Juni 1st, 2017 by Dominik

Mit sieben Siegen in Folge enteilen die Houston Astros dem Rest der Liga und leben sich in diesem Jahr mehr und mehr in die Rolle des World-Series-Favoriten ein, die letzte Saison die Chicago Cubs hatten. Diese wiederum sind bislang nicht in der Lage, die hochgesteckten Erwartungen einer jahrelang dominierenden Dynastie zu erfüllen, stehen nun sogar bei einer negativen Bilanz. Unterdessen produzieren die beiden wohl größten Stars der Liga auf unterschiedliche Weise Schlagzeilen: Bryce Harper teilt Prügel aus, während Mike Trout unters Messer muss und bis auf Weiteres ausfällt. Das und alles, was sonst in der MLB los ist, verrät der heutige Grand Slam am Donnerstag:

National League
Die National League East macht ihrem im Laufe der Saison erworbenen Ruf als langweiligste Division der Liga weiterhin alle Ehre. Die Washington Nationals (33-19) cruisen einsam an der Spitze und wenn wie in den letzten Tagen ihre ansonsten überragende Offense mal nicht klickt, dann zeigen sie, dass sie Spiele auch durch starkes Pitching gewinnen können. Die New York Mets (23-28), Atlanta Braves (22-29), Miami Marlins (21-30) und Philadelphia Phillies (17-34) wechseln sich beständig dabei ab, mal – wie zurzeit die Marlins – ein paar Spiele zu gewinnen und dann wieder – wie zurzeit die Phillies – ein paar mehr zu verlieren und sich dabei durchweg klar unter einer .500-Bilanz zu halten.

In der NL Central sticht momentan vor allem die Schwächephase der Chicago Cubs (25-27) heraus, die heilfroh sein werden, dass der Trip an die Westküste, auf dem sie alle sechs Spiele verloren haben, endlich beendet ist. Zu Hause in Chicago kommt es nun zu einer möglicherweise wegweisenden Serie gegen Tabellennachbar St. Louis Cardinals (27-27). Die Cardinals sind ebenfalls nicht gut drauf, haben zehn der letzten vierzehn Spiele verloren. Man darf gespannt sein, welches der beiden Teams gestärkt aus den Aufeinandertreffen hervor gehen kann. An der Spitze der Division stehen nach wie vor die Milwaukee Brewers (28-25), die allerdings zuletzt auch nicht überzeugen konnten und nur das Glück haben, dass es die Konkurrenten nicht besser machten.

Eindeutiger als in der NL West kann sich eine Zweiklassengesellschaft nicht darstellen: Auf der Sonnenseite stehen die Los Angeles Dodgers (33-21), die Arizona Diamondbacks (33-22) und die Colorado Rockies (33-22) mit jeweils 33 Siegen, auf der Schattenseite die San Diego Padres (22-33) und die San Francisco Giants (22-33) mit ebenso vielen Niederlagen. Hauchdünn an der Spitze stehen seit Neuestem die Dodgers, die eine Serie von sechs gewonnen Spielen – drei davon gegen den World Champion Chicago Cubs – genutzt haben, um an den leicht schwächelnden Rockies (fünf Niederlagen in den letzten sieben Spielen) vorbei zu ziehen. Für die Giants ist unterdessen der kleine Zwischenspurt aus der Vorwoche verpufft. Nach einem Drei-Spiele-Sweep durch die Washington Nationals sind sie nun wieder auf Augenhöhe mit den San Diego Padres, welche ihrerseits mit einem Sweep gegen die Cubs überraschten.

American League
Zur American League East kann man nur sagen: Was für eine Division! Mit den New York Yankees (30-20), den Boston Red Sox (29-23), den Baltimore Orioles (27-24) und den Tampa Bay Rays (29-27) stehen vier von fünf Teams über .500 und selbst die miserabel gestarteten Toronto Blue Jays (26-27) sind nur noch ein einziges Spiel von einer ausgeglichenen Bilanz entfernt. Bei fast allen Teams der Division zeigt der Trend der letzten Spiele nach oben, einzig die Baltimore Orioles erlebten letzte Woche mit sieben Niederlagen hintereinander ihren ersten größeren Einbruch der Saison. Aber auch die O’s scheinen sich wieder gefangen zu haben: Gegen die Yankees gewannen sie gerade zwei von drei und nun steht eine sehr interessante Vier-Spiele-Serie zu Hause gegen die Red Sox an.

Die AL Central ähnelt stark der anderen Central-Division, auch hier macht zurzeit keiner den Eindruck, diese Division ernsthaft gewinnnen zu wollen. Alle fünf Teams haben diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen und so kommt es, dass die Minnesota Twins (26-23) trotz momentan vier Niederlagen in Folge die Tabellenspitze halten. Knapp dahinter folgen die favorisierten Cleveland Indians (27-24), während die Detroit Tigers (25-28), die Chicago White Sox (24-28) und die Kansas City Royals (22-30) in den meisten anderen Divisionen schon deutlich abgeschlagen wären, in dieser aber mit einer mittleren Erfolgsserie relativ schnell oben dabei sein könnten. Insofern ist die AL Central eigentlich genauso spannend wie die AL East, nur auf einem ganz anderen Niveau.

Die AL West stellt sich ähnlich einseitig dar wie die NL East, jedenfalls wäre es schon jetzt – nach knapp einem Drittel der Saison – mehr als überraschend, wenn an den Houston Astros (38-16) in der Division noch irgendwein Weg vorbei führen sollte. Schon vor einer Woche standen die Astros als bestes Team der gesamten Liga da und seitdem haben sie nichts anderes getan als weitere Spiele zu gewinnnen – sieben hintereinander. Anders als in der NL East sehen die restlichen Teams der Division aber nicht ganz so desolat aus – den Texas Rangers (26-28) und den Seattle Mariners (25-29) traue ich durchaus zu, mit einer starken Restsaison um die Wild-Card-Plätze mitspielen zu können. Die Los Angeles Angels (28-28) wären dazu möglicherweise auch in der Lage gewesen, doch ihnen ist jetzt das passiert, was auf keinen Fall passieren durfte: Ihre One-Man-Show Mike Trout, der Superstar der MLB, fällt mit einer Daumenverletzung aus. Er wurde gestern operiert und muss sechs bis acht Wochen pausieren. Bis dahin dürfte die Saison der Angels gelaufen sein.

Szene der Woche
Diese Woche fiel die Wahl leicht, denn die folgende Szene zwischen den Giants und den Nationals war zwar alles andere als schön, aber sie war definitiv das größte Thema in den letzten Tagen: San Franciscos Reliever Hunter Strickland feuert Washingtons Bryce Harper einen 98 mph schnellen Fastball an den Arm, daraufhin wirft dieser Schläger und Helm von sich und stürmt auf Strickland zu, um eine wilde Prügel zu beginnen. Es drängte sich die Vermutung auf, dass es wieder mal um ungeschriebene Regeln ging, aber in dem Fall war die Erklärung noch ein bisschen alberner: Strickland warf Harper offenbar ab, weil dieser vor zwei Jahren (!) gegen ihn zwei Homeruns geschlagen hatte. Beide Spieler wurden nach dem Vorfall gesperrt, Strickland für sechs Spiele und Harper zunächst für vier. Nach einem Einspruch Harpers wurde seine Sperre auf drei Spiele reduziert. Mir erscheint das sehr wenig, denn die erste unfaire Aktion ging zwar von Strickland aus, die Prügelei aber von Harper. Andererseits bedeuten sechs Spiele für Strickland, dass er seinem Team in drei oder vier Innings fehlen wird, die er normalerweise absolviert hätte, während Harper für 27 Innings oder 12 bis 15 At Bats fehlt.

Statistik der Woche 
599 und 2873. Klar, ich hätte noch abwarten können, bis Albert Pujols seinen 600. Homerun schlägt, bevor ich ihn in dieser Kategorie dafür abfeiere. Aber Homerun Nummer 599, erzielt am Dienstag während des 9:3-Sieges der Los Angeles Angels gegen die Atlanta Braves, war gleichzeitig der 2873. MLB-Hit in Pujols Karriere, womit er den wohl größten Baseballer aller Zeiten, Babe Ruth, auf Platz 44 der ewigen Hitliste eingeholt hat. Ziemlich kurios, dass ein einziger Schlag gleich zwei interessante Zahlen produziert. Pujols ist übrigens derzeit die Nummer neun in der Karriere-Rangliste für Homeruns; realistisch anzunehmen ist, dass er es dieses Jahr noch bis zur Nummer sieben bringt.

Spiel der Woche
Gegen die Houston Astros zu gewinnen, ist zurzeit nicht einfach, das bekamen die Minnesota Twins diese Woche dreimal deutlich zu spüren. Insbesondere in dem Spiel am Montag hatte es zwischenzeitlich ganz anders ausgesehen: Zwar gingen die Astros im vierten Inning 2:0 in Führung, doch die Twins kamen mit sieben Runs im fünften Inning zurück und sahen wie der sichere Sieger aus, als ihr wieder mal starker Starter Ervin Santana nach sieben Innings mit einer 8:2-Führung das Spiel verließ. Doch die Astros explodierten mit elf Runs im achten und drei weiteren im neunten Inning gegen den Bullpen der Twins und siegten am Ende mit 16:8. Auch eine Regenunterbrechung beim Stand von 6:8 im achten Inning, über die sich einige Astros-Spieler sichtbar ärgerten, konnte die Aufholjagd nicht stoppen. Für die Astros war es zwar das erste Mal seit 2008, dass sie einen Rückstand von sechs Runs aufholen konnten, aber in der laufenden Saison war es für sie bereits das vierte gedrehte Spiel nach einem Rückstand von fünf Runs.

Spiel der kommenden Woche
Eine sehr interessante Serie wird bestimmt die zwischen den Boston Red Sox und den Baltimore Orioles werden; zum einen wegen der Konstellation, dass sie um die Rolle des ersten Yankees-Verfolgers wetteifern, zum anderen wegen der emotional aufgeladenen Atmosphäre, die seit den letzten Begegnungen zwischen den beiden herrscht. Mit Erschrecken habe ich aber festgestellt, dass ich meinen Einschalttipp der Woche in diesem Jahr noch kein einziges Mal den Houston Astros gewidmet habe. Die haben sich diese Ehre redlich verdient und gegen die Texas Rangers steht Samstagnacht (2:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Lokalderby mit einem hervorragenden Pitching-Matchup an: Houstons Dallas Keuchel (1.81 ERA) trifft auf Texan Yu Darvish (2.97). Für dieses Spiel dürfte es sich lohnen, nachts aufzustehen (oder wach zu bleiben, je nachdem).

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Mai 25th, 2017 by Dominik

Was für ein Tag ist heute eigentlich? Religiöse Menschen feiern Christi Himmelfahrt, gleichzeitig gilt der Tag aber auch in weiten Teilen des deutschsprachigen Raums als Vatertag oder – hauptsächlich in den östlichen Bundesländern – als Herrentag. Nennt ihn wie ihr wollt, auf jeden Fall ist es ein Donnerstag und da gibt es hier wie üblich den Grand Slam, den wöchentlichen Überblick zur MLB. Wenn ihr mit Lesen fertig seid, dann schnappt euch eure Freundinnen und Freunde, Kinder und sonstigen Familienmitglieder und macht einen Ausflug in den lokalen Ballpark, denn fast überall wird heute Baseball gespielt und schöner kann man einen Feiertag doch kaum verbringen, ganz egal wie er bei euch heißt.

American League
Die American League East bleibt neben der NL West die Highlight-Division der MLB. Dem tut auch keinen Abbruch, dass die New York Yankees (27-17) und die Baltimore Orioles (25-20) diese Woche mehr Spiele verloren als gewonnen haben. Im Gegenteil, das erlaubte den Boston Red Sox (24-21) den Anschluss an die Spitze herzustellen und aus dem bisherigen Zwei- einen Dreikampf zu machen.

Quasi täglich rechne ich damit, dass die Minnesota Twins (25-18) der unvermeidlich erscheinende Einbruch ereilt, doch bislang bleibt er aus: Nach derzeit vier Siegen in Folge, darunter ein Sweep gegen die Orioles, haben sie die Führung in der AL Central sogar etwas stabilisiert, auch wenn ihnen die Cleveland Indians (24-21) nach wie vor dicht auf den Fersen sind. War letzte Woche noch die gesamte Division sehr eng beisammen, so hat sich das inzwischen etwas entzerrt, da die Detroit Tigers (22-23), die Chicago White Sox (20-25) und die Kansas City Royals (19-27) in den letzten Tagen allesamt schwächelten und momentan den Anschluss an die Twins und die Indians nicht halten können.

Die Houston Astros (31-16) haben als erstes MLB-Team in diesem Jahr 30 Siege erreicht und führen nach wie vor souverän die AL West an. Dennoch brachte diese Woche mehrere Rückschläge für die Astros, denn zum einen wurden sie in der Serie gegen die Indians zum ersten Mal in diesem Jahr gesweept und zum anderen mussten sie ihr Pitching-Ass Dallas Keuchel auf die Verletztenliste setzen. Es sieht momentan aber ganz danach aus, dass Keuchel schon am kommenden Wochenende wieder dabei sein kann und auf die verlorene Serie antworteten die Astros direkt mit einem Sweep gegen die Tigers. Ernsthafte Verfolger hat Houston bislang noch nicht, aber mit den wiedererstarkten Texas Rangers (24-23) und den überraschend soliden Los Angeles Angels (25-24) weisen immerhin zwei weitere Teams der Division eine positive Bilanz auf. Die Oakland Athletics (21-25) und nach der jüngsten Serie von fünf Niederlagen auch die Seattle Mariners (20-27) sind schon recht abgeschlagen.

National League
Es tut mir in der Seele weh, aber zurzeit habe ich den Eindruck, dass ich – obwohl erst gut ein Viertel der Saison vorbei ist – für den Rest des Jahres immer nur das Gleiche über die National League East zu sagen habe: Die Washington Nationals (28-17) spulen routiniert ihr Programm ab und langweilen sich dabei ein bisschen, denn die anderen Teams der Division sind derzeit schlichtweg nicht konkurrenzfähig – entweder weil sie wie die Atlanta Braves (20-24) und die Philadelphia Phillies (15-29) in der Entwicklung ihres Rosters generell noch nicht so weit sind oder weil sie wie die New York Mets (19-25) extrem von Verletzungen gebeutelt werden oder weil sie die Miami Marlins (16-29) sind, bei denen beide Faktoren zutreffen und sich mit massiver Plan- und Richtungslosigkeit der Franchise paaren.

Was die Minnesota Twins in der American League sind, sind die Milwaukee Brewers (25-21) in der National League: ein Team, das eigentlich mitten im Rebuild steckt, sich aber erstaunlich stark und erstaunlich konstant an der Spitze hält, in diesem Fall an der der NL Central. Je drei Siegen gegen die Mets und die Padres sowie einem Split mit den Cubs folgte nun zwar ein gegen die Blue Jays erlittener Sweep, der die Führung der Bewers vor den St. Louis Cardinals (23-20) und den Chicago Cubs (24-21) aber noch nicht gefährdete. Deutlich abgerutscht ist hingegen das zweite überraschend stark gestartete Team, die Cincinnati Reds (22-24), die sich nach neun Niederlagen aus den letzten zwölf Spielen nur noch knapp vor dem derzeitigen Schlusslicht Pittsburgh Pirates (21-26) halten.

Für die NL West erwartet zwar fast jeder, mich selbst eingeschlossen, dass über kurz oder lang die Los Angeles Dodgers (27-20) sich als die konstanteste Größe im derzeitigen Führungstrio erweisen, aber noch gibt es dafür keine sichtbaren Anzeichen, denn sowohl die Colorado Rockies (31-17) als auch die Arizona Diamondbacks (29-19) befinden sich schon wieder auf Siegesserien. Die San Francisco Giants (20-28) scheinen mit acht Siegen aus den letzten zwölf Spielen, darunter eine Serie von fünf gewonnenen Partien hintereinander, so langsam in Tritt zu kommen. Von einer Aufholjagd zu sprechen, wäre derzeit noch übertrieben; aber zumindest setzen sich die Giants inzwischen deutlich von den San Diego Padres (17-31) ab, dem momentan schlechtesten Team außerhalb der NL East.

Szene der Woche
Zugegeben, mit Baseball hat meine Szene der Woche nicht viel zu tun, aber mit irgendwas muss man sich ja während einer zweistündigen Regenpause beschäftigen. Die Bullpens der Chicago Cubs und der Milwaukee Brewers nutzten die Unterbrechung des Spiels am Freitag, um sich und die ausharrenden Zuschauer mit einem lustigen Tanzwettbewerb bei Laune zu halten. Joachim Llambi wäre ob der dargebotenen Künste wohl nicht gerade vor Begeisterung vom Stuhl gefallen, aber ich habe mich köstlich amüsiert.

Statistik der Woche 
8. In so vielen Spielen hintereinander hat Red-Sox-Pitcher Chris Sale jeweils eine zweistellige Anzahl von Strikeouts erzielt. Damit hat er seinen eigenen, mit Pedro Martinez geteilten Rekord von 2015 eingestellt. Übertreffen konnte er ihn aber nicht, denn letzte Nacht endete die Serie, als Sale beim 9:4-Sieg gegen die Texas Rangers nur sechs Strikeouts gelangen.

Spiel der Woche
Die San Francisco Giants haben dieses Jahr bislang nicht allzu viele Highlights produziert, aber der Sieg bei den St. Louis Cardinals vom Samstag war auf jeden Fall eines: Volle zwölf Innings lang gelang es San Francisco nicht, auch nur einen einzigen Runner in Scoring Position, also auf die zweite Base oder weiter zu bringen – das hatte seit 1990 kein anderes Team „geschafft“. Im dreizehnten Inning fanden die Giants dann doch noch ihre Bats. Mit drei Singles hintereinander wurden die Bases geladen und der 21-jährige Rookie Christian Arroyo brachte am Ende eines 12-Pitch-At-Bats einen Double an und damit die ersten zwei Runs des 3:1-Erfolges nach Hause. Erwähnen sollte man noch die starken Auftritte der beiden Starter Jeff Samardzija (Giants) und Carlos Martinez (Cardinals): Es war das erste Spiel in diesem Jahr, in dem beide Starter mindestens acht Innings durchhielten und keine Runs erlaubten.

Spiel der kommenden Woche
Letzte Woche habe ich an dieser Stelle ordentlich daneben gegriffen, denn ausgerechnet das von mir als Einschalttipp gewählte Spiel der Cubs gegen die Brewers wurde wegen schlechten Wetters abgesagt. In der Hoffnung, dass sich meine Empfehlung nicht wieder als schlechtes Omen erweist, lege ich euch für diese Woche das Gipfeltreffen der AL East zwischen den New York Yankees und den Baltimore Orioles ans Herz. Das europafreundlichste Spiel der Serie ist gleich das erste am Montag um 19:05 Uhr unserer Zeit. Die Starting Pitcher werden voraussichtlich Luis Severino (3.11 ERA) für die Yankees und Dylan Bundy (2.92 ERA) für die O’s sein.

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April 6th, 2017 by Dominik

Die MLB-Saison 2017 hat begonnen, daher gibt es ab sofort wieder die „In-Season“-Version des Grand Slams am Donnerstag. Über Tabellenstände brauchen wir noch nicht groß zu reden, nachdem jedes Team erst eins bis drei von 162 Spielen absolviert hat, aber die eine oder andere interessante Entwicklung oder Überraschung hat es bereits gegeben – und leider auch schon mehrere Spielausfälle wegen schlechten Wetters; der neueste davon betrifft die für heute vorgesehene Partie der Pittsburgh Pirates bei den Boston Red Sox.

American League
Die American League East hatte dieses Jahr die Ehre, das Eröffnungsspiel zu bestreiten – zwischen den Tampa Bay Rays und den New York Yankees, zwei Teams, die in diesem Jahr voraussichtlich für nicht allzu viel Furore sorgen werden. Der Favoritenrolle gerecht geworden sind bisher die Boston Red Sox mit zwei Siegen in zwei Spielen gegen die Pittsburgh Pirates, auch wenn im zweiten Spiel erst ein Walkoff-Homerun von Sandy Leon die ersten Punkte und gleichzeitig die Entscheidung brachte. Ebenfalls schadlos hielten sich die Baltimore Orioles, die zweimal gegen die Toronto Blue Jays gewannen und damit zeigten, dass sie von dem Abwärtstrend nichts wissen wollen, den viele (mich selbst eingeschlossen) ihnen für dieses Jahr prognostiziert hatten.

Die AL Central präsentiert sich in dieser sehr frühen Momentaufnahme als die stärkste Division der Liga mit gleich drei ungeschlagenen Teams. Im Fall der Cleveland Indians, welche die Texas Rangers 3-0 gesweept haben, entspricht das der Erwartungshaltung eines AL-Champions und erneuten Mitfavoriten; für die Detroit Tigers ist die perfekte Bilanz ein Muster von wenig Wert, da sie nur ein einziges Spiel absolviert haben, denn die zweite Partie gegen die White Sox musste wegen Regens verschoben werden; bleiben als Dritter im Bunde die Minnesota Twins, bislang das Überraschungsteam der Liga – nicht nur, weil sie die beiden ersten Spiele gegen die Kansas City Royals gewonnen haben, sondern weil die Ergebnisse von 7:1 und 9:1 an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Damit haben die Twins bislang ligaweit sowohl die meisten Runs pro Spiel erzielt als auch die wenigsten Runs pro Spiel zugelassen. Die sehenswerteste Defensivaktion der bisherigen Saison geht übrigens ebenfalls auf das Konto der Twins.

Für die AL West rechne ich dieses Jahr mit einem Dreikampf zwischen den Texas Rangers, den Seattle Mariners und den Houston Astros. Das bisherige Bild ist allerdings ein anderes, denn die Astros haben zum Saisonstart durch drei Siege in drei Spielen gegen den Mitkonkurrenten aus Seattle ein klares Ausrufezeichen hinter ihren Anspruch auf den Divisionstitel gesetzt. Die Mariners hingegen müssen neben dem 0-3-Start auch noch die Hiobsbotschaft verdauen, dass Starter Drew Smyly mit einer Ellbogenverletzung im Wurfarm für mindestens zwei Monate ausfällt. Die Rangers kamen gegen die Cleveland Indians mit drei Niederlagen unter die Räder und hoffen, nun in den Oakland Athletics den benötigten Aufbaugegner zu finden.

National League
In der National League East starteten die Washington Nationals mit zwei erwarteten Siegen gegen die Miami Marlins, alle anderen Teams haben von ihren ersten beiden Spielen eines gewonnen und eines verloren. Die Extra-Innings-Niederlage meiner Mets in der letzten Nacht tut besonders weh – nicht nur, weil es mich wehmütig stimmt, Bartolo Colon im Citi Field in der falschen Uniform zu sehen, sondern auch weil eine Glanzleistung von Jacob deGrom am Ende unbelohnt blieb, da der Bullpen und die Batter ihm keine Stütze waren.

Die NL Central ist am schwächsten in das Jahr gestartet, kein einziges Team weist bislang eine positive Bilanz auf. Das wird sich heute allerdings definitiv ändern, wenn die Chicago Cubs und die St. Louis Cardinals gegeneinander das dritte Spiel ihrer Serie absolvieren – vorausgesetzt, die wegend schlechten Wetters von gestern auf heute verschobene Partie muss nicht erneut ausfallen. Einen großen Erfolg haben die Cardinals vor ein paar Tagen abseits des Platzes erzielt: Mit Catcher Yadier Molina, dem Gesicht der Franchise, einigte man sich auf eine Vertragsverlängerung, die ihm in den nächsten drei Jahren 60 Millionen Dollar einbringt.

Die NL West ist die einzige Division, in der schon jedes Team mindestens einmal gewonnen und einmal verloren hat. Erwähnenswert finde ich hier die Arizona Diamondbacks und die Colorado Rockies, die als einzige Teams der Liga mit negativem Rundifferential eine positive Bilanz (jeweils 2-1) erspielt haben. Spricht das nun für Glück oder für Effizienz? Vielleicht auch für nichts von beidem, die Stichprobengröße ist ja noch extrem klein.

Spielzug der Woche
Es gab in den ersten Spielen schon eine Menge sehenswerter Hits und Catches, aber eines habe ich wirklich noch nie gesehen und das war dass innerhalb eines Innings dreimal derselbe Spieler vom Ball getroffen wurde. Stephen Piscotty, Outfielder der St. Louis Cardinals, ist der Pechvogel, dem im fünften Inning der 1:2-Niederlage gegen die Cubs genau das passiert ist. Ich fand es beim ersten Mal zum Lachen, beim zweiten Ansehen machte ich mir Sorgen, ob sich der arme Kerl vor allem bei dem dritten Treffer nicht ernsthaft verletzt hat. Zum Glück hat er das nicht; er wurde zwar auf eine Gehirnerschütterung untersucht, aber es war alles in Ordnung.

Statistik der Woche 
50. So viele aufeinanderfolgende Saves hat der Closer der Orioles, Zach Britton, inzwischen erzielt. Das ist eine beeindruckende Serie, mit der er bereits auf Platz 5 der ewigen Bestenliste der MLB liegt. Platz zwei ist bereits in Sichtweite, denn davon trennen Britton nur noch Jose Valverde (51), Jeurys Familia (52) und Tom Gordon (54). Bis zu Platz eins, den Eric Gagne mit 84 erfolgreichen Save-Opportunities hintereinander belegt, ist es aber noch ein weiter Weg.

Spiel der Woche
Es gab bereits einige sehenswerte Begegnungen an diesen ersten Tagen der Saison, aber ich entscheide mich für das Spiel der San Francisco Giants bei den Arizona Diamondbacks am Opening Day. Zum einen weil es ein sehenswertes und spannendes Spiel war – mit Madison Bumgarner, der mit fünf perfekten Innings startete und obendrein zum ersten Pitcher wurde, der zwei Homeruns am Opening Day schlug, mit einem nie aufgebenden Diamondbacks-Team, dem ersten Blown Save und schließlich dem ersten Walkoff des Jahres –, zum anderen weil es das erste Spiel seit sehr langer Zeit war, dass im deutschen Free-TV zu empfangen war. Ich habe mir die Übertragung aus Interesse angeschaut und fand sie größtenteils gelungen, außer der ärgerlichen Tatsache, dass man erst mitten in das schon seit einer Stunde laufende Spiel eingestiegen ist. Ich hoffe sehr, dass das bei der nächsten Übertragung anders wird. Übrigens habe ich keine Ahnung, wann das sein wird, im Sport1-Programm bin ich bisher nicht fündig geworden. Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar.

Spiel(e) der kommenden Woche
Mit der Serie der Los Angeles Dodgers beim World-Series-Titelverteidiger Chicago Cubs von Dienstag bis Donnerstag treten erstmals in diesem Jahr zwei der vermutlichen Spitzenteams gegeneinander an. Daher sind diese Spiele mein Einschalttipp für die kommende Woche.

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März 31st, 2017 by Dominik

Für die Red Sox ist 2017 das Jahr 1 nach „Big Papi“ David Ortiz. Wer geglaubt hat, dass sie dieses Ende einer Ära in aller Stille betrauern werden, sieht sich spätestens seit den Winter Meetings im vergangenen Dezember getäuscht: Innerhalb von 24 Stunden wurden Ortiz-Nachfolger Mitch Moreland, Bullpen-Verstärkung Tyler Thornburg und der Blockbuster-Trade des Jahres an Land gezogen. Letzterer bestand darin, SP-Ass Chris Sale von den Chicago White Sox loszueisen und dafür das vielleicht größte Nachwuchstalent der Liga, IF Yoan Moncada, sowie drei weitere Prospects abzugeben. Dieses Vorgehen von GM Dave Dombrowski kann man wohl als „All-In“ bezeichnen, als klares Bekenntnis zu einem Angriff auf den Titel. Die Aussichten, dass dieser Angriff von Erfolg gekrönt sein wird, erscheinen nicht schlecht. Die Red Sox verfügen auch ohne Ortiz über eines der stärksten Batting-Lineups der Liga und spätestens seit der Addition von Sale muss man das gleiche über die Starting Rotation sagen. In einer 162 Spiele langen Saison plus den anschließenden Playoffs kann Vieles passieren, aber zum jetzigen Zeitpunkt, zwei Tage vor Saisonstart, sind die Red Sox in meinen Augen der Favorit auf den Gewinn der World Series 2017.

Voraussichtliches Lineup
C Sandy Leon
1B Hanley Ramirez
2B Dustin Pedroia
SS Xander Bogaerts
3B Pablo Sandoval
LF Andrew Benintendi
CF Jackie Bradley Jr.
RF Mookie Betts
DH Mitch Moreland

Voraussichtliche Rotation
SP Rick Porcello
SP Chris Sale
SP David Price
SP Steven Wright
SP Eduardo Rodriguez
Closer Craig Kimbrel

Wichtigster Zugang
Chris Sale (Chicago White Sox)

Wichtigster Abgang
1B/DH David Ortiz (Karriere beendet)

Bestes Prospect
OF Andrew Benintendi

Größte Stärke
Offensive: 2016 haben die Red Sox in der MLB nahezu alle relevanten Batting-Statistiken außer Homeruns angeführt: Runs, Batting Average, On-Base-Percentage, Slugging, Total Bases, RBIs usw. Zwar hat sich Big Papi nach einem sensationell guten Jahr verabschiedet, doch ansonsten setzen die Red Sox auf einen jungen Kern, der intakt geblieben ist und durch Rookie-Outfielder Andrew Benintendi Zuwachs erhalten hat.

Größte Schwäche
Der Bullpen: Man muss bei diesem Team schon mit der Lupe nach Schwächen suchen, aber wenn es einen Mannschaftsteil gibt, der mich nicht beeindruckt, dann ist es das Relief Pitching, besser gesagt die Brücke zwischen den Startern und Closer Craig Kimbrel. Mit der Verpflichtung von Thornburg wurde auch hier etwas getan, aber ich bin mir nicht sicher, ob das reicht, um die potenzielle Sollbruchstelle zu schließen, zumal Thornburg zum Saisonbeginn mit einer Verletzung ausfällt.

Spannendste Frage
Zeigt es der Kung-Fu-Panda seinen Kritikern? Pablo Sandovals Zeit in der MLB schien abgelaufen, als er sich letztes Jahr übergewichtig und in katastrophaler Form präsentierte und schließlich trotz seines üppigen Vertrages seinen Platz im Team an Travis Shaw verlor. Doch Shaw wurde im Dezember zu den Brewers getradet und nach einer Schulteroperation und intensivem Training inklusive Gewichtsabnahme scheint mit Sandoval plötzlich wieder zu rechnen zu sein. Wenn er seine im Spring Training gezeigten Leistungen in der Saison fortsetzen kann, dürfte er ein heißer Kandidat als Comeback Player des Jahres sein.

Prognose
Platz 1 in der AL East, AL Pennant, World-Series-Sieger 2017

Hier geht’s zum Power-Ranking und allen Previews.

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März 2nd, 2017 by Dominik

Eine knappe Woche Spring Training liegt hinter uns und bisher haben wir einen klaren Gewinner und einen klaren Verlierer. Die Los Angeles Angels of Anaheim haben fünf von fünf Spielen als Sieger beendet, die Cincinnati Reds hingegen kassierten in sechs Versuchen sechs Niederlagen. Dass die Reds auch in der regulären Saison eher wenige Erfolge feiern werden, ist wohl zu erwarten; dass die Angels ab April weiterhin groß auftrumpfen, ist hingegen nicht allzu wahrscheinlich. Die gute Nachricht für die Reds (und gleichzeitig die schlechte Nachricht für die Angels) ist jedenfalls, dass die Ergebnisse des Spring Trainings erfahrungsgemäß nur einen sehr schwachen Zusammenhang mit den Ergebnissen der kommenden Saison aufweisen. Also genießt es fürs Erste einfach, Baseball unter der Sonne Arizonas und Floridas sehen zu können, drückt euren Lieblingsspielern die Daumen, wenn sie noch um einen Stammplatz kämpfen, aber macht euch über die Resultate eures Teams nicht allzu viele Gedanken.
Während die Baseballwelt gierig die ersten Vorbereitungsspiele komsumierte, passierte jenseits der Ballparks nicht allzu viel Erwähnenswertes: Diese Woche gab es keine Regeländerungen, keine Skandale, kaum relevante Free-Agent-Signings – aber immerhin einen Trade der Mariners wie gefühlt in jeder Woche dieser Offseason.

Kubanische Talente suchen ihre Chance 
Aus Kuba flüchten nach wie vor regelmäßig Baseballer, die auf ein Engagement in der MLB hoffen. Zwei davon haben diese Woche Verträge bekommen: Der 24-jährige Outfielder Jose Adolis Garcia, ein Bruder von Braves-3B Adonis Garcia, unterzeichnete bei den St. Louis Cardinals und der 28-jährige Infielder Luis Valdes bei den Detroit Tigers. Beide gelten als talentiert genug, um es in einer Rolle als Reserve- oder Ergänzungsspieler in die MLB zu schaffen. Deutlich mehr wird dem 19-jährigen Outfielder Luis Robert zugetraut, den die Scouts allgemein als vielversprechendstes internationales Talent neben dem Japaner Shohei Ohtani einstufen. Robert wird voraussichtlich Ende März ein Vorführtraining für die MLB-Clubs absolvieren; bis alle Formalitäten seitens der Liga und der Einreisebehörden geklärt sind, wird es wahrscheinlich Juni oder Juli werden. Die Athletics, Astros, Braves, Cardinals, Nationals, Padres und Reds hoffen stark, dass die Freigabe vor dem 15. Juni erfolgt. An diesem Tag endet die aktuelle Signing-Periode und in der neuen Periode ab 2. Juli dürfen sie – ebenso wie schon jetzt die Cubs, Dodgers und Royals – nicht mitbieten, weil sie ihre Limits für die Verpflichtung internationaler Free Agents überzogen haben.

Joe Blanton zu den Nationals 
Die Washington Nationals haben sich in Person von Joe Blanton noch eine Ergänzung ihres Bullpens gesichert. Der 36-jährige Free Agent bekommt einen Einjahresvertrag über 4 Millionen Dollar plus bis zu einer weiteren Million in Abhängigkeit von den absolvierten Innings. Interessant sind die durchgesickerten Zahlungsdetails: Die Nationals planen demnach, von dem Gehalt für 2017 eine Million erst 2018 und zwei Millionen sogar erst 2019 zu bezahlen. Der Hintergrund dieses Konstrukts ist unklar – falls die Nationals finanziell so klamm sein sollten, dass sie das Gehalt anders nicht zahlen können, dürften sie für weitere Verpflichtungen (im Gespräch sind Outfielder Angel Pagan sowie ein Trade für Closer David Robertson) wohl aus dem Rennen sein.

Dodgers und Mariners traden Prospects 
Die Seattle Mariners um General Manager Jerry Dipoto untermauern ein weiteres Mal, dass sie derzeit das verhandlungsfreudigste Team der Liga sind. Dieses Mal wurden „nur“ Prospects getauscht und zwar senden die Mariners Shortstop Drew Jackson und Pitcher Aneurys Zabala zu den Los Angeles Dodgers und erhalten dafür Pitcher Chase De Jong. Keiner der drei ist den gängigen Rankings zufolge ein Top-Prospect mit unmittelbaren Aussichten auf eine MLB-Karriere. Aber die Mariners scheinen in De Jong – laut mlb.com Prospect #16 der Dodgers – etwas zu sehen, das ihnen sehr gefällt, denn laut Dipoto versuchten sie schon seit Juli letzten Jahres, ihn von den Dodgers loszueisen und nach Seattle zu holen.

Sorge um David Price
Ganz frisch eingetrudelt ist die Meldung, dass David Price, Starpitcher der Boston Red Sox, seinen ersten Spring-Training-Einsatz wegen Ellenbogenproblemen absagen muss. Nach einem ersten MRT möchte er eine zweite Meinung bei Dr. Andrews einholen. Dieser Name ist in der MLB so beliebt wie gefürchtet, denn Andrews gilt als Experte für die Tommy-John-Surgery – die OP, die Pitcherkarrieren rettet, aber in der Regel auch ein Jahr Pause bedeutet. Ich hoffe, Price hat Glück und seine Verletzung stellt sich als nicht so schlimm heraus wie man nach diesen ersten Meldungen befürchten muss.

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Februar 23rd, 2017 by Dominik

Endlich wieder Baseball! Gestern Abend fand das erste Spring-Training-Spiel des Jahres 2017 statt. Zugegeben, die Paarung und das Ergebnis waren eher nebensächlich: Die Arizona Diamondbacks gewannen 9:1 gegen das Collegeteam Grand Canyon University Antelopes. Aber der Startschuss ist damit erfolgt und schon morgen gibt es die ersten Vorbereitungsspiele zwischen MLB-Teams. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle die Partie der Boston Red Sox gegen die New York Mets (Freitag, 19:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit). Ich lehne mich jetzt mal gaaaanz weit aus dem Fenster und prophezeie: Dieses Matchup sehen wir nicht nur im ersten Aufeinandertreffen zweier MLB-Mannschaften in diesem Jahr, sondern auch im letzten.
O. K., genug geträumt; hier sind die harten Fakten aus einer Woche MLB-Preseason:

Regeländerung bei Intentional Walks 
Von den für die beginnende Saison vorgeschlagenen Regeländerungen ist die erste nun beschlossen: Die Spielergewerkschaft MLBPA hat zugestimmt, dass Intentional Walks ab sofort nicht mehr in Form von vier absichtlichen Balls gepitcht werden müssen, sondern dass künftig ein simples Signal aus dem Dugout reicht, um den gegnerischen Batter auf die erste Base zu schicken. Die Änderung ist keine große Sache, aber ein bisschen werde ich Highlightvideos wie dieses und dieses und natürlich dieses schon vermissen.
Zu weiteren Änderungsvorschlägen der Ligaführung – vor allem einer Verkleinerung der Strikezone um die Höhe einer Kniescheibe, aber auch einer Begrenzung von Mound Visits und der Einführung einer festen Zeitbegrenzung für Pitches – gibt sich die MLBPA bisher reserviert. Commissioner Rob Manfred versucht nun offenbar, Druck zu erzeugen: Auf einer Pressekonferenz drohte er offen mit der Möglichkeit, Regeländerungen ohne Zustimmung der MLBPA für 2018 zu beschließen.

Matt Wieters findet ein Team
Als letzter wichtiger Free Agent ist nun endlich auch Catcher Matt Wieters bei einem neuen Team untergekommen. Es sind die Washington Nationals, von denen es schon in der gesamten Offseason immer wieder hieß, dass sie an ihm dran seien. Für den recht moderaten Preis von 21 Millionen Dollar über zwei Jahre erhalten die Nationals ein zumindest hinsichtlich der Offensive klares Upgrade zu Derek Norris. Wieters hatte sicher auf einen größeren Zahltag gehofft, sonst hätte seine Arbeitsplatzsuche nicht so lange gedauert; aber immerhin hat er die Option ausgehandelt, nach einem Jahr aus dem Kontrakt auszusteigen und kann somit weiter von einem richtig großen Vertrag träumen.
Die Nationals scheinen unterdessen noch nicht ganz fertig zu sein mit ihrer Last-Minute-Einkaufstour: Seit Tagen hält sich hartnäckig das Gerücht, man stehe in Verhandlungen mit den Chicago White Sox über einen Transfer von Closer David Robertson. Die White Sox wollen für ihn wohl mindestens ein Top-Prospect, ihr Favorit dafür soll Catcher Pedro Severino sein. Wenn aus dem Geschäft etwas wird, lest ihr es spätestens im nächsten Grand Slam am Donnerstag.

Jered Weaver zu den Padres
Die San Diego Padres sind ebenfalls noch mal auf dem Free-Agent-Markt tätig geworden und haben sich die Dienste von Starting Pitcher Jered Weaver gesichert. Weaver, zuvor elf Jahre lang bei den Los Angeles Angels of Anaheim, erhält 3 Millionen Dollar für ein Jahr. Der 34-Jährige hat nun seine vielleicht letzte Chance, unter Beweis zu stellen, dass er nicht zum alten Eisen gehört und seine Karriere noch einmal wiederbeleben kann. Die Entwicklung seines ERA in den letzten fünf Jahren stimmt eher bedenklich: 2.81 – 3.27 – 3.59 – 4.64 – 5.06.

Eric Gagne strebt Comeback an
Apropos altes Eisen: Eric Gagne, ehemals Closer der Los Angeles Dodgers und Cy-Young-Award-Gewinner 2003, strebt allen Ernstes ein Comeback an. Mit 41 ist er zwar zwei Jahre jünger als Bartolo Colon, aber seine MLB-Karriere liegt bereits neun Jahre hinter ihm. Die Chance, dass wir ihn noch einmal in den Big Leagues sehen, dürfte verschwindend gering sein, aber dank des anstehenden World Baseball Classic (der Baseball-Weltmeisterschaft), bei dem er für Kanada antritt, wird er zumindest die Chance haben, vor großem Publikum zu zeigen, was er noch drauf hat.

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Dezember 29th, 2016 by Dominik

Zum letzten Mal in diesem Jahr fasst der Grand Slam am Donnerstag das Geschehen der vergangenen sieben Tage in der MLB zusammen. Allzu viel hat sich erwartungsgemäß nicht getan über die Weihnachtstage, aber ein paar interessante Vertragsabschlüsse und das Gerücht über eine möglicherweise 2018 anstehende Europareise zweier MLB-Teams gibt es immerhin zu berichten.

Encarnacion ist ein Indian
Die Cleveland Indians wollen sich nicht auf dem Gewinn der American League ausruhen, sie wollen auch in den nächsten Jahren oben mitspielen und mindestens einmal die World Series holen. Das war schon vor der Verpflichtung von 1B/DH Edwin Encarnacion das erklärte Ziel, wurde durch diese aber noch mal deutlich untermauert. 60 Millionen Dollar ist den Indians der Deal für drei Jahre wert, ein viertes Jahr wurde als Club-Option vereinbart. Es ist kein Geheimnis, dass die Toronto Blue Jays Encarnacion gern behalten hätten und ihm vor einigen Wochen wohl einen Vier-Jahres-Vertrag über 80 Millionen vorgelegt hatten, was Encarnacion nicht genug war. Dass er jetzt einen etwas schlechteren Vertrag unterschrieben hat – im Alter von 34 Jahren ist eine möglichst lange garantierte Laufzeit wünschenswert – deutet daraufhin, dass „EE“ sich etwas verzockt hat. Aber am Hungertuch wird er nicht nagen und die starken Indians noch etwas stärker zu machen ist sicher eine angenehme Herausforderung.

Nova bleibt bei den Pirates 
Die Aufnahme von Ex-Yankee Ivan Nova zur Trade-Deadline der vergangenen Saison erwies sich für die Pittsburgh Pirates als wahrer Glücksgriff. Der 29-jährige Pitcher produzierte in den elf Starts für das neue Team die besten Zahlen (3.06 ERA, 2.62 FIP) seiner Karriere. Nun wird er reichlich Gelegenheit haben, unter Beweis zu stellen, dass seine bisherigen Leistungen „for real“ sind und nicht nur ein statistischer Ausreißer nach oben, denn Nova und die Pirates haben sich auf einen Dreijahresvertrag über 26 Millionen Dollar geeinigt.

Inciarte verlängert in Atlanta
Auch die Atlanta Braves haben sich das langfristige Engagement eines Leistungsträgers gesichert, indem sie eine Vertragsverlängerung mit Centerfielder Ender Inciarte fix gemacht haben. Der Abschluss weist frappierende Ähnlichkeit mit dem auf, den vor zwei Wochen die Philadelphia Phillies mit Odubel Herrera erzielt haben: Beide laufen über fünf Jahre plus Team-Option, beide sind 30, 5 Millionen Dollar wert und das für Spieler, die in der gleichen Division auf der gleichen Position spielen und ihre größten Stärken in der Defense haben. Vielleicht sehe ich das Business zu naiv, aber in meiner Vorstellung hat Inciarte seinen Agent angewiesen, für ihn das gleiche herauszuholen, was Herrera bekommen hat und so ist es dann gekommen. Beide Verträge gelten als eher teamfreundlich – Herrera und Inciarte waren offenbar bereit, zu Gunsten langfristiger Sicherheit auf die Chance zu verzichten, noch mehr jährliches Einkommen herauszuholen.

Noch einige Top-Leute zu haben
Die meisten bedeutenden Free Agents haben inzwischen eine neue (oder die alte) Heimat gefunden. Ein paar Hochkaräter sind zum Jahreswechsel aber immer noch ohne neuen Vertrag:

Für 1B/DH Mike Napoli steht seit der Encarnacion-Verpflichtung fest, dass man in Cleveland nicht mehr mit ihm plant. Er wird momentan vor allem mit den Texas Rangers in Verbindung gebracht, ein Zweijahresvertrag soll im Raum stehen.

OF José Bautista scheint Probleme bei der Suche nach einem neuen Arbeitgeber zu haben. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass der 36-Jährige inzwischen verlauten lässt, unter gewissen Umständen auch mit einem Einjahresvertrag zufrieden zu sein.

Mark Trumbo führte 2016 die MLB mit 47 Homeruns an und ist mit 30 Jahren im besten Alter. Trotzdem stehen die Teams offenbar nicht gerade bei ihm Schlange. Vermutlich hat er seinen eigenen Marktwert etwas überschätzt, als er das Angebot der Orioles über 52 Millionen Dollar für vier Jahre ablehnte. Eigentlich war das ein ziemlich gutes Angebot für einen Spieler, der erst noch beweisen muss, dass er die Leistung des Vorjahres wiederholen kann und der zudem so gut wie keinen Wert für die Defensive mitbringt. Eine zusätzliche Abschreckung für andere Teams besteht darin, dass wegen des ebenfalls abgelehnten Qualifying Offers ein Erstrundendraftpick für Trumbo fällig würde.

Der zweite „Ladenhüter“ der Orioles ist Catcher Matt Wieters. Bei seinem bisherigen Team dürfte er keine Zukunft haben, nachdem die Orioles Wellington Castillo für seine Position verpflichtet haben. Vielleicht hat auch Wieters sich etwas verzockt, weil er angesichts des recht dünnen Catcher-Marktes dieser Offseason auf bessere Angebote gehofft hatte, als er sie nun tatsächlich erhält. Als unbestritten bester offensiver Catcher unter allen Free Agents wird er aber sicher noch ein Team finden. Als Favoriten gelten zurzeit drei NL-East-Teams: die Washington Nationals, die Atlanta Braves und die New York Mets.

Red Sox vs. Yankees in London? 
Die NFL ist seit geraumer Zeit jährlich für mehrere reguläre Saisonspiele in London zu Gast. Möglicherweise tut es ihr die MLB bald nach. Nach bereits absolvierten Spielen in Mexiko, Japan, Puerto Rico und zuletzt 2014 in Australien liegt die Vorstellung nicht fern, dass auch Europa mal Gastgeber für eine Serie sein darf, um die weltweite Popularität der Liga zu steigern. Tatsächlich wird London im neuen Collective Bargaining Agreement ausdrücklich als mögliches Ziel für eine oder mehrere Auslandsserien genannt. Diese Woche kam sogar schon eine konkrete Paarung ins Gespräch und zwar die hochkarätigste, die der Baseball zu bieten hat: Die New York Yankees und die Boston Red Sox drängen laut dem Boston Herald gemeinsam darauf, 2018 eine Serie in London austragen zu dürfen. Als weiterer Favorit, innerhalb der nächsten paar Jahre mindestens einmal in London anzutreten, gelten nach dem Artikel die New York Mets. Eine definitive Entscheidung seitens der Liga, ob und zwischen wem es 2018 ein Gastspiel in London gibt, soll im Frühjahr 2017 fallen.

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November 15th, 2016 by Dominik

Heute beschäftige ich mich mit Rivalitäten in der MLB und erfülle damit den ersten Wunsch aus dem Baseblog.de-Offseason-Wunschkonzert. Diese tolle Idee (vielen Dank an Michael!) gibt so viel her, dass ich daraus keinen Einzelartikel mache sondern eine kleine Serie. Der Wikipedia-Artikel Major League Baseball Rivalries listet derzeit 36 aktuelle oder historische Rivalitäten in der MLB auf. Die werde ich hier nicht alle wiederkäuen, aber ich greife heute und in den folgenden fünf oder sechs Wochen ein paar heraus, von denen ich denke, dass sie die wichtigsten sind und zudem eine repräsentative Mischung von alten und neuen, geographisch bedingten und anderweitig entstandenen Rivalitäten darstellen.

Den Anfang macht die wohl bekannteste Rivalität im Baseball, welche seit seit mehr als einem Jahrhundert die Boston Red Sox und die New York Yankees pflegen. Ihre Vorgeschichte ist sogar älter als der Baseball selbst: Die Städte Boston und New York konkurrierten im 18. und 19. Jahrhundert um die kulturelle und wirtschaftliche Vormacht an der US-Küste und die Bewohner hegten zahlreiche Vorurteile gegeneinander. Entsprechend vorbelastet war das Verhältnis bereits, bevor die Teams am 7. Mai 1903 erstmals als Repräsentanten der beiden Städte aufeinander trafen. Schon in diesem ersten Spiel kam es zu einer Schlägerei auf dem Feld und eine der größten Sportrivalitäten überhaupt war geboren.

In der Anfangszeit waren die Bostoner (zunächst als Boston Americans, erst ab 1908 als Red Sox) das deutlich erfolgreichere Team und die New York Highlanders (ab 1913 die Yankees) der Underdog. Boston gewann 1903 die erste und bis 1918 vier weitere World Series, im Jahr 1904 holten sie durch einen Finalsieg gegen die Highlanders den Titel der American League. Nur einmal gelang es den Yankees in dieser Zeit, die Red Sox massiv zu ärgern: Am 24. April 1917 gelang Yankees-Pitcher George Mogridge ausgerechnet in Boston der erste No-Hitter der Teamgeschichte – und gleichzeitig der erste in der Geschichte des legendären (damals erst fünf Jahre alten) Fenway Parks.

Ein Meilenstein in der Rivalität und zugleich der Wendepunkt, ab dem die Yankees die Red Sox übertrumpften, war der Wechsel von George Herman „Babe“ Ruth im Jahr 1919. Der deutschstämmige Superstar, der bis heute zahlreiche MLB-Rekorde hält, wurde vom damaligen Owner der Red Sox, Harry Frazee, an die Yankees verkauft. Es war der erste von vielen Deals zwischen den beiden Vereinen, bei denen quasi immer die Red Sox den Kürzeren zogen und infolgedessen jahrzehntelang nicht an alte Erfolge anknüpfen konnten, während die Yankees zum unangefochtenen Rekordmeister der MLB wurden.

In der Phase von 1920 bis 2003 gewannen die Yankees 26 World Series und 39 AL-Championships, die Red Sox hingegen nur vier AL-Championships und keine einzige World Series. Die Yankees waren in dieser Zeit eine regelrechte Nemesis für die Red Sox und fungierten immer wieder – z. B. 1949, 1978, 1999, 2003 – als Spielverderber in aussichtsreichen Saisons der Bostoner. Erst 2004 konnten die Red Sox den Bann brechen, als sie gegen die Yankees einen 0:3-Rückstand in der AL-Championship noch in einen 4:3-Seriensieg umdrehten und anschließend auch die World Series gewannen – ihre erste nach 86 Jahren. Es folgten World-Series-Erfolge in den Jahren 2007 und 2013 und man kann wohl sagen, dass die Red Sox und die Yankees im bisherigen Jahrtausend auf Augenhöhe agieren.

Leider hat diese eigentlich sehr schöne traditionsreiche Rivalität, die beim Aufeinandertreffen der Teams regelmäßig für landesweite Medienaufmerksamkeit und hohe Einschaltquoten sorgt, gelegentlich schon zu Blutvergießen geführt. Das ist die traurige Seite der Hassliebe zwischen den beiden Traditionsteams, aber zum Glück kann man solche Vorkommnisse ruhigen Gewissens als Einzelfälle abtun. Im Großen und Ganzen verläuft diese Rivalität wie alle anderen in der MLB in recht friedlichen Bahnen. Riesige Polizeiaufgebote, die verfeindete Fangruppen nicht nur im Stadion sondern auch in der Stadt und bei der Anreise auseinanderhalten müssen, um Randale und Schlägereien zu verhindern, wie wir es vom europäischen Fußball kennen, gibt es in der MLB in aller Regel nicht. Im Ballpark sitzen die Anhänger der Teams in wilder Reihung durcheinander und haben in den meisten Fällen beiderseits Spaß am gegenseitigen Frotzeln.

Zum Schluss ein paar Statistiken: Die Yankees und die Red Sox trafen bisher 2156-mal aufeinander. Von diesen Spielen gewannen 1169 die Yankees, 973 die Red Sox und 14 Partien endeten unentschieden. Dabei scorten die Yankees 10341 Runs (4,8 pro Spiel) und die Red Sox 9416 (4,4). Das deutlichste Ergebnis war ein 22:1 der Yankees am 19. Juni 2000. Die längste Strecke aufeinander folgender Siege gegen den Rivalen hatten die Red Sox mit 17 Erfolgen vom 3. Oktober 1911 bis zum 1. Juli 1912.

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Oktober 11th, 2016 by Dominik

Nach den Toronto Blue Jays haben nun auch die Cleveland Indians das Ticket für die Finalserie der American League gebucht. Genau wie die Blue Jays haben sie ihre Divisional-Serie gesweept und sich damit ein paar Regenerationstage verschafft, bevor es Freitagnacht um 2 Uhr mit der ALCS losgeht.

Für die Indians ist es die erste Finalteilnahme seit 2007 – damals war man in der ALCS übrigens auf die Boston Red Sox getroffen und hatte eine Zwei-Siege-Führung noch verspielt. Auch in der ALDS 1999 war den Red Sox schon das Kunststück gelungen, eine Serie gegen Cleveland komplett zu drehen, aber dieses Mal ließen die Indians nichts anbrennen: Ähnlich wie das 5:4 im ersten Spiel der Serie war die dritte Partie gegen Boston eine knappe Angelegenheit und in beiden Fällen brachten die beiden Relieve-Asse Andrew Miller und Cody Allen den Sieg nach Hause. Gegen Ende wurde es zwar noch mal spannend, als sowohl im achten als auch im neunten Inning beim Stand von 4:3 gegnerische Runner in Scoring Position waren, aber wie in der gesamten Serie wurden die Red Sox ihrem Ruf als stärkste Offense der Liga nicht gerecht.

Mit dem enttäuschenden Saisonende für die Red Sox endet auch eine ganz große MLB-Karriere relativ still und leise. Relativ, denn natürlich erhielt Big Papi David Ortiz nach seiner letzten Plate Appearance, einem Walk im achten Inning, ausführliche Standing Ovations. Aber es tut mir ein bisschen leid für ihn, dass ihm nach einer großartigen Abschiedssaison (.315/.401/.620) kein schönerer Rahmen vergönnt war als ein verlorenes Playoffspiel.

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Oktober 6th, 2016 by Dominik

Im Grand Slam am Donnerstag dreht sich dieses Mal wenig überraschend alles um die Playoffs der MLB. Ich blicke auf die beiden bevorstehenden Divisional-Serien und gebe meine Tipps dazu ab. Außerdem schaue ich zurück auf die zwei großartigen Wild-Card-Duelle, die mich einen Großteil der beiden vergangenen Nächte gekostet haben, aber jede Minute davon wert waren.

American League
Die American League wird heute Nacht vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen um 22:30 Uhr unserer Zeit die Toronto Blue Jays und die Texas Rangers aufeinander, angeführt von Marco Estrada (3.48 ERA) und Cole Hamels (3.32 ERA). Obwohl der #1-Seed (Texas) gegen das Wild-Card-Team (Toronto) antritt, sehe ich diese Serie als ziemlich ausgeglichen an. Tatsächlich frage ich mich nach wie vor, wie ein Team, das offensiv wie defensiv eher mittelmäßige Zahlen produziert, die Saison mit der besten Bilanz der AL abschließen konnte. Einer Antwort kann man sich über das übermäßig erfolgreiche Abschneiden der Rangers in knappen Spielen annähern. Dabei spielten mit Sicherheit Taktik, Erfahrung und Selbstvertrauen eine Rolle, mindestens ebenso sicher aber auch eine gehörige Portion Glück. Worauf ich hinaus will ist, dass die Rangers sicher keine Übermannschaft sind. Zumindest im Pitching dürften die Blue Jays sogar überlegen sein. Mein Tipp ist, dass es eine ganz enge Serie wird, in der die Rangers am Ende dank des Heimrechts und dank ihrer Nervenstärke im entscheidenden Spiel die Oberhand behalten.

Um 2 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den Boston Red Sox um Rick Porcello (3.15 ERA) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.26 ERA). Diese Serie schätze ich als weniger knapp ein, die Red Sox sind in meinen Augen klarer Favorit. Das fußt zum einen darauf, dass Boston schon das ganze Jahr über das offensive Powerhouse der Liga ist, zum anderen darauf, dass auch das Pitching der Red Sox im Laufe der Saison immer besser wurde, während auf der anderen Seite das der Indians durch Verletzungen stark gebeutelt wurde und entsprechend nachgelassen hat. Zur Illustration: Bis zum All-Star-Break hatten die Indians in der AL die wenigsten Runs (355) zugelassen, die Red Sox hingegen die fünftmeisten (424). Nach dem All-Star-Break hingegen hat Boston mit Abstand die wenigsten Runs (270) erlaubt, während Cleveland (321) nur noch im Mittelfeld landet. Man kann diese sehr oberflächliche Darstellung über diverse fortgeschrittene Statistiken durchdeklinieren, das Ergebnis ist immer, dass die Red Sox nicht mehr nur offensiv sondern seit einigen Monaten auch defensiv den Indians überlegen sind. Meine Erwartung ist daher ein deutlicher Seriengewinn der Red Sox.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es morgen um 23:30 Uhr unserer Zeit mit den Los Angeles Dodgers bei den Washington Nationals. Wer letzte Nacht Bumgarner gegen Syndergaard genossen hat, der darf sich jetzt schon auf den nächsten Leckerbissen freuen, denn das Duell des Auftaktspiels lautet Ian Kershaw (1.69 ERA) gegen Max Scherzer (2.96 ERA). Den Zahlen nach geht Kershaw als leichter Favorit in die Partie und als leichten Favoriten sehe ich auch seine Dodgers in der gesamten Serie. Bei den Nationals bleibt abzuwarten, wie sie die Verletzungen von Wilson Ramos und Stephen Strasburg verkraften und wie fit die Angeschlagenen Daniel Murphy und Bryce Harper sein werden.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 3 Uhr das Kräftemessen zwischen den Chicago Cubs und den San Francisco Giants, ebenfalls mit einem attraktiven Pitching-Matchup zwischen Jon Lester (2.44 ERA) und Johnny Cueto (2.79). Für einen Erfolg der Giants in dieser Serie sprechen zwei Faktoren: Madison Bumgarner sowie der Umstand, dass die Giants in diesem Jahrzehnt offenbar ein Abo auf Meisterschaften in den geraden Jahren haben. Für einen Erfolg der Cubs spricht hingegen so ziemlich alles Andere. Wenn man nun bedenkt, dass Bumgarner nach dem Wild-Card-Spiel aller Voraussicht nach nur für eine der bis zu fünf NLDS-Partien zur Verfügung steht und es sich bei der „even year magic“ um nicht mehr als einen spaßigen Aberglauben handelt, sieht es für mich ganz stark nach einer klaren Angelegenheit für Chicago aus.

Spielzug der Woche
Die Ehre des Spielzugs der Woche haben dieses Mal zwei vergleichbare Aktionen aus verschiedenen Spielen gleichermaßen verdient: Beide Wild-Card-Spiele wurden erst im letzten Inning (in Toronto im elften, in New York im neunten) entschieden und in beiden war es ein 3-Run-Homerun, der die Waage zum Kippen brachte. Die Plays der Woche sind somit die Homeruns von Edwin Encarnacion und von Conor Gillaspie.

Statistik der Woche
23. Das ist die Anzahl scoreloser Innings, die Madison Bumgarner in Postseason-Spielen hintereinander absolviert hat – den Complete-Game-Shutout gegen die Mets von letzter Nacht mitgerechnet. Betrachtet man die Giants insgesamt, so haben diese von Spiel 3 der NLDS des Jahres 2012 bis zum gestrigen Wild-Card-Spiel nun neun Spiele in Folge gewonnen, bei denen sie im Falle einer Niederlage ausgeschieden wären.

Spiel der Woche
Auch beim Spiel der Woche entscheide ich mich nicht für eines, denn die Wild-Card-Spiele waren beide äußerst sehenswert und an Spannung nicht zu überbieten. Zwischen Toronto und Baltimore stand es bis ins elfte Inning 2:2, zwischen New York und San Francisco bis ins neunte 0:0, die jeweiligen Enden habe ich schon oben als Spielzüge der Woche erwähnt. In beiden Fällen stand hinterher ein prominenter Relieve Pitcher im Mittelpunkt der Analysen und Kritiken: Bei den Mets wiederholte sich die Geschichte aus dem letzten Jahr, dass Closer Jeurys Familia in der Postseason nicht an seine Leistungen aus der regulären Saison anknüpfen konnte. Er ließ zuerst zwei Baserunner und dann den entscheidenden Homerun in einem ansonsten von hervorragendem Pitching auf beiden Seiten geprägten Spiel zu. Der andere Verlierer der Wild-Card-Runde, die Orioles, ernteten hingegen Kopfschütteln dafür, dass sie in Zach Britton den wohl besten Reliever der Liga elf Innings lang auf der Bank ließen. Klar, man hätte Britton irgendwann ab dem achten Inning für ein, zwei Innings bringen können, vielleicht hätte man ihn im elften Inning bei Scoring Position und nur einem Aus sogar bringen müssen. Ich kann allerdings Manager Buck Showalter verstehen, dass er davor zurück schreckte, im Auswärtsspiel seinen Closer zu verheizen, ohne selbst in Führung zu liegen. Hätte er das getan und dann verloren, wäre das Geschrei mindestens genauso groß gewesen.

Spiel der kommenden Woche
Diese Kategorie ist während der regulären Saison als Einschalttipp gedacht, aber in den Playoffs ist natürlich jedes Spiel hochinteressant und relevant und ich kann nur jedem Baseballfan empfehlen, sich so viele wie möglich davon anzuschauen. Dennoch möchte ich ein Spiel hervorheben und zwar das erste Spiel der Toronto Blue Jays gegen die Texas Rangers heute Nacht. Ich schätze, so ziemlich jeder neutrale Fan sowie jeder Anhänger eines der beiden Teams hat sich gewünscht, dass sich dieses Aufeinandertreffen aus dem letzten Jahr wiederholt und tatsächlich ist es so gekommen. Denn seit der ALDS 2015 verbindet die beiden Teams eine (hoffentlich) gesunde Rivalität, zu deren Sinnbild der legendäre Batflip von José Bautista wurde. Ich bin gespannt, wie Spieler und Fans das Wiedersehen aufnehmen. Von mir aus darf es gern ein bisschen hitzig werden, aber bitte ohne Gewalt.

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