Oktober 2nd, 2017 by Dominik

Aus, Ende, vorbei. Für zwanzig der dreißig MLB-Teams ist die Saison 2017 seit letzter Nacht abgeschlossen. Manche dieser zwanzig sind bitter enttäuscht, entweder weil sie bis kurz vor Schluss noch Playoff-Hoffnungen hatten wie die Los Angeles Angels und die Milwaukee Brewers oder weil sie im ganzen Jahr nie die selbst gesetzten Erwartungen erfüllen konnten wie zum Beispiel die New York Mets und die San Francisco Giants. Andere wie die Philadelphia Phillies oder die Chicago White Sox ziehen den Schlussstrich schneller und bereitwilliger, weil 2017 für sie ohnehin nur ein Zwischenschritt beim Neuaufbau war. Über all diese Teams wird in der kommenden Offseason noch zu reden sein, aber jetzt stehen erst mal die anderen zehn Mannschaften im Mittelpunkt: Willkommen zu den MLB-Playoffs 2017!

Morgen Nacht geht es los mit den spannendsten Spielen des bisherigen Baseballjahres, den Wild Card Games. Der Modus ist für diese Sportart extrem untypisch, denn es entscheidet jeweils ein einziges Spiel über Weiterkommen oder Ausscheiden. Das muss man nicht gut finden – tue ich auch nicht –, aber es ist zumindest insofern interessant, als es eine ganz eigene taktische Herangehensweise bedingt, insbesondere beim Pitching. Jedes der vier Teams wird seinen besten Starter ins Rennen schicken und gleichzeitig bereit sein, bei der kleinsten Schwäche zu wechseln.

New York Yankees – Minnesota Twins
Die American League macht den Anfang mit der Partie der Yankees gegen die Twins Dienstagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Beide Teams haben gemeinsam, dass sie eine überraschend starke Saison gespielt und es ziemlich unerwartet in die Playoffs geschafft haben. Die Yankees gehen als deutlicher Favorit in das Spiel, nachdem sie eine Bilanz von 91-71 aus der regulären Saison mitbringen und sich dadurch das Heimrecht gegenüber den Twins (85-77) verdient haben. Auch das Run Differential – mit +198 das zweitbeste in der AL hinter den Indians – spricht klar für die Yankees, während es die Twins nur auf +27 bringen. Von den bislang sechs direkten Aufeinandertreffen in diesem Jahr haben die Yankees vier gewonnen, darunter vor zwei Wochen die komplette Drei-Spiele-Heimserie.

Mir persönlich geht es so, dass ich bei den Yankees vor allem an die Offensiv-Power um Aaron Judge und Gary Sanchez denke, aber tatsächlich haben die New Yorker in der AL nicht nur die zweitmeisten erzielten Runs (hinter den Astros), sondern auch die zweitwenigsten zugelassenen Runs (hinter den Indians) auf dem Konto. Mit einem Starter-ERA von 3.98 und einem Bullpen-ERA von 3.34 stehen die Yankees jeweils in der Spitzengruppe, während die Twins mit Werten von 4.73 bzw. 4.40 nur unter ferner liefen auftauchen. Mit Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) für die Yankees und Ervin Santana (3.28 ERA, 4.46 FIP) treten beide Teams mit ihrer besten Option auf dem Mound an.

Ich kann es drehen und wenden, wie ich will – ich finde kein Argument, das für die Twins spricht. Außer vielleicht, dass sie unter weitaus geringerem Erfolgsdruck stehen. Für Minnesota hat die Saison schon jetzt historischen Wert, nachdem sie es vom schlechtesten Team der gesamten MLB mit 103 Niederlagen 2016 zum Playoff-Teilnehmer 2017 gebracht haben. Die Yankees haben zwar ebenfalls bereits die Erwartungen übertroffen, aber es ist jedem klar: Wenn die Yankees in die Playoffs kommen, dann erwartet man von ihnen, dass sie um die World Series spielen.

Der Sieger des Spiels wird ab Donnerstag in der ALDS gegen die Cleveland Indians antreten. Ich tippe, dass das die Yankees sein werden, auch wenn ich Max Kepler und den Twins alle verfügbaren Daumen drücke.

Arizona Diamondbacks – Colorado Rockies
In der National League treffen ab Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) zwei Teams aufeinander, die sich sehr gut kennen. Die Diamondbacks und die Rockies teilen sich seit Jahren in der Saisonvorbereitung einen gemeinsamen Trainingskomplex und als Divisionsrivalen in der NL West haben sie dieses Jahr schon 19-mal gegeneinander gespielt. Die Bilanz sowohl dieser Begegnungen (11-8) als auch die der Saison insgesamt (93-69) spricht für die Diamondbacks, weshalb die Rockies (87-75) auswärts antreten müssen.

Wie in der AL treffen auch in der NL zwei Teams aufeinander, die nicht Viele auf der Rechnung für eine Playoff-Saison hatten. Und ähnlich wie in der AL ist die Favoritenrolle relativ eindeutig festgelegt: Das Run Differential der Diamondbacks (+153) übertrifft das der Rockies (+67) sehr deutlich. Das liegt vor allem daran, dass sie viel weniger Runs zugelassen haben (659 gegenüber 757), während bei den erzielten Runs die Rockies (824) leicht die Nase vor den Diamondbacks (812) haben. Bei beiden Werten muss man berücksichtigen, dass die Rockies die Hälfte ihrer Spiele im hitterfreundlichsten Ballpark der Liga austragen. Greift man auf Statistiken mit Korrekturfaktor zurück wie wRC+ oder ERA+, so ergibt sich ein recht deutlicher Vorteil für die Diamondbacks sowohl in der Offense als auch in der Defense.

Als Starter werden die Diamondbacks in Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) einen der besten Pitcher der Liga aufbieten. Greinke hat in der regulären Saison unter Beweis gestellt, dass sein schwaches Jahr 2016 für ihn nicht mehr als ein statistischer Ausreißer nach unten war. Sein Gegenüber wird der deutlich unerfahrenere Jon Gray sein, dessen Werte von 3.67 ERA und 3.18 FIP aber für einen Rockies-Pitcher erstaunlich gut sind. Im Gegensatz zu den Rockies insgesamt kann man von Gray nicht behaupten, dass er gegen Saisonende nachgelassen hätte: In seinen letzten 13 Starts hat er kein einziges Mal mehr als drei Runs zugelassen.

Der Sieger wird ab Freitag in der NLDS gegen die Los Angeles Dodgers antreten. Mein Tipp lautet, dass das Spiel knapp an die Diamondbacks geht.

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September 28th, 2017 by Dominik

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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September 18th, 2017 by Dominik

Man kann es nicht oft genug sagen: Besucht die heimischen Ballparks, da wird sehr guter Baseball gespielt – natürlich nicht ganz auf MLB-Niveau, aber mit genauso viel Herzblut und Leidenschaft. Zugegeben, in manchen Begegnungen während der regulären Saison ist das Leistungsgefälle leider sehr hoch. Aber spätestens in den Playoffs, wenn die Créme des Bundesliga-Baseballs unter sich ist, geht es regelmäßig extrem spannend zu.

Im Viertelfinale war dieses Jahr vor allem ein Duell heiß umkämpft, nämlich das zwischen den beiden Erzrivalen des Nordens, den Bonn Capitals und den Solingen Alligators. Favorit Bonn hatte in seinen Heimspielen mit zwei Siegen vorgelegt, doch die Solinger konnten die Best-of-Five-Serie in ihren beiden Heimspielen drehen. Da das Regenwetter an dem betreffenden Wochenende nicht mehr als diese zwei Spiele erlaubte, mussten die Capitals und die Alligators am eigentlichen Halbfinal-Wochenende nachsitzen: Am vergangenen Samstag spielten sie in Spiel fünf zunächst ihren Sieger aus – die Capitals behielten dank eines Galauftritts von Pitcher Sascha Koch (Complete Game, 3 Hits, 1 Run) mit 6:1 die Oberhand –, der dann gleich am Sonntag seine Heimspiele im Halbfinale gegen die München-Haar Disciples austragen musste.

Die Disciples, die sich mit 3:1 Siegen über Paderborn ins Halbfinale gespielt hatten, gerieten im ersten Spiel in Bonn mit 0:10 sehr deutlich unter die Räder, revanchierten sich aber im zweiten Teil des Doubleheaders mit einem 7:4-Sieg. Haars Star-Pitcher Ryan Bollinger sorgte mit 14 Strikeouts in sieben Innings mal wieder für anerkennendes Staunen, allerdings ließ er auch untypische vier Runs zu. In beiden Spielen gab es eine frühe Vorentscheidung durch je ein großes Inning des späteren Siegers: sechs Runs für die Capitals im dritten Inning des ersten, fünf Runs für die Disciples im zweiten Inning des zweiten Spiels. Für das kommende Wochenende ist in diesem Duell alles offen. Es wird in Haar mindestens zwei Spiele geben (Samstag, 14 Uhr, und Sonntag, 13 Uhr) und falls nötig das entscheidende fünfte Spiel direkt im Anschluss.

Genauso sieht es zwischen den Mainz Athletics und den Heidenheim Heideköpfen aus: Auch im Duell des Deutschen Meisters von 2016 und des Spitzenreiters der regulären Saison 2017 steht es 1:1. Die Heideköpfe setzten sich am Samstag mit 5:2 durch, am Sonntag gelang den Athletics ein 3:2-Auswärtssieg. Die Partien drei und vier finden am Samstag (16 Uhr) und Sonntag (13 Uhr) in Mainz statt. Auch hier wird nötigenfalls direkt im Anschluss an das vierte Spiel noch das fünfte ausgetragen. Als Sympathisant der Athletics hoffe ich, dass es dazu nicht kommen wird, denn die Mainzer sind dieses Jahr mit Pitchern leider recht dünn besetzt. Die beiden Starter Tim Stahlmann und Riley Barr müssen sich in Deutschland vor niemandem verstecken, doch drei Spiele an einem Wochenende würden zwangsläufig zu einer Notlösung führen. Mit dem jungen Yannic Wildenhain und „Umschüler“ Lennard Stöcklin sind noch zwei gute Leute vorhanden, aber beide sähe ich lieber in zwei, drei Relief-Innings denn als Starter.

Auch um Auf- und Abstieg wird übrigens noch gerungen, jedenfalls in der Bundesliga Nord. Da anstatt der vorgesehenen acht Teams zuletzt nur sieben Mannschaften mitspielten, wird es aus den zweiten Ligen einen direkten Aufsteiger geben und einen weiteren Kandidaten, der gegen den Verlierer der Bundesliga-Playdowns, die Dortmund Wanderers, eine Relegationsserie spielt. Die besten Karten haben dabei die Berlin Flamingos. Sie haben das Glück, dass der eigentliche Split gegen die Bremen Dockers in zwei Siege für Berlin umgewandelt wurde, nachdem Bremen versehentlich einen nicht spielberechtigten Spieler eingesetzt hatte. Die Flamingos dürften nun – wenn ich nichts übersehe oder falsch interpretiere – als Direktaufsteiger feststehen. Am Samstag ab 12 Uhr hat Bremen gegen die Neunkirchen Nightmares Gelegenheit, den Lapsus auszubügeln und zumindest noch in die Relegation einzuziehen. Neunkirchen würde dafür ein Split reichen.

Im Süden ist die Entscheidung bereits gefallen: Die Bad Homburg Hornets müssen, nachdem die Playdowns äußerst knapp mit 2:3 Siegen gegen Vorjahresaufsteiger Saarlouis verloren wurden, den Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Ihren Platz in der Bundesliga nehmen die Ulm Falcons ein. Die eigentlich auch im Süden vorgesehene Qualifikationsrunde entfiel, weil alle anderen dazu berechtigten Kandidaten auf die Möglichkeit zum Aufstieg verzichteten.

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April 11th, 2017 by Dominik

…aber man kann sie durchaus im April verlieren.“ Diese alte Baseball-Weisheit hört und liest man zurzeit wieder sehr oft. Sie ist das Mantra aller Panikmacher und Überreagierer, denen der Angstschweiß auf der Stirn steht, wenn ihr Team eine oder zwei Wochen nach Saisonstart eine negative Bilanz aufweist. Ich habe mich gefragt, was an dem Sprichwort dran ist.

Gewinnen kann man die World Series nur, indem man in die Playoffs kommt und sich dort in jeder Runde gegen den jeweiligen Gegner durchsetzt. Die früheste Möglichkeit, die World Series zu „verlieren“, besteht darin, sich nicht für die Playoffs zu qualifizieren. Die Behauptung, man könne eine World Series im April verlieren, unterstellt letzten Endes, dass eine schlechte Bilanz im April eine Playoff-Qualifikation unmöglich macht. Auf Basis dieser Überlegung habe ich mir mal für die Jahre 2012 bis 2016 angeschaut, ob und wie oft Teams mit einer schlechten April-Bilanz in die Playoffs gekommen sind – und anders herum, wie die Playoff-Teilnehmer im April abgeschnitten hatten. Das Startjahr 2012 habe ich deswegen gewählt, weil seitdem die bis heute gültige Regel mit zwei Wild Cards je Liga in Kraft ist.

In den fünf Jahren 2012 bis 2016 haben 29 Teams den April mit weniger als 40% Siegen abgeschlossen. Nur zwei von ihnen erreichten am Ende der regulären Saison die Playoffs. Das waren zum einen die Pittsburgh Pirates im Jahr 2014 nach 10 Siegen und 16 Niederlagen (38,5% Winning-Percentage) und zum anderen die Texas Rangers 2015, die nach einem echten Fehlstart mit 7 Siegen und 14 Niederlagen (33,3%) sogar noch ihre Division gewannen. Es gibt solche Fälle also, aber sie sind eindeutig die Ausnahme. Zehn Teams brachten es in den fünf Jahren übrigens zu einer Winning-Percentage von unter 30%. Keines von ihnen schaffte es in die Playoffs.

Um es auch von der anderen Seite her zu betrachten: Den Regeln entsprechend erreichten in jedem der Jahre 2012 bis 2016 zehn Teams die Playoffs. Von diesen 50 Teams wiesen zehn eine negative Aprilbilanz auf (darunter die zwei oben genannten mit weniger als 40% Siegen). Die kombinierte Bilanz der Playoff-Teams 2012 bis 2016 im jeweiligen April beträgt 686-518 (57,0%). Die fünf World-Series-Gewinner der betrachteten Jahre hatten übrigens im Durchschnitt eine April-Bilanz von 65,8%, schwächster World-Series-Sieger im April waren die San Francisco Giants des Jahres 2012 mit 54,6%.

Wenig überraschend zeigt die Betrachtung, dass die meisten Playoff-Teams schon im April des jeweiligen Jahres gut waren und dass die meisten im April schwachen Teams es am Ende nicht in die Playoffs schafften. Dass das Abschneiden im April – wie in jedem anderen Monat der Saison – einen Einfluss auf die Gesamtbilanz der Saison hat, ist logisch. Dennoch bin ich überrascht, wie deutlich das Bild ist: Nimmt man die fünf betrachteten Jahre, eine zugegebenermaßen kleine Stichprobe, zum Maßstab, so kann man sagen, dass an dem eingangs zitierten Sprichwort eine Menge dran ist. Nach einem schlechten April (unter 40% Winning-Percentage) hat man nur noch eine sehr geringe Chance auf den Einzug in die Playoffs und nach einem sehr schlechten April (unter 30%) praktisch gar keine. Man kann davon ausgehen, dass diese Regelmäßigkeiten früher noch eindeutiger galten als heute, da deutlich weniger Teams in die Playoffs kamen – je Liga bis 1969 nur eines, ab 1969 zwei und vier ab 1994. Unvergessen bleiben aber die Oakland Athletics von 2001: Sie beendeten die Saison nach einem 8-17-April noch mit einer Bilanz von sage und schreibe 102-60. Im Baseball ist eben alles möglich, auch wenn manches davon nur äußerst selten passiert.

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Oktober 20th, 2016 by Dominik

Ich bin gerade in den USA und kann deswegen nur sehr wenig Baseball schauen. Klingt komisch, ist aber so. Erstens sind die Playoff-Spiele offenbar nur über Pay-TV und daher nicht auf meinem Hotelfernseher zu sehen. Zweitens unterliegt mein mlb.tv-Abo hierzulande der Blackoutregel. Und drittens kommen die Spiele nach Westküstenzeit so früh am Tag, dass ich zu den Zeiten in aller Regel touristisch unterwegs bin und höchstens mal in einem Geschäft oder einem Lokal ein bisschen was von den Conference Championships mitbekomme. Soviel vorab zur Erklärung, warum ich mich diese Woche hier etwas rar gemacht habe. Jetzt aber genug auf hohem Urlaubsniveau gejammert, los geht’s mit dem Blick auf den Stand der Dinge in der MLB:

American League
Wir haben den ersten World-Series-Teilnehmer des Jahres 2016 und es sind die Cleveland Indians, zum ersten Mal seit 1997. Die Indians sind das Team, das mich dieses Jahr am häufigsten überrascht hat: Schon während der regulären Saison waren sie mit ihrem deutlichen Divisionssieg in der AL Central – vor Detroit, vor Kansas City – weitaus erfolgreicher als ich es erwartet hatte. Dann hatte ich sie in der ALCS unter Anderem wegen diverser Verletzungsausfälle als klaren Außenseiter gegen die Red Sox gesehen, aber die Indians haben Boston mir nichts, dir nichts gesweept. Und nun haben sie auch mit den Toronto Blue Jays relativ kurzen Prozess gemacht.

4:1 haben die Indians die Serie gewonnen und dass die Blue Jays in den vier verlorenen Spielen insgesamt nur sechs Runs erzielt haben, zeigt bereits deutlich, woran es lag: Torontos Offensive hat mal wieder eine der kalten Strecken erwischt, von denen es während der Saison schon einige gegeben hatte. Oder anders herum: Clevelands Pitcher hatten den Gegner hervorragend im Griff. Das gilt vor allem für die überragenden Reliever um Andrew Miller und Cody Allen, aber auch für die verletzungsgebeutelten Starter. Interessanterweise war es ausgerechnet das einzige verbliebene Ass Corey Kluber, der in diesen Playoffs ein Spiel mit den Indians verlor.

Die Indians sind bei mir das ganze Jahr unter dem Radar geflogen. Umso mehr freue ich mich, sie mir nun in der World Series intensiv anschauen zu dürfen. Los geht es am Dienstag in Cleveland gegen den noch nicht feststehenden Gegner aus der NL.

National League
Die Chicago Cubs sind als Favorit sowohl in die Saison als auch in jede Playoffrunde gegangen und bisher sind sie der Favoritenrolle jedes Mal gerecht geworden. Jetzt aber machen die Los Angeles Dodgers ihnen ernsthafte Probleme. In den Spielen 2 und 3 haben diese die Cubs zweimal in Folge bei null Runs gehalten, in den beiden anderen Spielen setzte es hingegen insgesamt 18 Runs für Chicago. Somit steht es in der Serie nun 2:2 und es gibt mindestens zwei weitere Spiele – das erste in Los Angeles, das zweite und falls nötig auch das dritte in Chicago.

Heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit treffen in Spiel 5 Jon Lester und Kenta Maeda aufeinander. Das Pitching-Matchup spricht klar für die Cubs, nachdem Lester in seinen beiden bisherigen Playoff-Auftritten (einer davon gegen die Dodgers) in 14 Innings nur einen Run erlaubte, während Maeda in ebenfalls zwei Starts nur sieben Innings durchhielt und sieben Runs zuließ. Clayton Kershaw, der entgegen meiner Vorhersage schon in Spiel 2 und damit zum dritten Mal innerhalb von sechs Tagen pitchte, stünde ebenfalls schon wieder zur Verfügung, aber da es am Samstag in jedem Fall ein sechstes Spiel geben wird, heben die Dodgers ihn sich aller Voraussicht nach für dieses Spiel auf.

Spielzug der Woche
Aus oben genannten Gründen könnte ich diese Woche das eine oder andere Highlight-Play verpasst haben (hey, das wäre eine schöne Gelegenheit für dich, die Kommentarfunktion zu nutzen). Mitbekommen habe ich jedenfalls ein sehenswertes Double Play von Javier Baez. Das Besondere daran war, dass es unter normalen Umständen nur ein einfaches Out gewesen wäre. Erst durch Baez‘ Geistesgegenwart, den lockeren Infieldschlag von Joc Pederson nicht aus der Luft zu fangen, sondern ihn auf dem Boden aufkommen zu lassen, ergab sich die Möglichkeit, das Inning durch das zweite Out, einen Rundown von Adrian Gonzalez zwischen der zweite und dritten Base, zu beenden.

Statistik der Woche
11.2 Innings Pitched, 21 Strikeouts, 0 Runs Allowed. Das sind die Zahlen der diesjährigen Postseason für Clevelands Andrew Miller. Der Reliever wurde hochverdient zum MVP der ALCS gewählt.

Spiel der Woche
Wir sind zwar mitten in der NLCS und haben die ALCS bereits hinter uns, aber für diese Kategorie muss ich noch mal ein bisschen zurück springen, denn das aufregendste Spiel seit dem letzten Donnerstag war sicher Spiel 5 der NLDS zwischen Washington und Los Angeles, über das ich hier schon ein paar Zeilen geschrieben habe. Von diesem abgesehen dürfte das 4:2 der Indians in Spiel 3 der Serie gegen die Blue Jays die interessanteste Partie gewesen sein. Cleveland gewann das Spiel quasi ohne Starter, da Trevor Bauer schon im ersten Inning wegen einer blutenden Verletzung am Finger raus musste. Einmal mehr zeigte sich, dass die Indians einen hervorragenden Bullpen besitzen, als sechs Reliever insgesamt 8.1 Innings ablieferten und nur zwei Runs zuließen.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Spiele der kommenden Woche sind natürlich die der am Dienstag beginnenden World Series, zuvor stehen aber noch die zwei bis drei ebenfalls enorm bedeutenden Partien um den Gewinn der National League an. Wenn ich mir eine aussuchen müsste, für die sich das Wachbleiben besonders lohnt, dann wäre es Spiel 6 der NLCS. Denn dann kann zum ersten Mal die Entscheidung über den zweiten World-Series-Teilnehmer fallen und das voraussichtliche Matchup zwischen Clayton Kershaw und Kyle Hendricks gehört zum besten, was die MLB zu bieten hat.

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Oktober 14th, 2016 by Dominik

Mit den Los Angeles Dodgers steht nun endlich auch das letzte Team fest, das es in die Championship-Spiele geschafft hat. Bis heute Morgen haben sich die Dodgers mit den Washington Nationals in einer Serie duelliert, die an Spannung nicht zu überbieten war: volle fünf Spiele, während denen zweimal die Serienführung hin und her wechselte, und am Ende triumphierten die Dodgers mit drei Siegen, die allesamt durch einen einzigen Run entschieden wurden.

Die entscheidende Partie brachte gleich eine ganze Reihe von Superlativen hervor: Es war mit 4:32 Stunden das längste 9-Inning-Postseasonspiel aller Zeiten, der 20-jährige Julio Urias wurde zum jüngsten Pitcher mit einem Postseasonsieg in der MLB-Geschichte und Clayton Kershaw verdiente sich den ersten Save seiner MLB-Karriere. Überhaupt hat keiner diese Serie so geprägt wie Kershaw: Das Ass der Dodgers startete im ersten Spiel (101 Pitches, Sieg für LA), startete mit nur drei Tagen Pause im vierten Spiel (110 Pitches, Sieg für LA) und mit nur einem Tag Pause übernahm er im fünften Spiel die Verantwortung für die letzten zwei Outs, nachdem Closer Kenley Jansen ins Straucheln geraten war und ihm zwei Baserunner mit nur einem Aus vererbt hatte. Bis zum letzten Pitch hätte ein ordentlicher Hit den Ausgleich und ein richtig guter sogar den Sieg für die Nationals bedeutet, aber Kershaw löste die Situation souverän, indem er Daniel Murphy zu einem Infield-Flyout zwang und Wilmer Difo ausstrikte. Zu sagen, Kershaw hat der Serie seinen Stempel aufgedrückt, wäre massiv untertrieben.

Damit liegt der Finger allerdings auch schon in der größten Wunde der Dodgers: Clayton Kershaw ist der unumstrittene Star des Teams, aber nach dem massiven Kraftakt in der Divisional-Serie wird er in der Championship-Serie gegen die Chicago Cubs frühestens in Spiel 3 und in höchstens einem weiteren der bis zu sieben Spiele starten können. Die zweit- und drittbeste Option der Dodgers sind der relativ alte Rich Hill, der gestern ebenfalls mit Short Rest pitchte und nicht gerade für sein Durchhaltevermögen bekannt ist, sowie der sehr junge Julio Urias, der den für sein erstes Jahr vorgesehenen Pitch-Count bereits weit hinter sich gelassen hat. Die Cubs hingegen gehen mental und körperlich ausgeruht in die Serie und können personell in jeder Hinsicht aus dem Vollen schöpfen. Kurz gesagt: Ich bleibe bei meinem Tipp von gestern, dass die NLCS eine klare Angelegenheit für die Chicago Cubs wird.

Das erste Spiel zwischen den Dodgers und den Cubs findet übrigens Samstagnacht um 2 Uhr unserer Zeit in Chicago statt. Auf den Mounds werden Jon Lester (2.44 ERA, 3.41 FIP) für die Cubs und Kenta Maeda (3.48 ERA, 3.58 FIP) für die Dodgers stehen.

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Oktober 13th, 2016 by Dominik

Den Grand Slam am Donnerstag hatte ich für diese Woche in erster Linie als Vorschau auf die Championship-Serien vorgesehen und das ist er nun auch geworden, obwohl heute Nacht noch zwei Teams nachsitzen und den zweiten Teilnehmer des National-League-Finales ausspielen müssen. Die Highlights der bisherigen Divisional-Spiele kommen natürlich ebenfalls nicht zu kurz.

National League
Heute Nacht ab 2 Uhr unserer Zeit wird sich zwischen den Los Angeles Dodgers und Gastgeber Washington Nationals entscheiden, wer ab Samstag gegen die Chicago Cubs um die Krone der National League spielen darf. Ich denke und hoffe, dass dieses Entscheidungsspiel so spannend wird wie die bisherige Serie. Dabei halte ich die Nationals für leicht favorisiert, zum einen wegen des Heimrechts und zum anderen weil sie ihr Ass Max Scherzer (2.96 ERA, 3.24 FIP) auf den Mound schicken können. Die Dodgers haben ihren Superstar Clayton Kershaw schon in Spiel 4 verbraucht und müssen auf Routinier Rich Hill (2.12 ERA, 2.39 FIP) und wahrscheinlich auf Rookie Julio Urias (3.39 ERA, 3.17 FIP) zurückgreifen – ebenfalls zwei gute Pitcher, die in der Zahl ihrer Innings bzw. Pitches vermutlich etwas eingeschränkt sind, aber sich gegenseitig gut ergänzen dürften.

Die Chicago Cubs stehen seit Dienstagnacht als NLCS-Teilnehmer fest und gehen in jedem Fall als Favorit in Selbiges – nicht nur, weil sie dieses Jahr in der MLB mit Abstand die meisten Spiele gewonnen und mit Abstand das beste Run Differential erzielt haben, sondern auch weil sie zwei Tage mehr zum Ausruhen zwischen den Serien hatten und somit aus dem Vollen schöpfen können. Der Gegner hingegen wird den oder die heute Nacht verwendeten Starter frühestens in Spiel 3 einsetzen können. Ich sage unabhängig vom Gegner einen deutlichen Seriensieg der Cubs voraus – 4:1, höchstens 4:2.

American League
In der American League geht es schon Freitagnacht mit der Finalserie los. Um 2 Uhr unserer Zeit werden die Cleveland Indians und die Toronto Blue Jays im ersten Spiel der Best-of-Seven-Serie aufeinander treffen. Ich bin sehr gespannt auf diese Serie, nachdem in der vorherigen Runde beide Teams als Außenseiter ins Rennen gegangen waren, aber überraschend souverän ihre jeweiligen Gegner in drei Spielen abgefertigt haben.

Die Starts im ersten Spiel werden Marco Estrada (3.48 ERA, 4.15 FIP) für die Blue Jays und Corey Kluber (3.14 ERA, 3.26 FIP) auf Seiten der Indians absolvieren. Das sieht nach einem leichten Vorteil für die Indians aus, aber sowohl Estrada als auch Kluber haben in dieser Postseason bisher ein Spiel absolviert und sich dabei gleichermaßen in hervorragender Form präsentiert. Beide Teams weisen auch sonst eine starke Starting Rotation auf, wenngleich die Indians nach wie vor auf Carlos Carrasco und auf Danny Salazar (der vielleicht während der Serie zumindest in einer Relieve-Rolle zurückkehren könnte) verzichten müssen. Bei den Bullpens sehe ich die Indians leicht im Vorteil, obwohl ich sehr viel von Roberto Osuna, dem jungen Closer der Blue Jays, halte. In der Offense nehmen sich die Teams nicht viel; beide gehören zur Spitze der Liga, wobei die Blue Jays stärker von Homeruns (221 von insgesamt 759 Runs) abhängen als die Indians (185 von 777).

Auch zur ALCS gebe ich einen Tipp ab, aber es ist nicht viel mehr als ein Münzwurf, denn ich sehe dieses Duell als sehr eng an. Ich sage, die Serie geht über volle sieben Spiele und die Blue Jays gewinnen 4:3.

Spielzug der Woche
Die Blue Jays haben das Duell mit den Texas Rangers per Walk-Off im zehnten Inning mit 7:6 für sich entschieden. Schuld daran war in erster Linie ein schlechter Wurf von Rangers-2B Rougned Odor, aber ebenso großen Anteil hatten der Mut und die Übersicht von Josh Donaldson, auf seinem Weg von der zweiten Base nicht bei der dritten anzuhalten sondern bis zur Homeplate durchzuziehen und dort mit einem perfekten Slide den Catcher zu schlagen. Eric Byrnes und Cliff Floyd haben die spektakuläre Baserunning-Aktion auf amüsante Weise nachgespielt.

Statistik der Woche
6. Das ist die Anzahl von RBIs, die die Pitcher der Chicago Cubs in der Serie gegen die San Francisco Giants erzielt haben. Besonders bemerkenswert fand ich, dass nach drei Spielen die Pitcher mehr RBIs auf dem Konto hatten als die Positionsspieler (5). Erst im vierten Spiel gelang es Letzteren, ihre Ehre zu retten, indem sie alle 6 RBIs verantworteten und damit die Verhältnisse wieder halbwegs gerade rückten.

Spiel der Woche
Die Chicago Cubs haben die San Francisco Giants dreimal besiegt, aber das interessanteste Spiel war für mich das eine, das die Giants gewonnen haben. Es passiert mir nicht oft, dass ich morgens zu meiner normalen Zeit aufstehe und noch fünfeinhalb Innings Baseball erleben darf, aber am Dienstagmorgen war es so. Verpasst hatte ich bis dahin siebeneinhalb Innings, in denen Cubs-Pitcher Jake Arrieta der einzige gewesen war, der mit einem 3-Run-Homerun Giants-Ass Madison Bumgarner überwinden konnte. Ich schaltete gerade rechtzeitig ein, um zu sehen, wie Conor Gillaspie (der schon wieder!) im unteren achten Inning per Triple aus einem 2:3-Rückstand eine 4:3 Führung machte, die nach einem Single von Brandon Crawford noch auf 5:3 anwuchs. Die Cubs wären nicht die Cubs, wenn so ein Nackenschlag sie zum Aufgeben brächte, also glichen sie im neunten Inning durch einen 2-Run-Homerun von Kris Bryant auf 5:5 aus. Erst vier Innings später gelang den Giants dann doch der erlösende Walk-Off-Run durch Brandon Crawford bei einem Double von Joe Panik. Die Giants erhöhten damit ihre Serie von gewonnenen Playoffspielen, in denen das Ausscheiden drohte, auf zehn hintereinander. Beim Versuch, elf daraus zu machen, war dann allerdings Schluss.

Spiel der kommenden Woche
In den Playoffs zählt jedes Spiel, aber das Spiel zwischen den Dodgers und den Nationals heute Nacht zählt noch ein bisschen mehr, weil es für beide Seiten unweigerlich um Ausscheiden oder Weiterkommen geht. Deswegen ist es für mich das Spiel der Woche.

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Oktober 12th, 2016 by Dominik

Nun hat auch die National League ihren ersten Finalisten und es sind die Chicago Cubs, die schon vor und während der Saison als der große Favorit auf den Titel galten. Wie die Blue Jays in der AL hat es somit auch in der NL das unterlegene Team aus 2015 geschafft, zum zweiten Mal in Folge in das Ligafinale einzuziehen – während die Titelverteidiger Kansas City Royals und New York Mets schon lange auf der Strecke geblieben sind.

Die San Francisco Giants haben es den Cubs ordentlich schwer gemacht. Die Serie ging zwar letztlich 3:1 für Chicago aus, aber drei der vier Spiele wurden durch einen einzigen Run entschieden und in jedem dieser drei Spiele hatten die Giants mehr Hits als die Cubs. Ein bisschen ist das ein Spiegelbild der Saison: auf der einen Seite die Giants, die zu wenige Runs aus ihren vorhandenen Möglichkeiten produzieren und auf der anderen Seite die Cubs, die ganz einfach spitze darin sind, Mittel und Wege zum Gewinnen eines Großteils ihrer Spiele zu finden.

Das beste Beispiel dafür ist das vierte und entscheidende Spiel letzte Nacht: 2:5 lagen die Cubs zurück, als es ins neunte Inning ging und irgendwie haben sie das Ding dann doch noch herum gedreht. Der große Held der Serie war Javier Baez. Er hatte seinen Cubs schon im ersten Spiel per Homerun im achten Inning den einzigen Punkt zum 1:0-Sieg beschert und heute Nacht ging erneut die entscheidende Aktion, der Single zur Führung im letzten Inning, von ihm aus.

Die NLCS beginnt am Samstag, bis dahin haben die Cubs nun Pause und können entspannt zusehen, wie die Los Angeles Dodgers und die Washington Nationals Donnerstagnacht (2 Uhr unserer Zeit) im Entscheidungsspiel den Finalgegner unter sich ausmachen. An Stelle der Cubs würde ich hoffen, dass es ein 16-Inning-Spiel wird, in dem beide Teams zwei Starter verheizen…

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Oktober 11th, 2016 by Dominik

Nach den Toronto Blue Jays haben nun auch die Cleveland Indians das Ticket für die Finalserie der American League gebucht. Genau wie die Blue Jays haben sie ihre Divisional-Serie gesweept und sich damit ein paar Regenerationstage verschafft, bevor es Freitagnacht um 2 Uhr mit der ALCS losgeht.

Für die Indians ist es die erste Finalteilnahme seit 2007 – damals war man in der ALCS übrigens auf die Boston Red Sox getroffen und hatte eine Zwei-Siege-Führung noch verspielt. Auch in der ALDS 1999 war den Red Sox schon das Kunststück gelungen, eine Serie gegen Cleveland komplett zu drehen, aber dieses Mal ließen die Indians nichts anbrennen: Ähnlich wie das 5:4 im ersten Spiel der Serie war die dritte Partie gegen Boston eine knappe Angelegenheit und in beiden Fällen brachten die beiden Relieve-Asse Andrew Miller und Cody Allen den Sieg nach Hause. Gegen Ende wurde es zwar noch mal spannend, als sowohl im achten als auch im neunten Inning beim Stand von 4:3 gegnerische Runner in Scoring Position waren, aber wie in der gesamten Serie wurden die Red Sox ihrem Ruf als stärkste Offense der Liga nicht gerecht.

Mit dem enttäuschenden Saisonende für die Red Sox endet auch eine ganz große MLB-Karriere relativ still und leise. Relativ, denn natürlich erhielt Big Papi David Ortiz nach seiner letzten Plate Appearance, einem Walk im achten Inning, ausführliche Standing Ovations. Aber es tut mir ein bisschen leid für ihn, dass ihm nach einer großartigen Abschiedssaison (.315/.401/.620) kein schönerer Rahmen vergönnt war als ein verlorenes Playoffspiel.

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Oktober 10th, 2016 by Dominik

Die Toronto Blue Jays haben sich heute Nacht als erstes Team für die Championship-Serie der American League, kurz ALCS, qualifiziert. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Wie ich im letzten Grand Slam ausgeführt habe, habe ich die Blue Jays nicht so sehr als Außenseiter gesehen, wie man es angesichts der Konstellation – als Wild-Card-Team gegen das Team mit den meisten Siegen der Liga – erwarten würde. Aber dass sie die Rangers einfach mal so in drei Spielen sweepen, war dann doch überraschend. Zumal die beiden ersten Siege mit recht klarer Dominanz im fremden Stadion eingefahren wurden.

Knapp wurde es nur im dritten Spiel, dem einzigen in Toronto. Wie zuvor schon Cole Hamels (3.1 IP, 6 ER) und Yu Darvish (5.0 IP, 5 ER in Spiel 2) bescherten die Blue Jays auch Colby Lewis (2.0 IP, 5 ER) einen schwachen Start. Aber dieses Mal hielten die Rangers zum ersten Mal gut dagegen und schickten Torontos Ass Aaron Sanchez mit 6 ER in 5.2 IP vom Mound. Gegen den Bullpen der Blue Jays war dann aber nichts mehr zu holen und im zehnten Inning gelang Josh Donaldson der Walkoff-Run nach einem Double sowie einem Error, den er für einen Spurt von der zweiten Base bis zum Slide auf die Homeplate nutzte. Der Error ging übrigens auf die Kappe von Rougned Odor. Ja, ausgerechnet Odor – wieder mal eine Geschichte, wie sie nur der Sport schreibt.

Toronto unternimmt also nun im zweiten Jahr in Folge den Anlauf, den AL-Titel zu gewinnen und in die World Series einzuziehen. Indem sie die Serie in drei Spielen erledigt haben und zudem noch das gestrige Spiel der Red Sox gegen die Indians wegen Regens verschoben werden musste, haben die Blue Jays den Vorteil, mit komplett ausgeruhtem Pitching Staff in die ALCS zu gehen. Der Vorteil wird umso größer sein, je länger die Serie der anderen beiden Teams noch dauert.

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