Juni 29th, 2017 by Dominik

Wie doch die Zeit vergeht: In nur eineinhalb Wochen steht bereits der All-Star-Break an, sozusagen die Halbzeitpause der MLB-Saison. Als erstes Team der Liga haben die Los Angeles Angels bereits über die Hälfte ihrer Spiele (82 von 162) absolviert. Mit dem Walkoff-Win gegen ihren Lokalrivalen, die Los Angeles Dodgers, sind die Angels erfolgreich in ihre zweite Saisonhhälfte gestartet. Trotz der Niederlage sind die Dodgers derzeit die Attraktion der Liga: Mit 17 Siegen aus 20 Spielen sind sie in den vergangenen drei Wochen derart heiß gelaufen, dass sie inzwischen den Houston Astros die Rolle als stärkstes Teams der MLB streitig machen.

National League
Die Washington Nationals (47-31) spielen in der National League East seit Wochen nicht mehr als das, was Baseballer einen .500er-Ball nennen, aber das reicht locker aus, um die Divisionskonkurrenz in Schach zu halten. Immer wenn es drauf ankommt, ist die sagenhafte Offense (MLB-Spitze mit 442 erzielten Runs) zur Stelle und holt den nach wie vor schwachen Bullpen aus der Bredouille. Hinter den Nationals geht es um nicht viel mehr als die Ehre – die Ehre, in der Endabrechnung Platz zwei zu belegen, den momentan die Atlanta Braves (37-40) vor den Miami Marlins (35-41) und den New York Mets (35-42) behaupten, sowie die Ehre, am Ende vielleicht doch nicht das schlechteste Team der Liga zu sein. Momentan sind es die Philadelphia Phillies (26-51), aber zwei Siege hintereinander gegen die Mariners lassen zumindest ein ernsthaftes Bemühen erkennen.

Ein wahres Schneckenrennen bietet momentan die NL Central: Obwohl sich die Chicago Cubs (39-39) mit Mühe auf einer lediglich ausgeglichenen Bilanz halten, tasten sie sich Woche für Woche ein Stückchen näher an die Milwaukee Brewers (41-39) heran, welche sich wahrscheinlich selbst am meisten darüber wundern, immer noch an der Spitze der Division zu stehen. Die St. Louis Cardinals (36-41) und die Pittsburgh Pirates (36-42) sind noch nicht aus dem Rennen, machen auf mich aber nicht den Eindruck, dieses Jahr noch viel reißen zu können – andererseits tun das ja auch die Brewers und die Cubs nur sehr eingeschränkt und die Cincinnati Reds (33-44) sowieso nicht. Hier noch eine interessante Geschichte aus dem Lager der Cubs: Dienstagnacht ließen sich Pitcher Jake Arrieta und Catcher Miguel Montero sage und schreibe sieben Bases von den Nationals stehlen. Statt sich an die eigene Nase zu fassen, beschwerte Montero sich hinterher öffentlich über die langsame Pitching-Bewegung von Jake Arrieta – und wurde prompt aus dem Team entlassen. Irgendwie hat er das mit seinem Verhalten durchaus verdient – es zeigt aber auch, wie blank die Nerven beim Titelverteidiger angesichts der bisher höchst mittelmäßigen Saison offenbar liegen.

Vom Schneckenrennen in der NL Central kommen wir zum genauen Gegenteil in der NL West. Die Los Angeles Dodgers (52-28) und die Arizona Diamondbacks (50-29) marschieren nahezu im Gleichschritt, haben 17 bzw. 16 ihrer letzten 20 Spiele gewonnen. Die Leidtragenden dieser beiden Erfolgsserien sind die Colorado Rockies (47-34), die sich in ihrem ersten echten Slump des Jahres befinden und derzeit acht Spiele in Folge verloren haben – ungünstigerweise allesamt gegen Divisionskonkurrenz, zuletzt sogar dreimal gegen die San Francisco Giants (30-51). Am Wochenende müsste für die Rockies nun dringend ein Seriensieg über die Diamondbacks her, wenn man in dem Dreikampf um die Division nicht noch deutlicher zurückfallen will.

American League
Ich bereite Teile dieses Artikels meistens schon am Mittwoch vor und nun muss ich schon zum zweiten Mal in Folge am Donnerstagnachmittag den Text umschreiben, in dem ich vermelden wollte, dass die New York Yankees (42-34) die Führung in der American League East an die Boston Red Sox (43-35) verloren haben. Ich glaube so langsam, die machen sich einen Spaß daraus, ausgerechnet Mittwochnacht immer wieder alles zu drehen – das macht mir die Yankees nicht gerade sympathischer… Was ich hingegen so erfreulich wie bemerkenswert finde ist, wie sich seit Wochen in winzigen Schritten die Tampa Bay Rays (41-39) an den Titelkampf heranpirschen. Wenn das so weitergeht, wird die AL East dieses Jahr auch über die ewig junge Yankees-Red-Sox-Rivalität hinaus eine sehr spannende Division. Zumal auch die Baltimore Orioles (38-39) sich von ihrem zwischenzeitlichen Absturz inzwischen gefangen und die Toronto Blue Jays (37-40) sich ebenfalls noch nicht aufgegeben haben.

Ebenfalls ein heißes Rennen gibt es in der AL Central, in der sich die Cleveland Indians (41-36) und die Minnesota Twins (40-36) alle paar Tage an der Spitze abwechseln. An den letzten beiden Wochenenden trafen die beiden Kontrahenten direkt aufeinander und interessanterweise haben sie sich jeweils im Auswärts-Ballkpark gegenseitig gesweept. Ob auch die Kansas City Royals (38-38) noch ein Wörtchen mitreden können, wird sich vielleicht schon über das kommende Wochenende zweigen, wenn sie viermal auf die Twins treffen. Die bis vor Kurzem noch bemerkenswerte Ausgeglichenheit der Division ist derweil Vergangenheit, denn durch anhaltend schwache Auftritte der Detroit Tigers (34-43) und der Chicago White Sox (33-44) ist inzwischen eine Zwei-Klassen-Gesellschaft aus der AL Central geworden.

Zwei Klassen gibt es auch in der AL West: die Houston Astros (53-26) als Klasse für sich und der Rest irgendwo dahinter. Ähnlich wie in der NL East hinter den Nationals spielen die anderen Teams nur noch die Plätze untereinander aus, wobei in der AL West durchaus realistische Hoffnung auf eine Wild Card besteht. Bemerkenswerterweise halten die Los Angeles Angels (42-40) sich wacker über .500 und damit vor den Texas Rangers (39-39) und den Seattle Mariners (39-41) auf Platz zwei. Das hätte ich ihnen insbesondere wegen des Ausfalls von Superstar Mike Trout – der übrigens kurz vor oder kurz nach dem All-Star-Break zurück erwartet wird – nicht zugetraut.

Szene(n) der Woche
Diese Woche haben mich vor allem einige fantastische Catches beeindruckt. Gleich zwei davon gehen auf das Konto von Cubs-Infielder Javier Baez, beide aus dem gleichen Spiel gegen die Nationals: Zuerst klaute er Bryce Harper einen sicheren Hit durch einen hart geschlagenen Linedrive und später im Spiel sprintete er 132 Fuß (gut 40 Meter), um kurz vor der Spielfeldbegrenzung einen Foulball von Adam Lind abzufangen. Ein weiteres Highlight lieferte Reds-Outfielder Scott Schebler ab, der mit einem gigantischen Sprung einen Homerun von Brewers-Neuzugang Stephen Vogt verhinderte. Nicht ganz gelungen war ein Fangversuch von Rockies-3B Nolan Arenado, der sich gegen einen Groundball von Giants-Pitcher Ty Blach ganz lang machte, den Ball aber nicht zu fassen bekam. Umso beeindruckender war dann aber, wie er  ihn sich blitzschnell angelte und ihn im Liegen zum Aus an der ersten Base feuerte.

Statistik der Woche 
0.99. Das ist der ERA von Nationals-Pitcher Max Scherzer aus seinen 5 Starts im Juni. In 36.1 Innings hat er nur 14 Hits und 6 Walks zugelassen, was einem WHIP von 0.55 entspricht. Gleichzeitig hat er 51 Strikeouts geworfen, das sind 12.63 Strikeouts pro 9 Innnings. Den Gegnern, die es mit Scherzer in diesem Monat zu tun bekamen, erlaubte er einen Batting Average von gerade mal .114.

Spiel der Woche
Das Spiel der Cleveland Indians gegen die Texas Rangers am Montag schien frühzeitig entschieden, als die Gäste schon im ersten Inning vier Runs scorten und die Führung bis zum vierten Inning auf 9:2 ausbauten. Die Indians mussten ab dem vierten Inning auch noch ohne ihren Manager Terry Francona auskommen, der mit Herzbeschwerden in die Notaufnahme musste (glücklicherweise stellte sich heraus, dass keine ernsthafte Erkrankung vorlag). Doch die amtierenden AL-Champions weigerten sich, einfach aufzugeben und kamen mit 13 Punkten zurück, ohne weitere Runs des Gegners zuzulassen. Schon nach dem siebten Inning hatten die Indians das Spiel komplett gedreht und den 15:9-Endstand hergestellt. Der Erfolg geht wohl als geschlossene Teamleistung durch: Keiner der 15 Runs wurde als Homerun erzielt, dafür hatte jeder einzelne Batter mindestens einen Hit; alle außer Jason Kipnis hatten sogar zwei oder mehr.

Spiel der kommenden Woche
In der NL West steht mit der Serie der Rockies gegen die Diamondbacks das nächste Gipfeltreffen des spannnenden Dreikampfs an, doch nach zwei Einschalttipps aus dieser Division in Folge soll es dieses Mal etwas anderes sein: Die New York Yankees treffen übers Wochenende dreimal auf die Houston Astros zu einer bestimmt sehr attraktiven Serie. Von der Startzeit her bietet sich das Matchup am Sonntag um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit an. Auf dem Mound werden voraussichtlich die beiden Rechtshänder Luis Severino (3.15 ERA) für die Yankees und Mike Fiers (3.98 ERA) für die Astros stehen.

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Juni 22nd, 2017 by Dominik

Die gute Nachricht zuerst: Die MLB ist in weiten Teilen verdammt spannnend – zum Beispiel gab es in drei der sechs Divisionen diese Woche mindestens einen Wechsel an der Tabellenspitze. Die schlechte Nachricht ist, dass es wieder einige prominente Verletzte gab, beispielsweise Outfielder Michael Brantley von den Indians, die (gefühlt) halbe Mannschaft der Mets sowie allen voran das Top-Prospect der Yankees, Shortstop Gleyber Torres, der eine Tommy-John-Surgery braucht und sein viel erwartetes MLB-Debüt mindestens bis nächstes Jahr verschieben muss. Überhaupt war es eine recht frustrierende Woche für die Yankees, die sieben Niederlagen am Stück einstecken mussten. Was sich sonst noch in der MLB getan hat, verrät wie jede Woche der Grand Slam am Donnerstag:

American League
Die New York Yankees (39-30) sind zum ersten Mal in dieser Saison in einen veritablen Slump geraten und mussten kurzzeitig die Führung in der American League East an die Boston Red Sox (40-32) abgeben. Das hat sich zwar durch die Ergebnisse der letzten Nacht (Sieg der Yankees gegen die Angels, Niederlage der Red Sox bei den Royals) wieder geändert, aber so oder so sieht es nach einem spannenden Rennen zwischen den beiden Traditions-Franchises aus. Dahinter stehen die Tampa Bay Rays (39-36) in Lauerstellung und haben gute Chancen, sich noch enger an das Führungsduo heranzuspielen, denn mit zwei Serien gegen die abgestürzten Baltimore Orioles (35-36) und einer gegen die Pittsburgh Pirates stehen lösbare Aufgaben an. Für die Toronto Blue Jays (35-36) bleibt die Saison wie verhext: Achtmal sind sie nun schon bis auf einen Sieg an eine ausgeglichene Bilanz herangekommen, achtmal haben sie in dieser Situation verloren. Den neunten Anlauf unternehmen sie heute Abend in Texas.

Die AL Central sieht erstmals in diesem Jahr so aus, wie die meisten es erwartet hatten: mit den Cleveland Indians (38-32) ganz vorne und dahinter vier Teams, denen man nicht allzu viel zutraut. Wobei die letztere Einschätzung nicht ganz gerecht ist, denn immerhin haben die Minnesota Twins (36-33) den Sweep durch die Indians, der sie die Tabellenführung kostete, offenbar schnell verdaut und seitdem zweimal gegen die Chicago White Sox (31-39) gewonnen. Und dahinter tritt mit den Kansas City Royals (35-36) mehr und mehr ein Team auf den Plan, das vor zwei Wochen schon abgeschrieben schien. Acht Siege aus den letzten zehn Spielen sprechen dafür, dass die „alten Herren“ es ihrer Franchise schwer machen wollen, sich zur bald anstehenden Trade-Deadline voll zum Rebuilding zu bekennen.

Gähnende Langeweile herrscht nach wie vor an der Spitze der AL West, wo die Houston Astros (49-24) einsam ihre Kreise ziehen, doch dahinter geht es durchaus spannend zu: Die Seattle Mariners (37-37) sind nach vier Siegen in Folge bei .500 angekommen, die Los Angeles Angels (37-38) und die Texas Rangers (35-36) jeweils nur einen Sieg davon entfernt und alle drei halten Tuchfühlung zu einem Wild-Card-Platz. Von diesem sind die Oakland Athletics (31-41) mit 6.5 Siegen Rückstand innerhalb der AL derzeit am weitesten entfernt – und damit trotzdem näher dran als jedes NL-Team, das noch auf einen solchen Platz hofft.

National League
Die National League East macht es den Washington Nationals (43-29) weiterhin sehr einfach. Die Hauptstädter spielen alles andere als überragend, stehen im Juni bei einer glatten .500-Bilanz mit zehn Siegen und zehn Niederlagen, und doch sind sie an der Divisionsspitze absolut unangefochten. Die Atlanta Braves (33-38) sind zurzeit von den „Verfolgern“ am besten drauf, aber realistisch betrachtet ist das Jahr für sie nach weniger als der Hälfte der Saison ebenso gelaufen wie für die Miami Marlins (32-38), die New York Mets (31-40) und natürlich für die Philadelphia Phillies (22-48). Für alle vier stehen im Mittelpunkt längst nur noch die Fragen, welche Spieler sich wann und an wen sinnvoll traden lassen und wie und wann man seine Nachwuchshoffnungen am besten an die MLB heranführt.

Deutlich spannender geht es in der NL Central zu. Das Leistungsniveau dort ist nicht entscheidend höher ist als in der NL East, aber durch das Fehlen eines dominanten Teams wie den Nationals können sich drei bis vier Teams Hoffnungen machen, über den Divisionssieg in die Playoffs zu kommmen. Die Pole Position dafür nehmen nach wie vor die Milwaukee Brewers (39-35) ein, dicht gefolgt von den Chicago Cubs (36-35). Am Wochenende duellieren sich drei Spiele lang die St. Louis Cardinals (33-37) und die Pittsburgh Pirates (33-39) um die Chance, den Anschluss nach oben zu halten. Derweil haben die Cincinnati Reds (30-41) nach hervorragendem Start in die Saison neun der letzten zehn Spiele verloren und sind ganz nach unten durchgerutscht. Woran es in Cincinnati krankt, offenbart ein Blick in die Pitching-Statistiken: Mit einem Starter-ERA von 6.12 belegen die Reds den letzten Platz in der MLB – mit bereits deutlichem Abstand zum Vorletzten (Orioles, 5.59). Der 40-jährige Veteran Bronson Arroyo (7.35 ERA) denkt angesichts seines missglückten Comebacks inzwischen laut darüber nach, seine Karriere zu beenden. Besser wird das die Reds nicht machen, aber wahrscheinlich auch nicht schlechter.

Meine klare Lieblingsdivision in diesem Jahr ist die NL West, daran ändern auch die drei deprimierenden Abfuhren nichts, die die Los Angeles Dodgers (47-26) meinen Mets gerade zugefügt haben. Die Dodgers haben dadurch momentan knapp die Nase vorn vor den Colorado Rockies (47-27) und den Arizona Diamondbacks (45-27), die sich die direkten Aufeinandertreffen an den beiden letzten Tagen geteilt haben und heute um 21:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit das Rubber Match der Serie austragen. Direkt im Anschluss sind drei Tage lang die Rockies bei den Dodgers zu Gast, es geht also munter weiter im Dreikampf des Jahres. Und einen Zweikampf gibt es ebenfalls, wenn auch nur darum, wer das zweitschlechteste Team der Liga ist – die San Francisco Giants (27-47) oder die San Diego Padres (29-44).

Szene der Woche
Nolan Arenado hat am Sonntag beim 7:5 der Colorado Rockies gegen die Chicago Cubs einen Cycle geschlagen. Diese Kombination aus einem Single, einem Double, einem Triple und einem Homerun in einem Spiel ist an sich schon selten genug, dieses Jahr war es MLB-weit erst der vierte Cycle. Arenado gelang aber eine noch seltenere Leistung, indem er sowohl den Cycle als auch das Spiel mit einem Walkoff-Homerun vollendete. Das schafften vor ihm erst sechs Spieler überhaupt – als letzter sein Teamkamerad Carlos Gonzalez im Jahr 2010, übrigens ebenfalls im Coors Field in Colorado. In diesem hitterfreundlichen Ballpark fanden drei der vier Cycles des laufenden Jahres statt. Der von Arenado war jedoch der erste, über den die Fans der Heimmannschaft jubeln durften, nachdem vorher Trea Turner von den Nationals und Wil Myers von den Padres das Kunststück vollbracht hatten.

Statistik der Woche 
Undefiniert. So lautet die Strikeout-to-Walk-Ratio (K/BB) von Kenley Jansen. Ihr habt richtig gelesen: Der Closer der Los Angeles Dodgers ist so gut, dass man seine Leistung nicht in Zahlen ausdrücken kann, denn dafür müsste man die mathematische Grundregel brechen, die das Teilen durch Null verbietet. Im Klartext: Jansen hat in dieser Saison in knapp 30 Innings bislang 50 Strikeouts erzielt und keinen einzigen Walk zugelassen. Schon mit Strikeout Nummer 36 hatte er den bisherigen Rekord für die meisten Strikeouts ohne Walks in einer Saison übertroffen und seitdem wird die neue Bestmarke jeden Tag ein Stück fantastischer. Um doch noch ein paar Zahlen beizusteuern: Jansens ERA für dieses Jahr liegt bei 0.91, sein FIP bei 0.29, sein WHIP bei 0.57 und von 15 möglichen Saves hat er 15 geholt. Kann man mal machen.

Spiel der Woche
Wenn die Texas Rangers auf die Toronto Blue Jays treffen, dann ist das seit rund zwei Jahren regelmäßig eine emotionale Angelegenheit. Das gilt umso mehr, wenn das Spiel einen so dramatischen Verlauf nimmt wie am Montag in Arlington: Nomar Mazara brachte die Rangers per Solo-Homerun im ersten Inning in Führung, doch schon im zweiten glich Justin Smoak ebenfalls per Solo-Homerun aus und im vierten Inning zogen die Blue Jays duch einen Homerun von (ausgerechnet) Jose Bautista und einen bases-clearing Double von Steve Pearce auf 5:1 davon. Nun war es an den Rangers, die Partie zu drehen und das taten sie prompt mit einem 2-Run-Single von Elvis Andrus und einem Double von Adrian Beltre, der wie zuvor Pearce die geladenen Bases für drei Runs leerte. Torontos Starter Marco Estrada bescherte das einen frühen Feierabend nach dreizweidrittel Innings mit 7 Hits, 4 Walks und 6 Runs. Die Führung der Rangers hielt bis ins neunte Inning, in dem ihr Closer Matt Bush zum dritten Mal in diesem Jahr eine Save-Gelegenheit vergab und Runs von Ryan Goins und Josh Donaldson zuließ. Torontos Roberto Osuna machte seine Sache mit einem perfekten Schlussinning deutlich besser als Bush und brachte die Partie mit 7:6 nach Hause.

Zwei weitere interessante Spiele möchte ich noch erwähnt haben: zum anderen den bis ins achte Inning getragenen No-Hitter von Max Scherzer, an dessen Ende die Washington Nationals gegen die Miami Marlins am Mittwoch 1:2 verloren; zum anderen das der Philadelphia Phillies gegen die St. Louis Cardinals vom Dienstag: Eine 11-Inning-Partie mit 1:8 zu verlieren muss man erst mal schaffen…

Spiel der kommenden Woche
Zum zweiten Mal in Folge ist mein Einschalttipp eines der zahlreichen Gipfeltreffen in der NL West: In einer Wochenendserie von Freitag bis Sonntag treffen die Los Angeles Dodgers auf die Colorado Rockies. Wenn man sich nur eines der Spiele einer Dodgers-Serie anschauen will, wählt man im Zweifelsfall das mit Clayton Kershaw (2.61 ERA) – der wird sich Freitagnacht um 4:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit Tyler Chatwood (4.08 ERA) gegenüber sehen und auf Wiedergutmachung hoffen, nachdem er gegen die Mets am Montag einen seiner seltenen schwachen Starts ablieferte (und trotzdem das Spiel gewann). Etwas europafreundlicher ist die Startzeit der Partie am Sonntag um 22:10 Uhr. Auf dem Mound werden dann Rookie German Marquez (3.92 ERA) für die Rockies und der überraschend gut in die Saison gestartete Veteran Brandon McCarthy (2.87 ERA) für die Dodgers stehen.

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Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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Mai 4th, 2017 by Dominik

Vor gut drei Wochen habe ich bei einem Blick auf die Ergebnisse der letzten Jahre festgestellt, dass die Chancen auf das Erreichen der Playoffs sehr gering sind, wenn man Ende April bei unter 40% Siegen steht. Jetzt sind wir schon ein paar Tage im Mai und es scheint an der Zeit, sich von einigen Teams für dieses Jahr zu verabschieden: Die Toronto Blue Jays, die San Francisco Giants, die Texas Rangers und die Kansas City Royals stehen allesamt unter den erwähnten 40% und brauchen schon ein kleines Wunder, um aus dem Loch noch heraus zu kommen, dass sie sich selbst gegraben haben. Hier der gewohnte wöchentliche Überblick, was sich sonst so tut in der MLB:

National League
Die National League East wird nach wie vor sehr deutlich dominiert von den Washington Nationals (18-9), die vor allem mit ihrer Offense die Liga rocken. Mit 175 erzielten Runs führen sie die MLB mit großem Abstand vor den Yankees und den Diamondbacks (je 148) an und auch ihr Run Differential von +46 ist das beste der Liga. Einen großen Beitrag dazu leistete das 23:5 über die New York Mets (12-15). Allerdings täuscht dieses Resultat leicht darüber hinweg, dass die Serie gegen die Mets eher ein Rückschlag für die Nationals war, die nicht nur die beiden anderen Spiele verloren sondern auch den in der Offseason teuer ertradeten Outfielder Adam Eaton, der sich einen Kreuzbandriss zuzog. Die Mets haben ihrerseits große Verletzungssorgen: Neu auf der ohnehin schon langen und hochkarätig besetzten Abwesenheitsliste ist Pitching-Ass Noah Syndergaard, der mit einem gerissenen oder angerissenen Rückenmuskel voraussichtlich rund drei Monate lang ausfallen wird.

Deutlich ausgeglichener als die NL East ist die Lage in der NL Central. Die favorisierten Chicago Cubs (15-12) liegen vorne, aber die Milwaukee Brewers (13-13) und die St. Louis Cardinals (12-12) sind nicht weit zurück und alle drei haben in der Woche seit Freitag im Gleichschritt genauso viele Spiele gewonnen wie sie verloren haben. Das gilt im übrigen auch für die Pittsburgh Pirates (12-15), sodass die Cincinnati Reds (13-14) mit drei Siegen und zwei Niederlagen die einzigen in der Division sind, für die sich in der vergangenen Woche irgendetwas bewegt hat.

Auch in der NL West hat sich am Tabellenbild seit letzter Woche nichts Nennenswertes verändert, doch das allein ist nach wie vor Überraschung genug: Die Colorado Rockies (17-11) und die Arizona Diamondbacks (17-12) halten sich wacker an der Spitze und die Los Angeles Dodgers (15-14) tun bislang zu wenig, um daran etwas zu ändern – insbesondere kamen sie gegen die beiden Konkurrenten bisher nicht über Splits in den Heim- und Niederlagen in den Auswärtsserien hinaus und auch gegen die ansonsten recht desolaten San Francisco Giants (11-18) tun sich die Dodgers schwer. Siebenmal trafen die beiden Traditionsrivalen an den letzten zehn Tagen aufeinander, viermal behielten die Giants die Oberhand. Eine schlechte Nachricht für die Diamondbacks muss ich leider noch erwähnen: SP Shelby Miller muss sich einer Tommy-John-Surgery unterziehen, für ihn ist die Saison somit definitiv gelaufen.

American League
In der American League East muss man sich wohl langsam, aber sicher an den Gedanken gewöhnen, dass die New York Yankees (17-9) „for real“ sind. Seit letzter Woche haben sie drei weitere Serien gegen die Divisionsrivalen Baltimore Orioles (16-10), Boston Red Sox (15-12) und Toronto Blue Jays (9-19) gewonnen. Jetzt bin ich besonders gespannt auf das anstehende Drei-Spiele-Duell gegen den amtierenden Champion Chicago Cubs (siehe „Spiel der kommenden Woche“). Derweil scheint sich zwischen den Red Sox und den Orioles momentan eine Rivalität zu entwickeln, die das gesunde Maß bereits deutlich überschritten hat. Es ging los mit einem ungestümen, aber offenbar unabsichtlichen Slide von Baltimores Manny Machado an die zweite Base, bei dem sich Bostons Dustin Pedroia verletzte und für ein paar Tage ausfiel. Getreu den sogenannten „unwritten rules“ im Baseball warf Red-Sox-Pitcher Eduardo Rodriguez im folgenden Spiel den Ball mehrfach inside in Richtung von Machados Knien – das ist allein schon albern genug, aber die Sache hätte damit zumindest erledigt sein müssen. Stattdessen eskalierte Reliever Matt Barnes die Situation, indem er bei nächster Gelegenheit knapp hinter den Kopf von Machado warf. Barnes wurde dafür mit Recht vier Spiele lang gesperrt. War es das nun endlich? Nein, entschied Chris Sale, das Pitching-Ass der Red Sox, und warf beim vorgestrigen Aufeinandertreffen schon wieder einen Ball hinter Machado, der später mit einem Homerun und einer angemessenen Tirade antwortete. Liebe Red Sox, ich habe euch immer gemocht, aber was soll dieser Schwachsinn? Ganz zu schweigen von den rassistischen Anfeindungen, die sich Orioles-Outfielder Adam Jones am 1. Mai durch offenbar mehrere Dutzend Zuschauer im Fenway Park anhören musste. Haben diese Vollidioten etwa schon vergessen, dass der von ihnen jahrelang als Idol gefeierte Big Papi David Ortiz die gleiche Hautfarbe hat wie der Gegenspieler, den sie nun mit dem N-Wort beschimpften und mit Erdnüssen bewarfen?

Zurück zum Sport. In der AL Central sind die Minnesota Twins (14-11) mit vier Siegen hintereinander und sechs aus den letzten sieben Spielen zurück an die Spitze gestürmt. Die Cleveland Indians (15-12) hatten am Dienstag einen bitteren Abend, als sie nicht nur das Spiel gegen die Detroit Tigers (14-13) und die Tabellenführung verloren sondern auch Pitcher Corey Kluber, der mit Rückenbeschwerden auf die Verletztenliste gesetzt werden musste. Die Chicago White Sox (14-12) und die Kansas City Royals (9-17) sorgten zwischenzeitlich für Schlagzeilen, indem Erstere sechs Siege und Letztere neun Niederlagen in Folge einfuhren. In den letzten drei Tagen gewannen aber die Royals zwei von drei Spielen gegen die White Sox. Die extremen Trends sind somit beide erstmal gestoppt.

Die Houston Astros (19-9) weisen mittlerweile nicht mehr nur in der AL West sondern in der gesamten MLB die beste Bilanz auf. Nach drei Siegen hintereinander gegen die Texas Rangers (11-17) herrschen klare Verhältnisse in der Lokalrivalität. Als wären die Rangers nicht schon gebeutelt genug, fällt nun auch noch Pitcher Cole Hamels für mehrere Monate aus. Da auch die Seattle Mariners (12-16) nach wie vor nicht wirklich in Tritt kommen und die Oakland Athletics (11-16) nach ordentlichem Start inzwischen deutlich eingebrochen sind, richten sich die Los Angeles Angels (15-14) in der Rolle des derzeit einzigen Verfolgers der Astros ein. Die übers Wochenende anstehende Serie zwischen den Astros und den Angels verspricht interessant zu werden.

Szene der Woche
Die Versuchung war groß, hier den Pickoff durch Jon Lester gegen Aaron Altherr zu küren – Würfe zur ersten Base sind bekanntlich die große Schwäche des Cubs-Pitchers und ein Pickoff-Throw durch ihn ist schon eine Sondermeldung wert. Aber da dieser hier „nur“ an die zweite Base ging, erlaube ich mir als Szene der Woche das Triple Play der Orioles gegen die Red Sox vorzuziehen. Ein Triple Play ist immer sehenswert, aber dieses war ganz besonders kurios, weil es nur durch Fehler von fast allen Beteiligten zustande kam: die Umpires signalisieren keinen Infield Fly, Orioles-Shortstop J. J. Hardy fängt den Ball nicht, die Baserunner Mitch Moreland und Dustin Pedroia laufen nicht los, Batter/Runner Jackie Bradley Jr. bricht den Weg zur ersten Base ab und plötzlich sind alle drei Spieler aus statt nur einem.

Statistik der Woche 
32. So viele Runs erzielte Bryce Harper im April und stellte damit einen neuen MLB-Rekord auf, den bislang Larry Walker mit 29 Runs im April 1997 gehalten hatte. Mit dieser Leistung stellt er sogar seinen Teamkollegen bei den Washington Nationals, Anthony Rendon, in den Schatten. Dieser legte diese Woche ebenfalls beeindruckende Zahlen vor, allerdings vor allem in Bezug auf ein einzelnes Spiel und nicht wie Harper auf einen ganzen Monat: Beim 23:5 über die Mets erzielte er in sechs Plate Appearances sechs Hits, davon drei Homeruns, und insgesamt 10 RBIs – in ihrer Gesamtheit ebenfalls eine in der MLB-Geschichte noch nie dagewesene Leistung.

Spiel(e) der Woche
Auf das Podest des Spiels der Woche setze ich dieses Mal gleichrangig zwei Partien, in denen es eindrucksvolle Comebacks zu sehen gab: Das eine geht auf das Konto der New York Yankees, die aus 1:9- und 4:11-Rückständen gegen die Baltimore Orioles mit Hilfe von fünf Homeruns einen 14:11-Sieg nach zehn Innings machten. Das andere war ein 6:5 der Los Angeles Dodgers über die Philadelphia Philles. Mit einem 2:5-Rückstand waren die Dodgers in den Bottom des neunten Innings gegangen, bevor Yasiel Puig, Cody Bellinger und Justin Turner mit Back-to-Back-to-Back-Homeruns gegen Phillies-Closer Hector Neris den Ausgleich besorgten. Zwei Outs später brachte ein Walkoff-Single von Adrian Gonzalez das Spiel nach Hause

Spiel der kommenden Woche
Zwei sehr reizvolle Duelle stehen übers Wochenende an: zum einen das der Houston Astros gegen die Los Angeles Angels of Anaheim, zum anderen das der Chicago Cubs gegen die New York Yankees. Das erste Spiel des Titelverteidigers gegen den wiedererstarkten Rekordmeister ist mein Einschalttipp der Woche: Am Freitag um 20:20 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los, auf dem Mound werden voraussichtlich Kyle Hendricks (4.18 ERA) für die Cubs und Michael Pineda (3.14 ERA) für die Yankees stehen.

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April 6th, 2017 by Dominik

Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

American League
Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

National League
In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

Spielzug der Woche
Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

Statistik der Woche 
50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

Spiel der Woche
Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Spiel(e) der kommenden Woche
Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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März 22nd, 2017 by Dominik

Die vergangene Saison der Rangers ist ein interessanter Fall: Die Texaner brachten es auf ein höchst mittelmäßiges Run-Differential von +8, sie haben also acht Runs mehr erzielt als sie kassiert haben. Die auf dieser Basis zu erwartende Bilanz wären 82 Siege und 80 Niederlagen, womit sie in ihrer Division Dritter geworden wären. In dieses Bild passen auch die Statistiken der einzelnen Mannschaftsteile: Die Rotation (4.38 ERA, 4.67 FIP) war ebenso mittelmäßig wie die Offense (98 wRC+), der Bullpen (4.40 ERA, 4.38 FIP) war sogar der zweitschlechteste der AL. Dennoch schlossen die Rangers die reguläre Saison mit stolzen 95 Siegen ab und führten damit nicht nur ihre Division sondern die gesamte AL an. Die Frage ist nun, ob die Rangers eine besonders effiziente Spielweise entwickelt bzw. besonders effiziente Spieler beisammen haben, mit deren Hilfe sie den verblüffenden Erfolg wiederholen können oder ob sie 2016 schlichtweg Glück hatten. Meine Ansichten sind in der Hinsicht eher konservativ: Siege und Niederlagen leiten sich von erzielten und zugelassenen Runs ab und wenn sich das in der Bilanz eines Teams mal nicht niederschlägt, dann gehe ich erstmal von einem statistischen Ausreißer aus. Ich erwarte, dass die Rangers es dieses Jahr deutlich schwerer haben als im letzten und dass das Erreichen der Playoffs für sie zu einer knappen Angelegenheit wird.

Voraussichtliches Lineup
C Jonathan Lucroy
1B Mike Napoli
2B Rougned Odor
SS Elvis Andrus
3B Adrian Beltre
LF Ryan Ruar
CF Carlos Gomez
RF Nomar Mazara
DH Jurickson Profar

Voraussichtliche Rotation
SP Cole Hamels
SP Yu Darvish
SP Martin Perez
SP A. J. Griffin
SP Dillon Gee
Closer Sam Dyson

Wichtigster Zugang
1B/DH Mike Napoli (Cleveland Indians)

Wichtigster Abgang
IF/OF Ian Desmond (St. Louis Cardinals)

Bestes Prospect
SP Yohander Mendez

Größte Stärke
Knappe Spiele: Die Rangers haben 2016 einen neuen MLB-Rekord aufgestellt, indem sie eine 36-11-Bilanz in Spielen erreichten, die mit nur einem Run Abstand entschieden wurden. Ich gehe wie bereits angedeutet davon aus, dass ein großer Teil dieser Errungenschaft reines Glück war. Aber es dürfte durchaus auch eine Rolle gespielt haben, dass man über Hitter und Reliever verfügt, die das Selbstvertrauen und die Konzentration mitbringen, in solch knappen Situationen Höchstleistungen abzurufen.

Größte Schwäche
Die Rotation hinter Darvish und Hamels: Zwei hervorragende Starter führen die Rotation an, doch dann wird es ganz schnell sehr dünn. Martin Perez erfüllt seit drei Jahren nicht die Erwartungen, die er mit seiner starken Rookie-Saison 2013 geweckt hat, die Neuzugänge Tyson Ross und Andrew Cashner sind noch verletzt und haben 2016 entweder so gut wie gar nicht (Ross) oder miserabel (Cashner) gespielt und Leute wie A. J. Griffin und Dillon Gee mögen eine ordentliche Besetzung für einen Spot Start oder als Middle Reliever sein, aber nicht für einen Posten in der Starting Rotation eines Teams mit Playoff-Amibitionen.

Spannendste Frage
Wer ist der wahre Carlos Gomez? Die bisherige Karriere des Outfielders ist ein beeindruckendes Muster der Inkonstanz. In der ersten Hälfte seiner 20er Jahre produzierte er offensiv auf weit unterdurchschnittlichem Niveau (2007-2011: wRC+ von 52 bis 82). Dann mauserte er sich plötzlich zum Allstar (2013-2014: wRC+ von 128 und 132), nur um genauso schnell wieder nachzulassen (2015-2016 in Houston: wRC+ von 83 und 60) und schließlich seinen Job zu verlieren. Für die letzten 33 Spiele heuerte Gomez bei den Rangers an und spielte plötzlich wieder auf All-Star-Niveau (wRC+ von 139). Ich bin gespannt, ob das nur ein Strohfeuer war oder ob er mit 31 seinen zweiten Karrierefrühling erlebt.

Prognose
Platz 2 in der AL West, Aus im Wild-Card-Spiel

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen bisher erschienenen Previews.

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Dezember 27th, 2016 by Dominik

Die siebte und letzte Rivalität zwischen zwei MLB-Teams, die ich im Rahmen meiner Serie vorstelle, ist die zwischen den Houston Astros und den Texas Rangers. Wie die meisten intensiven Konkurrenzverhältnisse geht auch dieses von räumlicher Nähe aus, genauer gesagt davon, dass beide Teams in Texas zu Hause sind.

Die sogenannte Lone-Star-Series wurde im Zuge einiger Umorganisationen der MLB zunehmend intensiver: Obwohl die Teams seit 1972 nebeinander existieren, kam es zum ersten offiziellen Aufeinandertreffen der Rangers und der Astros nicht vor dem Jahr 2001. Warum nicht 1997 wie die meisten anderen Interleague-Rivalitäten? Das lag daran, dass sich die MLB zunächst schwer damit tat, im Spielplan zu berücksichtigen, dass es hier eine „natürliche“ Rivalität in verschiedenen Divisionen der jeweiligen Ligen gab – die Rangers spielten in der AL West, die Astros in der NL Central. Die nötigen Anpassungen des Spielplans kamen mit etwas Verspätung und von 2001 bis 2012 trafen die beiden Texas-Teams sechsmal pro Jahr aufeinander. Seit 1992 erhält der Gewinner der (anfangs nur aus Freundschaftsspielen bestehenden) Jahresserie den Silver Boot, einen silbernen Cowboystiefel.

Der zweite organisatorische Eingriff in den Charakter dieser Rivalität war noch deutlich größer als die Einführung der Interleague-Spiele: 2013 wurden die Houston Astros umgruppiert in die American League und seitdem sind sie und die Texas Rangers Divisionsrivalen. Dementsprechend sehen sie sich nun jedes Jahr in 19 Spielen.

Interessanterweise hat der am stärksten von der Rivalität betroffene Spieler nie in einem Duell der beiden Teams mitgespielt. Die Rede ist von Nolan Ryan, der zwei bedeutende Abschnitte seiner Hall-of-Fame-Karriere bei den Astros (1980 bis 1988) und bei den Rangers (1989 bis 1993) verbrachte. Beide Teams reklamieren die Karriere des Pitchers in erster Linie für sich und beide haben ein Jahr vor dem ersten Aufeinandertreffen Ryans Trikotnummer retired. In die Hall of Fame zog Ryan 1999 auf eigene Entscheidung hin als Ranger ein. Auch nach seiner aktiven Karriere blieb Ryan hin und her gerissen zwischen den beiden Teams: Zunächst war er drei Jahre für die Astros als Assistent, Scout und Veranstalter von Pitching Camps tätig, dann wurde er 2008 Team-Präsident der Rangers und später deren Geschäftsführer. Nach seinem Rücktritt Ende 2013 kehrte er zu den Astros zurück, für die er als Berater des Team-Owners tätig ist.

Die Statistik der Lone Star Series spricht überraschend deutlich für die Texas Rangers: Von 148 Aufeinandertreffen gewannen die Rangers 95, die Astros hingegen nur 53. Die Rangers übertrumpften die Astros in diesen Spielen mit 812 zu 606 Runs, das ist ein durchschnittliches Resultat von 5,5:4,1. Die höchsten Siege gingen ebenfalls auf das Konto der Rangers, die die Astros sowohl am 4. Juli 2004 als auch am 21. Mai 2005 jeweils 18:3 abfertigten.

Die Rivalität zwischen den Rangers und den Astros ist noch verhältnismäßig jung, gehört aber aktuell zu den interessantesten der MLB, weil beide Teams gleichzeitig in einer Phase sind, in der sie noch für einige Jahre regelmäßig um den Divisionstitel mitreden dürften. 2015 und 2016 waren die ersten Spielzeiten, die beide mit einer Bilanz von über .500 abschlossen – in beiden Jahren gewannen die Rangers die Division letztlich allein aufgrund der deutlich zu ihrem Vorteil ausgegangenen Lone-Star-Series.

Die Serie über Rivalitäten in der MLB ist damit beendet. Ich hoffe, sie war einigermaßen interessant zu lesen. Für mich selbst kann ich jedenfalls sagen, durch die Beschäftigung mit dem Thema eine Menge dazugelernt zu haben. Natürlich konnte ich nicht jede der vielen Rivalitäten berücksichtigen – die Cubs gegen die Cardinals, die Tigers gegen die White Sox, die Mets gegen die Phillies sind nur ein paar Beispiele, über die man hier noch hätte reden können. Vielleicht werde ich das irgendwann nachholen.

Jetzt ist aber erst mal ein anderes interessantes Thema dran, das im Rahmen des Wunschkonzertes erbeten wurde: Ab nächster Woche wird es in einer neuen Serie um die verschiedenen Arten von Pitches gehen.

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Dezember 20th, 2016 by Dominik

In meiner kleinen Serie über Rivalitäten in der MLB habe ich bisher fünf verschiedene Konkurrenzverhältnisse vorgestellt. Alle fünf haben gemeinsam, dass örtliche Nähe bei ihrem Entstehen eine Rolle gespielt hat und dass jede von ihnen als jahrzehntealte Tradition gepflegt wird. Auf die Rivalität, um die es heute geht, trifft beides nicht zu. Toronto und Arlington liegen knapp 2000 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt und bis vor gut einem Jahr war das Verhältnis zwischen den Blue Jays und den Texas Rangers ein ganz normales.

Das änderte sich erst mit Spiel 5 der Divisional-Serie zwischen den beiden am 14. Oktober 2015. Nach den vorherigen Spielen stand es 2:2 nach Siegen (jedes Team hatte seine beiden Heimspiele verloren) und 2:2 war auch der Spielstand nach sechs Innings des fünften Spiels. Es folgte ein 53 Minuten langes siebtes Inning, nach dem zwischen den beiden Teams nichts mehr so war wie zuvor: Im Top des Innings traf bei zwei Outs und Rougned Odor als Runner auf der dritten Base Torontos Catcher Russell Martin versehentlich den Schläger von Batter Shin Soo Choo, als er den Ball zurück zum Mound werfen wollte. Odor nutzte die entstandene Verwirrung und scorte. Die Schiesdrichter entschieden zunächst auf Dead Ball und somit keinen Run. Nach einer Beschwerde von Rangers-Manager Jeff Banister wurde die Entscheidung geändert und blieb auch nach einer längeren Pause – welche die Schiedsrichter zur Beratung und die Zuschauer in Toronto zum Ausflippen nutzten – bestehen: der Run zählte. Blue-Jays-Manager John Gibbons verkündete daraufhin, sein Team spiele den Rest der Partie unter Protest. Die Nerven lagen auf allen Seiten spürbar blank und vor allem den Rangers verursachte das handfeste Probleme, als sie in der unteren Hälfte des siebten Innings mit drei Errors hintereinander die Bases füllten sowie durch einen verpassten Catch von Odor den Ausgleich zuließen. Mit immer noch zwei Baserunnern kam Jose Bautista an den Schlag und entschied das Spiel durch den wohl wichtigsten Homerun seiner Karriere – ihr wisst schon, der mit dem Batflip des Jahrhunderts. Sowohl nach dieser Aktion als auch ein zweites Mal, nach einem Po-Klaps für Troy Tulowitzki von Rangers-Pitcher Sam Dyson, leerten sich die Dugouts und beide Mannschaften stürmten den Platz. Zum Glück kam es zu keinen direkten Gewalttätigkeiten, aber Freundschaften sind dabei sicher auch nicht entstanden. Bewegte Bilder vom Verlauf dieses denkwürdigen siebten Innings gibt es übrigens hier.

Die Serie, bei der sich die beiden Teams im Mai dieses Jahres in Texas erneut begegneten, verlief zunächst in relativ geordneten Bahnen. Erst im achten Inning des letzten Spiels zeigten beide Teams, dass die Unstimmigkeiten nicht ausgestanden sind: Zuerst wurde Bautista von Matt Bush mit einem Pitch abgeworfen, kurze Zeit später revanchierte sich Bautista mit einem harten Slide gegen Odor an der zweiten Base. Die beiden wechselten zunächst einige Worte und Schubser, dann schlug Odor Bautista ins Gesicht und wieder einmal leerten sich beide Dugouts. Odor wurde anschließend für sieben Spiele gesperrt, Bautista für eines.

Gegen Ende der regulären Saison 2016 beziehungsweise während der Wild-Card-Runde zwischen den Baltimore Orioles und den Toronto Blue Jays hoffte wohl die gesamte Baseballwelt (außer den Orioles) darauf, dass sich das heiße Matchup des Vorjahres in der ALDS 2016 wiederholt und genau so kam es. Dieses Mal gewannen die Blue Jays die Serie gegen die Rangers klar mit 3:0, aber das Ende passte zu den vorherigen Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten wie Odors Faust auf Bautistas Auge: Ausgerechnet Odor verantwortete im zehnten Inning die Niederlage seines Teams durch einen schlechten Wurf zur ersten Base. Statt eines Double Plays, das das Spiel ins elfte Inning befördert hätte, bedeutete Odors Fehler den Sieg für Toronto. Es war übrigens der erste Walk-Off-Error, der jemals eine Playoff-Serie der MLB beendete.

Man darf gespannt sein, wie es zwischen Texas und Toronto weitergeht – entsteht hier gerade eine dauerhafte Hassliebe, die in zwanzig, dreißig Jahren in einem Atemzug mit Traditionsduellen wie Yankees vs. Red Sox oder Giants vs. Dodgers genannt wird? Oder kühlt das hitzige Verhältnis schnell wieder ab, sobald man sich mal ein paar Jahre lang nicht in den Playoffs begegnet ist und/oder durch übliche Kaderveränderungen die Hauptpersonen der Auseinandersetzungen woanders spielen?

Die Toronto Blue Jays und die Texas Rangers sehen sich seit 1977 (dem Gründungsjahr der Blue Jays) acht- bis zwölfmal pro Jahr, in dieser Zeit haben 208-mal die Blue Jays gewonnen und 203-mal die Rangers. Über die Rivalität zwischen den beiden Teams sagt das allerdings nicht viel aus, denn die gibt es ja in dieser aufgeheizten Form erst seit den Playoffs 2015. In diesem Zeitraum haben die Blue Jays die Nase mit 4:3 Siegen in der regulären Saison sowie mit zwei 3:2 und 3:0 gewonnenen Playoff-Serien vorn.

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November 10th, 2016 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag. Bis es im April wieder Spielzüge, Ergebnisse und Tabellenstände zu diskutieren gibt, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich nicht wichtig genug für einen eigenen Artikel, aber so interessant finde, dass ich sie mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Trade zwischen Mariners und Dodgers
Die Seattle Mariners haben sich die Dienste von Catcher Carlos Ruiz gesichert, der durch eine zu ziehende Club-Option für 4,5 Millionen Dollar ein Jahr lang unter Vertrag steht. Im Gegenzug wechselt Relief Pitcher Vidal Nuno zu den Los Angeles Dodgers. Das ist nicht gerade ein Blockbuster, aber immerhin der erste erwähnenswerte Trade dieser Offseason.

Bud Black wird Rockies-Manager
Die Colorado Rockies haben ihren neuen Manager vorgestellt und für die NL West ist es ein alter Bekannter: Bud Black managte zuletzt von 2007 bis 2015 die San Diego Padres. Auf den ehemaligen Pitcher wartet ein gutes Stück Arbeit beim Versuch, die Rockies zu einem Playoff-Kandidaten zu machen. Ihre 75-87-Bilanz des vergangenen Jahres war schon die beste seit 2010, in der Postseason war Colorado zum bislang letzten Mal 2009. Blacks Resultate in San Diego waren allerdings auch eher gemischt mit einer Gesamtbilanz von 649-713. Seine letzte Winning Season war 2010, das hat er mit seinem neuen Team schon mal gemeinsam.

Bürger stimmen für neues Rangers-Stadion 
Die Wahl vom Dienstag ist in aller Munde, aber wer hat mitbekommen, dass an dem Tag nicht nur für Donald Trump und für die Legalisierung von Cannabis in einigen Bundesstaaten gestimmt wurde sondern auch für einen neuen Ballpark in Arlington? Mit 60 zu 40 Prozent entschieden die Wähler, dass der Staat bis zu 500 Millionen Dollar und damit die Hälfte des Stadionprojektes mit einfahrbarem Dach finanziert. Der Ballpark soll 2020 oder 2021 fertig sein und ist verbunden mit der Garantie, dass die Texas Rangers bis mindestens 2053 in Arlington bleiben.

Mets wollen Cespedes behalten 
Anders als im letzten Jahr, in dem die New York Mets sich lange aus den Verhandlungen um Yoenis Cespedes mehr oder weniger heraushielten, um dann ganz überraschend doch einen faktischen Einjahresvertrag mit ihm abzuschließen, ist eine Verlängerung mit ihm dieses Mal erklärtes Ziel von General Manager Sandy Alderson. Die Fans werden es gerne hören, denn diese Nachricht bedeutet nicht nur, dass man den Leistungsträger und Publikumsliebling halten möchte, sondern wohl auch, dass man nicht vor größeren Investitionen zurückschreckt.

Blue Jays bemühen sich um Encarnacion
Auch Edwin Encarnacion wird stark von seinem aktuellen Team umworben. Beim Bemühen, einen ihrer beiden Big Bats zu halten, genießt Encarnacion für die Blue Jays offenbar klare Priorität gegenüber José Bautista. Gefühlt wird aber auch kaum einem Spieler in diesen ersten Tagen der Free Agency so viel Interesse anderer Clubs nachgesagt wie Encarnacion. Unter den Bewerbern um seine Dienste befinden sich Meldungen zufolge die Red Sox, die Astros und die Yankees.

100 Millionen für Chapman? 
Für einen Top-Hitter wie Cespedes oder Encarnacion wäre ein Vertrag, der einen dreistelligen Millionenbetrag garantiert, keine Sensation. Die gleiche Summe für einen Relief Pitcher wäre hingegen ein regelrechter Erdrutsch, auch wenn es um Aroldis Chapman geht. Vermutlich greift er mit dieser ihm nachgesagten Forderung etwas zu hoch, aber er kann ohne Weiteres in Kürze der bestbezahlte Reliever aller Zeiten sein. Bisher hält diesen Rekord Jonathan Papelbon mit 50 Millionen Dollar für einen Vierjahresvertrag.

White Sox starten Rebuild
Keine großen Verträge für Spieler über 30 darf man von den Chicago White Sox erwarten, denn jüngste Aussagen von GM Rick Hahn lassen darauf schließen, dass die White Sox einen langfristigen Neuaufbau anstreben. Das Team verfehlt seit Jahren die selbst gesteckten Erwartungen, die Altersstruktur steigt und das Farmsystem ist nicht gerade prall mit Talenten gefüllt. Wenn die White Sox tatsächlich den Resetknopf drücken, dann darf man ein paar interessante Trades erwarten. Chris Sale und José Quintana werden gerade bei dem schwachen Free-Agent-Markt für Starting Pitcher auf großes Interesse stoßen.

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Oktober 10th, 2016 by Dominik

Die Toronto Blue Jays haben sich heute Nacht als erstes Team für die Championship-Serie der American League, kurz ALCS, qualifiziert. Wer hätte das gedacht? Ich jedenfalls nicht. Wie ich im letzten Grand Slam ausgeführt habe, habe ich die Blue Jays nicht so sehr als Außenseiter gesehen, wie man es angesichts der Konstellation – als Wild-Card-Team gegen das Team mit den meisten Siegen der Liga – erwarten würde. Aber dass sie die Rangers einfach mal so in drei Spielen sweepen, war dann doch überraschend. Zumal die beiden ersten Siege mit recht klarer Dominanz im fremden Stadion eingefahren wurden.

Knapp wurde es nur im dritten Spiel, dem einzigen in Toronto. Wie zuvor schon Cole Hamels (3.1 IP, 6 ER) und Yu Darvish (5.0 IP, 5 ER in Spiel 2) bescherten die Blue Jays auch Colby Lewis (2.0 IP, 5 ER) einen schwachen Start. Aber dieses Mal hielten die Rangers zum ersten Mal gut dagegen und schickten Torontos Ass Aaron Sanchez mit 6 ER in 5.2 IP vom Mound. Gegen den Bullpen der Blue Jays war dann aber nichts mehr zu holen und im zehnten Inning gelang Josh Donaldson der Walkoff-Run nach einem Double sowie einem Error, den er für einen Spurt von der zweiten Base bis zum Slide auf die Homeplate nutzte. Der Error ging übrigens auf die Kappe von Rougned Odor. Ja, ausgerechnet Odor – wieder mal eine Geschichte, wie sie nur der Sport schreibt.

Toronto unternimmt also nun im zweiten Jahr in Folge den Anlauf, den AL-Titel zu gewinnen und in die World Series einzuziehen. Indem sie die Serie in drei Spielen erledigt haben und zudem noch das gestrige Spiel der Red Sox gegen die Indians wegen Regens verschoben werden musste, haben die Blue Jays den Vorteil, mit komplett ausgeruhtem Pitching Staff in die ALCS zu gehen. Der Vorteil wird umso größer sein, je länger die Serie der anderen beiden Teams noch dauert.

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