April 19th, 2018 by Dominik

„Kepler hat ausgedient.“ Ich muss zugeben, dass mir kurz der Schreck in die Glieder fuhr, als ich heute Morgen diese Schlagzeile las. Zum Glück stellte sich heraus, dass es nicht um unseren deutschen MLB-Star ging, sondern um das gleichnamige Weltraumteleskop. Irgendein Zusammenhang scheint allerdings zu bestehen, denn in der gleichen Nacht, in der das Teleskop „Kepler“ durch seinen Nachfolger „Tess“ abgelöst wurde, wurde auch Max Kepler mit Knieproblemen ausgewechselt. Gut, dass ich nicht abergläubisch bin – und noch besser, dass es nach ersten Erkenntnissen keine schlimme Verletzung ist. Es wird erwartet, dass Kepler – der Spieler, nicht das Teleskop – nach ein, zwei Tagen Pause wieder voll einsatzbereit ist.

Nach wie vor nicht voll einsatzbereit sind mehrere MLB-Ballparks. Die seit Wochen anhaltenen Wetterkapriolen führen nach wie vor zu zahlreichen Spielausfällen und somit zu recht krummen Tabellen; einige Teams haben schon 18 Spiele absolviert, die Twins erst 13. Sogar im überdachten Rogers Center in Toronto fiel diese Woche ein Spiel aus, weil eben jenes Dach ein Loch hatte, nachdem Eisbrocken vom benachbarten CN Tower herunter gefallen waren.

American League
Die Boston Red Sox (15-2) sind aktuell das Maß aller Dinge in der MLB. 88% ihrer Partien haben sie bislang gewonnen, darunter zuletzt sechs hintereinander und zwei sehr deutlich in den AL-Spitzenspielen gegen die Los Angeles Angels. An das Run Differential der Red Sox von +60 kommt ligaweit nur ein einziges Team auf mehr als die Hälfte heran und das ist der Divisionskonkurrent aus der American League East, die Toronto Blue Jays (12-5) mit +38. Auf das erste Aufeinandertreffen der Red Sox und der Blue Jays in der kommenden Woche darf man sich jetzt schon freuen. Vorher warten allerdings noch die New York Yankees (8-8) mit einer Vier-Spiele-Serie auf die Blue Jays (siehe „Mein Einschalttipp“). Die Yankees werden dringend beweisen wollen, dass sie mehr zu bieten haben als den durchwachsenen Start in die Saison. Arbeiten müssen sie vor allem an ihren Unkonzentriertheiten, die zu 17 Errors in 16 Spielen führten, den meisten in der AL. Relativ hoffnungslos erscheint schon kurz nach Saisonbeginn die Lage für die Baltimore Orioles und die Tampa Bay Rays (jeweils 5-13). Für die Rays gab es nun noch eine Hiobsbotschaft, denn einer ihrer wenigen Stars, CF Kevin Kiermaier, muss am Daumen operiert werden und fällt drei Monate lang aus.

Die AL Central hat gerade Puerto Rico begeistert, genauer gesagt lieferten die Cleveland Indians (9-7) und die Minnesota Twins (8-5) sich dort eine Zwei-Spiele-Serie um die Vorherrschaft in der Division. Den Puerto Ricanern wurde einiges geboten: Das erste Spiel entschieden die Indians 6:1 für sich durch vier Homeruns, und den ersten erzielte ausgerechnet der in Puerto Rico geborene und aufgewachsene Francisco Lindor; das zweite Spiel entwickelte sich zu einem 16-Inning-Marathon, den die Twins schließlich 2:1 gewannen durch einen Run ihres Puerto Ricaners Eddie Rosario. Die Indians und die Twins bleiben somit eng beisammen an der Spitze der zweigeteilten Division, in deren unterem Teil die Detroit Tigers (6-9) derzeit das Schneckenrennen gegen die Chicago White Sox (4-11) und die Kansas City Royals (3-13) anführen.

In Oakland wird derweil munter gefeiert, denn die Athletics (9-10) sind seit genau 50 Jahren dort zu Hause. Obwohl sie sich wohl nichts sehnlicher wünschen, als endlich aus dem alten Coliseum ausziehen zu dürfen, haben sie es noch mal ordentlich gefüllt, indem die Tickets für das Spiel am Dienstag verschenkt wurden. 46.028 Menschen folgten dem Aufruf, was trotz Gratistickets zwar kein ganz kein volles Haus war, angesichts der Umstände in Oakland aber als Erfolg gilt. Auch die Ergebnisse stimmen zurzeit, die A’s blicken auf ungewohnte vier Siege in Folge und auf zweieinhalb Spiele Vorsprung auf die Texas Rangers (7-13). Angeführt wird die AL West nach wie vor von den Los Angeles Angels (13-5). Die Angels haben durch die zwei Niederlagen gegen Boston deutlich an Boden verloren gegenüber den Houston Astros (12-7), welche in der gleichen Zeit zweimal die Seattle Mariners (9-7) abfertigten. Die Serie gegen Seattle ist jedoch noch nicht gewonnen, denn einmal haben auch die Mariners schon gewonnen und heute Abend gibt es eine vierte Partie.

National League
Das erfolgreichste Team der National League East und auch der NL ingesamt sind immer noch die New York Mets (13-4), auch wenn sie diese Woche erstmals eine Serie abgeben mussten: Zwei von drei Heimspielen gegen die Washington Nationals (9-10) wurden verloren, das dritte allerdings relativ spektakulär mit neun Runs im achten Inning gewonnen. Die Mets gegen die Nationals ist nach wie vor das Duell, auf das ich in dieser Division primär schaue. Doch bislang halten sich auch die Atlanta Braves und die Philadelphia Phillies (jeweils 10-7) weiterhin wacker. Die Phillies haben nun ein schweres Programm vor sich mit Serien gegen die Pirates und die Diamondbacks. Die Braves müssen unterdessen viermal gegen die Mets antreten. Ihr prominenter Neuzugang José Bautista wird in diesen Spielen noch nicht zum Einsatz kommen; der 37-jährige Slugger soll in einem verlängerten Spring Training und dann zunächst in den Minors an Wettkampffähigkeit herangeführt werden, bevor ein Aufrücken in den MLB-Kader infrage kommt. Möglicherweise braucht man ihn aber doch relativ schnell, nachdem 1B Freddie Freeman letzte Nacht einen Pitch an die Hand bekommen hat, die schon einmal gebrochen war. Falls er länger ausfällt, könnte es ein paar Verschiebungen im Lineup geben und Bautista möglicherweise für die dritte Base infrage kommen.

Die Cincinnati Reds (3-13) trennen sich mit sofortiger Wirkung von ihrem Manager Bryan Price und Pitching Coach Mack Jenkins, die Meldung kam gerade ganz frisch rein. Abgesehen von den Reds am Ende der Tabelle sieht die NL Central bislang komplett anders aus als man es vor der Saison erwartet hätte. Die Pittsburgh Pirates (12-6) überzeugen nach wie vor vor allem mit Offensive und rehabilitierten sich letzte Nacht durch ein 10:2 gegen die Rockies für ihre erste verlorene Serie der Saison. Es folgen die St. Louis Cardinals (10-7) mit derzeit fünf Siegen am Stück und erst dann kommen die beiden Favoriten. Die Milwaukee Brewers (10-9) haben ein negatives Run Differential (-15), jedoch nach zwei Shutouts gegen die Reds immerhin wieder einen knapp positiven Record. Die Chicago Cubs (7-8) hatten in den letzten Tagen kaum Gelegenheit, ihre nicht zufriedenstellende Bilanz aufzubessern: Durch Spielausfälle war die 3:5-Niederlage gegen St. Louis vom Dienstag die einzige Partie, die die Cubs seit letztem Samstag absolvieren konnten.

Ein Seriensweep gegen die San Diego Padres (7-13) hat den Los Angeles Dodgers (8-9) deutlich dabei geholfen, sich in der NL West ihrem angestammten Platz an der Spitze anzunähern. Noch sitzen dort die Arizona Diamondbacks (12-5) nach ihrem starken Start fest im Sattel und übers Wochenende dürfen auch sie dreimal gegen die Padres antreten. Allerdings müssen sie einen gewichtigen Ausfall verkraften, denn SP Taijuan Walker hat sich ein Band im Ellenbogen gerissen und wird wohl um eine Tommy-John-Surgery nicht herum kommen. Die Starting Rotation der Diamondbacks ist bislang eine Stärke, doch eine zuverlässige Nachfolge für Walkers Platz zeichnet sich nicht wirklich ab – außer Shelby Miller, der nach seiner eigenen Tommy-John-Surgery im Mai 2017 aber auch noch ein paar Monate brauchen wird. Auf Platz zwei halten sich die Colorado Rockies (11-9), die bislang eine recht untypische Saison spielen: Das traditionell heimstarke Team hat bislang nur zwei von sechs Spielen in Coors Field gewonnen, dafür aber neun von vierzehn Auswärtsspielen.

Szene der Woche
Bei aller Neutralität, um die ich mich hier bemühe, fällt es mir doch schwer, Szenen hervorzuheben, die sich gegen die Mets richten. Bryce Harper hätte mir fast keine andere Wahl gelassen mit dem unglaublichen Homerun, den er am Montag im Citi Field geschlagen hat. Ein guter Teil der Energie seines Schwung nach dem Pitch von Jacob deGrom muss dafür draufgegangen sein, den Schläger zu zerstören und dennoch bekam der Ball noch genug davon ab, um über den Zaun getragen zu werden. Zugegeben, das war beeindruckend, aber trotzdem gab es drei Tage zuvor eine noch erstaunlichere Szene. Ein 3-Run-Flyout hatte ich jedenfalls bisher noch nie gesehen, bevor mir Marlins-2B Starlin Castro – unter unfreiwilliger Mithilfe von Pirates-Catcher Elias Diaz – bewies, dass es so etwas tatsächlich gibt.

Statistik der Woche 
29. So viele At-Bats hat Steven Brault, Pitcher der Pittsburgh Pirates, in seiner MLB-Karriere bislang als Batter absolviert und nicht einen Strikeout kassiert. 29 At-Bats klingen nicht nach viel, aber tatsächlich ist das eine Leistung, die seit über 80 Jahren keiner geschafft hat. Im Klartext: Brault ist der erste Pitcher, der seine Karriere mit 29 oder mehr At-Bats ohne einen Strikeout beginnt, seit Jim Turner von den Boston Bees im Jahr 1937. Ich finde, das muss man mal erwähnt haben.

Spiel der Woche
Das aufregendste Spiel der vergangenen Tage war für mich das der Chicago Cubs gegen die Atlanta Braves vom Samstag. 10:2 führten die Braves bereits nach vier Innings und noch bis zur Mitte des sechsten Durchgangs. Die Cubs kamen dann zwar im sechsten und siebten Inning zu Runs, lagen aber bei zwei Outs im achten Inning immer noch mit fünf Zählern hinten. Bei kaltem Wind und konstantem Nieselregen gingen viele Zuschauer frühzeitig nach Hause und auch als Spieler sehnt man sich in so einer Lage danach, das Spiel möge bitte einfach nur bald vorbei sein. Sollte man jedenfalls meinen. Aber die Cubs kamen noch mal zurück und zwar in einer Weise, dass sich jeder, der zu früh gegangen ist, furchtbar ärgern wird. Neun Runs erzielten sie im achten Inning, alle bei zwei Outs und keinen davon per Homerun. Drei Hits, fünf Walks, ein Wild Pitch, ein Error und zwei Hits-by-Pitch trugen zu der Aufholjagd bei und zeigen, wie blank die Nerven in diesen Minuten bei den Braves gelegen haben müssen, die den Sieg innerlich wohl längst verbucht hatten und plötzlich kalt erwischt wurden.

Mein Einschalttipp
Starke Blue Jays, mittelmäßige Yankees – das hatten wir vor der Saison anders erwartet. Jetzt ist es an beiden, zu beweisen oder zu widerlegen, dass die bisherigen Ergebnisse ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit entsprechen. Passenderweise sind die Blue Jays ab heute vier Tage lang zu Gast in New York, sodass sich das eine oder andere vielleicht direkt klären lässt. Mein Einschalttipp ist das vierte Spiel der Serie am Sonntag zur europafreundlichen Zeit von 19:05 Uhr MESZ. Auf dem Mound werden voraussichtlich Rechtshänder Luis Severino (2.63 ERA) für die Yankees sowie Linkshänder Jaime Garcia (3.86 ERA) für die Blue Jays stehen. Wie jedes MLB-Spiel kann man die Partie mit einem mlb.tv-Abo verfolgen. Falls ihr das nicht habt, aber Kunde bei DAZN seid, könnt ihr zwar nicht dieses Spiel sehen, aber immerhin die anderen drei dieser interessanten Serie.

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Dezember 12th, 2017 by Dominik

Die Baseball-Weltreise geht weiter: Nach Australien, wo Baseball eher ein randständiges Dasein führt, kommen wir heute in eine Region, in der die Sportart einen ähnlich hohen Stellenwert genießt wie in den USA, Japan und Südkorea. Man könnte problemlos über jedes heute thematisierte Land einen eigenen Artikel zur Baseball-Kultur schreiben, aber das würde leider den zeitlichen Rahmen sprengen, den ich für diese Serie aufbringen kann. Daher konzentriere ich mich heute auf das Wesentliche aus den fünf wichtigsten Baseball-Ländern im karibischen Raum.

Lange Baseball-Tradition
Die Popularität des Baseballs ist ein deutliches Zeugnis für den US-amerikanischen kulturellen Einfluss auf die Region rund um das karibische Meer. Das gilt nicht nur für das US-Außengebiet Puerto Rico und die eng mit den USA befreundete Dominikanische Republik, sondern auch für Staaten wie Kuba und Venezuela, die den USA seit einigen Jahrzehnten politisch reserviert bis feindselig gegenüber stehen. In allen genannten Staaten wurde Baseball schon um die Jahrhundertwende zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert herum eingeführt und ist heute die Sportart Nummer eins. Auch in Mexiko ist Baseball sehr beliebt, wenngleich dort der Fußball noch erfolgreicher ist.

Finale des WBC 2013 zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico1

In der Weltrangliste der WBSC werden die Nationalmannschaften der erwähnten Länder zwischen Platz fünf (Kuba) und sechzehn (Dominikanische Republik) geführt. Dass die Dominikanische Republik so weit unten steht, wundert mich etwas, denn die Mannschaft hat 2013 die Weltmeisterschaft World Baseball Classic gewonnen und kam auch 2017 in die Runde der besten acht. Die großen Erfolge von Kuba liegen schon etwas länger zurück, unter anderem gewann man dreimal die Olympischen Spiele (zuletzt 2004) und 25-mal den heute nicht mehr existierenden Baseball World Cup (zuletzt 2005). In den beiden jüngsten WBC-Turnieren enttäuschte Kuba, verlor jeweils gegen die Niederlande und 2017 auch gegen Israel. Puerto Rico – in der Weltrangliste auf Platz acht – wurde sowohl 2013 als auch 2017 Vizeweltmeister.

Baseball in Mexiko
In Mexiko gibt es schon seit 1925 Profi-Ligen und heute existieren sogar zwei ungefähr gleich bedeutende Ligen nebeneinander. Das warme Klima macht es möglich, dass Baseball in Mexiko quasi ganzjährig gespielt wird. Der Sommer gehört der Liga Mexicana de Béisbol (LMB) mit aktuell 16 Teams, die sich in eine Nord- und eine Süddivison aufteilen. Die LMB ist von der MLB offiziell als Minor-League auf AAA-Niveau anerkannt, die Teams sind aber im Gegensatz zu den anderen AAA-Ligen unabhängig von MLB-Franchises. Die reguläre Saison von Ende März bis August umfasst üblicherweise 111 Spiele je Team. Anschließend wird in drei Playoffrunden von Mitte August bis Mitte September, jeweils im Modus Best of Seven, die Meisterschaft ausgespielt. Rekordmeister der LMB sind die Diablos Rojos del México aus Mexiko-Stadt, aktueller Meister sind zum ersten Mal die Toros de Tijuana.

In den Wintermonaten von Oktober bis Januar verlagert sich die Aufmerksamkeit auf die Liga Mexicana del Pacífico (LMP oder MexPac), in der acht Teams – fast alle aus Städten der mexikanischen Westküste – um die Meisterschaft wetteifern.  Die reguläre Saison der LMP umfasst 68 Spiele je Team, bevor sich auch hier drei Best-of-Seven-Playoff-Runden anschließen. Die Naranjeros de Hermosillo sind 13-maliger Titelträger, 2017 holten sich die Águilas de Mexicali ihre vierte Meisterschaft. Der Champion der LMP vertritt Mexiko in der Serie del Caribe (siehe unten).

Baseball in Venzuela
Bis 2015 gab es auch in Venezuela eine Sommer- und eine Winterliga, doch dann stellte die Venezuelan Summer League (VSL) den Spielbetrieb ein – vor allem, weil die MLB ihr wegen der politischen und wirtschaftlichen Instabilität im Land die Unterstützung entzogen hatte. Somit beschränkt sich das Angebot an professionellem Baseball nurmehr auf die Liga Venezolana de Béisbol Profesional (LVBP), welche in diesem Jahr ebenfalls auf der Kippe stand und nur durch eine staatliche Finanzspritze am Leben erhalten werden konnte. Acht Teams spielen von Oktober bis Dezember in je 63 Spielen die sechs Teilnehmer und die Setzliste für die Playoffs aus. Die Postseason besteht aus drei Runden, die jeweils als Best of Seven ausgetragen werden. Der Champion nimmt an der Serie del Caribe teil. Das historisch dominierende Team sind die Leones del Caracas mit 20 nationalen Titeln, deren bislang letzter von 2010 datiert. Die Meisterschaft 2017 holten die Águilas del Zulia aus Maracaibo.

Baseball in der Dominikanischen Republik
Die Profiliga der Dominikanischen Republik, die Liga de Béisbol Profesional de la República Dominicana (LIDOM), ist ebenfalls eine Winterliga. Sechs Teams spielen von Mitte Oktober bis Ende Dezember die reguläre Saison mit 50 Spielen, anschließend findet unter den besten vier Teams eine weitere Gruppenrunde mit jeweils 18 Spielen statt. Die beiden besten Mannschaften spielen dann schließlich eine Finalserie im Modus Best of Nine aus. Die drei großen Teams, die fast alle Titel unter sich aufteilen, sind der amtierende und Rekordmeister Tigres del Licey (22 Meisterschaften) aus Santo Domingo, die Águilas Cibaeñas (20) aus Santiago sowie die Leones del Escogido (16), ebenfalls aus Santo Domingo.

Baseball in Puerto Rico
Auch in Puerto Rico ist die wichtigste Spielklasse eine professionelle Winterliga, die nach dem puerto-ricanischen Hall of Famer benannte Liga de Béisbol Profesional Roberto Clemente (LBPRC). Den Namen trägt die Liga erst seit 2012, sie besteht aber schon seit 1938. Aktuell umfasst die LBPRC fünf Teams, die normalerweise je 40 Spiele in der regulären Saison und anschließend zwei Playoffrunden absolvieren – eine Halbfinalrunde mit Best-of-Seven-Serien und ein Finale nach dem Modus Best of Nine. Ich schreibe „normalerweise“, denn normal ist in Puerto Rico dieses Jahr nach dem verheerenden Werk des Hurrikans Maria im September leider gar nichts. Es stand im Raum, die Baseballsaison für dieses Jahr ganz abzusagen, doch schließlich entschied man sich für eine verkürzte Saison im Januar 2018. Der Sieger wird wie üblich an der Serie del Caribe teilnehmen und dort versuchen, den Titel zu verteidigen, den Anfang 2017 die Criollos de Caguas nach Puerto Rico geholt hatten.

Baseball in Kuba
Im sozialistischen Kuba gibt es seit 1962 grundsätzlich keinen Profisport. So ist jedenfalls die offizielle Sprachregelung, wobei die Spitzensportler als sogenannte Staatsamateure durchaus gewisse Privilegien genießen und keiner zusätzlichen geregelten Beschäftigung nachgehen müssen. Das Einkommensgefälle zwischen Top-Spielern in Kuba und solchen im Ausland ist dennoch enorm und daher ist es seit Langem an der Tagesordnung, dass viele Sportler ihr Glück außer Landes suchen – selten mit, meistens ohne Zustimmung ihrer Heimatstaates.

Von den USA hielten sie nicht viel, aber Baseball liebten auch die kubanischen Revolutionäre Camilo Cienfuegos und Fidel Castro2

Kuba unterhält ein recht umfangreiches Ligasystem, an dessen Spitze die Serie Nacional de Béisbol (SNB) steht. In der SNB sind 16 Teams aktiv, eines aus jeder Provinz Kubas. Die Spieler treten üblicherweise für das Team der Provinz an, in der sie geboren wurden bzw. in der sie wohnen; es gibt keine ausländischen Spieler und kein Transfersystem, wie wir es aus den Ligen anderer Länder kennen. Gespielt wird von November bis März oder April eine 90 Spiele umfassende reguläre Saison, an die sich drei Playoff-Runden anschließen.

In den Monaten Mai bis Juli findet in Kuba die Súper Liga statt, eine Art All-Star-Turnier, in dem die besten Spieler der 16 SNB-Teams in fünf Regionalteams zusammengefasst werden uvd eine Runde von je 28 Spielen je Team absolvieren. Die beiden besten Mannschaften spielen am Ende ein Best-of-Three-Finale. Die Súper Liga dient gleichzeitig der Bewerbung für das Nationalteam, in das nur Spieler gewählt werden, die an der Liga teilgenommen haben.

Die Serie del Caribe
In den fünf Ländern, die ich heute vorgestellt habe, wird Baseball auf ungefähr gleich hohem Niveau gespielt. Entsprechend spannend ist die jährlich im Februar stattfindende Veranstaltung, bei der die fünf Landesmeister ihre Kräfte messen: die Serie del Caribe oder auf englisch die Caribbean Series. Das Turnier gibt es – mit Unterbrechungen und wechselndem Teilnehmerkreis – seit 1949. In der Regel wird es in jährlichem Wechsel in den teilnehmenden Staaten ausgetragen, wobei Kuba seit seiner Wiederaufnahme ins Turnier 2014 bislang als Gastgeber außen vor bleibt und wegen der schwierigen Lage in Venezuela 2018 stattdessen die Serie zum zweiten Mal hintereinander in Mexiko gastieren wird. Bei der Serie del Caribe spielt zunächst jeder gegen jeden, anschließend finden in jeweils einzelnen Spielen die Halbfinals und das Finale statt. Die Teams aus der Dominikanischen Republik haben, obwohl sie erst seit 1970 bei der Serie del Caribe dabei sind, mit 19 Titeln bislang am häufigsten gewonnen. In den letzten sieben Turnieren war viermal das Team aus Mexiko siegreich.

Berühmte Spieler aus der Karibik
Für die bisher in dieser Serie vorgestellten Länder ist die Lage recht überschaubar: Es gab jeweils nur ein paar Spieler, die es zu Erfolgen in der MLB gebracht haben. Für die fünf Staaten, um die es heute geht, sieht es komplett anders aus: Jedes von ihnen hat bereits eine deutlich dreistellige Zahl von MLB-Spielern hervor gebracht, darunter eine Menge absoluter Top-Stars. Durch die geographische Nähe und die enge Kooperation zwischen der MLB und den nationalen Baseballorganisationen ist der Weg aus den karibischen Ligen in die US-Majors – entsprechendes Talent vorausgesetzt – weit offen. Roberto Clemente, Carlos Beltrán und Iván Rodríguez aus Puerto Rico, Luis Aparicio, Miguel Cabrera und José Altuve aus Venezuela, Fernando Valenzuela, Bobby Avila und Vinny Castilla aus Mexiko, Vladimir Guerrero, Pedro Martinez und David Ortíz aus der Dominikanischen Republik, Tony Perez, Aroldis Chapman und Yoenis Céspedes aus Kuba – das sind nur drei große Namen aus jedem der Länder und es fällt mir nicht einfach, es dabei zu belassen.

Teamkameraden beim World-Series-Champion Houston Astros: José Altuve (Venezuela) und Yulieski Gurriel (Kuba)3

1Quelle: Wikimedia, Quelle: LiAnna Davis (CC BY-SA 3.0)
2Quelle: Wikipedia, Urheber: Unbekannt (Public Domain)
3Quelle: Wikimedia, Urheber: Keith Allison (CC BY-SA 2.0)

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November 6th, 2017 by Dominik

Vier oder fünf Monate Verzicht auf Baseball? Kann man machen, muss man aber nicht. Auch nachdem die Bundesliga, die MLB, die japanische und die koreanische Liga ihre Pforten für dieses Jahr geschlossen haben, gibt es noch Ecken auf der Welt, in denen Baseball gespielt wird.

Am interessantesten aus Sicht eines MLB-Fans ist sicher die noch knapp zwei Wochen laufende Arizona Fall League (AFL). Seit 10. Oktober und noch bis zum Finale am 18. November spielen sechs Teams montags bis samstags um die Meisterschaft. Wichtiger als der Titel ist jedoch den meisten teilnehmenden Spielern, mit starken Individualleistungen auf sich aufmerksam zu machen, um sich für den Aufstieg in die MLB zu empfehlen. Denn die AFL gilt traditionell als Sprungbrett für Talente, die schon ganz nah an der Reife für die Big Leagues sind. Jedes AFL-Team ist fünf MLB-Franchises zugeordnet und wird mit Minor-League-Prospects aus diesen bestückt. Bewegte Livebilder gibt es leider nur selten: Ganz vereinzelt werden Spiele auf mlb.com gestreamt, in den Paketen von mlb-tv und mlb-tv ist die AFL nicht enthalten.

Bei der Suche nach weiteren Orten, an denen im Herbst und Winter Baseball gespielt wird, richtet sich der Blick naheliegenderweise nach Süden. In Kuba, Mexiko, Puerto Rico, Venezuela und in der Dominikanischen Republik ist der Spielbetrieb in vollem Gange. Liveübertragung im Internet gibt es für die meisten dieser Ligen auch, allerdings in aller Regel kostenpflichtig und nur auf spanisch. Die Meister der fünf genannten Ligen treffen sich vom 2. bis zum 8. Februar im mexikanischen Guadalajara zum Highlight der karibischen Baseballsaison, zur Serie del Caribe, um in Turnierform die Nummer eins unter den lateinamerikanischen Vereinsmannschaften zu küren.

In Australien naht der Sommer und damit auch der Beginn der Saison in der Australian Baseball League (ABL). Am 16. November, also Donnerstag nächster Woche, geht es los mit dem Eröffnungsspiel des amtierenden Meisters Brisbane Bandits gegen die Canberra Cavalry. Weil der Spielplan komplementär zu jenen der meisten Ligen auf der Nordhalbkugel liegt, zieht die ABL regelmäßig Spieler aus Nordamerika und Europa – nicht zuletzt aus der Baseball-Bundesliga – an, die sich so den Winter über fit halten und ein bisschen Geld hinzuverdienen können. Erfreulicherweise werden viele Spiele der ABL als kostenlose Livestreams angeboten. Die Zeiten, zu denen die Spiele übertragen werden, sind natürlich etwas gewöhnungsbedürftig: Die ostaustralische Zeit (AEDT) liegt zehn Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit, daher finden die meisten Spiele nach unserer Zeit am Vormittag statt.

 

Nachtrag: In Taiwan gibt es vom 25. November bis zum 17. Dezember die CPBL Winter League mit japanischer, koreanischer und europäisch-amerikanischer Beteiligung. Danke an Ralf für den Tipp.

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März 22nd, 2017 by Dominik

Heute Nacht ab 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit steigt in Los Angeles das Finale des World Baseball Classic, der Weltmeisterschaft der Baseball-Nationalmannschaften. Im vierten Anlauf haben die USA erstmals das Finale erreicht, indem sie im Halbfinale knapp mit 2:1 die Oberhand gegen den Weltranglistenersten Japan behielten. Ihr Gegner im Endspiel ist Puerto Rico, das beim letzten WBC 2013 Vizemeister wurde und bisher im gesamten Turnier unbesiegt blieb. Im Halbfinale hatten die Puerto Ricaner sich per Walkoff im elften Inning 4:3 gegen die Niederlande durchgesetzt.

Als Starting Pitcher wird für die USA heute Nacht Marcus Stroman (Toronto Blue Jays) zum Einsatz kommen, für Puerto Rico startet Seth Lugo (New York Mets). Wenn man sich die Gegenüberstellung der vorgesehenen Spieler ansieht, so sieht das sehr stark nach einem Duell auf Augenhöhe aus – wofür auch spricht, dass sich die beiden Teams beim ersten Aufeinandertreffen in diesem Turnier mit einem knappen 6:5 für Puerto Rico trennten, übrigens mit den gleichen Starting Pitchern. Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein großartiges Lineup das kleine Puerto Rico (die Einwohnerzahl entspricht in etwa der Berlins) auf den Platz bringt: Yadier Molina, Francisco Lindor, Javier Baez, Carlos Correa, Carlos Beltran, Edwin Diaz – wenn die alle im gleichen MLB-Team antreten würden, würde es sicher ganz oben mitspielen.

Die Aufmerksamkeit innerhalb der USA für den WBC erscheint mir dieses Mal deutlich größer als bei den früheren Turnieren: Mehr als sonst folgten zahlreiche (wenn auch längst nicht alle) Superstars dem Ruf ins Nationalteam, schon vor den Halbfinalspielen war ein neuer Zuschauerrekord erreicht und Cubs-Manager Joe Maddon dachte bereits laut darüber nach, ob man nicht zukünftig den WBC-Sieger und den aktuellen World-Series-Gewinner gegeneinander antreten lässt.

Zum Gesicht des Turniers scheint übrigens Outfielder Adam Jones zu avancieren: nicht so sehr, weil ihm im Halbfinale der entscheidende RBI gegen Japan gelang, sondern vor allem durch den sehenswerten geraubten Homerun im Spiel zwischen den USA und der Dominikanischen Republik, ausgerechnet gegen seinen Orioles-Teamkameraden Manny Machado.

Ob das Finale in Deutschland zu empfangen ist, ist leider fraglich. Rechteinhaber DAZN hat sporadisch einige Spiele des Turniers gezeigt, aber ich konnte noch nichts darüber herausfinden, ob eine Übertragung des Endspiels geplant ist.

Aktualisierung: DAZN hat bekannt gegeben, dass das Spiel übertragen wird.

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