November 9th, 2017 by Dominik

Herzlich willkommen zur ersten Offseason-Ausgabe des Grand Slam am Donnerstag in diesem Jahr. Bis es im April wieder um Spiele und Ergebnisse geht, werde ich an dieser Stelle aktuelle Stories anreißen, die ich aus Zeitgründen nicht in einem ausführlichen Artikel verarbeiten kann, aber zumindest mal erwähnt haben möchte. Außerdem möchte ich hiermit ein letztes Mal die Werbetrommel für mein Offseason-Wunschkonzert rühren. Es ist schon eine ganze Reihe von Anregungen eingegangen, womit Baseblog.de sich in den nächsten Monaten beschäftigen soll, und ich freue mich über jede weitere.

Roy Halladay und Daniel Flores sind tot
Einsteigen muss ich leider mit zwei sehr traurigen Meldungen: Roy Halladay, während seiner aktiven Zeit für Philadelphia und Toronto einer der besten Pitcher der MLB, ist im Alter von nur 40 Jahren ums Leben gekommen. Halladay brachte es von 1988 bis 2013 dreimal zum All-Star und gewann je einen Cy-Young-Award in der National und in der American League. Legendär wurde er im Jahr 2010,  als er für die Phillies ein Perfect Game in der regulären Saison und einen No-Hitter in den Playoffs warf. „Doc“ Halladay starb am Dienstag beim Absturz eines von ihm selbst gesteuerten Leichtflugzeuges in den Golf von Mexiko.
Genauso traurig ist die Geschichte von Daniel Flores: Gerade mal 17 Jahre alt wurde der Nachwuchs-Catcher, den die Boston Red Sox erst im Sommer dieses Jahres für einen Signing-Bonus von über drei Millionen Dollar aus seiner Heimat Venezuela geholt hatten. Er schien eine große Zukunft vor sich zu haben, galt als Top-10-Prospect sowohl innerhalb der Franchise als auch unter allen Catchern im US-Baseball. Flores starb laut Meldung der Red Sox an Komplikationen im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung.

Neue Manager für sechs MLB-Teams
Ein Fünftel der MLB-Teams wird mit einem neuen Manager in die Saison 2018 gehen. Zur Erinnerung: Der Manager ist im Baseball-Sprachgebrauch die Position, die man in anderen Sportarten als Headcoach oder Cheftrainer bezeichnet.
In Detroit hat man sich für einen alten Hasen entschieden in Person von Ron Gardenhire, der von 2002 bis 2014 dreizehn Jahre lang die Minnesota Twins gemanagt hatte. Der 60-Jährige soll mit seiner Erfahrung den dringend nötigen Neuaufbau der Tigers begleiten.
Ebenfalls im Neuaufbau befinden sich die Philadelphia Phillies, die dabei auf ein ganz neues Gesicht setzen: Gabe Kapler verfügt bisher über keine Erfahrung als Manager außer einem kurzfristigen Minor-League-Engagement vor zehn Jahren, nach dem er dann doch noch bis 2011 seine Karriere als Spieler fortsetzen. Als Director of Player Development der Los Angeles Dodgers durfte der 42-Jährige in den vergangenen drei Jahren unter Beweis stellen, dass er ein gutes Händchen in der Entwicklung junger Spieler hat.
Die anderen vier Teams, die sich für einen Wechsel des Managers entschieden haben, streben keinen Neuaufbau sondern zeitnahe Erfolge an. Die Boston Red Sox erhoffen sich diese von Alex Cora, der als Bench Coach in Houston gerade die World Series gewonnen hat. Außer diesem einen Jahr Coaching-Erfahrung ist Cora in dem Metier noch ein unbeschriebenes Blatt. Er gilt aber als hervorragender Analyst und stand bei mehreren Teams auf der Kandidatenliste als Manager.
Eines dieser Teams waren die New York Mets. Sie haben sich letztlich für Mickey Callaway entschieden, den bisherigen Pitching-Coach der Cleveland Indians. In dieser Rolle hat er fünf Jahre lang sehr erfolgreiche Arbeit geleistet und sich damit für den nächsten Schritt auf der Karriereleiter empfohlen. Callaway ist genau wie Kapler und Cora 42 Jahre alt, das scheint dieses Jahr ein beliebtes Einstiegsalter zu sein.
Ein paar Jahre älter, genauer gesagt 53, musste Dave Martinez werden, bevor ihm die Washington Nationals seine erste Chance als Manager auf höchster Ebene anboten. Er bringt zehn Jahre Erfahrung als Bench Coach der Tampa Bay Rays und der Chicago Cubs mit.
Die einzige derzeit noch offene Managerstelle der MLB ist die wohl begehrteste, nämlich die der New York Yankees. Etwas überraschend trennten sich die Yankees nach der Saison von Joe Girardi, der zehn Jahre lang das Zepter in der Hand gehalten und 2009 einen World-Series-Titel geholt hatte. Die Yankees haben gerade erst mit den Bewerbungsgesprächen begonnen; als erster wurde der bisherige Bench Coach Rob Thomson interviewt. Die Kandidatenliste ist noch lang, der prominenteste Name darauf ist jedoch bereits gestrichen: Alex Rodriguez hat deutlich gemacht, dass er kein Interesse an dem Job hat.

Die Gold Gloves sind vergeben
Als erste Einzelspielerauszeichnungen für die vergangene Saison wurden die Gold Glove Awards für herausragende Defensivleistungen vergeben. 18 Preisträger gibt es, je einen auf jeder Position in der National League und in der American League. Besonders hervorzuheben sind 3B Nolan Arenado (Rockies), LF Jason Heyward (Cubs) und LF Alex Gordon (Royals), die jeweils schon zum fünften Mal in ihrer Karriere die Ehrung erhalten haben. Hier gibt es die komplette Übersicht über die Gold Glove Awards des Jahres 2017.

Weitere Awards folgen nächste Woche
Im Laufe der nächsten Woche von Montag bis Donnerstag werden die weiteren individuellen Awards für die abgelaufene Spielzeit bekannt gegeben. Die Finalisten für die Auszeichnungen wurden vor einigen Tagen veröffentlicht. Meine persönliche Einschätzung hatte ich Anfang September bereits abgegeben und anscheinend habe ich zumindest nicht ganz falsch gelegen, denn meine Favoriten sind allesamt noch im Rennen.

Qualifying Offers für neun Spieler
Der wichtigste Teil der Offseason ist die Free Agency, die am Sonntag offiziell begonnen hat. Ihr Startschuss ist gleichzeitig die Deadline für das Einreichen sogenannter Qualifying Offers. Neun Spieler mit auslaufendem Vertrag haben von ihrem Team ein solches Angebot erhalten, das ihnen einen ligaweit einheitlichen Betrag von 17,4 Millionen Dollar für ein weiteres Jahr beim bisherigen Arbeitgeber zusichert. Jeder von ihnen hat nun eine Woche Zeit, das Angebot anzunehmen. Lehnt er es ab und unterschreibt woanders, erhält das bisherige Team einen hohen Draftpick als Kompensation. Hier gibt es eine Übersicht über die neun Qualifying Offers dieses Jahres sowie über ein paar nennenswerte Spieler, die das Angebot nicht erhalten haben. Für Spieler, die während der gerade beendeten Saison getradet wurden, können übrigens keine Qualifying Offers abgegeben werden.

Stanton, Gordon, Yelich im Ausverkauf?
Trade- und Free-Agent-Gerüchte gibt es in dieser Zeit des Jahres mehr als man erzählen kann. Im Mittelpunkt davon stehen dieses Mal die Miami Marlins, nachdem die neue Owner-Gruppe um Derek Jeter angekündigt hat, einen massiven Umbruch einzuleiten und die Kosten des Kaders deutlich zu reduzieren. RF Giancarlo Stanton, 2B Dee Gordon und CF Christian Yelich sind die drei herausragenden Kandidaten, die gesteigertes Interesse anderer Teams hervorrufen dürften. Das gilt ganz besonders für Stanton, der dieses Jahr die meisten Homeruns (59) erzielt hat seit Barry Bonds 2001 auf dem Höhepunkt der Doping-Ära 73 gelangen. Ihn hätte sicher jeder General Manager gern im Team, allerdings kommt Stanton mit einem dicken Rucksack: Das neue Team müsste den noch bis 2028 laufenden Vertrag übernehmen, der Stanton durchschnittlich 25 Millionen Dollar im Jahr einbringt. So krank es sich anhören mag: 25 Millionen Dollar Jahresgehalt für einen Superstar sind in der MLB durchaus im normalen Rahmen. Das Problem bei der Sache ist die Verpflichtung, die teure Bezahlung noch elf Jahre aufrecht zu erhalten, ohne zu wissen ob Stanton mit 38 noch fit ist und abliefert. Ich bin relativ sicher, dass die Marlins jemanden finden, der den Vertrag übernimmt. Viel Gegenwert in Form von Prospects werden sie wegen der problematischen Vertragssituation aber nicht erwarten dürfen.

Lackey, Colon, Granderson haben noch lange nicht genug
Im Gegensatz zum letzten Jahr, als zum Beispiel David Ortiz und Alex Rodriguez ihre Karriere beendeten, hat in der laufenden Offseason noch kein ganz Großer seinen Übergang in den Ruhestand verkündet. Die Pitcher Matt Cain (Giants) und Bronson Arroyo (Reds) sind bislang die namhaftesten Neurentner des Jahres. Drei andere Kandidaten, Pitcher John Lackey (39, Cubs), Pitcher Bartolo Colon (44, Twins) und Outfielder Curtis Granderson (36, Dodgers) haben trotz fortgeschrittenen Alters und auslaufender Verträge bereits angekündigt, dass sie auch nächstes Jahr noch in der MLB zu spielen gedenken. Ich freue mich drauf.

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Oktober 12th, 2017 by Dominik

Nur noch fünf Teams sind in Rennen um die World Series 2017: Die Yankees, die Astros und die Dodgers sind bereits für die Championship-Serien der beiden Ligen qualifiziert; als letztes Überbleibsel der Divisional-Runde tragen heute Nacht noch die Chicago Cubs und die Washington Nationals das fünfte und entscheidende Spiel ihres NLDS-Duells aus. Im Grand Slam am Donnerstag gibt es heute eine kleine Vorschau zu diesem Spiel und schon mal das wichtigste über die ALCS und die NLCS.

American League
Wie schon in den ersten beiden Runden legt auch in den Championship-Serien die American League vor: Freitagnacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit geht es los mit der ALCS zwischen den Houston Astros und den New York Yankees.

Die Astros entschieden die Serie gegen die Boston Red Sox mit 3:1 für sich, indem sie nach zwei deutlichen Heimsiegen und einer ebenso deutlichen Auswärtsniederlage Spiel vier in Boston mit 5:4 gewannen. Beide Teams hatten alles in die Waagschale geworfen, was sie hatten, und aus dem ursprünglichen Matchup von Charlie Morton gegen Rick Porcello nach wenigen Innings ein Duell der Asse Justin Verlander gegen Chris Sale gemacht.

Noch spannender ging es in der anderen ALDS zu, in der die Yankees gegen die Cleveland Indians einen Rückstand von 0:2 Spielen noch in eine 3:2-Serie drehten. Beide Teams gewannen zunächst ihre Heimspiele, bevor in der entscheidenden fünften Partie die Yankees in Cleveland triumphierten. Held des Tages beim 5:2-Sieg war New Yorks Shortstop Didi Gregorius, der Indians-Star Corey Kluber zwei Homeruns einschenkte.

In die ALCS gehen die Astros als klarer Favorit, nachdem sie die bessere reguläre Saison und die dominantere Divisional-Serie hatten und sich dadurch zwei zusätzliche Ruhetage und das günstigere Heimrecht (Spiele 1, 2, 6, 7) verdient haben. Dass die Yankees mit der Rolle des Außenseiters gut umgehen können, haben sie dieses Jahr aber auch schon oft genug bewiesen. Dallas Keuchel (2.90 ERA, 3.79 FIP) wird das erste Spiel der Best-of-Seven-Serie für die Astros starten, bei den Yankees läuft es vermutlich auf Masahiro Tanaka (4.74 ERA, 4.34 FIP) hinaus.

National League
In der National League warten die Los Angeles Dodgers schon seit Montag auf einen Gegner. Sie selbst entledigten sich der Arizona Diamondbacks – in der regulären Saison noch der Angstgegner der Dodgers – souverän mit 3:0 Siegen.

Zwischen den Chicago Cubs und den Washington Nationals ist derweil noch nichts entschieden. Zweimal haben die Cubs vorgelegt, zweimal haben die Nationals ausgeglichen. Washington kam dabei zugute, dass Spiel vier wegen Regens um einen Tag von Dienstag auf Mittwoch verschoben werden musste. Der zusätzliche Ruhetag ermöglichte den Nationals, Stephen Strasburg starten zu lassen, der an den Tagen zuvor unter „grippeähnlichen Symptomen“ gelitten hatte. Von diesen war bei seinem Auftritt über sieben dominante Innings, in denen er nur drei Hits und keine Runs zuließ, nichts zu spüren. 5:0 siegten die Nationals und holten damit die Serie zurück nach Washington, wo heute Nacht um 2 Uhr mitteleuropäischer Zeit das fünfte und letzte Spiel der Serie stattfindet (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Den Sieger des entscheidenden Spiels empfangen die Dodgers Samstagnacht um 2 Uhr zum ersten Spiel der NLCS in Los Angeles.

Szene der Woche
Das Thema „Homeruns mit freundlicher Unterstützung“ hatten wir dieses Jahr schon einmal. Jackie Bradley Jr. hat in Spiel drei gegen die Astros ein weiteres Exemplar beigesteuert: Sein Drei-Run-Homer im siebten Inning, der die Partie endgültig zum 10:3-Sieg der Red Sox entschied, war eigentlich einen halben Meter zu kurz. Ein missglückter Catch von Astros-Outfielder Josh Reddick beförderte den Ball aber doch aus dem Spielfeld und die ALDS in ein viertes Spiel. 

Statistik der Woche 
432-378. Das ist die Bilanz von John Farrell aus fünf Jahren als Manager der Boston Red Sox. Das entspricht einer Siegesquote von .533, die noch ansehnlicher dadurch wird, dass in Farrells Zeit der Gewinn der World Series 2013 sowie zwei Divisionssiege hintereinander 2016 und 2017 fallen. Nachdem die Red Sox nun allerdings auch zweimal hintereinander in der ALDS ausgeschieden sind, musste Farrell ein Jahr früher als vertraglich vorgesehen seinen Hut nehmen.

Spiel der Woche
Die spannendste der diesjährigen Divisional-Serien war die zwischen den Cleveland Indians und den New York Yankees. Dieser Serie entstammt auch das spannendste Einzelspiel der Runde: In Spiel zwei des Duells legten die Yankees per Homerun von Gary Sanchez zwei Runs im ersten Inning vor, die von den Indians prompt ausgeglichen wurden. Bis zum fünften Inning zogen die Yankees dann aber, unter anderem durch Homeruns von Aaron Hicks und Greg Bird, auf 8:3 davon. Spiel gelaufen? Mitnichten, denn im sechsten Inning brachte Francisco Lindor die Indians mit einem Grand Slam an den Foul Pole zurück ins Rennen. Jay Bruce, der schon im ersten Spiel der Held gewesen war, vollendete die Aufholjagd durch seinen Homerun zum 8:8. In den Extras waren noch einmal die Yankees nah am Sieg, doch Indians-Catcher Yan Gomes erstickte im elften Inning durch einen Pickoff-Throw an die zweite Base die Hoffnung der New Yorker auf Punkte im Keim. Ausgerechnet Gomes war es schließlich im dreizehnten Inning, dessen Single Austin Jackson nach Hause brachte und damit das Spiel doch noch zugunsten von Cleveland entschied.

Spiel der kommenden Woche
Wie jeder MLB-Fan fiebere ich den Championship-Serien entgegen, aber vorher steht heute Nacht um 2 Uhr noch das Entscheidungsspiel um den letzten Startplatz im Finale der National League an: Die Washington Nationals empfangen den Titelverteidiger Chicago Cubs. Als Starter werden aller Voraussicht nach Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) für Chicago und entweder  Tanner Roark (4.67 ERA, 4.13 FIP) oder Gio Gonzalez (2.96 ERA, 3.93 FIP) für Washington antreten. Nach Hendricks‘ sehr starkem Auftritt aus Spiel eins kann man die Cubs mit ihm als leichte Favoriten sehen – allerdings müssen sie dazu auch ihre mit nur acht Runs aus den ersten vier Partien zu harmlose Offensive in Schwung bekommen. Wenn es hart auf hart kommt, könnten übrigens die beiden Starter aus Spiel drei – Jose Quintana und Max Scherzer – als Reliever zum Einsatz kommen.

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Oktober 9th, 2017 by Dominik

Bis zum Ende des MLB-Jahres sind es zum Glück noch rund drei Wochen hin, aber schon heute haben wir zum letzten Mal die Gelegenheit zu einer gepflegten langen Baseballnacht: Vier Spiele hintereinander kann man von heute Abend um sieben bis ca. halb acht morgen früh anschauen und in drei davon kann – muss aber nicht – je eine der Divisional-Serien entschieden werden. Mehr als zwei Spiele pro Nacht werden es danach für den Rest des Jahres nicht mehr werden.

Den Anfang machen um 19 Uhr mitteleuropäischer Zeit die Houston Astros und die Boston Red Sox mit Spiel vier ihrer Serie im Fenway Park. Dass es zu diesem Spiel überhaupt kommt, haben die Red Sox mit ihrem Comeback-Sieg gestern Abend sichergestellt: Einen 0:3-Rückstand drehten sie, unter anderem durch Homeruns von Jackie Bradley und Rafael Devers, noch in einen 10:3-Erfolg. Auf dem Mound brillierte, nachdem Starter Doug Fister schon nach 1.1 Innings raus musste, David Price mit vier Shutout-Innings. Boston hofft auf einen Rick Porcello (4.65 ERA, 4.60 FIP) in der Form von 2016 in der Hoffnung, auf 2:2 ausgleichen und ein entscheidendes Spiel 5 erzwingen zu können. Die Astros wollen mit Charlie Morton (3.62 ERA, 3.46 FIP) ihren zweiten Matchball zum Erreichen der American League Championship Series verwandeln.

Um 22 Uhr treffen die Chicago Cubs im Wrigley Field auf die Washington Nationals im einzigen Duell, von dem es auf jeden Fall noch eine weitere Auflage geben wird. Nach einem 3:0 der Cubs und einem 6:3 der Nationals steht es in der Serie unentschieden. Das Pitching-Matchup verspricht ein Leckerbissen zu werden mit Cy-Young-Kandidat Max Scherzer für die Nationals (2.51 ERA, 2.90 FIP) und José Quintana (4.15 ERA, 3.68 FIP) für die Cubs. Scherzer ist allerdings durch seine Oberschenkelzerrung, die ihn an der Teilnahme an den ersten beiden Spielen gehindert hatte, noch eingeschränkt und wird möglicherweise nur einen verkürzten Start absolvieren.

Als nächstes kämpfen um 1 Uhr die New York Yankees ums Überleben gegen die Cleveland Indians. Ein Galauftritt von Masahiro Tanaka mit sieben Shutout-Innings sowie ein Homerun von Greg Bird brachte den Yankees letzte Nacht einen 1:0-Sieg und verhinderte den Sweep der Indians. Luis Severino (2.98 ERA, 3.07 FIP) wird heute darauf brennen, seinen enttäuschenden Start im Wild-Card-Spiel vergessen zu lassen. Die Indians setzen – für mich etwas überraschend – zum zweiten Mal in der Serie auf Trevor Bauer (4.19 ERA, 3.88 FIP) beim Versuch, die ALDS für sich zu entscheiden und sich drei Ruhetag bis zum Start der Championship-Series zu verdienen.

Zum Abschluss empfangen um 4 Uhr die Arizona Diamondbacks die Los Angeles Dodgers. Durch 9:5- und 8:5-Siege in ihren Heimspielen haben sich die Dodgers eine hervorragende Ausgangsposition erarbeitet. Sie haben nun drei Versuche, zum dritten Mal zu gewinnen und damit in das Finale um die National League einzuziehen. Leicht werden es ihnen die Diamondbacks im Chase Field sicher nicht machen, da ihr Top-Starter Zack Greinke (3.20 ERA, 3.31 FIP) zum ersten Mal in der Serie den Mound übernimmt. Sein Gegenüber wird mit Yu Darvish (3.86 ERA, 3.83 FIP) aber auch kein Schlechter sein.

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Oktober 5th, 2017 by Dominik

Es wird wohl niemanden überraschen, dass es im Grand Slam am Donnerstag diese Woche vor allem um die ab heute anstehenden Divisional Series der MLB geht. Seit letzter Nacht ist das Teilnehmerfeld komplett, aus den Wild-Card-Spielen haben es die New York Yankees und die Arizona Diamondbacks in die erste „richtige“ Playoff-Runde geschafft. Nun wird es für beide richtig schwer, noch weiter in die Playoffs vorzudringen, denn sie treffen auf die erfolgreichsten Teams der regulären Saison, welche sich die Wild-Card-Spiele ganz entspannt im Fernsehen anschauen durften.

American League
Die American League wird heute vorlegen mit den ersten Spielen der beiden Divisional-Serien. Als Erstes treffen heute Abend um 22 Uhr unserer Zeit die Boston Red Sox und die Houston Astros aufeinander, angeführt von Chris Sale (2.92 ERA, 2.84 FIP) und Justin Verlander (3.36 ERA, 3.84 FIP). Vom Pitching-Matchup in Spiel 1 her scheinen die Red Sox leicht favorisiert, allerdings sollte man nicht übersehen, dass Verlander seit dem Wechsel von Detroit nach Houston regelrecht aufgeblüht ist: In seinen fünf Starts für die Astros hat er 34 Innings gepitcht und nur vier Runs zugelassen, was Werten von 1.06 ERA und 2.69 FIP entspricht. Insgesamt sehe ich das Pitching der Red Sox als etwas stärker an als das der Astros, während das Batting klar für die Astros spricht. Mit 896 gescorten Runs führt Houston die gesamte MLB deutlich an. Da die Astros auch vom Run Differential (+196 zu +117) und von den erreichten Siegen in der gesamten Saison (101 zu 93) sowie in den letzten 30 Spielen (22 zu 18) her die Red Sox hinter sich lassen und zudem die günstigeren Heimspiele (Spiel 1, 2 und evtl. 5) haben, sehe ich sie als die Favoriten des Duells an. Mein Tipp ist, dass die Astros mit 3:1 Siegen die Oberhand behalten.

Um 1:30 Uhr heute Nacht beginnt die zweite Divisional-Serie der AL mit dem ersten Spiel zwischen den New York Yankees um Sonny Gray (3.55 ERA, 3.90 FIP) und den Cleveland Indians mit Trevor Bauer (4.19 ERA, 3.38 FIP). Ich finde es etwas überraschend, dass die Indians Bauer in Spiel 1 ins Rennen schicken und nicht ihren besten Starter Corey Kluber. Offenbar denkt man sich, wenn die Yankees nach dem Wild-Card-Spiel erst mal ihren Nummer-1-Starter Luis Severino ruhen lassen müssen, kann es auch mit Bauer reichen. Ähnlich wie in der anderen ALDS-Paarung tritt auch hier ein Team, das besonders in der Offense überzeugt – die Yankees haben 858 Runs erzielt – auf ein besonders defensivstarkes – die Indians haben nur 564 Runs kassiert, mit Abstand die wenigsten der Liga. Insgesamt bringen beide Mannschaften sehr starke Gesamtpakete auf die Waage, was auch dadurch illustriert wird, dass sie mit +254 (Indians) und +198 (Yankees) die beiden höchsten Run Differentials der gesamten MLB aufweisen. Im Endeffekt halte ich die Indians für das bessere Team – sie gehen ausgeruhter in die Serie, sie haben vor allem in den letzten sechs Wochen der Saison die Liga dominiert und gegen die Yankees haben sie dieses Jahr bereits fünf von sieben Spielen gewonnen. Ich tippe auf einen 3:0-Sweep für Cleveland.

National League
In der National League fand das Wild-Card-Spiel einen Tag später statt als in der American League, deshalb beginnen auch die Divisional-Serien einen Tag später. Los geht es Freitagnacht um 1:30 Uhr unserer Zeit mit den Chicago Cubs bei den Washington Nationals. Die Cubs gehen mit Kyle Hendricks (3.03 ERA, 3.88 FIP) an den Start. Hendricks steht von der Aufmerksamkeit her immer etwas im Schatten von Jon Lester und Jake Arrieta, obwohl er sowohl dieses Jahr als auch im Meisterschaftsjahr 2016 die besseren Zahlen produziert hat als jene beiden. Bei den Nationals ist Max Scherzer (2.79 ERA, 2.77 FIP) der beste Starter, allerdings ist er nach einer Oberschenkelzerrung noch leicht angeschlagen, sodass noch unklar ist, ob er in Spiel 1 pitcht oder noch ein, zwei Tage länger geschont wird. In Stephen Strasburg (3.46 ERA, 2.81 FIP) steht adäquater Ersatz bereit. Sowohl bei den Cubs als auch bei den Nationals handelt es sich um homogen besetzte und hervorragend gemanagte Teams, die beide sowohl beim Erzielen als auch beim Verhindern von Runs zu den absoluten Topmannschaften der NL gehören. Für mich ist das die engste Serie der Divisional-Runde. Ich tippe auf ein 3:2 für die Nationals.

Als letzte Divisional-Serie der diesjährigen Playoffs startet morgen Nacht um 4:30 Uhr das Kräftemessen zwischen den Los Angeles Dodgers und den Arizona Diamondbacks mit einem wohl etwas unausgeglichenen Matchup zwischen Clayton Kershaw (2.31 ERA, 3.07 FIP) und einem noch zu benennenden Pitcher der Diamondbacks, der nicht Zack Greinke oder Robbie Ray heißt. Die beiden Top-Starter der Diamondbacks wurden im Wild-Card-Spiel gebraucht und stehen deshalb nicht für Spiel 1 zur Verfügung. Innerhalb der Best-of-5-Serie sind sie dann wohl jeweils nur einmal einsetzbar, was die Erfolgschancen ihres Teams deutlich schmälern dürfte. Für die Dodgers sah es noch vor wenigen Wochen so aus, als wäre ein rekordverdächtiger Durchmarsch bis zur World Series vorprogrammiert; dann folgte Ende August bis Mitte September ein brutaler Slump mit 16 Niederlagen aus 17 Spielen und plötzlich sieht LA absolut schlagbar aus. Tatsächlich haben die Dodgers die Saisonserie gegen ihren Divisionskonkurrenten aus Arizona mit 8-11 verloren, darunter die letzten sechs Duelle in Folge. Dadurch relativiert sich etwas ihr aus den meisten Zahlen (Run Differential, Wins, ERA, wRC+,…) ableitbarer Favoritenstatus. Ich glaube dennoch, dass die Dodgers sich durchsetzen werden, in erster Linie weil sie beim Starting Pitching im Gegensatz zum Gegner aus dem Vollen schöpfen können. Mein Tipp ist ein 3:1 für LA.

Szene der Woche
Die Szene der Woche umfasst dieses Mal neun Episoden mit dem immer gleichen Hauptdarsteller: Detroits Super-Utility-Player Andrew Romine. Er nutzte das ansonsten bedeutungslose vorletzte Spiel seiner Tigers am Samstagabend gegen die Twins für ein interessantes Selbstexperiment, indem er auf allen neun Positionen spielte. Er begann im Left Field, von wo er das erste Out des Spiels erzielte und arbeitete sich dann von links nach rechts und von hinten nach vorne durch. Auf jedem Posten verbrachte er ein ganzes Inning, nur als Catcher und Pitcher spielte er etwas kürzer, brachte aber immerhin Miguel Sano zu einem Groundout. Am Schluss war die erste Base dran, an der Romine auch das letzte Out der Partie erzielte und damit den 3:2-Sieg sicherte.

Statistik der Woche 
5.14. Das ist der Earned Run Average der Starter für die New York Mets in dieser Saison. Es ist nicht der schlechteste Starter-ERA der Liga (den hatten die Baltimore Orioles mit 5.70). Aber es ist der schlechteste, den die traditionell pitching-fokussierten Mets jemals hatten und das ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil die Rotation der Mets vor der Saison von vielen (mich selbst eingeschlossen) als die beste der MLB bezeichnet wurde. Noah Syndergaard, Jacob deGrom, Matt Harvey, Steven Matz, Zack Wheeler und als Ersatz Robert Gsellman und Seth Lugo – das hat sich toll angehört, aber außer deGrom sind sie alle weder gesund geblieben noch den Erwartungen gerecht geworden. Die größte Enttäuschung war Matt Harvey, ein Schatten des früher als „The Dark Knight“ bekannten Asses mit einem ERA von 6.70 – und damit der mit Abstand schlechteste Pitcher, der je18 Starts in einer Saison für die Mets absolvieren durfte.

Spiel(e) der Woche
Die erste Playoffrunde bestand zwar leider nur aus zwei Spielen, doch die hatten es in sich: In der AL legten die Minnesota Twins mit drei Runs im ersten Inning los, darunter von Brian Dozier der erste Leadoff-Homerun, mit dem je ein Wild-Card-Spiel begonnen wurde. Yankees-Starter Luis Severino musste alle drei Runs auf seine Kappe nehmen und den Mound schon nach einem drittel Inning räumen. Aber der Bullpen der Yankees ließ dann im ganzen Spiel nur noch einen Run zu und ermöglichte einen am Ende deutlichen 8:4-Sieg, zu dem ein Drei-Run-Homer von Didi Gregorius zum Ausgleich im ersten, ein Solo-Homerun von Brett Gardner im zweiten und ein Zwei-Run-Homerun von Aaron Judge im vierten Inning beitrugen.

Auch das NL-Wild-Card-Spiel war kurz für die beiden Starter: Jon Gray kassierte mit seinen Colorado Rockies schon einen Drei-Run-Homer durch Paul Goldschmidt, bevor ihm überhaupt das erste Out gelang. Nach einem weiteren zugelassenen Run im zweiten Inning musste er raus. Zack Greinke machte es für die Arizona Diamondbacks zunächst besser, pitchte drei saubere Innings und wurde von seiner Offense mit einer 6:0-Führung belohnt. Doch im vierten Inning entglitt ihm das Spiel, nach vier Hits und ebenso vielen Runs endete auch sein Arbeitstag vorzeitig. Die Bullpens konnten den sich entwickelnden Schlagabtausch nicht verhindern, doch am Ende hielt der Vorsprung der Diamondbacks. 11:8 siegte Arizona, nachdem Colorado zwischenzeitlich auf 5:6 und 7:8 herangekommen war.

Spiel der kommenden Woche
Eigentlich ist diese Kategorie dafür gedacht, aus dem großen, bunten Strauß des wöchentlichen MLB-Angebots einen Tipp herauszugreifen, welches Spiel man sich anschauen sollte. In den Playoffs ist die Situation etwas anders, denn jetzt sind alle Spiele wichtig und interessant und man kann nur empfehlen, so viele davon zu sehen wie möglich. Ich persönlich bin am meisten gespannt auf die Serie zwischen den Los Angeles Dodgers und den Arizona Diamondbacks. Das erste Spiel dieses Duells werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen. Statt langem Wachbleiben ist in dem Fall mal frühes Aufstehen am Wochenende gefragt, denn die Partie beginnt nach mitteleuropäischer Zeit am Samstagmorgen um 4:30 Uhr.

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September 28th, 2017 by Dominik

Fast alle Entscheidungen zur Playoff-Qualifikation sind gefallen. Einzig das zweite Wild-Card-Team der National League ist noch nicht ganz fix, aber nach dem Sieg der Colorado Rockies letzte Nacht bei gleichzeitigen Niederlagen der Milwaukee Brewers und der St. Louis Cardinals scheint die Sache auch hier relativ klar. Im letzten Grand Slam am Donnerstag der regulären Saison konzentriere ich mich heute, statt wie üblich die einzelnen Divisionen abzuklappern, komplett auf die Playoff-Teams und die anstehenden Paarungen in den Wild-Card-Spielen und den Divisional Series.

American League
Die Cleveland Indians (99-59) und die Houston Astros (98-60) haben sich beide bereits den Heimvorteil in Spiel 1, 2 und 5 der American League Divisional Series (ALDS) gesichert. Unklar ist nur noch, wer von beiden welche Serie spielt: Das Team mit der besseren Bilanz wird auf den Sieger des Wild-Card-Spiels treffen, das mit der schlechteren Bilanz auf den Sieger der AL East. Falls die Astros und die Indians sich anschließend in der American League Championship Series (ALCS) wiedersehen sollten, hat ebenfalls das Team mit der besseren Bilanz einen leichten Heimvorteil, indem es Gastgeber der Spiele 1, 2, 6 und 7 ist. Falls die Astros und die Indians die reguläre Saison mit exakt gleicher Bilanz abschließen sollten, geben die Ergebnisse des direkten Vergleichs zwischen den beiden Teams den Ausschlag; diesen haben die Indians mit 5:1 gewonnnen.

In der AL East stehen vier Spiele vor Schluss die Boston Red Sox (92-66) drei Spiele vor den New York Yankees (89-69). Das sieht gut aus für die Red Sox, allerdings müssen die Yankees nur noch gegen die Tampa Bay Rays und die Toronto Blue Jays ran, für die es längst um nichts mehr geht. Die Red Sox hingegen bekommen es noch viermal mit den Houston Astros zu tun, welche wie oben erwähnt noch um den Heimvorteil sowie darum spielen, ob sie in der ALDS gegen den schwächeren oder den stärkeren Gegner antreten müssen. Lustigerweise könnten das in jedem der beiden Fälle erneut die Red Sox sein. Falls die Red Sox und die Yankees die Saison mit identischer Bilanz abschließen sollten, wird es übrigens am Montag noch ein Entscheidungsspiel zwischen den beiden darum geben, wer die Division gewinnt und wer in das Wild-Card-Spiel muss. Gastgeber dieses Spiels wären die Yankees, weil sie den direkten Vergleich gegen die Red Sox mit 11:8 gewonnen haben.

Etwas besseres als solch ein Entscheidungsspiel zwischen Red Sox und Yankees könnte den Minnesota Twins (83-75) gar nicht passieren. Denn die Twins werden auf jeden Fall Dienstagnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) im Wild-Card-Spiel auf das unterlegene Team aus der AL East treffen. Die Twins haben letzte Nacht den Playoff-Einzug perfekt gemacht und damit ein wahrhaft historisches Comeback gefeiert: Zum ersten Mal hat sich ein Team nach einer 100-Niederlagen-Saison (genauer gesagt waren es sogar 103) im folgenden Jahr für die Postseason qualifiziert. Das ist bereits ein Riesenerfolg und alles, was für Max Kepler und Co. zusätzlich herausspringen sollte, wäre eine Sensation. Wenn der Gegner statt des vorgesehenen Ruhetages ein zusätzliches Spiel einschieben müsste, würde das die Chancen der Twins für das Wild-Card-Spiel sicher verbessern.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der ALDS folgende:

Wild-Card: New York Yankees vs. Minnesota Twins (Dienstagnacht, 2 Uhr)

ALDS 1: Houston Astros vs. Boston Red Sox (ab nächsten Donnnerstag)

ALDS 2: Cleveland Indians vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Donnnerstag)

National League
In der National League steht bereits fest, dass die Los Angeles Dodgers (102-57) auch am Saisonende die beste Bilanz aufweisen. Sie werden somit in der National League Divisional Series (NLDS) auf den Wild-Card-Sieger treffen und sowohl in der NLDS als auch in der Championship Series (NLCS) die vermeintlich günstigeren Heimspiele haben. Auch für die World Series sieht es stark nach Heimvorteil für die Dodgers aus: Selbst wenn sie auf die Indians treffen und diese in den verbleibenden vier Spielen noch die drei Spiele Rückstand auf die Dodgers aufholen sollten, würde der direkte Vergleich für die Dodgers sprechen.

Mit den Washington Nationals (95-63) und den Chicago Cubs (89-69) stehen auch die anderen beiden Divisionssieger sowie deren Rangfolge untereinander bereits fest. Es wird daher auf jeden Fall zu einer NLDS zwischen diesen beiden Teams kommen, in der die Nationals Gastgeber der Spiele 1, 2 und 5 sind.

Für die Arizona Diamondbacks (92-67) ist soweit ebenfalls alles klar: Sie spielen Mittwochnacht (2 Uhr mitteleuropäischer Zeit) das Wild-Card-Spiel der NL. Unsicher ist lediglich, gegen wen sie das tun werden. Es ist schon irgendwie witzig, dass ausgerechnet das die letzte offene Frage der Playoff-Qualifikation ist, denn nicht nur ich habe während der Saison monatelang gebetsmühlenartig wiederholt, dass es für die Diamondbacks und die Colorado Rockies (86-73) nur noch um die Vorbereitung auf das Wild-Card-Spiel geht. Es folgten ein heftiger Absturz der Rockies und ein enges Rennen gegen die Milwaukee Brewers (83-75) und die St. Louis Cardinals (82-76). Nun sieht es aber doch ganz danach aus, als hätten die Rockies gerade rechtzeitig noch mal die Kurve bekommen. Vor ihren letzten drei Spielen gegen die Dodgers beträgt die Magic Number der Rockies 2. Das heißt, jede Kombination aus insgesamt zwei Siegen der Rockies und/oder Niederlagen der Brewers bringt die Rockies ins Wild-Card-Spiel. Die Brewers spielen heute Nacht noch mal gegen die Cincinnati Reds und dann dreimal bei den Cardinals. Die haben selbst noch eine minimale Chance auf die Wild Card, müssten dazu aber heute gegen die Cubs und dann alle drei Spiele gegen die Brewers gewinnnen, während die Rockies dreimal gegen die Dodgers verlieren – und selbst dann müssten sie noch in einem Entscheidungsspiel gegen die Rockies bestehen.

Zu einem solchen „Spiel 163“ würde es kommen, wenn die Rockies und eines der anderen beiden Teams am Ende die gleiche Bilanz aufweisen. Das Spiel würde am Montag stattfinden, das Heimrecht würde sich am direkten Vergleich orientieren: Zwischen den Rockies und den Brewers würde das Spiel in Colorado stattfinden, zwischen den Cardinals und den Rockies wäre es in St. Louis.

Nach aktuellem Stand wären die Paarungen des Wild-Card-Spiels und der NLDS folgende:

Wild-Card: Arizona Diamondbacks vs. Colorado Rockies (Mittwochnacht, 2 Uhr)

NLDS 1: Washington Nationals vs. Chicago Cubs (ab nächsten Freitag)

NLDS 2: Los Angeles Dodgers vs. Wild-Card-Sieger (ab nächsten Freitag)

Szene der Woche
Ich liebe den guten alten „hidden ball trick“ und freue mich immer tierisch, wenn er in der MLB mal erfolgreich angewendet wird. Ein besonders schönes Exemplar gelang Ryan Goins am Freitag beim Sieg seiner Blue Jays gegen Todd Frazier und die Yankees. Ich könnte mir diese Szene noch hundert Mal ansehen, ohne dass sie langweilig wird.

Statistik der Woche 
50, 204, 124. Alle drei Zahlen stammen von Yankees-Slugger Aaron Judge und sind Rookie-Rekorde. Innerhalb weniger Wochen hat Judge die Bestmarke für Neulinge in Bezug auf alle drei „true outcomes“ – Homeruns, Strikeouts und Walks – in einer Saison erhöht. Mit Homerun Nummer 49 hat er am Montag gegen die Kansas City Royals den bisherigen Rekordhalter Marc McGwire zunächst eingeholt und ihn dann noch im gleichen Spiel mit seinem 50. Homerun des Jahres hinter sich gelassen. Bereits zwei Tage zuvor gegen die Blue Jays hatte er seinen zweihundertsten Strikeout der Saison kassiert und damit Kris Bryants Rekord von 199 übertroffen. Den Rekord für die meisten Walks eines Rookies hält Judge sogar schon seit drei Wochen und hat seinen Vorgänger Les Fleming (106 Walks in seiner Rookie-Saison 1942) inzwischen weit hinter sich gelassen.

Spiel der Woche
Als ich letzte Woche die Serie zwischen den Cubs und den Brewers angepriesen habe, habe ich ausnahmsweise mal nicht zu viel versprochen – ich habe nur das falsche Spiel empfohlen, denn die Partie vom Sonntag war die einzige, die nicht hochspannend war und in Extra-Innings ging. Am sehenswertesten war meiner Ansicht nach das Spiel am Samstag. Zweimal gingen die Cubs in den späten Innings in Führung, zweimal bezwangen die Brewers Chicagos Star-Closer Wade Davis per Homerun. Zunächst war es im neunten Inning Orlando Arcia, der das Spiel durch einen Solo-Shot in die Extras schickte. Chicago antwortete im zehnten Inning prompt und ging mit einem RBI-Single von Jon Jay erneut in Führung. Wieder erhielt Davis die Chance zum Save, wieder vergab er sie und dieses Mal endgültig, denn Travis Shaws 2-Run-Homerun besiegelte den Walkoff-Sieg der Brewers. Die Brewers hatten zuvor 69-mal hintereinander verloren, wenn sie nach acht Innings zurücklagen. Und Wade Davis hatte 38 erfolgreiche Save-Gelegenheiten am Stück gehabt, bevor er in diesem Spiel einen blown Save kassierte – eigentlich sogar zwei, auch wenn die offizielle Zählweise das nicht berücksichtigt.

Spiel der kommenden Woche
Die wichtigsten Partien der kommenden sieben Tage sind natürlich die Wild-Card-Spiele der NL und der AL. Da aber beide Paarungen noch nicht endgültig feststehen, bleibe ich mit meinem Einschalttipp in der regulären Saison und empfehle das Spiel zwischen den Milwaukee Brewers und den St. Louis Cardinals Freitagnacht um 2:15 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Mindestens für die Brewers und vielleicht auch noch für die Cardinals geht es in diesem Spiel sowie im Fernduell mit den Colorado Rockies noch um alles, für den Verlierer dürfte die Saison dann allerdings gelaufen sein. Die Brewers schicken mit Chase Anderson (2.81 ERA, 3.56 FIP) ihren besten Starter ins Rennen, bei den Cardinals wird John Gant (3.65 ERA, 6.97 FIP) erst seinen zweiten Start der Saison absolvieren.

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September 21st, 2017 by Dominik

Nur noch elf Tage, dann ist die reguläre Saison 2017 der MLB vorbei. Das bedeutet noch neun bis zwölf Spiele pro Team und für die meisten Teams haben diese Spiele keine große Bedeutung mehr. Zumindest steht für sie bereits fest, ob sie an den Playoffs teilnehmen oder nicht. Je ein Divisionssieger und je ein Wild-Card-Team in jeder Liga sind aber noch offen und auf diese vier Entscheidungen konzentriere ich mich im heutigen Grand Slam am Donnerstag.

National League
Haken wir schnell die National League East ab, denn hier stehen die Washington Nationals (92-59) schon lange als Sieger fest und den Rest der Division kann man dieses Jahr getrost vergessen.

Auch die NL West ist zu Gunsten der Los Angeles Dodgers (96-56) bereits klar entschieden und den Arizona Diamondbacks (88-65) ist die Wild Card auch nur theoretisch noch zu nehmen. Richtig spannend wird es aber noch für die Colorado Rockies (82-70). Sie sahen über weite Strecken der Saison wie ein weiteres sicheres Wild-Card-Team aus, doch auf der Zielgeraden ist ihnen anscheinend die Puste ausgegangen. Von den letzten zehn Spielen verloren die Rockies sieben, zuletzt drei hintereinander gegen die Kellerkinder San Diego Padres und San Francisco Giants. Der einst komfortable Vorsprung gegenüber den Milwaukee Brewers (81-71) ist dadurch auf nur noch ein einziges Spiel zusammengeschmolzen.

Die Brewers haben im Hinblick auf die Playoffs sogar noch zwei Eisen im Feuer, denn auch um den Divisionssieg in der NL Central ist die Entscheidung noch nicht gefallen: Die Chicago Cubs (84-67) liegen zwar dreieinhalb Spiele in Front, doch ab heute steht in Milwaukee eine Vier-Spiele-Serie zwischen den Brewers und den Cubs an (siehe „Spiel der kommenden Woche“) und danach kann die Welt in der NL Central komplett anders aussehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist freilich gering: Fangraphs beziffert die Chancen der Brewers auf den Divisionssieg auf gerade mal 2,9% und die auf eine Wild Card auch nur auf 18,7%. Mit 68,1% Wahrscheinlichkeit hingegen wird die zweite Wild Card bei den Rockies gesehen, was mir persönlich ein wenig hoch gegriffen erscheint. Zwar hat Colorado das etwas leichtere Restprogramm (Padres, Marlins, Dodgers) als die Brewers (Cubs, Reds, Cardinals), aber diese weisen derzeit die deutlich günstigere Leistungskurve auf.

American League
Die American League East ist die zweite Division der MLB, die eineinhalb Wochen vor Schluss noch nicht entschieden ist. Die Boston Red Sox (88-64) halten sich mit beeindruckender Konstanz vor den New York Yankees (85-67), obwohl diese ihnen vom Run Differential und insbesondere der Offensivstärke her statistisch deutlich überlegen sind. Aber wen interessieren schon Statistiken, wenn man wie die Red Sox derzeit einfach ein Talent dafür hat, auch höchst mittelmäßige Auftritte durch ein paar defensive Highlight-Aktionen und einen Wild-Pitch-Score im elften Inning zu gewinnen oder im neunten Inning drei Runs aufzuholen und den Gegner im fünfzehnten aus dem Stadion zu ballern (siehe „Spiel der Woche“)? Die Red Sox stehen derzeit 15-3 in Spielen mit Extra-Innings und führen in dieser Statistik deutlich die Liga an.

Die AL Central ist fest in der Hand der Cleveland Indians (95-57), die auch das Ende ihrer 22-Siege-Serie nicht aus der Fassung gebracht hat. Nach ihrer einzigen Niederlage seit einem Monat haben sie sich kurz für den aufgestellten Rekord feiern lassen und danach mit dem weiter gemacht, was sie zurzeit am besten können: Spiele gewinnen. Ihrem stärksten Konkurrenten in der Division, den Minnesota Twins (78-74) ist das zurzeit ganz recht, denn ihre beiden jüngsten Siege haben die Indians gegen die Los Angeles Angels (76-75) erzielt. Mit denen liefern sich die Twins ein Rennen um den zweiten Wild-Card-Platz der AL und mit momentan eineinhalb Spielen Vorsprung hat das Überraschungsteam des Jahres derzeit die Nase vorn. Wobei der Begriff „Rennen“ vielleicht nicht ganz der richtige ist angesichts der Tatsache, das sowohl die Twins als auch die Angels zuletzt dreimal in Folge im Gleichschritt verloren haben

Neben den Angels gibt es in der AL West, deren Spitze längst zugunsten der Houston Astros (93-58) entschieden ist, mit den Texas Rangers (75-76) und den Seattle Mariners (74-78) noch zwei weitere Anwärter auf die zweite Wild Card.  Mit zweieinhalb bzw. vier Spielen Rückstand und schweren Restspielplänen sieht Fangraphs die Erfolgswahrscheinlichkeit für die Mariners und die Rangers – ebenso wie für die Kansas City Royals (74-77) aus der AL Central – bei unter 5% und das scheint mir sehr realistisch.

Szene(n) der Woche
Diese Rubrik steht diese Woche unter dem Motto „MLB-Profis sind auch nur Menschen“. Als solche sind sie auch vor haarsträubenden Fehleinschätzungen nicht gefeit, was zum Beispiel Nationals-Outfielder Jayson Werth in dieser Szene unter Beweis stellte. Dass man so einen Flyball an die Wand nicht fängt, kommt schon mal vor; originell wird die Sache dadurch, dass Werth felsenfest und voller Selbstvertrauen an seinem Platz steht und auf den Ball wartet, der dann ganz woanders landet. Genauso originell war ein Call von Umpire Jordan Baker im Spiel der Cubs gegen die Cardinals vom Freitag, der nach einem glasklaren Strike bei vollem Count auf Walk entschied. Dass Pitcher John Lackey und Catcher Willson Contreras danach auf die Barrikaden gingen, brachte ihnen zurecht Platzverweise ein, aber auch ihre Reaktionen waren letztlich ganz klar: menschlich.

Statistik der Woche 
5.753. So viele Homeruns wurden dieses Jahr bisher in der MLB geschlagen. Damit ist schon eineinhalb Wochen vor Saisonende ein neuer Rekord erreicht. Die bisherige Bestmarke von 5.693 stammte aus dem Jahr 2000. Sie wurde Dienstagnacht von Alex Presley (Detroit TIgers) eingestellt und von Alex Gordon (Kansas City Royals) mit Nummer 5.694 übertroffen. Den größten Beitrag zum Rekord hat Giancarlo Stanton geleistet, der die Liga mit bislang 56 Homeruns in diesem Jahr anführt. Die meisten Homeruns als Team haben die Baltimore Orioles mit 227 erzielt.

Spiel der Woche
Wie weiter oben schon erwähnt, überzeugen die Boston Red Sox momentan vor allem dadurch, dass sie Mittel und Wege finden, auch nach schwachen Auftritten den Platz als Sieger zu verlassen. Ein Paradebeispiel dafür war die Partie gegen die Tampa Bay Rays am Freitag: In einem der schwächeren Starts von Chris Sale gingen die Red Sox zwar im ersten und im vierten Inning knapp in Führung, gerieten dann aber bis nach dem achten Inning 2:5 ins Hintertreffen, unter anderem durch zwei Homeruns von Tampas Wilson Ramos. Irgendwie gelang es Boston gegen Rays-Closer Alex Colome mit Hilfe von einem Walk, einem Wild Pitch, einem Error und ein paar Hits auf 5:5 auszugleichen. Vier scorelose Innings später gelang den Red Sox mit einem Single von Rafael Devers die Führung, doch Kevin Kiermaier wollte das Spiel im Namen der Rays nicht hergeben: Zuerst besorgte der Centerfielder das dritte Aus, indem er Mitch Moreland an der dritten Base auswarf, dann schlug er einen Solo-Homerun zum erneuten Ausgleich. Im fünfzehnten Inning sah ein Ball auf Tampas 2B Brad Miller stark nach Doubleplay aus, doch Miller bekam ihn nicht in den Griff und Jackie Bradley Jr. scorte das 7:6. Dann brachen plötzlich alle Dämmme und die Red Sox zogen auf den 13:6-Endstand davon. In dem sechs Stunden und fünf Minuten langen Spiel gab es insgesamt sechs Führungswechsel und 37 Strikeouts, davon 24 gegen die Rays.

Spiel der kommenden Woche
Realistisch betrachtet gibt es sieben Teams, für die es ernsthaft noch um etwas geht in dieser Saison, also darum ob und auf welchem Weg (Divisionssieg oder Wild Card) sie die Playoffs erreichen: die Red Sox, die Yankees, die Twins, die Angels, die Cubs, die Brewers und die Rockies. Nur in einer einzigen Serie spielen dieses Jahr noch zwei Teams aus dieser Reihe direkt gegeneinander. Daher ist diese von heute bis Sonntag laufende Serie zwischen den Milwaukee Brewers und den Chicago Cubs ganz klar mein Einschaltipp der Woche. Für beide Teams geht es, wie oben beschrieben, sowohl um den Divisionssieg als auch – falls selbiger verpasst wird – um eine Wild Card, die man zunächst den Colorado Rockies abjagen müsste. Holen die Cubs mindestens zwei der vier Spiele, so sind sie wohl durch als Vertreter der NL Central. In jedem anderen Fall wird es für sie eine extrem heiße letzte Woche. Da es sich von der Startzeit um 20:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit her anbietet und auch das voraussichtliche Pitcherduell zwischen José Quintana (4.27 ERA, 3.87 FIP) und Chase Anderson (2.74 ERA, 3.58 FIP) reizvoll erscheint, empfehle ich aus der Serie konkret die Partie am Sonntag. Anderson ließ übrigens bei seinem letzten Start gegen die Cubs nur einen Hit in fünf Innings zu und wurde nach 67 Pitches zur Schonung ausgewechselt, weil die Brewers bereits 14:0 führten.

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September 7th, 2017 by Dominik

Die Los Angeles Dodgers sind das mit Abstand erfolgreichste Team der bisherigen MLB-Saison. Das klingt nach einem alten Hut und das ist es auch. Aber es ist doch erstaunlich, dass diese Aussage immer noch wahr ist, obwohl die Dodgers seit nunmehr zwei Wochen völlig von der Rolle sind und von ihren letzten zwölf Spielen elf verloren haben. Sechs davon gingen an die Arizona Diamondbacks, die sich mit momentan 13 Erfolgen hintereinander ein enges Rennen um die längste Siegesserie der Saison gegen die Cleveland Indians (14) liefern. Schlagzeilen ganz anderer Art machen unterdessen die Boston Red Sox: Sie haben sich beim Spicken erwischen lassen und müssen sich auf eine Strafe gefasst machen.

National League
Das Strohfeuer in der National League East währte nur kurz: Die Miami Marlins (67-72) hatten sich nach ein paar erfolgreichen Wochen Hoffnungen auf eine Wild Card gemacht, doch von den letzten zehn Spielen gingen neun verloren und die Marlins sind hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Übrigens nicht nur in dieser Hinsicht, denn auch die ersten Äußerungen der neuen Teambesitzer um Derek Jeter und Bruce Sherman waren für die Fans der Marlins eine herbe Enttäuschung. Statt in eine Verstärkung des Teams zu investieren, soll das Ziel sein, die Ausgaben für Spielergehälter drastisch zu kürzen. Die Rede ist von 55 bis 85 Millionen Dollar pro Jahr, was die Marlins zum billigsten und damit wahrscheinlich nicht gerade konkurrenzfähigsten Team der Liga machen würde. Konkurrenzfähigkeit ist generell ein Fremdwort in dieser Division, abgesehen von den Washington Nationals (85-54), die weiter einsam ihre Kreise ziehen. Das Hauptziel der Nationals bis zu den Playoffs besteht darin, Verletzungen zu vermeiden und Bryce Harper wieder fit zu bekommen – und ihm vielleicht seine furchtbare neue Frisur auszureden…

In die NL Central ist etwas überraschend Bewegung bekommen – nicht ganz vorne, wo sich die Chicago Cubs (76-63) solide halten, aber in der zweiten Reihe: Die Milwaukee Brewers (72-68) haben sich von den Cincinnati Reds (61-79) sweepen lassen und verloren dadurch Rang zwei an die St. Louis Cardinals (72-67), welche die Pflichtaufgaben gegen die Giants und die Padres souverän erledigten. Mit den Pittsburgh Pirates (67-73) und den Reds warten weitere lösbare Aufgaben auf die Cardinals, sodass die momentan noch zwei Spiele Rückstand auf den Wild-Card-Platz überbrückbar erscheinen. Auch die Brewers haben darauf natürlich noch alle Chancen, sie müssen nun aber erst mal nach Chicago.

Verkehrte Welt in der NL West: Die Los Angeles Dodgers (92-47) verlieren zurzeit nahezu jedes Spiel, während die Arizona Diamondbacks (82-58) seit zwei Wochen nichts anderes tun als zu gewinnen – unter anderem zwei komplette Serien gegen die Dodgers. Dass diese sich den Divisionssieg noch nehmen lassen, ist äußerst unwahrscheinlich, aber ihr Vorsprung an der Spitze hat sich in den vergangenen 14 Tagen glatt halbiert von einundzwanzig Spielen auf nur noch zehneinhalb. Noch größere Sorgen als die Dodgers müssen sich die Colorado Rockies (74-65) machen, die ihren lange sicher geglaubten Wild-Card-Platz derzeit nur noch knapp vor St. Louis und Milwaukee behaupten. Es ist mal wieder eine höchst interessante Fügung des Spielplans, dass nun ausgerechnet die Dodgers und die Rockies aufeinander treffen (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

American League
Vor einer Woche war die Welt an der Spitze der American League East noch in Ordnung für die Boston Red Sox (79-61). Dort stehen sie zwar immer noch mit vier Spielen Vorsprung, doch durch zwei Rückschläge hat die heile Welt Risse bekommen. Der erste Schlag war, dass die Vier-Spiele-Serie gegen den Erzrivalen New York Yankees (74-64) mit 1:3 verloren ging und somit die Chance vertan wurde, in der Division frühzeitig alles klar zu machen. Eine verlorene Serie gegen die Yankees kann passieren, der andere Schlag war allerdings etwas, das eigentlich nicht passieren darf: Die Red Sox haben Signale zwischen gegnerischen Pitchern und Catchern gestohlen und das nicht auf die herkömmliche Weise, bei der der Batter oder ein Baserunner mal ein bisschen linst, sondern mit technischen Hilfsmitteln wie Smartwatches und Replay-Kameras. Dafür stehen sie zurecht in der Kritik und werden wohl auch eine Strafe hinnehmen müssen. Voraussichtlich wird es aber keine aberkannten Siege oder Ähnliches geben, sondern allenfalls Geldstrafen und/oder Sperren gegen Teamverantwortliche. Zurück zum Sportlichen: Erwähnen sollte man noch die Baltimore Orioles (71-68), die sich derzeit mal wieder als das Stehaufmännchen der Liga erweisen und nach sieben Siegen aus den letzten zehn Spielen plötzlich nur noch ein einziges Spiel Rückstand auf den zweiten Wild-Card-Platz haben.

In der AL Central war noch vor zwei Wochen das Rennen völlig offen, doch das ist es inzwischen längst nicht mehr. Nach vierzehn Siegen am Stück führen die Cleveland Indians (83-56) souverän vor den Minnesota Twins (72-67) und scheinen bestens gerüstet für die Verteidigung des AL-Titels. Auch die Twins spielen, wenngleich sie mit dem atemberaubenden Tempo der Indians nicht mithalten können, eine für ihre Verhältnisse ganz hervorragende Saison. Im Kampf um den zweiten Wild-Card-Platz der AL haben sie momentan ganz knapp die Nase vorn. Für sie steht nun eine Vier-Spiele-Serie bei den Kansas City Royals (69-69) an, die mit derzeit zweieinhalb Spielen Rückstand die Hoffnung auf den begehrten Platz selbst noch nicht aufgegeben haben.

Trotz der Siegesserie der Indians haben immer noch die Houston Astros (86-53) die beste Bilanz der American League. Damit das so bleibt, haben sie selbst gerade eine Reihe von sieben Erfolgen am Stück hingelegt und sich obendrein in letzter Sekunde vor der Deadline für Waiver-Trades mit Starter Justin Verlander von den Detroit Tigers verstärkt. Verlander war nicht der einzige Justin, der den Weg von Detroit in die AL West fand, denn auch die Los Angeles Angels (72-68) haben aufgerüstet, indem sie für Outfielder Justin Upton tradeten. Damit senden sie ein klares Signal, dass sie in die Playoffs wollen. Einfach wird das nicht, denn es ist dazu zwar nur ein halbes Spiel auf die Twins aufzuholen, aber mit Kansas City, Baltimore und den Texas Rangers (70-69) gibt es noch reichlich weitere Konkurren und der restliche Spielplan sieht anstrengend aus: In 22 ausstehenden Spielen geht es sechsmal gegen die Astros, dreimal gegen die Rangers, dreimal gegen die Indians – und sechsmal gegen die Seattle Mariners (69-71), die sich ebenfalls noch nicht ganz aufgegeben haben.

Szene der Woche
Die Cleveland Indians sind zurzeit unglaublich gut, aber ab und zu gehört auch ein bisschen Glück dazu. Third Baseman Jose Ramirez hatte am Sonntag im Spiel gegen die Detroit Tigers (11:1) gleich zweimal unverschämtes Glück: Zuerst war es im ersten Inning Detroits Mikie Mahtook, der einem Flyball von Ramirez mit bloßer Hand versehentlich den entscheidenden Schub über den Zaun zum Homerun gab. Das wäre schon kurios genug, aber im sechsten Inning schlug Ramirez seinen zweiten Homerun und wieder kam dieser nicht ganz ohne helfende Hand des Gegners aus, dieses Mal von Alex Presley. Jose Ramirez kam durch die freundliche Unterstützung übrigens nicht nur zu zwei Homeruns sondern stellte sogar einen MLB-Rekord ein, da er in dem Spiel außerdem drei Doubles erzielte und es somit auf fünf Extra-Base-Hits in fünf At-Bats brachte.

Statistik der Woche 
14. So viele Siege haben die Cleveland Indians hintereinander gewonnen. Das haben sie zum zweiten Mal in ihrer Geschichte geschafft und weil das erste Mal erst vor einem Jahr gewesen ist, sind sie sogar das erste Team seit den Chicago Cubs von 1936, das zwei Jahre hintereinander Siegesserien von 14 Spielen geschafft hat. Noch nie 14 Spiele am Stück gewonnen haben die Arizona Diamondbacks, aber das kann sich schon morgen ändern, wenn sie im Heimspiel gegen die San Diego Padres den vierzehnten Sieg hintereinander in Angriff nehmen. Und noch eine 14: Angels-Star Mike Trout hatte letzte Nacht gegen die Oakland Athletics sein vierzehntes Spiel in Folge mit mindestens einem Walk.

Spiel der Woche
Endlich gab es mal wieder ein richtiges Marathonspiel, mit 19 Innings das längste der bisherigen Saison: Volle sechs Stunden mussten sich die Zuschauer, die den Ausgang des Duelles zwischen den Boston Red Sox und den Toronto Blue Jays Dienstagnacht erleben wollten – es war nur eine Minderheit der ursprünglich 33.000 – bis zum fünften und entscheidenden Run der Partie gedulden. Die Blue Jays hatten ihren Teil des Scorings nach sechs Innings abgeschlossen, zu dem Zeitpunkt lagen sie 2:0 vorne und ruhten sich auf einem starken Auftritt ihres Starters Marco Estrada aus. Das ging lange gut, doch im neunten Inning schusterten die Red Sox dann doch noch mühsam in Form von zwei Fielder’s-Choice-RBIs den Ausgleich zusammen und schickten das Spiel in die Verlängerung. 19 verschiedene Pitcher, davon 12 auf Seiten Bostons, kamen zum Einsatz, bevor das Spiel nach ebenso vielen Innings durch einen Walk-Off-Single von Hanley Ramirez zu Gunsten der Red Sox entschieden wurde. Acht Innings zuvor wäre das Spiel um ein Haar an Toronto gegangen, doch ein unglaublicher Wurf von Jackie Bradley Jr. aus dem Centerfield verwandelte Justin Smoaks vermeintlichen Sacrifice Fly in ein Aus an der Homeplate gegen Jose Bautista.

Spiel der kommenden Woche
Die Los Angeles Dodgers und die Colorado Rockies haben beide ein hervorragendes Jahr, machen aber jeweils gerade eine schwierige Phase durch. Heute Abend, besser gesagt morgen früh (4:10 Uhr europäischer Zeit) treffen die beiden zum ersten Spiel einer Vierer-Serie aufeinander, von der sich beide erhoffen, den derzeitigen Abwärtstrend stoppen zu können. Die Dodgers haben ein gewichtiges Argument für sich, nämlich Clayton Kershaw (1.95 ERA, 2.84 FIP). Der Star-Pitcher kehrte letzten Freitag aus seiner Verletzungspause zurück und bescherte den Dodgers prompt mit einem dominanten Auftritt beim 1:0 gegen die Padres ihren einzigen Sieg in den vergangenen zwei Wochen. Die Rockies bieten gegen ihn Jon Gray (4.26 ERA, 3.47 FIP) auf. Falls ihr Frühaufsteher oder von Schlafstörungen geplagt seid, schaltet doch einfach mal rein.

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August 17th, 2017 by Dominik

Die Dodgers, die Nationals, die Red Sox und die Astros marschieren, Spannung bieten in erster Linie die Central-Divisionen – soweit gibt es nichts Neues in der MLB. Aber eines schon: Das Wild-Card-Rennen in der National League erweckt gerade den Eindruck, dass es vielleicht doch noch nicht entschieden ist. Die Rockies und die Diamondbacks mussten zuletzt ein paar Federn lassen und plötzlich sind die Brewers und die Cardinals nur noch vier bis fünf Spiele entfernt von der Hintertür in die Playoffs.

American League
In der Parallelliga wird eine der beiden Wild Cards relativ sicher in die American League East an die New York Yankees (64-55) gehen. Das Tabellenbild der Division hat sich deutlich entzerrt, indem die Boston Red Sox (69-51) die Serie gegen die Yankees gewonnen haben. Gleichzeitig haben die Yankees sich mit bislang drei Siegen in der Subway-Series gegen die Mets weiter von den Tampa Bay Rays (60-62) und den Baltimore Orioles (59-62) absetzen können, bei denen es zurzeit nicht so gut läuft.

Eine ähnliche Entzerrung der Spitze ist auch in der AL Central zu beobachten. Die Cleveland Indians (65-52) reiten gerade eine Serie von fünf Siegen. Dadurch haben sie sich bereits ein Stück weit sowohl von den zwischenzeitlich gefährlich nahen Kansas City Royals (61-59) als auch von den immer noch überraschend guten Minnesota Twins (59-58) abgesetzt. Nun wird es die nächsten Tage darum gehen, ob die Indians frühzeitig den Sack zumachen können – heute noch zweimal gegen die Twins, am Wochenende dann dreimal gegen die Royals (siehe „Spiel der kommenden Woche“).

Die Houston Astros (74-46) hatten in der ersten Augusthälfte eine Durststrecke mit nur drei Siegen bei zehn Niederlagen. Ihre herausgehobene Position in der AL West brachte das nicht in Gefahr, aber natürlich macht man sich im Hinblick auf die Playoffs Sorgen, wenn sich reihenweise Pitcher verletzen und die bislang explosivste Offense der Liga plötzlich nicht mehr klickt. Das erste Thema könnte noch Gegenstand eines Trades werden – Justin Verlander? -, das zweite hat sich nach den zwei Siegen über Arizona mit je neun erzielten Runs vielleicht schon erledigt. Hinter den Astros ist das Wetteifern um Platz zwei und vor allem um eine Wild Card in vollem Gange. Die Los Angeles Angels (62-59) haben momentan knapp die Nase vorn, aber auch für die jeweils schon mehrfach tot gesagten Seattle Mariners (61-61) und Texas Rangers (60-59) ist noch alles drin. Richtungsweisend könnte die Vier-Spiele-Serie der Rangers bei den Angels werden, die nächste Woche von Montag bis Donnerstag läuft.

National League
Der National League East muss niemand mehr eine Richtung weisen, für die Washington Nationals (71-47) geht der Blick längst in Richtung Playoffs und besonders dahin, Bryce Harper bis zu selbigen wieder fit zu bekommen. Dahinter haben sich die Miami Marlins (58-61) dank des unglaublich gut aufgelegten Giancarlo Stanton (siehe Statistik der Woche) etwas absetzen können im wohl uninteressantesten Rennen um Platz zwei, das jemals in einer Division geführt wurde. Na gut, sagen wir jemals seit Einführung der Wild Cards.

Wie eingangs schon bemerkt, macht sich Hoffnung breit in der NL Central – nicht nur die Hoffnung, die Division zu gewinnen, welche die Chicago Cubs (63-56), die Milwaukee Brewers (63-59) und die St. Louis Cardinals (61-59) schon seit einer Weile teilen; sondern auch die Hoffnung, eine Wild Card in die Division zu holen, denn der Abstand zu den Colorado Rockies und den Arizona Diamondbacks ist diese Woche deutlich kleiner geworden. Passenderweise treten die Brewers in den kommenden Tagen zu einer Drei-Spiele-Serie gegen die Rockies an.

Dass die Los Angeles Dodgers (85-34) dieses Jahr unfassbar gut sind, ist wohl niemandem entgangen, das lasse ich heute einfach mal so stehen. Interessant ist, was sich in der NL West dahinter tut. Sowohl die Colorado Rockies (67-53) als auch die Arizona Diamondbacks (66-54) haben in den letzten zwei Wochen mehr Spiele verloren als gewonnen und das – insbesondere im Fall der Rockies – nicht nur gegen die Top-Teams der Liga. So sehr mich die bisher erfolgreiche Saison dieser beiden Teams erfreut hat und immer noch erfreut, genauso sehr freut es mich aber auch, wenn nun ein bisschen Spannung einkehrt, wo lange keine da zu sein schien.

Szene der Woche
Die meisten Schlagzeilen machte diese Woche eine hässliche Verletzungsszene: Bryce Harper, Washingtons Star-Outfielder, rutschte bei einem verregneten Spiel der Nationals gegen die San Francisco Giants unglücklich auf der ersten Base aus und verdrehte sich dabei das Knie. Erfreulicherweise stellte sich heraus, dass Harper wohl Glück im Unglück hatte: Statt des befürchteten Kreuzbandrisses zeigte sich bei den Untersuchungen nur eine starke Prellung des Gelenks und die Chancen stehen gut, dass Harper noch vor Saisonende wieder fit wird. Damit es nicht die hässliche Szene ist, die hängen bleibt, hier noch eine Feel-Good-Story: Chad Bettis, Pitcher bei den Colorado Rockies, kam am Montag zu seinem ersten Einsatz nach rund neun Monaten Pause wegen einer Krebserkrankung. Er überstand OPs, Chemotherapie und alles, was dazu gehört – und stand nun gegen die Braves sieben Innings auf dem Mound, ohne einen Run zuzulassen. Schön, dass er wieder da und offensichtlich topfit ist.

Statistik der Woche 
44. So viele Homeruns hat Giancarlo Stanton dieses Jahr schon geschlagen. Das sind zurzeit die meisten in der Liga und es ist bereits jetzt ein Teamrekord für die Miami Marlins. Besonders bemerkenswert ist Stantons derzeitige Form: 11 Homeruns hat er in den letzten 13 Spielen erzielt, darunter eine Serie von 6 Spielen mit Homerun hintereinander, die erst gestern Abend beim 8:1 gegen die San Francisco Giants abriss.

Spiel der Woche
Die Rivalität der Red Sox und der Yankees erlebt dieses Jahr eine Renaissance. Das liegt zum einen am Tabellenstand in der AL East und zum anderen an Duellen wie dem von Sonntagnacht – dem Rubbergame der Serie, nachdem jeder eine der beiden vorherigen Partien gewonnen hatte. Es war von Anfang an ein ganz enges Spiel, in dem beide Starter – Jordan Montgomery für die Yankees und Chris Sale für die Red Sox – eine starke Leistung zeigten und jeweils nur einen Run zuließen. Als den Yankees im achten Inning per Sacrifice Fly von Todd Frazier gegen Reliever Matt Barnes das 2:1 gelang und im neunten Inning Closer Aroldis Chapman zum Save antrat, freuten sich einige zu früh. Zum Beispiel dieser emotionale Yankees-Fan, der sich selbst filmte, während Rafael Devers den Homerun zum 2:2 schlug. Bis dahin hatte Chapman zu 387 Linkshändern hintereinander gepitcht, ohne einem von ihnen einen Homerun zu erlauben. Im folgenden Extra-Inning traf Chapman mit dem Ball einen weiteren Linkshänder, Jackie Bradley Jr., welcher schließlich bei einem Single von Andrew Benintendi das entscheidende 3:2 für die Red Sox erzielte. Zu dem Zeitpunkt hatte Chapman schon Platz machen müssen für Tommy Kahnle, der Run ging aber offiziell noch auf Chapmans Kappe.

Spiel der kommenden Woche
Die Yankees und die Red Sox treffen am Wochenende schon wieder aufeinander, dieses Mal im Fenway Park in Boston. Ich freue mich drauf und werde bestimmt reinschauen, aber es wäre ja langweilig, immer nur diesen beiden Teams den Einschalttipp zu widmen. Daher empfehle ich an dieser Stelle ein anderes interessantes Matchup und zwar die Cleveland Indians gegen die Kansas City Royals. Ein klares Ergebnis in dieser Serie kann determinieren, ob die AL Central bald zugunsten der Indians entschieden ist oder aber bis zum Schluss spannend bleibt. Falls ihr ohnehin nicht viel von Schlaf haltet, dann schaut Freitagnacht Corey Kluber bei der Arbeit zu, andernfalls empfiehlt sich das Spiel am Sonntagabend.

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August 10th, 2017 by Dominik

Rund 50 Spiele hat jedes MLB-Team noch zu absolvieren in diesem Jahr. Das sind mehr Partien als in den meisten anderen Sportarten in einem ganzen Jahr gespielt werden, in der MLB aber nicht mal ein Drittel der Saison. Ungefähr die Hälfte der für die Playoffs relevanten Entscheidungen ist so gut wie gefallen – die NL East sowie die beiden West-Divisionen sind entschieden, die Wild-Card-Plätze in der NL quasi sicher vergeben. Aber zum Glück gibt es ja noch die andere Hälte der Divisionen sowie die Wild Cards der AL, um die allesamt noch lange gerangelt werden wird, vielleicht bis zum letzten Spieltag. Und wenn nicht, dann lässt man sich eben durch die vielen netten Geschichten am Rande unterhalten: von kuriosen Spielverläufen, von verblüffenden Statistiken oder von MLB-Stars, die sich mit Drachen anlegen. Das alles und noch viel mehr gibt es heute im Grand Slam am Donnerstag.

National League
Um eine Steigerungsmöglichkeit zu wahren, fangen wir an mit der langweiligsten Division im Baseball, der National League East. Die Washington Nationals (67-45) dominieren souverän und fliegen doch ein wenig unter dem Radar, was die Gesamtbetrachtung der Liga angeht: Den Divisionssieg haben sie längst in der Tasche, weil Konkurrenz darum nicht existent ist, mit den ganz Großen – also den Dodgers und den Astros – können sie aber mit ihrer bisherigen Bilanz nicht mithalten. Ich muss es hier mal sagen, so leid es mir tut: Die Teamführung der Nationals leistet sehr gute Arbeit. Ohne viel Rampenlicht und ohne viel dafür abzugeben, wurde zur Trade-Deadline die bisherige Schwachstelle ausgemerzt, indem das Relief Pitching mit Ryan Madson, Sean Doolittle und Brandon Kintzler aufgerüstet wurde. Ganz anders hingegen meine New York Mets (50-61): Sie haben mit OF Jay Bruce (nach Cleveland) gestern den dritten Top-Spieler nach RP Addison Reed (nach Boston) und 1B Lucas Duda (nach Tampa Bay) abgegeben. Das wäre prinzipiell völlig in Ordnung und sinnvoll, wenn sie nur ein bisschen mehr dafür herausgeholt hätten als fünf unter ferner liefen einzustufende Minor-League-Reliever…

Deutlich mehr Spaß als der Blick auf die NL East macht der auf die NL Central. Das bisherige Führungsduo schwächelte in den letzten Tagen: Die Chicago Cubs (59-54) verloren zweimal gegen die San Francisco Giants, die Milwaukee Brewers (59-57) unterlagen gegen die Tampa Bay Rays und die San Francisco Giants viermal in Folge. Lachender Dritter sind die St. Louis Cardinals (58-56), die mit fünf Siegen hintereinander zu den beiden anderen aufgeschlossen haben, sodass nun alle drei nahezu gleichauf liegen. Auch die Pittsburgh Pirates (56-58), die seit letzten Donnerstag fünf von sieben Spielen gewonnen haben, könnten zumindest theoretisch noch ins Geschehen an der Spitze eingreifen. Die NL Central ist dieses Jahr sicher nicht die hochkarätigste, aber wohl die spannendste Division der MLB.

Das krasse Gegenteil davon ist die NL West. Hochkarätig? Aber hallo – mit den unglaublichen Los Angeles Dodgers (80-33) an der Spitze und dahinter den Colorado Rockies (65-48) und den Arizona Diamondbacks (64-49), die in jeder anderen Division um Platz eins mitspielen würden. Spannend? Leider nein – die Dodgers haben inzwischen fünfzehneinhalb Spiele Vorsprung und den beiden anderen sind die Wild Cards der NL so gut wie sicher. Die einzige Frage, die im Hinblick auf die Playoffs noch zu beantwoten ist, ist die nach dem Heimrecht im Wild-Card-Spiel. Wenigstens dieses Rennen ist noch spannend zwischen den Rockies und den Diamondbacks.

American League
In der American League East herrscht ein bisschen Showdown-Stimmung: Die Boston Red Sox (65-49) haben zuletzt acht Partien in Folge gewonnen und dabei den Abstand auf die New York Yankees (60-52) auf vier Spiele ausgebaut. An den beiden kommenden Wochenenden kann sich in dieser Division eine Vorentscheidung ergeben, denn die Red Sox und die Yankees treffen sich zu sechs direkten Duellen – diese Woche in New York, nächste Woche in Boston. Wenn die Red Sox aus diesen beiden Serien als deutlicher Sieger hervorgehen, dürften sie so gut wie durch sein. Die Yankees müssen übrigens dazwischen viermal gegen die Mets spielen – mit denen ist zwar zurzeit nicht viel los, aber umso motivierter dürften sie in die Stadtderbys gehen. Die Tampa Bay Rays (58-57) laufen immer Gefahr, im Windschatten der Red Sox und Yankees übersehen zu werden. Dabei spielen sie nach wie vor eine konstant solide Saison und in der ausgeglichenen AL könnte das am Ende durchaus für einen Wild-Card-Platz reichen.

Die AL Central wird angeführt vom nächsten Gegner der Rays, den Cleveland Indians (60-51). Die haben allerdings drei der letzten vier Spiele verloren und können froh sein, dass die Kansas City Royals (57-56) es ihnen gleich getan und somit nichts am Abstand von vier Spielen geändert haben. Anders als die Royals haben die Minnesota Twins (56-56) die Gunst der Stunde genutzt und sich mit fünf Siegen aus den letzten sechs Spielen zurück in die Spitzengruppe gespielt, aus der ich sie schon abgeschrieben hatte. Mit drei Homeruns, fünf RBIs und drei Walks in diesen Spielen hatte „unser“ Major Leaguer Max Kepler einen ordentlichen Anteil an den Erfolgen. Minnesota steht nun viereinhalb Spiele hinter Cleveland und nur eineinhalb Spiele hinter der zweiten Wild Card.

Diese Wild Card belegen momentan die Seattle Mariners (59-56). Die Mariners haben sich nach einem enttäuschenden Saisonstart beständig hochgearbeitet und weisen seit 1. Juni eine Bilanz von 34-27 auf. In der AL West gibt es für sie zwar mit Sicherheit kein Vorbeikommen an den Houston Astros (71-42), auch wenn diese momentan etwas schwächeln und gerade eine Serie gegen die Chicago White Sox verlieren. Aber nach dem schwachen Beginn überhaupt in die Playoffs zu kommen, wäre schon ein toller Erfolg für die Mariners. Doch noch ist es ein weiter Weg, denn um die eine Wild Card (die andere wird wohl an die Yankees gehen) balgen sich mit den Mariners noch die Rays, die Royals, die Twins, die Orioles sowie in der eigenen Division die Los Angeles Angels (57-58). Die Angels sind übrigens ab heute zu einer Vier-Spiele-Serie zu Gast in Seattle.

Szene der Woche
Ich habe offen gestanden massiv damit geliebäugelt, den Cameo-Auftritt von Mets-Pitcher Noah Syndergaard bei Game of Thrones zur Szene der Woche zu erklären. Es war dann aber doch nicht so großartig wie erhofft, meinen Lieblingsspieler in meiner Lieblingsserie zu sehen. Zum einen war sein Auftauchen so kurz, dass man quasi mit Lupe und Standbild danach suchen musste. Zum anderen ließ die Leistung aus sportlicher Sicht zu wünschen übrig: He hit the first opponent he faced and then he got burned badly. (Sorry, das Wortspiel funktioniert nur auf Englisch.) Daher wähle ich dann doch die konservativere Variante und bestimme den Walk-Off-Homerun von Steven Souza Jr. zur Szene der Woche. Das Besondere daran ist, dass dieser Hit die längste Phase eines MLB-Teams ohne einen Walk-Off-Homerun beendete. Seit 22. Mai 2014 hatten die Tampa Bay Rays keinen solchen mehr erzielt, bis Souza Jr. am Sonntag mit seiner Aktion den 2:1-Sieg über die Milwaukee Brewers sicherte.

Statistik der Woche 
26. So alt ist Mike Trout seit Montag, was an sich noch keine bemerkenswerte Zahl ist. Aber wie wäre es mit diesen hier: Es war bereits das vierte Mal, dass Trout an seinem Geburtstag einen Homerun erzielte. Ausgerechnet an seinem Geburtstag gelang ihm auch sein 1000. Hit in der MLB. Währenddessen schlug Bryce Harper den 150. Homerun seiner Karriere – im auf den Tag genau gleichen Alter von 24 Jahren und 295 Tagen, in dem auch Trout seinen 150. Homerun erzielte. Und das ausgerechnet an dessen Geburtstag.

Spiel der Woche
Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Chicago Cubs und die Arizona Diamondbacks sich dieses Jahr in den Playoffs begegnen. Falls es dazu kommen sollte, werden es hoffentlich wieder Spiele wie das am vergangenen Donnerstag. In einer geradezu epischen Regenschlacht machte Arizonas Paul Goldschmidt den Unterschied, indem er nach jeder Regenpause einen Homerun erzielte. Der erste trug dazu bei, die Diamondbacks im ersten Inning mit 4:0 in Front zu bringen. Der zweite baute die Führung im fünften Durchgang auf 6:1 aus. Nachdem die Cubs die Partie zwischenzeitlich auf 6:7 gedreht hatten und es nach acht Innings 8:8 stand, war es gegen Cubs-Closer Wade Davis Goldschmidts dritter Blast, der Arizona endgültig auf den Weg zum 10:8-Sieg brachte.

Spiel der kommenden Woche
In den kommenden Tagen sollte man sich das eine oder andere Spiel der Boston Red Sox anschauen – zum einen, weil sie mit ihrer aktuellen Acht-Siege-Serie das sind, was man im US-Sport „red hot“ nennt, zum anderen weil ihr Spielplan für die nächsten zwei Wochen ausnahmsls hochkarätige Begegnungen vorsieht: sechsmal gegen die Yankees, fünfmal gegen die Indians und zweimal gegen die Cardinals. Mein konkreter Einschalttipp ist die Partie gegen die Yankees am Samstag mit einem interessanten Pitcherduell zwischen Luis Severino (2.91 ERA, 2.91 FIP) und Drew Pomeranz (3.36 ERA, 3.69 FIP) und einer bequemen Startzeit von 22:05 Uhr mitteleuropäischer Zeit.

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August 3rd, 2017 by Dominik

Zum zweiten und vorerst letzten Mal gibt es den Grand Slam am Donnerstag in der etwas kürzeren Urlaubsversion. Ab nächster Woche läuft auf dem Baseblog wieder alles wie gewohnt.

Leider komme ich nicht dazu, mich ausführlich mit den interessanten Entwicklungen zur am vergangenen Montag erreichten Deadline für No-Waiver-Trades auseinanderzusetzen. Pitching stand dieses Jahr definitiv im Mittelpunkt der Trades: Vor allem die Los Angeles Dodgers mit Yu Darvish und die New York Yankees mit Sonny Gray und Jaime Garcia haben noch mal ordentlich nachgelegt. Für eine ausgiebige deutschsprachige Auseinandersetzung mit den Deadline-Trades lege ich einmal mehr meinen Lieblingspodcast Just Baseball ans Herz, insbesondere die Aufzeichnung der Livesendung vom Montag.

American League
Die American League East ist etwas enger zusammengerückt. Das gilt sowohl für die Spitze, an der die Boston Red Sox (59-49) nach sechs Niederlagen aus den letzten zehn Partien nur noch zwei Nachholspiele von den New York Yankees (57-49) trennen, als auch für den hinteren Tabellenbereich. Dort haben die Baltimore Orioles (53-54) und die Toronto Blue Jays (51-57) jeweils sieben der letzten zehn Spiele gewonnen und wahren damit ihre Chancen auf einen Wild-Card-Platz.

In der AL Central sind sich die Cleveland Indians (57-48) und die Kansas City Royals (55-51) erstaunlich einig: Zuerst haben die Kontrahenten parallele Siegesserien hingelegt, jetzt haben sie beide drei Spiele in Folge verloren. Die Minnesota Twins (51-54) sind inzwischen schon sechs Spiele hinter die Indians zurückgefallen.

Die Houston Astros (69-38) bleiben in der AL West natürlich unangefochten, interessant ist aber die Entwicklung der Seattle Mariners (55-54), die inzwischen bei einer positiven Bilanz und nur noch eineinhalb Spiele hinter den Wild-Card-Plätzen liegen.

National League
Die Washington Nationals (63-43) haben gerade zweimal gegen die Miami Marlins (51-55) verloren, aber wen interessiert’s? Die National League East ist lange schon entschieden.

Ganz anders die NL Central, in der es zwischen den wiedererstarkten und favorisierten Chicago Cubs (57-49) und den Milwaukee Brewers (56-53) nach wie vor recht eng zugeht. Die direkte Serie am vergangenen Wochenende endete mit einem 2-1 für die Cubs in drei spannenden, knappen Spielen.

Die NL West ist natürlich weiterhin fest in der Hand der Los Angeles Dodgers (75-31), die schon vor den jüngsten Trades das beste Team der MLB waren und sich nun weiter verstärkt haben. Vor der Niederlage gegen die Braves letzte Nacht hatten die Dodgers wieder mal neun Spiele in Folge gewonnen. Sie stehen nun vierzehn bzw. vierzehneinhalb Spiele vor den Arizona Diamondbacks (61-46) und den Colorado Rockies (61-47), die ihrerseits nach wie vor die Wild Cards der AL fest im Griff haben.

Szene der Woche
Ich hatte leider die ganze Woche keinen vernünftigen Internetempfang, aber zwei besondere Szenen sind dann doch zu mir durchgedrungen: zum einen der Zahnverlust von Yankee Aaron Judge während eines Walk-Off-Jubels, zum anderen der unglaubliche Catch von Indian Austin Jackson.

Statistik der Woche 
3002. So viele Hits hat 3B Adrian Beltre von den Texas Rangers in seiner MLB-Karriere bislang erzielt. Er ist seit Sonntag der 31. Spieler im elitären Club derjenigen Spieler, die mehr als 3000 Hits gesammelt haben – und unter diesen der einzige noch aktive neben Ichiro Suzuki.

Spiel der Woche
Mit meinem Einschalttipp aus der Vorwoche lag ich tatsächlich richtig, auch wenn es nicht das erwartete hochklassige Pitcherduell wurde: Sowohl Carlos Carrasco für die Cleveland Indians als auch Chris Sale für die Boston Red Sox hatten Dienstagnacht ungewohnt schwache Starts und ließen haufenweise Runs zu, zudem hatten auch die Star-Reliever Andrew Miller (Cleveland) und Craig Kimbrel (Boston) Probleme. Dreimal gingen die Indians in Führung, teilweise deutlich. Austin Jackson (siehe „Szene der Woche“) schien ihnen den Sieg zu retten, doch am Ende hieß es dann doch 10:12 zu Gunsten der Red Sox durch einen 3-Run-Walk-Off-Homerun von Christian Vazquez.

Spiel der kommenden Woche
Der Wechsel von Starting Pitcher Yu Darvish zu den Los Angeles Dodgers war die wohl größte Meldung zur Trade-Deadline, nun will man ihn natürlich auch mal im neuen Trikot in Aktion sehen. Die erste Gelegenheit dazu gibt es voraussichtlich Freitagnacht ab 1:10 Uhr mitteleuropäischer Zeit, wenn die Dodgers zu Gast im Citi Field bei den New York Mets sind. Gegen Jacob deGrom (3.29 ERA, 3.57 FIP) hat Darvish (4.01 ERA, 3.99 FIP) ein schweres Matchup zu erwarten.

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