds, für die er 2012 sein erstes MLB-Spiel absolvierte.

Didi Gregorius3

Ein interessanter Fakt am Rande: Die niederländische Fußball-Legende Johan Cruyff war ursprünglich Baseballer. Mit zehn Jahren begann er in der Baseball-Abteilung von Ajax Amsterdam und erwies sich als talentierter Catcher und Pitcher. Erst mit 15 wurde sein Fußballtalent entdeckt und gefördert, was gleichzeitig das Ende seiner Baseballkarriere bedeutete.

1Quelle: Wikimedia, Urheber: Bert Verhoeff (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikimedia, Quelle: Magalhães (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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September 18th, 2016 by Dominik

Herzliche Glückwünsche an die Niederlande zum verdienten Gewinn der Europameisterschaft im Baseball. Im heutigen Finale wurde Spanien in zehn Innings mit 3:2 besiegt und damit ein dominantes Turnier der Gastgeber gekrönt, die jedes einzelne ihrer Spiele gewonnen haben. Hier findet sich die komplette Abschlusstabelle der EM.

Für Deutschland hat es zwar erwartungsgemäß nicht zum ganz großen Wurf gereicht, aber das Turnier als Vierter abzuschließen, ist auf jeden Fall ein Erfolg. Man kann sagen, Deutschland ist Erster in Leistungsgruppe 2 geworden, denn Italien, Spanien und die Niederlande sind derzeit in Europa offensichtlich eine Klasse für sich, an der es kein Vorbeikommen gibt. Entsprechend eindeutig fielen die deutschen Ergebnisse gegen diese Teams aus: Gegen die Niederlande unterlag man schon in der Vorrunde 2:10, in der Hauptrunde setzte es gegen Italien ein 0:12 und gegen Spanien ein 0:3. Letzteres war eine extrem interessante und vor allem in Sachen Pitching hochklassige Partie. Bis kurz vor Ende des sechsten Innings hatte ein beidseitiger No-Hitter Bestand, bevor Engel Beltre den Bann brach und den ersten von letztlich vier spanischen Hits in diesem Spiel erzielte. Ein 3-Run-Homerun von Jesus Martinez im achten Inning brachte schließlich die Entscheidung, während Deutschland über die vollen neun Innings ohne Hit blieb. Ist ja auch irgendwie unfair, wenn der Gegner Jesus und einen Engel auf seiner Seite hat… 😉

Alle anderen Spiele gewannen die Deutschen, darunter den im letzten Artikel geschilderten 3:1-Nailbiter gegen Tschechien und einen überraschend deutlichen 14:2-Blowout in sechseinhalb Innings gegen Belgien. Um mal ein paar Namen fallen zu lassen: Der überragende Akteur der deutschen Nationalmannschaft war Pitcher Enorbel Marquez, der in 16 Innings nur vier Hits und einen Run zugelassen hat. Angesichts dieser Leistung ist es kaum zu glauben, dass der ehemalige Solinger dieses Jahr für die Berlin Flamingos nur in der zweiten deutschen Liga gespielt hat. In der Offense überzeugten vor allem der Heidenheimer Catcher Simon Gühring mit einer Slashline von .407/.484/.481 sowie der Bonner Outfielder Eric Brenk mit .370/.400/.681, dessen 8 RBI gleichauf mit dem Mainzer 1B/DH Max Boldt (.276/.294/.345) das Team anführen. 

Für Boldt und seine Mainzer Teamkameraden gilt es nun ebenso wie für die Regensburger Nationalspieler, bis zum nächsten Wochenende die mentale und körperliche Frische wiederherzustellen, die für die Finalserie um die Deutsche Meisterschaft nötig ist. Am Samstag um 14 Uhr geht es los, eine ausführliche Vorschau von mir wird es im Laufe der Woche geben.

Für zwei Teams endete die Europameisterschaft sehr bitter, denn Platz elf und zwölf für Russland und Griechenland bedeutet, dass die beiden in den B-Pool absteigen und sich in dem entsprechenden Turnier nächstes Jahr um eine Qualifikation für die Europameisterschaft 2018 bemühen müssen, während der Rest des Feldes automatisch wieder dabei sein wird.

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September 13th, 2016 by Dominik

Das ist mal wieder typisch: Genau während ich meinen gestrigen Artikel veröffentlicht und mich darin über zu wenig Spannung und Überrschungen beklagt habe, fanden die drei spannendsten und/oder überraschendsten Spiele des bisherigen EM-Turniers statt. Der Reihe nach: Zunächst tat sich Schweden unerwartet schwer gegen Großbritannien. Aus einer 5:0-Führung für die Skandinavier wurde ein 5:5 und das Spiel ging in die Extra-Innings, bevor die Schweden es schließlich mit 9:6 gewannen. Es war das erste Spiel des Turniers, bei dem eine Verlängerung nötig war und bei dem deshalb die Regel griff, dass ab dem zehnten Inning jedes Team mit Runnern auf der ersten und zweiten Base startet.

Eine halbe Stunde später begann das Parallelspiel von Mitfavorit Italien gegen Spanien, bei dem es die erste faustdicke Überraschung setzte: Spanien zeigte sich unerwarteterweise acht Innings lang als ebenbürtiger Gegner und explodierte dann förmlich im neunten Inning mit fünf Runs, um Italien 8:3 zu schlagen. Oscar Angulo gelang dabei ein sehenswerter Drei-Run-Homer, den er mit einem ebenso sehenswerten Batflip feierte. Schaut ihn euch hier an.

Ebenfalls parallel zu den beiden vorgenannten Spielen trafen Belgien und Frankreich aufeinander und dieses Spiel war nie spannend, aber dafür sehr überraschend, denn den klaren 14:3-Sieg von Belgien hatte wohl niemand erwartet.

Am heutigen letzten Vorrundenspieltag waren nur noch zwei Entscheidungen zu treffen: zum einen die über den dritten Teilnehmer an der Hauptrunde aus Gruppe B, wobei Belgien durch Frankreichs erwartbare 0:6-Niederlage gegen Spanien bereits durch war, bevor das eigene Spiel gegen Griechenland (18:1) überhaupt angefangen hatte. Zum anderen spielten Deutschland und Tschechien Platz zwei in Gruppe A unter sich aus. Beide waren zwar bereits für die Hauptrunde qualifiziert, aber das Spiel war trotzdem sehr wichtig, da die Hauptrundenreilnehmer die gegeneinander erzielten Punkte aus der Vorrunde mitnehmen.

Die Partie zwischen Deutschland und Tschechien war von großartigem Pitching und ebenso starker Defense geprägt. Die Starter Enorbel Marquez (Deutschland) und Radim Chroust (Tschechien) trugen einen beidseitigen Shutout mit jeweils nur drei erlaubten Hits bis ins achte Inning hinein. Der erste Knackpunkt kam in der unteren Hälfte des achten Innings: Marquez erlaubte dem Leadoff-Hitter Petr Zyma einen Double und wurde nach nur 73 Pitches gegen Tim Stahlmann ausgewechselt. Leider fand Stahlmann nicht ins Spiel und musste seinerseits nach nur drei At-Bats – einem Walk, einem Sac-Fly und einem intentional Walk – bei geladenen Bases Platz für Max Schmitz machen. Dem erging es zunächst nicht besser, er erlaubte einen weiteren Walk und damit das 1:0 für Tschechien, bevor er das Inning mit zwei Strikeouts beenden konnte.

Das neunte Inning begann mit einem Strikeout gegen Marcel Jimenez und Deutschland war nur noch zwei Outs von der Niederlage entfernt. Doch unter großem Druck platzte endlich der Knoten in der deutschen Offense und durch Basehits von Simon Gühring, Max Boldt, Christopher Howard, Eric Brenk und Jendrik Speer sowie einen Walk von Ludwig Glaser kamen drei Runs über die Platte zum 3:1-Endstand, den Schmitz durch ein perfekt gepitchtes Schlussinning für sein Team festhielt.

Morgen findet in Hoofddorp nur ein einziges Spiel statt. Frankreich und Schweden wetteifern ab 14:30 Uhr um Platz sieben und damit ist für sie das Turnier beendet. Von Donnerstag bis Samstag finden dann die Spiele der Meisterschafts- und der Abstiegsrunde statt, bevor am Sonntag das Finale zwischen dem Erst- und dem Zweitplatzierten der Meisterschaftsrunde ansteht. Das nächste Spiel der Deutschen steigt am Donnerstag um 15 Uhr gegen Italien. Wie alle Deutschland-Spiele kann man sich die Partie live auf meinsportradio.de anhören.

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September 12th, 2016 by Dominik

Im Rahmen der begrenzten Möglichkeiten (dazu später mehr) verfolge ich aufmerksam die Baseball-EM im niederländischen Hoofddorp. Nach den ersten zweieinhalb Spieltagen war ich relativ enttäuscht, weil sämtliche Spielverläufe und –resultate sehr vorhersehbar ausfielen: In jeder der beiden Gruppen gibt es mit den Niederlanden respektive Italien ein quasi unschlagbares Team, dahinter je zwei Teams, die mit diesen beiden nicht mithalten können, allen anderen jedoch ebenfalls klar überlegen sind. Das führte dazu, dass die Spiele von Freitag bis Sonntagmittag mehr oder weniger komplett frei von jeder Spannung waren und allesamt den ohne hellseherische Fähigkeiten erwartbaren Ausgang nahmen – Deutschlands Sieg gegen Schweden und die Niederlage gegen die Niederlande eingeschlossen.

Seit gestern Nachmittag hat sich das zum Glück etwas geändert: Sowohl das Spiel von Deutschland gegen Großbritannien (3:2) als auch das der Niederlande gegen Russland (3:1) endeten zwar letztlich mit Favoritensiegen, doch diese fielen deutlich knapper aus als erwartet und man hatte erstmals das Gefühl, dass in diesem Turnier auch mal eine Überraschung möglich ist. Hinzu kommt, dass die Ersteller des Spielplans es offenbar gezielt darauf abgesehen haben, die Spannung im Laufe der Vorrunde zu steigern: Heute treffen bei den Partien Italien – Spanien und Niederlande – Tschechien die beiden Favoriten auf ihre mutmaßlich ernsthaftesten Verfolger, morgen folgen mit Spanien – Frankreich und Deutschland – Tschechien vermutlich direkte Endspiele um Platz zwei in jeder Gruppe. So nimmt das Turnier langsam Fahrt auf und spätestens wenn nach dem morgigen Ende der Vorrunde das Teilnehmerfeld in eine Meisterschafts- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt wird, dürfte es mit der Langeweile der ersten Tage vorbei sein.

Für die deutsche Nationalmannschaft ist der Einzug in die Meisterschaftsrunde übrigens seit heute sicher, von Platz drei in Gruppe A dürfte sie auch bei ungünstigstem Verlauf der restlichen Vorrunde nicht mehr zu verdrängen sein.

Zwei Dinge möchte ich noch ansprechen: zum einen dass der Mainzer 1B/DH Max Boldt ein überragendes Turnier spielt. Von neun Runs, die die Deutschen in den ersten drei Spielen erzielten, gingen fünf auf das RBI-Konto von Boldt, einen weiteren brachte er selbst zur Platte. Damit war er der Motor, der die Offensive seines Teams am Laufen hielt, bevor sich heute gegen Russland die gesamte Mannschaft in Schlaglaune zeigte und mit 16 Runs in sechs Innings so explodierte, dass das Spiel per Mercy Rule beim Stand von 16:4 beendet wurde – dabei gingen drei weitere RBI und ein Run von Max Boldt aus.

Zum anderen möchte ich noch mal erwähnen, auf welchen Wegen man die Spiele der EM verfolgen kann: Einen Videostream gibt es nicht, lediglich die Spiele der Gastgeber und das Finale werden von einem niederländischen Bezahlsender gezeigt. Es gibt aber einen hervorragenden englischsprachigen Radiostream auf meinsportradio.de und zwar für alle Spiele von Deutschland und täglich ein weiteres Spiel. Von diesen Spielen werden im Nachhinein auch Highlightvideos auf eurobaseballtv.com bereit gestellt. Alle Spiele kann man im Liveticker auf der Turnier-Homepage verfolgen. Und dann gibt es noch täglich am späten Abend einen ca. halbstündigen deutschsprachigen Podcast von justbaseball.de mit vielen Informationen und Interviews, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

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September 6th, 2016 by Dominik

Am Freitag geht es los mit der Baseball-Europameisterschaft im niederländischen Hoofddorp. In einem zehntägigen Turnier spielen dann zwölf Nationalmannschaften den Titel unter sich aus. Auch die deutsche Mannschaft ist dabei und hofft, eine ordentliche Rolle spielen zu können. Die Favoriten sind aber andere: Das Turnier wurde bislang 33-mal ausgetragen und mit Spanien 1955 und Belgien 1967 gab es nur zweimal einen Titelträger, der nicht Italien oder Niederlande hieß. Die restlichen Titel teilten die beiden Großen des europäischen Baseballs unter sich auf, 21 gingen an die Niederlande und 10 an Italien. Auch dieses Mal wäre es schon eine massive Überraschung, wenn jemand anderes ins Finale vorstößt als diese beiden.

Der Turniermodus funktioniert etwas anders als man ihn beispielsweise von der Fußball-EM oder aus den Playoffs der MLB oder der Baseball-Bundesliga kennt: Zwar gibt es auch bei der Baseball-EM zunächst eine Vorrunde, die in zwei Gruppen á sechs Mannschaften abläuft und in der je Gruppe jeder einmal gegen jeden spielt. Danach gibt es aber keine K.O.-Runde sondern eine neue Gruppenaufteilung in eine Meisterschaftsgruppe, bestehend aus den ersten drei Teams jeder Vorrundengruppe, sowie in eine Abstiegsrunde, in der die Fünft- und Sechstplatzierten antreten. Innerhalb dieser neuen Gruppen spielen nur die Teams gegeneinander, die nicht schon in der Vorrunde aufeinander getroffen sind. Nur für die Viertplatzierten der beiden Vorrundengruppen endet das Turnier frühzeitig: Sie spielen nach der Vorrunde noch Platz sieben gegeneinander aus und müssen dann nach Hause fahren. Ganz am Schluss, am 9. September, gibt es ein echtes Endspiel, in dem der Erste gegen den Zweiten der Meisterschaftsgruppe antritt. Auf der Wikipedia-Seite des Turniers kann man sich das alles übersichtlich anschauen.

Das deutsche Team hat die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten: Am Freitag um 11 Uhr vormittags beginnt die EM mit der Partie Deutschland gegen Schweden. Das Minimalziel für die deutsche Mannschaft dürfte darin bestehen, es auf Platz drei ihrer Gruppe und damit in die Meisterschaftsrunde zu schaffen. Das ist ein realistisches Ziel: In Gruppe A gibt es mit Rekordmeister und Gastgeber Niederlande einen großen Favoriten, dahinter kann man wohl Tschechien und Deutschland als ungefähr gleich stark einstufen, während Großbritannien, Russland und Schweden die Gegner sind, gegen die Gewinnen quasi Pflicht ist. In Gruppe B ist natürlich Italien favorisiert, dahinter könnte es zwischen Spanien, Belgien und Frankreich spannend werden, während Griechenland und Kroatien wohl eher in Richtung Abstiegsrunde blicken müssen.

Zur Vorbereitung auf das Turnier gab es in den letzten Tagen schon einige Freundschaftsspiele und Vorturniere. Deutschland spielte bei der Yoshida Challenge mit und zeigte sich bereits in guter Form mit zwei Siegen gegen Frankreich, einem Sieg gegen ein internationales Auswahlteam sowie einer deutlichen und einer nur knappen Niederlage gegen die Niederlande. Die Vorbereitungsspiele sollte man aber nicht zu sehr als Gradmesser für die EM ansehen, denn die Roster der Mannschaften waren noch nicht komplett; unter anderem fehlten noch fast alle in Amerika aktiven Spieler.

Neben dem Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bin ich gespannt, welche anderen Stars der Baseball-Bundesliga dem Turnier ihren Stempel aufdrücken können; infrage kommen dafür beispielsweise die beiden Mainzer Offensivwaffen Thomas de Wolf (Belgien) und Peter Johanessen (Schweden) oder die Regensburger Pitcher Jan Tomek (Tschechien) und Mike Bolsenbroek (Niederlande), um nur ein paar zu nennen.

Zum anderen ziehen natürlich immer vor allem die Akteure erhöhte Aufmerksamkeit auf sich, die schon mal MLB-Erfahrung gesammelt haben oder aber auf dem Sprung dorthin stehen. Aktuelle Major Leaguer wie Didi Gregorius, Jonathan Schoop, Xander Bogaerts (alle Niederlande) oder Max Kepler (Deutschland) wird man natürlich vergeblich suchen, schließlich läuft die MLB-Saison auf Hochtouren und geht in jedem Fall vor. Dabei sein werden aber einige Minor Leaguer, darunter voraussichtlich die Catcher Chris Berset (Großbritannien, AAA-Reds) und Andy Paz (Frankreich, AA-Athletics). Ob auch die deutschen MiLB-Hoffnungen Donald Lutz, Nadir Ljatifi und Sven Schüller anreisen werden, konnte ich bisher leider nicht herausfinden, der DBV hat das endgültige Roster noch nicht bekannt gegeben.* Den Träger des größten Namens wird man abseits des Spielfeldes antreffen: Trot Nixon, der zehn Jahre lang in der MLB spielte und entscheidenden Anteil am Gewinn der World Series 2004 durch die Red Sox hatte, fungiert als Bench Coach der tschechischen Mannschaft.

Bewegte Livebilder wird es von der EM meines Wissens leider nicht geben, aber immerhin wird meinsportradio.de zwei Spiele täglich (darunter alle Spiele der Deutschen) zum Hören anbieten mit englischsprachigem Kommentar von Tim Collins und Ty Eriksen. Außerdem sind Axel und Andreas von meinem Lieblingspodcast Just Baseball vor Ort und planen, täglich eine Sendung aufzunehmen. Ich freue mich darauf.

 

*Update: Der Kader der deutschen Nationalmannschaft wurde nun bekanntgegeben. Ljatifi und Schüller sind dabei, Lutz verletzungsbedingt nicht, Markus Solbach kommt vielleicht während des Turniers noch dazu.

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